Den TEE Pe EEE A De ae Sachen nn THE LIBRARY BRIGHAM YOUNG UNIVERSITY PROVO, UTAH RER er a 7 £ et et 7; > Be, = ee BASLER CHRONIKEN Ei: HERAUSGEGEBEN VON DER HISTORISCHEN GESELLSCHAFT IN BASEL ERSTER BAND HERAUSGEGEBEN DURCH WILHELM VISCHER unp ALFRED STERN. UNTER MITWIRKUNG voN Mor1z Heyne. AAnNNMNmNnnNnNnNnnanNnden an annneN LEIPZIG VERLAG VON S. HIRZEL. 1372. mi; THE LIBRARY BRIGHAM. YOUNG UNIVERSITX PROVO, UTAH nr Br ur EEE BÜRGERMEISTER UND RATH BASEL-STADT IN EHRERBIETUNG ZUGEEIGNET. Br We ERNERNT, Vorrede. Basel besitzt, wie es bei einer Stadt von seiner Bedeu- tung zu erwarten ist, aus der Zeit, die wir als die eigentliche Zeit der Städtechroniken bezeichnen können, d. h. aus den ‘Jahrhunderten, in denen sich der Uebergang vom Mittelalter zur Neuzeit vollzieht, eine ganze Anzahl von Aufzeichnungen über seine Geschichte. Zu einem Werke, das eine zusammen- hängende Darstellung derselben von den Anfängen der Stadt bis auf die Zeit des Schreibers anstrebt, wie die Nachbarstädte Strassburg und Bern deren schon zu Ende des 14. und zu Anfang des 15. Jahrhunderts aufzuweisen haben, ist es freilich erst am Schlusse dieser Periode gelangt, erst in Folge des neuen Anstosses, den die historischen Studien im Reformations- zeitalter erhielten. Damals hat Christian Wurstisen es unter- nommen, ein solches zu liefern in der im Jahre 1580 gedruck- ten » Baszler Chronick «, die als ein Product fleissigen Sammelns und gewissenhafter Forschung bis auf den heutigen Tag ein wohlverdientes Ansehn geniesst. Was uns aus früherer Zeit erhalten ist, beschränkt sich auf die Darstellung einzelner Zeit- abschnitte oder einzelner hervorragender Begebenheiten, auf die Schilderung der Geschichte einzelner Anstalten, wie eines Klosters, auf Berichte über persönliche Erlebnisse, tagebuch- artige Aufzeichnungen über die Zeitbegebenheiten, durch welche der Niederschreibende mehr oder weniger unmittelbar berührt wurde, und wo etwa aus dem Gresammtgebiete der städtischen Geschichte Nachrichten über einen längern Zeitraum zusam- mengestellt sind, geschieht es in unzusammenhängender, rein compilatorischer Weise. vi Vorrede. Von diesen Aufzeichnungen, unter denen sich des Werth- vollen viel findet, und die zum Theil auch von Spätern schon vielfach benutzt worden sind, ist noch sehr wenig veröffent- licht worden, und dies Wenige ganz zerstreut und oft sehr ungenügend. Eine Sammlung und kritische Herausgabe der- selben erscheint als ein dringendes Bedürfniss, und die histo- rische Gesellschaft in Basel hat es als ihre Pflicht erkannt, diesem Bedürfnisse zu entsprechen. Es sind freilich schon verschiedene Unternehmungen begonnen worden, die sich über kurz oder lang auch auf unsre »Basler Chroniken«, so wollen wir alle diese Aufzeichnungen kurzweg nennen, oder wenig- stens auf einen Theil derselben erstrecken könnten: die schwei- zerische geschichtsforschende Gesellschaft, die schon mehrere schweizerische Chroniken oder Chroniken, die für die Ge- schichte der Schweiz von besonderer Wichtigkeit sind, her- ausgegeben hat, beabsichtigt diese 'Thätigkeit auch fernerhin fortzusetzen, und von der Münchener historischen Commission ist bekanntlich die Herausgabe der Chroniken der sämmtlichen deutschen Städte an die Hand genommen worden und wird mit erfolgreicher 'Thätigkeit betrieben; allein wir hielten es für eine Ehrensache, uns nicht damit zu trösten und zu warten, bis jene einmal dazu kommen würden, sich mit unsern Chroniken zu beschäftigen, und wir fürchten auch nicht, dass sie unsre Arbeit etwa als einen Eingriff in ihr Gebiet übel vermerken werden. Die schweizerische geschichtsforschende Gesellschaft strebt keine abgeschlossene Sammlung von irgend welcher Voll- ständigkeit an; die historische Commission aber hat für ihre Chronikensammlung, abgesehen davon, dass dieselbe vorzugs- weise deutschgeschriebene Chroniken enthalten soll und z. B. von den drei lateinischen des vorliegenden Bandes wenigstens die beiden ersten sicher nicht aufgenommen hätte, ein so weites Feld, dass ıhr nur lieb sein kann, wenn ein Theil desselben von anderer Hand in Angriff genommen wird, und sie wird unser Unternehmen gewiss mit Freuden begrüssen, um so mehr, als wir in der Einrichtung und Ausführung desselben bemüht gewesen sind, uns soviel als möglich dem von ihr eingeschla- genen Verfahren anzuschliessen. Der vorliegende erste Band, über dessen einzelne Bestand- theile in den Einleitungen zu denselben des ausführlicheren Vorrede. vII berichtet wird, enthält ein reiches Material für die Geschichte der Reformation in Basel und für die Kenntniss der ihr vor- angegangenen kirchlichen Zustände, Berichte von evangelischer sowohl als von altgläubiger Seite. Er bildet somit ein Seiten- . stück zu zwei kürzlich von anderer Seite erschienenen Publi- cationen, den von dem historischen Verein ın St. Gallen her- ausgegebenen Sabbata Kesslers (St. Gallen 1866. 1868) und dem ersten Bande des Archivs für die schweizerische Refor- mationsgeschichte, herausgegeben auf Veranstaltung des schwei- zerischen Piusvereins (Solothurn 1868). Dass unsre Sammlung gerade mit diesen Stücken eröffnet wird, hat einen zufälligen Grund: die Verhandlungen mit Herrn Dr. Stern über die Herausgabe der in COarlsruhe befindlichen » Aufzeichnungen « (s. Seite 435) gaben den Anstoss, den Plan einer Herausgabe von Basler Chroniken ins Werk zu setzen. Die Gesellschaft übertrug die Besorgung derselben einem Ausschusse, bestehend aus den Herren Conrector Dr. Fechter, Dr. Hans Frey, Professor Andreas Heusler, Dr. Rud. Liechtenhan, an dessen Stelle später Herr Professor M. Heyne trat, Dr. J. J. Merian und dem Unterzeichneten, der die unmittelbare Lei- tung der Arbeiten übernahm. Es wurde beschlossen, zunächst mit jenen Aufzeichnungen auch die übrigen Karthäuser Chro- niken herauszugeben und als Ergänzung dazu die von streng evangelischem Standpunkt abgefasste sogenannte Chronik des Fridolin Ryff. — Für die übrigen Bände haben wir einstweilen folgende Stücke in bestimmte Aussicht genommen: Die in dem Bande E. VI. 26 der Basler Universitätsbibliothek ım Anschluss an eine Weltchronik enthaltenen Aufzeichnungen über Basler Geschichte, zum grösten Theil um die Mitte des 15. Jahr- hunderts von Erhard von Appenweiher, Kaplan am Münster, niedergeschrieben (vgl. Wackernagel: die altdeutschen Handschriften der Basler Universitätsbibliothek (Basel 1835) 30 ff., die Schlacht bei St. Jacob in den Berichten der Zeitgenossen, Säcularschrift der historischen Gesellschaft zu Basel (Basel 1844) 10 ff.); des Hans Sperrer, genannt Brüg- linger, Meisters der Brotbeckenzunft, Bericht über den St. Jacober Krieg, beendet am 12. Dezember 1446 (schon einmal herausgegeben im Schweizerischen Geschichtsforscher XU, 1—28, zu einem kleinen Theil auch in der genannten Säcular- vIu Vorre de r schrift 5 ff.) ; die Denkwürdigkeiten des Henmann Offenburg, den Zeitraum von 1413—1445 umfassend (ebenfalls abgedruckt im Schweizerischen Geschichtsforscher XII, 33— 98, einige Auszüge daraus Schlacht bei St. Jacob 18 ff.); die Röt- teler und Basler Zusätze zu Königshoven (s. Chroniken der deutschen Städte 8, 208 f.), zum Theil schon abgedruckt in Mone’s Quellensammlung der badischen Landesgeschichte I, 280 ff. (s. jedoch das Chroniken d. d. St. a. a. ©. Be- merkte); eine im Anschluss an Etterlin, gegen die Mitte des 16. Jahrhunderts niedergeschriebene Chronik, die aber auch über frühere Zeiten, namentlich über das 15. Jahrhundert aus gleichzeitigen Berichten werthvolle Mittheilungen giebt; wir haben die eine Handschrift derselben S. 212, 8 ff. erwähnt, die andere reichhaltigere, die unter dem Namen der Chronik des Heinrich von Beinheim bekannt ist, einem nicht ganz zutreffenden, weıl nur einen Theil ıhres Inhalts bezeichnenden Namen, befindet sich im Besitze des Berner Historikers Herrn Egb. Friedrich v. Mülinen, der uns in freundlichster Weise die Erlaubniss, sie zu benutzen, zugesagt hat. Sodann die lateinisch geschriebene Chronik ie Kaplans Johannes Knebel aus der Zeit der Burgunderkriege, die Karl Buxtorf in den Jahren 1851 und 1855 in deutscher Uebersetzung herausge- geben hat (s. Kopp in den Geschichtsblättern aus der Schweiz II, 263 ff.), und im Anschluss an sie die deutschen Aufzeichnungen, die wir von dem damaligen Basler Stadt- schreiber über die Burgunderkriege besitzen (s. ebendas. 264. 269); endlich das in den Auszügen des Johannes Tıy- phius erhaltene lateinische Tagebuch des Pfarrers Johannes Gast zu St. Martin aus den Jahren 1531—1552 (1856 eben- falls in deutscher Uebersetzung von Karl Buxtorf herausge- geben). Diesen Stücken behalten wir uns vor vielleicht noch einige andere beizufügen, über deren Aufnahme wir uns noch nicht endgültig entschieden haben; im ganzen soll die Samm- lung 4—5 Bände umfassen. Der Antheil der Mitarbeiter am ersten Bande an der Her- ausgabe desselben vertheilt sich in folgender Weise: Die sämmt- lichen Chroniken sind von Herrn Dr. Stern, früher Hilfsar- beiter am Grossherzoglich Badischen Generallandesarchiv, jetzt Privatdocenten in Göttingen, abgeschrieben, von mir sowohl 3% al Kal, Eu SA Vale u Vorrede. IX yon dem Druck, als bei der Correctur mit den Originalhand- schriften, insofern solche vorhanden waren, verglichen worden ; bei der Narratio, von der wir das Original nicht besitzen, habe ich auf Grund der Sternischen Abschrift mit genauer Verglei- chung der beiden Handschriften, nach welchen dieselbe ange- fertigt war, den für die Herausgabe bestimmten Text herge- stellt. Bei zweifelhaften Formen im Texte der deutschen Chroniken ist jedesmal der sachkundige Rath von Prof. Heyne eingeholt worden, dem wir auch das Glossar zu denselben ver- danken. Die Anmerkungen zu der ersten Chronik und ihrer Fortsetzung sind der Hauptsache nach das Werk des Herrn Stern, die zu den folgenden umgekehrt das meinige. Wo in jenen in der ersten Person der Einzahl geredet wird, ist Herr Dr. Stern, wo in diesen, der Unterzeichnete gemeint. Die Beilagen zur ersten Chronik sind mit Ausnahme der erst wäh- rend des Druckes von mir aufgefundenen siebenten von Dr. Stern ausgewählt, von mir mit Benutzung der von ihm für Nr I, IP, III und VI gemachten Abschriften und einiger von ihm herrührender Anmerkungen herausgegeben. Die Beilagen zu den Karthäuser Chroniken sind von mir sowohl ausgewählt als herausgegeben oder verfasst. Die Abschriften der in Nr. IIT, IV und IX enthaltenen Urkunden verdanke ich der Ge- fälligkeit des Herrn Dr. Hans Frey; auch sie sind von mir collationiert worden. Das Namenregister habe ich angefertigt, zu den Nachträgen hat mir, wie der Leser jeweilen betreffen- den Orts angegeben findet, Herr Dr. Stern eine Anzahl Be- merkungen geliefert. — Ursprünglich war dem Herrn Dr. Stern ein grösserer Antheil an der Herausgabe zugedacht, sie sollte der Hauptsache nach von ihm besorgt werden, während ich mich anheischig machte, wo seine Kenntnisse der localen Ver- hältnisse nicht ausreichten, und wo aus dem hier vorhandenen urkundlichen Material seine Behauptungen und Anmerkungen ergänzt werden konnten, auszuhelfen. Allein es stellte sich heraus, dass eine derartige Theilung der Arbeit nicht möglich war; auch äussere Umstände, eine wissenschaftliche Reise, die Herr Dr. Stern nach Beginn des Druckes sich zu machen ge- nöthigt sah, u. s. w. traten hinzu, so dass nach und nach mein Antheil an der Herausgabe sich mehr und mehr ver- grösserte. Die Anmerkungen zu der Chronik des Fridolin X Vorrede. Ryff sind von mir auf Grund des hiesigen urkundlichen Ma- terials revidiert und ergänzt worden (die betreffenden Ergän- zungen und Zusätze im Drucke von der ursprünglichen Arbeit Sterns auseinanderzuhalten, war nicht möglich, da beide oft in einem und demselben Satze verschmolzen sind), bei den ‚Karthäuser Chroniken dagegen, wo das Urkundenmaterial ein ausserordentlich reiches war), die Arbeit des Herrn Stern überdies auch noch nicht die von ihm beabsichtigte letzte Durchsicht erhalten hatte, ist wenig von derselben stehen ge- blieben, dagegen haben mir seine Anmerkungen für die Aus- arbeitung der meinigen manche erwünschte Winke, Citate u. dgl. geboten. Die Einleitungen zu den Karthäuser Chroniken sind alle von mir verfasst; die bereits gedruckte Einleitung des Herrn Dr. Stern zu der Chronik des Fridolin Ryff habe ich schliesslich auch noch durch eine von mir ausgearbeitete ersetzt. Herr Dr. Stern hatte bei Abfassung seiner Einleitung ohne weiteres angenommen, die unter dem Namen des Fri- dolin Ryff bekannte Chronik sei von diesem verfasst, indem er sich dabei den sämmtlichen Schriftstellern anschloss, die bis dahin die Chronik benutzt oder erwähnt haben?). Auch 1) S. hierüber die Einleitung zu denselben. Um jeder Verwirrung vorzubeugen, will ich hier bemerken, dass die Ausdrücke »öffentliche Bi- bliothek« und »Universitätsbibliothek« ein und dasselbe bedeuten. 2) Wir begegnen dieser Ansicht in Hans Jac. Leu’s helvetischem Le- xicon (1759), in den Athenae Rauricae (1778), in Hallers Bibliothek der Schweizergeschichte (1786). Auch Ochs führt in seiner Basler Geschichte unter den von ihm benutzten Quellen I, xıı »Fridolin Ryfs Chronik« an, indem er hinzufügt: »Fridolin Ryf war Rathsherr zur Zeit der Reforma- tion«, gerade wie es S. XI heisst: »Andreas Ryfs Chronik. Ryf war De- putat von 1595 bis 1603«, S. xIII: Gastii Tagebuch. Johann Gast war Prediger bey St. Martin« u.s. w., »Beinheims Chronik. Heinrich von Beinheim war Doktor in’den geistlichen Rechten« u. s. w., so dass nicht daran zu zweifeln ist, dass, als er die Stelle niederschrieb, er Fridolin Ryff für den Verfasser hielt. Im 5. und 6. Bande, wo er die Chronik häufig citiert, wird immer »Ryf« als der Verfasser genannt (Ryf sagt, Ryf schreibt, Ryf nennt, Ryf beruft sich u. s. w.). Sonderbarer Weise giebt er ihm aber an einigen Stellen (V, 550, 622) den Vornamen Peter, und dass er dabei nicht an den Professor Peter, den Fortsetzer der Chronik des Fri- dolin gedacht hat, geht aus der letztern Stelle hervor, wo es heisst: »schreibt Peter Ryff, Meister zu Webern«, was auf den Vater Fridolins gehen würde. — Die neuern Gelehrten, welche die Chronik benutzt, haben | Vorrede. xI ich folgte Anfangs dieser Annahme und habe noch in den Beilagen zur Chronik den Fridolin Ryff als den Verfasser ‚derselben erwähnt, aber gerade in Folge der Beschäftigung mit diesen Beilagen wurde mir die Sache zweifelhaft, und als ich sie näher zu untersuchen anfieng, mehr und mehr un- wahrscheinlich, bis ich zuletzt zu dem Ergebniss kam, dass Ryff der Verfasser nicht gewesen sein könne. Unter diesen Umständen konnte ich natürlich die bisherige Einleitung nicht stehen lassen, sondern sah mich genöthigt, sie durch eine andre zu ersetzen. Die Stellen in den Anmerkungen zum Texte der Chronik und in den Beilagen, ın denen von Fri- dolin Ryff als dem Verfasser die Rede ist, liessen sich frei- lich nicht mehr beseitigen, und ich muss den Leser bitten, sie selbst in Gedanken zu berichtigen. Der Umstand, dass der Band seine endgültige Gestalt erst nach und nach während des Druckes erhielt, konnte überhaupt nicht verfehlen, manche kleine Uebelstände mit sich zu füh- ren; einzelne Angaben in den Anmerkungen und Einleitungen mussten in Folge der Herbeiziehung weiteren Quellenmaterials an späterer Stelle berichtigt werden. Wir haben diesen Uebel- ständen abzuhelfen gesucht durch Verweisungen, die wir in den Nachträgen anbrachten, und haben ebendort noch einige weitere Berichtigungen und Zusätze gegeben. In der Anordnung und Einrichtung unseres Bandes haben wir uns nach dem Muster der Chronikensammlung der Mün- chener historischen Commission gerichtet, zu der die unsrige als eine Ergänzung oder als ein Seitenstück angesehen werden kann, und es war uns dieses um so leichter, als der Herr Verleger der Chroniken der deutschen Städte sich in zuvor- kommender Weise bereit erklärte, auch den Verlag unsrer Sammlung zu übernehmen. Eine Hauptabweichung von dem bei der Herausgabe jener Chroniken beobachteten Verfahren liegt in der durchgängigen Anwendung der lateinischen Let- tern. Es schien uns dieselbe schon durch das beständige Ab- wechseln deutscher und lateinischer Texte in unsrer Sammlung geboten, wenn der Band nicht ein unschönes, buntscheckiges Aussehen bekommen sollte. die Verfasserschaft des Fridolin Ryff als eine feststehende Thatsache an- genommen. xıu Vorrede. ' Ueber die Behandlung der lateinischen Texte ist nicht viel zu bemerken. Wo in den von Georg verfassten Stücken ae gedruckt ist, ist dies überall eine Auflösung des in der Vorlage stehenden e; neben diesem wendet Georg in ganz - inconsequenter Weise auch das einfache e in Fällen an, wo der Diphthong stehen sollte. Ich habe mich natürlich immer genau an die Vorlage gehalten, ebenso wie in den deutschen Texten bezüglich der Inconsequenzen in der Anwendung von ou und au. | In Beziehung auf die deutschen Texte war unsre Aufgabe keine so einfache, da wir es mit der verwilderten Orthogra- phie des 16. Jahrhunderts zu thun hatten. Was zunächst den Oonsonantismus betrifft, so haben wir uns beim Abdrucke der beiden deutschen Chroniken genau an die Vorlagen gehalten. Bei den nach den Rathsbüchern und nach alten Drucken ge- gebenen Urkundentexten dagegen wurde eine Vereinfachung vorgenommen, da hier eine Rücksicht auf die Individualität des Schreibers nicht in Betracht kam, und überdies die Häu- fung der Consonanten eine noch stärkere war als in den Hand- schriften der Chroniken. Auch bei den Aufzeichnungen des Diebold Ryff habe ich eine Vereinfachung vorgenommen und bloss die von seiner eigenen Hand und derjenigen der Anna Üelin geschriebenen Zeilen (227, 34 ff.) ohne jede Veränderung der Orthographie wiedergegeben. Die Vereinfachung geschah nach den von Weizsäcker in dem Vorwort zu dem ersten Bande der Reichstagsakten LXXII ff. entwickelten Grund- sätzen. Nur zwei Abweichungen von denselben habe ich mir erlaubt, indem ich nach dem Wunsche von Prof. Heyne die dt und gk, die ihre Anwendung einem Schwanken des Schrei- bers, ob tenuis oder media zu setzen sei, verdanken, beibe- hielt, und indem ich uff nicht in uf vereinfachte, da mir jene Schreibart zur Andeutung der Kürze des u im Gegensatze zu dem mittelhochdeutschen,, in manchen Mundarten noch vor- kommenden üf ihre Bedeutung zu haben schien. Bei der Behandlung des Vocalismus machten namentlich die U-Laute Schwierigkeiten. Die Bezeichnung derselben ist in den verschiedenen Stücken eine verschiedene. In Betreff der letzten Karthäuser Chronik, der » Aufzeichnungen«, habe ich mich in der Einleitung zu diesen ausgesprochen. In £ Vorrede. xI Betreff der andern Stücke ist folgendes zu bemerken: Der Ver- fasser der Chronik des Fridolin Ryff hat für den Diphthongen ü, obgleich er ihn gesprochen, kein besonderes Zeichen. Das u, ob es die Bedeutung von u oder von ü hat, ist bald ohne jedes Zeichen, bald ist es mit einem, das unserem heutigen U-Zeichen ähnlich ist, versehn. In den wenigen Fällen, wo dasselbe als ganz geschlossenes Rund erscheint, ist dies zu- fällig und daher beim Drucke nicht berücksichtigt worden. Hie und da, namentlich mehrmals im Worte zu, erscheinen statt dieses U-Zeichens zwei gegen einander geneigte Halb- kreise oder Kreissegmente, so dass ein Zeichen entsteht, das sich zwei Strichen über dem u annähert; wir haben auch dieses nicht berücksichtigt. Den Umlaut von u bezeichnet der Schreiber in der Regel durch zwei wagrecht nebeneinan- derstehende Punkte, den von ü durch ein einem e ähnliches Zeichen, einen kurzen dicken Strich und einen schräg auf- wärts daneben stehenden Punkt. Wir haben den Umlaut des u immer durch ü, den des ü durch ü wiedergegeben. Da über dem ı bald ein einfacher Punkt, bald aber auch ein dem oben beschriebenen U-Zeichen ähnliches Zeichen steht, so kommt man bei der Sorglosigkeit, mit welcher die Striche des m, n und u behandelt werden (s. S.xıv), hie und da in Verlegen- heit, wie ein Wort zu lesen ist, ob z. B. der Chronist ortnung, ortnug oder ortnig schreiben wollte. Wir haben solche Fälle immer der sorgfältigsten Prüfung unterzogen, wollen aber nicht behaupten, dass wir jedesmal das Richtige getroffen haben. In den zwei aus den Rathsbüchern abgedruckten Urkun- den 76, 18 ff. und 93, 1 ff. wird ü sowohl in der Bedeutung von ue, d. h. einem abgeschwächten uo, als auch in der Be- deutung von üe, dem Umlaute des ersteren verwendet. Wir haben es der Handschrift getreu wiedergegeben (S. 94, 29 ist aus Versehn zü gedruckt). Peter Ryff bezeichnet das ü durch einen meist nicht ganz geschlossenen Ring über dem u, während das einfache u ohne jedes: Zeichen bleibt. Wir haben, wo jener Ring sich findet, immer ü gedruckt, auch an Stellen, wo die Anwendung des- selben etwas auffallend erscheinen kann, wie bei zuge S. 173, 14 u. s. w. (vgl. hiezu S. 437). — In einige Verlegenheit kommt man oft durch den Umstand, dass Peter Ryflf zur Ä xIV Vorrede. Bezeichnung der Länge des i sich vielfach eines ii bedient, das sich in der Schrift vom ü kaum unterscheiden lässt (gerade wie sein Verwandter Andreas, s. Beiträge IX, xx); doch ist in den meisten Fällen aus dem Worte selbst leicht zu er- kennen, welches der beiden Zeichen gemeint ist. | In den Aufzeichnungen des Diebold Ryff wird das ü ın der Schrift vom einfachen u nicht unterschieden. Anna Uelin (227, 36 ff.) schreibt uo. Soviel über die U-Laute. Den Umlaut von a und von o haben wir, wo die Sylbe lang ist, durch ä& und ö, wo kurz, durch ä und 6 wiedergegeben. Endlich ist noch einiger Eigenthümlichkeiten zu gedenken, welche die Chronik des Fridolin Ryff aufweist, und deren in der Einleitung zu derselben zu erwähnen der für diese letztere zur Verfügung stehende Raum nicht erlaubte (s. oben S. x. x1). Zu diesen Eigenthümlichkeiten gehört das völlige Fehlen jedes Interpunktionszeichens, sodann die Nachlässigkeit beim Ab- setzen der Zeilen, die es dem Schreiber nicht darauf an- kommen lässt stro-ff, lose-n, cristli-ch, mö-cht, geh-allten, anfa-ngsz, zw-üschen, sp-an u. dgl. zu trennen. Es ist ferner soeben bemerkt worden, dass m, n und u oft schwer zu un- terscheiden sind, namentlich ist es oft schwer zu erkennen, ob am Ende der Worte ein m oder ein n steht, bei doppelten n und m sind oft ein oder zwei Striche gespart, und bisweilen verschwimmen die Züge für jene drei Buchstaben geradezu in eine Wellenlinie, in der Haar- und Grundstriche völlig auf- gehn. Auch die Zeichen für s und st sind oft nicht ausein- andergehalten, a und o sind oft nicht mit Sicherheit von ein- ander zu unterscheiden. Der letztere Umstand bringt uns um so mehr in Verlegenheit, als der Chronist in der Anwendung des schriftdeutschen (langen) a und des alemannischen o schwankt. Er giebt dem letztern den Vorzug, doch finden sich auch Stellen, wo deutlich a geschrieben ist; in den Ver- sen am Anfang der Chronik steht er nicht an, mehrmals jor und war sich reimen zu lassen (19, 19, 20, 39, 40). — Eine auffal- lende Erscheinung ist, dass häufig an der Stelle, wo man ein o (meist ein kurzes) erwartet, deutlich a geschrieben steht, nament- lich vor T-Lauten: gat, gattes, batschafft, erbatten u. s. w. statt got, gottes u. s. w., bisweilen auch vor andern Consonanten. Vorrede. xy Nach dem Wunsche unseres sprachwissenschaftlichen Mitarbei- ters haben wir im Abdrucke des Textes überall 0 gesetzt, wollen aber hier die Fälle, die wir uns notiert haben, auf- zahlen- sat steht 48.0, 46. .20,:15,.93,27.::30,.29.037,312. 58.23. °62,20,:34. 09.3. 64,418. 66,2115.19.567, 23.409, 9540. 70, 33, 34, 42. 71, 25. 81, 25. 91,11. 105, 26. gattes 20, 6. 64.81.61, 21.68, 28.32...70, 3.271,20.,29; 15:80, 212.836. gatz 69, 8, 12. 120, 22. gatzlestrung 77 Var. 30. gatzwort 92, 11.59, 25... 73,9%... 108,15, 303,.114%.8, 17. gatzwart 86, 10. gatzwartz 85, 1. gätlich 83, 17. gättlicher ‘78, 2 Var. gätzen 90, 1. bat. (subst. masc.) 115,13. batten 102, 22. 207, 292 °bat (substs-neutr.); 50,,19..55, 35::.89,.117°1107,56/ ist bat in bot geändert). verbat (subst. neutr.) 59, 28. 60, 21. ge- bat (subst. neutr.) 80, 9. gebatten (praet. v. gebieten) 59, 43. 63, 33. verbat (praet. v. verbieten) 36, 17. batten (part. perf.) 90, 29. 102, 17. 112, 4. gebatten 110, 36. angebatten 66, 18, angebattne 77, 39 Var. embatten 102, 26. erbatten 24, 23. GBn227 7,84 Var.’ 159, 35. verbatten 121, 11. 148587" bat- schafft 26, 40 (hier aus Versehn im Drucke beibehalten) 84, 15. 100, 24. 101, 26. 102,20. 104, 30. 107,22. 108, 9,36. 110,11. 19..10..2120,89:122,.,9..124,77.129,338:.2:136.. 6: 161498. batschafften 73, 33. nat 20, 33. 30, 14. 53, 10, ratdieren 29, L42 z gerattet 96,2. =tadt, tad.105; 20,:,22,.26: :-baden140, 2: art 20, 30. gatzwart, gatzwartz s. oben. schmochwart 100, 9. brunstack 111, 28. Nicht ganz so deutlich sind walt 84, 34. alten S1u0322753.37..1779.214.7.855.34586, 163° walfart 210, 48 Castanz 91, 11. 127, 21. Das Verzeichniss ist kein ganz voll- ständiges; ausser manchen zweifelhaften Fällen sind auch die weggelassen, die in den nicht nach dem Texte der Chronik, sondern nach anderen Vorlagen abgedruckten Mandaten u. s. w. enthalten sind, ‚wenn nicht etwa das betreffende Wort zufällig in den Varianten noch besonders aufgeführt wird. — Eine Abweichung von der Vorlage haben wir uns ferner in Be- ziehung auf das Wort wissen erlaubt. Der Chronist wendet mit Vorliebe statt des ss oder sz das blosse s an; er schreibt grose, eydgnosen, beschlosen, losen, wisen u.s. w. Da nun in Beziehung auf das letzte Wort diese Schreibart eine Ver- wechslung mit wisen — weisen für den Leser nahe legt, haben wir immer wissen gedruckt. Endlich steht überall da, wo wir xvI Vorrede. uber Rin gesetzt haben, im Originale uberin; wir haben es des leichteren Verständnisses wegen in seine beiden Bestand- theile zerlegt. Bei der Feststellung des Textes der deutschen Stücke habe ich, wie bereits bemerkt, in allen irgend zweifelhaften Fällen nicht versäumt, den Rath Prof. Heynes einzuholen, und der Leser darf versichert sein, dass die ungewöhnlichen Formen, die sich hie und da finden, nicht auf Versehen bei der Herausgabe beruhn, sondern nach reiflicher Erwägung aus dem Texte der Originale ohne Veränderung aufgenommen worden sind. Bei der Anfertigung des Registers habe ich, abweichend von dem bei den Städtechroniken beobachteten Verfahren, nach dem Vorgange Weizsäckers in den Reichstagsakten, die Orts- und die Personennamen in Einem Verzeichnisse zusam- mengestellt, indem mir schien, dass der Bequemlichkeit des Nachschlagenden damit besser gedient sei. — Unter den Per- sonennamen habe ich die zum Theil nicht einmal genannten Verfasser der 8. 519 f. aufgezählten Schriften nicht aufgeführt, es möge genügen hier einfach auf die dort gegebene Liste zu verweisen, deren Hauptinteresse doch gerade in ihrer Zusam- mensetzung besteht. Ich habe ferner nicht aufgeführt die Namen der biblischen Schriftsteller (insofern nicht eine histori- sche oder historisch sein wollende Angabe über ihre Person ge- macht wird, wie 19, 2 ff.) und der Gemeinden, an welche die apostolischen Sendschreiben gerichtet sind, aus denen Stellen citiert werden, ebensowenig biblische Namen, die beispielsweise aufgeführt werden, wie Pilatus und Herodes u. dgl. Nicht angeführt habe ich ferner die Namen, welche die beiden Re- ligionsparteien sich selbst und ihren Gegnern geben, Evange- lische, Catholiei, Päpstler, Lutherische, Lutherani, Antiluthe- ranı, Oecolampadiani, Zuingliani, wozu bei dem Verfasser der Aufzeichnungen noch als Schimpfnamen für die Evangelischen die Ausdrücke Hussische (446, 36. 447, 37), Böhmen (448, 1), Wicleffische (477, 1) kommen, weil es dehnbare Parteinamen sind, die wohl in ein Sachregister gehören, nicht aber in ein Personen- und Ortsregister, das wir allein hier geben wollen, um so weniger als sie bald mehr als Eigennamen, bald mehr als Appellativa gebraucht werden. Anders ist es, wenn von a a er nn Vorrede. ” XVII den evangelischen Städten der Schweiz die Rede ist, wo wir es mit einer bestimmten Staatengruppe zu thun haben, oder wenn Peter Ryff von den Protestierenden oder Reformierten spricht, indem er darunter die Glieder des schmalkaldischen Bundes versteht. Aus den Anmerkungen und Einleitungen "habe ich, dem von Frensdorff (Chroniken d. d. Städte IV, 401) und wiederum von Weizsäcker (Deutsche Reichs- tagsakten I, ıxxxrır) ausgesprochenen Grundsatze folgend, nur diejenigen Namen aufgenommen, die selbständig in Be- tracht kommen und nicht bloss zur Besprechung oder Er- läuterung einer bereits ım Register unter dem betreffenden Namen citierten Textstelle dienen. In Fällen, wo es zweifel- ‚haft war, ob einem Namen eine solche selbständige Bedeutung zukomme, liess ich meinen Entscheid durch die Nähe der Be- ziehung bestimmen, in welcher derselbe zur baslerischen Ge- schichte oder zu baslerischen Verhältnissen steht, denn in dem Namenregister zu einem Bande von Basler Chroniken wird man vor allem Personen oder Orte nachschlagen, von denen man weiss, dass sie in einer solchen Beziehung stehn oder gestanden haben. Auf die Namen der Verfasser von Briefen, aus denen Stellen citiert werden, habe ich nur da verwiesen, wo die betreffende Stelle nicht bloss etwas über Andere aus- sagt, sondern zur Charakteristik des Schreibenden selbst wichtig ist. Aus den Einleitungen sind die Namen nicht berücksich- tigt, die sich auf die spätere Geschichte der Handschriften beziehn. Die Namen habe ich in der Regel in ihrer heutigen Form oder bei ausgestorbenen Geschlechtern in der am allgemeinsten gebräuchlichen Form gesetzt. Wo es besonders nöthig schien, sind Verweisungen angebracht, doch wollte ich die Zahl der- selben nicht in unnöthiger Weise ausdehnen; wer das Regi- ster benutzt, wird von selbst bei Namen, in denen i oder ei, u oder au, ou oder au, eu oder öu, e oder ä u.s. w. kann gesetzt werden, wenn er den Namen unter der einen Form nicht findet, ihn unter der andern nachschlagen. Unter Basel, Karthaus, habe ich die Stellen, an denen die einzelnen Gebäulichkeiten und Räume des Klosters ange- führt sind, zusammengestellt, und zwar bin ich hier von der alphabetischen Anordnung, für deren Anwendung sich schwer xvuu Vorrede. ein leitender Grundsatz hätte aufstellen lassen, abgewichen und habe sie vielmehr in rein sachlicher Weise gruppiert im Anschluss an die Beilage XII zu den Karthäuser Chroniken, zu der sie nun eine passende Ergänzung bilden. Den Text dieser Beilage selbst habe ich nicht auch noch ins Register hineingezogen. Die Kaiser sind unter Deutschland, die Päbste und Car- dinäle unter Rom, die Bischöfe unter den Namen ihrer Bis- thümer, die Fürsten unter den Namen ihrer Länder und die Karthäuser Prioren unter den Städten, in denen ihre Klöster sich befanden, die Vorsteher des ganzen Ordens unter Kar- thaus (die grosse) zu suchen. Die Frauen sind in der Regel unter dem Namen des Geschlechtes, dem sie durch ihre Ge- burt angehören, aufgeführt, nur wo dieses nicht bekannt oder die Frau nur durch ihren Mann ein Interesse für uns hat, findet sie sich unter dem Namen dieses letztern aufgeführt. In einigen Fällen habe ich bei Geschlechtsnamen von Frauen die Endung in beibehalten, weil ich über die Form des Na- mens vor Ansetzung dieser Ableitungssylbe nicht sicher war. Geschlechtsnamen, die auf in endigen, verwandeln nämlich (und zwar geschieht dies noch heute im Baseldeutschen), wenn sie behufs Bildung eines Femininums ein in ansetzen, jenes erste ın in er, so dass z. B. aus Ströulin Ströulerin, aus Brüst- lin Brüstlerin gebildet wird, bei Namen wie Brücklerin, Dist- lerin können wir also nicht mit Bestimmtheit angeben, ob sie aus Brückler, Distler oder aus Brücklin, Distelin gebildet sind. Wır haben noch ein Wort beizufügen über die beiden dem Bande beigegebenen Kunstbeilagen. Als eben die Her- ausgabe des Bandes in Angriff genommen wurde, machte eines der Mitglieder des zu diesem Zwecke niedergesetzten Aus- schusses, Herr Conrector Dr. Fechter, darauf aufmerksam, dass es vielleicht möglich wäre, durch Gefälligkeit der löbl. Inspec- tion des Waisenhauses unsrem Bande eine Ansicht des alten Karthäuser Klosters beizugeben. Es war die Absicht der löbl. Inspection gewesen, eine Säcularfeier der im J. 1669 stattge- habten Uebersiedelung des kurz zuvor gegründeten Waisen- hauses in die Räume der Karthaus zu veranstalten und bei Gelegenheit dieser Feier eine Denkschrift über die Geschichte ‚und die Einrichtung jener Anstalt erscheinen zu lassen. Die Vorrede. XIX Feier musste aus verschiedenen Gründen unterbleiben, die Schrift aber erschien, wenn auch etwas verspätet im Jahre 1871, unter dem Titel: Das Waisenhaus ın Basel. Seine Gründung, seine Entwicklung und sein gegenwärtiger Bestand von Dr. D. A. Fechter, Conrector am humanistischen Gym- nasıum zu Basel, und J. J. Schäublin, Waisenvater. Eine Denkschrift aus Anlass des zweihundertjährigen Bestehens der Anstalt. Basel 1871. In4. Dieser Schrift sind mehrere Ab- bildungen und Pläne beigegeben, unter anderem eine vogel- perspectivische Ansicht der Karthaus nach dem Stadtplane des Matthäus Merian von 1615, in vergrössertem Maassstabe. Durch Vermittlung des Herrn Fechter erhielten wir von der löbl. In- spection die Erlaubniss, die für sie angefertigte Steinzeichnung auch für unseren Band verwenden zu dürfen, wofür wir ihr hiemit unsern verbindlichsten Dank aussprechen. Die Auf- nahme dieser Ansicht in unsern Band wurde die Veranlassung dazu, auch noch einen Plan des alten Klosters beizufügen (siehe S. 537 ff.), dessen Anfertigung wir dem Herrn Architecten Vi- scher verdanken. Bei den zu diesem Zwecke nöthigen Besich- tigungen der Gebäulichkeiten hatten wir uns der immer be- reiten Freundlichkeit und Gefälligkeit des Herrn Waisenvaters Schäublin zu erfreuen. Auch Herr Aufseher Zeller (jetzt Siegrist zu St. Alban) gab mir bei einem solchen Besuche manche erwünschte Aufschlüsse. Ich kann mich dem Schlusse dieser Vorrede nicht zuwen- den, ohne in dankbarer Erinnerung eines Mannes zu geden- ken, dessen Arbeiten gewissermaassen die Grundlage unseres Unternehmens bilden, ich meine den am 6. Nov. 1870 ver- storbenen Dr. Karl Buxtorf, Lehrer an der Realschule und langjährigen Unterbibliothekar an der Universitätsbibliothek ın Basel. Die Verdienste Buxtorfs bestehen weder in kritischer Herausgabe alter Chronikentexte noch in der Verwerthung sol- cher zu streng wissenschaftlicher Forschung, sie liegen in dem unermüdlichen Eifer, mit dem er dieselben aus den Schränken der Bibliotheken ans Licht zu ziehen und, sei es durch Ueber- setzungen, sei es durch populäre Bearbeitungen, in weiteren Kreisen bekannt zu machen suchte. In dieser Weise haben die Uebersetzungen der in unserem Bande abgedruckten la- teinischen Karthäuser Chroniken (siehe 8. 246. 319. 377), der Basler Chroniken. I. *%* xXX Vorrede. Chronik des Kaplans Knebel (s. oben 8. vum), des Gastischen Tagebuchs (s. S. vın), sowie die Baslerischen Stadt- und Land- geschichten aus dem 16. Jahrhundert in 3 Heften (1863—1868), denen sich dann noch (1868) ein Heft »Basler Zauberprocesse aus dem 14. und 15. Jahrhundert« und (erst nach seinem Tode 1872 erschienen) ein Heft »Stadt- und Landgeschichten aus dem 17. Jahrhundert« angeschlossen haben, und die klei- neren Mittheilungen, die er in den verschiedenen Jahrgängen des Basler Taschenbuchs und sonst gemacht hat, erfolgreich gewirkt. Durch diese Arbeiten Buxtorfs musste das Verlangen geweckt werden, die betreffenden Geschichtsquellen recht bald in ihrem Urtexte veröffentlicht zu sehn, und sie haben uns bei der Anlage und der Herausgabe unsrer Sammlung vielfach als Wegweiser gedient. Wir fühlen uns ferner verpflichtet, unsern Dank den Her- ren Vorstehern und Beamten der verschiedenen Anstalten aus- zusprechen, deren Gefälligkeit wir bei der Herbeischaffung des Materials für unsern Band in Anspruch zu nehmen hatten, vor allem. dem Herrn Director des Grossherzoglich Badischen Generallandesarchivs, Freiherrn K. H. Roth von Schrecken- stein, den Vorstehern der vaterländischen Bibliothek und der Bibliothek des Antistitiums in Basel, der Stadtbibliothek in Zürich und der Kantonsbibliothek in Luzern, den Herren Angestellten der hiesigen Archive, die uns alle in bereit- willigster Weise an die Hand gegangen sind, sowie endlich der hohen Regierung des Kantons Basel-Stadt, durch deren freigebige Unterstützung der gedeihliche Fortgang unseres Un- ternehmens gesichert ist. Möge dieser Band, den wir ihr dank- bar und ehrerbietig zu überreichen wagen, den Beweis liefern, dass unsre Arbeit der genossenen Unterstützung werth ist, möge dieser Arbeit eine freundliche Aufnahme zu Theil wer- den von Seiten der Männer der Wissenschaft sowohl als von Seiten der baslerischen Bürgerschaft, der einer der wichtigsten Abschnitte aus der Vergangenheit ihres Gemeinwesens in le- bensvollen Zügen vor Augen geführt wird. Basel den 2. Oktober 1872. Wilhelm Vischer, d. 2. Vorsteher der historischen Gesellschaft. Verzeichniss der Werke, die unter abgekürztem Titel eitiert werden: Anshelm, — Valerius Anshelm’s, genannt Rüd, Berner-Chronik, von Anfang der Stadt Bern bis 1526. Herausgegeben von E. Stierlin und J. R. Wyss. Bd. 1—6. Bern 1825—1833. Ant. Gernl. — Antiquitates Gernlerianae, eine von dem Antistes Lucas Gernler (+ 1675) angelegte Sammlung theils handschrift- licher, theils gedruckter Documente zur Basler Kirchenge- schichte, im Basler Antistitium. Athenae Rauricae. — Athenae Rauricae sive catalogus professorum academiae Basiliensis ab a. MmccccLx. ad a. MDCCLXXVIL. cum brevi singulorum biographia. — Bas: 1768. Verfasser ist der im J. 1813 verstorbene Professor Johann Wernhard Herzog. Beiträge. — Beiträge zur vaterländischen Geschichte (der erste Band führt den Titel: Beiträge zur Geschichte Basels) herausgegeben von der historischen Gesellschaft zu Basel. Band 1—9. Ba- sel 1839—1870. Bullinger. — Heinrich Bullingers Reformationsgeschichte nach dem Autographon herausgegeben auf Veranstaltung der vaterländisch- historischen Gesellschaft in Zürich von J. J. Hottinger und H. H. Vögeli. Bd. 1—3. Frauenfeld 1838—1840. Burckhardt (oder L. A. Burckhardt) bedeutet, wenn nichts anderes beigefügt ist: L. A. Burckhardt, der Kanton Basel, historisch, geographisch, statistisch geschildert. — — Erste Hälfte: Basel- Stadttheil.e (A. u. d. T.: Historisch-geographisch-statistisches Gemälde der Schweiz. Eilftes Heft). St. Gallen und Bern 1841. Kidgen. Abschiede. — Amtliche Sammlung der ältern Eidgenössi- schen Abschiede. Herausgegeben auf Anordnung der Bundes- behörden (die Sammlung, deren Bände nicht in chronologischer Reihenfolge erscheinen, ist noch nicht abgeschlossen). Fechter, wenn nichts weiteres beigefügt ist, bezieht sich auf die in dem Bande »Basel im vierzehnten Jahrhundert. Geschicht- liche Darstellungen zur fünften Säcularfeier des Erdbebens am XXU Verzeichniss der eitierten Werke. S. Lucastage 1356 herausgegeben von der Basler historischen Gesellschaft. Basel 1856« S. 1 ff. enthaltene » Topographie mit Berücksichtigung der Cultur- und Sittengeschichte von Dr. DI A, Peecnter.< Gast. — Gast’s Tagebuch. In Auszügen behandelt von Tryphius. Uebersetzt und erläutert von Buxtorf-Falkeisen. Basel 1856. ‚Hagenbach, wenn nichts anderes bemerkt ist: »Johann Oekolampad und Oswald Myconius die Reformatoren Basels. — — Von Dr. K. R. Hagenbach« (A. u. d. T.: Leben und ausgewählte Schriften der Väter und Begründer der reformirten Kirche. II. Theil). Elberfeld 1859. Haller. — Gottlieb Emanuel von Hallers — —- Bibliothek der Schweizer-Geschichte. 'Thl. 1—6. Bern 1785—1787. Haupt- Register über die sechs Bände. Bern 1788. Ä Herminjard. — Correspondance des reformateurs dans les pays de langue francaise recueillie et publicee — par A.-L. Hermin- jard. Bis jetzt erschienen Tome I—IV. dGeneve et Paris 1866— 1872. Herzog. — Das Leben Johannes Oekolampads und die Reformation der Kirche zu Basel. Beschrieben von Johann Jakob Herzog. Bd. 1. 2. Basel 1843. Heusler. — Verfassungsgeschichte der Stadt Basel im Mittelalter "won Andreas Heusler. Basel 1860. Hottinger. — Geschichte der Eidgenossen während der Zeiten der Kirchentrennung, von Johann Jakob Hottinger. Abthlg. 1. 2. (A.-u. d. T.: Johann’s von Müller und Robert Glutz Blotz- heims Geschichten Schweizerischer Eidgenossenschaft , fortge- setzt von Johann Jakob Hottinger. Bd. 6. 7). Zürich 1825. 1829. Kessler. — Johannes Kesslers Sabbata.. Chronik der Jahre 1523 bis 1539. Herausgegeben von Dr. Ernst Götzinger. 'Thl. 1.2. _ (Mittheilungen zur vaterländischen Geschichte. Herausgegeben vom historischen Verein in St. Gallen. V—X). St. Gallen 1866. 1868. Wo im Citat nur Eine römische Ziffer steht, bezieht sich diese auf die von Kessler selbst vorgenommene Eintheilung in Bücher. Leu. — Allgemeines Helvetisches, Eydgenössisches, oder Schweitze- risches Lexicon, — — von Hans Jacob Leu. Thl. 1—20. Zärich 1747—1765. Nebst Supplement von Hans Jakob Holz- halb. Thl. 1—6. Zürich und Zug 1786—1795. _ Lutz auf 8. 66, Anm. 1 bedeutet: Vollständiges geographisch- statistisches Hand-Lexikon der Schweizerischen Eidgenossen- Verzeichniss der eitierten Werke. XXIII schaft. Von M. Lutz. Neu bearbeitet und vielfach vermehrt herausgegeben von A. v. Sprecher. Bd. I. 2. Aarau 1856. Merians Karte S. 183, Anm. 1. bezieht sich auf den Plan von Basel in Matthäus Merians Topographia Helvetiae. Ochs. — Geschichte der Stadt und Landschaft Basel. Von Peter Ochs. Bd. 1. Berlin und Leipzig. Bd. 2—8. Basel 1786 bis 1822. Namen- und Sach-Register. Basel 1832. Oecol. et Zuingl. Epp. (auch bloss als Epp. eitiert). — DD. Joan- nis Oecolampadii et Huldrichi Zuinglii epistolarum libri qua- tuor —— .——... Basılese :1536..,Fol: Felix Platter. — Thomas Platter und Felix Platter. Zwei Auto- biographieen — — — herausgegeben von Dr. D. A. Fechter. Basel 1840. »Potthast« bezieht sich auf die in dem Supplement zu Aug. «Pott- hasts Bibliotheca historica medii aevi (Berlin 1868) enthaltene Zeitfolge der deutschen Bischöfe. Ranke’s Deutsche Geschichte im Zeitalter der Reformation und seine, französische Geschichte sind nach den neuesten in der Gesammt- ausgabe seiner Werke enthaltenen Abdrücken. citiert. Reformationschronik. — Unter diesem Titel haben wir mehrfach die von uns als »Narratio« u. Ss. w. ee Karthäuser Chronik citiert, die durch die Buxtorfische we&ber- setzung unter demselben bekannt geworden ist. Andreas Ryffs Zirkel der Eidgenossenschaft ist nach der (nur den Abschnitt über Basel enthaltenden) Abschrift des Bürgermeisters Wieland auf der Universitätsbibliothek citiert. Salat. — Chronik der Schweizerischen Reformation, — — bis — 1534, im Auftrage der katholischen Orte verfasst von Johann Salat. Herausgegeben von Fr. Fiala, P. Bannwart und Th. Scherer-Boccard im Archiv für die schweizerische Reformations- Geschichte, herausgegeben auf Veranstaltung des schweizeri- schen Piusvereins, Bd. 1. Solothurn 1868. Schuler u. Schulthess. — Epistolarum a Zuinglio ad Zuingliumque scriptarum pars I. II. (Huldreich Zwinglis Werke. Erste vollständige Ausgabe durch Melchior Schuler und Joh. Schult- hess. Bd. 7.8). :Turich 1830, 18942. Tonjola. — Basilea sepulta retecta continuata. Hoc est: tam urbis quam agri Basileensis monumenta sepulchralia — — — olim — a — Dn. M. Johanne Grossio — sparsim collecta — nunc vero in ordinatam annorum seriem locata et ad annum 1661 continuata — opera Johannis Tonjolae. Basileae 1661, xXXIV Verzeichniss der citierten Werke. ‚Vulliemin. — Geschichte der Eidgenossen während des 16. und 17. Jahrhunderts, von L. Vulliemin. Aus dem Französischen. Thl. 1—3. (A. u. d. T.: Johann von Müllers, R. Glutz- Blotzheim’s und J. J. Hottinger’s Geschichten Schweizerischer Eidgenossenschaft, fortgesetzt von L. Vulliemin. Bd. 8—10). Zürich 1842—1845. Wurstisen. — Baszler Chronik — — zusammen getragen durch Christian Wurstisen. Basel (1580). Die übrigen citierten Quellen und Hilfsmittel sind jedes- mal bei ihrer ersten Erwähnung vollständig angeführt. — In Be- treff der vielfach benutzten Rathsbücher im Basler Staatsarchiv ver- weisen wir neben den von uns gemachten Angaben auf die Zu- sammenstellung derselben in der Vorrede zu den Rechtsquellen von Basel Stadt und Land. Thl. I. (Basel 1856) S. vıff. Inhaltsverzeichniss. Seite ee OR ee F SLEN Er N NERV Die Chronik des Fridolin Ryff 1514—1541, mit der Fortsetzung des Peter Ryff 1543—1585. Einleitung . El ne ee N ae a ER a a ee a nee 18 Beilagen. TEVmwort dessBeter Ryan u 98 IE 2 Sammbaum. der Kamilie Rytiz in. 2, 2 196 II.b Die Ryffische Familiengeschichte . . . 198 1Il. Zwei Aktenstücke aus den Verhandlungen er. Frank reich und den Eidgenossen im Jahre 1516 . . . ......200 IV. Ein Bericht über die in Folge der französischen Pensio- nen im J. 1521 in Basel entstandene Bewegung . . . 211 V. Erkanntniss des Rathes zu Basel, betreffend die Pensio- nen. 1521, August‘29: .. .. . 214 VI. Der Streit der Stadt Basel mit Bischof Tacot Ohrieeph Blarer von Wartensee. Aüs Peter Ryff’s »summarischer generall und. Basler: chronic«. 4 ins ii a rear 2108 VL. Aufzeichnungen des Diebold Ryff ... .. . .-... =... 2.218 Die Chroniken des Karthäuser Klosters in Klein-Basel 1401—1532. Eee ee Re ya a Se rs ara N I. Chronica fundationis Carthusiae in Basilea minori, auctore Henrico Arnoldi de Alveldia, eiusdem domus priore. 1401—1480. Be ee ee re 2 a Re EN RE ERENT 248 Il. Continuatio chronicorum Carthusiae in Basilea minori, auctore fratre Georgio Carpentarii de Brugg, eiusdem domus monacho professo. 1480 —1526. IE To Ten N a RT ER ROT nd Rs Kr Reg Pe Ra 2 | XXVI Inhaltsverzeichniss. eite III. Narratio rerum, quae reformationis tempore Basileae et in . circumjacentibus regionibus gestae sunt, auctore fratre Georgio Carpentarii de Brugg Carthusiensi, 1518(1499)-—1528. Einleitung . 359 Text. 378 IV. Aufzeichnungen eines Basler Karthäusers aus der Reforma- tionszeit (1522—1532). Einleitung . 429 Text. 439 Beilagen. I. De fundatione ortuque Carthusiae Basiliensis. 493 Il. De cellis Carthusiae Basiliensis : 496 III. Bulle Bonifaz IX. vom 18. April 1402. 499 IV. Vergleich mit dem Domcapitel vom 29. Januar 1404 501 V. Jacob Louber über Heinrich von Alfeld 508 VI. Das Bekenntniss des Bruders Martin 510 VII. Letzter Wille des Bruders Georg Carpentarii von Ber und Verzeichniss der von ihm dem Kloster bestimmten Bücher . i 4 .. 518 VIIl. Brief des Bruders Gesie ae an oacın Amer bach. ; 520 IX. Vertrag des REN Er lem Rah vom 16. Juli 1532 522 X. Die letzten Schicksale der Karthaus. 524 XI. Die Siegel der Karthaus. 534 X1I. Die Gebäulichkeiten der Keee 537 Personen- und Ortsverzeichniss 549 Glossar . ; 573 Nachträge. Anmerkungen zu Seite 3—17. 580 Berichtigungen und Zusätze 583 Grundriss der Karthaus. Vogelperspectivische Ansicht der Karthaus nach Matthäus Merian. Die Chronik des Fridolin Ryif 1514— 1541, mit der Fortsetzung des Peter Ryff 1543 — 1585. Basler Chroniken. ]. j Einleitung. Aıs erstes Stück unseres Bandes veröffentlichen wir dieChronik von allen Geschichtschreibern der Basler Reformation als eine 44 Fri- Hauptquelle benutzte Chronik, deren Originalhandschrift aus a dem Besitze des ums J. 1554 verstorbenen Meisters und Depu- aolin taten Fridolin Ryff stammt, und die man deshalb als die Chro- der nik des Fridolin Ryft zu bezeichnen gewohnt ist. Ob der letz- ser? tere, wie man bisher allgemein angenommen hat, auch der Verfasser derselben gewesen, das muss zunächst den Gegen- stand unserer Untersuchung bilden. Fridolin Ryfi gehörte einer Familie an, die um die Mitte des 15. Jahrhunderts aus dem Elsass in Basel eingewandert hier bald zu Ehren und Ansehn gelangte und dem Gemein- wesen, in das sie eingetreten, eine Reihe von tüchtigen Män- nern lieferte, von denen namentlich der im Jahre 1603 ver- storbene Rathsherr Andreas Ryff eine grössere Berühmtheit erlangt hat!). Des Stammvaters Claus Sohn Peter, der Vater Fridolins, erwarb im Jahre 1488 das Bürgerrecht, er betrieb ein Färberei- und Webergeschäft und sass viele Jahre hindurch, bis zu seinem zwischen Johanni 1528 und Johanni 1530 erfolg- ten Tode als Meister der Weberzunft im Rathe. Fridolin, Peters ältester Sohn, wird ums Jahr 1488 geboren sein?), er trat in das Geschäft seines Vaters, daneben wurde er im Jahre : 1521 durch den Rath an das Unterkäufer Amt im Kaufhaus befördert (Oeffnungsbuch 1490 — 1530, Bl. 185). Wann er zum Sechser seiner Zunft erwählt wurde, wissen wir nicht. Er erscheint als solcher im Februar 1529; damals wurde er, als es sich darum handelte, dem der Bürgerschaft gegebenen Versprechen gemäss eine neue Rathsverfassung zu entwerfen (S. 88, 1 ff.), in den hiezu niedergesetzten, aus zehn Raths- 1) Die Anmerkungen zu dieser Einleitung haben in die Nachträge ver- wiesen werden müssen, da der vorhandene Raum (s. die Vorrede) das An- bringen derselben unter dem Texte nicht gestattete. 1* 4 Einleitung. gliedern und zehn Sechsern bestehenden Ausschuss berufen (Ochs V, 677)1). Bald darauf trat er an die Stelle seines ver- storbenen Vaters als Meister der Weberzunft ın den Rath, und um dieselbe Zeit wurde er zu einem der obrigkeitlichen Pfleger der Karthaus bestellt?2). Als man im Jahre 1532 dazu schritt, die seit 1529 faktisch aufgelöste Universität neu herzustellen, und zu diesem Ende das Amt der Deputaten, eines Raths- ausschusses, dem die Besorgung der Universitätsangelegenheiten oblag, wieder ins Leben rief, wurde Ryff Mit&lied desselben 3). Daneben muss er ein eifriges Mitglied der Gesellschaft der Armbrust- oder Stachelschützen gewesen sein, denn er war Meister derselben, als im Jahre 1546 das neue Schützen- haus auf dem Petersplatz gebaut wurde (S. 199, 15). Im Jahr 1554 erscheint er zum letztenmale als Meister seiner Zunft auf der Rathsliste.e Nach dem Stammbaum S. 196 wäre er noch in diesem Jahre gestorben. : Sehen wir nun zu, wie das, was wir über die Lebens- umstände des Fridolin Ryff wissen, mit demjenigen stimmt, was wir aus der Chronik über die Persönlichkeit des Verfas- sers erfahren, und ob sich hieraus schliessen oder mit Wahr- scheinlichkeit abnehmen lässt, dass beide ein und dieselbe Person gewesen. Die eifrig protestantische Gesinnung des Ver- fassers stimmt sehr wohl zu der Stellung, die wir Fridolin Ryff einnehmen sehen, und die mangelhafte Kenntniss des Latei- nischen, welche der Chronist verräth, ist mit dem Amte eines Deputaten nicht unvereinbar, wie das Beispiel von Fridolins Vetter Andreas zeigt, dessen Sinn für Bildung und dessen Eifer für die Hebung der Bildungsanstalten seiner Vaterstadt ebenso gross war, als seine eigene Jugendbildung mangelhaft ?), es sind andere Bedenken, welche sich gegen jene Annahme erheben und uns nöthigen, sie für durchaus unstatthaft zu er- klären. Wir haben gesehn, dass Ryff einer der zwanzig »Boten« war, welche den 15. Februar 1529 verordnet wurden, um die neue Rhathsverfassung auszuarbeiten, und die sich im Laufe der nächsten "Tage ihres Auftrages entledigten. Zu die- ser Thätigkeit passt nun aber die dürftige und ungenaue Art und Weise, in der die Chronik das Zustandekommen dieser Verfassung auf Seite 88, 1 ff. erzählt, schlechterdings nicht). — Seite 137,2 erfahren wır sodann, dass der Chronist den zweiten Cappeler Krieg mitgemacht hat; es ist anzunehmen, dass wenn Ryff mitgezogen wäre, er als Mitglied des Rathes eine irgendwie hervorragende Stellung eingenommen hätte, sei es en einer der militärischen Befehlshaber, sei es als einer der »Zugegebenen«, wir suchen aber seinen Namen vergebens sowohl Seite 131, 10 ff. als Seite 135,17 ff. — Bei der Erzählung von Staatshändeln spielt der Bericht über die im grossen Rathe gehaltenen Berathungen eine Haupt- Einleitung. 5 rolle, so z. B. bei den Verhandlungen, die dem Aus- bruche des zweiten Cappeler Krieges vorangegangen, und bei dem Streite mit Solothurn über das Hochgericht; bei meh- rern anderen Gelegenheiten gewinnt man geradezu den be- stimmten Eindruck, dass der Verfasser seine Kenntniss der ‚betreffenden Angelegenheit erst aus den dem grossen Rathe darüber gemachten Vorlagen des kleinen Rathes und den sich daran knüpfenden Berathungen geschöpft hat. In Betreff von Angelegenheiten, die der kleine Rath von sich aus entschie- den hat, spricht er mehr als einmal seine vollständige Unwis- senheit aus. Siehe namentlich die Stellen 57, 10 ff. 107, 31 ff. (zusammengehalten mit 107, 36 ff.) 118, 10 ff. 153, 25 ff. 155, 4ff. Er ist also wohl Mitglied des grossen, nicht aber des kleinen Rathes gewesen, und zwar zu einer Zeit, wo Fridolin Ryff in dieser letztern Behörde sass.. — Noch eine fernere _ Andeutung, die der Chronist über seine Person giebt, scheint nicht recht auf Ryff zu passen. S8. 147 wird erzählt, wie ım Jahre 1536 der Wein besonders wohlfeil gewesen, eine Maass Landwein habe zwei Pfennig gekostet, »und ich hab in selb ouch disz jor also uszgemesen«, fügt der Erzähler hinzu, wor- aus wohl hervorgeht, dass er als obrigkeitlicher Weinmesser auf dem Weinmarkte beim Verkaufe des Weins thätig gewe- sen!), also eine untergeordnete Beamtung versehen, die nicht zu der Stellung eines Mannes passt, der seit mehreren Jahren einerseits an der Spitze eines namhaften Geschäftes steht, andrerseits in hohen Ehrenämtern dem Gemeinwesen dient. — Ein weiteres Bedenken ruft der Umstand hervor, dass die Chronik, von welcher der Verfasser am Eingang sagt, er wolle sie fortführen, »so lang mir got sin gnod verlicht«, mit dem Jahre 1541 schliesst. Es lässt sich nicht recht erklären, warum er, nachdem er, wie wir sehn werden, in den letzten Jahren regelmässig, in kurzen Zwischenräumen seine Eintragungen gemacht, nun auf einmal seine Arbeit eingestellt hätte, wenn er, wie dies bei Fridolin Ryff, der bis 1554 in Amt und Wür- den erscheint, noch eine Reihe von Jahren in rüstiger Kraft verlebt hätte. Die Chronik bricht aber so jäh ab, dass nicht einmal die Lücke, welche der Verfasser 8. 162, 25 gelassen hatte, um den Endpunkt der zur Zeit seines Niederschreibens herrschenden Pestilenz anzugeben, ausgefüllt wird. Sollte dies nicht ein Wink sein, dass er diesen Endpunkt gar nicht mehr erlebt hat, dass er vielleicht als ein Opfer dieser Pestilenz selbst gestorben ist? In der Anmerkung 7 zu 8. 162 ist einige Verwunderung darüber ausgesprochen, dass der 'l'od des Bür- germeisters Jacob Meyer zum Hirzen nicht erwähnt werde. Vielleicht erklärt sich dieses Nichterwähnen dadurch, dass Jacob Meyer erst in den letzten Tagen des Jahres 1541, nach- dem die letzte Notiz der Chronik aufgezeichnet war, gestorben 6 Einleitung. (eine nähere Angabe über die Zeit seines Todes, als dass er im Jahre 1541 verstorben, habe ich nirgends finden können), ‚und der Chronist nicht mehr dazu gekommen ist, weitere Ein- tragungen zu machen. Endlich fällt ins Gewicht, dass Nicolaus Rippell, der im Jahre 1614 die Chronik des Fridolin Ryff sammt der Fort- setzung des Peter Ryff abschrieb, am Schlusse der ersteren bemerkt: »Ich hätte oder möchte des gutten allten ehrlichen mans namben, so hievorstendes bisz dohar alles verzeichnet, trefflich wol mögen wissen. etc. Nun, er sey gewesen, wer er woll, so wirt vermerkht, dasz er ein fromb christlich ehren- man gewesen. etc.« Dieser Niclaus Rippell aber muss nach dem, was uns über das Rippell’sche Geschlecht bekannt ist, derselbe gewesen sein, der für Peter Ryff das Ryffische Wap- pen von einem Grabsteine in der Barfüsser Kirche zu Ruffach abzeichnete und dann in die Chronik malte (S. 195, 11). Wäre Fridolin Ryff der Verfasser gewesen, so hätte dies sicherlich Rippell nicht unbekannt bleiben können, daraus, dass er über den Verfasser vollständig im Dunkeln war, möchte man aber weiter schliessen, dass dies auch bei Peter Ryff der Fall war und dieser sich deshalb 8.194,25 so unbestimmt ausdrückt, Fri- dolin Ryff habe die Chronik in Händen gehabt, ohne über die Urheberschaft derselben etwas zu bemerken. Wahrscheinlich war der Verfasser ein guter Freund und Gesinnungsgenosse des Fridolin Ryff, dem sie deshalb nach dessen Tode zugestellt wurde. Fridolin Ryff scheint in seiner Familie nicht viel von dieser Chronik gesprochen zu haben, und so kam der Name des Verfassers in Vergessenheit. Ob es möglich sein wird, durch zufällige Umstände denselben wieder zu entdecken, muss dahingestellt bleiben. Einstweilen thun wir wohl am besten, wenn wir die Chronik nach ihrem ersten bekannten Besitzer mit dem bisher üblichen Titel als die Chronik des Fridolin Ryff bezeichnen. Charak- Was wir ausser dem schon Erwähnten aus der Chronik Verfas- über die Person des Verfassers erfahren, ist wenig!), da er in sers. bescheidener Weise diese seine Person sehr wenig hervortreten und auch bei wichtigeren Gelegenheiten, an denen er bethei- ligt war, seine Betheiligung nur ganz gelegentlich erkennen lässt. Nach 8. 65, 4 scheint er schon im Jahre 1528 Mit- glied des grossen Rathes gewesen zu sein, er betheiligte sich dann an den Zusammenkünften der evangelischen Bürger, durch welche erst das Mandat vom 5. Januar 1529 erlangt und später im Februar dieses Jahres der Austritt der katholisch gesinnten Rathsglieder und die vollständige Durchführung der Reformation erzwungen wurde (8. 76, 7. 81, 25). Die unbe- fangene und arglose Weise, in welcher das gewaltsame Vor- gehen der evangelischen Partei erzählt wird, zeigt uns, dass Einleitung. 7 “wir es keineswegs mit einem leidenschaftlichen Hitzkopfe, son- dern mit einem durchaus ruhigen, nüchternen Bürger zu thun haben, der nicht im mindesten das Gefühl hat, dass er sich an einer Empörung betheilige, vielmehr sich bewusst ist, der schwankenden und durch unberechtigte Einflüsse am Einschla- . gen des richtigen Weges gehinderten Regierungsbehörde auf diesen zu verhelfen, und wir gewinnen zugleich aus seiner Darstellung den Eindruck, dass die ganze Bewegung diesen Charakter getragen hat, wenn sie auch, wie es bei einer ge- waltsamen Erhebung irgend einer Art kaum anders möglich ist, sich über die beabsichtigten Grenzen hat hinausreissen lassen in der durch einige ungeduldige Gesellen angeregten, gegen den Willen des Ausschusses vollzogenen gewaltsamen und eigenmächtigen Zerstörung der Bilder. — Von der Rich- tigkeit und der alleinigen Berechtigung seines evangelischen Standpunktes und der Verkehrtheit der päbstlichen Lehre ist der Chronist, ganz im Sinne der Supplication der evangelischen Bürgerschaft, so durchdrungen, dass ihm der richtige Maassstab für die Beurtheilung der Gegenpartei abhanden kommt, und er bei derselben nur Verstocktheit oder geradezu Böswilligkeit erblickt. Siehe z. B. 8. 73, 26 ff. 83, 4 ff. Die evangelische Gesinnung des Verfassers besteht in einem lebendigen Erfassen der Grundprincipien der Reformation, er verlangt freie Verkündung des lautern Gotteswortes, wie das- selbe in der Bibel enthalten ist, und Abschaffung aller in dem- selben nicht gegründeten Bräuche und Satzungen. Um die Festsetzung der Lehrsätze im einzelnen kümmert er sich wenig. Wir sehen aus seinem Werke, dass schon damals, wie noch heutzutage, in der Basler Bürgerschaft ebensoviel christlich religiöser Sinn als Gleichgültigkeit in rein confessionellen und dogmatischen Fragen geherrscht hat. Wie wenig muss doch diese Bürgerschaft von dem Abendmahlsstreite, der die Bezie- hungen zwischen den Reformatoren vergiftete, berührt worden sein, wenn der Chronist über das Marburger Gespräch einen Bericht geben kann, wie wir ihn 8. 104, 26 ff. lesen! — Während ferner der Chronist den Fortschritten der Reforma- tion in Basel mit sorgfältigem Interesse folgt, die bezüglichen Mandate mittheilt und zuletzt noch die Reformationsordnung vom 1. April 1529, durch welche der Sieg derselben zum Ab- schlusse gelangte, vollständig in sein Werk einreiht, erwähnt er der im Jahre 1536 aufgestellten Basler Confession mit kei- nem Worte. Mit der evangelischen Gesinnung Hand in Hand geht bei unserem Chronisten das Eifern gegen die fremden Kriegs- dienste, deren Bekämpfung bekanntlich auch Zwingli sich hatte angelegen sein lassen. Mit den schärfsten Ausdrücken verur- theilt er das französische Bündniss von 1521 (8. 27, 11 ff, Bildung. 8 Einleitung. 28,25 ff. 33, 5 ff. 48, 11 ff.) und belobt die Zürcher, dass sie als die Weisen sich nicht in dasselbe eingelassen. Die wissenschaftliche Bildung des Verfassers ist keine sehr hohe, das zeigt schon die erwähnte Art und Weise, ın der er sich über den Abendmahlsstreit ausspricht; so wenig als dem Abendmahlsstreite ist er dem Aufkommen und Umsichgreifen der reformatorischen Bewegung, insofern sie nicht Basel un- mittelbar berührt, nachgegangen. Luther wird ausser bei dem Marburger Gespräche gar nicht erwähnt, und Zwingli wird S. 46, 4 ff. ganz gelegentlich in die Erzählung eingeführt. — le ist es, dass er sich an einer Stelle (I: die freilich einem als blossen Lückenbüsser gesetzten Abschnitte angehört (s. unten S. 11 Anm. 1), hinsichtlich der politischen Verhältnisse der Eidgenossenschaft schlecht unterrichtet zeigt (siehe S. 92 Anm. 1). Im Lateinischen ist er nicht stark. Er schreibt » Erasmus von Kotterdamus« (45, 18. 147, 13), »hoc est corpus meus« (104, 38), mehrmals (35, 24. 69, 4) vewangelius« statt vevange- lıum«, und gebraucht »Cristum« als Nominativ (99, 19). Wenn er 151, 11 von einem Jungen spricht, der »in der studium oder schull stundt«, so ıst dies unter dem Einfluss des Genus von »schull« geschehen, ein guter Lateiner würde aber schwer- lich so gesagt haben. Indessen scheint der Verfasser seiner Zeit in der Schule lateinisch getrieben zu haben, er sagt z. B. »ıim colleio«, »dem ewangelio« und schwingt sich sogar in einer Randbemerkung (138 Anm. 3) zu einem freilich falschen Citat aus Persius auf. Was über das Lateinische hinausgeht, das geht dann auch vollends über sein Verständniss Inueen wie er denn S. 35, 20 f. berichtet, es sei einer aufgetreten, »genant Johannes Eocolampadius im hebreisch, ist zu tutsch Johannes Huschin«. Den Inhalt der Obsonik bildet die Erzählung dessen, was Quellen sich in den Jahren 1514—1541 ın und um Basel Denkmals ne diges zugetragen mit Berücksichtigung ausw ärtiger Ereignisse, insofern .dieselben..auf baslerische” Verhältnisse eine Rückwir- kung auszuüben geeignet sind oder aber an und für sich ein allgemeines Interesse in Anspruch nehmen. Der Verfasser er- zählt in erster Linie, was er selbst erlebt oder beobachtet hat, und bei dem gesunden Menschenverstand, den er besitzt, und dem ehrenwerthen Sinn, der ıhn beseelt, erhalten wir eine im ganzen glaubwürdige und theilweise recht lebendige Darstel- lung dessen, was innerhalb dieses Rahmens liegt. Anders ist es da, wo er nur nach Hörensagen berichtet, da kommen bis- weilen sehr ungenaue oder ger adezu unrichtige Angaben, allein, wie eben bemerkt, beschränkt: sich ja seine Chronik fast ganz auf baslerische Angelegenheiten, auf Begebenheiten, bei denen er entweder selbst mitthätig gewesen ist, oder die er aus näch- ster Nähe mitangesehen hat. Neben der Darstellung der poli- 09 N A Le De ZN nn Einleitung. y) tischen und der kirchlichen Angelegenheiten treffen wir Berichte über Naturereignisse, Witterungsbeobachtungen, Angaben von Lebensmittelpreisen. Eine Benutzung fremder schriftlicher oder gedruckter Berichte findet nicht statt, wohl aber werden ur- kundliche Actenstücke öfter erwähnt, so 8. 101, 17. 105, 8, oder auch vollständig mitgetheilt, das letztere wohl, so oft ihm der Wortlaut der angeführten Actenstücke zur Hand war; es ist dies namentlich der Fall bei einer ganzen Anzahl von Acten- stücken, die sich auf die Basler Reformation beziehn, und die er theils aus geschriebenen, theils aus gedruckten Vorlagen wiedergiebt. Die Abschriften sind leider meist sehr incorrect, einigemale ist es ihm auch begegnet, dass er die Actenstücke an unrichtiger Stelle in den Text einreiht; so hat er das S. 38, 4 fi. mitgetheilte Mandat nicht an dieser Stelle einge- schoben,, obgleich er in den vorhergehenden Worten dessen Inhalt deutlich genug angegeben hat, sondern nach 8. 54, 37, wohin es nicht gehört, so giebt er als Wortlaut des franzö- sıschen Bündnisses von 1521 Artikel, die, wie es in der Ueber- schrift zu denselben (S. 27, 7 ff.) heisst, »abgered sind uff ein hindersichbringen zu ein bericht und friden des künigs von Franckrich und gemeiner eydgnoschafft« u. s. w., d. h. Artikel aus den Friedensverhandlungen von 1516, und zwar, wie sich bei genauerer Betrachtung ergiebt, zweierlei Entwürfe, die hier als ein einziges Actenstück mitgetheilt werden. Wır haben jenes Mandat an die ihm zukommende Stelle gerückt, diese Entwürfe unter den Beilagen abgedruckt, von den übrigen mitgetheilten Actenstücken haben wir zwei ganz weggelassen, den Friedensvertrag vom 16. November 1531 zwischen Zürich und den fünf Orten, der in mehreren leicht zugänglichen Ge- schichtswerken abgedruckt ist, und zwar correcter als unsre Chronik ıhn giebt, und die sehr umfangreiche Basler Refor- mationsordnung vom 1. Aprıl 1529, diein Bullingers Refor- mationsgeschichte II, 82—108 nach einem alten Drucke wort- getreu, bei Ochs V, 686-739 ın modernisierter Fassung wie- dergegeben ist. Zwei andere Actenstücke, die sich ebenfalls bei Bullinger finden, die Supplication der evangelischen Bür- gerschaft aus dem December 1528 und das Mandat des Rathes vom 5. Januar 1529, haben wir gleichwohl abgedruckt, da sie viel enger als jene vorhergenannten mit dem Zusammenhange der ganzen Erzählung verflochten sind, und es für manchen Leser störend gewesen wäre, um diesen nicht zu verlieren, erst Bullinger nachschlagen zu müssen, der ıhm vielleicht gar nicht zur Hand ist. — Wo uns der Wortlaut der in der Chronik mitgetheilten, von uns zum Abdrucke bestimmten Actenstücke in einer authentischeren Fassung, in einem der Rathsbücher oder in einem gleichzeitigen Drucke, erhalten ist, haben wir 10 Einleitung. diese zu Grunde gelegt und die Abweichungen im Texte der Chronik als Varianten mitgetheilt. Art und Die Chronik ist nicht m Einem Zuge, sondern in ver- ira" schiedenen Absätzen niedergeschrieben, jedoch nicht in der Art, sung. dass die Erzählung in der Form, wie sie uns jetzt vorliegt, von Anfang an eine tagebuchmässige, den Ereignissen gleich- zeitige wäre, hiegegen spricht die abgerundete Darstellung, welche manche Abschnitte erhalten haben, und die Art und Weise, wie sie Ereignisse späterer Jahre erzählen oder gele- gentlich erwähnen. So bildet namentlich der Abschnitt, ın wel- chem das Aufkommen und die Fortschritte der evangelischen Lehre in Basel erzählt werden (S. 33, 11—46, 22), ein zusam- menhängendes Ganzes, das, an die Erzählung von Ereignissen aus dem Jahre 1522 sıch anschliessend, sich über die Jahre von 1522 bis 1526 erstreckt. Es kann also dieser Abschnitt und was ıbm folgt (der Faden der Erzählung kehrt wieder zum Jahre 1523 zurück) nicht vor 1526 niedergeschrieben sein, und wenn 8. 47, 10 bei der Erzählung eines Auszuges von 300 Baslern nach Mailand der Chronist hinzufügt: »got geb in gluck«, so dürfen wir daraus nicht auf eine dem Ereignisse gleichzeitige Abfassung dieses Theils der Chronik schliessen, sondern nur darauf, dass der Chronist eine gleichzeitige Auf- zeichnung unverändert in diese aufgenommen hat. Hat uns der Abschnitt über die Ausbreitung der evangelischen Lehre auf eine Abfassung nicht vor 1526 hingewiesen, so finden wir S. 29, 40 ff. eine Stelle, die auf Ereignisse des Jahres 1527 Bezug zu nehmen scheint (vgl. 56, 26 ff.), so dass wir den Endpunkt für die Abfassung schon dieses Abschnittes noch etwas weiter hinabrücken müssen. Auf der andern Seite erse- hen wir aus der Erzählung des ersten Cappeler Krieges, (dass dieser ganze Theil der Chronik vor dem Ausbruche des zwei- ten muss geschrieben sein. Denn nachdem die Vermittlerthä- tigkeit der Strassburger und des Ammanns von Glarus gerühmt worden, spricht der Chronist S. 102, 5 die Hoffnung aus, »das es zu solchem fall in einner eygnoschafft nyt me kumen sol«. Diesen Satz hätte der Chronist nach dem Ausbruche des zwei- ten Cappeler Krieges nicht schreiben, er hätte ıhn aber auch, wenn er ihn in einer früheren Aufzeichnung vorgefunden, nicht stehen lassen können, wie das harmlose »got geb in gluck«, von dem oben die Rede war. Wir müssen also schliessen, dass die Ausarbeitung dieses Abschnittes und all dessen, was ihm vorangeht, nicht nach dem Jahre 1531 kann stattgefunden haben. Betrachten wir nun das Aeussere der uns erhaltenen Originalhandschrift, so erscheint dieselbe von Anfang bis in die Darstellung der Ereignisse des Jahres 1529, bis S. 104, 15 unserer Ausgabe, als in Einem Zuge geschrieben; sowohl die Farbe der 'Tinte als die Züge der Handschrift bleiben sich im Einleitung. i 11 wesentlichen gleich !) ; von dem erwähnten Abschnitte an tritt dagegen ein merklicher Wechsel ein, der uns zeigt, dass die folgenden Aufzeichnungen in verschiedenen, der Zeit nach aus- einanderliegenden Absätzen gemacht sind. Wir werden also annehmen dürfen, dass der Verfasser im Jahre 1529, wohl aus Anlass der glücklichen Durchführung der Reformation in Basel und des günstigen Ausgangs des ersten Cappeler Krieges es unternommen, eine Erzählung der merkwürdigen Begebenhei- ten, die er erlebt hatte, niederzuschreiben. Er konnte hiebei, wie die Genauigkeit zeigt, mit der auch bei längst vergange- nen Ereignissen das Datum und die nähern Umstände ange- geben werden, eine Fülle von genauen, tagebuchmässigen Auf- zeichnungen benutzen, die er sich im Laufe der Jahre angelegt hatte und die er theilweise in ihrer abgerissenen Gestalt wört- lich seiner neuen Arbeit einverleibte, während er einzelnen Abschnitten eine ausführlichere, abgerundetere Darstellung zu Theil werden liess. Von diesen letztern muss er sich aber erst ein Concept entworfen haben, denn die vorliegende Handschrift stellt sich als eine sauber ausgefertigte Reinschrift dar. Hie und da schob er die Abschrift von Actenstücken ein, die er ebenfalls seit längerer Zeit gesammelt und aufbewahrt hatte. Bei undatierten Stücken ist es ihm dann freilich manchmal . begegnet, dass er sich über die Stelle getäuscht, an der sie einzuschalten waren, ebenso wie er auch etwa ein Ereigniss unter einem unrichtigen Jahre aufgeführt hat, so den Zug nach Dijon, den er ins J. 1514 setzt, während er 1513 stattgefunden. Mit besonderer Ausführlichkeit und Anschaulichkeit hat er die im Augenblicke des Niederschreibens ihm noch in frischestem Gedächtniss stehenden Ereignisse vom December 1528 bis zum Februar 1529, welche den Sieg der Reformation in Basel zur Folge hatten, und bei denen er selbst mithandelnd betheiligt gewesen war, geschildert?). — Dem eben Gesagten scheinen freilich auf den ersten Blick die Verse auf dem Titelblatte zu widersprechen, die vielmehr auf eine Abfassung nach 1533 hin- deuten. Allein beim Betrachten der Originalhandschrift schwin- det dieses Bedenken, da sich aufs Deutlichste zeigt, dass ein Theil der Verse, darunter die, welche von dem Jahre 33 als einem vergangenen sprechen, erst späterer Zusatz sind. Beim Niederschreiben der Chronik hat der Verfasser im Anschluss an das Vorhergegangene »got schick al ding zum besten! Amen« hinzugefügt: »Frilich selzam ding fürwar, eb das kumpt das 33. jar!« Wie es scheint, waren auf das Jahr 1533 selt- same Dinge prophezeit worden, und der Chronist ruft nun, indem er sich anschickt, seine Chronik einzutragen, ım Hin- blick auf den angeführten frommen Wunsch aus: »Wahrhaftig, es gehen seltsame Dinge vor, und zwar noch vor dem Erschei- nen des 33. Jahres!« Später hat er dann die Verse »Sur 12 Einleitung. sechen — — wel machen« eingeschaltet, in welchen er seine ruhige Ergebung in das, was noch kommen soll, ausspricht. Während er an seiner Chronik weiter arbeitete, lief das Jahr 33 ab, und er fügte nun den Versen, die sich auf dasselbe bezogen, noch bei: »Dasz 33. ist hindan, uff das 40. wend wir achtung han«. Wie es scheint, waren, wie auf das Jahr 1533, so auch auf 1540 wichtige Ereignisse prophezeit. Nachdem der Chronist in ununterbrochener Arbeit eine Erzählung der Begebenheiten bis ins Jahr 1529 gegeben hatte, führte er dieselbe in Absätzen fort. Offenbar hat er auch jetzt, wie die fast vollständige Abwesenheit von Üorrecturen zeigt, die ersten Aufzeichnungen an andrer Stelle gemacht und sie dann sauber ın die Chronik eingetragen. Dieses Eintragen ge- schieht aber oft in einer den Ereignissen noch sehr nahe lie- genden Zeit. Man sieht, er steht bisweilen noch mitten in denselben drin und weiss nicht, was sie für einen Ausgang nehmen werden. Es lässt sich dies vielfach in auffallender Weise bemerken. Es würde zu weit führen, wenn wir alle Fälle der Art namhaft machen wollten, wir beschränken uns auf einige besonders deutliche Beispiele. So wird 8. 128, nachdem von einer- den 8. August 1531 abgehaltenen Gross- rathssitzung die Rede gewesen, berichtet, es sei auf den 13. August ein Tag zur Verhandlung mit den 5 Orten angesetzt worden, und der Chronist begleitet diese Angabe mit dem Wunsche: »got wendz zum besten«e. Nachträglich hat er aber zwischen diese Worte und den Anfang des folgenden Ab- satzes die Worte eingeschoben: »Diser tag wart zerschlagen und ein andrer angesetzt uff mentag vor Bartlomey«!). So werden auch die Unternehmungen und Verhandlungen, die auf den Ueberfall der französischen Studenten im Jahre 1537 folgen, nicht erst nach Abschluss des ganzen Handels, sondern all- mälich, während der Abwicklung desselben, eingetragen. Ein Absetzen des Schreibers lässt sich nach den Worten »hörren wurt« (152, 36), nach »jor« (153, 10), nach »uffendthielten « (153, 28), nach »hornug« (154, 3), nach »besten« (154, 35) und endlich nach »zstöllen« (155, 16) aus der Farbe der Tinte aufs Deutlichste erkennen. In dem folgenden Abschnitte, der über Lebensmittelpreise berichtet, hat er nach »15 ß.« (156, 3) und wieder nach »fierthalb ß« (156, 11) abgesetzt, in dem Ka- pitel »Von einner mustrung« (158, i0 ff.) nach »geendet« (158, 24; das Semicolon sollte nach diesem Worte stehen, nicht nach »tagen«, wo es jetzt im Drucke steht), in dem Kapitel » Von dem krieg und handlung derren von Rotwill« (161, 22) nach »ist« (162, 1) und nach »versamlet« (162, 5). Die angeführten Beispiele zeigen, dass in diesem zweiten Theile der Chronik die Ereignisse oft wenige Tage nachdem sie sich zugetragen haben, in dieselbe eingetragen worden sind, Einleitung. 13 während der erste Theil zwar auch auf solchen gleichzeitigen Aufzeichnungen beruht, aber erst geraume Zeit, nachdem die ältesten derselben gemacht worden waren, seinen Platz in der Chronik gefunden hat. Die Schriftzüge der Chronik sind sauber, wenn ihnen auchäussehn nicht gerade das Lob grosser Deutlichkeit gespendet werden an kann. “Hierüber ,. sowie “über einzelne Eigenthümlichkeiten der „der Orthographie haben wir uns in der Vorrede zu unserem Bande schritt. eingehender ausgesprochen. Die Handschrift enthält, wenn wir das "Titelblatt als das erste, das Blatt, welches den Schluss der Chronik enthält, als das letzte rechnen, 134 Blätter. Da das Titelblatt und das letzte Blatt auf der Rückseite nicht beschrie- ben und zwei Blätter in der Mitte, das 62. und 63., ganz weiss gelassen sind, ergiebt dies 262 ganz oder theilweise be- schriebene Seiten, die in dem Bande, wie er uns jetzt vorliegt, als S. 60— 321 numerlert sind. Wıe das Wasserzeichen, ein grosser Baselstab, zeigt, haben von den jetzt in dem Bande befindlichen Blättern noch das dem Titelblatt unmittelbar vor- angehende und eine grosse Zahl der auf den Schluss der Chro- nik folgenden ursprünglich. dem Buche angehört, in welches diese eingetragen war. Dieses Buch nun befand sich, wie uns Peter Ryff berichtet (S. 194), im Besitze des Fridolin Ryff bis zu dessen Tode; nachher gelangte es in die Hände seiner Tochter, der Magdalena Wolleb,. welche es dem Peter Ryff zum Geschenke machte. Peter Ryff war der gleichnamige Enkel von Fridolins jün- Peter gerem Bruder Peter, der vor der Reformation Augustinermönch lane seine und Organist im Münster gewesen war, im Jahre 1526 dasZusätze Kloster verlassen und sich verheirathet (199 Anm. 3. 402Chronik. Anm. 4), Tuchhandel und Weberei getrieben und die Stelle eines Freiamtmanns am Stadtgericht bekleidet hatte und im J. 1550 gestorben war. Dessen Sohn Daniel, der das väterliche Geschäft fortsetzte, scheint ein wohlhabender und angesehener Mann gewesen zu sein. Er war Mitglied des Rathes und starb 1612 im Alter von 83 Jahren. Der älteste seiner Söhne war eben unser Peter. Nach den Athenae Rauricae (S. 412) war er am 8. Mai 1552 geboren, wurde 1569 auf der Universität imma- triculiert, erwarb 1572 den Grad eines Baccalaureus, 1576 den eines Magisters der Philosophie und 1584 die medicinische Doctorwürde. Nachdem er einige Jahre practiciert hatte, er- langte er den durch die Ernennung des Chronisten Christian Wurstisen zum Stadtschreiber erledigten Lehrstuhl der Mathe- matik, den er bis zu seinem Tode im J. 1629 bekleidete. Z ugleich versah er das Amt eines Universitätsbibliothekars (vgl. S. 235). Peter Ryff hat eine Anzahl mathematischer Schriften verfisst, deren Titel sich zum 'Theil in den Athenae Rauricae verzeichnet finden. Durch den Besitz der Chronik des Frido- 14 Einleitung. lin wurde er zu einem Versuche geschichtschreiberischer 'Thä- tigkeit veranlasst, indem er sich im J. 1585 entschloss, jene zu ergänzen und fortzuführen, angeregt wahrscheinlich durch den Abschluss der Verhandlungen der Stadt Basel mit dem Bischof, der einen wichtigen Abschnitt in der Geschichte der ersteren bezeichnet, indem, allerdings gegen schwere Opfer, ihre factisch schon längst bestandene völlige Unabhängigkeit vom Bisthum zu rechtlicher Anerkennung gelangte, und das Verhältniss zum Bischof ein für allemal geregelt wurde. Er liess das Buch, in das sie eingetragen war, auseinander neh- men, vorn und hinten eine Anzahl von neuen Blättern ein- fügen (sie sind von den früher schon vorhandenen durch ein anderes Wasserzeichen, einen kleinen Baselstab mit einem un- ten angefügten Kleeblatt kenntlich) und das Buch in Papp- deckel, mit gepresstem Pergament überzogen, neu binden. Bei dieser Gelegenheit sind das Titelblatt und einige spätere Blät- ter etwas zu stark beschnitten worden, so dass einzelne Buch- staben weggefallen (s. unten 8. 18. 149. 157 in den Varianten- rubriken und S. 138 Anm. 3). Nachdem Ryff das Buch neu hatte binden lassen, schickte er der vorhandenen Uhronik eine kurze Uebersicht der Hauptmomente der Basler Geschichte von der Zeit der Rauracher bis zum Abschlusse des Vertrages mit Bischof Christoph voraus und versah sie mit einer bis auf eben diesen Zeitpunkt geführten- Fortsetzung, welche im Style. der alten Chronik auch die gewöhnlicheren, aber immerhin wis- senswerthen Ereignisse aus der Basler Geschichte berichten sollte. Er spricht sich hierüber in einer auf dem zweiten Blatte des Bandes eingetragenen lateinischen Vorrede aus. — Das erste Blatt enthält den Titel: BASILEA |Petri Ryff. Bas.|.r.|!) Ueber 1585 hinaus hat er die Chronik nicht fortgesetzt, und das viele weisse Papier, das er hinten hat anbinden lassen, ist unbenutzt geblieben. Dagegen hat er einige Jahre später zwischen die Vorrede und die summarische Chronik eine kurze Geschichte seines Geschlechtes eingeschoben, welche sammt dem Schlusse der zu gleicher Zeit erweiterten Vorrede das dritte, vierte und fünfte Blatt in Beschlag nimmt (s. unten S. 195 ff.). Blatt 6 und 7 sind leer?), dann folgt die kurze Darstellung der gesammten Basler Geschichte unter dem Titel: Summarische generall und Basler chronic, von dem ersten se- culo der geburt unsers herren und heilandts Christi har in die volgenden, durch der jaren zall usz vilen schribenten, die ich hiezu conferiert, als chronicam Stumpfi, Urstisii, cosmogra- phiam Munsteri, und sunst alten instrumenten und sonderen verzeichnussenn, deren ich transumpten bekommen, züsammen gezogen und den volgenden chronicis historis, in anno Christi namlich 1514 angefangen, premittiert. Anno domini 1585. Petr. Ryff Bas. philosophiae ac med. doct. — Diese Chronik Einleitung. 15 füllt 24 Blätter (vom 8. bis zum 31. des Bandes) und von dem zunächstfolgenden noch einen Theil der Vorderseite, dann'kom- men zwei ganz leere Blätter, auf diese folgt die Chronik des Fridolin Ryff, und auf diese die Fortsetzung Peters auf 15 Blättern. Bei Gelegenheit der Abschrift, welche im vorigen - Jahrhundert Emanuel Ull von den im Bande befindlichen Stücken nahm (s. unten 8. 17), hat er denselben paginiert, wobei er mit Ausnahme der Rückseite des ersten 'Titelblattes und der damals noch unbeschriebenen Rückseite der auf Blatt 4 stehen- den Stammtafel (s. S. 196 ff.) die leeren Seiten nicht berück- sichtigt hat. Die summarische generall und Basler chronic hat wenig Werth; über die älteren Zeiten enthält sie eine blosse Compilation, über die Zeiten, welche der Verfasser selbst erlebt hat, ist sie sehr kurz, weil diese ja in der Fortsetzung der Chronik des Fridolin zur Behandlung kommen sollen, bloss den Verhandlungen der Stadt mit Bischof Christoph, mit denen sie abschliesst, widmet sie eine grössere Ausführlichkeit, so dass in der Fortsetzung auf die in ihr enthaltene Darstellung kann verwiesen werden. Werthvoller ist die Fortsetzung, ob- gleich auch sie an Bedeutung nicht mit der Uhronik des Fri- dolin Ryff verglichen werden kann. Diese beruht durchweg auf sorgfältigen gleichzeitigen, Jahrzehnte hindurch fortgeführ- ten Aufzeichnungen eines Mitlebenden und theilweise Mithan- delnden, die er selbst zusammengestellt und verarbeitet hat, hier sind über einen Zeitraum von mehr als 40 Jahren Noti- zen verschiedener Art durch einen Bearbeiter zusammengestellt, der weniger aus selbständigem Interesse als in Folge einer zu- fälligen Veranlassung diese Arbeit unternommen hat. Als Peter Ryff sich im J. 1585 daran machte, diese Fortsetzung zu schrei- ben, war bereits die Chronik von Wurstisen erschienen, die sich ausführlich über den grösten Theil des von dieser zu be- handelnden Zeitraumes verbreitet. Ryff gieng also nicht darauf aus, eine umfassende Darstellung der Basler Geschichte wäh- rend desselben zu geben, sondern beschränkte sich, eine An- zahl interessanter Begebenheiten zu verzeichnen. Hliebei schöpfte er aus seiner eigenen Erinnerung, indem er Dinge berichtete, die er selbst erlebt oder mitangesehn, oder über die er Leute, die sie erlebt, hatte erzählen hören, er muss aber auch, na- mentlich da, wo er genaue Angaben über Naturerscheinungen und Lebensmittelpreise macht, handschwiftliche Aufzeichnungen benutzt haben. Von wem dieselben herstammen, ist schwer zu sagen; dass er selbst im Brauche gehabt, solche zu machen, mochte man bezweifeln, wenn man sieht, dass er nach 1585 keinen Drang mehr gefühlt hat, seiner Arbeit Nachträge bei- zufügen. Endlich hat er auch bei dem Niederschreiben seiner Chronik gedruckte Bücher zu Rathe gezogen, jedoch nicht so, dass er sie ausschreibt, er fasst sich im Gegentheil öfter kurz 16 Einleitung. über Gegenstände, welche in gedruckten Werken ausführlicher können nachgelesen werden (164, 8 ff. 166, 6 ff. 170,4. 174, 21. 117,27): In eben dieser Weise hält er es mit urkundlichen Actenstücken, er nimmt sie nicht, wie sein Vorgänger, wört- lich in den Text auf, sondern erwähnt sie bloss (180, 25) oder giebt ihren Inhalt im Auszuge wieder (168, 12 ff. vgl. S. 216. 217). Es ist natürlich, dass aus den früheren Zeiten, wo der Verfasser noch gar nicht lebte oder noch ein Kind war, eine spärlichere Zahl von Begebenheiten berichtet wird, als aus den späteren. Die ganze Arbeit trägt ihrer Entstehung nach nicht den Charakter der Unmittelbarkeit” und Genauigkeit, der die Chronik des Fridolin Ryff auszeichnet, und der auch den Auf- zeichnungen des Diebold Ryff (218 ff.) eigen ist, immerhin lie- fert aber auch sie manche eigenthümliche und erwünschte Bei- träge zu der Geschichte Basels in dem von ihr behandelten JZeitraume, wir haben daher keinen Anstand genommen, sie im Anschluss an die Chronik des Fridolin Ryff zum Abdrucke zu bringen. Dagegen haben wir den grösten Theil der sum- marischen generall und Basler chronice dessen nicht werth er- achtet und uns beschränkt, den Schluss derselben, der den Streit der Stadt mit dem Bischof Christoph behandelt, in den Beilagen mitzutheilen. Ebendort haben wir auch die Vorrede des Peter Ryff und den Stammbaum der Ryffischen Familie sammt den ihn erläuternden Familiennachrichten mitgetheilt. Auf einem kleinen Blättchen, das auf der Innenseite des vordern Deckels aufgeklebt ist, hat Peter Ryff folgende Ver- fügung aufgeschrieben: NB. Dises buch der Basler chronic soll jederzeit und al- wägen by dem eltisten miner shönen einem verbliben und ge- trewlichen aufgehalten werden, oder sonst einem mines ge- schlechts der Ryffen, auch niemanden lichtlichen gezeiget oder auszgelichen werden, damit es nicht dahinden verblibe, wil in disem buch vil sonderbare sachen aufgezeichnet sindt, welche iederzyt häliglichen gehalten sindt worden, so man in getruck- ten cronicen nicht wöllen offenbaren. Doct. Petr. Ryff. Bishe- Trotz dieser ängstlichen Verfügung ist jedoch das Buch zunskeineswegs als ein todter Schatz in den Händen der Ryffischen ener „Familie gehütet worden. Schon Wurstisen hat in seiner Basler ab Chronik die Chronik des Fridolin Ryff fleissig benutzt; ob sie an "“ damals schon in den Händen des ohne Zweifel mit Mur araer, befreundeten Peter (s. oben 8. 13) war, wissen wir nicht, ebensowenig, ob dies der Fall war, als Diebold Ryff sie ab- schreiben liess (siehe S. 219, 4 ff.); späterhin, nachdem der Band schon seine jetzige Gestalt erhalten hatte, im Jahre 1614, hat Peter dem Nielaus Rippell, der ihm die beiden Ryffen- Einleitung. 17 wappen in denselben eingemalt, erlaubt, eine Abschrift von den darin enthaltenen Chroniken zu nehmen!). Ebenfalls wohl aus dem Anfang des 17. Jahrhunderts findet sich auf der Uni- versitätsbibliothek eine Abschrift desjenigen Theiles der Chronik des Fridolin, der die Begebenheiten von 1514—1529 enthält). Endlich besitzt die Bibliothek des Antistitiums eine sorgfältige Abschrift sämmtlicher in dem Band enthaltener Stücke, die im vorigen Jahrhundert Emanuell Ull angefertigt hat). Diese von uns gelegentlich als Cop. Ant. citierte Abschrift allein war Haller bekannt, als er in seiner Bibliothek der Schweizer- geschichte die Chronik aufführte, und Herzog in seinem Leben Oecolampads (1843 erschienen) hat nach ihr gearbeitet, indem . er das Original für verloren hielt, das damals schon seit eini- ger Zeit auf der Universitätsbibliothek stand. Es war im Be- sitze von Peter Ryffs Nachkommenschaft geblieben, bis im November 1822, wie eine auf der Innenseite des vorderen Deckels befindliche Bemerkung des damaligen Bibliothekars, Prof. Dan. Huber, uns belehrt, Herr Christoph Socin, Vater, der Handelsmann, sie der öffentlichen oder Universitätsbiblio- thek zum Geschenke machte. Wie Wurstisen, so hat auch Ochs die Chronik vielfach zu Rathe gezogen und verwerthet, ob nach dem Original oder nach einer Abschrift, lässt sich nicht mit Sicherheit sagen, wahrscheinlicher ist das letztere; in unserem Jahrhundert haben sie Herzog und Hagenbach bei ihren Arbeiten über die Basler Reformation benutzt, Peter Merian (vgl. S. 197, 11 ff.) in seiner Schrift über die Erdbeben in Basel (1834) u. s. w. Dr. Karl Buxtorf hat in den Anmer- kungen zu der Reformationschronik des Karthäusers Georg (s. S. 377) und in seinen Basler Stadt- und Landgeschichten aus dem 16. Jahrhundert (Basel 1868) manche Auszüge aus derselben mitgetheilt, Prof. Friedrich Fischer in dem Basler Taschenbuch auf das Jahr 1850, herausgegeben von Streuber, S. 17—37 den interessanten Abschnitt, der die auf die Durchführung der Re- formation bezüglichen Ereignisse vom Ostermontag 1528 bis zum Aschermittwoch 1529 erzählt, aus der Rippell’schen Ab- schrift abgedruckt, ohne zu wissen, dass er es mit einer Abschrift der vielgenannten Ryffischen Chronik zu thun hatte. Eine vollständige, mit diplomatischer Treue angefertigte Ausgabe bieten wir hier zum erstenmale. Möge sie ın Verbin- dung mit den andern in unserem Bande enthaltenen Quellen der gründlichen Erforschung der Basler Reformationsgeschichte eine neue Anregung geben! Ru Basler Chroniken. 1. [60] T IHS T 1514. Bedenck all ding im anfang, Wie es mög han sin uszgang, Welcher ein ding wil understan, Solsz in guttem losen uszkon! Diewil al ding durch got unserem schöpfer erschaffen und angefangen ist, hab ich durch sin hilff und gnod disz buch angehebt zu schriben und angefangen allen liebhabren der alten und geschechen dingen zu hören’ zu lieb beschriben etliche geschichten, so sich verloffen hant und beschechen by miner zit, so ich dan worhafftiglich weisz und gesechen hab zum deil, wasz sich dan begeben hat von disem datum an minsz schri- bens, so lang mir got sin gnod verlicht, in dem jor angefan- gen noch der geburt unsers erlosers, alsz man zalt dusent funffhundert und fierzechen jor. Got schick al ding zum besten! Amen. Sur sechen hilfft nit vil, Uff kunfftig ding ich achten wil Und stil schwigen zu allen sachen, Was got mit unsz wel machen. Frilich selzam ding fürwar, Eb das kumpt das 33. jar! Das 33. ist hindan, Uff dasz 40. wend wir achtung han!). [sı] Dis nochgend hab ich in eim alten buch funden, dorum hab ichs hieher gesetzt zum anfang, und ouch durch gott be- schechen ist: 4. uszga... Der Rest ist durch Verschneidung des Randes weggefallen. 11. hat Hs. 23. j[ar]. Durch Randverschneidung sind in der Hs. die zwei letzten Buchstaben wegge- fallen. 25. w[end] s. die vorhergehende Anm. Cop. Ant. liest das xl w der Hs. irrthümlich als 42, Mit dieser Zeile endet S. 60.der Hs. Die Rückseite ist leer und nicht paginiert. 1) Diese Verse {s. über dieselben oben Einleitung 8. 11£.) stehen um eine rohe Federzeichnung, auf der ein lorbeerbekränzter Mann dar- gestellt ist, der fast ganz durch einen Schild mit dem Zeichen: ( Christus vincit? oder sollten die beiden Buchstaben den Namenszug des Ver- fassers enthalten?) verdeckt wird. 10 15 20 25 10 20 30 35 40 1514. 19 In jüdischer sproch und land Hatt sant Matheus mit sinner hand Geschriben das ewangelium Cristi, dasz ist war, Noch Crist geburt zwentzig und zwey jar. So hat sant Marx, der ewangelist, Alsz man zalt noch der geburt Ihesu Crist Drü und fierzig jor, in kriechischer zungen Das ewangelium gschriben alten und jungen. Über manch jor dornoch Zu Asia in latinischer sproch Von Johanny, dem ewangelist, Das ewangelyum geschriben, und glich gestorben ist.. Über zwey jor dornoch von Marcus, lisz ich das, Geschriben hat sant Lucasz Sin ewangelium in Kriechenland Und den Latinischen über mör gesant. Dise sagen von geistlichen dingen. Anders wil ich harfürer bringen: Do man zalt 1356 jor, Vom erdbydem Basel ferfiel, das ist war). [62] Noch sant Urich den ersten tag, | 5. Juli. Tusent fierhundert sibenzechne vor ougen lag, Zu Basel sant Alban und der spital Verbrantten gar noch überal?). Tusent zweyhundert jor gezalt Und eins wasz ouch do mit gewalt Um nün krutzer, merck mich eben, Ein soum win zu Basel wart geben. So weisz ich das und ist war: Gezalt tusent zweyhundert acht und zwenzig jar Der win im aprellen blügen thet, Und um Johanny man den herbst het. Tusent fierhundert und achtzig jor, Wasz ich sag, das ist war, Uff sant Jocabsz tag, wie wir lessen, 35. Juli. Der Rin am grösten ist gwesen?). Ein marck sylber das korn galt Zu Strosburg, alsz: man zalt Tusent ein hundert nützig siben jor Noch Crist geburt, sag ich fürwar. 13. dornoch von corrig. aus: »noch Marcus« Hs. 1) Ochs II 8. 9% fi,» 1356. 18. October. W. Wackernagel, Das Erdbeben von 1356 ete. in »Basel im 14. Jahrhundert.« Basel, Georg 1856 S. 211. 2) Ochs II S. 123: 1417. 5. Juli. 3) D. 23. Juli hat Wurs- tisen 462. Ra 6. Jan. 20. Jan. 1513 24. Aug. 20 1514. 1513. Zu Strosburg in der selben stat Man angefangen zu buwen hat Das munster, hab ich glesen, Do die zal tusent und 15 ist gewesen!). [ss] Als man zalt 1514 uff der heilligen drü künigen tag noch gottes geburt, wasz der Rin hie zu Basel überfroren oberthalb der Pfalz herab bisz für Klingenthall, dasz man doruff danzet und mit pfiffen und drumen usz der grosen stat in die kleine zoch uber dasz ysz; esz weret sollich gfryst wol acht tag lang, esz gieng ouch alle tag ein grose welt von jungen und alten menschen uber das ysz, uber und wyder über und zu ring um das kapelle, so uff der brucken stat. Esz reit ouch uff das letscht ein müller usz der kleinnen stat uber das ysz, wolt ouch versuchen und reit underhalb der brucken, also brach das ysz under im, und fiel im das rosz hinin, und halff im got, das vil lüt ouch uff dem ysz woren, die lieffen zu und hulffen im und dem rosz, das sy beyde uszkomen on schaden. Also fieng das ysz an zu spalten und brach noch und noch hinweg?). Es wart ouch in disem jor ein groser erdbydem gehört uff sant Sebastians tag zu nacht zwischen sibnen und achten®), der für ein grose warnung geachttet wart. In disem jor?) uff sant Bartlomes tag sind gemein eydgno- sen usz der gantzen eydgnoschafft von allen ortten zogen in Hoch- Burgund, zugen für die stat Dision), worren wyder ein kung von Franckrich. Belegerten also die stat, dan die eydgnosen woren vormolsz nie also starck uszzogen, dan sy woren in disem zug by drüszigtusent starck von allen ortten und len- dren. Esz wasz ouch alsz der recht kern von errenlütten und [64] fast wol gerüst und hübsch lüt mit alem gschuz und reysz- zug wolversechen, zugen vil ort. hie durch Basel, namlich Zu- rich, Lutzern, Schaffhusen, Sant Gall, Glarisz, Apenzel, Ury, Schwitz, Underwalden, Zug, Frowenfeld. Desglich alle flecken und zugwandten, on not al zu nemen. Aber Bern, Friburg und Sollenthurn zugen ein andren weg hinin. Es wart hie zu Basel so vol volcks, das man in alle burgershuser legen must, bisz ein zug dem andren wichen mocht; leyd man etwan in ein husz zwentzig man, zechen man, minder und me, und wur- den all erlich gehalten, dan es alsz namhafftig erlich lütt wo- ren, und wert diser zug am hininziechen by acht tagen, das 1 Ann. Ban SS.XVI.87. S. Die Unna deut. Städte VIILS. 16. 2) Wurstisen: »Solche warnung vermocht, das es die Ober- keit mornderigs verbothe« 3) Wurstisen: »zwischen sechs und sieben.« 4) Ein Irrthum des Autors. Es war 1513. S. für diesen Abschnitt: Dr. W. Gisi: Der Antheil der Eidgenossen an der europäischen Politik in den Jahren 1512—1516, Schaffhausen, Hurter 1866, bes. Cap. 4 und die dazu ci- tirten Quellen, vornämlich Anshelm IV. 463 ff. ‘8. die IIlg on DARTE schen Abschiede Ill. 2 8. 730 ff. 5) Dijon. b) _ [1 3 20 1515. 21 ein ort dem andren kum endwichen mocht, und wart groser mangel an essen, dan sich nieman einsz sollichen grosen volcks versechen hat hie durch zu ziechen. Esz zugen ouch unsere herren von Basel mit in mit fierhundert wolgeruster knechten!), under dennen wasz houptman her Lienhart Grieb, desmolsz oberster zunfftmeister?). Nun alsz sy die stat Dision belegertten, fieng die untruw und verettry an under den eygnosen, das do etlich houptlüt under innen sich liesen bestechen mit gelt, das sy ein vertrag 10 annomen 3) mit dem künig und liessen sich mit gelt abkouffen, namlich wart innen zugeseit etlich donnen golt zu geben, des- glich pension, so villen dorvon wart, und yederman wyder abzoch. Es gieng aber under dem hüdly zu und mit verettry, das nit jedem zu wissen wart. Es wasz ouch gemeinen knech- 15 ten nit lieb, dan do hetten sy mögen er und gutt [65] gewin- nen, dorzu sy ouch recht hetten gehebt. Also zoch man wyder ab liederlich und on alle er. Beroubten das land allenthalben, brochten vil fiech mit innen, schoff, ochsen, rosz und schwin, von huszrat ein grose zal, so sy den armen lutten genumen 20 hatten; wart ouch vil zu Basel verkoufft desselben fiech. Sy brochten ouch etlich Frantzosen mit innen, die gemeinen eyd- gnosen zu pfand warren gen), bisz innen das wurt, so innen vom kung zugeseit wasz worden. Also wart diser zug lieder- lich gericht, hat ouch harnoch manchen frumen eygnosen kostet, 25 der sin um sin leben kam. a Von ein zug aber von gemeinen eydgnosen wyder ein kung von Franckrich des herzogen von Meyland halb>). Uff magii alsz man zalt 1515 zoch aber gemein eydgnosen (9.) Mai. usz mit groser macht zu hilff dem herzogen von Meyland wy- 30 der ein künig in Franckrich. Dan esz traff gemein eydgnosen ouch an, zoch man von Basel usz mit sechsz hundert wolge- rüster manen, alsz gut namhafftig burger, zugen mitsampt an- dren eydgnosen in Meiland, logen do in vom obgenanten mo- net an bisz um Johanny; wasz under disem huffen houptman2. Juni. 35 her Hans Trutman, desmolsz obrister zünfftmeister 6) und liffer- her jungker Pernhart Meyger und fenrich Hans Lützelman der metzger. 1) Wurstisen: »Basel hatt in disem Zeug u Mann. Anshelm IV. 464 hat 600 Mann. 2) Seit 1504. Leu. 3) 8. die Artikel v. 13. Sept. 1513 bei Gisi 8.123.124, nach Anshelm IV. A471ff. Eidgen. Abschiede 11. 2,89:7341 1859» 4) Herrn von Mezieres und Herrn von Rochefort, sowie vier Bürger von Dijon. Gisi 124... Eidgen. Abschiedelll. 28. 763 etc. 5} Wurstisen weicht von Ryff vielfach ab. Nach ihm sind im Mai‘nur 200 Baseler ausgezogen. Er giebt die Hauptleute für (beide: Züge WIRASRER an. Ihm folgt Ochs V. 296. 297. 6) Seit 1509. Leu. \ 24. Jun. 24. Aug. 24. Aug. 14.Sept. 22 1515. Aber ein zug, so man von Basel thet, schickt man disem huffen zu. [se] Also uff Johanny in dem vorgenempten jor wurtten: me knechten in Meiland geschickt von gemeiner eydgnoschafft, wurtten aber von Basel uszgeschickt sechsz hundert wolgeruster knecht zu rosz und fusz, under dennen wasz houptman jungker Heman Offenburg!) und lifferher Martin von Seltz, der schni- der, und fenrich her Hans Ber?), der gewantman. Zugen also uff obgemelt datum hinweg, logen ouch also in Meyland bisz uff Bartlomey. Also dise zwelff hundert von Basel zamen komen mitsampt andren eydgnosen, kam ylenz botschafft, wie das man me lüt must hynin schicken, dan dise vorgenanten nit me wolten: still lygen, sunder die figend angriffen, dan diewil sy so lang din- nen stil gelegen woren, hat sich der kung mechtig gesterckt, dan sy nie kein angriff thon: hatten. Also schickt man aber von allen ortten hinin, schickten mine herren von Basel aber sechsz- hundert?) wolgeruster knecht hinin, wurtten vil uszgleyd, die alters und kranckeit halb nit ziechen mochten ; dennen liesz man soldner, doch liesz man keim kein soldner, er were dan burger. Also zugen vil redlicher handwerchszgsellen hinin, ein 'deil um das burgrecht, die andren koufften das burgrecht, uff das mans ziechen liesz. Under dysem huffen wasz houptman jungker Heinrich Meltinger, lifferher her Bartlome Schmyd, gwantman, und fenrich Hans Maser, der winschenck, und zugen in disem huffen die namhafftigisten burger, so vor ie zogen worren. Zugen uff sant Bartlomes tag [67] hinweg des vorbestimpten datum; do kam ein hubscher huff frumer redlicher eygnosen zamen, er wart, aber ellend zertrend, alsz man hienoch hören wurt. Uff des heilligen crutz tag!) zu herbstzit dises jors hand dise erst genanten. huffen mitsampt den andren eydgnosen die Franzosen angriffen zu vesperzit und hertiglich mit einandren geschlagen bisz in die nacht und des Franzosen huffen und zug hinweg geschlagen, das ir keinner beliben ist und zu beyden sitten vil erschlagen. Doch hand die eygnosen' das feld und: den sig. behalten denselben oben, und vil.er und gut erlangt. Also brach die nacht in und wart zu beyden sitten uffgehört, bisz an den morgen; fiengen sy zu beyden sitten wyder an hertig- lich gegen einander zu fechten, aber das glück wand sich umb, 37. »warte, vom Sinn erfordert, fehlt in der Hs. 1) Bürgermeister 1542. Leu. 2) 8. über seine tapfere Rettung des Banners Leu u. s. w: 3) Wurstisen: 800. 4) Die Schlacht von Ma- rignano. Der erste Schlachttag war aber nicht der 14., sondern der 13. Sept., »des heiligen Krüzes Abend.« Anshelm V. 177. 8. "Gisi 8. 183 fl. Kid. gen. Abschiede 111. 2 8. 917 #. or 1 es [2] 0 0 ot 1515. 1517. 23 dan ein alt gesprochen wort ist: »Zu vil eren ist halb laster.« Dan hetten die eydgnosen sich losen benügen an dem, so sy den oben erlangt hatten, so hetten sy erren gnug erjagt!). Also suchten sy ire fygende wytter, do funden sy ein frischen 5 huffen mit den küriseren, die uberwanden die eydgnosen, wor- . ren aber etlicher wartten, die komen aber leyder zu spot, und wasz ouch vil verettry under in; dan man fand etlich houptlut zu Meyland im schlosz, die wenig mangel oder schaden hetten, aber wenig acht uff ire knecht, dennen wart ouch ein deil ir ıo lon, dan sy hatten ein heimlichen vertrag mit dem künig und liesen sy die knecht einander gnug schlagen. Also verluren die eyd Ies]gnosen die schlacht und alles, das sy den oben ge- wunnen hatten. Do kamen zu beyden deillen vil redlicher lüt __um, wart mancher fromer redlicher eydgnosz erschlagen, esz ıs kamen vil erlicher redlicher burger von Basel um. Got wel in allen gnedig sin! Esz blipen von Basel usz, die umkummen worren, so mir im besten bekant worren, der fenrich Hans Ber, der fenrich Hans Lutzelman, Bartlome Schmyd lifferher, Jero- nimus ‚Stechely, Bartlome zum Sternnen, etlich wurtten wund 20 und geschosen heim brocht, es gieng fast ubel.. Got erbarms! Von eim sterbend, so zu Basel gsin ist. Im jor alsz man zalt noch der gburt unsers erlösers 1517, kam ein groser sterben mit grosem houptwe, das die lut in grose doubsucht fiellen, und kam die pestilentz dormit, das » also vil namhafftiger burger sturben, des gemeinen volck ein grose zal, weret gar noch ein jor lang; wart den kilchen noch geschetzt, das by zweytusent menschen woren gestorben. Got sy unsz allen gnedig! Do nu sollicher sterben uffhört, hat man hie zu Basel nit 30 vl fröud gehebt in zwey joren von wegen der schlacht und des sterbens; das sachen nu unsere lieben eygnosen an und mach- ten ein kürtzwil, domit etlich trürickeit vergesen wurt, namlich machten die von Ury ein schiesen und ein kilby. Luden also die von Basel ouch doruff, desglichen die von Schwitz, Lutzern 3; und andre lender. Also [69] verortnetten mine herren etlich nam- hafftig burger by sechtzig, die hinuff zugen wol uszbutzt und hübsch und kostlich in ein farb bekleyd. Do wurtten sy fast erlich gehalten allenthalben in stetten und lendern und hieltten vil kurtzwil. Do worren sy by acht tagen doben; also do sy 40 wyder heim wolten, schanckten in iedes ort, namlich Ury zwen hübsch grosz ochsen mit irer farb bekleyd, die von Schwiz und Lutzern ouch zwen mit irer farb bekleyd, die brochten sy mit 1) Anshelm V. 179 fast wörtlich ebenso. 24 1517. 1520. 1519. 14.Sopt. grosen eren heim. Beschach in dem erst benempten jor uff crutzisz ze herbstzit. Sy schanckten ouch allen knechten, alsz stat- knecht und furlut, iedem ein rock irer farb, und wart iederman kostfry gehalten, so lang sy do woren. Also hielt man hie ouch grose kurtzwil mit den ochsen, die sy mit innen brochten, und liesen mine herren dorzu jagen !) und deilten uff alle zunfft, das do wib und man froud und 29.Sept. Kurzwil hielten, namlich uff sant Michelsz tag, do wasz nieman, jung und alt, er ‘het froud denselben tag. Den armen lutten wart uff dem Kornmerckt kocht und allen zu essen gnug gen, und den tag mit dantzen und springen vil froud volbrocht. Got welsz zu gutem rechnen! Wie Pfeffingen ingenumen wart?). 15. Sept. Uff samstag noch crützisz zu herbstzit im 1520. jor schick- ten mine heren von Basel by zweyhundert burger gen Pfeffin- gen by nacht zwischen nün und zechnen das schlosz inzunemen etlicher spennen halb, so der bischoff und mine herren hetten. Leyden ein zusatz dorin zu verhütten. Also wart ein vertrag gemacht, das mine herren im das schlosz wyder liesen und gab in der bischoff das dorff Riechen 3) mit aller zugehört und solt ouch das schlosz Pfeffingen minen herren [70] ein offen husz sin zu ewigen zitten, und schwuren also die von Riechen minen herren, aber vil schmoch und leydz wart in erbotten des ersten von den margreffischen und bischöffischen, und wart Meltinger ir obervogt. Von eim grosen wetter. 29. Juni. Uff sant Petter und Paulus tag 1519 gezelt noch mitnacht alsz es eins schlug, kam ein sollich ungestum grosz wetter mit regen, das desglich nie erlebt wasz by unseren zitten, dan es wasz ein sollicher wassergusz, das in einner stund die waser so grosz wurtten, das der Birszick ?) vor Steinnendor so grosz wart, das er den schwibogen bim thor, do er sin inlouff hat, mitsampt der muren hinweg stieszz. Wart an den Steinnen allenthalben so vol waser, das das kloster und alle huser vol wurtten, und furt man weydling hinusz, das man könd zum kloster farren innen zu hilff. Der Birszick stiesz ouch am Fischmerckt ein hinder- 20. Am Rande von späterer Hand: Riehen wirdt der Statt Basel. 1) »gab die oberkeit Wildpret.« Wurstisen. 2) S. das Nähere bei Lutz, Geschichte der vormaligen Herrschaften Birseck und Pfeffingen. Basel, Schweighauser 1816, 8. 52 ff. und vor Allem die ausführliche Darstellung bei Heusler: Verfassgsg. 8. 425 ff. Eidgen. Abschiede Il. 3 8. 1229. 1259 u. s. w. 3) Riehen. Der förmliche Kaufbrief ist erst vom 23. April 1528, obschon das Dorf schon jetzt übergeben wurde. Heusler 431. 4)S8. unten Chron. Georgii ad.a. 1519; vgl. über ähnliche verheerende Ueber- schwemmungen des Birsigs L. A. Burckhardt: Der Kanton Basel I S. 31. or pen 0) 25 1520. 1521. 25 husly hinweg und wasz dorin wasz, es ertranck ouch vil fiech in etlichen huseren, es wust ouch nieman, wo man dem waser werren solt, dan das grosz angst und not wasz. Got wel unsz wyder behütten! Von eim für, so zu Brunnentrut uszgangen ist. Uff unser frowen tag der geburt anno 1520 gieng ein sollich 8. Sept. grosz für uff zu Bruntrut: von hanffstenglen, das do in der stat me dan hundert huser verbrunen, verdarb vıl fiech und lüt, mocht man den schin uff etlichen dürnen wol sechen hie zu Basel. OR 10 [ri] Von eim comet. Uff zinstag vor sant Simon und Judas!) tag des erst ge- 23. Oct. melten jorsz zwischen nün und zechnen noch mittag wart ein komet gesechen am himel, und ich habs selb mitsampt viller lütten gesechen am himel schiessen mit einem langen strimen alsz ob ein facklen brun, gab ein schin, alsz ob der mon schin, und wasz balt verschwunden. Es wart ouch sust an vil ortten gesechen. Got schicks zum besten! pers En Von einer kylby zu Basel. Uff sant Sebastians tag 1521 jor komen die von Ury, Schwitz 20. Jan. 20 und Lutzern mitsampt etlichen zugewantten by hundert manen, wol: und kostlich uszbutzt und bekleyd, dan mine herren hatten sy geladen uff die er und frundschafft, so sy innen bewisen hatten uff irer kilby, hatten sich ouch wol doruff gerüst, und zugen in die burger usz der stat hie wol gekleyd engegen fast 25 starck und empfiengen sy erlich, und wurtten erlich gehalten ; wie sy dan den unseren thon hatten, beweysz man innen dıy- fach wyder. Do wart kein kosten gespart und froud vergessen uff allen zunfften und stuben, weret uff acht tag, gab man in das gleyd erlich wyder hinweg, schanckten in mine herren iedem 30 ort ein wagen mit guttem Elseser. Liesen also ein erliche letz, das man harnoch uff den zünfften ouch mit frouden verzert. Wie Bietterthal das schlosz ingenumen wart von den von Basel?). Uff suntag vor sant Thomasz tag im zwentzigysten jor zu 16. Dec. nacht zwischen zwelffen und ein schickten mine herren by sech- tzig uszgesuchter burger gon Bietterthal hinder Landzkron das selbig in zu nemen, wart ein zusatz dar gleyd und vogt doruff o or Y 33. »im« fehlt in der Hs. 1) Wurstisen hat den »23. Nov. abents nach acht Uhr.« Ihm folgt Ochs V. 420. Anshelm V. 497: »Hienach uf den 23. Tag October z’Nacht zwüschen 8 und 9 by heitrem Himmel kam ein groszer Blitz« ete. 2) Bie- derthal, s. P. Ristelhuber, I’Alsace ancienne et moderne. Strasbourg, Salomon 1865. Vgl. Ochs V. 342 nach Gross, Kurze Basel-Chronik 1624. 26 1521. gemacht Gorius Schülly, der metzger, es ‚wart aber balt age gen, dan es wasz ein lechen vom husz Österich. [72] Von einer ortnug der Jischeren. 13. Febr. Uff die eschmitwuchen 1521 jor geschach ein erkantnysz von minen herren den rötten der fischeren halb, das sy nu für- 5 hin die grosen fisch nit anders solten verkouffen dan bim gwicht und die kleinen by der mosz, wurtten also uff disen tag die wogen und mosen uffgericht, namlich wart gemacht, das sy ein pfund karpffen acht rapen, ein pfund hecht zwen schillig, die kleinnen ouch noch irem wert, on not zu beschriben; dan 10 es wart nit die halby fasten gehalten, dan sy beklagten sich, sy mochten nit dorby beston, und wart groser mangel an fischen, wart also wyder abthon. wi Von eim zug, den man zum. bopst thet. 14.März. Uff donstag vor dem suntag judica im obgenempten jor schickten die von Basel drühundert wolgerüster burger dem bapst zu hilff mitsampt andren eydgnosen, wasz under disem huffen houptman meister Hans Bondorff, der schiffman, wasz desmolsz der rötten, und fenrich jungker BaltaserHilbrand ), und sin vor- fenrich Petter Batz, der küeffer. Zugen vil erlicher und red- » 24.Jui. licher burger under disem zeichen, blipen also usz bisz Johanny Batista, komen sy frölich wyder heim mit’groser gab und schen- ckinen, so in der heillig vatter geben hat, und wart diser krieg gricht. _ b) Von einner erwerbung tn ein eydgnoschafft vom keiser und kung?). 25 Im obgenantten jor kam ein erliche botschafft von keiser- licher magistat regentten, und wurben an ein gemein eydgno- schafft um etlich lüt innen zu losen ziechen und begertten ein bündnisz oder vereinig mit einer eydgnoschafft zu machen, und hat ‚aber der künig von Franckrich sin botschafft ouch do fast kostlich und erlich und wasz ir beger ouch also wie der [73] keiserschen; begert ouch ein vereinig mit den eydgnosen zu machen und wyder ein eydgnoschafft nimermer zu sin, sun- der innen alzit behilfflich zu sin und zu geben jerlich !grose pension in ein gantze eydgnoschafft zu geben. Do fieng an des 5 enderist ‚vorlöuffer in. ein eydgnoschafft zu kumen mit sinnen goben, dordurch ein eydgnoschafft anfieng abzunemen; so balt sy das gelt schmackten und sich wolten frömder herren bela- den, wart sy balt zertrent, alsz man wol hernoch hörren würt. Es wart also ein tag angesetzt gon Zürich, do iede batschafft 40 solt hinkumen, und der sach usztrag geben. © je) 20. küoffer Hs. 1) B. Hiltbrand, vermuthlich 1530 oberster Zunftmeister, Leu. 2)S8. Anshelm VI. 12 ff. Bullinger 1. 37 fi. 1521. | 27 Also wart der tag gehalten und ein vereinig mit dem Franzosen gemacht; der vor unser tötlicher fygend wasz, wart ietz durch geltz willen unser fründ. ‚Des ein eydgnoschafft syd- har nit vil erren erlangt hat, und wie. die vereinig gemacht 5 wart, stat hienoch geschriben von eim artickel zum andern. Dem ist also: | Dis sind die artickel, so abgered sind uff ein hindersich- bringen zu ein bericht und friden des künigs von Franckrich und gemeiner eydgnoschafft antreffen ‘die vereinig, so mit in 10 gemacht ist worden). [ss] Also ist man in der eydgnoschafft in disen pund mit dem Franzosen kumen, das man französchisz wart, wiewol man sol- lichs nit hett dörffen, das ein eydgnoschafft hette sich einicher- ley herschafft annemen oder pündnusz zu machen; wie wol es ıs aber erschosen hat, ist man zum dickeren mol wol innen wor- den, das es mengen man kostet hat. Beschach alsz durch des geltz willen. Die aber schuld doran hatten, wart ouch mengem sin lon. Amen. Von eim zusalz, so man von Basel schickt gon Ellykurt?). » Uff zinstag noch Johanny Batista schickten die von Basel 2.Jui. sechzig burger gon Ellykurt, alsz man zalt 1521 jor, zu eim zusatz. Dan mine herren hatten groff Wilhelm von Furstenberg etlich gelt, ein grose sum, doruff glichen, dorum sysz hatten zu ein underpfand, dorum sy disen zusatz darleyden; machten 3; ouch zum vogt druff jungker Wolff Ysilly, der harnoch ouch do erstochen wart; wasz under disen sechtzigen houptman Jocab Brattaler, der metzger. Von eim zug, so man dem Frantzosen schickt von Basel. Uff donstag vor sant Maria Madallenen tag im obgenanten ıs. Juli. 30 Jor schickt man von Basel drühundert knecht dem Frantzosen zu hilff mitsampt andren eydgnosen. Wasz der erst zug, so man 1) Statt nun die Artikel des Bündnisses mit Frankreich vom 5. (7.) Mai 1521 zu bringen, welche sich abgedruckt finden bei Bullinger I. 38—41, Anshelm VI. 31 ff., im Auszug bei Wurstisen 530, setzt Fr. Ryff an diese Stelle 8. 73—83 ein Actenstück, das gar nicht unter dies Jahr gehört, sondern vielmehr aus den Verhandlungen ‚des Jahres 1516 stammen muss und, trotz bedeutender Abweichungen, ganz eng zusammenhängt mit den Artikeln, die unter dem Datum des 27. Sept. 1516 mitgetheilt sind in den Eidgen. Absch. III. 2 S. 1008 zun. Da die umfangreiche Urkunde hier den Zusammenhang der Chronik gänzlich stören würde und doch des Ab- drucks werth scheint, glaube ich am besten zu thun, ihr unter den Beilagen eine Stelle anzuweisen (s. daselbst No. ID). 2) Hericourt bei Mümpelgard. Ochs V. 362 sagt, von unserm Autor abweichend: »Auf Ansuchen des Gr. W.v. F., der die am 5. Juni (?) wider Herzog Ulrich ergangene Achtserklä- rung vollzog.« Vgl. E. Münch, Geschichte des Hauses Fürstenberg II. 30. Heyd, Ulrich von Würtemberg Il. 105. 109. 147. Stälin, Wirtembergi- sche Geschichte IV. 1. 8. 212 Anm. 4. | 24. Aug. 28.» 1521. dem Frantzosen schickt noch der pundnüsz vorgemelt. Liesz man ziechen, wer gern zoch, wasz houptman Heinrich Ysen- flam, [sa] liesz ein fry fenly machen und hat sin mustrung zu Liestal. Aber die von Zürich wolten ıre knecht nit lon ziechen, verbutten in irem land, das nieman hinweg dörfft ziechen, wer aber doruber hinweg lieff, dorfft in ir stat und land nit me ku- men, dan sy woren nit in der vereinig, sy thetten ouch alsz die wisen). Also bestund es bisz Bartlomey, disz datum liesz man aber knecht louffen, wer louffen wolt, dryhundert liesz man in ein fryfenly, wart houptman meyster Anthony Dichtler, der schloser, wasz desmolsz der rötten, lifferher Jocob Boumgartter, der gwantman, wasz fenrich Andres Otly, forfenrich Caspar Davit, der metzger. Aber es kam botschafft, das nüt usz disem zug wart. Indem begert ouch der bopst knecht, do sich aber diser huff gerüst hat und nüt solt sin, do zugen sy mit disem volck dem bopst zu, wasz aber der bopst desmolsz wyder den künig von Franckrich , warff sich Jocob Boumgartter uff für ein houptman und macht under im fenrich Petter Batz, den küef- fer, und zugen vil redlicher burger in disem huffen hinweg, wiewolsz mine herren hetten verbotten, das iemans solt hinweg louffen dan zum Franzosen. Also woren von Basel zwen huf- fen hinweg zogen und woren wyder einander, es woren ouch usz andren ortten der eydgnosen ouch viıl dem bopst zuzogen glich wie unsere, das dan gar ein grose uneinigkeit anfieng zu bringen under den eydgnosen, das dan die frucht wasz, die sollich bundnusz brocht; esz wer vıl dorvon zu schriben. Es zoch ouch mit disen eydgnosen, so zum bopst zogen worren, der kardinal von Sitten, der wasz obrister felther, furt sy mitsampt andren knechten so er dan von landzknechten an- genumen hatte, in Mey [ss]land, do dan der künig sin volck in hat lygen?). Dan er hat desmolsz Meyland in. Also überfielen (19.Nov.)die böpschischen die in der stat mit hilff der burgeren in der stat Meyland, jagten die knecht usz der stat, aber sy schlugen nit mit in, um das es ouch eydgnoszknecht woren?), aber susz deilten sy alle untruw mit in, dan do wart kein frundschafft erzeygt. Do wasz eydgnosz wyder eydgnosz, nomen die kartdi- nallischen dennen, die in der stat logen, alles wasz sy hatten, 15. Im dem Hs. 19. koüffer Hs. Vgl. ob. 26,21. 31. hatten Hs. 1) Bullinger I. 41 ff. Mörikofer, Ulrich Zwingli. Leipzig, Hirzel 1867, 18.86 fi. 2) Mathäus Schinner, Bischof von Sitten, s: Gisı1a. a. 0. 8.59. ‚Gisi im Archiv für Schweiz. Gesch. XV 8. 232. Leider wird eine ausführliche Biographie des ausserordentlichen Mannes noch immer vermisst. Bullinger 1.62 ff. Anshelm VI. 74ffl. Hottinger I. 75. 3) Ans- helm VIS.75:»Der Cardinal von Sitten erwahrt, lass keinem Eydgenosz an Lyb ützet beschach, — etlich wurden uszogen, — sunst wärint ihrer wenig darvon kommen.« or 10 15 30 35 1 1 x 2 3 35 4 a 2) or _— = or 0 pP} o 1521. 29 dan der karttinal vil Spanngier mit im brocht hat, domit besatzt er Meyland in der mosen, das sy usz des keisers gewalt nit balt me kumen mocht, dan sy nomens insz keisers namen in. Also erhub sich grose uneinigkeit under den burgeren hie zu Basel, do sy wyder heim komen, dan do wasz einer wyder den andren, einner wasz bepschisch, der ander französchisch. Do nomen mine herren die, so uff des bopst sitten worren gsin, leydens in durn, strofften sy um grosz gelt, dan sy hatten vil gutz brocht. Aber es verlieff sich mangerley red under dem volck und trugen grose findschafft gegen einander, dasz sy zu vil zitten einander übel schlugen!). Esz wart ouch Jocab Boum- gartter übel wund gehouwen, er dorfft ouch in langer zit nit. in die stat kumen um des uffsatz willen, den er von den burgeren forchten must. Esz fieng sich an rotdieren, also das sich die burger parthigetten, das mine herren musten sollichs fürkumen und liesen ein erkandnusz uszgon, das nieman den andren me dratzen, schmöchen noch beleydigen solt, sunder ein gut bur- gerlich wesen furen und in gutten friden und einigkeit leben, aber es halff nit vil, sunder es wasz ein parthy wyder die ander für und für. Das brocht unser vereinig und pündnusz und das bösz gelt, das manchen um sin leben brocht?). [ss] In dem erstgemelten jor glich noch der uneinigkeit, so under die burger kumen wasz und sich deglich begab von diser erstgemelten zwytrachtigkeit wegen, erhub sich allerley red un- der den burgeren der pencion halb. Wart ein gemurmel, wie etlich solten sin, die heimlich gelt oder pencion nemen; sollich geschrey kam für min herren, die griffen in die sach und hielt- ten ein grosen rodt uff mentag und zinstag vor Gally der pen- 14. 15. cion halb?). Also wart ernstlich gehandlet und wart die sach ie lenger ie böser. Esz fiengen an etlich rotzherren usztretten, iren by zechen, wart also dry tag noch einander groser rot ge- halten, also weisz ich nit, wie es beschlosen wart. Es wasz Urich Falckner?), desmolsz obrister zunfftmeister, der wart ge- fenglich angenumen, desglichen her Jocab Meyger, den man nempt Jocab zum Hasen, wart ouch gefangen, wasz desmolsz obrister burgermeister, desglich ander me, etlich wichen hinweg, namlich her Hans Gallitzion ?), ouch des ratz, thet sich ouch hin- weg, dem beschlosz man sin husz zu, und wart im harnoch durch min herren al sin gut verkoufft an der gandt, und kam sin wib 6) und kind hinweg. Esz kam aber minen herren zu grosem scha- den. Dan esz wart vil zancks harnoch gegen minen herren dorvon, 1) Fast wörtlich übereinstimmend Wurstisen. 2) Aehnliche Er- scheinungen traten z. B. in Zug zu Tage, s. Bullinger I. 66. 3) Ochs V..364 giebt nach Wurstisen drei Grossrathssitzungen an vom 14., 15,, 16. Oct., wie denn Ryff selbst gleich darauf »drü tag« angiebt. 4) S. über sein Verschulden Ochs V. 364. 5) H.G.Meister 1512, Leu. 6) Maria Jun- germännin, s. Wurstisen. Andr. Ryff: Zirkel der Eidgenossenchaft 8. 433, 19. Oct. 30 1521. dorvon vil zu schriben wer, aber durch kürtzy willen wil ichs un- derlosen , dan er starb in dem handel, do hieng sich die frow an etlich edellüt, die seitten minen herren und einer gantzen gemeint der stat Basel ab, dordurch die burger zum dickeren mol in sorgen wandlen, namlich die koufflüt!). Esz wurtten ouch 'sust vil des handels halb vom rot gestossen, dan sy al hatten [s7] ein heimlichen pack mit dem Frantzosen und im et- wasz me zugesagt, dan mine herren oder gemein burger wusten, dordurch vil in grosz lyden mochten kumen sin, dovor unsz dan got wol behüd hat. Dan ein gemein spruchwort ist: kein guthet beschicht, die unbelond blipt, so blipt ouch böszheit nit verschwigen. Esz wart ouch vom rot gethon her Hans Trut- man, 'desmolsz alter zunfftmeister, der alt Holtzach uber Rin, on not al zu nemen; esz wart Falckner?) und Jocob Meyger’®) hert gestrofft und von allen erren gestosen, logen fast lang gefangen, also wart der rot wyder besetzt, und wart ein ortnug erkant, wie die luttet, find man hienoch geschriben: Dis ortnug und statut ist der gemeind künd thon worden uff samstag noch sant Lux tag im erstgemelten jor‘). Zu wissen syg allermenglich, das unser herren beyd röt und ir gemein, die man nempt die sechser, einhelliglich erkant, ver- einbart und zu got und den heilligen ze handhaben geschwo- ren hand, das hinfür zu ewigen zitten keiner der unseren in der stat und in den emptren, sy sygen höupter des kleinen oder grosen ratz, hoch oder nyder, vögt und dienstlut, nieman usz- gescheyden, durch sich selb, sin ewib oder dienstgsind, noch nie- 11, »nit« von derselben Hand mit frischerer Tinte Hs. . 26. husgsind Decr. 1) S. unten zum J. 1527. 2) Starb 1551, Leu. 3) J.M. zum Ha- sen, 1510 Meister, 1516 der erste Bürgermeister, der aus den Zünften ge- nommen wurde (Leu. Heusler 425), der Stifter der berühmten Hol- bein’schen Madonna. 4) In dem Bande des Staats- Archivs: De- creta et Mandata senatus Basiliensis 1521 --1601, Bl. VI findet sich folgende Erkanntnis: »Wie man die penscion widerumb abgestellt und zenemen verschworen hatt. Anno domini XV°XXII (sic!) uff sant Lux tag haben unsere gnedige herren, beyd reth und ir gemeyndt, die man nempt die sechs, sich einheiligklich vereinbaret, erkant und zü gott und den heiligen zu handthaben geschworen haben, das hinfüro« ete. Nun folgt der Text wie bei Ryff. Dieser ist beim Druck zu Grunde gelegt und nur Fehler bei ihm sind nach dem Text der Dec. verbessert, sowie sonstige Varianten derselben (mit der Bezeichnung Deecr.) angemerkt, insofern sie von Werth sind. Im Ganzen ist der Text der Dec. nicht sehr sorgfältig gehalten, schon die Datums - Angabe falsch, wie ein Blick auf die Raths- listen zeigt, wie sie sich im Oeffnungsbuche finden und theilweise bei Ochs V. 353 f. und 434 abgedruckt sind. Die ganze Sammlung der Dec. et Mand. ist erst im Jahre 1539 angelegt worden, enthält Eintragungen verschiedener Hände und bindet sich nicht streng an chronologische Ordnung. Ein wei- teres Actenstück aus ihr, das sich auf die Angelegenheit der Pensionen be- zieht, s.in den Beilagen No. IV. Ebenda s. No.V ein früheres Deeret über die Pensionen (von Donnerstag nach Bartholomäi 1521) aus dem Erkanntnisbuch. a ”m 0 a 8521. 31 man anders kein pencion noch dienstgelt von keinem herren, fürsten, nach comunen, nach niemand anderen by iren geschwor- nen eyden erwerben, haben, nemen nach empfachen sollen, und ob jemand einich penscion, dienstgelt oder wie das genempt möcht werden, von wem oder in wasz gestalt das wer, erwer- ben, brieff oder ander zusagung deshalb hette, das der und dieselben sich solcher peneion, ouch aller zusagung, innen des- 10 15 20 25 30 35 halben beschechen, gentzlich und ouch luterlich verzighen, die in keinen weg begeren, innemen noch empfachen sollen in kein wisz. Desglich so sol ouch nieman, er sy der retten, des [ss] grichtz oder der gemeint, ze stat oder ze land, ouch kein vogt noch dienner, kein müd, schenck, gob noch vererung von ieman, wer der sy, uber drier schillig Basler pfenig wert, innemen oder empfachen , domit ieman weder in rot, gricht, in andren geschefften wyder billichs gefurttert oder gehindert werden möcht, allen betrüglichen, verdeckten, geferlichen schin in alweg ver- mitten, den welchy sollichsz alsz obstat, verbrechen, einiche pen- cion müd oder gab do uber empfachen, und das fürkumen wurt, die söllen dorum ernstlich fürgestelt und gestrofft werden, noch grose irer verhandlung. Es ıst ouch erkant, das dıe fünffzechen kronnen, die den retten, und die sechsz kronnen, die den sechseren worden sind, hinfür, wo die fallen, nit gedeilt, sunder dem gemeinen seckel blipen sollen. Also ouch ein erkantnysz in alle zünfft und geselschafften geben ist, das in besatzung der retten und meystren, ouch der sechseren, die statkynd fürgezogen und bedocht sollen werden, das dieselb erkandnisz!) ab sin und die geschrifften, deshalb geben, abgethon und herusz geben sollen werden und in solli- chem ein rot, zunfft, geselschafften ir chur und wall fıy sin, wie von altem harkomen ist. Es langt ouch ein ersamer rot an, wie das etlich sich zu- samen rotten und allerley grober wort, die dan zu uffrur die- nen, bruchen sollen, dorab ein rot ein miszfallen empfangen hat, den solliche fürnemen, wo dem also were, wyder den jor- eyd were; deshalb, so wellen die zünfft, geselschafften under innen selb verfiegen, das sollich rotten und hitzigen reden [ss] abgestelt werden, domit nit not wert mit denselben der no- 1—4. ‘von’— dienstgelt’ aus Decr. entnommen, die Worte fehlen bei Ryft, daher bei ihm eine sinnverwirrende Lücke entsteht. 8. ouch luterlich Conj. für noplutzlich Ryff, urplichlich Decr. 12. dienery Decr., offenbar verschrieben für diener. 13. wert sin nemen Hs. wert sige Decr. 15. So Decr. Bei Ryff steht irrig: sollichs. 16. betrüglicheit Deer. geferlicheit Decr. 17. »vermitten« fehlt beiDecr. dann wellicher Deer. 27. bedocht Decr, Bei Ryff: gedocht. 28. dieselben Decr, geschrift Decr. 30. »ir — wall» fehlt bei Ryff, eingefügt nach Decr. 1) S. unten 8. 32. 25. Jan. 7. Febr. 32 1521. 1522. turfft noch mit hilff und rot der sechseren ‘ze handlen, domit gut einigkeit under unsz gehaltden wert. Das aber dise erkandnusz dester basz verstanden wert der statkindern halb im vordren .artickel, ist es dohar: Alsz Urich Falckner zunfftmeister wasz, alsz vorgemelt ist!), und die verei- nig mit dem kunig angenumen wasz, brocht er dasselbig jor mit sinner geselschafft zu wegen, das mit dem rat erkend waıt und wart. ouch in zünfft und geselschafften geben, das man fürer in den zunfften kein ratzheren noch meister noch sechser solt machen, er were dan ein statkind ; usz wasz ursach dasz bschach, wurtten sy wol innen, dan untrüw schlug iren eygnen herren). Von eim zug, den man aber zum Frantzosen thet von Basel. Uff conversionisz Pauly, alsz man zalt 1522 jor, begert der künig aber an ein eydgnoschafft lüt, ‚das man im liesz knecht zulouffen, in meinig das Meyland wyder zu gewynnen. Alsso kam. des künig trysenier har. gon Basel, begert im ouch losen louffen,, das man dan im verwillget; mustert also der trysinier selb im: Werckhoff, nam wasz im gefiel, wie ein metzger das fich koufft. Zuchen desmolsz vil gutter redlicher burger um des bösen geltz willen, des ouch etlichen gnug wart in disem zug. Dan do gab der Frantzosz gelz gnug. Do zugen vil der rötten und vil sechser, al frygs willens, dan do leyd man nie- mansz usz, dan der gern zoch, der man gnug fand. Dan do goben sy lib, er und gut um des bösen geltz willen. Das brocht alsz die vereinig, das wir um [so] manchen gutten burger ko- men und leytten doch kein er in, dan das sy hülffen arm lüt machen und land und lüt verderben. Alsso hat sy das gelt ver- blent, das sy keinner billickeit me achtetten. Also gab er eim rotzherren, der in disem zug zoch,, sechsz und zwentzig kron- nen, eim sechser dryzechen kronnen, eim gemeinen knecht fiert- halbe kronnen. Liesz man disen zug louffen fierhundert wol gerüster redlicher burger), under disen wartt houptman meister Anthony Dichtler, der schloser, wasz desmolsz der rötten, und wasz fenrich Gorius Schülly, der metzger, und lifferher Hans Carnellius ®). Zugen uff fritag noch liechtmesz hinweg, zugen mit- sampt andren eydgnosen in Meiland, in meinig dem kunig das wyder in zu nemen, aber es wasz vergeben, dan die Spangier hattens ın sollicher mosen in, das die eydgnosen grosen scha- (239.Apr)den empfiengen; sy thetten ouch ein schlacht mit den Span- ojeren’), aber die Franzeschischen verlurensz, wurtten zu bevden te) 3 „ 2. Der ganze Absatz: »Es langt — wert« fehlt bei Decr. 1) S. ob. 8.29. 2) Ochs V.! 368 hat dies ausführlicher. 3) Vgl. Ans- helm VI S. 150. 4) Ochs V S. 445: Hans Appendecker. 5) Die Schlacht bei Bicocca, s. Anshelm VI. 158 ff. Bullinger I. 72. Hottin- ger I. 105. Bei Anshelm steht irrthümlich »der 20. Tag Aprell.« or u 0 = 0 1 o 1 a 2 o 2 oa “ o 39 40 1522. 33 theillen vil lüt erschlagen. Wir verluren ouch von Basel men- gen erlichen burger und burgers sun, namlich bleip jungker Jocob Meltinger, jungker Heinrich Meltingers sun, Bonnafen- tura Ber, Lienhart Davit, Marthin Brunmeyster, Adam Zeller, wirt zur Sunen, Hans Keygel, der scherrer, noch vil me, on not al zu erzellen'!). Also verkoufften wir teglich unsere gutten burger, dorzu unsz die pencion brocht und die schandliche vereinig, des ein eydgnoschafft nit vil eren und gutthat harnoch mit dem Fran- tzosen erlangt hand. Got wel unsz fürrer sin gnod verlichen! Wie der anfang des ewangelium hie uffgieng, dordurch die kulchen- bruch noch und noch abgiengen, das by unsz noch selzam was2. [sı] Inn disem erst genempten jor kam ein junger gelertter man har gon Basel, wasz ein priester, hiesz meister Wilhelm 2), der wart lüpriester sant Alban, der fieng an zu predigen usz der heilli- gen gschrifft des nüwen und alten testamentz, desglichen die prophetten und apostel, leyd dasselbig so cristlich und wol usz, das desglich vor nie wasz gehört worden, des er ein mechtig volck uberkam, im all predig zuzuhören; er warff allen böpsten, bischöffen und pfaffen ire seckten, cermonien und ander kilchen- bruch, die man dan gar heillig hielt, die warff er mit der heil- ligen schrifft all um, desglich volge, jorzit, selgret und in dem sy unsz dan schandlich verfurt hatten; er erbot sich ouch gegen menglichem um sollichs rechenschafft zu geben mit der gschrifft, er verwarff in ouch die heillig mesz, das sy vor got für das gröst guthett hielten. Do das die pfaffen und das stifft innen wart, wurtten sy nit zufriden, sunder fast unrüwig, beclagten das fast dem bischoff und andren prelatten, vermeinten den predicanten nit zu dulden, gaben in für ein ketzer, dorfften doch nit hand an in legen von wegen und forcht der gemein, die im dan fast anhieng. | Sollichs beclagt sich nu der bischoff von Basel mitsampt dem capitel gegen minen herren, im sollichen ketzer erlouben anzugriffen, der wyder cristliche kilchenbruch und gotzdienst schrüwe. Do das die gemeind innen wart, versamletten sich ein grose zal zu den Barfusen in willens, an mine herren ein bit zu legen, innen den predicanten zu handhaben, dan sy wolten in nit losen, usz ursach diewil er nüt anders prediget dan wasz er mit der heilligen gschrifft wüst zu erhalten, des er sich erbut gegen menglichem zu verantwurtten, dan das wer einmol die i) Wurstisen erwähnt noch Henrich Stör. 2) Wilhelm Reublin, s. Füsslin: Beiträge zur Erläuterung der Kirchenreformations-Geschichte des Schweizerlandes, 1741, IV. 43. 45. Näheres bei Cornelius: Geschichte des Münsterischen Aufruhrs, Leipzig, Weigel 1860, Il S.16 ff. Hottinger I. 400. Lutz: Ref. v. Basel 30 ff. Herzog: Das Leben J. Oekolampads I. 91 ff. Hagenbach: J. Oekolampad und Myconius 36 u. s. w. Basler Chroniken. I. 3 34 1522. huttre worheit. [92] Sollicher versamlung wurtten mine herren balt innen, schickten also den burgermeister, her Adelberg Meyger, mitsampt etlich der retten zun Barfusen zu vernemen, wasz ır meinig wer. Do nu die gemeint ir anlygen minen herren er- zalten, do seitten in min herren zu, den predicanten zu losen und zu handhaben, unangesechen den bischoff und sin anhang, das sy zu guttem friden werren und ieder heimzug, eerbutten sich ouch mit verwillgung gegen der gemeint, bisz sysz von ein- ander brochten; esz ist ein gemein sprüchwort: gutte wort und hertte stroff, wiewol hie kein stroff erzeigt dorfft werden. Also bschach do ouch: sy goben gutte wort, dan sy sochen wol, das sich die burger zamen hielten; doch gedochten sy wol: wan wır sy von einander bringen, kemen sy nit balt wyder zusamen, alsz ouch uff diszmol beschach. Als nu die gemeint von einander kam, brocht doch der bischoff mitsampt dem pfeffischen gsind sovil zuwegen durch goben und schenckinen, dan es wasz innen etwasz doran ge- legen, ir bübery wolt do ein uszbruch nemen, dorum sy sich nit sumpten, sunder 'ernstlich zu der sach thetten und logen minen herren fast an, domit sy den predicanten möchten hin- weg bringen. Also schickten min herren uff nochgende zit in 14 tag, nöochdem und die gemein by einander worren gsin, noch disem predicanten, und uff andringen desz bischofflichen ssindz butten sy im der tagzit usz der stat wyder alles zu- sagen, so sy der gemeint thon hatten. Do das die gemein innen wart, wasz sy ünrüwig gnug, komen aber nit me zusamen. Do samletten sich die wiber, so dan in dem kilspal warren [93] edel und andre wiber by den fünffzigen, etlich, die grosz mit kin- den giengen, komen uff das richthusz, batten min herren für disen predicanten und thet in jungker Lux Zeigler die red, : und begertten, das man innen den predicanten liesz und hand- habte, nochdem und der gemeint zugeseit wer worden, 'diewil er doch nüt seit dan die cristlich worheit, das er 'sich 'erbut zu bewisen. Aber es halff nüt, man wolt 'sy nit verhören und must der predicant hinweg!). Sy fiengen an und 'schuldten alle die, so an sin predig gangen worren, lüttrisch ketzer, die eins nu- wen glüben werren, und wart grose uneinigkeit under .dem volck zwischen peyden parthiigen. Also vermeinten die pfaffen, sy hettens alsz gewunnen, 9. Die Worte »und (welches nun doppelt in der Hs.) — werden« von der Hand des Autors mit späterer Tinte am Rande, wofür zwei Worte im Text durchstrichen sind. 1) Dass Wurstisen und Ochs Reublins Vertreibung irrthümlich in’s Jahr 1521 setzen, hat schon Herzog nach einem Brief von Herm. Busch an Zwingli (Zwinglii opera VII, P. I, p. 195—197) bewiesen. 8. seinen Auf- satz: en von Uttenheim in den »Beiträgen zur Geschichte Ba- sels« 98. or SS 1 1 2 3 B) 1522. 35 do sy den predicanten hatten hinweg brocht, aber got wolt sin wort losen uffgon, sy mochtens nit erwerren. Do nu diser hinweg kam, do wasz ein predicant im spytthal hie!), derselb wasz eins burgers sun hie, hiesz sin vatter Jocab von Wisen- burg, wasz ouch des rotz hie, hiesz sin sun meyster Wolff Wi- senburg, ein gelertter junger, derselbig fieng ouch an, die worheit zu verkunden des gotlichen ewangelischen wortz, der =) 8 o- or < a uberkam ietz den anhang ‚der gemeind, vil fester den der forryg, und fieng an die lattinisch mesz zu tutsch halten, domit man hörren möcht, woruff sy gesetzt wer, des die pfaffen aber nit wol zufryden worren ; esz wolt in aber do nit glingen alsz vor, dan diewil er ein burger wasz und sin vatter des rotz, ein frum redlich’man, hat er grosen gunst, das sy in musten Jon blipen. Doch hesen sy hefftüig wyder in predigen durch ire falschen predicanten und schulden in und alle, die im anhiengen, ketzer und wasz sy ubelsz erdencken konden, aber die [94] ler nam von tag zu tag zu, das sisz nime mochten undertrucken, sunder musten in mit sim predigen losen blypen. Im andren?) jor, alsz man zalt 1522, fieng ein gelertter man hie an zu lesen im colleio?), genannt Johannes Eocolampadius ?) im hebreisch, ıst zu tutsch Johannes Huschin, ein doctor der heilligen gschrifft, lasz usz dem prophetten Jeremiasz, den leyd er so eristlich usz, das im menglich gern zuhörret; er lasz ouch usz dem 'ewangelius, das er ein grosz volck alzit by sinner letzge hat von pfaffen und leygen, wart also fürnem, das im keiner der gelertten möcht zukumen; also versolteten in mine herren, goben im jorgelt, das er alle tag im colleium lesen solt, und gieng sin ler wyd usz. Also stund es nit lang, er thet ein predig oder dıy zu sant Martin, do verkund .er das götlich wort in sollicher mosz, das desglich so cristlich nie gehort wasz; hieng sich das gemein volck im hefftig an, das er kein predig thet, er het ein mech- tig volek doran. Er wasz ouch ein fast 'geistlich parson, eins .cristliches lebens. Die gemein wart im ouch fast günstig, das sy ır lib und leben für in gewogt hetten, wo im leydz solt wyderfarren sin. Er endackt do erst recht der pfaffen hellig 21. Am Rande von anderer Hand: »Griechisch.« 22. phropetten Hs. Am Rande von anderer Hand: »Jesaias«, was das Richtige ist,s. Herzog 1.223 ff. Hagenbach'S.43. Auch ‚Wurstisen hat das Richtige. Die commentariorum in Prophetam Esaiamlibri V erschienen 1525 im Druck (Hagenbach S. 45 Anm.). 1) Bei Wurstisen kaum erwähnt. Geb. 1496 (Lutz 35. Athenae Rauricae 72), nach Herzog 1491, dem Leu’s Notiz widerspricht, er sei, ‘80 Jahr alt, 1575 ‚gestorben (s. unten die Fortsetzung des Peter Ryff ad a. 1575). 2) Auch vorher war von 1522 die Rede. 3) Noch jetzt heisst ‚das Universitätsgebäude im Munde.des Volkes »das Collaium.« .4) Geb..1482. Er langte in Basel an am 17. Nov. 1522, s..Hhagenbach.8.24 nach den Epp. ‚Oec. et Zwingl. f. 201, vgl. unten die Anmerkungen zu. dem Chron. Geor- gii ad a. 1522. Vischer, Gesch. ‚der Universität ‚Basel 228 ff. 3% 36 1522. 1523. und wie sy unsz verfurt hatten, und verwarff dem pfeffischen huffen all ir cermonien und kilchenbrüch. Do marckten die pfaffen wol, wo es hinusz wolt. Sy mochten aber nime werren, es fieng do an al ir bracht und er abgon, dan do wart man innen all ir bubery, domit sy um worren gangen; dan do ver- warff er in mit götlicher gschrifft alle bruderschafften, volge, sibend, drisgist!) und jorzit, kerzenbrennen, wiewaser, alle ir zoubery, domit sy um worren gangen, singen und lesen, jo ouch ir meszhan, desglich [s5] das sacrament des altarsz, pro- biert ouch das und erbot sich mit heilliger geschrifft sollichs zu erhalten gegen allen gelertten, wo einner wer, der im sollichs wolt mit gschrifft beston. Do das die pfaffen sachen, wusten sy nit, wie sy sich halten wolten, dan sy sochen wol, das ir ding nüt me wolt sin, vermenden doch, es wurt nit lang wer- ren, wurt balt besser uff ir sitten, aber es wart innen ie lenger ie böser. Do thetten sy eins, und liesz der bischoff ein man- that uszgon uber die unyfersytet und verbot do allen pfaffen und dennen, die im dan solten anhengig sin, an sollich predig und letzge nit zu kumen by verlierung irer pfründen, desglich allen studenten und glideren der hochen schullen; also hetten sy gern al weg versucht, aber es halff nüt, das gotlich wort wolt sych nit me lon verbergen, sunder brach ie lenger ie fester herfur. Es giengen ouch uff die zit all crutzgeng ab, die man dan von alter har gethon hat in vermeinig, es wer fast ein gut Di a 0 20 werck gegen got; es gieng ouch ab der umbgang, so man thet 25 an unsers herren frolichnamtag und derglichen; es fiengen ouch die zit an etlich priester ewiber zu nemen, das by unsz desmolsz gar seltzam manchen menschen dunckt, aber diser doctor gab sollichs usz der gschrifft für gut. Aber die pfaffen liesen ir böszheit und argen dück nit. : Wo in einner werden mocht, der sich sollicher eristlichen ler annam, uber den sy gwalt mochten han, der must sin leben dorum gen, derren vil wart, dan dise ler teilt sich vast wyd usz; wo dan von fürsten und heren einer vermerckt oder er- griffen wart, der must sin leben dorum gen, namlich wurtten sollicher cristlichen lerrer vil zu Ensen?) gericht, verbrent, er- hengt, erdrenckt, alle pin und marter thetten sy in an, namlich fiengen |%] sy ein burger von Basel zu Ensen, der nam sich ouch des ewangelium an und red cristlich dorvon, und wasz ouch wyder das sacrament des altarsz und verwarff ouch susz I) Die zweite und die dritte feierliche Darbringung des Messopfers für die Verstorbenen. Als Grund für den 7. Tag wird geltend gemacht die Sab- bathsruhe Gottes, für den 30. die dreissigtägige Trauer des Volkes Israel um Moses und Aaron; s. Wetzerund Welte, Kirchen-Lexicon III $. 846. 2) Ensisheim, Sitz der Oesterreichischen Regierung; vgl. über den Tod des Sigismund Steinschneider Chron. Georgii unten ad a. 1522. 40 Di 10 15 2 2 oO > a 1523. 37 etlich cermonien, sy möchtens aber nit lyden noch hören. Er wasz aber ein weltlicher ley, hiesz meister Sygmund, wasz ein steinschnider ; griffen sy zu Ensen an, beclagten in für ein ketzer, wart ouch verurtteilt felschlichen und mit groser martter gricht. Sy fierteiltten in und verbrantten im sin ingeweit, aber ‚er starb cristlich und handfest. Wie sy aber an im geurtteilt hand, geb in got zu erkennen, dan er wasz wol ein martrer. Aber es beschach fast usz nyd und tratz gegen dennen von Basel, dennen, so dem gotzwort anhengig worren; doch fand man wol etlich des pfeffischen völcklisz, die fast rot und that dorzu goben undz mit in hatten; nu es wer vil hievon zu schriben, aber um kürtzy willen wellen wir fürvarren. Got verlich unsz allen sin gnod, domit wir all mit sinem wort 'er- lücht werden. Nun in diser nochgengenden zit nam das wort gotz durch disen vorgenempten doctor Ecolampadius fast uberhand in diser statt Basel, und erhuben sich noch und noch sollich cristlich lerrer by unsz, die durch sin ler die gschrifft erfarren hatten, das nu zu sant Martin!), zu den Ougustiner?), ım spital3), zun Barfusen®) und sant Lienhart) fast gut cristlich predi- canten worren, aber in den andren kilchen woren fast bösz und wyderwerdig predicanten, die vil uneinigkeit stifftetten under einner burgerschafft mit schelten und schmechen, uff das mine herren ein mantat liesen usz gon) in der stat und emptren allen predicanten und selsorgeren zu bietten by groser stroff, das 18. »hatten« doppelt inder Hs. {) Hieronymus Bothanus. 2) Thomas Geyerfalk. 3) Wolfgang Weis- senburg. 4) Konrad Pellikan. 5) Marx Bersy v. Rorschach, Leutprie- ster, und Balthasar Vögeli, Helfer zu St. Leonhard. $. für die Genannten Ochs V. 450. Hagenbach 36, Vgl. Wurstisen. 8. die Aufzeich- nungen ’f. 2b. Bersy starb 1566, s. Gast 101. 6) Dies »erste öffentliche Document in Basels Reformationsgeschichte« trägt kein Datum, wiewohl man es gewöhnlich in’s Jahr 1524 setzt. Die Gründe, die eher für 1523 sprechen, s. bei Herzog I. 268. Vgl. Wurstisen. Bullinger 1. 152. In unserm Autor findet sich das Mandat in extenso irrthümlich in das Jahr 1526 gesetzt. S. unten unter 1526 nach dem Unfall vom 19. Sept. Ich habe es daher von jener Stelle an diese gerückt. Ochs V. 550, der das Mandat, wenn auch nicht in der Ursprache, abdruckt, setzt es, unserm Chronisten folgend, gleichfalls irrthümlich unter das Jahr 1526. Bei Bullinger II. 35 findet es sich gar unter dem Jahre 1529, weil es in einem von ihm benutz- ten Druck, der sich auf 1529 bezieht, mit enthalten war. Ich bringe es zum Abdruck nach dem Exemplare in der Sammlung gedruckter Mandate auf der öffentl. Bibliothek zu Basel E. J. I. 28, wo es die Vorderseite eines Folioblattes füllt, und merke nur die Varianten bei Ryff, abgesehen von ganz geringfügigen orthographischen, an. Ein anderer Druck, von demselben Format, in den Antigq. Gernl. I. Bl. 10, darunter die handschriftliche Bemerkung von einer Hand des 16. Jahrhunderts: »A. 1524«, handschrift- lich in den Decreta et mandata Senatus Basiliensis 1521—1601 zweimal, 1. auf Bl. 1 ff., 2. auf Bl. 25b ff. Varianten hievon sind unter der Bezeich- nung Decr. angegeben. 38 1523. wort gottes einhelligklich zu verkünden des nüwen und alten testament und wasz mit der heilligen gschrifft möcht erhalten werden. 116] Von eim mandat uszgangen des ewangelium halb. Wir burgermeyster und rat der statt Basel thünd allen und ieden pfarrern, lütpriestern, seelsorgern, predicanten und ver- kündern des worts gottes, sy syen in pfarren, clöstern, in unser statt Basel emptern und gebieten, kund: demnach und biszhar vyl zwytracht, zweyungen und irrsal durch das zweyspeltig pre- digen, so von den verkündern des worts gottes und heiligen evangeliums uff den canzlen enstanden, indem das etlich pre- diger vermeynen das wort gottes und heilig evangelium recht und wol nach vermög der leer gottes geprediget haben und noch predigen, das aber etlich geystliche und weltliche personen, predicanten, oder die ire predig hören, widersprechen, diesel- bigen ketzer, schelmen und buben, etwan mit heiteren usz- gedruckten, etwan mit verelügten worten nennen, doch nüt be- werlichs usz der leer Christi und heiligen [117] geschrift dar- thünd, dardurch das gemeyn, arm und schlecht volk, so recht 15 nach der leere gottes christlich begert ze leben, verfürt möcht 20 werden, und nit allein under den geystlichen, sonder ouch un- der unser gemeynd, uffrüren und emporungen villicht zu be- sorgen, demselbigen allem vorzesyn, damit christliche, brüder- liche eynigkeit und lieb under den unsern geöffnet und ge- pflanzt werden: Harumb so haben wir wolbedachtlich und einhellig erkant, wöllen ouch, das söllichs hinfürter bisz zü verrer erlüterung vestenklich gehalten und volnzogen werd: namlich das alle die pfarrer, seelsorger, lütpriester oder ordenslüt in pfarren und clöstern, so sich predigens underziehen, sy syen wer sy wöllen, und in unser statt Basel emptern und gebieten annemen wer- den, nüt anders!) dann allein das heilig evangelium und leer gottes fry offentlich und unverborgen, desglychen was sy trü- wen, können und mögen durch die ware heilige geschrift, als namlich durch die vier evangelisten, den heiligen Paulum, pro- pheten und bibel?), und in summa durch das alt und nüw 4. Diese Ueberschrift nach Ryff’s Hs. 5. thund kund Deecr. 1. 2, 6. lüpriestern Deer.1,2. Iop, HB». 7. verkundren Hs. wort Hs. sygen Hs. 8. biszher Hs. 10. verkunderen Hs. wort Hs. und des heilligen Hs. 11. ewangellium Hs. 12. predigen Hs. 16. heydren Hs. 23. vorzusin Hs. 24. geuffnet Ant. Gern. Hs., geuffnot Decr. 1, geöffnot Decr.2. (Der Sinn dieser verschiedenen Les- arten ist derselbe. Wir haben es nicht mit unserem »öffnen« zu thun, sondern mit »üfnen«, mehren, emporbringen. Vgl. Stalder unter väufnen.«) 26. einheilig Decr. 1.2. 29. lüpriester Hs. 1) Das Verbum, von dem »nüt anders« u. s. w. abhängt (»leeren, pre- digen« oder ein diesen verwandtes), ist dem Verfasser des Mandats in Folge der grossen Ausdehnung, die der Satz gewonnen hat, in der Feder stecken geblieben. 2) 8. über die Art dieser Aufzählung Ochs V. 551 Anm. 25 30 35 10 Bee 25 30 39 40 1523. 39 testament beschirmen,, bybringen und beweren, und alle an- dere leeren, disputation und stempanien, den heiligen evange- lien und geschriften (wie vor gemelt) ungemesz, sy syen von dem Luther oder andern doectoribus, wer die syen, geschriben oder uszgangen, ganz und gar underlassen, die nit predigen, allegieren oder uff den canzlen dem gemeynen volk meldung darvon thüun, sonder neben sich stellen und deren nit gedenken. Das ouch in solichem predigen sich niemandt flysse einem oder dem andern, er sy was standts, wirdigkeit, oder wesens er wölle, wider die warheit und leer Christi mit verdeckten oder offnen worten zu willfaren, rüm oder eigennützig lob ze suchen, sonder das ein [11s] ieder predicant die blosse lutere warheit der heiligen geschrift zu entdecken und zü verkünden sich übe, dermassen das die predicanten (davor gemeldt) allzyt urbittig syen, grundt und christliche geschrift irer leer eim ieden geistlichen und weltlichen, so das brüderlich erforderen wirt, gütwilligklichen anzüzeigen, damit zweyungen, irrsal, uneynig- keiten, so versehenlich under gemeynem volk darusz erwach- sen möchten, vermitten bliben. Wa aber iemandt were von weltlichen priestern, ordenslüten, leyen oder sunst von der ge- meynd, der wider dise unser erkantnusz und gebott handelt, die fürgieng und nit halten, :einen oder den andern ketzer, büben oder schelmen heissen würd und das usz der waren hei- ligen geschrift (oben angezeygt) nit uff in oder sy bybrechte, oder aber, ob einer etwas uff den canzlen an synem predigen, das er usz der waren gottesleer und heiligen geschrift, (wie in anfang gemeldet), nit beweren möcht, uszgüsz, der soll fürohin syns predigens stillstan und nit destweniger, glich wie die an- dere übertretter disz gebots, unserer schwerer ungenad und straff erwarten syn. Hienach wisz sich ein ieder ze richten. [97] Aber es wart von den bebstischen predicanten nie gehaltten. Also kam ein frömbter gelertter man har mit namen Wilhelmus Farellus!), begert hie zu underricht werden der heilligen gschrifft in etlichen artickeln, wie hienoch stat, und begert sollichs an minen herren, im ein gesprech zuzulosen im coleio. Das wart im gönd, aber die bebschischen vermeinten sollichs zu werren, werbutten sollichen under irer unüfersithet nieman sollichem 'gesprech zuzuhörren ; aber min herren erloubten im sin artickel uffzuschlachen, die lütten also: 3.4.15. sygen Hs. 4. Lutter Hs. 5. underlosen Hs. 6. alligieren Hs. S8. nie- «man Hs. 9. »wyderwertigkeit« statt »wirdigkeit« Hs. 11. worden Hs. 14. üben Hs. 15. urpüttig Decr. 1, urbüttig Deer. 2, ürbütig Hs. grund cristlicher Hs. 16. erforttert würt Hs. 19. ieman Hs. 20. leygen Hs. sustHs. 24. anzeigt Hs. 25. »ob« fehlt in der Hs. 1) Geb. 1489, gest. 1565. 40 1524. Wilhelmus Farellus allen christlichen lesern'‘). Ich acht einem yeden christlichen menschen nichts basz ze thun sein, dann das er die lautern warheit, (die Christus sich selbs sein bezeüget hat), mit hohem flysz und ernst ergründe. Umb solcher willen hat mich gedeücht nutz und güt sein, so zu meiner, so auch zu erbuwung meines nechsten, (welche uns Christus selbs am allermeisten uffgelegt hat), etliche propositio- nes fürzuhalten, in den do begriffen wirt die summ. christlicher freyheit, und durch welche die tyranney menschlicher satzun- gen darnider ligt, bleybende weltlichem schwert sein gewalt, von dem do ja nur nicht einer auszgenommen wirt. Darumb sovil eüwer hie zugegen ichts mögt fürdern, und der nechsten erbuwung und heil etwas nütz sein, auch ir hirten, den do uffgelegt ist die sorg christlicher herd, auch all andere, den das ampt zü leren bevolhen ist, ja auch ir, die do eüch selb mit dem eyd verpflicht und verbunden haben, das ir wölt sein schützer und schirmer der warheyt, oder auch ir, die do wöl- len, das die römischen decret für recht gehalten sollen wer- den: kumpt her, und von dem glouben, der in eüch ist, gebt mir begerenden ursach , über dise meine propositiones, dassel- big hells tags, als kinder des liechts, und keiner besorg sich, als thet er unrecht, herfür an [as] tag zu kommen, lauft auch (als uns der herr zu solchem ermant) mit christenlichem her- zen herzu darauf dringend, das allein das wort gottes über- hand nem. Das ir das wellen thün, bitte und ermane ich eüch 2. nüt Hs. 3. lutren Hs. 4. bezüget Hs. 5. geducht und Hs. 6. »zu — nechsten« ausgelassen in der Hs. 10. blipente Hs. 11. nit Hs. 15. befollen Hs. 20. disen einnen Hs. 22. kumen Hs, 1) Vgl. Kirchhofer, Das Leben Wilhelm Farel’s. Zürich 1831. I. 20 ff. Hagenbach 54. Herzog 250. Ochs V. 460 lässt irrthümlich die Dis- putation am 15. Febr. gehalten sein. Das genaue Datum der Disputation wird mir indes auch aus Herminjard I. 107 nicht klar, sondern nur, dass Farel die Disputation zuerst auf den 23. Febr. angekündigt (s. 8. 193), dass darauf als Antwort auf ein gehässiges Mandat der Universität der Rath am 24. oder wohl eher 27. (s. Herminjard p. 195, vgl. 198 Anm.5, s. unten S. 44 zu Zeile 38 und Anm. 1) Febr. sein Mandat zu Gunsten Farel’s erliess. Die Vorrede und die Thesen Farel’s, wie ich sie hier gebe, sind einem alten Druck, 4 Bl. kl. 40%, entnommen, der sich in einem Sammelbande der. öffentlichen Bibliothek zu Basel E. J. IX. 34 als sechstes Stück befindet. Dieser Druck, der auch das Mandat des Rathes enthält (s. unten $. 42 ff.), lag unzweifelhaft Fr. Ryff vor. Es konnte daher genügen, nur Ryff’s Va- rianten, abgesehen von den unbedeutendsten orthographischen, anzugeben. Gleichfalls liegt. dieser Druck zu Grunde der späteren Abschrift in dem Bande des Antistitiums (Basler Schriften Tom. IV. Kirchen - Geschichte No. 13), welche das Mandat, die Vorrede und die Thesen Farel’s enthält, und einer anderen Copie in den Decr. et mand. Bl. 115 ff., die von dem Genannten die Vorrede auslässt. Modernisirt waren die Thesen schon bekannt aus Füsslin’s Beitr. IV. 246 ff. Vgl. Haller III. Nr. 205. Lateinisch stehn sie bei Herminjard I. 193. ot — 6) or 10 2 o 2 or 3 [e= = or 40 1524. 41 durch Jesum Christum, unsern behalter, der so trungelich uns bevolhen hat die sorg unsers nechsten. Hienach volgen die artickel Guill. Fareli. 1. Christus hat uns die allervolkomneste regel ze leben ‚fürgezeichnet, wölcher nitt gebürt etwas hinzüsetzen oder hin- wegnemen. 2. Allein die gebot gottes mögen geschehen usz dem glou- ben, also, das es gotlosz sey, so sich einer einer andern par- teyen anhenkt, oder einer under andern gebotten dann Christi lebet, in welchen auch geheissen werden, das die, so nit sich mögen enthalten, sollen zu der ee greifen. 3. Es ist frembd von dem evangelischen liecht, dasz man helt nach jüdischer gewonheit underscheidung der kleider, der speisz und der cerimonien. 4. Die gebett, die von vylen worten seind, und nit nach dem gebett Christi oder ouch nit gereguliert nach christenlicher form, mögen nit on geferlicheit gebettet oder uffgesetzt werden, also das es besser were, das, was man darumb gibt, würd usz- geteylt den armen, und nit würd uffenthalten der some und zundel grosser übel, ja man sol sich mit allem flysz under- ston, das alle ding zu einigkeit gebracht werden, das da ge- schehe, so die!) würden gehalten zu studieren die heiligen ge- schrift, und nit allein underscheid hetten in mancherley kleyder. 5. Das warlichst ampt der priester ist, dasz man oblige dem wort gottes; dem sollen sie also verbunden sein, das sy nicht höhers halten, und so inen andere sachen zu hand stossen die mit dem wort nit [99] füglich gehandelt mügen werden, sollen sonderbar diener darzu verordnet sein. In diser sach sicht man ein verdamlich, damit ich nit sage, die schedlichste schläf- ferkeit vyler. 6. Die gebott Christi sol man nit frävenlich in ratschleg keren, auch nit widerumb die rät in gebott, dann das ist des tüfels ampt. Zü dem gehört auch, das verdamlich ist dero geyz, die umb gwinsz willen predigen, das Christen halten sollen, das 5 zu fliehen, oder fliehen, das zu halten ist. 7. Der underdruckt das evangeli, der das evangeli unge- wisz macht, und der schempt sich Cristi, der nitt seinen brü- der on falscheit leret und mer förcht die menschen dann got. 8. Der da hofft usz eygner kraft oder gewalt selig oder gerecht zu werden und nit durch den glauben, der richt sich 1. trungenlich Hs. 3. »Guill. Fareli« fehlt in der Hs. 7. gluben Hs. 8. sy Hs. 9. parthigen Hs. 12. frömpt Hs. 13. 14. spisz u. d. cermonien Hs., 15. sind Hs. 19. wurt uszgedeilt Hs. 23. kleydung Hs. 26. hochers Hs. 32. rod Hs. 33. der- ren Hs. 36. ewangelium, ewangely Hs. 39. »oder gerecht« fehlt in der Hs. 40. gluben Hs. 1) »si hi adigerentur« etc. Herminjard I. 194. 42 1524. uff und macht sich durch den freyen willen zu einem got, und würt durch die gotloszigkeit erblindet. 9. Das sol man am allermeisten begern und bitten, das der heilig geyst ingibt, und die opfer der Christen sollen allein got geopfert werden. 10. Die do gsund am leyb seind und nit ganz dem wort gottes obligen, die seind usz des apostels spruch schuldig mit der hand zu arbeiten !). 11. Ein Christ sol sich hüten vor den fasznachtspil und jüdischer gleisznerey in fasten, und allem, die do nitt gesche- hen durch ingebung des geysts, auch sich hüten vor den götzen. 12. Welche sach sich verglychen jüdischen satzungen und bürden und nit gezimmen- christenlicher freyheit, sonder sie niderdrucken, sollen von christem volk nit erlitten werden. lıoo| 13. Wir sollen sorg han, das uns Christus anschein, durch welches kraft, und nit durch die gestirn und ander ele- menten herschung, alle ding werden regiert, welchs wir genz- lich hoffen, das es geschehen werde, so alle ding nach evan- gelischer regel würden geregiert, und alle hader und zank werd hindangesetzt, damit der frid, der do übertrifft allen sinn, in unsern herzen wonete. Amen. Uff dise artickel und uffschlachen erhub sich ein groser unwil mit dem bischoffischen huffen, wie dan vorgemelt ist?). Sy vermeinten sollich disputatz oder gesprech abzustellen, ver- butten ouch der ganzen universithet, das ir keiner solchem gesprech solt zuhörren, doruff dan min herren ouch ein man- dat liesen uszgon, wie hienoch stat?). Mandat von einem ersamen rat der stat Basel, gegen des bischofs vicari, rectorn und regenten der universitet daselbsz (als sie die herinnen verfaszte artickel zu disputieren, auch allen den vren zuzehören verboten) uszgangen‘). Wir Adelberg Meyer, burgermeister, und der rat der stat 15. nydertrucken Hs. 16. anschin Hs. 20. wurden Hs. 33. Meyger Hs. 1) Wohl eine Anspielung auf 1. Korinther 9 und 2. Thessalonicher 3. 29.100123 4,.37; 3) Der Satz »Uff — stat« ist wieder aus Ryff entnom- men. 4) Dies Mandat steht, wie schon oben 8. 40 Anm. 1 erwähnt, gleich- falls in dem alten Druck, der es an erster Stelle (vor Farel’s Vorrede und Thesen) bringt. Der Titel nimmt daselbst die erste Seite ein. Da auch hier der Druck die Vorlage für Ryff, die Cop. Antist. und die Cop. Decr., (an welchen beiden Orten, wie oben erwähnt, das Mandat sich gleichfalls findet), gebildet hat, so bin ich dem Druck auch gefolgt und habe nur relevante Varianten der Ryff’schen Hs. bemerkt. In selbst- ständiger Ueberlieferung findet sich das Mandat noch in den Antig. Gernler. I Blatt 11 unter dem Titel: »Mandatum, die begerte disputation Wilhelmi Farelli nicht zu verhinderen. und das sie von allen verpfründten solle besucht verden. Anno 1524.« Indes stellt sich auch diese Ueberlie- [3 0 [> 0 1524. | 43 Basel, fügen mengklich,, so geystlichs, so weltlichs stands zu wissen: Demnach biszhär und noch, durch die seelsorger und predicanten diser statt Basel vil zwyspältige meinungen uff den kanzeln geprediget, auch darneben von gemeinem unserm 5 volk mengerley reden, also das ein teyl den götlichen leren und heilig geschriften, das ander teyl den satzungen und ord- nungen der bäpst und coneilien anhangen wöllen, gebrucht; und aber vergangner tagen etliche gelerte und des verstendig leüt, durch offenliche disputationes, freüntliche underredungen, i0 |101) (doch allweg mit vergünstigung eins ersamen rats der stat Basel), im collegio der universitet diser loblichen stat, do dann sollichs billich hingehört, auch deszhalben dise und ander uni- versiteten am meisten aufgesetzt und gestiftt ze halten, von einander bericht zu empfahen, damit sich ein yeder der göt- ı5 lichen warheit und evangelischen leeren am glychisten wisz zu gebruchen, understanden , aber stätigs durch die obern rector und regenten der universitet, (die sollichs billicher dann bil- lich zu fürdern, gemeinem christenlichem volk zu nutz, bes- serung irs lebens und selenheyl dardurch zu empfahen geneygt % sein solten), ire schwere mandaten, und besonder wider die in- selipten und anhenger der universitet greülich, wie dann die- selben ire ungegrünten uszgestreckte mandaten anzeigen, ver- hindert, und yetz abermals (als zu vermüten, usz ingiessung des heiligen geystes) ein christlicher mensch und brüder, mit 25 namen Gwilhelm Farellus, artickel, so uns dann teütscher sprach fürgehalten, mer umb des willen, ob er irret, gelert zu werden und bericht zu empfahen , dann andere dardurch ze leren, of- fentlich im collegio zü disputieren willens, den rector und regenten der universitet zuvor darunder, im das zü vergünnen, 30 demütigklich angesücht, aber unangesehen sein güt christlich gemüt und fürnemen das nit wöllen bewilligen, sonder stracks abgeschlagen, deshalben er für uns als die oberkeit ze keren, ime das zu vergünstigen, verursacht. Dieweil wir nun solche‘ seine fürgesätzte artickel, die wir nit unzimlich, den ewange- 35 Jien etwas gemesz , den menschen mer nutzlich dann schaden, bericht darunder zu empfahen, befunden, haben wir demselben Gwilhelmo vermelte seine artickel latinischer sprach, und umb 1. menglichen Hs., mengklichen Antiq. Gernl. 4. gepredigen Hs. »von« fehlt in Ant. Gernl, 5. lerreren Hs., lehrern Ant. Gernl. 11. coleio Hs. 11. 12. »uni- versitet — ander« fehlt in der Hs. Statt »diser loblichen stat« lesen Ant. Gernl.: daselbst. 21. ingelupten Hs. eingeleibten Ant. Gernl. grüwlich Hs. 25. Wil- helm Hs. Wilhelmus Ant. Gern]. tutscher Hs. 28. coleio Hs. 31. wellen Hs. 33. nu Hs. 35. »nechsten« statt »menschen« Hs. 37. Wilhelmo Hs. und Ant. Gernl. ferung als eine spätere (aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrh.) dar und konnte daher nur zur Vergleichung benutzt werden. S. Haller IlI No. 205. Füsslin IV 8.243. Kirchhofera. a.0.1. 20. HerzoglI. 250. Hagen- blach I. 250. 44 1524. des sich unser selsorgeren, so etwas bericht erlangen möchten, im collegio diser universitet miltigklich zu disputieren zuge- lassen. Aber über sollich [102] unser zülassung haben sich die hochgelerten herren Heinrich von Schönow, der geistlichen rech- ten doctor und in geistlichen sachen unsers gnedigen herren 5 des bischofs von Basel vicarı, und dan rector und regenten der universitet, deren sie gnügsamlich bericht und güt wis- sens gehebt, abermals zü verachtung und schmach (als wol zu gedenken) unserer zulassung mandata und edicta lassen usz- geen, allen priestern, studenten und verwanten der hohen schül, by penen des bans und uszschliessung der universitet oder hohen schül, in solliche disputation weder darinnen zu dispu- tieren oder bizchöfkn ze gon verbotten, darab wir nit klein, sonder grosz beduren empfangen , und wil uns gefallen, das mengklich, und zuvor die selsorger, predicanten, priester, stu- 15 denten und verwanten der universitet, in solliche disputation, so betrachtlich von uns vergünnet, unangesehen einicher man- daten oder verbott, sy seien joch von vicarien oder der uni- versitet beschehen, gangen darinnen disputieren und waren be- richt der heiligen "götlichen leren und geschriften sovil müglich % zu vernemen. So aber yemands, wer der were, hohes oder ni- dern stands, geistlich oder weltlich, niemandt hievon uszgeschei- den, und besonder die von einem ersamen rat und der stat Basel verpfründet oder sunst belehnet, in welcherley gestalten das were, die solche disputation über unser vorgehörte zulas- 25 sung verhindern, oder yemands, und vorab die geistlichen und verwanten der universitet, darein zu gan, selbs zu disputieren oder zuzuhören, durch vorige oder weitere mandata oder gebot, wie und welcherley weisz die geschehen möchten, verhindern wölten oder understünden, denselbigen, wer die [1os] seyen, 30 sol hinfür malen, bachen, feyler märckt, durch sy oder ir ge- sind zu gebruchen, genzlichen verbotten und abgeschlagen sein, desgleichen denen, so von uns und der stat verpfründet oder belehnet, ire pfründen und lehen genomen und der genzlich entsetzt werden. Diser unser getrüwen warnung soll sich me- : nigklich wissen zu richten. Zu urkund mit unserer stat uffge- trucktem secretinsigel verwart, und geben samstags vor oculi 27.Febr.den 27. tag februarii!) anno domini etc. 24. Caspar Schaller protoseriba civitatis Basiliensis. 40 [ o_ 0 u Di 2. coleio Hs. 3.»zu losen, zu losung« Hs. 10. stuttenden Hs. 12. schullen Hs. 13. in solcher disputation weder zu disputieren zuzehören Ant. Gern]. 16. disputastion Hs. 17. vergonnet Hs. 18. sigen Hs. 19. worren Hs. 20. »gescheften« statt »geschrif- ten« Ant. Gern]. 22. nieman Hs. 24. sust belechnet Hs. 25. solch dispütieren Hs. 27. dorin Hs. 28. wydre Hs. 30. sysen Hs. 31. und bachen Hs. und Ant. Gernl. 34. lechen genumen Hs. derren Hs. deren Ant. Gernl. 35. »unser« fehlt in der Hs. undinden Ant. Gernl. 36. menglich Hs. 38. So haben richtig die Ant. Gern]. Der alte Druck hat: 24. »fierzechenden« Hs. 1) S. über die unklare Datirung dieses Documents Herminjard I. 19. . 1524. 1525. 45 Also wart dise disputation volbrocht und ein grose zal volcks die do zuhöretten, von geistlichen und weltlichen; es kam ouch vil gutz dorvon, es giengen ouch vil seckten und cermonien ab, es endstunden ouch vil cristlicher lerrer dovon 5suff, und nam das wort gotz fast zu und wart doctor Ecalam- padius ein lupriester bestettet zu sant Martin und in dem co- leio alle tag zu lesen !); er macht ouch vil gutter cristlicher bu- cher, die von im uszgiengen in wytte land, er liesz ouch ein büchly uszgon vom sacrament gar cristlich und gut im latin), ı0 desglich vor nie gehört wasz worden, er verwarff hiemit dem romischen huffen alsz ır kromwerck, aber man wolt ım zu Ba- sel nit im truck losen uszgon. Doch wasz desmolsz ouch ein fast gelertter man hie, mit namen doctor Erasmus von Rotter: dam, demselben goben mine herren solliches büchly zu lesen, 15 wie im ze thun wer; uff disz besechen und uberlesen schreib er minen herren dise nochgeschribne antwurt uff disz Ecolam- padius büchly 3): I10a| Doctor Erasmus von Rotterdamus beschribung an min herren. »Groszgünstigen herren, uwer erbarkeit zu gefallen han ich 20 überlesen das büchly Johannes Eocolampadü, welches do sagt von den wortten des nachtmolsz unsers herren. Dorum so vil, alsz ich mich verston, so ist es fürwor ein geschickz, geziert und wolgemachtz büchly, und das noch wol mer ist, so möcht ich wol sagen, das es ein cristlich büchly werre, wo anders 25 ouch etwasz cristlichs genent möcht werden, so do wydrig ist der meinung und verwilligung der kilchen, von welcher abwichen oder wyderspennig syen minnem urttel noch geferlichen ist.« Aber es wart im nit zugelosen hie zu trucken oder das mans het losen uszgon, so vil hetten die pfaffen zuwegen brocht, 30 dan es lag in fast vil doran, dan es wasz gantz wyder die mesz und all ir satzung. Also wart es zu Strosburg truckt und gieng wyd und breyd und wart ouch vil uff disz büchly gehalten. Dornoch wart erkent, das man alle sinne büchly liesz hie in truck kumen. Er hat »samedi avant Oculi le 24. jour de Feyrier«, wie der alte Druck und Füsslin IV. 246, was aber, wie er schon bemerkt, sinnlos ist, da Samstag vor Oculi 1524 der 27. Feb. war. Ochs V. 460 liest wie Ryff: den 14. Feb. Wurstisen hat: »Sampstag vor der alten Fasznacht«, vor Invocavit = 13. Februar. I) Herzog I. 284. Hagenbach 64. Herminjard Il. 336. Oekolampad an Farel 6. Feb. 1525. 2) De genuina verborum Do- mini »hoc est corpus meum« juxta vetustissimos auctores expositio. Hagen- bach 79. Herzog I. 322, verdeutscht von Hetzer 1526. S. Weller No. 3943. 3) Wurstisen. Hagenbach 82. Der Rath verlangte von Ludwig Ber, Erasmus, Cantiuncula und Bonifacius Amerbach ein Gutachten über des Oekolampadius Schrift. Das Gutachten des Erasmus findet sich in einer Abschrift des 16. Jahrh. in den Ant. Gernler. I. Bl. 17 f., ferner in ei- nem Drucke des vorigen Jahr. (anscheinend Basel, bei Sörin, um 1780) deutsch bei Wurstisen 542 ft. b) 1525 Febr. 24. Mai. 20. Juli. 46 (1526) 1523. Also brocht die ler von dısem doctor Ecolampadius vil frucht in allen landen, dan disz büchly macht vil anhangs des ewan- gelium, also das es ouch kam in die eydgnoschafft, wiewol die von Zürich vor der meinig worren, hatten ouch ein crist- lichen lerrer in aller meinig wie Ecolampadius, dordurch das gotzwort ouch by innen fast zunam, des man disen zweygen predicantten nit fast günstig wasz in der eydgnoschafft, vorusz die grosen pensioner, wyder die es hefftig wasz. Man satzt in ouch fast zu, wo man sy möcht umbringen, den von Zürich und den von Basel, derren von Zürich genant meyster Urich /wingly, gar ein gelertter man. [105] Also erdochten gemein eydgnosen ein fund, wie sy möch- ten zuwegen bringen, das sy dise zwen menner möchten hin- dergon, und wart ein disputatz angesechen und uszgeschriben zu Obren Baden im Ergöw!). Aber es wasz uff kein gutz an- gesechen, dorum wolten die von Zürich iren predicanten nit dar schicken, aber von Basel schickt man Ecolampadius dar mitsampt andren predicanten und etlich der redten. Also wart ein dispütatzion gehalten, aber es verfieng by sollichen lutten nüt, es mögen berly under süwen nit für wert gehalten werden. Es wer vil hievon zu schriben, ist aber on not, dorum wil ich wydter mit andrem fürfarren. Von eim gemeinnen gesellenschiesen, so zu Basel gehalten. ist worden. Uff pfinsten, alsz man zalt 1523 jor, wart durch beger ge- meiner schützen von Basel mit der buchsen und mit dem bogen ein gemein gesellenschiesen erkant und uszgeschriben, wytt und breyd zu halten, uff mentag noch sant Margretten tag anzu- 5 [3 v nn y & 20 fachen; also kam ein grose erliche geselschafft har von frempten lütten. Esz komen har groffen, fryherren und ritter, desglich : vil edellüt, ouch usz der eydgnoschafft, von andren wyden stet- ten nidsiden und obsiden; esz komen ouch die von Strosburg fast erlich, und gaben mine herren für das best vorusz fierzig rinsch gulden, und wurten der goben sust vil gemacht in sil- ber und golt, wart also mit dem bogen erlich acht tag gehal- : ten, dornoch acht tag mit den buchsen, wart ouch iederman grosz zucht und er bewisen und gutte geselschafft gehalten. Es wasz ouch alle ding hubsch und wol zugerust uff dem platz?) und uff der Schüzenmatten mit zelten und andren ziertten, so man innen zu erren uffgeschlagen hat, bisz uff den letsten tag, kam gar ein ungestum wetter, warff die zelten und alsz um, das iederman must ab der matten gon, ‚doch wasz es schon lıo6] gar usz, und gewunen die von Strosburg mit dem bogen 1) Vgl. Chron. Georgü ad a. 1526 ausführlich. 2) D.h. auf dem St. Peters-Platz. 1524. 47 die beste gob und die von Ulm mit der buchsen die beste. Also endet sich disz schiesen ouch und fur iederman erlich wy- der heim. Von ein zug, so man in Meiland thet von Basel zum Franzosen‘). 5 Uff Lorentzii im erstgemelten jor schickt man drü hundert burger von Basel in Meiland, doch nit anders, dan der gem ziechen wolt, wasz under disen houptman jungker Baltaser Hil- brant und fenrich Martin Streiff' zum Rapen und underfenrich Hansz Zwilchenbart über Rin, hatten ein fry fenly von dıy ı0 farben, wisz und schwarz und rouchfarb. Got geb in gluck! Es zugen ouch hie durch die von Mulhusen den unseren glich noch mit hundert knechten, ouch mit eim frygen fenly, wasz dorunder houptman Franz Hagenbach. Von eim ungestumen wetter. 15 Uf sant Simon und Judes tag im jor erstgemelt zu nacht zwischen siben und achten im nachtmol kam aber ein unge- stum wetter mit donner und blixgen und mit eim starcken regen, das desglich kum erhört wasz worden, werret bisz uff ein stund lang, wart es wyder gantz hell. 2% Von eim grosen erdbydem?). Uff der kindlen tag zu nacht zwischen zwelffen und ein im 1524 jor kam ein groser erdbydem, das die huser erziderten. Man seit ouch, das er by sechsz mil wegs wyd gehört wer wor- den, vergieng schnel wyder. Eos Von eim zug aber in Meyland. Uff zinstag noch dem suntag jubilate im erstgemelten jor zoch Jocab Meyger, den man nempt zum Hasen), mit zwey hundert knechten mit eim [107] frygen fenly, wasz fenrich Os- walt Holtzach und underfenrich Petter Schorendorff; sy zugen 30 aber nit wyd, sy wurtten gewend, komen in acht tagen wyder heim. Von eim zug, so man aber thet in Meiland und wart diser zug gon Boffy*) geleyd. Zu herbstzit im erstgemelten fier und zwenzigisten jor 3; mand der kunig aber ein eydgnoschafft im zu hilff zu kumen. Also zoch man für Boffy, belegertten das mit des künigs volck, logen lang dorvor in meinig die in der stat uszzuhüngeren, aber sy hatten sich wol versechen, logen die keiserschen fast 1) 8. Wurstisen. Bullinger I. 113. Anshelm VI. 217. Er sagt: der Zug sei »zu End Augstens usgangen.« 2) Vom Karth. Georg in's Jahr 1524 gesetzt, s. u. 3) Hierdurch wird Ochs Zweifel V 8. 470 »vielleicht der zum Hasen«) gehoben. 4) Pavia. 10. Aug. 28. Oct. 28. Dee. 19, Apr. (24.Feb. - 1525.) 20. Apr. A8 1525. starck in der stat, ouch fast vil edler, thetten zu beyden par- thigen einander grosen schaden, zuchen vil eydgnosen hinin, lieffen von Basel by fierhundert hinweg usz der stat und usz den emptren. Also zum letsten fiellen die usz der stat und über- fiellen die franzosischen und thetten ein grose schlacht!), und wasz von lantzknechten uff des Franzosen huffen wasz, deren komen wenig dorvon, desglichen die französchien empfiengen grosen schaden ; do komen ouch vil eydgnosen um, und wasz dorvon kam, wart gefangen und ellendiglich mit in gehandlet, etlich wurtten gantz nacket uszzogen, den andren genumen wasz sy hatten. Do gewunen wir aber ein erliche but von unser vereinig, so wir mit dem künig gemacht hatten, do verluren wir aber menchen gutten burger um des bösen geltz willen. Got verzichs! Aber von eim erdbydem. Uff mitwuchen noch dem suntag jubilate, anno wie ob- stat, wart aber ein groser erdbydem gehort, wart ouch an vil ortten gehört, vergieng ouch schnel wyder. Is] Von eim grosen volck, dasz sich versamlat hat in allen landen wyder ire oberkeitten, so man nempt die burren. In dem monet des mertzen alsz man zalt von der geburt unsers erlösers 1525 jor erhub sich ein grosz gemein volck, so man nampt die burren, erstmolsz in dem Franckenland und dornoch uff dem Schwarzwald?), ins pfaltzgroffen ?) land, desglich im Elsesz und Sungäw, im Rinthal und insz margroffen land), ın summa allenthalben im land erhub sich das gemein volck uff dem land und samlaten sich mit einer grosen zal, und wüst aber nieman, wasz willens sy worren oder wasz sy mud hatten, endsatzt sich iederman gegen in, dan sy worren fast wolgerust, und seit man, das ir meinig wer, iren herren und obren we- der zinsz, zechend noch gült me zu geben, sunder wolten fry sin®). Es wasz ouch ir meinig, den adel, desglich pfaffen und munchen und nunnen, zu vertriben, alsz sy ouch zum teil thet- ten, dan sy zerstörten vil kloster uff dem land allenthalben ; es dörfit ouch kein pfaff noch munch ir wartten, sunder sy: wurtten uff dem land zerstrouwt, dasz sy sich in die stet thet- 1) Die Schlacht von Pavia vgl. Anshelm VI S. 331 ff. Bullinger I S. 256. Kessler III. 367 ff. 2) Diese Auffassung ist nicht richtig. Der Schwarzwald, insbesondere Stühlingen im Hegau, war die Wiege des Auf- standes, und zwar schon im Sommer 1524. Im März 1525 lodert er beson- ders im Algäu wieder auf. Im Allgemeinen vgl. Zimmermann, Geschichte des grossen Bauernkrieges, 2 Bde. Stuttgart, Rieger 1856 (2. Aufl.). 3) Pfalzgraf Ludwig. 4) Ernst, Markgraf in der obern Markgrafschaft Baden. 5) Anspielung auf die 12 Artikel. or 20 I) 5 or eb fr ou 2 —_ 2 DL 3 = 35 1525. 49 ten und wo sy dan uffenthalt han möchten. Sy zerbrachen den pfaffen ire huser und asen und truncken in, wasz sy fun- den, verdarbten den klostern und edlen vil win und korn, des- glich vil fiech. ‚Es wasz nüt vor .in sicher, das dan pfaffen, munchen, nunen oder edellütten zuhört; sy fiengen ouch an ‚und thetten sich für die stet!), namlich für Ensen, Friburg, Sultz2), Gebwiller3) und Watwiller und Sennen®), deszglich insz margroffen land nomen sy Rottällen in, Susenburg und Hochburg. Es dorfft ouch kein bur wyder sy sin, sunder mit »in ziechen, so balt sy in mandten. Sy zugen ouch im Elses fur Than und [109] Zscherwiller?), do empfengen sy ein grosen(20.Mai.) schaden, dan die edlen hatten ouch etlich rütter gesamlat, die komen hinder ein hüffly burren vor Scherwiller, die brochten sy fast al um, sy thetten in ouch sust an andren ortten ouch vil schaden. Es komen ouch fast vil der burren gon Elsesz- Zabern, by zwentzig tusent in die stat, die wurten von dem herzogen usz Lutringen starck uberfallen und do jemerlich er-(17.Mai.) mört®). Dan der herzog seit in frid und gnod zu, das sy sol- ten abziechen, ieder mit siner hab, gab den burren des ouch brieff und sygel, doch das sy ire gewer und woffen solten von in thun. Do sy das selbig thetten, uberfiel er sy uber alles zusagen und ermörtet sy alle ellendglich und brocht do um me dan zwentzig tusent burren. Er macht do manch vatterlosz kind, er wasz unredlich und unfurstlich mit in umgangen. Desglich thet ouch der pfalzgroff am Rin, der überfiel ouch etlich und liesz ir uff ein tag me dan hundert die kopf ab- schlachen”j. Die armen lütt wurtten allenthalben mit groser stroff wyder gehorsam gemacht, es musten ouch vil usz dem land wichen, die nimermer zu den iren kumen dorfften. Es wer vil von disem burrenkrieg zu schriben, wie die fursten und herren mit in umgangen sind so ellendglich und unbarm- herzig, das nieman gnug dorvon sagen kan, dan do kam ein stroff uber die andre noch und noch, das sy nit me grümen mochten. Es wurtten ouch vil zu Ensen gericht, etlich und vil, die nie schuld doran gewunnen, aber do wart kein gnod 1) Vgl. H. Schreiber: Das Breisgau im Bauernkriege, in dessen Taschenbuch für Geschichte und Alterthum in Süddeutschland. Freiburg, Emmerling 1839, Bd.1. 2) 10: Mai, Zimmermann ll]. 403. 3).12. Mai, Zimmermann ll. 403. 4) Sennheim (Cernay) 15. Mai, Zimmermann a. a. 0.8. 403. 5) Das Gefecht am Pass von Scherweiler: Zimmer- mann 11.420. 8. die synchronistische Uebersicht in Bensen: Geschichte des Bauernkrieges in Ostfranken. Erlangen, Palm 1840, S. 582. 6) Zim- mermann 11. 417. S. von Schweizer Quellen: Bullinger.I. 247, wo in- des die Darstellung nicht klar ist, auch Wurstisen. Kessler Ill. 336. Anshelm VI. 294. 7) Das »uff ein tag« ist Uebertreibung des schon an und für sich Furchtbaren; vgl. Bensen a. a. OÖ. 8.485 nach Haarer, Wendelstein u.s.w. Zimmermann II. Cap. 12. u. s. f. Basler Chroniken. I. 4 1. Mai. 3. Mai. 3. Mai. 50 1525. bewisen, sunder sobalt er von den rüttern ergriffen wart, so must ers lyden, dan sy ritten tag und nacht uff sy, dorfften ir etlich wol in den betten uffnemen und mit in gon Ensen farren. Hieby ichsz wil lon blipen um kürze willen!). Iı1o]l Von eim ufflouff, so zu Basel solt beschechen sin, so uff die burger erdocht wasz worden?). Uf Phillip und Jacoby ım erstgemelten jor gieng ein red under der gemeind und kam ouch für min herren, wie etlich burger solten ein anschlag gemacht han mit den burren ın unsren emptren, wie das man wolt in der stat die kloster über- fallen, und solt der bescheyd uff der weber husz sin beschechen. Do das mine herren innen wurtten, versamlatt man ein grosen rot, wie man sich in der sach halten wolt, dan es gieng wol ein red usz, das die burren in emptren unrüwig werren und wolten für min herren kerren, innen ır beschwernusz erzellen ; nu aber es wasz noch alsz still und wasz diser anschlag ouch erlogen, dan das der verzwifilet huff der pfaffen vıl lüg erdoch- ten). Also wart dennocht so vil gehandlet, das man ein ge- mein bot uff allen zunfften hielt uff des hellgen crutz tag im meygen und wart mit grosem rot erkent, das man uff iede zunfft etlich herren vom rat schickt, die nu all zunfftbruder gemeinlich anforderten, welcher eins andren willens wer, dan das er lieb und leyd mit minen herren Iyden wolt, ouch lib und gut zu innen setzen wolt ietz in disen wyderwertycken loüffen, des ouch nieman unwillig funden wart, sunder allı lb, er und gut zu minen herren setzen; dan diewil schwerlich sachen ver- handen worren allenthalben, besorgten mine herren, es wurt under irer gemeind ouch endstonn. Sollichem zu fürkumen, hielten sy disz bot uff allen zünfften und begertten .ouch ein wissen zu haben, ob sich iemans beclagte, der etwasz beschwert 10 15 30 were, der mochte sollichs minen herren anzeygen, ab es wart iederman gutwillig funden. [111] Also gieng iederman wyder heim und worren wol zufriden und gestund also an bisz uff den oben dises tags um die fierte stund noch mitag, kam die mer, wie die burren usz unseren emptren kemen mit macht 1) Verglichen mit andern Schweizer Darstellungen des Bauernkrieges steht die unsres Autors der sehr gedrängten des Salat (S. 127. 128) voran, wird aber sehr übertroffen durch die von Bullinger I. 241 ff., Anshelm VI. 269 ff., vor allem aber durch Kessler III. 314 ff., der sogar deutschen Quellen sehr wesentlich ergänzend an die Seite tritt. Abweichungen vom Chron. Georgii, die in den verschiedenen religiösen Interessen der beiden Autoren wurzeln, sollen bemerkt werden. 2) 8. Zimmermann's zu- sammenfassende Darstellung in dessen Geschichte des Bauernkrieges Il. 95—99, nach Ochs V. 492 ft.. 3) Bruder Georg weicht in dieser Auf- fassung bedeutend von Ryff ab. 8. u. Chron. Georgii. 35 or 1 or 2 o 2 or 30 35 1525. 51 und wolten in die stat. Do seitten etlich, sy wolten die klo- ster überfallen und hetten etlich burger bescheyd mit innen, das sy innen das thor wolten offen behalten, etlich seitten, die schlosz an den thorren werren vergosen, das man die thor nit beschliesen möcht, es gieng villerley red usz, ein ieder leyd .es noch sım verstand uff dasz böst usz, und wart doch der grost zwiffel uff der weber zünfft gleyd, die es dan mit den burren solten gehebt han. Also erfand es sich doch, das nit doran wasz, aber es musten vil um unschuld dorum in gefeng- nisz, alsz man harnoch wol hörren wurt. Je alsz es wart um die zit, wie obstat, komen die burren usz den emptren bisz zum kapelle!) vor Eschamar thor, hatten ouch Liestal ingenu- men und etlich burger dorusz, die mit in ziechen musten, und Engenthal?) , das kloster, desglich zum rotten husz?), worren begynenhüser, osen und truncken, wasz do wasz, vertriben ouch die beginnen; also wart fast ein grosz geloüff hie in der stat, das man alle thor versach, desglich alle dürn und murren, und am Kornmerckt wasz man ouch im harnist und mit gewer. Do wasz ein grosser schrecken in den bebstischen, hatten ein grosz geschrey und forcht, man wolt in die hüser durlouffen, seitten, man wolt ın das ir nemen. Ich sach aber nieman, der des willens wer, es wasz ouch nit alsz grusam, alsz mans macht. Also wart die nacht und noch und noch starck gehut- tet und gewacht, und schickt man etlich des rotz und von [112] houptren die nacht für das thor hinusz mitsampt etlichen wolgerüsten burgeren und kamen zu den burren, die dan die- selbe nacht vor dem thor oder vor der stat logen, zu erfordren, wasz doch ir beger oder anligen wer, das sy in dan inmosen erzaltten, on not, alsz hie zu beschriben. Esz wasz aber ouch ir beger einne, das sy an mine herren begertten, innen crist- lich predicanten zu geben, die in das wort gottes lutter und elor prediggetten noch inhalt alt und nüw testament, und wasz ir beger gar nüt iemans zu beleydigen oder das sin zu nemen, alsz man dan in und andren zugeleyd hat?). Also wart in der sach gehandlet, das in mine herren in etlichen articklen ver- wilgetten und in vil in beschwerden und andrem nochliesen, domit sy zu friden kemen, und wart alle ding verzigen und ge- richt und zugen wyder heim. 1. Am Rande von späterer Hand, anscheinend der des Peter Ryff: »NB. das pfaffen- geschwarm hasseten m. Wissenburg, dessen vatter des rhats uf derselbigen zunft gwäsen und es mit dem shon hielie.«a 1) Kapelle der heiligen Elisabeth. Fechter 107. 2)8.L.A. Burck- hardt, Die Verfassung der Landgrafschaft Sisgau in den Beitr. zur vaterl. Geschichte II über Engenthal und das Rothe Haus S. 332 und $. 432—434. Vgl. die Stelle aus Wurstisen bei Buxtorf, Reformat. Chronik des K. Georg $. 75. Ueber die Beginen in Basel überhaupt s. Fechter 8. 60—63. 3) Die Einwirkung der 12 Artikel auf diese der Baseler Bauern ist unver- kennbar; s.. auch Zimmermann, Geschichte des Bauernkrieges II. 98. 4* 59 1525. 4. Mai. Also hielten mine herren den andren tag aber den ganzen tag rot und wurtten vil von webren gefangen, wib und man, logen by acht tagen. Sy wurtten aber unschuldig funden an dem, so man in dan zugleyd hat, bisz an ein, wart mit disen gefangen, mit namen Urich Leyderer. Denselben hielt man lang gefangen und wart vil uff in geleyd von dem pfeffischen hüffen und irem anhang, dan diser wasz fast wol am wort got- tes, des er dester mer figent im rot und sust von pfaffen- knechten hat. Es wart ouch ruch mit im gehandlet mit strecken und andrer marter. Es wart wennig an im vergesen, ob sy etwasz hetten mogen usz ım bringen, domit sy das gotzwort hetten [113] wyder undertruckt, aber diser wart unschuldig fun- den, dan er begert nüt anders dan rechtz, so er schuldig wer, ım das solt beschechen, wol und we thun; dan es wart vıl ubels uff in erdocht, wie er etwasz solt geschriben han, das wyder den rot oder oberkeit solt sin gesin, desglich ein an- schlag mit den burren gemacht han, das alsz erlogen wasz; es wart ouch zu mer mollen erkent mit grosem rot, das man im recht solt halten, aber es mocht im nit verlangen, dan die an im schuldig worren, besorgten sich, sy wurtten übel bestan. Sy funden in gantz unschuldig, dennest wolten sy in nit her- usz losen, dan sy forchten die gemein wurtten innen, wie sy mit im gehandlet hetten nit alsz gnedig herren, sunder alsz thirannen. Gott gebs in zu erkennen! Lag also by eim hal- ben jor') hertiglich gefangen, bisz sy in vor der gemeint nit wol lenger dörfften in lon und liesen in also alsz ein krancken, den sy wol pinget hetten, herusz, leyden im ouch ein schwere urfech uff, domit nieman ir thyranny innen wurt. Es erhub sich ouch das bursvolck insz bischoff von Basels biet und wolten dem bischoff nit me gehorsam sin, noch in: ouch für ein herren haben, und rufften min herren an für ir schirmherren. Begertten innen ouch gehörig und gehorsam ze sin des. In derren von Sollenthurn biet und empter lüffen ire bur- ren ouch zusamen, doch wart es balt gestillet und ferdettiget durch min herren und ander gut nochburren. Also wart hie: lang grosz wacht und hud gehalten?). Von eım tag, der hie zu Basel gehalten wart der burren halb ın Sungow und margroffen land. (25. Juli) [114] In dem erst gemelten jor wart ein tag angesetzt hiehar 14. Hier scheint im Sinne etwas zu fehlen, das ich nicht zu ergänzen wage; die sehr un- klare Construction will offenbar sagen: »wann er schuldig wäre, sollte ihm das (sein Recht) geschehen, nämlich (je nach Umständen) Wohl- oder Wehethun.« 28. Am Rande von der Hand des Peter Ryft: »Ich hab disen man wol gekant, Hans Leiderer, sin son ist rhatsher zun wäbern worden.« 1) »Per tres menses« Chron. Georgii ad a. 1525. 2) Anshelm VI. 295 ff. Du [5 Der 1525. 5 gon Basel!) durch anruffen gemeiner burschafft im Elsesz, Sun- gow und ins margroffen land, um hilff und gnod innen zu er- werben gegen iren herren und dem regiment?), dan sy in gar vil not und ubertrang anthetten, sobalt die edlen überhand ge- wunen und die burren wyder zerteilt wurden, wasz wenig 'gnod und barmhertzigkeit do, ietz mit brand und dan mit ge- fengnis?). Also fiengen die burren im Sungow an zu flöchten, und uff sant Bartlomesz tag erst genant datum furtten die bur- 2%. Aug. ren usz dem Sungow harin in die stat, wasz sy erfuren moch- ı0 ten von korn, win, huszrot, wib und kind. Do wart grose not gesechen , es wart also vol rosz und karren das nieman durch Spallen forstat?) noch zum thor usz oder in mocht kumen den ganzen tag. Es wurten allenthalben die huser vol korn ge- schuttet und vol huszrat gestelt, wo sy so vil blatz finden ı5 mochten. ot Also leyden sich gemein eydgnosen in die sach, namlich Zürich, Bern, Schaffhusen, Sollenthurn und min herren, und von der herschafft woren hie vom regiment von Ensen ein bot- schaff von Iszbruck, zwelff edler’), es warren von iedem huf- 20 fen der burren ouch hie me dan zweyhundert, wart der tag zu den Barfusen®) gehalten und thettiget, wart gericht aller han- del zwischen den burren und dem adel und ein schatzung uff die burren geleidt, das iedes husz im Sungow und Elsesz solt gen sechsz gulden für die zerstorung der kloster und pfaffen- 25 huser und ouch susz allen kosten und schaden abtragen. Es wart in [115] susz ouch vil frid und gnod zugeseit vom adel, aber es wart in wenig gehalten, sunder in ein schatzung uber die ander uffgeleit und susz ellendlich durchecht, wie dan vor anzeigt ist: do sy meinten sy werren in guttem friden, kam 30 mancher redlicher bur schandlich um sin lib und leben’), er und gut, dovon vil zu schriben wer, aber um kurtzy losz ichsz ston. 1) »Umb Magdalene« (22. Juli) sagt Wurstisen. Vgl. Ochs V. 509. Anshelm VI. 295. S. einen Theil der auf diese Verhandlung bezüglichen Ur- kunden bei H. Schreiber: Der deutsche Bauernkrieg, gleichzeit. Urkun- den (Urkundenbuch der Stadt Freiburg. Neue Folge) Jahr 1525, Juli — De- cember. Freiburg, Wangler 1866. Den Abschied zu Basel in Betreff der Markgräflichen Bauern vom 25. Juli siehe daselbst S. 62 ff. Vgl. Chron. Georgii. 2) Nämlich der vorderösterreichischen Regierung. 3) Siehe Schreiber a.a. ©. 8.91. Basel an die österreichische Regierung 20. Au- gust 1525. 4) Spalen - Vorstadt. Ueber den Namen derselben s. Fechter 76f. und im Basler Taschenbuch auf das Jahr 1852. S. 239 ff. 5) 8. Schreiber, Einleitung V. VI. 6) Die Barfüsserkirche. 7) S. bei Schreiber a.a. 0. 8. 124 das verzweifelte Schreiben der Sundgauer an Basel vom 7. Sept 1525: »So bittend wir trüwlich und ernstlich, als zu unseren Liebsten, dasz ihr das Landt zu eweren Handen nemen und bewaren« u. 8. w. 54 1526, Von eim grosen donnerschlag'). 19. Sept. Als man zalt 1526 jor der nunzechend tag herbstmonetz 10. Nov. um die sechste stund noch mitag kam ein grusamer donner- schlag von heidrem himel mit einem blix und schlug in ein- nen durn an der stat graben zwischen Eschamarthor und sant Albanthor. Dorin hatten mine herren ir büchsenbulffer und schwebel, desglich vil hockenbüchsen und andre stuck, also schlug disz wetter dorin in das bulffer, des by fünffzig donnen vol wasz ungeforlich, alsz man seit, zerschlug den mechtigen starcken durn usz dem erdrich hinweg, alsz ob kein durn nie dogestanden wer. Esz bleip kein stein bim andren. Es zer- schlug die murren von ein durn bisz zum andren und zerschlug alle huser in der Malzgasen, esz bleip keins ungeschend. Esz warff etlich grosz quaderstein bisz ın sant Alban forstat und inn Eschamar forstat, geschandt vil huser und decher; wasz um den durn wasz, wart zerschlagen und geschend, die reben usz dem grund hinweg, boum und alsz und noch vil schedlicher. Es zerschlug by zwelff?2) menschen, etlich schlug es in die lufft, das nieman wüst, wo sy hinkumen woren, do het einner grosz jomer und not gesechen, wasz ellender, barmherziger an- blyck das worren. Eim teil wasz sin houpt vom lib geschla- a 10 15 20 gen, dem ein arm, dem andren der halb Iyb; vil wurden sust_ geschend, dasz sy ellend lüt wurtten; die stuck von liben 116] wurden in ein karren zu sant Elsbetten gefurt und do begraben. Diser donnerschlag erschüt ouch me dan in der hal- ben stat die huser, alsz ob ein erdbydem gewesen wer. Es er- schlug ouch Heinrich Spilman, dem metzger, ein sun uff dem feld, der huttet der ochsen, und zerschlug zwen ochsen ouch zu tod. Es wasz ein ellender anblick zu sechen, on not vil dovon zu sagen. In disem jor erhub sich aber vil zwytrechtigkeit under der gemeind der zwyspaltigen predig halb, so man in der stat hat; ein teil red, wir hetten sollichen unfall von den baptistischen pfaffen, das ander teil vermeind, wir hetten kein gluck, diewil die zwyspaltung wer. Also sochen min herren dorin und lie- : sen ein mantat uszgon wie nochstat, domit nit ergers dorusz endstund 3). [118] Von eim grosen wetter. Uff sant Martins oben, anno wie obstat, zwischen zechen und elffen noch mitag kam: ein grosz wetter mit donner und 1) Ochs V. 560 ff. Vgl. Chron. Georgii ad a. 1526, woselbst auf einen Brief des Erasmus Bezug genommen ist. Aufzeichnungen 160. be2) Uereinstimmend Erasmus. Dagegen hat Chron. Georgii: plus quam quadraginta, s. o. 3) Hierauf folgt nun in der Hs. das Mandat des Rathes, welches von Ryff irrthümlich mit den Ereignissen des Jahres 1526 in Verbindung gebracht und von uns oben unter das Jahr 1523 an seine richtige Stelle gesetzt ist. S. oben 8. 38. 30 1527. 55 blitzgen und mit eim grosen regen, alsz ob es mitten im su- mer wer, weret by einner stund lang, zergieng es senfftiglich wyder, wasz vor nit vil me gesechen worden um die zit ein sollich wetter). Von einner versamlung der gemeind der predicanten halb. 119] Uff zinstag vor Simon und Judy alsz man zalt 1527 jor versamlat sich die gemeind der burger zu den Ougustineren ?) frug noch der predig, komen zusamen by fierhundert burger, " vil alter redlicher mener, rotschlugen do, wie der sach zu thun 10 - or 20 25 30 35 wer, dan sich aber vıl unwillens erhebt hat under den burge- ren zwischen beyden parthyen der zwyspeltigen predig halb, dan do wart miner herren mandat uff der böbstler sytten nit gehalten, sunder schalten und lesterten für und für die, so dem ewangelium anhengig worren; das mocht nun ein cristlich ge- mein mit lyden, schusen also under in by drisig ersamer mener usz, die solten ein suplicacion setzen an min herren in frünt- licher bit wisz, ın solliche sach zu sechen und ir mandat hand- haben, das dasselbig vom wydertheil gehalten wurt, domit wy- der uneinigkeitt vermitten blip und einhelliglich geprediget wurt. Aber in allem rotschlag schickten mine herren dry vom rot zu den Ougustiner zu der gemeint, nomlich her Jocab Meyger, zunfftmeister, Jocab Götz, der saltzher, Petter Riff), der weber, das dieselben solten die gemeind frogen, wasz ir anligen wer, und sy güttiglich wyder von einander thetigen, wie sy moch- ten, domit süsz von einander brechten. Also wart innen sol- lichs offenbart von dem uszschutz, wasz der gemein beger werre, das nu dise unsere herren wol uffnomen und sollichs minen herren anzeygten, in hoffnung, sy wurtten in der sach handlen, das die gemeind wol zufriden würt sin. Batten also die ge- mein, das ieder frolich wyder heim solt kerren und zu guttem friden werren, dan sollichs solt uff das allerfürderlichest gehand- let werden, das sy ein vernügen wurtten haben. I1ı20) Uff das sasen mine herren über disen handel, und wart uff denn nechsten suntag noch vorgemelt dag uff allen zünfften ein gemein bot gehalten und vom rot verorttnet uff alle zunfft, und hielten der gemeind für ein mandat, so dan vom rot er- kant wasz worden, sollichem furhin zu geleben; dem ist alsz wie hienoch statt). Sy helten ouch der gemeind in den zunff- 22. Am Rande mit anderer Hand und Tinte: Petter Ryff. 28. anzeygen He. 1) Vgl. Chron. Georgii 8. 76. : 2) Das Augustinerkloster war schon in früheren Jahrhunderten oft »Zeuge politischer Verhandlungen.« 8. Fech- ter 24. 8. Chron. Georgii 8. 86. Wurstisen. Ochs V 8.591. Her- zogIlS.55. Hagenbach 103. 3) Der Vater Fridolin’s, s. Einleitung. 4) Der Chronist hat die Absicht, dies Mandat in extenso abzuschreiben, nicht ausgeführt oder nicht ausführen können. Ueber dieses Mandat (vom 23. Sept., resp. 21. Oct.) s. die folgende Anmerkung. 22. Oct. 27. Oct. 27. Oct. 56 "89T. ten für, wie das min herren so 'ein grosz miszfallen hetten an einner burgerschafft, das sy sich also zamen hetten gerottet oder versamlat und wie sisz unsz in vil weg mochten zu ar- gem uffnemen, und geacht möcht werden für ein uffrur und derglichen, diewil doch min herren vormolsz ein mandat het- ten losen uszgon!), das dan zum deil anzeigt, wie hinfur ieder- man solt sinsz glubens fry sin und ieder gluben, wasz in sin conciens wisz und 'ieder den andren des glubens halb unan- tastat losen und iedem deil sin predicanten und fürnemen un- gehindert sin und derglichen, und furrer ouch sich ieder mosen solt vor sollichem rotten oder versamlung; wan wo das wytter beschech von eim oder dem andren, den welten myne herren stroffen noch grose der schuld. Aber es wart do nit vil crist- lichs gehört, das erkant wasz worden nochdem und sy ein man- dat hatten vormolsz losen uszgon, dan sy vermeinten, es solt grose einikeit bringen, so ieder deil sin eygnen predicanten oder gluben het, achtetten nit, wie es gegen got und einner eristlichen gemeind geachtet wurt. Es wart do ouch nüt ge- meltet, das man die predicanten zamen ortnet, domit sy ir ler rechnung ‘geben, alszdan ouch im: vorrygen mandat erlüttert wasz. Sy hetten aber susz gern der gemeint die muller ver- stofft, das nieman [121] nüt reden solt, aber got wolt sin wort nit lon undertrucken, sunder es must ein mol sin fürgang han, dan ie me die oberkeit der pfaffen schonnet, ie me und gro- sere zespaltung wart under der burgerschafft. Es hielten ouch mine herren uff erstgemelt datum für ‚uff allen zunfften, wie Hans Gallicions selligen frow sich het et- licher edellüt angehengt?), die einner stat von Basel und gan- zen gemeint abseitten von wegen der frowen um ir ansproch, so sy understund an min herren zu haben, um das dan mine herren ir das ir verkoufft und verganttet hetten wyder: alle recht, alsz sy fürgab, und worren diser edellüt zwelff, etlich under dem pfalzgroffen, etlich under dem herzog von: Luttrin- gen, dan sy hatten minen herren geschriben und ire namen dorin gesetzt, ouch dorin warnung geben: wo sy solliche frowen um ir ansproch nit vernügten in monetz frist, so möcht sich 33. pfalffgroffen Hs. 1) Es ist das Mandat vom 23. September 1527 gemeint (Erkanntnis- buch IV. 30. Ochs V. 587). In einer Erkanntnis vom 21. October waren die Hauptpunkte desselben, vornehmlich im Hinblick auf die Glieder der Räthe, aufs Neue hervorgehoben und bestätigt worden. Es heisst da un- ter anderem: Darzu soll ein ieder seines gloubens frey, niemans getrun- gen, noch gezwungen, mesz oder nit, dyse oder ghinnige predig ze hören, sunder soll das eins ieden conscienz heimgestelt sin (Erkanntnisbuch IV. 31b. Ochs V. 587. 589 ff. Herzog I. 54. Heusler 440 2) 8. oben zum Jahre 1521. a 2 N 5 5 8 20 25 ws —) = or 40 1527. 1526. 1528. 57 ieder burger versechen, wasz im begegnen wurt, dan sy ver- meinten etlich koufflüt von Basel mit iren guttren nyder zu werffen, des sich mine herren und burger ein wil fast besorg- ten. Also warnnetten mine herren ire burger: wer userthalb etwasz zu handlen het, das ers sich solt versechen und ge- warnnet sin. Also schickten min herren etlich vom rot hin- weg zum herzog von Lutringen, under dem dan derren edel- lüt etlich woren, um das sollicher frevel abgestelt wurt, des- glich zum pfalzgroffen ouch also, wo sy dan wüsten, do die edellüt ir uffenthalt hatten. Also wart die sach gestillet, das nüt wytters dorusz entstund; aber wie es abgericht ist worden, ist mir nit zu wissen, dan das vıl von disem handel zu schri- ben wer, wie er zum end kumen wer, dan es ist zu beyden teillen vil rechtens gewesen zu Strosburg, dordurch min herren zu grosem kosten kumen sind. [122] In dem sechsz und zwenzigisten jor wart groser mangel allenthalben im land und in stetten am fleisch, weret uff zwey jor lang. Uff den ostermentag alsz man zalt 1528 jor wurtten die götzen oder bilder heimlich zu sant Martin und den Ougustiner hinweg brochen durch etlich gut cristlich burger; das wurden mine herren innen und thetten fast übel dorum, alsz ob man ein grosz ubelthat het thon, und liesen fier man fachen, wo- ren züunfftig bin spywettren!) und gut redlich burger. Do das gemein zunfftbruder innen wurtten von spywettren, hielten sy ein gemein bot uff ir zunfft und wurtten des einhellig am mit- wuchen, für dise gefangnen zu bitten, diewil sy nüt anders ge- 15. Apr. handlet hetten, so wer doch sollichs nit wyder got, sunder ein geheisz gotz, der do an vil ortten verbüt sollich götzenwerch zu machen, dorum man in sollichs nit in argem uff solt ne- men?. Aber es wasz den pfaffen und götzendienneren ein grosz ubel, sy hetten mögen Iyden, das mans alle dorum erdrenckt het. Do nu die gemeinen burger sollich anschlag in bittlicher wisz innen wurtten, versamletten sich von stund an von allen 5 zunfften uff dem Kornmerckt zusamen by dryhundert) und wol- ten wartten, wan die von spywettren kemen, wolten sy mit in helffen bitten. Also do sy komen, zugen sy mit in uff das richthusz, wurtten ir me dan fierhundert der burger. Do mag einner wol dencken, das min herren nit kleinnen schrecken nomen im rot, do sy all uff das richthusz zugen und nit wusten, 1) Die Zunft der Zimmerleute und Maurer. Ueber den Ursprung des Namens s. Fechter, Basel im 14. Jahrh. S. 52. 2) Im Ganzen über- einstimmend mit Ryff berichtet Wurstisen, sehr kurz Bullinger II. 6 und Kessler V.139, der irrig den Bildersturm auf den 17. April verlegt. Salat $. 197 berichtet von der'ganzen Sache in einem kurzen Satze; vgl. Oekolampads Brief an Zwingli vom 16. April. Schuler und Schuithess II. 162. 3) Wurstisen hat 200, Bullinger in Uebertreibung 800, 58 1528. wasz [123] dorusz werden wolt. Es meret sich ouch der huffen ie lenger ie fester. Also schickten mine heren den zunfftmei- ster mitsampt andren herren harusz an sy, in güttickeit zu for- dern, wasz ir beger werre, das in dan balt von den burgeren anzeigt wart, namlich der fier gefangnen halb, wie vor anzeigt ist. Do begertten mine herren, das die gemein ein uszschutz macht und dieselben handlen solten vor minen herren, die übri- gen möchten heimkerren. Aber disz wasz der gemeind nit ge- legen, sunder sy wolten by einander blipen. Also wart man zu rot, das sy uszschussen by drisig ersamer burger !), die soltten in bittlicher wisz vor minen herren handlen, und leytten sich gemein burger uff der spywetter zunfft?). Do wolten sy by ein- ander blipen, bisz in ein antwurt wurt und die gefangnen herusz kemen. Das werret nu von früg an bisz um die fünffe noch mitag. Dan do wurden vil arttickel erzelt, die die gemeint welt haben noch inhalt des uszgangnen mandat, vormolsz be- schechen 3), der predicanten halb, das die zamen gewisen wur- den und sich vereinbartten mit einander einhellicklich zu pre- digen, desglich nit also um klein ursach ein ieder burger ge- fenglich angenumen wurt; so hetten dise ouch nüt uncristlichs gehandlet, dan das, so sy an den götzen oder bildnusen be- gangen hetten, wer nüt dan cristlich und wol thon gegen got, dan sy ein grüwel gegen got und den cristenmenschen werren, und derglich arttickel me, wurt man hernoch wol hören®). Also by langem kam der uszschutz, brocht die antwurt von minen herren, das die gefangnen on alle endgeltnisz wurtten uszgelosen, desglichen ouch susz wytter gehandlet wurt, domit die burger ein gut vernügen hetten, und liesen ouch also ein mandat uszgon, wie hienoch stat: 124] Mandat von eim ersamen rat der stat, Basel der predicanten und kilchen halb). Diewil unser gnedig herren burgermeister sampt nüw vnd alten rötten der stat Basel hievor usz gutter erbrer meinung 9. »by« fehlt in der Hs. i) Wurstisen giebt den Ausschuss zu 34 Mann an. 2) Fechter 92. 3) 8. das Mandat von 1523 oben. 4) $. unten. 5) Im Auszug bei Wurstisen. 8.Ochs V. 610. Vollständig befindet sich dies Mandat in den Decreta et mandata senatus Basiliensis 1521 — 1608, Blatt XVI ff. unter der Ueberschrift: Mandat, wie man sich in den zwey- nungen, also das man in einer kilchen die mesz und bilder abgethan und in etlichen kilchen die behalten hat, halten soll etc.; ferner in den Ant. Gernler. I. Blatt 32 unter dem Titel: Mandat der Predieanten und Kir- chen halb, in welchen die bilder abgethon werden oder bleiben sollen Anno 1528. Da auch dies eine spätere Abschrift (erst aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts) ist, so ist dem Druck die Hs. von Ryff zu Grunde gelegt und bei event. Versehen und wichtigen Varianten auf die beiden andern Texte Rücksicht genommen. or 1528. 59 und in sunders um fridens und einigkeit willen erkant und in alle zunfft sagen losen, das iederman des glubens fry sin und nochdem einnem ieden von got gnod verlichen, gluben solle und dan die bilder den burgeren und hindersesen, so zu sant 5 Martin, zu sant Lienhart, zu den Ougustineren, zu den Bar- 10 15 20 30 35 40 fusen und in dem spital das götlich wort verkünden hören, ergerlich, irem gluben unlidenlich und deshalb ze haben be- schwerlich, domit dan obgemeltte erkantnisz by würcklichen krefften bestan, so haben gemelti unser gnedig herren an hüt dato wytter erkant und wellen, das die vorbestimpten sant Mar- tin, sant Lienhart, der Ougustinner und Barfuser kilchen sampt dem spital durch unser herren, alsz die orttenliche oberkeit, und niemans andren, durch unserer herren wercklüt gerumpt, die bilder dannenthon und solliche kilchen, wie vorgenant un- derthonen gebetten, zugericht werden, doch sollend der chor zu sant Lienhart und zu den Barfusen sampt iren nebencapel- len, wie die ietz sind, also geziert blipen, domit die, so an den beyden ortten noch mesz habend, an sollichen ortten ir andacht verbringen mögend, und sollen aber dise chor und ca- pellen, wan man in disen kilchen das gotteswort verkundet, domit niemans geergert, nit uffgethon, sunder beschlosen ge- halten werden. Sunst haben unsere herren wytter erkant und wellend, das in allen übrygen kilchen zu beyden stetten Basel, in dennen man noch uff disen tag wie vor nocher geprucht das gotzwort verkundet und mesz haltet, [125] die bilder und kilchenzierten blipen und nit dannen gethon, noch von nie- mans geschmecht werden söllen, dan wer der oder die sind, so über dise erkantnisz und verbot die bilder und kilchenziert- ten in andren kilchen oder die, so wie obstot, zu sant Lien- hart und den Barfusen, in den choren und nebencapellen vor- behalten, dannethun oder sich sollicher oder derglichen sachen halb fürhin rottieren, zesamen louffen oder uffrürig erzeigen wurden, den oder dieselben wellend unsre herren hertiglich an lib und gut oder, so iemans alsz frevenlich handlette, sich rot- tierte oder uffrürig were, ouch an sinem leben stroffen. Hieby wellend unsere herren und gebietten menglichen geistlichen und weltlichen standz, das hinfür alle burger, hin- dersesen und underthonnen, sy sygend geistlich oder weltlich, edel oder unedel, jung oder alt, man oder wibsparsonnen sampt denn dienstgesellen und knechten in stat und land Basel won- nende, gutten burgerlichen friden, lieb und einigkeit mit ein- andren haltend, niemans den andren, wie dan hievor ouch ge- botten, von des glubens wegen mit wortten noch wercken, 15. »gebetten«Decr. Ryffhat»gebatten.«e Ant. Gernl.: »hinweg gethon und zum ge- bett zugericht werden sollen. « 16. Im Ryff stehn die Worte »und — Barfusen« hinter »capellen«. ' 26. »von« fehlt bei Ryff, findet sich inDeer. Die Ant. Gern]. umschrei- ben: »noch auch jemandts geschmehet werden soll.« 31. »dannethun« lesen Decr. und Ant.; bei Ryff: »dannethin,« 38. hinder sesesen Hs. 15. Apr. 60 1528. heimlich noch oflenlich, weder hasen, schmechen , verachten, papischtisch, luttrisch, ketzerisch, nüw oder alt glubens keinner- ley wegs nemen, schelteh noch aba reden, sunder einer dem andren in lieb und leyd bruderliche und burgerliche trüw und liebe erzeygen, bewisen, einandren für lieb und wert haben und ieden by sinnem gluben ungetratzt und ungeschmecht, fry blipen losen. Es sol ouch fürhin niemans in beyden stetten Basel und vor den stetten innerhalb den crützsteinnen!) kein- nerley buchsen heimlich under den röcken und in ermlen tra- gen, dorzu des frempten, hargeloffnen volcks, die weder bur- ger noch zunffig und aber me zu uffrur und unglück reitzen und stifften, [126] niemans annemen, beladen noch under sich müschlen, sunder derren sich gantz abthun und endschlachen. Und ob sich, dovor got unsz welle behutten, zutragen, das fürsz oder andre not uszgon und deshalb gestürmpt wurtte, dan soll iederman gehorsamlich an das ort, dohin ein ieder verorttnet, wie dan fromen underthonnen geburt, ziechen und sich niemans parthigist oder argwennig erzeigen, sunder sinnen befelch, alsz ein byderman trüwlich erstatten und gar nit wy- derspennig bewisen, dan wer das nit thun, sunder sich hierin ubersechen und dise erkantnisz und verbot verbrechen wurde, den wellen unsere herren an lib und gut, unnd ob sich iemans, wie vorstat, so schwerlich übersechen, an sinnem leben on gnod herttiglichen stroffen und niemand mer (wie hiefor beschechen) übersechen oder verschonen, sunder mit der straff gestrags fur- farren. Des wisz sich menglich ze richten und vor schaden ze verhutten. Actum samstags den funffzechenden tag aprellisz anno zwentzig acht. Heinrich Richiner rotschriber. Also uff disz mandat wart die gemeint aber gestillet und: wol zufriden der kilchen halb, so in der götzen und mesen halb gerumpt wurden, aber der zweygerley gluben halb, so man ieder parthy liesz ..... Ein teil hielt mesz und hatten ire gotzen noch und ire falschen predicanten, die andren hielten cristlich bruch. Werret es nit lang, es wart aber vil unwillens zwischen den burgeren, es wolt ein parthy beser sin dan die ander an irem gluben; wasz dorusz endsprang, wurt man nocher wol hörren. 2. gloubig Decr. und Ant. Gernl. 9. »und« fehlt in der Hs., stehtin Decr., in Ant. Gernl: noch. 13. Decr. mischlen. 14. zutruge Ant. Gernl. 21. ver- sprechen Decr. 22. »unnd« Decr., fehltin der Hs. 24. »niemand — straff« fehlt in der Hs. undin Ant. Gernl., nach Deecr. 27. Ant. Gernl.: 18. Aprilis. 29. Ant. Gern].: Reihiner; in den alten Rathsbüchern findet sich, von der eignen Hand des Mannes immer, von anderen meist: Ryhiner, die noch heute übliche Form. In Decr. fehlt die Unterschrift. 33. Hier scheint in der Es. etwas zu fehlen, etwa: »ward man nüt zufriden.« 1) Das »steinerne. Kreuz«, zur Bezeichnung des Weichbildes, s. Fech- er 8. 114. 144 ff. 33 5 10 1 ot 2 < 2 oa B) = 35 40 1528, 61 [127] Von eim reisygen zug, so von nyderlendischem volck usz Meyland kam. In dem heüwmonet, alsz man zalt 1528 jor, alsz die Span- ger das Meyland in hatten!) mitsampt andren landzknechten in namen des keisers, schickt der keiser oder sin anwalt Ferdi- nantus?) ein reisigen zug usz dem Nyderland hinin in das Mei- land zu hilff und beschirm der Spanger. Diser reisig zug wasz nu fast’ kostlich by zwelffhundert starck, desglich man meint von keim reisigen zug je gesechen wer worden von köstlig- keit an.rosz, man, kleydung, harnist und gwer, dorvon vil zu schriben wer, alsz gut edellut, herzogen, groffen, ritter und knechten, dorunder wasz der herzog von Brunschwig), die rit- ten nu durch etlich richstet. Do sy nu mit irem bracht vıl ubermudz triben ‚in stetten und landen, meinden den Frantzo- sen und alle welt zu verderben und zu zwingen, dordurch ouch die pfaffen und ander böbstler vil uffbochten und fast tröuwet- ten uff sy, wie sy die ewangelischen, so man desmolsz nampt die Lutterschen, wurtten durchechten ; aber got, der die hoffart und boszhafftigen von anfang nit hat wellen dulden und sy nydertrechtig macht, hat sin gewalt wol gegen disen ouch brucht, das menglich wol gottes werck dorby erkennen mag. Es möcht einner kum gnug dorvon schriben, wie köstlich diser zug wasz und wie hochmüdig der jungst under in vermeint, die welt wer sin, aber noch vil ellender und erbendselliger und lydenhafftiger und kranckmudiger wart dises volck: alsz sy in Meyland logen mit irem zug vor einner stat, heist Lodenn, wurtten sy all kranck, dan do wasz groser hunger?) und man- gel an allen dingen, das sy iren vil musten sechen hungers sterben, rosz und lüt, und vil ellendz schlucken, das sy ellend- lich musten abziechen, dan die stat wasz fast wol besetzt |12s| mit des Franzosen volck, und thetten disem zug fast grosen schaden, dan sy brochten ir vil um und susz von andren edel- lutten ouch, die dan usz unseren landen insz keisers namen do logen, namlich komen ir vil um von Strosburg, ouch etlich Richen, die man nempt von Richenstein. Also zoch dises volck ellendlich ab, kranck und erbendsellig, zugen durch die eyd- gnoschaflt harusz, do man dan grosz erbermpt mit in hat. Dan sy kein andre strosz lufft hatten, sy weren all erwürgt worden, aber man sach do ir ellend an und thetten innen vil gutz, komen also hie durch so ellendlich, das kein mensch die zyginger oder heyden so ellendlich hatt sechen kumen. Do 1) 8. Ranke, Reformationszeitalter III. 21 ff, 2) Der Bruder Karl's V. 3) Herzog Heinrich von Braunschweig und Marx Sittich von Ems führten dem Kaiser deutsche Truppen in die Lombardei zu; s. Ranke a.a. 0. III S. 22. 4) Kessler V.159. Sleidanus VI p. 363. Juli. 19. Apr. 69 | 1598. wurden all herbergen und stel voll lutten und rosen. Es wasz alsz kranck und barmherzig anzusechen; der grost her und jungker wasz ellender dan der knecht, es logen die stell vol krancker, desglich im spitall wasz es vol, es wart menger edel- man und groser her in den spital geleyd, der vorher gemeint, er wolt allein die welt bezwungen han. Esz sturben ouch vil hie ın den stellen, do verkoufften sy rosz und harnist hie, es wart manig rosz um zechen oder zwentzig, um funff gulden gen, das vor etwan hundert gulden kostet hat, maniger kürrisz und harnist um acht oder zechen gulden, der drüsig oder fier- zig hat kostet. Also furt mansz im schiff hinweg; wen ein huff kam, so fur der ander hinweg, es sturben ouch vil uff der strosen; also hand sy das Meiland und Oberland versucht in sollicher mosz, dasz ich glub, sy kumen nüme dorin. Es blipen vil krancker lang hie lygen, es sturben zwen groffen hie, die man hie begraben hat und wart in vil gutz erzeigt. 1293] Von ein brand, der hie usz gieng. In dem jor, alsz man zalt 1528 jor, gieng des brotbecken husz an in der wisen gasen am morgen frug am suntag noch ostern, alsz iederman in der kilchen wasz. Also, do man sturmpt, lieff iederman zu, aber es mocht im nieman erweren, sunder esz verbran bisz uff den boden hinweg und verbran einner dorin, ein frygetzknecht‘!), der dan gern het helffen werren, wasz zuwyd hinin kumen, das im nieman mocht zu hilff ku- men, der hiesz Hansz Leberwurst. Do bleip nüt dan ein mu- ren, die fiel in der nacht nyder und zerschlug ein husz, wasz Michel Winlegers, und schlug in selber ım bet zu tod, desglich ein zymerman ouch zu todt. Do wart ouch grose not gesechen. Got bewar unsz wytter! Balt hernoch gieng Wolfigang Harnisters schurren an in: Spallen forstat by Sumerysen husz und verbran ouch uff den boden hinweg, das ouch nieman erwerren mocht, aber susz beschach nieman nüt. Es verbran ım ouch vil gutz dorin, von korn, habren, heuw und andrem ding. Got wel unsz wyder behüden. ‚ Balt aber hernoch gieng ein für usz by den Predigeren, in 1) »frygetzknecht« ist — frietsknecht. S. Grimm Wörterbuch unter Freihartsknecht, Freiheitsknabe. — Weiteren Aufschluss über die Frei- heitsknechte, die in Basel eine eigene Corporation bildeten, giebt eine Stelle über das Kohlenberger Gericht zu Basel in Andreas Ryff’s Zirkel der Eidgenossenschaft, abgedruckt in Fechter’s Thomas Platter und Felix Platter S. 187 Anm. 1 (und daraus bei Grimm, Weisth. I. 819): Zuo Basel haben wir ein völcklin, die nent man die fryetsknaben, das sind von stat verordnete secktrager, die die frücht der obrikeit uff die kästen tragen. or are v — 5 20 ar 1 1598, ih 63 Bat!) Lemlisz husz, das verbran oben bisz uff die stuben herab; do erwart man dennest, das nit gar verbran, dan es wart von iederman fast gearbeit. Got wel unsz aber furrer verhuden!?) In disem jor hand sich die von Costandz vereind mit de- nen von Zürich und Bern und ein burgrecht mit innen ange- numen des gotzwortz halb und ir mesz und götzen hinweg ‚gethon und all pfeffisch zermonien in glicher mosz wie Zürich v 15 2 2 3 ) [2,1 o und Bern sich deshalb gehalten hand). [130) In disem vorge- melten jor hand sich in glicher gestalt die von Glarisz vereind mit Zürich und Bernn, wie die von Costantz!). Von einner disputacion, gehalten zu Bern in Uchtland, des gotz- wortz halb betreffend’). Als man zalt 1528 jor noch der geburt unsers heillandz den nechsten suntag noch des nuwen jor tag wart ein gemeine disputacion gehalten zu Bern in Uchtland von wegen des gotz- wortz und der ewangelischen ler betreffend, wart wyd und breyd beschriben von eim ersamen rot von Bern und aller- menglich fry, sicher gleyd geben dar und dannen, der uff sol- liche disputatz kumen wolt. Es wart ouch allen iren pfarre- ren, lupriestren und selsorgeren geschriben, dar zu kumen, so in iren bietten und landschafftten worren, by verlierung irer pfrunden. Es komen ouch susz vil frempter gelertter lüt dar, es wurden von Basel hinuff geschickt doctor Ecolampadius, her Marx 6), predicant sant Lienhart, der im spital”) mitsampt etlich der rötden®). Desglich schickt man von Zürich meister Urich Zwingly mitsampt einner erlichen botschafft. Es komen ouch zwen glert mener und predicanten von Strosburg?), wurtten all erlich und wol empfangen und gehalten. Es wart ouch die disputaz cristlich und wol verorttnet, wie dan zu sollichem gehört, und selliglich vollend in sollicher mosz, das das gotz- wort cristlich do angenumen wart und gut frid und einigkeit under in gepflantzt wart in allen iren gebietten und emptren, wart allen iren pfarreren und selsorgeren gebotten [131] das got- 11. zu zu Hs. 1) Beatus; vgl. Beiträge IX. 66: Bath Wilhelm; 80: Bath Brandt. Battenberg nennt das Volk den Beatenberg am Thuner See. 2) Vgl. über die drei Brände: Wurstisen. Ochs V. 754. 3) S. Bullinger Il. 418 ff. Hier auch der Burgrechtsbrief von Zürich und Constanz vom 25. Dec. 1527. Daselbst Il. 8 der Burgrechtsbrief von Zürich und Bern vom 25. Juni 1528. Salat 165. 176. 4) Salat 212. 5) 8. Chron. Georgii 8. 90 und die dort cit. Wurstisen, Salat 171 ff., Bullinger I. 430 und schon vorher 395 ff.; sehr ausführlich Kessler V. 131 f., Hottinger II. 103 ff., Hagenbach V. 104 und die hier citirten Werke. Die Disputation begann übrigens den 6. Januar; vgl. »Handlung oder Acta gehaltener Dis- putation zu Bern etc.« Haller Ill. No. 317. 6) Markus Bersius s. ob. 8.37 Anm.5. 7) Wolfgang Wissenburger. 8) Ausserdem Imeli; s. Her- minjard II. 9. 9) Butzer und Capito. ARE TE 64 1528, lich wort zu verkünden mit ewangelischer ler!). Es wart ouch alle zermonien und pfaffenbruch mitsampt der mesz hinweg gethon, dan do wasz nieman, der sy für gut erhalten möcht mit götlicher geschrifft, deshalb sy ire altar hinweg brachen, die bilder und götzenwerch liesen sy alle verbrennen und hin- weg brechen. Es wurden ouch all örden in irer stat und land- schafft. abthon und mit weltlicher kleydung angethon und er- samglich uszgestürd, das man dan alsz lutter in irem uszgang- nen truck 2) find, das dan andren stetten und landen vil gutter exempel geben hat, wiewol sy susz vil figenschafft gegen an- dren erlangt hand, doch von nieman dan die des götlichen wortz nit bericht sind. Sy musten ouch vıl troüwens hören, das innen begegnen wurt, aber got wurt die sinnen nit verlosen, sunder in alweg bystand thun. f In disem erst genempten jor noch diser dispütacion gieng ein büchly usz im truck under dem namen doctor Johannes Eck?), der do wasz ein schender und schmecher des götlichen wortz und der ewangelischen ler, dorin vil schmoch, tratz und scheltwort in wo- ren wyder die von Bern, Zürich und Basel, sunderbarlich wur- den ire cristlichen predicanten fast dorin geschenzlet und ge- schmecht, desglich ein ersamer rot von Bern der disputatz halb, und wart disz büchly hie zu Basel truckt und feil gehebt durch ein trucker, hiesz Johannes Faber‘), ouch ein wyderwertiger der ler Cristy; von wem er aber den gewalt oder schirm hat, wart man hernoch ouch innen. Sollicher truck misfiel dennen :: von Zürich und Bern, ursach, das man sollichen truck solt hie lon uszgon, diewil es doch wyder sy und unsz hie wer, aber es wolt nieman dovon wissen. 1132] Also komen zwen von rötten von Zürich und Bern, ersam menner5), die dan hargeschickt wurden an ein ersamen rot zu: Basel, zu langen und begeren, sollichen truck und. derglichen schandlich büchly abzustöllen. _ Begertten ouch also an min her- ren ein grosen rot zu halten; wasz ir beger dan wasz, find 12. toüwen Hs. 1) S. die Reformation von Bern vom 7. Februar 1528 bei Bullinger 1. 440. 2) Gemeint ist die »Gemein Reformation« ete. Haller III. 323. 3) Es ist die »Verlegung der Disputation zu Bern, mit grund göttlicher ge- schrifft durch Joann Eck Doctor.« 1528.4°. Haller Ill. No. 319 kennt nur ein Exemplar ohne Anzeige des Druckers und Druckorts. 8. Wurstisen. Salat 174. Kessler V. 137.,,O,chs .V.ı612...Herzog.,ll.. 65.69. » Vgl. Wiedemann: Dr. Joh. Eck. Regensburg 1865. 570. 252f. 4) Wurst- isen 8. 562. Einen solchen Drucker in Basel kann ich nicht auffinden. Liegt hier etwa eine Verwechselung mit Johann Faber, dem bekannten Feinde der Reformation, vor? 5) Von Zürich: Hans Blüwler und Jakob Frey; von Bern: Nikol. Manuel und Ullmann. S. unten. W.urstisen. Ochs \V. 613 ete. Herzog II. 69 (und nachihm Hagenbach 106) liest irrthümlich Öry statt Fry. Ryfl’s Nachricht würde der Annahme widersprechen, dass die Berner nicht erschienen seien. S. Herzog und Hagenbach.a.a.0O. nach Grüneisen: N. Manuel. [41 er v _ B) 10 20 25 30 35 40 1528. 65 man zum teil hie noch !), aber er wart in abgeschlagen und in schlechte er erbotten. ‚Logen gar noch by acht tagen: hie, es: forchten aber min herren zum teil, die dan wol am pfeffi- schen: huffen worren , forchten alweg,, wir wurden einsz, dan sy dochten wol: so sy innen ein grosen rat gehalten hetten, das in die gemeind an wer gehängen der zwyspeltigen predig "halb, das man die eins het gemacht; dorum woltens sisz zu keim grosen rot lon kumen; also musten sy wyder heim, dasz sy nit ovil noch. irem beger schuffen. ‚Die abgeschrifft des anzugs halb gegen eim grosen rot von den von Zurich?). Wasz unser lieb rotzfrund, meister Hans Bluwler und meister Jocob Fry vor kleinnen und grosen rötten, unseren lie- ben eydgnosen von Basel, handlen und fürbringen söllen: Erstlich innen gebürlichen grusz zu sagen. Demnoch in- nen anzeygen, alsz sy vorgangner zitten durch ir ansechlich botschafft, sampt iren predicanten und gelertten uff gehaltner disputacion zu Bern erschinnen, des wir und menglich dem heilligen götlichen wort anhengig, sunderlich erfröud gewesen, so j133] langt doch sunsz glublich an, das demnoch etliche büchly zum teil usz irem geheisz und anmutten, alsz dieselbi- gen anzeygen, wyder disputierte und erhaltne schloszreden, ouch etliche andre buchly zu schmoch und verletzung sollicher disputatzion, ouch unser und der erlichen menner und cristlichen lerrer, ‚so by und under derselbigen gegenwürdigen gewesen, von den iren und in irer stat getruckt sygen, welches unsz ouch an die, so schuld doran haben möchten, nit wenig beschwerte. Zu dem haben wir gesechen und sechen noch deglich, das die predicanten, so sy in irer stat und landschafft endhielten, in iren.lerren und predigen zerteilt und zwyspeltig weren, usz welchen wir schinbarlich abnemen und spüren, das by und under innen ouch etwasz zerteillung, sünderrung und verbor- gens wyderwillens sin musz; dan nit on, wo die ler nit ein- hellig ist, nit müglıch, das. die. völcker einmüdig sin mögen, das unsz in ganzen trüwen leyd werre, so wir den wissen, das gemeinem nutz und regiment nitz schedlichers und abfelli- gers begegnen mag dan zweyteillung, und durch miszhell grose ding zertrent und in abfall kumen möchten und durch. einhel- ligkeit kleine ding uffwachsen,, gestergt und gemert werden?). So wellen wir sy, alsz unser sunder gut Frund und frint- lich lieb eydgnosen, zu burgerlicher einigkeit mit ganzen trüwen 23. H s.»undernunger verletzunge. 25. »under« fehlt in der Hs. 26. »in« fehlt in der Hs. 35. den unseren Hs. 1) 8. unten. 2) Im Auszug bei Wurstisen. 3) Nam con- cordia parvae res crescunt, discordia maxumae dilabuntur. C. Sallustii Crispi Jugurtha Cap. X. Basler Chroniken. I, 5 66 1528. ermant und erinnert und zum höchsten gebetten haben, sy wel- len got und sinnem heilligen wort zu lob und erren, ouch iren eygnen burgerlichen einigkeit zu endhaltung, die schull, pre- digen, und wasz usserthalb dem heilligen gotlichen wort ge- prediget und gelert wurt in irer [134] stat und landschafft gentzlich abstellen und sich keinnen zitlichen anmud, vorteil und geniesz bewegen, sunders das lutter und clor ewangelium und wort gottes noch rechtem cristlichen verstand fry predigen losen und sich ouch demselbigen unserem ansechen verglichen und gemesz hierin handlen und erzeigen; sygen wir gantz un- gezwifflet, der almechtig got wert innen sampt ewiger begno- dung hie in zit.. und gnod verlichen, dordurch ir regiment und wesens zu uffnung und merung gebessert und erhalten, ouch domit alle miszhel abgestelt werden. Wo in dan zu trost und handhabung anmudig und erschieslich sin mag, sich mit unsz und unserren lieben mitburger von Costantz in ein verstand und burgrecht ze begeben, wellen wir unsz des hiemit frint- lich angebotten haben, mit innen dorvon zu reden und ze handlen und unsz in allen dem, das got loblich und innen und unsz erlich und erschieslich sin mag, gegen innen schicken. Statschriber Zürich. Von einer ufrur, so wyder die von Bern wasz von iren under- thonen. Im 1528 jor erhub sich ein uffrur under dennen von Un- derwälden wyder die von Bern usz anwisung der lender, so dan desmolsz noch wyder das wort gotz vachten und das ver- meynten nyder zu trucken, wo sy möchten. Bewegten nu die buren usz dem Sibenthal!), die dan dennen von Bern under- würfflich worren, das sy sich mit innen verbunden also usz einfalt, vermeinten die von Bernn zu bezwingen, das sy innen musten die mesz mit |135) sampt allem kilchenbruch losen, alle zermonien und pfaffenwerck, oder aber sy wolten weder zinsz noch ander ding geben; sy meinten ouch und woren wartten der andren lender, die in solten zuzogen sin, namlich Ury, Schwitz, Lutzern und Zug, aber dieselben schmackten villicht wol, wasz sy doran gewinnen wurtten und komen nit, aber die von Underwalten mitsampt den Sibenthalleren woren schon wyder die von Bern zogen, des innen die von Bern mit sol- licher mosz begegneten, das sisz balt wyder heim fergetten, 3. burgelichen Hs. 6. abzestellen Hs. 12. Hier ist »sin hilff« oder etwas ähnliches ausgefallen. 1) »Das Simmenthal zieht sich vom Thunersee neben dem Frutigerthal: südostwärts bis an den Rätzliberg.« Lutz. Vgl. über das Thatsächliche Hottinger 1.174fl. A. v. Tillier: Geschichte des eidgenössischen Staates Bern. Bern, Fischer 1838. III S. 260 ff. Von gleichzeitigen Schwei- zer Quellen sind Bullinger II S.1ff.21f. Kessler V. 171 ff. und na- mentlich Salat $. 181 ff. ausführlicher als unser Autor. en 10 15 20 tD [37 30 35 DB, 10 15 20 25 30 35 1528. 67 machten die Sybenthaller balt wyder gehorsam, das sy nit vil lust me hetten wyder sy zu sin; wasz sy aber dennen von Un- derwalten zu lon schanckten, hatten sy ouch balt behalten. Wasz innen von dennen von Bern, gegnet oder noch gegnen wurt, ist on not hie alsz zu beschriben. Ich acht aber, sy wer- den innen ire underthonnen nit vil me bewegen wyder sy zu sin. Esz ritten ouch die von Zürich, Basel und Costantz und die von: Strosburg dorzwischen, thettigetten die sach zum besten, so sy mochten, domit denn underthonnen verzigen wart. Von. einnem rotschlag vor der gemeint zu Basel, einner suplicatz halb an die oberkeit. Uff mitwuchen vor wiennacht, alsz man zalt noch der ge- 2. Dee. burt unsers heillans 1528, komen. zusamen etlich erlich und gut cristlich burger uff’ der garttner husz by zweyhundert!) , hielt- ten do einnen rotschlag, wie der sach zu thun wer der zwey- speltigen predig halb, so do stetz erwuchsen ie lenger ie fester, das dan vil uneinigkeit und unwillens deglich under den bur- geren macht. Dan do halff kein mandat, die mine herren lie- sen uszgon, es wer, wie es wet, so si dan hatten lon uszgon des ewangelium halb, wart von den bebstischen predicanten [iss] nie keins gehalten. Sy wurden ouch nit dorumb gestrofft, dan sy ein gutten rucken im rot hatten, dennen es lieb wasz und in ‚wol‘ dorzu hulffen, betrachtetten aber wenig, das got die leng nit wurt vertragen und mit sim wort nit schimpfen lot. Deshalb dise burger bewegt wurden und sollichs zu "herzen nomen,.: wurden do zu rot, wie sy die sach wolten angriffen und aber ein fruntlich bit an min herren thun, ob doch ir herz ein mol erweicht wurt und die uneinigkeit, so under einer er- samen burgerschafft wer ‘durch den pfeffischen huffen, abstel- len.. Satzten also ein cristliche suplicatzion an ein ersamen rat, die stund von wort zu wort, wie hienoch bestimpt wurt. Ein suplicacion etlicher zunffien an ein ersamen rot zu Basel, abzustellen das zwyspeltig predigen und die mesz?). Ersamen, vesten, wisen, besonder gnedig und günstig lie- ben herren: Wir üwer willige und gehorsame) burger der zünfften er- ‚13. Die Zahl fehltin. der Hs. 19. »si« fehlt in der Hs. 1) Wurstisen: 200. 2) Die Supplication, aus einem Baseler Druck (Basel, bei Thoman Wolff), bei Bullinger ll. 37—41 in extenso abge- druckt. Haller III No. 337. Vgl.Wurstisen und den Auszug bei Ochs V. 616 ff. 8. diekurze Erzählung der folgenden Ereignisse in Kessler V. 182. Bullinger giebt nur die Aktenstücke. Salat ist hier ganz lückenhaft. Vgl. Herzog Il. 119 ff. Hagenbach 123 ff. Vgl. auch für das Vorige unten die Aufzeichnungen f. 5b. 3) Diese Supplikation findet sich auch in den Decr. et mand. XXVIp ff. Die dortige Abschrift beruht aber 5* 68 1528. “ schinen hie allein in suplizierender und bit wisz, alsz by unse- ren fast gnedigen herren und: lieben vättren, zu dennen wir unsz alles gutz versechen, by den wir ouch, so fer unser lıb, gut und alles vermögen sich erstrecket, unsz alsz die gehorsa- men erfinden losen wellen. ‘Dorum üwer ersam wiszheit welle [2,1 disz unser einhellig bitten nit dorfür halten, alsz uffrürisch oder . das wir jemand das sin, es 'sy grosz oder klein, nemen wellen oder sunst ein gewalt triben. Jo gnedigen , liben herren, wo wir einnen under unsz wüsten, der 'sich mit einichem wort liesz mercken etwasz unrechten handels, den [137] woltten wir alsz 10 ‘ein ungehorsamen und trüwlosen vor üwer ersam wiszheit selbs '' verclagen. Dan die ere eines cristliches namen und danckbar- keit alles gutz, so durch ür ersam wiszheit unsz bewisen, ist unsz vil basz befollen und lieber, dan das wir unsz also übersechen wolten. Das aber villicht üwer e. w. vermeinen möcht, wir het- 15 ten sollichs wol geschicklicher und unferdöchtlicher angriffen und das durch unser herren und meister der zunfften, glich alsz bedörffte es der versamlung nüt, 'gnedigen, lieben herren, das werre ouch unsz vil lieber gsin , domit wir unser geschefft dester basz möchten uszwartten, wo wir hetten mögen hoffen, das unser suplicatzion mit frucht wer angenumen worden. Dan wir ouch. vor vil monetten unseren 'meistren der zunfften befollen hand, disz unser angelegen sach ü. e. w. zum ernstlichisten für- tragen. Nu sin endweder ir suplicatzion nit angenumen oder derfür gehalten , alsz were unsz'wenig doran gelegen, dorumb 20 nm or wir iez zu zit kein hoffnug gehabt, nützlich mit unser supli-: catzion durch unser meister etwasz usz zu richten. Und tringt aber unsz die lieb zu der ere gottes und zu einnem gutten friden einner ganzen 'stat Basel, das wir versamlet und parsonlich unsz sechen losen, iedoch in bitlicher 'wisz , (domit ü. e.w. sechen, das unsz die sach hoch angelegen sy, die worlich nit klein noch gering noch zu verachten. Dan'es antrifft die er gottes, Cristy und des glubens, von welches wegen wir ouch schuldig werren unser leben doran zu strecken. Es berurt die sach ein friden und einnigkeit einner ganzen stat Basel, welche unsz am not- wendigisten und begirlichisten ist. Wir bitten’nit um 'etwasz, 2. deno Bullinger (und Decr.).' 11. trülaszen Bull. (und Decr.). auf demselben Druck, den Bullinger II. 37—41 reprodueirt, denn offen- bare Druckfehler finden sich in beiden. Kleine Unterschiede zwischen Bul- linger und Deecr. sind auf Rechnung des Schreibers der Decr. zu setzen, Bullinger und Ryff stimmen in solchen Fällen meist überein.‘ Decr. schreiben allenthalben burger, auch da, wo Bullinger bürger schreibt; in beiden findet sich, (ausgenommen zwei Stellen in den Decr.) die aus hoch- deutschen Aktenstücken übernommene Abkürzung E. E: W., inconsequent' in dem Basel - deutschen Texte, der 'U.:(Uwer) E. W. erwarten lassen sollte. Ich habe Ryff’s Hs. dem Druck zu Grunde gelegt, diese auch‘ selbstän- dig interpungirt und nur namhafte Varianten Bullinger’s angegeben. 1 1528. 69 das do nochdeillig sy einichem burger, besunder es mag unsz allen zu guttem kumen; und ist das der handell: [153] Euwer ersam wiszheit ist wol wsisend, wie in verkündung des purren und woren ewangelius Cristy von eygensüchtigen lütten vil wydersprechens geschechen ist und ist fürgangen ein gantz zwyspeltig predig. Dem zu begegnen hat ü. e. w. vor etlichen jorren ein cristlich mandat losen uszgon, das man das wort gotz noch dem nüwen und alten gesatz einhellie predige. Des wir eü. e. w. grosz lob und danck sagen, und wölte got, das disz gehalten wer worden, so weren wir vor langem zu- friden gesin. Das aber nit beschechen ist, sonder der worheit und dem wort gotz' ist syderhar vil mer wydersprochen mit schelten und ketzeren und gotzlestrung. Dan es musz ie ein parthy schuldig sin. Usz dem ist erwachsen und erwachst deg- 15 lich vıl nit und hasz: wo einner nit mer dan zu einner predig Sad, musz er das in vil weg by den andren engelten, usz wel- chem endlich erfolgen musz von nötten grose geförligkeit, jo ouch, wo unsz not angieng, verderbung einer ganzen stat Basel und öffnung viller sünd und ungerechtigkeit. Gnedigen, lieben 20 herren, wasz ist sollich zwyspeltig predig anders dan ein brun viller Jaster, so fürgon, ein deckmandel aller apostüzlery, ein verirung der 'verstriekten conzienzen, ein sterckung der bösz- hafftigen,, ein undertruckung der worheit, ein erweckung des zorns gottes, ein schand einner ganzen stat Basel, das nieman 35 verleugnen mag; das billich unsz und ein ieden fromen Basler behertziget. Das hat ouch unsz üwer gehorsamen geursacht, hie mit diser suplicatzion zu erschinen und uff das demüdigist zu bitten, das ü. w. zufordrest die ere gottes und [159] Cristy, des namen gelestert würt, welle ansechen, ouch ein friden einer 30 gantzen stat Basel und unser bit erhörren und on allen verzug mit ganzem ernst verschaffen, das abgestellet werden alle pre- dicanten, so dem ewangelium Cristy mit böbstlicher ler zuwy- der sind und veihindren den fürgang der worheit, und wo sy furthin wolten predigen, das sy sich nit beschemetten , bereit zu sin irer ler rechenschafft zu geben und mit andren predi- canten sich des wort gottes halben verglichen und: vereinbar- ren, unangesechen, das ir bröpst und capitel wyder billigkeit by dem eyd inbinden, etlich artickel nit zu predigen. Dan so wir on predig nit mögen sin und not ist unsz unser laster und 10 sünd anzuzeigen und ein trost geben, domit wir zu got unsz richtetten, ist unsz also in alweg überlegen die zwyspaltig pre- dig. Desglichen ouch, so die mesz uszgeschrüwen würt in sol- licher miszortnung sin by den böpstleren, das Cristus vilfeltig gelestert würt und die menschen durch betrug angefurt, und wie sy fast sy ein ursach der zwyspaltigen predig und harnoch der burgerlichen zetrenug, ist unser ernstlich demüdtig. bit, ' die abzustellen so fer und lang, bisz das. die meszpriester ire a 2 zo [1 4 a 70 | 1528, mesz gnugsamlich verantwurtten, und ist es sach, das sy wurt recht erfunden, so wellen ouch wir sy annemen in unseren kilchen,, ist sy aber nit gerecht und ein grüwel vor got, wasz wellen wir unsz all zichen, das wir um der pfaffen willen den zorn gottes über unsz bewegen, der unsz und unseren kinden zu schwer wurt? Worum wolten wir wyder die worheit fech- ten und wyder den heilligen geist? Das ist unser bit, gnedi- gen, lieben herren, die wir wissen, das sy cristlich und not- wendig sin, und [140] iret unsz nüt, das man sagt, solch sach sigen langist in concillium und by den vättren erlüttert. ‚Dan ir gnedig herren wissend wol, das wir der worheit volgenn söl- len, die nit iren mag. Die concillium haben offt wyder die worheit erkend und geiret und sind wyder: einander gesin. Aber noch vil weniger ist unsz gnug, beschechen mit den (dis- pütatzion zu Baden und Bernn, welche gehalten sind mit ei- nem grosen kosten einer. stat Basel. Ouch ist unsz. nit gnug beschechen mit den ingelegten geschrifften bedertheil predican- ten hinder ein ersamen rat. Dan unsz dorum nit geholffen ist zum fryden, ‚man hat nitz dester weniger beyd parthigen fry losen einander wydersprechen und dorneben die, so des liechtz und der worheit zu fürdren sumig, in villen sachen gevorteillet, das unsz nit wenig bekumert, so ander stet zu friden kumen und wir also fast gehindert werden. Es musz unsz billich: ir gotzlestrung bekumeren, wellen wir anders cristen sin. Ob aber, gnedigen, lieben herren, etlich der wyderparthy sich sam- len wurtden und aber eins ein wyderwertige suplicatzion in- legen mit verachtung unser, welche doch in burgerlichen bur- den zu tragen nit weniger sind dan sy, und hergegen begerren, man söl es in dem ietzigen stand losen blipen, werden wir dorum nit ablosen zu bitten und ü. e. w. ermanen, die sach selb zu erwegen, welcher bit billicher erhört sollen werden, un- sere oder die ire. Sy bitten by irem alten bruch zu blipen, der noch got zu eren, noch zu frid einner stat [141] Basel dien- net, wir aber bitten das, so got erlich, in und unsz nützlich ist. Mag ü. e. w. wol abnemen, wer billicher bittet und gewert sol werden. Wo aber die sprechen, man sol nieman zum glu- ben zwingen, ist unser meinug nit solliches unmüglichs für- zunemen, dan got gibt allein den gluben. Nicht desterweniger söllen die falschen prophetten und ander ergernusz 'von keiner cristlichen oberkeit verhengt werden, alsz wenig ein mutter: nit endschuldiget ist, so sy iren döchtren unerlicher wiber gespil- schafft vergönte und wolt sagen: »Got musz sy ziechen.« Dorzu wil es nit zu friden reichen, und wasz mag man sich trüw ge- geneinander versechen in, wachen, hütten, reisen etc., do groser nyd ist dan. zwischen ceristen und Durcken. Den Juden wurt 12. Coneily Bullinger. 25. »sich« fehlt im Ms., steht bei Bullinger. 45. »dann« Bullinger, fehltim Ms. »Türcken«eBullinger. Di or 1 1528. 71 von etlichen mer vertrüwet dan unsz, welche sy für abgefallen cristen halten. Zum letsten wo sy ouch sagen, es sygen schwer hendel, die gelertten sigen selbs dorob uneins, worum wolten dan wir unsz dero beladen? Grnedigen, lieben herren, das wel got nimer, das unser glub und unser lerer Cristus also gelestert werde, alsz het er unsz geben ein gesatz, das wir solten halten ‚oder müsten verdampt werden und solt sich aber dorneben nie- 0 or 20 25 so 3 4 h) © man oder joch kein ley dorusz mögen verichten. Wer zwingt ieman ein weg zu gon und wil, das im der weg verborgen sy? Was vermögen wir sin, das etlich hochgelertten vor grosem gitz, nyd und hoffart die worheit nit wellen annemen? Sy ist dorum unferborgen. Wir verstond ouch, gnedigen, lieben her- ren, wie das am nechsten etlich usz der ander parthy sich in harmnist gerüst hand mit [122] vil trüwen. Ist unser bit an ü. e. w., das in undersagt werd, dorvon ietzmol abzuston, dan wir in: allem frid hie sind und begeren nieman zu beleydygen. Wo aber sy sich wurden bewobnen, werden sy. unsz ursach geben, das wir ouch nit werlosz erfunden werden, das dan zu besor- gen etwasz geförlichers. Ist in unabgeschlagen ouch zu bitten. Aber so wir die ere gottes und den friden einner ganzen stat Basel suchen, werden und kennen wir nit abston von unserem bitten tag und nacht, so lang bisz unsz ü. ersam wiszheit gne- diglich erhört. Dan unsz uff erden uff disz mol nüt höchers angelegen ist, es were dan, das wir dorin bericht wurden, das unser 'bit got unerlich, einner stat Basel schedlich, das aber nit sin, tragen wir gantz kein zwiffel, ü. e. w. welle ein ge- horsame burgerschafft hierinnen on uffzug gnediglich und vät- terlich bedencken. Eüwer ersam wiszheit willige burger und zünfft. Also diewil sy in sollichem rotschlag woren, samlatten sich vil burger zu innen uff der garttner husz, das by funffhundert burger zusamen komen, schüsen also by sechsz ersamer burger usz, dieselbig solten dise suplicatzion minen herren fürbringen, komen also für den burgermeister Meltinger!), zeigten im die suplicatzion an mit groser bit und beger, sollich eim ersamen rot anzuzeigen von wegen einr gantzen gemeint, aber er wolt sollich nit von innen annemen, sunder bott innen by iren ey- den heim zu gon und die andren abzumanen ; aber dise komen wyder mit irer suplicatz zu dem huffen und zeygten innen sol- lich [143] antwurt an. Des sy ein grosz miszfallen hatten und woren fast ubel zufriden, thetten sich erst fester zusamen, doch 8. »dorusz« fehlt bei Bullinger. 11. geytz Bullinger. 14. harnasch Bullin- ger. 17. bewapnen Bull. 18. wehrlasz Bull. 1) Heinrich Meltinger, »das politische Haupt der katholischen Partei.« Herzog Ill. 124. 25. Dec. 25. Dec. 72 1528. nit mit gewaltiger hand, sunder in fryntlicher bit wisz. Do das die uber Rin innen wurtten, fiellen sy ouch zusamen, die uff der böbstler und pfaffen gattung worren, mit gewobnetter hand in irem harnist, desglich "die an den Spallen N, Derren worren aber ein kleine zall, aber vil schmochwort und lestrung triben sy, dan ir gemüd stund uff ‚unfriden , vermeinten die ewange- lıschen mit irem tratz und bochen zu überwinden, aber ir bochen halff klein, sunder woren ein gespöt gegen den andren. Also leytten sich min herren mit allem ernst in die sach, wusten nit, wo sy werren solten, also nam der burgermeister Adelberg Meyger mitsampt dem zunfftmeister die suplicatz an mit bit und beger, das iederman heim gieng und. zu guttem friden werren, mine herren wurtten mit allem flisz in der sach hand- len, das sy ein gut vernugen wurden han. Also macht man ein erlichen uszschutz von der gemeint by drissig erlicher, red- licher, 'ersamer burger, dorunder ouch gut edelmener und nam- haffıg burger woren, die von wegen der ganzen gemeint der suplicatz halb handlen und die sach. vor minen herren volfüren solten, doch nitzit handlen noch beschliesen on einner gemeint wissen und willen, und stalten min herren die wyderparthy ouch zufriden, das susz iederman wyder heimgieng, doch solt die suplicatz on verzug von eim ersamen rot verlesen werden und innen in zweygen tagen ein antwurt geben werden, oder sy wolten wyder zusamen kumen. Also wart in sollichs zugesagt von minen herren, sollichs uff das fürderlichest zu handlen und dem allen nochzukumen on allen [14] verzug. Die suplicatz wart von dem rot verlesen, aber wenig achtung doruff geleit, dan sy vermeinten die sach sunst mit schrecken zu stillen, wie vormolsz, dordurch esz verzogen wart bisz uff den heilligen wiennachttag, wolt der gemeind kein antwurt werden, esz tri- ben aber dorzwischen die böbstler vil tratzwort und mudwillens und lieffen zusamen über Rin im harnist und mit iren gewerren, desglich die an den Spallen; wasz ir meinug, wo die ewan- gelischen wyder zusamen kemen, wolten süsz von einander: bringen, und derglichen tratzwort triben sy vil und bewegten also die andren ouch zu unfryden, das weder ir wil Bi beger wasz, sunder nieman zu beleydigen noch zu schedige allein wasz ir frintlich bit, wie die suplicatz uszwist. Do das die gemeind sach, das sy also mit gewobnetter hand by einander worren, komen sy ouch wyder zusamen,: die so dem ewangely anhengig worren, am heilligen Crist tag zu nacht ouch in irem harnist und gewer wolgerust uff der Sart- ner husz by achthundert wolgeruster burger, vereinden AR do by einander zu belipen, bisztint ein antwurt wurt geben uff die suplicatzion, so sy ingelegt hatten; desglich wolten sy ouch 1) In der Spalenvorstadt; s, ob. 8. 53 Note 4. or > 0 [IS] 0 os 5 45 1528. 73 nit von einander, die ander parthy were dan wyder von einan- der, blipen also die ganze nacht by einander bisz morndes an sant Steffens tag um die nünte stund, sterckten sich ie lenger 26. Dee. ie fester, das ır vil wurden, des sich min herren nit klein beengstiget, das dan not wasz. Leydten sich zu beyden [115] par- thygen fast ernstlich in die sach, das sy die burger wyder von ‚einander dettigeten, aber es wolt kein theil wichen, das ander theil wiche dan zum ersten von einander. Schickten min her- ren jungker Heinrich Meltinger mitsampt andren herren uff der ı0 garttner husz, die gemeint frintlich abzumanen, dan min her- ren wolten trüwlich in der sach handlen, aber die gemeint wolt sin red nit hören noch anemen, sunder wurden e ie fester verpittert. Also schickt man ander herren dar, den burgermei- ster Adelberg Meyger, mitsampt dem zunfftmeister, her Jocob Meiger, die brochten so vil zu wegen, das sich die wyderpar- thy usz irem harnist thet. Do thetten sich die uff der garttner husz ouch von einander, doch das der uszschutz, so sy vor ge- macht hatten, in der sach vor minen herren für und für hand- len solten und uff das allerfürderlichest, doch nüt beschliesen on der gemeind wissen und willen; desglich wart dennen uff der wyderparthy ouch ein uszschutz erloubt und der suplicatz ein abgeschrifft, dan sy ouch begertten zu suplizieren. Also handlet beyder parthy uszschutz von wegen irer gemeint vor minen herren: die gemein burgerschafft, so dem ewangely an- 25 hengig worren, begertten noch lut irer ingelegten suplicaz noch- zukumen, so begerten die andren by irem alten harkumen zu blipen, by dem bobstum und iren zermonien, das do gantz nüt eristlich noch burgerlich, ouch der heilligen gschrifft nüt ge- mesz, sunder dient gantz zu zertrenug einer ganzen burger- 30 schafft. Susz zoch iederman wyder heim und wart ernstlich in der sach tag und nacht gehandlet. [146] In dem, alsz nu der handel sich also verlieff, komen die ersamen botschafftten von Zürich, Bern !), Schaffhusen und Mul- husen, desglich mit erlicher botschafft die von Strosburg in 35 nochburlicher frundschafft und liebe, all in frintlicher meinig, ob sy möchten 'helffen do gut fryd und einigkeit under unsz zu pflanzen, domit wir des gotzwortz halb in einhelligkeit ke- men. Do das die wyderparthy sach uff der böbstler sitten , do beschickten sy die von Ury, Schwitz?), Underwalten und von Zug?) und Sollenthurn®), desglich die von Friburg in Ucht- 1) S. die Berichte der Bernischen Gesandten Lienhart Hüpschi, Niklaus Manuel, Lienhart Willading von der Hand des Nik. Manuel (28. Dec. 1528 . bis 13. Febr. 1529) und einige andere, mit diesen zusammenhängende Akten- stücke, herausgegeben von W. Vischer in den Beiträgen zur vaterl. Geschichte V 8. 299 ff. S. 308 wird der Bote von Zürich “Werdmüller genannt. 8.302: Schultheis Hug und der Spitalmeister von Luzern. 2) Joseph am Berg. Vischer a. a. O. 8. 304. 3) Götschi Zhag. Vischer 302. 4) Schultheis Hebold und Hans Hugi. Vischer 8. 304. ; ot 1 Dr 2 > 4 S 1529 4. Jan. 74 1528. 1529. land, das sy in bystendig werren, das sy by irem böbstlichen gluben möchten blipen. Es komen ouch die von Lutzern uff der böbstler sitten, aber sy schuffen all nit vil, dann sy woren nit hie um der er gotz willen, sunder das sy dem böpst moch- ten helffen sin rich erhalten, das aber nit sin mocht. Es wurden in disem handel alle thor beschlosen,, bisz an Spallenthor und Eschamardor hie disent, und über Rin das ein thor ouch beschlosen und under dennen thorren starcke wacht und hud gehalten, desglich sunst fast’ starcke wacht in der stat alle nacht, dan diser handel liesz sich fast ernstlich an, das nie- man wüst, wie es sin uszgang nemen wolt, dan es traff an. den rot, ein oberkeit und die ganze pfaffheit mitsampt allen irem böbstum, zermonien und kilchenbruch, des sich gar fast gerumfft und 'gespert wart. u [147] Als man nu uber disen handel sasz und die sach angrif- fen wart, erhiesch nu die suplicatz, so von den ewangelischen ingelegt wasz, das alle die usz dem rot müsten tretten, die den pfaffen verwant und anhengig woren; es wasz ouch des usz- schutz beger und wil von wegen der gemeint, das manchem nit ein kleinnen schrecken 'brocht, der im rot sasz. Do stun- den iren so vil uff, das wenig blipen sitzen. Do das ersechen wart, do wart gemacht, das einer mit dem andren solt blipen sitzen und die sach helffen handlen, es berurt recht, wen esz wed. Do trat aber zum ersten usz Andres Bischoff, der wasz miner herren ladenherren einner, nit weisz ich, wasz in bedunckt, er wolt nit me do sitzen, stund uff und gab minen herren die schlusel und gab sin burgrecht uff, sasz uff und reit usz der stat. Uff das wart kein firren in disem handel tag und nacht, frü und spot zwischen beyden parthigen. Es wurden beyder teil suplicatzion gelesen und ir beger gehört: ein theil begert 5 dem gotzwort anzuhangen und das das einhellig geprediget wurt, das ander theil begert den altten zermonien und böpstum an- zuhangen. Also wart in disem handel ein mittels erfunden und der gemeint fürgehalten, dem ist also: | Es liesen min herren bietten uff allen zunfften und gesel- schafften, das man von husz zu husz iede zunfft und geselschafft solt iren mitbrudren bietten und sagen: wer 'ewangelisch wer oder dem anhengig wer, der solt morndes am mentag vor der heilligen dry künigen tag früg zu den Barfusen komen, der an- dren parthy wart zu den Predigeren!) [14s] botten. Also komen zu den Barfusen die, so dem ewangelly anhengig worren, by zweytusent?) mansparsonnen von burgeren und hindersesen, aber zu den Predigeren worren ouch zusamen kumen, so uff 1) Ueber das Predigerkloster s. Fechter S. 124 u. s: w. 2) 2500 Wurstisen. »fil über 3000« Vischer a.a. 0.8. 307. Die Aufzeich- nungen f. 5b sagen 1500. -_ 0 o2 ==} 1 1 2 2 3 3 Di 1529. 75 der pfaffen sitten woren, by fünffhundert !): mansparsonnen. Nu disen beyden parthigen hielten mine herren disz mittel für mit bit und beger, sollichs anzunemen, domit man in frıd und einigkeit kumen mocht. : So wüsten sy iezo kein ander mittel zu finden, dan disz?), und wer also von.beyden röden erkent, ' das nu hinfür einhelligklich solt geprediget werden in allen 0 or o a =) a pfarren und kilchen nüt anders, dan das lutter clor wort gotz nüws und altz testament, und wo einer des nit bericht wer, do söllen die predicanten al wuchen ein mol zamen gon und ein andren underwisen und berichten, domit kein feller be- schech; welcher aber das nit thet, das derselbig sins. predigens solt stilston, domit die ler Cristy, und wasz der helgen gschrifft gemesz ist, einhelliglich geprediget wurt by verlierung irer pfrün- den. Es solt ouch keiner den andren scheltten, schmechen oder lestren uff den kantzlen ketzer oder mit sollichen wortten, ouch solt man susz die messen und kilchenziertten alle losen blypen in dennen kilchen, do sy biszher gewesen sind. Do das under der gemeint erhört und fürgehalten wart, wolt mans gar nüt annemen noch dervon hören sagen, wiewol die fremden her- ren ouch ir bit von wegen miner herren an die gemeint leyt- ten, das sy die herren solten in disem stuck erren und disz mittel annemen; aber sy woltens nit thun, sunder by ir supli- catz blipen, wasz [149] die vermöcht, ermantden ouch domit die von Zürich und Bern innen bystendig zu sin noch lut der bün- den und dasz man das mer under der gemeint machte, doby wolten sy blipen. Des ermantden mine herren die örtter, ouch innen bystendig zu sin. Also wart ein stil gemacht under dem volck und also gebetten, rüwig zu sin und nüzit mit gwaltiger hand angriffen: bisz uff den andren tag wolten sy wytter in der sach handlen, domit sy villicht ein vernügen würden haben. Also zoch das volck wyder uff der garttner husz und zum Saf- fren®), uff die antwurt zu wartten. Also wart aber nit gefirt mit ratten tag und nacht, früg und spot. Do doch min herren sachen, das ie nit anders sin möcht und die gemeint nit wolt abston , erfunden sy aber ein mittel, das sy der gemeint wolten fürhalten , domit sy beyd 1) 600 Wurstisen, »nitt über CIIII starck« Vischer a.a. O. S. 308. Die Aufzeichnungen unten sagen 800. 2) 8. Wurstisen. Herzog II. 128. Vgl. bei Vischer a.a. O. 8. 306 den Gesandtschaftsbericht, nach welchem dies Mittel »schon am 3. Januar« beschlossen, aber freilich (s. S. 307) erst am 4ten, wie die andern Quellen auch sagen, eröffnet und verle- sen wurde. Vebrigens heisst hier der Artikel, in dem von den Pfründen die Rede ist: »Der von der mesz stan welte, dem solle syn ‚pfrund nüt dest minder gefolgen«, wodurch Ryff’s und Wurstisen’s Be- richt wesentlich ergänzt wird. 3) Das Haus zum Saffren (Safran, mit welchem starker Handel getrieben wurde), Zunfthaus der Krämer am früheren Rindermarkt, jetzt Gerbergasse. Fechter 59. Beiträge IX. 43. 76 1529. parthigen gestillen möchten, batten ouch‘domit die fromen her- ren und‘ eydgnosen von Zürich und Bern, desglich die von Strosburg und ander, so do hie worren, die gemeint zu bitten sollich myttel anzunemen, dan min herren des uff alle zunfft brieff und sigel geben-wolten, das ’sollichs solt erhalten werden, das nu trüwlich beschach: ‚dan die fromen herren die gemeint (6.Jan.)gar frintlich baten uff der garttner husz,,' das wir innen so vil 5. Jan. zu erren solten thun und sollich myttel guttlich annemen, do- mit wir zu beyden parthygen zu frid und einigkeit kumen möch- ten, und wer ouch wol und gut anzunemen, und wo sollichs nit erstattet solt werden, wolten sy die sin, die sollichs wurden begeren, das erstattet wurde, und des wurden sy ouch 'ein ab- scheyd nemen, brieff und sigel, wie wirsz dan uff den 'zunff- ten hetten; und ist disz nochgend das mytel,''so fürgehalten wart zum andren mol. | | 150) „Dis. ist das ander mittel, so der gemeint ‚Fürgehalten wart. und: angenumen, so vom rot erkent wart!). | Zu wissen?), demnach sich gmeine burgerschaft der' statt Basel von wegen des: zwyspaltigen bredigens, so biszhär in ver- melter statt Basell von den predicanten geprucht und furgangen, gezweyet, deszhalb das ein teil vor uns burgermeister und rat obgmelter statt Basel ein suplicationn des inhaltz, das wir zü uffnung fridens und einigkeit ein einhelliges predigen hie geord- nen, deszglichen die mesz, so die taglichs uff den canzlen von etlichen predicanten ein gotslesterung und gruwel vor gott sin gscholten, solang bisz die durch die meszbriester us heiliger göttlicher biblischer gschrift güt und gerecht sin erfunden, ab- stellen ‚wolten, inglegt, desglichen so hat der ander teil, das man sy by letst usgangnem mandath und by dem, wie es’ jetzt in: der: statt Basel gehalten wurdet, handhaben und bliben los- sen wölli, ouch suplicierender meynung uns furtragen lossen ; so wir nun beider 'teiln als’ der unsern suplicationen vernomen, friden und einigkeit zü pflanzen, widerwillen, uneinigkeit und 7. Hs. bat. 19. predigens Hs. 20. gebrucht Hs. 23. öffnung Hs. ordnen Hs. 24. Das zweite »die« fehlt in der Hs. teglichs Hs. 25. »predicatten«, Schreibfehler in der Hs. 29. uszgangnen mandaten Hs. und Bull. 30. württet Hs. 31. wölle Hs. 32. suplicatzion Hs. und Bull. 1) Das Mandat des Rathes in extenso und in dem Urtext abgedruckt bei Bullinger 11. 41—43. Haller III No. 337. Erkanntnisbücher IV. 49 (Heusler 441), im Auszug bei Wurstisen. Ochs V. 631: Vgl. Her- zog 1. 130. Hagenbach 124. 2) Hier ist das Mandat abgedruckt nach der 'officiellen Ueberlieferung im Staatsarchiv: Nuw erkantnus Buch (in der ganzen Reihe ist es das vierte), angefanngenn’ Anno XXV — Bis 1544. Blatt 49% f., und die Varianten Ryfl’s (Hs.), abgesehen von den unbedeu- tendsten, sind angegeben. Ryff hat vielleicht'den Druck, ‚welcher Bullin- ger vorlag, benutzt, vielleicht stand ihm ‘auch eines jener Exemplare des Mandats zu Gebote, das einer einzelnen Zunft gegeben war (s, am Ende des Mandats), | oa fer 0 15 5 10 15 20 35 40 1529. 17 e e e . ' . 'empörungen under den unsern zü verhüten mit ganzen begir- den gneigt, so haben wir dise nochfolgende mittel guter erba- rer meynung einhelligelichen bedocht und erkant: ' Erstlich ‚diewil das: zwyspaltig predigen, so biszhar fur- gangen, der pronn und ursach aller zweyung und burgerlicher trennung gwesen, und wa es nit abgstölt, furer sin wurde, so habend wir umb vermydung solchen ubels fur güt angsehen, das hinfur ‘alle und'iede predicanten,, pfarrer, seelsorger , lut- priester und ordenslut, die im beiden stetten Basel und in un- sern emptern desz 'predigens sich annemen, nutzit anders dann allein das pur clar ewangelionn , das heilig gottlich wort, in biblischer 'gschrift begriffen, und was sy [ısı] damit beschirmen und beweren mögen, 'on züsatz anderer lerern und menschen- satzungen eynmundigklich fry offentlich und unverborgen, wie das erst usgangen mandath vermag und anzeigt, zü uffnung der eren gotts, zu pflanzung bruderlicher truw, liebe und gmei- nen fridens verkunden und predigen sollen. Der gstalt das alle predicanten obgmelt sich ieder wochen zum wenigsten ein mal, oder so oft es ‚dieinotdurft ierheuschen wurt, gütlich und fruntlich züsamen thun und sich des predi- gens, damit: das eynmundig beschehe, mit einandern verein- baren, verglichen, allein mit*biblischer gschrift underrichtung gebend und nemend, mit solchem geding: wer under inen sol- liches nit thün, sonder sich von den andern predicanten ussern, s abziehen, kein bscheid noch bericht us biblischer gschrift geben noch nemen und sich also mit den andern glichformig halten wurde, das der von stund an stillstan und furer nit predigen sölli. Sodann die mesz betreffen: diewil die dermasen. und 'sy biszhär gehalten, von etlichen predicanten fur ein lesterung und gruwel usgschruwen, "mit erpietung. darumb rechenschaft zu geben; dargegen aber die andern predicanten die mesz, wie die biszhär ghalten, gerecht und güt furgeben und sich die zu er- halten glich wie die andern erpotten, damit dann die warheit usfundig 'an tag 'kome, dester sicherer gehandelt, und was zu der''eren gottes dienen mag, geuffnet werde, so habend wir uns einhellig‘ erluttert, vereinbaret und erkant, das wir umb offen- barung der warheit von obgmelten predicanten und meszprie- stern ir angepottene rechenschaft bisz sonntag nechst noch [152] trinitatis konftig, das ist vierzehen tag noch pfingsten, in offner disputacionn und gsprech in der Barfüserkilchen und in bysin mengcelichs vernemen und das allein mit heiliger biblischer 2. erbrer Hs. 5. brun Hs. 6. furtter Hs. 7. solches Hs. 10.. nütz Hs. 13. lerrer Hs. 15. »vermag« fehlt in der Hs. 21. einmündige Hs. 23. geben und nemen Hs. 24. üsseren Hs. 27. furtter Hs. 30. gotzlestrung Hs. und Bull. 31. grüwel usgeschrüwen Hs. erbietung Hs. 32.Hs. statt »wie die«: so. ° 34. erbot- ten Hs. 35. uszfündig Hs. 36. er Hs. geöffnet Hs. 39. angebottne Hs, suntag Hs. 40. »konftig« fehlt in der Hs. und bei Bull, 5. Jan. 78 1529. gschrift nuwen und alten testamentz, ob die mesz in sollicher heiliger gschrift begrundet sy oder nit, erortern lossen wöllend. Und so wann dieselbig rechenschaft gehört und sich das gesprech geendet, dann wöllend wir von stund an alle unser burger und die so zunftig sind, von zunft in zunft zusamen berüffen los- sen, das urteil eins ieden concienz heimstöllen, und ein mers, ob man die mesz behalten oder gar abthün wölli, mit: inen machen, und was der zit durch ein rat, gmeine unser burger- schaft und zunftbrüder das mer wurdet, dasselbig in dem na- men gottes an die hand nemen, dem merern nachkomen, gle- ben, und soll das minder teil sich darwider nit setzen. Wir habend ouch wyter erkant und wollend, das von hut an alle messen in beiden stetten abgstölt sin und furohin bisz zu obgmelter disputacionn und gesprech nit me dann täglich ein ampt im munster, ein ampt by sant Peter und ein ampt by sant Joder, und sunst gar kein wyter messen gehalten wer- den söllen, und damit söllend gmein unser burger der zweyung, so sich diser zit zütragen, berüwiget, mit einandern zufriden sin und keiner gegen dem andern nutzit unfruntlichs furnemen, sonder in gütem brüderlichen und burgerlichen friden by und mit einander tugentlich und fruntlich leben, der obgmelten zit erwarten und sich furer nit empören, noch fur sich selbs utzit handlen. Wir wollend ouch allen denen, sy sigen uff wellicher par- thy sy [153] wollen, und in disem handel, es wer mit schriben, raten, reden, uffwicklen oder anderm verdacht sin möchten, gnedigcelich verzihen, solches denselben, ouch alles dessen, so sich harinne begeben und von einem ieden zütragen, in argem oder ungnaden niemermer gedenken nach uffrupfen. Und damit aber gmeine unser burgerschaft desz alles gwusz- lich vertröstet, das disem, wie obstat, also glept werden solli, so habend wir verer erkhant, das diser dingen und erkantnus allen zunften versigelt urkund und abscheid gegeben werden sollend. Actum zinstags den funften januarii anno etc. 29. Do nu sollich mittel uff allen zunfften gelesen und geben : wart, gefiel es der gemeint basz, dan das vorig und nomens durch bit der frempden an, wie vorstat, und worren wol zufri- den; doch wasz die böbpstisch parthy nit gar wol zufriden der mesen halb, so in abgangen worren, doch musten sy sich mit den drygen!) lon begnugen und fur iederman wyder heim. Es 1. altenund nuwen Hs. 2. heilliger göttlicher Hs. u. Bull. 5. »zunft zu zunft« Hs. 6. urttelHs. 8. »unsere fehlt in der Hs. und beiBull. 9. würdet Hs. 10. merer Hs. 12. hüt Hs. 13. abgesteltHs. fürthinHs. 14. merHs. 15.indemHs. 19. nüzit Hs. unfrintlichs Hs. 22. üzit Hs. 24. sitten Hs. statt »partlıye«. 25. wellend Hs. werreHs. 30. »aber« fehltin der Hs. und bei Bull. gewislich Hs. 31. sölle Hs. 33. geben Hs. 1) Die Bestimmung des Mandats, dass bis zu der abzuhaltenden Dispu- tation (Sonntag nach Trinitatis 30. Mai) täglich nur im Münster, in St. Pe- ter, in St. Theodor eine Messe gehalten werden solle. ee 0 or > o 1 1 2 2 3 or 0 a o or So 1529. 79 wart ouch von minen herren ein mandat!) uff all zunfft gen, (. Jan.) das sollich vergangen sachen keinner dem andren uffrupfen, schelten oder schmechen solt, sunder alsz tod und ab sin und frintlich und gütlich under einandren leben; doch wart dor- neben verbotten, in dennen kilchen kein psalmen in tütsch zu singen, in dennen sy vor nie gesungen woren, das gar schier ‘ein nüw ungluck gemacht het, dan die gemeint vermeint, wo einhellig prediget wurd, möcht man ouch psalmen singen; aber es wart nit nochgelon, dan das gifft mocht sich alweg nit ver- bergen, es must sin schalck alweg erzeygen, doch liesz ieder- man dorby blipen, dan man begert nüt dan fryden. [154] Do nu die böbstische predicanten sollichs hortten und das mittel musten annemen, stunden sy irs predigen stil, und wolt kei- ner mer predigen, dan sy wolten nit zu disen gon, das sy un- derwisen wurden von innen des wort gottes halb, vermeinten, sy weren beser, aber man spurt wol, wo es innen gelegen wasz, me zu unfryden dan zu einigkeit. Das weret nu by fierzechen tag lang, das im munster noch sant Petter oder sant Joder, noch sant Urich geprediget wart?) und wolten ouch nit an dise predig gon, triben ouch vil schmochwort, tratz und an- der wyderwillen, das die gemeint schier aber in unwillen ge- fallen werren; dan es wart ein schandlich büchly gemacht wy- der den doctor Ecalampadius, das lieszz man hie uszgon, kam von dem predicanten zu den Predigeren®), der liesz sollich büchly einner stat Basel zu letze, er macht sich aber dervon, nam urloub hinder der thür; von wem er aber den rucken hat, erfand sich balt hernoch. Do es nu anstund by fierzechen tagen und die böbstischen kein predig hatten, beclagt sich die gemein gegen irem usz- schutz, das man die kantzel versech mit gutten predicanten, diewil doch dise nit wolten das wort gotz verkünden, wer wol zu gedencken, das sy die worheit nit wolten annemen; sollichs wart vom uszschutz minen herren anzeigt, die sagten nu zu sollichs zu versechen ; also den nechsten suntag dornoch stund 24. Jan. 20. ouch triben ouch Hs. 1) S. Wurstisen. Ochs V. 634. Vgl. unten Chron. Georgii ad a. 1526, 10. August und die Bemerkungen dazu. Riggenbach’s: »in allen Kirchen.« Beitr. IX. 347, bezieht sich auf den späteren völligen Sieg der Reformation. 2) Nach der Bestimmung des Mandates vom 5. Jan., dass jeder Prädicant der Stadt sich jede Woche mindestens ein Mal mit seinen Amtsbrüdern »gütlich und früntlich zusamen thün und sich des predigens .... vereinbaren« sollte, (wozu sich vermuthlich die Geistlichen jener vier katholischen Kirchen nicht verstanden) und der weiteren, dass er andernfalls »von stund an still stan und fürer nit predigen sölli.« 3) Die Schrift des Ambrosius Storch (Pelargus): Hyperaspismus sive propugna- tio Apologiae Ambrosii Pelargi, quo eucharistiae sacrificium ab Oecolam- padiana calumnia strenue asseritur. Hagenbach 125. Herzog Il. 134, Ochs V. 635. 80 1529. der predicant zu sant Petter!) wyder uff zu predigen. Do das die burger vernumen, giengen vil dar, das sy zulosten, wie er sich an wolt losen, das nu die böbstler fast verdrosz und ver- mentten sy usz der kilchen zu schlachen, des gar schier [155] sych ein groser unwillen zwischen beden parthigen begeben het. Er prediget aber wyder uff sin alte gattung, wie vor stath, uff nid und hasz und allen unfriden ;. das beschach nu ein mol:oder drü, hielten ouch in allen wincklen mesz uber allen vertrag und gebot, ie das sich die gemeint aber beclagt gegen dem uszschütz in sollicher mosz, das weder brieff noch sigel von den bebstischen wolt gehalten werden, sunder ie.lenger ie fester zerbrochen und vil mudwillens von innen getriben wurd, das nu der uszschutz vor minen herren anzoch; den,es wart im vertrag gemacht, das der uszschutz uff der ewangelischen par- thy für:und für beliben solt, bisz zu der zukumfft. der ange- sechenen disputatz?): wasz dorzwischen der gemeint angelegen wasz, mochten sy alweg dem uszschutz anzeigen; dorum broch- ten. sy dise ubersechung der falschen predicanten für min her- ren mit beger, die zu stroffen, die sollich ubersechung thon hetten und wyder brieff und sygel gehandlet hetten, ouch das man die falschen predicanten, die wyder das wort gottes Wwer- ren, hiesz irsz predigens stil ston und die canzlen mit gutten cristlichen predicanten versechen wurden, domit sich des nieman zu beclagen het. Also stund der burgermeister Meltinger uff und bekant sich, das er. der werre, der sollichs übersechen het des predicanten halb sant Petter, den het er heisen predigen , aber begert im sollichs zu verzichen, dan sollichs solt furbasz nit-mer gesche- chen und furrer erstattet werden, wasz do zugeseit wer; aber der uszschutz bleip uff irem furnemen, das die gestrofft wur- den, die sollichs übersechen hetten, dan sy besorgten, die ge- mein liesz nit noch, domit grosers versechen wurd. [156] Ouch wurden ander artickel mer eızelt, so sich verlüffen hatten un- der den wyderparthigischen, des nu min herren den uszschutz hiesen heim kerren, man wurd in ein gutte antwurt geben; der antwurt musten sy aber lang wartten. MWiie aber ein burgerschafft zusamen kam, um das brieff und sigel nıt gehalten wasz worden. Also gestund die sach aber an, das nieman nüt me.hand- len wolt, und hattens mine herren in vergesz gestelt, meindten, es solt der gemeind ouch also sin; aber die pfaffen und ir an- 38. Diese Ueberschrift steht in der Hs. erst S. 157 oben, mitten im Text. 1) Sebastian Müller. Hagenbach 126. Herzog Il. 135. Wurst- isen 569, bei dem fast die Worte von Ryff wiederkehren. Ochs .V. 636 nennt den Prädicanten irrig: Seb. Münster. 2) S. ob. 8. 77 Di - 0 —_ 1 2 IS) ot = st Ja 0 Be 1529. 81 hang mochten ir boszheit nit losen, verbrochten für und für ir mudwillen mit irem tratzen. Das verzoch sich nu bisz uff der herren fasnacht!) ; dorzwischen hat der uszschutz dick und vil 7. Febr. begert, das man in ein antwurt geb uff ir begeren von wegen einer ganzen gemeint und die cantzell versechen wurden, aber ‚es mocht in nit erfolgen, sunder wolten alweg uff irem altem für- nemen blipen, das nu die gemeint fast anfieng murmlen und logen dem uszschutz an, wie es doch zugieng; ie in suma, es verzoch sich bisz uff der herren fasnacht, wie obstat, sach ıo man in mencherley weg, wie brieff und sigel gehalten wart uff der böbschischen parthy, des nu der uszschutz sollichs wol be- trachtet, und vereinbartten sich zamen uff obgenanten tag und rotschlugen, wie im zu thun wer, diewil in von minen herren kein antwurt wolt geben und sust ouch nüt gehalten wart, do- 15 mit sy sich gegen der gemeint verantwurtten möchten. Also in sollichem rotschlag, so sy thetten uff der garttner husz uff der herren fasnacht, sasen sy den gantzen tag by einander by dri- sig redlicher burger, wurden sy des eins, das sy die gemeind welten heimlich berüffen zu den Barfusen und [157] in die sach endecken, domit die schuld nit uff innen leg; und also seit ir einner dem andren, die dan dem ewangely anhengig woren, das sy morndes am mentag frug um die sechste stund am mor- 8. Febr. gen zu den Barfusen soltten sin, das nu beschach: dan es ko- men aber von burgeren zusamen by acht hundert, thetten also 3 ein frügbet zu got dem herren um hilff und gnod, domit wir die er gottes möchten furdren und sin wort handhaben. Also thet einner vom uszschutz die red, ein ersamer bur- ger2), und erzalt dem volck, wie die sach schwer und hel stund, wüsten innen sollichs nime zu verhalten, begertten do ein rot 30 von der ganzen gemeint, wie sy sich wytter gegen minen her- ren halten solten, dan sy nüzit handlen wolten on einner ge- meint wissen und willen. Man sech doch wol, das do nüzet ge- halten wurt uff der wyderparthy und vil und mancherley pra- tick verhanden weren zu besorgen grose geförlickeit, so erwach- 35 sen möcht, dorum sy wol mochten do iren rotschlag thun und a 2 1) Wurstisen stimmt oft fast in den Worten mit Ryff in Erzäh- lung der folgenden Ereignisse überein. Bullinger II. 43.44. Kessler V. 182 ff. berichten nicht gerade ausführlich, doch anscheinend auf selb$tän- dige Quellen gestützt. Salat nimmt keine Notiz von den Ereignissen, sondern verweist S. 202 auf den Bildersturm von 1528, als wenn dort auch etwas über den von 1529 berichtet wäre; s. ob. 8. 57. Vgl. Ochs V. 636 ff. Herzog ll. 137 ff. Hagenbach 126 fl. Hottinger I. 12S ff. Ueber die Aenderung der Verfassungsverhältnisse s. die bündige, klare Darstel- lung bei Heusler 441 ff., wo namentlich der theilweis politische, gegen die Oligarchie der Regierung gerichtete Charakter des Aufruhrs hervor- gehoben wird. Vgl. Bullinger I. 43: »Die gemeind sach, das wenig lüthen in dem radt allen gwallt alein an sich ziehen understündent, dor- umm greyff sy zu den waaflen« etc. 2) Irmy, s. Ochs V. 638. Basler Chroniken. I], 6 82 1529. die sach erwegen noch irem gutduncken, wasz innen dan wyt- ter gefellig wer und sy innen witter empfüllen, dem wolten sy nochhandlen. Indem alsz man in solcher red wasz, kam ein statknecht, so vom rat dar geschickt wart und hiesz den uszschutz uff das richthusz kumen, mine herren wolten innen die antwurt geben ; aber es wasz der gemeint nit gelegen noch dem uszschutz ouch, dan vor woren min herren by fier wuchen dorob gesesen und den uszschutz der antwurt losen warten und woltens eben iez gen han; das wasz nu innen uff diszmol ouch nit gelegen, aber mine herren möchten iez wol dencken, wie sy beston wurden mit irem brieff und sigel gegen den frempten herren von Zü- rich, Bern!) und [iss] von Strosburg, das dieselben wurden ver- nemen, wie handfest und standhafftig sy mit irem ding und erkantnusen weren; in suma: die gantze gemeint wart des einheillig und befullen dem uszschutz, diewil so vil gehandlet wer worden wyder allen vertrag, brieff und sygel und die can- tzel noch ler stunden, weren sy nime schuldig by dem vertrag zu beliben, vermarckten ouch wol, wohar ein sollicher gewalt und rucken kem, wer nu hinfür ir meinig und beger, das hinfür etlich nit me im rot solten sitzen, sunder usztretten in diser und andrer sachen uff diszmol, das wolten sy ouch haben und dorby blipen; desglichen die falschen predieanten hinweg gethon, verhofften sy, die sach wurt zu guttem reichen und gutter fryd und einigkeitt gemacht, und woren disz die noch- genempten, so man usz dem rot erfordren solt, die dan solten abtretten, namlich iren zwelff und sind disz die?): namlich jungker Heinrich Meltinger, obrister burgermeister, jungker Lux Zeygler, obrister zunfftmeister, Franz Ber, rotzher vom Schlusel, Lux Isily, meister zum Saffren (diser wasz erst des: jorsz in rot kumen), jungker Egly Offenburg, jungker Bern- hart Meyger von Balderstorff, bed vom Suffzen?), Andres Bi- 32. »von Balderstorff« am Rande von der Hand der Hs., aber mit späterer Tinte. 1) S. bei Vischera. a. O. 8. 311 den Bericht der zweiten Berner Mission vom 13. Febr. 1529, S. 316 Schultheis und Rath zu Bern an Frei- burg und Solothurn 10. Febr. 1529. 2) S. Ochs V. 639. Wurstisen 571. Kessler V.183. Der Rath bestand damals aus dem Bürgermeister, dem Oberstzunftmeister, zwei Rathsherren von der hohen Stube, einem Rathsherrn von jeder der 15 Zünfte und den Meistern der 15 Zünfte. Die vier ersten Zünfte: zu Kaufleuten (zum Schlüssel) , zu Hausgenossen (zum Bären), zu Weinleuten und zu Krämeren (zum Safran) hiessen die Herren- zünfte, ihre Vertreter im Rathe wurden mit dem Titel: »Herr« beehrt. Vgl. den unten 8. 92. Anm. 2 citirten Brief des Oekolampad an Capito vom 13. Febr. 1529. 3) »Zum Seufzen« in dem neueren Stadttheile jen- seits des Birsigs, in der Nähe des Fischmarktes (Fechter 23), war ur- sprünglich die Trinkstube der Sterner, der erst später der Dienstmannschaft beigetretenen Geschlechter, gewesen. In der Zeit, um die es sich hier handelt, bildeten die Genossen der Stube »zum Seufzen« (der niederen Stube) zusammen mit denen »zum Brunnen« (der oberen Stube) im Gegen- RR PN 0 8% en os © 1529. 83 schoff, her Hans Murer vom Berren!), Caspar Durnisen von schmiden , her Hans Stoltz von winlütten, her Hans Oberiet, rotzher vom Safften, her Hans Schaffner, den man nempt von Brun?), meister vom Schlusel: dise woren all under einander verfrund und hatten grosen anhang von pfaffen und woren ouch ‚treffenlich wyder das wordt gottes, dorum sy alweg mit den . pfaffen pradicierten, wie sy ir bobpsthum möchten erhalten, un- 10 20 25 30 35 angesechen wie ein burgerschafft in frid oder einigkeit kem oder kumen möcht. Do halff kein bit noch begeren, sy woren gantz in sollicher verstockung, das es nüt [159] an innen ver- fachen mocht, bisz man disz fur die hand nam und sy vom rot gethon wurden). Wiewol aber sollichs dem uszschutz schwer wasz und die gemeint fast ermantden, sy solten nit also ruch faren, dan ein vot zu endsetzen wer nit schimpflich, möcht innen ouch zu grosem nochteil reichen, aber es halff nüt me, sunder es must des hindurch, dan es wasz götlich und hatten ursach gnug uff dise, wüsten ouch wol, diewil dise im rot werren, das die ge- meint nimermer zu frid und einigkeit kumen möchten, dan sy den pfaffen zu fast verwand und anhengig woren. Also zoch der uszschutz hin uff das richthusz und bleip die gemeint by einander uff etlichen zunfften und am Kornmerckt, der ant- wurt zu wartten. Also kam der uszschutz fur min herren, zeigten innen sol- lich beger an von wegen der gantzen gemeint, des min herren nit wol zufriden woren, dan es mag ieder wol dencken, wie sich mencher rumpfen möcht, das er wichen must; es wasz ouch miner herren meinug, zu wissen usz wasz ursach sy nit dugenlich werren do zu sitzen, butten innen und der ganzen gemeint recht; uff das der uszschutz innen antwurt gab: das wer innen von der gemeint empfollen, usz wasz ursach wolten sy innen gern anzeigen, eim ieden noch sim vermögen, so er nit kn bieräh wolt; das ander wolten sy innen zu recht werden und butten innen ouch recht von wegen der ganzen gemeint son Zürich, Bern oder Strosburg, doch uff irem selbsz kosten 1. Am Rande von der Hand des Peter Ryff: »Papistische rätht werden abgesetzt und uszgefordert«. »Nammen der uszgevorderten vom rhat«. »Edellütten stuben noch im rahte. 5. »hatten« fehltinder Hs. »anhang« mit späterer Tinte überzogen. satz gegen die Zünfte das Patriciat, die hohe Stube. Ohne dass ich mich hier auf verfassungsgeschichtliche Frörterungen einlassen kann, sei nur ge- sagt, dass die »Stube zum Seufzen« im 17. Jahrhundert endigte. S. Heus- ler 122. 253. 1) Genannt »Silberberg«. Wurstisen, Ochs. 2) Ueber den Namen dieses Mannes vgl. Ochs v. 639. Anm. 1. 3) Die Erkannt- nis vom 9. Februar, durch “welche die oben Genannten vom Rathe aus- geschlossen wurden (. unten 8. 85 u: findet sich Erkanntnisbuch IV. 53 und Decreta et mandata 1521 — 1601, 35bf,, abgedruckt (in modernisirter Sprache) bei Ochs V. 646 f. 6* 84 1529. und seckel, dan das ietz ein mol ir beger werre, des rotz stil zu ston, doch an iren erren ungeschend oder geschmecht, es möcht sich ieder der mosen bekeren mit sim wesen und wan- del, das er zu disen erren wyder kumen [iso] möcht und villicht zu höcheren erren brucht werden, dan er vor gewesen wer. Do sy nu sollichs vernumen, das esz nit anders sin mocht, tratten dise usz, wie vor bestimpt sind, und hiesz man den uszschutz wartten der antwurt. Also warttetten sy uff dem ıichthusz von frug zu sibnen bisz das esz fünffe schlug zu nacht, das weder der rot noch uszschutz weder gesen noch truncken hatten, konden im rot nit finden, wie sy der sach thun welten, das nu die gemeint fast vertrosz und verwun- dertten; ein teil meintden, sy wolten zamen im harnist, die an- dren wolten uff das richthusz und innen die sach helffen usz- ratten. Disz kam für den uszschutz: die schickten botschafft zur gemeint, sy solten rüwig sin, die sach stund wol; also bleip man zufriden bisz nacht um die stund, wie obstat, stund der rot uff und kam der uszschutz ab dem richthusz. Do lieff die gemeint zamen, komen also zum uszschutz zum Saffren und begertten der antwurt, aber der uszschutz wasz so macht- losz hungers halb, dan sy den gantzen tag noch nüt gesen het- ten, das sy nit vil antwurt geben mochten, batten die gemeint, das sy heimkartten und zu guttem friden werren bisz morndes um die sibne vor mittag, wurt man in die antwurt geben on verzug und die in geschrifft stellen, dan es zu vil wer innen im kopf zu behalten, dan innen der tag zu kurz wer worden, dan der handel nit klein wer, aber sy versechen sich einner gutten antwurt, domit sy wurden vernugig sin, und solten dise nacht noch also wartten. Do das die gemeint höret, woren sy nit wol zufriden, dasz den ganzen tag nit mer gehandlet solt sın worden, meinttden es gieng nit recht zu, woren fast un- rüwig, [161] giengen zusamen und rotschlugen, wie sy der sach thun wolten, dan sy wol sechen, das ein butz!) dohinden stackt, das der uszschutz innen villicht nit gern offenbaren wolt, und ie lenger sich, die sach verzug, ie lenger es böser wurt, dan es lag innen hart, das in der uszschutz ouch hat fürgeschlagen in dem einnen artickel von wegen der gemeint, das kein mei- ster noch sechser in der zunfft solt erwelt werden anders dan mit der ganzen gemeint?), und derglichen artickel me?) des 17. Hs. blieip. 1) Wurstisen 570 hat dieselben Worte. 2) Davon hat Ryff oben noch nicht geredet, obschon es dahin gehört hätte. Vgl. Wurstisen 569. Ochs 641. Sechser: ursprünglich sechs Männer aus jeder Zunft, »welche den Rath des Meisters bildeten bei Verfügungen über Zunftangelegenheiten«. Heusler 8. 125. Vgl. daselbst über das Institut, aus dem sich der grosse Rath entwickelt hat, S. 376 ff. 382. 386. Ueber die vorher geübte Art der Wahl von Meistern und Sechsern s. Heusler 429. Ochs V. 350. 3) 8, gleich unten 8. 85 f. diese »derglichen artickel me«, PERS un cs 0 35 er 1529. 85 gotzwortz halb. Nu im solchen rotschlachen wurden die burger von allen zünfften eins, das sy die sach wolten helffen usz- . machen und wolten nit keärten bısz morndes, das sy wol sechen, wasz pratick vorhanden weren, deren sy nit wartten wolten, und ermanten einander, das ieder solt heim gon, sinnen har nist anlegen und sin gewer nemen, und so wolten sy zusamen kumen uff dem Kornmerckt und do der sach eins werden. 10 1 2 3 4 d 0 St S S Also ın der stund, alsz der uszschutz noch asz, das wasz um die sechste stund noch mitag, komen die burger zusamen in irem harnist uff dem Kornmerckt by acht hundert!) starck wol gerust, nomen also al gasen in und das geschutz, so under dem richthusz wasz uff’ dem Kornmerckt, und wurden ouch alle thor versechen, desglich das geschutz im Werckhoff; in suma: es wasz alsz wol versechen und gerust, des man nit kleinnen schrecken nam und vorab die oberkeit und der uszschutz, dan sy sich des nit versechen het. Also wart illens der rot zusa- men versamlat und hielt man streng rot, dan do wasz aller schimpf usz; es kam ouch der uszschutz, ermanten die burger zu friden und das sy nieman schedigetten, dan sy innen nüt versumen wölten, sunder selb der sach oblygen, und solten der [162] antwurt wartten bisz an morgen, wie sy dan vor mit in abgered hetten, dan sollichs hetten sy innen nit zugeseit; aber do wasz kein bitten oder abmanen me, das hulff, sunder. wol- ten kein verzug me haben, allein die u must diser nacht geben werden den begertten die zu iren handen usz dem rot, so dan vor anzeigt sind. Also verzoch 'es sich bisz in die nacht um (die nünde stund, kam der uszschutz ab dem richthusz und brocht die antwurt, das alle die, wie vorstot, des ratz wurden hinfür stilston und der andren articklen halb ouch noch irem gefallen wer der pol- licy halb und predicanten halb; aber die gemeint wasz des noch nit ersettiget, vermeindten, man wolt sy domit von einander dettigen, wolten ein andren abscheyd haben. Also bat der usz- schutz, sy solten die nacht zufriden sin, dan es nu ab der tag- zit wer und iederman der ruw begertt, dan sy nu müd und hellig werren, wüsten uff disz nacht nit wyder zu handlen. Also ertten sy den uszschutz und wolten uff disz nacht zufri- den sin bisz an morgen, doch wolten sy by einander blipen, und theilden sich uff der garttner husz, zum Saflren und uff der winlüt husz und uff der Rinbruck. Aber in der nacht weisz ich nit, wasz etlich der rötten bedunckt, sy kamen hinweg, namlich fur jungker Heinrich Meltinger und jungker Egly Offenburger?) in eim weydling uff dem Rin hinweg. Es wur- den die lüchten an allen gasen anzünd und die nacht von bur- i) 1200 Wurstisen. 2) Kessler V. 183 nennt noch: »Andres Bischoff und Hans Oberriet«, welche beide nach Ochs V. 661 ihr Bürger- recht aufgaben. 6 1529. geren grose wacht gehalten. Alsz nu die nacht vergangen wasz 9. Febr. am zinstag frug hielt man wyder streng rot um der pollitzy halb, dan dasselb wolt nit [1ss| von stat, dan nu der grost ar- tickel wasz, das die gemeint begert, das nu hinfür kein klein- ner rat on den grosen erwelt solt werden, desglich kein sechser noch meister in den zunfften erwelt solt werden on gemeiner zunfftbruder, und das mit merer hand beschech, dan vor durch rotzher und meister und sechser der frundschafft zu vil inge- würtzlet wasz, das sy do handleten, wasz sy wolten, domit der pfaffen anhang im rot zu grosz wart und das gotzwort sin für- gang nit haben mocht. Alsz nu der rat gesupert wasz, sosen die ubrügen am zinstag so lang ob disem artickel, bisz es sich verzoch noch mittag, wurden die burger vertrusig des langen verzugs, stun- den für und für in irem harnist am Kornmerckt; also wurden ir etlich zu rot, das sy wolten umgon zu besechen, ob sich ienen etwasz erheben wolt, und also zugen ir by fierzigen mit einander uff Burg!) um die pfaffenhöff?), also zum letsten zu- gen sy insz munster, giengen dorin zu spatzieren; indem er- öffnet einner ein dafflen mit sinnem gewer, das sy uberab fiel 20 und zerbrach, giengen also hinweg. Indem begegnetten in by zweyhundert ab dem Kornmerckt, kamen am Sprung?) zusa- men, wurden zu rot, wasz sy thun wolten, der rot wolt sich zu lang verziechen; gab einner den rot, sy wolten wyder in das munster und die götzen zerschlachen und lugen, ob sy die sach möchten uszmachen. Dem folgten sy alle noch, zugen mit einander wyder in das munster. Wie man in dem alle thuren an der kilchen beschlossen hat, do die pfaffen sachen, das ein dafflen zerbrochen wasz, zerstiesen sy die thüren zu stücken, fiengen an zerschlachen alles wasz do wasz!) kein schonnen: 0 wer basz mocht, der [161] thet dest me, zerheuwen alle gemelt, dafflen, götzen, steinnen und holtzen, wart alles zerschlagen zu kleinnen stucken, alle ziertten, das innen werden mocht, must zerschlagen sin, on allein wasz von golt, silber und an- dren kleinatter wasz, das wart ungeschediget und wol behalten, 35 dan keinner begert etwasz zu nemen, allein zerschlachen, es or pe 0 fi b) [55] h) f) Burg = castrum: der Platz, auf dem das Münster steht. Fechter 4. »Am zinstag umb die zway nach mittag stünd die gmaind nach uff dem platz und sprach ainer zu dem anderen: was wellen wir thün, uns fruret all. Do sprach ainer: wir wellend in das munster und die götzen zerschla- chen, bisz wir erwarmend« Kessler V. 184. 2) Pfaffenhöfe, wohl das- selbe wie Klosterhöfe, d. i. der Platz, wo die Domherrnwohnungen standen. Fechter 6. 3) »am Sprung« oder »an den Schwellen« der s. g. Spital- sprung (neuerdings in »Münsterberg« umgetauft); s. Fechter 5. Ochs S. 649 und Herzog Il. S. 140 reden von 300 Mann nach Wurstisen. »Ein güte anzal« sagt Bullinger II. 43. 4) Entweder hat der Chronist ein zweites: »do wasz« zu setzen vergessen oder das einmal gesetzte ist «ro xoıvoö gebraucht. Vgl. Beiträge IX. 39 Anm. 2. 57 Anm. 1. or 1529. 87 dorfft sich ouch keiner des annemen, das er in weren welt!). Sollichs kam für den rot, die schickten etlich herren hinuff, sollichs abzustellen, aber es wasz kein abstellen do, sunder zugen usz dem munster sant Urich, sant Alban und sant Petter und usz einner kilchen und klöster in das ander, bisz sy die götzen all zerschlugen in allen kilchen hiedisent?), wıewol . der uszschutz sy ouch trüwlich bat und ermant von sollichem 1 or 20 2 or u = 3% Sr 40 abzuston ; aber es halff nüt, sunder furen irem fürnemen noch: do wasz kein götz noch dafflen sicher, es must hindurch. Also handletten mine herren für und für in der sach und warttet der uszschutz noch uff die antwurt. Das verzoch sich nu bisz um die fierte stund noch mitag, kamen die burger wyder an den Kornmerckt, wurden zu rot, sy wolten uber Rin und in- nen die götzen ouch hinweg thun. Do das die uber Rin innen wurden, schickten sy für den uszschutz, sy von sollichem zu wenden, dan sisz morndes alles selb hinweg wolten thun on allen verzug, dan sy sich des nit wolten wydren; das nu der uszschutz thet, bat also die gemeint, sy solten nit uber Rin gon, dan sisz selb hinweg wolten thun. Also erret die gemein den uszschutz an disem ort und liesen sy zufriden, aber fast unrüwig woren die burger, das man so lang ob der antwurt sasz, die innen solt geben werden. Es wasz under etlichen die red: so sy die gotzen all zerschlagen hetten, wolten sy die ant- wurt selb uff dem richthusz hollen, domit sy ein mol zum 165] end kemen. Solliche red kam für min herren, die nit klein erschrecken nomen, dan sy wol mochten dencken, so sy uff das richthusz kumen werren: in sollichem brunst, wie esz gangen wer, dan das volck gar erdobet wasz. So wasz in der handel in der mosz, das sy ouch nit dorvon illen kontten, bat- ten ouch also den uszschutz, sy von sollichem abzuwenden. Der uszschutz wasz angstlich in der sach, dan es wolt sy ouch schier gar vertrusig machen, berüfften die gemeint am Kornmerckt zusamen und batten sy, das sy von sollichem für- nemen abstunden und sy doran erretten, domit ir müg und arbeit nit vergebens wer: die sach stund uff gutter ban, sy hofften in einner stund wurt in die antwurt geben, das es alsz zu guttem brocht wurt. Also wart die sach aber gestillet, also in derselben stund wart die antwurt im rot beschlosen mit dem uszschutz und geben und stund der rot uff. Also kam der usz- schutz, berufft die gemeint zamen und seit in, wasz in für ein 1) Vgl. L.A. Burckhardt S. 288. 289 über den Kirchenschatz, wel- cher 1529 stehen geblieben und lange ein Streitgegenstand zwischen der Stadt und dem Domkapitel war. 2) »Hiedisent«, hier diesseits des Rhei- nes, in Grossbasel. Noch jetzt wird diesseits und jenseits in einzelnen Aus- drücken gleichbedeutend gebraucht mit: In der grossen (mehreren) und in der kleinen (minderen) Stadt. Ryff braucht im Gegensatz zu »hiedisent«: »uberin.«. Ä i; 88 1529. antwurt worden wasz und wasz gehandlet wasz, das stund nu in gschrifft polliziert und georttnet, wie al ding hinfür solt ge- halten werden. Das stot nu in der polliey, die dan uffal zunfft geben wart, wie man hernoch hören wurt!). Hiemit wart die gemeint zu guttem friden und ruwen, zoch iederman wyder heim, doch wart für und für gutte hud und wacht versechen und verorttnet durch die burger under den dorren und in der stat tag und nacht. Also wart man die nacht zufriden. Wie zu Basel die götzen und älter verbrent und abbrochen wurden. 10. Febr. Uff die eschmitwuchen der zechend tag hornug, datum wie vorstat, wart erkent, das man das götzenwerck, alsz [166] dafflen, bilder und wasz von holtzwerck ın den kilchen wasz, solt zer- houwen und armen Jlutten usztheillen, die kein holtz hetten, das sy domit fürren solten. Also theilten sy das an theil ortten unfrintlich und schlugen einander dorum. Do das min herren sachen, butten sy, das man nüt me uszgeb, sunder alsz ver- brant. Also wurden uff allen kilchhoffen lütt verortnet, die sollichs alsz, verbrantten. Do wart uff disen tag manch grosz fasnachtfür gesechen, uff dem Munsterblatz wurden by zwelff für gemacht?) und alsz verbrent, desglichen uff allen kilchhöf- fen; wasz von steinwerch wasz und eltren wurden al abbrochen und zerschlagen, die kilchen al gewisget. Es wart ouch in aller miner herren empter und gebietten kund thon, das man ouch also thet und hielt, wıe in der stat, und wurden al kan- zel mit gutten predicanten versechen; wie es alsz verorttnet wart, find man in der pollicy und reformatz oder ortnug vom rot erkant. Also wart uff disen tag manche kostliche dafflen und gemelt und biltwerck verbrent, das mit grosem gelt ge- 5 macht wasz worden, aber es wasz do nüt zu hübsch, es must alsz insz für. Do hat die abgötdry zu Basel und allem gebiet und emptren ein end genumen in den kilchen, nit weisz ich, wie ın allen hertzen 3). 1) 8. unt. 8. 92 f. .Ich habe geglaubt, die »Pollicy« nicht von der Stelle verrücken zu sollen, die sie in Ryff’s Hs. einnimmt, um sie etwa hier einzu- schieben. Alles dazwischen Stehende schliesst sich an die Bewegung von 1529 an und zerreisst den Zusammenhang keineswegs. Es ist ein Irrthum von Ryfl, wenn er sagt, und anders lassen sich doch seine Worte nicht auffassen, die unten von ihm mitgetheilte Polizei (vom 18. Febr.) sei mit den Zugeständnissen vom 9. Febr. identisch; s. u. 2) Bullinger, der dies Ereigniss irrthümlich II. 44 auf den 12. Febr. setzt, spricht von »nün huflen götzen«, die man auf dem Münsterplatz gemacht habe. Kessler V: 184: »machtend uff dem munsterplatz acht fur und in der kirchen im chor ains und uff dem kirchhofl zu sant Peter zway und in allen kilchen zway fur etc.« 3) »Nur wenige steinerne Bilder in Gross-Basel blieben verschont. So das Marienbild am Spalenthor, vor dem noch heut zu Tage der katho- lische Sundgauer betet« etc. Hagenbach 127. or © = or 10 20 m ot 30 1529. 89 In disem handel wichen die falschen predicanten und vil der pfaffen usz der stat hinweg, vil thumherren und caplonen, desglich vil burger, ouch die nochin gar mit irer hab hinweg zugen, einer gon Friburg, der ander gon Ensen, verluren vil burger. Doch lag ouch nit vil doran, woren alsz, die den pfaf- fen anhengig woren und in verfrund, desglich die, so ein theil ‚vom rot kumen woren, goben ir burgrecht uft!). Iı67] Wie der rot wyder besetzt wart an derren stal, so dorusz kumen woren. Uff donstag der elfft tag hornug wart uff allen zünfften ı1.vehr. ein bot gehalten und der rot wyder besetzt uff ieder zunfft mit rotzher und meister und sechser an derren stat, so usz dem rot kumen woren, wie mans dan haltett sant Johans tag, noch lut der pollicy, die dan hienoch bestimpt wurt?). Morndes am fri- 12.renr. tag hielt man grosen rot und schwur man uff allen zunfften dem rot, und wart zu allen parthigen alle ding verzigen, es wart ouch dennen alles verzigen, die sich in disem handel von der stat thon hatten, so ver welcher nit wyder ein stat Basel gehandlet het, das dan das mallifiz berurt; susz solt keinner dem andren der sachen halb gedencken oder in argem uffne- men. Also wart do für und für cristlich und wol gehandlet, dan uff diszmol ein ersamer cristlicher rot gesetzt wart. Uff suntag der alten fasnacht der fierzechend tag hornug 1.Febr. prediget der alt wichbischoff?) im munster, wart das erstmol s dutsch psalmen dorin gesungen. Uff disen tag erhub sich ein unwil über Rin, dan alsz sy die gotzen abbrochen, hatten sisz zamen behalten, in meinig, die zu nochgendiger zit wyder uff zu richten; das wart nu die gemeint innen, des sy nit wol zufryden wasz, giengen etlich burger hiedisent?) hinüber zu be- sechen, das sy nu fast vertrosz und satzten die uber Rin an dise, und wart ein groser zwytracht?) , zugten über einander, wart ein frempter gsel®) fast übel gehouwen von dennen über Rin, indem dieselbigen wichen musten, komen also uff dem Rin 7. burrecht Hs. 1) S. eine unvollständige Aufzählung der Ausgewanderten bei Ochs V. 661 ff., nach Wurstisen 574; s. auch Herzog 11. 149. Hagenbach 128. Bekanntlich zog ausser Glarean und Ludwig Ber auch Erasmus damals fort. 8. auch Vischer: Gesch. d. Univers. Basel 8. 261. 2) Der Sinn ist: die erledigten Rathsstellen wurden besetzt, wie es sonst an St. Johannes des Täufers Tag geschieht, und zwar in der Weise, wie die »pollicy« es vor- schreibt. »Sant Johans tag« ist Accusativ der Zeitbestimmung; vgl. Bei- träge IX. 99 Anm. 2. S. übrigens zu dieser Angabe von Ryff die Bemer- kungen von Ochs V. 667 f. 682. Eine Beschreibung der Feierlichkeiten, die ın älterer Zeit mit der jährlichen Rathswahl verbunden waren, s. bei Fechter: Basel im 14.*Jahrhundert S. 22. Ueber die Rathswahl, wie sie von 1521—1529 geschah, s. Heusler 428. 3) Telamonius Limpurger. 4) D. h. etliche Bürger aus Grossbasel. 5) Ochs V. 669 fl. 6) Ein Gold- schmidsgeselle. Wurstisen. 18. Febr. 7. März, ' > 1529. hinweg. Do butten min herren, das sy die götzen denselben tag musten zerhouwen und morndes ouch verbrent wurden. Also dorfften sy sich nit me losen mercken in unwillen, und satzt man in ouch ein gutten predicanten hinuber zu sant Joder, wart dornoch gutter frid und einigkeit. Iıss| Von eim grosen rat, so gehalten wart derren halb, so sich von der stat Basel thon hatten. Uff donstag post invocavit der achtzechend tag del anno 1529 wart ein groser rot gehalten und sich underred, wie man sich halten solt derren halb, so sich von der stat thon hatten, ob man in wib und kind wolt nochschicken oder in die huser beschliesen oder ob man innen noch ein mol schri- ben wolt; wart das mer erkant, das man in noch ein mol schri- ben solt, also das innen alle ding verzigen wer, so wit und einner nit gehandlet het, das das malifiz antreff, wie dan bestimpt ist, möchten sy sich wyder harin thun und das ir verhandlen oder das burgrecht uffgen!). Wen die münch und klosterfrowen usz den klostren kumen sind. Uff mitfasten, so man nempt letare, anno wie obstat, wart erkant von minen herren, das alle munchen und klosterfrowen mochten usz den klöstren gon, das gotzwort zu hörren. und under ander lütten handlen und gon, war sy wolten, und die ordenskleydung abthun in der stat und in iren gebietten, be- kleydten sy mine herren usz der klöster gut in erbre weltliche kleydung, doch möchten sy nüt dest minder in ire kloster usz und ingon, bisz uff wytter bescheyd, es wer dan sach, das einne manet oder einner wibet, dennen wart ouch ir zimliche narung geben. Es wart ouch allen pfaffen erloubt, ewiber zu nemen, und in botten, in monatz frist ire metzen oder kellerin hinweg zu thun by verlierung irer pfrunden, und musten alle geistliche personnen, munch und pfaffen, den burgereyd schwerren oder usz der stat sich hinweg thun. Do zugen aber fil hinweg, pfaf- fen und munchen, die ire örden nit ab wolten thun und ouch nit schwerren ; welche aber schwuren, die liesz man [160] by iren pfrunden blipen, doch musten sy alle tag zwuren zu der pre- dig oder in die letzge gon, wie dan hienoch in der ortnug stat; aber etlich wolten das nit thun, furen e hinweg, der obrist in der Cardusz?), desglich zu den Predigeren ?) furen ouch hin- weg. Es wurden ouch funff predigermunch gefangen 'gleyd, 1) S. Ochs V. 665. 2) Hieron. Zscheckenbürlin, s. Einleitung ZU den Karthäuser- Chroniken. 3) Der Prior Merz, der sich in’s Kloster ZUPIBRU TE begab, und der Subprior Kaltberger, der nach Ensisheim uhr [eb ii [3 3 PS] h) N) 0 39 1529. 9 dye dan heimlich das kloster wolten gerumpt han!), kamen dornoch ouch von der stat, und verschlusen mine herren alle kleinotter und ziertten von silber und golt in allen klostren und kilchen. 5 Vom burgrecht, so mit dennen von Zürich und Bern gemacht wart. Uf donstag post reminiscere der 25. tag hornug wurden 25.Fehr. fyer von minen herren vom rat gon Zürich und Bern geschickt, mit innen das burgrecht anzunemen?) von wegen der stat und ı ganzen gemeint, wart innen geschworen und sy unsz ouch. Got geb unsz glück in disem burgrecht! Wart ouch Costanz und Mulhusen begriffen und myt einander vereind, und sollich burgrecht sol alle funff jor ein mol ernüwert werden. 19] Wie die eristenlichen burgrecht und bündnusz uffgericht würden mit etlichen stetten und herschafften gegen einander des ewangelium und gotzwort halb). 1: wr Zu wissen, nochdem und das götlich wort und heillig ewan- gelium by unsz hie zu Basel eroffnet, geortnet und von aller menglich angenummen wart und cristlich und wol geortnet und reformiert wart, mit der hilff got des almechtigen zu: erhalten fürgenummen hatten und dem zu geleben, hand vil fürsten und herren, stet und land sollich cristlich fürnemen angesechen und dasselbig anzunemen innen ouch gefellig gewesen ist, nam- lich in sollich cristlich bundnusz und burgrecht zu kumen mit unsz und andren, so sollich cristlich gemüdt, hertzen und leben hetten, namlich in ansechen des cristlichen spiegelsz derren von Zürich und Bern, komen ouch mit unsz derren von Basel ın ein eristlich burgrecht die ersamen und wisen von Strosburg mit sollichem geding: wo in not angieng mit notzwang frem- der fursten, herren und stetten, die sy von dem wort gotz wol- ten tringen oder susz nottygen, innen mit herresz krafft truw- 2 je 152 [213 3 = 1) Vgl. L/A. Burckhardt und Chr. Riggenbach: Die Domini- kaner-Klosterkirche zu Basel (Mittheilungen der Gesellschaft für vaterlän- dische Alterthümer in Basel VD. 2) Bericht der Gesandten bei Vischer a. a. O. 8. 312 vom 13. Febr. 1529. Wurstisen 574; s. Ochs V. 675; bei Bullinger 11. 8. II. 68. Kessler V. 226. 234. Salat 337. Hot- tinger II. 219. Die Datirung ist nicht bei allen übereinstimmend, weil der Tag der Ausfertigung und Ratification der Urkunden von Seiten der ver- schiedenen Parteien auch verschieden war. 3) Ich versetze dies Stück : » Wie die — ewangellium worren« von seiner ursprünglichen Stelle (8. 179 —180), da es in den Zusammenhang dieser hier vorliegenden gehört. Das hier Mitgetheilte ist von dem bei Bullinger Il. 63 gegebenen Aktenstück, d. d. 3. März 1529 verschieden. — Offenbar liegt bei Ryff kein urkund- liches Aktenstück vor, sondern seine eigne Erzählung verfällt im Anfang dieser Mittheilung sehr emphatisch in Urkundenform. 92 1529. lich zuzuziechen, wir von Basel mitsampt Zürich und Bern; wo aber iedes ort sollich not begeb, das dan innen die von Strosburg behilfflich sollen sin mit irem gelt, namlich drütusent gulden ; doch wie und wen sollich burgrecht mit innen gemacht ist, findt man hienoch bestimpt, desglich ouch ein herzog von Sachsen, nam ouch ein sollich bündnusz und burgrecht an mit disen ortten, im be- [iso] hilfflich zu sin in sollicher mosz, alsz wir und alle burgerstet wolten, das in von im beschech. Esz woren ouch in sollichem burgrecht die von Costanz, Biell, Schaffhusen und Müllhusen mitsampt andren stetten und land- schafften, wie dan hienoch bestimpt und gehört wurt. Die von Zürich undernomen sich ouch der Frigen Empter mitsampt dennen von Bern, verhiesen in behilfflich zu sin und sy handhaben by dem wort gotz, ir schutz und schirm zu sin, namlich Bremgart, Zoffingen, Lentzberg, Capellen, Mellingen, : Bruck !) und ander flecken, doran dan ouch die funff ort oder lender ouch theil hatten, namlich Ury, Schwitz, Underwalden, Zug und Lutzern, die dann uff disz zitt gantz hefftig wyder das wort gotz des ewangellium worren. 1169| Zlienoch volgt die polliey, so von minen herren gemacht und erkent ist worden, wie nu hinfür der rot beselzt sol werden, antreffen die antwurt, so der gemeint noch langem verzug geben wart, und ist die erwellung der heüpter und besatzung eins rolz erlangen ?). 14. »sin« fehlt Hs. 19. Hier bricht das Aktenstück auf der Hälfte der Seite ab. Es folgen zwei leere Blätter, auf denen offenbar später eingetragen werden sollte, was Ryff uns »hienoche«e hören lassen wollte. S. oben den Text Zeile 11, 1) Zofingen, Lentzberg (d. i. Lenzburg) und Bruck (Brugg), sämmtlich in dem ehemals Bernerischen Theile des Aargaus, sind ganz irrthümlich hier mit Bremgarten und Mellingen zusammengestellt, die von Zürich, den fünf katholischen Orten und Glarus beherrscht wurden, und mit dem von Zürich 1527 säcularisierten Kloster Cappel. 2) Diese »Pollizei« ist im Auszuge wie- dergegeben bei Wurstisen 572, ausführlich bei Ochs V. 678 ff., nach ihrem wesentlichen Inhalte bei Heusler 8.444. Sie befindet sich im Basler Staats- Archiv St. 3 (Kleiner Rath), Heft in Fol. in Pergamentumschlag, über- schrieben: Raths-Ordnung A° 1521 und 1529. Dieses Exemplar ist im Fol- genden dem Druck zu Grunde gelegt und Varianten Ryffs, von den unbe- deutendsten abgesehen, sind angegeben. Vielleicht lag auch hier (vgl. o. 76 ff.) Ryff das Exemplar einer der Zünfte vor. In dem Exemplar des Staats- Archivs sind später einige durch die Farbe der Tinte leicht als nicht gleich- zeitig mit dem Niederschreiben des Ganzen erkenntliche Aenderungen an- gebracht. Die ausgestrichenen Stellen sind gesperrt gedruckt, die Aende- rungen und Zusätze unter dem Texte bemerkt. Die Pollizei weicht bedeu- tend von den Zugeständnissen des 9. Febr. ab, wie Ochs und Heusler ausführen und im Einzelnen noch bemerkt werden soll. Ueber jene Ver- fassungs-Aenderung vom 9. Febr. selbst haben wir keine officiellen Berichte (s. Heusler 443). Besonders beachtenswerth ist der Brief Oecolampad’s an Capito vom 13. Febr., gedruckt in Sculteti Annal. decas II. 185, Gerdesii Hist. Ref. Il. App. 139, im Auszuge bei Ochs 653. Vgl. Ochs 654 £. Ryff 86, Afi, a or 10 15 20 25 DS ” 40 1529. 95 Die erwölung der houptern und besatzung eins rats belangen. Wiewol es onwidersprechlichen ein warheit, das ein lob- liche statt Basel zu erhaltung der oberkeit und burgerlichen wesens mit vernunftigen statuten und ordnungen, hochwyszlich mit ernstlicher vorbetrachtung angnomen, dörmasen harkomen, das es wol |170] billicher dann billich zU verwundern, so jemand vorhanden sin, der angeregte pollicy mit vernunftigern ordnun- gen understünd zu verbessern , ja es were mit beschwerlichem mit zu hören, das unsere Vrehen‘ die ein statt Basel mit wyszheit und vernunft und darumb mit güten satzungen, also geziert, das durch ir getruw rät vil andere diser zit hochgeachte stett und regyment von cleinem ansehen in hohe eer erwachsen, erst ietzt als unvernunftig gescholten, ir loblich harkomen zü- ruckh geworfen und mit nuwen satzungen ir hoch wyszheit vercleint werden sölli, deszhalben niemanden zü ungütem angno- men, der glich by angeregten ordnungen ze pliben, fur güt an- sehen möcht, iedoch diewil es us angeporner durftigkeit mensch- licher eeschlecht leider dahin komen, das vil und vil ding, so anfangs erbarer meynung angesehen , etliche zyt güt und Smeinem nutz gwesen, also miszbrucht, das durch vermischte untruw nit wenig nachteils gmeinlich den houptern und gli- dern, das ist der oberkeit und den undertonen davon entstan- den und, so es nit wider gebessert, furer entspringen möcht, so haben unser hern die verordnoten usz treffenlichen sy darzü bewegenden ursachen, vorab gott dem allmechtigen zü lob und eer, gmeiner burgerschaft zü statt und land Basel zü nutz, gmeinem regement zü uffenthalt und merung, ouch umb pflan- zung eins erbarn fromen cristenlichen [ırı] wesens, wie sy durch nechst geschwornen eydt gwisen und zü thünd pflichtig sind, die ding so zu uffnung der eer gots und anleitung eins brüder- . lichen, burgerlichen, cristenlichen wesens dienlich, fur ougen Snomen und nun me zü erhaltung güter pollicy fur güt, wie harnach folgt, beratschlagt. Erstlich, diewil durch die oberkeit als ein dienerin gottes » züvorderst das gottlich wort richlich gepflanzet alles gütz er- halten, wittwen und weisen beschirmt und das bösz ubel ge- straft werden soll, und aber die dıener der oberkeit zü sollichem ampt mit der chur und wal berüft, so will hoch von noten sin, solliche erkiesung mit so vernunftigen fügen anzerichten, damit in deren nit gunst, fynd- noch fruntschaft mitlouf, sunder al- Statt Zeile 1 hat Hs. die vorhergehende Veberschrift. 2. on wydersprechen Hs. 10. dorum Hs. 12. »in« fehlt in der Hs. houch Hs. »eer« fehlt in der Hs. 13. vernünfftig Hs. 15. solte Hs. deshalb es Hs. angenumen Hs. 16. ange- reckten Hs. zu bliben Hs. 17. von angenumener Hs. 18. mönschlicher Hs. seschlechtz St. kumen Hs, 19. etlicher Hs. 20. Statt »gwesen« hat Hs. »für- stendig gsin«. uszprücht Hs. vermiste Hs. 21. gewonlich Hs. heüptren Hs. 24. sy billich Hs. 30. erren Hs. 31. dienstlich Hs. 33. »beratschlagt« ausge- strichen und durch »angesechen« ersetzt im St. >34. dienneren Hs, 35. erlich Hs. geplanzet St. 40, fründ- noch findschafft Hs, 94 1529. lein die eer gottes und gmeiner nutz betrachtet, personen, dem gottlichen wort anhengig und gmeinem nutz furstendig, in sol- liche regierung berüft und erkosen werden sollen, dem also stattzethünd habend die verordnoten fur güt angesehen, das hinfuro beide houpter der statt Basel, namblich ein nuwer bur- germeister und ein nuwer zunftmeister!) furohin zü ewigen ziten durch beide, nuw und alt rät sampt den sechsen, so mit der mas nacher bestimpt, jerlichen von gmeinen [ı2] burgern darzü erwölt, iedes jars erkosen werden sollen, dergestalt das ein yeder meister am obend, als man morndes die houpter und ratzhern ze kiesen pfligt, alle sine zunftbrüder sampt ratzhern, mei- ster und sechsen by dem eyd züsamen berüffen und inen anzeigen solli: demnach uff morndrigen tag ein nuwer rat und nuwe houpter erwolt werden sollen, sig unserer hern erkantnus, das ein jede zunft zü derselbigen chur vier irer sechsen, so ein eeren rat und die houpter helfen kiesen mit ratzhern, mei- stern und sechsen und gmeinen zunftbrüdern erwolen sollen, und diewil sy dann by einandern versamlet, sollichs zü er- statten, werde man vier von den sechsen verordnen mit geding, das die, so also verordnot, uff morndrigen tag by unsern hern den raten erschinen und die chur lut des kiesereyds truwlich sollen helfen erstatten. Es sollend ouch die meistere der dryen gesellschaften jhen- sit Rins?) uff disen tag, glich wie die zunft, ire gmeinden ver- samlen, und von yeder gesellschaft zwen meistere zü berürter chur verordnen, und welche vorgeluterter wysz in den zunften oder den dryen gesellschaften zu angeregter wal verordnot, denen sollend die meistere morndes, wann man das ander lutet, uff dem richthus zu erschinen und vermelten dingen, die chur belangen, statt zu thun gepieten. 13] So man nun uff dem tag der chur im grosen sal uff dem richthus züsamen kompt, sollen sich beide, nuw und alt rät sampt den sechsen in den zunften und meistern in den dryen 1. gemeinen Hs. 3. »regierung« Hs. Im St. steht »reigierung«. 4. »die verordno- ten« ausgestrichen und durch unser herren« ersetzt St. 5. höupter Hs. 6. ober- ster zunftm Hs. 7. burgern und zunfftbrüderen Hs. 8. jor Hs. 10—13. »morn- des — uff morndrigen«; die ; ganze Stelle fehlt in der Hs. Ryff’s, der beim Copiren vermuth- lich gleich auf das zweite »morndrig« übergesprungen ist. 13. morndrigs tags Hs. statt u.m.t. 14. höupter Hs. erwelt Hs. syHs. unser Hs. 17. sechseren Hs. erwellen Hs. 18. sydenHs. einander Hs. erstetten Hs. 19. »inen« eingefügt vor »den sechsen« im St. von der späteren Hand. 21. rötten. trüwilch Hs. 22. »sollen« fehlt inder Hs. 23. meister Hs. drygen Hs. 24. Nach zunft »dy se.ch s« eingeschaltet im St. von der späteren Hand. 27. »den« fehltin der Hs. drygen Hs. angereckter Hs. verordnet Hs. 28. söllen Hs. mordrigs Hs. lüttet Hs. 30. gebietten Hs. 31.nuHs. 33. drygen Hs. 1) Da es selbstverständlich unmöglich ist, die Verfassungsgeschichte Basels auch nur in ihren Grundzügen diesem "Commentar einzuverleiben, muss ich einfach auf Heusler’s vortreffliches Werk verweisen. So für den Oberstzunftmeister und die Stellung, die er unmittelbar vor 1529 einnahm, besonders auf 8. 377 ff. 381.428 ff. 2) Ueber das erste Auftreten der drei Gesellschaften von Kleinbasel (»jhensit Rins«) zur Hären, zum Greifen und das Rebhaus s. Heusler 361. [2,1 10 25 30 1529. 95 geselschaften vorbestimpt zü sölicher wal erkosen gütlich und fruntlich züsamensetzen und anfengelich die erkantnus, so da wyszt, das kein lehen-, dienstman!) oder pensioner, der sin lehen, dienst oder pension nit züvor uffgeben?) hette, weder zü burgermeistern, zunftmeistern, nach ratzhern erkosen werden sölli, fur ougen nemen, deren gleben, und soll der stattschri- ber inen daruff den kiesereydt geben, wie nachvolgt: 10 15 20 Der eydt. Das ir einen rat, einen burgermeister, einen obersten zunft- meister kiesen von den burgern, von den handwerken, die nach uwer achtung dem gottlichen wort anhengig, ouch der statt Basell, den burgern gmeinlich armen und richen die nutzlich- sten und verfenglichisten bedunken sin und das nit lossen, niemanden zü lieb nach zü leid, durch fruntschaft, vyentschaft, forcht, nyd, hasz, miet nach mietwann nach umb keinerley geverden willen. Das schwerend ir als uch gott helfe. Nach getonem eyd dann fragt der stattschriber desz ersten umb einen burgermeister, und so der erwölt, alsdann umb ein obersten zunft- [174] meister, und wer zü den beiden houptern wie ietzgmelt, benempt, sollend mit irn verwanten furtretten, demnach was sich in der chur verloffen, häling ze halten ge- potten werden by dem eyde, und welche uff sollichs einhellig oder mit merer hand zü den eren des burgermeister- und zunft- meisterthumbs erkosen, sollent darzü gehorsam sin. Wann nun die houpter erwelet, dann sollend beide, alt und nuw rät, sampt den sechsen und gesellschaftmeistern ob- stand zu der chur des rats gryfen, an der obersten zunft an- heben, ein nuwen ratzhern erkiesen, und so bald dieselbig zunft, deren man ein ratzhern erwolen soll, bestimpt, sollend von stund an nuw und alt ratzhern, meistern und sechs ange- regter zunften furtretten, und glich darufi die frag umb ein nuwen ratzhern beschehen, und wer dann zü eim ratzhern be- stimpt, der sol mit allen sinen verwanten, glich wie die zunft, uszston, und darnach umb ein ratshern geraten werden, und 1. erkiesen Hs. zusamensitzen Hs. 4. lechen, dienstgelt und pension Hs. A.z.n. uffgeben Hs. 5. erkiesen w. solly Hs. 10. handwerchen Hs. 11. »dem — ouch« lautet in der Hs.: »die err und götlich wort ze fürdern, dorzu üch«. 12.arm Hs. 13. Das erste »und« fehlt in der Hs. 14. niemand. findschaft durch Hs. 15. miet noch miewan Hs. noch Hs. 16. wellendHs. Statt: D. s.i. a. hat Hs.: schweren ie das. 17. Noch Hs. eyd den Hs. ersten um Hs. 18. derselbig Hs. dan frogt er um einen Hs. 19—20. Statt »den — irn« hat die Hs.: »burgermeister oder zunfftmeister be- stimpt, der sol mit sinnen«, 21. hellig Hs. 22. gebotten Hs. 23. burgermeister- thumbs Hs. 24. erkosen die Hs. 25. hoüpter Hs. 26. röt Hs. 28. dieselb zünfft Hs. erkiesen Hs. 30. von stunden Hs. angereckter Hs. 31. einnen Hs. 32. »eim« fehltin der Hs. 34. »uszston«, d. h. austreten während der Wahl. Die Hs. hat: uffston. einnen Hs. gerotten Hs. 1) Ein Versehen ist es, wenn Heusler 8. 444 die beiden Worte zu- sammenzieht und von »Lehendienstmann« spricht. “ 2) Bestimmung der Verfassung von 1521. Ochs V. 348. Heusler 8. 429. Von »pensionern « ist dort nicht ausdrücklich die Rede. 96 1529. so man der furgetrettenen zunft einen ratzhern erkosen, dann sollend die uszgestölten sampt irn fruntschaften wider harin- snomen, und glich wie mit der obersten zunft beschehen, also ouch mit den andern allen gehalten und volnzogen werden !!). Man sol ouch häling halten und nit ussagen, wer zü den: houptern und ratzhern erwolt sige, bisz das man. dieselbigen morndes offentlich vor ganzer gemeind uff dem Platz lyszt und uszkhundet. lırss] Wie man die meistere kiesen soll. Sodann die chur und wal der meistern, so in den zunften erkosen, belangen, diewil nit allein diser zit, sunder ouch fur und fur in ieder zunft zwolf sechser 2) sin, sollend die vier houptere ieder zunft?) sampt irn sechsen uff tag, so man einen rat sampt den houptern uff dem Platz uszkundet, nach mittag sich züsamen setzen und des ersten dıy erenmann, under denen gsewonlich der alt meister einer von inen, uszschicken, dännocht bliben der raten und sechsen dryzehen mann, es were dann das solicher zit etliche der raten oder sechsen mit den dry uszge- schossenen fruntschaft halb furgetretten, oder das die zal der sechsen, umb was sach das beschehen, sich gemindert. Wann ein sollicher mangel sin, also das die zal der dryzehen mannen nit vollig were, dann sollend ratzhern, meister und sechs an deren statt, so inen presten, von den smeinde so vil erwe- len, das ir zal der dryzehen mannen ervollet sige. Disen dıy- zehen mannen sollend dann gmeine zunftbrüder usz der gmeind vier mann, als namblich in ieder zunft die vier, so ein gmeine burgerschaft diser zit als zübotten mit den raten und sechsen ze handlen verordnot, wa aber dise vier uff zit der chur eins meisters gar oder zum theil, es were zü sechsern verendert oder todeshalb abgangen, alsdann andere an ir statt zuordnen, damit deren, so einen meister kiesen sollen, sigen sybenzehen per- sonen; die sollend dann, vor und ee sy zü der chur gıyfen, offentlich vor ganzer zunft gmeinden einen [ırs] glerten eyd mit uffgehepten fingern und vorgesprochnen worten, das sy einen meister, der dem wort gotts irs bedunkens anhengig, einem rat und gmeiner zunft am verfengklichsten und nutzlichisten sige, 1. ein Hs. 2. söllen Hs. irer Hs. "4. volzogen Hs. 5. hellig Hs. »den« fehlt in der Hs. 6. erweltsyHs. »das« fehltin der Hs. 7. mordrigs Hs. 10. »so« fehlt in der Hs. 11. für und für Hs. 13. hoüpter Hs. 16. dennacht Hs. 17.18. rötten Hs. 19. halben fürtretten Hs. 20. um Hs. 21. »also« fehlt in der Hs. männer Hs. 24. erfültsy Hs. 27. rötten Hs. 28. verordnen, wo Hs. 29. »es were« fehlt in der Hs. 31. sollend, sind Hs. 33. gelertten Hs. 36. syHs. 1) Die Verfassungs-Aenderung des 9. Februar bestimmte dagegen, dass der grosse Rath den neuen Rath wählen solle. Heusler 443. 444. 2) Nämlich die alten Sechser und die neuen Sechser. 3) Die vier Häupter jeder Zunft sind der alte und der neue Meister, der alte und der neue Raths- herr, Sr 15 20 25 30 39 1529; 97 kiesen wollen, schweren, und darnach erst in dem namen got- tes zü der chur gryfen, einen meister erwölen, und der also einhellig oder mit merer stym zü den eren des meisterthumbs erwölet wurt, der soll darzü gehorsam sin!). 5 Nach endung ietzgmelter chur sollend die sibenzehen per- sonen, so den nuwen meister erwölet, sampt dem nuwen mei- ster und zweyen sechsen, so usgeschossen gwesen, thünd zwein- zig personen, wider züsamensitzen und sechs nuw sechser er- kiesen, also das der zunftschriber under den alten sechsen, so 10 nuw werden mögen, den eltesten allein lesen, der soll ouch, alsbald er zü sechser bestimpt, sampt sinen verwandten fur- tretten und darnach von den ubrigen wider nuw oder ein an- derer an sin stat erkosen werden, und sobald ein alter sechs wider nuw oder ein anderer an sin statt verordnot ist, sollend 15 die furgetrettenen wider harinberüft und darnach von einem an den andern sechsern, bisz die zal erfult ist, glich wie von dem ersten bescheiden, gehandelt werden). Hieby sollend ratzhern, meister, sechs und aller zunften gmeinden) der alten ordnung, [177] das niemands, er sig dann 20 unser burger, eelich erporn, nit eigen und eins unverserten lumbdens, zü meistern oder sechsen erkosen werden söllı, truw- lich ingedenk sin und derselben also gleben, darzü niemanden, so-man das personen halb gehaben mag, zu meistern nach sech- sen kiesen, es sige dann züvor der meister zehen jar und der 25 sechser funf jar by uns burger gwesen; by welchen zunften aber an den personen mangel funden, also das man dise anzal jaren an den geschickten tougenlichen personen nit gehaben möcht, die sollend hiemit onverstrickt, sonder fry sin®), fromm, eelich, fry personen, so unsere burger und by inen zunftig 30 sind, zu solchen eeren zü kiesen, alles erbarlich und on geverde’). Anno etc. 29 uff donstag nach invocavit habend unsere her-is. Febr. ren nuw und alt rät sampt den sechsen und gmeiner zunften 2. »der« fehlt in der Hs. 3. mit einner Hs. 4. erwellet Hs. »wurt« fehlt in der Hs. 5. gemelter Hs. 7. uszgeschlosen gsin Hs. 9. sechseren Hs. 11. sobalt Hs. sechseren Hs. 13. andren Hs. erkiesen Hs. 14. ist, dan Hs. 18. meister und Hs. 19. ordnungen Hs. syHs. 21. lümdens Hs. 22. nieman Hs. 23. noch sechseren Hs. 24. essy Hs. 21..jor Hs. 28. söllent Hs. 29. erlich Hs. 1) Ochs No.6. Von dem Zugeständnis des 9. Febr. (Ochs schreibt immer des 11. Februar, vgl. oben S. 89) weicht dieser Artikel bedeu- tend ab. Damals war die Wahl der Meister durch die ganze Zunft bewilligt worden; s. Ochs V. 680. Heusler 444. Was bei Ochs No. 7 bildet: »Es sollen künftigs auf jeder Zunit (ganzen Zunft) zwölf Sechser sein«, lässt sich aus den Worten des Mandates nicht herauslesen, würde auch nichts Neues sagen 2) Am 9. Februar war gleichfalls, im Gegensatz zu diesem verwickelten Wahlverfahren, bestimmt, dass die ganze Zunft ihre Sechser kiesen solle. Ochs V. 680. Heusler 444. 3) D. h. die Gemein- den (Gesammtheiten) aller Zünfte im Gegensatz zu den Meistern und Sech- sern derselben. 4) Der Sinn ist: »Dann soll ihnen hiemit nicht verboten, sondern erlaubt sein« etc. 5) 8. Ochs No. 8 Basler Chroniken. I. Tl 1533 98 1529. zügeordnoten potten disz obgnant ordnungen, die hinfur also ze halten und deren zü gleben, einhelligclich zü kreften erkhant und bestätet!), und sol man diser erkantnusz allen zünfften ab- geschrifft mitteillen. Und luttet der eyd, den ein burgerschafft thun und sich 5 domit gegen der oberkeit verbinden sol, also: Ir werden ıetz schweren, das ir unseren herren, dem stat- haltter des burgermeisterthumbsz 2), dem obersten zunfftmeister und den cleinen und grosen rötten gehorsam sın, der stat nutz und er werben und iren schaden wenden, und wasz ein ersame oberkeit [ırs] lut irsz gethonnen eydz zu pflantzung des gött- lichen wortz, cristenlichen wesens, burgerlichen frides und ei- nigkeit erkennen wurdet, sy doby handhaben, und ob ir ersam wiszheit, von wem joch das geschechen möcht, doran verhin- dert und bekumert werden solti, üwer lib, er und gut trüw- lich zu innen setzen sollend und wellend noch üwerem besten vermögen, alles getrüwlich, erbarlich und on geferd. Caspar Schaller protonotarius civitatis Basiliensis subscripsit. Dise pollycy wart in eim artickel gemindert uff zinstag vor wi Johanny im 1533. jor?), in dem dasz die fier man von ieder 1529 1: Apr: zünfft, so man nempt die zugwantten, mit dem grosen rot wur- den aberkent von wegen desz mangelsz der lütten in den zunff- ten der chur halb etc. N 5 20 Es ist sunst ouch von diser pollicy vil gemindert und ab- 3 gethon mangelsz der lütten halb in zünfften, als namlich in der chur die meister und sechsz zu erkyesen und andrer ar- ticklen halb etc. Wart noch und noch also gemindert von jor zjor. h—23] Ordnug, so ein ersame stat Basel den ersten tag aprillisz in irer stat und landschaft furhin ze halten erkant, dorınnen, wie die verworffne miszbruch mit worem gottesdienst ersetzt, ouch wie die laster, so eristlicher dapfferkeit untreglich, got zu lob abgestelt und getrofft werden söllen, vergriffen ist, alsz man zalt noch der geburt Cristi funffzechenhundert zwentzig und nun jor‘). 1. ordnug Hs. fürohin Hs. 2. erkennt Hs. 20. Die zwei folgenden Absätze sind weder unter sich, noch mit dem Vorhergehenden und dem Nachfolgenden gleichzeitig niedergeschrieben. 1) Hiemit schliesst die Urkunde im Staats-Archiv; das Fol- gende nach Ryff. 2) Der Statthalter des Bürgermeisterthums wird genannt, weil mit der Wiederbesetzung der Stelle eines neuen Bürgermeisters, die Meltinger inne gehabt hatte, bis zum Johannistag gewartet wurde. Ochs V. 682. 3) 8. Heusler 8. 444. 4) Die bei unserm Autor näch die- sem Titel folgende »Reformationsordnung«, welche das System der Refor- mation, wie sie sich in Basel in’s Leben gesetzt hatte, zusammenfasst, findet sich als beigebundener alter Druck bei Bullinger und ist von den Her- ausgebern dieses Chronisten II. S. 82—108 wortgetreu wiedergegeben. Ochs 30 1 1: 2 2 3 3 5 o ot o 1529. 99 Von einer vereinig oder pundnisz, so die funff lender, namlich Uri, Schwitz, Underwalten, Zug und Lutzern, mit den keiser- sehen gemacht hand‘). Vor pfinsten?) des erstgemelten jorsz, alsz die fünff lender Urry, Schwitz, Underwalden, Zug und Luzern sachen, das sich etlich stet vereindten in ein burgerschafft, alsz Zurich, Bern, Kostenz und Basel, desglich Mülhusen?) und ander stet, die dan ein cristlichen verstand mit einander hatten, wüsten sy kein wyderwertigers zu machen domit sy innen und andren ortten leydz und schadens gnug möchten zufügen, das sy wenig be- trachteten, [214] wasz dorusz endspringen mocht, das zu mer mollen eins dem andren ein gruben macht und falt selb dorin, also beschach in ouch. Dise fünff ort machten ein pündtnusz mit den keiserschen oder regimentischen,, wart ein tagsatzung zu Waltzhud, do dan die botschaff von beyden theillen hinkam und machten do mit einander ein pündnusz einandren zu helf- fen, den böbstischen gluben zu erhalten. Es wasz wol glich- formig dem pund, so Pilatus und Cayphasz mit einandren mach- ten oder Herrodes®), dordurch Cristum sin leben must geben, dan dise woren von anfang der eydgnoschafft und des husz Oesterichs im hertzen einander nie hold gesin, aber durch un- einikeit und unfridens und um geltz willen, das dan die bi- a 0 or schoff und pfaffen dapfer do liessen erschiessen, und sy ein eydgnoschafft möchten unrüwig machen, wart diser pund zu- wegen brocht, aber es halff sy nit vil, hat ouch nit lang ein bstand, alsz man hören waurt. Als do ‚die fünf? lender und die in des pundtz eins woren, brieff und sygell uffgericht wart mit des Ferdinan- dus sygel und andren wol bewart und einandren !geschworen hatten, triben sy vil mudwillens und tratzung gegen den andren ortten. Also do das die andren ort innen wurden, ritten die von Zürich, Bern, Basel und andre ort, so dan in burgerschafft mit einander woren, in die lender, wolten ein wissen haben, ob es ouch die gemeind verwilliget hetten oder ir wissen und willen wer, solche pündnusz zu machen on anderer ortter wissen und willen, dan disz wyder ire bündbrieff wasz, desglich wyder die erbeinig, die dan mit dem keiser gemacht ist; aber sy wol- ten in kein gemeint halten, sünder erbutten in vil schmoch, V. 686—739 entkleidet sie der Ursprache und fügt schätzbare Noten hinzu. Vgl. Hagenbach 130. Herzog Il. 154 ff. 1)S. Wurstisen 582 ganz kurz. Kessler V. 189 nur über die Verhandlung in Feldkirch. Salat 204. 210. Ausführlich mit Einrückung der Urkunde Bullinger II. 48—59. Vgl. Hottinger I. 225 ff. Ochs V. 676. Hagenbach 175. 2) »Umm Georgy« sagt Bullinger $. 49. Der Vertrag selbst (auch als Beilage E bei Hottinger) hat kein Datum. Hagenbach a. a. OÖ. nimmt den 23. April (Georgi) an. 3) S. oben 8. 91. 4) Luc. 23, 12. 7* 100 1529. schand und laster. Es wurden ouch an etlichen ortten der Zürich und Bernner und Basel schilt gemolt in den herbergen, do sy in logen, und ein galgen doruber!), alsz zu schmoch und schand irs cristlichen glubens halb, schulden sy ketzer und derglichen. Sollichs nomen sy [215] zu hertzen und ritten wyder heim. Die lender goben ouch für, wie das man sy von irem alten gluben triben und zwingen wolt, desglich: »machten sy vil burgerschafft, so wolten sy .pündnusz machen«?). Derglichen schmochwort wart innen geben; nu das stund nit lang an, sy triben vil trattzung gegen den Züricher und Bernner: wo der- ren einer ın die lender kam, wart im vil schmoch und schand bewisen. Die von Schwitz fiengen dennen von Zürich ein ewan- (2.Mai)gelischen pfaffen usz iren emptren°), den verbrantten sy von 6. Juni. 10.Juni. 12.Juni. des wort gotz wegen und ouch dennen von Zürich zu tratz, und susz ouch vıl schmoch, dovon vil zu schriben wer, aber um kürzy wil ichs underlosen. Dise sach gestund nu also nit lang an, die von Zürich mochttens ouch nit erlyden, desglich die von Berm. Also zugen die von Zürich usz mit dem houptbanner wyder die lender by acht tusent starck, ermandten ouch die von Bern, die zugen innen zu sechsz tusent starck®), desglich zugen die Durgöwer ouch dennen von Zürich und Bern zu acht tusent starck, desglich die Apenzeller und von Sant Gal- len, ermandten ouch die von Basel, kam die botschafft uff suntag, der sechst tag brochmonet, verzoch sich bisz uff den donstag, der zechend tag brochat, hielt man grosen rot und wart beschlosen,; dennen von Zürich und Bern zu schicken von Basel fünff hündert man), die wurden uszgeleyd von burgeren und usz denn emptren wolgerust, wasz under dennen houpt- man jungker Baltaser Hilbrand und lüdener Wolff Hütschy, fenrich meister Andonny Gebilly 6) der schiffman, forfenrich Cas- par Davit, der metzger. Zugen hinweg am samstag zwelfften a tag brochmonetz, furt man mit innen fier stuck feldgschutz; es kamen ouch susz vil zugwanten, die al dennen von Zürich und Bern zuzugen. Es zugen ouch die von Mülhusen mit hun- dert wolgeruster manen glich dennen von Basel noch; also 32. zwelffen Hs. 1) 8. Hottinger Il. 237 Anm. 176. Vgl. Bullinger II. 142, wo noch Strassburg genannt wird. 2) Dies ist wohl so zu verstehen: Die Länder sagten: »Wenn jene (sy), d. h. die Evangelischen, viele Burgrechte (burgerschafft) machen, so wollen sie selbst Bündnisse schliessen«. 3) Jakob Kaiser (genannt Schlosser). 8. Bullinger II. 148. Wurstisen 582. Vgl. Hagenbach 175. Hottinger Il. 213. 240. 4) 5000 Bul- linger. Dieser ist in der Erzählung dieses ersten Kappeler Krieges bei weitem ausführlicher als unser Autor; dasselbe gilt von Kessler und Salat, ohne dass es möglich wäre, die Abweichungen im Einzelnen hier genau zu verfolgen. 5) Ochs VI. S. 11 hat 800 und lässt diese am 8. Juni marschirt sein. Wurstisen folgt durchaus unserem Gewährsmann. 6) Göbelin Wurstisen 583. Desgl. Ochs. 1529. 101 wart geschetzt, das die von Zürich und Bern und die, so in- nen bystendig woren, so sy in eim huffen gesin weren, drisig tusent starck gewesen werren. So wurden die lender geschetzt uff fierzechen tusent starck 1), [216] logen also nit wydt von ein- ander zu beyden parthigen?). Aber die lender lytten grosen mangel an spisz, dan innen nüt mocht zukumen, die von Zü- ‚rich liesend in dan zukumen. Die von Zürich und Bern hatten den lendren ouch susz al strosen verleyd, das innen nieman nüt zu füren noch ziechen mocht, dan die lender woren etlichen knechten und eins grosen zügs wartten, so innen der keiser solt geschickt han, aber es hat in wüst gefeld. Es wasz ouch ır anschlag: wasz sy dennen von Zürich und Bern und iren zugwanten abgwunen, wolten sy undereinander theillen; und derglichen anschleg hatten sy vil gemacht, verkoufften die hut, ı5 eb sy den berren gefangen hatten, und also do nu zu beyden theillen der züg zamen kam, woren sy in grosem brunst gegen einander und sunderlich der gemein man. Es liesen ouch die von Zürich und Bern im truck uszgon die artickel®) und ur-®.Jwi.) sach, warum sy uszzogen woren, sy liesens ouch dem gemei- 2» nen volck zu wissen thun in lendren, dennen dan vil anders fürgen wasz worden durch ire grosen Hansen und pensioner, dan sy wüsten. Aber in solchem sachen etlich from stet und herren in disen handel, ritten dorzwüschen mit grosem flisz und ernst, nam- 25 lich die fürstlichen herren von Strosburg®) ritten mit erlicher botschafft, desglich die von Costantz, ouch von richstetten), die all handletten dapfer in der sach, dettigetten sy zu beyden parthygen ab, desglich die von Glarisz, Schaffhusen und andre ort, die mittler woren und keim theil zuzugen, namlich so lo- 30 gen die von Glarisz mit irem houptbanner im feld fast starck, zugen aber keim theil zu. Also thetten die herren von Stros- burg ernstlich in der sach, woltens nit zusamen losen kumen, logen also zu beyden sitten mit grosem kosten by fierzechen tag lang, ob mans zu beyden parthigen richten mocht, dan die 35 von Zürich und Bern etlich artickel gesetzt hatten’), so die von den lendren nit werren an-[?217]genumen worden, wer diser krieg nit lichtlich gericht worden, aber die frommen herren von Strosburg handletten so ernstlich in der sach, das es must zu beyden parthien gericht und in einigkeit brocht werden, des a 1 S 1) Kessler V. S. 220 schätzt die Evangelischen auf 30000, die Länder auf 9000 Mann. Salat 229 giebt für die Länder 8000 Mann an. 2) Die Züricher und ihre Verbündeten bei Kappel (Kanton Zürich), die Länder bei Baar (Kanton Zug). 3) Man findet sie (die Proklamation geht übrigens nur von Zürich aus), bei Bullinger II. 8. 164 ff. Vgl. Salat 224 fi. 4) U. a. Jakob Sturm; s. die charakteristische Anekdote, in der er eine Rolle spielt, bei Hottinger II. 264 Anm. 80 nach Bullinger. Vgl. Kess- ler V. 219: 5) 8. Bullinger II. 178. 179. 13. Juni. 14.Juni. 102 1529. sy zu ewigen zitten nit klein lob und er gegen einner eydgno- schafft erlangt hand und ouch in guttem in kein vergesz ge- stelt, desglich ouch der. amman von Glarisz!), der sich ouch mit allem ernst geübt hat, domit sy zu beyden theillen wol eins sind worden, das ich hoff zu got, das es zu solchem fall in einner eygnoschafft nyt me kumen sol. Wie es aber mit den articklen beschlossen ist worden, find man hienoch geschriben, aber under allem wart der pundbrieff und sygel, so die lender mit den keiserschen gemacht hatten, harusz geben und über- antwurt dennen von Zürich und Bern, den die mittler herren zurheuwen und zerstochen, die sigel abgehouwen, derren eins dem mittelherren von Costanz eins wart, das Ferdinantus sygel wasz, und eins hierusz, das ander dört hınusz, domit solliche pundnusz gar usz, todt und ab wasz?). Wasz sich wytter ver- loffen hat, find man hernoch. Do zoch iederman wyder heim, rıtten die herren von Strosburg mit den von Zürich heim. Do wart in vil zucht und er erbotten, komen unsere burger ouch erlich wyder mitsampt dennen von Mülhusen uff den achtund- zwenzigisten tag brochmonet. Von einner botschafft, so von Lutzern kam. Als beyd parthien gegen einander logen in vermeinig, einander zu schlagen, schickten die von Lützern ein botten har, ermanten min herren noch lut der pündten, in bystendig zu sin und innen ein fenly knechten zu schicken, geschach uff den dryzechenden tag brochat, aber in wart kurtzer bscheid embotten. Sy hatten ouch sich gegen unsz nit gehalten noch lut der puntten. So hatten sy unsz ouch den pundeyd nit ge- schworen 3), desglich unsz vil schmoch und tratzung bewisen, dorum in ouch dornoch äntwurt solt werden. [218] Von eim grossen wasser‘). Als man zalt von der geburt unssers heillandz Cristi Ihesus 1529 jor uff den fierzechenden tag brochmonatz um die nünde stund vor mitag kam in schneller yll ein sollich grosz wasser, 1) Hans Aebly; s. Hottinger II. 258 und die daselbst citirten Quel- len. 2) 8. Art. 2 des Friedens bei Bullinger II. 186 und daselbst II. 192 die drastische Schilderung der Vernichtung jenes Bundbriefes. Vgl. Salat 236. 3) Im J. 1526 bei der Erneuung des eidgenössischen Bun- desschwures. Hottinger II. 165. 4) 8. Wurstisen 584. Aufzeich- nungen 160. Ochs VI. 15. Die Wassersnoth in Basel muss grossen Ein- druck gemacht haben. Ihrer gedenkt auch ausführlich die Chronik des Andreas Lettsch (Mone: Quellensammlung der Badischen Landes- geschichte II. Karlsruhe, Macklot 1854) 8. 54: »Dieweil die statt Basel ge- standen, ist kain sollich gewesser darinne gesehen worden«. Vgl. Kessler V. 226. 8. auch die Villinger Chronik (Mone: Quellensammlung I. S. 107): »Zue Basel flötzt es die Metzgibenckh hinweg, thet in kromgeden (khornngeden B) für zway mahl hundert taussent guldin schaden«. or 20 25 30 1529. 103 desglich vor nie erlebt ist worden !). Es wart der Birsick so grosz, das er sich an den Steinnen schwald und stiesz die klo- stermuren um, desglich der weber hinderhusz und gartten, lieff also an den Steinnen in alle hüser und in die kilchen, so hoch das kein man so lang ist, ders mit der hand erreichen mocht, wan er uff dem herdt stund. Es schwald sich ouch under der Scholl, das es in der Schol?) al benck und trög hinweg furt, - desglich die Schintbrucken furt es ouch hinweg, und schwald sıch mit dem holtz allen, das das wasser sin louff nit haben ı0 mocht, und schwald sich ie lenger ie fester, das es hinder dem Kornmercktbrunnen ouch uszbrach, desglich im kouffhusz, lieff allenthalben zusamen, es lieff schiffrich von den Steinnen die Gerwergasen ab eins halben mans hoch, es schwald sich ouch under der Kutdelbruck ), das es bim Schlüsel hinab lieff, ouch ı5 eins halben mans hoch, und wart am Kornmerckt alsz ein see, das richthusz wart vol, das es eins mans hoch im richthusz wasz, lieff also die Brotlouben*) herab und hinder der Schol herfür bisz zum Imbergesly und schiffrich eins halben mans hoch den Fischmerkt hinab. Do wasz es alsz ein see, dan es 20 lieff bim saltzhusz aby und by der Kronnen). Wer sollich wasser sach, möcht verzagt sin, dan es erschrocklich anzusechen wasz, dan des hat sich niemans fersechen ; wiewol esz lang dor- vor fast und vil geregnet hat, hat sich doch niemans ein sol- chen schadens versechen. Es zerbrach das gwelb im kouffhusz 2: und fiel dem kouffhuszknecht sin rosz durch das gwelb hinab und ertranck. Es nam ouch [219] im kouffhusz alles hinweg, wasz es von gut ergreifl, eb mans endflechten mocht, und ge- schandt mercklich vil gutz, on das dennest endfur. Es lag vil mercklisz sammatz und ander syden und duch und andre war 30 im kouffhusz, dasz alles geschendt wart und verwüstet. Es thet ouch susz in hüseren und lädnen grosen schaden, dan wasz es ergreyff, must hinweg. Es zerbrach und furt den Kormerckt- brunnen hinweg: stock, dach, trog und alsz. Es zerbrach ouch susz an vil ortten die gwelb und besetze, es möcht im 35 nieman werren, dan es zu ubergrosz, schnel und dieff wasz, 13. er Hs. 35. das Hs. a 1) Die messingene Tafel am Rathhaus (Wurstisen 586. Tonjola, Basilea sepulta 379) giebt irrthümlich den 13. Juni an. Den 14. bestätigt die Wasserordnung vom 4. April 1531. Erkanntnisb. IV. 87b f. 2) Die Schol (im Mittelalter die Schalen) ist die Metzg. Fechter 50. Der Name ist bis jetzt gebräuchlich, wird aber in Folge der Erbauung eines neuen Schlachthauses und der Aufhebung der öffentlichen Fleisch- bänke verschwinden. Jetzt ist unter der Schol der Birsig überwölbt. Zu Ryff’s Zeiten scheint das nicht der Fall gewesen zu sein, sondern über den- selben noch eine Brücke geführt zu haben, die Schindbrücke; vgl. Fech- ter 5l, wo von dem Schindhaus die Rede ist. 3) 8. Feichter 42. Kuttler sind die Verkäufer der Kingeweide der geschlachteten Thiere. 4) Fechter 84. 5) Der Gasthof zur Krone, gegenüber dem ehema- ligen Salzthurm, an der Schifflände, wo der Birsig in den Rhein mündet. 11. Sept. Septbr. 104 1529. das nieman zum andren kumen mocht, das einner dem andren wer zu hilff kumen. Es wasz erbermglich und grusamlich und erschrocklich zu sechen, dan ıiederman meint, die welt wolt undergangen sin. Es floch menglich so hoch in die hüser, so er mocht, und meint dennest nieman, das er sicher wer. Es kan nieman erschrockenlich gnug dorvon schriben oder sagen, es ist vil grusamer gsin. Es ertruncken ouch dry burger, die der gatter an den Steinnen hinnin stiesz, es thet ouch susz vil schaden uff dem land bisz hinab gon Hapesen!), Sennen, En- sen und Mülhusen, verwüst vıl heuws, ertranckt vıl fiech und lüt, man fur hie allenthalben in der stat mit weydlingen. Dises waser weret etwan by zwo stünd lang, verlieff es wyder allent- halben, aber grosen mercklichen schaden hat es thon an der stat und an gutt den burgeren. Got wel unsz fürrer vor sol- chem behüdten! Von einner düry des kornsz. Im erstgenempten jor wasz das korn fast dür, namlich galt ein fierzel korn dry gulden und uff das nechst fierthalb pfund, und der habren ein fierzel ein kronnen, und ein sack rocken zwen gulden, werret by zweigen monet?). [220] Von eim erdbydem. Uff den elfften tag september anno etc. zwenzig nün jor zwischen siben und achten noch mittag wart ein erdbydem ge- hort hie zu Basel und anderschwo an vil ortten, in zimlicher mosz und grose. Got welsz zum besten alzit schicken ! Von einner disputatz des sacramentz halb°). Als man zalt 1529 jor des herbstmonetz schickten die von Zürich iren predicanten Ulrichen Zwingly und min herren von Basel iren predicanten den doctor Eocolampadium mit erlicher botschafft gon Marburg in des landgroffen von Hessen land, mit dem Martinusz Lutter zu disputieren oder einander zu un- derrichten des saccramentz halb, dem ist also. Dise dry hoch- gelertten menner schriben vil wyder einander alzit und ander me des sacramentz halb des altars. Dan Martinus Lutter mit- sampt andren, die im zuhielten, vermeinten und wolten ouch, das es wer, das ın der hostien oder in dem brot des altars wer blut und fleisch, vermeintens also zu beweren durch dasz ewan- selium, do Cristus spricht: hoc est corpus meus, das ist, $. stieff Hs. 1) Habsheim im Elsass. 2) Vgl. Chronik des Andreas Lettsch S. 54: »korn und wein, auch was man sunst leben must, war in hochem kauf«. 3) Das Marburger Gespräch s. Ranke: Reformation II. 121 ff. Hottinger II. 276 ff. S. über den Antheil der Baseler Herzog Il. 223 ff. Hagenbach 139 £, _ 0 15 20 25 1529. 105 do er das brot nam, alsz er mit sinnen jungeren das nachtmol hielt, und sprach: »Das ist min lyb« etc. Usz disem ewange- lium dan vil zweygung wasz under in. Alsz sy aber zamen komen, wurden sy der sach balt eins, dan die hochgelertten menner den Lutter in disem arttickel überwunden!) , das diser punckt in eim andern [221] geist müst verstanden werden und Cristum im himmel erkennen und nit im zeichen und dergli- chen me, findt man klerer im truck uszgangen?), des sich der Lutter hat musen benügen losen, komen dise predicanten wy- 10 der heim uff den samstag des sechzechenden tag octobrisz, und 16. Oct. det der Zwingly hie im münster am suntag ein predig, an der ein grose zal volck wasz. or Von eim sterben mit einner erschrocklichen kranckheit?). Inn dem erstgenempten jor gieng ım Nyderland ein er- schrockliche kranckeit usz zu Köll, Andorff, Mentz, Franffurt, Spir und kam bisz gon Strosburg, also dasz an disen ortten grosz menig des volcks starb, und nampt man dise kranckeit die engelschy schweiszsucht, dan sy usz Engelland kam, und wen dise kranckeit ankam, der wasz in fier und zwenzig stun- »» den vom leben zum todt, dan wan ein die kranckeit ankam, so kam es mit grosem gifftigen schwitzen und schwitzt sich der mensch glich zu todt, das diser kranckeit gar ein unzalber volck an allen ortten starb, und starb diser kranckeit ouch der bi- schoff von Spir®) mitsampt sinnem hofmeister und kantzler. 25 Es kam ouch etlich gesund ob den tischen an und trug mans tod dorvon. Got wel unsz sin gnod und barmherzigkeit ver- lichen und unser sund verzichen. 1 a Wie der Dürck Wien in Ostrich belegert und bekriegt?). | Inn disem jor des erst bestimpten monetz kam der Durck:?0.Bept- . . . . . . 18 30 für Wien in Oesterrich mit einner grosen macht, [222] belegert 15. Oct. das an allen ortten, und wasz die sag, das er dorvor lag ob dryhundert mol tusent starck und mit grosem gschutz und reisigs zügs, dan er vil der cristen by im hat, namlich vil der vertribennen buren, so im burenkrieg usz iren landen vertriben worren worden, und etlich cristen fürsten und edellüt, so der Ferdinantusz vertriben hat. Do wart grosz jomer und not ge- hört, so die von Wien erlytten, das sy all ir wib und kindt hatten geflöcht me dan zwentzig mil wegs von Wien und alter 3 Di 1) S. ganz die entgegengesetzte Auffassung bei Salat 248. 2) Die Marburger Artikel; s. Bullinger II. 232 ff. 3) Vgl. Kessler V. 244. Bullinger 11. 223. Andreas Lettsch a.a. 0.54. 4) Bischof Georg. Er starb den 27. Sept. 1529; s. Remling: Geschichte der Bischöfe zu Speier II. 266. 5) 8. Ranke: Reformation III. 133 ff. Von Schweizer zeitgenössischen Quellen vgl. Kessler V. 229, der, wie gewöhnlich, viel ausführlicher ist. 106 1529. lutten, dan wasz der Durck derselben fand, das must alsz sterben. Er zerstreyff ouch alles, das um Wien wasz, alsz win- gertten und andre gutter. Es wart ouch usz allen landen vil volck dem Ferdinantus zu hilff geschickt gegen dennen: von Wien wyder den Durcken, aber es halff nüt. Von einer erkantnusz von beden rötten. (16.Nov.) Des monetz novenber!) des 1529 jor wart von minen her- Novbr. Dechr. ren grosz und klein rot erkent aller derren burger halb, so sich von der stat Basel thon hetten des ewangely halb, desglichen die pfaffen und weller das burgrecht uff hett geben, das die solten in monetz frist weder für noch liecht in iren hüseren bruchen, weder durch ir gsind noch durch sich selb, sunder sich in ein offen herberg thun und [23] keren by pen eins marck sılbers, so offt das übersechen würt. Von einner burgerschaft. In disem erst bestimpten monet und datum schwuren die von Biell und Schaffhusen gegen minen herren von Basel den burgereyd, und also mit in nomen sy die burgerschafft an; des- glich mit den von Zürich und Bern thetten sy ouch disen eyd2). Wie der Barfuser kilchhoff und gartten zu eim merckt gemacht wart. In disem 1529 jor brach man die muren um das Barfuser- kloster ab vom Eseldürnly bisz herum zu der mülly und macht usz dem gartten und dem kilchhoff ein blatz, und wart ein holtzmerckt dorusz gemacht. Von einer vereinig zwischen den von Strosburg, Zürich und Bern. Des monetz novenber ?) im erst bestimpten jor hand sich die herren :von Strosburg vereind mit den von Zürich und ‘Bern und ouch ein burgerschafft mit in angenumen mit etlichem ver- stand, wie das etwan hernoch gehört wurt. Got geb in allen glück und heil! Wie die kilchenzierten verkoufft sindt worden. [22:1] Als man zalt von der geburt unsers heillandz Cristi Jehsus 1529 jor des cristmonetz fieng man an die kilchen- gewender verkouffen durch min herren die obren, alsz mesz- gewender, alban und lywad, heydenschwerck und derglichen dings, das dan zu der abgöttery dient hat und ein gotzlestrung 5. Die letzten vier Worte, welche wenig Urtheil über die Thatsachen bekunden, wie es scheint, mit späterer Tinte geschrieben. 30. »mit« doppelt Hs. 1) Ochs VI. 14 hat den 16. Nov. 2) Ochs VI. 13. 3) Dies scheint ein Missverständniss. 8. Bullinger I. 243. Hottinger II. 315. Vgl. u. 8.107. 15 25 1529. 107 gwesen ist, fieng man zu den Ougustinneren an und über Rın sant Joder, desglich zu den Predigeren und in andren kilchen. Do wart vil hübscher kostlicher kleydung verganttet und meng- lichem zu kouffen geben, aber das im münster wart nit verkoufft!). 5 Uff suntag den 19. tag decembrisz, genant cristmonet, des 19. Dee. erstgemelten jorsz liesen mine herren ein bot oder erkant- nusz uszgon uff allen zunfften, diewil etlich burger under unsz noch worren und derren vill, die sich noch userten des wort gotz, das zu hören nit vermeindten noch mit andren cristen- 10 lichen burgeren in iren kilchen vereinbaren, die alle geistlich und weltlich, wib und man, burger oder hindersesen, solten nu fürhin zum wenigisten al wuchen ein mol in die kilchen gon, das wort gottes zu hören und sich mit andren cristlichen bur- geren vereinbaren; welcher dasz nit thette, dem solt man die 15 zunfft oder geselschafften endziechen und abschlachen und susz stroffen, so dan doruff gesetzt woren. [2253] Yon einner burgerschafft zwischenn dennen von Strosburg und minen herren von Basel. Uf suntag den 19. tag december, genant cristmonet, alsz 19. Dee. 20 man zalt 1529 jor noch der geburt unser selligmachers Cristy Jhesu, kamen die fromen cristlichen herren der stat Strosburg mit einner erlichen botschafft har gon Basel, desglich min her- ren von Zürich und Bern, Biel und Sant Gallen und Mülhusen und vereinden sich abermolsz miteinander derren von Strosburg 25 halb. Die begertten also ein burgerschafft anzunemen mit my- nen herren von Basel, handletten also flisig in der sach und ‚wart die burgerschafft also von den von Strosburg angenumen, schwuren minen herren von Basel in diser wuchen den burger- eyd, desglich minne herren einner ersamen stat Strosburg ouch, 30 und wart do grose vereinig gemacht von disen stetten und zugwanten; wasz wytter gehandlet wart oder usz wasz ursach disz bschach, wirt man etwan hernoch hörren. Got verlich sin gnodt und friden. Amen!?) Von eim grosenn rot, so gehalten wart von minen herren und 35 sechseren. Uff zinstag der 28. tag des erst genanten monetz, wie ob- 2. Dee. stat, hat man aber ein grosen rot gehalten und der gemein für- gehalten die vereinig und burgerschafft derren von Strosburg halb, wie die gehalten sol werden funffzechen jor lang, und 1) Ueber die Schicksale des Kirchenschatzes des Münsters s. L. A. Burckhardt 8. 288. 289. Lichtenhalm in den Beiträgen I. 116. und besonders die Mittheilungen der Gesellschaft für vaterländische Alterthümer in Basel IX. X: der Kirchenschatz des Münsters zu Basel von Dr. Carl Burckhardt und Architekt Chr. Riggenbach, Basel 1862. 1868. 4. 2) Vgl. Bullinger II. 243. Kessler V. 246. , 7. Febr, 11. Nov. 8. März. 108 1529. 1530. söllen die von [226] Strosburg zechen tusent fierttel weisen har gon Basel legen in irem kosten, dasselbig losen ligen für und für, so es die notturft erheüscht, das man die mag angriffen und under ein burgerschafft zu Basel theillen, doch mit zim- licher bezallung, und so das alles hinweg wer, das dan an stat anders dar gleyd wert, wie vor!). | Handlung zu Sollenthurn zwischen der oberkeit und der gemeint. Uff mentag der sibent tag hornug, alsz man zalt von der geburt Jhesu Cristi 1530 jor, kam botschafft minen herren von Basel von dennen von Sollenthurn, wie das die gemeint sich zusamen thon hetten zu beyden parthien, namlich die, so dem ewangelio anhengig weren und uff der andren sitten die böbsti- schen, so der mesz und kilchenbruch anhengig woren, hielten also in harnisch und mit gewer gegen einander in groser zwey- threchtigkeit, dan die ewangelischen begertten das gotzwort zu haben und all zermonien und götzenwerch hinweg zu thun, dorwyder dan die andren woren, vermeinten uff irem alten we- sen zu beliben, des die oberkeit in groser wyderwertigkeitt stund, das wol zu gedencken ist: dan die, so dem gotzwort anhengig worren, wolten do nit wichen, esz werren dan alle die usz dem rot, so wyder das wort gottes werren. Also schickten min her- ren von Basel zwen vom rot hinuff, die sach zu dettigen und handlen noch bestem flisz, desglich von Zürich und Bern und andre ort, domit sy [227] wyder frid und einigkeit under in möchten machen. Dise sach wart also wyder gestillet und ge- richt, und ein anstand zwischen beden parthigen gemacht bisz sant Martinsz tag im drisigisten jor kunfftig; dorzwischen sol man das gotzwort und clor ewangelium in irem land und biet losen verkünden. Es wart ouch den uff der ewangelischen par- thy ire kilchen, in dennen man das gotzwort verkund, alle götzen und zermonien abthon?). Von eim tag, so hie zu Basel gehalten wart?). Uff zinstag den achten tag merzen im erstgemelten jor komenn die fromen wisen herren und eydgnosen und mitburger von Strosburg, Zürich, Bern, Costanz, Schaffhusen, Sant Gal- len und Mülhusen, desglichen ein erliche botschafft von dem hochgebornnen fürsten und herren, dem landgroffen von Hes- sen, und ein erliche botschafft von dem herzog von Sachsen mit etlichen zal pferden, komen har gon Basel, hielt man ein tag der zweygen fürsten halb obgemelt, wart also gehandlet, das die zwen fürsten begertten mit den obgemelten stetten in die burgerschafft zu kumen und sich mit in zu vereingen. Diser 1) 8. Wurstisen 586. Nach Zürich lieferte Karen Pulver. N Se U. 294. Vgl. Hottinger I. 289 fi. 3) Vgl. Ochs v D 15 1530. 109 tag wart angestelt bisz in nechst künfftigen meygen söllen sy wyder hie sin, sol wytter in der sach gehandlet werden, würt man hienoch wol hörren. [223] Yon eim tag, so zu Colmar im Elsesz gehalten ist worden, 5 der pfaffen halb von Basel. Uff mentag der 21. tag merzen anno 30 wart ein tag ge-21.März. halten zu Colmar zwischen minen herren von Basel und den pfaffen, so des ewangelium halb sich von der stat Basel thon hatten, wasz der pfaffen beger und meinig, das man sy wy- ı0 der in die stat Basel solt nemen oder losen on alle engeltnisz, und andren derglichen begeren, das nu minen herren noch nit zu sin wasz, sunder man hielt ein grosen rot uff donstag den 7. tag aprellen anno wie obstat, und wart also den sechseren 7. April. von wegen der gemeint fürgehalten, wasz der pfaffen halb ge- 15 handlet wasz worden und wasz ir beger werre. Also wart in disem grosen rot beschlosen: so fer und die pfaffen alle brieff und gewarsamy, so sy dan von einner stat Basel geendret het- ten, leydten hynder ein ersame stat Colmar, dannach hin, wasz sy witter begertten, wurtten sy gütlich antwurt finden und in 20 der sach wytter gehandlet werden. Wart also ein andrer tag angesetzt, doch wasz noch uff diszmoll nit vil willens under der gemeint, die pfaffen wyder in die stat zu losen, dan sy sich vormolsz gehalten hätten, das in nit wol zu vertrüwen wasz; wasz witter in diser sach gehandlet ist worden, würt man 25 hernoch hörren. Von eım grosen rot. Uff mitwuchen den 8. tag brochmonet des erst gemel- 8. Imi. ten jorsz hielt man grosen rot des herzogen von Sachsen halb uff sin begeren der burgerschafft halb, wie vorgemelt ist, wesz so man sich in der sach halten wolt!); desglich wart ouch ge- handlet zum theil eins cristlichen bans halb), so uffgesetzt solt werden [229] von der cristlichen gemein durch die heilgen ge- schrifft, der gotlosen halb, so do in lastren stecken, alsz wuche- rer, ebrecher, zutrincker und andrer überlestiger halb, die do 35 ein ergernisz sind einner cristlichen gemein und von iren sun- den nit abston wellen und sich doch under dem schin des ewan- gelliums erzeigen: die all mag man cristlich und bruderlich warnnen, domit sy von iren sünden standen, durch erber from verordnet menner zu eim und andren und dritten mol; so sy ‘40 nit dorvon ston wend, sind zwelff redlich menner verordnet, die dan solliche person macht hand zu verbannen, also dasz 7. Hs. der. 16. Am Rande von der Hand des Peter R.: NB. Entwendete gwarsamen. 1) Ochs VI. 20. 2), Herzog 11. 19% ff. Hagenbach i69 ff. Decol. et Zwingl. Epp. f. 42. | 110 1530. sy von der gemein abscheyden, und kein gemeinschafft mit in zu haben, solang bisz sy sich beseren und von irem fürnemen abstond. Und ander derglichen me wart in disem rot gehand- let, alsz man hernoch hören wurt. Wie ein botschafft kam derren von Schwiz halb‘). 5 ‚10. Juni. Uff fritag der zechend tag brochmonet, alsz man zalt noch Crist geburt 1530, kam botschafft von dennen von Zürich noch mitag zu fünff uren, wie die von Schwitz etlich irer rötten ge- fangen hetten des gotzwort halb, das sy sich des ewangellium angenumen hetten, wolten die glich uff mornigen tag dötten;; 10 hielt man illens rot und wart botschafft desselben tagsz zu nün urren noch mittag hinweg geschickt, zwen des rötz mitsampt den soldneren, musten die ganze nacht ritten, [230] das sy morn- des zu mittag zu Schwitz werren, desglich von Zürich und Bern ouch, domit sy sollichs abstalten. Do mag man wol 15 hören, wie die von Schwitz ir zusagen gehalten hand, so sy dan gethon hand, alsz vorgeschriben stot; wasz gutten herzen oder grund sy zu der lieby gotz und sinnem götlichen wort hand, mag ein ieder wol bedencken. Von eim grosen rot, so gehalten wart andreffen den nüwen rot?). 20 18. Juni. Uff samstag vor Johanny Batista der 18. tag des broch- monetz genant junius anno 1530 hielt man ein grosen rot mit- sampt den sechsen, zu erwellen noch altem harkumen ein ersa- men nüwen rot einner loblichen stat Basel, wie dan die pol- licy vorgeschriben uszwist, ein nüwen burgermeister und obersten 25 zunfftmeister mitsampt den rotzherren antreffen. Alsz man nu am oben verordnet und von sechsen erkiest hat, die dan einnen ersamen rot, wie obstat, solten helffen kiesen und erwellen, liesen mine herren die röt vor und ee alsz man zusamen ku- men wasz, rotzherren, meister und sechsen anzeygen: welche 30 die werren, die sich nit in cristlichen gluben mit in vereinbart hetten und mit inn zu dem disch des herren syder in vor- bestimpten cristlichen ordnug und mantat°), der und die solten usztretten. Do tratten von allen zunfften usz von sechsen und rötten, giengen ouch also heim, das derren keinner witter zu 35 der erwellung berufft [231] wart®). Es wart ouch gebotten uff all zunfft, sollichsz uff den suntag anzuzeygen, alsz man die meister und sechsz kiesen und erwöllen wolt; musten all also abtretten und von iren meister und sechserthum abgesetzt und 1) Hottinger II. 332. Anm. 199. 2) Vgl. Wurstisen 586. Ochs VI. 35. 3) Nach dem Mandat vom 1. April 1529 No. XII beiOchs. 4) Oeko- lampad an Zwingli 23. Juni 1530, Schuler und Schulthess II. 470: »Imitati sunt tandem nostri hic exemplum vestrum, et e minori majorique senatu omnes cedere jusserunt, qui vel verbo Dei adversantur vel nobiscum in coena Domini communicare hactenus noluerunt« etc. Ban >! 1 [2 - or 20 2 or 3 oo 35 1:5. Se 111 dasz jor stil ston. Die alle wurden nochmolsz witter uff die züunfft beschickt und gefrogt irsz fürnemens im gluben, ob sy sich noch wolten vereinbaren und mit denn andren verglichen mit des herren disch: welcher sich do bekant, nit besers ge- wist het und sich begab furer sich in die sach zu schicken, die wurden uff etlichen zunfften wyder angenumen ; welchy aber uff irem furnemen und alten bebstischen eluben wolten "bliben und das nachtmol des herren disch nit wolten annemen, wurden uff allen zünfften uffigezeychnet. Wasz witter mit in gehandlet ist worden, würt man hernoch wol hörren, aber alsz ich hoff zu got, so wart uff disz jor ein cristlicher, ersamer, wiser rot gesetzt, dan es vormolsz nie also gemustert ist wor- den, dan die obgenanten abtrettnen disz jor bliben stil ston, uff und bisz sy zu wytrer erkantnusz gotz kemmen und sy ouch cristlich underrichtung wurden empfachen. Von eim grossen waser, so im Jor 1530 gwesen ıst!). Uff mentag der fiert tag july, genempt heuwmonet, alsz man zalt von der geburt Jhesu Cristi 1530, kam ein groser regen und von sollichem regen wart der Birsyg an den Stein- nen also grosz und [232] ungestum, das er allenthalben uszlieff in all gasen, glicher mosz und gestalt wie vorgeschriben stat, so er gewesen und gloffen ist uff den 14. tag brochat wie vor- bestimpt ist, und brach den merentheil alles wyder, so vom vo- rigen bruch gebuwen wasz, und thet ouch groseren schaden an huseren dan er vor thon hat. Es wasz alles allenthalben ein see am Kornmerckt und Fischmerckt wie vor bestimpt ist des nechsten wasers. Es zerstiesz und zerbrach das bild uff dem brunstock am Kornmerckt, so man erst mit grosem costen buwen und gemacht hat. Es brocht abermolsz ein grosen schrecken in das volck, dan es alsz erschrockenlich wasz alsz das vorig. Got wel unsz furer in sinner hut haben! Inn disem jor galt das korn drü pfund funff schillig ?) und drü gulden uff das letst, der haber ein cronnen und uff dasz letst zwey pfund, ein sack kernnen fier pfund, ein sack rocken zwen gulden. Dise düre weret von ostren fast bisz uff 4. Juli. Johany Batista, aber dises jorsz koufft man ein huffen salmen24. Juni. um ein batzen und ein ganzen salmen bim grösten um ein pfund. Das fleisch wasz ouch fast genem bisz uff Johanny Batista?) wart es wyder wolfeil. 18. Die Zahl fehlt in der Hs. 1) Vgl. Wurstisen 586. Ochs VI. 26. 27. 2) S. über die Theu- rung in Süddeutschland Andreas Lettscha.a.0. 8.55. 3) »uff Johanny Batista« ist noch ein Mal zu ergänzen; diese Konstruktion kommt bei un- serem Chronisten und seinen Zeitgenossen häufig vor. Juli. 11. Aug. 112 1530. Wie die burger fronnen müsten'!). In dem monet jully genant heuwmonet des erstgemelten drissigisten jorsz, als der Birssig vorgemelt groszen schaden gethon hat, alsz gehört ist, wart gemeinnen [233] burgeren bot- ten in allen zunfften und geselschafften, geistlich und weltlich, edel und unedel zu frönnen, namlich hat das waser mercklich vil grümsz in die stat gefurt, domit der Birsig hoch gefült wasz bisz zum Rin hinab, das must man uszfuren, gar noch eins mansz hoch, domit das waser sın louff mit dieffe und witte het vom Rin hinuff zu Steinnenthor, desglich for dem thor ouch bisz zum wurhuusz?), und wart durchusz ingefast mit grosem kosten, dorum dan menglich werchen und frönnen must; doch wer nit selb worcht, möcht ein knecht haben, den er verlond; galt eim ein tag fier schillig und wart alle tag ein zunfft oder drü verortnet, und also alle zünfft und geselschafft einander noch, weret ein lang zit und hielten mine herren nüt destmin- der in irem kosten teglich ouch vil knechten doran an disem werch, .dan alle gewelb und gemur zebrochen worren, das man alle tag ob zweyhundert manen an disem Birsich zu werchen hat. Von einnem ketzer, so hie verbrend wart. Uff den elfiten tag ougstmonetz, alsz man zalt von der geburt Jhesu Cristi unsers erlösers 1530 jor, wart ein ketzer hie zu Basel verbrend um sinsz miszglubens willen, namlich hielt er nüt uff das nüw testament Jhesu Cristi, glubt nit, das er got und mensch wer, ouch nit empfangen oder geboren von der jungfrowen Marie, desglich für unsz gelitten oder gestorben wer, derglichen abergluben vil. Er glubt ouch nit, das noch disem leben ewig leben, sunder lib und sel tot wer, on not alsz zu erzellen, ist gut um ergernisz willen dem cristen men- schen under zu losen. Wart also uff obgemelten tag verbrent, doch im gnod bewisen und im zum ersten das houpt abgenu- men und dornoch verbrend, nampt sich Curat?) von Helbrun ®), bekant sich [234] ein crist getoufft und genempt, wasz doch in eim jor in söllichen miszgluben bewent, und bekant sich ouch uff das letst vor sim end geirt haben, bat ouch menglich, im got den almechtigen helffen bitten um verzichung sinsz irttumbsz und miszglubens, im gnod zu verlichen. 1) Vgl. Wurstisen 586. Aufzeichnungen 161. 2) Dieses Wuhr- haus wird unterhalb Binningen gestanden haben, beim sogenannten Schutz (Bruckner, Merkwürdigkeiten 346), wo der Steinen- oder Rümmelinbach aus dem Birsig abgeleitet wird. Vgl. Wurstisen.a. a. O.: bis gen Bin- ningen. 3) Curat = Cunrat. Noch jetzt ist in Basel Cueri Koseform ; vgl. die Form Curd. 4) Ochs VI. 29 nennt ihn »Konrad in der Gasse von Alfurt bei Halprun« und lässt ihn am 6. August verbrannt werden. Vgl. Herzog 11. 188. Hagenbach 168. EN er 0 20 “> Sr 1 20 2 3 ws er 1530. B 113 Von einner kilby zu Liestal'). Uff suntag der einundzwentzigist tag ougstmonetz, alsz man 21. Aug. zalt von der geburt Cristi Jhesu unsers selligmachers 1530, zoch man. mit einner erlichen burgerschafft von Basel gon Liestal uff die kilby, namlich ‚mit sibenhundert wol bekleydten bur- geren mitsampt etlicher zugebner myner herren der rötten, alt . burgermeister und zünfftmeyster ; wasz fenrich Heinrich Köuffer, nn. _ or or > ouch ‘der rötten, wart die kilby erlich gehalten mit allerley kürzwil, derglich vor nie gesehen wasz worden. Alsz man am mentag wyder heim zoch, hetten sich by funffhundert burger in iren harnist wolgerust und zugen unsz engegen gar noch by sant Jocab 2) und machten ir ortnug und schanz, und dise, so. uff der. kilby woren gsin, ouch ir ortnug, zugen also in schimpf zusamen in der mosz,. so man ein feldschlacht thut mit. schiesen und andrem, das gar fast hübsch und kürtzwillig zu sehen wasz;. desglich ouch die jungen knaben zugen unsz ouch engegen mit iren geweren, wasz under zechen joxen wasz, by zwelfihundert, ouch mit irem fenly, und wasz iederman, wasz von burgeren wasz,. uff allen zünfften by einander, und schanckten myne herren den win und wart morndes den kna- ben, so under zechen joren wasz, iedem ein pfenig geben uff dem Kornmerckt, derren woren by drizechenhundert. Also zer- gieng die kilby mit gutter burgerlichen fryd und einigkeit und frintlicher liebe gegen einander, des min herren grosz wol- gefallen hatten. Got wel unsz solliche fröud nit zu argem rech- nen ,. [235] sunder unsz alzit sin fryd und barmhertzigkeit sen- den, .dasz wir alzit in sollichem frid und burgerlicher einigkeit leben. Es wasz ouch mit unsz doctor Ecolampadius uff der kılby, der unsz verkund das götlich wort obens und morgens, domit wir wisten, wie, wir die kilby halten solten: nit mit ful- lery, essen und trincken oder schandlicher übykeit, sunder in götlicher forcht und. brüderlicher liebe, und .derglichen crist- licher ler. Amen. Von einnem richstag, so zu Augsburg gehalten wart°). In dem 1530. jor anfangsz des brochmonetz fieng man an, ein richstag zu Augsburg ze halten, wurden versamlet vil fur-(15.Jun.) sten, herren, frygen, ıitter und edellütten, desglychen von bi- schoffen und pfaffen und des volck, desglich von stetten und lendren, ouch 'wasz der keiser selb personlich do mitsampt vil 1) S. Wurstisen 587. 2) St. Jakob, die Stätte des berühmten Kampfes von 1444, eine Viertelstunde von Basel. 3) 8. Ranke: Re- formation III. S. 162—200. Keim: Die Reformation der Reichsstadt Ulm. Stuttgart 1851. S. 183 ff. Von Schweizerquellen vgl. Kessler VI. 257 — 263. Bullinger II. 272. 273. Salat 260—262. Der Vergleich wird, was die Ausführlichkeit betrifft, nicht eben zu’ Gunsten unseres Autors ausfal- len. Von der confessio und confutatio weiss er gar nichts zu berichten. Basler Chroniken. ]. S 114 1530. Spangeren und desglich der Ferdinantus. Es wasz ouch do der herzog von Sachsen und der landgroff von Hessen, der bischoff von Trier und Cöllen!), und wasz diser richstag angesetzt in der meinug der zwyspaltung halb des cristlichen glubens, alsz dan vil stet und land das götlich wort und ewangelion ange- numen hatten, desglich vereinig und burgerschafft und verstant, so etlich stet miteinander hatten, das dan dem keiser wydrig wasz, vermeint sollichsz abzustöllen und das gotzwort und ewan- selium zu weren und das bopstum wyder uffzurichten. Hielten Septbr. disen richstag bisz in herbstmonetz?), aber sy handletten nit vil, wasz got zugehört, sunder dem yrdischem logen sy fast ob, alsz mit durnieren und sollichen brachtlichen dingen; aber der cristliche furst, herzog Hans von Sachsen, desglich [236] der landgroff von Hesen mitsampt vil fursten und herren, so dem gotlichen wort anhengig worren, sachen wol, wie noch innen got und sin wort anlag, das do gotlich gschrifft nit vıl galt, sunder ir gemüdt stund, das gotzwort mit allem gwalt under- zutrucken und das bobstdum zu erhalten. Noch langem tagen schieden dise erstgenempten fursten ab, namlich der herzog von Sachsen, der landgroff usz Hesen, der bischoff von Trier, der bischoff von Cöllen mitsampt vil dutscher fursten, desglich von richstetten die herren von Strosburg, die dan ir erlich bot- schafft mit grosem kosten die gantze handlung usz do gehept hatten, die von Costentz und ander me, die all wolten by dem gotzwort und cristlicher ler bliben und einander by irem crist- or m> 0 lichen gluben zu handhaben ; herwyder die keiserschen und pfaffen huffen, beschlusen den richstag, by dem conzillium, so zuletst zu Costentz gehalten wer worden, zu bliben. Also wart der tag geendet den letsten tag september des erstgenempten jorsz. Aber indem der richstag gehalten wart, belegert der bobst die stat Florenz mit eim grosen volck, so im der keiser usz Spangen und anderschwo dargeschickt hat zu hilff wyder die (ist) Florenzer, dan sy dem bobst nit me wolten gehorsam sin. Also nöttiget, dan sy von nieman 'hilff möchten han, musten also dem bobst?) wyder gehorsam sin. 1) Die Aufzählung der Fürsten, welche dem Reichstag anwohnten, ist sehr unvollständig. Vgl. Ranke. Unter dem Herzog von Sachsen ist der Kurfürst Johann verstanden. 2) Am 22. Sept. wurde der Entwurf des Reichstags -Abschiedes an die Protestirenden bekannt, wonach das Concil innerhalb eines Jahres in Aussicht gestellt wurde. Am 24. Sept. wurde der Abschied auch den Städten verlesen. Der Landgraf reiste am 6. August ab; s. M. Fazius: Gesch. des Reichstags zu Augsburg. Jeipzig, Barth 1830, 8. 133. Vgl. Fikenscher: Gesch. des Reichstags zu Augsburg. Nürnberg, Riegel 1830, 8.119. Der Kurfürst von Sachsen und der Herzog von Lüne- burg reisten am.23. Sept. von Augsburg ab. Keim a.a.0.S. 201. Der Reichsabschied datirt erst vom 19. Nov. 8. RankeS. 213. 3) D.h. der Familie der Medici, welcher Clemens VII. angehörte. erobert er die stat wyder und wurden die Florentzer fast ge- 3 30 B 4 1530. 115 Also umb der kürtzy willen von diser handlung zu schri- ben, wıl ichsz ietz lon bliben, wıewol vil dorvon zu schriben wer, wie sich aller handel verloffen hat und von [237] iedes magiestat und herlikeit zu sagen und von iren anschlegen und 5 gewalt zu schriben, wil ich lon ston. Wet got, ich möcht got unserem schöpfer sin herlickeit und gütte prisen, das er unsz alzit in synen gnoden welle leydten und ein richstag setzen in synem rich und den handfeste geben, so in sinnem gluben wandlen. Amen. | 10 Von einner schnellen botschafft, so von Bern kam derren von Jenff halb!!). Uff suntag den andren tag october genant winmonet 1530 2 Oct. kam ein bot von Bern und brocht botschafft, wie ein grosz volck, so vor der stat Florenz gelegen woren, zugen für Jenf die zu belegeren in namen des herzogen von Safloy 2). Es hat- ten aber die von Jenff ein burgerschafft angenumen mit den- nen von Bern, Friburg und Sollenthurn, usz der ursach der hertzog von Saffoy die von Jenff benötigen wolt. Also zugen die von Bern starck usz mit dem banner zu hilff dennen von 20 Jenff alsz iren mitburgeren?), desglich die von Friburg und Sollenthurn, zugen usz uff den dritten und fierten tag october 3.4.0et. und mantten ouch min herren von Basel, die leytten ouch usz uff allen zünfften uff den fünfften tag october fierhundert wol- 5. Oct. geruster burger, under dennen wasz houptman Jocob Götz der 25 saltzher, von rötten, und fenrich meister Heinrich Köuffer. Usz disem zug wart nüt uff disz mol derren von Basel halb, aber Bern, Friburg und Sollenthurn mitsampt etlichen usz den lendren zugen für und verbrantten und zerbrochen alle schlöser im Saffoger land, dan der herzog gab für, wie sollich uffrur und embörung on sin wissen und willen geschechen wer. Wasz aber die sag), wie der herzog ein bruder het, [235] der wi = 1) Dies bezieht sich auf den Zug gegen den s. g. Löffelbund; s. Hottinger Il. 324—326. Vulliemin I. 27ff. und vor Allen Kamp- schulte: Johann Calvin. Leipzig, Duncker und Humblot 1869. I. S. 82 ff. und die daselbst angeführten Quellen. Von Schweizer Quellen vgl. Bullinger II. 322. Kessler VI. 274. 275 kurz. Salat. berich- tet nichts hievon. Wurstisen 597 ff. hat ausser Ryff noch andere Quellen benutzt. 2) Dies Gerücht scheint weiter verbreitet gewesen zu sein: »Dann man sagt, der Bapst und die Hispanier wölltend zuziehen dem Hertzogen wider Genff und Bernn«. Bullinger II. 323. »Dieweil nun Bapst Clemens der 7. mit der Key. May. hilff, vor diser zeit die Statt Florentz in Italien ein jar lang belegeret und die selbig umb Michaelis beweltiget: gienge die Red, ein Practick wer angelegt die selbigen geurlaubten Knechte für Genft zu führen« Wurstisen 5897. 3) Das Bürgerrecht zwischen Genf, Frei- burg, Bern war den. 8. Febr. 1526 zu Bern geschlossen. Hottinger 11. 325. Kampschulte I. 64. 4) Ich kann die Quelle dieser »Sag« nicht angeben. Allerdings hatten in den letzten Jahrhunderten Savoische Prinzen wiederholt den bischöflichen Stuhl zu Genf inne, und man war gewohnt, diesen als eine Dependenz des Savoischen Hauses zu betrachten. Der da- g* 16. Oct. 21. Oct. 21. Oct. 23. Oct. 116 1530. ein bischoff von Jenff genempt wasz, der het das landvolck also uffgewisen und sy angefurt wyder die von Jenff usz der ursach, das sy in zu keim bischoff haben wolten, vermeint sy domit zu erschrecken, kam aber innen zu eim grosen ungluck, dan die Bernner mitsampt Friburg und Sollenthurn nit noch wolten lon, sunder die zu stroffen, so sollichen ufflouff hetten gemacht und doran schuldig werren, dorum sy dan allen edellütten ire schlösser zerstörtten und verhergatten. Logen aldo im land bisz Gally, wart der krieg gericht zwischen dem herzogen und den eydgnosen !), und zugen die Bernner mitsampt andren ortten wyder heim uff den 21. tag october. Von eim ufflouff insz bischoffs landt?). "Uff suntag den 21. tag october genant wynmonet 1530 jor erhuben sich die buren im Louffenthall, so einsz bischoffs von Basel sind, doch in burgerschafft uff diszmol' verpflicht mit mynen herren von Basel, dennen sy ouch den burgereyd ge- schworen hetten, thetten sich ein zall zusamen, goben für, wie sy der bischoff nötten wolt im gehorsam zu sin und zu schwer- ren, das sy nu nit thun wolten, sunder wolten ein weltlichen herren und oberkeit haben, triben inn dem also etlich burger von Basel ouch uff, das sy solten zu in hinusz kumen und in- nen helffen mynen herren von Basel das land innemen oder, wo das nit beschech, wurden ander herschafften dorzu thun und das land innemen. Also thetten sich etlich burger von Basel ouch zusamen in wyl und meynug dennen im Louffen- thal zuzuziechen, liesen ouch also hinder ruck myner herren ein fry fenly [239] machen, desglich houptlut, luttener, weybel und fenrich on myner herren wissen und willen, das doch wy- der er und eyd wasz noch inhalt des artickelsz der nüw usz- gangnen ordnug und reformatzion, wie vorgeschriben stat. Das wurden nu min herren innen, manten die burger by groser stroff und eyden wyder heim, dan etlich schon heimlich hinusz woren, liesen ouch uff allen zünfften by lib und gut verbietten, das keinner hinwegzug. Also wart uff den 23. tag groser rot gehalten, wie man sich in der sach halten solt, wart mit bey- den retten erkant alle die zu stroffen, so sollichen ufflouff ge macht hetten und sollich rottung zusamen triben het. Also wur- den ir etlich gefangen und etlichen burgerern wart ein: gleyd geben, sich zu verantwurtten, aber sy thetten sich wyder hin- weg, namlich Steffen Bart, der in diser sach ein houptman malige Bischof war bekanntlich Peter de la Baume aus dem Geschlecht der Grafen von Montrevel. S. Kampschulte a. a. ©. 56. 1) Der Vertrag von St. Julien, datirt vom 19. Oct.; s. Hottinger II. 327. Kessler VI. 275 hat den 17. Oct. 2) & Wurstisen 588. Ochs VI. 21. S. Oekol. an Butzer 25. Oct. 1530. 8. 187 der Ausg. der Epp. Oec. et Zwinglii Basil. 1536. Fol. - or 25 30 &r 1530. 1531. 117 wasz, und Urban Gürtler und etlich me, alsz man hernoch hörren waurt. In disem ufflouff leytten sich die buren für Zwingen und Birseck, vermeyneten die inzunemen. Es wart in aber gewert, und wart Birseck ingenumen von dennen von Sollenthurn, doch in namen des bischoffs, übergobens im aber wyder, und wart diser ufflouff gestillet uff disz mol. Wie aber die gestrofft wur- den, so schuld doran hetten, wurt man hernoch wol hörren, 1 A 2 2 3 3 > or > or 0 or dan sy weder grund, ursach noch glimpf zu disem ufflouff het- ten, dan das wol zu mercken ist, wasz hinder mengem gesteckt ist, wiewolsz etlich gern verglimpft hetten, sy hettens mynen herren zu dienst thon, innen das land inzunemen, dan die sag wer, wie das ander stet innemen wolten, aber den dienst, so sy mynen herren doran gethon hetten, wart in schwerlich ge- lond, weger sy hetten sollichsz underlosen. Esz wart dises handelsz halb Urban Blechnagel, der statknecht, gefiertheilt und an die strosen gehenckt uff den 15. tag cristmonetz. [210] Von groser wasernot im Nyderlandt und zu Venedig 1), 1530 jor noch Cristi geburt des monetz octobrisz genantoctober. windermonet, kam die mer, wie das merr zu Venedig uszge- brochen wer und den flusz von der stat Venedig genumen, do- von grose not by in enstanden ist, das nieman zu innen noch sy zu nieman kumen mögen, dordurch sy fast grose not erly- den musten; und hat söllich mer sin flusz in das Nyderland genumen, und ist die sag gewest, das esz 24 dörffer und 15 stett versenckt hab und zu Andorff?2) ouch grosen mercklichen schaden thon, dorvon vil zu schriben wer. Von etlichen bolwercken, so hie zu Basel gemacht wurden). Alsz man zalt 1531 jor noch der geburt unsersz heren 1531 Jehsu Cristi, des monet homug, wurden etliche bolwerck an-"- gefangen zu buwen hie zu Basel, namlich einsz am statgraben zwüschen der nüwen vorstat und dem Blatz), das ander über Rin zu sant Kloren®), an dennen man alle tag vil volcks haben must zu wercken; wurden vil armer lutten dordurch ernert, ‚die teglich do zu werchen hatten, die susz groser armut hetten musen Iyden, dan der hunger zur selben zit grosz wasz, dan 20. Am Rande von derselben Hand mit anderer Tinte: »Dises ist ouch nit für ein worheit zu haltenc«. 31. zuzuHs. 1) Vgl. von Schweizer Quellen: Kessler VI. 283 2) Antwerpen. 3) 8. Ochs VI. 43. 4) Der Petersplatz, schlechtweg der »Platz« genannt. Fechter 119. Die »neue Vorstadt«, früher »Pfaffenvorstadt«, neuerdings mit Rücksicht auf das in ihr gelegene Geburtshaus Hebel’s in Hebelstrasse umgetauft. Fechter 123. Das Bollwerk hiess das Wasenbollwerk ; s. Ochs. Es stand noch bis vor Kurzem, ist jetzt aber zum Behuf der Anlage eines BR ach - chemischen Instituts theilweise abgetragen worden. 5) Beim loster St. Klara in Klein -Basel. S. Fechter 136 fl. 118 1531. das korn ein fierzel fünffthalb pfund galt, ein fierzel habren zwen gulden, ein sack rocken fierthalb pfund, ein sack kern- nen fier gulden; wurden alle tag by zweyhundert menschen an der arbeit brucht. [211] Von eim tag, so hie zu Basel gehalten wartt von den 5 burgerstetten'). 12. Febr. Im erst gemelten jor uff den zwelfiten tag hornug kamen die ersamen, wisen botten und herren der stetten Strosburg, Bern, Zürich und Costantz mitsampt Schaffhusen, Biell, Mül- husen, hielten ein tag hie etlicher sachen halb, unwissend dem gemeinen man, wasz desmolsz gehandlet wart, dan esz ein hel- lig under innen wasz, doch zu nutz gemeinnem bundburger und vereindtten stetten, so in burgerschafft wisz gegen einan- der vereind waren etc. -— [02 Wie kernnen usz dem Schwobenland hargefürt wart. 15 31.März. Uff fritag vor dem balmtag, der 31. tag merzen im 1531. jor, brocht man kernnen von Bibrach und von Memingen har gon Basel zu verkouffen, desglichen von Schaffhusen, galt des tagsz ein sack kernnen funff pfund und das korn fier pfund fünffzechen schillig, der rocken fier pfund, der habren zwen » gulden. Von einnem krieg wyder die Growenbünder?). 31.März. Uff disen tag kam botschafft, wie der herzog oder groff von Miszen die Growenbünder belegert mit etlichen Spangeren und hatten das Felcklin®) ingenumen. Diser thett esz für sich » selb, dan er susz von nieman kein bystand hett von keinnem fürsten noch herren. Wurden etlich örtter gemant innen zu hilff den Bunderen, do woren die von Zürich mit ein fenly knech- ten uszzogen innen zu hilff uff den tag dorvor®), desglich an- 4. abeit Hs. 23. Nach »wie« durchstrichen in der Hs.: »Marx Sittig von Emsz und«. »oder groffeam Rande in der Hs. von Fr. Ryff’s Hand. 24. Ursprünglich stand in der Hs.: belegerten. Fr. Ryff hat die Schlusssylben »erten«, dieam Anfang einer Zeile stehen, ausgestrichen, dann aber am Schluss der vorhergehenden Zeile an das stehengebliebene »beleg« aus Versehen wieder »erten« angesetzt statt des beabsichtigten »ert«. »mit et- lichen Sp.« am Rande von ders. Hand. 25. Nach ingenumen »in namen des keisersz« durchstrichen in der Hs. 27. »diser — herren« am Rande von der Hand der Hs., zum Theil verschnitten. 28. »do« statt »uffe, welches durchstricheniin der Hs. 1) 8, Bullinger II. 337 ff. (S. 342 hat er den 13. Febr. als Datum.) Es handelte sich um den Vorschlag Zürichs, in den Schmalkaldischen Bund einzutreten, und um die Ablehnung desselben durch die übrigen Verbün- deten. 8. Hottinger II. 321 fl. Vgl. Ranke: Reformation III. 251. S. Ochs VI. 8. 43. 2) Der s. g. Müsserkrieg, d. h. der Krieg gegen Jakob von Medici auf dem Schlosse Musso (am Comersee), welchem Karl V. den Titel eines Markgrafen verliehen hatte; s. Hottinger II. 226 ff. 327 fi. Vgl. Bullinger II. 352. 358 ff. Kessler 272 f. Salat, der auch hier nicht sonderlich unterrichtet erscheint, 8. 272; Wurstisen 591. Ochs VI. 44. 3) Veltlin. 4) Nach Bullinger II. 357: am'1. April, so dass Ryfl’s Zeitbestimmung nicht richtig wäre. [o, 1 1531. BG der örtter; ouch wart uff disz mol hie zu Basel ouch uszgleyd under ein fenly, wart houptman Jocob Götz, der saltzher, und fenrich meyster Hansz Luxenhoffer, ludenner her Symon Al- brecht, [222] und wasz vorfenrich Martin Kesler über Rin und die zugebnen von rot meister Adam Hückily und meyster Hansz Nagel’), zugen usz mit fünffhündert wolgeruster knech- ten?) uff den osteroben, den 8. tag aprellen des jorsz, wie ob- stot. Got geb in glück! Wan sy wyder komen oder geschafft 10 2 2 3 on 0 or > ot hand, findst hernoch am dritten blat. Von einner botschafft, so vom keiser kam. Uff disz mol kam botschafft vom keiser, schickt an mine herren von Basel, desglich in andre örtter der eygnoschaftt, ermand sy noch lut der alten bunden im lütt zu schicken wy- der den Dürcken, der dan mit groser macht starck in die cri- stenheit truckt, begert von minen herren von Basel im zu schicken drühundert fuszknecht und sechtzig reisiger in irem kosten zu versolten, wart im aber nüt zugeseit oder geben uff disz moll3). Von einner botschafft von Wien von Oestrich. Uff datum disz erstgemelten monenz kam ein erliche bot- schafft von Wien usz Oestrich, namlich ir oberster burgermeister mitsampt etlichen im zugeben, begertten mit grosem flisz und cristlicher liebe um hilff und rot wyder den grosen trang und schadens des Durcken, des zukünfft sy dan mit grosem schrecken warten werren, des innen mit hılff miner herren von Basel mit erlicher schenckung begobet wurden‘). [243] Von thürung. Vıll hab ich geschriben vornnen in disem buch von der thüre des kornsz, habren und rocken, wasz kouffs iedes syd ‚zwey oder drü joren har, doch nie recht gründlich oder ursach wie, dorum ich hie ein wenig dorvon melten wil und ist dem also: : Diewil unsz got der almechtig nit mit groser stroff begrifft und mit schgorpionnen schlecht, achten wir synner barmher- zigkeit nüt und vergesen aller gütty gotz, dorum er unsz bil- lich nit mit kleinner stroff heimsuchen sol. Wir erkantten doch 4. »Symon Albrecht« statt »meister Joder Brand«, welches durchstrichen in der Hs. 9. »Wan — blat« scheint später nachgetragen. 1) In den Rathslisten bald Nagel, bald Nager. 2) Abweichend Bul- linger Il. 357: »Basel zog mitt ir Statt fendli 300 starck. Ir houptman Jacob Götz Saltzherr zu Basel«c.. Auch Wurstisen 591 hat: 300 Mann »mit 2 Stuck Veldgeschütz«e. Aufzeichnungen S. 162: 200 Mann; vgl. Gast 8.9. 3) 8. Ochs VI. 44; vgl. Ranke: Reformation III. 286 ff. 4) Ziemlich ausführlich bei Gast S.9. S. Apr. April. 120 | 1531. susz sin gwalt nit, also wir ietz ouch thund, der her mant unsz im 29. jor ein wenig mit der thüre, galt zwey pfund, im 30. jor galtz 4 pfund, bisz in das 31. jor das kumen ist uff funff pfund und sechszthalb pfund, das ist nu allenthalben gwesen, das sollich not ist gwesen des hungersz!), dorvon vil zu schriben wer, dan die langwirigkeit der thüre brochtz dohin, das man nit fand grist und gersten, musz und bonnen zu mallen gnug, desglichen habren, sunder esz wart an vil enden emd gemallen und brot dorusz gebachen, das ich selb gesechen hab, durch welche düre vil lüt zu stat und land verdurben, alle gwerb und handdierungen stunden stil. Mine herren von Basel thetten des- molsz einner burgerschafft gar vil gutz, dan sy al wuchen drü mol iedem burger usztheilten ein sester mell oder kernnen und gobens innen um ein zimlich gelt und thetten das ein lange zit, dormit sy einner burgerschafft wol kamen, desglichen an- dren armen lütten mit irer hilff‘ und almosen geben, welche düre und [244] not wir billich got den herren bitten solten alle zit, das er unsz vor sollicher düre und not und andrer wyderwer- digkeit wel verwarren. Amen. Dise dürung werret bisz uff herbstzit im 31. jor, wart alle ding wyder wolffeil, der win um 1 gulden, das korn 2 gulden und susz alle ding gnug von gotz gnod. Von thüre desz winsz. 3.April. Uff fritag post misericordia, der 28. tag. aprellen 1531 jor April. April. April. galt der win hie uff dem merckt usz dem Elsesz sechtalb pfund, und der landwin fünff pfund, und ein huffen salmen_ fier schillig. Von eim mirrackel, so zu Bloom gesechen ist worden. Des monetz aprellen des erstbestimpten jorsz kam die mer, wie man zu Rom in der stat ein finsternusz gesechen hett, namlich so wer esz drü tag und drü necht gantz finster gewe- sen, das nieman das ander gesechen het, und do dise finster- nusz vergangen ist, hat esz blut und waser geregnet uff zwen tag. Got wel unsz vor allem übel bewarren! In disem monet wart kernnen und weisen von Stroszburg in schiffen har gon Basel gefurt uff dem Rin heruff, das vor- molsz nie ghört ist worden, von Strosburg uff dem Rin heruff gon Basel zu farren. [245] In disem monet erstgemelt kam botschafft von unseren 14. »gobens«e Conjektur; fehlt in der Hs. 20—22. »Dise — gnod« enger in der Schrift zusammengerückt, offenbar später eingeschoben von der Hand des Fr. Ryft. 28. Am ur dieser Erzählung von der Hand des Autors: »Disz ist nit glublich, sunder zwiftel- afftige. 1). Von süddeutschen Quellen vgl. z. B. die Strassburger Jahr- geschichten in Mone’s Quellensammlung der Bad. Landesgeschichte II. 142. Die Chronik des Andreas Lettsch daselbst II. 56. ge —_ N © = 1) 6) 5 [9113 3 = 1531. 121 knechten, so by den Growbundren logen, wie die Bunder mit- sampt ‚den Züricheren dem von Misz etliche schiff uff dem se abgewunnen hetten mit vil Spangeren, under dennen des von Mysz oberster houptman!) gewesen ist, den sy dan ouch er- henckt hand, die andren noch kriegszrecht mit ungewertter hand usz dem land geschickt ‚und dorusz müsen schwerren, deszglich vil harnist und gwer und gschutz dorin erobret und grosz gut von korn ouch abgwunen, desglich susz vil erwürgt und erstochen, under dennen ein fıy fenly gwunnen, das sy gon Zürich geschickt hand?), und ist uff disz mol durch den keiser allenthalben verbotten, das nieman dem von Misz zu hilf! darff züechen, desglich von andren fursten und herren hat er kein hilff?), und must Marx Sittich von Emsz?) ouch mit sim huffen abziechen durch gheisz und bot des keisersz; dan der keiser mocht wol besorgen, wo er dem von Misz ein bi- stand oder hilff thon het, so wer man im in sin land gefallen ; dorum im niemansz dorfft zuziechen uff disz mol. In disem monet wart zwyschen dem keiser und dem Dür- : cken ein friden gemacht zwey jor lang?). Uff.den letsten tag jully des 31. jorsz kam botschafft, wie 31. Juli. 20 30 die Bünder mitsampt unseren knechten zu Mysz mit dem her- ren von Misz und den Spangeren ein schlacht hetten thon, und sind die unseren mit der hilff gotz obgelegen, doch susz nüt sundersz gwunen®). [246] Von eim grosen rott. Uff donstag den fiertten tag des meygensz, alsz man zalt 1531 jor, wart groser rot ghalten durch anrüffung derren von Zürich, erzalten do gschrifftlich vor grosz und kleinnem rot vıl verschmecht, laster und schandlicher wortten und wercken, so innen begegnette von den funff örtten, innen und den iren, 1) Grasso oder Crasso, s. Hottinger Il. 329 nach Bullinger II. 359. Vgl. auch zu den oben angeführten Quellen noch Ulrich Campell’s zwei Bücher Rätischer Geschichte im Archiv f. d. Gesch. der Republik Graubünden, übersetzt von CE. v. Mohr, Bd. II. Chur, Hitz 1851, 8. 320. Die Gefangennahme des Grasso wird daselbst 8. 323 ausführlich erzählt. 2) Bullinger II. 359 erwähnt »ein fendli gäll und schwartz, ettlich falco- neten und 36 haggen«. 3) Vgl. Hottinger 11. 330. Unter den andren Fürsten ist vorzüglich der Herzog von Mailand verstanden, von dem eine Unterstützung des von Musso zu fürchten war. 4) Gemeint ist der Schwa- ger des Kastellans von Musso, Wolf Dietrich von Hohen-Ems, dessen Vater. der aus der Geschichte des Bauernkrieges von 1525 bekannte Marx Sittich von Ems war; s..Hottinger II. 327. 227.23. Wolf Dietrich von Ems musste nicht, wie Ryff es darstellt, abziehen, sondern die Wege waren seinem Zuzug versperrt; s. Hottinger 330. U. Campell 322. 5) Vgl. hiegegen Ranke a.a. 0. 6) Ich erkenne nicht klar, welche Epi- sode des Krieges, in dem es an grösseren Massenkämpfen fehlte, unter die- ser »Schlacht« zu verstehen ist, vielleicht die glückliche Bewegung gegen Masenzona? S. Campell 325. Indess hätte die Nachricht von dieser, die vor dem 27. April stattfand, nicht erst Ende Juli eintreffen können. % A. Mai. (12. 15. Mai.) 7. Mai. 24. Mai. 122 1531. namlich Ury, Schwitz, Underwalten, Zug, Lutzern und Wal- liszz, und geschech das nit innen allein, sunder allen dennen, so in irer bundnisz und ‚cristlicher vereinig weren,, dorum sy unsz hoch ermanten, innen sollich schmochwort, laster und schand helffen nyder trucken, in willen sy zu überziechen. Also wart innen güttlich geantwurt und ein tag angesetzt, uff dem aller derren wil und meinig vernumen wurt, wie man sich halten wolt, uff welchen tag ouch beschriben wart ein ersame botschafft von Strosburg und ander, so in der vereinig woren, und wart der tag gehalten zu Arow im Ergöuw), und do nütz gehandlet sundersz, aber esz wart ein andrer tag angesetzt, der wart gehalten zu Bern im Ergöuw2), und do beyd parthie- gen verhört gegen einander zu allen articklen, namlıch die len- der und die von Zürich. 1217) Von eim Juden, so hie getoufft wart zu eristenlichem glouben. Uff suntag cantate 1531 jor uff den sibenden tag meygen liesz sich ein Jud hie touffen im munster und bekerren zu cri- stenlichem gluben noch inhalt unsersz gegrunden gluben in Uristum unsersz erlösersz und des ewangeliums. Von unseren knechten, so von Mysz wyder heim komen. Uff mitwuchen den 24. tag meygen 1531 jor komen unser burger von Basel wyder heim3), so vor dem schlosz Mysz ge- legen woren zu hilff den Growenbündren mitsampt andren eyd- gnossen, dan sich der herzog usz Meyland mit den eydgnosen vereind und vertragen hand dises kriegsz halb wyder den von Mysz; dem ist also®), das der herzog sol geben in sinnem 1) 8. Hottinger 11.343; die Akten bei Bullinger II. 380 ff. Dass hier »nütz gehandlet sundersz«, ist doch nicht richtig. Auf diesem Tage wurde gerade der Vorschlag gemacht, den fünf Orten den Kauf von Korn, Salz, Wein, Eisen etc. zu versagen, freilich zunächst nur als Schreckmittel. Ryff selbst berichtet dies; s. unten. 2) »Bern im Ergöuw« ist in jeder Weise sinnlos. Entweder bat der Chronist den ersten Tag in Brem- garten gemeint (s. Hottinger Il. 350 ff.), der Montag vor Vitus und Mo- destus, 12. Juni (Hottinger hat $S. 351 Anm.'19, wohl nach Wurst- isen, 14. Juni), gehalten wurde; s. Bullinger III. 9 ff.; vgl. Salat 277. Ryff hätte damit freilich den chronologischen Gang seiner Erzählung un- terbrochen, ohne dass sich etwa durch die Schrift die Notiz als späterer Nachtrag darstellte. Oder er meint den Tag zu Zürich vom 15. Mai; =. Bullinger 11. 383. Damit würden die Worte unt. 8. 123,36 stimmen : »uff vorbestimpten tag zu Arow und Zürich«. Er hätte dann ganz gedanken- los B’ern statt Zürich geschrieben, dem er ebenso gedankenlos: »im Er- göuw« beifügte, weil er eben »Arow im Ergöuw« geschrieben hatte. Vgl. über diese Tagsatzungen auch Mörikofer: Zwingli Il. 368 ff., der übri- gens als Datum des ersten Tages in Bremgarten auch den 14. Juni angiebt. 5) »Jeder vom Zug erhielt einen Kronenthaler«. Gast 12. 4) 8. Hot- tinger 11. 330. Vgl. Kessler VI. 287. Den Vertrag selbst s. bei Bul- linger Il. 360, Campell 326. | 5 [ 0 20 [36] > 1531. 123 kosten zweytusent man und die eygnosen ouch zweytusent in irem kosten, und sol der herzog den krieg vollenden in der gstalt, das die schlöser, so desz von Misz sind, uff den boden zerbrochen und zerschossen werden und kein stein uff dem an- dren losen, das dan uff disz mol angefangen wasz, dan sy das ein schlosz Misz uff disz mol zum theil zerschosen hatten; und wasz do gewunnen und erobert wurt von gut, land und lut, sol halb des herzogen sin und halb der eydgnosen, dorgegen dan der herzog ouch den eygnosen etlichen kosten sol und ı0 musz geben, alsz man hernoch wol hören würt etc. 1). - ot [2183] Von eim grosen rot, so hie gehalten wart durch anrüffung der funff ortien?). Uff fritag den 26. tag meygen 1531 jor komen rotzbotten 2%. Mai. von den funff ortten, namlich von Ury, Schwitz, Underwalden, Zug und Lutzern und begertten hie für ein grosen rot, vor dem ir anlygen und beger zu eroffnen und fürzutragen, um deszwillen sy gesant woren; der wart innen gehalten uff men- tag den 29. tag mey. Do erzalten sy vil ursachen, die sy dan 29. Mai. eim ersamen rot fürtrugen der anklag halb, so vormollen die 3» von Zürich ouch vor eim grosen rot erzelt hatten, alsz dasz vor anzeigt ist, meintten sich do fast zu verantwurten und beclag- ten sich hart des verklagen, so die von Zürich thon hetten, und sy sich vil me zu beclagen hetten viller ursachen, so in- nen von dennen von Zürich begegenet were, dorum sy lang 3 und vil recht gegen innen begert hetten, möcht innen nit ver- ‚ volgen, und derglichen vil schwacher ursachen, domit sy sich vermeinten zu verantwurten, das sich doch nienan der anclag noch articklen mocht verglichen, so in der von Zürich clag vor bestimpt sind, ouch ein ieder byderman wol erkennen möcht, welcher theil gegem andren zu verglichen [249] wasz, recht oder unrecht zu geben. Uff das innen ouch uff disz mol schlecht geantwurt wart; doch wart innen kein ander antwurt, dan sollichsz an die andre ort zu bringen, so mit unsz vereind und verburgerschafft werren: wasz dan do gemeinlich gemert s; wurt, wurden sy wol vernemen. Uff das schieden sy wyder dannen heim. Esz wasz aber ein mol uff vorbestimptem tag zu Arow und Zürich 3), wie vorstat, beschlosen worden und erkent von gemeinnen ortten der burgerschafft, das den fünff ortten vorgemelt solt uff dise pfinsten alle brobant und feillen kouff abgeschlagen werden, das innen ouch uff bestimpt zit abge- schlagen wart uff den. pfinstoben, den 27. tag meyg erst gemelt 27. Mai. datum), und furen die von Zürich also mit irer erkantnusz ei on 3 > 4 > 2. »irem« doppelt in der Hs. 18. »xxvım tag mey« Hs. Montag war aber der 29ste. S. auch Ochs V1. 48, i) Vgl. unten 8.139. 2) 8. Ochs V1.48. 3) 8. ob. 8.122 die Anm.1. 4) Hottinger 11. 344. Bullinger 11. 388. 124 1531. für, liesen die lender tagen und verantwurtten, wie lang sy wolten, und wurden den lendren also fier wegen nyder gleyd, glich noch uszgang disz botz etc. Von einner orinug der metzgeren, so vom grosen rot.erkant wart. Esz. wart ouch uff erstgemelten tag mit grosz und klein- nem rot erkent ein ortnug den metzgeren, dan: uff disz mol groser mangel an fleisch wasz und aber allenthalben fleisch gnug gefunden wart. or [250] Wie Eocolampadius gon Ulm geschickt wart zu predigen'!). Mai. Anno 1531 jor im meymonet schickten die von Ulm an ıo mine herren von Basel mit ernstlicher bit und begeren, innen zu schicken und gönnen unseren doctor Eocolampadius, innen das götlich wort ein zit dasz zu verkünden, domit sy und die iren ouch möchten des gotzwortz und cristlichen bruch bericht möchten werden. Der wart innen zugesagt und disz monetz geschickt mitsampt etlichen andren cristlichen predicanten von Strosburg und zugebnen des rotz mit erlicher botschafft, dan die von Ulm der cristlichen meinig woren, dasz götlich wort anzunemen mit allem bruch und form, wie wirsz mytsampt andren mitburgerlichen stetten hielten etc. Got verlich sin gnod 20 alzit! 14. Juni. Uff mitwuchen, den 14. tag des brochmonetz des obgemel- ten dato schriben die predicanten von Ulm herusz, wie zu Ulm mit dem rott erkent wer worden, nu fürhin alle mesen und götzen und bebstliche zermonien hinweg zu thun, und wart 25 ouch in aller irer landschafft und gebietten hinweg gethon, und under innen das gotlich wort angenumen und alle crist- liche bruch under innen gehalten, wie mansz by unsz und an- dren cristlichen stetten brucht.: Esz wart ouch Eocolampadius gar schon und erlich gehalten mitsampt synen mitbrudren von 30 Strosburg und anderschwo, die mit im worren. 14. Juli. Uff den 14. tag jully des obgemelten jorsz ist: Eocolampa- dius mitsampt sinnen mitbrudren mit grosen erren und nutz- barkeit wyder heimkumen?). —_ 5 [21] Von eim grosen rot, so gehalten wart derren von Sollen- 35 thurn halb). 29. Juni. Uff donstag den 29. tag brochmonetz, alsz man zalt von der geburt Cristi Jesu 1531 jor, wart groser rot gehalten derren 1) Vgl. Gast 15. Herzog Il. 232. Hagenbach 149. Auch Butzer und Blaurer waren anwesend; vgl. die ausführliche Erzählung bei Keim: Die Reformation der Reichsstadt Ulm. Stuttgart, Belser 1551. S. 228 ft. 2) Gast 20: »um 10 Uhr Vormittags«. 3) Ueber den s. g. Galgen- krieg, von dem im Folgenden gehandelt wird, s. Bullinger III. 21 aus- führlich und urkundlich. Kessler VI. 287 ganz kurz. Vgl. von Basler Autoren Wurstisen 59 ff. Gast 16fi. Ochs VI. 45 ff. Rn 2 2 3 3: or je) 5 0 Wr ” 1531. 125 von Sollenthurnn halb, und ist disz die ursach: Alsz mine her- ren von Basel und Sollenthurn langwerig spen und zwytracht gehebt hatten etlicher landschafft und dörfferen, so dan die von Sollenthurn ansprochen und vermeinten dasz ir zu sin, und aber myne herren von Basel gut brieff und sigel dorumb dar- zuthun hatten der gantzen landgroffschafft Syszgöuw i), Sewen, Howalt2) und Gempen und andre dörffer bisz uff die Schoff- mat), das nu alsz die von Sollenthurn vermenten anzusprechen, dordurch mine herren von Basel und die von Sollenthurn in ein sollichen span komen, das sich unsere cristliche mitburger von Bern) dorzwüschen leytten, die sach zu verdedygen mit- sampt andrer erlicher obmeneren und underdettinger, richtetten die sach, so best sy mochten und endschieden sy mit marck- steinnen und endscheydungen, wie sy mochten, des sich die von Sollenthurn nit ersettigen losen wolten mit vil ungeschick- ligkeitten, so von innen triben wart, doruff mine herren durch ordnug der underdettinger etliche marckstein liesen setzen mit beger dorumb zu hören losen all ir gewarsamy, brieff und sigel, so sy dorum hetten, das aber dennen von Sollenthurn nit gle- gen wasz, sunder wasz sy bedunckt ist nit von nötten alsz hie zu melden, dan ichsz umb kurtze willen underlosen wil, wie- wol vil dor- [252] von zu schriben wer, aber sy gruben minnen herren etlich irer marckstein usz uber alsz rechterbietten und satzten ein nüwen galgen an die stat uff miner herren ertdrich oder hochherlickeit, zu eim zeichen, alsz ob sy ir hochgricht und gerechtigkeit do hetten, das nu billich mine herren gröslich beschmocht, dan esz frillich billich für ein schmoch, schand und lesterliche schmoch uffzenemen ist; dan esz eim ieden mag zu herzen gon, wie erlich das gehandlet ist, die do unser lieb, truw nochburen soltten sin und truwen eydgnosen. Sollichsz hielten nu mine herren eim grosen rot für, den sechsen mit- sampt den verordnetten, und erzalten innen den handel. Also noch allem furtrag miner herren wart erkant mit grosz und kleinnem rot, das man den galgen usz befelch miner herren solt wyder lon abhouwen. So sich dan die von Sollenthurn sollichsz wolten annemen, alszdan solt man uff sin gerust mit 25.»0.h.«am Rande von der Hand des Fr. Ryff mit Verweisung auf die betr. Stelle im Text. 1) S. L. A. Burckhardt: Die Verfassung der Landgrafschaft Sisgau in den Beiträgen zur vaterl. Geschichte II, bes. S. 437 ff., 8. 320—325. 336, daselbst auch über die vorkommenden Namen. 2) Hochwald und Gem- pen, früher Dinghöfe der Domprobstei Basel; s. Burckhardt a.a.0.8.323. 324. 3) Die Schafmatt, ein wiesen- und holzreicher Berg in der Jurakette, theils zum Solothurner Amt Gösgen, theils zum Basellandsch. Bezirk Sissach gehörig. Ueber die Schafmatt führt der nächste Weg von Basel nach Aarau. Vgl. Lutz. 4) Bern sandte als Vermittler nach Solothurn den Altschult- heissen Sebastian von Diesbach, den Seckelmeister Bernhard Tillmann vom kleinen, Peter Dittlinger und Heinrich Schleifer vom grossen Rath; s. Til- lier: Geschichte von Bern II. 298. 2. Juli. 3. Juli. 126 1531. dem houptbanner und uff die ‚von Sollenthurn angriffen und sy bekriegen.. Disz wart ouch unseren cristlichen mitburgeren von Zürich und Bern anzeigt, ein uflsechen uff unsz zu haben, und wart in alle miner herren empter befollen, sorg und wacht zu halten, ob sich etwasz erhüb; wart uff disen tag von allen zünfften das halb theilt) volck uszgeleyd zum houptbanner, das iederman wol gerust wer. Esz wasz ouch iederman gut- willig und wol [253] gerüst wyder sy zu ziechen um der grosen miszhandlung willen. Also leytten sich die von Bern dorzwü- schen mit ernstlichem flisz mitsampt andren truwen eydgnosen und cxistlichen mitburger von Zürich, Friburg, Biell und Müll- husen, handletten ernstlich in der sach, zu verdettigen und zu vertragen beyd theil. Kamen also dise erstgemelten ortt uff suntag den 2. tag jully genant heuwmonet früg, hielt man aber grosen rot, tru- gen dise dettigszherren minen herren beyden retten für ir be- ger des fridensz halb gegen den von Sollenthurn, ermanten min herren by den buntten und noch lut des burgereydz nit usz zu ziechen, noch zu verrucken, sunder innen die sach zu vertruwen, wolten sy dorin handlen noch irem besten vermö- gen, domit mansz zu beiden theillen zu frid und einigkeit bringen möcht; dan mine herren uff den samstag ganz gerust woren mit dem houptbanner usz zu ziechen, und stund .das geschutz uff dem Kornmerckt, und wasz iederman wolgerüst; deszglich woren ouch die von Sollenthurn schon uszzogen mit 25 etlichem geschutz und knechten bisz gon Balstal?), doch dorf- ten sy nit wydter kumen, dan sy ouch von disen dettigszherren abgestelt wurden, nit witter zu ziechen bisz uff witter bscheyd. Also wurden dise dettigszherren vor beyden retten verhört und begertten, das mine herren innen die; sach übergeben, wie : obgemelt ist, so wolten sy sich des gwaltz annemen und den marckstein und galgen wyder uff lon richten und wasz do ver- ruckt oder endwert wer worden, iederman zu sım rechten; [254] welche parthy dan recht oder unrecht hett, mocht wol so- lichsz losen ston oder dannen thun noch irem gefallen, mit vil anmuttiger wortten, on not zu eızellen; verzoch sich die sach den tag, das innen kein antwurt wart bisz an mentag frug hielt man aber grosen rot, wie man in disem handel sich hal- ten wolt. Also wart noch allem rot einhellick erkant, das mine herren by brieff und syglen und aller irer gewarsamy bliben solten und by dem anlosz, so zwuschen dennen von Sollen- thurn und mynen herren gemacht wer worden, und erbutten 14. versten tag« Hs., was ein Irrthum ist. 38. »mana« fehlt in der Hs. 1) Die Hälfte der Bewaffneten, die auf jede Zunft kamen. $. über die Baslerische Wehrverfassung L. A. Burckhardt: Der Canton Basel 250. 2al: 2) Ballstal, Kanton Solothurn, am Fusse des Passes über den obern Hauenstein, unfern der Kantonsgrenze. pas 0 ww > 1531; 127 sich myne herren rechtz und begertten das unferzoglich zu halten gegen den von Sollenthurn.,, und das do weder stock, galgen, margstein noch andersz ufigericht noch gesetzt wurt, bisz usztrag der sach und des rechten, und die von Sollenthurn ouch nit witter ruckten noch zugen uff miner herren erdrich weder mit geschutz noch andrem volck, das nu dise dettigsz- herren in zusagten, ouch weder stock noch galgen do haben wolten. Also furen dise dettigszherren wyder hinweg und hand- 10 letten in diser sach zwuschen beyden stetten Basel und Sollen- thurn, und kamen ouch dorzwüschen ın disen handel zu det- tigen mitsampt disen vorgenanten stetten und ortten, namlich ein erlich botschafft von Costanz und von den fünff ortten, Schaffhusen, ‘Sant Gall, Apenzel etc. 15 [255]. Fon eym grosen rot, so aber gehalten wart derren von Sollenthurn halb. Uff mitwuchen, den funfften tag heuwmonet des vorbe- 5. Juli. stimpten datum kamen die dettigszherren wyder har gon Basel, so gegen dennen von Sollenthurn gehandlet hatten, namlich 20 Zürich, Bern, Friburg, Biell, Mulhusen, Schaffhusen, Sant Gal- len und Apenzel mitsampt Costantz, Ury, Lutzern, Underwal- ten und Zug, wart uff donstag frug den sechsten tag heuw- 6. Juli. monetz aber groser rot gehalten, und trugen dise obgemelten dettigszherren mynen herren beyden retten für den handel aber- molsz betreffen die Sollenthurnner, demnoch und sy dan nechst- molsz abgescheyden woren und miner herren meinig und bey- den retten erkantnusz vernumen hetten, wie dan mine herren von Basel rechtz begertten gegen dennen von Sollenthurn in krafft irer brief und siglen, wie dan vorgemelt ist, und do so weder stock noch galgen haben wolten an dem ort und end, do. dan die Sollenthurner vermeinten ır herlickeit zu haben, sunder das esz solt alles bliben ligen iederman zu sim rechten und zu usztrag der sach; hatten doch under andren dise det- tigszherren disz mittel an die hand genumen, ‚dan sich die Sol- lenthurnner ouch nit wolten lon abreden oder stillen, sunder vermeinten das hochgericht wyder uffzurichten, das nu myne herren nit liden wolten. Domit aber beyd parthien gestilt wur- den, wasz diser abscheyd und ir mittel, das dise obgenanten herren wolten überein das hochgricht wyder lon uffrichten, ieder parthy zu sim rechten, und das solt man [256] innen gön- nen und zulosen, domit ieder theil zu friden und ruwen ke- men, das nu beyd ‚redt grosz und klein nit zu wolten lon, sunder by der vorigen erkantnusz bliben und kein hochgricht do haben bisz usztrag des rechten; aber kurz ab: dise dettigsz- 4; herren wolten by dem mittel bliben und disz furnemen für sich 22. sechten Hs. 36. mynen Hs. ”— [s71 3 ou 4 =} 128 1531. selb thun, manten ouch uff daszselb mine herren stil zu sizen, hatten ouch die Sollenthurnner ouch abgemant, die dan uff disz mol ouch usz dem feld heim zogen woren ; wiewol des mine herren übel zufriden woren, musten sy doch mit gwalt do hin- durch. Esz wart aber ouch von minen herren anzeigt disen ortten und dettigszheren, das mine herren sy uff keim tag me besuchen wolten vor usztrag disz rechten, und wart also uff disen tag das banner wyder behalten, das dan vom samstag 1-6.Jul.bisz an disen donstag uszgesteckt wart. Diser handel wart ge- 13. Aug. 8. Aug. 13. Aug. 21.Aug. rechtfertiget und taget zu Liestal durch siben man von Zürich und Bern uszgesprochen, bisz uff das hochgericht, wart uff disz mol nit uszgesprochen, susz wurden die zwing und ben, marchen und lochennen endscheyden und theilt und wurden zu allen theillen die marckstein gesetzt, und wart mynen her- ren zugesprochen, wasz ir brieff und sygel vermochten und in- ! hielten, und wart innen vil zugesprochen, das vor alweg die von Sollenthurn geeyget und angesprochen hatten. Des hoch- 1257) grichtz halb und der hochherlickeit wart ein tag ange- setzt uff suntag post Lorentzii der 13. tag ougusti zu Arouw. Von eim grosen rot. Uff zinstag vor Lorenzii den achtisten tag ougstmonetz 1531 jor wart groser rot gehalten der lender halb, namlich der ab- geschlagnen brobant halb, von dennen von Zürich und Bern wart ein tag angesetzt, und aber in disem erstgemelten handel mine herren von Basel kein tag me zu besuchen ermesen hat- ten vor usztrag des handelsz derren von Sollenthurn halb, wur- den mine herren beschriben und gemant zum dritten mol von dennen von Zürich und Bern, disen tag zu erschinnen, grosesz nochtheil und uneinnickeit zu fürkumen, so dorusz erwachsen möcht. Dan wo sy nit erschinnen, diser tag zerschlagen wurt, und aber die lender sich hoch beclagten der abgeschlagnen zu- furung, das sy dan fürhin nit lenger me wüsten zu’ beharen, sunder sich hinusz losen und die underston zu reichen, 'dorusz dan wol grosz krieg und zwytracht zu erwegen ist under einner eydgnoschafft. Uff das einhellig mit beyden rötten erkent wart, den tag zu besuchen mitsampt andren eydgnosen, diewil doch der vorig handel angefengt wer und witter dorin gehandlet werden solt, wie oben anzeigt ist, und biszhar drüwlich ge- handlet erfunden wer [253] worden; und sol uff suntag post Lorenzii jederman an der herberg sin und der fünff ortten halb zwüschen dennen von Zurich, Bern und innen gehandlet wer- den. Got wendz zum besten! Diser tag wart zerschlagen und ein andrer angesetzt!) uff mentag vor Bartlomey. 43. »Diser — Bartlomeya« mit kleinerer Schrift. Statt»vor« hatte Ryff erst»post« geschrieben. 1) Ob dieser Tag gehalten worden, weiss ich nicht, finde aber nichts davon. [> 20 or 10 ven [ 20 3 =) 35 1531. 129 Esz wart ouch in disem grosen rot erkant der armen lütten halb, so von Welschen hie woren, namlich geschach ein groser überfall in einr stat Basel von welschem volck usz Ludringen, Burgund, Saffoy und anderschwo har von armem volck, die dan sterbensz halb und düre halb har gon Basel komen, jungsz und altz, wib und man, dasz der überfal fast grosz wart, dor- durch ein oberkeit bewegt wart in sollichsz zu sechen und ein- hellig erkant, furer die usz der stat zu schicken und zu be- suchen und furer keinne witter inzulosen; desglich gschach ouch vom gantzen regyment ouch, die ouch sollichsz thetten, domit man das volck usz dem land brocht. Uff mitwuchen, den sibenzechenden tag ougstmonetz anno 17. Aug. 1531 noch mitag um die nunte stund wart ein comet!) ge- sechen am himel, namlich ein schönner stern mitt eim langen strimen, glichet sich einner brenneten facklen, und sach man disen sternnen drü nächt einander noch, alle nacht um die zit, und wert bisz mitnacht, stund ob dem saltzthurn, wasz fast hübsch anzusechen. | Uff mentag vor Bartlomey anno 31 wart aber gesetzter tag 21. Aug. zu Bremgart zwischen den fünff ortten und Zürich und Bern halb, wie vorgemelt ist; do erschinen die von den fünff ortten nit uff disen tag?). [259] Von eim grosen rot, so gehalten wart derren von Sollenthurn halb, antreffen das hochgricht. Uff zinstag den 22. tag ougusti 1531 jor wart der handel 22: Aug. des hochgrichtz gegen dennen von Sollenthurn und minen her- ren uszgesprochen und zu end gesetzt durch die siben man, die dan in dyser sach solten rechtsprecher sin, wie vor gemelt ist, das der galgen, so vor durch die thettigszherren uffgericht wasz worden und der gröst span und zwytracht zwischen minen herren und dennen von Sollenthurn gwesen ist, sol dannen thon werden und kein hochgricht zu ewigen zitten do nimer- mer uffgericht werden von keim theil; und wasz susz spen und zwitracht gegen einander verlouffen sind, sol alsz gricht und geschlicht sin und ieder theil den kosten an im selb haben und domit gut frunt, nochbur und lieb truw eydgnosen sin etc. Wart diser uszspruch eim grosen rot anzeigt und fürge- halten und ein erlich botschafft von Bern hargeschickt, mine herren und ein grosen rot zu bitten, das wir by disem usz- Dagegen vermisse ich bei Ryff die Erwähnung des Tages zu Basel vom 16. Sept. (s. Bullinger III. 71. Ochs VI. 50; wohl irrthümlich hat Hot- tinger II. 361 Anm. 58: den 6. Sept.) 1) 8. Bullinger III. 46: »Umm Laurentii« (10. August). Kessler VI. 288 ff.: »erstmals gesechen worden am 15. tag augstmonat«. Salat $. 289: »um assumptionis Marie«. Strass- burgerJahrgeschichten in Mone: Badische Quellensammlung H. 142: »Im October«. 2) S. den Abschied dieses 5ten Schiedtags zu Bremgarten, dat. Zinstag vor Bartholomei bei Bullinger III. 49 f. Basler Chroniken. 1. 1) 4. Sept. Saptbr. 8. Oct. 11. Oct. 130 1531. spruch bliben und vernügig sin wolten. Also wart esz einhel- lig erkant by disem uszspruch zu bliben. Hiemit wart diser span und zwitracht zwüschen beyden parthigen ouch abgestelt, und gwunen mine herren von Basel für iren theil gnugsamlich und me dan sy begert hatten, und verluren die von Sollen- : thurn die hoch herlickeit, doruff sy vil gesetzt hatten zu ge- winnen etc. [260] Von em grosen hagel‘). Uff mentag post Frenny?) der fiert tag september genant herbstmonetz 1531 jor zwüschen fieren und funffen noch mit- tag kam ein groser hagel, fiellen stein in der grose wie ein boumnusz und etlich groser, zerschlug vil opsz an bommen und die trubel von reben, desglich hagel hat uff disz zit kein mensch erdacht, und stund des jorsz fast wol an reben und vil opsz allenthalben, das menglich meind, esz solt alsz zu grund gangen sin; aber got hat gröslich sin gnod bewisen und be- hut, das nit sundersz grosz schaden am win beschach; dem 20 soum solt worden sin, gieng nit über ein soum ab, dan das man glich dornoch herbsten must, ursach des füllensz an den trublen noch den hagelstreichen, aber an eychlen und opflen thet esz vil schaden; und gieng ouch diser hagel nit wyd. Got behut unsz furer! Von eim burgertag, so gehalten wart. In dem monet september des obgemelten jorsz wart ein tag gehalten zu Bremgart, komen zusamen die von Strosburg, Costenz mitsampt Mülhusen, Bern und andre ort, desglich Basel, Apenzel, Schaffhusen, handletten und tageten by drü wuchen zu Arouw, Bremgart und zu Baden der zweygung und spennen halb zwüschen dennen von Zürich, Bern und der fünff ortten halb, hetten die gern zu fryd und einigkeit brocht, hatten grosen flisz und ernst, esz möcht aber gegen beyden theillen nüt verfachen, dan kein theil dem andren nochlosen wolt: dan wo die Züricher und Bernner billigkeit begertten, das wolten 1261] die andren nit annemen, dovon vil zu schriben wer, aber nit von nötten alsz zu beschriben, dan ursach gnug vorgemeltet 3: ist, uff dasz die schydherren und tagszherren scheyden musten, das nüt fruchbarlichsz zu end brocht wart, und endet sich der tag uff suntag den achten tag october, das die tagszherren wy- der heim furen. Von eim grosen rot, so gehalten wart einner manug halb von Bern, und ein zug wyder die lender. Uff mitwuchen den elfften tag october, genant winmonet, 12. Statt »boumnusz« scheint in der Hs. »boumusnusz« oder »bomusnusz« zu stehn, 1) S. Wurstisen 599. Gast 29. 2) Vreni = Verena. or N > >) 0 0 “> = Sr pe 0 or 1 = 15 20 3 = 1531. 124 des erstgemelten jorsz hielt man grosen rot, und wart fürgehal- tem ein manug von dennen von Bern, ein uffsechen zu haben, desglich grust zu sin, so sy minen herren von Basel die andre manug schickten, das sy uff weren innen zuzuziechen, dan die von lendren mit macht woren uffbrochen, diewil innen die von Zürich die strosz nit wolten uffthun und brobiant zulosen, die mit gwalt zu hollen und uffzuthun. Also wart mit beyden röt- ten erkent in zuzuziechen, und wart uff disen tag uszgeleyd von burgeren und usz miner herren emptren funffhundert!) wolgerüster knecht mit eim fenly, under den wasz houptman her Hansz Rudolff Fry des rotz und fenrich Clausz Zesly der metzger?\, ludner meister Baschion Krug), die zugebnen her Jeronimus von Kilchen und der jung Bientz, ale des rotz, zugen usz uff fritag, den zwelfften tag winmonetz. Got ver- lich alzit sin gnod und friden! Uff fritag, alsz sy uszzugen von Basel, zoch man ilensz hinweg, kam botschafft, wie am mitwuchen obgemelt die len- der die von Zürich angriffen hatten) durch verrettry, und zu beyden theillen by thusent manen erschlagen wurden. Uff disz mol kam der Zwinly um, dan er mit dem houptbanner von Zürich uszzogen wasz mitsampt [262} andren redlichen burgeren von Zürich, dan sy durch etlich von Zürich gegen den lende- ren verrotten und uszgespecht woren worden, deren ouch etlich gefangen wurden und von den von Zurich gefiertheilt und iedem noch sinnem dienst gelond wart. Got verlich den fro- men cristen sin gnod und sig alzit! Esz kamen derren von Zürich um achtzechen gelertter men- ner) mitsampt dem Zwingly und susz retlicher burger, das ir uff drühundert der Zuricher umkomen, aber die lender verluren vil mer und ouch fast redlich menner. Esz kamen ouch under in um die dıy obresten amänner von Zug, Underwalten und Schwitz,, litten fast ein grosen schaden. Underichtung disz vorgemelten kriegsz ursprung und ursach des handelsz. Diser erstgemelt krieg wasz ein 'härtter krieg, der billich ein iedes cristenmensch bekümeren sol und im zu hertzen gon, 25. »Zuricher werden von irem eigenen volch verratten« am Rande von der Hand des Peter Ryft. 32. »Den lenderen gendt ire aman und oberste druf« desgl. 1). 400 Mann: Aufzeichnungen 26b. 2) S. unten [306]. 3) Vgl. Bullinger III. 194. Gast 34. 4) Die Schlacht von Kappel. Ueber die »verretry« s. Mörikofer a. a.O. II. 405. Ebendaselbst wird der Verlust der Züricher an Todten nach Bullinger zu 514 (soll heissen: 512, s. Bull. II. 158), der der fünf Orte zu 80 Mann angegeben, so dass sich Ryff’s Angaben, zumal die über den Mehrverlust. der Länder, als falsch herausstellen. Eine genaue Kritik der wichtigeren Quellen glaube ich mir hier ersparen und statt dessen auf Hottinger Il. 8. 373 ff. verweisen zu dürfen. 5) Eine Aufzählung der auf Züricher ‚Seite Gefallenen s. bei Bullinger 11]. 142 ff.; unvollständig Kessler VI. 302. 9% En 12. Oct. 11. Oct. 132 1531. dan esz wol zu beduren ist, das ein so hoch gelopte eygno- schafft in ein solliche zertrennig kumen ist, aber doby ouch kein wunder, das got der almechtig sin stroff ouch lot gon, dan esz zu zitten wol verschuld wurt, dan do von iedem für- sten und herren gelt genumen wart, vil wittwen und weysen zu machen, land und lüt zu verderben wyder alle billickeit, er und recht, do lebt ein zit ein eygnoschafft wol und woren wol einsz, aber sobalt got sin gnod etlichen. ortten sant und sin götlich wort mittheilt, und von sollichem blutgelt liesen und pencion verbutten zu nemen, das schmackt etlichen ortten [263] nit, fiengen an die andren zu hasen, alsz dan die usz den lenderen gethon hand, namlich die von Lutzern, Ury, Schwitz und Underwalten mitsampt den von Zug, dennen dan das blut- gelt und die pencion basz schmackt dan das götlich wort, fiengen sy an zu hassen und schmechen die von Zürich und Bern mitsampt andren cristlichen stetten und mitburgren, sy zu scheltten und lestren mit groser schmoch und gotzlestren, dan sy die von Zurich und Bern schultten ketzer, Juden und heyden mit vil andren üpigen wortten, dordurch sich die von Zurich und Bern fast beclagten uff die lender, dan sy innen ire burger schendetten und schmechten, wo sy geschefften halb in die lender komen. Sy tötten ouch dennen von Zürich etlich cristlichen predicanten, dordurch dan sich ein zug erhub zwy- schen beyden parthigen, der zu Jona!) beschach, alsz man vornnen gehört hat?), uff das ein landfriden gemacht wart durch die eristlichen burgerstet, wie dan ouch vor anzeigt ist, und wasz uff demselben gemacht wart, stiff zu halten und die lender nieman solten weren das gotzwort anzunemen und nüw und alt testament lon predigen, ieden losen gluben, dornoch im got gnod verlich, und vil gutter cristlichen artickel, so ab- geret und betragen wurden und des verbriefft und versiglet; und welcher theil sollichsz nit hielt, das der ander theil disem brobiant, feillen kouff und merckt abschlachen, dordurch dan diser krieg und zanck erwachsen ist, dan die lender sollichen vertrag und landfriden nit hand wellen halten, ouch das göt- lich wort under innen nit hand wellen lon pflantzen, sunder alle die dorum gestrofft und töt, die sollichsz gern angenumen hetten, und [264] über das alles dennen von Zürich und Bern vil schmoch, schand und laster erbotten, iren predigcanten und burgeren. Wiewol die von Zürich und Bern innen lang sol- lichsz vertragen hand alsz die, dennen nit wol mit sollichem kosten und unfriden ist, hat esz mit gutte nüt mögen helffen, 1} Der Bach Jonen entspringt nördlich von Cappel und durchfliesst in seinem ersten Laufe die Gegend, in der nach Bullinger II. 171 die Zürcher im ersten Cappeler Kriege ihr Lager aufgeschlagen hatten. Er er- giesst sich bei Lunkhofen in die Reuss, nachdem er kurz vorher noch das ihm gleichnamige Dorf Jonen durchflossen. 2) 8. ob. 8. 100. [es 10 15 20 25 “2 oO 39 40 1531. 133 bisz sisz nit me hand mögen Iyden und innen noch inhalt des landfridensz und vertragsz brobiant und feillen kouff abgeschla- sen, das nu ouch ein gutte zit gewert hat, bisz sich die crist- lichen burgerstet dorzwüschen gleyd hand, sollichsz zu richten ; 5 aber esz hat zu beyden parthigen nüt mögen erschiesen, wie dan ouch vor anzeigt ist. Uf das mag eim ieden fromen cristen wol zu herzen gon, wasz cristlichen und dapffren gemütz die lender sindt, und wasz glubensz und götlichen wesensz inn innen ist. Alsz sy ı uffbrochen sind wyder die von Zürich zu ziechen, wie vorge- melt ist, sind die von Lutzern, Underwalten und Zug gon Cappellen gefallen in das closter, den apt erstochen und in also tot uff den kantzel gestelt, im die ougen uszgestochen und in gespöt gesagt, er sig ein blindenfurer und er sol ietz ouch 15 sin ewangellium predigen!), und den schwangeren frowen, so grosz mit kinden gangen sind, die handtbuchsen an ire büch gehebt mit sollichen wortten: sy wellen innen die frucht im lib erschiessen, domit sy kein ketzer und ewangellischen mer machten; desglich den jungen knaben hand sy wellen ire ge- 20 mecht abhouwen, dordurch sy kein lutterschen oder [265] ewan- gelischen ketzer mer machen, und hand ouch den söugenden frowen ire brust ab wellen houwen, dordurch sy kein ketzer. mer söugen sollen, und innen die kleyder ob der scham ab- gehouwen, etlich from frowen und dochteren geschmecht und 25 genötiget, und derglichen vil schandlicher und ungehörtter din- gen hand sy getriben?), das do gröslich zu erbarmen ist und billich ein ieden fromen cristen erbarmen sol, dan under den Turcken und heyden ist sollichsz nie erhört worden. Do sol- liche ding gestrofft solten sin und von dennen sollichsz solt 30 beschirmt werden mit lib, er und gut, die hand selb gehand- let, das got der almechtig, alsz ich in in hoff, ungestrofft nit sol losen bliben, sunder die gotloschischen hertzen zerknüt- schen, doby sin gwalt und gnod mög erkant werden und sol- lichsz gerochen wert und sin götlich wort beschirmt und erhal- 3 ten werden, der wel mit sinner gnod allen fromen cristen byston. 8. daffpren Hs. 9. Am Rande von der Hand des Peter Ryff: Notandum: Der länderen blüthindisch v) Hs. »jüngen« auf einer Correctur. 1) Dies ist, wie es scheint, ein unbegründetes Gerücht. Abt Wolf- gang Joner, der auf der Wahlstatt blieb, wurde nach Bullinger Ill. 151 auch von den Feinden betrauert. Mörikofer a. a. O. I. 411. ‘Indessen auch Oekolampad berichtet der Erzählung von Ryff gemäss an Capito 22. Oct. 1531 (Epp. f. 173; s. Hagenbach 175) und ebenso Gast in seinem Tagebuch 35 mit dem Zusatz: »eine unerhörte Blutgier, die so- gar dem Türken fremd ist.«. 2) Auch diese schreckhaften Dinge schei- nen grösstentheils auf erste übertreibende Gerüchte zurückgeführt werden zu müssen. 154 1531. Alsz nu disz fenly knechten von Basel hinweg zugen !), wurden sy bscheyden zu der Zuricher houptbanner mitsampt Mülhusen, Schaffhusen, Apenzel, Sant Gallen und die Dur- göwer und dem houptbanner von Bern, aber alsz sy zusamen (14.0ct.)komen ?), wurden die unseren von Basel mit irem zeichen mit- sampt Mülhusen, Schafihusen, Apentzel und den Dürgöuweren und ein fenly von Zürich abgesundert und wurden an die figent (21.0ct.)geschickt uff einnen berg by Zug?). Alsz sy hinuff komen by nacht um die elffte stund, fiengen sich an zu legeren, ver- meinten keim findtz do zu erwartten sın uff dieselbe nacht, sunder uff morndes [266] wolten sy die findt angriffen; aber alsz sy sich legertten uff dem berg und meinten, sy weren die nacht wol zu rouwen, indem kömen vil Spanger, so dan die lender angenumen hatten, und überfiellen die unseren mit gantzer macht, und hatten die fiegend alle wise hemder über iren har- nast an, by dem sy einander by der nacht möchten kennen, dan diser angriff beschach fast um mitte nacht. Do wart zu beyden theillen manlich gestritten, aber die unseren hatten kein nochtruck, dan innen von den Züricher und Bernneren zuge- seit wart innen zu hilff zu kumen: so sy uff dem berg an- griffen, so wolten sy unden angriffen; aber sy wurtten von in- nen versumpt und verlosen, deshalb sy musten wichen, und verluren wir von Basel mengen gutten, fromen burger, des- glich fier stuck büchsen, namlich fackünlyt), und die von Mül- husen verluren ir fenly, desglich die von Zürich ouch ein fenly. Esz kam den von Schaffhusen ir fenrich um, desglichen den von Mülhusen’), die litten ein grosen schaden an hab, gut und lütten, desglich Apenzel und Sant Gallen; die Dür- göuwer verluren ouch ein fenly und susz grosz gut und lut. Esz wurden ouch uff der lender sit vil erschlagen, sunderlich deren in den wisen hemdren, derren ein grose zall uff der waltstat bliben, dan uff der Basler, Zuricher und Bernner sit- ten, wie obgemelt ist, nit mer wan drütusent®) starck waren, aber uff der lender sit vast starck, dan deren von Zug und Lutzern ouch vıl under disen woren, dennen dan ouch ein groser schad geschach an namhafftigen lütten, so sy uhder in- 1) S. den warnenden Brief der Basler an Zürich vom 12. October bei Bullinger Ill. 178; ferner vom 13. October bei Mörikofer II. 425. 2) Bullinger III. 184. 3) Den Gubel. S. Hottinger Il. 404. Salat 320. Bullinger 194. Kessler VI. 306. 8. einen Brief Basels an die uch von Zürich und Bern vom 24. October bei Bullinger III. 208. 4) »4 Falconeten uff redern« erwähnt auch Bullinger 11H. 194. 8. über den Verlust an Menschen Wurstisen 604 (140 Mann, darunter Bothanus). Bullinger 204. Vgl. Gast 37. 5) Ulrich Spyesz, s. Bullinger 205. Er »sol das fendli todt amm armm gehept haben und also von Berglüthen funden sin«. 8. auch Heinrich Petri: Der Stadt Mühlhausen Geschich- ten, herausgeg. von Graf. Mühlhausen 1838. 8. 314. 6) Mörikofer 432: 4000 Mann. a rs je os w 0 B) 0 or 1531. 135 nen hatten ; jedoch behielten sy das felt, die lender, und ge- wunnen den [267] unseren vil gut ab an gelt, büchsen und an- drem, dordurch groser schrecken in die Zuricher und andren kam, dan die lender sich in grosem vortheil finden liesen alle zıt, dorin in nieman nütz mocht abgewinnen, dan sy in kein witte komen, do man ein rechte schlacht het mögen mit in verbringen. Uff das ylten die lender fast uff die von Zürich, sy zu be- leydigen und zu beschedigen, uff das sy die von Bern aber 10 mantten und in begertten zu hilff komen mit dem andren houp- banner noch lut cristlichsz burgrecht, das ouch die von Bern thetten; zugen usz mit dem houptbanner abermolsz mit fier dusent knechtten, und manten die von Basel ouch zu innen ylensz zu ziechen gon Zoffingen, das nu min herren von Basel ouch gutwillig und gehorsam woren, noch inhalt _ cristlichsz burgrecht. Zugen also aber usz hie zu Basel mit funffhundert wol- geruster burger!), under den wasz houptman her Bernhart Meyger, luttener meister Rudolff Super, zugebner jungker Hansz 20 Düring Hüg, fenrich meister Hansz Doltter oder Frischherz, der küeffer, zugen usz uff frittag sant Symon und Judisz oben, den 27. tag winmonet des erstgemelten jorsz, zugen den nech- sten gon Zoffingen, do funden sy die von Bern mit dem an- dren houptbanner, by fiertusent starck, wie obgemelt ist, wur- den die von Basel erlich von innen empfangen, dan sy gantz wolgerüst woren und ernstlich in der sach alsz die, dennen dan ein [26s] groser verlust zugestanden wasz an lüt und gut und sy dasselb gern wyder gerochen hetten, aber die hilff wasz nit do noch dem und esz zugeseit wart. Also wasz die mei- so nig, alsz man am suntag gon Zoffingen kam, das man glich 2. oct. morndes die lender solt angriffen und zum ersten das schlosz Wicken zu sturmen, das dan vor Zoffingen lit und derren von Lutzern ist, bim selben inzubrechen und uff Surse, Sembach bisz uff Lutzern zu ziechen, sollichsz zu verderben und inzu- nemen; aber esz wasz der Bernner wıl nit; wasz verstandtz sy mit den lendren hatten, ist mir unwissen, iedoch wart in disem handel gedettiget und dorzwüschen gehandlet durch erlich@s.0ct.) schidherren, so dorzwüschen ritten disen krieg zu richten und zu vertragen, namlich die richstet, Ulm, Ougsburg, Nürenberg und ander stet?2). Aber die lender wolten dise erlichen stet nit 21. köuffer Hs. Mit Rücksicht auf 26,21 und 28,19 wird wohl küeffer zu setzen sein. Hansz Doltter findet sich in den Rathslisten jener Jahre nicht, wohl aber von 1537 an ein Cunrat Dolter als Meister der Spinnwetternzunft, zu welcher die Küfer gehören. Es sieht fast aus, als hätte Ryff mit der Orthographie des Wortes nicht gehörig zurecht kommen or bi or [273 2 = or 4 < können. 1) 8. Wurstisen 604. Ochs VI. 53. Vgl. Bullinger III. 208. Auf- zeichnungen 272: 500 Mann. 2) Bullinger lII. 215 nennt Ulm, Memmingen, Biberach, Lindau, Iszni, Kempten, Wangen; vgl. Wurst- isen 605. Mörikofer II. 444. 136 1531. hören noch vertragen losen, noch kein ort, das do das ewan- gelium angenumen het, sunder sy musten also ungeschaffet witter hinweg ritten. In dem kamen ouch derzwuschen das regiment von Ensen, der margroff mit siner botschafft von Rot- tällen, desglich der herzog von Saffoy, des Franzosen erliche botschafft und ander vil fursten und herren!). Stund also in der richtung by den 10 tagen, lag man also zu Zoffingen die zit ım leger mit dem gantzen huffen still. Aber dise handlung mocht gegen den lendren [269] nüt er- schiesen, sunder sy leyden arttickel in?), die uff diser sitten nit anzunemen woren, uff das dise handlung zerschlug. Wasz die arttickel gegen einander sind, stand hernoch zum theil, alsz man hören wurt, so dan die Züricher mit den funff ortten (16.Nov.Jangenumen handt in disem friden etc.?2) Und wart diser friden 9.Nov. gemacht und gehandlet uff dem hoff zu Teinicken under dem Breitholtz hie disenthalb der Syll uff der von Zug ertdrich®) uff frigem feld, alsz man in articklen hören wurt. (270) Uff das5) wasz der frid usz, und kam die botschaflt gon Zoffingen von dennen von Zürich, wie die lender in die Frygen Eimpter 6) wolten brechen und do brofiant oder saltz hollen: do wolten sisz angryffen. Also brach man zu Zoffingen ouch uff mit dem houptbanner von Bern und dem fenly von Basel mit- sampt andren zeichen, so dennen von Bern zugehortten, zugen also uff donstag vor sant Martinsz tag von Zoffingen ylensz gon Arouw, in willensz uff Bremgart zu ziechen, do lag das erst houptbanner von Bern mitsampt unserem vorigen fenly von Basel und andren zeichen; aber indem kam aber botschaftt, wie die schydherren aber in der handlung werren die sach zu richten, des man aber also bleip still lygen zu Arouw uff achtag. In dem wurden die Bernner knecht im alten huffen fast unwillig, lieffen von dem houptbanner und allen zeichen von Bremgartten gon Arow und lüffen von Arow alle heim. Die von Bern liesen in bietten by er und eyd, esz halff aber nüt, sy lieffen all heim. Uff dasselb, diewil niemansz by den houpbannerren wasz, gaben die von Bern unseren houplütten mit beyden zeichen ouch urloub heim zu ziechen, danckten in 17. Die Hälfte von S. 269 in der Hs. nach diesen Worten leer gelassen. Die Worte von »so dan — hören wurt« scheinen mit späterer Tinte, derselben, wie sie auf Bl. 273 die Schrift zeigt, aufgezeichnet, als das Vorige und sind daher vermuthlich nachgetragen. 34. Am Rande: »Basleren verlurste. 1) Noch werden genannt der Herzog von Mailand, die Gräfin von Neuenburg, Glarus, Freiburg, Appenzell. Bullinger III. 217. Salat 325. Kessler VI. 309. Wurstisen 605. Vgl. d. Eingang des Berner Friedens (s. unt. 8.139. Anm.1) 2)S. diese bei Bullinger III. 220. Mörikofer II. 445. 3) 8. unten 8.138. 4) So im Friedensvertrage (vgl. unten S. 158). Bullinger 11I. 247: »an den platz und uff ein matten, inen von den 5 orten bestimpt, hiesz Teynicken uff der Zuger grund under Baarrburg«. S. Hot- tinger II. 426. Mörikofer 11. 448. 5) 8. ob. Zeile 11. 6) D.h.in das Zürcherische Freie Amt am Albis. Bull. III. 226 ff. 8. das Ortsregister. or 30 or 10 1 2 >) 0 25 3 oO 1531. 137 mit hochem flisz irsz truwlichen zuziechensz mit erbiettung alles gutten und derglichen. Also zugen wir mit unseren bey- den zeichen ouch heim, kamen uff suntag den 19. tag des 19. Nov. monetz novembrisz mit beyden zeichen wyder heim, doch mit ‚verlust etlicher gutten, redlichen burgeren. [?rı]l In dem handlet man für und für in dem friden zwischen den lendren und dennen von Zurich und Bern, aber ın disem handel und friden!), alsz der zug gantz usz dem feld wasz, überfiellen die usz den lendren die von Bremgart und Mellin- gen, nomen die in mit gwalt und zerbrochen die ringmuren zu Mellingen und machten usz der stat ein dorff?), richtetten ouch do wyder mesz uff und ander zermonien, desglich wart der mesz halb zu Bremgart ouch von innen gehandlet. Also wart durch die schydherren gehandlet und gefridet zwüschen dennen von Zürich und den lendren, aber welche uffenthaltter des heilligen ewangellisz und gotzwort woren zu Melligen und Bremgart, die musten wichen und entringen, from ‚redlich er- renmenner, und die gotlosen wurden wyder ingesetzt. In disem fall wart die hoffnug der welt wol erkant, dan wasz schutz, schirm und hilff die Frigen Empter wartten sindt gesin von den von Zürich und Bern, hand sy do wol uff disz mol erfaren: vil verheisung von in beschechen, aber wenig hilff ete. Got sıgsz befollen! Es wart uff disz mol ein friden gemacht in der eydgno- schafft zwuschen den lendren und den andren ordten, eın frid, der billich ein iedes cristenherz bekümeren solt, dan in disem friden begriffen wart me des tuffelsz regiment dan gottes err, dan do wart verwillget alles, das die lender begertten. Esz wart gemacht, das man in den Frygen Emptren in gemeinnen herschafften must ieden losen glouben, wasz er wolt: namlich welche noch der mesz anhiengen, dennen must man mesz losen und [272] niemansz witter zwingen noch tringen 3); desglich alle 2. Am Rande: »Author diser cronick ist selbs dorbey gewäsen«. Diese und die vorher- gehende Notiz von der Hand des Peter Ryff. 1) Die Darstellung des Chronisten ist hier nicht ganz klar. Als Mel- lingen und Bremgarten eingenommen wurden, hatte allerdings Bern seinen Frieden mit den 5 Orten noch nicht gemacht, wohl aber Zürich, und zwar mit der ausdrücklichen Bestimmung, dass jene beiden Städte, die noch mit den Bernern hielten, von demselben sollten ausgeschlossen sein. Beim An- rücken der 5 Orte zogen die Berner, aller Bitten ungeachtet, ihre Besatzun- gen aus denselben zurück und sie wurden nun, während Bern über seinen Frieden mit den 5 Orten verhandelte, von diesen besetzt. 2) Man »warff inen die thoor ab, straafft sy ruch«. Bullinger III. 265. 3) Es ist ungenau, wenn Ryff hier die Freien Aemter nennt. Diese mit den Städten Bremgarten und Mellingen waren, wie erwähnt, von dem Frieden ausge- schlossen und wurden mit Gewalt wieder katholisch gemacht; für die übri- gen gemeinen Herrschaften wurde festgesetzt, dass, wenn ganze Gemeinden oder Theile von solchen vom neuen Glauben zurücktreten wollten, sie dies thun könnten, und im letzteren Falle ihnen ein entsprechender Theil des 138 1531. i eristliche burgrecht und bundnusz, so dan etliche cristliche stet mit einander angenumen und gemacht hetten alsz Basel, Zü- . rich und Bern mit dennen von Strosburg, Costantz und andren 23.Nov. 16. Nov. ET stetten, sollen alle tot und ab sin und die brieff und sygel des cristlichen bundz und burgrecht hinusz innen übergeben und geantwurt werden!), das do wol zu erbarmen ist sollichsz zu hörren, das die erre gotz sol hynder sich gesetzt werden und des tüffelsz rich wyder ufigericht; doch hoff ich zu got, esz sol ın keinsz cristen herzen zwifilung oder schwechung bringen, dan got sin sach und wıl wol machen kan noch sim gefallen, stot alle ding bisz uff sin zit. Got verlich sin gnod! Uff donstag der 23. tag november genant wintermonet des 1531 jor starb der hochgelert und wyttberiempt cristlich lerrer Johannesz Eocolampadius, fürstender und prediecant und merer des heilligen ewangellium und gotzwort, vor mitag um die achte stund?). Got helff unsz allen! 23—281] Die artickel, so zwüschen den von Zürich und den funff ortien uffgericht sind worden des fridensz halb>). Geben und beschlosen uff sant Othmarsz des heilligen aptz tag im jor noch Crist gepurt 1531 jor. 16. Ein Drittel von S. 272 leer. Kirchengutes überwiesen werden solle (Art.2 der Friedensverträge mit Zürich und mit Bern). 1) Art. 4. 2) 8. Herzog 11. 251. Hagenbach 180. Bekanntlich weichen die Angaben über Oekolampad’s Todestag von einan- der ab. 8. darüber Herzog a.a.O. 252. Die grössere Wahrscheinlichkeit ist allerdings nach dem Zeugniss des Pfarrers Bersius, der bei seinem Tode zugegen war, für den 24. Nov.; vgl. Aufzeichnungen f. 282. Nach Wurstisen trat der Tod ein, »als die Sonn aufgienge«, so dass in der That eine Verwechslung mit dem vorhergehenden Tage später leicht mög- lich wurde. Kessler VI. 352 stimmt genau mit Ryff. S. bei Hagen- bach 180 auch die Grabschriften. 3) Dieses Friedensinstrument vom 16. Nov. 1531 findet sich abgedruckt bei Bullinger III. 247—252, Salat 328—332, in Balthasar’s Helvetia II. 245 ff. mit kleinen Varianten, die auf Rechnung der verschiedenen Abschreiber kommen. Die Abschrift von Ryff ist sehr nachlässig angefertigt. Es sind mehrmals ganze Zeilen aus- gelassen; im Art. 5 hat sie übrigens richtig: »drithalb thusent khronnen«, während Bullinger 8. 251 »IlIm kronen« giebt. — Die definitive Ausfer- tigung des Vertrages, Zug, 20. Nov. 1531, ist aus dem Zürcher Staatsarchiv abgedruckt bei Hottinger H, 497 ff. Sie weicht begreiflicherweise am Schlusse, wo von der Besieglung die Rede ist, von dem obigen Instrumente ab, ausserdem finden sich einige Abweichungen in der am Eingang gege- benen Aufzählung der zu Deinikon verhandelnden Gesandten, im Wortlaut der Friedensartikel selbst sind die Verschiedenheiten zwischen ihrem Texte und den oben genannten nicht grösser als diese unter sich sie aufweisen, woraus zu ersehen, dass derselbe aus dem Präliminarvertrag unverändert in den definitiven Frieden herübergenommen wurde. — Am Rande finden sich bei Ryff einige Bemerkungen; am Eingange, wohl in Beziehung auf die Titulatur der fünförtischen Gesandten, von der Hand des Fridolin Ryff, zum Theil beim Einbinden verschnitten: »[Ei]n hochmüttig [vollek git im [sellb ein hochen [n]amen, alsz dise [ouljch thundt, [a]ber ein iedes [lo]b von im selb [ist] nüt geachtet, [allsz Persius in [eilm gedicht sp[ric]ht: ein iedes oa 20 1 1 2 1531. 1532. 139 In disem friden sindt min herren von Basel nit begriffen noch dorin verwilliget, ouch noch uff disz moll ire cristlichen burgrechtbrieff nit [2s5] hinusz geben noch abthon noch uff ‚disz mol des willensz nit sollichsz zu verwilligen. 5 In disen friden handt min herren von Basel nochmolsz ouch verwilliget, doch nit in der mosz und gestalt, wie die(22.Dee.) andre, sunder ein friden, der in weder an irem gluben, erren noch stattutten nüt schädlich noch an ir cristlichen ortnug schmechlichen ist; handt ouch die burgrecht müsen hinusz o geben und abthun wie andre ort, aber alsz in lichtlicherer gstalt dan die andre ort begriffen sindt etc. !) Von eim grosen schne?). Anfangsz des hornugs anno 1532 jor fiel ein mercklicher, groser schne by fierzechen tag lang, desglich in langer zit nie erdocht ist, lag uff dem landt uff einsz halben mansz dieft, dordurch vil gwild und vogel verdurben und gefangen wart, lag bisz uszgangsz des monetz, gieng sitig mit werme und regen ab, aber an vil enden fandt man noch bisz in merzen vil schne, doch unschedlich ; aber vıl decher und huser truckt er niter von wegen der dicke und fille, so uff einander lag. a fe) Vom usztrag des kriegsz vor Mys2?). In dem monet marcii anno 1532 jor wart der krieg geen- det mit dem von Mysz und den Growenpünder und dem her- zegen von Meylandt, dan der von Müsz nüt me erhalten mocht, 1. »NB. wegen desz landes friden gegen den Basleren« am Rande von der Hand des Peter Ryff. 5. »Notabene« desgleichen. (lo]b ist nüt, das [ilm der mund [sJelb spricht ete.«, dann noch verschiedene Glossen zu den Friedensartikeln von der Hand des Peter Ryff. Was für eine Dichterstelle Frid. Ryff im Sinne hat, vermögen wir nicht zu sagen, bei Persius findet sich kein Ausspruch, auf den dieses Citat passte. Es ist wohl eine ungenaue Erinnerung aus der Schulzeit. 1) Basel nahm den Frieden an, der zwischen den 5 Orten und Bern am 24. Nov. in Bremgar- ten abgeschlossen worden war und in seinen Hauptpunkten mit dem Zür- cher Frieden gleichlautet (Bullinger III. 272ff. Helvetia I. 325 fi). Siehe Bullinger IIl. 276. Ochs VI. 54. Die Urkunde hierüber (Basler Staatsarchiv O IL. L) ist datirt Baden im Aargau, Freitag nach St. Thomas Tag (22. Dec.) 1531. Zu der Behauptung , die Friedensbedingungen seien »in lichtlicherer gstalt« abgefasst, als in den andern Friedbriefen, wird Ryfi wohl dadurch veranlasst worden sein, dass die Urkunde, ohne die Ar- tikel im Einzelnen namhaft zu machen, einfach auf den Berner Frieden verweist, mithin von der sehr ehrenrührigen Form, in welcher die Bedin- gungen in diesem und im Zürcher Frieden aufgeführt werden, beim An- hören oder Durchlesen derselben nichts zu merken ist. — An die Kriegs- kosten zahlte Basel 1000 Kronen. 8. Bullingera.a.O. 2) Vgl. Vil- linger Chronik in Mone: Quellensig. der Bad. Landesgesch. II. 108: »fieng man vil lerchen und wachtlen«. 3) 8. ob. 8. 118 ff. Vgl. Kess- ler VI. 342, welcher den Namen Musso in Mösch verändert. Campell a. a. O. II. 332, woselbst auch die Bedingungen des Friedens. Hottinger 1I. 331. 1532 Febr. März. Mai. 4. Aug. 140 1532. sunder must alsz uffgen; doch wart ein vertrag zwischen allen theillen gemacht, und das schlosz Mysz zerbrochen uff den bo- den hinweg. [286] Von eim cometa!). Angensz des meygensz 1532 jor wart gesechen am himel hie in diser gegendt dry sunnen schinbarlich und gut am mor- gen zwuschen achten und nunen mitsampt andren sunderlichen sternnen und zeichen. Got verlich unsz sin gnodt! Von einner mortlichen und wunderbarlichen geschicht zu Basel beschechen?). Uff sundag den fierten tag ougstmonetz anno gezelt noch Cristi unsersz heillandtz geburt 1532 jor uff die stund noch mittag zwüschen eim und zwelffen geschach ein jomerliche mordt, so Cristoffel Boumgartter, ein gewantman und namhaff- tiger burger hie zu Basel, begieng an sim ellichen wıb und kindt und ouch an im selb, namlich ist dem also: Er hat ein hüsch jung wib vom geschlecht Davitz, dan sy wasz einsz richen erlichen burgersz dochter, genant Heinrich Davit, des rotz der zit zu Basel; by deren diser Stoffel ein hübsch jung döchteriy hat des altersz 4 jor, wenig minder oder mer. Nu hat derselb ein knecht, ouch ein frygen jungen, den er im zyg hat, er bultte im sin frowen, und hat sollichen iffer und gemüdt lang, nam im selb ouch für, das diser sin dienner het das kindt gemacht by sinner frowen, wüst doch für kein [2s7] eygen- schafft, hatz ouch nie by eynander funden, sunder usz sinnem eygnen fürnemen im selb sollichsz fürgleydt; hub sollichsz et- wan dick dem knecht für, der sich truwlich gegen im ver- sprach und urloub von im begert von wegen disz argwonsz. Nu stundt die sach also an ein lange zit, doch uff das letst nam es leyder ein bösen uszbruch, dan er bezwang die frowen, das sy im must verjechen durch notzwang, dan er ir ein blosz schwert an iren lib satzt, das sy im müst verjechen, ob diser syn dienner by ir glegen wer oder nit; also usz forcht und zwang verjach sy im, sy were by dem knecht glegen; das esz sich aber erfunden hab oder susz gehört sig worden, hat kein mensch konnen sagen, aber ein jungfrowen hat er im husz, 10. Am Rande von der Hand des Peter Ryff: Christoff Baumgarters handlung. 1) Kessler VI. 342: »Man sagt warhafft, das ettliche uff 25 tag aprils an morgen umb die 5 stund dry sonnen gesechen haben« Die Strass- burger Jahrgeschichten« in Mone: Quellenslg. der Bad. Landes- gesch. Il. 143 verzeichnen das Erscheinen eines Kometen im September. 2) Eine Andeutung bei Ochs VI. 82. Eine selbständige Erzählung des Vorfalls findet sich bei Kessler VI. 356. Er nennt die Frau Elsbetha und ihr Töchterchen Elsbetlein. Mone: Quellensammlg. der Bad. Landesgesch. Villinger Chronik II. 108: »Zue Basel hat ain burger sein aigen weyb ermordt und fiel er zum laden usz zue todt«. or 10 15 20 25 = o 98] 5 or 10 — T [9] 20 1532, 141 derren der knecht nit abret wasz mit iren zschaffen zu haben. Nu das ichsz kürz, dan on not vil dorvon zu sagen und schri- ben ist al umbstendt, dan es zu lange wil wurt nemen: ist ‚dem allen noch diser Cristoffel in solliche verzwyfflung kumen, dan im der tüffel sin herz gantz besesen hat, das er disz sin bösz furnemen annam, hat disen argwon und iffer also in sol- licher mosz, das der frowen fründt dorzu thetten und nomen die frowen von im uff acht tag lang, und schickt er sinnen knecht ouch hinweg in sinen geschefften zu handlen; aber in dem erzeigt er sich, alsz ob ersz by einander funden het, liesz uff den knecht wartten durch die statknecht under dem thor, so er kem, so solt man in gefenglich annemen. Das wart nu dem [2ss] knecht kundt gethon, der sich hinweg macht, doch mit beger, sich gegen menglichem zu verantwurten sinner und der frowen unschuld gegen im, aber esz halff nüt. Uff das selb erzeigt sich Stoffel in der mosz, das die fründschaft sich mit im vertrugen und brochten im die frowen wyder zu husz, hielten ouch uff disen vorgenempten sundag ein imbiszmoll mit im, und wart do alle ding gegen einander verzigen, dan er sich bekant zwuschen innen unrecht gethon haben, und erzeigt sich gantz frölich gegen sinnem wib, dasz bald dornoch in gTosz jomer und leyd verkert wart, das billich eim ieden menschen ein grosen grüsen und schrecken bringen mag. Esz stundt nu also bisz noch dem imbisz, das die frundschafft hinweg kam, ; behielt er sin frowen und das kindt by im doheim. Dan er wasz etlich zit nit usz sim husz kumen usz scham des ge- schreisz halb, so er im selb do gemacht hat. Also schickt er sine übrigen kindt, derren er noch drü hat, aber nit von diser . frowen, dan er vor ir zwo efrowen gehebt hat, ouch usz dem 30 = or 40 45 husz, desglich den knaben und die jungfrowen, so er im husz hat uff disz mol, dan die vorige jungfrow wasz hinweg, mit derren der her und der knecht zu schaffen hat, die do wasz ein ursach vast disz jomersz allen. Nun alsz er nieman im husz wüst dan in selb mitsampt sinner ellichen huszfrowen und sinnem lieben elichen kindt, [259] do besasz im,der tüffel sin herz gar und reitzt in an der mosz, das er ein jemerliche mordt begieng. Wiewol er, vor und e er dise mordt begieng, schreib er ein grosen brieff, dorin er sin fürnemen zum theil satzt, wasz er begon wolt, nam sollichen brieff zu im, alsz sich nochin by im erfandt, dan er denselben brieff an sich gebunden hat; wasz in dem alsz stund, ist mir uff disz mol unwüssendt; aber noch disem, alsz er den brieff beschriben hat und sim bosen fürnemen stat wolt thun, got erbarmsz, do gieng er und brocht sin elich wib mordtlich um ir leben mitsampt dem döchterly, das vorgemelt ist, und lieff gestracks fusz zu obrist in sin husz und sprang von oben herab an die gasen 30, »knaben« corrigirt aus »knecht« Hs. 142 1532. 15393. und fellet sich selb ouch zu todt, das er an der stat starb. Also heff man zu und vermeint im iedes zu helffen, aber esz wasz kein leben mer do. Also fandt man disen erst geschryb- nen brieff by im, den etwa menger lasz ein wenig dorin, also fandt man in dem brieff, wasz fürnemen er gehebt het. Also 5 steig man in sin husz, dan er all rigell gestosen hat, das susz nieman dorin möcht, man must dorin stygen. Alsz man hinin kam, fandt man das jemerlich leydt, das er begangen hat: do lag sin frow oben im husz vor der kameren ellendlich ermört mit dem kindt, woren beyd erbermglich zerhouwen und zer- ıo stochen. Wär das sach, möcht wol von leyd gestorben sin, dan esz zwen ellendt anblick worren, und sich sollichsz todtz gen im nit versechen uff die froliche anzeigung, so er’ den imbisz gen iren thon hat, [290] aber usz bösem falschen mördrischen herzen, der do sin eygen fleisch und blut umb- ı5 brocht hat, ein sollich unschuldig kindt. Aber er hat sin böse _ meinig also geschriben, das kindt und die mutter umbzubrin- gen. Also wart gericht mit recht über sy alle drü und im sin recht und urttel gefelt, das man die frowen mit irem kindt zu der erden bestatten solt und in alsz ein morder uff ein radt % legen und in radbrechen alsz ein morder, und wurden im sinne glider noch sim todt zerstosen alsz eim morder umb disen gro- sen mordt, und dornoch umb das er ım selb ouch den todt angethon hat, wart er in ein fasz geschlagen und in Rin ge- worffen und all sin gut minen herren zuerkant. Esz kam sol- 2 licher ursprung ouch fast von erst von der jungfrowen har, die er ein lange zit gebullet het, desglich der knecht sy ouch, und kam im dornoch der zwiffel und argwon, der knecht bul- let ım die frowen ouch. In dem argwon und iffer bleib er also, bisz ersz also böszlich uszliesz. Got erbarmsz und got der al- »0 mechtig welle unsz vor sollichem alzit bewaren und ein ieder crist welle got alzit bitten, das er ım sin sin und denck vor bosem behütten wöll, und welle ouch ein ieder cristenmensch nit sich in übykeit begeben, dan nye nüt gutz dorusz endstan- den ist, ‚alsz man ouch in allen historien und gschrifften findt, 35 das kein üpickeit ie gut endt hab genumen. | Esz beschachen ouch in disem jor susz vil groser wyder- werdickeit hie zu Basel mit todtschleg und [291] andren schwerren sachen. Got wol unsz fürer mit sinnen gnoden alzit behütten ! nn Von eım brant hie zu Basel. 40 3,1033 Uff fritag noch mitterfasten, alsz man zalt von der geburt 8.März. ‘ S x . . . """Cristi 1533 jor zwuschen zwelffen und eim noch mitnacht gieng der schifflütten zünffthusz !) an mit für und verbran gantz und 36. Statt »ie« hatte der Verf. erst »nie« geschrieben. 1) Das Zunfthaus zu Schiffleuten, jetzt abgebrochen, stand an der Schifflände beim Einfluss des Birsigs in den Rhein. 1533. 1534. 143 gar uff den boden, dasz nieman erlöschen mocht, wiewol man vıl übler zit dormit hat, halff es doch alsz nüt und wasz die not ouch grosz mit den andren hüseren dorgegen und dorneben, - domit die selben dorvor erredet wurden. Got wel unsz furer = 1 o 15 verhütten ! Von eim come‘). Anno 1533 des monatz junius genant brochmonatz wart aber ein schönner comet gesechen am himel, namlich ein gro- ser stern mit eim langen strimen, anzusechen einsz gutten spiesz lang. Got welsz alsz zu guttem schicken! [292] Disz mantat und orinug ist gemacht und uszgangen von Minen ;., herren dem rot. der siat Basel, uff allen zünfften khundt thon uff 1. Dee. den 19. tag decembrisz anno etc. 34 mit den mülleren desz melsz halb?). Item: mine herren handt probiert dasz zinszkorn desz erst gemelten jorsz und erfunden, dasz ein vierzel gerentzlet geben hat über desz müllersz lon 7 klein sester kernnen, die sindt gemallen worden uff der rotten mülly und handt geben gebud- let mell 11 sester volkumenlich und ein grosen sester grüsch ; so esz aber uff der wisen mülly gemalen, hat esz geben 9 sester mell und 3 sester grüsch. 10. Der Rest der Seite ist leer. 1) S. Wurstisen 611. 2) Im Erkanntnissbuch IV. Bl. 124 findet sich dieses Mandat in folgender Fassung: Anno domini 1534 circa medium decembris sind die proben von aller- ley korn, kernen, roggen etc. gemacht worden usz erkandthnusz unserer herren, hat sich also erfunden : Das das nüw zinskorn ein viercel gerenlet geben hat 7 clein sester ker- nen, die sind gemalen worden uff der roten müli und hand geben 11 sester mel volkommenlich und 2 sester grüsch. Ufl der wissen müli hand sy geben 9 sester mel und 3 sester grüsch. Aber das alt zinskorn gerenlet hat ein viercel geben 7 sester kernen, und Ey der roten müli gemalen hat es geben 9 sester mel und 3 sester grüsch. a Das gemein korn so uff dem merkt erkouft, ein viercel gerenlet, hat geben 7 sester 2 küpfli kernen, uff der wissen müli gemalen hand sy ge- ben 9 sester mel und 3 sester grüsch. Aber das best korn hat geben halben kernen und uff der roten müli gemalen hat esz geben 12 sester mel und 2 sester grüsch. Der kernen am merkt erkouft, uff der roten müli gemalen hat ein sack kernen geben 12 sester minder ein küpfli mel und 2 sester grüsch. Aber uff der wissen müli hat er geben 10 sester mel minder ein küpfli und 3 sester grüsch. Ein sack weitzen uff der roten müli gemalen hat geben 12 sester mel und 2 sester grüsch. Aber uff der wissen müli hat er geben 10 sester minder ein küpfli mel und 4 sester grüsch. Ein sack mit roggen hat geben 10 sester 2 küpfli mel und 3 sester grüsch. Dises als uber desz müllers lon. 144 1534. 1535. Item: Dasz alt zinszkorn hat ein vierzel geben 7 sester kernnen und desz müllersz lon, sindt gemallen worden uff der rotten mülly und handt geben 9 sester mell und 3 sester grüsch. Item: Dasz korn, so erkoufft wurt am merckt ist probiert, und hat ein vierzel geben 7 sester 2 küpfly kernnen über desz müllersz lon, uff der wisen mülly 9 sester mell und 3 sester grüsch. Aber dasz korn bım besten, uff dem merckt erkoufft, hat geben halben kernnen, ist gemallen worden uff der rotten mülly und hat geben 12 sester mell und 2 sester grüsch, alsz über desz mullersz lon. Item: der kernnen, uff dem merckt erkoufft, ist probiert, und hat ein sack mit guttem kernnen uff der rotten mülly ge- mallen und geben gebudlet mell 12 sester minder ein küpfly und 2 sester grüsch. [293] Aber der kernnen uff der wisen mülly gemallen hat ein sack kernnen geben 10 sester mell minder ein küpfly und 3 sester grüsch, alsz über desz mül- lersz lon. Item: Der weitzen, so bim besten am merckt erkoufft, ist probiert worden, und hat ein sack weitzen geben uff der rot- ten mülly gebüdlet melsz 12 sester und 2 sester grüsch. Aber uff der wisen mülly gemallen hat ein sack weitzen geben 10 sester mell minder ein küpfly und 4 sester grüsch, alsz über desz müllersz lon. | Item: Es ist ouch der rocken probiert worden, und hat ein sack roggen geben uff der rotten mülly 10 sester 2 küpfly mell und 3 sester grüsch über desz müllersz lon. Dasz zeygen unsere herren beydt rath üch an, domit ein ieder wüssen mög, wasz man im von sinnem gut pringen soll; und so iemandem von sinnem gut nit wurt alsz esz soll, der sol esz den müllerherren und geschwornnen kornmeseren an- zeygen, die werden noch inhalt der müllerortnug dorin handlen wie sich gepuren wurdet. [294] Desz 1535. Jor. In disem gemelten jor erhub sich ein zwytracht zwüschen etlichen burgeren zu Sollenthurn und der stat alsz der ober- keit, namlich und der ursach und anhab vil von zu schriben wer, doch zum kürzisten erhub esz sich von wegen desz ewan- gely; alsz sich dan begeben hat, dasz sy die götlich worheit und heillig ewangely do angenumen hatten und aber wyderum fiel uff desz bobstumsz ler, wurden etlich cristlich predigkanten und burger vertriben, die dan dem wort gotz anhengig woren, dorunder woren etlich namhaffıg, und sunderlich iren nun, derren namen mir nit zu wussen syndt, dan dasz man etlich —_ ar 1535. 145 dorunder nampt die Rockenbach !). Die nun man thetten sich zusamen und satzten sich wyder etlich alsz der oberkeit der stat Sollenthurn und thetten innen vil übertrang an, wo sy deren ein ankumen mochten, deszglich ouch iren pfaffen,, die dan ouch dem bobstum anhiengen. Ile sy thetten dennen von Sollenthurn so vil trang an, dasz sy die in vil und mancherley kosten brochten, dermosen dasz sy durch etlich zall wolgerüster knechten vil mollen lie- sen suchen in allen flecken, umkreisen und gebietten, aber sy ıo mochten sy nie ankumen, woren doch nie wit dorvon, dan sy sich stetzz um Sollenthurn und iren gebietten liesen sechen, doch dermosz gerüst, dasz nieman lichtlich an sie handt leydt. Esz wolt ouch kein andre herschafft handt noch gwalt [295] legen, dan sy sunst niemansz beleydigetten noch kein schaden thet- 15 ten, dan innen wasz von den Sollenthurnneren sollich schmoch und schaden beschechen, on not hie alsz zu beschriben. Aber dise nun begertten alweg rechtz gegen allermenglichem, aber esz möcht in von dennen von Sollenthurn nit werden, dan gegen dennen die pardyesch woren; aber ie zuletst, do innen die von Sollenthurn nit mochten mit gwalt zukumen, rufften sy die lender an, dagetten für und für, bisz dasz zuletst von den zechen ortten erkant wart, ‚daszz man dise nun man solt für fygendt achten und haben in der ganzen eygnoschafft, in wun und weydt, spisz und trank, bhusung und herberg nie- 2 nan geben noch erstatten noch verhengen, ouch weder schutz noch schirm haben by verlierung aller bündten. Sollichsz wart ouch minen herren von Basel fürgehalten von disen ortten, dasz sy sollichsz ouch solten ingon und diser erkantnusz geleben und nochkumen gegen disen nun mannen; so dasz stundt nu an bisz in dasz 36. jor?). Von dennen von Jenff?). Inn disem obgemelten 35. jor erhub sich ouch ein zwy- tracht und krieg zwüschen dennen von [296) Jenff und dem her- zogen von Saffoy, ouch desz gotzwortz halb, dasz ist nu ein langer span gwesen und einandren vill schaden gethon, dan sy von dem herzogen- fast belegert und geschediget wurden und dermosen fast genotiget. Iedoch thetten etlich uff der Jenffer sytten dem Saffoier uff ein zit ein grosen schaden, dan etlich knecht dem herzogen sin volck überfiellen und an lütten gro- sen schaden thetten, doch wart lang dorzwüschen taget und vertragen zwüschen dem herzogen und dennen von Jenff, aber esz wart kein bestant von dem herzogen, sunder belegert die 34. »desz« doppeltin der Hs. 38. Faffoier Hs. 1) Vgl. über diese Vorfälle Tillier: Geschichte des Freistaats Bern Ill. 317—319. S.über das Geschlecht: Leu unter »Rogenbach«. 2) S.u. 8.146. 3) 8. Vulliemin I. 103. Vgl. Wurstisen 612. Kessler VII. 426. Basler Chroniken. 1. 10 or q o Fr = or 4 > 1536 Januar. 20. Jan. 22. Jan. 146 1536. Jenfer für und für, thet innen grosen trang, liesz innen nüt zukumen, alle brofant wart innen abgeschlagen, desz die Jenf- fer um hilff anrüfften alsz die von Bern und ander. Sollichsz stundt nu an. Ä Im 1536. jor desz monatz jenner nam jungker Heinrich von Ostheim etlich knecht hie an zu Basel von landtzknechten ein gutte zall ouch zu hilff dennen von Jienff, dorunder ouch vil burger von Basel zugen mit verwilgung miner herren). Von em grosen rott. so Iwe gehaltten wart. [297] Uff donstag den zwenzigisten tag janarius desz 1536. jor hielt man hie grosen rot, und wart fürgehalten der gemein alsz den sechsen, wie dasz die zechen ort desz einsz werren und erkant hetten. der nun mannen halb von Sollenthurn, alsz vor- gemelt ist, sy für fygendt zu halten und achten, dasz sy nu minen herren ouch butten sollichsz zu thun und nochzukumen, und wo dise man in miner herren biet und landtschafit ergrif- fen wurden, innen die mit gwalt angriffen und überantwurten, deszglich die andren ort ouch, desz mine herren in kein weg wolten ingon usz ursach, esz woren unser fygent nit dise man, dan sy minen herren von Basel noch keim menschen den iren 2 nie kein leydt noch schadt bewysen noch zugefugt hetten und andersz nut begertten dan rechtz, deszhalb sy kein handt noch gwalt an sy on recht legen wolten. Uff dasz die zechen ort mıinen herren handt embotten, die- wil sy irer erkantnusz nıt wöllen stat thun, dasz sy witter mit innen kein tag halten noch bsizen wöllen, dasz nu also etlich zit bleip anston, bisz dise 9 man sich selb in Bernner biet thet- ten zu recht und sich rechtz erbutten, und wart sich dorin geleydt durch etliche örtter der eydgnoschafft, und wart also verdettiget und vertragen zwüschen innen und den von Sollen- thurn. or Den 0 parS or S [288] Uff den 22. tag jenner desz vorgemelten jorsz zugen die von Bern usz mit funfftusent starck zu hilff dennen von Jenff?) und thetten dem herzogen von Safloy grosen schaden an sin- nem landt, nomen im vil schlosz und stett in, besatzten die starck. Der herzog thet in ouch kein wyderstandt, sunder wych mit sim zug ab. Wytter wart den von Jenfl kein ubertrag diser zit von nieman, und erhub sich glich der krieg zwüschen dem künig von Franckrich und dem keiser Karolus usz Hispannien, die sich zu beytheyllen mit mechtigem zug und volck rusten, 1) Ochs VI. 120. 2) Kessler VII. 433 hat 6000 Mann, Wurst- isen 612 gar 10000 Mann. Kessler ist auch hier wieder ziemlich aus- führlich. 8. die zusammenhängende Darstellung bei Vulliemin I. 129 #., der gleichfalls 6000 Mann angiebt, den Auszug aber irrthümlich am 1. Febr. geschehen sein lässt. Tillier: Geschichte des Freistaats Bern III. 348. £. und Kampschulte: Calvin 8. 196 ff, über 6000 Mann«). an 1 o 1 o 25 1536. 147 derglichen von zweygen den mechtigisten fursten kum gehört ist worden!) ; wasz aber der handel anfangsz und endtz ist, wurt hernoch gehört werden. Anno 1536 jor des monatz jullius genempt höuwmonatz wasz der win hie zu Basel so wolfeil, dasz der soum galt 15 ß. und by der mosz gab man gutten zimlichen landtwin ein mosz um 2d., wisz und rot, und ich hab in selb ouch disz jor also uszgemesen, 1 mosz um 2 d.; deszglich koufft man 1 fierzel korn um 18 ß., sunst wasz ouch fleisch und andersz ouch in wolfflem gelt. Disz monatz obgemelten jorsz starb der wolgelert und geist- lich man und doctor der heilgen gschrifft hie zu Basel, doctor Juli. Erasmus von Rottertamus, von dem ouch vil geschrifften und«2uli.) bucher uszgangen sindt des heillygen ewangelius halb und andrer hochen dingen, der doch ouch vil spennig gwesen ist der rechten cristlichen kilchen des heilligen wort gotts halb, sunder vast anhennig gsin der römischen kilchen, von dem ouch vil gschriben und glesen wurt?). [29] Won eim zug, der geschach zu Basel zum künig von Franckrich®). Uff suntag den 30. tag höuwmonatz, alsz man zalt noch der 30. Juii. geburt Cristi 1536 jor, erhuben sich etlich burger hie zu Basel und zugen hinweg heimlich, wolten mit eim frygen fenly dem künig von Franckrich zu wyder den keyser, zugen also heim- lich bisz gon Dornoch‘®), sich doselbsz zu samlen; under den- nen wasz houptman Hansz Erhart Reinhart, so man nempt kelbly oder houptman Reinhart, und lutaner Wolff Hütschy, fenrich Clausz Irmy, vorfenrich Jocob Sollenthurn ; under den- 21. In der Hs. steht »uff suntag den xxx tag ougusti«. Im Jahr 1536 war aber der 30. August ein Mittwoch, und ausserdem kann sich die erzählte Begebenheit nicht Ende Augusts zu- getragen haben, weil die unten gemeldete Versanımlung der Zünfte vom 6. August in Folge derselben abgehalten wurde. Da nun der 30. Juli auf einen Sonntag fällt, so ist kein Zwei- fe], dass Ryif sich beim Setzen des Monatsnamens verschrieben. 1) 5. Ranke, Reformationszeitalter IV. 15 ft. 2) S. Wurstisen 633. Kessler VII. 441, welcher den Mann der protestantischen Richtung etwas mehr zu vindiciren geneigt ist, als Ryff es über sich gewinnen kann. Nach Kessler ist Erasmus gestorben »ain dem 11. tag julü umb das I nach mittnacht«. Beatus Rhenanus in der späterhin vielfach abgedruckten, ursprünglich der von Erasmus besorgten Gesammtausgabe des Origenes (Basel, Froben 1536) vorausgeschickten »epistola nuncupatoria, quae ple- raque de vita obituque ipsius Erasmi cognitu digna continet« sagt: quinto eidus julias sub mediam noctem vita functus est. Die von seinen genauen Freunden und Testamentsvollstreckern Bonifacius Amerbach, Hieronymus Froben und Nicolaus Bischoff (Episcopius) gesetzte Grabinschrift im Basler Münster (Tonjola, Basilea sepulta, S. 15) hat als Todestag: »IV. eidus Et Aus dem Zusammenhalten dieser verschiedenen Angaben lässt sich wohl als das Wahrscheinlichste schliessen, dass der Tod in der Nacht vom 11. auf den 12. Juli, kurz nach Mitternacht, erfolgt ist. 3) Vgl. Ochs VI. 120. 121. 4) Dornach oder Dorneck im Kanton Solothurn, 2 Stunden südlich von Basel. j0* 24. Jun. 31. Juli. 1. Aug. diser welt wyder einander, alsz namlich ein kron Franckrich : 6. Ausg. 148 1536. nen wasz ouch Mathisz Kolb mitsampt andren burgeren, 'der- ren usz der stat und miner herren emptren fast uff drühundert weren worden, so mine herren sollichsz nit fürkumen hetten. Do nu die sollichsz innen wurden, alsz die dasz by eydt und err nechstvergangen sant Johansz tag verbotten hatten, und menglich uff allen zunfiten dasz im joreydt geschworen hat, keinnem fürsten noch herren noch in keinnen krieg on miner herren erloubnusz, wissen und willen zu ziechen, schickten sy innen rotzbotten noch und liesensz wyder heim mannen by gethonnem eydt, aber esz mocht noch nutz erfachen, dan sy vermeinten irem fürnemen nochzukumen. Also wart zwuschen innen und minen herren gehandlet so vil, dasz man morndesz am mentag miner herren der höupter mitsampt andren vier rotzherren zu innen schickten, und so vil gehandlet wart, dasz innen sollicher zug und weglouffen uber err und eydt uff disz mol verzygen und uftgehebt wart, sollichsz innen nimer zu ge- dencken, doch sollichsz fürhin numermer geschechen solt, und solten also on alle engeltnusz wyder heim kerren. Es wurden ouch etlichen irre hüser bschlosen durch mine herren, alsz namlich dem houptman Reinhart, dem Hütschy und Mathisz Kolben, die wurden in wyder ufigethon uff den zinstag, alsz sy wyder heim zugen. 1300) Es wart Wolff Hütschy uff disz mol desz rotz abgesetzt, und houptman Reinhart desz sechseramptz ouch abgesetzt uff der winlut husz oder zunfft. Also wart diser zug abgestölt, ddasz er nit für sich gieng, dan esz vormolsz ouch erkant wasz worden uff dem tag zu Obren Baden von gemeinen eydtgnosen, lem Franzosen uff diısz mol kein knecht zuzulosen !) Disz erstgemelten jorsz sindt die zwen mechtigisten fürsten und keyser Carolus usz Hiszpanien, furen den mechtigisten krieg wyder einander, so zwuschen innen beyden ie gewesen ist, so mit eim grosen volck, so sy zu beyden theillen haben uff dise zit; wasz sich aber wytter zwüschen innen erloufft und der anhab wurt in andren bucheren erfunden. Inn disem erstgemelten jor erlangten mine herren von Basel ire alten recht und fryheitten, so sy von alten keyser- lichen magiestaten erlangt hatten, wyder zu ernüweren und bestettigen von ietz keyserlicher magiestat; alsz volkumenlich und mer dorzu wart innen ernüwert, bestettiget und gefryget zu Iszbruck durch etliche miner herren desz rotz, so dor ge- sant wurden mit erlicher botschaftt. Uff suntag den sechsten tag ougusti erstgemeltz jorsz hielt man ein gemein bot uff allen zünfften des vorgemelten weg- 1) S. über die glücklichen Werbeversuche des Königs Kessler VII, 434 ff. or _ En 25 “2 a or he or 2 < 30 (38) Or 1536. 149 ziechensz halb, wart von minen herren erkant: wo fürhin iemansz me erfunden wurt, der sich einer houptmanschafft oder andrer embter underzuche oder annem on wissen und verwilligung miner herren oder sunst, die und derselb sol on alle gnodt sin houpt verfallen und mit dem schwert gericht werden. 's0ı] In dem 1536. jor des monatz octobris genant winmonatz0ctober. gieng vorgemelter krieg zwüschen dem künig von Franckrich und dem keyser Carolus m/[it|sampt sinnem bruder Ferdinan- tus usz, und wart diser krieg zwüschen beyden parthien an- gestelt bisz uff den künffigen sumer, und wart zu beyden sit- ten allen knechten urloub geben, der zu beyden theillen ein grose z[al] wasz, aber uff desz keysersz theil vast ein kranck volck vo[n] allen sinnen knechten, so in Marsilien!) gelegen woren. Im woren trefflich vil knechten gestorben, dan sy lang glrojsen hünger gelitten hatten under .innen, esz werre lütt un/d] vich, rosz und man. Esz sturben ım vil der edlen, derr[en] er ein grose zall hat von groffen, ritter und knechten ; alsz ouch für wor gesagt wart, so woren im gestorben by zwen- zigtusent knechten und ein grose zall pferden; d/an] ım aller adel trefflichen starck und wolgerüst zuzogen woren, aber we- nig wyder heim komen und doch kein schlacht noch sturm erlytten, dan dasz sy der Franzosz fr[ig] on allesz schlachen uszgehungert hat?). Zugen also ellendgllich] mit groser kranck- heit ab, mit grosem verlust irsz kostensz, u[nd] liesz mansz basieren durch ein eydgnoszschafft, dan esz fast ny|der]lendisch volck wasz, vil groffen, fürsten und groser herren, so hie durch Basel furen ellendglich und kranck. Esz were [rosz) oder man, so wasz esz alles kranck und erbendsellig, dasz esz ein ieden möcht erbarmdt haben, der esz gesechen het; doch thet man innen hie zu Basel grose er an mit] herbergen und schen- ckennen von minen herren und durch ein ganze eydgnoszschafft, desz sy vil lobsz verjechen und sag[en] musten. Esz wasz ouch under disem zug der herzog v[on]| [302] Brunschwig, dem mine herren ouch herlich schanckten, ein halb fuder gutz winsz und acht seck habren, dasz man im insz schiff furt, dan sy alle inn schiffen hinweg furtten, und wasz diser wyderzug fast glich dem wyderzug, alsz die Nyderlendischen oder Brunschwigischen von Loden komen, alsz man vornnen geschriben findt?), aber 6. Durch Verschneidung des Randes sind einige Worte dieser Seite in der Hs. verstüm- melt worden. Die Ergänzung ist in [] eingeschlossen. Rippell hat eine Abschrift der noch unbeschnittenen Chronik gehabt, und seine Lesart konnte daher benutzt werden. 6. junii genant winmonatz Hs. 1) Vor Marseille, gegen das Karl V. auf Rath des Andrea Doria eine Bewegung unternahm; s. Ranke 26. 2) 8. Ranke 25fl. Auch Kess- ler VlI. 456 ff. verbreitet sich über diese traurige Entscheidung des Feld- zugs: »darzu ain sollich schwerer sterbend under sy kommen, das in funff wuchen (wirt gesagt) ob 10,000 man gestorben syen« etc. 3) 8. ob. 8.61. 1537 24. Sept 24. Nov. 150 1536. 1537. wasz by dem Franzosen gwesen wasz!), die woren alle frisch, feist und rich an gelt. Also endet sich diser krieg, der mit groser rüstung, und kosten zu beyden theillen angefangen wasz und langwirig den ganzen sumer wasz. Esz hat ouch der key- ser ein grosen zug und huffen in Byckarty?), die ouch ein grosen schaden an eynnem sturm erlitten und mit grosem ver- lust und schaden der lütten, dan er, alsz der keyser, kein glück disz jor gegen dem Franzosen hat. In disem erstgemelten jor wasz esz ein heysz und dür jor®), zimlich frucht an win und korn und allen fruchten, dan dasz dasz heüw und emdt uff den matten verdoret und dasz jor wenig futter wart, dordurch groser mangel wart an ancken und unszschlet allenthalben. Von einner Jrowen, so in manszideidung gerichtet wart. 1537 jor uff mentag den 24. tag herbstmonatz wart ein frow in mänszkleydung ertrenckt by Krenzach!) am Horn by der salmenwög usz ursach, dasz sy etlich jor also in mansz- kleydung insz margroffen landt gewandert und endthalten hat, dasz sy niemansz andersz erkant hat, dan alsz ein man und ein burenknecht, hat sich in allen [303] dörffren erkant gemacht, gedient und gewercht mit dröschen und andren burenarbeit, dordurch iren also in manlichem schin ein hübsche dochter ver- mechlet und zu der e geben wart, dasz nieman andersz meint, dan sy eim manszparson sin, bisz sy sich so ungebürlich hielt mit der gutten dochter, also dasz sy sy übel schlug, so sy ver- meint manliche werck by ir zu finden, deszhalb sy ein jung- frow by ir belip und doch nit innen wart oder andersz ver- meint, dan sy ein man wer und sy sunst nit lieben wolt. Dasz wert etlich zit, bisz sy anfieng zu spillen, prasen und in allem luder ligen wie ein ander liederlicher gsel, ie zum letsten an eim diebstal ergriffen wart und zu Röttallen in gefengnusz gleydt, dorin sy ein gutte zit lag, und man mit dem, so man sy martert oder strackt, innen wart, dasz esz ein wıb wasz, und um ir beschuldig uff gemelten tag gericht und ertrenckt wart. Von einnem frevel von etlichen rültren vor der stat Basel begangen’). Uf samstag den 24. tag wintermonatz, alsz man zalt von 24. sich sich Hs. 37. Am Rande von der Hand des Peter Ryff: Wilhelm Argents handel. i) Nämlich die von dem König in Sold Genommenen. 2) Picardie. 3) 8. Kessler VII. 442. 4) Krenzach (jetzt gewöhnlich Grenzach ge- schrieben), ein am Rhein, eine Stunde oberhalb Basel entfernt gelegenes badisches Pfarrdorf. Das Krenzacher Horn ist der felsige Abfall eines Aus- läufers des Schwarzwaldes nach dem Rhein zu (zwischen Krenzach und Basel). 5) 8. Wurstisen 6l4ff. Ochs VI. 122 ff. Besonders einge- or 35 1537. 151 der geburt unsersz heillant 1537 jor, begiengen etliche rütter oder edellut ein grosen mordt und frevel vor der stat Basel wor sant Johansz thor by Hüniger rein oder kepily by der Rin- halden !), namlich und ist dem also. Esz lag ein richer, erlicher Gr 10 15 französischer apt hie zu Basel?) in der unyfersitet oder col- leium, zu den Ougustiner 3) gehalten, mit etlichen sinnen dien- neren und edellut, so under im woren, hat sich unser relion und glubensz underworffen, den anzunemen und leren, dan er ein erlich, rich und glert man wasz. Diser apt mitsampt drier sinner dienner und edlen wart usz veretry einnesz jungen, [304] so hie zu Basel zu den Predigeren ouch in der studium oder schull stundt?®), ein verfrunder oder verwantter jungker Wil- helm Arsy5) von Friburg usz Uchtlandt, beredt und in falscher meinig hinusz gefurt, im schin ein gut gesellig obendtmol zu Hünigen mitsampt andren gelertten zu essen, die in dan und sine mitherren geladen hetten, und er sy zu innen hinab- geleytten solt, desz der gut her und apt mit sinnen mitgsellen sich usz guttem vertruwen bereden liesz und also mit disem jungen hinusz giengen in meinig kurtzwil zu haben. Alsz sy 14. »warte, welches in der Hs. nach »hinusz gefurt« noch ein Mal steht, musz nach der angefangenen Konstruktion fehlen. hend: Buxtorf-Falkeisen, Baslerische Stadt- und Landgeschichten aus dem 16. Jahrh. Zweites Heft (Basel 1865) 8. 48 ff. 1) 8. Fechter 145, wo auch die Kapelle (»das kepily«), an der Strasse nach Hüningen hin ge- legen, erwähnt wird. 2) Franz von Rochefort (als Franciscus a Rupe- forti dioc. Tholos. wird er in der Universitätsmatrikel von 1537/38 durch den damaligen Rector, Andreas Bodenstein von Carlstadt, aufgeführt). Ueber die Namen der beiden mit ihm überfallenen Edelleute s. Buxtorf a. a. ©. Dass die zwei im Matrikelbuch aufgeführten Tolosaner, die Buxtorf nennt, mit diesen identisch seien, ist nicht anzunehmen, schon deshalb nicht, weil der eine dieser letzteren im Verzeichnisse als der vorletzte der Inscribirten mit rother Farbe folgendermassen eingetragen steht: Sanxius a Rupeforti dioces. Tholos. beneficio magnifiei clementissimique senatus nostri Basilien- sis carcere: liberatus et receptus. anno 38 die marcii 24: VI ß. (die regel- mässige Immatriculationsgebühr). S. unten 8. 155. 3) Bei der Wieder- herstellung der Universität im J. 1532 wurde derselben neben dem bisheri- gen, noch jetzt bestehenden Universitätsgebäude am Rheinsprung noch das benachbarte Augustinerkloster eingeräumt. Man pflegte dieses als das obere, jenes als das untere Collegium zu bezeichnen. Im Jahre 1849 wurde an der Stelle des oberen Collegiums das Museum erbaut, das die academischen Sammlungen enthält. 4) Im J. 1533 liess der Rath im Predigerkloster ein Convict für Studirende einrichten, der jedoch im J. 1537, eben in Folge der hier erzählten Begebenheit, theils in das untere, theils in das obere Collegium übergesiedelt wurde. Im J. 1624 wurde die Anstalt, das sog. collegium Erasmianum oder collegium alumnorum, ganz in das obere Col- legium zu den Augustinern verlegt, wo sie bis zu ihrer Aufhebung im J. 1835 verblieb. S. Ochs VI. 76 fi. 5) Wilhelm Arsent von Freiburg i. B. hatte eine Anforderung an den König von Frankreich. Auf sein An- rufen hatten ihm die Eidgenossen erlaubt, dass er, um sich Recht zu ver- schaffen, Franzosen oder ıhre Güter, doch nur wo er sie ausserhalb der Eidgenossenschaft betrete, in sein Gewahrsam bringen dürfe. 8. Wurst- isen a.a. OÖ. Sein Bruderssohn Jakob führte nun den im Folgenden er- zählten Anschlag aus. Vgl. Buxtorf 51. 27. Nov. 152 1537, aber hinusz komen, alsz vorgemelt ist, hielten die rutter do und umritten und fiengen dise all usz angeleitter sach und veretry, alsz esz dan alsz vor wol braticiert wasz, hatten ein schiff doruff gerust und mit zweygen gefangen dorin, dorin ouch der veretter sprang und hinweg furtten. Die rutter den apt ouch gern dorin gehebt hetten, der sich dan manlich wert und sich nit wolt fachen losen. Mit dem die im schiff hin- furen, domit sy nit uberylt wurden, der apt aber sich mit dennen erfacht und sy in umgoben und in einner mit einner buchsen zum houpt schlug, dasz er wundt wart, aber innen doch endran und usz schrecken nit wust wohin, wo er frundt oder fygendt het, lieff er uff Michelfelden!) zu, do in die rut- ter wyder erillten und fiengen, in uff ein rosz bunden, ver- meinten in ouch hinweg zu bringen, desz er sich in keinnen weg wolt lon furen noch schleyffen, dasz die rutter besorgten überfallen zu werden, schlugen sy in usz grimme desz zornsz über dasz rosz ab, und schosz der ein durch in, lieszen in also todt lygen jemerlich und unredlich ermort und döt, der in nie laster noch leydt thet. Alsz aber dasz gschrey und die mer für min herren kam, schickten sy illensz etlich soltner hinusz dennen noch, aber sy mochtensz nit me [305] erillen noch er- faıren, dan dasz sy zu Keimsz?) disen totten herren funden, der dan durch ein hirtten im holtz vorgemelt funden wasz wor- den und den buren anzeigt, die in dan in dasz dorff zu recht besichtigen tragen hatten, aber nieman wüst, wie esz zugangen wasz. Uff dasz mine herren ouch erfuren, wer dasz schiff ge- furt und bereit hat, alsz namlich der schuldheisz von Belli- cken?) und sin sun, desz mine herren am zinstag znacht glich noch gemeltz datum by drühundert wolgerüster burger in der nacht hinab schickten, disen schuldheisen gfenglich zu hollen, und am ‘morgen by fierhundert wolgerüster burger hin- noch geschickt wurden, dise aber nit witter innen: engegen zugen, dan bisz gon Eimeltingen®), do brochten die vorigen den schuldheisen also gefangen mit innen. Wart also hie zu Basel gefenglich ingeleit und witter in der sach gehandlet, alsz man hernoch hörren wurt. In diser sach wart ouch anzeigt durch obgemelten schuld- heisen oder buren von Bellicken ein burger zu Basel, der dan ouch diser handlung wissen tragen solt, namlich Macharius Stechely, in desen husz dise vorgemelten rutter iren inker oder anschläg gehebt hetten und er etwasz ouch dorin solt verhand- let haben; der sich dan hinweg thet, dan er mit andren bur- 1) Michelfelden, westlich von Hüningen. 2) Vermuthlich Kembs, einige Stunden unterhalb Hüningen, am Rhein. 3) Das badische Pfarr- dorf Bellingen (damals denen von Andlau gehörig), am Rhein. 4) Eimel-. dingen, Pfarrdorf an der Kander und der Landstrasse von Freiburg nach Basel, nicht ganz halbwegs zwischen Basel und Bellingen. a -_ on 25 0 [eB} [34 h) Be 153 geren in eıstgemeltem zug ouch hinusz zoch, im schin disen schuldheisen helffen zu fachen, aber nit wyder inzoch, sunder Or rn [S3 20 25 30 35 40 sich verhindert und hiemit sich hinweg thet, wiewol er durch befelch miner herren zu Wil!) und anderschwo gesucht wart; so er [306] funden wer worden, er ouch gefenglich angenumen wer worden, aber er wart nit funden. Also wart in diser handlung ein tag angesetzt durch mine herren und gemein eydgnosen gon Obren Baden, dohin mine herren erliche botschafft schickten uff mitwuchen den sybenden 7. Dee. tag cristmonatz im gemelten jor. Esz wart uff disem tag nüt gehandlet, dan dasz ein andrer tag angesetzt wart uff suntag 30. Dev. noch wienacht gemelten jorsz. In diser wuchen leyden mine herren uff allen zünfften usz zum houptbanner und zum fenly ein grose zall burger, die alle wol gerüst woren, und wart von minen herren ouch ein grose rüstung mit grosz und kleinnem geschütz, so sy vermein- ten mit innen zu nemen mitsampt andrem kriegszzug ; do wart bannerher her Bernhart Meyger und zu im gen Clausz Zeszly der mezger?), bedt desz rotz, und houptman her Jocob Meyger burgermeister und fenrich Gregorius Schüly und vorfenrich Hansz Juchtenhamer in der kleinnen stat. In diser handlung wart witter getaget zu Obren Baden, wie obstot, wart der tag acht tag gehalten, und hatten mine herren starge postung uff und nyder, tag und nacht, und nit anderer meinig, dan alstundt uff und gerust zu sin. Warhin aber die meinig wasz, ist mir nit zu wüssen gsin, dan dasz man die suchen wolt, die disen frevel begangen hetten oder die, so sy uffendthielten), aber alsz ich verstanden hab, so ist der abscheydt gemacht und gehandlet worden, [307] dasz die re- gentten von Ensiszheim söllen durch keiserliche botschafft be- felch, so ouch uff dem tag erschein, dise thetter losen suchen zu Schwarzenburg, Hochenkunigspurg und anderschwo, do dan möcht gedöcht werden sy ir uffenthaltung hetten, und wo sysz möchten begriffen, minen herren zu recht halten und innen den, so die thetter noch gefangen hielten, minen herren on alle endtgeltnusz zu uberantwurtten, mit andren derglichen ab- redungen, on not hie alsz zu melden, dan nüt dorusz wart. Wiewol die von Ensiszheim ein zug hinschickten gon Schwar- zenburg?) und derglichen besuchung thetten und nomen dasz schlosz in, funden nieman do, alsz sy anzeigten, dan dasz einer im schlosz tot lag oder funden wart, der mosen und gestalt, alsz der, so sy minen herren noch gefangen hatten. Dem noch ouch ein andrer tag angesetzt wart zu Obren Baden und ge- 33. und wo sy Hs. 1) Weil, badisches Pfarrdorf, eine Stunde nordöstlich von Basel. 2) S. ob. 8. 131,12. 3) Vgl. Ochs VI. 128. 4) Bei Münster im Elsass. 154 1538. halten von gemeinen eydgnosen mitsampt keiserlicher botschafft und der regentten von Ensen uff mentag noch der liechtmesz „5 anno 1538 jor der fiert tag hornug, wart allerhandt disz han- — " delsz abgeredt und der gefangen angefordert, der dan zeigt wart noch in leben und verhanden wer, den die regentten in etlichen tagen solten minen herren zu handen stöllen on alle endgeltnusz, deszglichen Schwarzenburg abbrechen und alle die, so an disem frevel schuldig weren, wo sysz ankumen möchten zu recht halten, ouch innen nienen gestatten im römischen rich schutz noch schirm oder underschlieff geben, deszglichen mi- nen herren allen kosten, so sich diser handlung halb; erlouffen het, abtragen und erlegen, desz sich die regentten zu beden- cken nomen und ein andrer tag angesetzt wart uff reminiscere 17.März.den ersten suntag in der fasten wyder zBaden zu erschinen. [308] Von eim erdbydem. W. Jan. Uff suntag Sebastiany der 20. januarius 1538 jor wart ein groser erdbydem gehört noch mittag zwüschen funf und sech- sen, weret uff acht minutten lang). Ungwitter. 23. Jan. Glich dornoch uff mitwuchen den 23. tag disz monatz um obgemelten stunden hat esz blitzget und donnert, alsz ob esz im sumer wer, an etlichen ortten mit grosem hagell. Von eın warmen, wintter. Esz wasz disz jor fast ein warmer wintter, der vormolsz nie erdocht wasz worden, dan anfang herbst des 37. jorsz bisz 25.Jan. uff Pauly bekerung hiezlandt desz 38. jorsz kein schne noch gefrist gesechen wart, aber fast grose füchtigkeit mit regen 21. Febr.und grosem winden; wasz die groste kelte noch Mathie, weret zwen tag mit kleinner gfrist?). Von eim comelt. In disem erst gemelten monat wart ouch ein schönner co- met gesechen gegen der sunnen nydergang mit eim langen strimen, einnem langen spiesz glychet, wart an vil ortten hie und anderschwo gesechen etlich tag und nacht. Got schick all ding zum besten! >). Von eim grosen rot. 19. Febr. Uff zinstag den 19. tag hornug anno 1538 jor wart ein groser rot hie gehalten und der gemein fürgehalten, wie sich der handel vorgemeltz frevelszz und handlung der tagen zu 11. und allen kosten Hs. 1) S. Wurstisen 616. Kessler VII. 484. 2) Kessler VII. 484: »Dise nun verschinen winters zit ist gesin so warm und lustig, das man schier kainen schlitten gebrucht« etc. 3) Kessler VII. 484, ps 10 15 30 35 or 10 1 or 20 IS] or 3 © 4 0 Gr So 1538. 155 Baden zwüschen minen herren sampt gemein eydgnosen gegen den regentten von [309] Ensen und derren halb, so den frevel begangen hetten, sich biszhar erstreckt und erlouffen het, und wasz witter dorin mocht gehandlet werden, domit die gemein ouch wist, wasz min herren handletten, dasz dan menglichem wol gfiel und ouch trüwlich und erlich und ouch ernstlich durch unsere herren gehandlet wasz, ouch innen die sach ernstlich fürer befollen wart noch irem besten flisz zu handlen. Von eim tag zu Schliengen. Wart gehalten uff den fierzechenden tag merzen erstgemeltz14.März. datum und jorsz, vorgeschribner handlung halb betreffen, zwü- schen minen herren rotz botschafft von Basel und Schwighartz von Sickingen und sinnem bruder, die sich gegen minen her- ren verantwürttet diser sach unschuldig, ouch innen beholffen und beratten sin, innen disen gfangnen wyder zu handen zstöl- len, dasz ouch beschach und der gefangen wyder überantwurt und brocht wart uff suntag oculy der 24. tag merzen obgemeltz21.März. datum durch der von Syckiger dienner on alle engeltnusz har in ein stat Basel, am mentag frug minen herren für ein ersa- men rot überantwurt und geben!). Diser handlung noch wart der schuldheisz von Bellicken, vorgemeltz handelsz halb, alsz vor gehört ist, gefenglich von burgeren von Bellicken gfurt, wart uff donstag den fiertten 4. Apr. tag aprillisz gerichtet von wegen sinner handlung, die er in disem handel begangen hat, und im dasz houpt abgeschlagen ; wiewol er zur ax?) verurtheilt und erkant wart, bewisen im doch mine herren gnodt und nomen dasz houpt von im. Wasz er gehandlet hat, ist vor angezeigt gnugsamlich. [s10] Von erfrierung der reben°). Uff zinstag, mitwuchen und donstag den 16. 17. und 18.16.17.18. tag aprillisz desz erstgemelten 38. jorsz der minderen zal gezelt kommen noch groser werme und schönner tag schnel und grosz ryffen mit grimer kelte und gefrist, dasz alle reben um Basel, im Elsesz, Briszgouw, Sungow nydsich und obsich erfruren wit und breydt, deszglich nie erhört wasz worden, deszglich vil früchten von opsz, dasz sich dan alsz wol und hübsch erzeigt hat; desglich kum erlebt wasz, dan esz sich alsz noch vor- gsemeltem warmen wintter frü harusztruckt hat, und wasz der win sunst uff disz mol und zit vast thür und schlug uff, dasz der soum bisz misericordia galt ein soum alt win sechsthalb pfundt und der hürig 1 soum fier pfundt; vor ostren galt er 4) Vgl. oben 8. 151 Anm. 2. 2) Vermuthlich zur Achse, d.h. zum Rad. Denn Axt kann es nicht bedeuten, da sofort zu lesen ist, das Haupt sei von ihm genommen worden. 3) Vgl. Kessler VII. 484. April. 5. Mai. August. 18. Aug. 30. Aug. 10. Aug. 156 1538. durch einander uff zwey pfundt funffzechen schillig!). Esz schlug ouch dasz korn uff, dasz esz uff disz mol galt ein gul- den, vor ostren 14 ß. und 15 ß. Dasz weret aber nyt lang mit dem korn, dan daszselb dasz jor wol geriedt und bleip disz jor um 13 und 14 ß.; ‚bisz uff herbst galt esz wyder ein pfundt 5 und 18 ß. Uff herbst disz gemelten jorsz wart zimlich win um Basel, desz sich nieman versechen het, bleip aber by fünff pfunden der soum, die mosz um 1 ß., Sihtıst wart aller fruchten gnug, bisz uff Michaely fieng der nüw win an abschlachen, den soum um drü pfundt und fierthalb ß., bleip aber nit lang dorby, sun- der schlug hefftig uff für und für, koufften mine herren ein fast grose sum win der stat zu nutz; ouch wart von minen herren verortnet, von allen burgeren kein win usz der stat zu verkouffen, domit in der stat Basel kein mangel an win wurde. [311] Von eim gesellenschiesen hie zu Basell. Im ougustmonet desz 1538. jorsz wart von minen herren von Basel, alsz der oberkeit, ein gemein gsellenschiesen an- gesechen mit der buchsen, und goben mine herren usz für ein fryge gob 25 goltgulden. Komen vil fremder schützen har von : Stroszburg, Hagnow, Colmar, Ougszburg und Bibrach, desz- glich usz der eygnoschafft, dasz ir über die 500 schutzen woren von allen landen und ortten, wurden fast erlich von minen herren gehalten mit winschencken und andrer gasthaltung; fieng dasz schiesen an uff suntag vor Bartlomey und werret bisz uff fritag vor Frenne mit vil und mancherley goben und kürzwil; wurden fast vil zelten uff den matten uffgeschlagen und zerung do gehalten. Von eim sterben hie zu Basell und düre desz winsz und korn. Fieng an um Lorentzii desz 38. jorsz der mindren zall, : weret fast bisz um Johanny Baptista desz 39. jorsz, sturben vil kinder, ouch sunst junger lüt, ouch etliche huser gar usz, hordt fast uff gemelte zit uff, und wart disz 39. jor fast vil korn, habren, rocken und übervil opsz aller früchten und gattung. Der win wasz aber fast dür, doch bleip er hie zBasel by der > mosz um 1ß..und 1ß. 2 d. und bim soum um funff und um sechszthalb pfundt; aber ım Elsaszz gab man dasz fuder um 45 pfundt Baszler werung und den schlechtisten um 40 pfundt. Dise düre desz winsz weret von vorgemeltem datum desz riffen bisz uff Frenne desz 39. jorsz, dasz der nüw Baselwin geherb- 9. aller fruchten gnug allerley fruchten Hs. 1) Wur stisen 616. Der Wein „wurde nach ihm so theuer, dass »ein Füder im Elsasz von dreissig bisz zu vier und viertzig Guldin aufisteige, ein Masz zu Basel sechs Creutzer galt, und man im Sommer gar nahe kein virnen Wein ankommen mochte«. 10 25 1538. 1539. 157 stet wart, alsz man hernoch hören wurt; dasz korn bleip fast dasz jor in eim gelt, die fiertzel um 28 und 30 ß. [1 10 N or 30 [312] Von eim ungewitter. Item uff mentag noch sant Michelsz tag der 7. tag wimo- 7. oct. natz 1538 jor kam zwüschen siben und achten noch mitag ein ungestum wetter mit blizen und donneren, alsz ob esz mitten im sumer wer, zergieng doch mit eim zimlichen regen. Von eim guiten, vollen herbst!). Anno alsz man zalt 1539 jor, wart ein schönner volkumner und überflüsiger herbst, deszglich kein mensch uff ein jor er- lebt, erhört noch gesechen hat, in allen landen, do reben ge- pflantzt woren, obsich und nydsich, ım Elsasz?) und allendt- halben, dermossen dasz der win nit aller gefast mocht werden mangel halb der fasen, dasz nieman gnug fasen mocht anku- s men; hat ouch nieman kein solliche faszdüre erlebt und ouch kein mensch solliche schnelle winwölffle; dan wie vorgemelt ein fuder win im Elsasz 45 pfundt galt, wart esz ietz dasz fu- der um 4 pfundt und 5 pfundt Baszler werung uffs thürist gen, und wer fasz brocht, dem wart ein soum um 3 batzen geben. Esz bleip ouch vil win an reben ston, den nieman fasen kondt von wegen desz mangelsz der fasen in dütschen und welschen landen; wart ein sollicher herbst: by der mosz gab man den win hie zBasel um ein rapen und dry pfenig, den Elsaser ein mosz um 4 pfenig, und den besten um 5 pfennig. Esz 5 wart ouch uff den fritag vor Gally ein mosz win und ein be- sem und ein wellen strow glich geben, iedesz stück um ein rapen gen. Dem herren sy lob und danck in ewigkeit! [313] Absterben desz groffen von Ortenburg. Anno etc. 1539 jor star|b| der groff von Orttenburg, wart todt hie durch gefurt durch dise stat Basel gon Orttenburg be- stettet und begraben, wart mit grosem leydt in schwarzem aller sinner dienner und hoffgsindt mit vil pfertten beleytten, der do wasz ein dochterman desz margroff Ernsten®) und ein her- 4. der sibenzechendt tag Hs. Ryff hat ohne Zweifel schreiben wollen: »der sibendt«; bei der Datirung »mentag noch sant Michelsz tag« hat er übersehen, dass zwischen Montag dem 7. October und St. Michels Tag noch ein andrer Montag, der 30. September, in der Mitte lag. 23. Durch Verschneidung des Randes sind einzelne Buchstaben der Seite in der Hs. ganz oder theilweise weggefallen. 31. Rippell liest: »in schwartzem gewand.« Es ist aber nicht wohl möglich, dass dies letztere Wort bei Ryff gestanden, es ist auch dem Sinne nach nicht nothwendig. 1) Wurstisen 616 und die ausführlichen Nachrichten bei Kessler VII. 566. ff. 2) Vgl. die Strassburger Jahrgeschichten bei Mone, Quel- lensammlung II. 143: »Und hat man vil hülzene kasten gemacht, darin man wein gefaszet hatt«. 3) Elisabeth, die Tochter des Markgrafen Ernst von Baden-Durlach (1527—53), geb. 1516, war in erster Ehe vermählt mit Ga- briel von Salamanca, dem Rathe K. Ferdinands, den dieser zum Grafen v, Ortenburg machte. S. Cohn, Stammtafel zur Gesch. der europ. Staaten, 1539. 10, Oct. 158 1539. 1540. scher und her desz gantzen Sungow und Nyder- und Ober- Elsasz etc. und ein oberster keiser Karlisz und ein erwelter _ Deebr. von sinnem hoff ete., starb im cristmonat desz obgemelten jorsz Von eim ungewitter. 30. Dec. Uff zinstag noch wiennacht den 30. tag cristmonatz anno 5 1539 jor kam vormitag um die zechne ein ungestum wetter mit donner, blitzgen und haglen, deszglich kum gesechen ist wor- den, mit starckem windt, zergieng doch mit gutte und on gro- “ sen schaden wyder. Von einner mustrung. 10 1540 Uff mentag noch der alten fasznacht der 16. tag hornug, '%. Febralsz man zalt noch der gburt Cristi Jhesu 1540 jor, gesehach ein gemeine mustrung hie zu Basel durch min herren in der ganzen burgerschaftt, also dasz uff allen zunfften und gsel- schafften alle burger undt hindersesen sich musten erzeigen in irem gwer und harnist, und ouch do bim eydt behalten, dasz sollich gwer und harnist sin wer und keinnerley endlent het; wart ouch iedem botten, sollich sin gwer und harnist weder [314] zu versetzen noch zu ferkouffen, sunder zu sinnem lip behalten. Esz erzeigten sich ouch uff disen tag noch der mu- % strung iede zunfit mit irem fenly und hübscher kleydung wol gerüst, zog iede zünfft in der stat mit irem zeichen um. Esz wart ouch dise fasznacht mit frölicher geselschafft und menger- ley kurzwil vertriben und geendet in acht tagen; dormoch musterten mine herren in allen iren emptren ouch, wart uff 3 dise zit zu stat und landt iederman wolgerust erfunden, desz- glich mustrung ist nit zu erdencken bisz uff dise zit. Got gebsz unsz zu gut! | [oo ar Von eim erdbydem. 18. Jul. Wart gehört uff suntag vor Jacoby den 18. tag heuwmonatz 30 anno etc. 1540 fryg um die fünffte stundt vor mitag. Item esz wasz disz jor gar ein heiser sumer?!), dasz esz $. Juni von dem achten tag brochmonatz nie regnet bisz uff den 29. tag 29. Ta. heuwmonatz fieng esz mit senfiten regen an und wart gut weder. Esz wasz ouch so treffenlich heisz die zit gsin, dasz 3 Braunschweig, Schwetschke 1865. Band I. T. 103. Nach ihm ist Salamanca 1540 gestorben. Vgl. Sachs: Einl. in d. Gesch. d. Markgrafschaft Baden IV. 71, der das Factum der Ehe Elisabeths mit Salamanca mit Unrecht bezweifelt. Vgl. hierüber und über die höchst interessante Persönlichkeit des berüchtigten »Finanzers«, der eine schärfere Beleuchtung verdiente: Jörg, Deutschland in der Revolutionsperiode von 1522—-26. Freiburg i. B., Herder, 74 ff. 512. 521 #. Huschberg, Geschichte des herzogl. und gräfl. Gesammthauses Ortenburg. Sulzbach, Seidel 1828, 336 #.; die Zimmern'- sche Chronik III. 423. 577. Georg Kirchmair’s Denkwürdigkeiten in Fontes rer. Austriac. SS. Bd. 1. 460 ff. ete. 1) S. Wurstisen 617. 1540. 159 man besorgt, der win an reben verdoren wurt, alsz an etlichen ortten beschach und sunderlich um dise stat, aber der regen erkichtz alsz wyder. Got hab lob! Wasz disz jor wenig un- ‚gwitter, und wasz korn gnug worden und dasz fast gut. Esz a 10 15 © m € 30 35 wart aber wenig heuw und gar kein emdt, deszglich sumer ist by mansz dencken nit gesechen worden. [315] Won einner lustigen und burgerlchen kılby zu Liestal). Uff mentag post exaudy den 10. tag mey, alsz man zalt von der gburt Cristi unsersz selligmachersz 1540 jor, zoch man usz der stat Basel gon Liechstall usz ansechen und er- kantnusz miner herren, so vorhin uff der vorgemelten mustrung von minen herren verortnet wasz, sollichen zug zu volbringen; zugen usz mit nünthalbhundert wolgeruster burger und mit fünffzigen zu rosz, die all mit sollicher mosz mit kleydung und aller rustung gerust woren, deszglich vor nie by mansz dencken gsechen ist worden. Ein iede zunfft hat sich für sich selb uffs allerköstlichest bekleit und zugrust, wurden von minen herren vil der rötten zugeortnet, her "Adelberg Meyger burgermeister, her Marx Heydilly zunfitmeyster mitsampt andren der rötten, wasz fenrich Petter Gernler, wasz fast ein hubscher zug, wur- den doben von dennen von Liestal mitsampt den emptren?) schon empfangen mit wolgrustem gegenzug und komen morn- desz wyder mitsampt aller emptren miner herren, usz der vogty Farspurg mit jungker Heman®) irem vogt, usz der vogty Wal- ; lenburg Baschion Daxelstein irem vogt, jungker During Hugly mit sinnem volck usz der vogty Munchenstein und Mutenz, die von Honburg mit irem vogt Jerg Wildisen, Jerg Wiszlemly mit sinnem volck usz der vogty Ramstein, dasz ir in einer sum usz den emptren komen dryzechenhundert wolbekleyder und hübscher knechten; [sı6} ouch komen die von Riechen und Betticken, wasz ir vogt Bat Sumer, und hat iede vogty ir fenly. Esz komen ouch die usz dem Louffentall usz dem stetly*) mit irem zeichen und landtschafit, und wasz desz bischofts volck wasz usz dem Leinthall®) ; wurden zertheilt: in alle herbergen hie und innen wol und erlich erbotten; und morndesz am mit- wuchen wurden die von Liestal mitsampt allen emptren uf alle zunfft zertheilt und zgast gehalten den gantzen tag. Sunst 1) S. Wurstisen 617. 2) 8. im Allgemeinen über die vorkommen- den Orte Bruckner: Versuch einer Beschreibung historischer und natür- licher Merkwürdigkeiten der Landschaft Basel (1748—1 763. Basel, E. Thurn- eysen). 3) H. von Offenburg. Bruckner 2149. 4) Stadt und Amt Laufen, sowie die zum Amte Birseck gehörigen Dörfer Reinach, Therwyl, Oberwyl, Eittingen und Allschwyl, sämmtlich dem Bischof von Basel unter- than, waren seit 1525 mit der Stadt Basel ‚verburgrechtet. 8. Heusler 434. Lichtenhahn, das Basler Bürgerrecht im Bisthum, im ersten Bande der Beiträge 14. 5) Das Leimenthal, das Thal des Birsig, in welchem die Dörfer Oberwyl, Therwyl und Ettingen gelegen sind, 10.Mai. 3. Mai. >= 360 1540. wurden kurtzwil zuglosen mit springen, steinstosen, schiesen und keyglen um allerley goben, so min herren uszgoben, wur- den all von minen herren und gemeinnen burgeren wol gehal- ten. Esz wart kein untzucht noch freffel von keim erfunden noch gesechen, sunder zergieng mit aller zucht und erberkeit, zugen am donstag zoben wyder heim und wurden mit der bur- gerschafft wyder hinusz geleydet, wie sy mit in herin kumen woren, goben innen dasz gleydt schier bisz Sant Jocab, schie- den also mit frintlickeit von einander. Got welsz unsz alsz für gut uffnemen undz unsz zum besten kerren! Esz wart uff dise kurtzwil und kilby durch mine herren verbotten sunst alle spil, zutrincken und gotzlestrung und üpi- keit, esz wer mit wortten oder wercken, und wart ouch wol und erlich von allem und iedem zstat und zlandt ghalten und also mit gutten fridt und lieby und einigkeit ghalten. Got der her hab lob in ewykeit! lsır) Von einnem heisen und trucknen sumer. Im 1540. jor noch der gburt unsersz. selligmachersz ist ein fast heiser und dürer sumer gwesen, alsz vorgemelt ist, dasz 'ov. esz von anfang desz sumersz bisz Martini nit über drümol reg- net; so esz schon regnet, wert esz nit über zwen oder drü tag und necht lang und klein, senfft regen; deszglich sumer ist by keinsz menschen dencken nie ersechen worden. Esz wart kein ungewitter disz jor erhört, wart ouch vil win und korn und ein gantz volkumner herbst, dermosen dasz groser mangel an fasen wasz und die fasz fast dür. Welcher fasz hat, fandt allenthalben den besten wın, ein soum um zechen oder zwelff schillig hiezlandt in allen dörfferen und den fast gut. Im Elsesz wasz er vıl wölfler, den alten win ein soum um funff oder sechsz schillig, sunst ouch aller früchten gnug, weder dasz wenig heuw wart und gar wenig und an vil enden gantz kein emdt, deszhalb milch und kesz und ancken dür wart, ein pfundt ancken um siben rapen, an etlichen enden 1 batzen. Esz giengen ouch gar vil waser ab an allen ortten, dasz die waser fast klein wurden, ouch an vil enden gar ersigten, der- ren vor nie keinsz abgangen wasz, deszhalb vil not um mallen wart, etlich müllennen stil stunden dasz gantz jor, vil brunnen abgiengen. Esz wart ouch der Rin so klein, dasz man uff dem grien oder boden usz der kleinnen stat bisz zum käply!) oder zur halben brucken trocken gon mocht underthalb und oberthalb 1) Die Kapelle auf der Rheinbrücke, 1392 neu erbaut oder umgebaut. Die hier gemeinte und die heute noch stehende datirt aber von 1512. Fechter 132. Bei dem neulichen Umbau der Rheinbrücke ist das Käppeli um einen Pfeiler weiter nach der Grossbasler Seite hin versetzt worden, was bei der Angabe Ityff’s in Betracht zu ziehen ist. 1 3 > 0 0 0 4 1 2 2 3 1540. 161 der brucken. Ich bin ouch selb trocken gangen am Ryn von der drencke ennent Rinsz bisz für die Kardusz, für [3ıs] den gadren !) ‚hinuff bisz für die gertten gar noch halben weg uff Krentzacher ' strosz, deszglich hie disent mocht man trocken gon uff dem 48 0 or 0 5 =) landt am Rin vom Saltzdurn?) hinab gar noch bisz zun Pre- digeren und oberthalb von der Sunnen bisz zu sant Alban. Esz wasz ouch ein sollich grüm by sant Alban mitten im Rin, dasz die burger und buchsenschutzen ein gsellenschiesen doruff hetten, stunden uff sollichem grüm und schusen hinuber gegen dem feldt ob der Kardusz, gschach alsz noch Martini. Wasz noch zwuschen Martini und wiennacht fast schön und warm wetter, alsz etwan um ostren gwesen ist, und bisz zu der zit kein gfrist gesechen worden. Esz wart ouch von minen herren ein mülly uff dem Ryn uffgericht von wegen desz grosen mangelsz desz mallensz und müllinnen, doruff sy dan ein grose sum liessen mallen uff für- sorg und grosersz mangelsz. Man het ouch an etlichen enden durch den Rin mögen über und über ritten, deszhalb kein schiff den Rin obenaber kumen mocht, dorum uff dise Baszler mesz disz fierzigisten jorsz alle gutter über lant und mit wegen musten obenherab gfurt werden. Von dem krieg und handlung derren von Rotwill?). In disem gemelten jor erhub sich ein zwytracht und krieg von dem Landenberger wyder die von Rotwil, belegert die mit eim grosen volck zu rosz und fusz, alsz gwise botschafft kam, dasz er sy mit funffzechenhundert rüttren und drütusent fusz- knechten angreiff, verbrandt und verherget alle dörffer [319] und flecken vor der stat dermosen, dasz sollichsz für ein gemeinne eydgnoschafft kam, die dan ein tag noch dem andren hielten zu Obren Baden der gstalt, ob sy innen zu hilff kumen wolten oder nit. Wart ouch deszhalb groser rot hie zu Basel gehalten uff samstag post Othmary; wasz aber witter gehandlet ist und 20. Nov. 27. Das Wort »angreiff«, welches in der Hs. fehlt, oder ein ähnliches muss ergänzt werden. 1) Wahrscheinlich haben wir an die Umfriedungen zu denken, mit wel- chen die an den Rhein stossenden Gärten vor der Stadt abgesperrt waren. S. den Plan des Matthäus Merian von 1615 und die Ansicht von Basel in seiner Topographia Helvetiae. 2) Fechter 88. Wie der Salzthurm zu- nächst unterhalb der Rheinbrücke auf der Grossbasler Seite stand, so das Haus zur Sonne (jetzt Rheinsprung No. I) zunächst oberhalb derselben. 3) Vgl. über die »Landenberger Fehde« H. Ruckgaber: Geschichte der Frei- und Reichsstadt Rottweil. Rottweil, Englert 1838. II. 2. S. 186 ff. und in Kürze Ochs VI. 151. S. auch die Zimmern’sche Chronik Ill. 378. Hans von Landenberg, genannt von der Breitenlandenberg zum Schram- berg, dessen Sohn Christoph hauptsächlich die Fehde führte, war, als Besitzer einiger Güter im Kanton Zürich, Mitbürger der Eidgenossen, die Stadt Rottweil seit 1519 mit ihnen in ewigem Bunde. Ruckgaber a.a. O. 187. 223. Basler Chroniken. 1. 1i 23. Nov. 25. Nov. 1541. 10. Aug. 162 1540. 1541. wurt, volgt hernoch, und usz wasz ursach dasz erwachsen ist !); und wart der tag geendet uff zinstag vor Katherine, wart be- schlosen, dasz die lender gemeinlich gaben tusendt man, schick- ten sy gon Rotwil in zusatz, zugen in diser wuchen usz, wur- den uff Katherine zu Schaffhusen versamlet. Do blipen sy bisz uff witter bscheydt, aber in disem handel zoch der Lan- denberger ab mit sim volck, und wart diser krieg verdragen und abgstält zwüschen dem Landenberger und dennen von Rotwil uff disz mol?). In disem 41. jor der mindren zal wasz der ziblen dur, galt ein durer ziblen in der gröse hie verzeichnet ein pfenig und drü ein rapen, deszglich dasz opsz drü öpfel ein rapen. [320] Von eim grosen sterben). In dem 1541. jor kam ein groser sterben in allem dütschen landt nydsich und obsich und ouch an etlichen ortten im Welschlandt, im nydren und obren Elsasz, fieng ouch an hie zu Basel um Lorentzii desz ougstmonatz, starb hie mercklich vil volck, jung und alt, wib und man, und fast vil der nam- hafftigen burger und burgerin. Esz sturben ouch vil glertten und cristlicher lerer desz götlichen wortz. Namlich sturben fünff treffenlich glert menner hie, under dennen der hochglert und wyt berumpt her Symon Grineus?), Jeronimus Ardolffus>), und sunst zwen, derren namen ich nit weisz, ouch meyster Anthonius Wildt, schulmeister und ein gelertter aller sprochen®). Esz weret diser sterben”) von obgemeltem datum an bisz .. Also wart im winmonat dises genempten jorsz angesechen von minen herren, also alle zinstag got dem almechtigen zu lob und erren sin götlich wort in allen pfarren und kilcheren zu verkünden und nieman kein werck andersz zu volfieren oder zthun, bisz sollich predig volbrocht wurt, wie an einnem sun- tag mit gemeinnem bet got den herren zu ermanen und bit- ten um gnodt und barmherzigkeit mit unsz zu theillen und 12. Nach dem Satze hinter »rapen« steht in der Hs. eine entsprechende rohe Federzeich- nung, durch die eine Zwiebel, 6,2 Centimeter breit, 4 hoch, dargestellt wird. 25. Eine Lücke in der Hs. nach »bisz«. 1) Dies »volgt hernoch« ist unerfüllt geblieben, da die Chronik des Fr. Ryff mit 8. 321 abbricht; s.u. 8.163. 2) Der Vertrag zwischen den Strei- tenden kam am 29. Nov. 1540 zu Seedorf zu Stande. Ruckgaber a. a.0. 205. 3) 8. Wurstisen 618. Ochs VI. 160. Vgl. Villinger Chro- nik bei Mone: Quellensammlung II. 110: »Zu Baden im Ergow starb die halb welt«. 4) Geb. 1493, gest. 1. August 1541. Ath. Rauricae 69, 5) Hieron. Artolphus art. lib. mag. et medic. cand.; s. Ath. Rauricae 173. 6) Ueber Anton. Wild s. Ath. Rauricae 424. 7) S. auch über alle die Genannten Wurstisen 618. Er nennt noch den Bürgermeister Jakob Meier, den Ryff nicht hätte vergessen sollen, und die zwei Jünglinge Eusebius Oekolampadius und Wilhelm Zwinglius, welche wohl die zwei sind, deren Namen unser Chronist nicht kennt. or — 0 a 10 1541. x 163 sin milte, gutte und gnodt zu erzeigen und sollich stroff der kranckeit sollicher schweren pestillenz von unsz zu nemen!). [321] Adsterben desz hochglertiten doctor Andresz von Karlestat?). Uff den wiennachtoben 1541 jor, wasz samstag den 24. tag 24. Dee. decembrisz, genant cristmonatz, um die elffte stundt vor mittag starb der hochgelert und wirdig her doctor Andresz Karlestat, verkünder desz götlichen wort, fürstender und predicant der stifft Sant Petter zu Basel, der ein grundlicher lerrer und wyt berumpter in grecy, hebraeisch und latinisch, deszglich nit vil erfunden würt und ist zu diser zit. Got welle unsz sin gnodt furer verlichen und unsz sin gotlich wort nit enziechen. 11. Hier auf dem ersten Drittel von S. 321 endigt die Hs. des Fridolin Ryff; $. 322 ist leer. 1) Die Gebete, welche für diese neu errichteten Wochengottesdienste verfasst wurden, finden sich in Ant. Gernl. I. Blatt 279—280 unter der Ueberschrift: »Gmeine andechtige gebett, so man alle zinsztag zur büsz- predig in den vier pfarkirchen zu Basel haltet, für den grewlichen Türcken, auch für alles anligen der christlichen kirchen. In dem 1541. jor angefan- gen«. Es folgen nun nach einander: »D. Osvaldi Myconii gebett nach der buszpredig im münster«, »D. Andreae Carolstadii gebett zu s. Peter«, »D. Marci Bersii gebett zu s. Lienhart«, »D. Jacobi Truckenbroti gebett zu s. Theoder« Blatt 281 steht eine »Begrebnus ordnung«, die also anfängt: »Anno 1541, montags den ersten tag augusti haben unsere herren räht und meister erkant: das nun hinfort, wann unsz gott unser himmlische vatter (wie sich ietz ein wiszt) mit sterbenden läufen heimsüchet, mit dem ver- graben folgende ordnung, bei peen nachbestimpt, gehalten werde«. Vgl. Wurstisen 618. Ranke: Reformation IV. 166 ff. 2) S: Wurstisen 618. In den Athen. Rauricae steht sein Tod irrthümlich unter 1543. [323] In dem julio desz 1543. jars fiel zu Basell die herberg zum Kopff in, dorinn zwen man und ein wibsperson verfulen !). Vonn dem Schmalkaldischen oder protestierendenn krieg. Als man zalt von der geburt Christi unsers säligmachers . 1546, erhübe sich der Schmalkaldische krieg, also genannet, wil die protestierenden, das ist die fürsten und stett, so sich wider das papstumb und sine satzungen protestierten und ver- wirflich satzten, zu Schmalkalden ire ersten conventen und anschlege zu disem krieg hatten, wie dan Joannes Schleidanus?) grundtlich disen handel beschribet, deszglichen Lambertus Hor- tensius3). In welchen krieg sich auch vill der Baszleren begaben‘). Diser krieg wardt angestellet uf desz papsts Julu Ill. ernst- lich sollicitieren durch den groszmechtigen keiser Carolum quin- tum gegen und wider hertzog Hansz Friderichen usz Saxen, chürfirst, und landgraffen Philips usz Hessen, als die zwen hauptfierer der reformierten und protestierenden der religion halb, welche sich mit achzigtusendt starck dem keiser wider- satzten, welcher aber nit so starck zu feldt gewesenn5). Diser krieg weret fast zwey jar lang°), anfenglich glucket es den 1. Hier beginnt die Fortsetzung des Peter Ryff. 9. »hatten« fehlt in der Hs. 1) S. Wurstisen 618. Der Gasthof zum goldenen Kopf (d.h. Becher, obgleich der ursprüngliche Sinn jetzt in Vergessenheit gerathen und ein goldener Menschenkopf angemalt ist), steht in Grossbasel unfern der Rhein- brücke an der Schifflände. 2) Joan. Sleidani de statu religionis et reipubli- cae Carolo V Caesare commentarii erschienen zuerst Argentor. 1555 in Fol., dann um ein 26. Buch vermehrt ebendaselbst in demselben J. in 8. und später in vielen weitern Auflagen. Im J. 1556 erschien in Basel e. deutsche Uebers. von H. Pantaleon, die schon 1557 e. neue Aufl. erlebte, 1557 in Pforzheim eine v. Isr. Achacius, denen später noch andre folgten. 3) Des Lambertus Hor- tensius aus Montfort bei Utrecht Bücher de bello Germanico erschienen (nach Grässe, Literärgesch. V. 1250) zuerst Bas. 1560. 4; deutsch sind sie unter dem Titel »Warhafite und eigentliche beschreibung des Protestierenden kriegs Teutscher Nation« von Jac. Schlüsser herausgegeben in dem Sam- melwerke »der Peürisch und Protestierende Krieg«. Basel 1573. Folio. 4) Officiell bewahrten die Eidgenossen Neutralität, »aber hindern konnten sie nicht, dass»eine Menge Abenteurer sich unter die Fahnen beider Par- teien stellten«. Vulliemin I. 304. Ueber das specielle Verhalten von Basel s. Ochs VI. 185 ff. 5) Ranke IV. 312 berechnet die Grösse des protestantischen Heeres für den August 1546 auf 35000 Mann zu Fuss und 6000 Mann zu Pferde und $S. 311 die der Kaiserlichen, die Niederländer nicht gerechnet, auf 34000 Mann zu Fuss und 5000 Mann zu Pferde. b) Der Krieg dauerte vielmehr vom Juni 1546 bis zum Sommer 1547. a — Ü , 1546—1552. 165 protestierenden, letstlich aber wante sich das glück umb, also das hertzog Hansz Friderich in einer schlacht von keiserischen ‚gefangen !), sin kriegsvolck überwunden, die protestierenden on’ 1 = 1 a 20 25 fürsten und stett sich an desz keisers gnodt ergäben miessen. [324] In disenn triebsäligen empörungen und unglickhaften krie- gen haben sich die reformierten fürsten, grafen und herren schmieken und zu merer sicherheit etwan exulieren miesen. Derhalben auch hertzog Christoff von Wirtenberg noch in disem 46. jar gon Basell umb besserer sicherheit kommen, aldo uff ein gantzes halbjar lang mit wyb und künden christenlichen hoff gehalten 2). Glicher gestalten hatt im auch gethon Sebastian Schertlin >), ritter, so vom keiser in die ach erkleret wardt, will er der pro- testierenden Öberster einer gewesen und sich mit sinem regi- ment dem keiser ernstlichen widersetzet hat. Und domit auch er den Basleren kein unwerder gast were, haben min gn. her- ren usz sinem anschlagen und angäben die grossen bolwerck neben dem Steinenthor beidersits uff dem berg gelegen machen und erbuwen lossenn !). Es was auch der grim desz keisers so grosz wider disen ritter Schertlin, alsz das er etlichen praven uf in geltt gebot- ten, under denen einer ein metzger, der Güttschick5) genant, gewesen, welcher sich in der statt und in den nechsten dörffe- (1547.) ren, uff denn Schertlin ze lustren, gehalten. Indem aber min (155t.) gn. herren solches innen worden, haben sy in durch ire burger durch ein stratagema in desz bischoffs von Basel landt erwit- schen, gefänglichen in die statt fieren und als ein verhätter deren, so min gn. herren ze versprechen stünden, entheupten lossen. 1) 1547, 24. April bei Mühlberg. 2) S. Kugler: Christoph, Her- zog zu Wirtemberg. Stuttgart, Ebner und Seubert 1868, S. 72. Wurst- isen 620. Ochs VI. 188. In Basel gebar die Gemahlin des Herzogs Chri- stoph am 14. Jan. 1547 eine Tochter. Vgl. Gast 55. 3) Sebastian Schert- lin von Burtenbach, geb. 12. Febr. 1496, gest. 1577, 18. Nov. 8. Th. Her- berger: Sebastian Schertlin von Burtenbach und seine an die Stadt Augsburg geschriebenen Briefe. Augsburg, Jenisch und Stage 1852. Er kam den 24. Nov. 1547 nach Basel. S. seine Autobiographie, Frankfurt und Leipzig 1777, S. 168. (Irrthümlich ist dort das Datum seiner Ankunft in Basel unter das Jahr 1548 gestellt. Vgl. seine Briefe aus Basel bei Her- bergera.a 0.236 fl.) Wurstisen 622. Ochs VI. 189 ff. Gast 62. 69: »Sch. versuchte Einige vom Rathe .. zu gewinnen. Dem Heidelin gab er ein Spanferkel, das er zurückerhielt«. S. 77. 4) Wurstisen 623: »die zwey Bollwercke umb das Heerthor (Fechter 110) und die grosse Pastey, so darob gegen Mittag sihet«. — In der Aufzählung der Festungswerke bei Burckhardt 255 fehlen diese Bauten. 5) Es war ein Konstanzer. 8. Wurstisen 623. Vermuthlich war der Mörder nicht durch direkte Auf- forderung des Kaisers, sondern durch die 3000 Fl. provocirt, die auf Schert- lin’s Leichnam ausgeschrieben waren. S. Herberger CXV Anm. Ochs 190. Nach Schertlin’s Autobiographie 196, Gast 93 war der Anstifter des Mörders der Freiherr von Bollweil, Obrister aus Konstanz, der Gut- schick dagegen aus Stockach gebürtig. (1552.) 166 1549. 1551. 1552. x Is25] Yonn der vereinn mit könig Heinrico dem anderen dises nammens in Franckrich!). 1549, Im 1549. jar wirdt von gemeinen eidtgnossen, uszgenom- men Zürich und Bern, ein newe verein gemacht und ange- nommen, glich wie vormolenn mit könig Francisco sinem vat- 5 ter säligen, deren inhalt wirt in dem biechlin de republica Helvetiorum?), auch summarischer wisz in Urstisens Basler croneck 3) vergriffen. Von einem grossen schne. _ 1551 Uff Michaelis desz 1551. jars fül ein solcher grosser schne, 10 "Sept das er, wil das laub noch nit ab den beümen gefallen, die nest herab drucket?). Von ritter Schertlins zug in Franckrich’). Herzog Moritz zu Sachsen sampt anderen teütschen fürsten machten einen bundt mit könig Heinrichen usz Franckrich wider den keiser, domit sy den gefangenen hertzog Friderichen usz Saxen und landgraffen Philips usz Hessen, welcher hertzog Moritzen schwecher was®), erledigen möchten; zu welcher faction sich auch ritter Schertlin bruchen liesz, namme deszhalben ein 1552 regiment landtsknecht an, verreite den 22. mertzens desz 1552. 20 Mar von Basell mit einem reisigen züg und richtet sine fenlin vor der stat uff Rinacher”?) feldt uff und zoge in Franckrich. Mit ime zugen auch yil von Basell hinweg‘). | > 5 326] Von einer bottschaft der Basleren an könig Heinricum usz Franckrich. 25 Noch in disem werenden 52. jar kompt könig Heinrich selbs eigener person mit einem grossen exercitu usz Franckrich durch Lothringen ins Elsas; als aber solches die Oesterichische herschaft nit gern sach, sollicitierten sy die eidgnossen, domit inen ir keller und brottcasten nit von frömbdem kriegsvolck 30 gefressen wurde), das sy den künig usz disem landt und von disem ort ze ziechen büttlichen ansüchten, welches auch durch 1) Der Bund mit Heinrich II. wurde am 7. Juni zu Solothurn geschlos- sen. Vulliemin I. 327. Ochs VI. 204. 2) Von Josias Simler, zuerst Tiguri, Froschouer. 1576. 8, später in vielen Auflagen in verschiedenen Sprachen wiederholt. Vgl. Haller: Bibl. IV. Nr. 409. 3) 8. 623. 4) Wurstisen 624. 5) 8. Ranke: Reformation V. 152 ft. 6) Phi- lipp von Hessen war der Schwiegervater des Herzogs Moritz. 7) Reinach an der Strasse von Basel nach Delsberg. 8) 8. Schertlin’s Autobio- graphie 194 ff. Ochs VI. 208 ff.: »Niklaus Irmi warb ein Regiment von 4000 Mann, das Heinrich II. wichtige Dienste leistete. Vgl. Basler Taschenbuch auf das J. 1858 S. 80 ff., wo hübsch erzählt ist, wie der Professor Bernhard Brand vom Katheder weg unter die Soldaten zieht. 9) Vgl. unten 8. 173,12 zum J. 1569: »das Sungow und Elsas der Helvetier keller und kastenn genennet wirdt«. 1 1 2 2 ot 0 h) o - 1552. 1553. 167 der Basler und anderer eydgnossenn bottschaft beschechen , so ine den könig selbs by Zaberen angetroffen, ir begären eröft- net, welches er auch iretwegen gern angenommen !). Absterben herren Oswaldi Miconit?). Den 15. octobris desz 1552. jars stirbt sälliglichen ab her 15. oet. Oswaldt Myconius, oberster pfarher ze Basel, so der ander in der reformierten kilchen gewäsen und d. Jo. Oecolampadium succedierte. Disem succedierte Simon Sulzer, ein Berner), so auch zevor oberster prediger ze Bern gewesin, aber von dannen umb etwas miszhellung der ler desz h. abentmols hal- ben (so do gewöllenn, das der lib und das blüt Christi wesen- lich mit dem brott und win desz herren vereiniget und genos- sen werde), wichen miessen. [s27] Von einer ufrür und newen burgrecht mit desz bischoffs underthanen?). In disem 1553. jar zu ingang desz winmonats starb bischoff 1555 Philippus®), und bleib uff ein jar lang anstan, ehe man einen anderen ordenlichen bischoff wöllete?). Hiezwischen entstünden selzame practicen, dan die Sollothurner under anderem necht- licher will, heimlicher wisz die meyer etc. usz den nechsten fünf dörfferen®) by der statt gelegen, welche auch vor langem har der stat mit dem burgrecht zugethon gewesen, gefenglich ' annemmen und usz iren hüseren in ir der Solloturner vogteyen or entfieren liessen, im willen dieselbige dörfer dem bisthumb und der stadt Basell ze entziechen und inen den Solloturneren an- hennig ze machen. Dises wurden min herren baldt noch by 1) Vulliemin I. 333. Vgl. Wurstisen und Ochs a. a. O. 2) Os- wald Myconius, geb. 1488. S. seine Biographie von Hagenbach: Leben und ausgewählte Schriften der Väter und Begründer der reform. Kirche 11. Dass dort S. 382 als Todestag des Mannes der 14. October angegeben wird, beruht wohl auf einem Druckfehler. Vgl. Wurstisen 628. Athenae Rauricae 68 und die Grabschrift (Tonjola 16. Hagenbach 384). 3) Geb. 22. Sept. 1508, gest. 22. Juni 1585. Athenae Rauricae 8. 26 ff. Die concio funebris, die er dem Myconius gehalten, findet sich in den Ant. Gernler. 1. Blatt 270—277. 4) 8. über die Abendmahlsstreitig- keiten in Bern Tillier: Gesch. des Freistaats Bern III. 571. Hundes- hagen: Ueber die Conflicte des Zwinglianismus, Lutherthums und Calvi- nismus in der Bernerschen Landeskirche. Bern 1842. Ueber die Conflicte, die Sulzer’s Auftreten in Basel hervorrief, s. besonders Hagenbach: Kri- tische Geschichte der Entstehung und der Schicksale der ersten Basler- konfession (Basel 1827. 8) S. ST ff. 5) 8. Wurstisen 628 ff. Ochs VI. 211f. Heusler 455, am ausführlichsten Lichtenhahn: das Basler Bürgerrecht im Bisthum (Beiträge III) 22 ff. 6) Philipp von Gundels- heim starb den 1. October. Potthast. — Heusler S. 455 hat den 13. Sep- tember. 7) Den Melchior von Lichtenfels. 8) Reinach, Therwyl, Ober- wyl, Ettingen und Allschwyl. 8. oben $. 159, Anm. 4. Nach Lichten- hahn und Heusler wurden Arlesheim, Ettingen und 'Therwyl durch die Solothurner besetzt. 1. Oct. 168 (1555.) 1559. der nacht innen; hieruff wurden etliche rhatsgesanten hinusz geschicket und wardt mit den Sollothurneren dermossen geredt, das sy die gefangnen balt ledig hinscheiden liessen. Es wurden auch die gemeinden im Telspergthall, desz- glichen im Freyenberg, domit sy in allerley beschwerden etc. 5 gewisse schürmherren haben möchten, bewegt, für min gn. her- ren ze keren und mit inen ein burgrecht uffzerichten, welches (1555) auch endtlich den bischoff onbefraget beschechen. |328] Von Davidt Gergen sachen‘). In Holandt hat sich ein ketzerey erhept, die usz der teü- 10 ferey erstlich entsprungen und durch Davidt Jergen propagiert worden, deren fürnembste articul dise waren: i. Von der ler Moysis und der propheten , das dieselben nur ein schatten seyen, durch ine Davidt Jergen aber erfült; deszglichen Christi gınd der apostlen ler sige unvolkommen und nit gnügsamlich zum heil, die allein künder gezogen und kein volkommenheit gehept; er aber habe usz sinem geist ein volkommene ler, die rechte, ware, volkomne kunder gottes zieche. 2. Das er der ander Messias und ware sun gottes sige, in 2 welchem der vatter ein wolgefallen habe, der do nit usz dem fleisch, sonder usz dem heiligen geist geboren, das auch der glaub in Christum nichts nutz zum heil, es sige dan, das man auch in ine glaube. 3. Das Christi menschlicher Iib nit ufferstanden, sonder durch den thot hingenommen sige. Sin gottheit syge nit uffgeopfert, wie Isac. 4. Das der heilig geist von gott dem vatter sige allen hei- ligen unbekant gewesen bisz uff dise ziit, in welcher er ime ingegossen worden, one welchen niemandts möge die geheim- 30 nusz verstan, weder die allein, so sinem wort glauben und anhangen. 5. Das er die kürchen Israels und den tabernacul gottes ufrichten und erbuwen, nit durchs ceryttz, sonder durch den geist Christi Davidts. 35 [320] 6. Das er gewalt habe zü binden und uffzülesen, ze rechen und ze stroffenn, das er das letst gericht besitzen und volfieren werde über die gantze welt. 7. Das Christus Davidt grösser und mher sige weder Chri- — 5 [36] 5 1) Felix Platter 185 f. Wurstisen 632 ff. sehr ausführlich. Ochs VI. 219 ff. Vulliemin II. 106. Die ältere Litteratur über David Joris ist ausführlich angegeben bei Haller II. Nr. 1007—1022. Ein längerer Auf- satz von F. Trechsel: »David Joris. Ein Bild aus dem 16. Jahrhundert« findet sich in den von Fröhlich, Wackernagel und Hagenbach herausgege- benen Alpenrosen, Jahrg. 1838, nebst dem Bildniss des D. Joris nach dem im Basler Museum befindlichen Oelgemälde. w 1559. (1561.) 1563. 169 stus Jesus, darumb das jener usz einem wib geboren, Davidt aber usz dem heiligen geist zu einem Christo. 8. Das wer da sundige in ine, der sundige in den heili- gen geist, diewil er der heilig geist sige. 10 u or 2 = 2 2 3 ==} 3 or 40 Bas 9. Das alles, was von der uferstentnus geschriben, solle geistlich- verstanden werden. Christus stande ietzundt als uff den dritten tag in ime geistlich uff, dan die gottheit sige ie in Christo Davidt creftiger dan in Christo Jesu. 10. Die ietzundt mit Christo Davidt sındt, die werden nıt uferston erst im gericht, dan sy haben keine sindt, sonder sigen engell, werden auch nit mher sterben. 11. Christus habe wunderzeichen bedörffen, dorumb das er ein unvolkomne ler und ziitliches rich gehapt hat, er aber bedörffe keiner wunderzeichen, darumb das sin ler volkommen und sin rich geistlich und ewig sige. 12. Es sigendt keine tüffell, dan böse menschen und böse anfechtungen. 13. Das die, so in Christo Davidt widergeboren sigen, bedörffen keiner büecher, darusz ze lernen, sonder werden un- derwisen usz sinem geist. 14. Das er ein könig sige aller königen, und wie Christi rich zuttlich und usserlich gewäsen, also sige sin rlich ewig und himmelisch. [s30) 15. Der letzt: das der ehestandt frey und gemein sige allen denen, so in diser volkommenheit sigendt. Diser Davidt Jerg kame ım 44. jar gen Basell, wardt do- 154. selbsten als ein verdrybner kaufher umb des evangelii willen ufgenommen, und will er ein usserlichen gottsäligen schiin ge- fieret, fürnem gehalten worden. Man wuste auch von diser siner ertzketzerey nizıt bisz noch sinem thodt. Als er dry jar lang begraben gelägen, ist er widerumb im 1559. jar uszgraben wor- den, sine büecher und effigies in den hoff gestellet, obgeschri- bene articul als ein verjicht verlesen, und hieruff von minen herren zum für verurteilet worden, ist also am pfingstaben desz 59. jars in der bor sampt einem karren mit biecheren und siner bildtnusz für Steinenthor hinusz gefieret und alles mit einander verbrennet worden. Item so sindt auch sine künder, shön und thöchteren und alle, die by im waren, gefencklich inzogen worden, deren von wib und man uf die dryssig waren, welche alle nochin noch einer ziinstagpredig sölche articul offentlich verfliechten und den waren glauben bekanten und hieruff wider ledig gelossen worden. [331] Von einer tagsleistung, so ze Basel gehalten worden wegen desz herzogen von Safoy und der herren von Bernn. Anno 1562, 15631) sindt ernstliche tagsleistungen ze Basel 1) Vielmehr 1561 (18. Mai und 24. August) und 1563 (24. April). nn 1559 13. Mai. 1561) 1569. 170 1563. gehalten worden zwischen dem hertzogen von Safoy und den herren von Bern, welche ime etwas landts zevor ingenommen hatten, welche er ernstlichen von Berneren widerbegerte; wie aber diser handel abgangen, findet man ordenlich in herren Urstisii croneck N). 5 Von keiser Ferdinandi inritten ze Basell?). 1563 Uff frytag den 8. jannuarii desz 1563. jars reyt hie ze Basel *-%%- inn keyser Ferdinandus. Min herren die heupter reitten im engegen bisz zur Wysenbruck, do dan her Caspar Krüg, bur- germeyster®), von sinem pferdt abgestanden und key. mayestet empfünge; under dem Bläsythor‘) hülten etlich miner herren der rhäten®) mit einem schwartz und wissen 6) damastinen hüm- mel, under den sy key. may. empfüngen; her Caspar Krüg gieng neben keys. may., welche uff einem wyssen rosz sasz, dohar und redte bisz in den hoff hinuf mit ır may. Dan er t5 ein man solchen lıbs, das er fast key. may. ze pferdt sitzende glich lang was. Die gassen von s. Bläsy thor bysz in den hoff, den von Uothenheim”) anhörig, waren bestellet mit der bur- gerschaft in harnest und gewer. | Der keyser bleib über nacht ze Basell, morndigs verreit % er noch Rynfelden, es gaben im auch min herren das geleyt bisz gen Augst. Selbiger ziitt wurden etliche burger, so keyser- licher may. zu sonderem dienst bestellet wardenn, von ime, dem keyser, geadlet®). S 0 Wurstisen 638. Eidgen. Abschiede IV. 2. Nr. 129. 138. 192. Ochs VI. 229 ff. kennt den letztern nicht, verlegt dagegen die beiden ersteren irrthümlich ins J. 1563. Die Verhandlungen endeten bekanntlich damit, dass Bern von den Eroberungen des J. 1536 Gex, Chablais und Genevois an Savoyen zurückgab, die Waadt dagegen definitiv abgetreten erhielt. 8. den Vertrag von Lausanne vom 30. Octbr. 1564. Eidg. Absch. a.a.O. S. 1477 f. 1) S. 639 fi. 2) S. Wurstisen 642. Ochs VI. 225 fi. Ausführlich Felix Platter 189 ff. (Aus Versehen heisst es in der Ueber- schrift »den 8. Januar 1562« statt 1563). Andreas Ryff: Zirkel der Eid- genossenschaft 538 ff. — In Buchholtz: Geschichte der Regierung Fer- dinands I. finde ich von diesem Aufenthalt des Kaisers in Basel nichts er- wähnt. Man sollte das Ereigniss in Bd. 7 8. 521 bemerkt erwarten. 3) Der alte Bürgermeister; der regierende Bürgermeister Franz Oberried war am 26. Dec. 1562 gestorben. Wurstisen. 4) In Kleinbasel, früher auch das untere, niedere Thor oder Isteinerthor genannt. Fechter 134. Der Name Bläsithor stammt daher, dass 1256 das Stift St. Blasien dem Kloster St. Alban einen Platz bei diesem Thore abgekauft hatte, den noch jetzt s. g. Bläser Hof. Das Bläsithor ist vor einigen Jahren abgebrochen worden, der Name lebt jetzt noch in dem des St. Bläsiquartiers fort. 5) Ulrich Schult- heisz, Heinrich Petri, Hans Rudolf Fäsch, Bernhard Brand, Hans Eszlin- ger, Theodor Merian. Wurstisen a.a. O. Ochs 227. Anm. 1. 6) Es sind dies die Stadtfarben. 7) In der Nähe des Münsters. 8) Ochs nennt den Bürgermeister Krug und seine Brüder, die Rathsherrn Fäsch und Brand und den Stadtschreiber Falkner nebst dessen Bruder. Merian bekam einen Wappenbrief, der sein bisheriges Wappen mit einem Sterne vermehrte. 8. 226. 228. 229. Die betreffenden Familien haben von diesen 1564. 1565. . 171 [332] Von einem grossen. sterbendt'). Anno 1564 kamen den Rhin noch uffhin pestilentzische 156. sterbent, welche ze Basel dermossen grassierten, das die schü- len etlicher mossen abgüngen. Es sturben auch ze stat und landt, als ich oft gehört hab, (dan dises der erste pestilentzi- sche sterbent gewesen, dessen ich gedencken), in die zechen- tusendt menschen, weret fast ein gantzes jar lang. or Verein mit könig Carolo nono?). In disem jar hat könig Carolus usz Franckrich, der ninte 10 dises nammens, by gemeinen eidgnossen umb ernewerung der verein, so mit Heinrico, sinem vatter säligen, gemachet wor- den, angehalten, darumben auch grossen rhat hie gehalten und entlichen in die verein gewilligt, doch conditionaliter, namlich so es umb die religion ze thün wurde sin excipiert, do helffen ze kriegen nit verbunden sin solten. Zürich aber und Bern name sy nit ann. 1 > Von einem mordt in s. Albans vorstatt beschechen?). Anno 1565 den 5. hornung beschach ein grewlich mordt > ın s. Albans vorstadt, in deren ein frommer alter man, sines a 20 handwercks ein büchbinder, Andresz Hager genant, zümliches vermögens gesessen, der hatte by sich ein junge basz, die ime husz hielte, will er ein wittling gewesen. Diser hat einen be- 13. »gewilligt«, welches in der Hs. fehlt, oder ein ähnliches Wort erfordert der Sinn. Adelsbriefen keinen Gebrauch gemacht. Als » Presente«, welche Basel dem Kaiser bei seinem Weggang offerierte, führt And. Ryff an: »Ein silbern Trinkgeschirr für 120 f. und darinnen 1000 Rhinisch Goldflorin. Item: 40 Saum Wein und 100 Säckh Haber, 2 Stuckh Hoch Gwildt und by 250 Stuckh dreierley fisch, welches er alles mit Gnädigstem bedanken annahm«. Vgl. Ochs 228. 1) Vgl. unten die Aufzeichnungen des Diebold Ryff. S. auch die ausführliche Schilderung in der Selbstbiographie des Andreas Ryff 8. 55—58 (Beiträge IX). Er verlor in 17 Tagen vier Brüder durch die Pest und machte die Krankheit selbst durch. Als die Zahl der Opfer giebt er 12000 an. Vgl. Wurstisen 644. Ochs VI. 232 ff. Die Angaben über die Zahl der Gestorbenen schwanken sehr. Felix Platter 194 meint, nach den Berechnungen, die er, als Arzt damals stark in Anspruch ge- nommen, mit dem Oberstpfarrer Simon Sulzer zusammen angestellt, habe die Zahl der Gestorbenen etwa 4000 betragen. Ueber die Verheerungen an andern Orten der Schweiz s. Vulliemin I. 95 ft. 2) 1564, 7. Dec. Freiburg, und 1565, 21. Juli, Mont de Marsan. S. Eidgen. Abschiede IV. 2, S. 304. 1509 #. Vgl. Vulliemin Il. 88. Im Allgemeinen Ranke: Französische Geschichte Il. B. 4. Cap. 2. Für Basel speciell vgl. Wurst- isen 644. Der Gesandte Basels war Werner Wölfflin. Das »conditionali- ter«, von welchem Ryff redet, bedeutet, dass die Basler den Fall ausneh- men, wenn der König gegen die Reformirten seines Landes zu Felde ziehn wolle. Ein Fascikel im hintern Gewölbe des Basler Staatsarchivs (A. H. 3) enthält die »Acta, weisen, wasz in erneüwerung der französischen verein, anno 1582 undt 64 verhandtlet worden«, 3) Wurstisen 645 oft wört- lich ebenso. 172 1565. 1567: 1569. kanten, hiesz Paulus Schumacher, welchen er usz der toufe gehaben, erzogen und ein handtwerk leren lossen. Der hat sich ın ein dorf gesetzt sin handwerk ze triben; er hielte aber dermossen husz, das er uff ein zuit, als vorstadt, zu sinem alten toufgötty ins husz kommen, der gestalten, er wölte den alten man heimsüchen. Indem er also vor dem bet, in dem der 1333] alte man gelegen, gesessen, ersicht er einenn scherham- mer an der wandt hangen, und wil ime der leidige teüfel schon vor anhin sin bösz hertz besessen, grift er noch dem scher- hammer, fast in ın die hendt und schlecht den alten man im bet an den kopf, das er starb; balt lusterte er mit dem ham- mer uf die dochter im husz, welche in die ober kammer ge- gangen was, cleider etc. ze behalten, (dan am oben davor sy mit einem jungen predicanten verhüratet wardt). Als sy nun die stägen hinab kummen, stadt der böszwicht, zu dem sy sich nit böses versechen, und schlecht sy glichfals mit dem hammer ze boden, und wil er sy nit gar ze thot geschlagen, nam er ein messer und stach es iren in den halsz, nam die schlussel und blindert, was er fandt. Dornoch schleüft er sy in die stu- ben, trüg holtz und spen darin, zündts an und gieng darvon, vermeinende, sy solten also sampt dem husz verbrunnen sin, domit die sach nit kundtbar wurde; aber gott schicket es an- derst: dan indem die düren und fenster verschlossen, erstickte das für vor rauch, und indem man noch mittag vermerket den rauch durch das gantze husz tringen und niemandt sach noch horte, steig man mit leitteren hinin, do wardt der jamer ge- funden. Will man aber usz etlichen conjecturenn uf den the- ter arguierte, schuckten min herren etliche burger ze lusteren, wo er were, welcher auch endtlich ze Hagentall!) ergriffen, gefenglich gon Basell gefiert und, nochdem er die that be- (21.Feb.)kennet, condemniert, hinusz geschleift zu dem hochgricht und 1567. 1569. geredert worden. Von einem joch, das man erbessert?). Anno 1567 erbuwet man ein joch an der Rhinbrucken wyderumb, zu welchem die gemein burgerschaft mit fronen und wasserschepffen grosse hilff thatendt, zug ie ein rott noch der anderen mit drummen und pfiffen und iren fenlinen uff und ab. 13321] Von einem flöchten vor den schwartzen ryteren, so durch das Sungow ziechen wöllen. Anno 1569 zoge pfaltzgrave Wolffgang von Zweybrucken 9. von anhin Hs. 1) Dorf, den Edlen von Eptingen gehörig, im Sundgau, südwestlich von Basel. 2) Vgl. unten die Aufzeichnungen des Dale Ryff zum J. 1567. Nach Wurstisen 647 musste man nach den Verheerungen,, die der Rhein im Sommer 1566 angerichtet, im folgenden Jahr drei Joche der Brücke erneuern. or u .0 ers 5 35 40 = 1569. 1570. 173 mit etlich tusendt pferden in Franckrich!). Diser begerte ein summa gelts von der stat Basell ze entlenen. Wil im aber solches abgeschlagen, trewet er sinen musterplatz ın das Sun- - gow, nit wit von der statt ze legen. Als solches das landvolck or | o ‚15 20 innen worden, haben sy vast ir hab und güt usz zülossen der oberkeit in die stat hinin geflöchtet; die thürn und thor wur- den auch mit schutzen und gewapneten burgeren versechen. Indem aber die eidgnossen solches innen worden, haben sy ım von solchem sinem fürnemmen abzeston dermossen zügespro- chen?), das er sich balt eins anderen besinnet. Dan sy zum teil nüt lidenn mögen, das inenn ein frömbde khü uff die weide zieche, dan das Sungow und Elsas der Helvetier keller und kastenn genennet wirdt; dannethin gedochten auch sy, wiıl er wider königliche may. in Franckrich zuge, miesten sy lut der pündtnusz in Franckrich empfachen, wöllen in als mher salu- tieren, ob er dohin kömme). Von einer wassergröse desz Birsycks und desz Rhins‘). Anno 1570 den 2. tag julii wardt der Birseck am morgen 1570 ) .Jyull, frye gechlingen also grosz, das man mit der papstglocken 5 stürmte. Er güng über beide stäg usz, so von der weberen zunft hiniber in den garten gondt, füurt die hinweg an den a Wasserthurn®) zuchin an den bogen und verschlossen dem wasser sinen lauf, wardt aber balt mit weidlingen und instrumenten 20. Statt »so von« liest Hs. »von vona«. 1) Wolfgang, Herzog von Zweibrücken, geb. 1526, + 1569 im Kampfe für die Hugenotten, s. Häusser: Geschichte der Rheinischen Pfalz II. 56. Ueber den hier erwähnten Zug durch das Elsass s. Wurstisen 648. Ochs VI. 259. Andr. Ryffin den Beiträgen IX. 69. Die Ausdrücke »schwarze Reiter«, »schwarze Gäste« u. s. w. für die Kriegsvölker der damaligen Zeit rühren von den schwarzen Rüstungen her, die damals immer allgemeiner in Aufnahme kamen. S. Weiss, Kostümkunde III. 753. Speciell von den deutschen Söldnern, die in den Niederlanden und in Frankreich kämpften, findet sich, wie an unsrer Stelle, der Ausdruck »schwarze Reiter« bei Mone: Quellensammlg. zur Bad. Landesgesch. Il. 118. III. 435. 2) Eidgen. Abschiede IV. 2. S. 415. 417. 418. 419. 426. 663. Man machte ernstliche Anstalten, im Kriegsfalle Basel energisch zu unterstützen. 3) Der unklar ausgedrückte ironische Sinn dieses Satzes scheint folgender zu sein: Sie ge- dachten auch, weil er wider den König von Frankreich ziehe, so müssten sie ihn laut ihres Bündnisses mit dem Könige doch in Frankreich empfan- gen (d.h. dem Könige gegen ihn Hilfe leisten), sie wollten ihn dort schon salutieren, falls er dorthin komme, es sei also nicht nöthig, dass er sich den Baslern, indem er sein Lager in der Nähe ihrer Stadt aufschlage, als zu bewillkommnenden Gast aufdringe. 4) Wurstisen 649. Andreas Goldmeyer: Strassburgische Chronica etc. Strassburg, Eberhard Welper, 1636. 8. 55: »Zu Basel ist er (der Rhein) innerhalb der Statt von dreyen Rhein Thoren under der Brucken zusammen geflossen«. Vgl. auch unten die Aufzeichnungen des Diebold Ryff. 5) Die grosse Glocke auf dem Münster, von dem auf dem Basler Concil gewählten Felix V. geschenkt 1442, jetzt nur an hohen Festtagen gebraucht, s. Ochs V. 203. 6) Fech- ter: Basel im 14. Jahrh. 99. 174 1570-1573. dorzü gehörig allem schaden fürkommen. [s35] Glicher gestalt 2.Dec.ist auch in gesagtem jar uf den 2. decembris der Rhin so grosz worden, das er über die zünen an allen orten by einem schüch überflosz in der cleinen stadt, in deren man auch durch die Rhingassen mit weidlingen für. In der grossen stadt flosz er nochin dem stöcklinbrunnen uf dem Fischmerckt!) an die rören. Von krancken kriegsknechten, so usz Franckrich kamendt?). Detober. Anno 1570, nochdem der friden in Franckrich widerumb gemachet wardt®), kamen die teutschen kriegsknecht in octobri widerumb arbentsälig und merenteils kranck widerumb hinusz, derenn man vill ze Basell im spittall und im grossen almüsen- husz ®) uffnam, bisz sy eintweders sturben oder gesundt war- den. Es wurdt vil barmherzigkeit von minen herren inen erzeigt. Von einer grossen thüre’). 1571. Anno 1571 entstundt uff die grossen wassergüsz by unsz ein ernstliche düre, welche uff etliche jar lang uszhin weret, das win und korn gemeinlich 4, 5, 6 fl. gulten. Von einem neywen cometsternen. 3,1972 Anno 1572 uff Bartolomei geschach ein grüwlich erwir- '“"® gens in Franckrich der evangelischen, wie dasselbig, in etlichen tractetlinen verfasset, im truck uszgangen ist. Es ist auch ein newer sterınen in der Cassiopea erschinen umb den ingang novembris dises 72. jars und fast anderhalb jar lang gesechen worden, von welchem auch die gelerten wun- derding geschriben habenn®). [336] Vonn einer grossen kelty?’). Zu uszgang dises 72. jars ist es dermossen so kalt gewe- senn, das der Rhin gar und gantz überfroren gesin ist, und 28. 0ct. hat die kelty von Simonis und Judae an bisz noch dem newen jars tag geweret. 1573, Anno 1573 den 6. mai reit ertzherzog Ferdinandus ze Ba- "Nail sell in, bleyb do über nacht, nochdem vereit er in sin landt- schaft 3). 1) Fechter 75. Burckhardt 29. 2) Vgl. unten die Aufzeich- nungen des Diebold Ryff. 3) Der Friede mit den Hugenotten zu St. Germain 8. Aug. 1570. Vulliemin I 131. Ranke: Franz. Gesch. I. 210. 4) Das »grosse Almosen«, bei Aufhebung der Klöster und Stifte aus dem Theile ihres Vermögens gebildet, der früher auf Armenspenden verwendet war (1530). Ein Theil des Barfüsser- Klosters wurde dieser Stiftung ein- geräumt. 8. Burckhardt 238. Vgl. auch Beiträge Il. 124 ff. u. s. w. 5) Wurstisen 649. 8. auch an mehreren Stellen der Eidg. Abschiede IV. 2, so 8. 463. 476 u. s. w. — Vgl. unten die Aufzeichnungen des Die- bold Ryfft. 6) Wurstisen 650. 7) 5. unten Aufzeichn. des Die- bold Ryff. 8) Vgl. Diebold Ryff. 5 15 1573. 1574. 175 Anno 1573 den 20. aprilis fül ein ser grosser schne, dar- %. Apr. von die räben erfruren, also das man oft ab einer gantzen jucherten nit über 1 saum win machte. Von der bettler ordnung‘). 5 In disem 73. jar ist von min gn. h. das bettlen uff der gassen abgestelt worden, und sind fürthin die armen lüt von den bettelvögten in die ellende herberg?) gefiert worden, do man sy beherberget, ze essen geben, einer person 4 d. geben, und widerumb zür stat hinusz gefieret, do sy vormolen ir leger ıo uff dem Kolenberg) , uff welchem bestelte wirtshüser für sy gewesen sindt, hatten. Vom bonenkrieg!). Im meyen desz 1574. jars zugen 14 fenlin freyer eidtgnos- 1574 sen, welcher oberster ritter Roll5) von Ury gewesen, zü Basell "* ıs durch in Niderlandt dem könig usz Hispania zu, wurden aber übel gehaltenn, musten lange zit nit anderst dan bonen essen, dohar es der bonenkrieg genennet worden; kamen balt, on- gefar in 3 monatenn, wyderumb heim. Von Balthasar Irmys zug in Franckrich®). 20 Im julio dises 74. jars hat Balthasar Irmy zu Dornek ein Jui. frey fenli one der oberkeit wissen und willen uffgerichtett; min gn. h. manden in ernstlichen von sinem vorhaben ab, will sy wusten, das diser zug wider die reli- [337] gionsverwan- ten in Franckrich angerichtet, es halff aber nit, onangesechen das min herren ire ratsgesanten zu im hinusz schickten. Liesse sy uff dem won, als welte er abstonn, endlich zoge er fort und mit ime vil Basler, derhalben min h. ime all sin hab und güt inventieren liessen; ıst doch letstlich anno 76 wıderumb be- gnodet, mit einer summa gelts und gefencknusz gestroft und in sin alte posessionn gelossen worden. Diser krieg ist inen sur gnüg worden, dan sy fast al dohinden bliben, und were 1) ar 3 o 7. bettervögten Hs. 1) 8. Wurstisen 651. Burckhardt 238. Vgl. im Allgemeinen Fechter: Basels Anstalten zur Unterstützung der Armen etc. in den Bei- trägen IV. 2) Die Elenden- oder Armenherberge, im J. 1441 durch Konrad zum Haupt gegründet (Fechter: Basel im 14. Jahrh. 93. Beitr. IV. 396), jetzt dem Spital einverleibt. 3) Auf dem Kohlenberg (zwischen der Steinen- und der Spalenvorstadt) bestand früher eine Bettlercolonie, mit besonderen Freiheiten ausgestattet. Fechter 1llff. L. A. Burck- hardt: die Freistätte der Giler und Lahmen auf dem Kohlenberg, im Bas- ler Taschenbuch von Streuber auf das Jahr 1851. Felix Platter 187 fl. 4) Wurstisen 652. Er sagt, es seien 13 Fähnlein gewesen. S. Eidgen. Abschiede IV. 2. S. 536. Diebold Ryff spricht von 15 Fähnlein. 5) Inden Eidgen. Abschieden IV. 2 mehrfach erwähnt. 8. das Register daselbst. 6) Ochs VI. 271. Vulliemin II. 154. 18. Nov. 176 1574. der haupman im treffen nit kranck gelegen, were auch er do- hinden verbliben, dan der hauptlüten von eidgnossen uff die 18 domolenn umkamen. Printz Ludwig von Conde son kompt gon Basel). Inn disem 1574. jar uff herpstzit kame gen Basell der durchlüchtig printz Heinrich von Conde und mit ime vil fran- zoischer herren?) ; er selbs huülte hoff uff dem graben in desz Ryspachs gewäsenem hoff:), verbleib ein gütte ziit*) ze Basell mit siner hoffhaltung. Aber doch, mit der worheit ze reden, sin volck yebte ein gottlosz, unerbar wäsen mit allerley mütt- willen, insonders mit der hürey, dan by minem dencken ze Basell nie mehr hürey gestrofft und fürgangen; also das man sinen und sins volks letstlich so miedt worden, ım fall es sich nit geschicket, das er sunst von Basell hingescheiden were, so solte ime und den sinen etwan ein schmach von der burger- schaft sin widerfaren ; dan so er etwan uszgeritten für die statt ze spacieren, reitten sy one alles schüchen durch den somen etc. noch irem müutwillen. In summa: ein burgerschaft hat iren schlechte nutzung, gaben auch, als umb desz evangelii willen verdribne lüt, der gemeindt ze Basell grosse ergernus. Is] Von etlichen fassen, denen man uff dem winmarkt. die boden uszschlüg. Item den 18. novembris dises 74. jars hatten etliche pursz- lüt usz der margrafschaft gon Basell uf den freyen merkt win ze verkauffen gefiert; derselbig win, oder mher gumpest, was so arg, also das min h. verbotten den ze verkauffen. Ward auch endlichen erkandt, das man den fassen die boden us- stossen und das tranck uff die erden usschitten solle, welches uff vorgesagten tag an einem donstag in bysin der buren und anderen geschechen. Indem nun die fas geoffnet und das tranck darusz komen, fandt man schlechen, erbslen etc. in den fassen lügen. Der fassen waren 9, welche by 18 saum hielten. Dise 4. »son« später eingeschoben von der Hand des Chronisten. 6. »Heinrich« später kor- rigirt aus »Ludwig« von der Hand des Chronisten. 8. Hs. gewasenem. 1) Heinrich von Bourbon, Prinz von Conde, Sohn des in der Schlacht bei Jarnac 1569 gebliebenen Prinzen Ludwig. Wurstisen 652. Ochs VI. 269. Vgl. Eidgen. Abschiede IV. 2. S. 550 ff. 573. 576 u. s.w. LA. Burckhardt: Die französ. Religionsflüchtlinge zu Basel (Beiträge VI) Sslmaslß; 2) »Henrich von Nemours und der von Tore«. Wurstisen. 3) »Im Engelhof, auf dem Nadelberg«. Ochs 269. Hinten stösst die Lie- genschaft auf den St. Petersgraben. 4) Nach Ryffs Bericht (s. unten) reiste er am 6. August 1575 wieder ab. Ochs VI. 271 giebt, wohl aus Versehn, den 16. August an. Dass auf der Tagsatzung zu Baden, am 7. Au- gust 1575 (Eidgen. Abschiede IV. 2. 8. 573) von ihm als noch in Ba- sel wohnend gesprochen wird, widersprieht der Angabe Ryffs nicht, da seine Abreise, wenn sie am vorhergehenden Tage stattgefunden, den Boten leicht :noch unbekannt sein konnte. 10° 1574. 1575. 177 buren wurden auch von irer oberkeit hertiglichen von solches betrügs wegen gestroffet. Von einem schiessen uf dem Rhin. Anno 1575 uff invocavit den 20. februarlı hult man ein 1575 s schiessen enet Rins uff trocknem landt, wil der Rihn so klein” gewesen. Von doctor Wolffgang Wissenburg absterben. Den 9. mertzens dises 75. jars starb ‘der hochgelert her 9. März. doctor Wolfgang: Wissenburg, welcher noch einer der refor- ı0 mierten religion ze Basell mitarbeiteren gewäsen, als vornen in disem buch gelesen wirt). Jacob Christoff Blarer von Wartense wirt bischoff. Im brachmonat dises 75. jars, als nit lang davor bischoff(2.Jun.) Melcher?) gestorben, wirdt an sin statt promoviert von dem 15 capitell Jacob Christoff Blarer von Wartensee°). [339] ZZertzog Johan Casimirus zücht in Franckrich‘). Den 6. augusti genants jars zog widerumb von Basell hin- 6. Aug. weg der: printz von Conde sampt sinem anhang und zog in die Pfaltz zu herzog Johan Casimiro, welcher in nammen desz 20 königs von Navarren, prinzen von Conde und herzogen von Alazon®) uff die hundert tusendt starck.®) in Franckrich wider den künig zog. Es liffen im auch uff die 20 fenlin eidgnossen Berner gebiets zu’), mit welchen sampt anderem teutschen volck könig Heinrich der dritt so vill ze schaffen bekam, das 25 er der stangen begerte und den könig von Navarra, den prin- zen von Üonde etc. widerumb ın ıre herschaften ıinsatzte, wie dan die sach anderstwo im truck witleüffig beschriben gefunden wirdt3). Von einer wolfeily. s0 In disem 75. jar wardt gottes riicher sägen in allen früch- ten widerumb gesechen, also das man ein fierzell korn, so vor- molen etliche jar nocheinander 6, 7, 8, 9 //, golten, deszglichen ein saum win 5, 6, 7, 8, 9, 10, 11, 12 @%,, ietzunder in disem 75. 10. mitarbeiteren einer Hs. 18. Cande Hs. 1) S. ob.8.35 Anm.1. . 2) Melchior von Lichtenfels, s. ob. S. 167 Anm.”. 3) Geboren 11. Mai 1542. 4) Johann Casimir von der Pfalz, der dritte Sohn des Kurfürsten Friedrichs IlI., geb. 6. März 1543. Häusser: Gesch. der Rhein. Pfalz II. 132. 8. Ranke: Französ. Geschichte I. 251. Eidgen. Abschiede IV. 2. S. 581 ff. 5) Der Herzog von Alencon. Ranke a.a. 0. 242. 251. 6) Eine wohl übertriebene: Angabe. »Im März 1576 musterte Alencon 30000 Mann«. Ranke.a.a. OÖ. 251. 7) Eidgen. Ab- schiede IV. 2. 8. 581 sagen »ungefähr 25 Fähnchen«. “Su /die Frie- densartikel von 1577. bei Ranke’l: 259, Basler Chroniken. 1. i?2 178 1575. 1576. jar, welches woll möcht das gnaderfrich jubeljar genent werden, ein fierzell korn hat widerumb angefangen ze gelten erstlich 3 4, nochmolen von tag zu tag abstigen, das man noch in dem louffenden 75. jar ein fiernzell korn umb 2 @% gemeinlich, den rocken umb 1 € 5 ß., den haberen 1 7% 10 ß., den soum win bim besten umb 4 @., geringeren umb 3 &., gemeinen landtwin umb 2 @%. 10 ß. hat kouffen mögen. Gott sey lob und danck gesagt! [310] König Carol wittwe usz Franckrich reist ze Basell durch. 1576 Den 12. jannuarii des 1576. jars kamm gon Basell Maria), ” Je König, Caroli usz Franekrich hinderlossne wittwen, und mit iren der hertzog usz Peyeren?) und der bischoff von Strosz- burg?) , bleiben über nacht da und verreisseten morndigs wi- derumb. Domolen wurden hauptman Balthaser Irmy sampt sinen, so mit im wider miner herren verbott in krieg zogen waren, widerumb erbetten, doch wardt er in gefencknusz gelegt und umb ein summam gelts gestroffet ®). Von einem grossen rüffenn. 1-3. Mai. Inn disen 76. jar den 1., 2. und 3. tag meyens füllen sol- che grosse riiffen, das die räben im ganzen Elsas und by unsz darvon hingenommen wurden, und wie der win darvor zümlich wolfeyll, wardt er gechlingen thür. Vom grossen schiessendt ze Straszburg?). ee Im maio, junio und julio dises 76. jars wardt ze Strasz- burg ein hauptschiessendt mit dem armbrust und zylroren ge- 14.Juni. halten; es güng überusz stattlich zu. Dan den 14, juni für auch ich mit einer companei hinab (dises ze besichtigen. Es waren vill Basler, Züricher, Berner und Schaffhuser daruff, 'es (20.Jun.furenn auch die von Zürich mit einem haffen gekochtes hürses : in eim tag hinab, brachten 'denselbigen also warm uff desz ammeisters stuben zu einer gedechtnusz®). Item es füren auch 1) Vielmehr Elisabeth (sie war eine Tochter Kaiser Maximilians U.). Vgl. Wurstisen 545. 2) »Hertzog Wilhelm zu Beyern«. Wurstisen 655. 3) Johann von Manderscheid. 4) S. oben $. 175. 5) Wurst- isen 545, ziemlich wörtlich mit Ryff übereinstimmend. 6) 8. über dies Fest Strobel: Gesch. des Elsasses IV. 170#. Vulliemin II. 225 fl. Jean. Fred. Hermann: Notices historiques, statistiques 'et literaires sur la ville de Strasbourg. Strasbourg, chez F. G. Levrault 1819. II. 77. 78 erwähnt einer Medaille, die zum Andenken an dies Fest und einer, die speciell auf die Fahrt der Züricher geschlagen worden. Er sagt u. a.: »Le pot du poids de 124 livres est conserve ä Strasbourg .... Cette expedition extraordinaire, consignee authentiquement 'dans les registres du magistrat, extraits dans les annales de Brandt, a &t& decrite et preconisee par Olry Wiery d’Aarau dans son traite intitule: TLobspruch der freyen Reichsstatt Strasburg 1576 et dans le trait& intitul&: Argo Tigurina seu elogia de navi, 10 20) 10 15 20 25 1576 —- 1578, 179 by 60 Baszleren!) alsammen. in wissen, schönen cleideren hinab@0.Jun.) inen den herren von Straszburg ze eren. Der krantz zu einem anderen schiessendt wardt dem bur- ‚germeister von Zürich ufgelegt. Es güngen do allerley freidenspyl, so man gedencken mocht, doch erbarlich und gantz ordenlichen für. [341] Von etlichen erdbydmen?). Den 20. novembris zwischen 11 und 12 noch mittag ward %. Nor. ein grosser erdbidem gehört. Item den 21. in der nacht zwi- 21. Nor. schen 6 und 7 widerumb zwenn glich in einer viertelstundt uf einander, und darnach in der nacht umb die 3. widerumb ein grosser. Sonsten sindt auch darvor etlich umb herpstzüt gehört worden. Von einem pestilenzischen sterbendt?). In disem 77. jar erhüben sich abermolen pestilenzische ster- 1577. bendt, grassiert doch nit gar hefftig, weret aber lang uber das Jar; mir sturben domolen mine geschwisterte alle bisz an minen brüder, so im Welschlandt was. Von einem cometen. Den 11. novembris dises jars ward ein grewlicher, grosser 11.Nov. und langer comet am himel im steinbock gesechen, hat fast das gantze zeichen ingenommen, weret uf ein monat lang. Graff Hanibal von Emsz zücht mit einem regiment durch - Basellt). Anno 1578 den 16., 17., 18. etc. septembris zücht graf ae, nibal von Emsz mit etlich tusenden durch Basell, dem könig Septor. usz Hispania in Niderlandt ze hülf. Darumb wardt ernstliche 2. zeheren He, qua delecti cives Tigurini unius diei spatio ex Tiguro Argentinam vecti sunt raro admodum tam expeditae et felicis navigationis exemplo, auctore Ru- dolpho Gualthero juniore. Tiguri MDLXXVI« Unter den Verherr- lichungen der Zürcher Fahrt ist vor Allem hervorzuheben das Gedicht Jo- hann Fischarts: das glückhafft Schiff von Zürich. (Zuletzt herausgege- ben in der Deutschen Bibliothek von Heinrich Kurz. IX. 177 £. Die früheren Ausgaben s. daselbst 8. XIV fi.) Vgl. Gödeke: Grundriss zur Geschichte der deutschen Dichtung I. 391. ‚Die Ausgabe von Karl Halling, Tübingen 1828, enthält einen einleitenden Beitrag »zur Geschichte - der Freischiessen« von L. Uhland, der auch in dessen gesammelten Schrif- ten wieder abgedruckt worden ist. 1) Wurstisen hat 30, so auch Andr. Ryff (Zirkel der Eidg. 553), der diese Fahrt selbst mitgemacht. Er nennt als Tag derselben den 30. Juni. 2) Wurstisen 655. Andr. Ryff: Zirkel der Eidgen. 553. 3) Wurstisen 655. 4). 8. über die Wer- bungen des Grafen, dessen Truppen der König von Spanien gegen die auf- Benfitiseben Niederländer gebrauchen wollte, Ridgen. Abschiede IV. 2. 8. 663. | 12.* 1579 16. 17. April. 1580 11.—14. Januar. 180 1578-—1580. wacht, will 'so fül frömder kriegsknechten in ‘der stat lagen, gehalten. | | Von einem schne, so uf den carfritag gefallen. Anno 1579:den 16., 17. apnılis, was der carfıytag, fül ein schne und wardt so kalt, das die reben erfruren. | Turniser zim Turn kompt widerumb gon Basell. Im endt dises jars kompt widerumb 'gon Basell T,eonhart Turniser!), so vor zwenzig jaren etlicher unfüeglicher sachen halben hinweg kommen was. Er empfacht von newem wider- umb das burgrecht, kauft ein hoff by s. Lienhart. Im wirdt vil güts erzeigt, hat aber nochin.der stat Basell, sinem eigenen vatterlandt, schlechten danck, sonder schmach und schandt zu- geleit. [342] : Newe stüell werden in das mynster gemacht?). Item in disem 79. jar werden newe stiell überall im mün- ster gemacht und der taufstein in das chor gesetzt. Bischoff Christoff macht mit den eidgnossen ein pündtnusz?). Im jannuario dises 1580. jars macht bischoff Christoffell mit den 7 papistischen orten der eidgnoschaft, als namlich Luzernn, Ury, Schwitz, Underwalden, Zug, Friburg und Sollothurn ein : bindnusz, deren hauptsum was, das er innen und sy ime in allen gepürlichen sachen beratten und beholfen sin. solten, in- sonders die papistische religion ze defendieren, und die, so dem bischof zugethon und von der vorlangest abgetretten, widerumb dorzu bringen helffen solten, wie dan die copey derselbigen vorhanden ?). 1) Ueber Leonhard Thurneiser, eine Art Cagliostro seiner Zeit, s. u.a. (Herzog) Adumbratio eruditorum Basiliensium meritis apud exteros olim hodieque celebrium. Appendicis loco Athenis Rauricis addita: Bas. 1780, und besonders ausführlich C. W. Möhsen: Beiträge zur Gesch. der Wis- senschaften in der Mark Brandenburg. Berlin und Leipzig 1783. Mit einer neuen Bearbeitung seines Lebens und Treibens ist Herr Stadtrath Dr. J. R. Burckhardt in Basel beschäftigt. 2) A. Sarasin: Versuch einer 'Ge- schichte des Basler Münsters. (Beitr. I.) 31. 3) Die Literatur: über die Streitigkeiten Basels mit dem Bischof Jakob Christoph ist so ungemein gross, dass es die Grenzen, die diesem Werke gesteckt sind, überschreiten hiesse, wollten wir sie erschöpfend anführen oder benutzen. Wir nennen als hervorragend die Einleitung zu Andreas Ryff’s Rappenkrieg 1594 (im Druck erschienen Basel 1533 bei N. Müller). Lichtenhahn: Das Basler Bürgerrecht im Bisthum (Beiträge III). L. Oser: Die Stadt Basel und ihr Bischof (Beiträge IV.). Jac. Burckhardt: Die Gegenrefor- mation in den ehemaligen Vogteien Zwingen, Pfeffingen, Birseck etc. Basel, Schweighauser 1855; die zusammenfassende Darstellung bei Heusler 457 ff. Vulliemin II. 204 ff. Ochs VI. 272 fi. 4) S. den Abdruck der Bünd- niss-Artikel in den Eidg. Absch. IV. 2. S. 1570. Der Bund datirt vom N 10 _ 5 1580— 1582. 181 Von einer wolfeily. In disem achzigisten jar ist fill wins und korns worden, aber der fürkauff nam dermossen überhandt, also das min gn. h. mit gewalt ein insechen darin thünn müsten und alle ıre or 1 =] 15 20 25 30 burger by iren eiden ires inkauffens befrogen. Galt der win by 4 77, deszglichen das korn. / Anno 1581 den 2. mai ist abermolen ein synodus gehalten 1351 worden !). | (1. Mai.) Item den 23. junii kam herzog Ludwig von Wirtenberg 2.Juni. sampt sim gemahel gon Basell, bleib do bisz uf den 25. junil, 25.Juni. reit er mit 200 pferden noch Mympelgardt?). [343] Von einem grossen rhat?°). Den anderen novembris ist grosser rhat gehalten worden, 3.xor. das doch lang zevor nie geschechen was. Die fürnembsten ur- sachen waren erstlich die königische verein in Franckrich, zu deren man sich wıderumb, wie mit Carolo IX, declariert. In dise verein tratten auch die Berner, so zuvor keine annemen wollen ?). Dannethin wurde auch desz bischof halben gehalten, will er anhüb usz vertrostung siner bindtnusz mit den papistischen eidgnossen die mesz zü Arlisheim5) etc. herfürzeziechen und sunst andere newerungen, daryber die burgerschaft ser zornig, also das min h. zu besorgen hatten, es wurden die gemeinen burger etwan ein heimlichen anstandt mit desz bischofs landt- volck machenn. Dan es wunderbarlich reden gaben 'hin und her, deszhalben min herren der gemein soliches fürhülten, hie- näben uf alle zünft mandaten anschlagen lieszen, das sich menig- lichen in solcher sach bescheiden halten und niemanden ver- anlossen, weder mit worten noch mit wercken, es wurden min herren in der sach wachtbar gnüg sin und ein ernstlich in- sechen ieder zit haben. P2 [sa] Anno 1582 den 22. jannuarii ist ein mercklicher casus be- „°7,, 25. fürhulte Hs. 26. hienaben Hs. liesz Hs. 28. Sept. 1579, wurde aber ratificirt zu Pruntrut 11—14. Jan. 1580. Eidg Abschiede 69 f. 1) Vielmehr den 1. Mai. Ueber diese Synode, wel- che die letzten Aussichten des Simon Sulzer, die Baslerische Kirche zur - Annahme der Concordienformel zu bringen, zu nichte machte, vgl. Hot- tinger: Helvetische Kirchen - Geschichten (Zürich 1698 — 1729) III. 918. Bruckner in seiner ersten Fortsetzung des Wurstisen, 8.4. Hagen- bach: Geschichte der ersten Baslerkonfession 136. In den Ant. Gernl. I. Bl. 294 ff. finden sich einige interessante handschriftliche Actenstücke | ‚, über dieselbe. 2) Sattler: Gesch. .des Herzogthums Würtemberg unter den Herzogen V. 72. 3) Ochs VI. 284. 4) Der Bund wurde am 22. Juli 1582 geschlossen; s. Vulliemin 11.239 fl. Eidgen. Abschiede IV. 2. S. 775 f. Ueber den Beitritt Basels s. unten zum 16. Oct. 1582, Bern trat am 10. Nov. 1582 bei. Vgl. Ochs 288. 5) 8. Eidgen. Ab- schiede IV. 2. S. 738 und die oben $. 180 Anm. 3 citirten Werke. 189 1582. schechen. Es hat Cunrat Schwartz zum Hirtzenn sinen shon mit desz schulthessen dochter von Liechstal verhüratet, und ist der kilchgang uf gesagten tag beschechen. Uff der hochziit was gar vill volcks von allerley stattlichen burgeren, deren ein teil in einem gemach gesessen und dorin geessen und wegen der kelte ein glüt gehept, die das gmach hat wermen sollen. Indem man voll gewesen, sagt man, sy haben die gleser, so sy uf den tüschen gebrochen, in die glüt geworffen. Dem sige nun, wie im wöll, es ist ein gemach nebenn demselbigen ge- wesen, also, das es oben zwischen den tremen nit vermacht gesin ist, das der dunst und dampf von der glüt lichtlich in das ander gemacht hat kummen mögen. In dises gemach wardt der brütgam sampt der brut ze schlaffen gelegt. Als es nun gegen dem morgen worden, that man die kammer uf, als sy niemandt horten. Als sy hinin kamen, fandt man die brutt halb thodt uff dem herdt ligen, die trüg man geschwindt hin- usz. Als die übrigen zum bett kamen, funden sy den britgam im bett todt ligen; die brutt bekant nochin, sy habe den brit- ‚„gam wol hören rochlen, als sy erwachen syge aber schon so machtlosz selbs gewäsen, das sy kum vom bett uf den herdt kummen mögen. Also wardt usz diser freydt ein grosses gech- liges leidt; was man am nochtag für die hochzitlichen gest zü- geristet hat, wardt recht den armen lütten ze teill. [345] ' Bischoff halt messz ze Lauffen‘). 18. Febr. Den 18. februarii hült der bischoff selbs mesz. ze Lauffen, darvon ein solcher tumult und grim by sinem volck entstan- den, also das etlich, wo es nit gott verhiettet, im. willen ghan inne umbzebringen. Das geschrey kam auch minen herren fur. 25.Febr. Deszhalben man den anderen sontag, indem ein starck ge- schrey kam, es were als im hamnisch ze Lauffen, min herren noch mittag den rhat besamlen liessen, schuckten noch etliche gesanten umb 6 uhren noch mittag uff der post hinderen?) zu inen, sy ze entscheiden. Es was aber nur ein machmänlin, vom bischof angericht, domit er erfaren möchte, wie sich die Baszler gegen inen halten wurden. Von einem cometen. 14. Mai. Den 14. mai ist abermolen ein comet erschinen in dem zeichen der zwillingen, nit wit von dem asterismo hirci , des- sen schwantz strackt sich gegen ufgang der sonnen. Von einer musterung. 21. Mai. Den 21. mai hult man ein musterung uf allen zünften, 1) Lichtenhahn a. a. O. 8. 41. 2) hinderen : nach Laufen, das im Birsthal »hinten« liegt. u 0 25 30 35 40 = 1 o 15 20 2 or 30 1582. 183 daruff ein schiessen mit den hocken, do zog man mit drummen und pfiffen und ufgerichten fenlinen uff die Schützenmatten !). Herzog Johan Casimirus komp gen Basell. Den 16. junii kompt herzog Johan Casimirus uff einer guttschen und etwan 30 pferden von Mümpelgardt gon Basell, 16.Juni. bleib do über nacht. Am sontag wardt er von min h. in das 17.Jui. munster zür predig gefiert, nochin durch die stat hin und har, noch imbisz von min h. den heupteren in das züghusz und uf den Platz, alda schosz er mit den armbrustschutzen. Morgens frieg satzt er sich in ein schüff, für den Rhin nidsich noch Straszburg, wardt also herlich empfangen und neben denn ver- ehrungen gastfrey sampt den sinen gehalten. [346] Von einem grossen rhat. Den 19. julii ward abermolen grosser rhat gehalten. Frst- lich von wegen der königlichen verein, dan min h. etliche puncten excipierten in dem ersten rhatstag, welche der könig widerlegt, und wardt derhalben auch dismolen nit entlichs be- schlossen ?), dannethin von wegen der stat Jenf, welche mit den evangelischen stetten der eidgnoschaft ein bundtnusz ze machen begerten, welche man auch mit inen angenomen, die form aber derselbigen ist mir nit ze wissenn). Zum dritten von wegen der Berneren, welche, will sich der herzog usz Safoy wider die vertragsbrief, so mit inen, als vorstadt, uffgerichtet worden), uflenete und darwider hand- lete, begerten sy an die evangelischen stet, das sy inen erst- lich die landtschaften, von inen vor jaren im Safoy ingenom- men mit irer macht und costen, item was sy witter one sy innemen wurden, ze erhalten, glichfalls welten auch sy gegen anderen orten thun. Solches wardt inen zugesagt). Hieruff min h. denen von Bern ein fenli zusagten und herren Marx Russinger®) zu einem hauptman verordneten, desz- glichen denen von Genf auch ein fenlin, dan die fünf alten 3. komp. So Hs. für »kompte«. 28. welte Hs. 1) S. Ochs VI. 287. Die Schützenmatte s. auf Merian’s Karte No. 30. Sie dient noch jetzt als Schiess- und Exercierplatz. 2) S. oben 8..181. 3) 8. über die damaligen Verhältnisse von Genf, welches durch Karl Em- manuel von Savoyen bedroht war, Vulliemin II. 237 ff. Eidgen. Ab- schiede IV. 2. 8. 802 ff. Daselbst S. 1587 den Wortlaut des Burgrechts zwischen Genf, Zürich, Bern vom 30. Aug. 1584. 4) S. ob. S. 169 Anm. 1. Vgl. Tillier: Gesch. des Freistaats Bern III. 450ff. 5) Eidgen. Ab- schiede IV. 2. S. 769. 785. 795 u. 8. w.:, 8. die Urkunde der Aufnahme von Berns welschen Landen in den eidgenössischen Bund und Schirm von Seiten Zürichs daselbst. 8. 1585 d. d. 1583, 21. Januar. Die Aufnahme durch Basel geschah den 14. Aprilinach Bruckner, Forts. d. Wurstisen I, 7. Ochs VI. 292f., den 14. Mai nach Eidg. Absch. a.a.O. 1586. 6) Häufig inden Eidgen. Abschieden IV. 2 und in den Darstellungen der Bas- lerischen Geschichte jener Zeit erwähnt. 19. Juli. 184 1582. papistischen ort dem herzogen züzogen waren wider die Jenfer. Es liesz sich ansechen, als wölte es ein ernstlichen krieg geben, aber gott gab gnodt, das es one blütvergiessen abgüng, will der Saffaier am hag, als man spricht, abzog. Von einem zug dem hertzog von Alanzon zü in Nyderlandt'). Es hatten die Brabender Franciscum, herzogen zü Alan- con, desz königs usz Franckrichs bruder, zu einem herzogen in Brabandt ufgeworfenn und im sin residants zu Antorf2) in die stat wider den könig usz Hispanien zu evigilieren gelegt. Diser sine Brabender vor dem könig usz Hispania ze entschütten, begerte er ein regiment eidgnossen). Etliche [347] ort aber be- willigeten solches, etliche nit, nit desto weniger wurden im ein regiment, deren oberster Caspar Galate von Glarisz®) gewesen, zügefiert; merenteils hauptlüt zogen one irer, oberkeit willen hinweg, dan man mit dem Alanconio kein bindtnusz ‚hatte. Also nam auch Hansz Heinrich Irmi von Basel ein haupt- manschaft an, schwür sin burgrecht uf, nam ze Dorneck knecht an und für hinweg. Hansz Bernhart Stechelin und Hansz Spiirer wurden. der ein sin lütenampt, der. ander fenderich, welche beidt nochin (als der hauptman, 6b sy gon Antorf kom- men, sich mit einem sorglosen schutz usz dem füstling verletzte, daran er dan ze Callis5) gestorben) an sine stat hauptlüt wur- den. Es zugen gar vil burger mit inen, waren uf anderhalb jar. hinweg, ob sy wider kamen, aber vil bleiben dohinden. Dan ınen der hertzog vil anderst fürgeben, dan es gewesen, indem er vermeint durch sy und die Franzosen, so ime auch zuzogen waren, gantz. Brabandt under sin joch ze bringen, ein verrhäterische that, (zu welcher doch die eidgnossen nit kom- men), in der stat fürname; aber er zoge den kürzeren), müst sampt sinen kriegsvolch das landt rumen. Also ist die fides Gallica ! Von einem sterbendt. Umb herpstziit disz 82. jars erhüben sich abermolen pesti- lenzische sterbendt, und starb in einem fiertell jars fast der beste kernen der jungen manschaft in der statt, welches ge- wiszlich ein strof gottes gewesen, dan iren wenig domolen gestorben, zu denen nit grosse hoffnung ins regiment gewäsen sige. 18. »Bernhart« corr. in der Hs. statt »Heinriche. 1)S. Ranke: Französ. Geschichte I. 280. 2) Antwerpen, 3) 8. auch Eidgen. Abschiede IV. 2. 8. 759. 765. Ochs VI. 291. 4) Kaspar Gallati, mehrfach erwähnt in den Bidgen. Absch. IV. 2. 8. das Register. 5) Calais. 6) 8. über das gescheiterte Unternehmen des Herzogs gegen Antwerpen Ranke a.a. 0. 282. De De 0 30 35 1582. 1583. 1584. | 185 Von einem grossen rhat. Den 16. octobris ward abermolen grosser rhat von wegen der königlichen verein gehalten, wardt entlich erkant dieselbig ‚sampt anderen orten anzenemmen!), doch uf einen besonderen DB, 10 1 or 20 bybrief hin, so es umb die religion ze thün sin wurde, sy exempt sin). [338] . Doctor Pet. Peuterich zieht durchs Elsas. Umb Johanni desz 83. jars zoge ‘doctor Petrus Peüterich 3), pfalzgrevischer rhat und oberster, mit 1500. Franzosen durch das Elses ‚hinab in die Pfaltz, do dan hertzog Johan Casimirus ein exercitum besamlet dem: episcopo Coloniensi Gebhardo zü dienst. Disen Franzosen wolten die Oesterichischen regiments- herren den pasz nit lossen, do’ nammen sy in mit gewalt, und indem sich, der. adel und landtvolch wider sy ufmachte, traffen sy einander by Sennen) an, aber die herschaftlüt wurden von den Franzosen geschlagen, und trangen hindurch. Es bewärb sich auch .hertzog Johan Casimirus von den 4 evangelischen stetten umb 1. fenlin uszerlesener knechten zü einer gewardi. Das ward im vergondt, zugen by den 60 bur- geren von Basel. Der hauptman was ein Berner, der fenrich ‚von Basel Tobias Frey, kamen in dreyen moneten widerumb 25 heim 5). Von einem frieen donder. Uff den newen jars tag dis 1584. jars kam ein ser warmer summerregen doher und umb mittag ein solch. donderens und 4. »einen« doppelt in der Hs. 14. aldel Hs. 1) Vgl. oben 8. 181 Anm. 4. 2) In den oben 8. 171 Anm. 2 erwähn- ten Acta etc. findet sich über diese Grossrathssitzung folgende Aufzeichnung: Zinstag den 16. octobris anno etc. 1582 ward grosser rath gehalten der _ verein und. des bybriefs halben : Ob man entlich by der alten form des bybriefs (der da vermag, wan die religion angefochten, das wir usz der verein gon mögen) verpliben und wo die nit zu erhalten, die verein uszschlachen, Oder ob man die form deren von Bern und Schaffhusen (die da usz- wyset, wan die religion angefochten, das sy still sytzen und ob sy knecht im veld heten, die wider abmanen und heimbvordern mogen onverletzt der eeren, und das der konig sy nit hindern, sonders irer bsoldung vernugen, ouch sy 'mit sicherheit harus abziechen lossen, und das aber bed stet nüt destoweniger in der verein pliben und darus nit schryten sollen) annemmen, und in die verein gon welle, | Ist erkant: diewyl die vorige form nit zu erhalten, in die form deren von Bern und Schaffhusen, und in die verein zu treten. 3) 8. Häus- ser: Geschichte der Rhein. Pfalz II. 134. Vgl. Eidgen. Abschiede IV. 2. 8. 783. 803. 4) Senheim (Cernay), zwischen‘ Mülhausen und Thann. Vgl. oben 8. 49. 5) Es handelt sich hier um den s. g. Kölnischen Krieg, welchen der vom Katholieismus abgefallene Erzbischof Gebhard veranlasst hatte. S. Häusser: Gesch. der Rheinischen Pfalz II. 114 fl. 16. Oct. 1583 Juni. 1584 1.Jan. Juni. 1585 28. Jan. 186 1584. 1585. blittzgens, das sich meniglichen dorab verwunderte, auch kein man sich solches ie erfaren: bekante!). Von grossem. ungewitter. ' Im maio dises jars umb mittentag uf einen sontag erhüb sich ein erdbiden, datt by unsz kein schaden, aber in Berner gebiett sollen ganze teller und derffer darvon verfallen sin. Umb Johanni ward der Rin mechtig grosz, bleib lang also, auch erhüben sich umb die stat an etlichen orten durch den ganzen summer so grosse und gechlinge wassergysz, das es die felder verschwempt und die hüser in den [34] dörferen mit wasser filt, das die lüt darusz uff das feldt entlauffen miessen, das vich, das in den stelen gestanden, ertruncken. Sunst ist win und korn disz jars durchusz wolfeil gewesen, insonderheit der win, dan es solcher mangel an fassen wardt, das einer ofter- malen ein soum win umb 1 soumfasz bekam. Von einem grossen rhat?). Den 28. jannuarii desz 1585. jars ist abermolen grosser rhat gehalten worden, fürnemlich von wegen desz bischoflichen han- dels, der dan ze Baden?) vor etlichen sequestribus sollicitiert wardt. Dan der bischof schon darvor an min h. begerte: will sine vorfaren der stat Basel etliche herschaften verpfendet, deszglichen die von Basell sunsten andere sachen in possession hetten, die dem bistumb und thümb zustendig, begerte er die, (one angesechen es über alle menschliche gedenchtnusz an- gestanden), widerumb ze lösen und in sin possession ze brin- gen; gabe darmit min herren yill ze schaffen, wardt mancher tag mit grosem costen ze Baden gehalten. Was aber von einem tag zu dem anderen, item von einem rathtstag zum. anderen proceslichen verhandlet sige worden, ist mir in specie nit für- kommen. Dannethin ward auch in diser versamlung fürgehal- ten der herren von Straszburg werben umb die verein®), item der Jenfferen5), so sy mit gemeinen eidgnossen ufzerichten begärindt. | Ä 1. Nicht ganz sicher, ob »blittzgens« oder »blützgens« zu lesen. 6. solle Hs. 1) Vgl. die Aufzeichnungen des Diebold Ryff. 2) Lichtenhahn a.a. 0.8.51. Oser a.a.0. 8. 284. 3), Die Tage in Baden fanden statt am 16/26. Dec. 1583 (Oser 275. Absch. S11), am 27. Febr./7. März 1584 (Absch. 8. 819), vom 22. November bis 7. December 1584 (Oser 278. Lichtenhahn 50), vom 17. Februar bis 8. März n. St. (Oser' 284. Lichtenhahn 52); endlich vom 21. März bis 1. April (Oser 288). Der Schiedsspruch datirt vom 11. April 1585 (Heusler 459. Lichtenhahn 60. Oser 293). 4) Eidgen. Absch. IV. 2. 8. 848 ff. — 945 (s. das ee Zu diesem Bunde kam es nicht. 5) Eidg. Absch. IV. 2. . 84 9) 10 15 20 1585. 187 Von einem schiessen uff dem Rhin. Den letsten disz monats wardt mit den zyliroren under- 31. Jan. ‚halb dem Esell!) uff die 100 schrit von dem gestadt uff einem drocknen grien, so sunsten iederziit mit wasser desz Rhins be- 5 deckt wirt, ein schiessen Zü einner gedechtnusz solches cleinen Rhins gehalten worden. [350] Von einem grossen rhat. Den 18. mertzens?) dises 85. jars ward abermolenn von18.März. wegen desz bischofs grosser rhat gehalten, dan der bischoff io vermeinte, die Basler solten sich der Laufemeren, deren von Alschwiler, Oberwiler, Derwiler, Ettingen und Rinach, welche mit der statt ein alt burgrecht und verstandt gehept, ent- schlachenn, domit, wo er sin religion do pflanzen wolte, die gütten lütt die von Basell als schürmherren doryber und dor- 15 wıder nit anrieffen konten. Als nun solches den landtlütten kundt gethon worden, haben sy ein landtsgemeinde besanlet, do ein umbfrog gehept: welche by der stat Basell altem schutz, schirm etc. begerten ze verbliben, solten sich all an ein ort zesammen stellen; hieruf nit über sechs man waren, so do 20 wolten immediate dem bischof hulden, machten deszhalb einen 2 3 SQ > uschutz, santen den für min herren mit bitt und begärenn, sy ferner wie biszharo in irem schutz und schürm ze behalten, solches nun min herren gern von inen annamen. Deshalben, will es sich ze Baden ım abtrucken dises handels haben wölte, schuckt man uf der post her Remigium Feschen und herren Bernhardt Branden) zeruck, kamen am sambstag uf den im-20.März. bisz har, wardt der rhat besamlet, item noch dem nachtessen min herren die dryzehen, morndigs fry am sontag umb 6 uren21.März. der grosse rhat, die bewiligten den gesangten volkommenliche macht ze thun, was sy befürderlich sin tuchte, und reitten stracks noch imbisz wider hinuf gen Baden, und ward also in der wuchen iudica in der fasten die sach transigiert solcher gestalten, alsz dovornen, so vil mir ze wissen, verzeichnet stedt im generalchronick ®). 35 [351] Von einem zug in Franckrich®). Als nun solches mit dem bischoff abgehandlet worden, folgte balt ein newer casus, dan es erhüb sich der herzog von 15. »nit« fehlt in der Hs. 18. begerte Hs. 1) Ueber die Lokalität Esel hat sich nichts in Erfahrung bringen las- sen. Es scheint ein verschollener Flurname in der Nähe des Rheines zu sein. 2), Burckhardt a.a. ©. 8.79. 3) Beide in den Eidg. Ab- schieden IV. 2 und bei den Basler Historikern oft erwähnt. Ueber Bern- hard Brand s. dessen Lebensbeschreibung von J. R. Burckhardt im Bas- ler Taschenbuch auf das J. 1858. 4) S. die Beilage VI. 5) Vul- liemin ll. 247 ff. Ranke I. 293 ff. Eidg. Absch. IV. 2. No, 705 fl. 188 1583. Guis und sine consorten !)«wider den konig ın Franckrich, do- har er gemeiner eidgnossen hülff begert, wurden im uff die 30 fenlin eidgnossen geschickt; Luzern zog dem von Guisen 'zü. "Basell schickt auch ein fenlin, dessen hauptman was Balthasar 6. Mai. Irmi. Den 6. may zog er mit ufrechtem fenlin durch die stadt zun Eschemer thor hinusz und gab inen den eidt vor dem thor und schickt sy fort. Aber balt wardt zwischen dem konig und Guisen ein friden gemacht, warden eins, schlugen die hüffen zesammen wider den könig von Navarren und die evangelischen stett und stendt ın Franckrich , derhalben min herren ir volck widerumb heimforderten, welches auch beschechen, dan sy uff herpstziit mit dem fenlin widerumb frisch und gesundt heim kamen. Doctoris Simonis Sulzeri. absterben?). 24. Juni. Uf Johan Baptistae styrbt der hochgelerte her Simon Sul- zer, der h. schrift doctor und dritte oberster prediger in der reformierten kilchen. Von einer musterung. 21. Sept. Den 21. septembers dises 85. jars ward aber ein musterung der burgeren , doch nur uf den zunften gehalten, .deszglichen uf dem landt in allen vogteyen. Von einer legation an die papistischen ort. Im ingang desz novembers wurden von ‚den 4. evange- lıschen stetten. den 7 papistischen orten etlicher sunderbarer sachen der religion und policey halb gesante zugeschickt. Was uszgerichtet worden, wirdt zu siner zit volgen?). [352] Doctor Jo. Jacobus Grynaeus*) wirdt oberster prediger | ze Basell. 14. Dec. Den 14. decembris wurden inn dem capitelhusz im mün- ster alle senatores, sechser und der hochen schüll verwante qualificierten personen und professores besamlet, einen anderen 11. heimforderte Hs. 1) Die Ligue. 2) S. oben S. 167,8. Seine Grabschrift (Tonjola 33) nennt als Todestag den 12. Juni (ohne Zweifel alten Styls, was die Athe- nae Rauricae 26 in den 22sten n. St. übersetzt haben). 3) 8. den denkwürdigen Vortrag der Rathsabordnung der vier evangelischen Städte 18—29. Nov. 1585 in den Eidg. Abschieden IV. 2. 8.895 ff. Vgl. Vul- liemin II. 250. ‚Ryff selbst kommt übrigens nicht darauf zurück, da seine Chronik alsbald abbricht. 4) Geb. 1. Oct. 1540, gest. 30. Aug. 1617; s. Athenae Rauricae 8. 29. Früher Schüler und Freund Sulzer's hatte er sich in der letzten Zeit dessen lutheranisirenden Tendenzen energisch widersetzt. Im J. 1584 war er durch den Pfalzgrafen Johann Casimir 'nach Heidelberg berufen worden. Fa ve 0 1586. 1585. 189 obersten pfarherren an desz abgestorbnen d. Sıimonis Sulzeri stadt ze erwölen. Do wardt noch ordenlichem proces doctor Jo. Jacobus Grynaeus als vil als mit einheliger stim dohin er- wölet, one angesechen er nit mher ze Basell, sonder zü Hei- 5 delberg dienstlich ‚gewesen. Ime wardt diser göttlicher beruf ankündet durch min gn. herren, deszhalben er rn balt, nem- 1586 lich den 23. jannuarii , son Basell verfiegte und den 30. ee An .. . . . . . ie . Jan, nuarii sin erste predig hielte. Gott verliche im langes läben! In disem 85. jar ist der Rhin durch den winter aneinander 1585. 10 so clein und durch den summer anneinander so grosz gesin, als by mannes gedencken. Item so ist der ganze sommer so fücht und nasz gewesen, das die fricht nit drieen, sonder eins teils durch die füchte und kelte verderben, anders teils die fricht, so an beümen wachsen solten, von den ruppen, der das 15 gantze landt vol gewesen, gefressen. Item es sturben auch disz jars etliche grosse und für- nemme personen in dem Elsas, daruf baldt unrüw erfolgte, als der her von Rapolstein , der von Hatstadt etc. an, ara an MH x ‚at 08 SB, ‚08 oh, ö tadil zog, ee rabsnwionn | al n RO, serg „op. abuse „ae. TOGIHOR. OSES a 23 ne „esta. 1abiroa ‚aarh Hia dort si er | aih akios eh ‚uadtabtav a. [3 SR enb ah an ‚agb oy aller ana ; a Be An, ya org “adaı ne ‚otglolın MrÄrkIBEN. ıblsc ‚3a Kit or ka I B En Halle Y STR „a di epische hr r 10 da che 12: 4 Pr Ri HER Rd, le: . B Er) at " An; \ RER X, Ban ENT ERTE r Na E "Mh sersgenigk, i Aue. 5. Mt ENIOFRRIEN i A En Du BEIN: 3 aan Ki: ARRAR. HEINO N 4 TA r TIOWIO NY IIEBUELEBIA au derer! u BEN 5 BIST) IN Bei tr Hm Aral LISTE u Ban 272 Ben eletsniehe kpronbuhreh sh | BiiBanszuäitegin var abi, anolzıa‘ HINSFIAURIRTI Tab en tt Sb wa0h Mami md vi ronik des Fridolin Ry "und 4 IH d der - Fortsetzung. 35 1419 gi des Peter By | Re Iafaınh SAN ST REN tet iR re Ra N RN AR ART ER Fre Hoya, dgorerın: i CHE A hal ET: Ir 1999 ee IDBI Tal Jazz Tal I. Vorwort des Peter Ryft. IIa, Stammbaum der Familie Ryff. IIb. Die Ryffische Familiengeschichte. III. Zwei Aktenstücke aus den Verhandlungen zwischen Frankreich und den Eidgenossen im Jahre 1516 (in Fr. Ryff’s Handschrift 8. 73—83). IV. Ein Bericht über die in Folge der französischen Pensionen im J. 1521 in Basel entstandene Bewegung. V. Erkanntniss des Rathes zu Basel, betreffend die Pensionen. 1521, August 29. H VI. Der Streit der Stadt Basel mit Bischof Jacob Christoph Blarer von War- tensee, aus Peter Ryfl’s »summarischer generall- und Basler chronic«. VII. Aufzeichnungen des Diebold Ryff. I. Vorwort des Peter Ryff. Der erste Theil der Vorrede bis “quantum fieri potuit, con- tinuavi’ ist wohl bald nachdem Peter Ryff die in derselben erwähn- 5 ten Zusätze zu der Chronik des Fridolin verfasst hatte, niedergeschrie- ben worden. Der nun folgende Theil, von ‘et quum librum’ an, die Stammtafel und die derselben als Erläuterung beigegebenen Nach- richten über einzelne Familienglieder sind, wie schon die Tinte zeigt, später, und zwar in einem Zuge niedergeschrieben. Da auf 10 der Stammtafel der bekannte Andreas schon als »des rhats« bezeich- net wird, kann es nicht vor dem Jahr 1591 geschehen sein, weil erst in diesem Jahre Andreas in den Rath gewählt wurde; es kann aber auch nicht nach 1592 geschehen sein. Dagegen spricht schon der Umstand, dass der im J. 1592 stattgefundenen Vermählung der 15 Susanna, der Tochter des Andreas, keine Erwähnung geschieht. Noch wichtiger ist aber ein anderer Umstand. Die Familiennach- richten, die Peter seinem Stammbaume beigiebt, stimmen zum Theil wörtlich mit denen des Andreas (Beiträge IX. 39 f.) überein, so dass der eine aus den Aufzeichnungen des andern geschöpft haben 20 muss. ‚Da nun Peter sagt, er habe seinen Stammbaum zusammen- gestellt “ex matriculis tribuum et aliis instrumentis’, da ferner der Stammbaum des Andreas vollständiger ist, als der des Peter, unter anderem die Jahreszahlen der Verheirathung und des Todes seines Vaters Theobald angiebt, welche bei Peter unvollständir angegeben 25 sind (s. unten), so ist anzunehmen, dass Andreas d’ Aufzeich- nungen des Peter benutzt habe, als er im J. 1592 seine Jugend- geschichte niederschrieb. Noch vollständiger als der Sammbaum, den Andreas in seiner in den Beiträgen abgedruckten Jugendgeschichte giebt, ist der in seinem »Woppen Buoch« oder Stammbuch befindliche. Dieses Büch- lein, in dem Verzeichniss der schriftstellerischen Arbeiten des An- dreas Ryff (Beiträge IX. 170 ff.) noch nicht aufgeführt, befindet sich im Besitze des Herrn Christoph Socin-Werthemann, Sohn des Herrn Chr. Socin-Sarasin, des früheren Besitzers der Chronik des Fridolin 3 und Peter (s. unten S. 168,8 ff.). Es ist in klein 8°, in rothen Sammt gebunden, mit Goldschnitt. In der eigenhändig niedergeschriebenen Basler Chroniken. I, 13 "a 1 a 2 o 2 = 30 Beilagen. | 199 C. Dan als sin brüder Andres, welchem die religionsende- rung heftig zewider und dasz usz antrib sines wibs, so in der aptey Wettingen erzogen gewäsen, ist er!) usz der statt hinus gon Riechen, so domalen der aptey noch züstendig, ge- zogen und aldo verbliben ?2), hatte obgenanter Peter Ryff dises sines brüders son, Theobalden, zü sich genommen, von wel- ‚chem wür alle solche sachen der lenge nach oftermalen in specie gehört, so in gemein in der Basel-cronic geschriben standt. [10] D. Peter Ryff verliesz 3 sön, deren der elteste, Fridolin ‚genant, stracks an sins vatters stadt in einen ersammen rhatt genommen, dem vatter an tugenden nit unglich. Wardt der reformierten religion erster deputaten einer; ist als man damo- len dasz new armbrustschützenhus uf s. Peters platz gebawen, als sine insignia in einem fenster daselbsten uszwysen, anno 46 schutzenmeister gewäsen. E. Der jungste, Peter genant, ist vor der reformation orga- nist im münster und mönch zun Augustineren gewäsen, nochm, als er das elosterläben, wie sonst auch andre mher, ım ende- rung der religion verlassen, sich in ein ordenliche huszhaltung begäben?). Ist des stattgrichts freyer amptman worden, danäben mit dem linwattkauf und verkauf umbgangen. F. Theobald Ryff begabe sich in sinem ersten’ wegschei- den: von Basel in die riichskrieg und rhimgräfischen höffdienst, in denen er ein gütte zit verbliben, als die abscheidtsbrief, so noch vorhanden, ordenlichen uszwysen. Sins übrigen thüns, im regiment, gericht und hushaltung ist unser selbs memoria und gedächtnus, das’ er in einem christenlichen ifer mänig- lichem zu güttem ze dienen: und den: sinen in sonderbarer gott- sälikeit, bescheidenheit, auch frindtlikeit und liebe vorlüch- tende, ein gezügnus, so Ze. beschriben: wol würdig. 1), Der Chronist: hat’ die anfängliche Construction des Satzes. vergessen. 2) Vgl. die Jugendgeschichte des Andx. Ryfl in.den Beiträgen IX. 39. Ganz anders berichtet hingegen ebenderselbe im Woppenbuoch: » Andresz — war zuo Thann burger und in der haushaltung, war mein Andresen gros- vatter, muost der religion’ halben weichen, ward ungevohr ano 1523 in Basel burger, nachmolen Wettiger schaffner in Riechen, starb in: Basel und: ver- lies. 2 söhn,: Andreas und Theobaldum«.. Dieser: Nachricht, mit‘welcher auch die Verse, übereinstimmen, die Andr. Ryff den Wappen seiner Grosseltern gegenüberstellt, wird wohl der Vorzug zu geben sein. Die Zahl 1523 er- weckt jedoch Zweifel, da sie nicht zu dem auf dem Stammbaume der Jugendgeschichte und auf dem des Woppenbuochs angegebenen Todesjahre 1522 stimmt. Ist dieses letztere richtig, so wird'schon dadurch die Annahme, als sei dieser ältere Andreas aus Hass gegen die Reformation von Basel fortgezogen, unhaltbar. Dazu war vor 1522 keine Veranlassung. In Riehen besass das Kloster Wettingen ansehnliche Güter und Rechte, die es 1540 der Stadt Basel’ verkaufte, welche im J. 1520 die Hoheitsrechte über das Dorf vom Bischof erworben hatte. (S. oben 8:24,20.) Bruckner: Merk- würdigkeiten 740. 749 ff. 3) Er heirathete 1526 Christiana Kolb, die aus dem‘ Steinenkloster ausgetreten. Ochs V. 578! 200 Beilagen. Il. Zwei Aktenstücke aus den Verhandlungen zwischen Frankreich und. den Eidgenossen im Jahre 1516. (Fridolin Ryff 8. 73-83.) Bald nach der Schlacht von Marignano (13. und 14. Sept. 1515) wurden unter der Vermittlung des Herzogs von Savoyen neue Frie- densverhandlungen zwischen Frankreich und den Eidgenossen an- geknüpft und am. 7. November‘) auf einem Tage zu Genf. durch die , beidseitigen Bevollmächtigten der ‚Vertrag. eines Friedens und zugleich eines Bündnisses aufgerichtet, für (dessen Annahme sich, nachdem die Sache auf mehreren Tagen durchberathen worden war, am 24. December zu Luzern die 8 Orte Bern, Luzern, Unterwalden, Zug, Glarus, Freiburg, Solothurn und Appenzell definitiv erklär- ten, während die 5 Orte Zürich ,. Uri, Schwyz, Basel und Schaff- hausen, die wohl einen Frieden, aber nicht ein Bündniss wünsch- ten, dieselbe verweigerten.. Nachdem die dadurch hervorgerufene Spaltung: und Spannung zwischen den eidgenössischen Orten bis in den Sommer 1516 gedauert hatte, kam man auf einem Tage in Zürich am 26. August dieses Jahres überein, sich über einen neuen Friedensentwurf zu verständigen und mit dem Könige über die An- nahme desselben zu verhandeln (Eidg. Absch. II. 2. S. 998 £.). Auf dem Tage zu Zürich vom 10. September wurde ein Entwurf aufgestellt, und bald darauf begannen in Freiburg die Verhandlun- gen mit den französischen Gesandten, an deren Spitze der Bastard Ren& von Savoyen, Gouverneur der Provence, stand. Am 29. No- vember kam es ebendort zum Abschlusse des ewigen Friedens der Eidgenossenschaft mit Frankreich , durch den die erstere die seit dem J. 1512 verfolgte Politik eines selbständigen Eingreifens in die italiänischen Kriege aufgab und der zugleich die Grundlage des 1) Actum in urbe Gebenensi, septima die .mensis novembris anno ... 1515.. Du Mont: corps diplomatique. IV. 220. ‚Actum in urbe Gebenensi septimo novembris anno ‚subsequenti.. Eidg. Absch. Ill. 2, 1402. Mit diesem Datum stimmt nicht recht, wenn bei Anshelm V. 207.der » Ab- scheid zu. Jenf«, der von dem bereits erfolgten. Besiegeln der Urkunde durch ‚die beidseitigen Bevollmächtigten spricht, unterschrieben ist: »Be- schlossen zu Jenf uf den 3. tag november«. Wenn in den Eidg. Absch. Ill. 2. S. 928 als Datum des Tages zu Genf einfach der 29. October an- gegeben ist, so kann dies nur soviel heissen, dass; er an demselben eröffnet wurde. 10 Beilagen. 201 staatsrechtlichen Verhältnisses der Schweiz zu Frankreich für die folgenden Jahrhunderte bildet. Den Verhandlungen , welche dem Abschlusse dieses ewigen Friedens vorangiengen, gehören die beiden ' folgenden Aktenstücke an. Indem Fridolin Ryff sie in seine Chro- or 1 1 2 2: 3 3 4 4 oO 5 o Qt 0 5 o oa nik aufnahm, ist ihm ein doppeltes Missverständniss begegnet. Einmal hat er nicht bemerkt, dass er es mit zwei selbständigen Stücken zu thun hatte, er glaubte eine zusammenhängende Urkunde vor sich zu haben und hat daher im Anschluss an die 21 Artikel des ersten Stückes die Absätze des zweiten bis auf 27 fortnumeriert. Sodann hat er das Ganze für die Urkunde des im J. 1521 abge- schlossenen Bündnisses angesehn und an der entsprechenden Stelle in ‚den Text seiner Chronik eingereiht (s. oben S. 27). — Wenn wir die beiden von Ryff mitgetheilten Aktenstücke mit den in der Amtlichen Sammlung der älteren Eidgenössischen Ab- schiede Ill. 2 an den betreffenden Stellen abgedruckten zusam- menhalten, so wird sich uns Folgendes ergeben: Auf dem eidge- nössischen Tage, der am 10. September in Zürich abgehalten wurde, wurde, wie eben bemerkt, der Entwurf zu einem neuen Friedens- vertrage mit Frankreich aufgestellt (Abschiede S. 1002. Nr. 677 2). Dieser Entwurf ist sonderbarer Weise in den Abschieden nicht S.1004 in der Anmerkung zu Nr. 677 A, wo auf ihn verwiesen wird, sondern auf S. 1008 in den Anmerkungen zum Tage vom 27. Septbr. abgedruckt, wo er durchaus nicht hingehört. Auf diesem letzteren Tage, der'zu Freiburg abgehalten wurde, verständigte man sich, nachdem mittlerweile die Verhandlungen mit den französischen Ge- sandten begonnen hatten und deren Ansichten vernommen worden waren, über einen neuen Entwurf (Absch. Nr. 679 rn), und die- sen neuen Entwurf haben wir ohne Zweifel in dem ersten der von Ryff mitgetheilten Aktenstücke zu erkennen. Wie wir aus den Ver- handlungen des "Tages vom 27. September vernehmen, hatten die Franzosen ‘unter anderem auf mehrere Bestimmungen, die der erste Entwurf enthält, nicht eingehen wollen, auf eine Amnestierung des Galeazzo Visconti und auf die Auszahlung einer Geldsumme an den Herzog von Württemberg. Die beiden betreffenden Stellen des ersten Entwurfes (Art. 15 und Schluss von Art. 10) fehlen in dem Ryf- fischen, dagegen finden sich daselbst zwei Artikel (13 und 14), gegenseitige Hilfsleistung der beiden Parteien betreffend, einen Punkt, auf den, wie wir aus den nachfolgenden Verhandlungen ersehen, die französischen Gesandten einen hohen Werth legten, und den sie wohl sofort beim Beginn der Unterhandlungen werden zur Sprache gebracht haben. Im übrigen fehlt noch in diesem zweiten, von Ryff mitgetheilten Entwurfe eine für den Cardinal von Sitten nachtheilige Clausel des Artikel 7, die sich im ersten vorfindet, es: fehlt bei der Festsetzung einer Amnestie für einige Anhänger des Maximilian Sforza der Satz: »also das sy on alle entgeltnusz wider zu dem iren komend«, es fehlt endlich der 17. Artikel des ersten Entwurfes, der den Schwyzern eine Genugthuung für die im 202 | Beilagen. J. 1510 verübte Ermordung ihres Läufers zusicherte, sonst stimmen beide fast wörtlich überein. Steht, wie oben bemerkt worden und wie sich aus dem Gesagten ergiebt, der in den Abschieden zu Nr. 679 n abgedruckte erste Entwurf dort nicht an seiner richtigen Stelle, so finden sich dagegen ebendort ($. 1010) mit vollem Recht die Zusätze, welche in den zweiten Entwurf hereingebracht worden waren, nämlich die Artikel 13 und 14 und der Schlusssatz, die in demselben Abschiedbande des Luzerner Staatsarchives, aus dem jener erste Entwurf entnommen ist, für sich verzeichnet stehn. Wir haben in der Variantencolumne die Abweichungen sowohl des ersten Entwurfes, als auch dieser Abschnitte des zweiten ‚von dem Texte Ryff’s angemerkt und hiebei den ersteren mit Absch. a, die letzteren mit Absch. f bezeichnet. Da die Abschrift Ryfl's, wie die meisten seiner Urkundenabschriften , entweder nach einer ganz schlechten Vorlage oder mit äusserster Nachlässigkeit gemacht ist, so musste bisweilen sein Text nach dem der beiden obigen Stücke ergänzt und; verbessert werden. Die betreffenden Stellen sind in | ] eingeschlossen. Wir zogen es vor, sie unverändert her- überzunehmen, statt sie in Dialekt und Schreibart dem Ryffschen Texte anzubequemen. — Von den Varianten haben wir dialektische Verschiedenheiten gar nicht, geringfügige Abweichungen im Aus- . drucke nur ausnahmsweise berücksichtigt. Wenden wir uns zu dem zweiten der Ryifischen Aktenstücke. Das Aufstellen der Artikel 13 und 14 des neuen Entwurfes hatte, wie wir aus Absch. f' erfahren, einen »Span« hervorgerufen. Die fünf Orte wollten wohl von einem Friedem, aber nicht von einem Bündniss wissen, jene. Artikel aber gaben dem WVertrage wieder mehr den Charakter eines Bündnisses. Um ihrem Widerspruche Rechnung zu tragen, entwarfen die 8 Orte im Verbindung: mit den französischen Gesandten eine: neue Fassung der betreffenden: Artikel, welche den eidgenössischen Orten das Recht gab, den Zulauf ihrer Leute zw den Fahnen des Königs zu beschränken und die Ver- pflichtung des Königs zur Hilfsleistung an die eidgenössischen Orte nicht nur für Kriege, in: welche: sie »dieses Friedens wegen«, son- dern für alle Kriege, in die sie gerathen würden, »von welchen Ursachen wegen es geschehen möchte«, festsetzte. Zugleich. wurde ausgesprochen , dass diese beiden Artikel, sowie noch zwei’ andere, nicht wie der übrige Theil des Friedensvertrages auf ewig, sondern nur ein Jahr über den Tod: des Königs hinaus dauern sollten. Schliesslich wurde: dann aber beigefügt, dass auch, wenn: die‘ 5 Orte den 13. Artikel nicht‘ annehmen: wollten, ihnen dieses freistehe, der König werde ihnen dennoch die Pension und! das Reisgeld (die Kriegskosten) geben, nur möchten sie den Frieden im: Uebrigen anneh- men und. die Ihren nicht den Feinden des Königs zuziehen lassen. — Dieses ist: der Inhalt eines Aktenstückes, das Abschiede $S. 1018 f. abgedruckt ist unter der Weberschrift: »dis sind die nachgenannten artikel des fridens uff sant' Lucas tag: (18. October)‘, die man den _ 0 — ‘5 20 w 6) 1 0 15 20 2 3 6) o or Beilagen. 203 fünf orten zugeschickt hat in einem missiv«, und das wir als Absch. y bezeichnen wollen. Mit diesem stimmt das zweite Aktenstück bei Ryff überein, mit dem einzigen Unterschiede (ab- gesehen von kleinen Abweichungen im. Ausdrucke und nachweis- lichen Fehlern des einen oder des andern Exemplars), dass hier an zwei Stellen (s. unten), wo von den Eidgenossen, mit denen der Friede abgeschlossen und denen die Pension gezahlt werde, die Rede ist, hinzugefügt wird »und ir (bez. und den) zugewanten«. Ausser- dem hat Ryff noch einen Schlusssatz, der Absch. 7 fehlt, betreffend das Versprechen des Bastards,, sofort nach Abschluss des Friedens den 5 Orten und den Zugewandten ihren Antheil an den Kriegs- kosten und die erste Jahrespension auszuzahlen. Die Bemühungen, die 5 Orte, welche »einen erlichen, unhilf- lichen: und bestendigen friden« wünschten (Absch. 8. 1022. Nr. 684 f.), zur Annahme des 13. Artikels, mit welchem natürlich. auch der 14. stand oder fiel, unter irgend welcher Form; zu bringen, waren vergeblich. Der Bastard bestand darauf, dass, wenn dieser 13. Artikel nicht aufgenommen werde, der 12., welcher beiden Theilen verbot, den Feinden des anderen Theiles Vorschub zu lei- sten, eine schärfere Fassung erhalte (Abschiede S. 1019 f.). Dies geschah, und am 29. November wurde der Friede abgeschlos- sen, mit Weglassung jener Artikel, welche sich auf. eine gegen- seitige Hilfsleistung bezogen. — Freilich gelang, es 5 Jahre. später den Franzosen, 12 Orte zum Abschluss eines Bündnissvertrages zu bringen, zum grossen Bedauern unseres Ryff. und: vieler Vaterlands- freunde. Nur Zürich, durch Zwingli’s Einfluss bestimmt, blieb, dies- mal fest). 1; 1. Zum allerersten sol hin, tod und ab,sin [die vereinung|, so unser eydgnosen von den acht ortten mit Franckirich haben gemacht?) , und deshalb die brieff herusz geben und’ abthon werden. 2. Zum. andren sollen durch |dise nachvolgende] mittel hin und ab: und gentzlich befrid und gricht und geschlicht sin all fechten und fyndschafften , desglichen all handlungen , clegten und ansprochen, so [sich] usz sollichem krieg vom a bisz uff, disen tag zwischen beyden [74] teillen thon haben verloffen 29. des vergangen Hs. 33. die. nochgelosne Hs, 36. »sich« fehlt in den Hs. 37. »thon« fehlt in Absch. «. I. 8. über die ganze Angelegenheit ausser den Eidgen. Abschie- den. namentlich die Berner Chronik von Valerius Anshelm (gedruckt Bern 1825—1833), von neueren Bearbeitungen R. Glutz-Blozhe im Ge- schichte, der Eidgenossen (Forts. von Joh. Müller), Zürich 1816 und W. Gisi: der Antheil der Eidgenossen an. der europäischen Politik 1512:-—1516. Schaffhausen 1866. 2) Der Genfer Friede. 204 Beilagen. und begeben, es sy mit todschlag, [roub], brand oder in andren weg, also und der gestalt, das von deswegen dwetder parthy die andren für sy noch die iren in kein künffigen zitten keinsz wegs solle harsuchen, betruben noch anlangen, doch vorbehal- ten und uszgelosen sachen und clegten, so iemans sunders hetty und usz disem kriegen und iren [anhengen] nit sind endstan- den noch erwachsen, wem und welchem die mochten zuston. 3. Zum dritten sollen beyd parthygen gefangenen, die [syend uff] dem land oder mer, in schlosen, stetten oder an- derschwo gefangen oder verkoufft, on alle schatzung und end- geltnusz gelediget werden, und sol man sy on all beladung sicher und wyder heim losen. 4. Zum fiertten sol der künig unsz eydgnosen harusz in unser hand antwurtten und geben den tractat zu Gallaron !) uffgericht, dogegen sollen wir eydgnosen dem künig hinuszgen und uberantwurtten den brieff des fridens vor [Tision]?) ge- macht, [deszglichen ouch den tractat zu Galleran], darneben sollen ouch beyd teil die bündnuszbrieff, her Maximilian Bforeia betreffen, zerbrechen und unnütz machen. 5. Zum fünfften: [betreffend] frigung der zöllen, geleytden und ander beschwerungen [und schatzungen, ouch wie man spenig sachen] und ansprochen sol berechtigen, söllen dieselben arttickel usz den capittlen, mit künig Ludwigen von Franck- rich von des herzigthumb von Meiland wegen und unsz eyd- gnosen gemacht, gezogen und hierin beschriben und also brucht : werden 3). 6. Zum sechsten sollen die ansprechenden knecht unser eydgnoschafft?) um ir sunder ansprochen, so sy an den künig 1. »roub« fehlt in der Hs. 6. anfangnen Hs. 9. sumen usz Hs. t1. beleydigung Absch.« 12. lassen keren und komen Absch.w. 16. »Tision« fehlt Hs. 17. »desz- glichen — Galleran« fehlt Hs. 18. Sfortia Absch.v, 20. »betreifend« fehlt Hs. 21. »und — sachen« fehlt Hs. 25. »und« vor »also« fehlt Absch. a. 1) Am 8. Sept. 1515 war zu Gallarate zwischen den Boten des fran- zösischen Königs und den Bevollmächtigten der im Felde liegenden Eid- genossen ein Friedensvertrag abgeschlossen worden, der aber nur von dem einen Theile des Heeres, der in Domo d’Ossola lag, angenommen, von dem andern, der in Monza lag, dagegen verworfen wurde. Dieser letztere zog hierauf nach Mailand und lieferte bald darauf die Schlacht von Marignano. 2) Am 13. Sept. 1513 schloss der Statthalter von Burgund, La Tremouille, mit den Eidgenossen, welche Dijon belagerten, in trügerischer Weise einen für sie sehr günstigen Frieden ab, der aber vom Könige nicht anerkannt wurde. 3) Am .16. Juni 1503 erneuerte Ludwig XII. als Herzog von Mailand, nachdem er im Frieden von Arona, 11. April 1503, Stadt und Grafschaft Bellenz an die Länder, Uri, Schwyz und Nidwalden abgetreten hatte, mit den eidgenössischen Orten das Mailänder Capitulat. Absch. II. 2. S. 1308. 4) Leute, die in französischem Dienste gestanden und rück- ständigen Sold anzusprechen hatten. Nach der Eroberung Mailands durch Ludwig XII. im J. 1500 spielten diese Forderungen der »ansprechenden knecht« oder »ansprecher« eine grosse Rolle und trugen neben den An- sprüchen der Urner mit dazu bei, den König mit den Eidgenossen zu ver- feinden. Glutz-Blotzheim 183 ff. a _— b) [593 or 10 Beilagen. 205 haben und nit usz disem krieg sind endsprungen, ir recht haben und suchen, wo sy des nit wellen enberren, noch sag der capitlen, so hie [75] noch um all rechtfertigung eygendlichen begriffen werden. 7. Zum sibenden sollen alle die, so noch datum der ca- pittlen, zwischen künig Ludwigen und unsz eydgnosen Mei- landz. halb uffgericht, von unsz eydgnosen in pündnisz und burgrecht sind angenumen, sich derselben frigungen, ouch rechtfertigung geniesen und sich der ouch also fröwen und gebruchen, doch uszbeschlosen alle die, so userthalb den mar- chen der eydgnoschafft und einer andren nacion und sprochen, den tutschen, und [nit] unsz eydgnosen verpflicht sind. 8. Zum achten söllen den koufflütten und untherthonen, so von unser eydgnoschaftt [sind], vorbehalten sin und bestattet werden all prifilegia und sunder fryheitten in der stat |Lyon), ob innen einiche von den künigen von Franckrich sind geben und verlichen, noch irem inhalt). 9. Zum nünden sol der künig von Franckrich die begno- den und. sy wyder zu dem iren kumen losen, so von dienst- barkeit wegen Maximilian Sforcia in Tutschland haben keıt der sich: in schlosen Meyland, Lowertz?), Lucarisz3) und an- derschwo haben endhalten, und besunder her Fridrichen und die ander groffen von Aronenen, Jocopen Pfillip Sacum doctor?) , Gabriel Martely, 'Tschan Petter Deriba, her Petter Postola, her Jocob von Gaberren, Bernhartin Moresin mit sinnen sün- nen Bastian und Jeronimus von Lugan und all ander, so usz gemelter ursachen den künig haben erzürnnet. 10. Zum zechenden sol der künig von Franckrich unsz 3..der gemelten capitelAbsch.«. 10. usgeschlossender cardinalund ietzigen bischof von Sitten, der sinen sitz uszerhalb sinem bistumb hat, ouch alle dieu.s.w.Absch.«. 12. mit Hs. In Absch. «folgt noch: Wo aber ein bischof von Sitten in sinem bistumb und nit anderschwo sinen sitz hat,soler hiemit nit usgeschlossen sin. 14. »sind« fehlt Hs. 15. han Hs. 21. in den schlossen Absch. «. 23. Joc pe Hs. 26. besunder herren Fri- derichen und die andern grafen von Arona, Jacob Phillip Sacrum doctor, Gabriel Marcel- lum, hern Peter Pasterle, her Jacoben von Galoren, Johann Peter deRipa von Lowin, Bern- hardin Moresin mit sinen sünen Baptist und Jeronimo von Luggan, Marcum Antho- nium undallander u.s.w.Absch.«. In der deutschen Fassung des Friedens- und Bünd- nissyertrags, welche die Boten von dem Tage zu Genf (1515, Oct. 29) heimbrachten, heisst es:»besunderherren Galeazzen Visconten, herrn Fridrichen und die andern gra- fen von Arona, Jacoben Philipp Saccum doctoren, Gabrielen Marcellei, herrn Petern Pasterle, herrn Jacoben von Galeran, Johann Petern de Ripa von Lowin, Bernhardin Mo- resin mit sinen sünen Baptisten von (lies: und) Jeronimum von Lugan und all ander«. (Eidg. Absch. III. 2. S. 930. 931.) In der lateinischen Ausfertigung des Genfervertrages (1515, Dec. 24): et maxime dominum Federicum et ceteros comites Arone, Jacobum Philip- pum Sacrum doctorem, Gabrielem Marcellinum, dominum Petrum Pasterle, dominum Jaco- bum de Gallera, Joannem Petrum de Ripa’ de Luino, Bernhardinum Moresinum cum suis filiis Baptista et Hieronymo de Lugano et alios omnes (Eidg. Absch. a.a. ©. S. 1399). 27. In Absch. « folgt noch: also das sy onalle entgeltnusz wider zudem iren komend. . 1) S. über den früheren Plan, die Messe, die von Genf nach Lyon ezogen worden war, wieder dorthin zu verlegen, Eidg. Absch. IL. 2. .. 636. 639. 654. 736. 745. 754. 2) Lugano. 3) Locarno. A) Bei Anshelm V. 16! unterschreibt er sich am 31. Aug. 1515: Doctor Jakob Philipp Sack, des herzogs von Meyland bott (bei den Eidgenossen). 206 | Beilagen. eydgnosen für unser schaden ‚ so. wir in dem zug [vor Dision] haben erlitten, geben und bezallen fiermolhunderttusent kron- nen!), desglichen für den [76] schaden und kosten, so wir ietz in Meiland im feld gehebt haben, drümolhunderttusig kronnen, und die bezallen, namlich uff den ersten tag des jenners nechst zweymolhunderttusig kronnen, und dornach alle jor uff den selben tag sovil, und zuletst einmolhunderttusig kronnen, bisz sollich sibenmolhunderttusig kronnen bezalt werden. Ouch sol der künig sollich bezallung zu ieder zit thun zu Bern in sim kosten, und söllen wir eydgnosen von sollicher beyder stucken wegen an [den küng] nüt me fordren. 11. Zum elfiten: domit diser frid und bericht dester be- stendlicher sig, so söllend wir zu beyder sitten für disz hin mit unseren [rychen,] herschafften, land und lutten, underthonnen, inwonneren und gebietten gegen und mit einandren fridlich und rüwig leben und einander mit keinner schmoch, mit kein- nem krieg oder mit einicherley [unredlicher] beschwert in ein- nichem weg nit beladen, betruben noch beleydigen, sunder ob ein deil oder sin untherdonnen [zu dem andern teyl oder sinen underthanen] ützit zu fordren oder zu sprechen gewune, so sol dem begerenden und anrüffenden theil das recht gehalten und harstattet werden, noch form und wisung der capittlen, so um 5) 10 20 all sollich sachen hienoch eygentlichen begriffen werden , alsz dovor ouch harluttert ist. 12. Zum zwelfften: domit gutter fridlicher wil und mey- nung [gesehen] und erkent wert, sol dwetder theil der andren parthy fygend wissenlich, oder so sy des bericht wurt, 'endhal- ten oder in iren gerichten und herschafften und gebietten dul- den. Es sol ouch doby dwetder theil die sinnen wyder den andren losen louffen, und wan not ist, das ernst-[]lich ver- kumen, und ob es dowyder bschech, die by schwerer pen und stroff wyder abfordren. 13. Zum druzechenden: und wiewol disz ein [warer be- stendiger] frid zwischen beyden theillen, alsz wir ouch das verstond und vermeinent, sin sol, nüt dester minder wellen wir eydgnosen obgenant usz krafft disz fridens und frundschaftt, 1. »vor Dision« fehlt Hs. 8. kronen genzlich zalt Absch.«. . 9. zuiedemzilAbsch. &. Ohne Zweifel hat auch in der Vorlage Ryff’s so gestanden. 11. dem stuck Hs. In Absch.« folgt noch: damit ouch der herzog von Württemberg der guten dienst, so ereinereydgnoschaftbewisen, belont, ouch sins gehepten eostens ersetzt werd, so solder küng von Frankrich schuldigsin im zu geben achttusent kronen und sinen reysigen zweitusent kronen. S. Anm. 1. 14. lütten, riehtren Hs. 16. mit einander Hs. 17. rechlichen Hs. 19. »zu — underthanen« fehlt Hs. 23. Statt »sollich«: rechtlich Absch. «. 26. gesche- chen Hs. 31. Statt »ob es dowyder«: ob es darüber Absch. «. Wohl das Richtigere. 33. Diebeiden folgenden Artikel finden sich in dem Entwurfe Absch. « nicht, sie ste- hen aber Absch. #£. Es heisst dort: »der 13. artikel, darum der span was, und wiewol« u.s.w. S. das oben S. 202,5 ff. Bemerkte. worre bestandung Hs. 1) Diese Summe war im Frieden von Dijon für die Eidgenossen aus- bedungen worden, sowie für den Herzog von Württemberg 8000 und für seine Reisigen 2000 Kronen. 25 30 IS am 10 15 20 30 Beilagen. 207 ouch von semlicher sum geltz wegen nit schuldig noch ver- bunden sin zu geben demselben eristlichen künig einicherley hilft, so aber wir mit eygnen ‚kriegen nit beladen werend, und alszdan unser underthonnen irs gutten willens wellen ziechen in dienst und soldung des genanten künigs, werden wir sy nit iren, sunder losen louffen im trüwlich zu dienen. Doch wo sich [obgemelte] beladnusz unser eygner kriegen begeben wutt, mögen wir in sollichem [val] innen verbietten und sy abfor- dren; und so also unser untherthonnen, so wir nit eygen krieg hetten, ziechen wurtten in des künigs dienst, also sol sich dan derselbig her by krafft des tratatz des fridens und frundschafft nit mögen gebruchen [derselben] unser underthonnen zu über- zuchung unser eydgnoschafft oder pündgnosen. Ouch wurt er nit, söllen über der unseren gutten willen über mör losen po- syeren noch [ouch sy] doruff setzen. 14. Zum fierzechenden: dogegen und .domit küniglicher [mt.) gnedigen wil verstanden und vermerckt werd, wil sin küniglich magiestat, wo die obgemelten eydgnosen dysz fridens mit iemans zu krieg und wyderwertigkeit kument, das er alsz- dan gemelten eydgnosen hilff thun und getruwlichen [7s] erzey- gen sol mit einner zall fünffhundert lantzen und tusig bögner, versechen und georttnet mit eim zimlichen und .noturfftigen gschütz, in sim kosten und schaden, [wölhs sın mt.] nit sol abschlachen noch wyderrüffen, ungehindert ob sy mit eygnen kriegen were beladen, und um disen. arttickel besorgen und versicheren, alsz ieder bot wyder weist zu sagen. 15. Zum funffzechenden so sollen unser beyder theillen und unser pundgnosen in beyder theil landschafften und krei- sen, posesen koufflüt, botten, dienner, bilger, underthonnen und verwantten, in wasz wirden, standz und wesens die sind, mit iren lyben, güttren, kouffmanschafften in allen unseren landen und gebietten allenthalben, wo das ist, fry und: sicher zu und von einander gon, handlen und wandlen und ir ge- werb und geschefft üben und bruchen on einiche beleydygung und schmoch und on einiche nüwerung der zöllen und andren beladnusen, anders dan von alter har sit und brüchlich ist gsin. 16. Zum sechtzechenden wil der kunig unsz eydgnosen usz sundren gnoden die pencion der zweytusig francken jerlich iedem ort geben. 7. obgemelter Hs. 8. wol Hs. 12. dieselben Hs. 15. »ouch sya fehlt Hs. 17. alsz Hs. 18. dis frids wegen Absch. £. 19. Vor »das er« schiebt Absch. £ noch »gegen wen das were« ein. 21. lanzen oder küriser Absch.£. 23. welche sum er Hs. 27. Zum dryzechenden Absch. «. 28. theillen und und Hs. pin — posesen« fehlt Absch. «. 39. Zum vierzechenden ist davon geredt, ob sach wär, das der küng uns eydgnosen usz sunder gnad und nachpurschaft die pension der 2000 franken järlich iedem ort geben wöll, lasz man beschechen. Absch.«. Hierauf folgt eben dort: Zum fünfzechenden ist von herrn Galiatzen wegen geret, das man im schuldig syg zu helfen, damit er ouch erlichen befriedet werd und wider zu dem sinen komme, diewil er doch das umb uns eydgnossen wolhab verdient. 208 Beilagen. 17. Zum sibenzechenden: alsz ouch hievor zu Bern und anderschwo an die küniglichen röt und ietz aber [die bitt] ge- thon unser lieben pundgnosen, her apt und stat Sant Gal- len, Mülhusen und Rotwil und ander, mit einner pencion [usz- zerichten], diewil sy ir lib und gut biszhar trüwlichen zu unsz gesetzt, ouch zu bedanck [genumen], und aber der basthart des nit gewalt [hat], haben wır gemeltem [79] basthart anzeigt, das wir unsz gegem gemelten künig der werschafft annemend, di- sen, ouch andren, zweytusig jerlich für ein pencion zu geben und noch unser, der ortten, gutduncken under sy zu theillen, das gemelter her basthart an den künig fürderlich zu schriben angenumen hat, gutter hoffnug, er wert do unsz nit versagen !). 18. Zum achtzechenden: von wegen der schloser Lou- wertz und Lucarisz, ouch des Meintalsz mit aller ir zugehört ist bered, das der künig unsz die wal sol losen eins jorsz fryst, ob wir die schlosz dannethin behalten wellend oder die drü- molhunderttusig kronnen dofür nemen und im die schlosz zu- stellen wellend. By sollicher unser wal es gentzlich blipen sol. 19. Zum 19. sollend dennen von Belletz, [Lowers]) und Lucarisz und dennen im Meintal und allen dennen, so zu in- nen gehören, vorbehalten sin und bestettet werden all ir pri- filegien und sunder fryheitten, so sy von zöllen, saltzkouff, gabellen und ander sachen wegen biszhar von [einem] 'herzo- gen von Meiland und in demselben herzogthum gehebt haben, also das sy hinfür gentzlich doby blipen. | 20. Zum 20. so behalten wir eydgnosen unsz in disem friden vor unser helgen vatter, den bopst Leonem den zechen- den, den helgen stul zu Rom, die keiserliche magiestat |, das heilig römisch rich], das durchluchtig husz Oestrich, die durch- lüchtigen [herzogen von Savoy und Würtemberg, den durch- luchtigen] herren Lourentzium [und das hus] de Medieis, den stat und comun zu Florenz, [den] herren von Werse, mar- 1. Dieser Artikel findet sich Absch.« nicht. Da der Text bei Ryff sehr fehlerhaft ist, sind an einigen Stellen Worte, wie sie der Sinn etwa erfordert, eingefügt und durch [ bezeichnet, statt »unseren lieben pundgnosen« ist »unser« u. Ss. w. gesetzt worden. 13. Zum sechzechenden Absch. «. 18. Nun folgt Absch.«e: Zum sibenzechen- den solder küng unser eydgnossen von Schwyz ein abtrag thun umb irbüchsen und schmach. Es bezieht sich dies auf die im J. 1510 bei Lugano statt- gefundene Ermordung einiger eidgenössischer Läufer durch die Franzosen und den Spott, der mit den Läuferbüchsen getrieben wurde (s. namentlich Anshelm IV. 168), eine Schmach, die namentlich von Schwyz tief empfunden wurde und wesentlich zum Aus- bruche des Krieges mit Frankreich im J. 1511 beigetragen hatte. 19. Zum achtzechen- den Absch.e. Lowin Hs. 23. ouch Hs. 26. Zum nünzechenden Absch. «. 28. des helgen römischen rich Hs. 30. »herzogen — durchluchtigen« fehlt Hs. Man kann aber, gestützt auf den Wortlaut des definitiven Friedensvertrages vom 29. Nov. 1516 (Abschiede III. 2. 1410) unbedingt annehmen, dass diese Worte in der Vorlage Ryff’s ge- standen und dass er von dem einen »durchlüchtigen« auf das andere übergesprungen. 31. des huses Hs. Vgl. auch hier den Wortlaut des definitiven Friedensvertrages. 32. des Hs. Vergier Absch.«. 1) Vgl. Artikel 10 des »ewigen Friedens« (Absch. 8. 1409), wo Abt und Stadt St. Gallen sowie Mülhausen als bedacht erwähnt werden. Ueber Rottweils Versuche, noch etwas zu erhalten, s. daselbst Nr. 695 e. 8.1037. Pr v0 - or 20 25 Beilagen. 309 ” schalck in Burgunn, unser [alt] pünd und [all] andren, mit den- nen wir pündnus und bericht haben. 21. Zum 21. und nochdem und wir [gemeint], das sollich bericht und abred disz ietzund künigs leben [so] lang und ein 5 jor dornoch werren solt, haben die obgemelten herren gantz 10 15 20 25 30 35 trungelich begert und frintlich gebetten, das man solliche frund- schafft zechen jor noch des künigs thod [lasse] werren und be- stan. Sol hierüber ieder bot mit gewalt zu [antworten] wyder harschinnen. 2. Als inn dem ersten capittel des fridens anzeigt ist, das die [vereinung], so zu Genff gemacht ist zwischen dem künig und unsz den acht ortten, hin, tod und ab sın, also vermeinent und wellen wir obgnantten eydgnosen, das diser tratat allein ein uffrechter und bestendiger frid und nochburglich frund- schafft und nit ein vereinigung oder pundnisz geheisen sin und blipen, fouch uns] zu einner hilff gegen dem künig weder von des fridens noch ouch von [vor] oder nochbestimpter sum geltz wegen verbinden oder verpflichten sol. So aber wir eydgnosen mit eygnem krieg nit beladen werren und danmollen obgemel- tem künig in sim künigkrich, besitzungen und landen [und] herschafften krieg zufiellen, ob dan die unseren irsz eygnen willens für sich selbs zu sinnem dienst begertten zu ziechen, so sol derselb her künig vor allen dingen sollich unser knecht an [uns] fordren und wir dennocht nit schuldig sin, die oder jemand zu schicken, dan allein gestatten, das die, so also für sich selb gern ziechen wolten, doch in kumlicher zall, zu sin- nem dienst zukummen. Ob aber der uffbruch oder zulouff zu grosz sin wolten, so möchten dan wir eydgnosen weren und bisz uff ein bescheidne zal abstellen. Der künig sol ouch die unseren in krafft des fridens wyder kein unseren pünd- gnosen, so zu disem friden vorbehalten sind, [sı] die zu uber- ziechen, füren noch bruchen losen, ouch die unseren on iren Sutten willen nit uff das mör setzen. Ob aber dorzwischen wir eydenosen krieg gewunnent, so möchten wir die unseren, so alsz hinzogen werren , wydrum abfordren, und sol der künig unsz die on verzug wyder zukumen losen. Und nn des er cristlichen künigs gutter fründlicher 1. alleHs. v»all« fehlt Hs. 2. pundtnisz, burgrecht und verstäntnisz haben Absch. «. Hiemit schliesst Absch.«. Der naagnde Schlussartikel steht, jedoch ohne Numerirung, 'Absch. £S. 1011. . 3. genennt Hs. Statt »gantz trungelich« hatAbsch. f: trüw- lich. 7. losen Hs. 8. über NEN Hs.. 11. Zu dem dryzechenden als Absch.y. 12. versung Hs. 15. nachpurlich Absch. y 16. genempt, geheiszen Absch. 7- 17. »ouch uns« fehlt Hs. 18. »vor« fehlt He S. 21. besizenden landen Absch.7. »und« fehlt Hs. 25. »uns« fehlt Hs. fordern und begeren Hs. im die Absch.?. 26. »das« fehlt Absch.y. 29. den weren Absch.y. 34. Mit »ob« beginnt in der Hs. ein neuer Absatz, der mit 22 numeriert ist. 38. Zu dem 14. damit Absch.y. In der Hs. ist dieser Absatz mit 23 numeriert. Basler Chroniken. 1. 14 210 Beilagen. und geneigter wil gegen gemein eydgnosen gemerckt wert, alsz er ouch dieselben im zu sinnen allerliebsten fründen erwelt hat, so. wil er usz volkumenheit siner, gnoden innen die frundschafft erzeygen und schuldig sin: wo die, eygnosen mit iemant, wer der were, ouch von welcher ursach wegen es beschechen möcht, zu krieg kement, innen uf ir erfordrung sin getruw hilft zu- senden, namlich fünffhundert wolgerüster küriser und: tusent wolgerüster bögner mitsampt noturfftigem, und: zimlichem ge- schütz, alsz in siner magiestat kosten, so lang und der eyd- gnosen krieg wert, ungehindert, so schon sin magiestat ouch eygen krieg hat. Und domit diser frindlicher frid und nochburliche frund- schafft durch kein argenlist des bösen vigens betrubt wert, ist lutter abgered und beschlosen, das der zwischen der kron Franckrich und gemeinen eydgnosen in allen articklen ewigk- lichen beston. sol, ungenumen der drüzechen oder fierzechen, ouch der sechzechen und. 17. artickel: dieselben sind, angenu- men des bemelten cristlichen künig Frantzisgus leben lang und ein, jor dornoch. Alsz [dann] söllen die pencionen und. wasz dieselben capitel; anzeygen, hin und [s2]; ab, sin, doch disem ewigen friden, in ander weg unschedlich ouch unferzygen ; ob aldan der künffig künig wytter begert mit der, eydgnoschafit dieselben fier arttickel zu ernüweren, das sol. dan an beyder parthygen gutten, willen stan. Und wiewol diser frid und. nochburlich; frundschafft uffidie 13. ort: und ir zugewanten gemeinlich gesetzt ist, nit dester, min- der, ob unser lieb eydgnosen von, Zürich, Ury, Schwitz, Basel und Schaffhusen, so biszhar mit Franckrich nit gefrid haben, den drüzechenden arttickel ir. knechten halb nit, wellen. anne- men. oder dorin gon, so ist mit dem basthart so vil: gered, das er nochgelosen hat, das es innen heimstand, den iren. zu ver- bietten und sy doheimen behalten noch irem gutten willen und gefallen; nüt, dester minder wert; der künig innen und den zu- gewantten die pencion, ouch das gelt geben, wie ander. eyd- gnosen, doch das sy disen friden in ander weg, annemen und die iren nit losen ziechen zu des künigs fygend, wie der zwelfft artickel das. vermag | Doch so ist des her, basthart fründlich bit und, grosz be- geren, das wir eydgnosen unsz nit wellen theillen oder, sün- deren, sunder gemeinlich in, sollich brüderliches wesen gen und kumen, das unsz allen zu gluck und gutter wolfart harschiesen 6. Statt »getruw«: gethane Absch, 7. Hier hat ohne Zweifel Ryft. das, Richtige. 7. lanzen oder küriser Absch.y. 8. Statt »wolgerüster« hat Absch. y guter geschikter. 12. diser loblicher frid Absch. 7. In der Hs. ist der Absatz mit 24 numeriert. 16. usz- genommen der 13., der 14., Bo ‘der 15, Absch. y. Hier hat,Ryff wieder das Richtige. S. oben S. 202,37. 19, das Hs. 2. Inder Hs. ist der Absatz mit 25numeriert. 26. »und ir zugewanten« fehlt Absch.y, 32. zu behalten Absch.y. 33.34. »und den zugewant- ten« fehlt Absch. 7. reisgelt Absch.y.. 38. In der Hs. ist der Absatz mit 26. nume- riert. fründlich und allergröst bitt Absch. y. 20 25 30 39 40 Beilagen. | 211 sol, so es doch nie gehört ist, das wir eydgnosen: unsz von einander nie gesündert haben, dan allein in disem ellenden leben. ‚ . Dannachin: hat sich obgemelter basthart begeben: sobalt s der handel beschlosen und besiglet wert, denselben fünff ortten und den zugwantten irren theil der [ss] zweymolhunderttusig kronnen' reiszgelt, desglichen die pencion von des vorgenanten jor wegen, alsz ouch den acht ortten worden ist oder sind, von stund®an uszzurichten ete. . 10 IV. Ein Bericht über die in Folge der franzö- sischen Pensionen im Jahre 1521 in Basel entstandene Bewegung. In dem Bande des Basler Staatsarchives »Decreta et mandata 15 senatus Basiliensis« (von neuerer Hand ist hinzugefügt 1521— 1601) findet sich, wie oben S. 30 Anm. 4 bemerkt ist, das Mandat vom 19. October 1521, welches die Annahme von Pensionen verbietet, jedoch mit dem falschen Datum »anno domini 1522 uff sant Lux tag.«. Es ist überschrieben: » Wie man die penscion widerumb ab- 20 gestellt und ze nemen: verschworen hat«. Ihm vorangestellt ist un- ter der Ueberschrift »Wie man eyderman zu Basel pension zu nemen erloubt hat« eine Darstellung der Umstände, welche dem Erlasse dieses Mandates vorangiengen und ihn begleiteten. Diese Darstellung ist insofern unrichtig, als sie, entsprechend dem falschen 2: Datum des Mandates, angiebt, die Bewegung gegen die Pensionen sei ein‘ Jahr, nachdem diese eingeführt worden, entstanden , also 1522, während sie in der That schon im J. 1521 eintrat und im October dieses Jahres das bewusste Mandat herbeiführte (vgl. das S. 30 Anm. 4 Bemerkte), im Uebrigen ist sie nicht ohne Interesse. 30 Der betreffende Band ist im J. 1539 angelegt worden und enthält zunächst von einer und derselben Hand (die sich 1539 auch im Erkanntnissbuche findet) und, wie es scheint, in einem Zuge ge- schrieben eine Anzahl Erlasse des Rathes, namentlich viele, die sich auf die Durchführung der Reformation beziehen. Von der Re- 3. Hiemit schliesst das Aktenstück Absch. 7: Inder He. ist der folgende Absatz mit 27 numeriert. 14 * 212 Beilagen. formationsordnung und der Basler Confession sind gedruckte Exem- plare eingeheftet. — Die chronologische Ordnung ist nicht immer strenge festgehalten. Die erste Nummer ist das Mandat an die Geistlichen, ausschliesslich nach der heiligen Schrift zu predigen, dann folgen einige Verordnungen aus dem J. 1525 und Blatt 5 der hier mitzutheilende Bericht über die Pensionsangelegenheit. — Nach 1539 folgen dann Eintragungen von verschiedenen Händen bis 1601. Ausser in der Sammlung der Decreta findet sich dieser Bericht auch in dem A. IV. 14 signierten Bande der öffentlichen Bibliothek zu Basel (Blatt 46°). Dieser Band enthält die Ausgabe der Chronik Etterlin’s vom J. 1507 mit zahlreichen, von einer sauberen Hand aus der Mitte des 16. Jahrhunderts am Rande eingetragenen Zusätzen und selbständigen historischen Nachrichten, die bis zum J. 1540 reichen. Diese Aufzeichnungen scheinen völlig übereinzustimmen mit der seit Ochs unter dem Namen der Beinheimischen bekannten, gegenwärtig im Besitze des Herrn Egb. Friedr. v. Mülinen in Bern befindlichen Chronik. Wir geben, indem wir den Text der Decrega abdrucken, die Varianten von A. IV. 14 an (abgesehen von blosser Verschiedenheit der Orthographie). Die meisten dieser Varianten betreffen die Wen- dung des Ausdrucks, einige aber auch den Inhalt. Deer. nennt die Namen der abgesetzten Räthe, A. IV. 14 will sie lieber verschwei- gen. Decr. giebt als Maximum des Werthes der erlaubten Ge- schenke 3 ß an, übereinstimmend mit dem Mandat, wie esin Decr. und bei Ryff (oben S. 31,13 steht), A. IV. 14 hat 2ß. Wo von dem Austreten der zu viel Pension beziehenden Rathsglieder die Rede ist, sagt Decr.: »da drat harusz der burgermeister und ein oberister zunftmeister«, 4. IV. 14 hat richtiger ° »ein burgermeister«. Jakob Meyer zum Hasen war, als er abgesetzt wurde (Oct. 1521), nicht der (neue, regierende) Bürgermeister, sondern alter Bürger- meister, neuer Bürgermeister war seit Joh. Baptistä 1521 Adelberg Meyer. Ulrich Falkner hingegen war neuer Oberstzunftmeister. Ohne Zweifel hat von den zwei Texten, die uns vorliegen, keiner den andern vor sich gehabt, sondern beide haben aus einer dritten Quelle geschöpft. ® Wie man eyderman zu Basel pension zü nemen erloubt hat. Anno 1521 hat sich ein statt Basel durch ire eydtgnossen, mit denen sy in eewiger püntnusz ist, bewegen lassen, das sy pensionnen und ire burger vom könig von Franckrich zu ne- men nachgelassen haben, und daruff mit dem Frantzossen ab- geredt und beschlossen , namblich das ein ieder vom cleinen rath jerlichen fünfzechen kronnen und einem vom grossen rath 35. Von einer pension. 36. miteydgnossen. 37. lassen bewegen, dasz sy ouch ire burger vom kung von Franckrych pension hat lassen nemen, und mit dem küng ein abred thon, 'was er eym von kleinen und grossen rhat järlich geben solt, und ward also gemacht, dasz er eym rhatsherren järlich geben solt. oa 30 10 15 20 25 30 Beilagen. 913 sechs kronnen geben solt, und wer sonst von der gemeind etwas erlangen mocht, ward im ouch nachgelassen. Ouch ward von einem rath erkanth, das man fürhin weder zu ratzherren nach meister und sechsen niemand erkiesen nach nemen solt, er wer dann in der statt Basell erboren, und wurden die brief hierumb in alle zünft geben. Sollich penscion ward ein jar lang ingenomen, darnach entstund in kurzem vilerley reden under der gemeind, das vil der redten vil mer vom künig von Franckrich den 15 kronnen nemen; des was ein rath übel zefriden und wolt ie wüssen, ‘wer solliche, so über 15 kronnen wert genomen hetten, werend, und liessend also im gesessenen rath by dem eydt bieten, das ein ieder, was er über 15 kronnen genomen hette, sollichs anzuzoigen. Da drat harusz der burgermeister und ein oberister zunftmeister und vil der rethen. Nach dem ward ein ieder wider in den rath genomen, und was er geno- ‚men hat, eygentlichen uffgeschriben, und ward die sach dar- nach an den grossen rath gebracht, da ward sy uszgemacht, und wurden etliche wider ın den rath gesetzt, etlich bliben gar herussen, als namblich Jacob Meyger genant, zum. Hassen, burgermeister, Ulrich Falckner oberister zunftmeister, Carıus Holtzach, Hanns Galicion, der kremer, Hanns Heinrich Geb- hart, Marty von Seltz, der schnider, und Surracher, ein schü- macher. Und ward ouch uff. dise zit die penscion luter gar ab- getan, und das niemand zu eewigen. zitten vom rath und ge- richt, nach von amptlüten der oberkeit zu statt und land kein pension nach schenkinen nach gaben nemen söllen, dann alleın dry schilling; doch warden die guten jar zımblicher wysz zu- gelassen, dann vor diser nemung der penscionen hat kein mentsch nit mögen gedenken, das man zu Basell weder von konigen, fürsten oder herren ie penscion genomen. hette!). 1. »geben solt« fehlt. »welcher« statt »were«. 2. mocht, gieng ouch hin. Der fol- gende Satz: »ouch — zünft geben« fehlt. 7. was ein yar yagnommen , darnach vast kurtz entstunden. 8. dasz sy retten, dasz menger im rhat were, der vil mer vom küng hett, dan 15 eronen. 9. zefriden. Und uff ein zitt wolt ein rhat wissen, ob yeman im rhat were, der mer vom küng hette dann die 15 cronen, und liesz man in gesesznem rhat den rhäten bieten by dem eyd, so sy gethon hetten: wer yeman under inen, der mer hett dann die 15 cronen,, oder im etwas witter zugeseit were, der solt by sinem gethonen eyd fürhin tretten. Do disz geschach, traten usz ein burgermeister, ein oberster zunftmeister und vil der rhäten. Nachdem wart einer nach dem anderen hinyngenommen und aber bim eyd erfragt, was er hett über die 15 cronen, und ward sollich eins yegklichen angeben uffgeschriben und wart darnach an den grossen rhat bracht, do ward die sach volendet. Etlich wurden wider in rhat gesetzt, etlich bliben gar hussen, als 2 höupter und vil. der rhäten, welcher nammen umbs besten willen underlassen. Esward u.s.w. 23. »gar« fehlt. 24. vom gericht. 26. schenkenen, goben noch anders mer nemen solt. 27. 28 wert. 28. kein mensch nit gedenken mocht. 29. zu Basel pension von küngen, fürsten und herren ye genommen hett. Wart also von grossen und kleinen rhäten abgethon. 1) Dieser letzte Satz ist von besonderem Interesse. 214 Beilagen. Vs Erkanntniss des Rathes zu Basel betreffend die Pensionen. 1521, August 29. (Erkanntnissbuch III. 1518-1524. Bl. 196.) Dem vorangegangenen Berichte schliessen wir ein Aktenstück 5 aus dem August des Jahres 1521 an, das uns den Rath, der im October die Abschaffung der Pensionen beschliesst, noch in einer ganz andern Stimmung zeigt. Uff den obgenanten tag [donrstag nach Bartholomei anno 21] ist erkant: als kungklich mt. von Franckrich einem yeden ratzfrund, nuwen und alten, 15 cronen, ouch einem yeden von den sechsen, ouch nuwen und alten, 6 cronen mitsampt der gemeinen der statt pension geben werden sollen, wann dieselb gemein pension uszgericht und bezalt wirt, das ouch bed rätt mitsampt den sechsen also geordnet, und furo also so lang die pension von dem kung geben wirt, gehalten werden solle, und aber etlich von den rätten und ouch etlich von den sechsen solich obgemelt cronen nit haben -wollen nemmen, sonder sich von andern rätten und sechsen in solichem gesöndert, usz was ursach daz ist einem ersammen ratt verborgen, und haben darab mergklich beduren empfangen und daruff erkant, daz man dasselb gelt, das also von denselben nit genommen ist, dem gemeinen güt züziechen und nemen solle, und daz die- selben, so das gelt nit haben wollen nemmen, in disz buch zü diser erkantnusz geschriben werden, also ob es sich in kunf- tigem begeben, daz dieselben eins andern willen wurden und solich gelt wolten nemmen, daz man sy dann nit solle zülaszen und desselben gelts weder denen von den rätten, noch denen von den sechsen ganz und gar nützit geben werden solle und das also vestigklich halten, und sind daz dieselben, die das: gelt nit haben wollen nemen: Herr Wilhalm Zoigler . . . 15 kronen. Brautzcher..... Er a - 33. Der Name ist von einer anderen Hand, die uns abwechselnd mit der ersten im Erkannt- nissbuche begegnet, neben denjenigen des W. Zoigler (sonst meist Zeigler geschrieben) gesetzt. Von derselben Hand sind die drei letzten Namen des Verzeichnisses eingetragen. 15 25 Beilagen. 215 Häns Beimhart Meiger . . . 15 Kronen. Jaedb Meier yalılı! WW, eizul zegglis_ EREIR EDER 1355 ORROBININ TOKlE . Rüdolff Fıy . 8 ER VScHb „Ind, gan Bernhart Meiger der wechsler . Henrich David Hans Wyler Hans Oigly . eriKer er eriiererer) j 10 | | VI. Der Streit der Stadt Basel mit Bischof Jacob Christoph Blarer von Wartensee. Aus Peter Ryff’s »ssummarischer generall und Basler chronic«. 15 (S. oben 8. 15 £.) [55] Anno 75 wardt Christoff Blarer von Wärtensee bischof. 1575. Diser machet anno 80 mense januario mit etlichen orten der 1550 eidtghosschaft ein pündtnusz, durch welche er denen von Basel """ vill unrüwen züfuügte. - 20 Dan glich in dem ingang des 82. jars hat er die mäsz, 153. so das landtvolch lang zevor abgestellet, zu Arliszheim wider uffgerichtet, hatt auch selbs eigener person den 11. februarii t1.Febr. zu Pfeffingen mäsz gehalten und gepredigt, liesz doch nochinn uff der underthonen ernstlich anhalten die sach der ziit ver- 3 bliben. [56] Glicher gestalt that er auch den 18. februarii zü 18.Fobr. Lauffenn, welche äber, will sy sampt den Älschwileren, Ober- wileren, Därwileren, Ettingeren und Rinacheren mit der stät Basell von ältem här verburgrechtet gewäsen, solches keinswegs zu gedulden vermeinten, usz ursach, will er im aäntrit. sines 30 bistumbs inen geschworen und zugesagt, sy by iren alten guten gebrüchen, gewonheiten und herkommenheiten und insonders by angestelter religion verbliben ze lossen, derhalben einen ersammeii rhat ze Basell angerieft, uff welches ein ersammer rhat den 21. februarii ire gesantenn züm bischof abfertigten mit 21.rewr. 1} Nätürlich 9. Meyer zum Hirzen, nicht der bald darauf Abgesetzte J. Meyer zum Hasen. 1582 16. Oct. 216 Beilagen. ime irenthalben ze tractieren und ze reden, das er sy by sinen zusagungen wölle verbliben lossen. Welches dan ein zit lang also verblibenn, hienäben aber gedachte der bischoff und un- derlüsz nit, füg mittell und weg sin intention ze exequierenn ze suchen, kame derwegen gegen Basleren, gegen gesagten sinen underthonenn, auch gegen dem vernachburten grafen ze Montpelgart in fundtschaft, also das in der osterwuchen gesag- tes jars ein heimliche unbekante hütt uff in zwischen Delsperg und Bruntrut gehalten. Ist aber, wil er verwarnet ‚worden, zeruck verbliben. Dohar zü allen teilen vil nidts entstanden. Die burgerschaft wardt so grim über in, das man darumb den 16. octobris gesagtes 82. jars grossen rhatt gehalten und der burgerschaft uff allen zunften mandierte, sich still und beschei- denlich und onufrierisch ze halten, es werde ein ersammer rhat die sach wiszlich ieder zut bedencken. Es liesse der bischoff von sinem fürnemmen nit ab, son- der sollicitiert so lang usz anlosz siner verbünten eidgnossen, vor welchen er die Basler viler injurien beclagte etc. Hargegen auch die Basler ine, als der wider sin zusagen vill newerungen in den kilchen irer verburgerten und in anderen sachen yebete, dargegen sich der bischoff in allem sinem [57] fürnemmen recht ze haben furgabe, wie er dan solches in bysin verstendiger lütten woll eröffnen wölle. Uf dises ist beiden parteyen zugesprochen worden also, das ietwedere parthey drey mannen usz der eidgnoschaft erbette und erwöllete, die sachen giettiglich anzehören, auch wo mög- lich noch verhörter sach giettiglich verhandlet wurde. Hiemit hat diser bischof schon erlanget, das weder der von Uttenheim, noch andere noch im erlangen mögen, wil keim nie kein au- dients alleinig als vorstedt gegäben worden. Dan als solches bewilligt, erwölte im der bischoff den herren schulthesz Pfiffer von Lutzern, den amman Brunner von Ury!) und den schuld- hesz Heiden?) von Friburg, die Basler herren obman Keller von Zürich, herren schuldhesz von Mylinen von Berm und nochin an sın stadt, will diser libs schwacheit halben nit er- >: schinen mögen, den schulthessen von Wattenwil ze Bern und N. Meyer), j. u. d., burgermeister ze Schaffhusen. Vor disen 6 sequestribus liesz der bischoff und das thum- capitel fürtragen: 1. Wie sy, die Basler, ime sine underthonen onbefiegter wisz von der obedients geistlicher und weltlicher sachen abzugindt. 1) Hans zum Brunnen, Ritter, alt Landamman. Eidg. Absch. IV. 2. S. 811. Vgl. das Personenregister. Hans zum Brunn. , Heusler 458. 2) Hans von Lanten genannt Heid, Ritter, Schultheiss. Eidg. Absch. und Heusler a.a. O. 3) Hans Konrad Meyer. Eidg. Absch. und Heusler a.a. ©. S. dort im Allgemeinen die genauere Angabe der Namen der hier genannten Boten. >, 15 ww wi 1 2 2 3 3 4 or 5 = 9 =) b) SO Beilagen. "247 2. Das sy die bischoffliche thümkilchen sampt desz thüms höffen etc., so dem bischoff und thüm anhörig, eigens gewalts, noch irem gevallen innemmendt, die kilchen und: ire, ornaten noch irem güttbeduncken, (deren er doch ein prefect sin solte), ‚enderten etc. 3. Do besitzen sy, die Basler, etliche herschaften, als Liech- stall, Homburg und Wallenburg und das Syszgew, deszglichen etliche gefell und empter von sinen vorfaren, als vorstadt, der statt pfandtswisz zugestellet, welche er hiemit begäre widerumb zum bistumb lösen und den pfandtschillig ze erlegenn. [ss] 4. Begäre er auch, das imme die zünszpfennig etc., wider welches bischoff Christoff von Uttenheim anno 24 offentlichen protestiert!), wie von altem har, gelüfert werden, item die handtveste und was dieselbig uszwise widerumb ze handen ge- nommen werde. Solcher siner clagarticlen Hätte er von stundt an brieff und sigell uff zur bewisung derselbigen. Hieryber ist uff 2 gantze Jar lang ernstlich mit grossem costen ze Baden gedaget, auch offtermolen groser rhat gehal- ten worden, dan mine herren über solches alles, will es über menschliche gedechtnusz angestanden , kein einiche redt undt antwort ze gäben vermeinten. Wardt doch der handell letstlich anno 1585 in der wuchen judica durch gesagte sequestres noch viler gehapter mhie und arbeit ze Baden giettiglich gescheiden, also: Die Basler sollen dem bischoff erlegen 200000 fl., dem thüm- capitel 50000 fl. und dasz zu dryen zülen in anderhalb jaren. Doch was inen das bistumb an zunszverschribungen und desz- glichen schuldig, mögen sy, die Basler, an genanter summ ab- ziechen. Hargegen solle der bischoff der statt Basell alle brief und sigel, domit er sin clag ze probieren understanden, usser- gäben und allenglichen der verpfenten empter, zöll ünd her- schaften hiemit uszkauft und unansprechig sampt allen sinen nochkommenden sin und ewiglich bliben. Item so sol auch er und das thum sich aller. ansproch desz - münsters, desz thums höfen und aller irer renten, zünsen, ze- henden verzichen,, kein ansprach an statt Bäsell nimmermher haben, dan alleinig der bischoff an sin hoff, das thumcapitel an iren hoff ete., doch nit anderst dan als der statt burgere. [59] Die bischoffliche landlüt, so mit der statt verburgrechtet, sollen by solchem burgrecht und irer religion verbliben, doch möge wol der. bischoff ‚glichfals auch sin religion allenglichen by inen anstellen. TEE 1585 April. 218 Beilagen. Solche transaction sol von gemeinen eidgnossen investi- tuiert und besiglet werden. | In solcher handlung wurden ze tagen abgefertiget her Bo- naventura von Brun, burgermeister, her Lux Gäbhart, oberster zunftmeister, her doctor Basilius Ammerbach, sindicus, her Re- migius Fäsch und her Wolfgang Satler, genant Wissenburg, der rhäten. vn. Aufzeichnungen des Diebold Ryff. Noch bevor Peter Ryff seine Einleitungen und seine Fort- setzung zu der Chronik des Fridolin abfasste, hatte ein anderes Glied der Familie, Theobald oder Diebold !), der oben S. 199 er- wähnte Vater des berühmten Andreas, einer abgekürzten Abschrift der letzteren eine Reihe von Aufzeichnungen angefügt, die wir am passendsten an dieser Stelle zu veröffentlichen glauben. Wir sind erst während des Druckes dieses Bandes ganz zufällig auf diese Aufzeichnungen gestossen, die, einem auf der Öffentlichen Bibliothek in Basel befindlichen Druckwerke angefügt (der Band trägt die Signä- tur E. H. IV.5 und stammt aus der Fäschischen Sammlung), in dem Handschriftenverzeichniss dieser Bibliothek nicht eingetragen waren. Einem Exemplar der oben S. 164 Anm. 2 erwähnten Ueber- setzung der Chronik des Sleidan durch Israel Achacius, Pforzheim 2. Es ist nicht möglich anders als »investituiert« zu lesen, was allerdings eine etwas unge- heuerliche Form ist. t) $S. über ihn noch Andr. Ryff in seiner Jugendgeschichte (Beitr. IX. 41. 43) und im Woppenbuoch. In letzterem heisst es: »Theobaldus — begab sich in seinem ersten auszug mit landtsknechten in krieg, durch welches mitel er ahn des ryngroffen Philip Frantzen hoff uff Dhaunen ko- men, do er erstlich fir ein jungen, demnoch fir ein reisigen knecht gedient, letstlich zuo einem hoffschneider und inkeiffer verordnet, welliches er 7 jor lang versechen, in wellicher zeith er wider hoffs gebrouch (diewyl er nit vom ädel gwesen) in 4 jor lang des groffen kammerer gwesen seiher trei- wen diensten halb, demnoch ist er von der freindtschaft heim gemaant und ano 1547 indt hauszhaltung befirdert worden. Der hat 39 jor in einer ehe gelebt, sich des duochhandelsz und wullengarn ferbens ernehret, 21 jor dasz statgericht besessen und ano 1586 sein leben christlich beschlossen«. (Von andrer Hand beigefügt: »Alt 70 jahr«.) 6) 10 [no 5 or 10 15 20 25 Beilagen. 219 1557, fol.!), sind 46 Blätter Schreibpapier angebunden. 8. 12) enthält den Titel: »Etlicher warhaften geschichten, so sich in der eydtgnoszschaft, zu Basell und anderstwoh zugetragen, kurze ver- zeichnus. Anno 1514 angefangen zu Basell. — S. 3—56 folgt dann eine vielfach abgekürzte Abschrift der Chronik des Fridolin Ryff. An mehreren Stellen, wo der Inhalt der Ryffischen Darstellung nur ganz kurz wiedergegeben ist, wird dagegen auf Sleidan verwiesen, so bei dem Marburger Gespräch , bei der Belagerung von Wien, bei dem Augsburger Reichstage und der Belagerung von Florenz. Bei der Erwähnung des englischen Schweisses (s. oben $. 105,13) heisst es: »Hievon besich den Sleidanum und andre mehr«. Wo von der Ueberschwemmung des Birsig am 14. Juni 1529 (oben S. 102,30) berichtet wird, heisst es: »Besich hievon des Bernhard Brand chro- nicken von der statt Basel«®). — S. 57 —67 enthalten Aufzeich- nungen über die Jahre 1560 — 1585. 8. 68— 86 sind leer, S. 87 — 90 geben unter der Ueberschrift: »Dieboldt Reiff« eine Anzahl von Nachrichten, welche die Familie dieses letzteren betreffen. — Auf der Innenseite des hinteren Deckels steht: »Ich Ana Yelli von Baszell anno 1571 jar, das ist war, wersz nitt glaubtt, der ist ein nar«. Daneben steht, nicht gleichzeitig, sondern wohl eher früher, in der Richtung von oben nach unten geschrieben: »Ich Anna Yelly«, und noch einmal, wieder in horizontaler Richtung: »Anna«. Auf der Vorderseite des Vorsetzblattes steht oben: »Ich Dyeboltt Ryff, burger und gewandtman inn Basell anno 1583 jar«, weiter unten von anderer Hand: »Ich Teobalt Ryffus Basilliensis ana [sic] sallutis 1583 adi*) 13. novemper, und Margreda Yelly, sin ehlich husfrauw«. Unter diesen, wohl von der Hand eben dieser Margaretha herrührenden Zeilen steht dann noch »Andres Riiff« von der leicht kenntlichen Hand dieses letzteren eingetragen. Die 1) Chronica: das ist, Warhafftige vnd gewisse Beschreybung, desz Hoch- gelehrten herrn Johannis Sleidani, darinn angezeigt, was sich in Geistlichen vnd Weltlichen sachen vnder dem Groszmechtigsten Keiser Carolo dem fünfften, verloffen hab, auff ein neüwes Teütscher Nation zü güt verdol- metschet, in ordenliche Capitel — — abgetheilt — durch Jsra&lem Acha- cium von Heilbrunn. — — Getruckt [zü Pfortzheym bey Georg Raben] im jar, M.D. LV1. 2) Die Paginirung ist erst bei Gelegenheit dieser Heraus- gabe vorgenommen worden. 3) Gemeint ist ohne Zweifel das Buch: »Volkumner Begriff aller lobwürdigen Geschichten vnd Thaten, vorab Got- tes wunderwercken, so er an seim volck von anfang der Welt erzeigt, dem- nach aller Bäpsten, Keysern, Künigen, Landen, vnd Stetten, bisz auff das M. D. LI. jar, mit schönen figuren erleüttert, durch Bernhart Brandt. Jetz neüwlich auszgangen. Getruckt zü Basel, bey Jacob Kündig auff dem Neüwen platz«. In8. Die Widmung an Herzog Christoph von Württem- berg ist datirt »Zü Basel, den 30. Augusti, im jar Christi 1553«. Auf Bl. 3013 wird jener Ueberschwemmung des Birsig in Verbindung mit andern Was- sersnöthen zu Basel in kurzen Worten gedacht. — Ueber Bernhard Brand (1525—1594) vgl. oben 8. 187 Anm. 3. 4) Dieses »adi«, für welches ich Beitr. IX, 101 Anm. 3 eine unrichtige Erklärung gegeben, ist nichts an- deres als das italienische »addi«, das mit manchen anderen italienischen Ausdrücken in den deutschen Kaufmannsstyl übergegangen ist. 220 Beilagen. Aufzeichnungen der 8. 57 -— 90 sind fast durchweg von einer und derselben, keiner der ebengenannten Personen angehörenden Hand eingetragen. Nur der zweite Absatz auf S. 67 ist von der Hand des Diebold Ryff, der dritte ebendort von derjenigen der Anna Yelly (Uelin)!) geschrieben. Den letzten Absatz auf S. 89, der den: Tod des Diebold berichtet, hat der erwähnte Schreiber nachträglich beigefügt, und noch später hat er zwischen diesen und die Notiz über die Geburt der Tochter Margaretha die Nachricht ‘von deren Tode eingeschoben. | Die Entstehung des handschriftlichen Theils unseres Bandes lässt sich in der, wahrscheinlichsten Weise folgendermassen. erklä- ren. Die Anna UÜelin, welche sich im J. 1571. als Eigenthümerin des Buches nennt, ist wohl eine Schwester von Diebolds Gemahlin Margaretha gewesen, vielleicht dieselbe Person, die Andreas in der Jugendgeschichte (Beitr. IX, 118) seine »basz Anna zuom Moul- boum« nennt und die seine Verlobung mit der Wittwe des Andreas Im Hof einleiten half. Diese Anna‘ scheint im J. 1583 das Buch ihrem Schwager, dessen ‚Interesse für geschichtliche Darstellungen sie kannte, geschenkt zu haben. Diebold Ryff litt damals schon an. einer ‚schweren Krankheit, die ihn am 12. December 1531 befallen hatte?). In früheren Jahren hatte er aber eine Reihe von Aufzeichnungen niedergeschrieben, sowohl über. die wichtigsten Er- eignisse in, seiner Familie, als auch ‚über merkwürdige Begeben- heiten, die sich in Basel und der Umgegend zugetragen, Es sind meist Naturereignisse, die er aufgezeichnet hat, daneben vornehm- lich Durchzüge von Söldnerschaaren , die ihn, der früher selbst in fremden Kriegsdiensten gestanden, besonders interessierten. Diese Aufzeichnungen liess er im Anschluss an eine etwas abgekürzte Abschrift der Chronik seines Vetters Fridolin, in dessen elterlichem Hause er einen Theil seiner Jugend zugebracht hatte, auf die weissen Blätter, die jener Ausgabe des Sleidan, angebunden waren, abschrei- ben. Die Aufzeichnungen reichen bis ins J. 1574. Für spätere Nachtragungen wurde hinlänglicher Raum gelassen, indessen ist Diebold nicht dazu gekommen, viel solche vorzunehmen. Eine ein- zige Notiz aus dem J. 1584 hat er noch. eingezeichnet, eine andere aus dem J. 1585 hat die frühere Eigenthümerin Anna Üelin ein- gekritzelt. Nach Diebolds Tode hat der Schreiber, der das Uebrige abgeschrieben und der seinem Hause näher gestanden zu haben scheint, den Familiennachrichten die Nachricht von seinem Tode und später die vom Tode seiner Tochter Margaretha beigefügt. 1) Die Schreibart Yelly zeigt uns, dass wenn der Name anderwärts Velin (s. unten 8. 228) oder Völin (Beitr. IX, 43.) geschrieben wird, das V als Vocal gemeint und durch uns mit U wiederzugeben ist. 2) 8. un- ten 8. 229, 25 35 or 10 15 20 2 Di 30 35 Beilagen. 221 [7] Von eim kalten winter. Item die wochen s. Martini anno 1560 hub es ahn heftig 1560 zu windteren undt kalt zu werden, also dasz ihm nochvolgen- INN ‚den 1561. jar uff Sebastiani den 20. jenner der Rein zu Basell 1561 vor mittag gar zugefroren undt zwo stundt beschlossen bliben, tu dornoch umb mittag mit grossem krachen wider uffsebrochen uff vier klofter breidt undt uff die 8 tag also bliben; er hat auch vor undt nach uff die 14 tag grundysz getriben. Ein wunderzeichen ahm himmel. Anno 1560 den: 28. december uff der unschuldigen kıind- 1560 lin tag ist ahm morgen fünf stundt nach mitternacht ein glast" "°* ahm himmel gesehen worden, dasz man beynoch ihm ganzen tüdschen landt gemeindt, es sye ein bronst, desshalb auch ahn vilen orthen sturm geschlagen worden, ein ufflouff geben, undt hat diser schein mancherlei gestalten gewunnen. Ein erdbidem. Anno 1563 uff sontag den 7. november zu nacht ist zu 1563 Basell undt in derselben refier ein grosser erdtbidem beschechen. "N" Pestilenz zu Basell N) 1 Anno 1563 umb s. Gallen tag hat es in der statt Basell oet. ahn der pestilenz angefangen zu sterben, undt hat geweret bis uff Martini ano 1564, undt seindt in diser zeit jung undt alt 5A uff die 8000 menschen oder dorüber ahn der peste todt bliben, aber mehrtheils mit guter vernumft, grosser geduldt undt ge- lossenheit. Es hat auch diser sterbendt, ein rechte heimsuchung der grossen sünden, nit allein ganz Dütschlandt, sonder bynach den ganzen erdtboden ersucht. Gott geb inen undt uns allen ein selige ufferstendtnus. Amen. Eın kalter winter. Anno 1564 den andren tag noch s. Luccyen hat es ange- 14.Dec. fangen kalt zu werden undt die kelte nochmalen also zugenom- men mit vile der schnee undt gewerdt bis mitten merzen anno 65, dasz die räben beynach in ganzem tüdtschen landt erfro- 1565 ren, auch 'kein man so aldt, der solcher kelty gleich gedenken möcht. Es galt ein vuder wein ihm Elsasz, so zuvor ihm herbst 12 fl. kostet, 42 fl., ehe das die ostern kham. Mit dem korm gieng es Iydlicher, aber die weldt hat sich uff diszmal ab ver- gangnem |5s] sterbendt nit allein nit gebesserdt, sonder ist vil erger worden, ja gar verrucht. Es erfroren auch in obgemel- 1) Wir unterlassen es bei Ereignissen, deren auch Peter Ryff gedenkt, regelmässig auf die betreffende Stelle desselben zu verweisen, da er Leser auch ohne eine solche Verweisung leicht nachschlagen kann. 222 Beilagen. tem gefrüst der merher theil nusboum ahm Reinstrom bis in die wurzeln, dasz man sy nochmalen, als sy dürr worden, müessen abhowen mit grossem schaden. Von: einem heissen SUMMEr. 1565. ° Anno 1565 uff den 6. julii hat es angefangen gechlingen 5 so heisz zu werden, dasz lüth und vich ihm veld vor grosser hitz ihm veld gechlingen nidergefallen undt gestorben, auch domalen von keinem menschen gehördt worden, dasz grusamere hitz in disen landen zu gedenkhen sye, weredt uff die 6 wochen lang undt nochmalen wider küel, dasz 8 tag noch Michaelis der Blowen ob Basell!) ganz wyss beschnyet war. 25. Dec. Anno obgemelt uff den wienechttagoben hat es geblitzget undt getonderet, auch zu Beffort dermassen gehaglet, wo es ihm sommer gewesen, hätten die frücht grossen schaden empfangen, undt wardt auch in disen tagen der Rein undt andre wasser 15 vast grosz, also dasz man ohn grosse gefar weder reiten noch wandlen kondte. [ 0 Vi schne, darus grosse wasser gevolgt. 1566. Anno 1566 ist ihm früeling noch undt noch ihm oberlen- dischen Schwytzer gebirg undt landt dermassen vil schnee ge- % vallen, dessgleichen kein man gedacht, und als der abgangen mit grossen regen, die warm, die see undt alle wasser gross worden, die auch vil schaden ahn früchten undt gebüwen ge- thon haben. Grosz wasser zu Basell. 235 20. Inn. Ano 1566 ist der Rein zu Basell so gross: worden uff den 20. junii, dasz man daselbst umb den brunnen, so uff dem Vischmerkt ist, mit weidlingen gefaren, ahn: der kleinen statt über die rinckmuren ingelüffen, hat auch grossen schaden ge- thon, sonderlich ihm Saltzthurn, zu Breisach 2 joch undt zu 3 Strassburg zechen joch ahn den bruckhen hinweg gerissen. 11: Juli. Eben in erstgemeltem jar uff den 11. julii ist der Rein abermals so gross worden, also dasz er ein werkschuch höcher gewachsen weder in erstgesagtem junio und abermalen (wie gut zu erachten) grossen schaden gethon. 35 1567. [59] Item anno 1567 ist wein undt korn zimlich woll gerathen, aber von. wegen einer unleidenlichen hitz höw undt habern nit woll gerathen, also dasz ihn disem jar ein viernzel habern umb Martini umb 3 &, und dürer ist verkouft worden. 14. »hätten« fehlt Hs. 22. grossem Hs. 1) Der Blauen im Jura, ein’langer Bergrücken, 2 Stunden südlich von Basel. Beilagen. 223 Von einem steinenen Joch ahn der bruckhen. Anno 1567 hat man hie zu Basell ein steinen joch ahn ı5#7. der Reinbruckhen, welches die grossen wasser in vorgemeltem ‚Jar, wie auch andre wassergebüw, übel zerrissen, mit einer was- serstuben ingefasst undt wider gebuwen mit grossem kosten; als aber des wasserschöpfens zu vil werden wöllen, hat man die burger angesprochen zu frönen, welches sy denn auch ganz guttwillig der obrigkeit zu underthenigem gefallen gethon, undt handts die zünft zum Schlüssel und Beren: ahngefangen den ıw 4. tag noch wienechten. Dry stundt noch mitternacht zugen Sy 29. Dee. mit drummen undt pfeifen ahn dasz werk, zogen ahn den was- serredern under vier malen undt schichten by 12 stunden. Also auch hernoch alle zünft, und: liessendt etliche zünft diser handlung gleich einem fastnachtspil zu lieb nüwe fennlin machen, zugen also mit dem schöpfen uff die 3 wochen tag undt nacht mit den drummen uff den gassen. — Es war auch umb wienechten in gesagtem jar und; nacherwerdts den jenner undt halben hornug recht summerwarm wetter, sich darab zu verwunderen. Doruff in gmeltem jar in Franckreich und: Bra- 20 bandt ein schwerer krieg: undt vervolgung: der relligion halben ahngangen, dasz gantz jemerlich undt erschröcklich zu hören ist, in welchen vil lüth zu grundt gangen. Disen krieg ver- ursachen eins theils der bapst zu Rom, Philippus konig in Hispanien, Catharina, Heinricı königs in Franckreichs verlassne wittwen: mit sampt dem geschlecht von Gwyse, under welchen ein cardinal: was. Disem widersetzt sich ein herzog von Gonde mit sampt dem mehrertheil der ritterschaft in Franckreich. Wie sıch derselb enden wirt man erfären. Als diser krieg anno 1568 noch kein endt hatt, seindt in. kurzer zeit in Franckreich, 30. Brabandt, Frieszlandt etc. vil treffenlicher lüth, under welchen auch vil fürstlichen undt greffischen stammens gewesen, zu grundt gangen, welcher handlung auch ein mithelfer was neben vor. ahngezognen personen ein herzog von Alben, des konigs zu Hispanien kriegsregent einer. oa i a 2 Du 35 [60] Von.etlichen. Frantzosen, so zu, Basell hinweg furen. Anno 1568 seindt etliche Frantzosen, mans personen, vast 1568. legioner, fürnemme lüth, edel und unedel, uff die 1200 stark, by Basell ahnkhommen, sich in dem landt uff ein monat lang also enthalten ohn sonderlichen schaden. Als sy aber letzstlich ao ir fürnemmen nit mögen vollenden, als zu dem herzog von Borbon oder Conde uff‘ dem landt zu khommen, haben sy iren weg von Basell gohn Strassburg zu wasser undt schiff voln- bracht undt also ungevor noch Galli anno 68 zu Strassburg in gutem friden ahnkommen und uffgenommen worden, aber dem- 4 nach undt sy von Strassburg verruckt, seindt sy von dem. her- 1569. # 224 Beilagen. ie ren von Driomalen !) , eım Frantzosen , mit hilf des landtvolks ihm Brüschthal mehrtheils all erschlagen worden ?). Anno 1569 uff den früeling, nochdem der 'prinz von Conde gefangen und ertödt3) , sindt die knecht, so herzog Wolfgang pfalzgrave ihme Conde zu hilf in Franckreich gefüert®), undt nochdem er der pfalzgrave auch gestorben, von des königs bru- der mit sampt iren beiden obersten, Geroltzeck undt Granwy- lern, in einer veldtschlacht5) mehrentheils all umbkhommen. Gott gnadt inen undt uns allen. Amen. Erdbidem zu Basell. 6. Aug.’ Anno 1569 den 6. tag augusti morgens zwischen 5 und 6 3.Julr Septbr. 1567 Juli. 1570 Novhr. uhren ist ein grosser erdbidem gewesen, der mit seinem hef- tigen erschütten veilen gebüwen schaden zugefüegt hat. [61] Von einem nassen Jar. Anno 1570 ist der summer so gar durchusz nass gewesen, also das wein undt korn schaden gelitten, der wein so saur, das nochmalen seltzame pestelenzische krankheiten geben, ‘dar- von vil sonderlich menner gestorben seindt. W assergrösze. Anno 1570 den 3. julii ward der Birsich zu Basell unver- sehens morgens umb 8 uhren so gross, also das darüber ge- stürmbt wardt, thett doch nit sonderlichen grossen schaden, allein das er etliche anligende gärten ahn der Steinen zerreisz. Eidtgnossen. khommen uss Franckreich®). Anno 1570 umb Michaelis khamen die eydtgnossen, so vil deren überbliben waren undt beurloubt,' wider heim von Franck- reich, zogen durch Basell, ellendt, zerrissen, arm, blosz, krank, ja beynoch von hunger ussgedorret, lagen zu Basell der spit- tal, ellendt herberg undt almusenhusz voll, starben auch iren veil daselbst, etlich nochmalen underwegen, ehe sye gar heim- : khommen, seindt eben die gewesen, welche anno 1567 umb Margredtae uss den lendern hinein gezogen waren. | Von frömbden vögeln, so zu Basell. gefangen. Anno 1570 umb Martini vor undt noch fieng man zu Ba- sell undt in derselbigen gegne umbher seltzame frömbde vögel, welche man sagt, das sy uss dem Böhemer waldt khommen, verschwanden nochgendigen sommer. Man sagt aber, das sölche 1) Dem Herzog von Aumale, Bruder des’ 1563; ermordeten Herzogs Franz von. Guise. 2) Am 12. Nov. 1568.. Strobel: Gesch. des Elsasses 4. 156; 3) In der Schlacht bei Jarnac, 12. März 1569. 4) Vgl. oben S. 172. 5) Bei Montcontour, 3. Oct. 1569. 6) Vgl. oben $. 174. 5 10 Beilagen. 335 ‚vögel nüwe zeitung bedütteten, wie dann baldt doruff solches “sich erzeigt hat. [>23 3 oo Von einer theurung zu Basell. Anno 1570 ihm december, weil die frücht vorgemeltz sum- mers 'durch vilfaltige nesse schaden gelitten, vienge ahn das korn zu Basell und in umbligenden lendern heftig thür zu wer- den, also dasz umb wienecht 1 viernzel korn 5 &, galt, so kurz darvor nur 2 @f. golten. Es steig auch von tag zu tag dasz korn uff von einem merkt zum andren, wardt heftig uff- gekouft [62] von den Oberlendern, die man die hodler heiszt, also dasz umb pfingsten vor undt noch im 72. jar ein viernzel kernen uff dem merkt zu Basell umb S!/, &, geltz verkouft warde. Es ist auch umb dieselb zeit ein viernzel kernen in der statt einem burger zu koufen geben worden umb 10 ©. 58., welches vorhin ein unerhörts zu Basell. Es wardt auch dise theurung dester grösser, weil der fürkouf so gross undt streng war. Do hatt man wenig barmherzigkeit mit dem armen, son- der die reichen kouften die frücht hin und wider uff, gaben sy vor undt ehe nit veil, sy gewunnen dann doplet daruff, undt ob schon in volgenden jaren die frücht zimmlich gerieten, nicht dester weniger beschach durch dise veruntrüwung etlicher fürnemmen (die es sonst wehren sollten), das die thürung sich noch allzeit erhielt bis uff Laurentzii anno 74, und war noch kein endt zu hoffen. [63] Erdbidem. 1570 Dechr. Anno 1571 den 19. februarii ist zu Basell undt umbligen- 1571 den orthen ein starker erdbidem gewesen, aber gleichwoll ohn schaden abgangen. Von eım kalten winter. | Anno 1572 im december vieng ahn die kelte so heftig über- 19.Febr. 1572 handt zu nemmen, also das uff den 30. tag gmeltz monats dises ner, jars der Rein überfroren undt von dem strengen grundys sich gestellt oberhalb der bruckhen bis über die Pfaltz über und über etlich stundt lang morgens bis umb 10 uhren brach es wider uff mit grossem krachen, das es ein furt macht 2 joch breit gegen der grossen statt Basell, das übrig blib vest be- schlossen etlich tag lang, also dasz iren etlich volgender tagen daruff zu eusserst ein obenzech gethon. Iedoch will sy mit der nasen mehr dann mit den muckhen zu thun gehabt, haben sy die ürthen baldt uffgehebt undt sich ahn die werme gethon. Wie erzherzog Ferdinandus in das Elsas durch Basell gezogen. Anno 1573 uff mittwochen vor pfingsten, den 6. mail, ist, erzherzog Ferdinandt, als er sein landtschaften ahm Rein und" Basler Chroniken. I. 15 a 1573. 226 Beilagen. Elsesz besichtigen wöllen, zu Basell ingekert, von der burger- schaft ehrlichen empfangen, als er ire grenzen ahngetretten, auch mit abschiessen des geschützes uff den thürnen hin und wider. Daselbst ist er übernacht bliben, volgenden donstag früe uffgebrochen undt uff Ensheim sich gewendt, do abermalen von den burgern, so darzu bestellt, bis uff gesagter statt landt- marchen beleitet, nochmalen under der Hardt von seinen landt- sassen, so in gewehr waren, empfangen. Als er zu Spalenthor uszgeritten, hat man uff dem bolwerk neben s. Petters: blatz gelegen mit dem nüwen veldgeschütz, so ano 70 nüw gegos- sen, dem fürsten zu ehren heftig geschossen. [64] Von einer weintheure. Anno 1573 ist ein vast nasser sommer gewesen, also das der, wein nit mögen zeitigen, derhalb über die massen sur, zu dem das desselben wenig worden, ‚darumb der alt wein der- massen ie lenger ie mehr zu Basell, im Elses, Breiszgow, jo hin und wider ahn allen orthen ahn preis undt werdt heftig uflgestigen. Es ist von Jacobi anno 73 bis anno 74 ein soum wein bis uff 9 fl., item 10 fl. und 11 fl. undt dorüber khom- men, ja der alte die mas galdt gmeynlich 14 rappen, der nüw ein masz 8 rappen, sur, unzeitig drank gegen andrem gewechs zu halten. Es triben auch in dem val. die geizhelsz, wie sy mit dem korn gethan, vil fürkoufs, seltzam mancherley pratikh, undt die wein hatten, so vor 1/, jar nit gern 1 soum 3fl. gol- ten hette, die liessen es den armen nit werden, sy hetten dann noch drye mal so vil darfür. Wie aber solche weintheurung gleich wie auch mit dem korn sich geendet, wirdt man her- noch hören. Dann sye noch anno 74 umb Laurentzii heftig gewesen, zudem das mangel ahn altem wein worden undt, als man meynte, der alt wein bynach uss dem Elses ins Nider- landt gefüert, also dasz mehr wein undt umb ringer geldt zu Cöllen umb Jacobi anno 74 zu bekommen geweszen dan ihm Elses. Iedoch triben die armen auch grossen muttwillen, dann inen kein gutter wein (unahngesechen die thüre des brodts) zu thür was, sonder der gröste theil inen, wie man meynt, zu theil wardt. Es seindt auch in gmeltem sommer uff dem Waldt!) so zeitlich schnee gefallen, also dasz die buren daselbst den ha- bern ahn vilen orthen nit inbringen mögen, sonder denselben ihm schnee verderben haben müessen lassen. [65] Von einem warmen windter. Anno 1573 ist ein solcher warmer windter gewesen, also das es nie recht kalt, sonder mehrtheils warme lüfft, bis usshin 1) Auf dem Schwarzwald. Noch jetzt wird Wald, Wälder u. s. w. für Schwarzwald, Schwarzwälder u. s. w. gebraucht. 15 10 1 2 b oO 25 30 3 CD Beilagen. 337 umb der herren fastnacht anno 74 vyel ein keldte in, das der_ 1574 Rein grundysz getriben undt die reben undt frücht ahn etlichen" orthen schaden gelitten haben, im hornung. Eydtgnossen ziechen dem könig zu Hispanien zu ins Niderlandt‘). Anno 1574 khamendt gohn Basell uff sontag krützwochen den 16. maii 15 vendlin eydtgnossen uss den 4 orthen Uri, 16. Mai. Schweitz, Underwalden undt der landtschaft Zug, nit von der statt, in willens dem künig Philyppo zu Hispanien zuziechen, der noch zur zeit heftig kriegete ihm Niderlandt mit dem prin- cen von Uranien undt den Gösen, deren oberster war einer von Uhri, genant ritter Roll, lagen zu Basell bis uff zinstag den 18. disz monats, waren mehrtheils ellende, dürftige lüth, ıs. Mai. so die armutt weggetriben, hatten kein geldt, wussten auch nit, wann sy bekhummen wurden, begerdten von der oberkeit zu Basell geldt zu entlehnen, wardt inen abgeschlagen. Von dannen zogen sy uff Doll in Burgundien?), es wurden auch vil uss inen wendig, vil lüffen wider zuruck, ehe sy zu Basell hinweg zogen, dessgleichen auch nochmalen, undt sonderlich veil junge, so do ussgemustert wurden. Wie aber diser zug sich geendet undt was sy ussgericht, wirdt man mit der zeit hören werden. Es gieng auch die redt, es gescheche sölcher zug wider aller eydtgnossen, auch der catholischen, willen, dann ir obrister obgemeldt mit dem hufen uffgebrochen, weil gmein eydtgnossen sich zu Baden ob der sach beratschlaget; welches dester gloüblicher, weil die Lucerner undt andre den pasz durch ire landtschaft, wie auch [ss] andre orth, sonderlich aber die Berner, Züricher undt Schaffhuser nit zulassen wöl- len, wie aber zu Basell beschechen. [67] Erdbidem. Anno 1574 uff frytag den 30. julii zu nacht zwüschen 9 30. Jui. undt zechen uhren ist ein schrecklicher erdbidem zu Basell undt umbligenden landtschaft gewesen, die gebüw heftig erschuttert, doch ohne. nochteil baldt wider nachgelassen. Anno 1584 uff denn heiligen jors dag donnerett es und 1584 bllickett zu Basel. Gott geb gnodt. . Jan. Ano 1585 adi 24. januerarius wasz der Ryn so klein, das 1585 man zuo Baszell damitten yn dem Ryn ein guott abenttmoll asz. Gott der her well, das es vyll guotz bettidt. 3. »orthen« fehlt Hs. 34. Dieser Absatz von der Hand des Diebold Ryft. Anna Hs. 36. Dieser Absatz von der Hand der Anna Uelin. 1) Vgl. oben 8. 175,12 ff. 2) Döle am Doubs, in der Freigrafschaft Burgund, im Juradepartement far 2328 Beilagen. [87] Dieboldt Reif‘). 1547 Anno 1547 uff möntag, vor Simonis und Judae.der zweyer 7 06% apostlen tag wardt mir mein husfrow Margretha Uelin vermech- let, welche vermechlung wir nachmalen uff mentag noch Simo- 31. Oct. nis und Jude mit offentlichem kilchgang bestettiget haben. ‚Gott geb sein göttlichen segen. Amen. 1548 Anno 1548 uff s. Jocobs tag den: 24. tag) juli waudt; mir ”Jui- mein erste tochter. Apolonia, erboren, ihm zeichen.der vischen; funff stundt nach mittag. Gott geb sein gnodt:'»Und:waren ge+ vatern herr Bonaventura von Brunn), Maria Distlerin Hansen [1 rs 0: Werlins des schumachers frow, undt Christiane N., FrantzıJ eckel- mans des scherers 3) husfrow. 1550 [ss] Anno 1550 nn 13. februarii uff. Valentini obendt Eee 13. Febr. mir mein ander kindt, Andreas, erboren, : zwüschen siben»undt acht uhren vor mittag im ‚zeichen .des wassermanis., » Gott: wöll sein gottlichen segen über. in 'undt uns alle senden.: Amen! Warendt gevatteren Michel. Strölin , Melcher Watterohn: undt Königundta. Kegel Lienhardt Gebhardts eheliche huszfrow. 1551 Anno 1551 uff s. Thommens tag den 21., december: zwü- 21.Dec. schen 5 undt sechsen noch mittag. im. zeichen .deri‚wag-wardt mir mein dritt kindt Salome erboren. Gott woll sein'|gottlichen! segen geben. Amen. Waren geyvatern herr. Jeronimus' Dürr,, Balthasar Langboums des kornschreibers :husfrow.] Magdalena N., undt Ursell hebamm. 1558 Anno 1553 uff mitwuchen s. ‚Franeisci den 4. tag oetober: 4.0et. 9 stundt noch mittag. ihm zeichen der jungfrowen wardt mir: mein viert kindt Hieronimus erboren, und: waren gevatern) Jerg Fürvelder, Hieronimus von Kilch a herr: "T'hommen »Silber-: bergs frow die Rusingerin, undt ist gemelter Jeronimus uss 1564 disem jamerthal im herren verscheiden ano 15644). Gott der °%) herr pflege der selen.. Amen. 1556 [89] Anno 1556, uff frytag den letzsten juli, nun stundt: Be Se 31.Juli. mittag, im zwiling, wardt: mir, mein. fünft,kindt Dieboldter- (. boren, waren gevattern herr Jacob Iselin,, Joder Merian undt Elss-: beth Brücklerin , undt ist gesagter Dieboldt wider verscheiden 20.561, USS..diser ‚zeit anno 1564, den .20. september‘). 1558 "Anno 1558 uff sontag invocavit ein. stundt noch mitter- *.Febrnacht, dasz ist 11 stundt vor mittag, ihm zeichen des krebs ist mir meins sechste kindt Margredt erboren, :/waren gevattern 6. Zwischen den einzelnen Absätzen ist jedesmäl ziemlich viel freier Raum gelassen , um allfällige weitere Notizen über die betreffende Person nachtragen zu können. 1) Die folgenden Notizen hat Andreas Ryff für seine Jugendgeschichte (Beitr. IX. 43 ff.) benutzt. 2) Der bekannte sea: (er gelangte 1570 zu dieser Würde), gest. 1591. S. über ihn Leu. 3) Franz Jeckel- zen war der Schwiegervater des Felix Platter. ' 4) An der'Pest.. Beitr. 46. 56. | [er 5 > o = Beilagen. 229 Hans Ulrich Öuglin, Dorothe Harnister Melcher Hutmachers frow, undt Margredt Spindlerin Jocob Finingers des metzgers frow. Gott geb seinen segen. Amen. Dinstags den 26. julii anno 1586 ist obgemelte Margredt 5 Ryffin zu nacht umb 12 uhren uss diser zeit abgescheiden. Gott verleiche iren ein fröliche ufferstendtnus. Amen. [90) Anno 1567 den 12. november ist die erengeachte frow Appolonia Schwartzin, wylandt des ersamen meister Mathysz Ulins seligen, des wirts zum Schnabel allhie zu Basell hinder- ı0 gelassne wytfrow !), in hochem alter seliglichen uss diser weldt verscheiden. Gott gebe iren ein fröliche ufferstendtnus. Amen. Anno 1563 uff montag zu nacht den 25. october ist mir mein tochter Dorothea, Hans Heinrich Scheldtners eheliches gemachel?) , uss disem jammerthal verscheiden. Gott verleiche 15 iren ein: fröliche ufferstendtnus. Amen. 1586 26. Juli. 1567 12. Nov. 1563 25. Oct. [ss] Anno 1586 frytags den 18. tag martii ist der ersam herr 1556 Theobaldt Ryff, burger zu Basell, seliglichen uss diser zeit ab-'%- Mir. gescheiden, als er vom 12. tag decembris anno 15813) ahn bisz uff dato obgemelt seines endts (welches zu nacht zwüschen 20 neun undt zechen uhren beschechen) schwere krankheiten mit grosser undt christlicher gedult aussgestanden, seines alters [70 jahr]. Der allmechtig Gott verleich ime undt uns allen ein fröliche ufferstendtnus am jüngsten tag. Amen. 4. Dieser Absatz später von derselben Hand nachgetragen. 16. Diesen Absatz, der, vom Schreiber später eingetragen, auf S. 89 der Hs. steht, haben wir des bessern Zusammen- hangs wegen hieher an den Schluss der Aufzeichnungen gestellt. 22. Für die Angabe des Alters istin der Hs. eine Lücke gelassen. Wir haben diese ergänzt nach dem Wort- laute der Grabschrift bei Tonjola 186. Vgl. die Angabe des Woppenbuoches oben S. 218 Anm. 1. Beitr. IX, 41 heisst es, Diebold habe sich im 30. Jahr verheirathet und 39 Jahre in der Ehe gelebt. 1) Die Schwiegermutter des Diebold Ryff. Beitr. IX, 43. 2) Das Jüngste von Diebold’s vier Stiefkindern. Beitr. IX, 45. Als Todesjahr wird dort 1564 genannt. 3) Beitr. IX, 41 sagt Andr. Ryff von seinem Vater, er sei im J. 1586 »an einer 3!/gjehrigen serbenden kranckheit« ge- storben. Wenn das im Texte angegebene Datum richtig ist, so hätte Die- bold beinahe 4! Jahre an seiner Krankheit gelitten. 1581 12. Dec. Ä en apa "oe ur re warb “#5 a) el . 1 MER ‚Bdavon R goat a Wr ha we’ ah: Shah! ehe ir N 10 sad ablarar WriiisEl ansEl 0 0 b) 0 Capitulum 3. 253 que et varia narrationum genera delectatur lectoris animus ci- clus, quam si sermo maneret semper simplex et non esset in multa diffusivus. Sancta Margareta dignanter respondet: Situnon fueris piger ad audiendum, ego pigriciam non ostendam ad lo- quendum. Obtulit se casus, quod dominus Jacobus Zybol!) supremus magister zunfftarum civitatis Basıiliensis, domus mee ibidem iniciator, de quo latius inferius disserendum erit, vice quadam una cum collegis suis in ambasiata certa ad Nüren- bergam mittebatur per civitatem Basiliensem, quia vir erat mul- tum ydoneus. Cum autem ipse cum sociis reverenter fuisset per Nürenbergenses receptus et honorifice [s] tractatus et ad diversa loca causa solacii deductus, pervenit etiam cum sociis ad Cartusienses Nürenberge?). Ubi consules Nürenbergenses rogabant priorem, ut causa reverencie hospitum suorum, scili- cet consulum Basiliensium, dignaretur convocare conventum ad colloguium, quod desiderabat valde dietus dominus Jacobus Zybel, quatenus sic Cartusiensium posset gaudere colloquio et eorum mores videre. Prout et factum est. In hoc colloquio sie fuit idem dominus Jacobus Zybel edificatus, presertim in fratrum conventualium loquendi maturitate, in morum eorum gravitate et in visus custodia, quod incepit cogitare intra se tacitus, si ipse, cum foret satis abundans, esset tam felix, ut unam domum ordinis Cartusiensis posset edificare, hoc esset summum eius desiderium. Hinc elicere potes, quod sicut exem- plum pravum est valde nocivum, ita exemplum bonum est mul- tum edificatorium. Unde principes haut dubium facti sunt om- nium bonorum, que inde sunt secuta, illi patres Nürenbergen- ses, qui sua exemplaritate ita fundatorem domus mee edifica- runt, ut spiritum talem ad Cartusiensem ordinem conciperet et tempore suo eundem spiritum pareret atque in lucem produce- ret. Sicut enim damnum prestitisse videtur, qui damni occa- sionem dedit, sie quoque bonorum est particeps, qui bonorum extitit promotor. Regressus itaque memoratus dominus Jacobus Zybel ad Basileam mansit estuans die noctuque apud se super huiusmodi concepto suo desiderio, quomodo ipsum posset ad effectum perducere et fine optato ex hoc gaudere. 25. »potes« fehlt in der Hs. 1) Genaueres unten Cap. 7. 2) Im J. 1380 durch den Nürnberger Patrizier Marquard Mendel gestiftet. Chroniken der deutschen Städte I, 92 Anm. 6. Vgl. ebendort 8. 355 Anm. 1. 1401 22. Febr. 254 Capitulum 4. [9] De revocatione venerabilis patris Wynandi ab Argentina ad Basileam per dominum Jacobum Zybel facta pro habendo secum constho super iniciando domum ordinis Cartusiensis, st locus respectus placeret. Capitulum 4. Intellexi ego’ servus tuus, domina mea sancta Margareta, o quam gratanter, que tu premisisti dignanter. Igitur oro, domina, die ultra de preambulis sive occasionibus inchoationis domus tue, que novisti. Sancta Margareta animo volenti respondit: Scias ad fundationem propius accedendo, quod predictus dominus Jacobus Zybel in Basilea a quibusdam casualiter fortassis de hoc narrantibus percepit, quomodo supradictus dominus mar- chio Rötelensis habuisset consilium de construenda domo ordi- nis Cartusiensis, sed impedimento interveniente mansit hoc sine effectu, cuius causa impedimenti a pluribus tamen ignorabatur. Cogitabat ergo anxie dietus dominus Jacobus, si forte divinitus sibi hoc reservatum esset opus, sicut re vera erat, quare non parum inde suo in corde jocundabatur. Unde ipso multum apud se sollicito de loco accidit, non utique a casu, sed haut dubium divina ordinatione et promotione mea, ut solemnis lo- cus in Basilea minori, qui curia episcopi Basiliensis vocabatur et erat de dominio ducis Austrie, vacaret!) et per venditionem et alienationem domus Austrie emptionemque et attractionem civitatis Basilee ‚per translationem dominii jam in proximis esset subiciendus et in diversos cives Basilienses per contractus va- rios pro ortis olerum [10] distrahendus. Quo per prelibatum dominum Jacobum comperto, ipse huiusmodi venditionem curie caute impedivit et dilationem ad suum nutum disposuit. Scripsit- que interim idem dominus Jacobus secrete patri memorato do- mino Wynando Cartusiensium prope Argentinam priori anno domini 1401 circa festum cathedre Petri, quem ipse prius in 'tractatibus de huiusmodi facto cum domino marchione supra- dicto cognoverat fuisse, quatenus idem pater Argentine digna- retur venire ad se in causa illa, propter quam prius cum do- mino marchione fuerat locutus. Pater Wynandus prefatus in 3. »vordinise fehlt Hs. I) »Steigen wir den kleinen Abhang am Ende der Rheingasse hinan, wo Utos Gasse sich ausmündet, und betreten wir die Gegend zwischen St. Theodors Kirche und dem Rheine in der Nähe von Lessers Thor, so be- finden wir uns an dem Orte, welchen man ehemals »die Gebreite« nannte. Dort stand bis zu Ende des XIV. Jahrhunderts der Hof des Bischofs, des Oberherrn von Kleinbasel, welchen derselbe zeitweise zu bewohnen pflegte. Als Kleinbasel an den Herzog von Oestreich verpfändet ward, gieng auch dieser Hof an denselben über und kam endlich mit Garten und Reben 1392 an den Rath«. Fechter 139. 10 15 20 25 30 39 Capitulum 4. 5. 355 domino confortatus iter arripuit, gerens spem magnam de pros- pera via sua. Audierat enim rumorem de dieti domini Jacobi 10 15 20 35 3 3 4 0 5 = bona ad ordinem Cartusiensium inclinatione et de ipsius simi- liter diviciis, sed de loco pro future domus fundatione nondum sufficientem informationem habuerat. Itaque cum pariter in Basilea convenissent prefati pater Wynandus et dominus Jaco- bus Zybel et locum vidissent, utpote tunc curiam episcopi Ba- siliensis in Basılea minori, inter se quoque diligenter tractas- sent de loci aptitudine et bona situatione, in quibus maximam habebant complacenciam et prior et dominus Jacobus predicti, et ideo cum pater tangeret de modo acquirendi curiam ipsam, dominus Jacobus dixit: »Ego confido, quod in hoc nulla sit diffieultas; quando enim consulatus Basiliensis audierit, quod ego precium curie volo exponere, res est plana«. Quare et ambo multum sunt gavisi de bona spe, quam conceperant super con- sequendo, quod querebant. [11] De emptione loci pro erectione domus Cartusiensium in Basılea minori facta per dominum Jacobum Zybel ad patris Wynandı consilium et instanciam. Capitulum 5. Servulus interrogat, domina respondet. Supra modum servum tuum delectat, gloriosa domina mea sancta Margareta, hoc factum jocundum, quod audivi. Multum nanque me letificat honoris tui magnificencia et tibi devotorum diligencia. Honor etenim tuus est honor sponsi tui et bene- dicte matris sue. Aperi ergo rursum, virgo preclara, que .nunc consequenter sunt restancia. Sancta Margareta dixit: Tanto libencius tibi nunc respondeo, quanto desiderabilius ea, que tractanda sunt, corde gero. Audisti superius de concordi complacencia, quam habe- bant in loco acceptando et pater Wynandus et dominus Jaco- bus. Unde hoc fuit, putas? Noveris hoc fuisse ex mei celestis sponsi gracia et de mea providencia, sciasque quod nichil in hiis actum est, nisi quod placuit sponso meo et michi ancille sue. Insipienter igitur egerunt, qui se opposuerunt. Sed bene- dietus deus, quod emuli mei suis machinationibus nichil pro- fecerunt nec dei voluntatem immutare neque meam ordina- tionem impedire potuerunt. Electione itaque loci, ut tactum est, premissa, dominus Jacobus Zybel loquebatur consulatui Basiliensi de sua intentione manifestius, desiderando curiam predictam sibi et nulli alteri vendi, offerens pro precio eiusdem sexcentos florenos auri Renensis. Quibus auditis consules [ı2] Basilienses pene omnes de domini Jacobi Zybel intentione mi- rabantur, scire volentes, quid ipse tamen pretenderet se factu- 4 rum cum huiusmodi curia. Qui finaliter respondit, se curiam 1401 21. Sept 1401 12. Dec. 356 Capitulum 5. 6. hanc ad illum statum domino largiente velle deducere, quod civitas Basiliensis perpetuo inde deberet gaudere. Et apertius loquens subjecit dicens: »Hec est mea intentio, quod volo, deo propicio, construere ibidem domum ordinis Cartusiensis. His auditis Basilienses consules omnes gavisi valde, benedicentes deum, qui talem eis mittere dignaretur ordinem, libenter desi- derio dieti domini Jacobi annuerunt. Et ultra hoc optantes singuli eidem prospera cum bona intentione sua, illo salvo ad- dentes, quod ipse dominus Jacobus et Cartusienses non alie- narent neque in usum alium quam in divini cultus augmen- tum venire facerent aut permitterent ipsam curiam, sic ut pre- mittitur, venditam, nisı de civitatis Basiliensis bona voluntate atque consensu. Quod etiam tam dominus Jacobus quam pater Wynandus prefati promiserunt. Hiis peractis leti ultra modum pater Wynandus et dominus Jacobus effecti loquebantur simul de hiis, que restabant pro executione invente gracie quantocius facienda. De donatione locı et assignatione eiusdem facta ordini Cartusiensi per dominum Jacobum Zybel ad manus patris Wynandi cum als condependentibus. Capitulum 6. Servulo querente, domina sancta Margareta respondente. Dixisti prius, sancta domina mea Margareta, de loci pro tua domo erigenda per dominum Jacobum Zybel acquisitione, sed nondum audivi de eiusdem loci in [13] tui potestatem trans- latione. Huius enim boni novi expecto a sanctitate tua rela- tionem. Sancta Margareta respondet dicens: Quia tu de meo gaudes honore, et ego de tua gaudeo consolatione; audi ergo, que dico. Anno domini 1401 in die sancti Mathei apo- 'stoli et evangeliste locus ille in Basilea minori, qui olim dice- batur curia episcopi Basiliensis, per civitatem Basiliensem empta et post domino Jacobo Zybel vendita in ipsiusque potestatem redacta, commissa fuit una cum clavibus patri Wynando priori Cartusiensium de Argentina. Sed feria secunda post Nicolai episcopi eodem anno quo supra, scilicet 1401, fuit curia ipsa domino Jacobo et Cartusiensibus per ceivitatem Basiliensem re- signata cum litteris et sigillis sub cautela hac ex parte civita- tis de non alienando coram notario et testibus ac cum ceteris solemnitatibus in talibus fieri consuetis!). Anno vero domini 19. »manus« fehltin der Hs. Dies oder ein ähnliches Wort wird vom Sinn erfordert. 1) Die Urkunde, in welcher Günther Marschalk Bürgermeister und der Rath der Stadt Basel mit Zustimmung Herrn Rudolfs von Brünikoven Probsts und des Convents von St. Alban zu Basel, denen »die eygenschaft De 5 20 25 35 40 5 10 . Capitulum 6. 257 1402 circa inicium mensis marcii fuerunt auctoritate reverendi patris domini Stephani prioris Cartusie maioris!) et ad sepe- dieti patris Wynandi instantiam duo monachi et unus' conver- sus de domo Argentine missi ad huiusmodi novam plantationem in Basilea minori.- Sed et non diu post recepti fuerunt ibidem aliqui novici. Quibus per ‘dominum Jacobum providebatur, sed, ut compertum fuit, satis sobrie, de necessarlis usque ad provisionem uberiorem. Eodem anno circa vigiliam sancti Bar- „1 tholomei apostoli, quia placuit patri reverendo Cartusie. priori, domino Stephano, loci emptio pro 'ordinis domo facta, ipse eam gratam habuit et [14] hanc novam in Basilea minori planta- tionem, ‘sic ut premittitur conceptam, venerabilibus patribus, domino ‘Hermanno Coloniensi et sepedicto Wynando Argen- tine domorum prioribus. diligenter ‘commendavit?). Ipse vero 9. »reverendo« auf einer Rasur in der Hs. dirre nachgeschribenen gütern, als si meynent, zugehöret«, »dem bescheiden Jacob Züböllen« ihrem Zunftmeister und Bürger »in namen und an stat der erberen geystelichen brüdern Carthüser ordens und allen iren nach- komen desselben ordens« ihren Hof und Gesässe in Klein Basel, »so man darhar genennet hat des byschoffes hofe, mit den bonngarten, rebgarten, ‘© hüseren, schüren und allen iren büwen, hofstetten, türen, ingengen, be- griffen, rechten und zugehörden , wie ‚das alles genant und in koufes wise an uns komen ist« um die Summe von 600 Fl. rhein. verkaufen, d. d. mentages nach sant Niclaus tag (12. Dec.) 1401,.befindetssich im Karthäuser Archiv als Nr. 57. Ausser der oben im Texte angegebenen Bedingung, dass die Karthäuser die Liegenschaft ohne Wissen und Willen von Bürgermeister und Rath nicht wieder verkaufen dürfen, enthält sie auch die, »daz si kein _ thor, thür noch gange wider den Rine noch wider daz velde — usz haben söllent — noch deheinen buwe uff noch durch die ringmuren daselbes tun noch machen ane unseren und des rates, der ie ze zitten ist, urlob und willen, denn die frye laszen durch behütung unser minren stat Basel«. 1) Die sämmtlichen Karthäuser Klöster stehn unter der obersten Leitung des Priors der grossen Karthaus bei Grenoble und des Generalcapitels, das sich aus den Abgeordneten der einzelnen Klöster alljährlich dort zusam- “ menfindet. Das Schisma von 1378 hatte auch den Karthäuser Orden ergrif- fen. Während ‚die Anhänger Clemens VII. und seiner Nachfolger ihre Generalcapitel in der grossen Karthaus abhielten und den Prior derselben als ihren General anerkannten, wählten sich die Anhänger Urbans VI. und seiner Nachfolger ihren eigenen General, der nun auch Prior der grossen - Karthaus hiess, und hielten an verschiedenen Orten ihre Generalcapitel, - bis sie sich im .J. 1391 verständigten, Seitz in Steiermark als ihr Mutter- kloster anzuerkennen. Im J. 1398 wurde der im Texte erwähnte Stephan Macon zum Prior desselben und somit zum General ernannt. Als im J. 1410 auf dem Concil zu Pisa Gregor XII. und Benedict XIII. abgesetzt wurden, erkannten die sämmtlichen Karthäuser den vom Concil' gewählten Alexander V. an. Die beiden Generale legten ihre Stellen nieder und es . wurde als neuer General Johann von Greiffenberg, bisher Prior zu Paris, gewählt. Die grosse Karthaus trat wieder in ihre Stellung als Mutterkloster für den ganzen Orden ein. Im J. 1508 erliess Julius II. eine Bulle, worin er die Stellung des Priors der grossen Karthaus und des Generalcapitels als der Oberbehörden des Ordens bestätigte und definitiv festsetzte. He- _ 1yot' V11,390. (391 der 2. Ausg.) 400. 2) Vgl. die in den Beilagen ab- gedruckte Urkunde Karth.’Arch. 60. Basler Chroniken. I. 17 1402 März. 1402 3. Aug. 358 Capitulum 6. 7. dominus Jacobus tempore, quo immediate supra, coram no- tario et testibus et amicis, amplius ostendere volens bonum ani- mum suum, quem ad domus haberet fundationem, mox pro eiusdem dotacione cum bona filiorum et heredum suorum vo- luntate 'et consensu eorundem assignavit libere una cum plu- 5 ribus alıis beneficiis inferius denotandis triginta vernzellas spelte de bonis suis, specialiter que tunc ın villa Oetliken i) habebat, annis singulis patribus Cartusiensibus futuris perpetuo exol- vendas. Ecce jam habes novam ordinis Cartusiensis plantatio- nem, habes et domus mee novelle in Basılea minorı fundato- 10 rem. Et veraces inventi sunt, qui de huius domus erectione predixerunt. Possumus ergo deinceps bene ‚loqui de domus mee fundatore, ubi per prius solebamus dicere de quodam Jacobo Basıliensi cive. Verum consideravi, quod audisti gratanter de domus mee futura magnificencia; audias necesse est et pacien- 15 ter ipsius adversa. Non enim crescunt rose sine spinis, nec veniunt desiderabilia absque pressuris. Sis ergo in omnibus equanımis, et securus transıbis. De qualitate et conditiomibus fundatoris domus Cartusiensis in Basılea minori, ex relacione eorum, ‚qui personam eius dudum 2% noverant. j Capritulum 1. Servulus sancte Margarete more solıto querit, domina respondet. 115) Circa domus tue fundationem quedam dubia occurrunt, domina mea sancta. Margareta, quorum elucidationem libenter 25 audirem, si non vellet sanctitas tua ea michi imputare ad cu- riositatem. Nonnunguam enim per alios deputatur curiositati, quod magis esset ascrıbendum utilitati. Sed quia de tua pre- sumo. discretione, non vereor de mea quasi non necessaria questione. 30 Sancta Margareta ait: Nolo habere inter simpliciter curiosa, unde edificatio sequitur aliqua. Si decet accepti bene- ficil esse memorem, decet et fundatoris domus mee facere men- 1401— tionem. Sclas ergo, quod circa annum domini 1401 et dein- “ ceps usque ad annum domini quasi millesimum quadringente- 35 simum ‚quartum decimum fuit in Basilea maiori eivis quidam nomine Jacobus Zybel, vir multum ydoneus, supremus seplus ibidem magister zunfttarum, in persona elegans, in prudencia precellens, in facundia disertus, in agendis erectus, in fama nominatus, Basiliensibus multum acceptus et in temporalium 40 9. exolvendis Hs. 34. »circa« auf einer Rasurin der Hs. 1) Oetlingen, Dorf im Grossherzogthum Baden, etwas über eine Stunde nördlich von Basel, auf dem nordwestlichen Abhange der Tüllinger Höhe. a Dr So” 20 Capitulum 7. 8. 259 abundantia non infimus!), ita ‚quod 'raro fiebat ambasiatorum ad reges, principes et civitatum congregationes emissio, quin idem dominus Jacobus esset unus ex eis, qui mittebantur. Eratque unus de octo primis et prineipalioribus consulum. civi- tatis Basiliensis?), qui cum nobilibus illie consueverunt jungere connubia. Unde pro armorum insignis' habuit ab imperatore tres igneas flammas in argenteo campo cum galea cirenis3) ca- pillos capitis inter flammas 'expandentis. Et fuit tante potencie, quod hoc notabile castrum in Rinfeldia, quod nune de- [1s]stru- etum est, recepit a duce Austrie pro magna pecuniarum summa impignoratum. Ideo non erat in ıllis temporibus timor ordini Cartusiensi de prospera domus. mee in Basilea fundatione, si sponso meo celesti et michi ita placuisset. Non autem semper . prosperitas, sed magis adversitas probare consuevit dei amicos. 5 Nec stetit, per fundatorem domus: mee, quod nova plantacio mea tardius profecit quam sperabatur, multis ventis validis ex adverso portum optate quietis flatu suo perturbantibus absque ipsius fundatoris culpa, de quo in sequentibus latius tractabi- tur. Quod autem fundator ipse semper. bone fuerit voluntatis et multum ‚affectionatus ad domus mee erectionem, considerari potest ex memorabili illo suo verbo, ‚quod sepius tempore stru- cture replicare consueverat, videlicet ut ille, in cuius manu sunt omnia, dignaretur bonam suam inspicere intentionem, quam haberet in huiusmodi facto, quatenus ad dei proficeret ;s honorem et animarum, pro quibus ad orandum obligaretur, sa- ‚lutem: Hec pietas et devotio fundatoris domus mee me movit, ut de ipsius statu secuları aliqua in premissis tangerem. Confirmatur nova plantacio Cartusiensium in Basilea minori per loci ordinarium et per eundem intitulatur. Capella in ciwitatis fos- sato deponitur, et lapides dantur nove plantationi. Capitulum 8. Servo querente, domina respondente. Sequitur : 17} Quis de tuis servulis, gloriosa domina sancta Margareta, non audiret libenter ea, que de fundatoris domus tue bona dispositione commemorasti? Nam et sancti in suis historlis 1) Jacob Zibol war einer der Wenigen, die bei dem grossen Ungeld im J. 1401 in erster Classe, d. h. mit einem Vermögen von über 10000 Gulden, steuerten. 2) In Basel hiessen die zwischen den Rittern und den Zunftgenossen in der Mitte stehenden Patricierfamilien (in vielen Städten »die Geschlechter« genannt) Achtbürger. Der Name kommt davon, dass sie 8 Vertreter im» Rathe hatten. 8. Heusler 255 ff. 3) Cirenis = sirenis. Die weibliche Figur auf dem Helme des Zibolischen Wappens, wie es sich bei Wurstisen 205 abgebildet findet, kann übrigens nur uneigentlich als Sirene oder.als Meerweibchen bezeichnet werden, der untere Theil des Körpers läuft in Blattverzierungen aus. Ir 1403. 260 ’ Capitulum 8. sepe commendantur de sua prudencia, elegancıa, facundia et temporalium affluencia ac’ ceteris huiusmodi. Non utique sim- pliciter propter se, sed ob usus annexi boni utilitatem. Novi- mus enim, quod sicut temporalia impedimento sunt reprobris, ita justis sunt 'adjumenta virtutis. Audivi igitur leta ‚mente, que de fundatoris domus tue 'conditionibus breviter perstrinxisti. Sed valde anhelo a tua scire sanctitate originalem causam inti- tulationis domus tue, et unde ortum habeat hoc, quod domus tua vocatur domus vallis beate Margarete. Sancta Margareta dignanter respondit: Quia pie investigas de hiis, que me meamque concernere videntur com- mendationem, non te celabo, que 'propter intitulationem desi- deras. Noveris, quod anno domini 1403 reverendissimus pater in Christo dominus Marquardus 'episcopus Constanciensis!) au- diens de nova ordinis Cartusiensis in sua diocesi plantatione multum fuit gavisus, offerens se dignanter ad queque grata et eidem plantationi accommoda. Quare et eandem plantationem auctoritate sua ordinaria confirmavit, volens atque decernens, ut locus in Basilea minori pridem dictus curia 'episcopi Basi- liensis et nunc per legittimum 'translationis contractum devo- lutus primum ad civitatem. Basiliensem ac depost ad ordinem Cartusiensem deinceps perpetue futuris temporibus nominaretur domus vallis beate Margarete ordinis Cartusiensis ın Basilea minori. Et quoniam in fossato muri 'hunc locum [ıs] versus vineta et Renum ceircumcingentis erat pulchra de lapidibus ca- pella, cuius adhuc apparent in fundamento vestigia, que in eventum putabatur posse fieri civitati Basiliensi nociva, instetit civitas ıpsa apud dominum Constanciensem pro licencia super capelle huiusmodi depositione. Quam et dictus episcopus or- dinarius in predicte nove plantationis Cartusiensis favorem liben- ter indulsit sub hac tamen conditione, ut occasione desolationis dicte capelle non negligeretur patrocinium illius sancti, cui lo- cus ılle fuisset per prius intitulatus.. Hec condicio multum placuit domus mee fundatori et patribus Cartusiensibus, placuit et Basiliensium consulatui. Cum autem constaret capellam pre- dictam esse nomini meo ascriptam, decreverunt unanimiter omnes, quorum intererat, domum Cartusiensium erigendam michi debere intitulari. Sicut et factum est. Deposita itaque pretacta capella lapides sculpti eiusdem dabantur a civitate Ba- siliensi in structure nove mee plantationis subsidium, ut patet in preciosa janua, que nunc est inter monachorum et fratrum laicorum domus mee chorum nec non in illa coclea, qua ascen- 10. »investigas« nach »quia« durchstrichen in der Hs. 11. »concernere« auf einer Rasur in der Hs. 13. m cccePterecio ist corrigiert aus m% cccc! xxx. 1) Marquard von Randeck, vorher Bischof von Minden, 1398 -- 1407 Bischof von Constanz. Potthast. 5 10 15 20 25 30 40 10 15 20 25 30 - Capitulum' 8.9, 361 ditur ab imo usque ad summum ecelesie mee. Hec janua et hii lapides steterant antea in commemorata capella, que in fos- sato civitatis prius fuerat. Paupertas multa fuit in inchoatione domus Cartusiensium in Basilea ‚minori in. diversis necessarüs cum magna patrum paciencia. Capitulum 9. Servulus sancte Margarete querit, vpsa ei ad quesita respondet. 119] Ba que narrasti, domina 'mea sancta Margareta, de causa denominationis domus tue cum annexis, audivi non sine jocun- ditate, sed valde desidero audire nunc.de progressu et quomodo patres nostri primi de Argentina adducti se habuerint in nova plantacione. Presumo nanque, quod patiencia et longanimitas eis fuerit necessaria. De quo etiam non dubito , cum omnibus in rebus gravis sit inceptio prima. SanctaMargaretanrespondet servulo suo: ‚Rationa- biliter judicasti de hiis que movisti.. Quia in adventu. primo- rum filiorum meorum de,Argentina ad.Basileam nondum erant celle et loca alia pro ordine necessaria edificata, quamvis magna esset eis spes de consolatione cito ventura. Settamen spes, que differtur, affligit anımum. ‘Pro confirmatione 'dietorum attende diligenter que dicam, quia sunt materia non consolationis sed compassionis., Deficientibus quippe necessarlis structuris ; pro ecclesia habuerunt aulam quondam episcopi, que nunc vocatur supra refectorium.; Sedilia antiqua fuerunt illie de deposita ca- pella locata, tintinnabulum fuit suspensum in camıno coquine, claustrum erat ubi nune sunt celle fratrum laicorum, :collo- quium !) fuit: in transitu ,superiori versus vineas et fossatum, refectorium erat stubella circa cameram patrum, celle conven- tualium fuerunt partim apud fratres laicos, partım ın, turri an- gulari civitatis Basiliensis et partim superius in ‚domus antiquo granarıo. Nichil de victualibus fuit in domo nisi vix panıs cum pulmento. Pietancia 2) cotidie ‚deferebatur de ultra Renum ex fundatoris [20]):domo, ubi nunc est universitatis studii Basilien- 1) Der Ort, wo in den Karthäuserklöstern die Mönche sich zu ge- meinschaftlichem Gespräche versammeln durften, war der kleine Kreuzgang »le petit cloitre .. dont le cöte ou il y a des bancs 6toit appele Colloque, parce qu’ils &toient destinds pour y parler«. Helyot VII. 383 (384 der2. Ausg). Ho zu unserer Stelle die Beilage über die Gebäulichkeiten der Karthaus. 2) Pietantia (pitantia, pietantia): Portio monachica in esculentis ad valorem unius Pictae (die picta war eine kleine französische, ursprünglich von den Grafen v. Poitou geschlagene Münze); lautior pulmentis ‚ quae ex oleribus erant, cum pictanciae essent de piseibus et huiusmodi. :‚Ducange. Wir können das Wort mit Zukost übersetzen. Im liber''benefactorum und im Calendarium werden häufig Stiftungen von Pitanzen: erwähnt. 262 Capitulum 9. 20, sis collegium!). Et sepius accidit-ut, cum filii et servuli mei pulmentum comedissent, pietanciam expectantes, hanc post ho- ram vel duas primo viderent non nimis delieate, sed satis parce preparatam. Hec de victualibus. Sed quid de vestibus? Putas ıbı abundasse mutatoria et curiosa, ubi alia deficiebant neces- saria® Non credas quesivisse delicias, quibus cure erat sola necessitas. In hac tamen paupertate ipsi filii mei et patres tui magnam habuerunt cum hilaritate in spiritu sancto pacienciam, omnia equanimiter tolerantes, quamdiu sponso meo celesti et michi placuit. Ex premissis colligere tu poteris una cum fra- 10 tribus tuis presentibus et futuris, ut sitis sine murmure in suc- cedentibus vobis non optate. Et si quando defieitis in neces- sarlis, cogitate quia via tali vos precesserunt, quos vos nunc beatificatis. Ideo a domino petiit sapiens non darı sibi divicias nec paupertatem, sed tamen vietui necessaria?). Constat autem 15 nature necessitati cum paucis cito fore satisfactum. Non enim ut edas vivendum tibi est, sed edendum ut vivere possis. Di Duo altaria portatiha in principali sive mavori capella ordinantur. Et magna fit resistencia nove plantationi, sed pecunie dantur, ut pax tribuatur. 20 Capitulum 10. Servus querit, domina respondet. Dixisti, mater nostra sancta Margareta, ea que magis de- serviunt, ut videtur, lamento quam solatio, attamen libens ea audivi, quia spiritum compunctionis pariter [21] et eruditionis inde concepi. Novi enim scriptum, melius fore ire ad domum luctus quam ad domum convivii?). Vellem tamen libenter au- dire historialiter, quid ultra factum sit juxta annorum domini quotam, cui superius deservire dignata fuisti. Dic ergo ultra, gloriosa domina mea, quid actum sit in nova plantatione tua 30 post predicta. Sancta Margareta ait: Ut sentio, tu libenter audires grata, sed nondum usquequaque venit hora. Modicum tamen inde pronunc tangam, priusquam ad alia minus placencia ve- 1408 niam. Anno domini 1403 circa Agathe virginis et martiris 35 » Febr fuerunt duo altaria portatilia®) in plantatione mea nova in ca- [5 5 27. »luctus« auf einer Rasur in der Hs. 35. Statt m% ccecOtercio stand ursprünglich in der Hs. m cccc! xxx®. 1) Der Rath erwarb für die Universität 1460 um 900 Gulden das ehemals den Schalern, damals der Wittwe des Burkhart Ziboll gehörige Haus am Rheinsprunge, das seit jener Zeit der Universität geblieben ist. Vischer: Ge- schichte der Universität Basel 85. 2) Proverb. 30,8. 3) Eccles. 7,3. 4) Die Trag- oder Reisealtäre (vgl. S. 250, 12) waren kleine in Holz oder Me- tall gefasste Steintafeln, auf denen Raum für Kelch und Patene war. S. Karl Weiss: Der Tragaltar des Stiftes Admont in Steiermark (mit Abbildungen) in den Mittheilungen der k. k. Centralcommission V. 21. 10 15 20 25 30 40 Capitulum 10. 263 pella maiori, que fuit supra refectorii locum, consecrata, loca- que ad celebrandum ibidem cum aliis necessarlis, ut penuria admisit, non cum fenestris vitreis, sed de pannis lineis confectis fuerunt ıbı ordinata. Et illa pars cimiterii versus antiguam mai- orem capellam pro sepulturis mortuorum fuit consecrata. Hiis peractis nichil ultra actum est infra annum tunc currentem in plantatione mea nova. Attamen aliquid actum est, sed magis in eius destructionem, quam edificationem. Hoc est verum, in quantum per emulos servorum meorum et per inimicos meos stetit. Sed laus sponso meo, quia non prevaluerunt insidie malignantium. Ecce considerantes adversarii mei et persecuto- res filiorum meorum, quod plantatio novella mea ad profectum tenderet, unde gaudere debebant, inde materiam timoris et pe- riculi suspicabantur, potissimum propter locorum ibidem vici- nitatem. Quia enim plantatio mea nova et ecclesia sancti Theo- dori in Basilea minori e vicino se respiciunt?!) et quoniam dicta sancti T'heodori ecclesia incorporata existit capitulo ecclesie Basiliensis, nonnulli canonici eiusdem. ecclesie nec non plebanus in sancto [22] Theodoro timuerunt, sibi propter parochiam suam magnum imminere damnum, si domus mea susciperet disposi- tum profeetum. Quare habito inter se consilio diffinierunt hanc plantationem omnino fore dissipandam et impediendam, impe- trantes ob hoc apostolice sedis litteras de Romana curia nar- rantes cum prohibitione edificandi de nova mea plantatione non secundum rei veritatem, sed secundum frivolam, falsam et ex- cogitatam confictionem, prout adhuc hodie videri poterit in bulla per meos redempta et ad perpetuam rei memoriam post sul confossionem ‚et ‚lacerationem per meos quoque reservata 2). Verum hac turbatione, ut premissum est, contra plantationem meam suscitata domus mee fundator et omnes mei seryuli ac filii multum ‚ erant perplexi, nescientes, quid agendum_ foret contra dictam apostolice sedis prohibitionem. Sed incidit eis sanum consilium solvens hoc iniquitatis commentum. Sieut enim vexationes licet redimere, sic et notum est pecunie omnia obedire. Solutis ıgitur per diversas personas ad fundationem meam inclinatas 200 florenis adversantibus et lucra sua in huiusmodi querentibus, pretacta bulla fuit resignata et pax meis servulis eisque adherentibus restituta, non utique sine mea sol- licitudine. Discite ex hiis equanimitatem et judiciorum dei ve- ritatem. Cum vult, nemo eum avertit, quando non vult, nemo eum inducit. 18. Basiliensi Hs. 33. iniquitas Hs. 36. inclinatis Hs. 1) S. den Plan des M. Merian, 2) Diese Bulle Bonifaz IX. vom 18. April 1402, ‚die wegen der. unverschämt lügenhaften und. verdrehten Behauptungen ‚des Domcapitels , die sie aufführt, interessant ist, geben wir in. den Beilagen. 1403. 1404. 1404 23. Apr. 264 Oapitulum li. Resistencia, quam nonnulli suscitaverunt contra novellam Cartu- stam in Bastlea minori, pecumia tamen furt redempta et concor- data non obstantibus emulorum insidüs. Servus more solito querit, domina respondet. Capitulum 11. [23]. Tetigisti, domina mea sancta Margareta, de hiis que gesta sunt partim anno domini 1403, sed ut videtur non narrasti ex integro que dicto anno 1403 inceperunt, sed anno 1404 ‚pro- gressum habuerunt. Placeat ergo continuare, rogo, quod ce- pisti; sint grata vel non, bonum huiusmodi scire, cum scientia etiam mali intellectum perficiat, nec scire malum sit malum, sed malum operari. Sancta Margareta dixit: Immediate superius audivisti de practica aligquorum mee plantationi nove contrariorum; si non plene, potest adhuc suppleri opportune. Anno domini 1404 predieto circa Georgii martiris fuit dieta celebrata ex parte nove plantationis mee de domini Stephani Cartusie maioris prioris commissione inter nonnullos canonicos ecclesie Basiliensis eorumque in sancto 'Iheodoro plebanum, nec. non inter sepe- fatum patrem dominum Wynandum super dissensione, que inter eos erat ex parte bulle supratacte contra ipsam novam planta- tionem meam, ut supradictum est, per ecclesie Basiliensis .ca- pitulum ıimpetrate et super quibusdam punctis aliis satis captio- sıs!). Et licet de multis clausulis derogatorlıs essent lıttere 1. contra suscitaverunt novellam Hs., ein offenbarer Fehler des Abschreibers. 7.. m ccce'xxx® Hs. 8. Statt mPcccc® tertio stand ursprünglich mPceecOxxx', statt m cccc® quarto ebenso m? cccc! xlV. 15. m cccc0xl® Hs. 1) Die Resultate dieser Vereinbarung sind in zwei Urkunden vom 29. und 30. Jan. 1404 (Karth. Arch. 60. 61) niedergelegt. Die Angabe im Texte, die Verhandlungen hätten circa Georgii martiris stattgefunden, ist mithin un- genau. In der ersten, die wir unter den Beilagen abdrucken, bekennt Wy- nand, dass er, von dem Generalprior Stephanus beauftragt, sich unter Ver- mittlung von Bürgermeister und Rath mit dem Domcapitel und dessen vi- carius perpetuus zu St. Theodor verständigt und, um ihre Einwilligung zur Errichtung der Karthaus zu erlangen, im Namen der letzteren die auf- gezählten Bedingungen, die im Texte der Chronik nicht mit Unrecht als clausulae derogatoriae bezeichnet werden, eingegangen habe. In der zwei- ten bekennen Peter Liebinger Probst, Johann von Hohenstein Decan und das ganze Capitel der Kirche zu Basel, und Eberhard genannt Schencke perpetuus vicarius der Pfarrkirche St. Theodor in Klein Basel, dass, nach- dem der vom Generalprior des Karthäuserordens, Stephan, hiezu, bevoll- mächtigte Wynand von Dortmund, Prior des Hauses Unser Frauen Berg bei Strassburg ihnen in locum cottidianarum oblacionum, que futuris tem- poribus in domo vallis sancte Margarethe predieta obvenire poterunt et obvenient, nec non aliorum jurium parochialium nobis in eadem domo — — competencium, nomine dicti ordinis ac vice prioris, conventus et fratrum domus eiusdem -— — congruentem — in pecunia numerata reconpensacio- nem fecerit, de qua contenti sumus et nos et successores 'Nostros promitti- mus et presentibus obligamus debere pariter et velle stare contentos, und an 15 20 Capitulum 11. | 265 ipse, que super concordia fabricate erant, vix tamen poterant emulis. satisfacere, ut essent contenti de communi justicia, ne 10 15 20 25 30 gravarent Servos meos cum damno et injuria.. Hec commemo- rarı sic placuit non in derogationem virorum bonorum, sed ad correctionem perverse agentium, pro sponsi mei gloria, [24] qui de malis novit elicere bona et pro servulorum meorum cautela, ut discant non frangi inter sinistra et gracias eciam agere inter gravia, benefactoribus benivolenciam exhibendo et pro adver- sarlis ex caritatis abundancia orando. Quod autem hec, de qua dietum est, inbrigatio vel involucio non processerit ex omnium Basiliensium capitularıum unanimi consensu, potest ex hoc con- stare, quia post diete pecunie ducentorum florenorum solutio- nem nonnulli canonici Basiliensis ecclesie plantacioni mee bene inclinati fundatori domus mee dixerunt, sed quasi jocose et non ex intencione: Bonum esset pro nobis, si fuissemus eciam adversarli vestri, quia benefacere novistis inimicis vestris, sed amicos vestros non noscitis. Illi de resistencia reportarunt lar- gas florenorum propinas, nos vero de adherencia nichil conse- cuti sumus, nisi graciarum actiones verbales. In joco hec dieta sunt, attamen non ex toto Jocum pretendunt. Premissa contro- versia non parum retardavit domus mee desideratum profectum, ita quod quasi ad annum domini 1406 parum vel nichil dispo- situm fuit optati, etiam patribus ordinis Cartusiensis diversi- mode sencientibus propter rumores varios hine inde auditos nune de loci mei quasi ineptitudine, nunc de fundatoris tenul- tate. Inde venit, quod pene maior pars patrum ordinis Cartu- siensis erat inclinata ad dimittendum locum utique potius quam ad promovendum eundem. Fortis tamen semper mansit pater Cartusie maioris dominus Stephanus pro loco tenendo. Qui et dixit, se mirarı de patrum aliter sentiencium singularitate, cum locus videretur bene aptus et Basilea esset egregia civıtas, que [25] suo tempore posset manus adjutrices pro tempore porrigere. nachdem er sich in Betreff der Zehnten, Begräbnissquarten und anderer Artikel mit ihnen verständigt, wie es in dem darüber ausgefertigten, mit den Siegeln des Hauses Unser Frauen Berg und der Stadt Basel versehe- nen Briefe enthalten sei, sie cupientes religionem plantandam in domo val- lis sancte Margarethe predicta promovere nec non premissorum divineque retribucionis intuitu plantatam confovere, ihre Einwilligung zur Errichtung der Karthaus geben, salvis tamen condictis obligacionibus et aliis in pre- specificatis litteris descriptis, quas eciam litteras et contenta in eis volumus in suo robore perdurare nec eis per presentes intendimus quomodolibet de- rogare, und versprechen für sich und ihre Nachfolger, nichts gegen die neue Stiftung zu unternehmen. 1406. 266 Capitulum 12. De quibusdam prius omissis, speciahter de cardinali Arelatensi, de patre Cartusie maioris et de compertis per alios in Cartusia Basilee minoris. Servus querit, ‚sancta Margareta respondet. Capitulum 12. Sı non displicent, domina mea sancta Margareta, tue san- ctitati, querere vellem de quodam meo motivo incıidentaliter, de quo sanctitas tua in precedentibus : nichil tetigit, presertim cum michi. narrares de quibusdam oceasionibus seu, prenosti- cationibus fundationis demus tue. Que tamen videntur edifi- cationem. aliis afferre posse et ad sponsi tui gloriam laudemque tuam pertinere. Sed et non eodem tempore sunt gesta,. ymmo diu post. et per intervalla. Et ut verum fatear, ego sum in culpa, quia non revocavi ea tue sanctitati ad memoriam in in- quisitione 'mea. Sancta Margareta dignanter respondet: Nichil re- fert quo ordine queras, dummodo nichil negligas de hiis, que sunt ad propositum. Scio de sponsi mei gracia, qui omnia no- vit preterita, presencia et futura, ‚et nichil est omnino quod ipse ignoret, scio, inquam, et ego ex ipsius inspiratione, ‚quid te moveat. Audi igitur que dicam. ; Superius in capitulo primo fit mentio de quodam patre, qui predixit domum meam futu- ram. Noveris igitur, quodammodo ad idem conformiter non- nullos alios viros magnos locutos fuisse. De quorum numero non erat minimus sancte memorie dominus Ludewicus, cardi- nalis quondam [26] Arelatensis!), qui meam sepius visitavit causa devotionis domum, quia tempore sacrıi generalis concilii Basiliensis valde eidem placuit ipsius domus mee, licet non- dum pro medietate complete, disposicio. Unde dicere eonsue- vit, locum hunc ab eterno divinitus esse electum pro domo or- dinis Cartusiensis. Idem cardinalis post mortem suam miracu- lis coruscavit pene innumeris. Quare non creditur ex levitate ista dixisse, sed ex firmo proposito et utique spiritu prophetico. Eciam intendebat in domo mea duas cellas edificare, sed morte preventus non perduxit intentum huiusmodi ad effectum. Simi- liter complacenciam magnam habebant et aliı cardinales ac ceteri prelati concilii in domo mea, licet protunc in edificiis adhuc esset multum defectuosa et in personis nondum nume- rosa pro illo tempore secundum ordinis Cartusiensis exigentiam, Devotionem autem, quam habuerunt ad domum meam prelati 1) Ludwig, Kardinal von Arles, stand nach der Abreise des päbstlichen Legaten dem Concil von Basel mit ausserordentlichem Geschick vor und krönte den neuen Pabst Felix V. Neujahrsblatt S. 9. v. Wessen- berg: die grossen Kirchenversammlungen des 15. und 16. Jahrhunderts. Constanz, Glükher 1840. II. S. 371. 397, 420 etc. 15 25 39 Capitulum 12, 267 ecclesie, satis ostendunt eorum sepulture in ecclesia mea posite ‘et in fenestris vitreis ipsorum figurate picture. Audi adhuc wv 1 o 1 a 20 2 a 30 verbum magnum a patre magno, videlicet domino Francisco, Cartusie maioris tunc!) priore, prophetice dietum.- Qui veniens de Alemanie partibus inferioribus in priorem Cartusie vocatus et domum meam videns, licet in structuris et quam pluribus aliis multum adhuc deficientem, complacenciam tantam habuit in eius situ, quod in hec verba prorupit spiritu etiam haut dubium prophetico: »Bene- [27] dietus deus, quod videre merui novellam domum Cartusiensem in Basilea. Quia licet in om- nibus fuerim provinciis ordinis Cartusiensis et in multis do- mibus huius ordinis, tamen nunquam vidi locum in isto ordine ita michi placentem, sicuti locum istum«, addensque hoc quo- que dixit: »Ego non dubito, quin domus hec proficiet suo tem- pore in rebus et personis«. Hiec pater, quia fuerat generalis procurator totius ordinis Cartusiensis, noticiam habens omnium provinciarum in eodem ordine, ideo presumitur, quod bene pre- meditatus hec verba dixerit et sinceriter ex inspiratione haut dubium divina. Quia ipse alias erat vir seriosus et valde ma- turus. Iste idem pater erat vir non solum in ordine Cartu- siensi, sed et alibi magne auctoritatis pluresque voces pro pa- patu habuit vice quadam, apostolica sede tunc vacante. Non- nulli quoque honesti viri fide digni et clerici et laici Basilien- ses de ultra et citra Renum sepe protestati sunt se ibidem persepe odorem mire suavitatis percepisse. Quod sponso meo non est impossibile ad mei videlicet ancille sue venerationem et ad servorum meorum consolationem locique illius reveren- ciam et commendationem. Ymmo sunt ibi quoque sepulta mul- torum venerabilium patrum, episcoporum et aliorum prelatorum concilii Basiliensis, corpora?), qui pro universalis ecclesie justi- cia ibi occubuerunt, apud deum utique magni meriti. Quos dominus ita forte magnificare dignatur ad aliorum fidelium consolationem. | 24. sequefibidem Hs. 1) Nämlich zur Zeit des Concils. 2) S. die Grabschriften der aus _ der. bezeichneten Epoche in der Karthause befindlichen Gräber bei Ton- jola 312—318. Vgl. Wurstisen 204. Neujahrsblatt 9. Neben ver- schiedenen in unsrer Chronik weiter unten erwähnten ausländischen Präla- ten ist von den hier begrabenen hervorzuheben der am 19. August 1439 verstorbene Patriarch Ludwig von Aquileja, der letzte aus dem Hause der Herzöge von Teck (Stälin: Wirtemb. Gesch. III. 441. Anm. 2), dessen Grabstein (Tonjola 316) nebst den andern noch erhaltenen an der Wand in der Kirche angebracht ist. 268 Capitulum 13. [28] Zterum de origine domus Cartusie in Basilea minori per obla- tionem denarü in sabbato tempore structure ecclesie ex pvetate fider. Capitulum 13. Domina. Re Margareta respondente, servitore suo querente. Non in vacuum movi, domina mea sancta Margareta, ma-: teriam'proxime per sanctitatem tuam dignanter elucidatam, igi- tur si non indigne sanctitas tua vellet suscipere, ego adjicerem adhuc, que interim memorie se obtulerunt. Audaciam nanque. hine sumpsi, .quia dieis te non curare de narrandı ordine, quando de pertinentibus ad rem nichil silentio studeo tegere. Novi quippe te virginem tante prudencie, quod magis velis verba servire rebus quam res verbis. Sancta Margareta caritative respondet: Quam- vis Jam procedere videaris ordine prepostero tua' inguisitione, non adverto, si necessarie commutato; iceirco nota ‘(que dicam. Quamvis plantationi mee novelle varie ‚occurrerint difficultates, ut prius audisti et in sequentibus suo tempore audies amplius, pius dominus, sponsus meus, immiscuit tamen misericorditer quandoque consolationes. Ipse enim novit, quando vinum et quando religquum pro tempore fuerit necessarium. Et ergo valde bonum foret, ut homines, presertim religionis habitum gestan- tes, committerent se et sua simpliciter et fiducialiter in omni- bus domino deo absque aliqua diffidentia. Ipsi quippe est cura de confidentibus [29] in eum. Unde tempore illo, quo ecelesia mea in Basilea minori edificabatur, accidit ut omni sabbato ad portam domus mee exteriorem ibidem veniret quedam muliebris 20 25 sexus persona, habitu simplici vestita, non nimis juvenis nec nimis senex in annis, sed religiosi vultus et multum exempla- ris, paucissimorumque verborum erat et magne maturitatis, querens diligenter, quomodo ecclesie structura proficeret, et sic obtulit cum maxima devotione ad eandem structuram unum denarıum vulgariter stebler !) dietum. Oblatione huiusmodi cessante, quando et ecclesie structura quoad principaliores: eius .partes cessabat, ceperunt filii mei, fratres conventuales, inter se querere de hac sua benefactrice, de hoc plurimum dolentes, quod nunquam quesierant de ıpsius nomine. Et dixerunt inter se unus sie, alius aliter. Oerte ista paupercula fuisse videtur in misterio illa vidua paupercula, que juxta evangelium in edi- ficationem templi Salomonis mittens in gazophilacium duo tan- tum eris minuta plus dedit quam ceteri?2). Et sic hec pauper- 4. responde et Hs. 1) Die Stebler waren Pfennige, welche die Bischöfe von Basel geschla- gen hatten; sie trugen ihren Namen von dem auf ihnen befindlichen Bi- schofsstabe. S. Heusler 229 ff. 2) Marc. 12, 41—44. Luc. 21, 1—4. 30 35 40 10 15 20 25 30 35 ° Capitulum 13. 14. 269 cula, ut apparet, fuit vera fundatrix nostra!). Sic aliqui sen- serunt, alii voluerunt, quod ego fuissem illa mulier offerens omni sabbato ad structuram domus mee denarium, unde tan- tum evenisse notarunt profectum. Et quia vie hee ambe pie- tati innituntur, pie sustineri possunt. Ego pro presenti neu- tram earum approbo nec reprobo, ne quippiam michi arrogando alteri derogem, aut quod incertum est, affırmare presumam. Quod pium est, pie narravi, quod et pium requirit lectorem. Plura huiusmodi, que ab alüis narrantur, possent adduci de mea nova plantatione, sed cui hec [30] pauca non sufficiunt, fortas- sis nec multa proderunt. Jam etenim patet ad oculum, si do- mus mea sponsi mei gracia profecerit aut defecerit. Cui laus, honor et gloria, servisque meis et eorum fautoribus benedictio, pax et misericordia. Plantacio nova Cartusiensium in Basilea minori patitur difieul- tates; ordinatur propter pacem unus superintendens. Domus in- corporatur et fundator iterum notabiliter dotat. Capitulum 14. Querit servus, domina respondet. Bonum fuit illa commemorari per digressionem jam dicta, quia ad lucem venerunt, que prius latuerunt et edificationem valent afferre hec audientibus. Nunc libenter audırem, domina mea sancta Margareta, quid ultra factum sit de nova planta- tione tua secundum annorum decursum et juxta rerum gesta- rum dispositionem. Tu enim, domina mea, melius nosti hec omnıa et ıdeo desideranter conversor cum sanctitate tua, non obstante indignitate mea. Ad hec sancta Margareta respondit: Digressione expleta nota sequencia. Ab anno domini 1404 supradicto usque ad annum domini 1407 nichil multum .notabile in domo mea factum est. Tamen pius pater dominus Wynandus, prior ad- huc manens semper Cartusiensium in Argentina, magnam curam et sollicitudinem quasi continue habuit pro mee planta- [31] cio- nis nove incremento, licet multos propterea haberet ipse con- tradictores et emulos. Quod tamen ipse meo amore humiliter sustinuit nec propterea a ceptis cessare curavıt. Habuit nichi- lominus in hiis semper bonum favorem patris prioris Uartusie maiorıs domini Stephani nec non prioris Nürenbergensis, prio- rıs in Girio 2) ‚et nonnullorum aliorum priorum, licet numero 24. decursu Hs. 38. priorem Nürenbergen. Hs. 1) Dieser unbekannten armen Frau ist im liber benefactorum Ib ein längerer Nachruf gewidmet, der seinem Inhalte und Gedankengange nach mit der obigen Stelle des Textes übereinstimmt. 2) Gyriov (Gey- rach), Karthäuserkloster bei Cilli in Steiermark. 1404. 1407. 1407. 270 Capitulum 14. 15. paucorum. Et quia sensit dominus Wynandas, quod displicen- cias etiam im conventu suo Argentinensi, generavit, quia ıpse sepius propter novam meam in Basilea minori plantationem absens fuit de Argentina, permisit, ut unus alius pater rector domus' mee institueretur,, prout et factum est. Nam ex com- missione domini Wynandi, prioris Argentine, cui per priorem Cartusie erat plena data auctoritas super dispositione nove plan- tationis mee, dominus Cünradus de Wormancia, qui erat pro- curator domus Cartusie ‚prope Magunciam, fuit factus quasi rector mee nove plantationis in Basilea, sed verius simpliciter superintendens. Quo facto patres ordinis Cartusiensis, qui fue- runt inclinati ad dietam plantationem meam, ad regis Roma- norum!) ac domus mee fundatoris nec non consulatus Basi- liensis et plurium notabilium virorum et amicorum instanciam impetrarunt a capitulo generali ordinis Cartusiensis huius do- mus mee incorporationem, currente tunc anno a nativitate Christi 1407 supradicto. Facta ıtaque domus mee incorporatione, fundator dominus Jacobus Zybol volens magnum suum [32] quem habebat ad domum meam affectum manifestius et plenius osten- dere, quia vidit domum ab ordine Cartusiensi susceptam, pro eiusdem domus dotatione donavit 100 florenos, quos tunc annuo ei perpetue solvere tenebantur abbas et conventus monasterii beatissime virginis ad Heremitas?). Sic itaque audivisti gratam domus mee incorporationem, audivisti et prius non usquequa- que placentem gravitatem, quam moverunt qui plantationi mee non favorabiliter inclinati fuerunt. Prevaluit tamen in hiis di- vina ordinatio et mea sedula deprecatio servorumque meorum intrepida fortitudo. Ex hiis disce non facile moveri inter pro- spera et adversa, quia in manu dei sunt omnia. Primus prior Cartusiensium in Basilea minori, vir notabılıs, incipit : ecclesiam cooperatione redditi de Argentina, magni lapieide, postea monacht et prioris in Torperg, posito primo lapide in Jundamento. Capitulum 15. Servo 'querente et domina respondente. Jam veniendum esset, domina mea sancta Margareta, si tue non displiceret sanctitati, ad illam distinetionem, unde su- perius tactum est, de ordine disserendi in cronica secundum priorum, qui pro tempore prefuerunt, nomina, ubi iterum in- digeo, domina mea, tua informatione materna. Quia nullus ita 17. Am Rande in der Hs. von derselben Hand: Incorporatio domus. t) »Pro illustrissimo prineipe domino Ruperto rege Romanorum, qui instanter scripsit et laboravit pro incorporatione (domus nostrae«. Liber benefact. 8. 2) Einsiedeln. d 10 15 20 25 35 40 10 15 Capitulum 18. 371 pertinenter de hiis sufficit me informare sicut tua prudencia virginea, cum materia hec [33] etiam tue sanctitati sit magis cordialiter impressa. | Sancta Margareta pie respondit: Tanto tibi nunc respondeo libentius, quanto, quod dicendum est, narro deside- rabilius. Domus mea hucusque sine proprio fuit priore, modo autem provisum est ei, laus deo, de notabili pastore. Prior primus domus 'mee vallis beate Margarete ordinis Cartusiensis in Basilea minori fuit ille veneratione multa dignus pater do- minus Wynandus, a prioratu domus Argentine absolutus et ın domus mee‘prımum priorem ordinatus; quia ipse ad novellam domum meam plurimum erat affectionatus, auctoritate capituli generalis ipse provide doemino disponente et non fortuite fuit prefectus anno domini 1407 die nativitatis virginis gloriosissime Marie. Hic memorabilis vir fuit genere nobilis !), vita ‚lJauda- ' bilis et religione sublimis,,' expertus in multis, in domo Gan- 20 25 30 40 davi ad ordinem Oartusiensem receptus, in domo Colonie post vicarius, hinc in domo Treverensi circa annos 22 prior, post hec in domo Argentine prior annis quatuor, et interim quod erat in Argentinensi domo prior, sepius venit Basileam de do- mus: mee profeetu cogitans. Tandem prior domus mee factus supervixit annis tantum duobus. Et quoniam prior Cartusie maioris, ‘pater Stephanus, absolverat eum a prioratu domus Argentine set fecerat ipsum priorem domus mee in Basilea mi- nori, patribus 'aliıs in capitulo generali hoc ignorantibus ipsum- que adhuc fore rectorem putantibus, ideo ad cautelam carta capituli generalis dicit, eum a rectoratu absolvi et in priorem Basilee prefici. Et hoc factum est anno immediate sequenti, vi- delicet |34] anno domini 1408. "Idem pater prior et fundator domus mee, tempore eos juvante, non vacabant ocio, sed quasi continue sollicitudinem egerunt de structuris necessarlis, ordi- nando coquinam, refectorium, promptuarium et stupas maiorem et minorem locumque rasure cum aliis opportunis. ‘Deinde in festo sanctorum Johannis et Pauli anno quo immediate supra, videlicet 1408, pro ecclesie mee erectione fodere inceperunt operarii fundamentum, priore inchoante aliisque fratribus con- sequenter, ac deinde laboratoribus, opus dirigente in omnibus fratre Johanne de Ungaria, tunc clerico reddito domus Argen- tine, postea per plures annos monacho et priore domus Porte Montis ordinis Cartusiensis?2). Qui, ut publica de eo fuit vox 8. Am Rande: Prior primus domus huius. 1) Aus den oben S$. 264: Anm. 1 erwähnten Urkunden, in denen er frater Wynandus de Tremonia genannt wird, lässt sich schliessen , dass er aus Dortmund gebürtig gewesen. Ueber seine Thätigkeit als Prior in Strass- burg hat Herr Dr. Rudolf Reuss die Güte gehabt el anzu- stellen, die jedoch zu keinem Ergebnisse geführt haben. 2) Vgl. Liber benefact. 13. v. Mülinen I, 235. Ueber die redditi »ausquels on ne 1407 8. Sept. 1408. 1408 26. Jun, 1408 6. Juli. 1408. 278 Capitulum 15. 16. et fama, in arte lapicide et muratorum non habuit in Alema- nia similem sibi et successivis temporibus plures in ordine Car- tusiensi erexit domos. Eodem anno quo supra, scilicet 1408, sed in octava apostolorum Petri et Pauli, missa: conventuali celebrata : prior sacerdotalibus vestimentis indutus, cruce cum thuribulo et aqua benedicta precedentibus premissaque letania, presentibus fratribus et honestis personis, intrans fossam posuit pro ecclesie fundamento lapidem primum.. Sicque mea iniciata est: ecelesia, que, laus deo, non parum profecit in tempore brevi, quia crevit a fundamento structure usque ad superficiem terre ad contractionem!) muri vulgariter Streehsumpf dieti in altitudinem quası duorum pedum. Sequitur titulus 16. capituli de ordinatione etc. [35] Quomodo fuerunt aligque officine ordinate in domo novella Cartusiensium in Basılea minort et tres celle cum allıs necessarüs. Capitulum 16. Ad servuli, questionem ac domine responsionem. O quam .libenter audivi, domina: mea sancta Margareta, que jam immediate narrata sunt. Dudum desideravi talia a tua sanctitate percipere.. Utinam placeat plura addere et servulum tuum de restantibus ulterius informare. : Letanter etenim audio que pro tuo sunt honore, pro domus tue profectu atque pro meorum fratrum consolatione aliorumque audiencium edifi- catione. Sancta Margareta benigne respondit: ÜUt scias pri- mum priorem supradietum nec non domus mee fundatorem sol- licitos fuisse erga domus mee profectum, noveris, quod ipsi disposuerunt cellam, hoc est cameram et stubellam cum corre- quisitis, Jjuxta maiorem domus portam pro portario, qui respon- dere posset intrantibus et exeuntibus meam domum novellam, prelibato anno domini 1408, quia religiosorum domus non de- bent esse sine custodia et clausura die noctuque, maxime ta- men Cartusiensium. : Anno ideogue quo supra pro domus uti- litate fuit una cella ordinata per dominum Wynandum priorem et fundatorem supra fontem pro domus procuratore aut aliquo laico. Que tamen certo respectu fuit postmodum deposita et ad alıum locum, videlicet juxta pistrinam extra gallileam 2) locata. donnoit point le nom de Freres, dont l’un &toit Clere et m&me pouvoit &tre promu au Diaconat« s. Helyot VII. 388 (389 der 2. Ausg). 1) Contractio, Gegend. 2) Ueber den Namen Galilaea für Kreuzgang (vgl. Ducange) giebt Jos. Ant. Messmer in den Mittheil. der k. k. Centralcommission VI. 104 f. Aufschluss. Man nannte im Mittelalter mit Bezug auf die Stelle Matth. 26, 32: »Wenn ich auferstanden sein werde, werde ich euch nach Galiläa vorausgehn« und die Worte der Engel bei der Himmelfahrt, Act. 1, 11: »Ihr Männer von Galiläa, was stehet ihr und sehet gen Himmel?« sowohl eine Capelle der Zionskirche, wo der Auferstandene den: Jüngern „> 0 D 5 Capitulum 16. 17. 273 [ss] Post hec circa omnium sanctorum festum anno 4U0 SUPTQ ‚os 10 15 20 30 35 fundator, volens amplius suum fervorem ad novam domum 1.Nov. meam ostendere, fecit designari per supradictum fratrem red- ditum omnia loca pro domo mea, non solum de presenti, sed etiam pro futuris ordinandis cellarumgue faciendarum numerum et dispositionem designando. Et mox edificare incepit cellas tres, quarum una fuit intitulata cum littera A, alıa cum littera B, tercia vero cum littera C. Sed hee cellarum intitulationes sunt postea mutate crescente numero habitationum cum habi- tatorıbus suis!). Has tres cellas fundator perduxit simul eodem anno usque ad tecta earum exclusive. Unde multi habebant magnam complacenciam, congaudentes tanto profectui domus mee in brevi tempore. Erat autem de mente fundatoris domus mee, prout sepius coram ordinis Cartusiensis personis amicis- que et notis protestabatur, non solum cellas inchoatas perfi- cere, sed et alias superaddere et conventum plenum in domo mea constituere, si domino deo nostro ita placuisset et non adversitas ei supervenisset. De qua adversitate sua inferius plenius habetur. Ipse enim semper bone erat voluntatis et satis fuerat dives et potens ad complendum suum desiderium, optans ut bona, que ei dominus concesserat, que et hereditarie et ex acquisitione sibi advenerant, devenirent ad divinum cultum, ad dei honorem [37] et animarum, pro quibus ad orandum obliga- retur, salutem. Fuit enim vir bone consciencie et satis stricte, quod non semper in personis diviciis temporalibus abundantibus consuevit inveniri, quia pauci de talibus advertere solent psal- miste hanc exhortationem:: »Divicie sı affluant, nolite cor ap- ponere«?). Infirmatur primus prior Cartusiensium in Basilea minori Colonie, sed reversus Basileam moritur, et de alio providetur. Capitulum 17. Servulus more solito querit, domina respondet. Magnalia sunt, domina mea sancta Margareta, que supe- rius retulisti, expecto igitur adhuc plura per tuam sanctitatem addenda, ut laus tua multiplicetur et servorum tuorum deside- 1. Am Rande mit rother Farbe: fundator recommendatur. bei verschlossenen Thüren erschienen sein sollte, wohin man auch den Saal des heiligen Abendmahls versetzte, als auch eine Kuppe des Oelberges Galiläa, und im 12. Jahrhundert wurde der Name gebraucht für den Weg, der von der Zionskirche über Gethsemane nach der Himmelfahrtskirche auf dem Oelberge führte. Eine Nachbildung desselben waren die Leidenswege mit ihren Stationen im Abendlande, daher die Uebertragung des Namens Galiläa auch auf sie. 1) Es sind die später mit +, P und O bezeich- neten und dem Prior, dem Vicar und dem Schaffner zugewiesenen Zellen. S. die Beilage de cellis Carthusiae. 2) Psalm 62 (61), 11. Basler Chroniken. I. 18 1408. 1409. 6. Juni. 374 Capitulum 17. rıum impleatur. Laus enim tua est nostrum desiderium, nostra- que salus est tuum beneplacitum. Matris enim est de filiorum profectu cogitare et filiorum est de matris honore gaudere. Mater fidelissima tu nobis es, virgo benedicta, et licet indigni simus, nos tamen filii tui optamus nuncupari. Sancta Margareta respondet: Dixi tibi dudum quo- modö tu libens audis placencia, non autem sic tristia. Sed pro loci et temporis varietate opportet utrumque sustinere. Anno supradicto 1408 fuerunt pro domo mea impetrate per patres ordinis Cartusiensis juxta ipsius [383] ordinis consuetudinem li- cencie terminorum pro possessionibus pro priore et procuratore domus, sed anno proxime sequenti, scilicet 1409, erant pri- mum per capitulum generale confirmate, prout patet in litteris seorsum desuper reservatis!). Anno vero domini eodem, vide- licet 1409, in quadragesima se transtulit ad Coloniam pater Wy- nandus pro negociis domus mee expediendis, ubi incidit in in- firmitatem, in qua quasi per mensem laboravit. ‘Unde tamen aliqualiter convaluit et ad Basileam regressus est. Sed tandem in solemnitate corporis Christi, que tunc erat die sexta mensis juni, huie corruptibili vite valefaciens et vitam perpetuam ap- prehendens requievit in pace, inter mortuos in cimiterio meo sepultos factus primus, ut quemadmodum ipse fuerat ecelesie mee iniciator primum in ea ponens lapidem, idem quoque esset cimiterii mei inchoator, pro fundamento se in eodem ponendo. Sublato itaque per mortis discrimen tam notabili patre, putasne quod domus mee filii multum inde doluerint? Videbatur nan- que eis, quod in morte tanti viri totus domus mee profectus impedimento subjaceret. Sed sic dolendum erat de suo transitu, ut nichilominus gaudium maneret de eius quietis accessu. Mul- tum laboravit, requiem meruit. Qui illum dedit, et alium dare poterit. Non est abbreviata manus [39] domini. Consolationem sımilem opportebat domus mee fundatorem suscipere. Qui non parum de prioris talis subtractione doluit. Quia novit eius in- dustriam, persensit ipsius diligenciam et suam venerabatur re- ligiositatem. Hiis sic gestis convenerunt filii mei fratres do- mus mee et premissis premittendis, precibus videlicet et tri- duano jejunio juxta ordinis Cartusiensis consuetudinem, cum visitatorum adjutorio elegerunt priorem alium, virum utique etiam bene ydoneum, non parum domui mee inclinatum et multum fidelem. De quo in sequentibus plenius tangetur. 13. »patet« fehlt Hs. 24. Am Rande der Hs. mit rother Farbe: Non est dolendum de morte bonorum hominum quorumeungue etc. 1) Karth. Arch. 73. Von den Visitatoren 1408 circa festum beati Augu- stini (Aug. 28) ausgestellt, vom Prior Stephan und dem Generalcapitel anno 1409 bestätigt, mit einer weitern Bestätigung vom J. 1439. Es heisst in der Ur- kunde: pro terminis autem possessionum seu bonorum ipsis assignavimus decem leucas per girum, ad quos etiam procurator pro tempore existens possit ire quociens "hoc pro negociis expediendum fuerit oportunum. 5 10 15 20 25 30 39 40 Capitulum 18. 2375 Secundus prior Cartusiensium in Basilea minori prefieitur, et fun- dator ipsius domus captivatur et bonis privatur. Capitulum 18. Servus querit, domina respondet. 5 Arbitror, domina mea sancta Margareta, juxta ea que pre- misistıi, quod adhuc plura habeas michi dicere pro mea erudi- tione et pro confratrum meorum consolatione. Nondum enim sumus in fine materie quam requirimus, historie ordine indi- cante. Quare placeat rogo, gloriosa domina, complere quod non 10 displicuitt mecum inchoare, ut tuam pietatem maternam virgi- neam merear ubique experiri. Sancta Margareta dixit: Non ignoro, quid historie series nunc expostulet. Priorem domus mee primum pridem habuisti, [40] modo ad priorem domus mee secundum venisti, 15 virum certe commendacione dignum et :michi meisque filiis et domus mee amicis bene gratum. Hic venerandus pater, no- mine Johannes Dotzheim!), fuit filius domus Maguncie, in priorem domus mee prefectus anno domini 1409 die sancti Viti 1409 martiris. Qui utiliter domui mee prefuit, quia laboriosus et di-"" 2 ligens extitit. Ipse tres cellas, quas domus mee fundator in- ceperat, perfecit. Quibus gestis, cum ad ulteriora procedendum in domus mee edificiis et rebus aliis per eos, quorum intere- rat, cogitaretur, intervenit casus mirabilis pariter et miserabilis, . eogitatum huiusmodi multum impediens. Nam orta lite maxima 25 inter ducem Austrie Fridericum et civitatem Basiliensem?) anno domini 1409 circa dominiı adventum, ıta ut Basilienses demo- lirent pene cuncta, que circa Basileam erant ducis Austrie, fundator domus mee, dominus Jacobus Zybol, inter cetera, que tenebat, loca habuit a duce Austrie in pignus solemne tunc 30 castrum in Rinfeldia?), quod contra ducem Austrie pro tuitione sui voluerunt Basilienses sibi tradi et resignari. Hoc quia do- minus Jacobus facere recusavit, ipse cum duobus suis filiis per civitatem Basiliensem captus fuit, pene usque ad mortem sic graviter detentus, quoadusque fortem se faceret ad solvendum 35 civitati Basiliensi [4a] nonnullorum fide dignorum attestatione 14 milia florenorum®). Sicque tanta florenorum summa do- 1. Am Rande der Hs. von gleicher Hand: Secundus prior. 24. Am Rande mit rother Farbe: Occasio captivitatis fundatoris nostri. 36. xiiii corrigiert in der Hs. aus xl. 1) Buxtorf S. 43 und nach ihm von Mülinen haben irrthümlich Dortheim. 2) S. über diesen Krieg Ochs III. 47 ff. 3) Rhein- felden, kleine Stadt am linken Rheinufer, 3 Stunden westlich von Basel. Das Schloss, der 1445 zerstörte Stein von Rheinfelden, war auf einer Insel des Rheines gelegen. 4) Vielmehr 12000 Gulden. Die »abgeschrift de Zi- bollen brief über die zwölfthusent guldin« findet sich im grossen weissen Buche des Basler Staatsarchives fol. 132, ebenda fol. 133 »der Zibollen 18 * 1409. 276 Capitulum 18.19. minus Jacobus expoliatus a captivitate predicta una cum filiis fuit liberatus et pristine libertati restitutus. Hine cogitet dili- genter, qui potest, de judiciis dei, que sunt re vera abissus multa, quomodo videlicet vir tam bone voluntatis et ad divi- num augmentandum cultum tam fervide inclinatus ad tantam substancie sue pervenerit spoliationem. Si juste vel injuste, re- linquendum est aliis. Non est dubium, quin ex huiusmodi sub- latione bonorum domus mea defectum et gravamen sustinuerit, sicut primos servos meos satis experiencia docuit. Mansit tamen semper dominus Jacobus 'bone voluntatis ad perficiendum ea, que in domo mea inchoaverat. Adhuc enim, si'non abundan- ciam, tamen competenciam temporalium habuit, quam et cari- tative meis servulis impertiri studuit. Forte fuit bonum ita humiliarı et fundatorem et servulos meos, ne de diviciis suis nimium ipse presumeret, et mei de paupertatis pressura, ultra quam religiosos deceret, more humano pertimescerent. Consolatur fundator fratres conventuales super captivitate sua et ıterum dotat domum. Invitat patres ordinis, hortatur eos ad con- tinuandum. Structura continuatur aaversis non obstantibus quibus- cunque. Servus interrogat, domina respondet. Capitulum 19. [2] Ex proxime auditis, domina mea sancta Margareta, motus sum, ut verum fatear, ad compassionem tum propter meos confratres, tum propter nostrum fundatorem occasione contrarie- tatis que ei evenit, et ideo nescio quid dicam. Vellem tamen libenter scire, domina mea, quid fecerit et quomodo 'se habue- rit fundator domus tue post tam grave damnum quod susti- nuit, si manserit nichilominus fortis in temptationibus et con- ceptibus suis. Saneta Margareta ait: Dignum est, ut ad compassio- nem movearis ex auditis, quia humanum existit consortibus nature in tristicia condolere. Noveris, quod anno domini quo supra, videlicet 1409, fundator, quando per ceivitatem dimissus erat, filios meos fratres domus pie consolatus est, dicens: »Nolite : pro hiis, que acciderunt, nimis contristari. Ego domino lar- giente non derelinguam vos ex toto; etsi vos non potero juvare plene, tamen id, quod possum, nolo vobis subtrahere«.. In signum horum et fidem fundator ipse resignavit meis priori et conventul litteras, unam 100 florenos perpetuos continentem et urfechtbrief«, in welchem Jacob Zibol und seine Söhne versprechen, sich nicht rächen zu wollen u. s. w. Beide Briefe sind cistages nach sant Andres tag (3. Nov.) 1409 ausgestellt. S. über dieselben Ochs III. 59. 60. (S. 59 vergisst er unter den Söhnen des Jacob Zibol den Peter aufzuführen, $. 60 Anm. 1 steht irrigerweise p. 113 statt fol. 133.) 15 20 El) 10 15 20 30 35 40 Capitulum 19. 20. 2av7 alteram de 6 florenis perpetuis, necnon clenodia aurea et ar- 'gentea ad valorem 300 quasi florenorum. Idem fundator adhue perfectius suam devotionem ad domum meam ostendere volens, [43] quia prior Cartusie maioris, pater de Seytz!), Stephanus nomine, continuante adhuc, proch dolor, in cristianitate magno scismate, venit una cum decem alüis patribus ordinis Cartu- siensis anno domini 1410 in medio quasi quadragesime pro ca- pitulo privato in domo Argentine celebrando, quo capitulo finito fundator scriptis suis rogavit dietos patres, ut venire dignarentur ad videndum fundationem suam in Basilea. Prout et patres pretacti fecerunt. Tunc fundator humiliter et pie, quia vir prudens erat pro sua zelans fundatione, instituit pro dietis patribus in loco, ubi nunc est refectorium , convivium solemne et preciosum, mensas jocalibus?) aureis et argenteis non tantum proprüs, sed et amicorum et notorum magnifice or- nando. Hiis per patres visis fundator ait ad eos: »Licet, vene- randi patres, graviter damnificatus sim, nichilominus tamen, ut videtis, laus deo, depauperatus non sum. Igitur nullus debet de mea fundatione desperare«. Videntes et audientes patres talia, quia usque ad illud tempus propter diversas perceptas relationes communiter magis inclinati erant pro maiori parte ad dimittendum quam retinendum plantationem meam novam, de- liberarunt aliter dicentes: » Benedietus deus, quia, ut videmus, fundator domus Basilee ordinis Cartusiensis non est cum sua fundatione contemnendus, nec est illa plantacio resignanda, sed tenenda et adjuvanda«. Hinc ceperunt prior prelibatus et dominus Jacobus fundator anno domini 1410 conti- [4] nuare structuram ecclesie mee prius inchoatam et in quatuor annis, videlicet usque ad annum domini 1414, deduxerunt eam usque ad finem muri superius, scilicet qui est de lapidibus quadris et sculptis, inclusive et usque ad trabes exclusive cum magnis et altis lapideis fenestris etiam sculptis septem numero. Et artifices testabantur, quod hic murus ecclesie usque ad trabes exclusive constaret ad minus circa mille quingentos florenos. Quedam specificationes circa structuram_ ecolesie Cartusiensium in Bastlea minori tam in sigms quam in lapidıbus et de campanili simihter. Servitor querit, domina pie respondet. Capitulum 20. Venimus ad structuram ecclesie tue, domina et mater no- stra carissima sancta Margareta, que est materia michi multum grata, placeat igitur, rogo, perficere quod cepisti et hucusque 1) S. oben 8. 257 Anm. 1. 2) Jocalia, monilia, gemmae, annuli aliaque id genus pretiosa, Gallis joyaux, Anglis jewells. Duc. 1410. 1410. 1414. 1410 um 24. Aug. 1414 Juni. 1414 um 8. Sept. 1415 um 24. Aug. 278 Capitulum 20. continuasti, presertim de structura tue ecclesie; alia videlicet edificia domus tue suo tempore successive etiam, ut confido, aperientur. Est enim ecclesia solemnis structura, attestantibus eciam alienis qui ipsam viderunt et dispositionem eius con- sideraverunt. Margareta beatissima dignanter respondit suo servo: Tu gaudenter tractas de domus mee incremento, de quo et ego loquor non cum [45] tedio. Scias ergo, quod tem- pore pretacto, videlicet ab anno domini 1410 circa festum sancti Bartholomer apostoli usque ad annum domini 1414 de mense juni laboratum fuit fortiter in ecclesie mee lignis per carpen- tarıios ad fundatoris et patris Johannis prioris predietorum in- stanciam pro tecto fabricando, fuitque ipsum tectum completum dicto anno 1414 circa nativitatis virginis gloriose Marie, etiam cum tegulis laterum tecto cooperto. Ligna in emptione con- stabant circa 60 florenos, carpentariis pro laborıbus solvebantur 70 floreni. Lateres sive tegule ad ecclesiam erant numero quasi 30 milia et constabant illis temporibus nonaginta florenos. Crux fietilis super chorum in acie constabat 3 florenos, sed erux de lapidibus sculptis super tectum ecclesie in summitate domatis constabat 5 florenos. Hiis completis visum fuit artifi- cibus adhuc neglectum aliquid esse in tam solemni structura, non sine aliorum admiratione. Querentibus patre priore et do- mino fundatore, quid hoc esset, dixerunt: »Ecce campanili vestro non bene provisum est de fundamento et sustentatione, cum intendatis hoc suo tempore de quadratis facere lapidibus«. Quo cognito jussit fundator fundamentum aliud poni cum arcu alıo, qui dividit inter chorum conventualium et inter chorum fratrum laicorum, dando fundamento in spissitudine 6 pedes, sed arcui usque ad trabes quatuor pedes de sectis et quadratis lapidibus. Hec facta sunt et consummata anno domini 1415 circa Bartholomei apostoli. Lapides incurvati in arcu consta- bant 10 florenos. [a6] Et quoniam ad ecclesie mee structuram me traxisti non involuntariam, sed bene inclinatam, volo meos servitores esse memores, si quando campanile de lapidibus : fuerit erigendum, ut querant. in terra circa ecclesie fundamen- tum exterius versus aquilonem et versus meridiem columnas sive pilaria pro campanilis eiusdem sustentatione, videlicet ab utraque parte ecclesie ordinatas!). Hec notari possunt in con- clusione muri ecclesie, ubi locus aptatus cernitur in eiusdem muri spissitudine. Sub silencio aliqua de premissis forsitan transissem, si non zelus domus mee comedisset me?), et si dili- gencia tua non me provocasset. Utiliter enim hec mota sunt 37. Am Rande mit rother Farbe: fundamentum pro campanili lapideo erigendo. 1) Zur Erbauung eines steinernen Thurmes ist es nie Boom man Kenn sich bis zuletzt mit einem sog. Dachreiter. 2) Ps. 69 (68), 10. Jo 15 20 25 30 > or 40 10 20 25 30 os Or 40 Capitulum 20.21. 279 pro posterorum avisamento et instructione. Nec tedet me la- ‚boris, ubi est aliquid pro meis filiis utilitatis. Temptationes diverse suscitate fuerunt contra novam plantationem _ Cartusiensium in Bastlea minori satıs graves et scandalose. Servus querit, domina humiliter respondere non refugit. Capitulum 21. Peto, mater et domina nostra sancta Margareta, continua fideliter, quod hucusque disseruisti dignanter. De statu do- mus tue tractare est michi delectabile. Quid autem modo sit tra- ctandum consequenter, quantum ad cronice ordinem, committo tue prudencie. Tu nosti, quid restat et quid magis expediat. Quando nanque ego aures aperio ad. dulcia, tu michi narras amara, et quando timeo tristia, [47] tu michi propinas dulcia. Sancta Margareta ait: Illas vicissitudines inter dulcia et amara, ut dixisti, opportet hie sustinere, in futura vita secus erit. Non possum pronunc consolatoria tibı narrare, sed ad cautelam turbativa. Videns antiquus hostis, quod non valuit plantationem meam novam ex toto impedire, conabatur tamen eam utcunque contristare. Hec tibı prius dixissem, si non or- dine prepostero de structuris tactum superius fuisset. ed pa- rum refert, quo ordine quid dicatur, dummodo nichil de per- tinentibus ad rem subticeatur. Pendente autem guerra inter Australes et Basilienses, unde supra tactum est, circa annum domini 1410 accıdit, ut servorum meorum in plantatione nova emuli, videlicet nonnulli de Basıilea minori, ex hostis antiqui haut dubium incitatione, sine omni causa rationabili nimium servitoribus meis inviderent, occasione sumpta, ut creditur, de fundatorıs cum consolatu Basiliensi ratione castri in Rinfeldia, prout superius dietum est, discordia, quasi filii mei essent par- tiales in causa taliı cum fundatore sencientes. Unde ad conso- latum audebant licet mendose dicere: »Ecce ut sciatis Cartu- sienses tenere cum suo fundatore et pro parte ducis Austrie fore, ipsi habent occulte in domo sua scalas in ducis eiusdem fa- vorem pro exercitu suo occasione opportunitatis se oflerente intromittendo«. Alii dixerunt, Cartusienses foramına fecisse in muro versus Renum in favorem iterum ducis Austrie ad tra- dendum Basileam minorem eidem. Alıı causam dissensionis huiusmodi plus aggravantes voluerunt, ut Cartusienses expel- lerentur de [4s] Basilea minori simpliciter, quia non essent ci- vitati ut alii religiosi utiles, nemini servientes nisi sibi ipsis, quia publice non predicarent nec confessiones audirent etc. Consules tamen civitatis, prout viri prudentes, noluerunt omni spiritui credere, sed scrutinio super premissis habito invene- runt premissa fore falsa et frivola. Et quia antiquus hostis 1410. 1411. 280 Capitulum 21. 22. machinationibus predietis non valuit in suis membris obtinere quod quesivit, repperit alium meos servulos inquietandi modum. Nam anno domini 1411 grassante graviter pestilencia in Ba- silea, ita ut processiones magne fierent, etiam ad virginem beatissimam in Heremo!), fuit homo non sane mentis in castro dicto Zwingen?), quod ad episcopum Basiliensem pertinet, qui loquebatur mirabilia nec veri similia et sepius contraria. Hic dixit, se fore pecuniis conductum per unum conversum de domo mea ad intoxicandum fontes in Basilea. Quo rumore ad aures consulatus Basiliensis perlato nonnulli fidem adhıbue- runt, nonnulli vero audire noluerunt. Misso itaque per civi- tatem pro priore domus mee dictoque converso necnon pro castaldo in Zwingen compertum fuit, quod dietus pauper homo ex suggestione dyabolica talia excogitaverat in domus mee con- fusionem. Et dixit ille pauper homo, se nunguam vidisse illum conversum nec quiequam scire de hoc, si aque essent infecte. Quibus auditis omnes audientes fuerunt gavisi, jubentes cum benedictione recedere Oartusienses. Aliıam quoque adversitatem concitavit contra meos filios intentor omnium malorum in hunc modum. Ipse enim nonnullis emulis meorum filiorum inspi- ravit, quatenus puerorum scolas ın sancto Theodoro trans- [49] ferrent ad spacium, quod est ante portam domus mee, ut sic occasione huiusmodi esset strepitus et clamor ın ecclesia et domo mea ad divinum officium impediendum. Settamen maio- res civitatis nolebant ex discretione in hoc insidiarum machi- namentum consentire. Item tribus vicibus fuit incendium in domo mea periculose suscitatum nemine sciente unde, nisi per emulos ex suspitionibus variis, sed ego manum apposui, ut non prevaleret. Laus sponso meo celesti semper. Nunc vides, gquam verum est, quod omnes, qui volunt in Christo pie vi- vere, persecutionem paciuntur. Sed et beati, qui persecutio- nem paciuntur propter justiciam, quoniam ipsorum est regnum celorum 3). Dedicatio ecclesie vallis_beate Margarete ordınis Oartusiensis in Basilea minorı per suffraganeum episcopi Constanciensis facta. Capitulum 22. Servulo querenie et domina respondente. Recordor, domina mea sancta Margareta, quia sepius michi objecisti , quod ad audiendum gaudiosa sim promptus, sed ad tristia non sic voluntarıus. Non possum contradicere, quoniam sie est in veritate; verumtamen me resolvendo nolo in huius- 32. regnorum Hs. 1) Nach Einsiedeln. 2) Zwingen, Dorf und Schloss an der Birs, un- weit Laufen. 3) Matth. 5, 10. 20, 25 30 35 40 Capitulum 22. 381 modi inveniri obstinatus. Dicat ergo domina, quiequid pla- cuerit, et audiet servus tuus. Scio quod sanctitas tua non lo- quitur nisi edificatoria. Sancta Margareta respondit: De ecclesie mee dedi- 5 catione nunc dicendum est. Unde ego tam libenter loquor, quam libenter tu inde audis. Sub presidencia secundi prioris domus mee anno domini 1416 dominica quasimodogeniti, que tunc erat dominica sequenti post sancti Marcı [50] evangeliste, licet ad dominicam misericordia domini immediate sequentem ex 1 causa dedicacio translata sit, dedicata fuit cum magna solemni- tate ecelesia mea reverendissimi patris domini Marquardi Con- stanciensis episcopi auctoritate per reverendissimum patrem do- minum Conradum episcopum Ebronensem eiusdem domini Con- stanciensis tunc in pontificalibus vicarıum cum trıbus altaribus, ı5 videlicet sancte Margarete in summo, sancte crucis versus me- ridiem et virginis gloriose versus septentrionem, nec non cum parte cimiterii cum magna presbiterorum et clericorum cantan- clum comitiva maximaque multitudine populi utriusque sexus a mane diei usque ad noctem domum meam, ecclesiam et am- 20 bitum et cellas ac alıa inibı loca cum multa consolatione visi- tantis, prout consuetum est in ecclesiarum ordinis Cartusiensis consecratione prima die, que eciam est pro mulieribus libera. Altera die immediate sequenti, cum prior et fratres, mei filii, pro benivolencia ipsis in dedicatione exhibita humiliter domino 25 episcopo Conrado regraciarentur, ipse pie respondit, se libenter im hoc ordini servisse, nichil mercedis desiderans, nisi tantum- modo fratrum orationes, totumque offertorium dedicationis, quod de jure dicebatur esse suum, servulis meis resignavit, quod tamen ad valorem 40 florenorum se extendebat, sumptus iti- 30 neris eundo et redeundo cum duobus capellanis et tribus equis, tantum de confirmatione puerorum videlicet 7 florenos sumendo. Noluitque per se aut suos servitores sive capellanos aliquam recipere propinam sive parvam sive magnam. Eciam consuevit idem episcopus suflraganeus semper esse benivolus ad servien- 5; dum fratribus domus mee in ordinandis personis nec non con- secrandis calicibus, benedicendis corporalibus et vestibus sacris, omnia huiusmodi semper gratis propter deumque simpliciter conferendo, ymmo et munusculis [51] suis propriis sepius filios meos honorando. Unde et ipsi de ingratitudine apud eum, 40 sicut nec debuerunt, nolentes notari, sed potius grati et cari- tativi inveniri, impetrarunt eidem a capitulo generali ordinis Cartusiensis tricennarium defunctorum ‚post ipsius mortem , of- ferentes eidem similiter monachatum in domo mea ipso viam universe carnis ingresso!). Sicque, ut videtur, suam gratitu- 8. die sequenti Hs. I) »Ils donnent differens noms aux suffrages quils disent pour les 1416 26. Apr. 3. Mai. 1418 9. Oct. 282 Capitulum 22. 23. dınem filii mei sepememorato patri et episcopo bene et con- digne exhibuerunt, cum non modica mea complacencia. Moritur secundus prior Cartusiensium in Bastlea minori, succedunt tercius et quartus in officio prioratus. Capitulum 23. Servulo interrogante et domina respondente. Gavisus sum gaudio magno, domina mea sancta Margareta, quia audire merui de templi tui dedicatione et de solemnitate in ea habita. Jam enim proprie dicere possumus: »Cartusia sancte Margarete in Basilea minoric.. Tu nosti domina, quid in historia fundationis domus tue restat. Non igitur displiceat rogo addere ea, que adhuc sunt propalanda. Sancta Margareta subjecit dicens: Ordo historie nunc requirit, ut dicam de secundo priore domus mee. Hic bene meritus pater, dominus Johannes de Dotzheim natione Maguntinus, huic seculo valefecit anno domini 1418 die sancto- rum martirum Dyonisii et sociorum eius, pestilencia tunc Ba- silee ac circumcirca graviter vigente et domum meam non so- lum predicto patre, sed et procuratore et sacrista necnon uno fratre converso spoliante. De huius patris morte eciam non parum contristati fuerunt filii mei et domus mee fundator, quia pater multum activus fuit et domui mee fidelis. Sed quia do- minus eum dedit, dominus abstulit, sicut domino placuit, ita factum est, sit nomen domini benedictum. Sub hoc patre do- mina Adelheydis de Eptingin, alias dieta die Münchin !), dedit domui mee |52] 600 florenos in aliquarum cellarum erectionem et nonnullarum erectarum perfectionem?). Que et humiliter se 'Defunts, comme Monachat, Agende et Tricenaire.. Helyot VII. 394 (395 der 2. Ausgabe), woselbst dann diese Todtenfeiern des Weiteren beschrie- ben werden. 1) Schwester oder nahe Verwandte der ersten Frau des Burkart Zibol. Wurstisen S. 205 giebt folgenden Stammbaum der Zibol: 1349 Johann Zibol, am Gericht, Agnes und Clara seine Gemahel, | ihr Sohn 1400 Jacob, Obrister Zunfftmeister, Verena Seevoglin, | ihr Sohn 1429 Burkart, Obrister Zunfftmeister, Agnes von Eptingen, Sophia von Rotberg, | ihr Sohn Caspar, der letste, starb jung. Der liber benef. nennt fol. 2 als Brüder des Burkart: Nicolaus, Peter und Heinrich, und als seine Schwester die Agnes zer Sunnen (vgl. ibid. 1). In den oben 8. 275 Anm. 4 erwähnten Briefen über Rheinfelden werden von den Söhnen des Jacob Zibol nur Peter, Burckart und Claus aufgeführt. 2) In der Notiz de cel- lis Carthusiae (s. Beilagen) ist nur von einer Dotierung der von Jacob Zibol gestifteten Zelle O (ursprünglich B) durch sie die Rede. Capitulum 23. 24. 283 et suos orationibus servitorum meorum commendavit. Privati igitur servitores mei tam utili patre premissis premittendis elegerunt predicto anno 1418 tercium domus mee priorem, videlicet patrem Conradum dietum de Wormancia domus Car- 5 tüusie prope Magunciam professum , qui superius quoque tan- quam superintendens sive rector nominatus est!), virum utique bene maturum, devotum et religiosum. Sub huius patris regi- mine fuit cella quarta in ambitu, littera A nune intitulata, que et sub dieto secundo priore fuerat inchoata, completa ex- 10 pensis pro parte domicelli Burchardi, filii fundatoris sepedicti. Fuit etiam sub dieto patre tercio ecclesia mea pavimentata una cum choro. Item campanile fuit erectum cum nova campanula. Similiter lectionarium superius fuit sub dieto patre constructum. Etiam sub eo fuit chorus ecclesie cum tabulatura asserum factus. 15 Habuit quoque dictus pater magnum affectum ad cultum divi- num et ad ecclesie ornamenta. Anno autem domini 1424 pre- dietus pater Conradus certo respectu fuit absolutus, et auctori- tate capituli generalis fuit prior quartus in domo mea institu- tus notabilis pater nomine Ortwinus, qui quondam fuerat prior 20 OCartusie prope Magunciam. Sub cuius presidencia nichil no- tabile in domo mea factum est, quia tempus hoc non admisit. Nam statim ut factus fuerat prior in domo mea, anno sequenti, videlicet 1425, ipse auctoritate capituli generalis erat absolutus et factus erat prior in domo Cartusie prope Argentinam. — 2 Junxi priorum aliquorum facta, quia, ut tactum est, non erant multiplicata. Et ut sentio, tu iterum aliqua |53] neglexisti, que non ordine debito investigasti, et puto quod ex oblivione tua hoc acciderit. Presumo nanque, quoniam non libenter hoc obli- vioni tradideris. Ego tamen non dicam, nisi tu moveris pri- 30 mum ea. Dixisti enim superius, quoniam libenter me loquen- tem audias. Interim ergo ego volo dissimulare quod novi, donec tu dederis operam deliberationi. Obitus fundatoris domus Cartusie in Bastlea minori, summa quo- que beneficiorum suorum et ultimum suuım desiderium ad con- 35 ventum. Servitor querit, domina eidem respondet. Capitulum 24. Letarı non multum possum, cum audierim tam notabiles patres, o domina mea sancta Margareta, congregationi tue fore 40 subtractos. Licet nanque loco subtractorum possint alii susci- tari, dubium tamen est, quales sint futuri, sicut dubium non 3. Am Rande: tercius prior. 9. completa erat Hs. 20, Am Rande: prior quartus, 1) 8. oben 8. 270, 8 1418. 1424. 1425. 1413 um 1. Jan. 1414 3.März. 384 Capitulum 24. est de preteritis, quin veneratione multa digni fuerint. Dicat ergo domina mea, que restant. Presertim intelligere cupio ea que, ut immediate supra dixisti, ego non memini. Sancta Margareta dixit: Quia audisti a me de ali- quibus per te non tactis, audi ergo que dicam. De domus mee fundatore est, quod nunc volo. Opportet igitur, quantum. ad annorum numerum, iterum, ut prius, ordine prepostero ‘proce- dere. Ille memorabilis vir, dominus Jacobus Zybol, domus mee fundator, ut magnum suum, quem habuit ad domum meam, affectum posset plenius ostendere, ipse ante mortem suam, vi- delicet anno domini 1413 eirca domini circumeisionem, incepit habitare in domo mea et divina die noctuque frequentare ad probandum se pro ordinis Cartusiensis donato!) et ad relin- quendum hoc seculum. Sed priusguam intentum suum huius- modi perficeret, postquam 15 diebus in infirmitate sua decu- buerat, ex hac luce transiit anno immediate sequenti, videlicet [5sı| 1414, die tercia mensis marcıı in domo sua, ubi nunc est collegium universitatis studii Basiliensis, quia ibi apprehende- rat eum ıinfirmitas in itinere, quo iverat ad exequias unius ex filiis suis. Sepultusque est solemniter. in domo mea, primum in ambitu circa cellam per litteram P nunc intitulatam usque ad ecclesie consecrationem et depost proprio suo in ‚sepulchro mea in ecclesia ante summum altare. Ubi et filius eius domi- cellus Burchardus Zybol cum pluribus aliis de genealogiia ipsius fundatoris post factam translationem corporum requiescunt?). Et quamvis sepedietus dominus Jacobus fundator, ut superius commemoratum est, fuerit bonis multis spoliatus , fecıt adhuc tamen domui mee notabilia beneficia. Nam summarie de hiis loquendo omnibusque simul collectis, que successive et sparsim domui mee donavit, summa ascendit quasi ad quatuor millia septingentos tredecim florenos 3). Unde merito debent omnes filii mei sibi fore grati perpetue de tanta beneficentia. Prout et ipse in extremis agens coram priore et procuratore domus mee devote optavit et humiliter cum magna instancia postu- lavit, dicens ad eos: »En ego viam universe carnis ingrediar, animam meam devotis vestris orationibus commendo. Et spe- cialiter peto propter deum, ut mei sitis memores in missis vestris aliisque orationibus, et non solum mei, sed et meorum, unde substanciam meam habui temporalem, quam et vobis pro parte communicavi, quatenus deo et sancte Margarete mea pla- ceat intencio, quam utcunque erga vos ostendi pro animo, et 28. Am Rande mit rother Farbe: de beneficiis fundatoris summarie. 37. meis sitis Hs. 1) Ueber die donati, die kein förmliches Gelübde ablegten, s. Helyot VII. 398. 2) S. die Grabschrift des Gründers Jacob Zybol und seines Sohnes bei Tonjola 311. 312. 3) Der lib. benef. hat fol. 1: qua- tuor milia quingentos et 13 lorenos. 10 15 20 25 30 35 40 = 10 15 20 Capitulum 24. 25. 285 ut mecum inde gaudere mereantur omnes mei benefactores, consanguinei et amici, et si quid in divicis meis pristinis mi- nus juste acquisierim, quia dei judicia ignoro, ut sic per fun- dationem nove domus pro omnibus satisfiat. Ego quoque, si pössem et scirem, libenter vellem omnibus talibus satisfactio- nem impendere. Ego quia impedimento interveniente, ut no- stis, non valui omnia apud vos implere ut optaveram, igno- scite et oretis deum pro me«. Hiis per fundatorem dictis, ipse in pace requievit. Sequitur de quinto priore domus huius. in Basilea minori. [55] Quintus prior Cartusiensium win Bastlea minori creatur. Qui tamen postmodum fit prior Argentine et visitator Beni provincıe. Capitulum 25. Servus interrogat, domina informat. Ad priorum domus ordinem redeundum foret, domina mea sancta Margareta, in disserendo, si tue placeret sanctitati, ex- peditis illis, que inciderunt et per te michi ad mentem revo- cata venerunt, ne videamur digressionem fecisse viciosam et in oblivionem tradidisse ea, que narrandi series pronunc ordinarie requirit, quod non esset commendabile in conspectu auctoris historie. Sancta Margareta pie respondit: Fateor ad priorum domus mee successionem nunc fore redeundum, unde prius est 25 3 digressum. In quorum numero erat quintus ille insignis pater dominus Heinricus de Ludensched Westphalus natione Herd mus Maguncie professus et ibidem quondam vicarius, vir mul- tum ydoneus et ad regendum valde aptus ac intraneis et ex- traneis non parum dilectus. Idem venerandus pater fuit in priorem domus mee per capitulum generale anno domini 1425 ordinatus. Sub cuius presidencia in primo eius anno fuit dis- positus locus privatus cum sua camera in prioris cella antiqua, intitulata cum signo crucis. Item pars maioris gallilee illa, que mittit transitu suo ad chorum. Similiter janua sive valva porte magne, qua itur nunc de orto domus et torcuları ad ce- lare. Eciam duas cellas dictus pater erexit, scilicet unam pro sacrista littera M jam intitulatam?), alteram videlicet juxta 7. nos valui Hs. 11. Am Rande mit rother Farbe: prior quintus. 12. prior fehlt Hs. 1) »Henricus Kotlo de Ludensched« heisst er Anal. Urst. 234 in Ex- cerpten »ex chartis capituli generalis Carthusian.« 2) In Beziehung auf die Errichtung der Zellen M und L findet sich in unserer Chronik einige Verwirrung. Nach der Notiz de cellis Carthusiae wurde L durch Peter zum Luft gestiftet, und ebendasselbe erzählt unsre Chronik cap. 31 (8.301, 1). Cap. 27 (8. 290,32) dagegen lässt sie die Erbauung von Ldurch Ulrich Eberhard angefangen werden, der nach cell. carth. vielmehr M zu bauen anfieng, das 1425. 1428. 286 Capitulum 25. prioris cellam antigquam versus Renum nunc Jlittera A de- signatam. Premisse structure licet incomplete constabant circa 300 florenos. Item granarium fuit cum aliquali alteratione sub eo debite dispositum et cum lateribus tectum cum inaltatione sul muri, expensis 60 librarum in reparatione cum condepen- dentibus structuris, settamen postea fuit per alıium priorem ple- nius reformatum atque ordinatum. Idem notabilis pater pro- curavit domui mee pro conventu meo unum bonum missale pro celebratione misse a quodam suo consanguineo domino Rotgero pro 22 florenis. Item idem pater emit vineas in Wil!) pro 71 florenis, postea tamen revenditas in commutationem cen- suum meliorum, quia cultura earum communiter plus constabat quam fructus, quem vinea dabat. [56] Item ipse procuravit do- mui mee de Colonia duos calices neenon certos libros et cor- poralia?). Item sedilia in choro meo per istum patrem facta sunt et constabant, octoginta florenos anno domini 1428. Item plures alias vineas sive vites preter supradictas emerat, que jam sunt in meliora bona commutate auctoritate capituli gene- ralis Cartusiensis ordinis per visitatorum medium impetrata. Item ipse impetravit domui mee tabulam pulchram depietam cum dominica passione pro 8 florenis, item unum diurnale pro . 2 florenis, item unum nocturnale pro 10 florenis®). Item idem bonus pater meis filiis in eorum paupertate compaciens, quia gratus et acceptus erat pene cunctis patribus ordinis Cartu- siensis, maxime in capitulo generali, impetravit ut septem do- mus pinguiores in provincia Reni contribuerent in caritate pau- percule domui mee in Basılea 70 fiorenos pro semel duntaxat ex gracia. Item idem pater pie semper affectus domui mee im- 15. Am Rande mit rother Farbe: Sedilia in choro. dann in der Folge durch seinen Verwandten Peter Wolfer ausgebaut wurde. Wenn demnach in der Angabe des cap. 27 ein Irrthum vorliegt und das dort über L Gesagte vielmehr auf M zu beziehen ist, so kann auch die Angabe unserer Stelle nicht richtig sein. Man ist um so eher geneigt, die- selbe auf N statt auf M zu beziehn, als N wenigstens später die Zelle des Sacristans war, wozu sie ihrer Lage nach am besten passt, und als eben ihre Lage auch vermuthen lässt, dass sie vor M gebaut worden. Freilich wird als Gründer von N der Bischof von Worcester genannt, der erst durch das Uonecil nach Basel geführt wurde, und in dem Revers, den das Kloster am 28. Aug. 1437 seinen Testamentsvollstreckern ausstellte (Karth. Arch. 136), heisst es sogar, dass diese die Zelle construi et funditus edificari dispo- suerunt. Indessen ist das funditus wohl nicht so haarscharf zu nehmen, dass man nicht an einen Ausbau der incompleta structura denken könnte. Vielleicht waren auch die früheren Arbeiten so gering gemacht, dass ein völliger Neubau nöthig war. Vgl. Contin. chron. Cap. II. pag. f, Cap. V. pag. 0. 1) Bei Weil, eine Stunde nördlich von Basel, wächst am Abhange des Tüllinger Berges ein guter Markgräfler. 2) Corporale, palla, qua sacrificium contegitur in altari. Duc. 3) Diurnale und nocturnale sind Bücher, welche die Tages- und die Nachtgottesdienste enthielten. 8. Du- eange unter diurnalis, nocturna, nocturnales libri, nocturnalis. a m a 10 15 20 25 Capitulum 25. 26. 287 petravit a capitulo generali, ut domus Cartusiensium prope Fri- burgum venderet filiis meis decem volumina postillarum Nicolai de Lira super biblia!) pro 20 florenis. Iste eximius pater ad- hue uberius domui mee providisset, si diucius in domus mee prioratu permansisset. Sed quia toti provincie Reni in visita- toris officio utilis extitit et domus mea ipsius absenciam, quam hoc officium: sepius requirit, ferre non valuit, ipse a prioratu domus mee anno domini 1429 per capitulum generale absolu- tus fuit ac domui Argentine in priorem ordinatus provincieque Reni in visitatorem deputatus. Sextus prior Cartusiensium in Basilea minori et de actis sub eo, de ipsius absolutione, de concilhi Basiliensis inchoatione et de ville Liele emptione. Capitulum 26. Servitor querit, domina respondet. Quia, domina mea sancta Margareta, iterum privati sumus notabılı domus tue presidente, rogo dignetur sanctitas tua con- tinuare de priorum successione tuosque informare servulos de alio, qui domui tue deinceps presidere debeat tuamque implere sit electus voluntatem ac communem domus tue procurare uti- “ Iitatem. Non enim dubito, quin hec officialium [57] mutatio sit tua et sponsi tui celestis dispositio. Sancta Margareta ait: Bene sentis, prudenter loqueris. Audi igitur nunc de sexto domus mee priore. Qui fuit pater Johannes Eselweg?), senior domus Cartusiensis prope Magun- ciam, per domus mee conventum circa penthecostes solemnia anno domini 1429 electus. Hic devotus pater tria ostia fecit, unum juxta refectorium, aliud Juxta coquinam, tercium ad prio- ris cellam versus refectorium. Item gallileam incepit maiorem ante procuratoris cellam ad spacium duarum cellarum. Item ipse emit ortum juxta vineam domus dietum Beiersgarte pro terminis domus mee dilatandis?). Ipse quoque emit bona que- dam immobilia pro domo mea, que nunc sunt alterata. Item corpus sexte celle sub eo fuit factum, sed non perfectum. Item 2. Am Rande mit rother Farbe: Postille Lire a patribus domus Friburgi 'empte. 11. Am Rande mit rother Farbe: Prior sextus. 1) Nicolaus de Lyra (Lehrer der Theologie in Paris, + 1340) hat sich durch seine Postillae perpetuae in Biblia hervorragende Verdienste um die Erklärung der heil. Schriften erworben. Ueber ihn gieng später der Vers: Si Lyra non lyrasset, Lutherus non saltasset. 2) Der Name wird meist Eselweck geschrieben, so im Calendarium zum 24. Januar und Anal. Urst. 234, so in dem unten zu Cap. 32 (S. 302, Anm. 2) zu erwähnenden Kaufbrief über Liel. Karth. Arch. 116. 3) 8. die Beilage de fundatione ortuque Carthusiae. 1429. 1432. 1432. 388 Capitulum 26. ipse procuravit in Maguncia pro domo mea bonos sermones Jacobi de Voragine!) necnon duo volumina auree legende de sanctis. Item emit quasi decem libros pro 15 florenis pro li- brarie domus mee incremento. Item sub ipso patre sacrum generale concilium Basiliense sumpsit inicium, ad quod fue- : runt vocate persone de omnibus partibus mundi de cunctisque religionibus totius Christianitatis2). Quare et ordo Cartusiensis requisitus super personis mittendis, capitulum eiusdem ordinis misit expensis totius ordinis pro honore universalis ecclesie duos notabiles priores ad concilium necnon quatuor bene dis- positos monachos ad domus mee subsidium. Comperto autem quod prelibatus prior non fuit magne litterature neque suffi- cıienter facundus, licet alias optime presideret, provisum fuit capituli generalis auctoritate ordinis Cartusiensis de ipsius ab- solutione. Sicque congregatio mea ‘privata fuit iterum anno do- minı 1432 capite suo ministeriali et de alio per conventum cum patrum ordinis consilio per electionem canonicam provisum. Eodem anno quo immediate supra, videlicet 1432, fuerunt mi- serabiliter decepti prelibatus pater prior atque conventus domus mee per nonnullos, qui putabantur eorum amici, consilium in dolo dantes, unde ipsi lucra invenerunt et domus mea detri- menta. Nam domus mee profectus in personis et rebus ex hoc multum impediebatur et pene omnimode desolationi subjacuis- set, nisi ego de sponsi mei gracia restitissem. In cau- [ss] sa horum fuerunt simplicitas meorum prioris et conventualium necnon astucia falsorum amicorum ipsis insidiantium. Fuit enim domui mee provisum notabiliter per fundatorem domus mee et filium eius per aliosque benefactores de redditibus ad valorem sortis quasi trium millium florenorum pro maiori parte reempti- bilium secundum patrie tunc cursum, quos subdoli amici dixe- runt fore usurarios, et ideo persuaserunt meis filiis, ut census huiusmodi alienarentur et loco ipsorum emeretur quoddam pau- perculum villagium Liela®) dietum, in dominio domini marchio- nis Rötelensis situm versus castrum Susenberg, duobus distans miliaribus a Basilea, unde lites et damna maxime orte sunt et multis annis duraverunt. Ut autem in futurum posteri mei servitores sint plus cauti in emendis et vendendis bonis tem- 18. Am Rande mit rother Farbe: Decepti fuerunt primi quidam patres domus in emptione ville Liele. 31. persuaverunt Hs. 1) Jacobus de Voragine, auch Jacobus Januensis genannt, geboren zu Viraggio im Genuesischen um 1230, Predigermönch und Erzbischof von Genua, gest. 1298, ist der Verfasser der sehr beliebt gewordenen Legenden- sammlung: Legenda sanctorum oder legenda aurea, auch historia Lombar- dica genannt. Er schrieb ausserdem eine Chronik von Genua, Predigten und einige andere theologische Werke. Vgl. Herzog VI. 399 f. 2) Vgl. im Allgemeinen Wurstisen 249 ff. Ochs III. 237—301. v.Wessenberg: Die grossen Kirchenversammlungen II. 271 ff. 3) Liel zwischen Kandern und Schliengen. 15 3 20 | 25\ 39 10 20 Capitulum 26. 27. 289 poralibus pro domo mea, notent diligenter, que dicam. Abbas in Beinwiler ordinis sancti Benedicti!) in dyocesi Basiliensi situm, erat multis involutus debitis et creditoribus respondere non poterat. Quod attendentes creditores et suo proprio com- modo magis quam abbatis consulere studentes subordinarunt aliguos, qui abbati consuluerunt, ut villam nomine Lielam ven- deret et cum pecuniis inde recipiendis sue necessitati consule- ret. Hii subordinati postea et meos accesserunt servos et filios, eis huius ville emptionem persuadentes, ipsius valorem ultra veritatem magnificando atque census reemptionum a diversis amicis sibi datos omnino condemnando. Quorum subdolosorum consiliariorum mei nimis creduli alienarunt census certos et eme- runt incertos, pro pacificis bonis recipientes litigiosa et dam- nosa, quemadmodum postmodum experiencia docuit. Utinam servi mei intellexissent, quod huiusmodi consiliatores non meos in hoc contractu quesierunt filios, sed se et suos. Nam abbas pretactus fuit eis obligatus circa quatuor milia florenorum ad loca diversa hincinde, et non erat eis spes de solvendo, nisi ista vılla venderetur. Qua vendita et per meos empta credito- res abbatis pene totam receperunt summam hanc, sibi parum abbas inde retinuit. Non erat in Basilea nec circumcirca ecclesia, que emere vellet huiusmodi villagium, eciam precio minori, propter timorem invo- [59] lutionis ; de hoc siluerunt ipsi practicı?). Et displicuit emptio huiusmodi multum filio funda- toris domus mee, sed prevaluerunt seductores, et amici non - fuerunt auditi. Parcat deus dolose agentibus et cautos * eddat 30 35 injuriam pacientes ab eorum insidiis! Vides ergo quomodo non omni spiritui est credendum nec faciliter mutatio possessionum est acceptanda. Utinam prelibatus pater fuisset prudentior in agendis, similiter et conventus in causa huiusmodi! De gestis sub priore septimo Cartusiensium in Basilea minori nec- non de structurıs diversis et beneficuis quam plurimis protunc eve- nientibus et de vpsius morte. ‚Capitulum 27. Servulo querente, domina respondente. Ex quo in capitulo immediate precedente dixisti, domina mea sancta Margareta, de hiis, que pro parte placuerunt atque pro parte displicuerunt, nesciogu id pronunc debeo petere, sed totum committo tue virginee prudencie necnon materne tue 3. situm [sic]. 35. Am Rande: prior septimus. 1) Der Verkauf von Liel wurde 1430 abgeschlossen durch Heinricus — episcopus Siginensis necnon comendarius seu administrator monasterii sancti Vinceneii in Beinwilr. Karth. Arch. 116. S. unten 8.302 Anm.2. 2) Vgl. unten 8. 302 und 303. Basler Chroniken, 1. 19 1432 um 8 Juni. 1434. 390 | Capitulum 27. pietati, ut dicas quod vis. 'Tamen de priore domus tue septimo libenter audirem et de factis temporibus sue presidencie. Sancta Margareta benigne respondit:. Post dieti prioris absolutionem successit ın officio anno domini 1432 circa festum penthecostes pater multum notabilis, nomine Albertus!), magister in artibus et doctor in medicinis, de 'Trajecto inferiori orıundus, qui antea fuit prior in domibus Trajecti2) et Rüra- munde?) et in Monechusen®), vir in temporalibus et spiritua- libus multum expertus valdeque pacificus 'et pius ac in facie prelatorum concilii Basiliensis bene visus. Ipse procuravit do- mul mee a conventu Uartusiensium prope Magunciam, sed ın- completa, moralia beati Gregoru super Job, que tamen jam sunt ın alıos libros commutata, item summam sancti Thome contra gentiles, item eiusdem sancti 'Thome primam partem summe sue?),, item Ganfredum in jure®). Item sub ipso fuit cella nune littera. D intitulata per reverendissimum patrem do- minum Nicolaum cardiınalem sancte crucis ordinis Cartusiensis constructa. Item eiusdem cardinalis expensis ipse providit meis servitoribus de duobus libris missalibus ex Nürenberga. Item tempore concilii Basiliensis ipse conventui meo procuravit ab eisdem concilii pre- [so] latis nonnulla ornamenta ecclesiastica, Item sub dicto priore quidam Gelrensis domicellus, dietus Udo de Bösze, dedit domuiı mee 300 Hlorenos, aliis 200 florenis si- milibus defalcatis, quia debuissent fuisse 500, sed. inundatio aquarum. in partibus: inferioribus destruxit agros, unde huius- modi colligebatur census. Item sub dieto patre fuit 'ecclesia mea inferior tabulata, scilicet laicorum, item anno:domini 1434 cella, ıinsignita littera C, fuit, sub dicto, patre inchoata’) ‚sed non eodem anno perfecta, item celle due, designate ‘nune lit- teris E et F, fuerunt expensis duceisse 'Burgundie, domine Ysabelle, per eundem patrem fundate, sed non sufficienter dotate®)... Similiter cella, que littera. intitulatur L, fuit per 1) Albertus Bur. Anal. Urst. 234 (vgl. oben 8. 285 Anm. 1). Alber- tus Buer. Calendarium Juli 6. 2) Utrecht. 3) Roermonde, am Ein- fluss der Roer in die Maas in der niederl.' Provinz Limburg. 4) Bei Arnheim in Geldern. 5) Die Summa schlechthin ist die 8. theologiae in III partt. a 15 25) 6) Die Summa super titulis decretalium compilata a magistro Goffrido de Trano domini pape subdiacono et cappellano (er lebte zu Ende des 13. Jahrh.), von der die öffent. Bibl. eine aus der Karth. Bibl. herstammende Pergament- handschr. des 14. Jahrh. (ohne Zweifel ‘die im Texte erwähnte) mit hübschen, durch eingemalte Figürchen verzierten Initialen besitzt. Auf dem Deckel und auf dem ersten Blatte des Buches, sowie im Catalog der Karth. Bibl. wird es ‚als summa Ganfredi (nicht Gaufredi) bezeichnet. 7) Vgl. über diese und die folgenden Zellen die Beilage .de.cellis Carthusiae. s) Isabella war die Gemahlinn Philipps von Burgund, die Mutter Karls des Kühnen. Die Summe, die sie. im J. 1458 zu der Erbauung und Dotierung der zwei Zellen schenkte, betrug 1700 fl. rhein. Diese Gabe, sowie zahlreiche Geschenke von Kirchen- geräthen u. dgl., die sie unter dem damaligen Prior und später im J.. 1446 dem Kloster machte, finden sich verzeichnet im lib. benef. 4b und 5#. um 15 I) Capitulum 27. 391 unum mercatorem Ulricum Eberhardi dietum, ciıvem Basilien- sem), sub ipso inchoata, item quatuor fenestre lapidee in am- bitu fuerunt ordinate sub ipso. Item procuravit filiis meis ipse manipulum florum 2). Item due alie celle fuerunt sub eo erecte successivis temporibus. Item sacristia tempore ipsius fuit edi- fıcata expensis domini Alfonsi, cardinalis sancti Eustachii de EHispania’), cum 600 quasi florenis, et quatuor milia florenorum fuerunt domui mee per eundem cardinalem ordinata, quia mul- tum dives erat, sed eius testamentarii egerunt sicut eis pla- euit, non ut ordinatum fuit, subticendo et non fideliter exe- quendo commissa. Hec primo innotuerunt casualiter diu post eoncilium, inutiliter, quia Hispaniam repetierunt, unde origi- nem habuerunt. Item libraria sub eodem patre fuit erecta, licet non complete ordinata, item temporıbus suis fuit sacristia com- pleta, item pro loco capitulari fuit positum fundamentum, sed structura incompleta, item ipse ordinavit poni fundamentum pro tota gallilea minori, item ipse disposuit fundamentum poni in maiori gallilea pro 17 fenestris triplicatis et postmodum eius murum ex toto complevit cum tabulatura inchoata, et pavimen- 20 tum fuit consummatum. [sı] Et procuravit a diversis prelatıs concilii Basiliensis aliisque personis eas eciam cum depictis fe- nestris vitreis consummari!). Item decretum cum aliis libris juris ipse acquisivit. Item memoratus pater practicavit edificationem duarum cellarum pro 700 florenis per medium predicte domine dueisse Burgundie Ysabelle, designatis pronunc litteris hiis vi- .delicet E necnon F5), eciam suis cum ornamentis ecclesiastı- cis diversis, similiter cum cellarum illarum duarum pro parte dotatione. Idem pater ad prelatorum concilii Basiliensis in- 6. Euchstachiü Hs. Einiges aus diesem Verzeichniss, jedoch nicht immer richtig übersetzt und ausgezogen, theilt Buxtorf 8. 66 mit. In der mittelalterlichen Sammlung befindet sich eine von der Herzoginn im J. 1433 in die Karthaus gestif- tete, in Erz gegrabene Votivtafel, den Leichnam Christi auf dem Schoosse der h. Jungfrau darstellend. 1) S. oben 8. 285 Anm. 2. 2) Buxtorf 65 Anm. 1 denkt an ein Blumenbüschel von edlem Metall, wahrscheinlicher ist manipulus florum der Titel eines Buches, im Sinne von florilegium, antho- logia. 3) Alfons von Curillo, s. seine Grabschrift Tonjola 313. Er starb V kal. mart. 1434. Erst wurden seine Eingeweide hinter dem Fronaltar, dann am 18. Merz sein Leib rechts von demselben begraben. Lib. benef. 73 (Merz 14). Wurstisen 204. Sein Wappen bildet noch jetzt den Schluss- stein der gewölbten Decke der Sacristei. Der Grabstein ist an der Wand in der Kirche angebracht. 4) Rin Verzeichniss der sämmtlichen Glasgemälde der Kreuzgänge giebt Wurstisen in den Analecta. 5) Von der »Summa mille septingentorum florenorum Renensium aut eorum equivalencia«, welche Isa- bella schenkte, und für deren vollständige Ausrichtung die Karthäuser den 23. Juli 1438 quittierten (Karth. Arch. 139. Vgl.lib. benef. 4b), wurden, wie es scheint, 700 zur Erbauung der Zellen verwendet, 1000 zu deren Dotierung. »Pro harum quoque dotatione cellarum empta est curia nota- bilis in Egryngen, ex qua una cum bonis eidem annexis communiter pro- veniunt annuatim 40 quasi floreni Renenses vel circa«. Lib. benef. l.l, 19* E u% 292 Capitulum 27. 28. stanciam magnam per septem quasi menses multum laboravit pro ipso concilio in colligendo pecuniam indulgenciarum in par- tibus inferioribus Alemanie cum magno eiusdem concilii fructu et cum domus mee eciam aliıquali commodo. Nam per hoc ac- quisivit suis cum laboribus filiis meis circa 200 florenos. Hic > memorabilis pater tandem post multos labores obiit anno do- 1439 mini 1439 in octava apostolorum Petri et Pauli!\. Qui si l:idiucius supervixisset, bonum pro domus mee profectu fuisset. Verum ad beneficia pretacta multum cooperabatur prelatorum sacri generalis concilii Basiliensis, quod tunc erat in flore, de- 1u vocio, que fuit in eis ad meam novam plantationem magna, prout patet in sepulturis eorum apud domum meam atque in elemosinis suis quam plurimis, in quibus non fuerunt minimi cardinalıs sancti Eustachii episcopique Wygorniensis2) et Rof-__ fensis?\, quorum primus dedit circa 730 florenos, secundus 15 circa 300. Primi venerunt pro [62] bonis in Tannenkilch #), se- cundi ad ambitum maiorem. Unde si concilium generale eius- que prelati cum suis benedictionibus non supervenissent, nescio, quid de domo mea propter temporalium defectum factum fuis- set. Motum quippe sepius extitit inter ordinis Cartusiensis per- % sonas, domum meam adhuc debere dimitti propter quasi despe- rationem de ipsius profeetu. ‘Quod tamen michi non placuit, licet aliis ita visum fuerit maxime propter adversitates multas, presertim propter lites super villagio Liel, quibus valde preme- bantur servuli mei, prout infra tangitur. Ego autem novi sponsi 25 mei celestis pietatem, qua novit facile supplere omnes defectus urgentes, quare servulos meos occulta inspiratione semper ad longanimitatem hortata sum. | Beneficia filu fundatoris Cartusiensium in Basilea minori et eius secunde uxoris, videlicet domiceli Burchardi Zybol et domine 30 Sophie de Ratperg >). Capitulum 28. Servitore querente, domina respondente. Vellem bene, domina mea sancta Margareta, quod imme- 15. Buxtorf S. 67 irrthümlich 430. 34. Am Rande mit rother Farbe: Beneficia Ailii fundatoris et eius secunde uxoris. 1) Bei Tonjola findet sich seine Grabschrift nicht vor. 2) Thomas Polton, Bischof von Worcester, + 1. Sept. 1433. $. seine Grabschrift bei Tonjola 312 (nach Wurstisen $S. 204 starb er den letzten August). 3) Johann Langdon, Bischof von Rochester, + 30. Sept. 1430. Seine Grab- schrift bei Tonjola 312. 4) Tannenkirch, westlich von Kandern, süd- lich von Lie. 5) Ratperg ist die ursprüngliche Form des Namens dieses baslerischen Rittergeschlechtes, das heute noch als Geschlecht der Freiherrn von Rotberg im Breisgau blüht. Der Name hat mit »roth« ebensowenig zu thun, als der Name Hochberg (ursprünglich Hachberg) mit »hoch«. Die Schreibung mit o ist übrigens zu Ende des 15. Jahrhunderts schon gäng und gäbe und wird auch von unserem Chronisten weiter unten angewandt. | | 1 \ 2 2 3 [> 0 B) <= h) un Capitulum 28. 293 diate dietus pater, si tibi et sponso tuo celesti ita placuisset, vixisset diutius, quia absque dubio consolatorius amplius nobis, servulis tuis, fuisset. Sed fateor, quia requiem meruit, ideo a .domino vocatus extitit nosque in laboribus reliquit, quia non coronabitur, nisi qui legittime certaverit!). Dicat ergo domina mea, 10go, que restant. Sancta Margareta respondit: Verum est, quod jam dixisti de patris morte, sed si mortuus est corpore, vivit tamen adhuc vita bone fame. Nichil tetigisti [63] superius de funda- toris domus mee filio‘ Burchardo, patrem suum pro parte imi- tante, qui et domui mee benefecit satis notabiliter. Hıic sub predicto patre Alberto obiit anno domini 1433 die prima men- | sis augusti, juxta sepulchrum patris sur in ecclesia mea cum solemnitate magna sepultus?). Beneficia ab’ eo filiis meis suc- cessive collata ascenderunt estimative ad summam mille septin- gentorum quinquaginta florenorum ?) in subsidium structure alı- quarum cellarum et ornatus ecclesie. Igitur bene meruit me- moriam perpetuam apud servitores meos. Quia domicellus fuit notabilis, Basiliensibus bene gratus, eratque post suum patrem defunctum supremus zunfftarum Basiliensis civitatis magister. Tu eciam nichil dixisti de dicti domicelli uxore, presertim de secunda, que vocabatur Sophia de Rotperg®). Et quamvis tem- pore alio et diu post illa supervixerit, similiter post plures an- nos mortua fuerit, tamen, quia beneficia mariti eius hic suc- cinctim enumerata sunt, possunt non incongrue et sua bene- - ficia hic describi. Hec inguam domina, genere et virtute vere > nobilis, multum devota meis servulis, vixit in sancta viduitate honestissime ab anno domini 1433 usque ad annum domini !#°. 1478, in quo et obiit die sancti Mathie apostoli?), multis annis,, in lecto decumbens egritudinis, elemosinis atque aliis operibus 17. Am Rande mit rother Farbe : 1750 floreni a filio fundatoris. 1) 2 Timoth. 2,5. 2) S. seine Grabschrift bei Tonjola S. 312. 3) Lib. benef. 1: dedit mille septingentos florenos omnibus computatis. 4) »Hans Ludman von Rotberg ritter (Heusler 283 ff.) ist ihr vatter gwesen und Ursul von Andlo ihr müter, ihre geschwistrigen seind gwesen Arnold bi- 1478 . Febro schoff (1451—1458), Ludman, Adelberg, Bernhart ritter, desz gmahel Anna . von Randeck, Henrich von Efringen aber von einem anderen vatter, Agnes und Margret ihre Sophiae schwestern«. Anal. Urst. 229. — Ueber Sophia als Wohlthäterinn des Klosters s. die Beilage de fundatione ortuque Carthusiae. Ein ausführliches Verzeichniss ihrer mannigfaltigen und reichen Vergabun- gen (vgl. die sogleich folgenden Angaben im Texte der Chronik) findet sich im lib.. benef. 1b, 5) S. ihre Grabschrift Tonjola S. 319. Dort ist noch bemerkt: »Sie hat nach absterben ihres herren Junker Burckhard Ziboln, Obristen Zunftmeisters, alles zeitliche verlassen, ihren Hoff der Stadt zu kauffen geben: ward nachmaln züm Collegio der Universitet verordnet. Begab sich hernach zu den Closterfrawen an den Steinen, und empfienge von ihnen auf dem Plänlein ein klein Häuszlein, welches sie zu nohtwen- diger Wohnung rüsten liesse«.“ 294 Capitulum 28. 29. bonis semper vacans. Hwuius benefactricis domus mee, quia multum bene fuit servulis meis affectionata, beneficia notabilia successivis temporibus cullata in unam summam redacta ascen- dunt ad tria milia quingentos florenos. Quibus pecunüs fuit erectus locus capitularis cum libraria necnon cum promptuario religuiarum circa pulpitum evangelii. Item tabula preciosa in summo altari meo per eandem benefactricem facta est. Similiter et tabule alie sancte crucis, beate virginis, in sacristia, super lectionarium, in altari martirum!) in parva gallileaque similiter. Iste ecclesie mee ornatus, ut videri potest, non paucis expen- sıs dispositus est. Eciam hec benefactrix fieri fecit in capitulo cancellos ferreos contra pericula furum et nocturnos [ss] incur- sus. Item preciosam vitream fenestram depictam ibidem in ca- pitulo, item cameram disposuit supra capitulum pro ecelesie ornamentis et vestibus sacris ad a&rem exponendis. Eciam ipsa procuravit parvulum calicem cum sua patenula pro communione infirmorum, in monstrancia venerabilis sacramenti eucharistie inclusos. Sed ipsam monstranciam ordinaverat maritus eius, predictus domicellus Burchardus, amboque et maritus et relicta instanter rogabant pro se et suis orari. Quare et locus capi- tularis pretactus cum missarum celebrationibus est specialiter per conventum pro ipsis et suis attinentibus deputatus, prout quoque dignum et justum est utique ac deo gratum; accepti enim beneficii memorem esse convenit. Octavus sequitur prior Cartusiensium in Basilea minori, et de gestis sub eius presidencia necnon de aliquibus structuris. Capitulum 29. | Servulus querit dihgenter, domina respondet dignanter. Satis mutatus est, domina mea sancta Margareta, ordo dis- serendi in superioribus, quamquam non sine causa. Sed quia tue sanctitati ita visum fuit, eciam non displicet. In idem nanque redit, quo ordine quid dicatur, dummodo non ex toto ratione evacuetur. Dicat ergo domina mea ultra, rogo, que materia dicendi requirit, potissimum de priorum domus conti- nuatione. Sancta Margareta dixit: Ad priorum domus mee quo- tam, unde parum digressionem fecimus, regrediendo scias octa- 1. Am Rande mit rother Farbe: Recommendatio et benefiecia domine fundatrieis nostre trias milia 50 flor. Der lib. benef:. hat wie die Stelle im Texte der Chronik: 3500 und fügt hinzu: »vel circa et potius paulo minus ultra«. 36. Am Rande mit rother Farbe: prior octavus. 1) Irriger Weise spricht Neujahrsblatt Anm. 8. 5 von einem. Altar der Mütter (matrum statt martirum). Ausführlich verbreitet sich über die- sen Altar die 8. 295, 20 und Anm. 3. 4 erwähnte Urkunde des Bischofs von Marseille. 15 20 25 30 35 10 15 2 — Capitulum 29, 295 vum priorem esse in numero illum sanctum virum dominum Adolphum, prius domus Oartusie in Colonia vicarıum et do- mui mee ex conventualium‘ electione quasi per postulationem in priorem assignatum, prioris Cartusie maioris auctoritate con- eurrente, anno domini 1439. Qui quidem juvenis in annis, sed grandevus in virtutum meritis, filius erat magistri civium in Colonia!), de magna oriundus parentela, [65] vir intelligens, totus virtuosus ac multum devotus, de cuius hereditate domus mea habuit ad eius instanciam circa 200 florenos. Et prefuit domui mee quası ad decem annos in multa paciencia propter diversa que interim occurrebat incommoda, maxime propter supratactum villagium Liela. Sub ipsius presidencia, ut supe- rıus tactum est, fuit completus locus capitularis cum camera superius pro sacristie ornamentis annexa. Sub isto patre fuerunt dedicata ea loca, que in prioribus dedicationibus nondum erant aptata, videlicet auctoritate sacrı concilii Basiliensis ac domini pape Felicis per dominum episcopum Massiliensem ?) , utpote pars maioris gallilee cum suo adherente cimiterio. Item tota minor gallilea cum suo cimiterio, item sacristia et capitulum una cum suis altaribus, ut patet in littera dieti domini episcopi Massiliensis®). Circa quam litteram est notandum, quod cimi- terium maius non est ex toto consecratum, sed est prophanum inter duo signa scripture in muro, ubi habetur distinctio sculpta »sanctus« et »prophanus« ad lapidem in medio huius spacii positum, hac de causa, ut si quis excommunicatus in cimiterio meo esset sepeliendus, posset in isto loco prophano cum ho- nestate recondi, donec esset ecclesie reconciliatus, et ita exhu- mari etc.*) Hic laude dignus pater maiorem quoque fructum 22. Am Rande mit rother Farbe; Quare ceimiterium maius non est ex toto consecratum. 1) Oremus pro honorabili viro domino Adolpho Brouwer civitatis Colonie reddituario et magistro civium et pro Nesa legitima eius conthorali, defunctis parentibus patris Adolphi prioris domus nostre. Lib. benef. 180. Vgl. Calendarium Mai 19. 2) Oretur 'specialiter pro reve- rendissimo in Christo patre ac domino, domino Stephano Plonerii, episcopo Massiliensi, decretorum doctore egregio ac olım palacii apostoliei in curia Romana, nec non reverendissimi in Christo patris ac domini, do- mini Ludoviei cardinalis Arelatensis et causarum eius in sacrosancta gene- rali synodo Basiliensi auditore seu judice, de Valentinensi civitate oriundo, magnoque zelatore eiusdem synodi et justiciario eius. Lib. benef. 300. Vgl. Calendarium Oct. 21. 3) Karth. Arch. 151. Die Einweihung der verschiedenen, in der Urkunde genau aufgezählten Baulichkeiten und Altäre geschah den 30. Sept., den 1. Oct. und den 22. Oct. 1441. Auch die in den einzelnen Altären aufbewahrten Reliquien werden sorgfältig auf- gezählt. Am erstgenannten Tage wurde der kleine Kreuzgang mit seinen beiden Altären geweiht, sowie der Gang, der aus dem grossen in den klei- nen Kreuzgang führt, am zweiten die Sacristei und der Capitelsaal mit ih- ren Altären, am dritten ungefähr der vierte Theil des grossen Kreuzganges und der Altar, quod est in angulo supra lectionarium in domus memorate ecclesia. 4) Es war die nordöstliche Ecke des Kirchhofs, etwa 50 Schritte nach Süden, 33 nach Westen sich erstreckend. Karth. Arch. 151. 1439. 296 Capitulum 29. procul dubio domui mee fecisset seu protulisset, si in tempo- ralibus experienciam maiorem habuisset et aliquorum fratrum meorum conventualıum fideliorem adherenciam sensisset. Pre- libatus pater edificavit quoque expensis domini cardinalis Vi- censis !) gallileam minorem presertim quoad colloguium a clausura usque ad clausuram cum altari martirum necnon ornamentis et calice ad idem altare, eciam cum lavachro magno pro conventu, quod tamen postea ad usum alium deputatum extitit, alio mi- nori resumpto. Eciam lapides sculpti in dicta gallilea minori pro illa parte colloquii predicta necnon cum muro et tecto cum canalıbus de plumbo, similiter cum tabula et cum preciosis fe- nestris vitreis depictis, sumptibus predicti domini cardinalis precio simul florenis 300 soluti sunt. Item sub dicto patre est altare virginum in opposito loci capitularis expensis domine Margarete Lostorffin?), alias diete Brandyn, erectum atque una cum sacıistia et capitulo necnon [66] cum ambitu minori so- lemniter dedicatum. Item paramenta altarıs et postea calicem cum libro missali eadem domina ad suum virginum altare, ante quod et sepulta est3), ordinavit. Similiter ad memorati patris instanciam ipsa deputavit pro servulorum meorum consolatione perpetuorum reddituum lıbras 30. Omnia sua beneficia alia taxata fuerunt quasi ad 400 florenos, omnibus similiter collectis cum premissis. Et sepius donavit eis elemosinas in pecunüs, caseis et aliis muneribus cum sua et suorum devota recommen- datione. Ipsaque singularem ad me habuit semper devotionem . et magnam ad servos meos inclinationem. Statuitgque apud se cellam ordinis in domo mea erigere, sed preoccupata fuit morte. Igitur non est cautum opus bonum nimis procrastinare. Iste commendabilis pater fuit absolutus et ad Coloniam reductus ad sul magnam instanciam propter suam desperatam infirmitatem 13. floreis Hs. 21. Am Rande mit rother Farbe : Beneficia domine Lostorffin. 1) »Reverendissimus in Christo pater ac dominus, dominus Georgius presbyter cardinalis tituli beatae Mariae trans Tyberim, episcopus Vicensis (von Vich in Catalonien) alias: dietus,; doctor utriusque juris egregius, de Cathalonia oriundus de ditione serenissimi regis Aragonum et Ceciliae et Valentiae« war er nach Anal. Urst. 228 in den Fensterinschriften des kleinen Kreuzganges genannt. Bei Tonjola 378. 379 sind die. betreflen- den Inschriften, wie es scheint, ungenau und nicht richtig aus den ver- schiedenen Fenstern zusammengestellt, wiedergegeben. — Als Zeit der Gründung des Altars der Märtyrer nennen die Inschriften bei Urst. das Jahr 1441. 2) Margaretha Löstorfin (Löstorfferin, Lostorffin) vidua, meist Margaretha Brandin, alias dicta Löstorfin genannt, war die Schwester von Oswald Brand, Schultheissen der mindern Stadt. Den Namen Lostorfin hatte sie wohl, wie Wurstisen in den Anal. 206 angiebt, von ihrem Manne. Ihre vielfältigen Wohlthaten gegen die Karthaus finden sich im lib. benef. 2b verzeichnet. Ueber ein Stipendium, das sie im J. 1467 zu Gunsten eines Studierenden der Theologie stiftete, s. Vischer: Gesch. der Universität Basel 83. 3) 8. ihre Grabschrift bei Tonjola 318. Sie starb nach derselben den 8. März 1474. _ a Capitulum 29. 30. 297 anno domini 1449, quamquam multis postea annis supervixerit in debilitate sua, semper tamen compos rationis. Plures nanque 5 10 15 20 25 annos etatis habuit, in ordine ultra quinquaginta. De achtatis sub nono priore Cartusiensium in Basilea minori et specialiter de temptationibus varüis temporibus suis ezortis. Capıtulum 30. Servulo querente, domina respondente. Hucusque disseruit sanctitas tua, domina mea dulcissima sancta Margareta, de servorum tuorum priorum domus tue con- ditionibus, licet propter alia quedam incidentia quandoque dis- juncte, nichilominus tamen, quantum ad temporis successum, congrue. Non igitur displiceat, prudentissima virgo fidelissima- que mater, addere que narrandi nunc requirit series in eadem assumpta materla. Sancta Margareta cum magna pietate respondit: Quoniam, ut asseris, disjuncte quandoque narravi historiam, tu fuisti interdum in causa, quia non ordinate ea movisti, vel eciam materie proprietas id postulabat, quam tu superficialiter perspexisti. Prior nonus domus mee fuit anno domini 1449 (67) ınfra festa penthecostes factus frater Heinricus de Alle- veldia Hildesemensis diocesis ex Saxonia, qui domui mee 30 annis prefuit, uno anno ex causa sub nomine rectoris, aliis an- nis nomine prioris. Fuitque prius pene 15 annis domus mee vicarius!) et erat primus prior in domo mea de propriis domus mee filiis, ceteris prioribus de aliis domibus assumptis. Pluri- busque quia iste prefuit annis, non est mirum, si temptationes multas expertus sit. Temptatio una inter ceteras fuit persona- rum tam laicorum quam conventualium longo tempore paucitas, earumque indispositio et infirmitas. Itaque sepe vix duo erant, 30 qui altaris ministerium, quantum ad conventum, implerent et 35 quandoque idem minister, qui legerat epistolam, legit et evan- gelium. Sepiusque prior per se dixit ad missam conventualem evangelium. In festo quoque 12 leetionum ?2) communiter unus legit quatuor lectiones cum quatuor responsoriis. Alia quoque temptatio non minima affuit, quam causabant paupertas et de- 19. Am Rande mit rother,Farbe: prior nonus. 21. Das Wort »diocesis«, das im Texte fehlt, scheint nothwendig ergänzt werden zu müssen. S. oben S.241 Anm.?., 27. Am Rande mit rother Farbe: Temptationes noni prioris. 1) 8. über diese Angabe das in den Nachträgen Bemerkte. 2) Festa duodecim lectionum sind Festtage, an denen 12 Lectionen (Vorlesungen von Abschnitten aus der Bibel oder den Schriften der Väter) abgehalten wurden. Diese Feste, sowie die festa trium lectionum finden sich in dem Calendarium oder kleineren Jahrzeitbuch, sowie in den Kalendarien einiger den Karthäusern gehörige Gebetbücher [APN. VI. 27, °’B.IX.8 der öffentlichen Bibliothek in Basel) sorgfältig verzeichnet, weniger genau im liber benefactorum. 1449. 1449 1. Juni. 298 Capitulum 30. 31. bitorum involutio. Prelati quippe concilii Basiliensis servulis meis benefici fuerunt, presertim ad structuras, sed raro ad co- quinam contribuerunt; concilio igitur cessante cessarunt et elemosine, unde accidit, quod domus mea debita pene quin- gentorum florenorum incidit. De quibus 'eciam nec liberari potuit nisi de licencia patrum visitatorum, ecclesie cleno- diis, puta aliquot pannis deauratis calicibus et libris cum aliis ornamentis per alienationem distractis. Insuper evenit et alia temptatio non minus quam predicte urgens. Prior enim unus propter infirmitatem fuit absolutus, et alter in domus negociis inexpertus institutus, procuratorgque domus sine informatione de statu domus mortuus, sicque omnibus pene confusis domus mee debita subdole negabantur, credita vero districte cum eccle- siasticis censuris exigebantur. Orte sunt et alie temptationes non parum officiales domus mee occupantes. Contigit nanque sepius, ut quandoque 20 aut 30 suscitarentur negocia litigiosa simul, tum super paupercule domus mee censibus satis minu- 6) 10 15 tis, tum super jJuribus domus mee defensandis ac aliis emer- gentibus causis et rebus, de quibus minus [ss] suspicabatur. Occasione premissarum temptationum surrexit et alia temptatio, non minus quam cetere premens. Videntes enim patres ordinis Cartusiensis domum meam parum vel nichil in rebus et per- sonis proficere, ymmo quası cotidie deficere, multi ex eis in- clinati erant ad resignandum eam ad manus heredum funda- toris usque ad fortunam uberiorem, etiam cum translatione personarum. In quod tamen filii mei, fratres domus mee, con- sentire noluerunt, dicentes se potius velle in pane et aqua vivere quam domum meam tali confusioni exponere. Benedi- cantur igitur in eternum et ultra, qui mei amore non veriti sunt adversa sustinere! | Item de actıtatis sub priore nono ordims Cartusiensis in Basilea minorı necnon de structuris et ordinatis temporibus eiusdem. Capitulum 31. Servitore inquirente, domina respondente. ; Mea domina sancta Margareta, quia multa facta sunt tem- pore prioris immediate predicti te ipsa teste, quia annis pluri- bus prefuit, presumo, quod non omnia dieenda tua sanctitas dixerit. Novi enim, quod ea, que sunt multa, non possunt expediri semper per pauca, et "quod aliogquin sermonis brevitas fit interdum maior obscuritas. Non tamen verborum commendo superfluitatem, sed approbo eorum moderamen. Sancta Margareta respondit: Verum est, quod dicis, et ergo volo esse brevis, quantum materie sinit vis. Multa in domo mea facta sunt sub prioris huius presidencia. Primum 20 25 30 35 40 or 10 15 20 25 30 39 40 Capitulum 31. 299 omnia domus mee utensilia sunt renovata sepius pariter et augmentata tam in coquina quam in patrum et hospitum ca— mera et tam im refectorio quam in domus communi loco, in fratrum laicorum quoque officinis et im locıs aliis. Carceres etiam duo fuerunt ordinati, qui prius multum fuerant incongrui. Pistrina fuit instituta cum sua condependencia. In coquina diversa sunt facta et in melius commutata. Promptuarium quo- que cum sua pro leguminibus cista [69], fenestra nova de qua- dris lapidibus in coquina et cancellis ferreis similiter novis pro munimine civitatis. Promptuarium magnum pro reponendis cussinis ') hospitum et aliis necessarliis in camera patrum et hospicii factum fuit, utique opportune. Fratrum laicorum ca- mere etiam in multis emendate sunt. 'Torcular novum pro orto domus aptando positum est. Granarium diversis vicıbus refor- matum et tandem utiliter dilatatum est cum fenestrarum sculpta- rum propter aeris defectum multiplicatione et pavimentorum eiusdem alteratione necnon cum instrumento ad introducendum saccos cum frumentis in granarium corde et funis applicacione. Fenestra de quadris et sectis lapidibus cum caneellis ferreis in celari versus orientem disposita fuit. Nova laquearia in celari posita sunt in inferioribus suis. Omnia tecta totius domus re- formata sunt, primum ex integro, postea sepius in locis diver- sis necessario. Sub dicto priore est eciam notabilis facta mu- tatio de domus mee orto retro celare et in melius ut constat disposicio, quia pro ampliatione loci facta est et pro domus mee maiori commodo. Attractis nanque non sine multis pecuniis per contractus varios domunculis?), que domui mee vicine erant, atque depositis, murus domum circumeingens erectus est non solum versus civitatis plateam, sed etiam versus sanctum Theo- dorum. Item diverse ortorum pecie in vinea exteriori retro ple- banıam sancti Theodori ad dilatandum terminos empte sunt. Ornatus ecclesie multum crevit sub dicto patre non sine ex- pensis plurimis neenon librorum reformatio in choro et in eccle- sia, prout patet in diversis et specialiter in tabulis per funda- tricem dispositis. De cuius beneficencia etiam census annul super ecclesia Constantiensi domui mee ad numerum quinqua- ginta florenorum creverunt?). Sed et cellarum in domo mea plurium facta est tempore huius prioris reparatio et imperfecta- rum completio, puta intitulatarum per litteras A, B, D, F, M,N,P; ıllarum facta est reparacio, sed alıarum it rum. [70] hitteris G, H, I, K, L facta est nova fundatio, sed cum H incomplete. Cellam nunc intitulatam littera K erexit suis expensis frater Ludovicus Moser de 'T'hurego, filius domus mee, et constabat circa 230 florenos, preter beneficia 1) Cussinum, französisch coussin, deutsch küssin, küssen, küsse, unser: Kissen. 2) 8. die Beilage de fundatione ortuque Carthusiae. 3) 8. eben- dort. 1482. 300 Capitulum 31. alia ab ıpso donata. Item cellam nunc intitulatam littera L fundavit dominus doctor Petrus zem Lufft, ecclesie Basiliensis canonicus!), et constabat similiter circa 230 florenos. Et do- tavıt eandem 10 vernzellis spelte super conventu sancti Albani in Basilea, postea tamen, anno videlicet 1482, reemptis cum centum florenis pro aliis censibus expositis. Item fenestre vitree per totam ecclesiam et in aliis domus locis, quia grandinis tempestate nimium lese erant, ad expensas quası centum flore- norum sub prefato patre reparate fuerunt, sed et aliis vicibus grandine presertim bis fuerunt lese et reformate. Aliaque par- tıcularia diversa damna silencio pertranseo, tue obtemperans ex- hortacioni de brevitate. Fueruntque multa edificata ante tempora in villis Liela et Egringen?), quando adhuc ad domum meam spectabant et antequam aliis venderentur. Egringen fuit hos- pitali Basiliensi vendita propter occupationes nimias et steriles, quia vina et blada, que inde provenerunt, nimium divisa eranı in minutas partes et male solvebantur propter paupertatem cen- suarıorum, qui eciam marchioni et Teuthonicorum ordini nec- non hospitali *prefato fuerunt in censibus et decimis annuis obligati, et servuli mei cum hoc multis involuti erant debitis, a quibus liberari non poterant nisi venditis cum superiorum approbatione bonis huiusmodi etc. Suasit nanque utilitas et jussit necessitas vendere bona nonnulla pro domo mea empta quası ad utilitatem, que tamen postea experiebantur fore in gravamen et servorum meorum inquietudinem. De hiis bonis erant inter cetera ea, que fuerunt in villis Egringen et Vischin- gen). Que bona de consilio prudentum cum licencia superio- rum, ut patet in litteris et registris domus, alienata et in usus magis utiles commutata sunt, licet satis care secundum tunc patrie cursum empta essent, utpote pro noningentis quasi flo- renis: In quibus bonis hospitale maius Basiliense ®) partem ha- buit, necnon domus ordinis Theutonicorum in Basilea 5) no- minibus decimarum et censuum, ut supra tactum est, ad certum numerum. Unde magna [71] inter has tres partes sequebatur involucio et plurima contencio, maxime ex eo, quod magister hospitalis habens dorsum in consulatu Basiliensi voluit meos 9. Hinter »florenorum« steht in der Hs. und also doppelt: reparate. 14. Am Rande mit rother Farbe: Quare bona in Egringen vend. 22. Am Rande: nota. 23. »ven- dere« fehlt Hs. 1) 8. über ihn Athenae Rauricae 99, vgl. Vischer: Gesch. der Univers. 237. 322. 323. 2) Südlich von dem oben erwähnten Tannenkirch. 3) Fischingen liegt ganz nahe bei Fgringen. 4) Der Spital an den Schwellen, der neue grosse Spital im Gegensatz zu dem alten mit dem S$t. Leonhards Stift verbundenen Spital. Fechter 29. 5) Fechter 26. Der Spital zu Basel war Grundherr zu Egringen, das deutsche Haus ebenda- selbst Grundherr zu Fischingen. L. A. Burckhardt: Die Hofrödel von Dinghöfen Baselischer Gotteshäuser und andrer am Ober-Rhein. Basel 1860, S. 217 fi. 229 ff. . 9) 20 25 39 10 15 20 25 30 35 Capitulum 31. 32. 301 famulos ratione horum bonorum compellere, ut expensis suis tenerent unum officiatum vulgariter hüber !) dietum, qui ibidem in judiecio dominicali responderet ex parte servorum meorum, quod prius erat ibidem inusitatum. Fuit autem hoc meis ser- vulis dissuasum. Ipsi vere considerantes, se non posse hospi- tali resistere et civitati, habito consilio fautorum intelligencium, cum licencia superiorum ordinis Cartusiensis vendiderunt huius- modı jus suum hospitali predicto pro quingentis quinquaginta forenis. Quos nec poterant -utiliter mei famuli pro censibus aliis emendis exponere, de consilio et jussu amicorum et maio- rum debita inde opportuit solvere, que fuerunt non pauca, partim contracta ex reemptionibus” in diversis necessitatibus, partim ex mutuo receptis, ut patet in registris prioris et pro- curatorıs tunc temporis seu illorum temporum. Simile judicıum | est de quingentis florenis de Gelria, unde supra tangitur, vide- licet de domicello Udone Böse, quorum tantum ducenti quin- quaginta provenerunt, alıa medietas fuit defalcata de consensu partium trium cum superiorum interveniente auctoritate, ubi habuerunt interesse commune domus Cartusiensium Confluencie et domus Cartusiensium '[reveris una cum domo mea. Hü ducenti quinquaginta floreni etiam expendebantur de superio- rum licencia in usum alium necessarıum. Hec pro tanto in- serere placuit, ut posteri sciant necessitates suas pacienter t0- lerare et prudenter cum maiorum licencia eas quandogue im- mutare. Iterum de gestis sub nono priore Cartusiensium in minori Basilea, specialiter quantum ad gravamına, que «llo tempore in tempo- rahbus accıderunt. Capitulum 32. Servulus querit, domina respondet. [72] Dixit in superioribus, domina mea dulcissima sancta Mar- gareta, sanctitas tua de damnis ex parte villagiı Liela per no- stros perpessis superficie tenus, de quibus audirem libenter plenius ad discendum in huiusmodi cautelam et ad consideran- dum patrum nostrorum, qui pro tempore illo fuerunt, equa- 13. »in« fehlt Hs. 30. Hier, als am Schluss der Seite, steht noch: Verte folium pro sequenti capitulo trigesimo secundo. 33. audire Hs. 1) Huber sind die Besitzer von Hofgütern, die verpflichtet sind am srundherrlichen Gerichte zu erscheinen. Der Spital zu Basel als Grund- herr zu Egringen verlangte, indem er das in Abgang gekommene Ding- gericht wiederherstellte, dass die Karthäuser als Besitzer eines dingpflich- tigen Gutes daselbst einen eigenen Huber als Träger der auf demselben haftenden Verpflichtungen aufstellen sollten. 8. über den Dinghof zu Egrin- gen Burckhardt 217 ff. 302 Capitulum 32. nimitatem, que haut dubium multum fuit eis necessaria, si con- stantes manere debuerant inter gravia onera.. - Sancta Margareta benigne respondit: Racionabi- liter motus es et moveris de pretacto villagio damnisque eius occasione domui mee exortis. Igitur si hiis meis verbis pos- sem servulos meos cautos facere, o quam libenter hoc vellem perficere! Villagium Liela!! predietum Constanciensis diocesis, distans duo miliarıa a Basilea et modicum ultra vıllam Tan- nenkilch in dominio domini marchionis de Rötelen, ubı sunt etiam aliquı census domus mee, ad abbatem et conventum in Beinwilr ordinis sancti Benedieti tunc spectans, fuit venale, quia debitis involutum multis. Unde creditores sollieiti pro ın- demnitate induxerunt tunc illos Benedictinos ad dieti villagii venditionem necnon Cartusienses in Basilea minori ad eiusdem emptionem, quatenus ita ipsı creditores suis debitoribus possent satisfacere et Cartusienses incautos involvere. Itaque collectis undecungue per ÜOartusienses pecunis tum milium floreno- rum, ex bonis diversis domus mee censibus venditis, apostolice sedis et ordinis auctoritate concurrentibus, fuit dietum emptum villagium?). Et quia in dicto villagio nonnulli residebant no- biles pro dieti villagii interdum castaldis necnon quandoque pro advocatis se gerentes); et per hec officia notabiliter Cartu- siensium Jura ledentes, lites inter partes ipsas satis graves exorte sunt, que et annis pluribus duraverunt, quia [73] 37, videlicet 17 annis sub prioribus precedentibus et quasi annis 20 sub ipso priore nono, sub quo et tandem finem receperunt per com- positionem amicabilem et per mediam certorum dominorum de Berno interpositionem, villagio ipso adverse parti pro pace ven- dıto pro mille octingentis florenis, quod tamen meis servis con- steterat tria milia florenorum. Et ultra hoc damnum juxta calculum duorum doctorum in jure expertissimorum domus mea litium harum occasione fuit damnificata ad quatuor milia flo- renorum, prout hoc damnum innotuit primum manifeste ces- santıbus elemosinis et promotionibus, que affluxerant tempore sacri concilii Basiliensis. Damna huiusmodi _quoque creverunt propter gravissimas expensas in hac causa in quam plurimis dietis, quamquam sine fructu factis. Fuit enim causa ipsa de- voluta non sine expensis multis ad imperatoris in electorum imperii presentia auditorrum, ad episcopi Basiliensis consisto- rium, ad consulatus Basiliensis sepissime dietas et ad depu- tatorum cognitionem, cöram advocatis, procuratoribus et aliis Jurisperitis ‚cum oecupatione capituli generalis ordinis Cartu- siensis necnon cum visitatorum ordinis inquietudine sepissime. ‘. medium Hs. 29. que Hs. 1) Vgl. oben 8. 288. 289. 2) 8. Karth. Arch. 116 den Kaufbrief 2. Mai 1430. 3) Die Ritter oder Edelknechte von Baden. 10 15 20 25 30 35 40 Rn) 15 Capitulum 32. 303 Semper tamen mei famuli paciebantur repulsam , non propter defectum justicie, quin potius propter adversariorum et eis ad- herencium, quorum multi fuerunt, frivolam et inigquam machi- nationem et suspensivam in dolo protractionem. OÖ quanta illis temporibus sustinuerunt officiales domus mee, qui causam hanc die noctuque sollicitaverunt et deduxerunt, sepius importune et opportune sepiusque cum adversantium irrisione et injuria- rum atque minarum jaculatione! Videntes itaque servitores mei, se nichil in causa huiusmodi proficere, cum superiorum suorum licentia, auctoritate interveniente apostolica, ut patet in litteris desuper confectis, villagium predictum suo adversario, ut tactum est, propter pacem vendiderunt !), dominium videlicet cum attı- nencils, deci- |7ı|marum vero Jus percipiendarum annexum aucto- ritate apostolica eadem resignantes, pecunüs inde receptis in alios census super consulatu videlicet Basiliensi et collegio in opido Waltkilch prope Friburgum partim conversis. Inter ce- teras autem causas filios meos ad dicti villagii exonerationem rationabiliter moventes hec una erat, quia expense ıbı multi- plicabantur sine fructu cum oceupationibus quasi continuis pro- curatoris domus et fratrum laicorum, maxime tamen propter procuratorem villanum ibidem residentem, ita quod prebenda ecclesie in villa sepe pinguior erat plebano quam tota villa meis servulis..de dominio, rusticis inter castaldum et filios meos mul- tas involutiones facientibus et raro fidem eis servantıbus, licet 25 juramento firmatam. Item blada ibi communiter proveniunt 30 35 sterilia, que opportebat per meos servulos commutare in me- liora semper cum expensis, similiter vina acerba sunt. Et quando frumenta et vina ducebantur ad domum meam, fre- quenter medietas transiit, pro expensis, quia via lutosa, prava et remota, muresque cum gliribus magna damna illic ın gra- narıio communiter fecerunt. De nemore villagii etiam, ıbi quon- dam meis filiis pertinente, ipsi modicum fructum perceperunt, sed magis castaldus et villani inde gaudebant, quamvis injuste, ligna ibi vastantes, et glandes usurpantes etc. Sed quod villa- gium sepenominatum pro minori summa florenorum venditum fuit finaliter quam emptum, racio est ista, quia hi filii mei tune temporis fuerunt in hoc, quod illud carius emerunt juxta falsam taxam simulatorum amicorum suorum, decepti, sicut et in aliis factis et circumstanciis eiusdem emptionis etc. 12. Am Rande mit rother Farbe: Cur Liela vendita fuit. 13. pereipiendum. - 1). Den 13. Nov. 1466 erklären Bürgermeister und Rath zu Basel als Vermittler der Späne, die sich zwischen den Karthäusern und Hans Hein- rich von Baden erhoben haben, dass die zwei von ihnen beauftragten Raths- boten Peter: Schönkind und Heinrich Ziegler einen Vergleich zu Stande gebracht, nach welchem das Kloster das Dorf Liel sammt all seinen Zu- behörden dem Hans Heinrich von Baden um die Summe von 1800 fl. rhein. verkaufen soll. Karth. Arch. 249. Vgl. 248. 257. 258. 304 Capitulum 32. Postremo noveris quod sub illo nono priore, viro multum experto, quia cortisanus urbis Rome fuerat in seculo et in Ba- silea tempore concilii notarius valde famosus, puta qui rigore examinis in concilio prefato, presidentibus quodam episcopo, imperatoris capellano et legum doctore, et cardınali Metensi valde famoso et experto viro, inter quadringentos notarios obtinuit tercium locum, multis aliis rejectis propter insufficieneciam. Hic talis ac tantus vir, magnus et [75] excellens practicus, omnia re- media, que humano modo fieri consuerunt, excogitavit et an- tiquam practicam ad memoriam revocavit, ne quicquam negli- geretur. Unde inter alia attemptavit judicialiter conveniendo abbatem cum conventu monasterii Beynwilr, a quorum ante- cessoribus villagrum Liela a meis famulis emptum fuerat, et obtinuit pro warandia filiis meis facienda propter tantas tribu- lationes et tot molestias sentenciam diffinitivam. Sed ubi re- ciperent non habebant, nam villagium istud, unde turbatio filiis meis orta est, nimia paupertate compulsi vendiderant et pecuniam hanc creditoribus distribuerant, ıdeo non habebant, unde warandiam filiis meis facerent. Sed et nobiles, scilicet comites de Tierstein, monasterü dicti Beynwilr castaldos, in defensionem pro sua parte habebant ete. Utinam hec posteris sint ad cautelam! Iste pater multum venerabilis et a multis sanctus reputatus eciam dum adhuc viveret (fuit enim vir bo- nus et benignus, verecundus visu, modestus moribus et eloquio decorus et a puero in virtutibus exerecitatus etc.), fuit propter suam infirmitatem absolutus ab officio prioratus et, factus ju- bileus in ordine, circa octogesimum annum etatis feliciter obiit in domino anno domini 14851). Nunc itaque gaudete, filii mei carıssimi, quia de grandi et gravi onere estis relevati et a multis superfluis curis suppor- tati in abiciendo illam villam miseram. Quare et vobis con- gratulantur omnes, qui pacem vestram atque salutem diligunt et qui noverunt pressuras, quas annis pluribus occasione ıllius paupercule villule sustinuistis. Benedicetus deus, qui vos inde liberavit et vos consolatus est ad meam magnam instantiam. Nec reputetis damnum inde susceptum, sed pacis bonum inde secutum. Potens est dominus deperdita refundere. Sı quis autem aliter senserit, premissa nescit aut non credit vel nimis videtur apud semet ipsum prudens. Cuius sentimentum per vos non est |76] curandum, sed ut erroneum contemnendum etc. 5—6. »imperatoris — viro« am Rande mit Verweisung auf die Stelle nach »episcopo«, Wo in der Hs. eine Rasur. 10.11. neglieretur. 40. Nach dieser Zeile bleibt in der Hs. die ganze Seite 76 leer. i 1) Diese Angabe ist irrig. Heinrich starb 1487. 8. die Einleitung zu unsrer Chronik 8. 242. 10 20 30 40 Capitulum 33. 305 [77] Prioris decimti ordinis Cartusiensts in Bastlea minori gesta sequunlur. Capitulum 33. Servulo querente, domina respondente. Gracias tibi, virgo pulcherrima, martir gloriosissima, Mar- gareta beatıssima, quia tam dignanter et non dubito quin uti- liter servulum tuum informasti de multis, que in oblivionem venissent ex parte status domus tue, nisi tua materna sollici- tudo manum apposuisset. Nune igitur, inclita domina, dignetur sanctitas tua complere ea, que adhuc imperfecta videntur. SanctaMargareta humiliter respondit: In numero priorum domus mee est decimus, qui sequitur, Jacobus nomine, fratrum domus concordi anno domini 1480 circa festum pen- thecostes!) electione in priorem prefectus, vir bene ydoneus ad regendum domum meam, quia magister in artibus et in decre- tis doctor, de Lindowe, que est civitas imperialis distans qua- tuor miliaria ultra Constanciam, ex honestis et notabilibus pa- rentibus?) genitus°). 18. Hier bricht mitten auf der Seite die Hs. ab. 1) Das genauere Datum giebt die Continuatio im 3. Capitel: in die s. Urbani (25. Mai) electus fuit in priorem huius domus, altera vero die sive sequenti confirmatus fuit et inthronizatus. 2) Lib. benef. 327 finden sich die namhaften Wohlthaten verzeichnet, welche Ulrich Louber, Jacobs Vater, Johannes und Italhans (vgl. Continuatio Cap. 2. pag. f), seine Brüder, dem Kloster erwiesen haben. 3) Es ist hier zu berichtigen, was ich oben $. 244 und 245 über die Urheberschaft des Schlusses der Chronik bemerkt hatte. Im ersten Capitel der Fortsetzung der Chronik, wo über den Tod des Priors Heinrich berichtet wird, hat der Verfasser an den Rand geschrieben: De obitu patris Henrici habetur in chronieis praecedentibus cap. 32, licet dissonanter quantum ad annos domini. Nam quae hic recen- sentur, ex quadam schedula domini Martini Ströulin manu exarata decerpta habentur, quanquam et ille idem eadem chronica transscripserit, ideoque hic posita possent omitti. Ich hatte diese Stelle erst so aufgefasst, als wolle Georg sagen, Ströulin (s. Näheres über ihn in der Einleitung zur Conti- nuatio) habe in seiner schedula doch nur die chronica fundationis ausge- schrieben, die Angaben jener hätten also keinen selbständigen Werth, allein bei genauerer Betrachtung musste ich die Erklärung vorziehn, wornach et ille — transscripserit bedeutet: und eben derselbe hat jene Chronik ab- geschrieben, d. h. er hat die uns noch vorliegende Abschrift angefertigt und den in derselben enthaltenen Nachruf an Heinrich verfasst. Diese Erklärung wurde mir unzweifelhaft, als ich die in der Einleitung zur Con- tinuatio erwähnten Predigten des Martin Ströulin zur Vergleichung heran- zog und aufs Deutlichste dieselbe Hand erkannte, welche die Chronica abgeschrieben. Es musste mir nun auch wahrscheinlicher vorkommen, dass der Schluss der Chronica nicht von Heinrich, sondern von Ströulin her- rühre, der wohl bei der genauen Kunde, die ihm seine Stellung von den Verhältnissen des Klosters gab, daran denken mochte, sie noch weiter fort- zuführen. Auch diese Annahme betreffs des Schlusses der Chronica findet ihre Bestätigung in einem äusserlichen Umstande. In den Predigten Ströu- Basler Chroniken. I. . 30 (25.Mai.) 306 Capitulum 33. lins treffen wir die Interpunction, wie sie in der Chronica durchgeführt ist (s. oben 8. 246, genau dieselbe begegnet uns in den 1510 bei Johann Amerbach gedruckten statuta et privilegia ordinis Cartusiensis), nicht, er wendet dort nur Punkt und Semicolon an, beim Abschreiben der Chronica muss er sich also genau an das Verfahren Heinrichs gehalten haben. Nun ermangelt aber die ganze zweite Hälfte des 32. Capitels, nicht nur der Nachruf an Heinrich, sondern auch, was auf denselben folgt, und was ihm zunächst vorangeht, sowie das angefangene 33. Capitel dieser Interpunction. Hätte Ströulin einen Theil des Schlusses nach einem Concepte Heinrichs copiert, so hätte er in demselben ebensogut wie in der übrigen Chronik auch die Interpunction Heinrichs wiedergegeben. Wir dürfen also schlies- sen, dass soweit diese Interpunction sich nicht findet, wir es mit einem /usatze Ströulins zu thun haben. Nun hört sie mit dem Satze, der S. 303,16 schliesst, auf, mithin ist alles Folgende von Ströulin. Damit stimmt vollkommen überein, wenn es im ersten Capitel der Continuatio heisst, Heinrich habe noch die erste Hälfte des Capitels verfasst, denn der Antheil Heinrichs sowohl als der Ströulins, wie sie sich nach dem eben Gesagten herausstellen, umfassen jeder zwei Seiten der Handschrift. Die Auseinandersetzungen, die mit »Inter ceteras autem causas« beginnen, pas- sen vortrefflich zu der Stellung Ströulins, dem als Schaffner jene occupa- tiones quasi continuae erwachsen waren, von denen Zeile 19 die Rede ist. Ir Gontinuatio ehronieorum OVarthusiae in Basılea mincri, auctore fratre Georgio Garpentarii de Brugg, eiusdem domus monacho professo. 1480 — 1526. va a ee | a ai ehe aber, «ie ganze Bus | Nüchrnf an £ ai, EUBBER: Prien R As ehrt VOrBrunlRN.. DEWIR a #nor Ban Bu N, lakn Ro dam Meike: ae ik) in um Yo "ak u ie 0 Fhehtemiais, wiedesgegehen.. N Vsrik, Minh ‚rOREBBRAEDRE art wie Mi a, RARTPTR, 7° BA tl Hi Flak ehr, Bu hört ET RR Ei we alles Molssn: ra Ro Bi a WERE eh a erawon, Ze. Heise he 7 Au Hıarie Mit 2 Al 3 huseaae RL. cn ı ander ig yo j bi. bi a 7 £ An = dran N Y a f ‚ned I ii Ze Einleitung. Der Verfasser der vorliegenden Fortsetzung der Chronik der Karthaus nennt sich im Eingang derselben frater Georgius humilis et indignus monachus, professus dictae domus. Im fünften Capitel, das von dem Prior Hieronymus Zschecken- bürlın handelt, sagt er, er könne über dessen Leben im Orden bis zum Jahre 1509 nur unvollständigen Bericht geben, und fährt dann fort: Was sich zu meiner Zeit zugetragen hat und von mir beobachtet worden ist, das heisst von 1509 — 1526, das werde ich getreulich berichten (Quae meo tempore, scilicet ab anno dicto 1509 usque ad annum 1526 gesta vidi - fideliter perstringam). Hieraus geht hervor, dass Georg im Jahre 1509 in. das Kloster eingetreten, und daraus lässt sich wieder der Schluss ziehn, es sei dieser Georg identisch mit dem humilis -sive vilis et abjectus frater Georgius Cartusiensium minimus, dem wir die ebenfalls in unserem Bande abzudruckende Reformations- chronik verdanken, und der in dieser erzählt, er sei im Jahre 1509 in die Basler Karthaus eingetreten und habe im Jahre 1510 daselbst sein. Gelübde abgelegt. Diese Notiz über den Eintritt ins Kloster, verbunden mit einer andern Notiz. der- selben Reformationschronik, verschafft uns auch die Möglich- keit, zu einer sichern Kunde über den vollen Namen und über die Heimath des Chronisten zu gelangen. Er erzählt in jener Chronik, er. habe sich im Jahre 1503 als Student auf der Universität Basel einschreiben lassen. Nun findet sich in der Universitätsmatrikel im Jahre 1503 ein einziger Georg als Stu- dent eingeschrieben (über den schwachen Besuch der Univer- sität gerade in jenen Jahren s. Vischer 258):, Georius Car- pentarii de Bruck. Er ist eingeschrieben unter dem Rectorate des Theodorus Westhoffer decretorum doctor decanus ecclesie collegiate sancti Petri Basiliensis (1. Mai bis 18. October 1503), und hat, wie alle in diesem Semester eingeschriebenen Studen- ten, eine Gebühr von 6 s. bezahlt (vgl. Vischer 131). Vom 9. Juni des Jahres 1510 sodann, in welchem der Chronist, wie er erzählt, sein Gelübde abgelegt, findet sich auf der öffent- Ver- fasser. ra a und Studien- zeit. 310 Einleitung. lichen Bibliothek ın Basel ein "Testament des frater Georgius Carpentarii de Brugk vor, in welchem er, wie gebräuchlich, bei dem völligen Eintritt in die Karthaus zu Basel seine Hab- seligkeiten dem Kloster vermacht, mit Ausnahme einiger be- sonders aufgeführter Gegenstände, über die er anderweitig ver- fügt. Uebereinstimmend hiemit berichtet auch eine Notiz des liber benefactorum über den 1510 erfolgten Eintritt des Geor- gius Oarpentarii de Bruck ins Kloster !). Wir geben das Testa- ment nebst einem Verzeichniss der Bücher, welche Georg dem Kloster zugebracht hat, unter den Beilagen. Es kann somit nicht zweifelhaft sein, dass wir in diesem ‚t Bruder Georgius Carpentarii den Verfasser unserer Fortsetzung und der Reformationschronik zu sehen haben. Ohne Zweifel hiess er von Haus aus Zimmermann und latinisierte diesen Namen, indem er sich noch nach alterthümlicher Weise der Genitivform bediente (vgl. oben S. 241 Anm. 2), in Carpentarii. Seine Heimath war das Städtchen Brugg in dem damals Ber- nerischen Theile des Aargaus. Ueber seine Geburt) die Ver- hältnisse seiner Eltern, seine ersten Lebensjahre erzählt er"uns nichts; da er 1496 nach Schaffhausen auf die Schule kam und 1503 sich ın Basel als Student immatriculieren hiess, wird er kaum viel später als 1487 geboren sein, früher können wir aber seine Geburt auch nicht ansetzen, da er 1502 noch jung genug war, um als Chorsänger aufgenommen zu werden. Die Verhältnisse, unter denen er aufwuchs, müssen, wie sein wei- terer Lebensgang zeigt, sehr dürftige gewesen sein. In Schaff- hausen, wohin er, wie oben bemerkt, ım Jahre 1496 kam, besuchte er drei Jahre lang die Schule, dann trieb er sich kurze Zeit in Strassburg und Benfeld umher, indem er das traurige Leben eines mit Entbehrungen kämpfenden fahren- den Schülers führte, wie wir es aus den anschaulichen Schil- derungen Thomas Platters kennen lernen.: Von 1500 an’ hielt er sich mit kurzen Unterbrechungen in Basel auf, wo es ihm Anfangs nicht besser ergieng, bis er im Jahre 1501 durch die Fürsorge frommer Wohlthäter, des Meisters Diebold Tisch- macher und seiner Frau, die ihn bei sich aufnahmen, in etwas bessere Umstände scheint gekommen zu sein. In der Fölge interessierte sich, wie wir aus einer Notiz des liber benefacto- rum erfahren, auch ein Jacob Meyer für ihn?), wohl der nach- malige Bürgermeister Jacob Meyer zum Hasen. Im Jahre 1502 1) Lib. benef. 13: Oretur pro domino Georgio Carpentarii de Bruck arcium magistro, confratre nostro, qui ante professionem suam donavit et ordinavit domui nostre 48 volumina librorum, ut in capitibus singulorum signatum est, valencia eirca 30 //, denariorum, anno 1510. Item eodem anno recepimus tam in ARE, pecunia, quam ex vendicione vestimentorum insius AR AU. KTW.,.Ti.d. ‚ Nachdem derselbe in den Jahren 1505 — 1507 der Karthaus einige kleine Wehen gemacht, ‚spendet er 1 florenum in primiciis confratris nostri Georgii Oarpentarii anno !51l. Lib. benef. 313b. Einleitung. 311 gelang es ihm, eine Verwendung als Chorsänger an der St. Peterskirche, deren Schule er 1500 zu besuchen angefangen hatte, zu finden, im Jahre 1503 liess er sich als Student an der Universität immatriculieren. Zunächst absolvierte er nach herkömmlicher Weise seine Studien in der philosophischen oder Artistenfacultät und erwarb den Grad eines Magister artium!), dann scheint er sich, aus dem Verzeichnisse der von ihm be- sessenen Bücher zu schliessen, auf das Studium der Theologie geworfen zu haben, ohne jedoch dasselbe bis zur Erwerbung eines academischen Grades fortzusetzen. Im Jahre 1509 zog er sich, wie erwähnt, in die Karthaus zurück, wo er im folgen- den Jahre sein Gelübde ablegte?) und 1511 seine Primiz hielt >). Ueber die Gründe, die ıhn zu diesem Schritte veranlasst haben, erfahren wir nichts. Als Mönch hat er sich viel mit Schreiben von Büchern Leben beschäftigt®) , weniger jedoch mit dem Abfassen selbständiger kıoster. Werke, als mit dem Abschreiben von Schriften zum Gebrauche seines Klosters. Schon in seiner Schülerzeit hatte er, wie er uns erzählt, durch Abschreiben eines Messbuches sein Leben gefristet, früher hatte er in Benfeld bei einem Notar, wohl als Schreiber,. gedient, und so hatte er sich gewöhnt auf Sauber- keit und Deutlichkeit der Handschrift zu achten, wovon die auf der öffentlichen Bibliothek noch vorhandenen von seiner Hand geschriebenen Bücher Zeugniss geben. Es sind mir da- selbst begegnet der liber spiritualis gracie sive revelationum beate Mechtildis virginis de ordine sancti Benedicti, abgeschrie- ben in den Jahren 1512 und 1513 (jetzt A. IX. 3 signiert) und das Martyrilogium Usuardi monachi una cum directorali Car- thusiano eidem intermixto (A. IX. 26). Bei sorgfältigem Durch- gehen unseres gesammten Handschriftenschatzes würden wohl noch mehrere zu Tage kommen. Auch für die Buchdrucker hat er gearbeitet, die mit der Karthaus in lebhafter Verbin- dung standen und sich der gelehrten Mönche derselben zur Beihilfe bei der Herausgabe ihrer Verlagswerke vielfach be- dienten). So besorgte er für Adam Petri eine Ausgabe von Tauler. Als grosser Verehrer des Erasmus hat er mehrere Schriften desselben ins Deutsche übersetzt, um sie so dem all- gemeinen Verständnisse zugänglicher zu machen. Dieselben scheinen jedoch nicht sämmtlich zum Abdrucke gekommen zu sein 6). S Bildung Haben wir in dem Verfasser der Chronica fundationis einen WA schau- Mann der alten Zeit, einen Vertreter der mittelalterlichen Mystik unss- 1) S. oben S. 310 Anm. 1. 2) Ueber das bescheidene Vermögen, das er dem Kloster zubrachte, s. ebendaselbst. 3) S. oben 8. 310 Anm. 2. 4) Plurimos libros seripsit. Reformationschronik zu Anfang. 5) Vgl. was Continuatio Cap. 4 über Johann de Lapide gesagt ist. 6) S. das Nähere hierüber zu Anfang der Reformationschronik., 312 Einleitung. kennen gelernt, so tritt uns in dem, bedeutend jüngern Fort- setzer jener Chronik eine ganz andere Bildung und Anschauung entgegen, die Frucht des inzwischen auch in Deutschland im- mer mehr zur Herrschaft gelangten Humanismus. Als Georg in Basel studierte, war die Blüthezeit jener früheren, mehr noch an das Alte sich anschliessenden Form des Humanismus, wie sie vornehmlich durch Heynlin und Sebastian Brant an der Universität vertreten worden war, bereits vorbei, und eine neue, freiere Richtung begann sich Bahn zu brechen!). Zu,einem rechten Aufschwung gelangte diese freilich erst in: der Zeit, wo Georg sich schon ins Kloster zurückgezogen hatte, als Gla- rean an. der Universität auftrat und Erasmus, obgleich nicht an dieser Anstalt thätig, einen Kreis begeisterter Anhänger um sich sammelte. Indessen die Einflüsse dieses Kreises drangen auch in die Zellen der Karthaus. Die grossen Buchdrucker . schenkten ihre Verlagswerke dem Kloster, und wir haben oben gesehn, wie Georg die Schriften des Erasmus nicht nur las, sondern auch übersetzte. Auch in persönliche Beziehungen, soweit die Strenge der klösterlichen Regel es erlaubte, trat er zu diesem Kreise. Den Bonifacius Amerbach, dessen ‚Familie den lebhaftesten Verkehr mit der Karthaus unterhielt, nennt er in einem Briefe?) seinen süssen Freund, und durch ihn konnte er über das ganze Thun und Treiben der übrigen Män- ner jenes Kreises fortwährend unterrichtet werden. Ob er noch zu einigen derselben in directer persönlicher Beziehung gestan- den, lässt sich nicht sagen. In Betreff des Erasmus sagt er in jenem Briefe, dass er sich scheue, an ihn selbst zu schreiben. Die Art und Weise, wie Georg sich über die Reformation und die damit verbundenen Bewegungen ausspricht, ist ganz im Einklang mit den Anschauungen und den Aeusserungen jener Männer. Gewisse Forderungen der Neuerer findet er nicht un- begründet, so Beschränkung des Geläutes>) , der: öffentlichen Processionen®) ; auch gegen. eine Verminderung der Feiertage scheint er an und für sich nichts zu haben). Dass der: deut- sche Kirchengesang in tumultuarischer Weise eingeführt wurde, betrachtet er als eine Strafe dafür, dass die Geistlichkeit den- selben habe ausser Uebung kommen lassen®). Doch sind dies lauter Aeusserlichkeiten und Nebendinge. Im Grossen und Ganzen steht er auf dem Standpunkte der damaligen Kirche, und das durchgreifende Verfahren der Reformatoren, wie es aus der Verschiedenheit in den wesentlichsten Grundanschau- 1) Vischer 194. Damals hielt sich auch Zwingli in Basel auf, das er 1506 nach mehrjähriger 'Thätigkeit als Lehrer an der Schule zu St. Martin verliess. Mörikofer 1. 9. 2) Vom 4. Juni 1526. ‘Wir geben den Brief unter den Beilagen. 3) Reformationschronik zum Jahre 1525. 4) Ebendas. zu demselben Jahre. 5) Ebendas. zum Jahre 1527. _ 6) Eben- das. zum Jahre 1526. Einleitung. 313 ungen nothwendig hervorgehen musste, ist ihm durchaus zu- wider. | Ueber den Tod des Bruders Georg wissen wir nichts Be- "oa. stimmtes anzugeben. Im Jahre 1527 wurde er durch einen Schlaganfall auf der rechten Seite gelähmt!), er erholte sich zwar von demselben wieder einigermaassen, fühlte sich aber, als er, wohl ım Jahre 1528, in der Reformationschronik hier- über berichtete, körperlich und geistig so herabgestimmt, dass er, einem baldigen Ende entgegensah. Vielleicht deutet der Umstand, dass jene Chronik in der Darstellung der Ereignisse des Jahres 1528 abbricht, darauf hin, dass ein solches in der That eingetreten. | Wenden wir uns nun zu der von ihm verfassten Fort- Die 4 . = > . . . . «__ Chronik. setzung der Chronica fundationis, die uns in seiner eigenhän-zeit und digen Niederschrift vorliegt. Wie mehrere Stellen zeigen, hat Yer- lassung er sie im Jahre 1526 abgefasst?). Die Stelle am Schlusse > IaS- von 'pag. k, in welcher ein Ereigniss aus dem Jahre 1528 er- "sung. wähnt wird, ist, wie Tinte und Schrift zeigen, ein spätererellen. Zusatz. Die Veranlassung, seine Arbeit zu unternehmen, scheint ihm der Weggang des im Jahre 1525 als Prior nach Ittin- gen berufenen Bruders Philipp Stouffer gegeben zu haben, der Aufzeichnungen über die Geschichte des Klosters gemacht hatte, die sich jedoch bei seiner Abberufung noch im Stadium einer »copia«, eines Conceptes befanden. Philipp Stouffer von Blos- senstouffen war von edlem Geschlechte, Sohn des Junkers Georg Stouffer und der Apollonia geborenen von Ryssenstein?), er trat, nachdem er die Würde eines Baccalaureus der Rechte er- worben®), ım Jahre 1496 als Novize in die Karthaus zu Basel’), um im folgenden Jahre Profess zu leisten®); unter dem Prio- rate des Hieronymus Zscheckenbürlin wurde er Schaffner und später Vicar?). Im Jahre 1525 wurde er, wie bemerkt, zum 1) Reformationschronik zum betreffenden Jahre. 2) Quae meo tempore, scilicet ab anno dicto 1509 usque ad annum 1526 gesta vidi. Cap. 5 pag. 1. — Maxime post annum 1512 usque in praesentem annum 1526. Pag.n. — Nunc de nonnullis tentationibus et gravaminibus, quae sub ipsius regimine contigerunt ab anno 1512 usque ad annum 1526, vi- dendum erit. Pag. n am Ende. 3) Karth. Archiv 39. 391. Vgl. lib. benef. 146. 4) Contin. cap. 3 pag.h. 5) Ebendas. cap. 4 am Schlusse. 6) Karth. Arch. 390. 391. 7) Calendarium Jan. 19: multis annis procurator et vicarius. Vgl. Continuatioam Anfange. Eben- das. cap. 3 pag. h heisst es, er habe diese Aemter unter dem Prior Zsche- ckenbürlin bekleidet. Stouffer wurde wohl Schaffner, als Zscheckenbürlin, der in der letzten Zeit Loubers diese Stelle inne gehabt hatte, im J. 1501 zum Prior gewählt wurde. Er bekleidete das Amt noch im Jahre. 1514 (s. im Karth. Arch. Band F die letzte daselbst enthaltene Urkunde), im Jahre 1519 begegnet uns (Karth Arch. 416) schon ein anderer Schaff- ner, Niclaus Müller (Nicolaus Molitoris, wie ihn Georg am Schlusse der Continuatio nennt). Mittlerweile hatte also Stouffers Erhebung zum Vicar stattgefunden. 314 Einleitung. Prior der im vorhergehenden Jahre in einem Auflaufe der Landleute verbrannten Karthaus Ittingen im Thurgau erhoben '!). Er stellte sein zerstörtes Gotteshaus wieder her, starb aber schon am 19. Januar 15282). Georg nennt ihn sagacis ingenii pro temporalibus gerendis. Näheres über die von ihm angefer- tigte copia, die Georg neben den mündlichen Berichten der älteren Brüder als die Hauptgrundlage seiner eigenen Arbeit nennt, wissen wir nicht, in jedem Falle aber war er durch seinen langjährigen Aufenthalt und seine hervorragende Stel- lung in der Basler Karthaus befähigt, zuverlässige Aufzeich- nungen über ihre Geschichte zu machen. Ohne Zweifel hatte er beabsichtigt dieselben zu einer Fortsetzung der chronica zu verwenden. Wenn Georg in der Vorrede (siehe unten S. 320) sagt: nos —, qui hanc continuandi ex injuncto sub- imus provintiam, so möchte ich dies darauf beziehn, dass Phi- lipp ihn bei seinem Weggange zur Vollendung der von ihm begonnenen Arbeit aufgefordert hat. Das ex injuncto scheint zwar eher auf einen vom Prior erhaltenen Auftrag zu deuten, allein die Art und Weise, wie Georg über seinen Prior spricht, passt schlechterdings nicht zu der Annahme eines solchen offi- ciellen Charakters seiner Fortsetzung, und ebenso wenig würde sich mit der Annahme eines vom Prior erhaltenen Auftrages die Angabe Georgs vertragen, er wisse über den Priorat Zsche- ckenbürlins vor der Zeit seines eigenen Eintrittes in den Orden wenig zu berichten, denn in jenem Falle würde ihm doch Z/scheckenbürlin alle nöthige Auskunft verschafft haben. Wir werden das injungere also im Sinne des Auferlegens einer Auf- gabe von Seiten nicht des Vorgesetzten, sondern eines Freun- des zu verstehen haben. Dass Georg dem Philipp Stouffer näher bestanden, zeigt auch die Notiz am Schlusse von Cap. 4, wo er anmerkt, er wolle über dessen Eintritt ıns Kloster, seine Wohlthaten, seine Aemter u. s. w. berichten, »quantum ipse voluerit«. Neben dem Manuscripte Stouffers hat Georg noch einige schriftliche Aufzeichnungen von geringerem Umfange benutzen können. Bei dem Bericht über den Tod des Priors Heinrich be- ruft er sich auf eine schedula des Martin Ströulin. Diesen Mar- tin Ströulin nennt er Cap. 3 pag. h unter den ausgezeichneten Männern, welche das Kloster zur Zeit des Priors Louber unter sei- nen Mönchen gezählt habe, und bezeichnet ihn dort als procurator. Es hat derselbe aber schon unter Heinrich von Ahlfeld lange 1) v. Mülinen I. 229. Calendarium Jan. 19: Dominus Philippus Stouffer prior domus in se domus huius professus et multis annis procurator et vicarius. 2) Pridie Sebastiani anno 1528. Contin. cap. 4 am Schlusse. Auch das Calendarium setzt seine Jahrzeit auf den 19. Januar an. Die Ungewissheit v. Mülinens »18. oder 19. Januar 1528« ist somit gehoben. Einleitung. 315 Zeit im Kloster zugebracht, in einer Sammlung von Predigten, sermonum dominicalium, quos fratribus concionatus est in ca- pitulo eorum (unter den Manuscripten der öffentlichen Biblio- thek zu Basel A. IX. 31) finden sich solche schon aus dem Jahre 1456. Vergleichen wir die Hand, von der diese Predig- ten niedergeschrieben sind, mit derjenigen, welche das von uns unter den Beilagen abgedruckte merkwürdige Bekenntniss . des Bruders Martin aufgezeichnet, so wird es im höchsten Grade wahrscheinlich, dass dieser Bruder Martin kein anderer ist als eben unser Martin Ströulin. Ist diese Annahme richtig, so muss Ströulin 1456 oder 1455 ins Kloster getreten sein, denn jenes Bekenntniss ist geschrieben »anno primo professionis mee in ordine Carthusiensi ipso die Marie Magdalene«. Zur Würde eines Schaffners ist er zwischen dem 20. November 1458, wo uns noch Martti Sunentag als solcher begegnet (Karth. Arch. 217) und dem 7. März 1461, wo wir ihn bereits im Amte fin- den (Karth. Arch. Band A fol. 225), emporgestiegen. Er be- kleidete sie nach dem Zeugnisse des Calendariums viele Jahre hindurch, in keinem Falle aber länger als bis 1484, da im De- cember dieses Jahres Johann Allantsee von Schongo Schaffner ist!). Nach dem Titelblatte der Predigtsammlung zu schliessen, auf wel- chem Ströulin domus huius quondam procurator ac vicarius ge- nannt wird, ist er vom Schaffner zum Vicar vorgerückt?). Aus dem Jahre 1499 finden sich noch mehrere Predigten von ihm vor, und noch im Jahre 1500 hat er eine solche gehalten. Er stärb wohl nicht lange nachher als der Senior des ganzen Klo- sters?). Seine Piedigten‘ die auf einzelne Blättchen geschrie- ben waren, wurden, wohl erst nach seinem Tode, zusammen- gebunden, nach dem Kirchenjahre geordnet. Nur der erste Band, der vom ersten Advent bis zum Sonntag nach Himmel- fahrt reicht, ist uns erhalten. Die Predigten sind keine eigent- lichen Originalarbeiten, sondern Auszüge und Bearbeitungen aus beliebten Schriftstellern, wie Meffret, Ludolph, Jacob de Voragine, Jacob von Erfurt, Johann Nider u. s. w. Ueber jenes Bekenntniss, in welchem der von dem Bewusstsein seiner Sün- den niedergebeugte Bruder die Ueberzeugung. niederlegt, dass die Erlösung von den Sünden einzig und allein in dem Leiden und Sterben Christi zu finden sei, werden wir in den Beilagen eingehender reden. — Aus einer Notiz Georgs erfahren wir auch, 1) S. die Abschrift einer Quittung unter den unsignierten Papieren im Karth. Arch. 2) Etwas auffallend ist es, dass er bei Georg und im Calendarium nur als procurator bezeichnet wird. Sollte, was aber kaum anzunehmen ist, die Angabe der Predigtensammlung einen Irrthum ent- halten, so müsste man annehmen, dass Ströulin aus "Alters- oder Gesund- heitsrücksichten von dem Amte des Schaffners zurückgetreten. 3) Calen- darium Mai 22: Dominus Martinus Ströwlin senior professus huius domus et pluribus annis procurator. 316 Einleitung dass Ströulin es ist, der die Abschrift der chronica fundationis angefertigt und mit dem jetzigen Schlusse versehen hat!). Die schedula, die Georg benutzt hat, muss einige nähere An- gaben über den Prior Heinrich enthalten haben ?), zu dem Ströu- lin ohne Zweifel in genauerer Beziehung gestanden hatte, so dass also auch hier Georg aus zuverlässiger Quelle schöpfen konnte. Seine Angaben über die früheren Erlebnisse des. Prior Louber entnahm Georg den Notizen, die dieser selbst in dem Kalender eines Psalteriums aufgezeichnet hatte3). — Auch den liber benefactorum hat er durchgegangen %), von den Registern oder Zinsbüchern dagegen spricht er in einer Weise, die schlies- sen lässt, er habe sie nicht näher eingesehn’). Neben diesen schriftlichen Aufzeichnungen schöpfte er für dıe frühere Zeit aus den Erzählungen älterer Brüder (ex. senio- rum relatu, Eingang der continuato, ex aliorum fideli relatu, Schluss des 4. Cap.) , auch wohl für Begebenheiten, die sich auf offener Strasse zugetragen, aus dem Bericht von Laien, die sie mit angesehen ®), für die spätere Zeit berichtete er, was er selbst erlebt und beobachtet hatte. Form Indem Georg die Chronik des Priors Heinrich fortsetzte, der Dar- . . u. ‚ste. fand er es doch angemessen, die von diesem gewählte Form uns. des Dialoges zu verlassen und sich zugleich einer gedrängteren Darstellungsweise zu befleissen, worüber er sich im Eingange seiner Arbeit ausspricht. | Charak- Während die Chronik Heinrichs ein sorgfältig ausgearbei- er ter tetes Schriftwerk ist, fertig gemacht zum Vorlesen im Refecto- genden rum, wenn dies für passend erachtet werden sollte PER"; die -" Fortsetzung Georgs erst ein Entwurf, der noch soll überarbeitet werden. Er bezeichnet seine Arbeit am Eingange derselben 1) S. oben 8. 305 Anm. 3. 2) Keineswegs, wie man aus jener Notiz schliessen könnte, nur dasselbe, was auch in dem Schlusse der Chronica steht. 3) Leider ist es mir nicht gelungen , dieses Psalterium auf der öffentlichen Bibliothek aufzufinden. 4) 8. die Erwähnungen des- selben gleich im Eingang, auf pag. b in dem Nachrufe an Heinrich von Vullenho und im 4. Cap. pag. k in Betreff des Johannes Amerbach. 5) 8. besonders die sogleich im Texte anzuführende Stelle zu Anfang des 5. Capitels: — — sparsim hincinde confuse digesta sunt —, donec ex re- gistris plenius cuncta per ordinem cognoscantur u. s. w., ferner in eben demselben Capitel zu Ende von pag. n: de quibus pauca quaedam obiter annotabuntur, donec ex registris plenior certitudo colligatur. Auch der Schluss des 2. Capitels gehört hieher, wo er erst sagt: Denique cum superius an- notaverimus, qualem domus statum, quantum ad annuos proventus, idem reppererit, nunc qualem reliquerit, huc subjungere placuit, dann aber, statt dies zu thun, fortfährt: De hoc require in eiusdem registro, quando reces- sus sui rationem dedit. Den in dieser Stelle angezogenen genauen Nach- weis über die Einkünfte des Klosters zur Zeit von Joubers Antritt des Priorats (cap. 1 pag. d) wird Georg den Aufzeichnungen Stouffers entnom- men haben. 6) Cap. 5 pag.l. Einleitung. 317 noch nicht als eine Fortsetzung der Chronik Heinrichs, sondern erst als Material zu einer solchen, die Nachrichten, die er über den Prior Zscheckenbürlin giebt, sind, wie er sagt, sparsim hineinde confuse digesta — in modum consarcinatae copiae, .donec ex registris plenius cuncta per ordinem cognoscantur et aptius ordinate singula disponantur!), und an einer späteren Stelle sagt er, er habe seine Notizen und Bemerkungen zu- sammengetragen, ut si quando tempus oportunum videretur hane chronicam rite continuandi, quod ex his et compluribus aliis adjiciendis debitus ordo narrandi texatur. Georg hatte alo die Ansicht, dass seine Aufzeichnungen zu gelegener Zeit sollten umgearbeitet und mit Herbeiziehung von archivalischem Material in die endgültige Form gebracht werden. Diese ge- legene Zeit konnte aber bei den freimüthigen Aeusserungen, welche die Aufzeichnungen über den Prior Zscheckenbürlin enthielten, kaum vor dessen Absterben oder sonstigem Abgange eintreten?). Eben diese Haltung des Werkchens mochte auch die Ursache sein, dass Georg es vorzog keine genaueren archiva- lischen Studien zu machen, um nicht die Aufmerksamkeit des Priors mehr als nöthig auf jenes zu lenken. Mittlerweile, bis die Zeit der definitiven Redaction kam, machte Georg in seinem Manuscripte allerhand Zusätze und Nachträge, die er theils am Rande auf beiden Seiten, theils unten, wenn noch Platz war, anbrachte. Die Randbemerkun- gen, von denen manche auch schon aus der Zeit der ersten Niederschrift stammen mögen, enthalten zum Theil Verweisun- gen auf die Stelle des Textes, an der sie einzufügen sind, zum Theil laufen sie aber auch selbständig neben diesem her und harren, um ihm eingefügt oder mit ihm verschmolzen werden zu können, erst einer theilweisen Umarbeitung desselben. Während wir im ersteren Falle die Zusätze ohne Weiteres an der ihnen durch den Verfasser selbst angewiesenen Stelle ab- gedruckt, haben wir die der letztern Art, indem wir sie an der geeignetst scheinenden Stelle einfügten, durch eckige Klammern bezeichnet, um es dem Leser möglich zu machen, den Zusam- menhang des ursprünglichen Textes, der durch solche Einfü- Sungen doch immerhin einigermaassen gestört wird, wieder her- zustellen. Bemerkungen ganz abgerissener Art, die mehr den Charakter unserer jetzigen Anmerkungen tragen und sich nir- gends passend einfügen liessen, haben wir unter den Text in die Variantenrubrik verwiesen. 1) Cap. 5 zu Anfang. 2) Vgl. auch cap. 2 pag. f: prout in ipsius conscriptione post illius obitum, ubi plus quam huc convenit, clarius pate- bit. — Cap. 5 pag. m: sufficere — arbitramur huiusmodi — donee vixerit et quid aliı de ipso sensuri sint, postquam nobis et domui fuerit ademptus atque per mortem subtractus, plenius edoctus fuero. Nach- träge und Zu- sätze. 318 Einleitung. mar: Eigenthümlich mag es auf den ersten Blick erscheinen, ‚nahme (ass Georg, der im Jahre 1526 schrieb, die Stürme der letzten auf die, & . e , Ereig- Jahre, die schon sehr vernehmlich auch an die Mauern seines nlstillen Klosters geschlagen hatten, nicht in den Bereich seiner forma- Darstellung zieht; indessen war es seine Absicht gewesen dies zeit. zu thun. Nachdem er im fünften Capitel sich über die Tugen- den und die Fehler des Priors Zscheckenbürlin ausgelassen hat, fährt er (zu Ende von pag.n) fort: Nunc de nonnullis ten- tationıbus et gravaminibus, quae sub ipsius regimine contige- runt ab anno 1512 usque ad annum 1526, videndum erit, prae- missis tamen his, quae meliorationem domus concernunt.‘, Zu einer Ausführung dieses Vorhabens ist es jedoch nicht gekom- men. Nachdem Georg versprochenermaassen über die Bemü- hungen Zscheckenbürlins um die melioratio domus berichtet hat, bricht seine Arbeit ab, und die mehrfachen Verweisungen auf Dinge, die später zur Sprache gebracht werden sollen, zum Theil eben auf solche, die mit den Ereignissen der Reforma- tionszeit in Verbindung stehn !), bleiben gegenstandslos. Dage- gen giebt er in einer andern Reihe von Aufzeichnungen, der sogenannten Reformationschronik, über die wir in der Ein- leitung zu derselben des Weiteren werden zu sprechen haben, eine Uebersicht der Zeitereignisse und ihres Eingreifens in die Geschichte des Klosters. Vielleicht war ıhm, als er ın seiner Klosterchronik an die Stelle gelangte, wo er die Schilderung der Drangsale des Klosters und seiner Haltung während der- selben hätte beginnen sollen, diese Aufgabe inmitten der hin und her fluthenden, noch auf keinen Abschluss hinweisenden Bewegung zu schwer erschienen, und er zog es in der Folge vor, eine tagebuchartige Aufzeichnung der Zeitbegebenheiten vorzunehmen, die immerhin später bei einer etwanigen Um- arbeitung der Klosterchronik als Material konnte beigezogen werden. — Das Bewusstsein von dem schweren Ernste der Zeit bricht an mehreren Stellen unserer Chronik durch, der Schreiber verbirgt sich nicht, dass der Fortbestand seines Klo- sters in Frage gestellt ist?), aber im Ganzen ist: die Haltung der Schrift eine so ruhige, dass man ihr kaum die bewegte Zeit ansieht, in der sie geschrieben ist. Wohl mochte es den Verfasser mit Zuversicht erfüllen, dass während rings umher die Klöster der Stadt sich leerten, ein einziger Karthäuser die 1) Z. B.: quod status domus in spiritali negocio reformetur et erigatur, qui paulo ante propter multas causas, de quibus etiam postea modicum an- notabitur, in melius reformandus esse videbatur. Cap. 5 pag. o. Auch die Stelle cap. 5 pag. n »quod (die Abneigung des Priors, in wichtigen Dingen den Convent zu Rathe zu ziehn) quantum domui scandalum generaverit, ex nonnullis infra subjectis patere poterit« gehört wohl hieher. 2) Sit sane qualiscunque haec excusatio benevolis mentibus et iis, qui domum diu- tius stare desiderant, utcunque sufficiens. Cap. 5 pag. n zu Anfang. Einleitung. 319 Erlaubniss des Rathes zum Austritt benutzt hatte, und er mochte hoffen, dass mit festem Ausharren und erneuter Hebung des geistlichen Lebens im Kloster!) der gegenwärtigen Gefahr könne Stand gehalten werden, bis wieder bessere Zeiten ein- träten, auf welche die Haltung des Rathes, die Stimmung eines Theiles der Bürgerschaft und der Gang der Ereignisse in der Eidgenossenschaft noch nicht alle Aussicht abschnitten. Das Manuscript unserer Fortsetzung, über dessen Charak- ter wir nach dem bereits Gesagten wenig mehr hinzuzufügen haben, liegt, wie schon oben erwähnt worden, in demselben Umschlage mit der chronica fundationis. Es enthält eine Lage von sechs Bogen. Das Papier, das als Wasserzeichen ein p mit einem vierblättrigen Blümchen darüber hat, ist etwas kleiner und weniger stark als das der chronica. Die Blätter sind von der Hand des Schreibers am untern Rande rechts mit a, — a9 bezeichnet... Von moderner Hand sind die allein beschriebenen vierzehn ersten Seiten in der obern äussern Ecke mit den Buchstaben a—o versehen. — Die Schrift, mit der die Auf- zeichnungen gemacht sind, ist klein, aber trotzdem, dass wir es mit einem Concept zu thun haben, im Ganzen deutlich. Nur von den Einschiebseln lässt sich dies nicht immer behaup- ten, obgleich sich auch da kaum Schwierigkeiten für die Lesung ergeben. i Wie oben bemerkt, ist auch diese Fortsetzung von Bux- torf in deutscher Uebersetzung herausgegeben worden, im Ur- Hand- schrift. Ver- öffent- lichun- texte wird sie hier zum erstenmale veröffentlicht. gen der- 1) In dieser Beziehung scheint er sich freilich von dem damaligen Prior nicht besonders viel versprochen zu haben. Siehe z. B. die Stelle zu Anfang von pag. o. selben. [a] Pro continuatione vel instauratione chronicorum domus vallis beatae Margaretae virginis et martyris in Basilea minori sitae, Constanciensis diocesis, ex copia domini Philippi Stouffers‘) quon- dam procuratoris el vicarii domus eiusdem et seniorum relatu fra- ter Georgius humilıs et indignus monachus professus dietae domus subscripta collegit in unum. Praefatiuncula prima in secundam partem chronice ete. Tametsi primo chronicorum horum compilatori, ipsi vide- licet venerabili patri Henrico priori, hic immediate praecedenti, singulari ex devotione, quam ad beatissimam Margaretam, huius domus patronam, praecipue ex eo habuisse dinoscitur, ut ean- dem per dialogum, nedum in hoc libro, sed etiam in aliis non- nullis opusculis suis, servulo scilicet interrogante et ipsa pa- trona respondente, introductas personas hucusque conscribere placuerit?): nos tamen, qui hanc continuandi ex injuncto subi- mus provintiam, considerantes quoniam si tali deinceps amba- giosa, licet grata jocundaque sermonum multiplicatione conti- nuaretur, satis formidamus, ne successu temporis libri nimia prolixitas et tedium generaret legentibus, et denique ex tedio legendi etiam eandem continuandi diligentia a posteris penitus omitteretur?). Sicque omissis plerisque, quae notatu minus digna fuerunt, quae cum alibi in libro benefactorum latius continean- tur, hie breviter et compendiose solummodo praecipuis inten- dendum proposuimus. 7. Den Inhalt der drei ersten Seiten des Manuscriptes haben wir den Andeutungen des Verfassers gemäss theilweise umstellen müssen. Seite e beginnt: Praefatiuncula prima in secundam partem chronice etc. | Tametsi etc. Praefatiuncula secunda | Hierauf folgt der Abschnitt Expedita — — ingerat, dann die Ueberschrift des ersten Capitels, hierauf wie- der eine Verweisung auf die Seite a »Postquam igitur ete. usque huc:: qui tandem foelici- ter etc. etc.«, worauf dann fortgefahren wird: Fuit siquidem idem dominus Jacobus. — Wir sind diesen Andeutungen des Verfassers nachgekommen, haben aber an den Anfang des ersten Capitels nicht seinem Wunsche gemäss nur den Abschnitt Postquam — — ha- buit successorem, sondern auch das folgende »qui tandem foelieiter — — in bibliotheeis domus invenitur«, d. h. Alles, was noch auf Seite a folgt und die ganze Seite b, vor die Worte Fuit siquidem u. s. w. gestellt. Der Zusammenhang wird dadurch allerdings unter- brochen, denn das »Fuit siquidem« schliesst sich dem Sinne nach unmittelbar an das »habuit successorem« an, aber, wenn wir das andere Stück nicht ganz weglassen wollten, so konnten wir es an keinem andern Platze unterbringen. Ueber die verschiedenen Be- standtheile desselben werden wir an seiner Stelle noch das Nähere bemerken. 1) S. über ihn oben S. 313 £. 2) S. oben 8. 245., 3) Sowohl der Vordersatz als der Nachsatz dieser ersten Satzperiode ermangeln einer or- dentlichen Construction und tragen den provisorischen Charakter, von dem oben S. 316 die Rede gewesen. 10 15 20 Capitulum 1. 321 [Alia causa rationabilis esse posset, ne dialogus amplius continuetur, ne quis super alienum fundamentum aedificare videatur. Vix enim fieri poterit, quod stilus modernus et ma- gis curiosus pristino coherere valeat, quasi si quis petiam panni s rudis veteri vestimento vellet assuere!). Item ob hoc vel ma- xime, quod praecedens dialogus solus ab ipso patre Henrico sıt compilatus usque ad dimidium: ultimi capituli, quare con- veniet illum solum per se manere debere, nec quempiam decet ıllius aemuları stilum praesumere seu modum procedendi sequi 10 velle.]| [e| Praefatiuncula secunda. Expedita prima parte chronicorum domus huius: venerabilis dominae Margaretae in Basilea minori consistentis, in qua ceu per dialogum luculenter ostensum est, quanto dignationis mu- 15 nere deo placuerit pauperes suos in paupertatis camino proba- tos per sacrae professionis perseverantiam ad fidei robur perdu- cere, hoc est, evidentibus monstrare signis, quam verum sit, quod scriptum est: »quoniam dominus amat judicium et non derelinquit sanctos suos, in aeternum conservabuntur; non con- 20 fundentur in tempore malo et in diebus famis saturabuntur 2)«, et illud Amos prophetae : »plantabo eos super humum suam« 2)» in eo, quod tot annis domum eandem sub tantis procellis agi- tatam conservarit illaesam aut saltem non usque quaque dere- lictam et forte foelicioribus incrementis spiritualium charisma- 25)tum prosperatam, quam unquam postea factum fuerit, eo quod in penuria temporalium uberior proventus in spiritalibus eXer- citiis contingere soleat: jam consequenter in hac posteriore sive secunda parte sine dialogico sermone, quis profectus fuerit- eius- dem domus in temporalibus, ordine debito seriatim texetur, 304gquamquam, in quanto flore profectus spiritalis ipsa subinde ver- naverit et in opinione celebri fuerit, et in ordine et coram sae- cularibus, minime reticebitur. Et ut consueta capitulorum se- ries pro conservanda gestorum memoria non negligatur, opere pretium fuerit, eisdem vestigiis eatenus materiam digerendam 35 diducere, ne aut prolixitas fastidium pariat, aut confusanea nar- randorum textura contemptum lecturis ingerat. Capitulum primum secundae partis chronicorum domus Carthu- siensis Basileae minoris ea complectitur, quae sub decimo priore domus eiusdem ınchoata, deducta et consummata fuerunt. 1 [a] Postquam igitur praefatus venerabilis pater Henricus huius domus prioratum triginta annis commendabiliter administrasset, 1) Matth. 9,16. Mare, 2, 21. Luc. 5, 36. 2) Psalm 37, 28. 19, 3) Amos 9, 15. Basler Chroniken. I. 31 1487 5. Juni. 322 Capitulum 1. quamvis in ‚eodem officio tribus ultimis annis paralyticus et valetudinarius ın cella decubuisset, nec tamen ob id propter ipsius proficuam: praeteritam administrationem a suis subditis inutilis reputatus, sed utrobique in charitate (quae omnia suf- fert!)), patientia habita, quousque de alio utili successore com- mode provideri posset. Ad quod et facile consegquendum spem erigebat, quod dominus Jacobus Louber de Lindow artium et decretorum doctor noviter ad ordinem venerat. Qui quando eos, quos ordinis statuta ad praelationem requirunt, annos comples- set?), idoneus ad id, ut sibi surrogaretur, ab eo reputatus prae- stolabatur. Moxque illis expletis idem tam pro sui absolutione, quam pro novi prioris suo conventui committenda electione non minus affectuose, quam sollicite apud capitulum generale ut la- borabat, ad nutum obtinuit. Et subinde habito conventualiter electionis scrutinio eundem doctorem Jacobum Louber, prout avide desiderabat, habuit successorem. — Qui tandem foeliciter obiit anno domini millesimo quadringentesimo octogesimo septi- mo quinta mensis juni, quae tunc erat feria tertia penthecostes, habens aetatis annos octoginta minus quasi mensibus quinque in annis naturalibus. In ordine vero fuit jubileus et ultra quasi in quatuor mensibus processerat, id est plus quam quinquaginta annis Christo regi suo miles emeritissimus in militia Cartusia- nae professionis devote militando. Qui tametsi gradum [b] sae- cularis litteraturae publicum ac insignem assecutus non fuerit, hoc est vel magisterii vel doctoratus aut baccalaureatus insigni- bus titulis decoratus, peritia tamen litterarum tam humanarum, quam divinarum multis litteratis et expertis sublimior a pluri- mis ‚fuisse reputatus est. Quin et in officio notariatus curialis inter triginta primatum obtinere meruit etc. (videtur in prioris chronicae capitulo 323)). Idem denique propter nımium affectum 2. Am Rande: ‚Hic pater H. paralysi tactus fuit proxima die post festum ssanctae Annae anno 1478, id est pene duobus annis ante prioratum patris Jacobi, tametsi non vacabat a stu- dio orandi et exhortandiete. 16. Am Rande: De obitu patris Henrici habetur in chronieis praecedentibus cap. 32, licet dissonanter, quantum ad annos domini. Nam quae hic recen- sentur, ex quadam schedula domini Martini Ströulin manu exarata decerpta habentur, quamquam et ille idem ‚eadem chronica transscripserit ideoque hie posita possent omitti. Als das, was weggelassen werden könnte, hat der Verfasser durch einen Queerstrich oben, einen unten und einen senkrechten Strich am Rande die Stelle von »Qui tandem foeliciter« bis »videtur in prioris chronicae cap.32« bezeichnet. Vgl. das 8.320 in der Varianten- . "xubrik Bemerkte. Ueber die schedula des Martin Ströulin s. S. 314—316, vgl. auch S. 305, Anm.3. 18. Am Rande: 1487. Dieitur enim 9 annis paralyticus decubuisse. IR OT an 2) Es konnte keiner zum Prior gewählt werden, der nicht das 25. Altersjahr erreicht und drei Jahre mit gutem Lobe im Orden zugebracht hatte. Necundapars statutorum noyorum, cap. II, $ 5.1, 3) Dort wird vielmehr gesagt, er habe bei einer vom Coneil vorgenommenen Notariatsprüfung unter vierhunderten die dritte Stelle er- halten, während hier von der ersten Stelle unter dreissig Notaren der Curie, d. h. des päbstlichen Hofes, wo Heinrich als cortisanus gelebt (S. 304, 2; vgl. S. 242 Anm. 1), die Rede ist. Georg, der Obiges niederschrieb, ohne die beiden einander ähnlichen Stellen neben einander zu halten, war das in der Chronik Enthaltene in der ‚Erinnerung als gleichlautend. mit der Angabe der schedula, die er vor sich hatte, erschienen. 5 20 25 30 1 a or Capitulum 1. 323 devotionis, quem ad honorem beatissimae virginis Marie Christi genitricis habuit ac etiam sanctae Margaretae, sua solius cura- vit industria, consentientibus quidem nonnullis filiis conven- tualibus, nonnullis vero renitentibus, quaedam singularia in cer- tis festis, nempe conceptionis, presentationis, visitationis et com- passionis beatae Mariae, quantum ad divina celebranda, peragi de licentia capituli generalis, id est proprias lectiones in ma- tutinis, capitula, colleetas, responsoria etc. legi, decantarı et orarl, prout in diurnalibus, breviariis ac missalibus domus huius cernere licet. Similiter et in tribus festis beatissimae Marga- retae fieri procuravit. Nam et festum reliquiarum et comme- morationis eiusdem sub ipso celebrari coeperunt!). [Effecit pa- riter, quod suffragium quotidianum de eadem patrona fieret in vesperis et matutinis, diebus consuetis, et quod in missa de vivis in collecta: »Concede q. o. d.« nomen illius interserere- tur.2)] Maximam tamen curam impendit ac sategit circa cele- brationem festi compassionis?), cuius plenarium officıum, quoad 1) Das Fest der hl. Margaretha wurde im Mittelalter in verschiedenen Gegenden an verschiedenen "lagen gefeiert, in den Bisthümern Basel und Constanz (zu letzterem gehörte die Karthaus) am 15. Juli. S. Fiala: Der St. Margarethen Tag, im Anzeiger für Schweizerische Geschichte 1870, 5 ff. — So wird denn auch im Liber benefactorum das Fest Marga- rethe virginis et martiris auf diesen Tag angesetzt. Im J. 1459 gab nun aber das Generalcapitel dem Kloster die Erlaubniss, quatenus festum reli- quiarum eius tercio ydus julii, quando notabile de reliquiis suis susce- pistis portionem, qua etiam die passio eius apud multos festive recolitur, cum capitulo pro conventu tantum, necnon commemorationis festum eiusdem illustris virginis et martiris illa die, qua per totum nostrum gene- raliter ordinem servari consuevit ipsius festivitas, cum duodecim duntaxat lectionibus perpetuis futuris temporibus annuo peragere valeatis cum lectio- nibus, capitulis et officiis per visitatores alias admissis (Karth. Arch. Nr. 222, vgl. Nr. 212). Demgemäss finden wir nun in den Kalendern einiger dem Kloster gehöriger Gebetbücher und Psalterien (A. N. VI. 27 und B. IX. 8 der Universitätsbibliothek) und im Calendarium oder kleineren Jahr- zeitenbuche neben der am 15. Juli gefeierten eigentlichen solemnitas, dem patrocinium, am 13. Juli das Fest der Reliquien und am 20. das der com- memoratio verzeichnet. 2) Die betreffende Erlaubniss des Generalcapitels vom 5. April 1470 s. Karth. Arch. Nr. 268. 3) »Festum compassionis Marie, Mariae Ohnmachtfeier, Mariae Siebenschmerzenfeier, wurde 1423 von der Synode zu Köln für die dortige Diözese eingeführt und am Frei- tag nach Jubilate gefeiert. Erst Pabst Benedict XIII. dehnte das Fest 1727 auf die ganze Kirche aus und verlegte es auf den Freitag vor Palmsonn- tage. Weidenbach: Calendarium Historico- Christianum 192. Der Ma- nusceriptenband A. VIII. 18 der Basler Universitätsbibliothek enthält fol- gende zwei, auf dieses Fest bezügliche Schriften des Priors Heinrich: »De compassione virginis Marie collatio capitularis secundum modum et stilum antiquorum aliqualiter per venerabilem patrem Heinricum priorem Basilien- sem collecta tempore institutionis eiusdem solemnitatis ete.« und »Compas- sionis Mariae multiplex materia a venerabili et erudito ac 'devotissimo patre Henrico Arnoldi collecta ex diversis sanctorum patrum sententiis«e. In dem oben. '8. 243, Anm. 4 erwähnten, von Louber angefertigten Register über einen Sammelband von Schriften Heinrichs finden sich aufgeführt: Quin- quagena de compassione seu de quinquaginta gladiis anime gloriosissime 21* 324 Capitulum 1. omnia requisita specialia, etiam in notis ipsemet composuerat. Quin ad: hoc quoque laboravit, quod etiam idem festum im dio- cesı' Basiliensi, maxime ın ecclesia cathedrali, institueretur, quamquam. ordini nostro dictum festum placuerit aliter ‚et sub alia die, quam idem pater intenderat, celebrari!). Sed..haee alias. Porro: in eiusmodi studiis patet, quam propensus: fuerit ad divina. studiose devoteque peragenda. Patet nihilominus, quantae litteraturae fuerit, qui tam concinnas lectiones et ho- milias per se ıpsum componere noverit, qui etiam plurimos tractatulos, libellos ac dialogos lectu tam jocundos, quam edi- ficatorios 'ediderit, tot curis et occupationibus pro gubernatione domus in temporalibus alioqui praegravatus, de quibus opuscu- lis in registro magno librariae per ordinem digestum est). [Denique traditum est a nonnullis senioribus, hune vene- rabilem patrem rarıssime domum seu monasterium exisse vet quasi pro miraculo ın plateis a vulgo conspectum fuisse, cunctis digito super eum monstrantibus, si quando pro magna neces- sitate forıs videbatur, et dicentibus: »Ecce Carthusiensis ille pater« ete. — Item notetur, quod viderit in visu personam Jo- hannis Gersonis®). Item de dolore capitis et insomnio, propter quae desperaverat se in ordine permansurum, et quod a sancto Brunone ?) retentus sit, eodem sibi dicente : »Revertere fili, post professum melius habetur«.. Item, quod a quodam L. M.5) visus sit flexis poblitibus ad missam celebrandam progredi coepisse ete.] O virum laude dignum, sed avem raram in plerisque reli- gionum monasterlis, maxime temporibus istis modernis, quando praelati plus in temporalibus solliciti sunt, quam subditis ex- pediat aut utilitas suorum monasteriorum requirat.. Hine nimi- rum contingit, quod negligentiores circa spiritalia redditi se- metipsis et sibi subjectis nec in tentationibus consulere nec in : adversis casibus remedia fidei praestare noverunt, ‚unde multa tandem scandala coram saecularibus oboriri necesse est, defi- matris dei semper virginis Marie (im zweiten Theile des Bandes), Opuscu- lum per modum sermonis.de veneranda compassione seu anime martirio ge- nitricis dei semper virginis Marie, premisso prohemio, — Item quinque ser- mones de compassione beate virginis (im dritten Theile). 1) Ueber Zeit und Art. der Feier dieses Festes im Karthäuserorden verbreitet.sich $ 22 des ersten Capitels der tertia compilatio statutorum. Als Tag des- selben wird der Samstag. vor Palmsonntag angesetzt. In dem $S.323 Anm.1er- wähnten Calendarium des Bandes A. N. VI. 27 steht beim Merz am Rande: Festum compassionis celebratur in VI palmarum, cand. non convers., vel proxima die vacante — —. 2) S..den unten zu erwähnenden alphabe- tischen Bibliothekscatalog des Urban ‚Moser. 3) Johann Gerson. (Joh. Charlier de Gerson), der berühmte Kanzler der Sorbonne, doctor. christia- nissimus, ++ 1429. 4). Dem. Gründer des Karthäuserordens ‘(-++1109). 5) L.M. sind ohne Zweifel die Anfangsbuchstaben eines Eigennamens, den Georg aus irgend welchen Gründen nicht vollständig angeben konnte oder wollte. 5 5 — en Capitulum 1. 3235 cientibus religiosis in conversatione, moribus et studiis sanctis. Sed de his alıbi forte latius dicetur !). Joannes praeterea Tritemius Spannhemensis in catalogo scriptorum illustrium Germaniae sic de eo scribit sub compen- dio2): »Henricus Arnoldi, natione Saxo, professione monachus Carthusiensis domus Basiliensis, vir religione devotus, ingenio clarus, affectu syncerus, moribus gravis, eloquio duleis, con- versatione affabilis, pius, humilis, mansuetus, (sobrius), exem- plo fulgidus, in sacris litteris plurimum exercitatus et ponti- 10 ficii juris non ignarus. Qui cum officio notariatus in sacro Ba- 15 v2) 25 siliensi concilio multis annis fungeretur, fidelis, justus ac pru- dens cunctorum testimonio probatus est. Tandem cernens, om- nia esse vanitatem, universa pro Christi amore contempsit, clau- suram praefatae domus Carthusiensis eligens ingressus est, ubi in priorem electus multis annis sibı subditos monachos in magna pace et tranquillitate gubernavit. Scripsit autem multa opuscula valde devota atque salubria,« de quibus supra et alibi ete. »Mo- ritur sub Frederico imperatore tertio et Innocentio papa octavo anno domini 1487 indictione quinta«. Dedomino Henrico de Vullenho. Sub huius denique devoti patris regimine quantum domus ipsa paulatim in ornatu cul- tus divini profecerit, devoti fratris ac monachi, domini Henrici de Vullenho Trajectensis diocesis, non est praetereunda memoria?). Qui, quantum fructus in solitudine cellica fecerit, magnus librorum testatur a se conscriptus acervus. Quippe qui pene omnes lıbros, quibus in divinis utimur, manu sua conscripsit, nempe quatuor partes bibliae, magna scılicet volumina litterae texturalis®), tria quoque sermonum ac homiliarum volumina, missale unum pro summo altari, collectarium, denique quatuor partes Ludolphi 1. Mit vet studiis sanctis« schloss ursprünglich pag. b. Was von »Joannes« bis »in biblio- thecis domus invenitur« folgt, ist erst später hinzugefügt. Noch später sind dann der Satz »Sed de his alibi forte latius dicetur« und die Randbemerkungen » Denique — coepisse etc.« eingeschoben worden. 5. Heinricus T. 8. »sobrius«, das bei Trithem fehlt, ist in der Hs. unterstrichen und eingeklammert. 15. subditos sibi T. 17. Statt »supra et alibi« etc. heisst es bei T.: »feruntur subjecta«, und nun folgt ein Verzeichniss von Schrif- ten Heinrichs, zuletzt: »Chronica domus Carthusiensis sue in Basilea li. I. Et quedam aliac. Dann folgt »moritur — indicetione V.« 20. Von dem Absatze, der über Heinrich von Vullenho handelt, ist die erste Hälfte bis »gradalia« (S. 326,4) inel. durch einen Queer- strich vom Folgenden getrennt und zugleich mit einem Striche am Rande versehen. Am Schlusse des ganzen Absatzes folgt dann wieder ein Queerstrich. devote Hs. 23. Statt »praetereunda« hatte der Verf. erst »omittenda« gesetzt. 1) Vergleiche, was an verschiedenen Stellen des fünften Capitels über den Prior Zscheckenbürlin gesagt ist. Auf ihn zunächst beziehn sich ohne Zweifel die bittern Bemerkungen unserer Stelle. 2) In der zweiten Ausg. v. 1495, von der ein Exemplar aus dem Besitze des Mag. Urban Moser (s, ‚Cap. 3) in den des Klosters übergegangen war, Blatt 54 f. Vgl. in den Beilagen die brevis commendatio Heinrichs von Louber. 3). Dieser Satz bietet eine von den mangelhaften Constructionen, wie sie in der concept- artigen Niederschrift, mit der wir es zu thun haben, hie und da begegnen. 4) Littera texturalis ist »die starke und feste Bücherschrift«, auch wohl als littera psalterialis bezeichnet. Wattenbach: Das Schriftwesen im Mittel- alter S. 166. 1487. 326 Capitulum 1. de vita Christi!) pro refectorio scilicet, et statuta ordinis pro lectione colloguii sub minusculis litteris, item antiphonariorum partes quatuor, binas pro aestate binasque pro hyemaliı: tem- . pore, item duo gradalia aliaque parva opuscula seu devotionalia, ıd est de origine Carthusiensium 2), item unum nocturnale bre- viarıum pro infirmis. Quantae igitur commendationis huius mo- nachi labor aestimandus sit, ex tractatu Gersonis de laude scriptoris pensandum est. Porro in singulis quibusque volumi- nibus a se conscriptis in calce nomen illius, aetas vitae ac. pro- fessionis tempus ac annorum Christi positum est, non quidem studio vanae laudis, ut nonnullı causabantur, sed accendendae bonae emulationis similia faciendi posteris occasıo per huius- modi praebita est. Sunt autem et alıa beneficia nonnulla, quae propter ıpsum eundem confratrem et domus filium domui pro- venere, de quibus in Iıbro benefactorum latius expressum est). Fuerunt praeterea quidam alıı tunc temporis et. sub posteriori patre devoti monachi, qui suis scriptis se declaraverunt non ociosos omnino fuisse, prout passim in bibliothecis domus in- . venitur. | | [e] Fuit siquidem idem dominus Jacobus nedum optimis lit- teris adprime eruditus, hoc est tam humanis, quam divinis, uti praefatum est, sed etiam in rebus agibilibus ad extra vir sagacissimus, eloquio quoque disertus et facundus, et velut alter Ahot®) ambidexter ad utrague divinitus dotatus. Qui novae plantationi adhuc tenuiter succrescenti et in spiritalibus praeesse et in temporalibus prodesse noverat. In spiritalibus quidem (de quibus inprimis curandum esse salvator mandavit: »primum, inquens, quaerite regnum dei et justiciam eius, et haec omnia, id est temporalia necessarla, adjicientur vobis?)«) quantum ipse 20. Dieses »Fuit siquidema« u. s. w. schliesst sich an »Jacobum Louber — — habuit suc- cessorem« (S. 322,16) an. Vgl. was S. 320 unter dem Texte bemerkt ist. | 1) Ludolphus oder Leutolphus de Saxonia, Dominicaner, später zu Strassburg in den Karthäuserorden getreten, schrieb zu Anfang des 14. Jahr- hunderts: Meditationes vitae Jesu Christi secundum seriem evangeliorum. Sie wurden in den letzten Jahrzehnten des 15. und zu Anfang des 16. Jahr- hunderts mehrfach gedruckt (Hain: Repertorium bibliographicum Nr. 10288 ff. Grässe: Literärgeschichte III, 447). Die Karthäuserbibliothek besass mehrere geschriebene und mehrere gedruckte Exemplare. Noch jetzt scheinen sie in der katholischen Kirche ein beliebtes Buch zu sein, da Palme in Paris, der Herausgeber der Wiederabdrücke der Bollandisten und des Bouquet eine neue Ausgabe veranstaltet. 2) 8. die Nachträge. 3) Lib. benef. 148 finden sich einige Vergabungen, welche von den Eltern Heinrichs (Hermanno Heinrici et Berchta uxore eius, qui fuerunt parentes domini Heinrici de Vol- lenhö) und mehreren seiner Verwandten dem Kloster gemacht worden. 4) Es ist Ehud gemeint (in den lateinischen Uebersetzungen Aioth oder Aod), der Israel von der Herrschaft des Moabiterkönigs Eglon befreite. Er war an der rechten Hand lahm. Das Prädicat ambidexter beruht auf der unrich- tigen Uebersetzung der Vulgata: Qui suseitavit eis salvatorem vocabulo Aioth, filium Gera filii Jemini, qui utraque manu pro dextera ute- batur (Judicum 3, 15). 5) Matth. 6, 393. ap 10 20 25 30 39 40 45 Capitulum 1. 327 videlicet pro monastici cantus concinnitate, ceremoniarum uni- formitate et statutorum diligenti observatione desudaverit, atque propria solius industria laboraverit, satis eiusdem libri pro cultu divino ab eo compilati subindicant.: Quos vel sparsim ex sta- tutis vel ex approbata domus et ordinis consuetudine pro sin- gulis ecclesiasticis officiis in unum ordinarium (sic enim eos in simul collectos appelları placuit) adeo diligenter et ordinate compegit, quo singula novellis clericis aut novitiis essent in- ventu facillima, quod nihil in eis a quoquam desyderari possit, prout intuentibus manifestum ‚est... Ad haec, quatenus unifor- mitas in eodem cultu divino studiosius introducı valeret, tam indefessi sedulique laboris extitit, ut etiam novellos sacerdotes, diaconos quoslibetque alıos officiales, non obstante, quod sin- guli sibi deputatos haberent magistros, per ‚se ipsum tamen instrueret in missarum celebratione et tam in diaconatus, sa- cristae et procuratoris officlis eos dirigere non pigritaretur. Denique, quo singuli assumptum propositum in ommibus. serio- sius prosequerentur, ipse in eo sic subditos praeire. satagebat, ut vel sui exemplo illos alacriter post se viam |[d] mandatorum dei currere faceret, aut certe, si nonnulli segnius illam inse- querentur, quos etiam sı forte disciplinae regularis calcarıbus urgeri oporteret, quod ıi minus recalcitrare auderent. Quam- quam vero religiosae vitae et exemplaris conversationis ipsius praeconia plura possemus adducere et de maxima industria so- lieitudinis, qua nedum in principio suae assumptionis in prio- ratum, sed etiam in omni deinceps tempore pro zelo regularis observantiae desudaverit, longe plurima commemoranda forent, nos tamen brevitati studere volentes hoc brevi compendio nar- rationis solicitudinem ipsius posteris, etsi non sufficienter, com- petenter tamen, indicasse sumus arbitrati, licet forte in calce huius capıtuli de laudabilibus conditionibus ipsius nonnulla di- cenda veniant. Sic igitur regno dei eiusque justicia. primum quaesitis, juxta infallibile divinum promissum quanta ab eodem omnium bonorum largitore temporalis benedictionis sit adjecta largitas, mox sequentia scripta declarabunt. Dum enim idem dominus Jacobus primum ad hurus domus administrationem ‚se accinxerat, in granariis non repperit blada pro una hebdomada sufficientia, similiter nec vina in cellariis pro uno mense, et insuper aeris marsupium penitus erat vacuum. Nec tamen quis ob haec, quae modo retulimus, antecessori ipsıus malae admi- nistrationis notam impingere voluisse suspicari debet, sed magis admirari, quod ex tanta proventuum tenuitate sumptuumgque non modicorum quantitate et ex tam exili censu tantum con- ventum fratrum sustentare potuerit. Certe, nisi dominus eis per piam fidelium largitatem elemosynariam (qua tunc pro maiori parte vivebant, prout ex chartis visitationum evidenter colligi- tur) providisset, de proventibus tam exilibus vivere minime 338 Capitulum 1. potuissent. Hinc pro futurorum memoria, quanti tunc domus fuerint annui census, hic annotare placuit, quo posteri discant, ex quanta paupertate in quantam sufficientiam temporalium pervenerint, ut de perceptis beneficiis gratias agentes bene- dietione largiori in spiritalibus benedici mereantur. Igitur tune temporis in pecunialibus erant census summatim perstricti 439 librae denariorum, 6 solidi, 10 denarıl, in bladis 561/, vernzel- lae speltarum, 5 vernzellae siliginis, in avena 16 vernzellae et unus sextarius, in vino non plus quam sex somae, de quibus tamen omnibus annue 62 libras certis personis partim ad vitam tantum et partim perpetue tenebantur exponere. Et sic tantum- modo 376 librae ipsis remansere. Cum autem de illis ultra ter- tiam partem pro vino et bladis expendere oportebat, quisque perpendere potest, quam valde modica restabat summa, de qua sustentari per annum debebant. Pius tamen dominus nunquam” deseruit suos, sed quod census non suppetebant, ipso pias men- tes inspirante per illorum largitionem, ut jam saepe comme- moratum est et in priori parte per totum processum dialogi satis insinuatum, illis subveniebat. Superest igitur, quantum dieta domus sub hoc venerabili patre Jacobo in temporali sub- stantia succreverit. Sed hoc, quanto compendiosius fieri pote- rit, assignabimus. Siquidem nimis longum et tediosum foret,. si singula minutatim (quemadmodum in priori parte chronicae digestum est) perstringere et recensere vellemus, quae tamen, quamvis si simul computarentur, grandem facerent acervum, illa tamen praefatis ex causis magis omittere et solummodo no- tabilioribus insistere consilii fuit. Et imprimis de bibliotkeca, in qua ceu granario quodam spiritali uberrimus consolationum internarum proventus et sempiternus anımarum cibus, statutis ordinis testantibus, est reconditus!), pauca [e] perstringenda sunt. Igitur bibliotheca, quae ante eundem pastorem quasi pene nulla erat, quantum sub eo libris ac codieibus pro omnium ar- tium ac scientiarum facultate referta fuerit, unusquisque facile conJicere poterit, si titulos exteriores, id est eos, qui in fron- tispicio singulorum, ipsius eiusdem propria manu conscriptos aspexerit. Singuli quippe codices bibliothecae nostrae singulas 17. sepe Hs. 1) Secunda pars antiquorum statutorum, cap. 16, $ 10: Libros quippe tanquam sempiternum animarum. nostrarum cibum cautissime custo- diri et studiosissime volumus fieri, ut quia ore non possumus,. dei ver- bum manibus predicemus; quot enim libros scribimus, tot nobis veritatis precones facere videmur, sperantes a domino mercedem pro omnibus, qui per eos vel ab errore eorrecti fuerint, vel in catholica veritate profecerint, pro. cunctis etiam, qui vel de suis peccatis et vitlis compuncti, vel ad desi- derium fuerint patrie, celestis accensi. Diese Stelle citiert Georg auch in der Vorrede zu dem in der nächstfolgenden Anmerkung zu besprechenden Fachcataloge der Karthäuserbibliothek. ‚15 20 25 30 en Capitulum 1. 3929 in se continent notulas, diligenter, a quo quisque provenerit, exaratas. Igitur ultra mille ducentorum voluminum extendit se numerus, sub eodem patre caeteris codieibus veteribus adjectus, quorum tamen maximam partem dominus Joannes de en sacrae paginae doctor (de quo nonnulla in subditis dicentur) !) ordinem ingressus secum apportavit. Denique tantus excrevit codieum veterum et novorum acervus, ut opus fuerit binas con- strui bibliothecas, alteram veterem, in qua codices vetustiores et scripti continerentur sub ordinali numero vulgari consignati, {o alteram novam sub cyfrali numero 2) pro noviter impressis et 15 20 25 30 futuris reponendis, cum suis propriis registris et intitulationi- bus singulorum armariorum, mira quadam et singulari novitate dietos codices 'ordinatissime eollocandi. Quo nimirum patet, quante vir iste sagacitatis et industriae fuerit ac laboris inde- fessi, qui tantum potuerit se in talibus defatigare, in qualibus vix ociosissimus quisque monachus semetipsum. agitare vel exer- cere dignaretur. Sed quam ob rem? Equidem reor: non ob aliam, nisi quia litteras ex anımo charas habuit et quia nove- rat, quantum utilitatis et quietis in solitudine versantibus amor litterarum pariat, tum quia decorem domus dei dilexerat, quem bonorum librorum copia non parum commendat utique prae caeteris ornamentis universis. Breviter, quid per hoc intende- rit, satis liquido constare videbit quisquis antiquum registrum pro utraque libraria, manu illius conscriptum, in fronte eius- dem legerit3). Sed de hiis satis alibi forsitan benevolus domus huius suppellectilium serutator inveniet. Ad structuras eiusdem domus properandum est. Igitur in anno primo suae assumptionis idem pater Jaco- bus structuram cellae H per antecessorem eius inchoatam ?) ipse complevit sumptibus domini N. cancellarıı comarche in Hassıa, 1) Cap. 4. 2) In dem S. 236 erwähnten neueren zweibändigen Re- gistrum der Bibliothek werden die römischen Ziffern bald als numerus or- dinarius, bald als numerus vulgaris den arabischen, dem numerus cyfralis entgegengestellt. Dieses Registrum ist, wie ich mich nunmehr überzeugt habe und wie ich in der Einleitung zur Reformationschronik näher dar- legen werde, von niemand anders, als von unserem Georg verfasst. Es ent- hält einen Standorts- und, da die Bücher in jedem der beiden Säle, der antiqua und der nova libraria, ihrem Inhalte nach aufgestellt waren, zu- gleich Fachcatalog der Bibliothek. Einen sorgfältigen alphabetischen Cata- log, das Repertorium universale veteris ac nove librarie Oarthusiensium minoris Basilee, hatte der in Cap. 3 angeführte Urban Moser von Appen- zell angelegt. Die spätern Eintragungen hat auch hier Georg gemacht. Dieses Repertorium bildet einen dicken Folioband (A. I. 24 der Univer- sitätsbibliothek. Beim Niederschreiben von 8. 236 hatte ich ihn noch nicht gekannt). Aus einer von Georg vorn eingefügten Auseinandersetzung erse- hen wir, dass die ursprüngliche Signierung der Bücher eine Veränderung erlitten hatte. Das hatte wohl die Veranlassung gegeben, das alte Regi- strum des Jacob Louber (s. S. 236) durch das neue Georgs zu ersetzen. 3) 8. oben $. 236. 4) Vgl. oben 8. 299, 42. 1487 330 Capitulum 1. cuius filius sepultus est ante cellam procuratoris!). Pro quo expositi sunt ducenti viginti aurei Renenses. Item eodem anno inchoavit edificium cellae G sumptibus domini Leonardi Trou- bach?), ante ipsam cellam sepulti, pro cuius erectione et dota- tione idem exposuit ultra quadringentas libras denariorum mo- netae Basiliensis. Etiam sequentibus annis plures cellas ruino- sas, primum exilibus expensis erectas per fundatores, resar- civit et suppellectilibus necessariis munivit, item domum pistri- nae, quae ante humili muro et ligneis tegulis tecta erat (quare magis tugurii quam domus speciem gerebat), inaltavit ac late- ribus texit novisque furno3) et camino, absque officinis oportunis, aptavit. Pro quibus®) expositi sunt centum quindecim aurei, ad quod dedit dominus Joannes Irme) 80 aureos. Item anno domini 1487 fuit Basileae ingens grando®), quae nostram 'hane 28. Jun)domum plus quam in ducentis aureis solummodo in laterculis et fenestris damnificavit, quae ab eodem priore quorundam be- 1) Lib. benef. 262: Oretur pro venerabili domino Alberchto Rode de Margburg in Hassia, decretorum baccalario, apud nos eirca cellam procu- ratoris sepulto anne 1475, cuius parentes, videlicet magister Heinricus Rode, utriusque juris doctor, consiliarius domini lantgraffii in Hassia, et domina Elyzabet nata de Tresbach, eiusdem Heinrici legitima uxor, fun- darunt preciosam cellam littera H signatam ipsamque habitabilem fecerunt cum omnibus correquisitis et necessariis, pro quibus exposuerunt 260 flo- renos Renenses; insuper pro dotacione eiusdem successive dederunt 240 flo- renos, et ita summarie dederunt quingentos florenos. Premissis tribus per- sonis conventualiter concessum est perpetuum anniversarium juxta formam ordinis et quater in anno participacio officii mensis circa angariam, et asso- ciamus personas, pro quibus desiderarunt. Vgl. die Beilage de cellis Car- thusiae. 2) Liber benef. 291: Oretur pro venerabili domino Leonardo Troubach de Mulhusen, ecclesie ac episcopi Basiliensis cappellano, magno benefactore nostro, qui hoc die [12. Oct.) obiit in cella R huius domus, quam fundavit, ante cuius fores corpus eius sepultum est anno domini 1484 u.s. w. Seine dort aufgeführten grösseren Vergabungen beliefen sich auf 646 fl. rhein., wozu dann noch eine Anzahl kleinerer Geschenke kommen. Auch seine Dienstmagd Elyzabetht Merckin schenkte durch seine‘ Vermitt- lung 8 fl. rhein. und wurde auf dem grossen Kirchhofe des Klosters beer- digt. — Vgl. auch die Beilage de cellis Carthusiae. — Um die Erlaubniss, dass Leonhard die von ihm gestiftete Zelle bewohnen dürfe, hatte sich Louber im J. 1480 in der grossen Karthaus beworben. Karth.Arch.Nr.313. 3) Ad reformandam fornacem pistrine gab Leonhard Troubach 2 fl. 4) Näm- lich für alle in diesem: Satze erwähnten Bauten (nicht nur für die an der Bäckerei). Vgl. die folgende Anm. 5) Rathsherr Hans Irmi wird in der Basler Geschichte seiner Zeit viel genannt. Im J. 1474 wurde er, als man in Breisach dem gefangenen burgundischen Landvogte Peter v. Hagenbach den Process machte, zu dessen Fürsprecher bestellt. Vgl. auch Beiträge V,50f. Seine Wohlthaten sammt denen seines Sohnes Balthasar, der ma- gister artium war und von Ks. Friedrich III. geadelt wurde, sind verzeich- net Lib. benef. 284. Betreffs seiner Beiträge an die Bauten in der Kar- thaus heisst es: Predictus dominus Johannes semel dedit 70 libras dena- riorum ad reformandas cellas antiquas litteris D et E signatas, per inunda- tionem aquarum destructas, anno videlicet 1481. 6) Wurstisen 474. Ochs V,.210, m 5 Di 1 o 1 a 20 BEER —— Capitulum 1. 2. 331 nefactorum adjutorio restaurata fuerunt!). Item domus nonnul- lis censibus annuis perpetuis onerata fuit, utpote circa decem libras denariorum ad diversa loca, prout in antiquis patet do- mus registris, quos idem pater Jacobus redemit, pro quibus ex- posuit circa ducentos aureos Renenses. Remanserunt autem adhuc et alii census perpetui, pro quibus idem non potuit ha- bere redimendi consensum. De quibus postea eius successor venerabilis pater Hieronymus redemit, et adhuc pauci saltem in pecunialibus restant. Si etiam posset domus aliquando exo- nerari a censu de siligine annuo monasterii sancti Albani debito cum eorundem consensu, ad id omnis conatus esset adhibendus2). [f] Capitulum 2. Sub huius denique non multo post tempore postquam in prioratu processisset, scilicet anno domini 1487, venerunt duo insignes et conspicui viri ad ordinem et domum hanc nostram, videlicet dominus Joannes de Lapide sacrae paginae professor et concionator ecclesiae Basiliensis, de quo nonnulla in sub- jectis?) annotabuntur, et dominus Hieronymus Zschegkenbürlin legum Jlicentiatus, cuius genitor aliquando fuit tribunus plebis Basiliensis®), de quorum adventu domus non modicum sumpsit 10. »monasterii« steht deutlich, obgleich, nachdem einmal »debito« gesetzt war, »mona- sterio« das Richtige gewesen wäre. 1) Johann de Lapide hatte, cum adhuc secularis erat, ad priorem re- - formationem fenestrarum, anno 1487 factam, 2 fl. beigetragen. Bei seinem Eintritte ins Kloster verordnete er aus dem eingebrachten Gelde 2140. 4 s. pro secunda reformatione singularum fenestrarum domus per grandines Jo- hannis et Pauli martirum 1487 miserabiliter destructarum, quas eodem anno preciose reformavimus, et statim post reformationem destructe. Et per huiusmodi grandines tecta singula lesa fuerunt, et destructa circa triginta sex milia laterum, et propter necessitatem plura tecta simplicia facta fue- runt.. Pro reintegratione ergo tectorum maioris:galilee, fontis et celle pro- curatoris, Jussu ipsius facta, exposite fuerunt de prescripta pecunia (der ein- gebrachten Summe von 166 fl. in auro und 22 s.) quinquaginta una lib. de- nariorum. Lib. benef. 327b. 2) Bemerkungen wie diese stammen sicht- lich aus der Feder des Schaffners und Vicars Philipp Stouffer (s. die Ein- leitung zu unserer Chronik). 3) Cap. 4. 4) Die Zscheckenbürlin waren eine reiche Wechsler- und Kaufmannsfamilie, ohne Zweifel lombardischen Ursprunges (s. S. 235 Anm. 1.. Zu dem dort über die Schreibung des Namens Gesagten ist nachzutragen, dass die Schreibart mit Sch hie und da vorkommt, während die mit Tsch mir sehr selten begegnet ist, und dass in der ersten Sylbe statt .des e auch ein ä oder a vorkommt. Der Prior Hieronymus schreibt im Liber benefactorum Zschegepurlin, auch wohl Schegepurlin). Der Vater des Hieronymus, der Oberstzunftmeister Hans, starb den 24. Juli 1477. Seine Gemahlinn war Margaretha, die Tochter des Hans von Basel und der Elsa von Louffen. Von seinen Kindern lernen wir aus dem Liber benefactorum und den Urkunden der Karthaus kennen die Söhne Hans (+ 1490), Ludwig ‚(+ 1492), diese beiden, wie es scheint, aus einer früheren Ehe, Hieronymus den Prior (+ 1536) und Bartholomäus, der ganz jung ver- storben sein muss, die Töchter Elsbeth, vermählt mit Junker Ludwig Kilch- 1487. 332 Capitulum 2. in temporalibus incrementum. Dominus quippe Joannes Lapi- danus secum apportavit libros, pro quibus ultra millenos aureos mann (aus einem Basler Achtbürgergeschlechte), Margaretha, vermählt mit Junker Jacob Nagel von der Alten Schönstein, Landvogt zu Rötteln, Maria, vermählt mit Junker Jacob Schorpp (auch Zschorpp geschrieben) von Freu- denberg und Sophia, Nonne in dem Dominicanerinnenkloster Engelporten zu Gebweiler. Ein Sohn des jüngeren Hans war Thomas (+ 1502), eine Toch- ter Sibylla, vermählt mit Gebhard Hegner, Schultheiss zu Winterthur. Von Ludwig kennen wir zwei Söhne, Bernhard und Ludwig (beide gestorben 1493) und eine Tochter Maria, vermählt (1491) mit Junker Morand von Brunn (s. 8. 334 Anm.6). Eine Tochter Bernhards, Magdalena, war mit Junker Hans Offenburg vermählt. Ueber die Verwandtschaftsverhältnisse der Frauen des Hans Oberriet (Woltmann: Holbein und seine Zeit I. 240 f. Lib. benef. 20, Chronik des Fridolin Ryff 83, 2) und des Lienhard Fuchs, Kaufmanns zu Neuenburg a. Rh., Schwiegervaters des Bonifacius Amerbach (Fechter inden Beiträgen II, 229, Lib. benef. 19) bin ich nicht im Klaren. Vgl. das in den Nachträgen Bemerkte. Die Zscheckenbürlin scheinen ursprüng- lich zu Hausgenossen (zum Bären) zünftig gewesen zu sein. Dort war 1390 ein Hemman Meister, dort erneuerten 1427 der spätere Oberstzunftmeister Hans, 1461 seine Söhne Ludwig und Hans, 1488 Bernhard und Thomas die Zunft. Indess nahmen sie daneben auch andre Zünfte an, der alte Hans und sein Sohn Ludwig erscheinen im Rath als Vertreter der Zunft zum Safran (zu Krämern), Thomas als solcher der Zunft zum Schlüssel (zu Kaufleuten). Den jüngern Hans nennt Louber im Liber benefactorum 199 consequent (und allein von allen Zscheckenbürlin). domicellus. Es muss sich dieser also unter die Achtbürger haben aufnehmen lassen (Heusler: Verfassungsge- schichte 255). Sein Sohn Thomas dagegen vertritt im Rathe bis zu seinem Tode die Zunft zum Schlüssel. Vielleicht liess sich Hans als Achtbürger auf- nehmen, als er sich von seinem Geschäfte zurückzog und dieses dem Thomas übergab, der zünftig blieb, Das bedeutend spätere Calendarium (d. h. unser Georg, s. Einleitung zur Reformationschronik) nennt auch den Tho- mas domicellus. Ueber die enge Verbindung, in der manche den höheren Zünf- ten angehörige Familien zu der hohen Stube standen, s. Heusler 256. Dass die Zscheckenbürlin in socialer Hinsicht als den Achtbürgern eben- bürtig angesehen wurden, also wohl, auch wenn sie zünftig waren, Stuben- recht bei diesen unterhielten, zeigt ihre Verschwägerung mit so manchen adeligen Familien. — Die ersten Beziehungen der Familie Zscheckenbürlin zur Karthaus scheinen aus der Familie der Margaretha, der Frau des Oberst- zunftmeisters Hans, zu stammen. Ihre Eltern erscheinen unter den Wohl- thätern des Klosters, als eine ganz besondere Wohlthäterinn aber ist die Schwester der Elsa von Louffen, Frau Gredanna von Eptingen, genannt “ zem Schiff, ausgezeichnet, die Gemahlinn des Junkers Anton von Eptingen (+ 1462. Tonjola 318, wo sie irriger Weise Grediana heisst). Im Liber benefactorum 199 wird hervorgehoben, dass tempore maxime pauper- tatis nostre, quando gens Gallica cum delphino vastabant pene cuncta circa Basileam, quando erat tante Basilee tribulatio, quod vix frater fratri mu- tuasset unum florenum, taceamus de dando, dedit — — nobis in tanta an- gustia libere sine aliqua conditione obligationis et simplieiter 80 florenos. Ein anderesmal schenkte sie kostbare Ringe mit Steinen im Werthe von 100 fl. Einmal gab sie pro singulis cellis mensalia cum suis mantilibus par- vis, mehrmals den Laienbrüdern camisias et vestimenta linea, ausserdem Kirchenzierden, Kirchengeräthschaften und Anderes. Auch vergass sie nicht, von Zeit zu Zeit Leckerli (electuaria), Törtchen (tortulas) und butirum ver- nale zu schicken und viele andere consolationes den Mönchen zu erweisen. — Auch die 8. 296 Anm. 2 genannte Lostorfinn war mit den Zschecken- bürlin verwandt. sie wird Lib. benef. 199 amita des jüngeren Hans genannt. h Te — —e 10 Capitulum 2. 333 Renenses expenderat!), excepta varia suppellectile curiosa, quae simul allata fuerat?), denique dominus Hieronymus, qui dieto venerabili patri Jacobo postmodum in prioratu successit, in va- lore circa tria milia florenorum secum apportavit, qui etiam eadem bona sua ante ingressum ordinis et eiusdem habitus as- sumptionem nostrae domui donatione inter vivos resignavit libere3), quod magnae fidei fuit atque audacie, praeter ea, quae occasione ipsius ab eiusdem consanguineis (quorum non paucos opulentos et honoratissimos habuit) memoratae domui prove- nere®), quae'scilicet bona praefatam excedunt summam, prout in’ ipsius conscriptione post illius obitum (ubi plus quam hue convenit) clarius patebit. Sequenti anno ab eodem venerabili patre Jacobo testudinatus est chorus ecclesiae nostrae) sumpti- 1) Donavit domui de libris suis ducenta triginta tria volumina ligata et | preciose et exquisite preparata (vgl. unten Cap. 4) et quinquaginta volumina nondum ligata, qui in seculo noluisset eis caruisse pro mille aureis. »Lib. benef. 327b. 2) Item recepimus eciam duo preciosa reservacula corpo- ralium et unum supereilicium duoque facileta pro usu nostro retenta. — —- Item habuimus ab eo in panno lineo circa centum septuaginta unam ulnas, mensalia, lintheamina, mappas, pulvinaria, cussinos, tegimina plurima pro usu suo ac cellarie retenta. Item duas casulas laneas nigras de suis vesti- bus fecimus. Item unam albam paratam comportavit. Item mensas, eistas, armaria et plura vasa lignea pro usu domus nostre servata. Item cantros, discos, seutellas stangneos et alia vasa de auricalco et electro, mortariola, horologium, caldariola et quam plurima utensilia pro cella eius et conso- latione fratrum atque coquine comportavit. Eciam tabulas et ymagines pro cella eius. Et quidquid de utensilibus suis potuit esse utile domui aut con- solatorium fratribus, ad instanciam eius reservatum fuit. Dominus sit merces sua. Anderes wurde bei seinem Eintritte in den Orden verkauft. Was dar- aus gelöst wurde (ex distractione vestium, vasorum argenteorum, lectorum, clenodiorum et plurimorum utensilium), und was er an baarem- Gelde ein- brachte, betrug zusammen centum sexaginta sex florenos in auro et 22 so- lidos’ denariorum 'Basiliensium. Von dieser Summe wurde seinem Wunsche gemäss ein Theil zur Reparatur der durch den Hagel des Jahres 1487 an- gerichteten Beschädigungen verwendet (s. oben $. 331 Anm. 1), für 21. 17:5. liess er navem argenteam pro thure machen, für 7 £. tria armaria pro libris suis in cella I. — Ausserdem brachte er 61 Viernzel Spelt und 32 Viernzel Hafer (= 43 fl.) und 17 Saum Wein (= 17 fl.) dem Kloster zu (Lib. benef. a. a. O.). — Ueber Einiges von seinen Büchern, Kleidern, Geräthschaften u. s. w. verfügte er bei seinem Eintritte in den Orden zu Gunsten von Bekannten, Dienern und verschiedenen wohlthätigen und kirch- lichen Zwecken. (8. seine ultima voluntas vom 16. Nov. 1487 im Karth. Arch.) 3) Urkunde vom 28. Mai 1487 im Karth. Arch. Nr. 361. 4) Ein ausführliches Verzeichniss dessen, was Hieronymus, »sic dicendo 'se- eundus huius domus fundator«, dem Kloster zugebracht hat, findet sich Lib. benef. 198b. Am Schlusse bemerkt der eintragende Prior Louber: Et sic in summa prescriptus confrater noster Jheronimus comportavit atque donavit domui nostre eirca tria milia et ducentos florenos Renenses, et se ipsum. Dominus sit merces eius. Die Summe der Gutthaten, welche das Kloster von der ganzen progenies der Zscheckenbürlin erhielt, wird im Liber benefactorum 59 auf 8000 Gulden geschätzt. 5) Das Calen- darium verzeichnet am 21. Mai die Jahrzeit des Remigius Vaesch, qui chorum nostrum testudinavit. Den 24. Sept. 1487 geben Prior und Convent «dem ersamen meister Remigius: Vaesch, der statt murerwerkmeister«, Haus und Hofstatt genannt Utingen, am obern Rindermarkt. Karth. 1488. 1494. 1498. 334 Öapitulum 2. bus praefati domini Hieronymi, pro quo trecenti aurei Renen- ses sunt expositi. Et pro tribus fenestris novis in eodem choro expositi sunt circa septuaginta aurei, quos partim dominus doctor Georgius Keppffenbach, praepositus ecclesiae sancti Petri ın Basilea!), partim honestus vir dictus Itelhanns Louber de Lin- dow2), eiusdem patris Jacobi germanus, et honestus Joannes Kuppffernagel 3) solverunt®). Deinde anno 1494 constructa sunt torcular et horreum, et ortus muro lapideo cinctus versus sacri- stiam, qui quidem hortus antea sola sepe lignea circumdatus erat, etiam sumptibus praefati domini Hieronymi.. Item anno sequenti completa est structura longae domus seu habitationis et dormitorii fratrum laicorum, pro qua expensi sunt ultra sexingenti Rhenenses aurei. Quorum maiorem partem_ solvit dominus Joannes David, capellanus ecclesiae maioris Basilien- sis®). Item renovata est cella procuratoris sumptibus domicelli Morandi de Brunn, sororii praefati domini Hieronymi tunc pro- curatoris, pro qua restauratione sunt expositi circa quinquaginta aurei®). Item anno domini 1498 restaurata est cella P, quae Arch. Nr. 366. Ueber die Fäsch als Baumeister s. J. R. Burckhardt in den Beiträgen III, 207. 1)Lib. benef. 60 sind die Wohlthaten des Geor- gius Wilhelmi decretorum doctor prepositus ecclesie sancti Petri Basiliensis (+ 15. Dec. 1488) verzeichnet. Am Schlusse: Item 12 florenos recepimus post eius mortem ab executoribus testamenti sui pro subsidio fenestre magne chori prope tabulam religuiarum cum ymagine crucifixi; reliquam partem domus solvit. Es ist somit nicht richtig, wenn v. Mülinen I, 32 den Georgius Wilhelmi und den Georgius Kepfenbach als zwei verschiedene Personen behandelt. Was die verschiedenartige Bezeichnung betrifft, so ver- hält es sich damit wie mit Heinricus Arnoldi und Heinricus de Alveldia (s. 8. 241 Anm. 2), Andreas Bodenstein von Carlstadt und Andreas Carl- stadt und ähnlichen Fällen. 2) Fecit fieri novam fenestram in choro nostro cum ymagine beate Margarete post summum altare, pro. quo ex- posuit 22 florenos in auro Renens. Lib. benef. 327. Vgl. oben 8.305 Anm. 2. 3) Fecit fieri magnam fenestram in choro cum ymagine beate virginis Marie in sole, pro qua exposuit 20 florenos in auro. Lib. benef. 294, wo noch andere Wohlthaten dieses Hans Kupfernagel und seiner Mut- ter, der Agnes Kupfernagelin von Basel, verzeichnet sind. Hans gab unter Anderem im J. 1511 pro quodam instrumento ferreo ad ligaturam librorum 3. solidos. 4) Den 29. Oct. 1488 weihte Nicolaus, Bischof v. Tripolis, Generalvicar des B. Caspar von Basel, im Auftrage des B. Otto von Con- stanz die Kirche, per decrustationem parietum chori atque nove testudina- tionis superinductionem emendatam notabiliter et ingenti decore insignio- rem effectam, aufs Neue. Karth. Arch. Nr. 371. 5) Dedit 35 libras denariorum anno 1490 divisim pro structura transitus inchoanda, qui edi- ficari debet pro habitationibus fratrum et hospitum, cuius structure fundator atque inceptor fuit per huiusmodi summam. — — Item 1 florenum in loca- tione primi lapidis nove structure prescripte. Lib. benef. 340, wo auch die zahlreichen andern Wohlthaten des Johannes David verzeichnet sind. Er starb den 29. Sept. 1502. 6) Morand von Brunn ‚gehörte einem im 15. Jahrh. auftauchenden, noch heute nicht ausgestorbenen, übrigens nie in zahlreichen Gliedern blühenden Bürgergeschlechte an. Sein Vater Heinrich war bis zu seinem Tode (1491) Rathsherr zum Schlüssel (zu Kaufleuten), Morand dagegen sitzt unter den Achtbürgern im Rathe. Die Wohlthaten Morands und seiner Frau, Maria Zscheckenbürlin , finden sich verzeichnet - 0. Capitulum 2. 335 totaliter fuit rummosa. Ideo solummodo quatuor muris exterio- ribus remanentibus ab intra totaliter eam reformare oportebat, Lib. benef. 204. 203. 59. In Betreff der Wiederherstellung der Zelle des Schaffners (sie war mit O bezeichnet, s. die Beilage de cellis Carthusiae) heisst es Bl. 204: Idem dedit 20 florenos pro reformatione celle procura- toris Jheronimi Zschegkenbürlin affinis sui 1495. Im Jahre 1496 gab er dann noch 27 s. pro ymaginibus procuratori predieto, und seine Frau 9 flo- renos in auro pro novo horologio valde magistraliter facto, licet parvo, pro consolacione eiusdem procuratoris nostri. Damit ist allerdings die Summe von 50 Gulden, welche die Wiederherstellung der Zelle nach der Chronik kostete, noch lange nicht erreicht. Morand hat eben nicht, wie man aus dem Wortlaute unserer Stelle schliessen könnte, diese Kosten allein ge- tragen: 6 fl. steuerte, wie wir aus dem Liber benef. 200 erfahren, Lud- wig Zscheckenbürlin, der Neffe des Priors, und ebenderselbe liess ausser- dem ein neues Fenster für die stubella der Zelle machen, was 11/, fl. kostete, der gleichnamige Vater dieses Ludwig fecit sculpere ymaginem beate Mar- garete cum domuncula sua fratri Jheronimo, constantem 6 flor., das Uebrige wird auf andere Weise gedeckt worden sein. Es mag nicht unpassend sein, an dieser Stelle eine kurze Zusammenstellung auch der übrigen Wohlthaten des Morand und seiner Frau zu geben, da sie ein Bild von der Art und Weise bieten kann, wie die Karthaus von ihren Gutthätern beschenkt zu werden pflegte. An die Bauten des Klosters gaben sie ausser den bereits genannten noch folgende Beiträge: Im J. 1500 gab Maria 200 fl., um einen Brunnen von der Stadt anzukaufen und ins Kloster zu leiten (vgl. unten Cap. 5 pag. 0). Im J. 1505 spendete Morand 14 s. für ein kleines Fenster. circa altare crucis, 1507 11), &. für ein Fenster in der Rasierstube , 1508 steuerte er 50 d4, oder 40 fl. zur Errichtung einer Uhr über dem Rasier- hause, 1509 sodann 30 fl. zur Erbauung der Stube im Hause der Gäste, im folgenden Jahre gaben er und seine Frau ein grosses Bett in die Kam- mer der Gäste im Werth von 6 fl., und im J. 1512 gab er dann noch Geld für »ein wisze katholonische decki« dazu. Mehrere Zinse trat er dem Klo- . ster ab, damit eine Lampe im Kreuzgange Tag und Nacht brennend erhal- ten werden könne. In die Küche stifteten sie einen Musskessel, ein an- deresmal Geld zu einem Tröglein, im J. 1498 lieferte Morand das Tuch zu einem Mantel (cappa) für Bruder Georg den Bäcker, ein anderesmal gab er 2 EZ. 21/a s. zu einer Cappa für den Laienbruder Sebastian, und im J. 1518 stiftete Maria 25 mitras de lino, seilicet nachthublin, in utroque eon- ventu. Dazu kommen mehrere Geschenke an Kirchengeräthen und Kirchen- gewändern, 17 s. für ein Erbauungsbuch für den Schaffner Hieronymus, zahlreiche Geschenke an Fischen, Pitanzen (s. oben $S. 261 Anm. 2) und Wein, ein »schlegumpest«, mit Spezereien angemacht, regelmässige Neu- jahrsgeschenke (encenia) an Geld im Betrage von 1—2 Gulden (andere Gönner oder Gönnerinnen pflegten zu Neujahr wohl auch Leckerli, electua- ria, zu spenden, so die Elszbet zum Schifl. Lib. benef. 199), ein Beitrag von 50 fl., den Maria in Betracht der Unkosten, welche das Kloster wegen seiner Zehnten in Krenzach gehabt, im J. 1517 gab, und verschiedene klei- nere Geldbeiträge, zu verschiedenen Zeiten für Beherbergung von Gästen, für Anschaffung verschiedener Geräthschaften u. s. w. geleistet. Endlich vermachte Morand (Karth. Arch. Nr. 403) dem Kloster 500 fl. Dreihun- dert davon sollten die Testamentsexecutoren sofort nach seinem Tode, zwei- hundert nach dem Tode seiner Gemahlinn auszahlen. Von jenen 300 sollten (nach dem Lib. benef.) 200 an den Bau des Klosters gewendet, die übrigen 100 an Zins gelegt und die Feier einer Jahrzeit für ihn daraus bestritten werden, bei der dann dem Convent eine gute Pitanz aufgewartet werden sollte. Dem Prior Hieronymus als Testamentsvollstrecker vermachte er überdies noch 10 fl. Er starb am 10. Sept. 1513. Maria setzte in ihrem 'Testamente vom 21. und 22. Juni 1518 (Karth. Arch. Nr. 463) als Haupterben 1. den Prior Hierony- 1499. 336 . Capitulum '2. pro quo expositi sunt circa nonaginta aurei Renenses, (quorum sexaginta solvit honestus vir Balthassar Zymmerman , genitor quondam confratris nostri Joannis Zymmerman!). Et eadem cella ordinata est pro habitatione vicarii. Sunt etiam posteris annis aliae"quaedam cellae ruinosae reformatae, de quibus brevitatis causa singularem facere specificationem omisimus. Sed summa- tim excedunt centum florenorum sumptus. Item anno 1499 erectum est tectum magnae domus, ubi con- struenda erant refectoria duo, alterum pro monachis, alterum pro conversis, item domus hospitum coquinaque cum suis promptua- rıis, ‚cellarium et dispensa, quae omnia postea completa et ad mus, oder wenn er vor ihr stürbe, das Kloster, 2. die Kinder des Hans Offen- burg und der Magdalena Zscheckenbürlin (s. oben 8. 331 Anm.'4) ein. Nach Abzug der beträchtlichen Legate für wohlthätige und kirchliche Zwecke und an andere Verwandte sollten der übrige Hausrath und 600 fl. an die Offenburgischen Kinder, der Rest zur Hälfte an diese, zur Hälfte an den Prior (bez. das Kloster) fallen. Die Karthäuser sollten dafür: verpflichtet sein, 1. jährlich an ihrem Todestage und an den vier Fronfasten ihre Jahr- zeit zu begehn »und zu iedem jarzit ongevorlich acht tag vor oder noch, wann inen glegen ist, den vättern und brüdern irs gotzhuses 'ein güte pie- tanz über thisch, irer selen dester volkomner ingedenk ze sind, ze geben«, 2. zwei neue ‘Zellen zu bauen und zwei Väter mehr als bisher zu unterhal- ‚ten, 3. jährlich 20 Vierzel Korns mahlen und backen zu lassen und nach und nach an arme Leute an ihrer Pforte zu vertheilen. Sie starb den 28.: Febr. 1526. Der Antheil der Karthäuser an der Erbschaft betrug 2621 fi. (Karth. Arch. Nr. 480). — Eines der Offenburgischen Kinder, die übel- beleumdete Dorothea, hat wahrscheinlich das Urbild zu Holbeins berühmter Lais Corinthiaca abgegeben (E. His: Die Basler Archive über Hans Hol- bein den Jüngern (Sonderabdruck aus Zahns Jahrbüchern für Kunstwissen- schaft, III. Jahrg.) 8. 47 ff.) 1) Lib. benef. 295: Oretur pro domino Johanne Zymmerman de Lindow, noviecio huius domus, et pro domino Bal- thasar Zymmerman genitore eius, qui anno 1498 dedit 30 florenos ad refor- mationem celle P, quatenus filius eius prescriptus, illa die indutus, inter nos locum habere posset. Idem dedit 30 florenos anno 1499 pro plenaria eiusdem celle reformatione; qui eciam eodem anno professionem: fecit. Seine Mutter schickte den Brüdern viele Schlafmützen und Taschentücher (facileta),, sie stiftete auch in die Zelle ihres Sohnes eine kostbare Altar- tafel und viele Geräthschaften, die Kleider, die er als Novize zu tragen ‘ hatte, und einen Pelzrock (nach Statuta ant. Il, 16 $ 2 sollte jeder Be- wohner einer Zelle deren zwei haben, einen besseren und einen geringeren). Ausserdem schenkte Balthasar noch zu verschiedenen Malen Geld, einen Salmen im Werth von 3 £., Salz, Reis u.s. w. — Es ist nicht ganz klar, ob die Zelle P, von der hier die Rede ist, die auf unserem Plane mit P bezeichnete oder die dort mit + bezeichnete Eckzelle ist. Louber hatte aus bestimmten Gründen die Bezeichnung dieser beiden Zellen vertauscht und es scheint, dass nach dem Tode des Heinrich v. Ahlfeld zunächst an eine Wiederherstellung der Eckzelle gedacht wurde (8. die Beilage de. cellis Carthusiae.). — Es ist auch nicht recht deutlich, in welcher Beziehung die hier beschriebene Restauration zu der unten in den Anmerkungen zu Cap. 5 erwähnten, zur Zeit von Loubers Tode 1513 projectierten der.cella crucis steht. — Johann Zimmermann scheint die früher von Johann de Lapide bewohnte Zelle I (s. oben 8. 333 Anm. 2) zur Wohnung erhalten zu haben. Barbara Mellingerin, die Frau des Buchdruckers Johann Petri, stiftete (1502, wie es scheint) 11% #. pro fornace in cella I intuitu affinis sui con- fratris nostri Johannis Zymerman facta (Lib. benef. 103). 10 10 15 20 25 30 35 Capitulum 2. 3. 337 consummationem justam usque perducta sunt per eius succes- sorem etc. Porro pro solo tecto expositi sunt ducenti sexaginta aurei,.'ad quod ducenti ordinati fuerant seu destinati a domino Philippo Stouffer!) | confratre nostro de hereditate sua paterna. Sunt autem et pleraque alıa plurima ab eodem venerabili patre Jacobo' aut constructa vel restaurata, et praecipue bibliotheca bina pro libris reponendis. Insuper et templum decoris orna- mentis et ipsa domus varia suppellectile referta est, quae tamen omnia 'singillatim perstringere [g] duximus non esse necessa- rum, cum sparsim diversis annis sub eodem pastore domus de die ‘in dies meliorata sit, quae tamen, si simul collata essent, non modicae estimationis reputari possent. Cum vero pater idem venerabilis viginti annis huius do- mus prioratus obedientiam fideliter administrasset, cum ipse praecedenti capitulo g generali pro urgente necessitate ad domum Aulae b.' Mariae in Buxia prope Memmingam?) provintiae Ale- maniae inferioris?) illuc pro priore ordinatus fuisset, sed ipse alium, scilicet dominum Gregorium monachum professum do- mus Friburgensis*), loco sui in eodem capitulo surrogari fecit, sed cum praefatae domus prior, dominus ‚Johannes Keszlin >), artium et juris utriusque doctor, paulo post vita decessisset, ipse dominus Gregorius a suo conventu pro priore revocatus est, quare idem pater Jacobus, qui ante ad domum Buxiae a capitulo pro priore ordinatus fuerat, iterato a patre reverendo Carthusiae ad eiusdem domus praesidentiam ire jussus est. Denique cum superius annotaverimus, qualem domus sta- tum, quantum ad annuos proventus, idem reppererit, nunc qua- lem’ reliquerit, huc subjungere placuit. De hoc require in eius- dem registro, quando recessus sui rationem dedit. Capitulum 3. Et cum in praefata domo Buxiae quinque annis 'prioratus obedientiam administrasset, ibidem laesus paralysi, cum se sen- tiret illie amodo parum profuturum fore, etiam apud capıtulum pro sui absolutione diligenter instetit, quam et obtinuit, sub talı tamen‘ optione, ut vel Buxiae manere vel Basileam repetere 30. Die Capitelüberschrift hat Georg erst später an den Rand geschrieben. 1) Ueber Philipp Stouffer s. oben 8.313. Vgl.8.340,5. 347,7... 2): Bux- er bei Memmingen. 3) Ein Verzeichniss der ren mit sämmtlichen Klöstern findet sich am Schlusse der in der folgenden Anmer- kung erwähnten Statutensammlung. 4) Gregorius Reysch; s. über ihn Reformationschronik ad ann. 1525. Erist es auch, der die im J. 1510 bei Joh. Amerbach erschienene Sammlung der Statuten und er des Ordens besorgt hat (vgl. unten die Anmerkung 1 zu 8. 345). 5) J. Keszlin von Leonberg + 1502. S. H. Schreiber: Die Karthause bei Freiburg im Freiburger Adress-Kalender für 1868 8. V. Basler Chroniken‘ 1. 22 1513 25.Juni. 1477 6. Jan. 27.Febr. 5. Mai. 8. Mai. 31. Mai. 25. Juli. 17. Nov. 1480 25. Mai. 26. Mai. 338 Capitulum 3. placeret vel denique domum: quamcunque.:sibi: placentem .eli- gere vellet, illuc se transferre posset et expensis domorum, qui- bus. praefuit, ibidem sustentarı deberet. Sed sibi prae omnibus illam ‚domum ‚suae professionis, utpote in. qua: plus:laboraverät et, fructificaverat, ob amorem ‚inclytae :patronae suae.:sanctae Margaretae promptus et alacer elegit. Et cum illice etiam quin- que annis valetudinarius, hoc est aegrotans, maneret, putrefacto sinistro pede suo, quem chyrurgici consulebant abscindendum, cum. ille sibi praecideretur, concurrentibus .aliis incommodis sul corporis atque senili gravamine, in eodem momento.defun-. ctus est proxima die post festum sancti Joannis Baptistae- in sabbato, scilicet sub missa conventuali, sacramentis ecelesiasti- eis. devote pridem susceptis ab eo, anno domini 1513...) Hic devotus pater vocatus fuit ad’ ordinem Carthusiensem anno 1477 ın festo epiphaniae; die sequenti perpetuam conti- nentiam vovit, adhuc constitutus in saeculo. :Idem eodem anno penultima februarii.'in loco Heremitarım 1) vovit atque apud se conclusit ordinem Carthusiensem intrare. Quinta autem die mai domum . hanc ordinis gratia intravit. ‚Suscepit autem ordinis Carthusiensis habitum: octava die mensis eiusdem, id: est'in festo apparitionis sancti Michaelis. Ordinatus fuit in sacerdotem eodem anno ultima maii; porro in festo saneti Jacobi primitias cecinit, deinde in solemnitate sancti Hugonis eodem anno pari- ter. ex ordinis indulto professionem solemnem fecit2).. In anno vero 1480 ın die sancti Urbani electus fuit in priorem huius domus, altera vero die sive sequenti confirmatus fuit et, inthro- nizatus,. et fuit feria sexta. Fuit autem vir affabılis ,. eloguio dulcis ‚et consolatorius, in corripiendo severus et ad praecaven- das filiorum tentationes non imprudens aut negligens, quippe . qui in multis experientiam habuerat et in litteris maxime sacris ac piis exercitiis sedulo versatus sit. Sub huius nimirum tem- pore et sub ipsius regimine domus haec doctos et litteratos ac devotos valde viros habuit, nempe dominum Joannem de La- pide, de.quo supra?) pauxillum et infra*) latius dicetur, item dominum Hieronymum Zschegkeburlin legum licentiatum, ma-- gistrum Ambrosium Alantsee, virum utique praeclarum, littera- tum et valde religiosum, qui ex ordine Cluniacensi: de monaste- rıo sancti Albanı huius patris Jacobi hortatu (cuius et intimus socius in saeculo fuerat) se ad ordinem nostrum contulit>). 14. Am Rande: Haec in quodam psalterio manuali ipsius mann diversis in dotis kalendarii consignata repperi. 1). Einsiedeln. 2) Vgl. Lib. benef. 327. (Nov. 17). Der. h Hugo, Bischof von Grenoble, an dessen Tage Louber und später ‚auch Heynlin ihren Profess ablegten,, genoss bei den. Karthäusern . eines besondern. An- sehens. Mit seiner Hilfe hatte einst der hl. Bruno. das Mutterkloster in der Chartreuse gegründet. 3) 8.331,16. 4) Cap. 4. 5) Ambrosius Alant- see (auch Allantsee, Allantse, Alensee geschrieben) war aus Füssen gebürtig. 20 25 30 35 oa Capitulum 3. 339 ‚[h]} Cuius quanta diligentia fuerit in sacris litteris, ipsius opu- scula testari poterunt, quorum ingens est numerus, per dietum patrem Jacobum diligenter exquisitus et in unum speciale re- gistrum et rotulum annotatus. [Hic primum ab eodem patre Jacobo prior Orti Christi!) factus postmodum in actu visitatio- nis convisitator defunctus est.] Item magistrum Ludovicum Mo- ser?), virum non contemnendae litteraturae religiositatisque et e Latino in Germanum idioma bonum interpretem, sicut eius opuscula testantur®) , item magistrum Conradum de Urach‘), a Ein Bruder von ihm war Magister Johannes, decretorum licentiatus, Cano- nicus zu St. Peter in Basel, als Lehrer an der Universität wie Louber der Partei der Nominalisten angehörig (Vischer: Gesch. der Universität 168), ein anderer Augustinus, Canonicus ebendaselbst. Dieser Magister Johannes Allantsee (er lebte noch 1518) ist nicht zu verwechseln 'mit Johann Allant- see von: Schongau, der in den 80er Jahren als Schaffner der Karthaus ver- starb :(s. oben 8. 315. ‚Lib. benef. 101. 102. 199b) und 'mit den Familien Amerbach und Zscheckenbürlin befreundet war. ‘Als Schaffner erscheint er’ schon im Jahr 1482. 1) Christgarten (domus Horti Christi) bei Nörd- lingen. : Bevor er dorthin kam, war Ambrosius, wie wir aus dem Reper- torıum,' dem alphabetischen Cataloge der Karthäuserbibliothek (s. ‘oben 8.329 Anm. 2) erfahren, Vicar der Karthaus in Basel, wohl als Nachfolger des Martin Ströulin. Wenn dieser die Würde bis zu seinem nach 1500 er- folgten Tode beibehalten hat, so muss die Versetzung Allantsees nach Nörd- lingen erst in der Zeit stattgefunden haben, als Louber Prior in Buxheim war. 2). Ludwig Moser aus Zürich (in dem von Urban Moser angelegten alphabeti- schen Bibliothekscatalog nennt ihn Georg Ludovicus Paludianus, vulgo Moser de Turego), Sohn des Ulrich Moser und der Adelheid Suterinn, war früher Stadtschreiber in Rheinfelden gewesen und unter dem Priorate Heinrichs v. Ahlfeld in die Karthaus getreten. Er liess die Zelle K bauen, welche nach der Chronica fundationis (S. 299, 44) etwa 230, nach der genaueren Angabe. des Liber benefactorum etwa 260 fl. kostete (celx florenos heisst es-dort;: das gesperrt Gedruckte ist von der Hand Loubers auf einer Rasur eingetragen ‚ durch welche die frühere Eintragung des Priors Heinrich ge- tilgt worden ist, wahrscheinlich waren eben die Kosten nach dieser ersten chem 'Hausgeräthe (Lib. benef. 113). Im J. 1482 wurde er Prior in Ittin- ten (v. Mülinen I. 229. Lib. benef. 159). Unter ihm starben sämmt- liche Conventualen an der Pest. 1486 resignierte er und kehrte nach Basel zurück , wo er 16. Juli 1510 starb (v. Mülinen a.a. O. Vgl. Calenda- rium Juli 16). Wenn v. Mülinen sagt, er sei »aus Weinfelden im 'Thur- gau« gewesen, so liegt hier ohne Zweifel eine Verwechslung mit Rhein- felden, wo er eine Zeit lang gelebt hatte, zu Grunde. 3) Ein ausführ- liches Verzeichniss der auf der Karthäuserbibliothek befindlichen Opuscula interpretatorum devotionalium e Latino in elegans ac concinne Alemanicum vernaculae linguae nostrae pro multorum laicorum devotione, welche Moser geschrieben und die zum Theil gedruckt worden, giebt Georg in dem alphabe- tischen. Repertorium derselben. Beigefügt wird: Praeter haec suprascripta multa alia interpretasse fertur ad diversa loca, uti erat agilis ad haec ingenii. 4) Ein dominus Conradus Cünlin de Urach senior professus domus huius erscheint Calendarium Mai 25 (wie es scheint im Laufe der 20er Jahre des 16. Jahrh. eingetragen. Vgl. Einleitung zur Reformations- chronik). 22” 340 Capitulum 3. magistrum Urbanum Moser!) , dominum Joannem de Hochbeıg, canonicum quondam in Nidren Baden?), quem saepedictus pater Jacobus domui Argentinae praefecit in priorem ?), sed et. Joan- nem de Constantia, -litteratum valde monachum, item :Marti- num Ströulin procuratorem®) , dominum Philippum Stouffer le- gum baccalareum et nobilem genere, sagacis ingenü pro tem- poralibus gerendis, qui et postmodum procurator et vicarius sub successore patris ‚eiusdem factus est). Hos omnes hie pa- ter sub suo regimine habitos quanta quaeso oportuit’eum agere eircumspectione, quod eos in ordinis concordantia conservare 1) Urban ‚Moser, Sohn des Ammanns Hans Moser von'Appenzell ,; er- scheint im..J.. 1500 als Magister im: Facultätsrathe der philosophischen Facul- tät, der ‚Universität Basel (Vischer:: Geschichte der Universität :184).: Am 24. Febr. 1502, also erst unter dem Priorate Zscheckenbürlins, that: er Prö- fess in der Karthaus, wo er Schaffner und Vicar wurde (Lib..benef. 55». 56. 63. Calendarium Jan. 13. Titelblatt des Repertoriums: der Kar- thäuserbibliothek. Karth. Arch. Band G, 164b). Schon 1506 scheint er (namentlich nach der zuletzt genannten Stelle) Vicar gewesen zu sein, wie denn auch Philipp Stouffer schon am 26. Jan. 1507 als Schaffner erscheint (Karth. Arch. Nr. 416). Die Stellung Mosers als Schaffner war mir noch unbekannt gewesen, als ich 8. 313 Anm. 7 die Vermuthung aussprach, Stouffer sei im Schaffneramte unmittelbarer Nachfolger Zscheckenbürlins gewesen. — Ueber das von Urban Moser angelegte Repertorium der Biblio- thek s. oben 8. 329 Anm. 2. 2) Baden - Baden im Gegensatz zu Baden im Aargau, das noch jetzt in Basel Obern-Baden genannt wird. 3) Johan- nes Hochberg: hatte erst längere Zeit im weltlichen Stande gelebt und die Würde eines cancellarius atque prothonotarius principum de Baden beklei- det, ‚in welcher ihm sein Sohn Sebastian nachfolgte. Dann war er. Cano- nicus, und Cantor der. Kirche zu Baden gewesen. Am: 21. Oct. 1488 that er Profess in der Karthaus zu Basel. Nach Cap. 4 unserer Chronik war es das Beispiel Heynlins, das ihn hiezu veranlasste (Heynlin war eine Zeit lang Rector. des Stiftes in Baden gewesen. Vischer: Gesch..d. Univ: Basel 18). Er starb in Strassburg, wohin er als Prior versetzt worden war. Lıb. benef. 300. Galendarium März 21. 4) 8. über ihn oben 8. 314 ff. Er ‚scheint aus Basel gewesen zu sein, in bescheidenen Verhältnissen gebo- ren.: Aus dem Nachlasse seiner. Mutter Agnes flossen dem Kloster an Geld und an Hausrath 24 /4, 13 s. zu (Lib. benef. 230). Ein Oheim 'von ihm, Rudolf, 'war Leutpriester zu St. Theodor, nachher Caplan und Assisius am Chor des Münsters. 8.315 Anm. 2 hatte ich es als auffallend erklärt, dass unsere Chronik und .das Calendarium den Martin Ströulin. nur Procurator nennen und seiner Stellung als Vicarius nicht gedenken. "Wenn: wir aber sehen, dass die uns durch den Liber benefactorum und das; Repertorium bezeugte Stellung ‚des Urban Moser als Vicarius ebenfalls von jenen. beiden gar. nicht ‚erwähnt wird, so werden wir uns‘ durch jenen Umstand nicht abhalten lassen, der Angabe der Predigtensammlung, die den. Ströulin Vicarius) nennt, vollen Glauben zu: schenken. Uebrigens: wissen: wir jetzt, dass diese Angabe, das Calendarium und die Chronik alle von demselben Bruder Georg niedergeschrieben sind. (8.329 Anm. 2 und Einleitung zur Reformationschronik). ‚Ströulins Nachfolger im Vicariat ‘war wohl Am- brosius Alantsee (8. 339: Anm.1). 5) 8. oben 8. 313 £.. Vgl. 8.,337,4. Als Stouffer als Prior nach dem zerstörten Ittingen abgieng,, ‘gab':Georg (über seine Stellung als: Bibliothekar s. die Einleitung zur Reformations- chronik) laut einiger: Notizen im alphabetischen Repertorium: mit: Geneh- migung .des Priors Hieronymus eine Anzahl von Bänden: aus der Biblio- thek dorthin ab. | | [2 Capitulum 3. ‘341 posset et inter se dissidentes aut aemulantes nonnunguam pa- 10 15 20 25 ! 30 35 40 cificare aut tranquillare nosset? Hic profecto magna fuerat opus industria divinae gratiae, quae et tot eruditos insimul habitan- tes non dispergi sineret et praelato 'tali constantiam adversus resistentes porrigeret. Quamvis enim 'domus ipsa tot egregiis viris tunc ornabatur (fuerat quippe domus haec tunc temporis in magna gloria coram extraneis et etiam in ordine, ıta quod verificata videri poterat revelatio patris N. Brunswig, de qua!) in primo capitulo chronicae), non tamen de omnimoda concor- dia domesticorum eorundem perfecte letabatur, et sicut de 1llo- rum: eminentia litteraturae foris gloriari poterat,, ita sine scan- dali dolore apud 'semetipsam: permanere non valebat. Raro quippe fieri potest, ubi in eodem contubernio 'plures litterati sımul cohabitant, (quin zelus et aemulatio cum contentione prae- latorum set ambitione suboriantur, 'unde postmodum multa se- quitur, necesse est, fratrum inguietiddo, partialitas, contemptus et irreverentia, immo et plurima scandala‘'nedum in ordıne suseitantur,, sed etiamcoram saecularibus: ‘Non quod haec in suggillationem tot virorum religiosorum dicta‘sint, sed in com- mendationem potius tanti pastoris, ‘qui talibus malis ingruen- tium tentationum prudenter et zelose, quod rarum est, potuerit obviare.. Quanquam' et hoc quoque interdum pacatis domibus soleat turbationis et inquietudinis ansam praebere, quando prae- positus eius frequentius abesse cogitur, sicut vet hie venerabi- lis pater: propter erebras visitationes per totam Germaniam [fuit enim convisitator provinciae Rheni et quodam tempore provin- tiae superioris Alemaniae] a reverendo2) ‘et capitulo sibi: in- junctas a domo saepius abstrahebatur invitus, licet ubique, quo- cunque missus fuisset, utilis et gratiosus extiterit, plurimum fructus afferens in domibus visitatis propter singularem gratiam exhortandi, confessiones audiendi, discrete corripiendi et infir- mos consolandi. Siautem haec alibi, quid ‚in domo propria? Profeeto, qui grati sunt, haec ipsa de eo profiteri, velint nolint, coguntur. Licet autem nonnullis keveriör visus fuerit, absit ta- men, ut üdem hoc odii vel livoris vicio deputent, quod disci- plinae regularis censurae juste debebatur. @uod autem nullos aut quasi nullos libros scripsisse vel edidisse putatur, quasi qui jugiter in exterioribus, rarius in cella commoratus sit, hoc nul- latenus quemquam movere debet. Nam qui expenderit (prout' a principio huius narrationis in superioribus annotatum est) ‚quanta diligentia chorum providere sategit, id est cantum et modum 1) 8249. 2) Unter dem reverendus ist der Prior der grossen Car- thaus zu verstehen. Vgl. S. 337,24: a patre reverendo Oarthusiae ad eius- dem. domus praesidentiam ire jussus. est. Die Prioren der einzelnen Klöster durften einander. nicht reverendus anreden, sondern religiosus oder vene- rabilis oder dilectus; von ihren Untergebenen sollten sie domini genannt werden, Stat. nov. 11,38 15. 1500. 342 Capitulum 3.4. divina rite et expedite celebrandi, super qua re specialem lıbrum, quem ordinarium novitii vocavit etc., manu sua conscripsit, 'ni- hilominus tamen, quantum pro aliis officiis, 'nempe 'sacristae, procuratoris et prioris, identidem 'scripserit‘ et passim ad mar- gines per se lecta diligenter annotaverit, immo’ quantum ıin'bi- bliothecis et registris domus universis (praesertim notentur libri litterarum censualium etc. a se primo comportati et in ingens‘ volumen redacti!)), per se comportatis laboraverit: is revera mi- rabitur indefessum illius ad agenda talia, in tali ‚officio 'consti= tuti, conatum fervidissimum. Praeterea tamen libellum“quen- dam de modo contemplandi edidit, item de anno jubileo, ma=: teriam valde notabilem, quam' et in colloquio publiee 'coram conventu disseruit anno domini 1500, insuper et complures‘eol- lationes pro actibus visitationum, in quibus quantae scientiae fuerit, luce clarius patet, et quantum scripturus. vel 'editurus fuerat, sı m solitudine sibi soli vixisset incolumis. " Quamvis autem post sui ‚absolutionem, uti supra commemoratum' est, ni 10 quasi quinque annis in cella permanserit, 'propter debilitatem tamen corporis et molestias dolorum et 'senectutis 'nil amplius scribere potuit?). Non tamen ob hoc inutilis aut ingratus'vel onerosus fratribus fuit, nempe qui singulis ad se venientibus verbum edificationis et consolationis uberrime dicere nosset et in tentationibus tanquam vir expertissimus remedia‘' congrua monstrare, semper aut orans aut legens aut meditans ac usque ad ultimum vitae suae terminum, quae sunt ordinis,: pro posse fideliter exequendo longanimitatis et patientiae virtutibus seme- tipsum viriliter accingebat. Cuius anima requiescat in 'pace. li]. Capitulum. 4. De vita, conversatione , seriptis et obitu egregiüi domini Joannis de Lapide sacrae paginae doctoris>). | Domus huius gloriae ac decori non parum accessit, (quod venerabilis confrater noster, quondam dictus doctor Joannes de 1) Im J. 1490 hat er zwei Copialbücher anlegen lassen, das eine für die Briefe über die ablösbaren, das andere für die über die ewigen Zinsen, im J. 1491 hat er mit eigener Hand einen genauen Zinsrodel angelegt. Es sind die Bände E, F, G des Karth. Archives. 2) Ueber Jacob Louber als Gelehrten (er hielt auf der Universität zu den Nominalisten)'s. Vischer: Gesch. der Universität 168 f. — Einen: Brief des Johann Reuchlin an ihn, d. d. Stuttgart 1488, Aug. 22 (in dem Bande E. III. 15 der Basler Univer- sitätsbibliothek), worin er ihn um seine Verwendung bittet, damit das Pre- digerkloster ihm die Minuskelhandschrift des Neuen Testaments, die es aus dem Nachlass des Johann v. Ragusa besass (A. N. IV. 2 der Universitäts- bibliothek, in der Texteskritik des N. T. als Codex y oder Codex Reuchlin bekannt) zur Benutzung überlasse, wird Herr Dr. Ludwig Geiger in seiner Sammlung der‘ Reuchlin’schen 'Briefe veröffentlichen. 3) Ueber den be- rühmten Vertreter des Realismus Johannes Heynlin von ‘Stein, lateinisch 10 20 25 30 Capitulum 4. 343 Lapide, cognomento Hänlin, conversionis gratia ac amore 'quie- tis, silentii, 'solitudinis et contemplationis "post innumeras fati- gationes activae vitae, in qua se laudabiliter, dum in saeculo viveret, 'exercuit, tandem hunce locum 'sibi. delegerat, attractus nimirum odore boniae famae, quo tum totus ordo Carthusiensis, tum 'etiam domus 'haee ipsa propter praecedentes patres et tum praesentes coram universis fragravit, et quia tunc' mundus in charitate dei et proximi, supra quam credi potest, nedum te- puerat, sed et solito' ‘more temporum horum novissimorum pe- nitus, ut Ita’ dixerim, refrixerat, et ipse idem doctor’ parum früctus legendo, disputando, concionando posse videret facere, credens cum beato Hieronymo, tutius esse solum salvari quam perire cum pluribus, statim postquam ordinem intravit, juravit et’ statuit custodire Judicia justiciae dei, hoc est professionem feeit. |Intravit autem in festo assumptionis b. Mariae post ha- bitum sermonem in’ cathedrali templo eiusdem !), id est circiter horam primam pomeridianam, et professionem fecit ipso die sancti Hugonis anno domini 1487 2).]) — Porro quantum decoris et uti- litatis secum attulerit in libris ac diversi generis scientiarum codicibus, partim in superioribus est annotatum) et infra paulo plus dicetur. Unde ne proprio videamur inniti testimonio, de ipsius 'latiori commendatione opere pretium fuerit ex catalogo virorum illustrium seu scriptorum Germaniae, quem venerabi- lis dominus Joannes 'Tritemius Spannhemensis abbas composuit, perpauca recensere, ne tanti viri memorlam prorsus neglexisse videamur; licet 'enim'vir idem hoc nunguam in vita sua con- cupiverit et ob’ hoc: vel maxime Carthusiensem aeremum prae saeculi cathedris et honorificis sedibus elegerit, ut delitesceret et mundo mortuus velut sepultus a conspectu et memoria ho+ minum absconderetur, justum tamen est, ut qui non tam sibi, quam publicae rei Christianorum, quoad liouit, prodesse studuit, quod illius quantulacunque memoria posteris relinquatur non penitus abolenda. Verba autem Tritemii sic habent) : »Joannes de Lapide monachus ordinis Carthusiensis domus Basiliensis, 35 vir in divinis scripturis eruditissimus et saecularis litteraturae non ignarus, ingenio subtilis, sermone disertus, vita et conver- satione praeclarus. Qui. olim.in gymnasio Parisiensi magiste- rıum in artium facultate assequtus pluribus annis rexit in eädem studiumque sacrarum litterarum docendo, legendo ac disputando 1487 15. Aug. 17. Nov. de oder a Lapide, s. besonders Kiycher! Geschichte der Universität Basel 140 (Anm.'1, wo auch die übrige einschlägige Litteratur angeführt ist) ff., 157 ff. 1) Sie war die Patroninn des Münsters in Basel. Einige klei- nere Geschenke, die er noch als Canonicus und Prediger am Münster der Karthaus‘ Mächte) sind im Liber benefactorum zum Tage von Mariä Himmelfahrt en (231b). 2) Vgl. Lib. benef. 327b (Nov. 17). 3) 8. oben 8. 333,1. 4) Bl. 58 der-oben 8. 325 Anm. 2 angeführten Aus- gabe von 1495. 344 Capitulum 4. diligenter prosequens doctorali dignitate in schola theologorum decorari meruit. Hic doctrinam eorum Parisiensium, qui reales appellantur, primus ad Basiliensium universitatem ‚ transtulit ibidemque plantavit, roboravit et auxit. Inter praecipuos quo- que , Tübingensis gymnasii inceptores unus fuit. Qui denique post liberam. plurium beneficiorum dimissionem ad: canonicatum et: praedicationis officium insignis ecclesiae Basıliensis, vocatus fuit ac tandem, paucis annis elapsis, omnia. pro Christi amore. relinquens sacrı Garthusiensis ordinis habitum assumpsit: Scripsit autem multa praeclara volumina, quibus se et praesentibus uti- lem, et futuris memorabilem fecit«. ; De quıbus videatur in registro universali bibliothecae domus huius per ordinem et in dieto ‚catalogo!). Nam non omnes libri, qui:in .dieto catalogo sunt annotati, in domo nostra habentur. »Multos 'praeterea di- versorum autorum lıbros per tractatus et capitula distinxit, sin- gulis argumenta praemittens, quibus intentio sceribentis dilucide potest agnosci«?2). De quibus etiam illic, in dicto seilicet cata- logo, specıialis fit annotatio. Ipse est, cuius ıinzenti labore et: 8 pP P 5 industria, venerabilis ac plurimum honestus vir magister. Joan- nes. Amörbachius?) non mediocriter adjutus: bonas ‚litteras ac praecipue sacras per artem calcographiae coepit vehementer mul-. tiplicatas in magnum [k] profectum orbis Christiani evulgare; primum ab operibus biblieis, deinde Ambrosianis; Augustinia- nis, ‚Gregorianis et tandem Hieronymianis (hos enim quatuor doctores, specialiter a se ,veneratos intendebat pro. utilitate. to-: \ tıus ecclesiae ‚studiosissime comportatos et emendatos emittere)) magnam sibi laudem ac posteris suis nomen acquirendo. Adquod perficiendum idem doctor saepe cohortatus est eundem ac, quoad salva ordinis consuetudine et officio divino. licuit,, ‚corrigendo, cancellando, distinguendo etc. juvit eundem, unde et idem: ma- 3 gister Joannes magnus postea benefactor ‚ac singuläris: fautor domus huius effectus est, cuius etiam beneficia plurima,:iexceptis libris (quorum non modicus est numerus), in libro. benefacto- 5. Thobingensis T. 9. sacri ordinis Carthusiensis T. 16.17. potest dilueide T. 18. Auf annotatio folgen durchstrichen die Worte : licet de operibus divi Ambrosii, quae pariter cum ingenti labore distinxit ac emendata prodire fecit in lucem, dum adhuc incolumis esset, non fiat ibidem specialis mentio. Georg scheint die Worte des Trithem : »et omnes fere libri divi Ambrosii episcopi« erst nicht beachtet, dann aber, als er sein Versehen bemerkte, jenen Satz wieder ausgestrichen zu haben. x 1) Das r. u. b. ist der alphabet. Bibliothekscatalog, der dietus catalogus das Werk 'Trithems, der im Anschluss an das oben Citierte ein Verzeichniss von Heynlins Werken giebt. 2) Die Worte, welche in Anführungszeichen eingeschlossen, sind wieder aus Trithem. 3) Geb. 1444 zu) Reutlingen, gest. 1514. 8. den Aufsatz von Dr. D. A. Fechter:. Bonifacius Amerbach. in den Beitr. Il. 167—233; vgl. Beiträge zur Basler Buchdrucker- gesch. 8. 30 ff. Johann Amerbach war in Paris Zuhörer.Heynlins gewesen. Nach Paris hatte Heynlin die sog. alamannischen Brüder (Ulrich Gering, Martin Krantz und Michael Freiburger) als die ersten Buchdrucker berufen. je —— 5 20 25 0: Capitulum 4. 345 rum continentur!). [Item alios quoque domui conciliavit: amicos et fautores, nempe dominum Sebastianum Brant, qui in gratiam ipsius multa carmina devota composuit et in commendationem ordinis.Carthusiensis etc., item dominum Joannem de Hochperg 5 canonicum in Nidren Baden post se ad ordinem attraxit?).] Praeterea, sicut postea compertum est et in nonnullis ‚opusculis a se scriptis inventum, etiam litteris Graecis et Haebraicis idem ipse doctor operam. dedisse putatur. Tantum autem diligentiae suis libris apposuit, ut studiosissime faceret eos praeparari, nul- 10. lis parcens expensis, prout manifeste claret in singulisillis, quos ipse apportavit, quam apte sint ligati, rubricati, lineati, capitalibus vel initialibus litteris pulcherrime distincti et ornati3). Insuper et in his, quos peculiarius legere solebat, diligenti mar- ginum apparatu propriae manus industria notabiliora, quaeque 15 signavit. Unde et omnes illi codices, qui sui fuere, prae caete- 11s in pretio habentur adhuc et nonnunguam a calcographis de- 1) »Consuevit de omni opere suo dare primicias domui nostre« sagt der Lib. benef. 101. Das Verzeichniss der von ihm, später theilweise in Ge- meinschaft mit seinen Genossen Johann Petri von Langendorf und Johann ..Froben von Hammelburg geschenkten Bücher (Liber benefactorum 101, 1006, 101b) ist daher ein sehr beträchtliches. Ausserdem. beschenkte er aber das Kloster, namentlich bei fröhlichen und bei traurigen Familien- ereignissen mit Geld, Pitanzen, Fischen, Käse, Wein (2 masz Malvasatici diebus minucionis, in den Tagen des Aderlassens, im Jahre 1482, 2 om rubei vini pro offertorio im J. 1495), Zucker, Gewürzen (so brachte er im J..1484 4 ££. Zucker, 1 76, Ingwer, 1 #%. Pfeffer, 1 7. Nägelein von der Frankfurter Messe mit), Tuch, Kleidungsstücken, Pergament, Papier u. s. w., zahlte 1503 ein Fenster in der Stube der Zinsbauern (vgl. unten zu Cap. 5) und gieng,; sogar im 3. 1500 dem Kellermeister mit 1 schruffen et spinnel ad levanda vasa an die Hand. — Die Grabschriften des Johann Amerbach und seiner Kinder im kleinen Kreuzgange der Karthaus s. bei Tonjola 320, 321. — Das Wohlwollen Amerbachs für die Karthaus schreibt sich übrigens nicht erst aus der Zeit des letzten Aufenthaltes Heynlins in Basel (seit: 1484) oder seines ‚Eintrittes in das Kloster her; die Geschenke begin- nen, und zwar in reichem Maasse, schon mit dem Jahre 1481, also bald nach Amerbachs Ankunft in Basel. Es ist also eher anzunehmen, dass durch Amerbach Heynlin, dessen erste Geschenke an die Karthaus aus dem J. 1486 datieren (Lib. benef. 231b), mit dieser bekannt geworden. In der Folge heisst es dann allerdings gelegentlich von Amerbach und seinem Ge- nossen Johann Petri, sie hätten ein Buch gescherkt intuitu doctoris de Lapide. (Bei den Geschenken, die der Buchdrucker Nicolaus Keszler der Karthäuser Bibliothek machte (Lib. benef. 101b), ist mehrmals bemerkt, sie geschähen intuitu doctoris nostri de Lapide). — Im J. 1510 erschien bei Joh. Amerbach und seinen Genossen die auf Kosten der Karthaus in Freiburg gedruckte, durch deren Prior Gregor Reysch im Auftrage des Ge- neralcapitels besorgte Ausgabe der Statuten und Privilegien des Ordens (im J. 1509 war: die tertia compilatio statutorum zusammengestellt worden). Im: Nachworte hebt Amerbach hervor, dass er seit vielen Jahren ein Ver- ehrer des Ordens gewesen, und Reysch rühmt in der Vorrede der Privile- gien die Uneigennützigkeit Amerbachs, qui nulla cupiditate, nulla spe lucri, sed amore tantum et favore ordinis tantum tanque diligentem subuit labo- rem. ° ..2) 8. oben 8. 340,1. 3) Die aus seinem Besitze stammenden Drucke bilden eine Hauptzierde der Incunabelnsammlung der Basler Uni- versitätsbibliothek. 346 Capitulum 4. syderantur pro exemplaribus. Patet denique, quantum legerit et in quibus studiis omne tempus suum consumpserit. 'Licet autem plerosque male habuerit, quod vir tantus neglecto verbi dei ministerio se ad solitudinem et monasticam vitam' contule=' rit (ünde et illi non parum tentationis callidissimus ille ‘ten='5 tator ab aemulis invexit), ipse tamen, cur 'hoc' fecerit, 'singulis pro posse satisfaciens!) , in arrepto proposito dum stabilis per- severare pergeret, nonnihil a domesticis adversarlis, ‘hoc esta semetipso nondum penitus mortificato, pati coeperat et peri- culosa inter praelatum suum et seipsum ac alios quosdam con- fratres simultate torqueri et in scandalum plerorumgque pusillo- rum nescio quid instabilitatis et aemulationis attentare. Porro querela tentationis orta fuit ex eo, quod' prior, scilicet pater Jacobus, durius quam pro aetate congruebat; eundem tractaverit. Ita sane quibusdam visum est, nonnullis autem, quod maluis- 15 sent illum sibi praeesse quam patrem Jacobum. Deus tamen pius ac clemens non permisit hoc fieri, sed in tentatione pro- ventum faciendo non diu post haec pericula liberavit eundem. 1, Mortuus est autem anno domini 1496 in festo sancti Gregorü papae: post prandium ?). Ut autem nonnulli dixerunt, post illius 20 obitum universitas stud Basiliensis (alii dieunt: maior pars docto- rum universitatis) patrem Jacobum petiit, ut ad locum privatum. in ecclesia seu in ambitu corpus eius humaretur et insigni quo- dam epitaphio in lapide sculpto parietique juxtatenus seu de- . super infixo, pro decore et reverentia tam eiusdem universitatis 25 quam pro dignitate doctoratus insigniretur, ad quod perficien- dum egregius dominus doctor Sebastianus Brant (nonnulli di cunt dominus Bernardus Ouglin 3)), plurimum hortabatur, nimi- rum et epitaphium ipsum per se aediturus et expensas proprias oblaturus. ;‚Sed nequaquam hoc idem pater admittere voluit:iob 30 multas causas, maxime tamen, quia hoc contra morem ordinis esset et contra simplicitatem eorum, qui mundo quondam peni- tus mortui 'vanıtatibus ıstis, dum adhuc in hac mortalı vita vi- verent, renunciassent, nee amplius necessarium fore, quod itales quasi in conspectu hominum denuo (talibus insignibus scilicet) 3 vivere deberent, quorum vita jamdudum cum Christo abscon- hi 0: 1) »Dessen ihn straft Junker Brandolf von Stein, von Bern, recht 'ver- meynt: er hätte nützer mit Predigen mögen syn; antwurt diser: wenn er zwo Seelen hätte, wellte er gnug die eine an gut Gesellen gewagt han«. Anshelm: Berner Chronik, hsgg. von Stierlin und Wyss, I, 262. 2) Vgl. Lib, benef. 3276, 3) Bernhard Ouglin (Oiglin, Oeglin, Egelin) von Alt- kirch, artium et decretorum doctor, canonicus ecelesie Basiliensis (bis 1495 Decan des Stiftes St. Peter) et eiusdem curiae officialis (Calendarium Juni 11), dreimal Decan der Artistenfacultät und als Lehrer an derselben Vertreter der realistischen Richtung, viermal (1478, 1481, 1488, 1496) Rector (Vischer a. a. ©. 168. 324. 325. Athenae Rauricae 102f.), als Wohl- thäter der Karthaus Lib. benef. 142 und Calendarium a. a. ©. auf- geführt. * UBEBLIRTON Capitulum A. 5. 347 dita fuisset in deo. Simile quiddam a nonnullis praepotentibus attentatum fuerat, quatenus obtenta dispensatione summi pon- tifieis et ordinis lieuisset eidem doctori denuo publice concio- nari, dum adhuc viveret, et vicariatum in spiritalibus agere 5 Argentorati. 'Sed conatus illorum audacia dieti prioris pruden- ter frustratus est. Hie nonnulla de domino Philippo Stouffer nobili notanda sunt, scilicet quando intraverit, et de beneficlis eius ete. et offieüis etc., quantum ipse voluerit. Item de domino Joanne de Lindow et 10 de benefieüs eius. N Anno domini 1496 in festis penthecostes duae non igno- biles personae ad domum hanc ordinis gratia suscipiendi geren- dique venerunt. Quorum alter nobilis genere dietus Philippus Stouffer ad minus ducentos aureos secum afferens et, quod haec 15 omnia superat, bonam voluntatem ac pium quoque desiderium deo ‚praestante. Et obiüit pridie Sebastiani anno 1528. 1] Ea, quae in subditis annoltata cernuntur de undecimo priore domus huius, scilicet domino Hieronymo Zschegkebürlin, sparsim hincinde confuse digesta sunt in modum consarcinatae copiae, 20 donec ex registris plenius cuncta per ordinem cognoscantur et aptius ordinate singula disponantur. Haec eadem denique, quae sub- - Jieientur, frater Georgius, quantum ipse per sese cognoscere Po- tust ex decursu rerum gestarum (et alıorum fideli relatu) tantun- dem temporis quamdıu fuit in ordine, fideliter annotare curavit. 25 Capitulum 5. Igitur ‚anno domini 1487, domum hanc venerabili patre Jacobo Louber velut pio pastore gubernante crescenteque plus solito ın his regionibus fama laudabili patrum et fratrum. totius ordinis Oarthusiensis et eiusdem memorati pastoris provida cura 30 supra gregem suum solicite vigilantis, a deo ceu res miraculosa contigit in urbe Basilea, nempe quod vir quidam non infimi generis, aetate, forma, divitiis ac scientia conspicuus (fuit legum 7—10. Dieser Satz, nach Art einer Ueberschrift gegen die Mitte des Blattes gerückt, mit immer kleiner und nachlässiger werdender Schrift hingeworfen, sollte offenbar nicht ein Bestandtheil der Chronik werden, sondern eine Vormerkung für den Chronisten selbst sein.. Das quantum ipse voluerit deutet an, dass er, bevor er diesen Abschnitt ausführte, noch mit Philipp Stouffer Rücksprache nehmen wollte. Vorläufig setzte er nur die paar Worte von Anno — praestante hin und liess den Rest der Seite leer. Es ist aber dann bei dieser kurzen Notiz geblieben, der nur später noch der Zusatz : Et obiit — 1528 beigefügt worden ist; So.erfahren wir von Philipp Stouffer wenig, von Johann v. Lindau gar nichts aus dieser Chronik. Letzterer kann nicht identisch sein mit dem oben $S. 336, 3 erwähnten Johann Zimmermann v. Lindau, da dieser erst 1498 Novize wurde. 16. »Et -— 1528« ist erst später hinzugefügt. Vgl. oben S. 313. 23. Das »et aliorum fideli relatu« ist am Rande beigefügt, mit Verweisung auf die betreffende Stelle im. Texte, an der es den Zu- sammenhang zwischen dem vorhergehenden und dem nachfolgenden Satze nicht ganz ge- schickt unterbricht. 1496 22. Mai. 1528 19. Jan. 1487. 348 Capitulum 5. licentiatus‘!)) et qui, dum adhuc in: saeculo viveret, omnigenis voluptatibus potiretur et illis, quasi totus; quondam immersus non potiri vel non illici non. potuisset, subito velut haec ‚omnia! proterens atque despiciens aeremitici rigoris et eiusdem Oartu- siani coepisset ambire dispendium ‚et quasi novus athleta Christi pro ipsius amore cuncta, quae gerebantur in saeculo, pro nihilo ducere et annisu forti eum, cui prius studiose famulabatur, hostem malignum constanter dejicere. O quanta tunc fuit an- gelis ‚dei exultatio super tali peccatore poenitentiam in religquum vitae tempus (quod multum .erat religuum),: tam strennue medi- tante. Immo quanta fuit admiratio Bastliensis populi super. tam insolita mutatione sui alumni,. tam,admirabili portento pluri- morum impoenitentiam redarguentis. Quid enim tale unguam in ea civitate contigit? Super qua re quid alıı senserint, nescio; certe quicungue modum conversionis illius diligenter cognoscere valuit vel expenderit, non admirari super potenti manu dei non poterit. Sed de his alıas forte dicetur uberius. Breviter per- stringendo conversionem tanti viri, domini scilicet Hieronymi [de hoc nonnulla superius in vita patris Jacobi], seiendum, quod ab anno praecedente antequam habitum ordinis idem assume- ret, frequenter nocturnis temporibus quasi. spaciator noctivagus trans pontem Rheni deambulando per plateas diversas, .domus huius latenter habitacula consideraturus et. ordinis labores ac vigilias partim probaturus clandestinus intravit, multis putan- tibus, eum solito more, velut prius facere consueverat hie et Parisius, ad laseivias exercendas eo tempore circumvagani. Ubi quäntum. in eo resipiscendi a pristina saeculari conversatione ceperit vigor augescere, subsequentis mox anni declaravit prosper (1.Mai)eventus. Nam in festis penthecostes, habitu saeculari delicate 1. Nov. comptus amicisque compluribus: comitatus, palam cunctis cer- nentibus et admirantibus (confluxerat enim turba non modica supra pontem Rheni, rarum visura spectaculum), ad Carthusiam perpetuo illie habitaturus ingrediebatur2). Qui professionem fecit in festo omnium sanctorum "eodem anno. Et haec quidem, sieut hic perstricta sunt, ego frater Georgius ex communi relatione saecularıum, qui tunc temporis se dicebant interfuisse, cognita huce assignavi3). Caeterum, quid postea, dum intrasset ordinem, 1) Das Diplom, Orleans den 21. April 1482 ausgestellt, s. Karth.Arch. Nr. 321. 2) Das Neujahrsblatt giebt eine hübsche bildliche Darstellung dieses Vorganges von Hieron. Hess. 3) Am 28. Mai 1487 wurde die Urkunde über die oben 8. 333, 5 erwähnte Vergabung seines Vermögens aus- gestellt. Et sequenti ebdomada (nämlich nachdem er die Vergabung dem Kloster angezeigt) domum nostram intravit animo suscipiendi habitum or- dinis et serviendi domino sub disciplina nostra regulari, in octava videlicet ascensionis domini, que fuit ultima mensis maii anno domini 1487. Insu- per in die sancto penthecostes sequenti indutus fuit habitu monachali et in die omnium sanctorum eiusdem ‘anni per anticipacionem concessam fecit professionem, anno vero sequenti, scilicet 1488, in sollemnitate, beatissime 5 20 35 30 35 [ 10 15 20 25 30 Capitulum 5. 349 egerit vel quatenus usque ad annum domini 1509 vixerit, com- pertum plene habere non potui, nisi quod eundem ante paucos ante annos, nempe 1501, priorem effectum agnovi et nonnulla edificia pernecessaria in dicto monasterio erexisse, nempe por- tani lomum cum habitaculis annexis et domum rasurae cum horologio, coquinam quoque cum stubella etc. contiguis, de qui- bus speciatim ex registris infra suo tempore notabitur.‘ Porro, quae: meo tempore, scilicet ab anno dieto 1509 usque ad annum 1526 gesta vidi et narratione. digna, breviter et obiter, quan- tum 'memoriae poterat‘ occurrere, fideliter perstringam sine ta- men praejudicio cuiuscunque melius de eisdem sentientis aut recordantis, sed in hune finem duntaxat, ut si quando tempus oportunum videretur hanc chronicam rite continuandi, quod ex his et compluribus aliis adjiciendis debitus:ordo narrandi texa- tur.; Nam tanta videbantur de hoc ipso priore domino Hiero- nymo scribenda, quod pene priores omnes antecellere judicare- tur, 'maxime propter beneficia in temporalibus, quae ob ipsius tum gratiam tum indefessum laborem et industriam domui acces- serunt, tametsi ea, quae spiritalia, concernunt, non usque 'adeo (salva persona ipsius) incrementum acceperint, prout etiam in subjectis aliquantisper videre licebit. | ‚ Item de huius patris Hieronymi mirabili conversione exta- bat epistola quaedam doctissimi Joannis Capnionis ad eundem, 'postquam jam in ordine degerit, in qua valde vir idem 'mira- batur tam insolitam in eo mutationem. Nam quia praeceptor eius erat, ingenium illius optime noverat et inter caetera quan- tae fuerit olim lasciviae, dum Parisiis et Aurelianis causa studii conversaretur, ad memoriam illi revocabat, ita quod quasi fuis- set tunc antesignanus et praecipuus inter eos, qui in mun- danis delitiis ad omnem excessum volutabantur, sed deinde col- laudans in eo divinam misericordiam ad 'arreptum propositum fideliter hortabatur, praedicens ei, quod in brevi foret in prae- latum assumendus a suis fratribus, quos a statu paupertatis ad eongruam jam sufficientiam suorum largitate bonorum 'prove- xisset. » Epistola illa per incuriam , proh. dolor, combusta est, quae: tamen digna fuerat huc de verbo ad: verbum’ assignari. [m] Nee hoc silentio praetereundum videtur, quanta disere- tione prudens et circumspectus pater Jacobus, tunc prior, eun- dem dominum Hieronymum tractaverit, nimirum in eo consi- derans ipsius naturalia, quae non sicut caeteros patiebantur eum diutius in cella concludi, sed statım ın brevi fecit eum 5 portani domus Hs. 6. Nach »contigu« ist der äusserste Rand der Seite abgerissen, doch scheint die Spur eines Zeichens über dem i.noch erkennbar. 22. Der Absatz »Item — assignari« steht auf dem unteren Rande von pag. |]. Margarete patrone nostre primicias suas cantavit. Vgl. das‘in den Nach- trägen Bemerkte. Er war 26 Jahre alt, als er in den Orden trat.: Lib. benef. 198b. Vor dem Eintritte ins Kloster disposuit sibi utensilia’ für ‘seine Zelle, insuper tabulas ac ymagines pro oratorio in valore 50 florenorum, 1509. 1501. 1509 — 1526. 350 Capitulum 5. sacrıstam ,. quatenus. laborando et discurrendo: fantasiis melan- cholicis seximeretur.: Nam, ut aiunt, non diu manserat in cella, quando jam velut defectus apoplexiae videbatur eum attingere; quare sollerter factum fuerat, ut talıi mutatione relevaretur, Unde in ipsius gratiam et etiam pro pace posterorum dictus 5 pater Jacobus ordinarıum sacristae postmodum compilavit, licet prius in genere fuisset ab aliis praecedentibus sacristis inchoa- tum: et ab eodem domino Hieronymo diligenter observatum et ex. seniorum traditione pro singulis janni temporibus pariter manu propria signatum !). In quo quidem officio saepe memo- ı0 ratus dominus Hieronymus sollicitum et vigilantem ac laborio- sum se exhibuit ac in omnibus morigerum et humilem, quippe qui per se ipsum nedum corporalia et panniculos calicum alia- que consimilia requisita pro illo officio, sed et propria vesti- menta semper lavabat et nungquam sinebat, usque dum prior 15 efficeretur, ut quisquam illius vestimenta lavaret. ‘Quod certe magnae fuit exemplum humilitatis et modestiae, ne quem sci- licet gravare videretur aut talem se scilicet reputare quondam in mundo fuisse, qui talıbus officiis esset indignus. Non diu post haec (credo post duos ferme annos) , quo 20 magis ex onere publico recrearetur, absolutus ab officio sacri- stae procurator effectus est?), in quo quidem officio satis pru- dentem ‚ac fidelem coram: intraneis et extraneis: se domus mi- nistrum exhibuit, donec tandem suffragio maioris partis conven- tus post absolutionem aut resignationem saepedicti patris Jacobi 25 300l inpriorem est electus anno. domini 1501 in festo sancti Mat- thiae. In quo scilicet officio quatenus se tam quoad cultum divinum, quam quoad administrationem temporalium exhibuerit, pene omnes visitatorum cartae (quamdiu prior extitit) testari possent, si superextarent. Nam fere in singulis haec vel con- similis encomii clausula de eo recitabatur: »Invenimus ibidem dominum Hieronymum, virum in divino officio frequentem et sollicitum ac in temporali: domus administratione solicitum, pru- dentem et indefessum, ab utroque conventu necnon ab extraneis velut exemplarem ubique commendatum «., Licet nonnullae clau- 35 sulae de eodem maiora continerent praeconia, sufficere tamen arbitramur huiusmodi pro sufficienti commendatione praeconio- 10. sepe Hs. 1) Von dem Ordinarium pro officio sacriste, das in dem Quartbändchen .; A.IX.6 der Universitätsbibliothek enthalten ist, sind die 11 ersten Seiten von älterer Hand geschrieben, die 18 folgenden »de distinetione horarum et temporibus pulsandi per totum annum« von der Hand Loubers. Sie schliessen mit einer Anrede: Dilecte sacrista u. s. w., unterzeichnet: Per me fratrem Jacobum priorem anno domini 1492 in octavis nativitatis domini salvatoris nostri Jhesu Christi. 2) Wenn das Ordinarium pro officio sa- criste noch für Zscheckenbürlin zusammengestellt worden ist, so kann er, wie aus der vorhergehenden Anmerkung hervorgeht, nicht vor dem J. 1492 Schaffner geworden sein. | 15 Capitulum 5. 351 rum eius, donec vixerit et quid alii de ipso sensuri 'sint, 'post- 'quam nobis et domui fuerit ademptus atque per mortem sub- tractus, plenius edoctus fuero. "Tune enim apparebit, quid in illo domus 'haec perdiderit atque lucrata sit. Sceriptum est: » Lauda’ 'parce, 'vitupera parcius«. Et:meo quidem judicio prae- ter.jam commemorata praeconia hoc in eo peculiarius commen- dandum videbatur, quod mansuetus, alacer et affabilis coram filiis suis et extraneis ut plurimum frequenter extiterat, raro vel nunquam subtristis aut melancholicus. Quo factum' revera pu- tatur, quod quamdiu rexerat, pene semper pacem in conventu haberet et raro vel nunguam scandalosa jurgia in domo susci- tarentur. : Porro quantae commendationis hoc praeconium sit, non’ paucis explicari potest. Verumtamen nonnulla videbantur in eo reprehensibilia quogue, quae tamen piorum charitas filio- rum in melius interpretari novit et verenda patris verecunde contegere. Nam si charitas operit multitudinem: delictorum, quanto magis paucitatem? Unum, quod in aedificis videbatur plus quam par erat curiosus, ut praesertim patet in stuba hos- pitum !) et’in nonnullis aliis, unde saeculares plerique et reli- giosi' non modicum scandalizarı poterant, sed haec curiositas (ut aiunt) magis ex benefactorum seu contributorum intentione provenit, quam ex ambicione prioris. Attamen omnimodis pro- videndum erat, ne qua daretur malignantibus ansa calumniandi, etiamsi ‘oportuerit talia edificia fieri. Quod autem et alias pro- pensus semper fuerit ad aedificandum, hoc vieio dandum non fuerat, 'si congruae suppetiverant expensae et in victualibus eonsuetis conventus non gravabatur. Sin autem, potius aedifi- canda fuerant templa dei vivi, id est ipsa corpora pastu con- gruenti pro viribus divinae laudationis reparanda, quam'ele- mosynarum munera in lapides et ligna consumenda; verum id (ut reor) non itatenus factum contigit, quod justa querela po- tuisset in tali facto fieri. Alterum, quod in hospitalitate modum videretur excedere, nempe im convictu plurium saecularıum quam religiosorum aut utilium vel honestarum personarum. Nam, ut nonnulli quiritabantur, sicut praecedens prior, scilicet' pater Jacobus, 'affeetum plurimum habuit ad religiosos et saeculares In] doctos sacerdotes suscipiendos, 'ita et hic ad saeculares laicos et non admodum graves vel utiles confovendos. Verum esto, ut ıta se habeant, non tamen ob ıd doctos aut religiosos spre- visse credendus est, quippe qui non fuerat talıs, ut ex illorum famılıarı ben seu convictu vel melior fieri vel doctior aut locupletior (ut olim, dum religiosi vel saeculares sacerdo- tes nobis magis inclinati 'erant! evadere potuerit?), sed qui prae- sentem temporis respiceret conditionem et de consilio maiorum suorum seu visitatorum magis attendere debuerit, quis magis 1) S. über dieselbe unten. 2) Nach evadere hat man wohl ein non zu ergänzen. 352 | Capitulum 5. nocere 'pötuisset, quam qui prodesse. (Recte haec intelligantur!) At in periculis imminentibus etsi clerici seu religiosi nobis bene velle, non tamen magis prodesse, quam fautores saecula- res prodesse poterant, tametsi saeculares iniqui magis obesse, quos et, ne hoc aliquando facerent, interdum benevolentia prae- occuparı prudentiae tribuendum videtur. Sit:sane qualiscunque haec excusatio benevolis mentibus et iis, qui domum diutius stare desiderant, utcunque sufficiens. Verum per: hoc nulla praestari Intenditur occasio solvendae Cartusianae frugalitatis aut sobrietatis, quae ut in plurimum plus aedificat, quam assı- dua convivantium hospitum simulata charitas. Hospitum susce- ptionem nec probo nec improbo, modo statuta serventur et charitas ad proximum non negligatur etc. Sed et illud vide- batur in dieto patre non admodum probabile, quod quasi con- ventum in consiliis recipiendis despicere videretur, maxime in causis set:negotiis arduis, quasi suo solius aut alterius cuiuspiam vel duorum "(potius extraneorum quam intraneorum) contentus esset consilio. Quod quantum domui scandalum generaverit, ex nonnullis infra subjectis patere poterit!). Et licet nee: hoc quidem sine causa fecerit, utpote qui putaret, 'conventum aut certe nonnullos melancholicos ‚aut ımprudentes vel inexpertos ex huiusmodi frequenti rerum externarum tractatu vel praestan- dis. consiliis reddi magis distractos aut inquietos in divinis per- agendis, tamen expediebat magis statuta super his consulere, quam unıus aut alterius inniti prudentiae frequentiusque de ta- lismodi negotiis, etsi non semper coram conventu, tamen cum prineipalioribus officialibus aut senioribus disquirere, consultare et: procedere?). Sunt autem et alia nonnulla, (quae in ipso .eo- demque patre a plerisque desyderabantur, nempe ut; frequen- tius tentatos inviseret et per cellas oviculas suas laboribus va- riarum passionum fessas veluti pius pastor curaturus visitaret, quippe qui gratiam haberet consolandi et linguam satis ad hoc eruditam, ut sustentare posset eum, qui lapsus esset,,; verbo. Verum etsi hoc non usquequaque neglexerit, non tamen ex promptitudine seu fervore (nonnulli suspicantur), qua pastor non mercennarius suis providet ovieulis. Sed boni consulunt, quotquot illius naturales conditiones noverunt, nimirum quod foetorem nonnullorum hypocaustorum, id est stubellarum. cale- factarum, aut conclavium sive cellarum non. bene sufferre po- tuerit, deinde querelas illic accusantium et; deponentium invi- tus audiverit, utpote qui pacem in conventu cuperet esse quo- quo modo perpetuo salvam. Sed et alia, quae verebatur in ovibus intueri, quae maiora, quam ipse dare posset, remedia 1) Ueber die nicht erfolgte Ausführung der in dieser und in andern Verweisungen versprochenen Abschnitte s. oben 8. 318. 2) Ueber diese Vernachlässigung sogar der prineipaliores officiales mag sich wohl Stouffer, Schaffner und Vicar, gelegentlich klagend geäussert haben. 15 20 ı 25 )) 35 40| 10 15 20 30 35 40 Capitulum 5. 353 requirebant. Deus autem pastor supremus propterea suas oves non dereliquit prorsus abjectas aut incuratas. Praeterea non- nullis visus est plus caeteris antecessoribus ad extraneas causas vel testamenta suscipienda vel pro negotiis domus esse, quam par erat, diffusus et sollicitus. Verum qui perpenderit ingruen- tes necessitates et annos satis steriles sub suo regimine, maxime post annum 1512 usque in praesentem 1526, similiter et de- fectum elemosynarum, paucitatem benefactorum et fautorum, is forte non mirabitur illius anxietatem in talibus, sed potius commendabit illius indefessum laborem, quo pariter et divinis tam strenue potuerit interesse et nihilominus 'talibus ac tantis negotiis pro domus necessitate non pigriter incumbere. Nam etsi statim post ingressum ipsius ad ordinem elemosynae defi- cere ceperint et soliti benefactores tam praesentes quam futuri manum suam retrahere, cunctis proclamantibus, jam Carthu- sienses amodo frigere non posse, quippe qui ob adventum tanti confratris jam plus justo divites esse coepissent [tametsi pau- perum et mediocrium defecerint eleemosynae, tamen ob ipsius gratiam et humanitatem ac familiaritatem nec non amicitiam cum divitibus non pauca domui provenere beneficia, quibus ipsa utcunque in consueto progressu ‚sustentabatur, laus deo], ni- hilominus tamen magis ac magis alia subinde gravamına suc- creverunt [et subsidia requirenda], quae proventum flagitassent uberiorem, si domus ad perfectionem necessariarum structura- s rum et Eh ac victualium devenire deberet. Quare ne- cessarıum ‚profecto fuerat, ut ad haec capessenda vel fautores procurarentur aut propriae labores industriae pro talıbus con- sequendis insudarent. De quibus nonnulla perstringentur infe- rius. Et quidem de conditionibus saepedicti patris tam lauda- bilibus quam vituperabilibus, sed tamen excusabilibus, hactenus satis annotatum videtur, nunc de nonnullis tentationibus et Sravaminibus, quae sub ipsius regimine contigerunt ab anno 1512 usque ad annum 1526, videndum erit, praemissis tamen his, quae meliorationem domus concernunt, de quibus pauca quaedam obiter annotabuntur, donec ex registris plenior certi- tudd colligatur. | [0] Sub huius prioris regimine domus haec pene consumma- tionem accepit ın structuris necessarus et fundatione censuum et utensilium etc., ita quod, qui post eum recturus fuerit (si saltem in tuendis acquisitis non velit esse negligens aut impro- vidus) non tantum anxietatis et sollicitudinis habere cogetur, sicut praecedentes habuere priores, sed si secundum deum. am- bulare voluerit, curabit quod status domus in spiritali negocio reformetur et erigatur, qui paulo ante propter multas causas, 23. »et subsidia requirenda«, das am Rande steht, ist zwar durch ein Zeichen an diese Stelle gewiesen, unterbricht aber den Zusammenhang in ungeschickter Weise. Basler Chroniken. 1. 23 1512 —1526. 1512 — 1526. 354 Capitulum 5. de quibus etiam postea modicum annotabitur!), in melius re- formandus esse videbatur. Alioqui status uterque statim simul brevi funditus corruet, et interibit domus, pro qua tantum labo- ris et expensarum insumptum est. Et haec pro avisatione poste- rorum dicta sunto. Praeter ea, quae saepefatus pater venerabilis dominus Hieronymus de propriis bonis et opibus domui contulit, multa alia beneficia per illius amicos, cognatos et fautores accesse- runt, nempe a domino Morando de Brunn 2), domina Maria), domino Appollinare Schorpp®), domino Henrico de Sennhein’), Joanne Schicklin ®) et magistro Bernardino”), magistro Joanne Amorbachio etc., de quorum specialibus beneficiis loco con- gruenti dicendum erit in subditis. Porro structurae sub illius erectae praesidentia sunt: Porta domus cum stubellis portarii et rusticorum et earundem con- clavibus®), domus rasurae?) cum stuba et conclavi pro praeben- dario 1%) excepto horologio, quod postea simul expensis domini 1) Vgl. das S. 318 Anm. 1 Bemerkte. 2) S. oben 8. 334 Anm. 6. 3) 8. ebendaselbst. 4) Junker Apollinaris Schorpp von Freudenberg (F den 1. Mai 1521) war ein Sohn des Jacob Schorpp und der Maria Zsche- ckenbürlin. 5) Rathsherr und Apotheker. Sein Testament s. Karth. Arch. Nr. 431. Vgl. Nr. 437. 6) Aus Teufen im Appenzeller Lande, Pfründner (praebendarius) des Klosters, gest. 6. April 1520. Lib. benef. 96: Oretur pro honesto viro Hansz Schicklin von Abbacel, qui dedit pro prebenda apud nos ducentos et quinquaginta florenos, qui fuit valde artificiosus et sub- tilis faber lignarius et omnibus nobis laborando voluntarius fuit, et valde devote et quiete conversacionis fuit ita ut eciam si non dedisset nobis obulum, non penituisset nos eum recepisse. Et postea alia plura nobis le- gavit, in summa quadringentos florenos ab eo habemus. Qui eciam fun- davit pauperibus ad portam omni angaria quatuor temporum 5 s. erogan- dos, facit in summa 1 £.. Requiescat in pace. Amen. (Eingeschrieben von der Hand des Nicolaus Molitoris.) Die Vergabung jener 250 Gulden und der damit verbundene Abschluss des Pfrundvertrages wurden vollzogen am 31. Januar 1509, nachdem Schicklin »etwasz zyt über jars fryst« bei den Karthäusern gewohnt hatte. Karth. Arch. Nr. 425. Vgl. die un- sign. Papiere. Calend. Apr. 6. Tonjola 320. 7) Magister Bernhar- dinus Coci (Koch?) war ebenfalls praebendarius des Klosters. Lib. be- nefact. 63. Calendar. Merz 2. Seine Wohlthaten erstrecken sich über die Jahre 1504 — 1518. 8) In die Stube der Zinsbauern (censitarum) stifteten Joh. Amerbach und Joh. Froben im Jahre 1503 je ein Fenster, in ebendemselben Jahre Joh. Petri eines in die Küche des Pförtners und Johann Oberried ein solches in dessen Stube. Lib. benefact. 101b. 102b. 103.20. 9) Die rasura der Mönche fand nach der älteren Ordnung am ersten jedes Monats statt, servato silentio (Stat. ant. II, 15 $. 16), später (Tertia compilatio 7 $. 16) zweimal im Monat, zur Ader gelas- sen wurde den Mönchen fünfmal im Jahre, den Laienbrüdern viermal (Stat. ant. Il, 15 8.4. III, 21 $.5). Zur Zeit Loubers war Johannes Röwlin, Bürger und des Rathes zu Basel, rasor der Mönche, ihm folgte sein gleich- namiger Schwiegersohn und diesem Meister Nicolaus Appfel. Alle drei haben Vergabungen an das Kloster gemacht. Lib. benef. 324. 3246, 10) Hiezu leistete der oben genannte praebendarius Bernhardinus Coci einen Beitrag: dedit 20 florenos in auro pro structura domus supra fontem, quam inhabi- tacionem idem inhabitavit, anno 15096. Ueber die Lage des ee [ <. 0 on 10 15 20 000 Capitulum 5. ‚359 Morandi de: Brunn construebatur ti} ‚ac depost. sub anno domini 1516 ab eodem patre reformabatur, item hospitum |istuba cum camera testudinata. pro, visitateribus), [item stuba.nova];: item 15 fons 'juxta domum; rasurae 'forinsecus induetus.cum suis/requi- sitis ‚expensis dominae; Mariae,de. Brunn), qui tamen..postmo- dum paulatim .‚defieiendo.' tandem ‚anno, ‚domini'.1523 penitus exiccatus et! inutilis effectus ‚est universis.‚expensis illis pessun- datis, de'quo alibi... Item cellarium. ‚bipartitum ‚sub anno 1524, refectorium ‚pro. monachis,.;et aliud. pro laicis anno 1526; ; Item cellae: C et .D. sub .ipso' reformatae; ‚et. renovatae, ‚sunt,, altera seilicet D sub: anno..domini 1518 expensis domini Henriei Eck- lin confratris et sacristae*) ,;.altera scilicet O, subsequentibus annis ‚expensis benefactorum..et. laboribus ‚domini Golmanni 5) illius ineolae. Item: in ‚Blotzhein ©) quaedam sunt aedificata ‚ete. Praeterea, quantum ad templi nostri decorem attinet, sub dieti-prioris "gubernaminealtare sancti Joannis Baptistae. fun- datum, dotatum et consecratum 'est expensis venerabilis domimi magistri Joannis Amorbachü, quod postea anno 1523 in pictu- 3 rıs consummatum est. j { al) - 4 4 Kon ara Multae denique casulae?) holosericae. et preciosae .diversi mit der Pfründnerwohnung s. die Beilage über die Gebäulichkeiten., der Karthaus. 1) Im J. 1508. S. oben 8. 334 Anm. 6. 2) Die Kammer der Gäste mit vertäfelten Wänden und mit der ebenfalls zierlich vertäfelten ge- wölbten Decke ist noch wohl erhalten. Johann Oberried steuerte 1509 an den Bau derselben 20 Gulden (Lib. benef. 20), Morand von Brunn 30. Im folgenden Jahre schenkte letzterer mit seiner Frau ein grosses Bett in dieselbe und im Jahre 1512 ein wisze katholonische decki pro hospitibus in camera hospitum (Lib. benef. 204. 204b). Ein anderes Bettgestell stif- tete im Jahre 1512 Lienhard Fuchs (s. oben S. 331 Anm. 4), und schon das Jahr vorher hatte er zwo grün sergen super lectis in camera hospitum auf der Frankfurter Messe gekauft (Lib. benef. 19). Eine dieser grossen Bett- laden wurde bis vor kurzem noch an Ort und Stelle aufbewahrt und soll jetzt in der mittelalterlichen Sammlung aufgestellt werden. 3) S. oben S. 334 Anm. 6. »Dedit ducentos florenos, ut fontem a civitate Basiliensi procuraremus et in domum introducemus 1500«. Am 18. Mai 1510 machten Bürgermeister und Rath, die den Karthäusern vergönnt hatten, einen Brun- nen aus dem Teiche (Canal) vor Riehamer Thor in ihr Kloster zu leiten, mit denselben aus, sie sollten, »sobald und der brunn anhebt zu loufen, und so lang als sy dann den behalten, als von zweyen brunnen ,,« jähr- lich den Wassermeistern und »ander ir mitgewandten« 10 s. Stebler zahlen. Karth. Arch. Nr. 436. 4) Aus Basel, 1513 ins Kloster getreten. Das eingebrachte Geld wurde 1519 seinem Wunsche gemäss zur Wiederherstel- lung der cella cerucis verwandt (Lib. benef. 13b und seine ultima voluntas: Karth. Arch. unsign. Papiere). Hat er später noch einmal eine ihm zu- gefallene Erbschaft zur Restauration der Zelle D (sie hatte eine solche schon im J. 1481 erfahren, s. oben $. 330 Anm. 5) bestimmt? 5) Dieser Colmann war befreundet mit Bonifacius Amerbach. Fechter in den Beiträgen III, 228 Anm. 67. 6) Im Sundgau, zwei Stunden nordwestlich von Basel. 7) Casula, »das eigentliche Messgewand aus schwerem Seidenstoff, ursprüng- lich ein weiter ärmelloser Mantel, der nur eine Oeffnung für den Kopf hatte, über welchen er schlauchartig gezogen wurde. Die freie Bewegung der Arme wurde also dadurch behindert, weshalb man bald auf den Seiten 23,* 15 16. 23. 1524. 1526. 15 15 18, 23. 356 Capitulum 5. coloris donatae sunt aut provenerunt et alia quaedam ad orna- ' tum templi conducentia. | Item quatuor partes antiphonariorum ingentis quantitatis 1510 sub illius tempore, nempe ab anno 1510 usque ad annum 1516, 516. ner religiosum ae devotum confratrem dominum Nicolaum Mo- litoris!), postea procuratorem ‘et vicarium, pulchra textura?) seriptae sunt et unum gradale. Idem insuper prius librum evan- geliorum scripserat et unum missale pro altare sancti Joannis Baptistae, quod postea ad altare capituli pro priore usurpatum est. Item unum ’'invitatoriale, collectarius minusculus et alia 10 complura ab illo scripta sunt, quorum omnem materiam, id est pergamenum, idem pater procurari fecit. | ' Proeuravit pariter idem prior pro libraria novellos codices ' non paucos, quorum expensae tendunt ad summam forte N. etc. on Schnurenzüge zum Heraufziehen des Gewandes über den Armen anbrachte, welches nun vorn und hinten. in reichen. Bogenfalten herabhing. — — Später machte man für die Arme Seitenausschnitte, so dass etwa seit dem 15. Jahrhundert nur die kahle Form eines langen Stückes Zeug übrig blieb, welches in der Mitte mit einer Oefinung für den Kopf versehen ist. Die Casel ist das letzte Stück der: priesterlichen Messkleidung und wird auch planeta genannt.« H. Otte: Archäologisches Wörterbuch (Leizig 1857), S. 22. x S. über ihn unten zu den Aufzeichnungen. 2) Vgl. oben S. 325 Anm. 4." I. Narratıo rerum, quae reformationis tempore Basileae et in eircumjacentibus regionibus gestae sunt, auctore fratre Georgio Carpentarü de Brugg Carthusiensiı. 1518 (1499) — 1528. BR Sri a Mu ee Bi ern rm a | re Na a ur gi u Hay a NE eeneer PR an „ TOR. oa Da ie En oz ZA sonen BR 2 Ai er kehren er RR) BAR: BEN BEN SR PO TERR ya ehem‘ keiscpene yurtue BER Ähyor:n met at wma rohen pr ae Bayiriit RR 2 la me Bann este, "RR RE ine iteitrkake, Immonet Hi ie Bi WR - rn A ran RER 0) ; a Y innoiandtnnd. i h ji e 14 h f & f ' j t { 5 . ah gs s : ; x - Bee u j f “ LS wer ; T 1 } in 17} L ” a ß i h en Wi f © PB PR DA? BL 5 N I war a ae 543 Karta: Pe F | RN 2 | Er 4 \ Biere RER DER ! n h / j ; f ü u v ale | fir F ER F € a k j 5 aan ENIEN, Ar y 2 N \ en AREN kinleitune. Wie schon in der Einleitung zu der vorhergehenden ver- Chronik nachgewiesen worden, ist es derselbe Verfasser, von kaan dem jene und die hier zu besprechende herrühren. Dem, was Ssors dort über die Person dieses Verfassers, des Bruders Georgius thekar Carpentarii von Brugg bemerkt worden ist, kann ich in Folge. von Nachforschungen, die ich seit dem Niederschreiben jener Einleitung gemacht habe, die interessante Notiz beifügen, dass derselbe längere Zeit das Amt eines Bibliothekars im Kloster versehen und eine angesehene Stellung daselbst eingenommen haben muss. Beim Zusammensuchen des Materials für die An- merkungen der Continuatio stiess ich auf das alphabetische Repertorium der Klosterbibliothek von Urban Moser (8. 329 Anm. 2, 340 Anm. I), und da fielen mir sofort eine Menge Eintragungen und namentlich die vorausgeschickten Bemer- kungen auf, welche entschieden die einzelnen Züge und den ganzen Charakter der Schrift Georgs, wie sie in der Continuatio auftritt, aufwiesen. Schon früher, ganz zu Anfang meiner Be- schäftigung mit der ÜÖontinuatio, war mir eine Anmerkung Buxtorfs zu S. 96 der oben 8. 246 erwähnten Uebersetzung der Chronica fundationis und der Continuatio aufgefallen. Zu der Stelle, wo Continuatio Cap. I von Loubers Fürsorge für die Bibliothek die Rede ist und gesagt wird, er habe in jedem ein- zelnen Bande angemerkt, von wem derselbe herstamme (der betreffende Satz schliesst in unserem "Texte 8. 329,2), wird dort bemerkt: »Zahlreiche Bände der Art mit Pater Georgs Inhalts- anzeigen und sonstigen handschriftlichen Bemerkungen stehen auf der öffentlichen Bibliothek. Eine dieser Bemerkungen, die zugleich von Georgs Glauben an die Verdienstlichkeit des Klo- sterlebens zeugt, mag hier folgen: Bonum est nos hie esse in claustro strietioris observantiae nec non arctioris religionis, quia hie homo vivit purius, cadit rarius, surgit velocius, incedit cau- cius, irroratur frequencius, quiescit securius, moritur confiden- cius, purgatur cicius, praemiabitur copiosius«. Der Zusammen- hang, in welchem diese Anmerkung steht, lässt zwar vermu- 36N Einleitung. then, dass Buxtorf sich verschrieben, und beide Male Jacob statt Georg zu lesen sei. Indess suchte ich mich zu überzeugen, ob vielleicht doch die mir unbekannte Hand, die später manches Jahr hindurch auf den Vorsetzblättern der dem Kloster gehö- rigen Bücher in der von Louber eingeführten Weise Inhaltsver- zeichniss und Herkunft eingetragen, und die auch das zweibän- dige Registrum der Klosterbibliothek (s. oben 8. 236) angelegt hat, die Georgs sei. Von Schriftstücken, die erwiesenermaassen von Georgs Hand stammen, konnte ich damals bloss den Brief an Bonifacius Amerbach (s.. oben 8. 312 Anm. 2) zur Verglei- chung heranziehn (das Manuscript der Continuatio befand sich noch in den Händen meines Mitarbeiters, Herrn Dr. Stern). Die Aehnlichkeit der Schriftzüge schien mir nun so gering, dass ich auf eine Identität des Schreibers nicht glaubte schlies- sen zu dürfen, und ich beschäftigte mich mit der Frage nicht weiter, zumal da ich annehmen musste (und auch jetzt noch annehme), dass sie durch ein blosses Versehn Buxtorfs in mir angeregt worden. Auch die Beschäftigung mit der Handschrift der Continuatio, deren Züge ebenfalls von denen des Registrums sehr abweichen, rührte sie nicht wieder auf. Dies geschah erst durch das Auffinden des Repertoriums, aus dem mir sofort an gewissen Stellen die Schrift Georgs aufs Unverkennbarste 'ent- gegentrat. Zur Vergleichung mit den andern Eintragungen die- ses Repertoriums, wie mit den Schriftzügen des zweibändigen Registrums zog ich nun auch das Uebrige herbei, was mir seit- dem von eigenhändiger, sicher bezeugter Schrift Georgs bekannt geworden, namentlich die beiden oben 8.311 erwähnten, von ihm für die Klosterbibliothek abgeschriebenen Bücher, den Liber spiritualis gracie sive revelationum beate Mechtildis virginis und das Martyrilogium Usuardi. Diese, zusammengehalten mit der Handschrift der Continuatio, dem Briefe an Bonifacius Amer- bach, dem beim Eintritt in den Orden errichteten 'Testamente und dem Verzeichniss der dem Kloster zugebrachten Bücher (s. oben S. 310), bieten eine solche Verschiedenheit und eine so mannigfaltige Abstufung der Schriftzüge, dass man’ sich oft darüber verwundert, dass es dieselbe Hand ist, von der die einen und die andern herrühren. Der Liber spiritualis gracie ist in fester Urkundenschrift geschrieben, während die Conti- nuatio eine kleine, flüchtige Conceptschrift aufweist, die übri- gens die sichere Hand eines geübten Schreibers nicht verken- nen lässt. Im Briefe ist diese letztere Schrift sauberer und sorg= fältiger zur Anwendung gebracht. Das Testament und das Bücherverzeichniss, sowie das Martyrilogium Usuardi, obwohl unter sich wieder ziemlich verschieden, stehen der Form und dem Charakter ihrer Züge nach in der Mitte zwischen der Urkun- denschrift jenes ersten, der Cursivschrift jener beiden letzten Stücke. Die Schrift des Martyrilogiums schwankt bald mehr Einleitung. 361 nach der einen, bald nach der andern Richtung hin. Da wo sie ihren eigenthümlichen Charakter am schärfsten zeigt, ist sie steifer, eckiger, als die der Continuatio und des Biriefes, aber weniger breit, mehr in die Höhe gezogen, als die des Liber spiritualis gracie. Im dieser Form zeigt sie eine grosse Aehnlichkeit mit derjenigen des Registrums der Bibliothek und die Vergleichung einzelner Seiten des Martyrilogiums nament- lich mit dem Vorworte des Registrums und dem Informatorium für den Bibliothekar zeigt eine solche Uebereinstimmung in Schrift und Anwendung der rothen Farbe, dass wir an der Identität des Schreibers nicht zweifeln, sondern die Behauptung aufstellen dürfen: Es ist Georg, der das Registrum angefertigt hat. Während er in diesem auch bei den spätern Eintragungen sich streng an die einmal gewählten Schriftzüge gehalten, finden sich in dem alphabetischen Repertorium, das nicht von seiner, sondern von des Urban Moser Hand angelegt war, in den Nach- tragungen und den eingefügten Vorbemerkungen alle die Schrift- formen vertreten, die Georg in den aufgezählten verschiedenen Büchern und Schriftstücken verwandt hat, so, dass sich immer die Uebereinstimmung mit dem einen oder dem andern dieser letztern nachweisen lässt. Aus dem Gesagten geht hervor, dass Georg längere Zeit hindurch die Stelle eines Bibliothekars im Kloster bekleidet hat. Die Aufsicht über die Bibliothek war eigentlich Sache des Sacrista; sobald die Bibliothek aber einmal eine gewisse Be- deutung erlangt hatte, musste es sich empfehlen, sie der Obhut . eines Klosterbruders zu übergeben, der ein Verständniss für den Werth der in ihr enthaltenen Schätze besass!). Georg rühmt von dem Prior Jacob Louber, unter welchem die Biblio- thek seines Klosters erst zu grösserem Umfange gelangte, dass er.sich selbst der Ordnung und Bezeichnung der Bücher an- genommen und sich in Besorgungen abgearbeitet, mit denen sonst kaum ein ganz müssiger Mönch sich abzugeben würdigte?). Ueber die Aufstellung der Bücher und das von Louber ange- fertigte Registrum findet sich an der betreffenden Stelle und auf S. 236 das Nähere angegeben. Später scheint eine Zeit lang der Prior Hieronymus die Verwaltung der Bibliothek und die Einreihung der neuen Erwerbungen besorgt zu haben, 1) In dem Informatorium bibliothecarii am Eingange des Registrum pro antiqua bibliotheca sagt Georg: Satis claret, quantum studii debeamus bibliothecis nostris, quave cura sit invigilandum ei, cui librorum fuerit in- juncta custodia. Quae tametsi sacristae peculiariter commendata sit, prout patet part. 1 ant. cap. 34 $.9, ubi dieitur, quod »libros seu legendos seu transcribendos a sacrista poscimus et accipimus«, et cap. 41 $. 31 eiusdem: »sacrista libros, cum accomodantur, scribit, pignus retinet et custodit«, si tamen alteri vel ipsi talis obedientia, servandorum scilicet librorum, fuerit commissa, juxta subsequentes canones seu informationes procedere potest et debet u. s. w. 2) Contin. cap. 1 8. 328. 329. 362 Einleitung. wenigstens hat er in einer Anzahl von Büchern vorn Signatur und Herkunft eingetragen. Unter ihm wurde dann noch ein wichtiger Schritt zur Erleichterung der Benutzung der Biblio- thek gethan, indem Bruder Urban Moser!) sich der mühsamen Arbeit unterzog, ein genaues alphabetisches Repertorium anzu- fertigen. ‘Ob er daneben auch die ständigen Bibliothekars- geschäfte versehen, ist mir zweifelhaft. In der Folge (wann, vermag ich nicht zu sagen) wurden diese unserem Georg über- tragen, der nun die Bücher aufzustellen, zu signieren und so- wohl im Registrum, als im Repertorium einzutragen hatte. Um den Gebrauch des letztern zu erleichtern, brachte er auf einem nach dem Titelblatte eingeklebten Blatte eine Anzahl von Bemerkungen an, die zunächst auf gewisse beim Nach- schlagen zu berücksichtigende Unvollkommenheiten in der al- phabetischen Anordnung aufmerksam machen, dann über die Signierung derjenigen in neueren Sprachen abgefassten Bücher Auskunft geben, die nicht in der eigentlichen Bibliothek, son- dern, der Obhut des cellerarius unterstellt, im Schlafsaale der Laienbrüder aufgestellt waren, und endlich ein Verzeichniss der Nummern enthalten, die verloren gegangen oder durch die Apostasie des Thomas Brun im J. 1523 (s. die Narratio oder Reformationschronik zu diesem Jahre) dem Kloster wieder entfremdet worden (Später hinzugefügt ist noch ein Verzeichniss derjenigen, die 1526 nach Ittingen geschickt wurden, 's. oben 5.340 Anm.5). Da ferner nach Vollendung des Repertoriums eine grössere Zahl von Bänden, etwa 400, umgestellt worden waren, fügte Georg, um den ferneren Gebrauch desselben möglich zu machen, ohne doch zahllose Signaturen ändern zu müssen (denn von den umgestellten Bänden enthielten manche eine grössere Anzahl von kleinen Schriften, die alle einzeln aufgeführt wa- ren), auf einigen nach dem eben erwähnten Blatte eingefügten weiteren Blättern eine Tabelle ein, auf der die sämmtlichen bisherigen Signaturen aufgeführt waren, mit Beifügung der neuen Bezeichnung, da wo eine Umstellung stattgefunden hatte, so dass, wer ein Buch im Repertorium nachschlug, sich sofort mit Hilfe dieser Tabelle überzeugen konnte, ob die Signatur, die es dort trug, die noch gültige, oder ob sie durch eine an- dere und durch was für eine sie ersetzt war. Während für den ferneren Gebrauch des alphabetischen Repertoriums auf diese Weise einstweilen geholfen werden konnte, ‚war es dagegen nöthig gewesen, den Standortscatalog (den Georg in den ein- leitenden Bemerkungen zum Repertorium diesem, dem reper- torium oder registrum universale als speciale registrum, quod usuale sive manuale librarii diei potest, gegenüberstellt) voll- ständig umzuschreiben, an die Stelle des Louberischen Begi- I) 8. über ihn oben 8. 340 Anm. 1. Vgl. S. 329 Anm. 2. Einleitung. 369 strums ein neues zu setzen. Diese Arbeit hatte Georg, vielleicht in Verbindung mit der Umstellung, in den Jahren 1520 bis 1523 vollzogen, indem er das zweibändige Registrum anfertigte, von:dem schon mehrfach die Rede gewesen ist. Er nahm übri- gens auch für das alphabetische Repertorium eine vollständige Umarbeitung und Umschreibung in Aussicht, bei welcher ihm dann jene Tabelle als Hilfsmittel dienen sollte. Zur Ausfüh- rung dieses Planes, der eine gewaltige Arbeit erfordert hätte, ist Georg nicht gekommen, er scheint aber, wie aus den Ein- tragungen in den beiden Catalogen hervorgeht, die Stelle eines Bibliothekars bis zu seinem Tode bekleidet zu haben. Nach diesem sind, so viel ich bemerkt, im alphabetischen keine Ein- tragungen mehr gemacht worden, im Standortscataloge dagegen finden sich einige solche von der Hand des Nicolaus Molitoris, der auch im Calendarium nach dem Tode Georgs (s. die fol- gende Ausführung) und im Liber benefactorum nach dem Tode Zscheckenbürlins die Aufzeichnungen gemacht hat (vgl. die Bei- lage über die letzten Schicksale der Karthaus). Eben dieser hat dann auch in den betreffenden Büchern Signatur und Herkunft vorn angemerkt. In Folge.der eingehenden Beschäftigung mit den Schrift- Das Ca- zügen Georgs in ihren verschiedenen Abstufungen bei verschie- rum denartiger Verwendung, zu der ich durch die Untersuchungen Yalr- zeit- über die Bibliothekscataloge des Klosters geführt worden war, buch) wurde mir klar, dass auch das von uns als Calendarium” pet eitierte Jahrzeitbuch eine Arbeit Georgs ist!). Es ist das- 0788. selbe, wie oben 8. 235 bemerkt, so eingerichtet, dass die Seite drei Tage, ausnahmsweise auch vier oder einigemale beim Schlusse eines Monats nur zwei umfasst und unten noch einen durch einen Queerstrich abgetrennten Raum für Bemerkungen enthält, die sich nicht auf einen bestimmten der obigen Tage beziehen, wie z. B. auf der Seite 1—3. Jan.: Circa vel post festum sancti Stephani prothomartyris fiat commemoratio benefactorum nostrorum,, prout habetur in sta- tutis, prime partis capitulo quinto, quod: officium appella- tur officium 'benefactorum Stephani u. s. w., 13— 15. Sept.: Circa angariam crucis in officio mensis partieipationem specia- lem habet domicellus Thomas Zschegkepürlin, qui fundavit unam pitantiam circa hoc tempus conventui ministrandam u. s. w., oder nähere Bestimmungen über eine der oben verzeichneten 1) Auf dem Rücken trägt es auf einem aufgeklebten Blättchen (es ist in Pappdeckel gebunden, mit schwarzem Leder überzogen, das durch ein- gepresste Verzierungen geschmückt ist, der hintere Deckel ist über einen Theil des vorderen herumgeklappt) von der Hand des Prof. und Biblio- thekars Joh. Uonr. Pfister (+ 1636) den Titel: Calendarium Carthusianum m. s.ch.'cum consignatione officiorum annuorum pro defunctis. Die Be- zeichnung Diarium, die ich 8. 235 erwähnt habe, ist ihm im Handschrif- tencataloge der Universitätsbibliothek gegeben. 364 | Einleitung. Jahrzeiten geben, z. B. Febr. 26—28 (auf letzteren Tag fiel die Jahrzeit der Maria von Brunn, geb. Zscheckenbürlin): In anni- versario dominae Mariae sternatur pannus viridis super sepul- chrum domicelli Nagel, duae quoque candelae ibidem accensae ponantur, quae per totam agendam et missam ardeant, u. s. w. Auf dem ersten der drei dem Calendarıum vorangehenden Blät- ter findet sich eine Bemerkung über die Verbrüderung ‘des Klosters: mit den Karthausen der Umgegend nebst Anweisun- gen über die in Folge davon zu verrichtenden Gebräuche, fer- ner Bemerkungen über die Messen pro benefactoribus, auf dem Blatte am Schlusse des Buches eine Bemerkung de quarta fu- neralium. Für die Einzeichnung ‘der Tage und ihrer kirch- lichen ‚Bedeutung hat sich Georg der grossen eckigen Bücher- schrift bedient, die er ın der Continuatio S. 325, 27 als lit- tera texturalis bezeichnet, die Eintragungen innerhalb dieses Rahmens, insoweit sie bei der Anlage des Buches in Einem Zuge geschrieben worden, sowie die Bemerkungen auf dem ersten und dem letzten Blatte sind in der Urkundenschrift ge- macht, wie wir sie in dem Liber spiritualis gracie finden ‚ die spätern Eintragungen zeigen die Schrift Georgs in‘ den ver- schiedenen Abstufungen, die wir oben kennen gelernt haben. — Ueber das Verhältniss dieses Buches zum Liber benefacto- rum ist schon oben (8. 235) gesprochen worden. Im Liber be- nefactorum!) werden unter der einleitenden Formel »Oretur pro« u. s. w. die Geschenke der betreffenden Gönner ausführlich aufgezählt; da die meisten bei Lebzeiten gemacht und in der Regel auch sofort oder wenigstens nach nicht allzulanger Frist aufgezeichnet wurden, so konnte die Einzeichnung in den we- nigsten Fällen zum Datum des Todestages gemacht werden; man nahm vielleicht für die erste Einzeichnung den Tag, an dem die Vergabung geschehen war, oder den Tag eines Hei- ligen, den der Betreffende besonders verehrte, und trug spätere Geschenke zu eben diesem Datum nach, oder man stellte Ver- wandte oder Freunde auf demselben Blatte oder auf benach- barten Blättern zusammen (so sind die Zibol um den 1: Januar, die Zscheckenbürlin um den 15. Juli, den 'Margarethentag, gruppiert), bei den Klosterbrüdern wählte man oft den Tag ihres Eintritts in das Kloster (so bei Louber,, ‘bei Johann ‘de Lapide).. Hie und da finden wir nun, namentlich in der frü- hern Zeit, dass nach dem Tode von Wohlthätern, deren Wohl- thaten anderwärts verzeichnet waren, auch an ihrem Todestage eine Vermerkung gemacht wird, so wird z. B. der Tod des 1) Vor der Anlage des vorhandenen, vielfach erwähnten Liber bene- factorum muss ein früherer, kleinerer existiert haben. Bei einigen der äl- testen Aufzeichnungen in jenem wird auf einen solchen verwiesen: ut in- venitur in alio libro benefactorum (Bl. 1), sicut habetur in libro parvo be- nefactorum (Bl, 216), Einleitung. 365 Burkhart Zibol am 1. August, der seiner ersten Gemahlınn, Agnes von Eptingen, am 3. Juli, der der Adelheid von Eptin- gen, genannt die Münchin, am 19. Januar vermerkt, während ihre Wohlthaten zum 1. Januar aufgezeichnet stehn. Auf die Dauer konnten aber solche Vermerke inmitten der immer zahl- reicher werdenden ausführlichen Gabenverzeichnisse des Liber benefactorum zum praktischen Gebrauche für den Gottesdienst nicht genügen, wie sich überhaupt der Liber benefactorum nicht zu einem Handbuche für den Sacrista eignete, man ist also gewiss schon frühe darauf gekommen, für die Feier der Jahrzeiten ein eigenes Calendarium mit einem Verzeichniss der Todestage anzulegen. Später mochte es wünschenswerth erschei- nen, dasselbe in sauberer Weise umzuschreiben, und so ent- stand die uns vorliegende Arbeit Georgs. Bei der Anfertigung desselben mag er auch den Liber benefactorum zu Rathe ge- zogen haben, dessen Kenntniss er dann bei dem Abfassen der Continuatio verwerthete. — Wann Georg die Arbeit ausgeführt hat, lässt sich nicht mit Sicherheit angeben, doch möchte ich annehmen, dass es nicht vor 1518 geschehn. Die Namen des Bernardinus Coci (vgl. S. 354 Anm. 7) und des Johann Alantsee von Füssen (S. 338 Anm. 5), die nach dem Liber benefactorum in diesem Jahre noch am Leben waren, scheinen gleich bei der Anlage des Buches eingetragen worden zu sein, während eine Reihe von Personen, deren Tod in die Zwanzigerjahre fällt, nachträglich eingeschrieben sind. Freilich ist das letztere auch der Fall bei einigen schon früher verstorbenen, z. B. Marga- retha Nagel, geb. Zscheckenbürlin (} 1516, nach Tonjola 320), Heinrich von Senheim (+ 1511, nach ebendems. 319), Mo- rand von Brunn (+ 1513), welch beide letztere der Prior Zsche- ckenbürlin selbst eingetragen. Indessen konnten bei der An- lage des Buches einzelne Eintragungen aus gewissen, von uns nicht mit Sicherheit zu erkennenden Gründen einstweilen auf- geschoben worden sein. Es wäre nicht richtig, wenn wir aus dem Umstande, dass Georg die Verwaltung der Bibliothek führte, die nach der ur- sprünglichen Bestimmung der Statuten Sache des Sacrista war, und dass er das zum Gebrauche für eben diesen, mit manchen an ihn gerichteten Bemerkungen versehene Jahrzeitbuch ange- fertigt, schliessen wollten, er selbst habe dieses Amt versehen, gerade die Thätigkeit, die er als Bibliothekar entfaltet hat, lässt sich kaum mit den vielfachen, grossentheils mechanischen und zum Theil sehr untergeordneten Geschäften jenes vereinigt den- ken, auch wählte man den Sacrista, wenn man nicht, wie dies bei Zscheckenbürlin der Fall war, im Sinne hatte, ıhn bloss vorübergehend mit dem Amte zu betrauen, schwerlich gerade vorzugsweise aus den wissenschaftlich gebildeten Männern des Klosters. Wohl aber mag Georg neben der Verwaltung der 366 Einleitung. Bibliothek eine Oberaufsicht über die Abhaltung der: Seelen- messen geführt und sich dann für die Zurüstungen und Vor- kehrungen im Einzelnen der Beihilfe des Sacrista bedient haben. In jedem Falle war er eine nicht unbedeutende Persönlichkeit im Kloster. Das lässt uns auch die Freimüthigkeit leichter 'be- greifen, mit der er. sich in der Continuatio über den Prior aus- spricht. War bei der jovialen Natur Zscheckenbürlins, dem nichts mehr zuwider war, als Zank und Streit ım Kloster, und der die Brüder in ihren Zellen kaum so viel heimsuchte als unbedingt nöthig war (s. oben 8. 352), schon schwerlich zu befürchten, dass er in ihren Schriften herumstöbern würde, ‚so konnte ein Mann, der dem Kloster so wichtige Dienste leistete wie Georg, auf alle mögliche Rücksicht zählen, ich möchte denken, sogar auf den Fall hin, dass dem Prior etwas von sei- nen Auslassungen zur: Kunde gekommen wäre. Wenden wir uns nun wieder von der Person des Chro- nisten zu der uns vorliegenden Chronik, so ist zunächst zu bemerken, dass uns das Original nicht erhalten ist, und die vor- handenen Abschriften den Text nicht vollständig wiedergeben, aber doch so, dass nicht viel Wesentliches scheint verloren ‚ge- gangen zu sein. Nach dem, was uns erhalten ist, und was.die Ueberschrift der einen, von uns mit L bezeichneten Oopie »(s. unten) berichtet, hat der Chronist erst in kurzen Worten über seine eigenen Erlebnisse bis zu seinem Eintritt ins. Kloster, über seine Schicksale und seine litterarische Thätigkeit in ‚dem- selben berichtet, dann vom Jahre 1518 an eine Uebersicht von Zeitbegebenheiten gegeben. u Es ist oben 8.318 die Vermuthung ausgesprochen ons, sung. dass Georg die Abfassung der Reformationschronik an die Hand genommen, nachdem er die Continuatio geschrieben, und es finden sich in der That zahlreiche Stellen, welche zeigen, dass wir es nicht mit jahrelang fortgesetzten Aufzeichnungen zu thun haben, sondern mit einer Arbeit, die in Einem Zuge oder ‚we- nigstens mit nicht allzugrossen Unterbrechungen niedergeschrie- ben worden ist. Nicht nur wird häufig vorgreifend berichtet, wie sich eine Sache, von der die Rede ist, ım Laufe der näch- sten Monate entwickelt hat, es wird oft, und zwar schon ın den früheren Theilen der Chronik, auf die letzten: oder geradezu das letzte der Jahre hingedeutet, innerhalb deren sich die in ihr berührten Ereignisse bewegen. Wir wollen hier einige die- ser. Stellen namhaft machen. Gleich nachdem der Verfasser seinen Eintritt in den Orden erzählt hat, sagt er: »Fui in: or- dine — — ab anno 1509 usque ad annum 1528.« Die littera- rischen Arbeiten, ‚deren er dann gedenkt, fallen in die Jahre 1522 — 1526; zum J. 1518, wo er von dem Eintritte des 'Tho- mas Brun in den Orden und seiner Verpflegung durch. die Brüder, nachdem er pestkrank geworden, ‚gesprochen, erwähnt Die Chronik. Einleitung. 367 er seiner Apostasie im J. 1523 und seines Todes im J. 1526; zum J. 1521 bei der Erwähnung Huttens weist er auf dessen Ted im J. 1523 hin; beim J. 1523 klagt er über die Ausbrei- tung der lutherischen Sekte und nennt unter den schlimmen Folgen derselben auch schon den Bauernkrieg von 1525; eben- dort berichtet er über den Austritt des Bruder Sebastian und seine Abreise nach Mülhausen, zugleich aber auch über seine im J. 1526 erfolgte Rückkehr nach Basel; zum J. 1524 wird bei Anlass des begonnenen Neubaues des Refectoriums auch schon der im J. 1527 erfolgten Vollendung desselben gedacht, ‘ die Notiz über die Schlacht bei Pavia, 1525, erwähnt zugleich des im folgenden Jahre abgeschlossenen Friedens; wo er über die im J. 1525 von den Zürchern vorgenommene Abschaffung der Messe und Einführung einer neuen Weise der Communion spricht, heisst es weiter: cuius rei gratia postmodum disputatio solemnis in Obren Baden celebrata est, scilicet anno sequenti; zum J. 1526 wird erzählt, dass die Acten der Badener Dispu- tation im folgenden Jahre herausgegeben worden seien, und wie er von dem Schlaganfalle berichtet, der ihn im Jahre 1527 betroffen, fügt er hinzu, er sei seitdem nie wieder recht gesund geworden, so dass zwischen dem Ereigniss und der Erzählung desselben geraume Zeit verflossen sein muss. — Da uns nicht die eigenhändige Niederschrift des Chronisten vorliegt, so lässt sich freilich nicht erkennen, inwiefern einzelne dieser auf spä- tere Jahre hinweisenden Stellen etwa nachträgliche Zusätze sind, und es mag dies bei mehreren der Fall sein, wie bei der: Stelle über Huttens Tod, wo es heisst: »de cuius obitu habetur infra anno 1523« und der ganzen Notiz über Bruder Sebastian, die an den Rand geschrieben war, aber die Stellen sind zu zahlreich und der Zusammenhang der meisten mit der übrigen Erzählung ein zu enger, als dass sich jenes im Allgemeinen annehmen liesse.. Für eine emheitliche Abfassung im Jahre 1528 spricht auch der Umstand, dass sich bei den früheren Jahren betreffs der Zeitangaben einige Versehen finden, wie 2. B. das Mandat wegen der Frauenklöster ins Jahr 1524 ge- setzt wird, während es ins Jahr 1525 gehört, auch der Tod der Maria von Brunn nicht richtig angegeben ist. — Dadurch ist übrigens nicht ausgeschlossen, dass Georg bei der Abfas- sung seiner Arbeit Notizen benutzte, die er sich früher angelegt hatte. Während der Arbeit hat er, wie in der Öontinuatio, zahlreiche Randbemerkungen nachgetragen, von denen unten noch weiter die Rede sein wird. Der Zweck des Verfassers ist offenbar, das Umsichgreifen Inhalt der reformatorischen Bewegung in Basel und der Umgegendcnronik. und die Schicksale seines Klosters inmitten derselben zu schil.- dern. Er beginnt mit dem Jahre 1518, um den später zu be- richtenden Austritt des Thomas Brun, der in diesem Jahre als 368 Einleitung. neu aufgenommener Bruder im Kloster liebevoll verpflegt wor- den war, in einem um so schlimmeren Lichte erscheinen zu lassen. Es folgt dann die Bedrängung der Karthäuser von Strass- burg durch Ulrich von Hutten 1521, die Rückkehr Oecolam- pads nach Basel 1522, der Spanferkelschmaus u. s. w. Politi- sche Begebenheiten nimmt er nur auf, insofern sie, ‘wie der Bauernkrieg, im Zusammenhang mit der Reformation stehn, und wenn er sich gelegentlich nicht enthalten kann, ein so Aufsehen machendes Ereigniss, wie die Schlacht von Pavia, die ausserdem noch wegen der grossen Verluste, welche die Schwei- zer dort erlitten, Eindruck auf ihn machen musste, zu erwäh- nen, so fügt er doch gleich hinzu: de qua historia nihil ad nos, eo quod graviora circa regionem nostram contigerunt. Die Naturerscheinungen, von denen er berichtet, sieht er auch un- ter einem höheren Gesichtspunkte an, als Zeichen der gött- lichen Barmherzigkeit, wie die Fruchtbarkeit des Unglücks- jahres 1525, oder als ernste Warnungen, wie den Blitzstral des Jahres 1526. Als Einleitung giebt er eine kurze‘ Darstel- lung seines eigenen Lebensganges, wozu die unter dem Jahre 1527 gegebene Erzählung von dem Schlaganfall, der ihn betroffen, eine Ergänzung bildet. Es ist schon oben 8. 313 die Vermuthung ausgesprochen worden, es möchte Georg 1528 gestorben sein!). Für diese Vermuthung scheint auch der Um- stand zu sprechen, dass ich in dem alphabetischen Repertorium der Bibliothek unter den Werken des Erasmus keine eingetra- gen gefunden habe, die später als 1528 gedruckt sind. Viel- leicht hat gerade die Erwartung eines baldigen Hinscheids ihn bewogen, an die Abfassung seines Werkes zu gehn. Es ist nicht undenkbar, dass ihn ein zweiter Schlaganfall betroffen, der dann seinen Tod herbeiführte. ‘ Sein Todestag ist der 6. October, der Tag des heiligen Bruno, des Stifters seines Ordens. Unter diesem Datum findet sich im Calendarium von der Hand des Nicolaus Molitoris eingezeichnet: Domi- nus Georgius Carpentarii de Bruck monachus professus huius domus. g 1) Wenn es zum J. 1527 bei der Nachricht vom Tode des Bischofs Christoph von Utenheim heisst: quanta vafritie (Oecolampadius) eivitatem hanc suis praedicationibus et scriptis infecerit et corruperit, partim in su- perioribus annis, partim in subsequentibus patere poterit, so ist daraus nicht mit Nothwendigkeit zu schliessen, dass diese Stelle später als 1528 geschrieben sein müsse. Denn wenn der Chronist 1528 schrieb, so konnte er getrost von den subsequentes anni reden, in denen die Folgen von ,,'Oecolampads Wirken sich noch zeigen würden, er konnte auch annehmen, dass es ihm vielleicht vergönnt sein werde, in seiner Chronik noch über Dinge zu berichten, die später fielen, als das Jahr, in dem er eben schrieb, und die mit zur Bestätigung seiner Behauptung dienen würden. L Einleitung. 369 Haben wir in Georg natürlich einen Gegner der Refor- en mation zu finden, so ıst er doch, wie schon $. 312 angedeutetaes ve Wer. worden, keineswegs ein Fanktileer. Es tritt uns ke neben fassers- all den heftigen Ausfällen. auf die wir stossen, eine erfreuliche Milde der Gesitnung entgegen. Nachdem er (zum J. 1526) den Tod des abgefallenen Thomas Brun und der Seinigen erzählt hat, schliesst er: Deus ignoscat illis, quicquid in illum et nos peccaverunt! Wo er berichtet, wie die Zürcher im J. 1525 die Kirchenzierden eingeschmolzen und das Metall zum Besten der Armen in ihrem Staatsseckel aufbewahrt hätten, setzt er hinzu: Intentio quidem, ut apparet, in speciem non usqueguaque im- probabilis, sed effectus inde secutus quid fructus boni päriturus sit. ., omnibus constare potest. Ideogque mihi super his nihil judicandum arbitror. Si bonum fecerunt, viderint ipsi. Suo domino stant aut cadunt. Ueber seine Stellung zu Luthers Schrif- ten sind uns einige interessante Bemerkungen erhalten, die er als Bibliothekar des Klosters niedergeschrieben. Im Decem- ber 1522 druckte Adam Petri Luthers Uebersetzung des neuen Testaments nach und schenkte den Karthäusern einige Exem- plare davon. »Eines derselben«, so berichtet Ochs, » wurde zum Gebrauch der Layenbrüder bestimmt. Auf dem ersten Blatt desselben steht unter anderm geschrieben, dass manches ver- muthlich von Luther sich darin befände, dass aber sehr wenig oder gar nichts ärgerliches darın zu lesen wäre, dass übrigens ein jeder diese Dinge mit gutem Bescheid erlesen und nicht weiter darauf bauen solle, als die gemeine christliche Kirche lehrt und hält«. Die Bemerkung rührt nach dem oben Gesag- ten von niemand anders als von Georg her. Das betreffende Exemplar ist leider nicht mehr auf der Universitätsbibliothek aufzufinden (vgl. Woltmann: Holbein II, 41), es ist ohne Zweifel als Doublette veräussert worden. — Auf dem Vorsetz- blatte des Bandes 8. F. V. 34 der Universitätsbibliothek,, der einige den Karthäusern durch Johann Froben und Adam Petri geschenkte Bücher enthält, hat Georg dem Titel des letzten derselben »in epistolam beati Pauli ad Galathas fratris Martini L. commentarius« beigefügt: Qui quidem tunc temporis non fuit condemnatus, sed pene post duos annos, dum autor in pro-. tervitate sua persistens, etiam bona simul cum malis, que scri- pserat, et ipse pariter cum eis condemnari meruerunt. Ideoque commentarius iste legatur cum judicio vel potius negligatur. Im alphabetischen Repertorium endlich hatte Georg eine Anzahl Schriften von Luther eingetragen unter der Ueberschrift: Ser- mones reverendi patris Martini Lutheri Augustiniani, theolo-. giae professoris celeberrimi. Nachher hat er reverendi patris Bag Augustiniani — celeberrimi ausgestrichen, mit besonderem Nachdrucke. die Worte reverendi patris und celeberrimi, ‚dann aber auch einige Striche durch das ganze Verzeichniss gemacht Basler Chroniken. I. 24 370 Einleitung. und darunter geschrieben: Iste Martinus Lutherus, quia ab ecclesiae proceribus reprobatus est, non meretur inter alios ca- tholicos scriptores reputari vel hic specialiter signari, etiamsi longe plures libros ediderit, quam hic signati fuerint. — Wir sehen, er hat das erste Auftreten Luthers mit Freuden begrüsst, er gesteht auch jetzt noch zu, dass dessen Schriften manches an sich Gute enthalten, aber dass er es gewagt hat, im Gegen- satze gegen die anerkannten Häupter der Kirche seine Lehre auszubilden und dass die Kirche ıhn dafür verdammt hat, ist für Georg Grund genug, sich von ihm loszusagen und auch das an sich Gute in seinen Schriften mit Misstrauen zu be- trachten und davor zu warnen (Vgl. auch die Anm. 1 zu 8. 379). Der Widerstand, der von Männern dieser Gesinnung kam, musste der Durchführung der Reformation viel grössere Hindernisse be- reiten, als das Eifern fanatischer Anhänger des Alten, und wenn man bedenkt, dass diese Gesinnung gerade an einem langjähri- gen Sitze geistiger Bildung, wie Basel, ihre zahlreichen Vertreter haben musste, so begreift man, dass auch abgesehn von andern äussern Umständen der Bruch mit der alten Lehre sich hier nicht so leicht vollziehen konnte, wie z. B. in Zürich, wo die Be- schränktheit der Vertheidiger der alten Lehre in keinem Verhält- nisse stand zu der Ueberlegenheit, mit der ihnen Zwingli entge- gentrat. Einen interessanten Einblick in die Anschauungen dieser Basler Kreise gewährt der Briefwechsel des Bonifacius Amerbach, dessen Ausbeutung eine der ersten Pflichten des Geschichtschrei- bers wäre, der sich eine umfassende quellenmässige Darstellung der Basler Reformation zur Aufgabe machen wollte!). Der Rath, unter dem Einflusse dieser Anschauungen, ging in einer Weise vor, die weder die eifrigen Freunde der neuen Lehre, noch die Anhänger des Alten vollständig befriedigen konnte. Die Beschlüsse und Verordnungen, die er in Religionssachen traf, waren im Ganzen der Reformation günstig, aber sie trugen einen mehr provisorischen Charakter, eine definitive Entschei- dung zu treffen, so glaubte er, sei nicht die Sache einer ein- zelnen Regierung, sondern eines allgemeinen Concils, auf dem die ganze Kirche vertreten. wäre). | Ab- Die Wichtigkeit der Chronik Georgs als Quelle für die ten de, Geschichte der Basler Reformation ist schon längst erkannt ten der Chronik.worden, wir verdanken dieser Erkenntniss die Abschriften, die 1) S. manche Auszüge aus diesem Briefwechsel bei Fechter: Bonifa- cius Amerbach in den Beiträgen II, 215 fl; vgl. Stintzing: Ulrich Za- sius 216 ff. 369 ff. 2) Mit dem Mandat vom 5. Jan. 1529 (abgedruckt oben 8.76 ff.) verliess der Rath diesen Standpunkt, indem er die Entschei- dung einer 14 Tage nach Pfingsten abzuhaltenden Disputation und einer darauf folgenden Abstimmung auf den Zünften anheimstellte. Noch vor diesem Zeitpunkte aber erzwang die Bürgerschaft durch den Auflauf vom S. und 9. Februar die Durchführung der Reformation. Vgl. Heusler 432 ff. Einleitung. 371 uns nun das leider verschwundene Original ersetzen müssen. Ich habe zwei dieser Abschriften benutzen können, von denen die eine (A) sich auf der Bibliothek des Antistitiums in dem Sammelbande »Basler Schriften, Tom. IV. Kirchen-Geschichte« als Nr. 11 befindet, die andere (L) auf der vaterländischen (ehemals Lutzischen) Bibliothek der Lesegesellschaft, in dem Sammelbande »O 8. Einiges zur Basler Geschichte vor 1789. 2.« als Nr. 7. — Die erstere ist angefertigt von dem durch seine Verdienste um die Texteskritik des Neuen Testamentes bekann- ten J. J. Wettstein (+ 1754 als Professor am Remonstranten- gymnasium in Amsterdam. Der Professor und Bibliothekar J. R. Wettstein, Sohn des berühmten Bürgermeisters, den Bux- torf in dem Vorworte zu seiner demnächst zu erwähnenden Uebersetzung der Chronik irrigerweise statt seiner nennt, war sein Grossoheim). Das Manuscript muss ursprünglich fünf in. Quartform zusammengelegte halbe Bogen enthalten haben, die je auf der Vorderseite des ersten Blattes mit den Buch- staben A. B. ©. D. E. bezeichnet waren. Die Lage A, die vier ersten Seiten des Manuscriptes enthaltend, ist verloren gegangen. Auf der ersten Seite von E schliesst die Ab- schrift mit der Darstellung der Bernerdisputation, die zweite Seite ist leer. Die dritte giebt unter der Ueberschrift » Autor« die Nachrichten über die persönlichen Erlebnisse des Ver- fassers vom Jahre 1499 an, Seite 4 ist wieder leer. Jetzt ist dieser letzte halbe Bogen (die Lage E) so gefaltet, dass Seite 3 als erste, Seite 1 als dritte zu stehen kommt und er zugleich als Umschlag für die übrigen Lagen dient, die ‚Seite mit der Ueberschrift » Autor« also an den Anfang des ganzen Manuscriptes zu stehen kommt. Lage E in dieser ihrer umgekehrten Gestalt und Lage C sind zusammengehef- tet, zwischen Seite 2 (ursprünglich 4) von Lage E und Seite 1 von Lage U ist Lage B, zwischen Seite 4 von Lage © und Seite 3 (ursprünglich 1) von Lage E ist Lage D einge- klebt. Auf der Seite, welche die persönlichen Erlebnisse des Chronisten enthält und die jetzt die erste des ganzen Heftchens geworden ist, hat der im Jahre 1838 verstorbene Antistes Hie- ronymus Falkeisen, der den Sammelband angelegt, zwischen dem ziemlich dicht am obern Rande des Blattes stehenden Worte »Autor« und dem durch einen grösseren Zwischenraum davon getrennten Anfange des "Textes den Titel: »Ex F. Geor- gii Carthusiensis Basil. Chronic. Fragmenta« angebracht. Am untern Rande steht die Zahl 11, die Stelle bezeichnend, welche das Stück in dem Bande einnimmt. — Wettstein, geb. 1693, verliess nach Vollendung seiner Studien Basel im Jahre 1714, kehrte 1717 wieder dahin zurück, bekleidete die Stelle eines Gemeinhelfers, dann die eines Helfers zu St. Leonhard, bis er im J. 1730, seiner theologischen Ansichten wegen verketzert, diese 24 * 372 Einleitung. aufgab und nach Holland gieng, wo er bis zu seinem Ende wirkte, obgleich im Jahre 1744 der Versuch gemacht wurde, ihn als Professor des Griechischen für die Universität zu ge- winnen. Die Abschrift muss also entweder vor 1714 oder zwi- schen 1717 und 1730 gemacht worden sein. Die zweite Abschrift (L) stammt ebenfalls aus dem vorigen Jahrhundert. Sie füllt 35 Seiten in Folio und trägt den Titel: Excepta (so, nicht Excerpta) ex libro manuscripto in 4°, cui titulus Chronicon Georgi Cartusianı cuiusdam Basil. ab anno 1499. usque ad annum 1528., qui anterioribus quidem annis fere vacuus, annorum 1518, 19 et segg. historiam plenius enar- rat. Von anderer Hand beigefügt ist: NB. Autographum est in manibus Ven. Pastoris Petrini Domini J. Henrici Bruckeri. — Von derselben Hand, welche die Abschrift angefertigt, folgt in dem Sammelbande eine Abschrift der unter dem Namen Be- schreibung der Münsterkirche bekannten historisch-topographi- schen Arbeit Wurstisens über das Münster und dessen Umge- bungen, mit der Ueberschrift: Analecta ad historiam Basil. pertinentia, autore Christiano Urstisio, qui post editum jam chronicon haec congessit. Descripsi ex ipsius Urstisii auto- grapho, quod hodie est in manibus J. Henrici Bruckneri!), theol. st., Joh. Henr. pastoris f. — Wir dürfen daraus schlies- sen, dass auch die Abschrift unserer Chronik direct aus dem Original geflossen ist, und zwar bei der genauen’ Uebereinstim- mung von Schrift und Papier ebenfalls zu der Zeit, wo es sich im Besitze des damaligen Studiosus der Theologie, nach- maligen Professors der Geschichte, Joh. Heinrich Brucker be- fand, also zwischen 1740 und 17462). Neben den beiden genannten Abschriften gab oder giebt es nun noch mehrere, von denen uns Kunde erhalten ist, die aber nach dem, was uns daraus bekannt ist, keinerlei selbstän- digen Werth besitzen, sondern blosse Abschriften von L sind. Die eine soll sich auf der Bibliothek des Antistitiums befinden, wo ich sie jedoch trotz der freundlichen Hilfe des Herrn Pfar- rer Grunauer, der mit der Anfertigung eines neuen Cataloges der letzteren beschäftigt ist, nicht aufzufinden vermochte. Einen Einblick in ihren Werth verschaffte mir indess eine Arbeit, die Herr Professor und Civilgerichtspräsident Joh. Schnell s. Z. noch als Schüler ausgeführt und die er mir freundlichst zur Verfügung stellte. Er hätte es unternommen, aus der Wett- steinischen und der eben genannten Abschrift den Text der ‚..) Das.n ist später, wohl von anderer Hand, wenigstens mit anderer Tinte, ausgestrichen worden. Lutz: Baslerisches Bürger -Buch 69 ff. be- handelt die Brucker und Bruckner als dieselbe Familie. 2) Athenae Rauricae 399. 400. Einleitung. 373 Chronik Georgs zusammenzustellen. Nach ‚seiner Angabe (vgl. auch Buxtorf im Vorwort zu seiner Vebersetzung, VI) trägt die Abschrift dieselbe Ueberschrift wie L (nur dass er. nicht ' excepta, sondern excerpta schreibt) mit Einschluss des spätern Zusatzes über den Besitzer des Originals. An letzteren schliesst sich noch ein weiterer Zusatz von anderer Hand: cuius ex hae- reditate venit in manus viri ven. past. Petrini domini Ertzber- geri indeque cum aliis eiusdem lıibris sub hasta venditum est. — Schnell hatte den Text L auch gekannt, aber nicht näher angesehn, er hielt ihn für eine Abschrift des eben erwähnten von ıhm benutzten Textes. Schon Buxtorf bemerkt indess, dass L eine correctere Form desselben Textes gebe, den jene Handschrift des Antistitiums enthalte. In. der That erweist sich diese nach den Lesarten, die Schnell mittheilt, als eine fehler- hafte Abschrift von L. Als eine eben solche stellt sich auch die Abschrift dar, welche Ochs besessen (V. 440 Anm. 1) und aus welcher er bei der Darstellung der Reformationszeit manche Stellen mittheilt.. Dass sie aus L geflossen, geht unter ande- rem deutlich daraus hervor, dass an Stellen, wo L eine un- aufgelöste Abbreviatur giebt, der Text bei Ochs eine Lücke enthält, z. B. 494 Anm. 1. Wir brauchen also in keiner Weise zu bedauern, dass uns diese Ochsische und die zweite Hand- schrift des Antistitiums nicht zugänglich gewesen. Das Original, das nach Haller: Bibliothek der Schweizer- geschichte IV, Nr. 734 »etwann 12 Bögen« umfasste (Haller giebt als Format Folio, L Quart an) und wie wir aus den Angaben Hallers und der Abschrift L entnehmen können, von späterer Hand mit der Ueberschrift »„Chronicon Georgü Cartu- siani cuiusdam Basil. ab anno 1499 usque ad annum 1528« versehen war, hat sich, wie aus dem Gesagten hervorgeht, in der Mitte des vorigen Jahrhunderts in den Händen des Pro- fessors Joh. Heinr. Brucker befunden, der sich durch die Her- ausgabe der Scriptores rerum Basiliensium minores (Bas. 1752) um das Studium der Basler Geschichte verdient gemacht hat. Ueber die früheren Schicksale der Handschrift sind wir nicht unterrichtet; in keinem Falle ist sie, wie Ochs V. 440 sagt, »mit den übrigen Schriften und Büchern des Klosters der Biblio- thek (d. h. der öffentlichen oder Universitätsbibliothek) über- geben« worden, sie muss vielmehr wie die Chronica fundationis und die Continuatio direct aus Georgs Nachlass in Privatbesitz übergegangen sein. Nach Bruckers frühzeitigem Tode 1754 kam sie, wie der Zusatz zu der Ueberschrift von L zeigt, in den Besitz seines Vaters, des gleichnamigen Pfarrers zu St. Peter (+ 1761), dann nach dem weiteren Zusatze der Ab- schrift des Antistitiums in denjenigen des Pfarrers Johann Georg Ertzberger (+ 1765), nach dessen Tode sie versteigert wurde und den Blicken der Basler Geschichtsforscher ent- sale der Origi- nal- hand- schrift. 374 Einleitung. schwand !). Sollte vielleicht diese Publication die Veranlassung geben, dass wenn sie überhaupt noch existiert, sie aus ihrer Verborgenheit wieder ans Tageslicht hervortritt? Charak- Leider giebt uns keine der beiden Abschriften, die wir ae unsrer Ausgabe zu Grunde legen, den vollständigen Text der genen Chronik. L bezeichnet sich selbst als blossen Auszug und lässt schrif- auch sofort Alles, was sich auf die Zeit vor 1518 bezieht, weg, ”" bei A sind die vier ersten Seiten verloren gegangen, in dem von ihm allein wiedergegebenen Abschnitte über die persön- lichen Erlebnisse des Verfassers wechseln die eigenen Worte des letztern mit den bloss ihren Inhalt wiedergebenden des Abschreibers, und bei den späteren Abschnitten fehlen bald in der einen, bald in der andern Handschrift Stücke, welche: sich in der andern finden. — Der Charakter der beiden Abschrif- ten ist ein wesentlich verschiedener: L lässt einzelne Stücke ganz weg?), in denen, die es aufnimmt, will es aber das Ori- ginal wörtlich copieren, es bemüht sich auch die Zusätze am Rande, die Georg hier noch zahlreicher als in der Continuatio angebracht hat, an ihrer richtigen Stelle wiederzugeben; der Schreiber hat einen breiten Rand gezogen und dort die Nach- träge möglichst so dem Texte gegenübergestellt, wie er sie im Originale fand. Wo er eine Abkürzung nicht auflösen kann, zeichnet er sie möglichst treu hin (es sind oft ziemlich leichte, die er nicht versteht), wo er aus einem Wort gar nicht klug wird, lässt er auch wohl eine Lücke, und es sind Spuren, die zeigen, dass es ihm in der Folge gelungen ist, einzelne solcher Lücken auszufüllen. Anders verfährt Wettstein, der Schreiber von A. Ihm kommt es mehr auf die Wiedergabe des Sınnes, als auf die des genauen Wortlautes an. Daher lässt er nicht nur einzelne Sätze und Abschnitte ganz weg, sondern er zieht auch bis- weilen den Inhalt einer längern Erzählung oder Auseinander- setzung in ein paar Worte zusammen; auch da, wo er im Ganzen wortgetreu abschreibt, kommt es ihm nicht darauf an, die Wortstellung genau innezuhalten, er scheut sich auch nicht, !) Wenn Haller schreibt: »Die Urkunde ist bey Herrn Pfarrer Hein- rich Brucker«, so hatte diese Notiz im .J. 1786, wo sie gedruckt wurde, schon längst ihre Richtigkeit verloren. 2) Ausser denen, welche sich auf die persönlichen Erlebnisse des Verfassers beziehn, also den von uns zu Anfang abgedruckten Notizen und der Erzählung von dem Schlagfluss, der ihn im J. 1527 betroffen, hauptsächlich den Bericht über die Badener Dis- putation und noch einige kleinere Absätze. Was für ein Grundsatz bei der Ausscheidung dieser letzteren Stücke obgewaltet, warum namentlich die Badener Disputation ausgelassen ist, während die Berner wiedergegeben wird, ist schwer zu erklären. Sollten wir es vielleicht nicht mit einem ab- sichtlichen Auslassen, sondern mit einem Versehn zu thun haben, und die betreffenden Stücke beim Abschreiben übergangen worden sein, weil sie am Rande oder auf eingelegten Blättchen nachgetragen waren ? Einleitung. 375 gelegentlich statt eines Wortes beim raschen Hinschreiben ein verwandtes oder ein solches, das sonst allenfalls an die Stelle passen würde, hinzusetzen. Wir können dies durch das eigene Zeugniss der Handschrift beweisen, da eine Anzahl derartiger Stellen später corrigiert worden sind, während sicher manche andere stehen geblieben. Zum J. 1525 hatte er z. B. erst ge- schrieben: calices et vasa religiosa, und für letzteres dann argentea gesetzt; omnis cogitatio laici parva erat ad hoc evan- gelicum studium, das parva nachher aber in prona corrigiert; in locis clanculariis deposuit custodias, was dann in deputa- vit geändert ist; zum J. 1526: omnia jam disputata (geändert ın tum); ex hac disputatione provenerit (manaverit); inte- rim — haec perfidia — praevaluit (in tantum); impudenter declamare (deblaterare) u. s. w. — Die Randbemerkungen fügt er an der ihm gut scheinenden Stelle in den Text ein. — Ist so im Ganzen L der gewissenhaftere Abschreiber , so fehlt es doch auch bei ihm nicht an deutlich erkennbaren Versehen, und was Geschick im Lesen der Handschrift und Verständniss des Inhalts betrifft, steht A entschieden über ihm. Statt des eben erwähnten prona — ad hoc evangelicum studium hat L »prava«, wodurch die feine Ironie, die in dem Ausrufe liegt, verloren geht. Statt postis pulsu (einige Seiten vorher), was allerdings auf den ersten Anblick nicht leicht verständlich ist, hat L »postea pulsu« u. s. w. In manchen Fällen ist ausser- ordentlich schwer zu entscheiden, ob die Lesart von A oder die von L den Vorzug verdient, indem auch das Zurückgehen auf den Sprachgebrauch Georgs, wie er uns aus der Continuatio bekannt ist, nicht immer den nöthigen Anhalt gewährt, und ich gebe gerne zu, dass ich wohl in manchem dieser Fälle nicht das Richtige getroffen habe, kann aber mich und den Leser damit trösten, dass es gerade in diesen Fällen für das Ver- ständniss und die Benutzung der Chronik ziemlich gleichgültig ist, nach welcher Seite hin wir uns entscheiden. Die Randbemerkungen sind, wie bemerkt, in unsrer Chro- Nach- nik noch zahlreicher und namentlich umfangreicher als in derkaue Continuatio, da hier, wo die Erzählung mehr aus einem An- einanderreihen von einzelnen Begebenheiten besteht als dort, dem Verfasser nachträglich viel öfter Dinge einfallen mussten, die er beim Niederschreiben vergessen hatte, die er aber doch gerne noch anbringen wollte. Ich habe es mit diesen Rand- bemerkungen, insofern sie durch ihre Stellung am Rande von L sich als solche auswiesen, gehalten, wie in der Continuatio: ich habe sie in den Text eingeschoben, aber durch Einschliessen in eckige Klammern gekennzeichnet. Es gehören nun freilich in die Classe der Randbemerkungen ohne Zweifel auch ein- zelne Stücke, die bei L ausgelassen sind und sich nur bei A vorfinden, da aber A keine Unterscheidung zwischen Text und 316 Einleitung. Randbemerkungen. macht, habe ich nicht nach eigener. Ver- muthung eine solche aufstellen wollen; dem Leser, der aus der Variantenrubrik 'ersieht, welche Stücke A allein angehören, ist die Möglichkeit gelassen, sich zu entscheiden, ob er in ıhnen oder in einigen von ihnen Randbemerkungen sehen will. Es liesse sich, wie ich bereits in der Anm. 2 zu 8. 374 angedeutet habe, denken, dass vielleicht die Ursache ihres Fehlens bei L gerade in dieser ihrer Stellung in der Originalhandschrift lie- gen möchte, dass sie übersehen wurden, wie denn einzelne derselben auch bei A erst nachträglich an dem (nicht wie bei L zu diesem ‘Zwecke bestimmten) schmalen Rande eingescho- ben sind. a ‚Ausser diesen Randbemerkungen, die vom Verfasser selbst eines herstammen, begegnen uns aber auch einige, die, wie es scheint, Pre sine nicht ‚viel spätere‘ Hand zu einzelnen Stellen hinschrieh und durch ‚welche gewisse Beschuldigungen und Verdachts- äusserungen gegen die Evangelischen oder Gerüchte über An- schläge, welche von ihnen geplant worden sein sollten, zu ent- kräften gesucht oder geradezu als unverschämte Lügen bezeich- net: werden. Diese Randglossen, die sowohl A als L mitthei- len, finden sich in der Varlantenrubrik. Inhalts- Eine dritte Art von Randbemerkungen bilden die Imhalts- ben. angaben, welche sich in den beiden Handschriften in dieser Form angebracht finden. A hat deren ziemlich viele; keine derselben kehrt bei L wieder, was bei der Beschaffenheit der beiden Handschriften Grund genug für die Annahme bietet, dass sie nicht aus dem Original herübergenommen , sondern /uthat, des Abschreibers sind. Dafür spricht auch die Fassung derselben: Imhaltsangaben, wie »Contemtus sacrificulorum «, »Auctor paralysı tactus« können schwerlich als von ‚Georg her- rührend ‚gedacht werden.. ‚Wir haben sie daher nicht in den Text aufgenommen, verzeichnen sie aber in der Varianten- rubrik. — Anders verhält es sich mit den Inhaltsangaben bei L. Es finden sich deren eine Anzahl auf den ersten Seiten, also gerade zu dem Theile der. Chronik, der bei A fehlt. Ist schon an sich kaum zu denken, dass der Schreiber von L etwas Eigenes dem Texte der Chronik beigefügt habe, so werden wir auch. hier, wie bei A, freilich im entgegengesetzten Sinne, durch den Wortlaut der Inhaltsangaben in unserer Annahme bestärkt. Schwerlich würde ein Schreiber des vorigen Jahrhun- derts das Sturmläuten bei einer Wassersnoth als Classicum in- undationis causa bezeichnet haben. Wir haben. diese Inhalts- angaben, da wir den Rand für die chronologischen Daten vor- behalten haben, mit gesperrter ‚Schrift an, den Eingang der betreffenden Abschnitte gesetzt. Ebenso sind wir mit einigen weiteren Inhaltsangaben verfahren, die sich auf den Bauern- krieg beziehn und als Ueberschrift über. die betreffenden Einleitung. 377 Abschnitte gesetzt sind. Es schien besser, neben den Jahres- zahlen, die wir nach Anleitung der beiden Abschriften als Ueberschriften verwandten, nicht noch eine andere Art von Ueberschriften zu haben, was die Uebersichtlichkeit gestört hätte. Dass auch diese letztern Inhaltsangaben aus dem Ori- sinale herstammen, zeigt deutlich der Umstand, dass bei der zweiten derselben das Wort nonnulla (oder vielmehr nonnülla)), das der. Abschreiber nicht mit Sicherheit zu enträthseln ver- mochte, facsımiliert ist. So wird der Text, den wir bieten, zwar nicht das Origi- Gegen- nal wiederzugeben vermögen, wie aber anzunehmen ist, dasspuerake die von uns verwertheten Abschriften den Hauptinhalt dessel-ınd Fü- ben in sich begreifen, so dürfen wir hoffen, dass auch die Ver- (sestalt unseres Textes ım Einzelnen ın keinen wesentlichen le Punkten von jenem abweichen werde. — Was bis jetzt von & der Chronik veröffentlicht worden ist, beschränkt sich auf eine Anzahl vereinzelter Stellen, die Ochs aus seiner ziemlich feh- lerhaften Abschrift mittheilt, und auf die Uebersetzung, die Buxtorf im Jahre 1849 herausgegeben hat: Die Reformations- chronik des Karthäusers Georg, übersetzt und zusammengestellt mit Auszügen aus gedruckten und ungedruckten Schriften von Zeitgenossen, besonders des Erasmus und Fridolin Ryff durch K. Buxtorf, Lehrer an der Realschule. Basel 1849. In Com- mission in Bahnmaiers Buchhandlung (C. Detloff), wozu neuer- dings noch der Abdruck des Berichtes über die Einführung des deutschen Kirchengesanges im J. 1526 gekommen ist, den Riggenbach nach den beiden auch von uns benutzten Hand- schriften als Beilage 5 zu seiner Abhandlung über den Kirchen- gesang in Basel seit der Reformation (Beiträge IX, 499, 500) gegeben hat. Ist schon aus den früheren ungenügenden Ver- öffentlichungen und aus den vorhandenen Abschriften selbst die Arbeit Georgs vielfach benutzt worden, so wird hoffentlich unsre Ausgabe eine umfassendere Verwerthung derselben zu reformationsgeschichtlichen Studien zur Folge haben. 1) In. der Chronica fundationis, wie in der Continuatio und nach den Abschriften auch in der Reformationschronik wird für u bisweilen, jedoch in ganz inconsequenter Anwendung, ü gesetzt. Da es auch in solchen Fäl- len geschieht, wo u consonantische Bedeutung hat und durch uns mit v wiedergegeben wird, wir also doch nicht im Stande sind, ein getreues Bild von der Anwendung dieses ü zu geben, haben wir es überhaupt unberück- sichtigt gelassen. 24. Febr 28. Oct. 30. Apr. 20. Dec. 1499—1501. 14991). Hoc anno relicto oppido Schaffhusen, ubi triennio commo- ratus litteris operam dedi, ad Argentinam cum sociis me recepi circa dominicam reminiscere, ubi usque ad Simonis et Judae in scholis cathedralis ecclesiae conversatus sum et in anxieta- tibus varlis detritus, postmodum ad oppidum Beynfelden 2) eius- dem diocesis me recipiens a quodam notario susceptus sum. 1500. In profesto sanctorum Philippi et Jacobi Basileam veni. Item locum Heremitarum3) visitavi, demum Basileam convo- catus apud sanctum Petrum scholas visitavi, ludi magistro Balta- zaro Hünlin, cui Conradus Coppius successerat®). Hoc anno non parum egestatis pertuli, praesertim imminente hyeme, quia in vigilia sancti Thomae pauperes scholares cogebantur edicto publico civitatem deserere propter famis penuriam etc. Unde pro precio scribens unum missale etc. 1501 susceptus fui in hospitium piorum nutritorum meorum meister Diebold Dischmachers et dominae Ursulae). 1. Die Stelle von Anfang bis »ob certas causas« (382,2) findet sich nur inA. Obgleich sie dort ursprünglich am Schlusse muss gestanden haben (s. oben 8. 371), ist doch anzunehmen, namentlich im Hinblick auf die Ueberschrift von L, dass sie im Originalmanuseript am Anfange stand, und so habe ich sie auch hieher gesetzt. Bei A stehen die Jahreszahlen dieses Abschnittes, die theilweise in den Satzbau des Textes verflochten sind, diesem zur Seite am Rande, nicht als Ueberschriften. Gleichwohl habe ich um der Gleichmässigkeit mit dem Spätern willen vorgezogen, sie als solche zu setzen. 7. dioeces. A. 9. Filippi A. 11. s. Petri A, was dem Sprachgebrauche des Chronisten (vgl. verschie- dene Stellen unten) nicht angemessen scheint. 1) Ueber den Lebensgang des Chronisten vgl. oben 8. 309 ff, 2) Ben- feld an der Ill, zwischen Schlettstadt und Strassburg. 3) Einsiedeln. 4) Ueber das Schulwesen in Basel zur damaligen Zeit s. Fechter: Ge- schichte des Schulwesens in Basel bis zum J. 1589. Einladungsschrift zur Promotionsfeier des Gymnasiums und der Realschule. Basel (1837). 5) Ursula Tischmacherinn erscheint nach Georgs Eintritt ins Kloster als Wohlthäte- rinn desselben. Lib. benef. 54: Oretur pro honesta domina Ursula Tisch- macherin vidua, que anno 1511 donavit nobis unum caseum valentem $ s. Item dedit 20 florenos in auro jintuitu anniversarii sui post mortem ipsius celebrandi pro se et pro quibus desideravit anno 1512. Item dedit 1 fore- num fratribus pro piscibus anno 1513. Calendarium Juni 4: Domina 10 10 15 15021528, 379 1502 confectus sum in templo collegii sancti Petri choralis et tempore paschali rubea tunica donatus. 1503 studio universitatis me tradidi et intitulatus sum ac novitius inter studentes effectus. 1509 mense maio ordinis assumendi gratia domum hanc intravi. 1510 professionem feci sub domino Hieronymo Zschegepürli tune temporis priore. Fui in ordine ego humilis, id est vilis et abjectus frater Georgius Cartusiensium minimus, scllicet ab anno 1509 usque ad annum 1528. Plurimos libros scripsit, quos citat existentes in bibliotheca Carthus,., numeris suis; jam forsan sunt in nostra publica. Taulerum descripsit et correxit rogatu Adami Petri de Langendorf impressoris). 8. »Carthusiam« fügt A erklärend nach »intravi« in Klammern bei. 12. Statt »id est« habe ich S. 309 irrigerweise »sive« geschrieben. 13. Cartusiensis A. Im Original stand das Wort ohne Zweifel in abgekürzter Form. 15. Die folgenden Sätze, in denen A nur den Inhalt, nicht aber den Wortlaut der Chronik mittheilt, haben wir "durch kleineren Druck unterschieden. Ursula Dischmacherin, cui associamus maritum eius, meister Diebolt Ram- minger cum progenitoribus eorundem. Es ist auffallend, dass während in der Chronik Georg den Mann Meister Diebold Dischmacher nennt, in der ebenfalls von seiner Hand gemachten Einzeichnung des Calendariums der Name Dischmacher nur der Frau gegeben, der Mann hingegen Ramminger genannt wird. 1) Joannis Tauleri des heiligen lerers Predig, fast frucht- bar zü eim recht christlichen leben. Deren Predigen gar nah hie in disem büch des halbteyls meer seind dann in andern vorgetruckten bücheren, die man sydhar mit der hilff gots funden hat. Der seyn wort yetzt wider erweckt unnd aller welt verkündt. Getruckt zu Basel Anno M.D.xxı. Am Schlusse: Hie endent sich die lere un predigen desz erleüchten un hoch- gelerten lerers Johannis Tauleri, mit grosser arbeit zusamen gelesen, und mit dem besten corrigiert. Allen Christen , besunder geistlichen leüten zü nutz und fürdrung irs Christlichen fürnemens. Auch zü lob un ere gott dem allmechtigen, und allem hymelischen here. Nüwlich durch angebung desz fürsichtigen weisen herren Johann Rynman, gedruckt und volendet in der loblichen statt Basel durch Adam Petri, im Augstmonat, nach der ge- burt unsers erlösers M.D.xxı. jar. (Vgl. Carl Schmidt: Johannes’ Tau- ler von Strassburg, Hamburg 1841, 8. 68 ff.) — In der Vorrede auf der Rückseite des Titelblattes setzt Petri auseinander, wie es allezeit seine be- sondere Neigung gewesen, »der heiligen gschrifft liebhabern nutz und für- derung höher zu schetzen« als Alles, was ihm sonst grösseren zeitlichen Vortheil hätte bringen können, und wie er nun »under anderen heylsamen 380 1509-1528. christlichen unnd evangelischen büchern: (so den Aristotelem, ouch das ge- spenst unnd falsche underwysung etlicher phariseischen unnd verkerten le- rern gentzlich verwerffen — dise geistliche, im evangelio und Paulo wol- gegründte sermones — Joannis Tauleri« erkundet und gedruckt habe. Der erste der beiden Anhänge enthält Manches, von dem es nach der Aussage des Herausgebers (Bl. OLXV) selbst zweifelhaft ist, ob es wirklich von Tauler herrührt, und den zweiten bezeichnet er selbst (Bl. CCOXLIIb) als »predigen etlicher vast gelertter andechtiger vätter und lerern, ausz denen man achtet doctorem Tauler etwas seins grundes genommen haben. Nam- lich und insonders meister Eckarts, — — — der ein fürtreffenlich hoch- gelerter man gewesen ist und in subtilikeiten natürlicher und göttlicher künsten so hoch bericht, das vil gelerter leüt zü seinen zeitten in nit wol verstunden, deszhalb seiner ler ein teyl auch in etlichen stücken und ar- ticklen verworffen ist und noch von einfeltigen menschen gewarsamlich gelesen werden sol. Wiewol hiehar in disz buch mit fleisz nüt gesetzet ist, dann das gemeinlich wol verstanden und erlitten werden mag« — Im Jahre 1522 erschien eine gleichlautende neue Ausgabe. Weller: Repertorium typographicum Nr. 2280 giebt das Schlusswort wesentlich anders an, als es in der ersten Ausgabe lautet. Statt des mittleren Theiles desselben ist eine Entschuldigung wegen Aufnahme der nicht von Tauler herrührenden Stücke angebracht. In dem mir vorliegenden, aus der Karthäuser-Bibliothek stam- menden Exemplare ist dagegen das Schlusswort gleichlautend mit dem der ersten Ausgabe mit einer, den Fortschritt der reformatorischen Ideen bezeichnenden Ausnahme. Statt »Allen Christen, besunder geistlichen leü- ten« heisst es: »Allen geystlichen, das ist Christlichen leüten«. — Das Vor- wort ist vielfach anders gefasst. Von den Predigten Taulers heisst es: »In wölchen on zweyflel finden wirst den waren grund Christlicher volkommen- heyt und des rechten lebendigen glauben, der yetzt gar nach allenthalb erlöschen were, hett uns der barmhertzig got — — nit so gnediglich in disen zeyten angesehen und disz oder ehdehllr bücher und leren nit geof- fenbaret«. Auf den Vorsetzblättern der Exemplare der beiden Ausgaben hat Georg der Angabe von Titel und Herkunft derselben (beide sind von Petri geschenkt) eine warme Empfehlung des Buches beigefügt, neben und unter die Vorrede der zweiten Ausgabe hat er indess, wohl später beim Fortgang der reformatorischen Bewegung (die Züge sind ganz die der Continuatio, jedoch durchweg zierlich ausgeführt) vorsichtig warnende Bemerkungen angebracht. Neben den Anfang des eben erwähnten Satzes »In wölchen« u. s. w. schreibt er: Verum non omnibus datum est nosse mysterium regni dei, neben den Schluss: Libri quidem multi prodierunt in lucem, pluribus tamen, ut magis cecutiant. Und wie die Vorrede fortfährt »Usz wölchen mag, ein yeder, jung und alt, gelert und ungelert, schöpffen und vernemen, wie er christliche ordnung verstan und dero geleben und volgen sol«, setzt er an den Rand: Profecto liber sequens nonnisi provectis aetate et sapientia congruit, pueris atque carnalibus minime. Endlich fügt er noch folgende Auseinandersetzung bei: Hortandus est lector libri prae- sentis, ut non plus sapiat, quam oporteat, scilicet ad sobrietatem et ad normam evangelicam, non philosophicam, ita sane, ut humiliter cedat ec- clesiae judieio discatque seipso quotidie melior fieri, non elatior, sicut mul- tis heu contigit, qui paululum gustato spiritu se mox arbitrantur spiritua- lissimos, qui soli possint alios judicare, at a nemine velint judicari. Quanta mala provenerint ecclesiae propter tales arrogantes et secundum libertatem spiritus sine judicio ambulantes, non satis enarrari potest. Hinc enim tot haeresium et errorum infinitae pestes, animarum corruptiones atque perdi- tiones, regnorum eversiones, scandala et infinita homicidia. Licet enim Tau- lerus iste suis temporibus admirationi sit habitus ob insignem pietatis ac doctrinae speciem, non tamen üsquequaque sine scrupulo venit legendus, modernis maxime temporibus, quibus sufficienter proditum est, quantum vel ubi prisci patres nonnunquam vel erraverint vel hallueinati fuerint. 15091528. 381 Transtulit ex Latino in vulgare Erasmi de modo orandi'), de compa- ratione virginis et martyris?), quae impressa sunt; adversus praestigias de eucharistia3). Decies in quinque annis cella mutatur. Item de libero arbitrio diatribe*), quam Joannes Cochleus 5) male vel non satis intelligibiliter verterat, quem sane librum Patet hoc ipsum de magistro sententiarum, Petro scilicet Lombardo, Nicho- lao Lyrano, Anshelmo ceterisque compluribus, quorum dogmata certis arti- culis refelluntur. Sic etiam de hoc devoto sanctoque patre (quod audacter dixerim) fertur, quod in certis articulis erraverit, maxime circa cooperatio- nem liberi arbitrii cum gratia, et quod anima se passive habeat ad opus dei, quod frequenter inculcare videtur. Üetera quoque videtur asserere, quae non omnibus probantur, de quibus tamen ego non adeo certus sum pro- nunciare. Verum, ut praelibavi, monendus est lector, ut humili spiritu spi- ritum sancetum loquentem attendat, cedat, obtemperet et acquiescat. Pro- fecto, si sic in hoc toto libro diligenter versatus fuerit, non quidem tumul- tuarie, sed quiete: thezaurum inveniet occultum et margaritam preciosissi- mam. Porro si de his quispiam addubitet, legat historiam, quae sequenti registro contiguatur (die historia und das leben des erwürdigen doctors Johannis Tauleri, die sich in der ältesten Leipziger Ausgabe von 1498 und dann in allen folgenden Ausgaben der Predigten Taulers findet, Schmidt 68), et mira quaedam reperiet et archana, quibus alliciatur ad ulteriora libri perscrutanda. 1) Modus orandi deum per Des. Erasmum Roteroda- mum. Opus nunc primum et natum, et excusum typis. Basileae apud Joan- nem Frob. Anno M.D.XXIIlI. Mense Octobri. Die deutsche Uebersetzung ist betitelt: Ein schön buch Wie man Gott bitten, loben und dancken soll, gemacht zu Latin durch den hochgelerten doctor Erasmum von Roterodam, nüwlich, so vil müglich was zu gemeinem nutz vertütschet. Getruckt zü Basell durch Joan. Froben. Im Jor 1525. (Vgl. Weller 3388. Noch in demselben Jahre scheint in Leipzig ein Nachdruck davon erschienen zu sein. 8. ebenda 3389.) 2) Die »Virginis et martyris comparatio« des Erasmus ist als zweites Stück eines Bändchens, das als erstes dessen concio de immensa dei misericordia enthält, erschienen »Basileae apud Jo. Frob. mense septemb. anno M.D.XXIIlI«. Eine deutsche Uebersetzung befindet sich auf der Basler Universitätsbibliothek nicht. (Auch die des vorher ge- nannten Buches stammt übrigens nicht aus der Karthäuserbibliothek.) 3) Erasmi Rot. detectio praestigiarum cuiusdam libelli germanice scripti, ficto autoris titulo, cum hac inscriptione, Erasmi et Lutheri opiniones de Coena domini. Am Schlusse: Basileae apud Joan. Frob. An. M.D.XXVI. Mense Junio. — Ueber die Uebersetzung dieses Buches durch Georg s. den Brief an Bonifacius Amerbach in den Beilagen. 4) De libero arbitrio dıaroıßn sive Collatio, Desiderii Erasmi Roterod. Primum legito, deinde judicato. Basileae apud Joannem Frobenium, Anno M.D.XXIIII. Mense Septembri, in der Folge verschiedentlich nachgedruckt. Das Exemplar der Basler Universitätsbibliothek enthält einige Randbemerkungen von der Hand Georgs. 5) Johann Dobeneck aus Wendelstein bei Nürnberg, mit Latinisierung des Namens seines Geburtsortes Cochlaeus genannt, bekannt als heftiger Gegner der Reformatiön, ein »äusserst fruchtbarer und allezeit schlagfertiger polemischer Schriftsteller«, dessen Arbeiten indess von gerin- gem Gehalt sind. S. Herzogs Realencyclopädie 2, 768. 25. Dee. 29, Juni. 382 1518—1521. hortatu Frobeniorum emendavi et ingrossavi!), sed non est im- pressus ob certas causas. Anno domini 1518. Pestis. Pestis Basileae fuit, sed non admodum grandis?), usque post natalem domini perdurans, qua etiam confrater Tho- : mas Solemacher ?) fuit infectus, sed cura fratrum relevatus per- mansit ingratus, sed anno 1526 in secunda epidemia percussus interlit. Ihomas Brunus. Thomas Brunus, cognomento Sole- macher, venit ad ordinem, qui postmodum anno 1523 temere apostatavit. Anno 1519. Classiecuminundationis causa. Item in festo sancto- rum Petri et Pauli de sero circiter 6., 7., 8. et 9. ingens ca- tharacta nubis erumpere coepit praecedentibus choruscationibus et tonitruis, quae notabile damnum civitati in suburbanis tex- torum et monasterio ad Lapides intulit et adeo vehemens inun- datio fieri coepit, dasz man sturm zu nacht umb die zwei lü- ten was). | Anno 1521. Huttenus. Udalricus Huttenus miles (ne dicam predo, de quo infra anno 1523) calumniatus priorem domus Argen- tinae, quod certa verba contumeliosa in eum publice dixerit, domum illam damnificavit in duobus millibus aureorum, com- putatis singulis expensis eiusdem causae periculosae, prout pa- ter noster dominus Hieronymus Zschekapürlin mihi assevera- vit®). Eece quantam messem protulit Lutheranorum seges! Qui si via concordiae non fuisset contentatus, universas domos Car- thusienses circa Rhenum vel in Germania sitas fuerat deprae- 2. Mit diesen Worten schliesst die erste Seite von A. Die folgende Seite ist leer. Die dritte beginnt mitten in der Erzählung der Begebenheiten des Jahres 1525 mit den Worten »credibile est« u. s. w. Was wir in unserem Texte von »Anno domini 1518« bis zu jenen Worten mittheilen, findet sich bloss in L. 7. secundo. 1) Ingrossare, ins Reine schreiben. 2) Ein grosses Sterben hatte das Jahr vorher, 1517, geherrscht. S. oben 8.23. 3) 8. über ihn zu den J. 1523 und 1526. 4) Vgl. oben S$, 24. 5) Prior und Schaffner des Karthäuser- Klosters zu Strassburg hatten sich allerhand ehrenrührige Reden über Hut- ten erlaubt, unter Anderem hatte sich der Prior öffentlich gerühmt, einige ‚auf Papier gedruckte Bildnisse Huttens, wie dieser sagt, »mir zu veracht, schmach und hon zu seüberung unreyniger ewers leibs orten gebrucht zu haben«. 8. den Fehdebrief Huttens, Dürmstein 24. Oct. 1521 in Huttens Schriften von Böcking II, 84ff. Vgl. Strauss: Ulrich von Hutten, 2. Aufl. Rei ff. Hutten verlangte erst 10,000 fl., gab sich aber dann mit 2000 zu- rieden, 20 10 20 1521. 1522. 383 daturus!). Tanta corripuit eum persequendi religiosos demen- tia. Is denique Praedicatorum ordinem a se diffidavit?). Sed non longo tempore (gratia deo) sua duravit iniquitas. De cuius obitu habetur infra anno 1523. [Dominus Sebastianus ab ordine declinavit habitum exu- tus, qui anno sequenti circa initium martii subito defunctus est. Utinam melius sıbı consuluisset. ] Anno 1522. Oecolampadius Basileam reversus. Circa idem tempus (decembrem eiusque solemnitatem natalis domini) do-(17.Nov.) minus Johannes Oecolampadius deserto monasterio contemtoque professionis suae voto ab ordine sanctae Brigittae, quem salva- toris vocant, apostatans sub palliatione vocationis dominicae ad evangelizandum, relicto Francisco Siekingen, cum quo aliquan- tum temporis transegit, Basileam quasi ad patriam suam se con- tulit3), ibique susceptus et a Lutheranis sustentatus parochiam \ sancti Martini pro plebano tunc temporis aegrotante ®) providere coepit, donee tandem ex sermonibus suis et studiis cognosceret, se a civibus (maxime Lutheranis) impensius amari: 'Tum demum coepit ad novandas res in ecclesiis incitator et hortator fier, palam in vulgari disputare, legere, contra veritatem se erigere, discipulos aggregare. Is etiam antea hie doctoratum suscepit). Eodem anno quidam capellanus sancti Martini) in domi- 1) Zugleich mit dem erwähnten Fehdebrief liess Hutten ein Entschul- digungs- und Warnungsschreiben an den verwirdigen und andechtigen hern Jorgen , prior der Carthusen bey Freyburg und visitator der provintz des Reinsz« (Gregorius Reysch, über den unsre Chronik zum J. 1525 sich aus- führlich verbreitet), abgehen, theilte ihm eine Copie des Fehdebriefs mit, damit er das gehässige Benehmen der Strassburger Karthäuser daraus er- sehe, und bat, dass er »als der hochverstendig (dem on zweyffel dis hessige sampt allen erbern misfellige handlung leid) dermassen einsehens haben wollt, damit nit euch und gemeiner provintz oder deren besonder gelider und verwantten ichts widerwertigs oder nachtheiligs begegne, das mir dan treulich leidt« u. s. w. 2) In seinem Streite mit dem Frankfurter Pfarrer Peter Meyer, 11. April 1522, Strauss 452. Huttens Schriften II, 116. 3). Oecolampad war am 23. April 1520 in das dem St. Brigitten- oder Erlö- serorden angehörige Kloster Altenmünster im Sprengel von Freising ein- getreten, hatte dasselbe aber nach einem Aufenthalte von nicht ganz zwei Jahren wieder verlassen. Im April 1522 trat er in den Dienst Sickingens als Schlosscaplan auf der-Ebernburg. Im Herbste verliess er den ihm nicht völlig zusagenden Wirkungskreis, um einer Einladung des Buchdruckers Cratander nach Basel zu folgen. Nach seinem Briefe an Capito vom 19. Nov. 1522 (Joannis Oecolampadii etHuldrichi Zuinglii epp. libri qua- tuor. Bas. 1536, fol., Bl. 208) langte er am 17. November dort an, wornach Georgs unbestimmter gehaltene Angabe zu berichtigen ist. Ueber den frü- heren Aufenthalt Oecolampads in Basel (1515—1518) s. Herzog 117 fi. Visceher: Gesch. der Universität 228. 4A) Antonius Zancker. 5) Wahr- scheinlich gegen Ende des Jahres 1518. Vischer a.a.O. 6) Bonifacius Wolfhart aus Buchen in der Würzburger Diöcese. An dem Schmause be- theiligten sich auch Wolfharts Freund Magister Wolfgang Wissenburger 13. Apr. - 384 1522. 1523. x nica palmarum palam carnes suillas comedit apud quendam Sigismundum vulgo dietum Steinschnyder, qui 'scilicet laicus anno sequenti post invocavit propter suas blasphemias in sa- cramenta ecclesiae et Mariam virginem ac proditionem, quam in Alsatia moliebatur, apud Ensishemium quadratus est?). Anno 1523. Coepit Lutheranorum secta latius undique serpere et ex illa complures aliae deteriores emergere, religiosi passim monasteria sua deserere, vota suae professionis floceipendere,, uxores du- cere. Idem et sanctimoniales facere coeperunt ac spreto sacro velamine palam viris tam laicis quam clericis et monasticis nu- bere, claustralium quoque monasteria per diversa loca magistra- tibus jubentibus et cogentibus aperiri, porro cleriei seculares tam sacerdotes quam diaconi ordinis charactere contempto vi- tam prophanam more laicorum degere, matrimonialiter vivere?); sed et missa sub lingua vermacula [i. e. Germanica, per di- versa Germaniae loca] celebrari, festa sanetorum abrogari cete- raeque solemnes feriae, etiam ipse dies sanctissimus natalis domini (sicut patuit in kalendario Argentinensi); oblationes au- tem jam dudum cessare coeperunt, unde non modicum clericis detrimentum. Quin et laicı celericorum et religiosorum bona temporalia nullo prohibente usurpare coeperunt et caetera his deteriora tentare. Imagines denique sanctorum et statuae palam tam in sacris aedibus, quam in compitis viarum ac ceteris locis tolli et comburi vel destrui coeperunt. , Donec tandem anno 1525 sectae eiusdem in tantum procederet saevitia, ut infra tri- mestre tempus etiam clericorum et religiosorum bona per rusti- cos diriperentur, loca sacra, id est templa et monasteria, domus et habitacula destruerentur, reliquiae sanctorum projicerentur et vasa tam aurea, quam argentea, quibus servabantur, ab illıs prophanis sceleratissime contaminarentur et diriperentur., (Thomas Brun apostata. In festo sanctorum Marcellini und der bekannte Humanist Hermann von dem Busche. Letzterer schreibt an Zwingli darüber: Nova si qua delectent te, gustavimus hic duntaxat porcellum lactentem pauci sacerdotes in dominica palmarum. Hinc .sophistae cum suo antistite tantas excitarunt tragoedias, quantas centum homicidia sacerdotum non commovissent (Zuinglii opera, ed. Schuler et Schulthess VII. 196). An ebendenselben berichtet Glarean: Non paulum aggravavit sus ille in, die palmarum comestus causam Lutheri (ibid. 197). Die Auf- regung, welche die Sache hervorrief, veranlasste den Erasmus zu der Ab- fassung der Schrift: Ad reverendum in Christo patrem et illustrem prin- cipem Christophorum episcopum Basiliensem, epistola apologetica ‚Erasmi Roterodami, de interdicto esu carnium, deque similibus hominum constitu- tionibus u. s. w., datiert Basileae postridie Paschae. Anno M.D.XXII, ge- druckt bei Joh. Froben in eben diesem Jahre. 1) S. oben die Chronik des Fridolin Ryff S. 36 £. 2) Vgl. ganz dieselben Klagen aus der- selben Zeit in dem Briefe des Basilius Amerbach an seinen Bruder Boni- facius bei Fechter in den Beiträgen II, 220 Anm. 64. pi) m or 30 © we 1523. 385 MEERE : _ et Petri, quod erat feria tertia post trinitatis, Thomas Brunus 2. Jun. quondam confrater noster, apostatavit ab ordine palam circa ho- ram undecimam meridianam, monasterium egressus et in paren- tum domo:susceptus, qui mox eodem die deposito habitu ordinis suas res, quas secum apportaverat aut habebat, repoposcit, id est libros, utensilia etc. Quantum postea profecerit in seculo, subsequenter patebit!). Eodem anno Zuinglius duxit uxorem, similiter et Leo Judae et alii. Hi duo civitatem illam et omnem ditionem eorum (0 Lutherismo subegerunt 2). Adam impressor gravi poena multatus est propter infama- tionem Lucernensium 3).] Francisci Siekingii interitus. Eodem anno Fran- eiscus Sickinger, miles famosus, dum episcopum 'I[revirensem obsideret et nonnulla ditionis eius oppida monasteriaque spo- liaret ac dissiparet sicut anno praecedenti, posteaquam ad loca munita cum satellitio suo se recepisset et cum Palatino seu aliis principibus bellum gereret, lapide percussus in latere ex resilitione ictus bombardae in quodam castro?) graviter laesus 20 post paucos dies interutd). Hic nempe signiferum agere coepit contra clerum et religiosos praeliandi. Quem si deus non tu- lisset.e medio, graviora damna principibus fuerat illaturus quam olim Joannes Zischa regno Bohemorum. Nam sub specie re- parandae veritatis evangelicae Lutheranis patrocinando molieba- 35 tur insidias episcopis electoribus Moguntinensi, 'Trevirensi et Coloniensi. Cuius gesta habentur....®). Eodem denique anno in mense septembri Udalricus Hut- tenus peregre latitans inter Helvetios apud Tigurenses obüt. a EBEN or 6. perfecerit L. 26. Die Lücke, die L hier hat, fand sich wohl auch im Autograph Georgs, der nicht mehr dazu kam, hier das beabsichtigte Citat anzubringen. 1) S. unten zum J. 1526. Vgl. oben 8. 362. 382,5 ff. und den Brief des Basilius an Bonifacius Amerbach vom 22. Juni 1523 bei Fechter a.a. O. In diesem heisst es, Thomas habe »ante triduum« seine Kutte abgeworfen. 2) Die öffentliche Trauung Zwinglis mit Anna Reinhart, der Wittwe des Hans Meyer von Knonau, fand am 5. April 1524 statt. Mörikofer: Zwingli I, 212, vgl. 211. Leo Judä hatte sich im Herbste 1523 mit einer. Begine aus dem Kanton Schwyz verheirathet. 3) Adam Petri hatte das Schriftchen gedruckt: Ein kurtz, treüwe, Christliche vermanung, an die Eydgnossen, von Hartmudt von Cronberg (am Schlusse: Datum uff dinstag nach Conceptionis Marie, Anno. xxii). Die Stadt Luzern fand sich durch ‚dieses Büchlein in ihrer Ehre verletzt und klagte bei Bürgermeister und Rath von Basel. Petri musste einen Widerruf thun, 200 fl. Strafe zahlen und die vorräthigen Exemplare an Schultheiss und Rath von Luzern ab- ‚liefern. 8. seine Erklärung bei Salat 69. 4) Landstuhl unfern Kaisers- Jautern. 5) Vgl. Ranke: Reformationszeitalter II, 70 ff. 6) Eine \ gleichzeitige Schilderung von Sickingens Ausgang giebt des Hubertus Tho- ‚ mas Leodius Schrift: De Franeisei a Sickingen eq. rebus gestis, seu potius | ausis et calamitoso obitu, historiola, abgedruckt in Frehers Scriptores III, ' 252 ff. der Ausgabe von 1611. Basler Chroniken. 1, 35 16. Dec, 386 1523. Qui et ipse non modicus osor eleri Lutheranaeque factionis autor extiterat, valde multa mala perpetraturus in Germania, nisi jJussu ÜUaesaris ac principum fuisset ad supplicia requisi- tus. Quare compulsus divertere ad Basileam, dein Mulhusium, neutrobique tum securus, tandem se Tigurum contulit ibique diem clausit extremum !), quondam monachus Fuldensis?), sed valde litteratus, contra quem et dominus Erasmus spongiam 3) seripsit etc. Lutherani professores academiae Basiliensis. Eodem anno doctores et magistri Lutherani in locum praece- dentium veteranorum in studio universitatis Basiliensis sub- rogati sunt®). Oecolampadii disputatio. In medio augusti dominus Oecolampadius publicam disputationem in vulgari laicis com- pluribus praesentibus habuit?), prius in Isaiam similiter com- mentus, in aula magna scilicet. Tune coeptum est legi tres linguas, ab eodem scilicet et Pellicano. | [Feria quarta angariae decembris, quae erat post Luciae, frater Sebastianus apostatavit ab ordine et contulit se ad Mül- husenses, ubi sequenti anno duxit vetulam uxorem. Anno ite- rum 1526 Basileam se denuo cum uxore recepit servitüs ac labore manuum vietum quaerens. Nec ullatenus ad ordinem revocari potuit.] 18. amgariae L. 1) Hutten starb bekanntlich nicht in Zürich selbst, sondern auf der dem Kloster Einsiedeln gehörigen Insel Ufnau im Zürcher See. Ueber sei- nen Todestag stimmen die Berichte nicht ganz überein. $. Strauss: Ulrich von Hutten 2. Aufl. 533. 2) Hutten war allerdings von seinen Eltern ins Kloster Fulda gethan worden, um dort für den Mönchsstand erzogen zu werden, und hatte sich gegen den Willen seines Vaters aus demselben geflüchtet, er hat aber den Behauptungen seiner Feinde gegen- über feierlich in Abrede gestellt, dass er je ein Mönchsgelübde abgelegt. Strauss a.a. ©. 14. 3) Spongia Erasmi adversus aspergines Hutteni. Basileae per Jo. Frobenium, an. M.D.XXIHI. mense septembri. Vgl. Strauss 5l1 ft. 4) Im Laufe des Sommersemesters 1523 entzog der Rath vieren der heftigsten Anhänger Roms ihre Besoldung und ernannte Oeco- .lampad und Pellican zu Lehrern der heiligen Schrift. Vischer 230. Her- zog 221 f. 5) Die Angabe Georgs ist nicht ganz genau. Oecolampad hatte allerdings beabsichtigt, Mitte August eine Disputation zu halten, die Aufzeichnungen, die wir als vierte Karthäuser-Chronik abdrucken, geben die Thesen, die er aufgestellt, mit der Ueberschrift: Conclusiones Joannis Ecolampadii, quas disputare statuerat dominica post Laurentü A (16. Aug.) 1523, nachdem sie bemerkt, die Disputation sei vom Rath und von der Universität nicht zugelassen worden. In Uebereinstimmung damit berichtet Erasmus am 31. August an Zwingli: Oecolampadius proposuerat quaedam disputare, jamque schedas prodiderat. Jussus est in aliud tempus prorogare. Nunc permissum est disputare, quum volet, und in demselben Briefe weiter unten erzählt er: Oecolampadius heri (also am 30. August) disputayit, disputaturus denuo proximo dominico (Zuinglii Opera VII, 308. 310). Vgl. Herzog 234 ff. | 1 Ze | 53 1523. 1524. | 987 eireiter horam secundam terrae motus valde magnus Basileae et in omni pene Alsatia fuit!). Anno domini 1524. 5 - Tigurini idola conquassant. In ditione Tigurensi omnes imagines sanctorum de templis et viarum compitis et aliııs locıs, sımiliter et statuae et simulachra sublata sunt et erasa2). Multaque temeritas in diversis regionibus circa eiusce- modi imagines et circa missam cum maximis blasphemiis com- 10 missa est, ita quod etiam Lutherus ipse contra tales eversores imaginum scripserit, quos bildstürmer vocare solebat. Item wider die rottengeister, qui in Turingia fuerunt et in Saxo- nia, quorum Thomas Mintzer’) antesignanus fuisse dicitur et Andreas Carolostadius®), qui etiam suos errores de eucharistia 15 palam et ubique per Germaniam sparsit, maxime hoc anno, maxime sub mense septembri etc. Unde non modica mala sub- secuta sunt. Et ex eodem errore subinde prodierunt alii, sci- licet Zuinglianorum et Oecolampadianorum, tametsi postea Ca- rolstadius suum errorem revocaverit; contra quem etiam Luthe- a rus scripserat, sicut et postea contra Zuinglium etc. [Valde modicum vini crevit apud nos, id est quasi nil. Ultima martii obıut domina Maria de Brunn, domus bene- factrıx 5).] 1) Chronik des Fridolin Ryff 47,20. 2) Nachdem vereinzelte Fälle von Bilderstürmerei vorgekommen, wurde im October 1523 in Zürich eine Disputation über die Frage der Messe und der Bilder abgehalten. In Folge derselben befahl am 15. Juni 1524 der grosse Rath, die Bilder in geordneter und schonender Weise zu beseitigen. Mit Abschaffung der Messe wurde noch gewartet, doch wurde Niemand zum Abhalten derselben ge- zwungen. Mörikofer I, 221. Bullinger 1,162 ff. 3) Vgl. das Nähere in J. K. Seidemann: Thomas Münzer, „Dresden und Leipzig 1842. 4Rankell,7fl. Zimmermann: Bauernkrieg Il, 229 fl. 5) Ueber die Wohlthaten der Maria von Brunn und ihres Gemahles Morand s. oben S. 334 Anm. 6. Calendarium Febr. 28 verzeichnet sie Georg als singu- laris benefactrix ac altera fundatrix monasterii domus huius merito nomi- nata, wie Louber im Liber benefactorum 198b von Hieronymus Zsche- ckenbürlin sagt, dass er sic dicendo secundus huius domus fundator extitit. Als der fundator des Klosters wurde der Oberstzunftmeister Jacob Zibol, als fundatrix Sophia von Ratperg, die zweite Frau seines Sohnes Burkhart verehrt. Als Todestag der Maria habe ich in der eben angeführten Anmer- kung den 28. Febr. 1526 angegeben. Dass sie am letzten Februar gestor- ‚ ben ist, nicht am letzten Merz, wie unsre Chronik sagt, kann nach der durch Georg gemachten Verzeichnung ihrer Jahrzeit im Calendarium, mit welcher auch die Angabe des Nicolaus Molitoris im Liber benefacto- #/ rum 59 stimmt, keinem Zweifel unterliegen, die Jahreszahl entnahm ich, da | mir die Stelle unserer Chronik keinen hinlänglichen Anhalt zu bieten schien, einer Angabe von Herrn His in dem am Schlusse der genannten Anmer- | kung eitierten Aufsatze, von der ich vermuthete, dass sie auf einer urkund- #' lichen Quelle beruhe. Indess weiss sich Herr His augenblicklich einer solchen, #| die ausdrücklich 1526 als Todesjahr nennt, nicht zu erinnern; es ist wahr- # scheinlich, dass er zu seiner Angabe durch den Umstand geführt worden ist, 25 * NE DARSAMER TE (1525 14. Feb.) 388. | 1524. | Ei | Monialium monasteria Basıleae aperta. Kodem anno!) circa vel ante quadragesimam monialium monasteria, etiam reformata, jubente senatu Basileae coeperunt aperiri sub certis conditionibus et ea intentione, quod si quae salutem ani- mae suae non possent in illis operari, per annum integrum se deliberare possent et tunc libere exire, sı vellent, aut nubere. Quod et nonnullae fecerunt, sicut etiam antea. Item prohibiti sunt ab eis consueti confessores et praedicatores scilicet de or- [> dine illarum, et assignati sunt eis pro illıs seculares confessores et praedicatores, scilicet dominus Thelamonius, suffraganeus, ad Lapides?), -magister Stephanus de Diessenhofen, qui paravit civitatis proditionem, ad Gnadenthal3) ete. O quam bene fuerunt illae sorores provisae! etc. Refectorii structura. Proxima die post Petri et Pauli refectorium nostrum vetus destrui coepit et contra cellarium, quod subtus erat, a novo testudinari et novum refectorium aedi- ficari, quod tandem anno 1527 plene consummabatur. Interim sine refectorio ın cellis diebus festivis manducavimus, non sine gravi jactura verbi divini. Sub hoc tempore, sicut et in retroactis paucis annis, non solum bonae litterae, sed et scholae tam eae, quas particulares, quam eae, quas universales vocant, aut clericatus et monasti- corum, ıd est clericorum et claustralium, vita deficere seu fri- gere coeperunt, sed etiam nonnullae artes mechanicae, nempe pictorum, statuariorum, aurificum, ampictorum et id genus ar- tificum, qui ex templorum requisitis suum victum hactenus con- quirere solebant, damnificarı. 'Tam mira fabula temporis instan- 7. Am Rande bei L: Nota. 17. tum inannoL. dass am 5. Januar 1527 die Urkunde über die vollzogene Theilung der Erb- schaft aufgerichtet worden ist (Karth. Arch. Nr. 480). Die Stelle unserer Chronik giebt keinen festen Anhalt, weil sie erstens, wie die irrthümliche Angabe des Monats beweist, aus einem nicht ganz sichern Gedächtniss niedergeschrieben wurde, weil sie ferner eine Randbemerkung ist, die leicht aus Versehn an einer unrichtigen Stelle konnte angebracht werden, ausserdem im Texte der Chronik selbst eine Verwirrung stattfindet, in- dem unter dem Jahre 1524 Ereignisse erzählt werden, die entschieden ins Jahr 1525 gehören (s. die folgende Anmerkung). Die Randbemerkung steht in L zur Seite der Stelle des Textes, wo von Münzer die Rede ist, die über den geringen Weinwachs etwas weiter oben. Die letztere kann sich in keinem Falle auf das Jahr 1525 beziehn, das nach Georgs Zeugniss (s. unten) sehr fruchtbar war. 1) Das betreffende Mandat, dessen Inhalt Lichtenhahn in den Beiträgen I, 106 gut zusammenfasst, ist vom Dienstag, dem 14. Febr. datiert, es heisst aber im Eingange, der Rath habe es erlassen Montag den 13. Febr. Georg giebt also die Jahreszeit, in wel- cher das Mandat erlassen worden, richtig an, bringt es aber irrigerweise unter den Ereignissen des Jahres 1524. Von einer Bedenkfrist von einem Jahre, von der Georg spricht, ist im Mandate nicht die Rede. 2) In das Reuerinnenkloster zu St. Maria Magdalena an den Steinen. Ueber den Weihbischof Telamonius Limpurger, sowie über den gleich darauf genann- ten Stephan Stör von Diessenhofen s. weiter unten. 3) Das Clarissinnen- kloster Gnadenthal lag in der Spalenvorstadt. 2 . DS pe 2 » 0 0 5 | _Quin et mendici platearii et ta ii id est tam ex eribus Minorum, Praedicatorum etec., quam eorum, qui ad sanctum Jacobum vel ad alia loca mendi- _ cando circumire solebant, pauperesque scholastici et id genus 5 universorum pene mendicantium conticescere publicaeque stipes, vulgariter die spenden, in alium commodiorem usum converti, oblationes altarium cessare, fundationes anniversariae pro de- functis et exequiae etc. penitus abolerı. Immo fundata bene- fieia seu sacerdotia in profanum usum sub specie meliorationis 10 ad alios (nescio si pauperum) usus commutari. Quae tametsi in multis Germaniae locis fieri compertum sit, maxime tamen in Tiguro, Argentina, Nuremberga etc., sub hoc tempore palam nemine resistente fiebant. Anno domini 1525. 15 In festo purificationis beatissimae Mariae canonici monasterii 2. Fehr. sancti Leonardi sui habitum ordinis solemniter deponentes ac vi- tam elaustralem abdicantes se et sua, id est monasterıum cum om- nibus attinentiis, civitati contradiderunt, amplius sumto habıtu et vita secularium clericorum conversaturi!), accipientes singuli 20 excepto priore domino Luca Rollenbutz, jam praeposito ?), sin- _ gulis annis 62 aureos a civitate quasi pro praebenda victalitii, ıd est ad vitam eorundem duntaxat. Porro praeposito dabantur centum et viginti aurei?), residuum possessionum civitati re- signaverunt. Sic ıllı religiosuli novam quandam speciem apo- 25 stasiae praetendentes multis alıis occasıo ruinae haud dubie fuerunt. Quorum tamen admodum pauci diu postea supervixere. In eadem ecclesia ab hoc tempore et deinceps matutinus pul- sus desiit et omnis pene priscus ordo parochiae. Et praedicari coepit in hebdomada feria secunda, tertia, quarta et quinta et 30 solum una missa cantarı, scilicet das fronambt. Porro ıllı no- velli 'clerici chorum providere pro vesperis duntaxat et illa missa, 20. L hatte erst Rollenbentz geschrieben und dieses dann in Rollenbotz geändert. Ich habe, da sich hieraus eine gewisse Unsicherheit des Schreibers im Lesen des Namens er- giebt, mir erlaubt, Rollenbutz zu setzen, wie der Name sonst geschrieben wird und wie er noch jetzt in Zürich vorkommt. Möglich wäre es freilich immerhin, dass Georg Rollenbotz gesetzt. 1) Die Urkunde über den Vertrag zwischen el und Rath einerseits, Prior und Convent andrerseits, vom Februar 1525 datiert (Archiv 'des St. Leonhardsstiftes Nr. 902) e im Auszuge bei Lich- tenhahn a. a. O. 99 ff. mitgetheilt. Vgl. auch Heusler: Verfassungs- geschichte 435. 2) Im Vertrage heisst es: Und wie sy die kutten von inen legen und des ordens habit hinfur nit me tragen wurden, dan wil uns gefal- len, dheinen prior me under inen ze haben, sonder sol der, so yetzund prior ist, der anderen yetzigen conventherren oberer sin und genempt werden u. s. w. — Irrigerweise sind bei v. Mülinen I, 149 die Prioren des Leon- hardsstiftes als Pröbste bezeichnet. 3) Die Angaben sind nicht ganz ge- nau. Der Prior bekam ausser dem, was er eingebracht, und 4 Saum Wein, Brirlich 128 fl., die sechs Conventualen erhielten jeder 2 Saum Wein und 2 Viernzel Korn, und jährlich 64 fl. 152. a 380: 390 | 1806, deinde ad nihil aliud amplius tenebantur. Veruntamen pulsu diurnus ad vesperas pene sicut in cathedrali ecelesia per aliquot annos perduravit, sed et pulsus primarum, sed longe aliter quam prius. Imo quasi omnia pene sunt illie inversa. [Cre- dibile est, quod ad hoc per Lutheranos inducti sint, nempe 5; suffraganeum, Oecolampadium, dominum Marcum plebanum 1), magistrum Steffanum de Diessenhofen et nonnullos consultores. Assertum est denique, senatum eis diutius restitisse, ne hoc facere perseverarent, sed praevaluit imiquitas.] / 24. Fobr. In mense eodem, circa Matthiae strages magna prope Medio- 0 lanum?) facta est ex parte regis Franciae et Hispanorum, et idem rex, scilicet dominus Franciscus, ibidem captus et Helvetii fugati sunt, et rex in Hispaniam deductus per annı dimidium in capti- vitate tentus est, donec anno sequenti concordia solemni facta et obsidibus datis ad sua rediret liberatus, de qua historia nihil ad nos, eo quod graviora circa regionem nostram contigerunt. 12. Apr. In mense aprıli, duodecima mensis, Tigurensium senatus maior decrevit, missam penitus abrogandam in perpetuum in a suo territorio, et mox feria quinta sequenti in die-cenae domini, parasceves et paschae novus communicandı modus ibi inchoatus est®), qui etiam paulo post ad Argentinam venit et tandem ad Basıleam !), cuius novitatis Carolstadius ansam primam prae- buisse in praecedenti patuit anno. Deinde Zuinglius alia via pergens et cum eo deinde Oecolampadius modum ıllum firmare modis omnibus contenderunt, et multis idiotis et laicis optimus visus est, quod directe conduceret ad papatum convenienter subvertendum. Cuius rei gratia postmodum disputatio solemnis in Obern Baden celebrata est, scilicet anno sequenti ete.>). Sic Tigurenses missam et corpus Christi a suo dominio penitus ejecerunt spiritu singulari praediti, quod caro non prosit quic- quam. Ned et ii quoque sanctorum reliquias in capsulis tam aureis quam argenteis et ligneis etc. inclusas sub hoc anno in A. Mit »credibile est« beginnen die Excerpte von A wieder. 7. Stefanum A. 9. prae- sumerent A. 10—16. »In mense — contigerunt« fehlt bei A. 10. Nach eodem hat L: (martio). Vgl. 325, 8. 17. »duodecima mensis« fehlt A. Tigur. A, 19. subsequenti A. 19—20. »in — paschae« fehlt A. 23—28. »Deinde — anno sequenti« fehlt A. 29. Tigurinenses A. 31. »Sed et. — restitutionem servabantur« ($. 391,32) fehlt A. 1) Marx Bersy (Bersius) von Rorschach, Leutpriester zu St. Leonhard. 2) Die Schlacht bei Pavia. 3) Mörikofer I, 275. Bullinger I, 263 ff. 4) Diese Behauptung ist nur insofern richtig, als unter dem novus commu- nicandi modus die Darreichung des Abendmahls unter beiderlei Gestalt an die Gemeinde verstanden wird. Die Form, unter der dies in Zürich ge- schah und noch geschieht, wurde weder in Strassburg noch in Basel nach- geahmt. Denn während in Zürich die Feier die Gestalt eines Liebesmahles trägt (Zwinglis Werke II, 2, 134, Ranke III, 65, Mörikofer I, 276), wurde in Strassburg und Basel am Altare oder Abendmahlstische durch den Geistlichen das Brot und der Wein an die Communieänten dargereicht (Rathgeber: Strassburg im 16. Jahrhundert, Stuttgart 1871, 8. 172 ff. Hagenbach 85). 5) 8. unten. ‚prophano simul sepelientes aurum et argentum omne con- m in suum aerarıum aut statuarium pro pauperum emolu- mento reposuerunt. Similiter et de universa supellectili et or- natu templorum suae ditionis universo fecerunt!). Imtentio qui- 5dem, ut apparet, in speciem non usquequaque improbabilis, sed effectus inde secutus quid fructus boni pariturus sit... omnibus constare potest. Ideoque mihi super his nihil judi- candum arbitror. Si bonum fecerunt, viderint ipsı. Suo do- mino stant aut cadunt. Et quod hie scriptum est de novo com- ı municandı modo, etiam de novo baptizandi ritu velim intelligi, qui non solum ab illis, sed etiam ab aliis civitatibus usurpari coepit. Unde postea nova secta, scilicet rebaptistarum, exorta est, quae et in oppido Waldshut et ad sanctum Gallum et prope Tigurum et alıbı scandalose nimis emergere coepit. Contra 15 quam etiam ipse Zuinglius et Oecolampadius et Capito scripse- runt et vociferati sunt?). Ecce tempora talibus erroribus digna! De tumultibus rusticorum in generali. Eodem anno, maxime in mensibus maio, junio et julio, in diversis locis rusticı sımul hine inde quasi subito coadunati cum magna vio- 2» lentia et maudita temeritate innumera bona clericorum, religio- sorum ac nobilium vel dominorum suorum diripere tentaverunt, - domos, ecclesias, monasteria, castra, villagia demolientes seu - _ graviter laedentes, in tantum in eo scelere rebellionis proficiendo, quod nisi per principes alıquot Germaniae et ligam Suevorum, - » vulgarıter der schwäbisch pund, suppressi fuissent, nihil non - demolitum ac subversum reliquissent. Unde divina super eos - ultione procedente ultra centum millia (etiam Luthero asse- rente?)) corruerunt in bellis diversis juste afflicti, praeterea mulctati, qui residui superstites relinguebantur, alii vero capi- so tibus plexi ceterisque publicis addieti poenis trucidabantur, alu ‚ vero clementiori censura ad illatorum damnorum restitutionem servabantur. Huius mali parochi Lutherani, id est rusticorum plebaniı ac sacerdotes fugitivigue ac apostatantes monachi fue- runt occasio, qui 1llos videlicet ad tantae cladis praesumtionem 3; praedicationibus suis indoctis ac litteris et suggestionibus ex- citarunt et armaverunt. Quorum tunc non minima pars ex illis inter alios rusticos perlit, pars vero suspendiis et aliis tormen- 6. Lücke bei L. Der Abschreiber scheint ein Wort nicht haben lesen zu können, 32, Mit »huius mali« beginnt A wieder. Den Worten vorangesetzt ist die Inhaltsangabe: De tu- multu rusticorum. Am Rande steht: Tumultus rusticorum. 34. »qui — eradicati« (S. 392,2) fehlt A. I) Mörikofer I, 252. 313. 2) S. über die Kämpfe der Schweizer Reformatoren mit den Wiedertäufern Mörikofer 1,257 ff. Hagenbach 70, 108 ff. 3) In dem Sendbrief an den Mansfeldischen Kanzler Caspar Müller von dem harten, Büchlein wider die Bauern sagt Luther, wenn man gleich zu Anfang flugs einen Bauern oder hundert daran gewagt und auf die Köpfe geschlagen hätte, so würde man viele Tausend erhalten haben, die jetzt hätten sterben müssen (bei Walch XV], 114). 392. n, I 153. ee | Be u tis e medio sublata est, plerique postmodum proscripti ac pro- fligati sunt, non tamen funditus eradicati. De qua clade spe- cialis liber congestorum habetur a doctissimo Joanne Cochleo theologo fideliter utraque lingua conscriptus!). TE [Senserunt hoc grande malum haec insignia et mihi nota monasteria, sancti Blasıi ın sılva Hercinia, quod ultra valorem 30 millium aureorum damnum perpessum est, item Lucella?), Marpach?), Heitersheim ®), Luterpach), item duo monasteria in Gebwyler®), item domus ordinis nostri prope Friburgum, et quaecunque monasteria extra septa murorum constıtuta fuerant, pene in omni Alsatia, et partim in Brisgaudia, item prope Rinfelden et Liechstahl, praeter ea, quae in aliis regionibus destructa fuerunt et lacerata. Apud solos Helvetios, excepto Ittingen”?), et apud eos Germanos, qui infra Moguntiam habi- tant, id est inferiorum partium, -scilicet Gelriae, Hollandiae, Brabantiae ete., malum huius seditionis non invaluit, licet forte sit attentatum. His cladibus vigentibus Lutherus autor initialis earum, dum alii turbarentur, ipse duxit uxorem monialem, ut dicitur, speciosissimam, nuptias Wittembergae celebrando ®) ac concio- nator, ut antea, contra religiosos, principes ac papatum inde- sınenter latrando, scribendo, dietando, interpretando ac nıhilo- nimus hoc grande malum a se quasi non factum constanter 3. »congestorum« fehlt A. Joh. A. A. Statt »theologo fideliter« hat A: etc. 5—17. »Sen- serunt — attentatum« fehlt A. 11. BreisgaudiaL. 12. Rheinfelden L. 19. dieunt A. 20. Witebergae A. etA. 21.etA. 22. L hat »loquendo, scribendo« u.s. w.; »loquendo« ist unterstrichen und darüber geschrieben »lairando«. Die Copie folgt hier ohne Zweifel genau dem Original. Georg schrieb erst »loquendo« u. s. w., setzte dann aber den gehässigen Ausdruck »latrando« darüber. Mit »scribendo« schliesst bei A dieser Absatz. Der folgende beginnt mit den Worten: »Dominica in profesto Filippi et Jacobic.. Am Rande: »Basileens.« (im Anschluss an das »Tumultus rusticorum«, s. oben zu S. 391, 32). 1) Adversus latrocinantes et raptorias cohortes rusticorum. Mar. Luthe- rus. Responsio Johannis Cochlaei Wendelstini. Cathalogus tumultuum et praeliorum in superiori Germania nuper gestorum. CXXXI. articuli, ex- cerpti ex seditioso et impio libro Mar. Lutheri contra Ecclesiasticos. Responsio brevis Johannis Cochlaei ad singulos. Anno M.D.XXV. Mense Augusto. Haec omnia ex Teutonico in latinum translata. Am Schlusse: Colonie. Anno M.D.XXV Mense Septembri. — Die deutsche Originalaus- gabe, die ich nicht aus eigener Anschauung kenne, beschreibt Weller Nr. 3364. 2) Lützel (Lucelle) südlich von Altkirch, dicht an der Schwei- zergrenze,, Cisterzienser Stift. 3) Abtei von Augustiner Chorherren bei Egisheim, südwestlich von Colmar. 4) Im Breisgau, den Johannitern gehörig. 5) Bei Mülhausen, Priorat von Lützel abhängig. 6) Das Domi- nicaner- und das Dominicanerinnenkloster, letzteres zur Engelporten genannt (s. oben 8. 331 Anm. 4). 7) Die Zerstörung der Karthaus von Ittingen im Thurgau, 7. Juli 1524, hieng nicht mit dem Bauernkriege zusammen, son- dern war die That eines aufgeregten Haufens, der den auf Befehl des schwy- zerischen Landvogtes verhafteten Pfarrer Oechslin hatte befreien wollen. S. Mörikofer I, 242, Bullinger I, 180 ff. u.s. w. Die Wiederherstel- lung des Klosters fiel dem als Prior dorthin berufenen Freunde unseres Georg, dem Bruder Philipp Stouffer, zu. S. oben 8.314. Vgl. 8. 340 Anm. 5. 8. 362. 8) Im Juni 1525. 10 15 20 sando. Sed legantur sua priora odiosa opuscula et hipe- pistes Erasmi!). Sie et alii doctores Lutherani semetipsos excusarunt, sed tam innocentes, quam lupus aut vulpes praedae insidians, quam assequi nequierat.! 5 De eodem tumultu circa civitatem hanc in spe- ciali nonnulla. Eodem anno dominica misericordia dominı, (quae erat in profesto Philippi et Jacobi, dum fieret concio in ca- thedrali ecclesia, tumultus aliqualis excitari coepit in eodem- tem- plo, sed statim suppressus et consopitus quievit, cum altera die, 10 quae erat ipso festo dietorum apostolorum, de sero, quando jam ad exequias domini decanı Mörspergensis, prout tunc moris erat, pulsabatur, Lutheranorum factio seditionem adornare coepit et parare sese ad diripiendum monasteria, primum ad Lapides, item sancti Albanı et Carthusiam, deinde cetera, postmodum 15 domos canonicorum ac sacerdotum, tandem et ipsum senatum minorem sıbi suspectum et clerum universum subito obruere paratis ... ..2) insidiis et clanculario tractatu cum rusticis ex- traneis, praesertim de ditione Basiliensi, quibus duae portae, scilicet Eschemer und sant Alban thor, apertae servabantur 20 (nisi praeventi fuissent), et nescio quid libertatis ıllı eisdem pollicebantur, cum ecce scultetus minoris Basileae cum non- _ nullis fortioris anımi viris fideliter senatum jamjam consterna- tum et pavidum et non audentem se coadunare exhortatum et animatum colligere coepit et circa horam octavam aut nonam 25 de tractandis, quae ad rem necessaria fuerint, consiliis Iindicere. 7. Filippi A. fuitconeio A. 8. »aliqualis« fehlt A. 9. »cum« fehlt A. 10. quum A. 11. Mörspergii A. »prout — erat« fehlt A. 12. Luteranorum A. 13. se A. diri- pienda L. 14. s. Alban. A. ads. Albanum L. Vgl. indess 331,10; 338,38. Carthusiense L. Carthus. A. deinA. 15. »et« statt»ac« A. 16. »universum« fehlt A. Am Rande bei L: »Ad marginem steht aliena manu: Mendacium ingens«. A hat etwas später, nach »liberatus sit necne«, in Klammern beigefügt: NB. alius monachi manu ascriptum est ca- ractere illi coaevo »ingens mendacium« ad marg. 17. Nach »paratis« ist bei L eine Lücke, die etwa für ein Wort Raum lässt, A hat vor »paratis« ein Zeichen wie etc. 18. Bas. A. 19. »seilicet« fehlt A. Alben A. 20. quam libertatem A. 22. L hat »fidel« und eine kleine Lücke. 24. Statt animatum hat A »mentem«, zum Theil auf einer Betilgten en Lesart stehend, mit Punkten unter dem Worte. 25. fuerunt A. inducere A. : 1) Hyperaspistes diatribae adversus servum arbitrium Martini Lutheri, per D. Erasmum Roterodamum. Basileae apud Jo. Frob. An. M.D. XXVI. 2) Wie ein Zeitgenosse Georgs hier an den Rand der Chronik geschrieben »Mendacium ingens«, so sagt auch die Chronik des Fridolin Ryff S. 50: und wasz diser anschlag ouch erlogen, dan das der verzwifflet huff der pfaffen vil lüg erdochten. Die Chronik 4. IV. 14 (s. oben 8. 212), von ” einem gemässigten Anhänger der neuen Lehre redigiert (wir werden sie in einem der nächsten Bände unserer Sammlung zum Abdrucke bringen), sagt Bl. 1166: Es was ouch etwas practica gemacht worden durch den pfaff Stören, lütpriester zu Liechtstall, der dann mit inen zoch, und etlich in der statt hatten ouch mit inen practiciert, dann der pfafl.von Liechtstall hat etlichen von der gemeind in der stat geschriben, das sy ufl die zitt harab komen wölten, und die puren verwaent, sy wurden die statthor offen finden. So sy dann hinyn komen weren, wölten sy die clöster und pfaffen geplün- deret haben und darnach alsbald an burger. Vgl. über die ganze Sache Wurstisen 546 ff. Ochs V, 492 fi. Be 393 30. Apr. 1. Mai. 2. Mai. 394 1525. Unde mox ad custodiam vigilibus et armatis ubique per sin- gulos vieos deputatis, cives minoris Basileae pontem constanti et intrepido sunt anımo contutati, pro defensione scilicet cleri sui et monasteriorum parati sanguinem fundere, si quis eis ex opposita civitate vellet quoquo modo resistere. Sicque divina gratia factum est, ut insidiae paratae paulatim solverentur, et crastino de his, quae gesta fuerant, maturius deliberaretur. Nos autem in hac domo eadem nocte matutinam circa horam decimam pulsavimus more solito et salutationem angelicam hora prima. Nam festinantius solito cantavimus eo quod maior pars conventus quasi fuerit ... et in timore constituta. [Huius proditionis autores dicebatur fuisse quendam texto- rem cognomento der Leiderer et magistrum Stephanum de Dies- senhoven, quondam plebanum in Liechstal, qui et. ipsos rusti- cos cum certis significationibus advocaverat, sed hac eadem nocte per murum exsiliens semetipsum tunc temporis a peri- culo liberavit. Postmodum vero captus Argentinae et incarce- ratus, nescio si postmodum a morte liberatus sit neene!). Quid alteri contigerit, sequenti folio patebit.| Altera die, quae erat post Philippi, congregatus est uter- que senatus cum magna gravitate, et serio tractatum de his, quae gesta fuerant et adhuc timebantur, tantaque maturitate de variis causis (eo quod nonnulli, qui prius nihil audebant logui, publice coram toto senatu damna et gravamina civium expo- nerent et abusiones), quod quinque diebus continuis (quod tamen quasi insolitum in multis annis fuit) uterque senatus conveniret. In hac igitur die, id est in profesto inventionis 10 15 20 25 sanctae crucis, tractabatur de contutanda civitate, prius suscepto - ab omnibus indigenis juramento renovato, eo quod rustici ditio- nis civitatis, id est de Liechstal, Walhenburg, Olthingen 2) etc. et universus eorum cuneus eadem die venturi fuerant, civitatem 8—11. »Nos — constituta« fehlt A. 11. Nach »fuerit« im Texte bei L eine Lücke. Es ist ein Wort wie vexanimis« hier zu vermuthen. 12. dieebant L. 13. L liest »Bende- ver«, während A zuerst »Benderer« geschrieben und dies dann in »Beiderer« corrigiert zu haben scheint. Ich glaube, dass im Original »Leiderer« stand und wir es in den vorliegen- den Texten mit Abschreibfehlern zu thun haben. Im Erkanntnissbuche, in der von Ochs V, 541 erwähnten Abbitte des Ulrich Leiderer findet sich der Name auch so geschrieben, dass ein flüchtiger Abschreiber leicht Benderer hätte lesen können. Stef. Stör A. 14. quendam A. Liechstall A. 16. exiliens A. 17. Argentinae captus A. 18—19. »Quid — patebit« fehlt A. 20. Filippi A. 21. traetatuL. 22. imminebant A. 25. quae quinque L. 29. etnovato A. etquodL. 30. Wallenburg A. Beide Ab- schriften geben die Abkürzung »Olthn« mit einem Striche über den beiden letzten Buch- staben unaufgelöst. Ueber ihre Bedeutung kann kein Zweifel obwalten. 1) Stephan Stör von Diessenhofen, Leutpriester in Liestal, hatte, nach- dem er sich mit seiner bisherigen Haushälterinn verheirathet, am 16. Febr. 1524 die Priesterehe in einer öffentlichen Disputation im Collegium (Uni- versitätsgebäude) vertheidigt und deren Acten im Druck herausgegeben. Herzog 240. Seine Gefangensetzung in Strassburg erfolgte auf Ansuchen des Rathes von Basel. Herzog 296, Ochs V, 506 ff. Wie über sein fer- neres Schicksal entschieden wurde, weiss ich sowenig anzugeben, als Georg. Vgl. auch die Aufzeichnungen 4b. 2) Oltingen, Dorf am Fusse der Schafmatt (vgl. 125 Anm. 3). 30 1525. ++ 395 _ oppugnaturi aut certe, si prudentia civium nocte praecedenti _ non praecavisset, civitatem ingressuri ac claustralium et aliorum opulentorum bona, uti tactum est, direpturi fuerant. [Hac die celerus universus ac monasteria se civitatis fidei s commendaverunt ac semetipsos ad omnia possibilia vota dedi- ‚derunt ad nutum eorum, ut pios erga se patronos de cetero in tantis discriminibus sentire possent. Fecerunt sicut felis, sive catus, qui cane viso conscendit in arborem, postea cane fugato ludit ut prius, sed non semper impune.] 10 Quare cum omni instantia custodiae civitatis et vigiliae disponebantur pro nocte ventura diei eiusdem, et omnium cam- panarum pulsus suspensus fuit, sicut in parasceve, praeter cam- panas consulares!) et quibus pro custodiis matutinis utebatur 2), has solas pulsarı lieuit ad mmus tribus hebdomadibus, id est ı5 ab hae die post vesperas usque ad sabbatum dominicae vocem 2%. Mai. jocunditatis, quando pulsabatur iterum ad salve regina3). Ab hac die et deinceps prohibitus fuit etiam pulsus ille, qui solet fieri vespertino tempore pro exequiis canonicorum cum campana chorali et capellanorum maioris ecclesiae cum campana 20 parvula in capella sancti Joannis®), qui quidem pulsus semper pene civibus fuit molestus, quanquam etiam propter alias ratio- nabiles causas huiusmodi prohibitio facta sit. In monasterüs tamen licitum est more solito pro recenter defunctis suis tria sıgna de sero pulsarı etc.) 25 Et nos die crastina, ıd est eadem dominica®), ad primas 21. Mai. et deinceps ad reliquas horas ®) more solito, excepto quod ad ma- 3. »uti tactum est« fehlt A. 4. Hoc A. 4—5. fidei eivitatis commendarunt A. 8. cattus A. 10. ac A. 14. »ad — est« fehlt A. 15. »post vesperas« fehlt A. — L zeichnet die Abkürzung für das zweite Wort möglichst getreu ab und setzt in Klam- mern dazu: vesperam forte. Es scheint aber eher die Abkürzung für »vesperas« zu sein, was auch besser passt. 16. jucunditatis A. »quando — regina« fehlt A. 20—21. eivibus pene semper A. 24. etc. fehlt A. 1) Die Rathsglocken, die Glocken, mit denen zu den Sitzungen des Rathes geläutet wurde (wie noch bis auf den heutigen Tag gebräuchlich ist). 2) Noch jetzt wird täglich frühmorgens um 5 Uhr geläutet. 3) Das salve regina wurde (nach dem älteren "Theile des Ordinarium pro officio sacriste, s. oben 8. 350 Anm. 1) während des ersten Vesperläutens abgesun- gen. 4) Ueber die St. Johannscapelle auf dem Münsterplatze s. Fech- ter 19. 5) Nämlich vocem jucunditatis. 6) »Die Zahl der Gebetsstunden wird verschieden angegeben, indem bald einzelne mit andern verbunden, bald davon getrennt werden. Gewöhnlich werden sieben angenommen (Septenarium officium,, Septenarius), bisweilen acht (Octonarius). Diese Stunden sind als horae diurnae (officium diurnum) die prima (6 Uhr), tertia, sexta, nona, vespera, als horae nocturnae (offieium nocturnum) das com- pletorium vor dem Schlafengehen, das aber gewöhnlich noch den Tages- stunden zugezählt wird und die matutina (Mette) oder laudes (3 Uhr Mor- gens). Zwischen den beiden letzteren liegt dann mitunter noch als achte Gebetszeit, die Mitternacht (nocturnum medianum), die gewöhnlich aber mit der Matutine verbunden wird«. Herzog: Realencyclopädie II, 376. Ueber die Feier der Horen speciell bei unsern Karthäusern giebt Aufschluss das oben erwähnte Ordinarium pro officio sacriste. 1. Nov. 213. Mai. 3. Mai. 298 1525. tutinas nusquam pulsari licebat nisi in ecclesiis parochialibus et in summo!), de mane, sicut alias consuetum fuit, pulsavi- mus. Duravit autem hoc matutinum silentium usque ad festum omnium sanctorum, quando, annuente senatu, prius petita licen- tia, eadem nocte coepimus nos primi in monasteriis pulsum renovare matutinum. Interim vero utebamur postis pulsu, sicut in parasceve?), sed non sine gravi taedio et incommodo. [Hoc tempore cessaverunt solemnes processiones ecclesiastıi- corum et letaniae, licet ın solo festo sancti Marci adhuc leta- nia maior consueto more celebraretur, nisi quod ecclesia sancti Martini cum ceteris non ibat, Oecolampadio prohibente. Ueterae tamen processiones, etiam in solemnitate corporis Christi, desierunt in reliquum hoc anno et sequenti. Porro pro letaniis in singulis ecelesiis singulis illis diebus sermo seu concio fiebat et letania privata sicut in quadragesima. Denique offi- cium missae solemne etc. De jejuniis nulla cura. Ceterum privatae processiones propterea nondum cessaverunt in catho- licorum templis. Quare etiam huiusmodi publicae processiones desierunt, multae causae rationabiles extiterunt non solum propter seditiones vitandas, sed etiam propter alias magis ne- cessarias. Et putandum est, quod non sine licentia episcopi sit factum. Multi enim docti et prudentes viri huiusmodi abro- gationem commendaverunt.] Eadem igitur nocte supervenerunt rustici, sed civitatem invenere munitam, nam strenue celebrabantur custodiae vigi- lum, et quasi ab hostibus metuebatur. Qui postmodum a lega- tis interrogati causam adventus nonnullos querelarum articulos deposuerunt, de quibus postmodum seriose et prudenter tracta- batur in utroque senatu, monitis rusticis, ut quantocius abirent et ad suas sedes reverterentur, nisi vellent cladis instantis evi- tare periculum. Quod et altera die fecerunt, id est in festo inventionis sanctae crucis3). Nihilominus tamen per 14 dies et amplius custodia civitatis firma servabatur, forte etiam propter alios rusticos, qui tum in Alsatia et Brisgaudia tumultuabantur. 1. pulsare A. 2. pulsavimus, das der Chronist zu setzen vergessen, haben wir ergänzt. 4. quum A. 6. postea L. 8. Ich will hier ein für allemal bemerken, dass die Abschrif- ten immer »solennes« u. Ss. w. haben. In der Urschrift stand ohne Zweifel nur ein n und ein Strich über dem vorhergehenden e, den ich hier wie in den vorhergehenden Chroniken mit m wiedergegeben habe. Ebenso habe ich, mich dem für die früheren Chroniken ange- nommenen Verfahren anschliessend, immer »litterae« u. s. w. geschrieben, auch wenn die Abschriften nur eint haben. 15. Dein A. 17. cessarunt A. 18—19, processiones pu- blicae desierint A. 20. sed et A. 23. commendarunt A. 26. cavebatur A. I) In summo templo, im Münster. 2) Statut. ant. 1,13 $ 23: In parasceve et die sequenti — ad matutinas — pulsatur a sacrista per. singu- las cellas, singulis, dum evigilantur, signum facientibus. Vgl. ebendort $ 26: statim secundum signum poste pulsetur per galileas. $ 41: vespere poste pulsantur. 3) Während Georg die Verhandlungen mit den Bauern in die Nacht vom 2. auf den 3. Mai setzt, fanden sie nach der Chronik des Fri- dolin Ryff in der vom 3. auf den 4. statt. 5 20 25 30 es 15 20 25 30 1525. | 397 Igitur eadem die, ıd est tertia mail, et sequentibus, iterum 3. Mai. coeunte senatu universo, autores proditionis aut seditionis qui suspecti habebantur, in carceres conjiciebantur, pene triginta vel quadraginta homines, qui tamen postmodum dimissı libere sinebantur abire, vigilante nimirum sollerti prudentia consulum, ne quod forte gravius scandalum exoriri posset. Principalior autem inter eos, de quo supra in margine praecedentis pagı- nae, diutius servabatur, ad minus per tres menses!), et per tor- turas diligentissime examinabatur et in custodia damnandorum servabatur. Qui cum neminem prodere vellet aut cogi posset, tandem de jussu senatus libere dimissus, sed publice infamis et notorie suspectus redditus et habitus est. De quo nihil am- plius hie significandum judico. | Nona die maii obiit venerabilis ac multum praecellens vir 9. Mai. dominus Gregorius Reysch?) prior domus Friburgi ac principalis visitator provinciae Rheni, de cuius eruditione si quis amplius nosse velit, legat margarıtam philosophicam ab ıllo compilatam ac suas collationes capitulares habitas in capitulo generali ac visitationibus. Item si quis amplius testimoniorum desiderat, legat opera Erasmi Roterodami et illic inveniet eum tantopere commendatum, quod ipsius verba velut oracula a Germanis recipi solebant. Huic accedit testimonio, quod serenissimus dominus Maximilianus imperator quondam Romanorum hunc peculiariter coluit ac dilexit et pro confessore in extremis suis sibi ascivit3), quem et sua propria praesentia visitando hono- rare dignatus est. Fuit autem hic venerabilis pater satis pru- dens ac circumspectus in agendis spiritualibus et temporalibus, quod ex sua scientia, unde multam experientiam consecutus est, evidenter patere potuit. Totus enim ab ineunte aetate lıt- teris studuit et vacavit, nunquam desistens legere, quandocun- que in aliquem bonum autorem incidisset, unde forte factum est, quod postmodum in apoplexiam caderet, quae solam ei me- moriam abstulerat, tametsi postea, ingruentibus plurimis ad- versis, corpore contabescens penitus deficere coepisset. Animad- vertit nimirum, quanta mala mundum hunc et statum sui tem- 4. liberi A. 5. solerti A. 6. quid A. 7—8. Statt »in — paginae« hat A: praeced. pag. 12. mil A. 13. signandum A. 14. Statt des ganzen folgenden Abschnittes von »nona die -— erat in nobis ete. Denique« (S. 399,11) steht bei A: Gregorius Reysch obiit 9. maii. Elogia, opera etc. eius multis. Erasmo commendatus etc. 1) Nach der Chronik des Fridolin Ryff lag Ulrich Leiderer »by eim halben jor« gefangen. 2) Ueber Gregorius Reysch von Balingen, “seit 1502 Prior der Karthaus bei Freiburg (vgl. oben 8. 337) s. Schreiber: die Kar- thause bei Freiburg, im Freiburger Adress-Kalender für das J. 1868, 8. vLf., desselben Gesch. der Universität Freiburg I, 63 ff., wo auch ausführlich über die zuerst im J. 1503 erschienene, dann in zahlreichen Auflagen ver- breitete Margarita philosophica, »eine philosophische Encyelopädie«, gehan- delt wird, und Hutteni opp. supplem. II, 452. 3) Johannis Fabri ora- tio funebrisin mortem Maximiliani Iimperatoris bei Freher-Struve II, 740. 398 | 1525. poris concutere tentarent. Quapropter fidelis et constantissimus in orthodoxae fidei soliditate persistens plurimum satagebat, quo Lutheranum fermentum ab ordine nostro purgaretur et pel- leretur, civitatemque studii sui, id est Friburgum, magna so- lertia et anımi constantia cum prudentia ab hoc malo vindica- vit, quousque res in deterius caderent propter ipsius adversam valetudinem. Si enim adhuc per illud biennium, id est anni 1524 et 1525 incolumis permansisset, Friburgum, Brisgaudia quoque et sua domus in tantam calamitatem non incidisset, de quo paulo inferius. Igitur cum jam rustici in tantum tumul- tuari coepissent, quod etiam ad Friburgum tenderent obsiden- dum, boni patres ac confratres nostrae domus Friburgensis prae- moniti statim in diebus . . . . scilicet post quasimodo patrem eundem ad civitatem difficulter perducentes ac res suas, quas asportare poterant, illuc devehentes aut portantes, domum reli- quere vacuam, diımissis ibi duobus aut tribus fratrıbus conver- sis et uno monacho etc., cum ecce post obitum felicem prae- dieti patris octava vel nona die, id est circa medium mensis huius vel paulo post {cum scilicet rustici in Alsatia prope Zabern tumultuarentur) ü, qui ex Brisgaudiae locis convene- rant, primo castrum Rötelen ac deinde alıia sui dominii, id est marchionis, castra invadentes et monasterüs nocentes, deinde oppidum Newenburg oppugnantes intraverunt et bombardas un- decunque tam in illis locis, quam alüs colligentes postmodum in oppido Kentzingen semetipsos coadunantes et malorem exer- citum de die in diem congregantes, quippe qui sperabant etiam Alsaticos sibi in auxilium venturos, sic multiplicati Friburgum illam eivitatem nobilissimam oppugnare praesumpserunt!). Et in tantum prosperatum est illıs negotium, ut tandem (quod cives civitati essent infideles et Lutheranae factionis, licet oc- culte) aperta civitate et capitaneis rusticorum intromissis pa- (24.Mai.)eiscerentur de certis conditionibus et summa pecuniae, qua pol- lieita capitanei illi cum suo exercitu civitatem deserentes ad alia loca tendere parabant?). Interim autem dum Friburgum obsiderent rustici, domum quoque sancti Johannis baptistae nostri ordinis graviter laese- runt, destruentes et demolientes turpiter multa aedificia, ultra valorem trium millium florenorum damnum inferendo nee prin- cipem nec civitatem verentes, et hi praesertim, quibus plura bona ex eadem domo facta fuerant etec.] N 13. Lücke im Texte von L, für etwa zwei Worte Raum lassend. 1) Schreiber: Das Breisgau im Bauernkriege im Taschenbuch für Geschichte und Alterthum in Süddeutschland I, 35f. Der- selbe: Geschichte der Stadt Freiburg III, 273 ff. 2) 8. die Urkunde des Vertrages vom 24. Mai 1525 zwischen Freiburg und den Bauern bei Schreiber: Der deutsche Bauernkrieg. Gleichzeitige Urkunden Nr. CCXT.. 10 20 25 30 35 un 2a a a Dee 399 5 Sed interim audito, quod Alsaticis contigisset et aliis, qui ‚erant in partibus Sueviae et superioribus ete., paulatim dissol- 4 vebantur et amplius tumultuari desistebant, sed nonnisi usque post mensem hunc et dimidium juni. Tunc igitur temporis civitas Friburgensis in magna solicitudine constituta fuit. Nam universi Antilutherani, maxime vero clerus universus et reli- giosi, quorum temporalia valde plurima in eadem civitate con- gregata fuerant ad conservandum, in mortis discrimine certis- simo fuerant, nisi desuper sua gratia benignus creator eos 10 protexisset sieut et nos: Unde haud immerito psallere quique poterant illud: »Nisi quia dominus erat in nobis«!) etc. Deni- que tanta cleri et religiosorum fuit persecutio (quanquam ru- stici neminem occiderunt), quod nemo eorum tutus in suo reli- gionis habitu prope posset foris incedere, quin aut palam de- 15 ideretur aut inclamaretur aut certe verbis injuriosis maledice- .retur aut invaderetur. Quare multi, praesertim religiosi, pro necessarlis negotliis per campos transeuntes laicum induerunt habitum, qualiter etiam fecit dominus prior domus Confluentiae, dum ad Oarthusiam ad capitulum proficeisceretur, et nonnulli 20 alıı ex domo Friburgi, quando conventu dimisso monachi seu eonversi foras mittebantur. Sıimiliter etiam in civitatibus id ipsum alieubi contingere solebat, nempe Argentinae, 'Tiguri et interdum hic, si quispiam forte Tuutheranos praeteriret. Quinta en jJunii die, quae erat festum corporis Christi, 15.Juni. 25 post prandium circa horam secundam venerunt ad nos burgi- magister civitatis?) una cum nonnullis, quinque vel sex alıis, quorum aliqui senatores fuerunt, et coadunato conventu pro- posuerunt mandatum civitatis utriusque senatus nomine, quod neminem de cetero deberemus ad ordinem assumere, ne quidem 30 personam etiam de aliena domo ordinis nostri nihilque pecuniae superioribus nostris alienigenis sive ad Carthusiam amplius con- tribuere vel alienare de possessionibus nostris etc. et multa alia, quorum oblitus sum. [Hoc mandatum postea probavimus, nec licuit nobis duas personas de domo Friburgi missas hospitatum, 55 etiam proprlis ipsorum expensis, usque ad modicum tempus re- cipere.] Dieque crastina revertentes, quae erat feria sexta post 16.Junis dietum festum, conscripserunt omnia bona monasterii nostri generaliter, id est quantos census seu reditus seu proventus [Bi 12. Mit »tanta« beginnt A wieder. Am Rande steht: Contemtus sacrifieulorum. 13, occi- derent A. nemocoram A. 13-14. religioso A. 19—21. »et nonnulli — etiam« fehlt A. 22. »alicubi« fehlt A. 23. Statt „et interdum hic« hat A: ete. et hie. Lutheranos forte A.” 24. A: d.15. junii (nun folgt ein unverständliches Zeichen) fest. ce. Christi. 25.h.2-3 A. Vor »burgimagister« hat A: d (d.h. dominus). 29. extero A. necA. 35. illorum A, 36. Die quoque A. 38. qualiter L. Bei A steht generaliter über einer Correctur. 4 1) Psalm 124 (123 nach der Zählung der Vulgata), 1. 2) Bürger- meister war von Johanni 1524 bis Johanni 1525 Heinrich er. Alt- bürgermeister war Adelberg Meyer. Öffnungsbuch 1490-1530, 200. 224. s V, 474, 400 | 1525. 4, Juli, 22. Juli, » haberemus ornatumque ecclesiae universum, id est calices et vasa argentea, casulas etc. sub intentione (uti praetenderunt), quod possent nobis auxilio esse contra publicos raptores!). Verum quid intenderint, meum non est judicare. Sicut fecerunt nobis, ita prius et postea fecerunt in aliıs monasteriis, similiter in ecclesia cathedrali et ad sanctum Petrum, singula etiam be- neficia seu sacerdotia conscribentes, ut scirent quantum quisque possideret vel unaquaeque ecclesia haberet in substantia, quod postmodum huiusmodi omnia convenienter in usum secularibus plaeitum distribui forsitan possent. Ita sane omnis cogitatio laici prona erat ad hoc evangelicum studium. Ita fortiter cre- scebat verbum dei, quod haeretici praedicabant. Heu, heu, heu domine deus, ergo non judicabis eos? Circa initium julii in festo sancti Udalrici coeperunt rustici concordiam optare. Nam dum domini Basilienses et confederati quası mediatores et sequestres non paucis expensis hincinde ad. loca periculosa equitantes rusticos verbis prudentibus et paci- fies a suo maligno conatu revocarent nec aliquid proficerent, tandem, cum rustici propter varias clades in diversis locis hine inde perpessis viderent, se non posse proficere, concordiam ambire coeperunt in praedicto festo. Quae tamen postea in festo sanctae Mariae Magdalenae praesentibus multis ambasiato- rıbus ex diversis locis, etiam ex Argentina, sub spe recon- ‚ ciliationis cum principibus inita est?2). De quo, quia magnum fuit negotium, tantundem scripsisse sufficiat. Hoc tempore rebaptistarum secta vigere coepit in Walds- hut et hie?) et Tiguri et Argentinae, contra quos Zuinglius, Oeeolampadius et Capito praedicaverunt et scripserunt ac eos fugandos et e civitate pellendos procuraverunt. Coeperunt autem 4. Unde quid A. 10. forsan A. 11. prava L. — A hatte erst »parva« geschrieben, dieses dann in »prona« verbessert. 18—20. Statt »nec aliquid — proficere« hat A: ete. ete. etiam multis cladibus fracti ete. Am Rande: Rusticorum transactio. 21. Statt »in festo sanctae« hat A: die. 22. »ex diversis locis« fehlt A. 23. »sub — principibus« fehlt A. 24—25. »De quo — sufficiat« fehlt A. 27. A: ethic, Tiguri, Argent. Nach Zuinglius hat A: etc. statt des ganzen übrigen Abschnittes bis exortus. 1) Dass den Karthäusern schon damals eigentliche Pfleger gesetzt wur- den, wie den meisten übrigen Klöstern (Lichtenhahn 102. Öffnungs- buch 204. 205. 206. 210), davon findet sich im Öffnungsbuche keine Spur, wie auch Georg nichts davon erwähnt. — Ueber das damals angefertigte Inventar des Klostervermögens, von der Hand des Bruder Nicolaus Molito- vis abgefasst, von dem Notar Adelberus Salzmann beglaubigt, das unter den unsignierten Papieren des Karth. Arch. liegt, s. die Anm. zu Bl’2 der Auf- zeichnungen. 2) Vgl. oben die Chronik des Fridolin Ryff 8.53. 3) 8. über die Kämpfe der Basler Reformatoren mit den Wiedertäufern und die einschlägige Litteratur Herzog I, 299 ff., II, 75 ff., 183 ff. Hagen- bach 370.4: 108 f.,.165: ff: ; (Eine Hauptquelle bildet das Werk des Pfar- rers Gast zu St. Martin: De anabaptismi exordio, erroribus, historiis abo- a confutationibus adjectis libri duo autore Joaue Gastio Brisacensi. asil. 1544, 20 25 kiss u Be 401 isti rebaptistae, meri laici scilicet!), publice praedicare in locis campestribus, in villis, in tabernis, demum semetipsos et suos auditores denuo baptizare, multas scripturas pro se allegantes, _ _ quas tamen ita sane intellexerunt, sicut equus et mulus, qui- 5 bus non est intellectus. Interim vero nihil non seditiosum ne - dum adversus papistas, sed et adversus Lutheristas molieban- tur, populus nimirum ab hoste pacis exortus. “ Circa Laurentii vel antea dominus Nicolaus Schurstein prior quondam domus Portae Montis, Lutherano confectus fermento ac 10 Zuinglianis nimis incubans libellis, ordinis habitum a se rejiciens, profanam vitam cum ceteris Tiguri coepit vivere ac mox postea ducens uxorem puellam Bernensem publicas apud Tigurenses celebravit nuptias?) ac deinde litteris Latinis, Graecis et He- braicis insudans ac multos eodem anno et deinceps perferens 15 Jabores ac tentationes tandem in pastorem seu parochum cuius- dam villae promotus est?), habens liberos ex conjuge jampri- dem susceptos. Sic illa domus fratrum nostrorum scandalose suo fuit orbata pastore. In cuius locum postea circa festum exaltationis sanctae crucis dominus Johannes Hurre de Thun, 20 procurator ibidem, prior institutus est. Heu quanta mala deus tendit nobis hoc anno! Immo vero quanta bona, quos ex hisce Lutheranorum malis eruere dignatus est! Prima die mensis octobris, quae erat dominica, venerunt - ad nos quatuor domini de senatu missi, habentes secum man- 25 datum senatus eiusdem scriptum, in quo mandabatur universis et singulis congregatis in colloquio tam monachis quam laicis, quod, si qui forent inter nos, quibus monastica forsitan vita sibi non videretur ad salutem animae conducere, sed quod in seculo putaret se commodius eatenus victurum, quod talis posset se 30 infra mensis spatium deliberare. Et tunc vellent, talem libere facere dimitti, dato aliquantulo subsidii pecuniarii vel rebus aut bonis,. quas secum ad monasterium apportasset sibi restituendis ad integrum sub ea lege, quod si quis permanere deliberasset, perpetuo sine spe liberationis illic perseverare cogendus esset; 8—22. Statt des ganzen Absatzes »Circa — dignatus est« steht in A nur: Nicolaus Schur- stein, prior domus Portae Montis, Cartus., abit Tigurum, ibi uxoratur et fit parochus etc. etc. cuiusdam villae. 9. quidam L. 17. minorum L. 25. mandato A. Am Rande: Mandatum s. Basil., weiter unten: Defectio a monachatu, 27. forsan A, 29. puta- rent L. ) Einige der namhaftesten Leiter der Bewegung waren doch Geist- liche, % Balthasar Hubmaier und Wilhelm Röublin. 2) Unter disen un- rüwigen und unter vil andern hartmügigen Händlen [1525], das da zu Bern noch sehr ze verwundern, hat der wohlgeachtet geistlich Vater der Karthus zu Thorberg, Herr Niklaus Schürstein, von Solothurn bürtig, die Karthus und Kutten verlassen, und ist mit Schmaldiensts von Bern Tochter, siner Ehfrouwen, im Augsten gan Zürich zogen. Anshelm VI, 324. 3) Er wurde »1528 Helfer zu Frutigen, Prediger zu Krauchthal, 1529 Pfarrer zu Lützelflüh, 1530 Prediger der Evangelischen in Solothurn, kurz darauf Pfarrer zu "Oberbipp«. v. Mülinen I], 238. Basler Chroniken. I. 26 August, Septbr. 1. Oct. \ um 1. Nov. 402 | | 1525. at qui vellet exire, similiter data cautione revertendi spem nul- latenus habere etc.!). Quod et postmodum in profesto Simonis et Judae factum est, quando Joannes Küffer?2) conversus, datis sibi 18 aureis pro labore sex annorum illorum, quibus in ordine fuerat?), palam apostatans, habitu secuları indutus in civitate superbe discurrens uni civium adhaesit, apud quem delatoris officium exercuit etc. Ceteri porro de gratia dei stabiles per- manserunt, tametsi nonnulli prius nutantes ac vacillantes ex- titerunt, maxime propter huismodi saevas secularium tragoedias et minas ac perversitates alias, quibus insultare religiosis non cessaverunt. Et quod in domo nostra contigit, etiam in aliis monasteriis factum tabescimus et dolemus. Nam apud Prae- dicatores tres aut quatuor simul apostataverunt. Similiter apud Minoritas. Item apud Augustinianos®). Item in monasteriis monialium in Gnadental, ad Lapides, Clarissarum) non paucae voto religionis neglecto ad seculum redeuntes maritis junctae sunt et liberos procreantes nonnullae postmodum statim obie- runt. Misera mulierum conditio! Ad hoc perduxit eas auditus verbi Lutherani, bellique famosi libelli. Hoc pacto monasteria paulatim evacuari coeperunt. Maluissent Lutherani, quod subito cuncta periissent. Sed nondum deo placuit. Circa festum omnium sanctorum dominus Thelamonius®), 1. Statt »similiter« hat A ein ausgestrichenes sine oder sive. redeundi A. 3. quum 5 5. secularis A. 9. extiterint A. 10. »et« statt »ac« A. 11. cessaverant A. 12. »tabescimus et« fehlt A. 13. »simul« fehlt A. 14. Augustinienses A. 21. deo nondum A. 22. Aam Rande: Thelamonius loco motus, suffeetus Marius. 1) S. diese Erkanntniss (vom 26. Sept. 1525) bei Lichtenhahn 107 £. Die Bestimmung, dass wer sich in Monatsfrist entscheide, im Kloster zu bleiben, darin zu verharren habe, will nicht eine unwiderrufliche Entschei- dung herbeiführen; denn es wird beigefügt, dass der Rath jährlich einmal in den Klöstern nachforschen solle, ob alle gerne bei einander seien, und die, welche herausgelassen zu werden wünschten, in der oben festgesetzten Weise entlassen. 2) Bruder Hansz Köfer von Summerich nennt ’er sich in seinem Ordensgelübde (Karth. Arch. Nr. 554), Bruder Hansz Koüffer nennt ihn Zscheckenbürlin auf dem Umschlag der Copie des in den Auf- zeichnungen erwähnten Entlassungsscheines. Wir finden also hier das- selbe Schwanken der Orthographie, dem wir in der Chronik des Fridolin Ryff begegnet sind. Vgl. das in der Variantenrubrik zu $. 135,21 Bemerkte. 3) Aufzeichnungen: war by funff jar ym orden geweszen, dem gab die stadt usz closters gut 16 fl. Das in der vorigen Anmerkung erwähnte Ge- lübde trägt das Datum des 5. Febr. 1521. 4) Unter den damals oder bald darauf ausgetretenen Augustinern befand sich Peter Ryff, der Grossvater des gleichnamigen Chronisten und Bruder Fridolins. Er vermählte sich (nach der Stammtafel $. 196 im J. 1526) mit Christiana Kolb, die aus dem Steinenkloster ausgetreten war. -Erkanntnissb. IV. 152b zum J. 1538. Ochs V. 578. Vgl. oben $. 199. 5) Zu St. Clara in Klein Basel (auch Gnadenthal an der Spalen in Gross Basel war .ein Clarissinnen -Kloster). 6) Dilman (Telamonius) Limpurger, früher Provinzial der Augustiner, er- scheint schon im Jahre 1501 als Bischof von Tripolis und Weihbischof von Basel. Vischer 221. 222. Er zeigte sich als eifrigen Anhänger der Refor- mation. 8. oben $. 388, 9. - 0 frN h) 403 episcopus suffraganeus, dudum concionator ecclesiae cathedralis, _ Lutherana fece pollutus ab officio praedicationis destitit et in locum eius’ dominus Augustinus, similiter episcopus ac suffra- _ ganeus Frisingensis ac de cetero Basiliensis!), subrogatus est, 5 qui sua praedicatione populo multum acceptus et clero concio- nator eiusdem ecclesiae institutus est. Quin etiam postea sub anno sequenti sacros ordines ministravit in templo eodem sub angarlis, prout moris est. Circa festum sancti Nicolai episcopi doctor Balthasar Hub- 6. Dec iv meyer, quondam parochus sive plebanus in Waldshut?), magnus errorum seminator et protervus seductor plurimorum ac re- baptista, ab oppido pulsus est per dominum Joannem Fabri, doctorem Constantiensem etc. ac secretarium Ferdinandi prin- 2. Luterana A. faece A. 3. eius locum A. 6—8. »Quin — moris est« fehlt A. 9. Statt der Stelle »Circa festum — innovatus« (S. 404,7) hat A bloss: Baltassar Hubmeier - rebaptista circa fest. Nicolai ad. Joann. Fabri pulsus per 200 equites, qui Waldshut opp. h. 2. noct. obsess. ad obedientiam Ferdinandi principis redegerunt. 1) De cetero Basiliensis, der späterhin Weihbischof in Basel werden sollte. Es ist nicht richtig, wenn Wurstisen 551, Herzog I, 345 und Hagenbach 87 den Telamonius jetzt schon in seiner Stellung als Weih- bischof durch Augustinus Marius ersetzt werden lassen. Georg spricht ausdrücklich zunächst nur von der Stellung als Prediger am Münster. Vgl. Oecolampad in dem Briefe an Zwingli vom 6. Dec. 1525 (Zuinglii opera VI, 445): Suffraganeus noster alium successorem recepit pro suggestu (in quo nihil periculi) suffraganeum Frisingensem, ni fallor, Auzov. Wenn er hinzufügt: Succedet fortassis et in initiandi officio, so stimmt damit überein, wenn Georg sofort erzählt, dass er im folgenden Jahre die Weihen _ ertheilt habe. Zur Stelle des Weihbischofs gelangte er, wie Georg wiederum - ausdrücklich berichtet, erst im J. 1527 nach dem Tode des Bischofs Chri- stoph von Utenheim. Bis dahin blieb Telamonius im Besitz dieser Würde, nur war ihm die Ausübung verschiedener sonst damit verbundener Functio- nen entzogen. — Deshalb wird auch Marius in dem Briefe, den am 4. Dec. 1526 die evangelischen Prediger Basels an ihn richteten, als suffraganeus - Frisingensis, nicht Basiliensis angeredet (Oecolamp. et Zuingl. epp. 178). Ebenso spricht Bullinger I, 348 (bei der Badener Disputation) von ihm als Augustin wychbischoff zu Frysingen, predicant im thumstifft Basel, in einem Verzeichnisse der von den Bischöfen auf die Disputation verord- neten Geistlichen (in dem Bande des Antistitiums::. Antiquitates eccles. Bas. _ manuser. K. A. C I 3) steht unter den Baslern oben an: Wichbischoff von Frysingen docter Augustin Meyer, unter den Constanzern dagegen: der wychbischoff docter Melchior, und wenn Oecolampad (Zuinglii opera # VII, 512) vom suffraganeus schlechthin spricht, der nicht nach Baden kom- R men werde, so ist darunter Telamonius verstanden. — Freilich bezeichnet & ‚ungenauer Weise Georg selbst bei der Erzählung der Badener Disputation den Telamonius als suffraganeus quondam Basiliensis. — Den Brief vom. 4. Dec. 1525, in welchem Oecolampad den in Basel eingetroffenen Marius begrüsste und die Grundsätze darlegte, auf denen er ein gutes Einverneh- men mit ihm zu begründen hoffe, s. Oecol. et Zuingl. epp. 177Tb. 2) Balthasar Hubmeyer, geb. zu Friedberg bei Augsburg, verbrannt den 10. Merz 1528 in Wien. 8. Schreiber: Balthasar Hubmaier, Stifter der - Wiedertäufer auf dem Schwarzwalde, im Taschenbuch für Geschichte “und Alterthum in Süddeutschland 1839. 1840. Weitere Litteratur s. bei Alfred Stern: Ueber die zwölf Artikel der Bauern und einige andere "Aktenstücke aus der Bewegung von 1525, Leipzig, Hirzel 1368, 8. 57 ff. 26 * 24. Dee, 28. Juli. 1) 404 1525. cipis!) cum exercitu ducentorum equitum, et ipsum oppidum E27 ” eadem nocte sub hora secunda obsessum et ad obedientiam principis domini sui denuo redactum, ac ecclesia, quae prius ablatis imaginibus et aliis inconvenientiis erat dehonestata, ın pristinum decorem, quantum fieri potuit, reparata ac civibus nonnullis inde profligatis et carceratis lutherismoque fugato Catholicorum ritus est innovatus. Sic etiam postea factum est in Rinfelden pulsis inde sacerdotibus uxoratis etc. 2). In sacratissima nocte vigiliae natalis dominici, quae erat in dominica, Lutheranorum factio nonnıhil seditionis ac tu- multus moliri minabatur in civitate. Nempe quod media nocte, quam primum pulsus maioris campanae sonaret, vellent in tem- plum maioris ecclesiae irrumpere ac argentum omne et aurum seu clenodia reliquiarum sanctorum rapere ac inter se dividere, resistentes vero trucidare, deinde similiter ın reliquis templis et monasteriis facere etc. Quod quia senatus avisatus praesen- sit, oportunis in locis clancularıis deputavit custodias, similiter in stratis publicis, ita quod in domo domini praepositi eiusdem maioris ecclesiae quinquaginta viri ad custodıam deputati fue- rint, sicque divino munere conatus perversorum submotus est et inanitus! Sie etiam finis anni pulchre principio suo respon- dit. Laus deo super judiciis eius inenarrabilibus! | Sciendum praeterea, quod iste annus 1525, licet multis calamitatibus et miseriis universos premeret, ubertate tamen vini, frumenti, pomorumque ac ceterorum fructuum non me- diocriter redundavit. Fuit enim serena ac bene temperata aura, pauca tonitrua fuerunt audita vel fulgura visa, excepto quod semel grando juxta Basileam tamen subitus in die Pantaleonis .. cecidit, sed vix per dimidium quartale unius horae du- ravit. Alias nulla querela de sterilitate fuit, nisi forte in legu- minibus. Ecce quam mirabilis et benignus deus, qui miseri- 7. Das zweite »est« fehlt A. 8. »inde« fehlt A. »etc.« fehlt A. 9. Am Rande steht bei L: »ad marg. Mendacium pudendum«. A hat nach respondit Zeile 22 in Klammern: »NB. eadem manu, qua supra, ad marg.: Mendacium pudendum«. nat.dniA. 13. eccle- siae maioris A. irrumpereet A. 14. sanetarum L. sacrarum A. 15. »vero« fehlt A. deinA. alisA. 16.quumÄ. 17. oportunas A. 18. ita quoque A. 19. ecelesiae maioris A. 20. fuerunt A. 21. »et inanitus« fehlt A. initio A. 22. »Laus — inenarrabilibus« fehlt A. 23. praetersa est A. 26. Von Fuit bis zum Schlusse von Jahr 1525 fehlt Alles bei A. 27. tonitura L. 29. Lücke inL. Raum für 1—2 Worte. 1) Vgl. Stern a. a. O. S. 67 Anm. 3. — Bullinger I, 348 bezeich- net Johann Fabri als »der fürstlichen durchlüchtigkeit von Oesterrych hoff- radt«. 2) »Die neue Lehre fand auch in Rheinfelden Eingang, und Jo- hannes Eberlin von Günzburg, der in dieser Stadt als Prediger auftrat, gewann durch seine Vorträge nicht unbedeutenden Anhang. Als aber an dieser kirchlichen Bewegung sich auch Hubmaier und die Wiedertäufer betheiligten, wurde es dem Bischofe von Basel sowie der österreichischen Regierung in den vordern Landen nicht schwer, durch rechtzeitiges ent- schiedenes Einschreiten dem weitern Umsichgreifen des Abfalls zu steuern und die gesammte Bürgerschaft beim alten Glauben zu erhalten«. Kopp: Geschichtsblätter aus der Schweiz II, 31. 5 10 20 | 30 1525. 1526. 405 cordiam suam a pauperculis illis rusticis non penitus abstulit, sed hac permodica consolatione relevare dignatus est, licet multi fructus pecorum perirent propter huiusmodi turbulentam de- - vastationem multumque vini pessundatum per furiosos ac temu- 5 lentos tumultuarios istos, qui nihil. non perdere veriti sunt. Quod postmodum satis juste in caput illorum redundavit. Anno 1526. In epiphania domini ad senatum pulsabatur, et communis 6. Jan. omnium opinio perstrepebat, quod novae leges et nova statuta ‚10 pro civium commoditate et reformatione condendae forent, quae tamen postmodum, cum conderentur, pluribus displicere, pau- cissimis autem placere coeperunt!). Quid his profectum sit nescio, cum nihil ad me, quanguam nonnulla etiam monasteria concer- nere videbantur?). Viderint hi, quibus domus cura commissa est. 15 In mense martio vel paulo ante prodiit libellus Lutheri de servo arbitrio®). Lege Cochleum. 28. März. Feria quarta ante coenam domini pulsatum est praeter so- litum morem ad completorium hora tertia, ad matutinas hora quinta, ita quod matutinae clarissima adhuc luce finiebantur, 20 propter insidias Lutheranorum et Decolampadianorum, qui nescio quid seditionis ac tumultus sive confusionis in Catholicorum tem- plis sub eo tempore moliri minabantur. Quod senatus praesen- tiens clerum avisavit. Sicque a periculo tali fideles evasere. Simi- liter factum est duobus diebus sequentibus. Porro in coena domini2s.März. 2 aliter Catholici suos et aliter Oecolampadius suos communicavit etc. O quam modicus inde fructus aedificationis consecutus est! [Hoc anno Oonradus Pelicanus?) (ex guardiano quondam 13. nil A. 15—16. »In — Cochleum« fehlt L. 17. Statt »praeter solitum morem« hat A: solito more. 18. matutinam L, mat. A. 19. ita quoque A, 21. aut tumultus A. 26. Quanquam L, »aedificationis« fehlt L. subsecutus A. Am Schlusse des Ab- satzes hat A: NB. manus iterum illa: Nugae. De aliis ex te conjecturam facis. Bei L steht die Bemerkung am Rande. | 1) Ueber die am 3. Januar 1526 durch den grossen Rath eingeleitete ( Reformation der Zünfte s. Ochs V, 528 ff. (die betreffenden Ordnungen ‚finden sich im Staatsarchive St. 13: Ehren-Zünfft). Sie hat keinerlei poli- ‚ tische Bedeutung, sondern läuft im Ganzen auf eine spiessbürgerliche Be- schränkung der Handelsfreiheit zu Gunsten des Handwerkerstandes hinaus. ‚ Von den Bestimmungen haben übrigens wenigstens einzelne, wie das Ver- ‚ bot, mehreren Zünften zngleich anzugehören (vgl. oben S. 331 Anm. 4), ‚ keine Dauer gehabt. $. Beiträge 1X, 89 Anm. 2. 2) Den Klöstern , wurde verboten ihre Bedürfnisse auswärts zu kaufen und Brüder zu haben, | die ein Handwerk trieben (Ochs 537), sowie Wein auszuschenken, der " micht im Stadtbann gewachsen. 3) In der decimo calendas martias 1526 " datierten Vorrede zum Hyperaspistes sagt Erasmus: Liber mihi sero red- , ditus est. — — Temporis spatium, quod dari poterat tum relegendae dia- ‚ tribae, tum perlegendo Lutheri libro — , tum responsioni meae, non erat ‚ longius diebus decem. 4) Ueber Pellican vgl. Mörikofer: Zwingli I, 320 ff. und besonders die »Bruchstücke aus Conrad Pellicans Chronik, verdeutscht von 8. Vögelin« in dem Zürcher Taschenbuch auf das Jahr 1858. Auszüge aus dieser Selbstbiographie giebt Vögelin auch 406 | 1526. 15. Mai. 10. Jun, Minoritarum et professore litterarum Hebraicarum, quas hic publice legerat!), laicus prophanus effectus) Tigurum se con- ferens anno praesente illic duxit uxorem, ut aiunt meretricem?), et legit litteras Hebraicas, dato sibi stipendio sufficienti per Tigurinenses. Ad hoc dudum aspiraverat.] Disputatio Badensis?®). In mense maio 15. die!) so- lemnis haberi coepit disputatio in opido communi confederato- rum, scilicet in Baden im Aergöw, coram deputatis legatis eo- rundem Helvetiorum, sed non omnium), ac praesentibus doctis- simis viris ad minus 22 Antilutheranis®). Eius actores princi- pales fuere dominus Joannes Egkius et dominus Joannes Fabri, potissimum autem adversus dogmata Udalrici Zuinglii et Joan- nis Oecolampadii. Quae quidem disputatio duravit per tres integras septimanas et ultra, id est usque ad dominicam post octavas corporis Christi’) cum magna advertentia et matura consideratione (nam res seriose gerebatur) praesentium legato- \ rum illorum et praesidentium deputatorum. In qua denique lingua Germanica principaliter disputatum fuit de veritate sub- stantiae corporis et sanguinis Christi in eucharistia et de missa, an sit sacrificium pro vivis ac defunctis salubriter institutum, itemque de sanctorum invocatione et patrocinio, de purgatorio etc. Comparuerunt autem ex secta contraria (licet inviti, nam 2. profanus A. 3. praeterito A. 5. Tigurinos A. 6. Dieser ganze Abschnitt bis »fieri cernimus etc.« (S. 408,20) findet sich nur bei A. S. das in der Einleitung Bemerkte. a A: aaehse mit einem Striche durch das t, der sich auch über das c und s erstreckt . contria in,dem Neujahrsblatt, hrsgeg. von der Stadtbibliothek in Zürich auf das Jahr 1871, im Anschluss an eine kurze Lebensskizze Pellicans von J. J. Hottinger, mit einer Lithographie nach einem schönen, wahrschein- lich von Holbein gemalten Bildnisse desselben. Mit letzterem ist zu ver- gleichen die Beschreibung, die Kessler I (Buch II) 164 von Pellicans Aussehen und Auftreten giebt. I) Vischer 230. 2) Mit mehr Recht sagt Kessler, er habe sich »mit ainer ersamen frowen« verheirathet. Sehr hübsch erzählt Pellican selbst (Taschenbuch 196, Neujahrsblatt 14), wie er seine Frau kennen gelernt und sie zur Ehe genommen. 3) Vel. Bullinger I, 331 ff. Kessler II (Buch IV), 6 ff. Salat 130 #. Briefe über die Disputation in Baden (Aus dem Luzerner Staatsarchiv) im Archiv fürdie schweizerische Reformations-Geschichte 798 ft. Hottinger II, 77 f. 4) Die Zusammenkunft war anberaumt auf den 16. Mai, an welchem Tage auch die Rathsboten der eidgenössischen Orte und die Theilnehmer an der Disputation erschienen. Am 19. Mai (Pfingst- abend) wurde Vormittags die Ordnung der Disputation an den Kirchthüren angeschlagen, Nachmittags schlug Eck ebendort seine Thesen an, und am 21. Mai, Pfingstmontag begann die Disputation. Bullinger I, 338, 342, 349 ff. 5) Zürich war nicht vertreten. Die Namen der anwesenden Raths- boten s. bei Bullinger I, 348. Von Basel waren abgeordnet der Bürger- meister Adelberg Meyer und Urban von Brunn, Meister zu Gerbern (bei Bullinger. ist irrthümlich gedruckt Urban von Bünnen statt von Brunnen). Ochs V, 544. 6) Die hauptsächlichsten sind aufgezählt bei Bullinger I, 349. 7) Den 8. Juni wurde die Disputation geschlossen, doch blieben er we der zwölf Orte noch die nächsten Tage in Baden. Hottinger 5 a ai 10 1526. | 407 cogebantur salvo conductu a suis superioribus et magistratibus de fide sua satisfactionem publicam reddere) dominus Joannes Oecolampadius cum universis Lutheranae factionis concionato- ribus in partibus Helvetiorum, exceptis Tigurinensibus, qui soli comparere contempserunt, scilicet Zuinglius cum suis, propter quem specialiter hie actus destinatus fuerat. Vocatus autem ‚similiter fuerat dominus Thelamonius suffraganeus quondam Basiliensis, utpote fautor Oecolampadii, qui tamen propter suam aegritudinem (ut ipse protestabatur) venire renuit. Similiter et dominus Erasmus Roterodamus vocatus fuerat, non ut Luthe- ranus, sed ut vere Catholicus, qui judicare posset inter litteras maxime Graecas et praesidio fore Catholieis. Qui tamen propter vitream valetudinem sui corporis se plurimum honeste petit . excusatum haberi!). Longa igitur concertatione Joannis Egkii 15 20 225 30 et Joannis Oecolampadii habita (nam alii Lutherani velut in- doctissimi nil disputarunt?), sed solum utri parti se vellent sub- scribere, profitebantur), licet nil tunc temporis ibidem finaliter desumtum atque conclusum fuerit, omnia tamen disputata per quinque notarios juratos publice sunt excepta et in quinque volumina parilis materiae congesta, sed non sine rationabili causa apud eosdem Helvetios, ne publicarentur usque ad tem- pus opportunum servata et sub anno sequenti publice impressa et evulgata sunt utraque lingua, Latina scilicet et Grermanica, in quibus sane videri poterit, quidnam ibi sit actum®). Nam Lutherani magno supercilio et quasi praejudicium passi voci- ferari postea coeperunt, quod res in occulto gesta videretur, et quod publicari vererentur, quasi tam strenue suas partes essent contutati. Quid autem pacis aut fructus ex hac dispu- tatione manaverit, nondum patuit, nisi quod sperabatur, Luthe- ranorum sectam non parum inde detrimenti sensuram esse. Attamen concionatores illi postmodum revertentes concionari sua consueta velut antea minime destiterunt®). Nec Oecolam- padius quidem vel in minimis suam opinionem deserere voluit, 5. Zwinglius A. 18. fuerat A. Statt »tamen« hat A ein aus jam corrigiertes tum. 1) Der betreffende Brief vom 15. Mai 1526 steht in der Leidener Ausgabe des Erasmus Ill, 935 (Nr. DCCCXVIII). Er beklagt sich darin auch über die Verbreitung eines Schriftchens, das darauf abzielte, seine Ansicht vom Abendmahle als mit derjenigen Luthers übereinstimmend darzustellen, und verspricht fortassis intra sex dies eine Erwiderung herauszugeben. Es ist dies die oben S. 381,2 erwähnte Schrift Detectio praestigiarum u. s. w. 2) Dies war keineswegs der Fall. S. Bullinger 353 f. Kessler 10 f. Hottinger 88. 93. 3) Die Herausgabe der Acten geschah im J. 1527 zu Luzern durch Thomas Murner. Im J. 1528 erschien ebendort eine latei- nische Uebersetzung derselben. Haller Ill, Nr. 267. Ueber die verschie- denen noch vorhandenen Exemplare der handschriftlichen Originalacten s. ebendort und besonders Hottinger II, 84 Anm. 156. 4) Vgl. Salat 139: fuorend — glych hein und wider an ir irrung, als wärends nie zuo Baden gsyn, oder wär ir tantaten zuo Baden für grecht geben und obgesigt. 408 25 1526. sed exemplum et verbis et factis in hoc novo communicandi ritu et fide stabilire contendit sicut et Zuinglius et Capito etc. In tantum autem haec processit opinio, quod pene per totam dispersa sit Europam, ita quod Hollandi, Poloni etc. Luthero neglecto potius Oecolampadium et Zuinglium mirentur, adeo cupida est novandarum rerum omnis Germanorum natio adeoque clericis et religiosis infensa. Et quanquam Erasmus non segni- ter contra hanc opinionem scripserit in quadam epistola ad Conradum Pellicanum!) et in libello adversus praestigias?) etc., non tamen palam profiteri dignatus est, quid ipse de hac re sentiat vel utra verior sit opinio. Sed haec alias. Legatur iste libellus et pro parte cognoscetur, quid olim intenderit. Post disputationem nonnulla contigerunt in comitiis legatorum ex Helvetiüs, quae dolum quendam et fraudem contra tam solem- nem et ordinarium actum per clandestinas litteras Lutheranorum praetendebant, et per libellos quosdam famosos, quibus etiam excellentes virı traducebantur; quare domini Helvetii seriose mandaverunt etiam principibus alis, ut huiusmodi scandala, quantum fieri possit, tollerentur, quod tamen nondum adhuc impletum fieri cernimus etc. ?). Postmodum pestis epidimia, quae etiam in apnili, sed magis ac magis in maio, junio, julio, maxime vero in augusto, septembri et octobri vigere coepit, vehementer civitatem hanc urgere tentavit et quam plurimos e medio tollere..e. Tamgque saeva fuit, ut nec remedia consueta proficerent, quin et ipsos expertos medicos invaderet et extingueret, praeterea senes et veteranos septuaginta vel amplius annorum, paucos autem pue- ros, sed robustos et adolescentes, maxime autem sanguineos et naturaliter jocundos auferebat, ita quod in 24 annis tanta cla- des non extiterit?), quanquam et nonnulli convaluerint, sed admodum pauci. Plerosque tamen cholica passio plus gravavit quam epidimia, quos tamen epidimia postea invadens extinxit, indifferenter Lutheranos et Antilutheranos, juvenes et senes conturbans et auferens. Nihilosecius tamen quisgquam vitam suam in melius instituere visus est neque Lutherani suis erro- ribus renunciare. In tantum enim haec perfidia dudum con- 2. Zwinglius A. 5. Zwinglium A. 18. mandarunt A. 21. epidemia A.L. S. in- dessen Zeile 32. 23. Statt »septembri« haben sowohl L, als A: decembri, was aber ein offenbarer Schreibfehler des Chronisten ist. 28—29. »et naturaliter jocundos« fehlt A. 32. epidemia A. epidemia A. 33. Statt »indifferenter« hat A eine Lücke. 36. Interim L. 1) In der Leidener Ausgabe der Werke des Erasmus III, 964 (Nr. DCCCXLVM. 2) Vgl. 8.407 Anm. 1. 3) Ueber die Streitigkeiten, die sich wegen des Verfahrens beim Drucke der Acten der Disputation erhoben, und über die zahlreichen Streit- und Schmähschriften, welche die Disputa- tion hervorrief, vgl. Hottinger 97 f., Herm. Cardauns: De reforma- tione Bernensi (Bonner Dissertation von 1868), 84 ff. 4) Im J. 1502 hatte eine heftige Pest gewüthet, die nach Wurstisen 498 bei 5000 Menschen wegraffte. 20 30 35 10 15 20 25 30 1526. | ran cepta praevaluit, ut nemo ex his omnibus, tam Antilutheranis quam Lutheranis, sibi apud nos precem ullam fieri, prout olim fierı solebat, expetiit nec commemorationem ullam pro exequiis seu anniversariis ordinari, dietu mirum, quomodo purgatorium in-omnium cordibus refrixerit et quanta contra clerum invidia exarserit. Ex hac etiam clade nonnulla monasteria coeperunt 'magis ac magis evacuarı. Nam apud sanctum Albanum vix unus aut alter superstes relictus est. Similiter apud Clarissas, ubı tantum duae remanserunt. Apud Praedicatores etiam pau- ciores relicti, et apud Minores, quorum aliquando plus quam quadraginta sustentabantur, modo vix decem in universo simul inveniebantur. Porro de numero Augustinianorum vix quatuor superstites relicti sunt, quorum unus nomine frater Thomas!), ibidem concionator, Oecolampadianorum partes impudenter in sermonibus suis fovebat, sicut apud Minores quidam dictus fra- ter Joannes de Lucerna?), insignis et protervus declamator ad auram applaudentis Lutherani populi, qui quicquid in buccam veniret, impudenter deblaterare non verebatur, nec quidem ho- nestatis et modestiae gratia servata. Talibus nimirum egregiis viris et apostatantibus monachis Basiliensis populus verbo dei se pasci gratulabatur. De aliis concionatoribus non monachis, sed eiusdem fermenti putredine scatentibus mea nihil interest etc. Viderint pastores illi, quatenus rationem de grege sibi commisso reddituri sint. Loquor de magistro Wolfgango in hospitali et domino Marco ad sanctum Leonardum?). [Cessaverunt autem a pulsu matutino primi Augustiniani anno praeterito, deinde Clarissae similiter. Hoc autem anno etiam Albanenses circa medium augusti.] In hac etiam pestilitate (quod praetereundum non est) obiit quondam confrater noster dietus Thomas Brun Basiliensis, de cuius introitu et exitu licet in superioribus annis breviter per- strictum sit®), lubet hie tamen latius aliquanto de ipsius carnali (utinam non damnabili) conversatione post egressum ordinis perstringere. Is enim non diu postquam monasterium reliquit, 2. ullam precem A. 4. »quomodo« aus »quod« corrigiert A. quam L. 5-6. neh exarserit« fehlt A. 6. EtL. 11. sustentabant A. 12. inveniebant A. 16. Johan- nes de Pucerna A. 18. venerit A. quaedam A. 20. Basiliensium A. 21. »tamen« statt non L. 22. nil A. 24. »in« fehlt A. 25. Statt »s. Leonardum« hat A: b. Leo- nardum. 26—28. Der Absatz »Cessaverunt — augusti« fehlt A. 29. Der Abschnitt »In — peccaverunt« (S. 410, 30) fehlt A. 1) Thomas Geyerfalk, aus dem Gregorienthal. Ochs V, 450. Herzog 1,256: 2) Johann Lüthart, auch Hans Sündli genannt, aus Luzern. Ochs V, 450. Herzog I, 86. 222. 265. Hottinger II, 89. Archiv £. Schweiz. Ref.-Gesch. I, 805 Anm. 1 u. s. w. Ueber Geyerfalk und Lüthart s. auch die Aeusserung Oecolampads in dem Briefe an Farel vom 25. Juli 1525: Plus derogant duo illi in cucullis monachatui, quam multi alii excucullati, monasticas tamen hypocrises retinentes. Herminjard I, 370. 3) S. oben 8. 35 Anm. 1. 37, Anm. 5. 4) 8. oben S. 384, 32 ft. Vgl. unten die Aufzeichnungen Bl. 22£. 4. Aug, 410 | 1526. apud parentes suos (qui non modica causa suae apostasiae fue- runt, praesertim mater ipsius, quae velut altera Eva satis im- pudenter eum ad hoc pellicere visa est) commoratüs, tantum. effecit, quod, ut in seculo posset sine opprobriis vivere, dispen- sationem a sede apostolica impetraret. In quibus quam frivole, quam false narraverit contra nos, idem, ut timeo, modo sentit. Utinam melius narrasset aut cautius cum ipso dispensatum fuisset! Licet enim ordo noster libere dimiserit illum, sed ta- men cum illa conditione, si legitimam a summo pontifice posset habere dispensationem, ipse autem non expectata dispensatione prius apostataverat, scilicet anno 1523, cum tamen postea circa palmarum anni sequentis processus dispensationis hie apud of- ficialem et vicarium consistorii Basiliensis ageretur. Deinde vero impetravit (nescio qualiter, ne durius dixerim), quod promove- batur in capellanum sancti Petri Basiliensis, scilicet anno 1525. Interim vero cum ancillis domi suae ludens tres pueros gene- ravit in scandalum plurimorum civium et nostrum. Cum autem dominus vellet eum pro suis excessibus in exemplum aliorum emendare, permisit, ut in scabiem Gallicam, id est die bösen blateren, caderet, quae et epiglottim sive vocalem ipsius arte- rıam corrodens graviter torsit et afflıxit eum usque ad mortem, ita quod de salute ipsius penitus desperaretur. Et haec quidem in martio, aprili et maio circa eum contigerunt, cum ecce ipso jam denuo convalescente, mater ipsius circa finem julii peste correpta statim extincta est, deinde et ipse quoque una cum patre in prima septimana augusti pene simul, frater autem eius non diu postea similiter obierunt, ita quod infra mensis spa- tium aut paulo plus quam quindenam hi quatuor simul ex hac luce subtracti sunt. Deus ignoscat illis, quicquid in illum et nos peccaverunt! Quarta die mensis augusti, quae erat in sabbato, in profesto scilicet sancti Dominici!), circa horam secundam et maxime infra tertiam et quartam grando valde vehemens et condensa cum coruscationibus et tonitruis ac mira caligine cecidit circa Basileam, extendens se longe lateque ultra vi- ginti aut triginta miliarıa, quae non sine magno damno vi- nearum et agrorum, maxime avenae, nondum demessorum ex- titit. Et licet apud nos hie vix per unum quartale perdura- verit, tamen adeo condensa fuit, ut etiam in crastino die gla- ciei eiusdem crusticula residerent usque post vesperam, etiam 14. promovebitur L. 31—38. Statt »Quarta — extitit. Et« hat A: 5. aug. grando saeva h.3et4. 40. resederint L, »usque post vesperam« fehlt A. 1) In dieser Zeitbestimmung herrscht eine Verwirrung. Der 4. August ist der Dominicustag selbst, nicht dessen Vorabend. Es muss also entwe- der die Angabe des Monatstages unrichtig sein oder der Chronist hat irr- thümlicher Weise profesto statt festo geschrieben. Wahrscheinlich ist letz- teres der Fall, da der angegebene Monatstag mit dem in sabbato stimmt. Der 4. August fiel im J. 1526 auf einen Samstag. | - 0} 10 15 20 30 35 40 10 15 I | 411 lucente tunc sole. Et quidem cum annus iste satis serenos semper dies habuerit ac competenter temperatos, mirum, quam pauci fructus pomorum exorti sint et adeo pauci, ut vix intra triginta vel quadraginta annos tantus defectus extiterit, quan- quam bladorum mediocris ac sufficiens copia suppetiverit, vini quoque apud eas terras (nam non ubique grando, etiam circa Blotzheim !) fuit), ubi aörıs intemperies aestiva grassata non est, competens copia fuerit etc. In omnibus istis non est aver- sus furor dei, sed et manus eius extenta, et populus non est reversus a pravitate sua et dominum exercituum non requi- sierunt?). In festo sancti Laurentii ceperunt Lutherani, vehementer et fortiter prohibente senatu3), psalmos rythmicos in lingua ver- nacula apud Argentinam tralatos invitis magistratibus?) laico more cantilenarum, sed satis incondito, in templo sancti Martini decantare. [Hanc sane novitatem iidem in festis paschalibus invehere tentaverunt, sed repulsam passi fuerunt.]5) Et parum abfuit, quin hoc idem in templo cathedralis ecclesiae tentassent 1. »tune« fehlt A. 1—3. Statt »et quidem — adeo pauci« hat A: adeo pauci fructus pomorum orti sunt. 4, Statt »vel« hat A: sive. Von »quanquama« bis zu Ende des Absatzes fehlt Alles bei A. 12. coeperunt A. Am Rande ebendaselbst: Psalmodiae in t. Martino cantatae. 12—13. reclamante et fortiter prohibente A. Die Inter- punction von L: ceperunt Lutherani vehementer et fortiter, prohibente senatu, — — de- cantare(i) ist abgesehen davon, dass sie dem sprachlichen Gefühle nicht zusagt, deshalb zu verwerfen, weil der Chronist offenbar den Nachdruck darauf legen will, dass die Neue- rung gegenüber ausdrücklichem und strengem Verbote des Rathes durchgeführt worden. Siehe die Anmerkung. 16. Sowohl L als A haben »decantari«, das also wohl von der Nachlässigkeit des aus der Construction gefallenen Chronisten selbst herrührt. 16. 17. »Hane — fuerunt« findet sich nur bei A am Rande. 18. Am Rande bei L: ad marg.: Ita sibi persuaserant falso interim sibi male conscii. A giebt diese Randbemerkung nach »sermoque suspensus« (S. 412,11) in Klammern, eingeleitet durch die Worte: NB, Iterum manus illa notat. 1) In Blotzheim hatte das Kloster Besitzungen. S. oben $S. 355 Anm. 6. 2) Jesaj. 9, 12. 13. 3) Oecolampad schreibt am 12. August an Zwingli: Hodie et in die Laurentii psalmodiae. Germanicae in templo meo a plebe cantatae sunt. Praesenserunt hoc sacerdotes ex concionibus meis eventu- rum, eo quod de jubilis spiritus et oris quaedam ex psalmis dixeram ad hanc rem facientia. Unde et apud senatum egerunt, si impedire possent, et impetraverunt edictum a senatu, ut ostiatim prohiberetur cantus, de quo ego adhuc nihil sciebam. Verum, ut in vetitum nitimur omnes, ita, ubi excusat pietas, audaciores reddimur. Frustra prohibuit senatus. Quid inde futurum sit, ignoro. Zuinglii opera VII, 530. Die auf die Einführung des deutschen Gemeindegesangs bezüglichen Nachrichten sind zusammengestellt und verwerthet in der wichtigen Arbeit von Riggenbach: Der Kirchenge- sang in Basel seit der Reformation, in den Beiträgen IX, 340 ff. 4) Das invitis magistratibus kann sich nicht auf das Absingen in Basel beziehn, da es sonst nur eine matte Wiederholung des so eben kräftiger Ausge- sprochenen enthielte, sondern muss von der Uebersetzung in Strassburg verstanden werden. Dass der deutsche Kirchengesang und die Herausgabe der deutschen Psalmen in Strassburg auf Seiten der Stadtbehörden Wider- stand gefunden, scheint indess nicht der Fall gewesen zu sein. Riggen- bach 335 ff. Jung: Geschichte der Reformation der Kirche in Strass- burg, Bd. I, Strassb. u. Lpz. 1830, $. 317 fl. Rathgeber: Strassburg im 16. Jahrh. 67 ft. 5) Den 9. April 1526 schreibt Oecolampad an Zwingli: His diebus pascalibus plebs cecinerat psalmos, sed prohibita a magistratu. 10.Aug. 26. (29). August. 4. Dec. 19, Sept. 419 1526. in solemnitate assumtionis almae virginis cum occeulta dolosa- que machinatione sanguinolentae seditionis, nisi deus meritis eiusdem gloriosae virginis motus malum hoc imminens clemen- ter avertisset. Tune enim, id est ın eadem solemnitate, cum dominus Augustinus, suffraganeus ille Frisingensis, sermonem facere vellet, comperto quod factiosi illi sinistrum aliquid in principio sermonis seu sub novis!) attentare parassent, ad no- vas illas, quae omni anno solemnissime cum compulsu campa- narum et cantu festivo ac organis celebrari solebant, simplici- ter, sicut in feriis, pulsatum est et simpliciter cantatum etc. sermoque suspensus. Ecce qualis obedientia erga superiores. Verumtamen his non obstantibus multo super hae novitate tra- ctatu senatus habito Lutheranis tandem sic importunis indul- tum fuit, quod deinceps in certis templis hanc suae praesumtio- nis novitatem continuare possint. Quod quam adversum futu- rum sit devotis ac sanctis cleri cerimonlis et usui consueto contrarium, aliorum esto judicium. Et quidem justo dei judieio etc. Cum enim deus cernat clerum et religiosos a germano ritu devote festa et psalmodiam seu cantum ecclesiasticum uni- versum celebrandi defecisse, per laicorum ridicula conventicula clamoremque rusticum illos vexare permisit etc. In omnibus his non est aversus furor eius etc. Rex Ungariae periit 26. augusti?) etc. Quarto decembris co- ronatus Ferdinandus archidux Austriae frater Caroli V rex Bo- hemorum ). ' Eodem anno 19. die septembris, quae eratferia quarta angariae 3. »matris« statt »motus« A. 5. »ille Frisingensis« fehlt A. 6. aliquod A. 7. »seu sub novis« fehlt A. 10. Statt »pulsatum« hat L »cantatum«. 11. »Ecce — superiores« fehlt A. 12. multa L (vielleicht ein Versehn schon des Originals). 15. possent A. odiosum A. 16. »et« statt »ac« A. 22. domini A. 23—25. »rex — Bohemorum« steht nur bei A. 26. Statt »Eodem — angariae« hat A: d. 19. septembris feria. Am Rande ebendaselbst: Turris de coelo tacta disjectaque. Zuinglii opera VII. 490. In seiner undatierten Bittschrift an den Rath sagt er: Dweil aber am nechst osterfeiern angefengt solhe psalmgsang in etliche e. g. pfar- und klosterkirchen, on unszern befelh und anraitzung, doch auch nit gewert als ein gutt werck, in dem viler menschen szo grosze andacht erkendt, dasz in auch die augen fur frod und andacht ubergangen, wie etwan auch geschach, do in der widerbuwung der stat Hierusalem die kinder Israel fur frod weinten. Antiq. Gernl. I, Bl. 28, abgedruckt bei Riggenbach 494. 1) Die Erklärung von »novae« giebt Riggenbach 345 ff. mit Hilfe des zu Anfang des 16. Jahrh. erschienenen Manuale cura- torum des Joh. Ulr. Surgant, Pfarrers zu St. Theodor in Klein-Basel. Es ist die durch den Prediger abzulesende Verkündung der in die nächste Woche fallenden Feste, der aufzubietenden Brautpaare, der Todten, für die gebetet werden soll. »Es ist begreiflich, dass Verkündungen von Gestorbe- nen zum Zweck der Empfehlung in die Fürbitte am Tag der Himmelfahrt Mariä besonders feierlich gehalten wurden«. 2) Die Schlacht bei Mohacz, in der König Ludwig von Ungarn fiel, fand nicht am 26., sondern am 29. August statt (Ranke: Reformation II, 291). 3) Am 4. Dec. erkannte die Ständeversammlung der Schlesier Ferdinands Erbrecht an (am 23. Oct. hatten ihn die Stände des Königreichs Böhmen auf den Thron berufen), aber erst am 24. Febr. 1527 wurde er in Prag gekrönt (Ranke 295 ff.). 20 25 1526. EEE 415 _ proxima ante vigiliam sancti Matthaei, paulo post horam sextam 10 15 20 25 30 35 40 post vesperam fulmen de coelo cecidit in unam turrim (quam vulgo den Schniderthurn vocant, quae sita fuit in maiori fossato maioris cıvitatıs ınter portas sancti Albanı et Eschemer thor), in qua, ‚ ut asserebatur, quinquaginta cadi pulveris tormentarii servaban- tur (das ist, bi 50 tonnen büxenbulvers). Unde contigit, hor- rendum dictu, quod ex violentia incensi pulveris ex injeetu fulminis tota turris illa subito cum ingenti fragore dirumpere- tur et a fundamentis evelleretur, lapides quadri mirae magni- tudinis simul disjecti ad loca valde remota projicerentur non sine gravi damno civium et urbis utriusque concussione formi- dabili, quin et plures quam 24 homines (nonnulli asseverave- runt plus quam quadraginta homines), qui circum turrim illam in vineis laborantes (nam vindemia erat) aut occupati vel casu transeuntes inveniebantur, hoc impetu subito sint extineti, non- nulli graviter et enormiter laesi, quorum aliqui de post statim mortui sunt. [Aliqui dixerunt 18, alıi 14, alii solum octo fuisse homines. Credat quisque, quod velit, non tamen verisimile videtur, tam paucos fuisse propter circumstantias huius terri- ficae plagae.| Sed et non solum murus fossatae contiguus, sed etiam domus et tecta, praesertim in multis locis maxime vici- nis, destructa sunt. Item fenestrae vitreae de longinquo posi- tae, sicut et in hac domo, id est in Carthusia, et in ecclesia ‚sancti Theodori, notabiliter laesae et destructae propter pulve- res et lapillos ac rudera vaporemque densissimum longe late- que circumquaque provectos ex illa turri. Item vineae prope illie positae penitus devastatae, fundamentis domorum et tur-ı rıum ibidem consistentium graviter concussis. Terribilis pro- fecto plaga, tametsi plaga videri non potuisset, si nemo mor- tallum tunc interisset et tam sero temporis in anno tonitrua et fulmina videri solita fuissent. Quanquam ea die et praece- dentibus nonnullis aura valde serena et calida fuerit, tamen quibus considerare vacavit, nubes ista, unde fulmen hoc ceci- derat, quasi per quinque continuas horas conglomerabatur et colligebatur in unum locum, sole in illam ex opposito resplen- dente. Porro tonitrua bis aut ter duntaxat praesonabant simul- que solis splendor videbatur. Verum hoc mirum erat, quod nulla domus incendebatur ex huiusmodi calidissima eruptione pul- verum illorum. Nihilominus tamen, qui portentum hoc pro ni- hilo dueit, a timore dei se profecto testatur alienum. Nam pauci fuerunt, quos fragor ille non exterruerit in civitate, qui etiam et extraneos in villis et oppidis etiam remotis contur- 3. Schneiderthurn L. 3.4. »quae — civitatis« fehlt A. 6. bey fünfzig tonnen büch- senpulvers L. 9. quidam A. 10. Statt »simul« hat A ein ausgestrichenes »sunte. 12. asseverarunt A. 13. circa A. 15. sunt A. 17. Die Bemerkung »Aliqui — pla- gae«, bei L am Rande, ist bei A nach »plus quam quadraginta homines« (Z. 13) einge- schoben. dicunt A. 18. quid A. 18—19. videtur verisimile L. 22. Statt »longinquo« bei A eine Lücke. 23. Cartusia A. 26. projectos A. 37. solisque splendor simul A. 42. »etiam« nach »oppidis« fehlt A. 414 1596, 1897. bavit. Quantum damni civitas ıinde senserit, non omnibus no- tum fieri voluit. Dicebant tamen fide digni viri, quod damnum, illud 30 millibus aureorum vix resarciri potuerit in sola stru- ctura murorum et tectorum etc. !) 11. Nov. In profesto sancti Martini hora decima et undecima post 5 meridiem visae sunt plurimae choruscationes et audita toni- trua?), et contra tempestatem imminentem in multis ecclesiis, sicut in aestate, compulsatum est. Anno domini 1527. ae Nonadecima martiı obıut reverendissimus dominus Christo- 10 phorus de Udenheim Basiliensis episcopus, vir adprime reli- giosus et doctus piusque, qui sub anno domini 1502 (ni fallor) electus et consecratus anno sequenti, id est 1503, synodum celeberrimam in suae dioceseos metropoli celebravit, ut supra habetur®). Et tandem, cum fere octogesimum attigisset annum, 15 post diutinam podagrae vexationem vivis excessit, aeterna, uti speramus, subintrans. Sepultus (ut ferunt) in civitate Telsperg. Non enim Basileae voluit sepeliri propter multas rationabiles causas, et quia jam pridem ei cum civitate Basiliensi non me- diocris simultas intercesserat propter castrum Pfeffingen etc.) 20 4, »et tectorum« fehlt A. 5—8. Der Absatz »In — compulsatum est« nur bei A. 9. »Anno domini« fehlt A. 10. Am Rande hat A: Obitus Christof. de Utenheim. reve- rendus L. rev. A. 11. apprime A. 12. ac A. 13. »id.est« fehlt A. sinodum A. 14. dioeceseos L. diocoes. A. 14—15. L hat: ut habetur, mit dem unaufgelösten Abkür- zungszeichen für supra über dem ut, A hat einfach: ut habetur. Was mit dem Citat gemeint ist, ist schwer zu sagen; in unsrer Chronik findet sich, wenigstens in den vor- liegenden Auszügen und Abschriften, die Synode von 1503 nicht erwähnt. 17. speratur L. 20. Statt ete. hat A eine Lücke. 1) S. die Beschreibungen dieses Ereignisses in der Chronik desFri- dolin Ryff S. 54 und unten in den Aufzeichnungen Bl. 26. Oecolam- pad berichtet den 24. September an Zwingli: Quantum incommodi civitas ex fulmine acceperit, alii, opinor, indicarunt. Lapsum enim in turrim, in qua sulfura, salpetrae, pulveres et alia quaedam ad belli usum pertinentia, tur- ıim a solo funditus evertit et cum justa parte muri disjecit vicinosque vin- demiantes perdidit, animas opinor 18. Ita ut admoneamur turris Siloe. Sunt et multi laesi, et domus pleraeque in suburbio graviter vexatae. Bene- dietus sit dominus in omnibus operibus suis. Zuinglii opera VII, 542. Besonders anschaulich ist der Brief des Erasmus an Nicolaus Varius Mar- villanus vom 26. Sept. 1526, III, 955 (Nr. DCCCXL) der Leidener Ausgabe. Ueber die verschiedene Deutung dieses Ereignisses durch die beiden Reli- gionsparteien vgl. Salat 150 f. 2) Chronik des Fridolin Ryff 54. 3) Christoph v. Utenheim war den 1. Dee. 1502 an die Stelle des gerade einen Monat vorher verstorbenen Caspar zu Rhein zum Bischof gewählt worden, nachdem er schon seit 1500 Verweser des Bisthums gewesen. Ver- gleiche über ihn und über seine Anstrengungen zur Wiederherstellung der Kirchenzucht und zur Hebung des religiösen Lebens besonders den Auf- satz von Herzog in den Beiträgen I, 33 ff. Im J. 1519 liess er, über 70 Jahre alt, sich den Domdecan Nicolaus von Diesbach zum Coadjutor geben (Heusler 425). Als sein Todestag wird bei Tonjola, appendix 25, bei Wurstisen 555 und in allen mir sonst zu Gesichte gekommenen Schriftstellern nicht der 19., sondern der 16. Merz angegeben. 4) S. Chro- nik des Fridolin Ryff 24 nebst der Anm. 2 daselbst. RR 1527. 415 — Fuit autem studiosis et doctis satis favorabilis et inclinatus, cum quibus etiam multam habuit conversationem, sicut ex _ seriptis Erasmi Roterodami ad eundem patet evidenter. Et Lu- — theri quidem scriptis in principio multum favere videbatur im- 5 prudens, donec tandem serpentem viridi in gramine latitantem et se et suam metropolim ac diocesim graviter laesisse depre- ‚henderet, sed nimis sero.. Nam hac occasione multi postmodum sua indocta seu verius haeretica dogmata impune spargere coe- perunt in Basiliensi diocesi, quae nunquam postea poterant ex- ı0 tirpari, uti supra patuit. Quod forte fieri poterat, si Joannes Oecolampadius non praevaluisset, qui quanta vafritie civitatem hanc suis praedicationibus et scriptis infecerit et corruperit, partim in superioribus annis, partim in subsequentibus patere poterit. Sic, sic dormitantibus aut negligentibus patribus fami- 15 las inimicus homo zizania seminando fidei triticum suffocavit !). Sed haec alias. In huius episcopi locum jam pridem diebus ferme decem aut quatuordecim elapsis ante illius obitum tan- quam coadjutor electus et subrogatus fuit quidam ex canoniecis cathedralis ecclesiae, dietus dominus Philippus de Gundelsz- 20 heim, qui postmodum episcopatu potitus dictae gubernacula suscepit ecclesiae pro libito moderanda?). Utinam pie felici- terque! [Tunc temporis in locum domini Thelamonii subrogatus est reverendissimus in Christo pater, dominus Augustinus Fri- 25 singensis episcopus, ut sit suffraganeus sive vicarius in spiri- tualibus domini episcopi Basiliensis moderni, quem et ipse postmodum quoad subdiaconatum , diaconatum et sacerdotium - eonsecravit, nihilominus concionator in ecclesia cathedrali per- 2 severans.] 30 Porro praedecessor ille dietus dominus Nicolaus a Diespach, qui prius coadjutoris officium gerebat, paulo ante pro pace sua civitatisque et capituli prudenter suo cesserat officio (forte a suis Bernensibus avisatus), redditis illi cunctis expensis prius habitis etc. Susceptus est autem idem modernus episcopus ho- 35 norifice a senatu civitatis feria secunda...) anno praesenti non-(23.Spt.) dum in sacerdotem consecratus®). Nam postmodum in festo sancti Thomae apostoli, quod erat in sabbato quatuor tempo- 21. Dec. = rum, consecrabatur. [2)1 | 6. rei L. dioecesin A. 9. divecesi L. dioec. A. 19. Filippus de Gundolsz- | heim A. 21. moderandae A. 24. reverendus L. rdus A. 28—29. permanens A. O2 ac A, 37. »quatuor temporum« fehlt A. 1) Matth. 13,24 ff. 2) Wurstisen 555. Ochs V, 565 fl. 3) Wir haben hier eine Lücke angegeben. Die nähere Bezeichnung des Tages ist “ dem Chronisten in der Feder stecken geblieben. Es war nach der in der folgenden Anmerkung angegebenen Quelle, dem Oeffnungsbuche, Montag der 23. Sept., es ist also etwa zu ergänzen: ante festum sancti Michaelis. 4) Oeffnungsbuch 1490—1530, 227. Ochs V, 568. Heusler 437. 416 - | 1527. Hoc anno circa festa paschalia ex Frankfortensibus nun- dinis libri venerunt Lutheri!), Roffensis?2), Jodocı Clichtovei >) etc. contra Oecolampadium et alios significatistas de veritate cörporis Christi sub sacramento altarıs. Sed quid ipse respon-— um derit non legitur. Circa trinitatis disputatio Badensis impressa Ws venundabatur, non tamen omnia acta eius in specie, sed so- lum nucleus materiae disputatae. 24.März. In vigilia annunciationis b. Mariae post prandıum circiter horam secundam tactus fui paralysi prima vice, quam doctor Eucharius®) physicus dicebat esse opilationem nucharum’), quae et totum latus dextrum a vertice usque ad pedes notabiliter debilitavit, ita quod eodem tempore vel momento tactus illius non solum penitus nil scribere sed nec legere aut perfecte vel intelligibiliter loqui potuerim. Et perduravit huiusmodi de- bilitatio ultra mensis spacium, quanquam loquela in octo diebus restituta fuerit, sed non integra tamen, verumtamen postmodum nunquam recte convalui, quin semper claudicaverim et viribus subinde destitus ad quaeque pene agenda, maxime ad scriben- dum, expedite saltem ut prius, inutilis essem. Porro melan- cholica passio cum suis conditionibus adeo vehementer in me sucerescere coepit, ut non possim sperare me diu posse super- wavere: elc.®, d um 21. Apr. 1—7. Der Absatz »Hoc anno — disputatae« findet sich nur bei A, am Rande nachgetragen. 8—22. Der Absatz »In vigilia — supervivere etc.« findet sich nur bei A. Am Rande steht: Auctor paralysi tactus. 9. qua A. 1) Das dise wort Christi (das ist meyn leib etce.) noch fest stehen wydder dye Schwermergeister. Mart. Luther. zu Wittemberg. M.D.XXVL. Kuczynski: Thesaurus libellorum historiam reformationis illustrantium, Lpz. 1870, Nr. 1698. 2) De veritate corporis et sanguinis Christi in eu- charistia, per Reverendum in Christo patrem, ac dominum. D. Johannem Roffensem Episcopum (den bekannten im J. 1535 durch Heinrich VIIL. hin- gerichteten Johann Fisher, B. von Rochester) , adversus Johannem Oeco- lampadium. Coloniae, Anno domini M.D.XXVII. Aeditio prima. Am Schlusse: Excusum est jam primum hoc egregium opus, Coloniae per ho- nestum civem Petrum Quentel. Anno. M.D.XXVII. Mense Februario. In fol. — Jo. Roffen. episcopi de veritate corporis et sanguinis Christi in eu- charistia, libri quinque adversus Johan. Oecolampadium recens editi. Editio postrema. Eucharius Cervicornus excudebat, Anno M.D.XXVII. mense Aprili. In 80. 3) Jodocus Clichtoveus war Doctor der Sorbonne und Ca- nonicus zu Chartres. Er starb zu Chartres 1543. Was für ein Werk von ihm hier gemeint ist, vermag ich nicht zu sagen. 4) Ohne Zweifel »Eu- charius Holtzach der artzny doctor« (Erkanntnissbuch III, 197), gestor- ben 1558 im Alter von 72 Jahren (Wurstisen: Epitome historiae Basi- liensis, in den Scriptores rerum Basiliensium minores 257). Nach Wurstisen war er ein Sohn des im Jahre 1521 wegen der französischen Pensionen aus dem Rathe ausgeschlossenen Eucharius Holtzach (Ochs V, 365), den die Chronik des Fridolin Ryff 30,13 als den alten Holtzach über Rin bezeichnet. Der Eucharius Holtzach civis Basiliensis in minori civi- tate, der nach Lib. benef. 186 im J. 1513 und dann wieder 1518 dem Conyent eine Pitanz verabfolgen liess, ist wohl der ältere. 5) Verstopfung des Rückenmarks. 6) Es mag hier hervorgehoben werden, wie vielen. Fällen von Schlagflüssigkeit unter den Karthäusern wir in unseren Basler or -» 5 ar 10 1 or % E g 25 -o 1527, 417 Feria quinta in coena domini post prandium et circiter 18. Apr. horam quartam apud Minoritas et Augustinianos, item in pa- 19. Apr. rasceve de mane circiter tertiam ad Minoritas, deinde hora octava ad sanctum Martinum et hora quarta apud Augustinia- nos, similiter in vigilia sancta paschae hora octava ad sanctum 20. Apr. Martinum ad sermonem pulsatum fuit cum campanis more so- ‚lito contra consuetudinem patriae et totius ecclesiae. Ita Luthe- ranis visum fuit quippiam singularitatis in scandalum aut con- temtum aliorum Catholicorum Christi fidelium invehere. Item eodem anno 28. die mensis mail, quae erat feria 28. Mai. tertia rogationum, decretum est in senatu Basiliensi et domi- nica sequenti publice chartis impressis in omnibus zunftis lectum, 2. Juni. deinde per omnem ditionem Basiliensem intimatum et publi- catum est, abrogatos esse plerosque dies festos, nempe ferias tertias et quartas paschae et pentecostes, item solemnitates visi- tationis, nativitatis et conceptionis b. Mariae virginis, item b. Mariae Magdalenae, cerucis inventionis et exaltationis, Michaelis, innocentum, Henricı et dedicationis maioris ecclesiae, item festa sanctorum Laurentii, Martini, Nicolai, Catharinae, sanguinis miraculosi, Marci ac singularum ecclesiarum patronorum, puta Theodori, Leonardi, Albani, Francisci ete., quae prius de con- suetudine feriari praecipiebantur. [Summa 24 dies festi prin- cipaliores sunt abrogati.] Cetera festa sunt jussa servari. [Unde parochia Basıleae minoris festum sancti Theodori ad dominicam illius hebdomadae, qua dietum festum contingit, transtulit festivandum.]) Item quaedam alia mandabantur, quae ad pietatem conducere videbantur, scilicet de choreis tollendis > et compotationibus etc.!) Item processio in festo corporis Christi penitus abrogata est, nisi in parochiis sancti Petri, Theo- dorı et Albani et ın ecclesia cathedrali, duntaxat circum tem- 1. »et« fehlt A. 10.11. »quae — rogationum« fehlt A. 13.dein A. 18. Innocentii A. 19. Catarinae A. 25. quoLl. 26. mandabant A. 30. »et« vor Albani fehlt A. Chroniken begegnen. Die Prioren Heinrich von Ahlfeld und Jacob Louber (als Prior von Buxheim) wurden durch solche zur Weiterführung ihres Am- tes untüchtig gemacht (S. 322,1 ff. und die dazu gehörige Randbemerkung, S. 337,32), desgleichen der Freiburger Prior Gregorius Reysch (8. 397,32). Zscheckenbürlin war noch nicht lange in den Orden getreten, quando jam velut defectus apoplexiae videbatur eum attingere (S. 350,4), weshalb der Prior Jacob ihn zum Siegrist machte, damit er sich (laborando et discur- rendo). Bewegung gebe und tali mutatione relevaretur. 1) Dieses Mandat vom 28. Maı 1527 (Ant. Gernl. I, Bl. 33, 34 geben eine Abschrift aus dem 16. Jahrh.) findet sich im Auszuge bei Ochs V, 570 ff., kürzer bei Herzog II, 40 f. Hagenbach 101. Während Georg die Feiertage auf- zählt, die abgeschafft wurden, macht das Mandat die namhaft, die beibe- halten werden sollen und an denen auch fernerhin nicht gearbeitet werden darf. An den andern wird den Stiften, Pfarren oder Klöstern eine kirch- liche Feier nicht verboten, »doch dasz sie khein sonderlichen pomp, als biszher gewohn gwesen, darausz machen oder einichen tisch, den ablasz zu lösen, aufrichten« u. s. w. Basler Chroniken. I. 2 418 1527. J pla, sine pompatico ritu vel apparatu ete.!) Similiter proces- siones in rogationibus?). Et haec de licentia summi pontificis et Caesaris dicebantur fieri.. Quod an sit necne, mea nil refert, licet magis crediderim huiusmodi ex Lutheranorum commentis esse profecta etc. - (12. Spt.) Item circa... . septembris vel paulo ante prior ordinis Prae- Sept. 16. Mai. dicatorum, der Rieher cognominatus, ab ordine et pastorali cura sua apostatando?) duxit uxorem die von Rosenberg pene octogenariam vetulam. | E Circa initium mensis septembris causa de celebratione missae, quae 16. die maii propter Oecolampadianos ventilari coeperat®), aliquatenus sopita est, senatu concludente, prout infra paulo post patebit, prius praesentatis singulorum prae- dicantium, id est Oecolampadianorum et Catholicorum huius civitatis, sententiis in lingua Germanica conscriptis, an scilicet missa sit quoddam divinum sacrifieium, in quo pro salute vi- vorum et mortuorum Christus deo patri jugiter singulis diebus offeratur, ut orthodoxi hactenus tenuerunt, an abhominatio, sicut contraria pars asseverat et hactenus impudenter satis tra- giceque in cancellis praedicavit, ac eos, qui diversum sentirent, publice condemnavit et excommunicavit, non sine grandi scan- dalo et metu seditionis. Senatus igitur ad compescendum scan- 5. profectum A, 6. circa septembris L. circa septembrem A. Ich vermuthe, dass L das Richtige giebt, und dass dem Chronisten etwas in der Feder stecken geblieben. 7. Richer A. cognomine A. Statt »ordine et« hat A eine Lücke. 8. »sua« fehlt L. 16. »in« fehlt A. 18. abominatio L. 1) Unter den zu feiernden Tagen führt das Mandat auf »unsers herr- gots tag. Doch soll an demselbigen tag khein gmeiner umbgang, wie bisz- her, mit dem sacrament beschehen (ursach dasz auf denselbigen tag vil zü hochfart und sünden fürderlich für andere tag vollbracht) gehalten werden. Wöllen aber die in den stiften oder pfarren in beiden unseren stetten Basel umbgehn, soll ihnen zügelassen sein, doch nicht weiter dann in ihren kirchhöfen und creutzgängen. Und soll zü denselbigen umbgängen kheine zünft oder brüderschaften ire kerzen, wie vornachher gebraucht, tragen, sonder die anheimisch auf ihren zunfthäusern behalten«. — Es ist also un- richtig, wenn Ochs V, 574, nachdem er das Mandat im Auszuge gegeben, im Hinblick auf das von Georg Bemerkte beifügt: »Die Kreuzgänge am Frohnleichnamstage wurden nur in einigen Kirchspielen gestattet«. Es machte vielmehr nur die Geistlichkeit einiger Kirchen von der Erlaubniss, sie beizubehalten, Gebrauch. 2) In der Woche nach dem 5. Sonntag nach Ostern (Rogate oder Vocem jucunditatis). 3) Der Revers, wodurch »Jeorig Hardtmann Ryeher von Basel« bei seinem Austritte aus dem Pre- digerkloster dieses aller Ansprüche von seiner Seite ledig erklärt, ist da- tiert vom 12. Sept. Auf die Aussteuer, die er, obgleich er nichts ins Klo- ster gebracht hatte, nach dem S$. 401,23 ff. erwähnten Mandate des Rathes zu fordern berechtigt war, leistete er Verzicht. Prediger Arch. Nr. 1206. 4) Von diesem Datum ist die Rathserkanntniss, welche die beiden Parteien auffordert, binnen Monatsfrist ihr Gutachten über die Messe einzugeben, mit dem ausdrücklichen Befehle, alle ihre Gründe ausschliesslich der heil. Schrift alten und neuen Testamentes zu entnehmen. S$. hierüber und über den weiteren Verlauf der Angelegenheit Ochs V, 584 ff. Herzog II, 42 #. Hagenbach 102 ft. | u [11 1597. 419 dalum decrevit, ex quo tale negotium esset satis arduum et am- biguum, nec de hac re temere quid definiendum esset, quod _ deberet ad concilium proxime futurum referri. Quare dixit, se _ _nondum velle quicquam aliud statuere, nisi quod ecclesia uni- 5 versalis et legitime congregata definiret, interim concedendo vel indulgendo praedicatoribus Oecolampadianis (id instanter postulantibus), quod a missarum celebratione possent abstinere; similiter Augustinianis apostatis et sacerdotibus ecelesiae sancti Martini pro pace et tranquillitate civitatis, ne quid seditionis 10 tales molirentur !). | [Item domini confoederati de antiqua liga visitarı fecerunt omnia monasteria suae ditionis per suos nuntios laicos, ne quid scilicet de bonis eorundem sive litteris deperiret, quod non tandem omne in prophanas manus devenire contingeret. Nam 15 ad hoc laici omnimodis inhiant, quod monasteriorum bona ad se devolvantur, alias de fide et religione non admodum curant. Similiter et Bernenses omnia monasteria suae ditionis per ca-(2. Juli) staldos tutari et commendari fecerunt?). Si hand sy bevögtet ' mit Lutherischen puren oder meyeren, die sich mit wyb und 20 kind darusz erneren söllen?). Sic fecerunt etiam in Tigurensi \ ditione®). O qualia tempora! Haec omnia in eum finem, ut $ 2. tamen L. 5. universaliter L. 1l. Von dem ganzen Abschnitte »Item — vigeat« En (S. 420,13) hat A nur das Stück »Bernenses omnia — in Tighr. ditione«, das es oben nach = den Worten »octogenariam vetulam« (S. 418, 9) einschiebt. 14. prophanos L. 18. Sie handL. sie bevogtet A. 19.20. weib und kinderen L. 20. ernehren A. sollen L. 1) Die betreffende Rathserkanntniss wurde den 23. Sept. erlassen. Den Inhalt derselben s. bei Ochs V, 587 £. (8. 588 ist uffmutzen statt uff- muthen zu lesen), Herzog Il, 54. Vgl. oben S. 56 Anm. 1. — Der Ge- danke, dass der Rath dem allein endgültigen Entscheid eines Concils nicht vorgreifen wolle, findet sich im Wortlaute der Erkanntniss nicht ausge- sprochen, es berechtigt uns dies aber nicht, mit Ochs V, 586 und Her- zog II, 5i neben der Erkanntniss vom 23. September noch eine frühere Erkanntniss oder Antwort an die Prediger anzunehmen, welche die Ver- schiebung auf ein Ooncil ausgesprochen. Am 31. August schreibt Oecolam- pad an Zwingli: Nudiustertius (also am 29. August) lecta sunt hic coram senatu, quae de abroganda missa scripsimus. — — Iterum aliquandiu sen- tentiam, ut vereor, suspendent (Zuinglii opp. VIII, 89). Am 7. September schreibt er an Otto Binder in Mülhausen: Speramus autem et senatum pro- pediem aliquid super re missaria definiturum (Oecol. et Zuingl. epp. 207). Wie Ochs dazu kommt, für jene vermeinte frühere Erkanntniss das Datum des 2. oder 3. September anzugeben, ist mir nicht ganz klar. 2) Am 28. Juli 1527 beschlossen die Räthe zu Bern, alle Klöster ihres Gebietes unter Bevogtung zu setzen, so dass künftighin von allen ihren Einkünften, sowie von deren Verwendung Rechenschaft abgelegt werden ' musste. Am 4. August wurden diese Vögte eingesetzt. Tillier: Gesch. | des Freistaates Bern Ill, 249. Cardauns: De reformatione Bernensi 100. -Anshelm im Geschichtsforscher X, 284. 3) Der bekanntlich eifrig evangelisch gesinnte Anshelm leitet a. a. OÖ. das Verzeichniss der einge- setzten Vögte mit den Worten ein: und sind disz von den burgren die ersten vögt gewesen, deren keiner arm worden. 4) Im J. 1527 über- gab Wolfgang Joner, Abt zu Cappel, dem Rathe zu Zürich sein Kloster, ‘das nun unter seiner Leitung zu einer Schule umgewandelt wurde. Die 21” — — — — — —— 22. Oct. 26. Oct. 27. 0ct. 420 1527. cuncta monasteria aboleantur in aliis_regionibus, sicut postmo- dum evidenter patuit. en Item hoc anno secta rebaptistarum in diversis Germaniae partibus, praesertim in Suevia, vehementer augmentari coepit, et multi ex eis graves poenas dedere. Et haec haeresis cunctis aliis nocentior credebatur, si tandem (quod deus avertat) prae- valeret. Sed ea tamen de territoriis Bernensium et Tigurino- rum sub poena gravissima et interminatione mortis profligata est partim hoc anno, partim anno subsequentil). Nam nequi- tia eius paulatim revelari coepit et deterior apparere, quam illius sectae Bohemicae, quae vulgariter der Grubenheimer ap- pellatur?), licet adhuc oceulte in multis locis et in hac eivitate (uti fide digni retulerunt) vigeat.] In mense octobri feria tertia post Ursulae conventiculum fecerunt nonnulli ex Oecolampadianis seu Lutheranis in coe- nobio Augustinensi circiter trecenti viri, qui et ibidem coena- verunt, quasi simul tractaturi de utilitate civitatis seu reipublicae et senatum conveniendi seu interpellandi pro certis articulis, quos eidem proponere volebant, supplicaturique, quatenus legi- timum in his et aliis habere possent consensum, quandoquidem nec ipse senatus (ut mentiebantur) non esset inter sese concors et unanimis. Qui dum diutius de huiusmodi negotio tractarent consulendo et vota, singulorum pensando, cum ipsi inter se valde discordes essent, discedentibusque ab illis, qui potiores prudentioresque inter eos esse videbantur, cum indignatione, quod spreti viderentur, contigit nutu dei, quod huiusmodi con- ciliabulum senatui denudaretur, qui statim ad eos missis nuntüs de huiusmodi negotio percontabantur et post sabbato sequenti convocatis universis illis strietius eos convenientes et increpan- tes adhibitis minis dimiserunt. Sequentique dominica de huius- modi conventiculis cavendis in singulis zunftis omnes cives monuerunt, :ne quid tale de cetero a quopiam tentaretur, nisi graviter vellet puniri in substantia et corpore etc. 3) [Simile quiddam nebulones isti infra natalitia Christi et carnisprivium eodem anno facere tentaverunt, quando in certis 16. Augustin. A, 20. possent habere A. quem quidem A. 21. se A. 23. sese A. 25. et prudentiores A. 33. Am Schlusse dieses Absatzes hat A in Klammern: Nota. Manus illa asscripsit: Nugae. L hat am Rande neben dem Texte: Ad marg.: Nugae. 35. »quia statt »quando« A. übrigen Klöster des Zürichbiets waren schon früher secularisiert worden. 1) Hottinger I], 31 fi. 2) Grubenheimer, Jamnici wurden die böhmi- schen Brüder genannt, welche durch die Verfolgung des Georg Podiebrad genöthigt wurden, sich in den Gebirgen und Wäldern verborgen zu halten, wo sie in Höhlen wohnten. Herzog: Realencyclopädie I, 388. Wie Georg, so vergleicht auch Salat 150 die Wiedertäufer mit ihren nächt- lichen Versammlungen, bei denen (z. B. zu Therweil bei Basel) viel Un- keuschheit verübt worden sei, den böhmischen Ketzern. 3) Vgl. die Chronik des Fridolin Ryff 55. x LiER EEE 20 1527. 1528. 491 zunftis convivia fecerunt. Interdum quinquageni, nonnunquam centeni vel plures quasi pro honore et reverentia suorum prae- dicantium, id est Joannis Oecolampadii, Marcı Bertsch, Tho- mae Keszler !\ Augustinensis, Wolfgangi in hospitali et Joannis 5 Minoritae, quos pariter invitatos secum esse fecerunt, quasi hi soli essent, per quos Christi veritas eis innotuisset. Nec quen- gquam, qui non esset de secta ipsorum, invitaverunt. Quare indignati ceteri concives Antilutherani ac se contemtos esse judicantes, et ipsi convivia facere inter sese coeperunt, conve- io nientes in zunfta laniorum?). Unde domini de senatu veren- tes, ne sub hac occasione tumultus oriri posset, ex utraque parte prohibuerunt de cetero talia convivia fieri sine scitu et licentia magistratuum. Ecce quid evangelici viri illi promovere student, non certe charitatem aut concordiam inter cives, sed 15 seditiones et scandala. Quae utinam aliquando non contingant, dum incaute pacata speramus omnia!] rs Anno domini 1528. In mense januario Augustinenses Basileae suum monaste-(18.Jan.) rium civitati vendiderunt pro victalitio ad vitam?), qui post- 2 modum omnes duxerunt uxores. © In eodem mense in die epiphaniae coepit disputatio so- 6. Jan. lemnis Bernae?®), pro qua est sciendum, quod 17. die novem- 17. Nor. bris anni praecedentis domini Bernenses communi decreto dia- cosiorum (qui vulgariter die zweyhundert appellantur) ordina- 4, Augustiniensis A. 8. Antiluterani L. 9. se A. 16. A fügt bei: NB. Asscripsit ille: Haec facta sunt insciis et renuentibus concionatoribus. L setzt unter den selbst schon am Rande stehenden Absatz: Aliena manu: Haec facta sunt insciis etrenuen- _ tibus concionatoribus persegnis. In dem persegnis steckt natürlich ein Fehler, dem aber " schwer auf die Spur zu kommen ist. 17. »Anno domini« fehlt A. 18. Augustinienses ” A. 20. Statt »omnes duxerunt«e hat A: abduxerunt. 24. quos vulgariter die 200 ap- L pellant A. 1) Sonst Thomas Geyerfalk (Girfaick, Gyrfalck) genannt. Vgl. über ihn und die andern Prediger oben S. 37.409. 2) Hagenbach 103 vergleicht diese convivia der beiden Parteien unseren »Zweckessen«. 3) Donnerstag den 18. Januar 1528 übergaben die noch im Augustinerkloster befindlichen Mönche »Nicolaus Kornmesser prior, Thomas Girfalck der leszmeister, Connradus Hug custor und schaffner, Bath Gropp, Jopp und Georius von Rinfelden gebrudere, als gemeiner convent des closters sancti Augustini alhie zu Basel und des ordens der Heremiten« das Kloster mit all seinen Rechten und Besitzungen an Bürgermeister und Rath, und Samstag den 20. Jan. sichern diese den Mönchen angemessene Leibgedinge zu. Bruder Thomann Gyrfalck wird die Prädicatur auch fernerhin versehn. August. Archiv Nr. 280%b. 4) Ueber die Berner Disputation siehe die unten er- wähnten Acten derselben in den verschiedenen Ausgaben, am zugänglich- sten in Walch’s Ausgabe von Luthers Schriften XVII, 2008 ff. Ur- kunden der Bernischen Kirchenreform aus dem Staatsarchive Berns gesammelt von M. v. Stürler, hsgeg. vom histor. Verein des Kan- tons Bern. Bd. I, Bern 1862. Bullinger I], 395 ff. Salat 161 ff. Kess- ler II (Buch V), 131 ff. Tillier III, 250 ff. HottingerlII, 103 ff. Cor- respondance des reformateurs dans les pays de langue fran- taise recueillie — par A. L. Herminjard II, 54 (Nr. 206) ff. 492 Le 1528. ur verunt disputationem fieri in sua civitate in hoc anno sub die praedicta epiphaniae et sequentibus, ita quod mandatum mise- runt ad omnes civitates, opida et villas suae ditionis, quod singuli plebani seu curati, etiam monasteriorum, id est tam priores temporales quam abbates in dicta sua ditione ad domi- nicam proximam post circumeisionis, quae erat in profesto epiphaniae, ad hospitia se conferrent disputaturi et responsuri de his, quae pro fidei concordia deservirent, maxime de prin- eipalioribus articulis, quos tunc simul promulgaverunt ad par- tem, scilicet de ecclesia, de cerimoniüs, de missa, de purgato- rio, de coelibatu etc., de imaginibus etc. !) Insuper quod epi- scopi quatuor diocesium, ad quos se Bernensis ditio extendit, scilicet Oonstantiensis, Lausannensis, Sedunensis et Basıliensis, tanquam supremi pastores anımarum eorum, pro quibus se jacta- rent et haberi vellent, in propria persona cum suis doctoribus et theologis ibidem compareant, sub poena privationis omnium bonorum seu jurium, quae ex parte dignitatis et officii sui in ditione Bernensi haberent?), ad auscultandum et discurrendum seu definiendum (per scripturas canonicas) de his, quae dispu- tanda forent pro communi pace et concordia fidei in illis par- tıbus, eo quod disputatio Badensis, quae fuit sub anno supe- : EHE f NT WE a ee 10 20 rıore, scilicet 1526, maiori parti sacerdotum et plebis non satis- fecisset, sed nıhilominus dissensiones et scandala suborta fuis- sent inter eos, quae tollenda decrevissent omnino et quod am- plius talia fieri non sinerent in territoriis suis. Episcoporum tamen nullus illuc se conferre dignatus est, eo quod vide- retur eis hoc esse contra decreta catholicae et apostolicae sive Rhomanae ecclesiae, et quia pars adversariorum fortior ibi conventura esset, prout ex facto postmodum patuit, ut infra videbitur. Episcopus tamen Lausannensis duos aut tres docto- res loco sui miserat illuc, quorum tamen duo fuerunt mo- nachi, et quia idioma Alamanicum ignorabant, ad dominum suum sunt remissi®). Praeterea mandatum Bernensium ad om- 2. Epiphanii A. quoque A. 3. »et« fehlt A. 5. »temporales« fehlt L. »dieta« fehlt L. 6. circumeisionem A. festo L. 9. promulgaverant A. 10. ceremoniis A. 11. celibatu A. etimaginibus L. 12. dioecesium L. quas A. 16. appareantL. 21. ab anno L. fuit anno 1526 A. 24. Statt »omnino« hat L: nunc. 25. sinentur L. 26. illie A. 26. viderent A. 28. Romanae L. quod A. 29. conventa L. 32. Allemannicum A. 33. »suum« fehlt L, remissi sunt A. 1) S. dieses Ausschreiben vom 17. Nov. 1527 bei Bullinger I, 395 ff. Stürler 2U4 ff. Walch 2008 ff. Die französische Uebersetzung Farels bei HerminjardII, 54 ff. 2) Das Schreiben an die Bischöfe s. Stürler 209, die lateinische Fassung, die an den Bischof von Lausanne abgieng, bei Herminjard II, 61 f. 3) Die Correspondenz, welche sich auf das Ein- ladungsschreiben an den Bischof von Lausanne, Sebastian v. Montfaucon, zwischen diesem und dem Rathe von Bern entspann, s. bei Herminjard II, 74 ff. Nr. 212. 213. 215. 216. 217. 218, Stürler 219. 535. 236. 239. 554. Der Rath bestimmte am 6. Januar, die Welschen sollten vin Latin dispu- tieren, zu letst« (Stürler 74). Erst am 25. Januar kam es dazu (Her- 25 30 ER, ER R I Kr h &, r Fr) er eN- 7: TC “ 5 er z an 10 1 or 17 =) 1528, 493 nes confoederatos missum est!) et ad longinquas Alamaniae partes divulgatum, item doctori Egkio, qui ex causis rationa-. bilibus, ut ipse postmodum per litteras insinuavit confoederatis, venire seu comparere non potuit, imo et noluit?). Unde etsi valde pauci de confoederatoribus ligae veteris ad disputationem venirent, multi tamen ex alıs venerunt et ex Suevis, Viennen- sibus?) etc., qui omnes Lutheranae factioni favere videbantur. Et revera disputatio haec per Oecolampadianos et Zuinglianos fieri dudum practicata est. Nam cum viderent Oecolampadiani, quod Basileae non possent reperire locum aptum sui propositi, diu laboraverunt, quatenus saltem alibi libere de huiusmodi rebus disputare et definire possent. Quod et tandem factum est Bernae (prout etiam Zuinglius dudum ante duos annos desy- deraverat) industria et praxi Berchtoldi Hallers concionatoris Bernensis et Francisci Kolb, qui prius ibidem plebanus quon- dam extitit?), deinde ordinem Carthusiensem professus, post- quam multis annis in eo stetisset Nurembergae, eatenus pro- fecit, ut tandem lutherismum professus apostataverit ab ordine sub anno 15245). Sicque demum, postquam multa loca perva- Satus esset, Bernam se contulit et a Lutheranis civibus gratan- ter exceptus in concionatorem una cum Berchtoldo publice est electus sub anno 1527. Igitur hi duo quantum in hoc negotio profecerint, effectus subsequens ostendit. Miserunt itaque Ar- gentinenses duos ex concionatoribus suis, scilicet Martinum 1. confederatos A. Alemanniae A. 3. confederatis A. 4. »imo et noluit« fehli L. 6. venerantL. Wiennensibus A. 8. Zwinglianos A. 10. invenire A. 11. dein A. 13. Zwinglius A. 14. Halleri A. (Vgl. indess Philippi Stouffers, S. 320,3.) 16. dein A. 18. apostataret A. 20. omnibus L. 21—22. Statt »est electus« hat A : delectus. minjard Nr. 218 Anm. 3). Die Lausanner Gelehrten (das Berner Raths- manual spricht von vieren, Stürler 77) reisten aber schon den 11. Januar ab (Stürler 77), worüber sich der Rath in einem Schreiben vom 12. Jan. beim Bischof beklagte, der am 21. Jan. antwortete (Herminjard Nr. 217. 218. Stürler 554). Er lässt die Gelehrten zu ihrer Rechtfertigung u. a. sagen: sustinuimus sex dierum spacio, si quid Latini sermonis ab auctori- bus abxiomatum (quae vocant) in verbi dei gratiam depromerentur [lies: depromeretur], sed spectrum nobis visum est, quo [lies: quod] ydiomate nobis incognito res agatur, cum tamen ipsa axiomata Latine acceperimus. H. meint, der Bischof habe auf den an ihn gelangten Befehl des Kaisers hin, die Disputation mit allen Mitteln zu verhindern, seine Gelehrten zurück- berufen. — Vgl. auch Herminjard Nr. 237 den Brief, in welchem der Rath von Bern dem Johannes Grandis, Chorherrn zu Lausanne, einem jener Gelehrten, in Folge des Ausgangs der Disputation seine pfarrherr- fichen Rechte im Bezirk von Aigle entzieht. 1) Das Begleitschreiben s. Stürler 211. 2) Sein Schreiben an die Eidgenossen s. Salat 172. 3) Was hier gemeint ist, ob und wie der Chronist sich verschrieben (viel- leicht für Ulmensibus), ist schwer zu sagen. 4) S. Bullinger I], 39. 5) Anshelm VI, 95 berichtet zum J. 1522: So gieng uf St. Stephanstag Meister Franz Kolb von Basel, der Schwyzer gnemt, in der Karthus- [zu Nürnberg] Custor und Predikant — der sunderlich groszen Zulouf hatt und zum ersten mit Doctor Johann Oseandern die evangelische Lehr hatt angelassen — us der Karthus ins Augustinerkloster in die Fryheit. IE 1528. Butzerum, qui et ipse fuit apostata ex ordine Praedicatorum et _. ad disputandum et logquendum promtus, et Wolfgangum Capi- 26.9, tonem, qui ambo in festis sanctorum Stephani et Joannis evan- 27.Dee. gelistae Basileae concionati et a Lutheranis honorifice tractati sunt. Hi postmodum una cum Oecolampadio Bernam venerunt, quo et Zuinglius armata et valida manu suorum et Bernensium perductus est, et alii complures ex diversis locis, scilicet ex Constantia, Ulma, sancto Gallo etc. haud indocti sectae illius doctores venerunt!). Ooepta est autem disputatio illa in festo epiphaniae et duravit pene quatuor septimanis?). Et praevaluit pars maior minori, id est Lutheranorum Catholieis, quorum mi- nor pars ibidem affuit, hoc est simplices et indocti plebani, curati et sacerdotes, qui se subscripserant hactenus ecclesiae catholicae, qui tandem- importunitate et vexationibus Luthera- norum vieti etiam ipsi cum ceteris se dediderunt, paucis ex- ceptis. Miserant autem et Friburgenses Bernensibus finitimis suum doctorem Augustinianum dietum N. Treyer, virum utique doctum et catholicum, ut cum illis disputare tentaret. Sed quamprimum exorsus est partem adversariorum convellere et corripere, repulsam passus est et ad suos redire quantocyus \ jussus®). Fuerunt tamen inter curatos et plebanos ditionis Ber- 1. Buzerum A. 3. cum ambo L. Stefani A. 6. cum armata A, 9. professores advenerunt A. 10. epifaniae A. 11. maior numero L. 15. »etiam« fehlt A. caeteris A. 16. finitimi A. 17: Statt N. Treyer hat L eine Lücke. 20. quantocius A. 21. Am Rande bei L: Ad marg.: Audita, non visa narras. Diese Randbemerkung, eingeleitet durch die Worte: NB. hic asscript. ad marg. fügt A nach passus est in Klam- mern ein. 1) Ein Verzeichniss der auf der Disputation anwesenden Gelehrten und Rathsbotschaften aus der Eidgenossenschaft und aus der Fremde giebt Bullinger I, 428 ff. In Betreff Basels s. Ochs V, 601. 2) Sie wurde geschlossen den 26. Januar. Walch XVII, 2351. Bullinger I, 435. »Zu uuszgendem jenner schleysz sich das volck — und zog iederman heym an sin gwarsamme«. Ebend. 438. 3) Dr. Conrad Treyer (auch Treiger' oder Treger geschrieben), Augustinerprovincial, hatte sich schon an der Badener Disputation eifrig betheiligt. Auf Ansuchen Capitos und Butzers wurden am 5. Januar die Räthe von Luzern und Freiburg noch einmal dringend eingeladen, Murner und Treyer an die Disputation zu schicken (Stürler 74. 237 f. Baum: Capito und Butzer 397). Murner erschien nicht, wohl aber Treyer, der am 9. Januar zur Bekämpfung der ersten Schlussrede auftrat, wobei er ausdrücklich erklärte, er sei nicht von seiner Obrigkeit, Schultheiss und Rath von Freiburg, noch vom Bischof von Lau- sanne hergesandt von ihretwegen zu disputieren, »sonders für sich selbs und sunst für niemands« Handlung und Acta, Bl. XXV®b der in der folgenden Anm. aufzuführenden Zürcher Quartausgabe, bei Walch S. 2061. Er disputierte nun an diesem Tage mit Capito und Butzer. Nachdem am folgenden Tage Butzer wieder gesprochen, erhob sich Treyer mit den Wor- ten: »Ersammen frommen lieben Christen, es hat hütt den gantzen tag Martin Butzer vil seltzamer red yngefürt und ein lange predig lassen hören ete.«. Die Präsidenten bedeuteten ihm, er solle den Span, den er mit den Strassburgern hatte (vgl. Haller III, Nr. 199) und der an anderer Stelle zu erledigen sei, aus dem Spiele lassen und sich an die Erörterung der aufgestellten Schlussreden halten. Darauf protestierte er und erklärte, er müsse auf die Stellen, die [3 & 1528. | 425 nensis aliquot haud indocti, qui etiam fortiter restiterunt ad- versariis. De quibus omnibus latius et verius habetur in actis disputationis illius, quae postea Tiguri fuit impressa et in nun- dinis Franckfordensibus post dominicam laetare publicata et22.März. divulgata!). Disputatum fuit in templo sancti Vincentii?) sub lingua vernacula et omnibus per ordinem libera facultas dispu- ‚tandi concessa tam doctis quam idiotis, tam clericis quam laicis etc., exceptis mulieribus, quibus hoc non licet, scilicet in eccle- sia loqui. Proposuerunt et rebaptistae causam suam coram’). a 4. Francofurtensibus L. 7. doctoribus A. iduotis L. »tam« vor »clericis« fehlt A. 8. in coetu A. 9. »Proposuerunt — coram« fehlt A. L fügt noch hinzu: His verbis finit chronica sua autor, Butzer aus seinen Schriften angeführt und erläutert habe, eintreten dürfen. »Unnd so verr im nit volkomner platz zu reden, was zü der sach dienen, vergonnen möge werden, als uff einer fryen disputation, diewyl dem Butzer sölichs hütt zugelassen, welle er nit disputieren: dann die acta möchten in truck uszgan, und so im nit bewilliget nach notturfft ze reden, möchte geachtet werden, das er das selb ze thünd nit gewüzst, so im ein gsatz gemacht und das mul verschlossen were«. Gegen diese Auffassung prote- stierten sodann die Präsidenten, die Strassburger und Zwingli. Handlung und Acta XLIIIL fl, bei Walch 2092. 1) Handlung oder Acta gehaltener Disputation zu Bern in Uchtland. — Die Quartausgabe, von der die Universitätsbibliothek in. Basel ein Exemplar besitzt, trägt am Schlusse das Datum: »Getruckt zu Zürich by Christoffel Froschouer, am XXIII. tag Mertz. Anno. M.D.XXVIIl« — Sie enthält 245 Blätter. Haller III, 317 führt noch eine Froschouerische Ausgabe in 8° an, welche das Datum des 23. April trägt. S. ebendort über die spätern Ausgaben. ‘Vgl. oben S. 421 Anm. 4. 2) Vielmehr in der Barfüsserkirche. Walch 2014 (wo 4. Januarii ein Druckfehler ist für 6. Januarü). Bullinger ]J, 430. 3) Bullinger I, 436. Stürler 79. 2 Aus ARE 182: u} pe a nr ER TIDIRSEEET at D AUBRUES = SA Ei > LY. Aufzeichnungen eines Basler Karthäusers aus der Reformationszeit. 1522 — 1532. Einleitung. Die letzte unsrer Chroniken, in deutscher Sprache abgefasst, inhalt behandelt zunächst die Schicksale der Karthäuser in der Zeitennir. zwischen dem Auflaufe vom 8. und 9. Febr. 1529, durch wel- chen die evangelische Partei in Basel zum vollständigen Siege gelangt war, und dem Vertrage vom 16. Juli 1532, der das Verhältniss des Klosters zur Stadt endgültig regelte. Kurz nach der durch jenen Auflauf erzwungenen Aenderung im Rathe wurde ein Mandat erlassen, nach welchem die Ordens- leute ihre Statuten aufgeben, ihre Kleidung ablegen und die Predigt besuchen sollten, übrigens die Wohnung im Kloster beibehalten konnten, wenn sie es nicht vorzogen,, auszutreten und sich in der durch das Mandat vom 26. September 1525 (S. 402 Anm. 1) vorgeschriebenen Weise abfinden zu lassen (S. 90). Die Karthäuser wollten sich nun mit wenigen Ausnahmen nicht dazu verstehn, unter jenen Bedingungen im Kloster zu bleiben, sie wollten aber ebensowenig, um Basel verlassen und anderswo ihr Ordensleben fortsetzen zu können, sich darauf einlassen, gegen eine persönliche Abfindung auf ihre Ansprüche an das Kloster zu verzichten. Der Rath befand sich in einer sehr schwierigen Stellung. Liess er den Karthäusern gegenüber eine Ausnahme von dem eben erlassenen Mandat zu, so ge- fährdete er sein Ansehen und rief möglicherweise Gewaltsam- keiten von Seiten der Bürgerschaft hervor, liess er die Kar- thäuser abziehn, ohne dass sie auf ihre Rechte an das Kloster verzichtet, so gab er die Stellung, die er als Kastvogt und Schirmherr der in seinem Gebiete liegenden Klöster in An- spruch nahm, der Karthaus gegenüber Preis und hatte die unan- genehmsten, vielleicht von weittragenden Folgen sowohl in reli- giöser als in politischer Beziehung begleiteten Verwicklungen mit dem Orden und auswärtigen Behörden, die dieser voraus- sichtlich in sein Interesse zu ziehen vermochte, zu gewärtigen. Er versuchte daher alle Künste der Ueberredung, um die brü- der zu bewegen, dass sie auf die eine oder die andre Weise 430 Einleitung. | . sich fügen möchten, und liess zugleich das Kloster bewachen, damit niemand sich ohne sein Vorwissen entfernen könne, bestrafte auch einen Entweichungsversuch mit ziemlicher Strenge. Die Einkünfte des Klosters nahm er völlig unter seine Ver- waltung und verfuhr mit ihnen, wie mit den Kirchenzierden nach seinem Gutdünken. Die Karthäuser aber unter ihrem Vicar Nicolaus Molitoris (der Prior hatte sich noch bei Zeiten nach Freiburg geflüchtet) hielten tapfer aus, während der Prior von Freiburg aus sich bemühte, zu erwirken, dass auswärtige Zinsen, die aus seinem Vermögen herstammten, nicht den obrigkeitlichen Pflegern des Klosters, sondern ihm gezahlt wür- den. Endlich am 16. Juli 1532 kam zwischen ihm und dem Rathe ein Vertrag zu Stande, der auf der einen Seite, wenn auch nicht mit ausdrücklichen Worten, so doch thatsächlich dem Rathe den völligen Heimfall des Klosters nach dem Ab- sterben der gegenwärtigen Conventualen zusicherte, auf der andern Seite aber diesen nicht nur die Verwaltung desselben unter Oberaufsicht der Pfleger zurückgab, sondern ihnen auch das Tragen ihrer Kleidung innerhalb der Klostermauern ge- stattete. Auf den Inhalt des Vertrags im Einzelnen einzugehn, enthalten wir uns, da wir ihn unter den Beilagen abdrucken. Diese Zeit des Kampfes und des Duldens nun, die Ver- handlungen mit den Pflegern und mit dem Rathe, die Verab- redungen mit dem Prior, die Taktlosigkeiten und Ungebühr- lichkeiten, welche sich die Pfleger oder ihre Angestellten hin und wieder zu Schulden kommen liessen, all dies wird uns in der anschaulichsten Weise und mit bitterem Humor vorgeführt und bildet den Hauptinhalt der Chronik. Als Einleitung giebt der Verfasser eine Erzählung der auf die Basler Reformation bezüglichen Ereignisse seit dem Aufruhr des Jahres 1525 und der daran sich knüpfenden Inventarisierung der Klostergüter durch den Rath, wobei er auch auf Früheres, wie die Dispu- tationen Wonneckers, Oecolampads und Störs zurückgreift. Später, Blatt 22, schiebt er auf einmal wieder einen Abschnitt über die Zunahme des »lutherischen oder wicklevischen« We- sens in Basel und über den Abfall und den Tod des Bruders Thomas Brun ein, und kurz vor dem Schluss giebt er noch eine Zusammenstellung »was glucks ein stat Basel hat gehebt, nachdem dasz lutherisch wesen anfinge uberhant ze nemmen«. Die ganze Darstellung ist, wie gesagt, mit vielem allerdings bitterem Humor und höchst drastisch gehalten, sie macht auch, da wo sie eigene Erlebnisse erzählt, durchaus den Eindruck der Glaubhaftigkeit, wenn freilich auch keineswegs zu verken- nen ist, dass sie mit Behagen Alles hervorhebt, was die Geg- : ner in einem ungünstigen Lichte erscheinen lässt. Immerhin ist der Verfasser gerecht genug, um z. B. zuzugeben, dass die Brüder, während sie im Kloster eingeschlossen waren, reich- Einleitung. 431 lich mit Nahrung und Kleidung versorgt wurden. Zweifelhafter wird die Glaubwürdigkeit, wo es sich um Dinge handelt, die sich ausserhalb des Klosters zugetragen, auch da finden sich willkommene Notizen und treffliche aus dem Leben gegriffene Züge, wie z. B. die Reden, welche die Bürger im Wirthshause über die Karthäuser führen (Bl. 13°), indessen, wie der Ver- ‚fasser von einer fabelhaften Predigt Zwingli’s vor der Schlacht von Kappel zu erzählen weiss, so hat er auch bei den Klatsch- geschichten, die er aus Basel bringt, schwerlich die Quellen, aus denen sie stammten, einer genauen Prüfung unterzogen. Von nichtbaslerischen Dingen hat er bloss die eben erwähnte Niederlage der Zürcher bei Kappel und den Tod des » Häre- siarchen« Zwingli in den Kreis seiner Darstellung gezogen. Der Name des Verfassers wird in der Chronik nicht ge- nannt, und aus den Zügen der Handschrift lässt sich kein Schluss auf denselben thun; was wır besitzen, ist nicht die ursprüngliche Niederschrift, sondern eine Abschrift, und zwar . kann sie nicht vom Verfasser angefertigt sein, da ihre Züge uns in den Unterschriften der Klosterbrüder unter dem Schrei- ben an Hans Irmy (s. unten Bl. SP) nicht begegnen, während doch der Verfasser einer von diesen gewesen sein muss. Mir kommt es am wahrscheinlichsten vor, dass er kein anderer ist, als der Vicar, unter dessen Leitung die Karthäuser dem An- sinnen des Rathes ihren nicht erfolglosen zweijährigen zähen Widerstand entgegensetzten, der am Schlusse der Continuatio genannte Nicolaus Molitoris. Die ganze Haltung der Erzäh- lung trägt denselben derben, energischen Charakter, der das darın erzählte Auftreten des Vicars und die von ihm verfassten Schreiben an den Rath auszeichnet und der einen der Abgeord- neten des Räathes zu der Bemerkung veranlasste: » Uwer vica- rius ist ein ruchman und unerfaren in weltlichen sachen, das wirt von unseren herren ermessen, wo dasz nit, hett er 7 köpff, man hüwe sy im alle syben ab« (Bl. 22;. Auch spricht für diese Annahme die Genauigkeit, mit der alle Verhandlungen und Auseinandersetzungen wiedergegeben werden, und die auf einen Verfasser deutet, der bei denselben in hervorragender Weise betheiligt war, sowie die wörtliche Mittheilung der an den Rath erlassenen Schreiben. Nicolaus Molitoris (nur aus- nahmsweise kommt er mit dem deutschen Namen Müller vor)) legte am Tage Simonis und Judä (28. Oct.) 1496 sein Gelübde in der Karthaus zu Basel ab?), wo er in der Folge die Stellen 1) Ueber die genitivische Form der latinisierten Geschlechtsnamen s. oben $. 241 Anm. 2. Die Humanisten neueren Schlages machten sich über diese mittelalterliche Art der Latinisierung lustig, für die fingierten Ver- fasser der epistolae obscurorum virorum werden mit Vorliebe latinisierte Handwerkernamen im Genitiv gewählt, Lignipercussoris, Fornacificis, Li- nitentoris, Pileatoris u. s. w. 2) Karth. Arch. Nr. 554. 432 Einleitung. des Sacrista, des Schaffners und des Vicars bekleidete!). Nach dem Zeugnisse Georgs (oben S. 356) hat er eine ganze Anzahl von Büchern fürs Kloster abgeschrieben. Schaffner würde er nach eben dieser Stelle Georgs erst nach 1516, wohl als Nach- folger Philipp Stouffers, im Jahre 1519 begegnet er uns in einer Urkunde als solcher. Vicar wurde er wohl ebenfalls als Nachfolger Stouffers, der im Jahre 1525 nach Ittingen abgieng, denn schon 1526 (am 19. Nov.) ist Bartholome Knobloch Schaff- ner (Karth. Arch. Nr. 478), derselbe, der in unsern Aufzeich- nungen so schlecht wegkommt. Als nach dem Vertrage von 1532 die Verwaltung des Klosters wieder dem Convente über- geben wurde, übernahm Nicolaus aufs Neue die Stelle des Schaffners und wird nun bald bloss als Schaffner (in einem von seiner Hand geschriebenen Actenstücke von 1533 unter den unsignierten Papieren des Karthäuser Archivs nennt er sich »conventual und schaffner desz gotzhusz sant Margarethen«), bald als oberster Schaffner, bald als Vicarıus und Schaffner bezeichnet, und zwar auch nach dem 1536 eingetretenen Tode Zscheckenbürlins, wo ihm die oberste Leitung des Convents zufiele Prior wird er nur in einem Briefe des Mainzer Priors Gobelin genannt, der als Visitator der Provincia Rheni nach seinem Tode vom Rathe verlangt, dass ihm gestattet werde, dem Kloster einen neuen Prior zu setzen. Da dieser Brief (Karth. Arch. Band ©, Nr. 22) vom 18. October 1545 datiert ist, das Calendarium aber den Todestag des Nicolaus unterm 6. September verzeichnet, so werden wir nicht irren, wenn wir annehmen, dass er am 6. September 1545 gestorben. Ze ler Die Chronik trägt am Schlusse das Datum: Finis 12. maii sung. anno 1532. Die Aufzeichnung fällt also noch in die Zeit des Kampfes. Dass sie in Einem Zuge gemacht worden, dafür spricht eben diese Angabe des Datums am Schlusse. Die Be- denken, die aus der mehrmaligen Unterbrechung des Zusam- menhangs durch das Einschieben der Erzählung früherer Bege- benheiten hiegegen erhoben werden könnten, werden wir bei Bl. 22, wo eine solche Unterbrechung eintritt, zu beseitigen suchen. Der Verfasser konnte seine Darstellung an die Mit- theilung der an den Rath gesandten Schreiben anknüpfen, deren Concepte er aufbewahrt hatte und zu deren besse- rem Verständniss er sich vielleicht schon gleichzeitig die nö- thigen Notizen über die sie begleitenden Thatsachen und mündlichen Verhandlungen aufgezeichnet hatte. In den ersten Jahren der reformatorischen Bewegung hatte er die Thesen der in Basel abgehaltenen Religionsgespräche gesammelt und flocht diese nun, soweit er sie noch besass, in die Darstellung .. N Calendarium Sept. 6: Dominus Nicolaus Molitoris, procurator et vicarius huius domus multis annis. Et eciam sacrista. Einleitung. 433 des Ganges ein, den die Reformation in Basel genommen und in den allmälich die Schicksale des Klosters verflochten worden waren. Wir begegnen ın dem Verfasser unserer Chronik einer ganz enden anderen Natur, als wir sie in Bruder Georg kennen gelernt. Verfas- Beide sind Gegner der kirchlichen Neuerung, aber die Beden- “”* ken, durch welche Georg dazu geführt wird sie schliesslich völlig zu verwerfen, stechen scharf ab von dem derben Hasse, mit dem dieser sie verfolgt und der durch seine persönlichen Erlebnisse zwar wohl gesteigert, aber nicht erst hervorgerufen worden ist; denn nur daraus, dass ein solcher Hass von An- fang an vorhanden war, erklärt es sich, dass er in Wonnecker einen Vorkämpfer des katholischen Glaubens ehrt und seine albernen Thesen, deren Georg sich gewiss von Herzen ge- schämt hat, als »treffenliche artickel« preist und in die Chronik aufnimmt. Dass die katholischen Orte der Eidgenossenschaft, wie er berichtet, etliche Prädicanten verbrannt, etlichen die Köpfe abgehauen (Bl. 27°), scheint er ganz in der Ordnung zu finden. Wir werden ihn also wohl als einen starren An- hänger des Alten bezeichnen dürfen, was uns jedoch nicht hindert, ihm die 'Theilnahme zu w idmen, die aufrichtige Gesin- nung, ehrliche Ueberzeugung und unentwegtes Festhalten an derselben unter allen Widerwärtigkeiten und Versuchungen er- wecken muss. Wir werden uns auch freuen, dass neben den Berichten, die wir von evangelischer Seite über die Durchfüh- rung der Reformation in Basel besitzen, und neben den Auf- zeichnungen Georgs uns diese so recht mitten aus dem Leben herausgegriffenen Schilderungen erhalten sind, die uns helfen, das Bild jener wichtigen Zeit zu vervollständigen. Die Handschrift, dıe uns erhalten ist und sich auf dem nn grossherzoglich badischen Generallandesarchiv in Carlsruhe be- findet, bildet ein Heft ın Quart, dessen beschriebene Blätter A), A3, A), dann 5, 6 u.s. w. bis 29 signiert sind. Auf der Vorderseite von Blatt 29 schliesst die Chronik. Vor a, ıst statt ' des verschwundenen ursprünglichen ersten Blattes ein Blatt starken Handpapiers geklebt mit der Aufschrift: Ausland. (Basel.) Geschichte. (Religion.) Die Geschichte des Klosters , Karthaus zu Basel zur Zeit der reformation. de 1525.— 1532. Das Ganze ist in neuerer Zeit in grau überzogenen Pappdeckel gebunden worden und trägt die Nummer 626. Die Handschrift ist deutlich geschrieben, und schon die gleichmässige, durch wenig Correcturen bezeichnete Haltung derselben lässt schlies- sen, dass wir es nicht mit der ersten Niederschrift, sondern mit einer gleichzeitigen Abschrift zu thun haben, einen förm- lichen Beweis dafür liefert eine dieser Correcturen auf Bl. 23, wo geschrieben steht in nammen des vicarien, nach nammen aber gemäss einer Verweisung auf den untern Rand der Seite nach- Basler Chroniken. I. 28 434 Einleitung. zutragen ist: und von wegen der stadt als unser schirmherren und in nammen, also der Abschreiber durch das zweimal vor- kommende in nammen irre geführt eine Zeile übersprungen, dann aber das Versehen bemerkt und wieder gut gemacht hat. Dazu kommt noch, wie oben bemerkt, der Umstand, dass die Handschrift mit keiner der Unterschriften unter dem Briefe der Karthäuser an Hans Irmy übereinstimmt, woraus zugleich hervorgeht, dass es keiner der Klosterbrüder gewesen ist, der die Abschrift angefertigt. — Nach den Eingangsworten zu dem sofort zu erwähnenden Abdruck der Chronik durch Dr. E. Jarke lag sie »bis zur Säkularisation unter alten Acten des Bisthums Basel, die mit der Herrschaft Schliengen an Baden gekommen sind«. Beruht diese Angabe auf einer sichern Notiz oder auf einer blossen Vermuthung Jarke’s oder Mone’s, der sie ıhm zur Veröffentlichung muss übergeben haben, aus dem Umstande geflossen, dass die Chronik baslerischen Ursprungs ist und ihr Uebergang in badische Hände am ehesten durch diese Mittel- stufe bischöflichen Besitzes zu erklären schien? Ich bin ge- neigt, das letztere anzunehmen und glaube dieser Vermuthung über die Herkunft des Manuscriptes eine besser begründete entgegenstellen zu können. Als im Jahre 1762 Athanasıus Kolb, Prior der Karthaus bei Freiburg i. Br. im Namen des Ordens von dem Rathe zu Basel die Wiedereinräumung der Karthaus an denselben ver- langte (vgl. die Beilage über die letzten Schicksale der Kar- thaus), schrieb er unter anderem, es könne dem Rathe unver- borgen sein, »dasz 3tio in eben gedachten jahr (1529), da sich die so ser bedaurliche religionsspaltung ergeben, unser gotts- hausz gewalthätig hievon entsetzet, das convent hinweckh ge- nommen, zu einseithigen gebrauch applicieret, das archiv spo- lieret, die schrifften und briff enthzogen, die celostereinkünfften, gültt und rentten eigenmächtig obschon nomine monasterii ver- walthet, die religiosen ohne einige gegebene anlasz eingesper- ret, mit allerhandt unfuegen, welche dermahlen ehrenhalber nit austruckhen will, betrangsahlet, vorziglich aber theils in güette, theills mit schärffe, das sie die lehr annemen, das or- denskleidt ablegen und gegen einem anzuhoffendten lebenläng- lichen unterhalt das gottshausz sambt demme, was ihme zu- gehöret, abtretten sollen, in sie villfalthig gesetzt worden seye. — Das 4to sie religiosen allen betrohungen sich lieber blos- gegeben, Ja alle ungemacht mit standthaffter gedult vill willi- ger übertragen, als zu obigen eint so arideren sich einverstan- dten, mithin auch ihr leben, und zwahr der leste mit nammen Thomas in dem Jahr 1564 in dem bis dahin noch ingehabten closter beschlossen habe« u. s. w. Diese Auseinandersetzung stimmt so genau mit dem ganzen Gedankengang und Inhalt unserer Chronik, dass sich die Vermuthung kaum abweisen Einleitung. | 435 ‚lässt, sie sei auf Kenntniss dieser begründet und das Carls- ruher Exemplar stamme aus der Freiburger Karthaus, deren Archiv nach ihrer Aufhebung im J. 1783 dem vorderösterrei- chischen Landesarchiv und mit diesem in der Folge dem ba- dischen Generallandesarchiv einverleibt worden ist. Dass die Chronik nach Freiburg kam, wo während der Zeit des in ihr geschilderten Kampfes der Prior Zscheckenbürlin seinen Auf- enthalt genommen hatte, und wo man fortwährend die Schick- sale der Basler Karthäuser mit Aufmerksamkeit verfolgte (s. die in dem Briefe des Priors Kolb enthaltene Notiz über das Absterben des letzten derselben und die Beilage über die letz- ten Schicksale der Karthaus), ist sehr begreiflich, vielleicht ist die uns vorliegende Abschrift im dortigen Kloster selbst nach der dorthin geschickten Originalhandschrift des Nicolaus Moh- toris angefertigt worden. Während so aller Wahrscheinlichkeit nach unsere Chronik Erste . . . . . .. . ero in praktischer Weise zu einem allerdings verunglückten Resti- fent- tutionsversuche verwerthet wurde, blieb sie in der wissenschaft- "tus lichen Welt völlig unbekannt. Erst im Jahre 1846 wurde sieChronik. ihr bekannt gemacht oder vielmehr sollte sie ihr bekannt ge- macht werden, denn die Veröffentlichung, die sie in diesem Jahre durch E. Jarke in seinen Studien und Skizzen zur Ge- schichte der Reformation erhielt !), blieb fast gänzlich unbeach- tet. Keiner der Gelehrten, die seitdem über baslerische oder schweizerische Reformationsgeschichte geschrieben, hat sie ge- kannt. Es war uns daher eine freudige Ueberraschung, als uns im Jahre 1868 Herr Dr. Alfred Stern, damals Hilfsarbeiter auf dem Carlsruher Archiv, auf dieselbe aufmerksam machte, und es benutzte sofort unsre Gesellschaft die Gelegenheit, sich mit ihm über die Veröffentlichung dieser wichtigen 'Ge- schichtsquelle zu verabreden, wozu die Direction des Archives bereitwilligst ihre Erlaubniss ertheilte.e Erst während dieser Verabredungen erfuhren wir durch unser Mitglied Herrn Con- rector Dr. Fechter, dass die Chronik bereits veröffentlicht seı. Er hatte den betreffenden Band in einem Exemplar der Luzer- ner Kantonsbibliothek in Händen gehabt, und der Vorsteher der letztern, Herr Bibliothekar Schiffmann, hatte die Gefällig- keit mir dasselbe zur Vergleichung zuzustellen. Wir glaubten uns durch diese frühere, fast ganz unbekannte Veröffentlichung nicht abhalten lassen zu sollen, die Chronik in unserem Bande ın Verbindung mit andern Quellen zur Geschichte der Basler Reformation und der Basler Karthaus wieder abzudrucken, 1) Unter dem Titel »Tagebuch eines Basler Karthäusermönchs über die Schicksale seines Klosters während der Reformationszeit« bildet sie Nr. VIII (S. 523-575) des Bandes: Studien und Skizzen zur Geschichte der Refor- mation. Ein Beitrag zur Würdigung derselben, aus dem politischen und socialen Gesichtspunkte. Erster Band. Schaffhausen, Hurter, 1846. 28 * 436 Einleitung. umsomehr als die Ausgabe Jarke’s viel zu wünschen übrig lässt. Man braucht nur eine beliebige Seite aufzuschlagen, um auf grobe Fehler, zum Theil Lesefehler, zum Theil Druckfehler, zu stossen. Namentlich zeichnen sich durch solche die latei- nischen Sätze aus, die der Verfasser hie und da einzustreuen liebt. So heisst es S. 536 (Bl. 8%): vadant.. . ad sanct. Thes- dorum pyra reversuriad chanstrum statt: ad s. Theodo- rum postea reversun ad claustrum, 8. 537 (Bl. 9): uff vi- talis martyris anno vite 1529, während die Handschrift liest: anno ut supra (d. h. die hiefür gebräuchliche Abkürzung hat) und neben der Zeile, die mit ut supra endet, am Rande »1529« steht, S. 547 (Bl. 14) cusuria statt luxuria, S. 547 (Bl. 14°) in preposito und 8. 558 ad prepositum (Bl. 20) statt in propo- sito und ad propositum u. s. w. u. s. w. Doch auch der deut- sche Text wimmelt von Fehlern. So heisst es gleich S. 524: »doch ein Conventbruder ergab sich, das er wolt die Kut- ten usz zichen, des hat gantz und gar nyt ins closter bracht, vnd war by fünft ıar ym orden geweszen«, während die Hand- schrift Bl. 2 hat: »doch ein converszbruder ergab sich — —, der hat — — nyt ins closter bracht, und war by funff jar ym orden geweszen«, und Aehnliches begegnet anderwärts, ohne dass man lange zu suchen braucht. Gegen- In Betreff unserer Ausgabe ist Folgendes zu bemerken: “Aus Wo die Schreiben an den Rath im Originale noch vorhanden gabe. waren, habe ich diesen Originaltext zum Abdrucke gebracht und die Abweichungen im "Texte der Chronik als Varianten angemerkt, diese Abweichungen betreffen nicht wesentliche Punkte des Inhalts, erstrecken sich aber doch nicht nur auf die Rechtschreibung, sondern auf einzelne Wendungen des Aus- druckes, was daraus zu erklären ist, dass für die Chronik die Concepte der Briefe verwendet wurden, die der Verfasser der- selben, als er sie zum Abschicken ins Reine schrieb, wie es uns Ja häufig beim Abschreiben selbstverfasster Schriftstücke begegnet, hie und da etwas verändert hatte, ohne diese Ver- änderungen im Concepte anzumerken. — Wie mit diesen Schrei- ben, so haben wir es auch mit den Thesen Oecolampads ge- halten, bei denen wir einen alten Druck zu Grunde gelegt, der einen authentischeren Text bietet, als die Handschrift un- serer Chronik. Eine andere Bemerkung betrifft unser Verhalten gegenüber den verschiedenen Zeichen über dem u, die sich in der Hand- schrift der Chronik sowohl als in den Originalschreiben des Nicolaus Molitoris finden. Was zunächst die Chronik betrifft, so trefien wir in ziemlich häufiger Anwendung den Ring über dem u zur Bezeichnung des Diphthongs uo. Es steht aber die- ses Zeichen lange nicht an allen Stellen, wo uo zu lesen ist, während es andrerseits vielfach begegnet, wo es zweifelhaft ist, + Einleitung. 437 ob wirklich ein uo angedeutet werden soll. So in Fällen wie nun (was sehr häufig vorkommt), lut (Bl. 4°. 24), würden (Bl. 5), hüsz, hüszrat (5. 22°), wüst, wüsten (Präteritum von wissen, BL. 5°. 18), versumen (5P), stüben (8. 21®), beschlüsz (9. 11), inbrüch (11°), brüst (14. 26), et (18®), flühen (18P. 20), uszzüch, zug, zügen (19®. 26®. 27 , günst (19®), Brün (22), schü- ben (22®), verlür (22P; 28» steht lan in der Bedeutung des Infinitivs verlieren) , substituten (22P), zwüschen (22°), lüsten (Dat. plur. von, lust, ,22P), gefengnüsz (23), vernunfft (25), umb- sünst, sunst (26®. 289), schrüwen (26°), houben (Präteritum von houwen, 27»). — Nün für nun kommt auch anderwärts häufig vor, dass in sunst das Zeichen ü seine Begründung in der Aus- sprache des Schreibers findet, zeigt uns die Stelle Bl. 25°, wo umbsuost geschrieben ist, und so ist sicher auch noch in an- dern Fällen, wo wir im ersten Augenblicke geneigt sein möch- ten, den Ring über dem u als willkürlichen Schnörkel zu igno- rieren, derselbe mit Absicht gesetzt worden, und wir haben uns daher nicht für berechtigt, gehalten, ihn an irgend einer Stelle, wo er vorkommt, wegzulassen,, nl den Fall voraus- gesetzt, dass er an der einen oder der andern Stelle wirklich ohne Bedeutung sein sollte. Das zweite Zeichen über dem u, das uns ın der Chronik begegnet, besteht aus den zwei schräg von links unten nach rechts oben übereinandergestellten Punkten. Wir haben es je nachdem es den Umlaut von u oder von uo darstellt, mit ü oder mit ü wiedergegeben. — Davon verschieden ist ein ande- res Zeichen, das aus zwei in senkrechter oder etwas schräger Richtung parallellaufenden kleinen Strichen besteht. An eini- gen Stellen wird es gleichbedeutend mit den zwei Punkten gebraucht, in den meisten Fällen aber, in denen es vorkommt, bezeichnet es nicht einen eigentlichen Umlaut, sondern deutet ein spitz gesprochenes u an. In lateinischen Schriftstücken der Zeit, so z. B. in den lateinischen Karthäuser Chroniken, die unser Band enthält, begegnet uns dieses Zeichen häufig, wir haben S. 337 Anm. 1 davon gesprochen und bemerkt, dass wir es bei dem Drucke dieser Chroniken nicht berücksichtigt haben. Auch in unserer Chronik kommt es vorzugsweise in den ein- geflochtenen lateinischen Stücken vor, in den Thesen Wonne- ckers und Oecolampads, besonders häufig in den ersteren, ın deren Originaltext es der Schreiber der Chronik wohl bereits vorfand, sowie in den lateinischen Sätzen, die der Chronist in seinen deutschen Text von Zeit zu Zeit einstreut. Hie und da findet es sich aber auch im deutschen Texte selbst, so gleich auf Bl. 2?: von stünd an, die lütherischen, dispütirt, ferner Bl. 6: bistü got, u. s. w. Wir haben dieses it in unserer Chro- nık sowohl im deutschen, als auch, abweichend von unserem Verfahren in den vorhergehenden Karthäuser Chroniken, im 438 Einleitung. lateinischen Texte im Drucke wiedergegeben. Bei den vorher- gehenden lateinischen Chroniken hatte die Wiedergabe dessel- ben keinen Werth. Sobald wir es aber in der deutschen Chro- nik beim deutschen Texte berücksichtigen, dürfen wir es auch in den eingefügten lateinischen Stücken nicht ignorieren, weil uns nur so die Bedeutung desselben im deutschen Texte klar wird. Ziemlich häufig finden sich diese beiden Striche auf dem Worte zu. Ich glaube, dass auch hier nicht etwa ü gemeint ist im Sinne von ue oder einem abgeschwächten uo, wie es z. B. in den Erkanntnissen S. 76 ff., 93 ff. gebraucht wird. Es soll diese Schreibart zu vielmehr eine Aussprache andeuten, die zwi- schen der vollen Form zuo und der Form ze die Mitte hält. Endlich hat die Chronik noch ein Zeichen über dem u, das aus einem nach unten links spitzen, nach oben rechts offe- nen Haken besteht und das keine weitere Bedeutung hat als den Buchstaben, über dem es steht, als U-Laut überhaupt zu kennzeichnen, der je nach Umständen als u, ü, ü oder ü zu lesen ist. Wir haben dieses Zeichen gar nicht berücksichtigt, da es dem Leser doch keinen nähern Aufschluss über die Aus- sprache giebt und gleich den zahlreichen Fällen, wo schon der Schreiber das u ohne jedes Zeichen gelassen hat, es ihm über- lässt, sich diese selbst zurechtzulegen. Etwas anders als dem Texte der Chronik gegenüber muss- ten wir uns bei der Behandlung desjenigen der Originalbriefe des Nicolaus Molitoris verhalten. Bei diesem hat der Ring über dem u, der bald ganz geschlossen, bald mehr oder weniger offen ist, schon keine andere Bedeutung mehr als der Haken in der Schrift der Chronik. Ein anderes Zeichen über dem u, das sich bei ihm findet, ist ein von rechts oben nach links unten gezogener schräger Strich. Es liesse sich vielleicht der Unterschied feststellen für die Fälle, wo er das eine und wo er das andere dieser Zeichen angewandt hat, es hat derselbe aber für uns absolut keine Bedeutung, und wir haben daher diese beiden Zeichen nicht berücksichtigt, sondern nur das- jenige, durch welches er den Umlaut andeutet und das der Form eines kleinen e ziemlich ähnlich kommt. An diese Bemerkungen über die Behandlung der U-Zeichen möge sich noch eine solche über ein anderes Zeichen anreihen. In Fällen, wo ye gelesen werden soll, wie yederman, sye u. s. w., ist das e mehrmals über das y gestellt, mehrmals zwar neben dasselbe, aber ganz klein und etwas in die Höhe gerückt. Ich habe auch in diesen beiden Fällen ye drucken lassen. In Betreff der zahlreichen etc., welche sich vielfach an Stellen angewandt finden, wo sie jeder Bedeutung entbehren und sogar den Zusammenhang unterbrechen, haben wir uns vor- behalten, die praktischen Bedürfnisse des Lesers zu berücksich- tigen und sie nur da zu setzen, wo sie wirklich einen Sinn haben. a | So 10 2 o 2 or 1525, 2] Im jar nach Christi geburt 1525 uff Philippi und Jacobi !. Mai. ward die erste uffrur zu Basel durch die weber und gartner an den Steynen. Wider dieselbe uffrur versamlent sich die in der kleinen stadt Baszel, und also ward dieselbe uffrur gestillet und zertrennet on schaden !). Darnach ward erkennet und beslossen, das man aller kil- chen, styfft und klöster rent, gült, zins, zechen und kleinoten solt anschriben, und die presidenten der kirchen etc. müsten dem rat rechnung geben, welche rechnung und anschriben ge- schach uff fritag nach corporis Cristi in der Carthusen, anno 16.Juni. ut supra?). Nit lang darnach komen aber etlich vom rat verordnet (1. Oct.) und zöigten an in geschrifft, wie bede rät hetten erkant, das ein yedliche person solt und möcht frywillig hinuszgon, und wölche person etwas ins closter het broht, wolt man ir lassen volgen, wölche aber nyet ins closter het broht, wolt man mit ir uberkomen mit eim zimlichen, uff das die arbeit, so sie im closter gehebt, belonet wurde. Uff sölche anbringen gaben sie uns ein monat ze bedencken. Nachdem der monat verlouffen was, begert man von uns antwort. Do ward inen antwort von allen personen beder conventen, sie wolten im orden verharren. Doch ein converszbruder?) ergab sich, das er wolt die kutten uszzichen; der hat gantz und gar nyt ins closter bracht und war by funff jar ym orden geweszen, dem gab die stadt usz closters güt 16 fl.*), und er müst sich verschriben, das er keinen. anspruch me ans kloster hett. Desglichen gab im die stadt ein brieff, müst unser convent versigeln, wölcher brieff in 1) Oben 50 ff. 393 ff. 2) Vgl. oben 399 f. Dass das $S. 400 Anm. 1 erwähnte Inventar des Klostervermögens damals, und nicht etwa erst nach dem Vertrage vom 16. Juli 1532, der den Conventualen die ihnen wäh- rend der letzten Jahre entzogene Verwaltung ihres Vermögens zurückgab, abgefasst sein muss, geht daraus hervor, dass eine ganze Anzahl der darin aufgeführten Kirchengewänder in dem Verzeichniss der im J. 1530 verstei- gerten Gegenstände (s. unten die Anmerkungen zu Bl. 22) erscheinen. 3) Johannes Küffer. 8. die folgende Anm. 4) Vgl. mit dem hier Erzähl- ten 8. 401. 1522 5. Dec, 440 1525. 1522. summa inhielt, das er wer usz dem orden von uns gangen mit wissen und willen des priors und convents!), [2P] was aber nit war, dann wir müsten es thun. Zu denselben ziten warden die predicanten der stat Basel partiisch: Nemlich uff dem hohen stifft, im styfft zu sant Peter, in der pfarr zu sant Theoder in der kleinen stadt und im Pre- diger closter waren die predicanten alle catholici. Aber in den pfarren zu sanct Martin, zü sant Lienhart, zu sant Alben und in Barfüsser closter waren die predicanten alle luterisch, und schriben wider einander). In denselben ziten theten die Lutherischen vil und man- cherley ungeschickt. Namlich uff dem hohen styfft hiessen sie den predicanten zweymal offentlich an der predig lügen. So waren von stünd an da die Catholici und schlugen mit füsten ıinn sie, doch ward es gestylt on witere uffrur. Darnach hetten die doctores catholici mergliche disputationes mit trefflichen artickeln wider die Lütherischen in der universitet ze Basel. Nemlich d. Joannes Wonegker?) dispütirt die nachgonen arti- ckel und positiones. Und schlug sie uff in form und gestalt also ®) : 1) Eine Copie dieses Entlassungsscheines Karth. Arch. Nr. 476. 2) Chronik des Fridolin Ryff 37. Herzog II, 46 £. 3) Ueber Johannes Romanus Wonecker, früher Schererknecht, d. h. Barbiergeselle, dann Stadtarzt, zuletzt Professor der Medicin an der Universität s. Vischer 250 f. Sein eigentlicher Name war Johannes Rulmann von Windegk oder Windegker (in der Universitätsmatrikel von 1493 nennt er sich gespreizt, um sich ein vornehmes Ansehn zu geben, Johannes Romanus Windegker de Windegk). Das in Romanus umgeänderte Rulmann scheint sein Fami- lienname gewesen zu sein, denn unter seinem ersten Rectorate 1519 sind als die beiden ersten immatriculiert Paulus Romanus Wonnecker Basilien- sis und Lucas Romanus Wonnecker Basiliensis. Da er im Eingang der Thesen sagt, er sei aus der Stadt Hanau, wird der Beiname Windegker (Windecken liegt nördlich von Hanau) kaum die Bezeichnung seiner ei- Sn nächsten Herkunft enthalten. Vgl. den Beinamen Mentzer, den ischart führte (Wackernagel: Johann Fischart 10 ff.). Er war zweimal Rector, im Sommersemester 1519 und im Wintersemester 1522/23. Beide- mal hat er dem Verzeichniss der Studierenden eine ganz im Style der The- sen gehaltene, mit astrologischen Zeichen versehene Einleitung vorausge- schickt, die von 1522 fängt mit den Worten an: Ordinem ecclesie aposto- lica auctoritate celitus fuleitum priscorumque philosophantium kathedras Martino Lutter Turingo tempestuosa dicacitate cautelosaque hypocrisi agi- tante u. s. w. In die Zeit dieses zweiten Rectorates fallen die Thesen. Daher der Titel gymnasiarches, den er sich in denselben beilegt. 4) Glarean schreibt am 30. Dec. 1522 an Zwingli: D. doctor Wonneckus chartulam valvis templorum die ipso nativitatis affıxit tam elegantem, quam ipse est homo elegans, in qua, si modo unam lineam capio, contra Lutterum et novos haereticos disputaturus est ad 8. cal. jan.; quem diem ille designari noluit (lies: voluit), nemo nostrum scire potuit, porro ex eo interrogare prorsus nemo. Faciemus aliquando te eius participem. Nam opinor, privabitur brevi ac in alias universitates mittetur, ut pateat toti mundo, qualis nobis sit gymna- siarches. Ita enim se ipsum in eadem appellitat (Zuinglii opp. VII, 257). Zwingli an Oecolampad den 14. Januar 1523: Adlata est autem hisce diebus 2) 10 $ 5 20 ne 10 15 20 25 30 1922, 441 Quatenus ad paeis Christi zelosorum et osorum omniorsum effluat oras, Joannes Romanus Wonegk, illustris familie Hanawe oppido satus, Erfordianus alumnus, "Christi fidei haüd degener divinegque humaneque legum professor, urbis Basilee gymnasi- arches, evangelicus preco fidelisque Christi palestrita, non modo Pieridum fontis (quo Ennius animam Homeri) potu, verüm uranico applutus rore, superstites senecte vires bonarumque artium reliquias abstrüseque facıs scintillulas acturus, diva ex omni scibili humano captüi apta sparsim delecta oracula su- blita contra quoscunque e diverso blatterantes deipare virginis presidio primorumque venia confisus octavo calendas januarias ad rostra percudit, eadem nonas jülias aliquotque diebus insequen- tibus (ut copia palestritarum temporisque angustia exegerit) protelando Basilee in solita collegialis curie palestra [3] hora octava premeridiana orsurus, cunctis litterarie milicie cuiusvis status commilitonibus ubiubi degentibus, patricis suis huma- nissimis, fidei orthodoxe cultoribus, ad hoc humillime invitatis atque rogatis, publice defensurus. Ne tamen adeo differendo protesum reantur, presentaneis ad secundo nonas marcias loco et hora precentis (sine temporis prefixi prejudicio) antecipat. Ordo nature omnia servans turbatus dejicit atque deturbat. Pater creando naturague ministra ordine omnia finxit. Quique justicie ordinis debito homo factus mediator filius datus est. Ipse spiritus corda rigans, ordine spirans, salutem indidit. Cuius ingestü ordinata pontificia regna atque fasces. Que spiritus ordine vim statuendi nacta (effectus diıvini) observentur. Fo conciliorum, pontificum, cesarum natureque discussu edita et recepta divina rata sunt. Philosophorum, prophetarum, ecclesie principum sane edi- tis cautelosa adversari protervia in divinum est sevire ordinem. Cavillationibus temerariis in sacra principum (Christi organo- rum) garrire statuta est ordinem sancti spiritus pervertere. 33. Statt garrire hatte der Schreiber erst sevire gesetzt. ad nos schedula N. Eggii vestri, verborum monstris inusitatis ambitiosa, quam nec sibyllas ullas, nec magos intellecturos puto. Ibi hominem obsecro pro dignitate rideatis. Opportunissimus enim erit Glareanus noster, ut 6vov istum musas suas conspurcantem exibilet jocis et salibus. Ego enim, cum paulo ante Glareanus rem significasset, statueram pars aliqua fabulae fieri, at postquam propositionem adspexi, satius esse duxi domi manere, citra enim periculum haud fieri posse, ut motae mentis homo attingeretur. TO 989 yaoıs, OT TOv @vrıyoıoror causa hue sit redacta, ut talibus nitatur propugnatoribus (bid. 261). Glarean an Zwingli 20. Januar 1523: Risisti, quae de Horeste isto scripseram, et merito. Sed jam faxo, ut magis. rideas, nam mitto eleganteis elegantissimi viri disputationes. Eas volo amieis com- munices, ut et hi, quod Tideant, habeant. Sunt enim dignae, quas omnes rideant docti ibid. 263). Oecolampad sah indessen die Sache nicht ohne Besorgniss an. $. die Anm. 2 S. 442, y 449 1522. 1523. Et sic extra obedientie habenas evangelicas callere scriptu- ras levaque mente celitus implutis objicere sanctionibus contra divinum constat grassari ordinem. Vota, contractus, pacta, ceremonias, celibatum, sacramenta, indulgentias, federa, censuras obedientie nervum firmantia sol- vere est divinum türbare ordinem sathaneque suggestus. | Que abusiva scelestorum incuria atque indignitate mini- strata nihil roboris meritique amittunt. Eterna salus Christi ductu nostrorumque operum concursu non absolute parta ordine pendet. Usus statutorum a sanctis patribus promulgatos receptos vafre carpentes in divinum humanumque invectant ordinem. Quique extra orbitam ordinis celitus institüti statuariam personarum facultatem fragilitatis humane füco denigrare atque notare ausint, divina non missi castigantes, tanquam putrida [3"] membra scismatici resecandi sunt. Uti Roma mundi caput lingueque Latine omnium ideoma- tum finis et principis, nullius intellectus conceptüum termini notamine pre ceteris expertis, scaturigo: sic monarchica ditione pape Christi vicarii omnia siıbi divino abundantissime vendi- cantis ordine precipua sedes existit. »Multa habeo vobis dicere«, ait Christus, »qlie non pote- stıs portare modo, sed spiritus, quem mittet pater in nomine ıneo, ille vos docebit omnia«!). Stoice idee, Ptolomaice ere, mathematica cenitus, metha- phisicorum absolüta, philosophorum respectiva statuto celi co- dieis ordine descendunt. Hipocratis Coos, Pythagorici phisicorum evangeliste afo- rismatice veritates divino scatent ordine. Venefici astralogazontes, farıne füres, leges utriusque fori boni spiritus flatü latas ludentes pestiferaque rabie publicam honestatem perperam reboando consarcientes tunicam inconsu- tilem, sponsam Christi ecclesiam scindere molientes, justo dei judicio invisi pastorali conciti pietate revertantur. Orbe diffusa truce nixi labe Sancta priscorum lacero ore mordent. Christe, neu sinas equitate inulta ‘ Impia facta. Nach diser disputation, die wol recht und eerlichen von den Catholicis ward gehalten?) und wider die Lutherischen 14. fragilitis Hs. t) Joh. 16, 12. 13. 2) Wir haben sonst keine Nachricht über die Abhaltung dieser Disputation. Oecolampad war durch die Ankündigung derselben mit Besorgniss erfüllt worden, er fürchtete, dass wenn (was er wünschte) niemand von der evangelischen Partei sich an derselben be- theiligte, die Feinde sich beim Volke als Sieger ausgeben würden. ($. die Briefe, die er am 21. Jan. an Zwingli und an Hedio schrieb (Zuinglii 5 10 20 25 30 35 40 ac a 1523. 443 gnügsam concludiert, da ward doctor Joannes Ecolampadius sampt der anderen Lutherischen erzürnet und understonden ouch ein disputation ze halten wider die Catholicos. Doch ward sie vom rat und der universitet nit zugelaszen !). Conclusiones Joannıs Ecolampadiü, quas disputare statuerat do- minica post Laurentü 15232). Sicut verba, quae Christus vel benedicto ore suo vel per 7. »suo« fehlt. opp. VII, 265. Oecol. et Zuingl. epp. 209.) Indessen kam die von dem Rathe von Zürich auf den 29. Januar 1523 anberaumte und an diesem Tage auch wirklich abgehaltene Disputation dazwischen. Nach dem Berichte Gla- reans wurde Wonnecker vom Rathe aufgefordert, selbst nach Zürich zu gehn oder dafür zu sorgen, dass die Universität dort vertreten.werde. Er gieng aber nicht, und sein Gesinnungsgenosse Johannes Gebwiler wurde bezichtigt geäussert zu haben, »es wärind alls buben, die gen Zürich uf die disputation giengend«, was durch Glarean an Zwingli berichtet wurde, als die Ehre Zürichs angreifend zu weitläuftigen Erörterungen führte und, verbunden mit dem Ausgang der Zürcher Disputation, die Folge hatte, dass sowohl Gebwiler als Wonnecker sehr kleinlaut wurden (Zuinglii opp. V1I. 263. 267 ff. 274). Von der Disputation über die Wonneckerischen Thesen ist in der Correspondenz der Reformatoren keine Rede mehr und wenn sie wirklich abgehalten worden ist, so ist sie ohne jedes Aufsehen vorübergegangen. Im Sommer 1523 wurden Wonnecker, Gebwiler und noch zwei andere Gegner der Reformation vom Rathe ihrer Stellen entsetzt (vgl. oben $. 386). 1) Ueber die Disputation, die erst verschoben, dann aber am 30. August wirklich abgehalten wurde, s. oben 386 Anm. 5. 2) Ein Originaldruck der folgenden T'hesen befindet sich in den Anti- quitates Gernlerianae I, Bl. 12.13. Sie sind lateinisch und deutsch neben einander gedruckt auf der einen Seite eines grossen (jetzt zusammen- gefalteten) Bogens, so dass die andere Seite frei bleibt und das Blatt an eine Wand angeschlagen werden konnte. Vorausgeschickt ist eine Einlei- tung, die in der lateinischen Fassung folgendermaassen lautet: Joannes Oecolampadius christianis fratribus gratiam et pacem a Christo. Quoniam nonnulli contra Evangelicos, quos ipsi novos doctores vocant, temere lo- quuntur multa et in summa quatuor auditu duriora inimice et infideliter tragica querimonia illis impingunt, nempe quod despiciant omnes doctores, deinde quod occupati in solius fidei doctrina nihili faciant omnia bona opera, tertio quod despiciant omnes sanctos, denique quod conculcent om- nes humanas leges. Et quia id genus sycophantiarum in praejudicium evan- gelii et seductionem simpliecium cordium cedere compertum est, eapropter motus studio pacis, charitatis et gloriae evangelii Christi statui huiusmodi calumniis assistente gratia dei per infrascriptas propositiones, ex sacris lite- ris depromptas, proximo die dominico hora prima post meridiem in Colle- gio omnibus et singulis exposcentibus sive Latino sive vernaculo sermone respondere et rationem reddere idque non ludicra quadam, sed seria, non contentiosa, sed amica disputatione, imo potius sacrarum literarum colla- tione. Contendendi enim morem ecclesia non habet, 1 Cor. 11, nec doctri- nas peregrinas agnoscit, ad Heb. 13. Quapropter omnes, qui sese huius- modı doctrina gravari putant et ei derogare non erubescunt, obsecro et ob- testor per dulce fraternae charitatis vinculum, per sanctimoniam pacis chri- stianae, per gloriam et honorem evangelii et nominis Jesu Christi, ut tunc comparere dignentur et vel certiora doceant vel se doceri permittant. Spero enim per Christum occasionem hanc ad tollenda dissidia et fovendam cha- ritatem christianam non mediocriter profuturam. Amen. — Die vier Ab- sätze tragen die Ueberschriften: ad primam, ad secundam, ad tertiam, ad 444 1523. prophetarum et apostolorum organa locutus est, spiritus sunt ac vita dieique merentur [4 panis vitae, quo vivant animae: ita omnis mundana philosophia, omnes Pharisaeorum sequun- dariae traditiones, omnis denique humana eruditio caro sunt, et non solum nihil prosunt, sed et multum nocivae sunt et recte appellantur siliquae, quibus prodigus filius saturari nequit. Igitur ut in scholis et templis Christianorum solius Christi omne magisterium est, ita ethnicorum philosophorum et om- nıum aliorum, quanticunque sunt, doctorum, contemptibilis fit authoritas. Incredulitas potissimum in causa est, quod verbum dei apud plerosque inefficax est et praeter naturam suam non miri- fiecum. Verbum crucis (quod est verbum fidei) ad aedificium dei prae omnibus ac uberius populo seminare convenit et ne- cessarium est. Quibus verbum fidei displicet, iisdem nec Jesus crucifixus probatur, nec censendi sunt praedicare evangelium, qui fidem et gratiam non magnificant. Verissimum et saluber- rımum evangelium est et a Christo unice demandatum, ut ın fide Jesu Christi praedicentur remissio peccatorum et salus nostra, non item in operibus et satisfactionibus nostris. Quum omnes justitiae nostrae sunt immunditiae et sicut pannus men- struatae, qui fieri potest, ut aliunde quam ex fide (quae nihil creaturae, sed totum divinae misericordiae tribuit) constet salus! Verissimum evangelium est et omni acceptione dignum, peccatoribus etiam maximis ad Christum patere aditum nullis- que opus intercessoribus. Impium autem est et contrarıum evangelio, docere praeceptam a deo sanctorum invocationem. Hoc enim est tollere, non augere fidem in Christum. Verissimum evangelium est, gquod proprio filio suo non pepercerit deus, sed pro nobis omnibus tradiderit illum donan- doque illum cum ipso donaverit nobis omnia. Quorum enim Christus est, illorum sunt et omnia, quae Christi. Et qui Christi fratres sumus, per Christum etiam sacerdotes sumus et reges et Jam non sub lege, sed supra legem, jam non amplius servi, sed domini temporum, ciborum, vestium, locorum et ope- rum. Quod qui negant, nimirum et gratiam Christi obscurant et libertati, quam sanguis Christi peperit, insidiantur. Unde apostolus sancto [4b] zelo daemoniacam doctrinam vocat prohi- bentium cibos et nuptias 1), Nihilominus in summa christiana libertate manent interim seculari potestati salvum suum jus et inviolatae leges, et respublicae nihil habent deterius, sed feli- 1.—2. spiritus et vita sunt. 2. vivunt. 4. mundana humanave traditio seu eruditio. 6. filius prodigus. 7. in templis. 20. ita. 21. sint. quartam calumniam. Wir geben die Thesen in dem authentischen Wort- laute des Drucks mit Angabe der Varianten unserer Handschrift, insofern sie nicht lediglich die Orthographie betreffen. Nilalım 72,9. h) 10 15 20 30 35 40 or gr PER 1523. 1524. 445 eissime agunt, in quibus Christus regit, dum juxta verbum eius, quod libere docetur, et libere vivitur. Credidi, propter quod loquutus sum). Sed et nos credimus, propter quod et loquimur. Utinam sicut Paulus. Umb dieselb zit magister Stephanus, pfarrer zu Lychstal, het ein concubin und etliche kinder. Der kam vor rat und sprach under andern worten also, wie er biszhar ein sundliches, verrucht und bübische leben gefurt het, wolt er ytzunt bessern, und nach lüt des heiligen evangelii syne magt eelichen, das der rät im es nachlyesz. Wart im vom rat abgeschlagen. Dar- S i ; ; : - ( nach hielt er ouch ein disputation mit der lutherischen rott 16.Fbr.) und Ecolampadius presidiert, aber niemans manhafftigs ware daby?). Die artickel, die er disputirt, hab ich verloren. Sie 5 waren in tutsch intimiert. Nach der egemelten disputation het er hochzit und nam sin concubin zu der ee. Darmach die her- ren im hohen stifft, die der pfarr zu Lychstall collatores sindt, privirten in der pfründ. Deshalb er zu Basel uff der gartner hüsz koufft die zunfft. Und was ein anfang oder stiffter der ersten uffrur obgemelt. Darumb er ouch must wychen und kam gen Straszburg. Do lysen die von Basel yn vohen und strecken. Verja er, so sin anschlag ein furgang het gehebt, so wer ein wundergrosz bluütvergiessen gescheen. Deshalben er zu Straszburg zum tod erkant wurde; doch ob er heimlichen oder offentlich gericht warde, ist mir nit zu wissen). Das ist die erst ewangelisch frucht zü Basel. Item in derselben zit was ein pfarrer zu sant Alben in Basel, mit namen magister Petrus. Der hett den tisch by eim burger [5] zu Basel, wölcher burger was fast alt und hett ein 30 Junge hübsche efrowe. Do ward die frow mit dem pfarrer eins, und begereten von dem eeman, er solt darinn verwilligen, das sich der eeman scheidet von der frowen, doch also, das die dry personen by einander wonten in eim husz, und der pfarrer by der frowen schlief. Das wolt der eeman umb keinerley sach thün. Do trawet im der pfarrer, wo er das nit wolt thün, so wolt er von im sagen offentlich und iederman ein gar swere sach und handel, den er im gebichtet hett, da er noch pfarrer was vor etlichen jaren, dan er hett im gebycht, wie er ein 1) 2 Cor. 4, 13 (Psalm 116, 10). 2) Die Acten der Disputation, an der sich niemand von den Gegnern betheiligte, hat Stör im Druck heraus- gegeben und Schultheiss und Rath von Diessenhofen gewidmet (Weller Nr. 3180. Haller III. Nr. 204). Einen Wiederabdruck giebt J. C. Füss- lin: Beyträge zur Erläuterung der Kirchen - Reformations - Geschichten des Schweitzerlandes II, 151 fl. Vgl. Bullinger I, 152 ff. Ochs V, 461. Herzog I, 240 ff. Hagenbach 49 fi. Dass Oecolampad präsidiert habe, ist nicht richtig. Er war der erste, der, von Stör aufgefordert, sich über die Thesen aussprach. 3) Vgl. oben 8. 394 Anm. 1. 1528 23.— 26. Dec. 1529 2. Jan. 446 1524— 1529. ‚burger uberrechnet het in summa 200 fl. Do der eeman dasz hort, erschrack er und wüst im kein widerstandt zu thun, und zum letsten verwilligt er in die sach. Darnach offnet der pfar- rer den handel eim geswornen notarien und begeret von im ein gloubhafftig instrument ze machen. Da endeckt der nota- rıus dem rat den handel, und der rat nam die dry person ge- fangen und streckt den pfarrer vast ubel; da verja er under anderen, dasz er gantz und gar kein conscientz het gehebt, als lang er im lutherischen weszen wer geweszen, bat ouch den rat, das er sich hütet vor der lutherischen sect, dann sie hetten kein gotsforcht noch conscientien. Darnach stelt man den pfarrer. inn das halszysen und slug in mit rüten usz unnd verbot ım die stadt und landt, aber dem eeman mit siner frowen verbot man die stadt. | In denselben ziten schruwen die lutherischen predicanten fast wider den bapst, bischoff und geistlichen, ouch wider die bicht, zins und zehen. Desglichen lysz Luther vil buchlin in latin und tutsch uszgon, wurden alle zu Basel getruckt durch Adam Petri, die lasze der gemein man und hort darzu die lu- thrischen predicanten. Deshalben vil von der gemein vast unrüwig würden und rottent sich zusamen offt und dick, heim- lich und [»P] offentlich und hettent ir anschleg, wie sie den sachen wolten thun. Nemlich kamen die Lutherischen uff ein- mal zesamen im Barfüsser closter. Da die Catholicı das verna- men, versamleten sie sich ouch uff dem hohen stifft. Da schickt der rat zu beden parthyen und ermanet sy abzuziehen. Des be- schach on wyter uffrur und schaden. Demnach stelten die Catho- lici ir supplication an radt, desglichen ouch die Lutherischen !). Zu derselben zit ware ein wild und seltzam rumor zu Ba- sel, wüst nieman, wer find oder frünt were, und nierges kein : sicherheit. Deshalbe der rat genötiget wurde, dasz er liesz ver- kunden uff allen zunfften im jor 1529 nach wynachten uff octava Stephani: Wer lutherisch were, solt ins closter zu Bar- fussern kommen, wer aber wolt by dem alten weszen blyben, solt ins kloster zu den Predigern kommen. Do komen ins Bar- (4.Jan.)füsser closter zusamen by 1500 Hussischen oder Luthrischen; war der merteyl jung schrantzen, hantwergsgesellen und von den nechsten dörffern etliche buer. Aber zu den Predigern versamleten sich die Catholici by 800, als alt, gestanden und dapffer menner?). Da nun der rat sahe, das der Luthrischen 1) Ueber die Ereignisse vom 23—26. Dec. 1528, welche der Chronist hier berührt, vgl. die Chronik des Fridolin Ryff 67 ff., wo auch die andern Quellen und die neueren Bearbeitungen aufgeführt sind. Unrichtig ist, wenn in unseren Aufzeichnungen erzählt wird, die evangelische Partei habe sich im Barfüsser Kloster versammelt. Es geschah vielmehr auf der Gartnernzunft. Beim Auflauf vom 8. Febr. hingegen war das Barfüsser Kloster der Versammlungsort. 2) Vgl. oben 8. 74 f. nebst den Anmer- kungen. Ueber die Qualität der evangelischen Partei urtheilen die zur Du _ 2 „> 0 5 5 0 =:2 a a a a Y; a ee a D Bahia ag! e SNL ers} En ee A DRAW F en 1529. 447 me waren, dan der anderen, begert er von den Catholiecis, das die theten, als die gehorsamen und dem rat die sach uber- geben, so wolt der rat sie nit versumen, und nach vil und ‚mancherley red und widerrede ergaben sich die Catholici als die gehorsamen dem rat, in hoffnung, man wurt in ein kirche laszen. Da ward von beden räten einhelliglich erkant, dasz (5. Jan.) nu hinfur bitz zu pfingsten in der stadt zu Baszel nit mehr dan 3 gesungen mesz solten gehalten werden, nemlich uff dem hohen stifft ein, zu sant Peter ein, und ein in der pfarr zu 10 sant Theoder. Und dazwischen solt iderman zefriden sin, und solt niemans nicht gescheen!). Das [6] müsten bed parthyen mit ufigehebten fingern ein eyd sweren, und zu pfingsten wolt man ein disputation halten und darnach uff allen zunfften frogen, und was dasz merteyl wurd, dem wolt man folgen. 15 Item uff fritag nach epiphanie im jar 1529 kamen die ı5. Jan. houpter und besten vom rat, by zehen personen, und begerten fur bede convent und endeckten da, was bede rät erkant und beslossen hetten, verbotten ouch, dasz unser convent gar kein mesz mer solt haben bitz nach usztrag der disputation. Da bat der prior mit dem convent, man solt uns alle tag heimlichen laszen nit mer dan 1 mesz leszen; wart uns abgeslagen. Nach dem waren die Luthrischen gar unruwig und sprachen, der geist gots tryb sie. Der ouch so krefltig in inen wurgkt, dasz sie das eydts, vorgethon, vergassen und rotten sich wider zesamen, und in einer nacht brachen sie ins wergkhusz und namen das geschutz und belegerten etlich gassen mit buchszen und zogen uff den Kornmergk fur dasz rathusz und handtleten mit dem rat. Und ee der rat ja oder neyn sagt, zogen sie uff das hochstifft und sturmeten und zerschlugen alle bild mit®.rebr.) 30 groszer ungestymmickeit und mit vil lesterigen spottworten. Namlich namen sie ein grosz crucifix im hohen stifft und ban- den ein lang seil daran, und vil junger knaben, by 8, 10 und 12 jar alt, zugen es uff den Kornmarg und sungen: »Ach du armer Judas« mit vil anderen smachworten ; under anderen spra- chen sye: »Bistü got, so wer dich, bistü aber mensch, so blut«. Und darnach zogen sie dasz crucifix ins wergkhusz und ver- branten es. Item da die Hussischen im hochstifft die bild het- ten gestirmet, lag die gantz kilch vol bilder, eim war der kopff ab, dem ander ein hant etc. Und war eben, wie in 40 einem krieg, da ein grosze slacht geschehen ist. Da sprachen or 2 o or 3 [24 6. dasz man Hs. Vermittlung abgesandten Boten von Bern günstiger als unser Chronist, sie sagen in ihrem Berichte vom 28. Dec. 1528, es gehöre dazu »der gröszer teil in Baszel — in beden stetten, ouch vernünfftig, herrlich und mechtig rich personen« Beiträge V, 300. 1) Mandat vom 5. Januar 1529, ab- gedruckt oben 8. 76 ff. 448 1529. [6?] die Böhemischen mit vil spottworten: »Schow, schow, wie blüten sie«. Antwort inen der diephencker: »Sie bluten nit, aber hüten uch eben, dasz ir der tag eins nit müssen blüten«. Darnach zogen sie in der groszen stadt in alle kilchen und zerschlugen und verbrenten alle bylde. Da der radt sach, das er ubermeistert was, ettlich ım rat, die nit luthrisch waren, uff dasz sie by gwalt und eren blyben (dilexerunt enim gloriam hominum magis quam dei), wurden luthrisch, die aber nit wolten luthrisch sin, komen usz dem rat!), und der burgermeister?) wich von der stadt, dann er wolt das hellisch weszen nit annemen, deshalben müst er die gemeyn forchten. Auch vil andere vom rat und von den bur- gern zogen hinweg. Darnach schickt der rat ire werglute in die klein stadt, uff das mit bescheidenheit die bild zerschlagen wurden. Dan die klein stadt was dasmal noch vast uff dem alten weszen 3). In der Carthusz zerschlugen sie nit allein die bild, sonder ouch zerryssen, was sie in der kirchen und an den cellen ge- schriben funden. Ich acht, uff tusent gulden wert theten sye uns schaden. Nach dem fing man an zu handelen mit den geistlichen, stifft, clöster und kirchen, und setzt man den clöstern pfleger, on welcher wissen und willen nyt dorfit gehandlet werden). In denselben ziten wurden dick und offt vom rat verord- net etlich, die mit uns Oarthusern solten handlen, welche ouch uns alle ingemein und ein iedlichen insunders uberhorten und frogten einen nach dem anderen, nemlich was er ins closter 1) Dies geschah schon vor dem Bildersturm. 2) Heinrich Meltinger. 3) Ueber diesen Auflauf vom 8. und 9. Februar 1529 s. die Chronik des Fridolin Ryff 80 ff. mit den Anmerkungen dazu. Die Gefahr, die, wie sich aus den Rathsbüchern deutlich erkennen lässt, der Stadt durch das Entweichen vieler angesehener Bürger, die sich zum Theil in Ensis- heim zusammenfanden, einen Augenblick drohte, ist von den bisherigen Geschichtschreibern noch nicht gehörig gewürdigt worden. 4) Das Ver- zeichniss derselben s. Erkanntnissbuch 1525—1544, Bl. 53b. Der Kar- thaus wurden, wie wir aus diesem Verzeichnisse sehen, zuerst Hans Irmi und Rudolf Supper zu Pflegern gesetzt, später wurde Hans Irmi auf die Klagen der Karthäuser hin von seinem Amte entfernt (s. unten Bl. 12). Sein Name ist in dem Verzeichnisse gestrichen und darüber der Name des Ludwig Becherer gesetzt. In der Abfindung des Bartholomäus Knobloch vom 18. Oct. 1529 (s. unten Bl. 14) handeln Ludwig Becherer und Rudolf Supper, des Rathes, als Pflegerherren in Beiwesen und mit Zuthun »Frid- lin Ryffen und Hannsen Veldners ouch dess ratts«, in der am gleichen Tage ausgestellten Urkunde betreffend die Abfindung des Bonifacius Keck werden alle viere »als vorgemelts gotzhus pflegerherren« aufgeführt. An der Stelle des Hans Veldner finden wir am 1. September 1530, wo ein Theil der Kirchengewänder versteigert wird, den Anthoni Gobelin (Göbelin), und in dem Verzeichniss im Errkanntnissbuche sind den Namen des Lud- wig Becherer und des Rudolf Supper nachträglich die des » Anthoni Geble» und des »Fridlin Ryff« beigefügt. 5 — 5 20 to a h 4 1529. 449. hett broht, wann er were, was willen er were etc. Und so ır . unseren heren den räten (sprachen sie) willforen und uwere becleydung uszziehen, so wöllen sie uch lassen volgen als, das ir ins closter [7] habt bracht, und uch wol versehen. Wo aber ir uwere becleydung nit wolten abziehen und glichförmig machen der gemeyne, so wissent, das uch unser herren, der rat, in die 'hare nit mögen beschirmen vor der gemeyn«!). — Darnach underret sich der prior mit dem convent und fragt ein ytlichen, wes willen er wer; antworten all person beder conventen in- 10 gemein und ein yglicher insonders, so es nit anders möcht sin, so wolten sie dasz closter und was des closters ist, verlaszen, uff das sie by becleydung und im orden möchten bliben. Nach dem sprach, der (schalckhafftig) schaffner?) (in dolo): »Es ist nit güt, dasz wir alle hinweg zyhen und dasz closter den weltlichen in ir hende stellen; aber dasz das closter dem orden uffbehalten blybe, so wil ich die becleydung des orden ein zit abziehen«. Desglichen thet ouch ein perversbruder, was daszmal portner®). Darnach uff zinstag nach palmarum 1529 komen witere warnung dem prior; derohalben er sich2.Märr. gelichen in eim stütz hinweg macht) und befalch dem schaffner dasz gantz gotzhus und vertruwet im brieff, sigel, schlussel zu a 1 or 2 1) Vgl. unten S. 455, 31. 2) Bartholomäus Knobloch von Wesen. S8. unten S. 462 Anm. 1. 3) Bonifacius Keck von Dornbirn. S. 462 Anm. 2. 4) Er begab sich erst nach Neuenburg a. Rh., wo sein Schwager Lienhard Fuchs (s. die Nachträge zu 8. 331 Anm. 4) Bürgermeister war. Hieher wurde ihm von Freiburg aus ein verdecktes Wägelein zugeschickt. Der Schwager gab ihm aber noch einen Soldner (Stadtreiter) nebst einem ledi- gen Pferde mit für den Fall, dass er das Fahren nicht ertragen könnte. In Freiburg, wo er Freitag nach Ostern, den ?. April anlangte, wurde er aufs Beste empfangen. In der Karthaus rüstete man sich, auch die übrigen Brüder von Basel, wenn es nöthig würde, aufzunehmen. So schreibt Zscheckenbürlin in dem unten $. 456, 6 erwähnten Briefe vom 7. April. In Neuenburg hatte Zscheckenbürlin ein Schreiben des Rathes von Basel er- halten, er möchte nach Basel zurückkehren, wozu ihm »sicherheit undt tröstung« zugesagt wurde. Kir liess dem Rathe die mündliche Antwort hin- terbringen, er werde sich mit dem Visitator (dem Prior Gobelin von Mainz), der nächster Tage ins Land komme, besprechen und seinem Rathe folgen. Am 11. April schreibt er nun dem Rathe, der Visitator habe ihm nichts rathen wollen, sondern gesagt, die Sachen seien ihm überlegen, da er aber auf dem Wege nach der grossen Karthaus sei, wolle er sie dort ans Capi- tel bringen. Indem Zscheckenbürlin dies dem Rathe zu wissen thut, bittet er ihn, den etwa über seine Abreise entstandenen Unwillen abzustellen, angesehen, dass er aus keiner andern Meinung Basel verlassen, als aus Rücksicht auf sein Alter, »byn ein betagter schwacher mann, hab minn ‚junge tag nu mehr bisz in das zwey undt viertzigszt jar im orden verschlis- sen, hab villicht noch vier tag zu leben, solt ich mich erszt des ordens dermassen undt gotsdienszts verzichen, khann ich in miner conscients undt gewisnen nicht finden« Da Zscheckenbürlin, als er 1487 Novize wurde (s. oben $S. 348), 26 Jahre alt war (Lib. benef. 198b), so war er 1460 oder 1461 geboren, jetzt also 68 oder 69 Jahre alt. — Der Brief an den Con- vent vom 7. April ist von Zscheckenbürlins Hand, der an den Rath vom Il. (wie auch die spätern an den Rath) von der Hand eines Schreibers. Basler Chroniken. I, 39 450 | 1529. “ seiner cellen, zu allen kisten und trögen. (Sicut ovis commit- 24.März. 28.März. 4, April. titur lüpo.) Item uff mitwoch nach palmarum vernam der rat, wie unser prior gewichen were, und verordnet den zunfftmeister !) und 4 oder 5 vom rat, die komen in unser closter und beger- ten fur bede convent. Und der zunfftmeister redt uff söliche meynung, wie ein e. w. rat ein grosz mitlyden mit uns het, dasz der wirdig vater und prior were gewichen von uns und het uns gantz trostlosz verloszen etc., doch so wir wolten einem e. w. rat wilfaren und unser becleydung abzyhen und ander kleider wie weltlich priester anlegen und hinusz zum (mort) wort gotes gon zu sant T'heoder. »Es ist doch (sprach er) num- met umb 3 oder 4 schrytt ze thon, darnach gangen wider ins closter und dienen got, wie uwer gewonheit [7°] und bruch ist. Dan ir mögen got eben als wol dienen in eim swartzen kleyd als in eym wissen. Ir solt ouch sicher sin, ein e. w. rat wurt das closter beslossen laszen, keine frowe hinyn laszen, kein fleisch im closter kochen laszen und uch by uwer spysung blyben laszen wie von alter har«. Item wyter sprach er: » Wir wöllen etwan zum dickermal zu uch kommen mit unsern pre- dicanten, namlich mit dem wychbischoff?), der alwegen eins geistlichen wandels ist geweszen, hochgelert und vil erfaren, und mit uch im refectorio essen und uns undereinander frunt- lichen ersprachen«. Item wyter sprach er: »Ee 4 jar verschi- nen, würt das gantz tutsch landt das nuwe weszen annemen. Das wil ich uch gesagt haben .«. Uff solchs anbringen antwort unser convent: »Das ein e. w. rat ein mitlyden mit uns hat, nemen wir an mit groszer dancksagungen, und wo wir das möchten verdienen, wolten wir vast gern mit hohem vlisz thun; doch unser kleydung abzie- hen einem e. w. rat ze wolgefallen ist wider unsere conscientz, darumb werden wir es nit thon. Ouch ist unser fliszliche bitte, ir wollent uns erlaszen, das die predicanten nit zu uns kommen bitz zu der zukunfft unsers w. vatters«. Item darnach in ochsternfyertagen müst unser sacrist die schlüssel zu der sacristien den pflegern zu iren henden geben, und darzu hanckten sie ein grosz mallenschloss an die thür; also gont sie usz und in on des convent wissen und willen und handlen und machen mit den zinsbrieffen und kleynoten der kirchen, wie sie wollen und inen gefalt. Item uff Ambrosii komen die pfleger mit etlichen, verord- net vom rat, und nach dem imbysz beschickten sie alle person beder conventen fur des schaffners cellen unnd berufften einen nach dem anderen in die stuben. Der müst uff ir anbringen unbedacht und unbesunnen antwort geben, und ee er von inen 1) Jakob Meyer zum Hirzen. 2) Telamonius Limpurger. 10 15 20 259 30 35 40 45. | : 1529. 451 u 2 a ER Beet, We EN I Zu AE ER N Eee Men Rei Ya» 1 RE: aus 2 ee Ar ER I & RE ER p3 ; ee wu , RE IE Me \ 2, hinusz gieng, müst einer dem pfleger in die handt verheyssen, dem andern geböte er [s] by der gehorsamen, die er dem or- den gethon, das er nit wölt offnen den anderen, was und wie mit im in der stüben gehandlet were (Ecce qualis vafricies!). 5 Dasmal under anderen worten sprach vicarius zü den pflegern also: »Mich wundert und befremmet fast ser, das man fromm, slecht, einfaltig lüt also uff das gnoüszt erfündlet und ersucht, und das sie sollen jo oder neyn sagen, nit bedacht ‚und besunden. Lond uns by brieff und sigel blyben und hoff und platz, do unser closter stot, unbekummert, lut derselben brieff etc. So sindt alle sachen geslicht und gericht. So wöl- len wir hinwegk«. | Da sie das horten, wurden sie fast erzurnet und einer usz inen stundt uff und sprach: » Wöllent ir dann myne herren 15 zwingen ?« Antwort vicarius: »Neyn. Aber wir hoffen, sie wer- den uns laszen by brieff und sigel blyben «. Item nit lang darnach komen die pfleger abermals fur den convent und brachten mit ynen einen geswornen notarien und 4 zügen und einen stattknecht unnd redten also: »Sitenmal 20 unser herren nit von uch begeren, dann dasz ir wol und mit güter conscientz mögen annemmen, aber ir inen nit wöllen ge- hörig sin und begeren hinwegkzezyhen, so bezügen und pro- testieren wir uns ytzunt hie vor dem notarien und gezügen hie zugegen und wöllen uns des bezugt und protestirt haben, das unser herren uch nit wöllen vertryben von dem uweren, wollen ouch dasz wort nit haben, wo ir hinkomen, dasz sie uch von dem uweren vertryben haben. Und her notarie, wir begeren des ein instrüment in der besten formen als es imer mag gescheen«. Darnach sprachen sye zu dem stadtknecht: »Wir gebüten dir by dem eyd, den du unseren heren hast ge- thon (stondt der knecht mit offgehebten fingern), das du wöl- lest die porten verhüten und nieman in convent laszen zü reden, es sy dann, das du zuhörest. Auch ob [sP] iemant in convent gschrifft kemm, soltlü dem schaffner uberantworten. Und so 3 jemant im convent understündt zu flyhen, den werden unsere herren der massen straffen, das er wölt, er het es nit gethon«. Herwiderumb protestirt unser convent vor dem notarien und zugen also: »Sytmal wir in eim standt sindt, der got (als wir hoffen) angenem, der heiligen geschrifft gemesz und der seel 40 heil nit widerig ist, wöllen wir den nit verlassen, unsern orden nit ubergeben, ouch unser bekleidung nit abzyhen, unser gots- husz und was das gotshusz ist, so lygen so faren hab ist, uns des nit verzychen noch ubergeben in keinerley wisz und weg. Und ir, herr notary, machent uns des ein instrument in der 45 besten formm«. . Item uff möntag nach Georgii 1529 schickt Hans Irmy, %. Apr. dasmal pfleger, unserem convent ein collation, als er sie nempt, 29* 2 an o 3 452 1529. subtilich uffgesmycekt, darinn hönig und gyfft gar Iystlich ver- mengt ware. Und begert daruff ein antwort (scilicet ut exuant habitum ordinis et vadant ad sermones Lutheranorum audiendo verbum (ut nuncopant) dei ad sanctum Theodorum, postea reversuri ad claustrum etc.) 1). Uff solchs schriben antwort unser convent, wie nachfolget 2): Dem ersamen unnd wysen herr Hansen Irme in Christo sinem insunder gelybten. Gnad und fryd von got dem vatter und unserem herren Jesu Christo. Ersamer lieber herr, üweren grossen flysz, arbeyt und müge,’ so ir unser halb erlydten, ist uns nit unwyssen, deshalb ir auch von unsz mundtlich zum dickermall gebetten, uch unser halb nit wyter belüden mit arbeyt, angesehen das ir unser aller endtliche meynung und beschlusz zum offtermal wol vermerckt und verstanden häbt. So aber das alles nit ver- fencklich ist gewesen, begeren ir wyter gschrifftlich antwort und endtlichen beschlusz derer artickel, so gschrifftlich von üch unsz überantwort sind. Aber dieselben alle zu verantwor- ten erfordert und erheischt gar lange wil, vil zyts und gschrifft und darumb allen verdrüsz und unwillen zu vermeydenn wöl- len wir uffs kürezt abermals unser meynung unnd endtlichen beschlusz gschrifftlich anzöigen, in [9] hoffnung, es werd üch und uns dienen zu fryd. Nun sindtmal wir sind in eim standt, der got (als wir hoffen) angeneme, der heiligen gschrifft ge- mesz, nit wider der seel heil, von der gemeynen christlichen kilchen nit verworffen, aber angenommen, bestettiget, confir- mirt und probirt, werden wir denselben in keinerlay wysz noch weg übergebenn oder des uns verzyhen, wie ir dann von unsz allen und yedem insunder zum dickermal wol verstanden habt, wöllen ouch nit mer dovon disputiren oder argumenti- renn; dann der zwyfelt, musz disputiren, uff das er sins zwy- fels gewysz werde etc. Item wir möchten villycht vermerckt werden alsz die ungehorsamen, eygenköpftigen, verblendten, verstopften ete. Aber das heilig ewangelium spricht, man sölle nit urteylen. Doch syge dem, wie es wöl, sind wir ye der 3. exeant Hs. 7. Diese Aufschrift des Briefes findet sich in der Chronik nicht. 11. mühe, unseren halb byshar von uch erlitten. 14. zum dyckermal. 18-19. Welche aber zu verantworten erforschet und erheyscht gar lange wyl. 19-20. geschrifft. Das zu vermeyden. 23. zum fryden. Sitmal. 24. der geschrifft. 27. approbiert. 27—28. wir in keynerley wisz noch weg denselben ubergeben oder uns des. 28. dann oftt. 29—30. yedem insonders vernommen habt. 30—31. »oder argumentiren« fehlt. 32. ledig werd. 34. verstocken. So spricht doch daz heilig evangelium. 1) Ein Concept oder eine Abschrift dieses Schreibens, das in sehr 10 15 255 30 | freundlich belehrendem Tone gehalten ist (ohne Unterschrift und Datum), ist mit dem folgenden Briefe aufbewahrt. 2) Wir geben den Wortlaut des Originalschreibens mit den Varianten des Textes der Chronik. $. obe S. 436, i 1529. 459 _ meynung, alsz vil an unsz ist, nieman begeren, auch nit wöl- len in sin gewalt, erkantnüsz, glouben, wesenn, meynung oder fürnemung redenn, handlen oder thun in keinerley weg, und _ dasz usz cristlicher und bruderlicher lieb, alsz widerumb erfor- 5 dert und erheischet cristliche billigheit, in unser wesen, mey- nung und fürsatz keinen intrag lassen bringen. Nun aber un- ser wesen unnd der löblichen stat Basel wesen nit einhellig wil concordiren, sind wir alzyt geneygt, unseren nechsten men- schen zu fürderen und nit zu hinderen, wasz die eer gotes und 10. der seel heil berürt, wöllen auch niemans ursach geben zu ergernüsz, unruwe oder unfryd. Deshalb ist abermalsz unsere demütige und ernstliche bytte, das ir sampt des anderen un- sers pflegers wöllen unseren gnädigen und günstigen herren der rätt unsere endtliche meynung und beschlusz mit hohem 15 flysz uffs aller best fürtragen, sy früntliche und ernstliche byt- ten, das sy sich verwilligen und uns vergünen hinwegk und von hinden sampt des ünserens zu scheyden, wöllen wir alweg umb üch mit unserem demütigen gebett verdienen. Datum in der Cartusz in minderen Basel uff sant Vitalis des heiliges- 20 martir tag im 29. Jar. Und das wir alle der meynung sigen, auch unser aller endtlicher beschlusz, haben wir alle und yedlicher besunders sich mit siner hand und eygnen namen underschriben, und dasz in der meynung, dasz unsere gnädige und günstige herren 25 der rätt mundtlichen und gschrifflichen gnugsame mögen be- rycht werden, :wesz willen wir sind. Johannes Schüpp Johannes Dryel Johannes Loy von Lindow Thomas Kresszi Nicolaus Frölich Nicolaus Molitoris _ Othmarus de Sancto 3 Heinricus Ecklin Gallo Bruoder Cristen Bruder Hans Werli Bruder Hans Roth '!). [sP] Die obgemelt antwort unsers convents wart von Hans Irmy, deszmal unser pfleger, underschlagen und dem rat nit uberantwort, wie wir von im begerten?). 1—2. ist ye das (als vil in uns ist) unser meynung und begeren, nieman in sinen gwalt. | 2-3. furnemen oder meynüng zü reden, ze handlen oder ze thon (in keinerley weg« fehlt). | 5. »und erheischet« fehlt. 5—6. das man in unser weszen, meynung und fursatz keinen intrag bringe. 7—8. weszen mit einander nit wil concordiren. 9. furderen und nit hinderen. 11. ergernysz, uffrur oder unfriden. aber unsere. 12--13. sampt des anderen pflegers unseren. 14. dem rat. 16. daz sie uns wöllen vergunnen und ver- willigen von bynnen und hynwegk. 18—20. Datum uff Vitalis martiris anno ut supra (am Rande: 1529). 21—24. und unser entlicher beschlusz sye, so haben wir uns alle in ge- meyn und yeglicher in sonders mit siner eygnen handt und namen underschriben, der mey- nung. 25—26. gnügsam bericht werden muntlich und schrifftlich. 27. Die Unter- schriften giebt die Chronik nicht. Von denselben sind ausser derjenigen des Nicolaus Mo- litoris auch noch die der beiden an letzter Stelle aufgeführten Laienbrüder, des Bruder Hans Werli und des Bruder Hans Roth von seiner Hand geschrieben. I!) Dieses Verzeichniss stimmt zu der 8. 368 ausgesprochenen Vermu- thung, dass Bruder Georg Carpentarii schon am 6. October 1528 gestorben. S. indessen die Nachträge. 2) Dass das Schreiben doch in die Hände des Rathes kam, geht daraus hervor, dass es mit den Briefen, welche die Kar- thäuser später an den Rath absandten, zusammenliegt. 16. Juni. 454 j 1529. Nit lang darnach setzten die pfleger abermals an uns mit scharpffen herten worten. Sytmal wir nit wöllen hinusz gon, dasz gotswort zu hören, so solten wir von iren predicanten ein uszerwölen, der uns dasz wort im closter predige. Antwort unser convent und sprach: »Es ist bruch und gwonheit un- sers ordens, dasz man alle jar eins die gantz bibel von anfang bitz zum end einmal uszlyszt, und namlich zu winterzit haben wir 3 oder 4 stund metten, do hören wır das gotlich und bi- blisch wort gnügsam, und wiewol dasselb uns ytzunt nit wurt zugelaszen, so han wir doch der heiligen lerer bucher, die exponiren und predigen uns das gotswort ratlichen, die lesen wir und geben inen glouben, dasz sie uns nit verfuren, son- der die recht luter götlich warheit under dem büchstaben ver- borgen endecken. Aber der nuwen lerer halben, wöllen wir nüzemal volgen dem heiligen sant Paulo, so er schribt zu den Hebreern: »Nit werden verfurt mit mancherley und fremden leren«!). Darumb bitten wir, ir wolt uns erlaszen, uwere pre- dicanten ze hören«. Uff solche unsere wort wart uns kein antwort. Nit lang darnach, namlich uff Cirici und Julite 1529 komen die pfleger und brachten gebraten fleisch, dasz assen sie mit unseren apo- staten im gewelm vor der kirchen mit vil stoltzen schmoch- worten, uns und unseren orden zu verachten, und namlich Hans Irmy mit groszen spottworten in verachtung wysz sprach zum dickermale: »O we, dasz es der subprior nit innen werde«, meynt aber den vicarien. Nachdem sie gessen hetten, giengen sie in die kuchen und Hans Irmy sprach zu bruder Hansen dem kuchenmeister: »So ich hynnen werd essen, müst ir mir fleisch kochen. So aber ir dasz nit thon wölten, wurd ich myne junckfraw heryn schicken, dasz sie mir koch«. Antwort bruder Hans und sprach: »Ir solt mich nit müszen, ich kan nit fleisch kochen«. [16] Antwort Hans Irmi: »So machen uch usz dem kloster«, mit vil anderen bochworten. Usz solichem frevel ward unser convent fast bewegt und vermeynt, die pfle- ger nemen sich mer gwalts an, dann inen vom rat befolhen were. Darumb ward unser convent rätig, er wolt des bekla- gen vor rat, und stelt die nachgonde supplication?): Den ersamen, fürsichtigen, wysenn, vesten unnd strengen herren, herr Adelberg Meyer, wolwürdigem burgermeyster in Basel unnd dem gantzem rat, unseren günstigenn unnd gnä- digenn herrenn. Edlen, strengen, ervesten, fürnemen, fromen und wysenn 42. frommen, ernvesten, furnemen. 1) Hebr. 13, 9. 2) Auch hier haben wir, wie oben, den Wortlaut des noch vorhandenen an den Rath abgesandten Exemplars zu Grunde ge- legt mit Angabe der Varianten der Chronik. 5 Vu 5 3) 40 | | 1529. | 455 herren. Esz wurt unsz anzöigt durch unser pfleger, das ir, . unsere gnädige und günstige herren, nit ein klein misfallen 10 15 20 25 30 35 40 enphonen, so ir vermerckt unseren willen, von hinnen zu schei- den. Geschicht aber das nit von unsz usz unstenttiglicher lycht- fertigheit, dann wir fast gern hie wölten blyben, wo wir darzu nit mercklichenn geursachet wurden. Hierumb wöllen wir un- ser anligen hie uffs kürezst gschriftlichen verzeichnen, in hoff- nung, e. e. w. werde dasz basz vermercken und ermessen, dann unsere schlechte einfaltigkeit könne oder vermüge darthun und an tag bringenn. Nun sitmall wir geheissen werden geistliche knecht und diener gotes, auch dieselben gern in der warheit durch die werckt erfunden wölten werden, were billich, der gotesdienst von unsz mit grosser andacht und hohem flysz ver- bracht wurde. So aber dasz nit geschicht, auch unsz yetzunt nit müglich ist, denselben ze verbringen, alsz unsz unsere con- sciencze heist, der orden gebüttet und wir vor got und den menschen schüldig sind, deszhalben e. e. w. woll mag ermes- sen, wasz fryds und ruwe wir in unsz mögen haben. Item sitmal wir in einem standt sind, der got (alsz wir hoffen) an- genem ist, dem wort gotes gemesz, der seel heil nit widerig und von der gmeynen cristlichen kilchen nit verworffen, sonder angenommen, probiret unnd confirmiret, können noch mögen wir denselben in keinerley wysze noch weg wider unsere con- scienczien verlassen, übergeben oder unsz desz verzyhen, möch- ten [toP] deszhalben einer gemeyne der löbigen stat Basel (alsz ze besorgen) ursächen zu unruwe, dann Rudolff Fry in der fasten, da er mit unsz handlet an stat unnd von wegen herr Hansz Yrmisz, hielt er unsz für, wo wir üch unseren gnädigen und günstigen herren nit wölten wilfarenn und unsere beklei- dung abzyhen, möcht ein ersamer wiser ratt unsz in die harr vor der gemeine nit beschirmen!), deszhalb wir dasmal merck- liche forcht enphingen, aber allermeist unser wirdiger vater der prior, der usz forcht solcher und derglichen worten von unsz sinen schefflin gewichen. Ist wol war, das das besche- hen ist on befelch (wie wir bericht sind) e. e. w. Nit dester- minder mangellen wir unsers vaters des priors, nit on merck- liche beschwertnüsz und grossen kumer. Auch nemen wir darusz und unsz bedunckett, es werde etwann anders mit unsz gehandlet, dann ir, unsere gnädigen und günstigen herren be- folhen haben. Dann herr Hans Yrme nimpt sich mer gwalts 4. von uns nit. unstendiger. 12. Nach billich ist im Texte der Chronik nachträglich ein »das« eingeschoben. Das Fehlen dieses Wortes im Briefe wird übrigens wohl kaum ein Versehen sein. 20. gotswort. 22. approbirt. 25—26. eine gemeyne der löb- lichen stat Basel — — — verursachen. 80. e. e. w. 32. Statt vater hat die Chronik die Abkürzung für pater. 34. ist gewichen. daszes. 37. groszes kommer. 38. wil uns beduncken. 1) S. oben 8. 449, 7. 456 | 1529. an (wil unsz beduncken) dan im von e. e. w. befollen ist, dar- umb wir nit wenig werden betrübet. Dann so wir unser ober- ckeit vor den pflegern gedencken, spricht herr Hans Yrme: »Ir habt keine oberckeit, aber ich bin euwer oberer«, und usz sölcher vermessenheit hat er unsern vicarien (nit lang ist) ge- nötiget, im gschrifft ze überantworten, damit unser wurdiger vater der prior unsz sine verlassene scheflin (wie eim frommen getruwen hirten zimpt) heimgesucht). Dörffen wir siderhar un- ser anligen im nit schriben, mögen sines ratsz nit pflegen, deshalb nit wenig beleydiget sind. Item wir darnach (wiewol an das ingeschlossen sind) gar gefangen worden und in krücz- gang ingekerckert uffs gnübst, das wir doch weder vor got (alsz wir hoffen) noch vor den menschen beschuld haben. Ist wol war, in sölcher lyblicher gefengnüsz müsten wir unsz lyden und patiencz haben, wo wir nit inwendig in unser consciencz vil ein swerere enphönen und hetten; dann sant Petrus tröstet unsz sprechende: »Lieben [11] bruder, so ir lyden, nit alsz die übeltheter, sonder alsz cristen, sind ir selig«?) etc. Item, ist nit lang, hat unnsz herr Hans Yrme gschriftlich etliche artickel zugeschickt, widerumb begeret von unsz gschriftliche antwort. Ist geschehen von unsz einhelling, jo auch alle unsz und em 1. als uns bedunckt. 2. bekummert und betrubt werden. 3. dem pfleger. 4. dann ich. 5. hat er (nit lang ist) eins mals genötiget unseren viearien. 8. hat heimgesucht. 9. mögen ouch. 11. »an das« fehlt. 17—18. als ubeltheter. 18. als fromm cristen. 19. »unsz« fehlt. in gschrifft. 20. zu uns geschickt. 21. Ist bescheen einhelliglich von uns. 1) Es ist ohne Zweifel der oben 8. 449 Anm. 4 erwähnte Brief vom 7. April »dem wirdigen geistlichen vatter vicarien in der Cartusz zu Basel etc. in sin hand«), der jetzt in dem Schreiben Zscheckenbürlins an den Rath vom I1. April eingeschlossen und von derselben Hand wie dieser mit der Auf- schrift »Carthuser« versehen ist, also erst mit diesem späterhin dem Kar- thäuser Archive wieder einverleibt worden- ist. Zscheckenbürlin schreibt, er sei »früsch und fast ruwig, allein wann min vetter und brüder by mir weren«, räth diesen auszuharren, so lang als möglich, und in keinem Falle ihre Rechte am Kloster zu übergeben, dann erzählt er seine Reise nach Freiburg und ermahnt sie noch einmal standhaft zu sein, indem er den bis hieher deutsch geschriebenen Brief auf lateinisch zu Ende führt. Wenn Johann von Lindau (s. oben Seite 453, 28 und unten die Beilage über die letzten Schicksale der Karthaus) oder der Sacrista (wohl Heinrich Ecklin, siehe unten zu Bl. 18) oder irgend welche andere schreiben woll- ten, um durch den Reverendus (den Prior der grossen Karthaus, vgl. Seite 341 Anm. 2) oder das Capitel in eine andere Provinz versetzt zu werden, so sollten sie es so rasch als möglich thun und den Brief heimlich dem Cünrat Obrecht zustellen, der ihn dem Zoller Enderlin an der Wiesenbrücke geben werde. Dort werde ihn der Prior von Mainz auf seiner Durchreise in Empfang nehmen. — In den Brief Zscheckenbürlins eingeschlossen ist ein lateinischer Brief eben dieses Priors Gobelin von Mainz, Visitators der Provincia Rheni, an den Vicar und die sämmtlichen Conventualen. Er tröstet sie, ermahnt sie zur Standhaftigkeit und bittet sie, ihm an den verabredeten Ort eine Antwort zukommen zu lassen, wel- cher Gesinnung sie seien, und namentlich auch, ob der Schaffner noch fest sei, trotzdem dass er das Kleid abgelegt. Der Brief ist von demselben Datum wie der Zcheckenbürlins. Au betr. 3,44 20 10 15 20 30 35 40 | ; Er | | 1529. 457 yetlicher besonders mit sinem nomen und hand underschriben zu warer kuntschafft, wasz unser endtlicher beschlusz und wesz willen wir weren, ın auch früntlichen gebetten, das er sampt des andrenn pflegers unsere gschriftliche antwort, meynung und endtlichen beschlusz e. e. w. anzöigt und überantwortt, in hoffnung, es wurde e. e. w. und unsz dienen zu fıyd etc. "Wil unsz beduncken, es sige nit beschehen. Item ist nit lang, sind die pfleger in unser kloster komen, ir gebroten fleisch mitbracht und dasz vor der kuchen geessen etc. Wir glouben, derglichen syge nyemer geschehen, alsz lang unser gotzhusz gestanden ist, wir nemen es auch uff für ein mutwillige lycht- fertigkeit zu schmach und verachtung unser und unsers ordensz. Item ist daszmalsz herr Hansz Yrme in die kuchen gangen, bruder Hansen den kuchenmeister mit stolezen worten ange- faren sprechende: »So ich hinnen wurdt essen, müsen ir mir fleisch kochen«. Hat bruder Hansz geantwortten: » Ir sölt mich nit müsen, dann ich kann kein fleisch kochen«. Hat herr Hans Yıme aber mit bochwortten gesprochen, er söl sich. usz dem kloster machen etc. Gmnädigen lieben herrn, personen unsers gotzhusz, die sich lang zyt frumbtlich und eerlich ge- haltenn, auch not und nücz unsz und dem gotzhusz gewesen, wöllen vertriben on redliche ursach ist unsz uberlegen, be- dunckt auch fast unbillich. Item er hat sich auch lassen mer- ckenn, so man im closter nit wölle fleisch kochen, wöll er sine 5 magt harinschicken, musz im kochen. Item er spricht etwan auch gar spöttlichen zu etlichen unsern personen: »Wänn wölt ir dasz narrenkeplin abzyhen?« Wir hett wol gemeynt, so man handlet in nomen und von wegenn einesz ersamen wysen ratts, man sölt auch wort bruchen, die einem ersamen wysen ratt gemesz weren [11P] und dienent zu eeren, ob man joch die personen, mit den man handlet, wölt verschmöhen. Harumb, gnaedigen lieben herren, ist unsere demütige und ernstliche bytte, e. e. w. wölle söliche und derglichen lychtfertigkeit nit gestatten, aber abstellen, wie dann unser herr. zimpfmeister Jacob Meyer dasz unsz wol vertröstet nach dem abscheid un- sers wurdigen vaters des priors, sprechende, e. e. w. sige der meynung, das unser closter sölle und werde hin und hin be- schlossen blyben, keine frowen harinlassen, auch unser spisung lassen bruchen, wie von altar gewonheit ist. Wir hoffen unnd vertruwen, e. e. w. wer unsz daby handhäben und keinen Iycht- fertigen inbruch lassen machen. Gnädigen lieben herrn, man möcht villicht gedencken, das soliches Iyden und kumer unsz 1. ouch wir alle und ein yglicher insonders. 5. »endtlichen« fehlt. 6. in hoften. 9. mit ynen bracht. 10. es sy niemer. 17. müssen. 21. »unsz und« fehlt. 22—23. dann es bedunckt uns. 25. die müsz. 25—26. ouch etwan, 27. hetten. 30. ob joch. 31. »man« vor »handlet« ist in dem Texte des abgeschickten Briefes aus Versehn ausgelassen. 34. sonder abstellen. 35. desz uı:s. 39. von altar har. 40. werd. \ 458 | 1529. billich zu handen gang, und nit on ursach müsten erarnen, angesehen wir weren eygenköpffig, hartmütig, verblent, ver- stockt und die keinen bericht wöllen anemen ete. Aber dasz were freflichen geurteilt, im heiligen ewangelio verbotten. Doch sige dem, wie es wöl, ist ye dasz unsere meynung und für- nemen, nit wöllen thun wider got, unsere glybt und conscien- czien, auch niemant (alsz vil an uns ist) ergernüsz geben oder am guten hinderen, wöllen auch usz cristlicher liebe niemant in sinen glouben, gwalt, recht, erkantnüsz, fürnemen und we- senn nit reden, keinen intrage bringen, nit verwerffen, nit ver- spotten oder verachten. Dann sant Paulus leret unsz, wie ein yedlicher mensche für sich selbs müsz rechnung geben vor dem strengen gericht Christi und da enphohen, wie er gehandlet hat im lybe, es sige gut oder bösz!) etc. Harwiderumb erfor- dert ceristliche billicheit, das man unsz thuge, wie wir den an- dren, und lasz unsz blyben by unserem glouben, recht, wesen und fürnemen etc. Darumb, gnädigen lieben herrn, ist unsere ernstliche und demütige bytte, e. e. w. wölle usz cristlicher liebe zu herczen fassen, betrachten unnd ermessen unsern mercklichen kumer desz lybs und der consciencezen , schwere gefengnüsz, wie obgemelt, und unsz thun, [12] wie e. e. w. wölt in glichem fall ir gethön werden, und unsz lassen und günnen ziehen an die ört und endt, da wir nach unserem glouben, conscienczien und orden leben und thun mögen, wöl- ‚len wir allezyt mit unserem demütigen gebett umb e. e. w. 28 Jule verdienen. Geben uff visitationis Marie anno 29. Auch, gnädigen lieben herrn, sit herr Hans Yrme kran- ckeit halb unser anligen nit wol gnugsamplich mage verenden, wo esz e. e. w. nit widerig were, begeren wir an sine stat einesz andern pflegersz, der unser anligen, wie not erfordert, möge uszrichten. Item das zytlich unsers gotzhusz wurt regirt und gehand- let on unser wyssen und bericht; ze besorgen, in die har bring es nit ein nüczbarliche endt. U. g. demütigen capellonen und diener, beyde conventt der Carthusz in minderen Basel. Uff dise supplication ward uns keine antwort, dann das Hans Irmy ward vom pflegerampt gesetzt, wie wir begerten; doch stond es lang an, dasz man in nit absetzt. Dann er fast usz unserem schriben erzurnet und begert vom rat ein copy unser süpplication und meynt ie, wir hetten in ze fast gesmy- 6. wider unser gelubde. 8. cristlicher und bruderlicher liebe. 9. gwalt, recht, glou- ben. 11. Am Rande in der Chronik: 2 Cor. 5. 12. müsse fur sich selbs. 13. »stren- gen« fehlt. 24. mögen thon und leben. 26. im 1529 jar. 27. sitmal. 29. »were« fehlt. 34. vein« fehlt. 1) 2 Cor. 5, 10. 10 15 20 25 30 35 410 br R en | SEE > or 1520. 459 tzet und trowet uns ouch fast durch unseren schaffner, er wolt uns mit recht ersuchen etc. Doch da im ein copy vom rat uberantwort würde, mocht er nit anders finden, dan die luter warheit und wie er mit uns gehandelt het, darumb müst er schwigen, dann er erkant, dasz sin spetzwörtlin waren im in- getrenckt, und merckt ouch, das der subprior war innen wor- .den, da er sprach: »O we dasz der subprior nit innen werd«, 10 20 25 30 und da zwuschen ward nit witer mit uns gehandelt. Darnach satzt der rat zwen ander pfleger an sin stat!). Item nach dem begert unser convent, dasz man zwo per- son usz dem convent zum prior gen Friburg lyesz, in hoffnung, das die den prior wider har brechten. Ward dem vicarien er- loubt, das er allein hynab fure. Doch [12°] müst der convent fur in versprechen, und er eim notario in die hand verheissen, so er sich nit widerstellet nach 10 tagen, solt er kein anspruch mer ansz closter haben. Da nün der vicary sich wider gestelt hett, begerten die pfleger geschriffliche antwort, uff das sie möchten den rat un- derrichten, wes willen der prior were. Antwort inen unser convent in schrifft, wie har folgt?) : Gnad gotes und unser demütiges gebett zuvor: ersamen wy- sen lieben) herrn und pfleger, nachdem und wir durch uch von einem ersamen wysen rat erlangt haben verwilligung unseren vi- carium schicken gen Friburg zu unserem wirdigen vatter, ım an- zuzeugen unser anlygen in hoffnung, er wurd sich personlich har- thün und underston ein vereynigung und rachtung machen mit ei- nem ersamen wysen rat, unser und unsers gotshusz halb, ist ytzunt bescheen und unser vicarius hat sich wider gestelt nach unserem und sinem verheisz. Wiewol unser wirdiger vatter, der prior, nun- zemal uns nit mag willforen harzukomen usz vil und menger- ley ursachen, nit notwendig hie ze melden, dann nach sinem abscheid von uns hat er sich selbs vor einem ersamen wysen rat geschrifflichen entschüldiget und anzöigt, in was meynung er von hinnen gewychen sye!), da by lassen wirs blyben. Hat och muntlichen unserm vicarien endecket sinen willen und entlichen beschlusz, nemlich, das er wöll durch die gnad gotes verharren und bliben in dem orden, wider sin gelubde, so got dem almechtigen gethon, in keynerley wysz noch weg (als vil 1) Wie schon oben (S. 448 Anm. 4) angedeutet worden, verhält sich die Sache wohl so, dass Hans Irmy, der mit Rudolf Supper die EUR versehen hatte (in den Briefen der Karthäuser ist Seite 453, 12 und 457, von einem Amtsgenossen Irmys die Rede) , durch Ludwig Becherer er wurde, und zwei weitere Pfleger, zunächst Fridolin Ryff und Hans Veld- ner, dazu kamen. 2) Von diesem Schreiben habe ich das an die Pfleger gesandte Exemplar nicht finden können. 3) Wir haben die Abkürzungen »e. w. ]. herrn« und »vein e. w. rat« oder »e.'e. w. rat« aufgelöst. 4) 8. über den Brief vom 11. April S. 449 Anm. 4. 232 27? Sept. nach 16. Oct. 21. Oct. 25. Nov. 460 | 1529. es menschlicher blödikeit möglich ist) handlen oder thün, sin bekleidung nit verendern, unser gotshusz und was des gotshusz ist, ouch was er hat mit got und mit eim rechten titel besitzt, nit verlaszen noch übergeben oder sich verzychen, des willen wir ouch alle samen zu beden conventen sindt, wie wir dan zu dickermal uns des, so muntlich so schrifflich, entschlossen haben und namlich in der supplication an einen ersamen wy- sen rat gestelt, ouch uns disz protestirt vor einem notarien. By dem wöllen wir es laszen blyben. Hierumb ist unsere ernstliche und fruntliche bit, das ir, unser 10 pfleger, wollent einem ersamen wysen rat soliche unser meynung und entlichen beslüusz mit hohem [13] flysz uffs allerbest offnen und anzeugen, unser halben ein ersamen wysen rat fruntlichen bit- ten, das ein ersamer wiser rat sich nit witer bemüge und be- kummer andere antwort von uns zu warten. Dann so ein ersa- mer wyser rat uns wolt lassen blyben in unserem weszen und etwas bescheidlicher halten, dann wir ein zit har gehalten sindt, und vor der gemeyne sicheren, wöllen wir gern und willig hie blyben, wo aber das nit, wöllen wir aber gern einem ersamen wysen rat wilforen und von hinnen sampt des unseren mit irem wissen und willen zyhen. Damit sin got befolhen. Datum secunda post Mathei 1529. Bede convent der Cartusz In mindern Baszel. Item nach Galli komen die pfleger in convent und retten mit vil ernstlichen und merglichen worten und sprachen : »Sit- mal ir nit wöllen usz dem closter zum wort gotes gon, hond uch unsere herren der rat 4 predicanten furgeschlagen, darun- der werden ir einen nemen, der uch gefalt, der müsz im klo- ster predigen, und sindt namlich dise: der wychbischoff!), Ecolampadius, doctor Paulus?) und magister Wolffgangus?). Da sy sahen, dasz der convent nit willig was, sprach der, der die redt thet: »Ich spräch schier, ir weren nit cristliche lüt, dann der predicant, den ir werden erwelen, müsz predigen die evangelium etc.« Da antwort unser convent: »So es ie müsz sin, und die herren der rat habents erkent, so wöllen wir magistrum Wolff- gangum hören .«. Der thet sin erste predig uff Ursule im closter und die letste darnach uff Catharıne. In derselben waren die pfleger zegegen. In wölcher predig der praedicant die güte werck ver- wurff und sprach under anderen worten: »Die kütten sindt nit, . H VgLiB. 450, 22. 2) Paulus Phrygio, seit kurzem als Pfarrer an die Kirche St. Peter berufen, vgl. Hagenbach 129; s. Athenae Rauricae p. 18f. 3) Wolfgang Wissenburger. 20 25 30 gschrifft von got, von Christo, den eristlichen glouben, das’ 40 F ET TEE “ r or Br NIT TEN 911 1529. 461 hinder den müren sitzen ist nit« etc. Da wart einer usz dem convent entrüst und ging hinweg. Schrey im der predicant nach und sprach: »Hab ich nit die warheit gesagt? Ich bin bereit myner predig rechenschafft zu geben«. Antwort im der conventual mit uffgehebten henden, sprechende: »Ich künts dir wol sagen«. Et sic exivit de templo. Do beschlosz der predi- ‚ cant sin predig und [ı3P] sprach: »Ich syhe wol, das ich kein 10 15 c 20 30 3 or 40 45 frucht bring an uch, dann ich und das wort gotes werden von uch veracht und verspott. Wyll mich ouch ytzunt bezeugt haben mit uch und allen denen, die hie gegenwertig sind, das ich am jungsten tag vor dem strengen gericht Christi kein schuld uwerhalben wil haben, so ich mit allem vlysz und ernst die warheit und dasz wort (mort) gotes hab furgetragen. Aber ir gantz verblent und verstockt verharren in uwerem furnemen « etc. Also verluren wir (optate) den predicanten mit dem (er- dichten) wort gotes. Noch der predig beschickten die pfleger den convent, usz- geslossen des, der usz der predig was gangen, und sprachen: »Es hat her Thoman!) ein grosze ungeschick- gethon in der warheit, wo das die gemein innen wurde, dasz ir unseren glou- ben nit wöllen annemen, darzu das wort gotes verachten, wir wissen nit, was darusz wurde«. Antwort vicarıus: »Es ist uns leydt, ouch haben wir im nüt befolhen, möchten wol lyden, es wer underwegen bliben. Darumb, lieben herren, wir bitten uch, ir wolts ins best keren und den convent nit laszen en- gelten«. Darnach im crutzgang begegnet her Thoman eim pfle- ger und sprach zu ym: »Vermeynen ir, dasz ich unrecht ge- thon hab, so wiıl ich uch ze recht werden vor der universitet zu Friburg oder vor dem bischoff zu Costentz «. Item demnach wurden wir von den pflegern und anderen verordneten vom rat dick und vil angelangt und mit groszen lysten ersucht, darusz uns grosze unrüwe und mencherley fan- tasy erwuchs, wan wir besorgten yemer, durch ire beschybikeit wurden sy uns in unseren worten fochen. Darzu schruwen die predicanten fast uff den cantzeln wyder die Carthuser und sprachen, wir weren ungehorsam und eygenköpffig unnd wölten keynen bericht annemen etc. Desglichen theten auch die bur- ger, wa sie by eynander woren uff den stuben, theten sie nit dan von den Oarthüseren disputiren. Der ein verwundert sich, das 11 oder 12 personen eym gantzen rat wyderig weren und in keim stuck dem rat wolten wilfaren. Der ander wolt die Cartuser alle uff die Rynbruck füren (so man im volgt), und zu inen sprechen: »Nün ziechent die [1a] kutten usz, oder ich stosz uch in den Reyn« Der dryt wolt sy uber die muren werffen. Etliche wolten sie hencken und namlich im groszen I) S. oben $. 453, 28. 28. Nov. 462 | 1529. rat waren etlichen, die ratschlugen und sprachen, man solt ein uffrür machen und das closter uberfallen, und alle die, die do nit wolten dasz nuwe weszen, die (on)cristliche religion (su- perstition) annemen, solt man erstechen. Solchs und derglichen vil ratschleg, uber uns verfelt, wurden wir innen und gewar- net. Usz welchen wir wurden etwas erschrocken und cleinmü- tig und wurden mit einander rätig, wir wolten ein supplication an radt stellen, in derselben alle mergliche artickel verantwor- ten, so mit uns gehandlet, unser gerechtigkeit und ursach, war- umb wir den orden nit wolten verlaszen, uffs best anzöigen. Item in denselben tagen die zwen apostaten, namlich der schaffner und converszbruder, desmal portner, uberkomen mit der stat, und der schaffner nam lypding, alle fronfasten 15 %, 2 somm win, 2 fiertzel korns und huszrat, fur ein huszgesin uber- swenglich gnüg, und fur sin arbeit der schaffeny halben alle jar 20 @/ und behuszung und den tisch im closter, wie ein conventher, und so er ein frow neme, möcht er sy zu im ins closter setzen '!). Uff den ersten sontag des advents gieng er nach lutheri- scher art zu kilchen mit eim jungen meydlin by 14 jaren, das satzt er zum ersten ein zit nit gar zu im ins closter, aber dyck und vil furt er es ins closter und tryb gar vil lychtfertigen mütwillen mit im, unverholet, unverschamet, ytzunt in der gast- kammern, ytzunt in den andern kemmerlin, dann in der cellen, das er wol mag sprechen (sathanice) : »Non est locus Cartusie, quem non transeat luxuria mea«. Darzüı entblöszt er uff einmal demselben (unseligen) meydlin die brüst vor dem elsten im convent ins priors cellen, sprechende: »Schouw, wie myn frow (meretricula) brust hat« etc. Warumb aber im der rat so groszen sold gabe und allen mutwillen gestattet, wil ich hernach sagen. Aber der ander apostata, der portner, nam in barem gelt und huszrat mer dan 200 gulden wert?). Und sie bede, was sy mochten zu der porten hynusz bringen heimlich oder offentlich, blyb inen alles. WYyter der schaffner ward von dem vicario vor den pflegern verclagt sins bübischen mütwillen halben [14°], und sprach zu den pflegern under anderen worten: »Ir haben uns ein spigel fur die ougen gestelt, er gehört uff den graben?) und 1) In einer Urkunde vom 18. Oct. 1529 (Karth. Arch. Nr. 490) ver- zichtet Bartholomäus Knobloch (s. oben 8. 432) gegen das Leibgeding, wie es die Chronik hier richtig angiebt, auf alle fernere Ansprache ans Kloster. Ueber die Dienste, die er fernerhin als Schaffner leisten sollte und die dafür zu beziehende Besoldung berichtet diese Urkunde nichts. 2) Bonifacius Keck von Dornbirn, Laienbruder, quittiert ebenfalls am 18. Oct. die Pfleger um alle Ansprache an das Kloster, nachdem er 180 £. Stebler Basler Münz und Währung erhalten hat, sammt den Kleidern, die er an diesem Tage auf dem Leibe getragen, seinem Werkzeug und etwas Haus- rath (Karth. Arch. 491). 3) Den Ausdruck »üf dem graben gen«, d.h. um den Stadtgraben spazieren, gebraucht Berthold von Regensburg von or - 5 2 oa 1529, 463 nit in die Carthusz«. Das zoigten die pfleger dem rat an. Da wart vom rat erkant (in concilio malignantium), es wer sin eefrow, er solt sie gantz zu im ins closter setzen. Dann der schaffner hett gröszer gunst vom rat, angesehen, dasz er inen 5 brieff, sigel, alle heimligkeit und alles, das der prior im ver- truwet het, offnet und uberantwort. Der ouch die kutten ab- gezogen und gantz ein sellosz, verrucht, weltlich und fleisch- lich leben furt. Dan deszmal pfaffen, munch und nonnen, ye _ verruchter und fleischlicher sie lebten, ye me sie gunst vom rat _ 1 erlangten und gelybt worden vom rat (tanquam in proposito pares). Dann unser vicarius beclagt sich vor den pflegern unser apco- staten eins und sprach: »Do er noch in der kutten was, war er alwegen eins streflichen wandels«. Antworten im die pfleger sprechende: »Das er allwegen im hertzen hat gehebt& das thüt er ytzunt, daran haben unser herren ein wolgefallen «.. (Ecce quales justiciari!) Da nun der schaffner vom rat ver- willigung hat, setzt er das meydlin zu ym ins priors cellen. Doch wart dem meydlin verbotten, dasz es nit in crutzgang ging. ÖOuch ob yemant usz dem convent ansz priors cellen 2% lütet, und der schaffner nit wer in der cellen, solt es nit uff- thun. Da nün der (Judas) schaffner also het gehliset ins priors cellen, visitirt in zum dickermal der lutpriester zu sant 'T'heo- der, mit siner metzen, und namlich im advent, an den frytagen zu nacht, und bracht sin gesotten fleisch mit ym und sassen da und schlempten und buszetten oder brassetten bitz in die tyeffe nacht, lachten und kytterten, wie in eim offnen husz. In summa, des priors cell was frow Venus berg. Doch thet der lupriester solchs visitiren nit umbs schaffners willen, son- der von wegen des (glatten) meydlin, dann es gefyel im, wie | nit lang darnach offenbar ward. Darumb der schaffner und der lutpriester (die ewig hellischen menner) wurden einander thot- findt. Darnach wurd der schaffner mit dem meydlin ouch un- eins, dan der kuszmonat was harumb. Und schlügen und stiessen [15] einander und hetten ein geschrey, wie hüren und büben, (quales erant). Da schlug dasz meydlin den schaffner mit eim buschel schlüssel einen wüsten flecken ins angesicht. Da der rat vernam, wie sie ein so bübisch leben fürten, und der schaffner trüg das zeichen im angesicht (posuit signum in faciem suam, ut nullam preter ipsam meretriculam admittat), erkant der rat, dasz er das meydlin gantz und gar solt usz dem closter thün. Dasz must er thün des tags, da es im ver- kunt wurde. Nün, dasz ich wider kumm, da ichs gelaszen hab, der supplication halben, wurden wir geürsacht usz mencherley an- or ni den liederlichen Dirnen. S. Mittelhochd. Wörterb. v. Benecke-Müller- Zarncke I, 562. Lexer: Mittelh. Handwörterbuch I, 1064. Bart a 464 1529. zeigung, so der gantz rat bericht wurde, wie statt und platz, da unser closter stat, von inen were erkoufft worden, der rat wurd die predicanten, desglichen ouch die gemeine heyszen swigen und uns hynweg oder zufriden laszen. Item die pfleger sprachen etwan: »Die burgerschafft der stat Basel 5 hat uwer closter gestifft und begabt«, und wir weren frembd, mit was rechten wir dann das closter und, was des closters ist, mit uns begerten hinwegzefüren? Wo sye uff dem weren ver- harret, hetten wir inen vil ein anders können darthün. Volgt nün die supplication in form und gestalt von wort 10 zu wort, wie dan durch unseren vicarium sampt zweien per- sonen unsers gotshüsz wart beden räten sytzen!) uberantwort _ und geleszen vor beden räten zugegen unsers vicarien und der 11. Deasander zwo personen uff samsztag nach Nicolai im jar 15292): Edlen, strengen, frommen, vesten, fürsichtigen, ersamen 15 und wysen, sonders gnädigen und günstigen herrenn. Sit wir yeczunt lange zyt in mercklicher gefengnüsz verknüpfft und verhefft gewesen, auch gancz und gar trostlose gehalten, ist noch nye unsz mit eim einzichenn wort endeckt ursach, wie oder warumb wir sölche trostlosze gefengnüsz verschüldiget 20 | haben, deszhalb unser unmut, kumer und beswernüsz von tag | zu tag sich mercklichen meret, sonder so wir vernemen, wie die predicanten über unsz schryen, die gemeyne murmel, und closterlütt klagen, und wir in solchem vall auch unsers lebens besorgen. Deszhalb wir auch (ist nit lang) geschrifftlichen un- 3 | seren pflegern anzöigt haben ze berichten e. e. w., wölle man unsz hie lassen und in unserm wesenn blyben, nemen wir gut- williglichen an, doch dasz wir bescheidlicher gehalten, [15”] dan ein zyt har gehalten sind, und vor der gemeyne gesicheret : wurden. Ist unsz noch kein antwort worden, darumb unser 3% kumer und forcht mercklichen zunympt, wiewol nit in unsern conscienczien oder gewisne ist, dasz yemandt in beden steten Basel ab unsz könne oder möge klagen, dasz wir yemants habenn beleydiget oder beschediget im mersten oder im min- stenn, auch keine klage schuld halb über unsz gehört wurt, 35 haben auch keinen frevell begangen. Deszglichen haben wir unsern orden und observancz dem gotzwort, alsz wir hoffen, 24. in diszem vall. 28. bescheydlicher gehalten werden, dan wir. 34. voder be- schediget« fehlt. 34—35. im mersten oder mynsten, in vil oder in wenig. 1) Sitzend, in gesessenem Rathe. 2) Auch hier geben wir den Wort- laut des dem Rathe überreichten Exemplars mit den Varianten der Chronik. Da die Schrift durch den Vicar selbst im Rathe übergeben wurde, ist sie nicht, wie die beiden ersten Schreiben (8. 452 fl., 454 ff.) in Briefform zu- sammengelegt, versiegelt und mit Adresse versehen, sondern bloss doppelt zusammengefaltet. Von zwei ineinandergelegten Bogen sind die sieben ersten Seiten beschrieben, auf der Rückseite steht von der Hand des Rath- “ schreibers Ryhiner: Der Carthuser suplicationn, welche wol ze bedencken ist. 1529. 465 _ gemäsz nach gelegenheit der sach wol (und alsz vil unsz got E onad verlychen) recht gehalten. Darumb on unsere (ob got wil) schuld und alle andere angezögte ursach unsz in sölcher gefengnüsz und geferligheit verstrickten und halten nach un- sserm beduncken geschicht unbillich. Ist wol war, die verornet- - ten von e. e. w. mit unsz ze handlen han sich lassen mercken, esz beschee darumb, dasz wir unsz vor einem notarien hand protestiret und bezögett, dasz wir unser gotzhusz nit wöllen - übergeben etc. Wo dem also, wer in der warheit wol ein jamer ‚ze hören, dasz fromme Cristen andere unschuldig Cristen allein umbsz zytlichs, so unser ist, dermasen solten halten, wie mir ein lange zyt gehalten sind. Man möcht villicht sprechen, neyn, esz hang mer daran, namlich, dasz ir nit gehorsam sind und dasz nüwe ewangelisch wesen, yeczunt in beden stetten einhellig angenomen, ir nit annemen. Gnädigen lieben herren, dasz sige wytt von unsz und sol sich, ob got wil, niemer erfin- den, dasz wir dem heiligen ewangelio ungehorsame oder mit dem minsten buchstaben wölten widerfechten. Möcht man aber sprechen: Warumb verwilligen ir üch dan nit in die erkant- 2» nüsz, so bede rät einhelliglich beschlossen und üch han lassen fürtragen ? Achten ir sy nit ewangelisch! | Gnädigen lieben herren, wie die erkantnüsz, item wer yederman syge, befelchen wir got, der do alle ber, erkent - unnd lassens die bescheiden, die mer verstancz haben, dan wır. 2 Sagen darby, so schön unser [16] orden dem wort gotes nit gemäsz (dasz wir, ob got wil, nit verhoffen) , so sollen doch wir nit gezwongen werden, diewil Oristus Jesus unser heil- macher ein fry ungezwungen hercz erfordert, glouben auch nit, das ye yemandt, es syge by den Römern, Corinthiern oder an- 30 deren, zu wölchen der heilig sant Paulus geschriben hat, oder I _ anderswo gezwungen syge worden, sonder menglich sin fryer _ wil gelassen und got befolchen, der allein die gnad geben und ingiessen kann und mage. - Bi Item wir verjähen und bekennen die fürschleg, byszhar 5 mit unsz gehandlet, der wort halb gütlich unnd früntlich ge- _ wesen, aber nachfolgungen, wie dieselben sind, wöllen wir yeczunt zum teyl melden und unsz (ob got wil) dermasen en- schuldigen. (alsz vil esz schlechten einfaltigen menschen mög- - lich ist), das nieman könne oder möge unsz straffwurdig erken- nen. Nun anfenglichen ist unsz fürtragen, zum teyl mund- - lichen und zum teyl gschriftlichen, wie e. e. w. ire erkantnüsz nit habe lassen uszgon also blind, unbedacht und gechlingen, sonder mit vorgeendem rat, ob nat got und guter consciencien sy yemand sölche fürhalten möchten, und haben darin funden, = 1 4. verstricken. 5. ungutlichen. 7. geswornen notarien; 16—17. und sich, ob got wil, ouch nymmer sol erfinden. 22. oder wer. 24. bescheiden declariren. 27. dann Christus. 31. sigen, Basler Chroniken. 1. 30 466 ‚1529. das sy solchs fug und recht habenn, und syge ye nit gesche- hen usz einem widerwillen gegen unsern personen oder begirde unserer habe, 0 neyn, und werde nit anders gesucht oder ge- meynet, dan der seel heil etc. Gnädigen lieben herren, wer wölte dise angezöigte wort verwerffen, dasz sy nit wol und recht geseczt weren, aber nach- gonde werckt, ob sy den rechten gemäsz sygen, lassen wir uszrichten, die mer vernufft und verstantz haben, dan wir. Dan nach den obgemeldten worten ist gefolgt, namlich on alle angezöigte ursach ist unsz dasz unser verspert und beschlossen worden, die schlüssen von unsz genommen, man nympt inn und gybt usz, man zöigt die zinszbrieff den zinszherren, spre- chende: »Wir han brieff, geben unnsz zinsz«. Man erfordert und gybt rechenschafftt ete., und dasz alles on unser wyssen und willen, und so wir fragen, wurt unsz antwort vom schaff- ner, wir söllen dem zytlichen nume nit [16®] nachgedencken. Gnädigen lieben herren, dasz ist unsz mercklichen über- legen, angesehen dasz wir alle unsere habe mit gutem rechten eerlichen tytel überkommen, in guter ruwiger possession gehebt und also yeczunt unverdienter sach entseczt und aller admini- stration beroubt werden. Gmnädigen lieben herren, wir bytten durch dasz lyden Cristi, e. e. w. wöl unsz nit verargenn. Wir fragen, ob dasz closter mit sampt anderem, darzu ge- hörig, unser syge oder nit. Ist es nit unser, so begeren wir keinesz frembdes guts, dan got hat gebotten exodi am 20.: »Du solt nit dines nechsten husz, wyb, knecht, magt, vyche oder wasz din nechster hat, begeren«, item ouch nit mit oder under eim schin desz rechten darnach stellen. — Item, ist esz nit unser, warumb werden wir dan in solcher trostloser gefeng- nüsz gehalten unnd wil man unsz nit hinwegk lassen, wir übergeben dan dasz closter? Wvyter, ist esz nit unser, warumb werden dan wir so dick und offt angelangt, wir sollen unsz desz closters verzychen, so ye niemand rechtlichen hinwegk gybt, dan dasz vor sin ist. Item, ist esz nit unser, so begeren wir, dasz gloubwürdig brieff und sigel darüber verhört werden, wöl- che gnugsam e. e. w. aller ding underrichten werden, und so sich usz denen befindt, dasz dasz closter sampt anderem nit unser oder an unsz nit kommen nach inhalt götlicher und menschlicher recht, so werde esz dem zugestelt, der recht darzu habe; wir begeren, gnädigen lieben herren, nach dem gebott Cristi unsers heilmachers, dasz mit unsz gehandlet werde, wie dan ein yedlicher in glichem. vall begert mit im gehandlet ze werdenn. _ Item, esz ist etwan unsz fürgehalten, ob wir ye uff unser 2. usz begyrde. 3—4. gemeynet noch gesucht. 7—8. die uszrichten. 13. Wir haben die brieff, gebt uns den zins. 21—22. wir bitten e. e. w. umb das lyden Christi, ir wöllen. 27—28. under oder ouch mit. 30, man wil. 32. wir dann. 5 20. 25 30° 35) 1539, \ | 467 meynung wölten verharren und hinwegk zyhen, so wolte e. e. w. unsz eerlichen abfertigen, dan esz were einer löblichen statt Basel nit fast EN E wo wir insz nechst dorff kömen mit leerer hand, und ob wir nit stat und placz wusten, wölt man - 5 unsz mit solchen versehen etc. Ganädigen lieben herren, wer wölt sprechen, dasz sölche wort nit harflüssen usz frommen _ ewangelischen herczen, die sich von völle cristlicher und bru- - derlicher liebe überschütten. Aber nit lang darnach begerten wir ein früntlichen abzug, wart unnsz antwort, [17] wir müsten 10 quittiren etc. Gnädigen lieben herren, ist dasz closter mit sampt der hab (wie vormalsz bemeldet) nit unser, so begeren wir nüczs, darff es keiner quittirung, begeren noch ein früntlichen abzug (wo dem also) mit unser bekleydung. Ist esz aber unser, verhoffen wir, dasz sich nieman desz sinen ze verzychen un- 15 verschuld und deszhalb ze quittiren von allen rechten gezwun- gen söl oder muge werdenn. Gmnädigen lieben herren, man ist überkommen mit zwoen personen unsers gotzhusz, namlich mit dem schaffner unnd portner, eim yedlichen ein merckliche summe verordnet on un- 2% ser wyssen und willen, bedunckt unsz billich, ob in solchem _ wall wir nit mer am closter hetten dan ein interesse, sölt ye- mand von unsz auch darzu berufft sin, so wir mit inen und sy mit unsz vereinbart und überkommen sind (wie derselb ver- - trag lutet, ist nit notwendig yeczunt ze melden). So sy nun ‚35 von unsz abgewichenn und wir nit von inen, und der vertrag _ on unser wissen und willen beschechen , lon wir in ston in sinem werd, vermeynen, esz sige in allen rechten, wie krefftig oder unkreftig er syge, nit unverborgen. : Man möcht villicht sprechen, die yeczunt zwo gedachte ‚30 persone sind gehorsam gewesen, die cutten abgezohen, den orden verlassen und sich desz gotzhusz verzychen. Gnädigen lieben herren, wer recht gehorsam syge, befelchen wir got; esz spricht der heilig sant Petrus: »Man musz got mer gehorsam sin dan den menschen«!). Auch durch abzychen der cutten 3 und verlassen den orden wurt nieman sicher siner seel heil, - mer gybt man sich in geferligheit, und »wer sich in geferligheit gybt«, spricht sapiens ecclesiastici 3., »verdyrbt darinen«?). Der aber die cutten anbehaltett, im ordenn verharret und demselben gelebet, ist siner seel heil sicher. Man möcht villicht sagen: 4% »Wer versichert die, so im orden verharren? Der babst?« Ant- wort: »Nein!« »Wer dan?« Antwort: »Der versichert hat, dasz ER Be ee Eu EHE Ne * hu 6. die wort. 9. abzug mit unser Ne 14. niemant sich. »ze« fehlt. 21. dann interesse. 23. »vereinbart und« fehlt. 25. »nit« fehlt, offenbar ein Ver- sehen des Abschreibers. 23. ves« statt ver«. 31. Statt »verlassen — verzychen« hat die Chronik blosz »verlassen ete.« 35. synes heils. 37. »ecelesiastici 3« fehlt, 39. gelebet, gibt sich nit in färlikeit, ist. 40—41. »Antwort« vor »Nein« fehlt. 1) Act. 5, 29. 2) Ecclesiasticus (Sirach) 3, 27. 30 * 468 1529. Matheus, Marcus, Lucas und Johannes die luter, pur und göt- lich warheit geschriben haben !« »Wer ist derselb?!« »Esz ist autoritas ecelesie catholice, dasz ist der krefftig gewalt der ge- meynen cristlichen kilchen, langwirig bruch und einhellig an- nemen durch die ganczen Uristenheit«. Wer nun sölche auto- 5 ritet verwürfft, wasz im gnugsam sicher und gewysz könne oder möge gsin, geben wir e. e. w. alsz den verstendigen ze ermessen ; [17°] wir lassen yeczt anston unser glübt, so wir fıry, ungezwungen, gott vorab und darnach dem orden, gethon habenn. ‘10 Item man halt unsz für, wie e. e. w. erkantnüsz und man- dat sige götlich, recht und billich, deszhalb auch im druck uszgangen und talme kumen für fürsten und herrn. Gnädigen lieben herren, dasz üwer mandat götlich, recht und billich syge, lassen wir geschehen, wurt aber darumb niemer folgen, dasz ı5 wir oder ander lüt dasz ire, so sy han und besyczen mit got, recht und aller billigheit, müsen verlassen oder sich desz ver- zychen, vermeynen auch nit, dasz im gemeldten mandat oder erkantnüsz sölchs mit eim. wort gedacht syge, deszhalb wir unsz aller billigheit alsz zu einem cristlichem regiment ze ver- 2») sehen, dan on zwyfel e. e. w., wasz sapiencie am 6. cap. ge- Schtiben stot, unverborgen ist!). Item man spricht zu unsz: »Wölten unser herrn die rät zwen glouben in der stat haben, wüsten sy wol« etc. Gnädi- gen lieben herren, wir wissen nit mer dan von eim glouben 35 ze sagen, den wir im tauff enphangen haben, in Latin genent fides catholica, dasz ist der gemeyn cristlich eloub, der anhebt »wir glouben in got vater den almechtigen« etc. mit allen nach- sonden stucken und aller massen, wie im heiligen concilio Niceno und anderen beschlossen ist worden. In dem gloubenn 30 wöllen wir blyben und verharren, so ver unsz got sine gnad verlühet, und ee lyb und leben darann strecken, ee wir wöl- ten ein andern annemen, wie joch der genant mag werdenn. Item so wir demütiglichen bytten und begeren, man söl unsz lassen by brieff und sigel blyben, antwort man unsz, ob 35. wir dan e. e. w. wöllen zwingenn etc. Neyn, gnädigen lieben herren, wir wöllen niemandt weder zwingen noch dringen, sonder begeren by dem unserm, so wir mit got und recht über- kömmen , ze blyben. Deszhalb, so e. e. w. villicht der ding el 1. »und« nach Lucas fehlt. 2. Antwort: es ist. Am Rande in d. Chron.: Nota bene. 4. Der Brief hat »cristlicher«.. 6-7. was im könne oder möge gnügsam versicheren unnd gewisz sin. 8. anston ytzunt. 12, »recht« fehlt. 13. talleme. 16. »und be- syezen« fehlt. 18. »der« statt »oderc«. 20. zu uch als zu. 20—21. zu versehen. 21—22. »dan — ist« fehlt. 23. der rät. 28. in gloub. »den« fehlt. 30. in dem- selben glouben (so verr uns got sin gnod verlychet) wöllen wir blyben und verharren. 1) Ungerechtigkeit verwüstet alle Länder, und böses Leben stürzet die Stühle der Gewaltigen. So höret nun, ihr Könige, und merket; lernet, ihr Richter auf Erden u. s. w. 1529, 469 nit volkumenlich underricht were, geben wir üch ze verston, wie vor zyten ein ersamer wysser rat, ingeschlossen die ge- meyne, hat verkoufft den hoff und placz, da yeczunt unser ‚gotzhusz stat, mit allen inbüen und zugehörungen, einsz fryen ‚koufls, ir bar gelt darumb en-[1s])phangen, brieff und sigel darüber uffgericht und sich verzychen aller gerechtigheit, an- sprüch, inträg und aller fund, so durch menschen möchten erfunden werden etc., auch versprochen und verheysen, sampt die gemeyne solchen kouff den Cartusern by ire trüwe vest und stet ewiglichen ze halten und die Cartuser mit dem ob- gemeldten hoff und placz lassen handlen und wandlen, schal- ten und waltten on alles ansprechen, alsz mit dem irenn!). Gnädigen lieben herrn, so nun unsz merckliche not dring und zwing, so müsen wir thun, dasz wir nit vermeyden ken- snen. Hierumb, gnädigen lieben herren, wöllen wir üwere strenge wysheit ermanenn und ermanet haben desz obgemeldten kouffs, auch uffs höchst darumb ersuchen und ersuchet haben, wie eim Cristen zimpt den anderen ze ermanen und ze er- suchen. Wir bytten auch luter durch gotes willen, üwere strenge wysheit wölle mit unsz handlen nach dem gebot Cristi, so Math. am 7. spricht: »Alles dasz ir wöllen, dasz üch die lüt thüend, dasz thun inen auch ir, dasz ist dasz gesäczt und propheten«, und wöllen unsz also by brieff und sigel beschu- czen, beschirmen, behalten und lassen blyben und den offt > gemeldten hoff und placz nach lut derselbigen brieff und sigel ze unsern henden stellen und fıy, on alle hindernüsz durch personen unsers ordens den lassen verwalten und verschaffen, wie billich ist. Gnädigen lieben herren, dise meynung unsers convents wölle üwere strenge wysheit im besten verneme und antwort nit verlengeren oder gar keine gebenn, wie vormalsz be- schehenn. ge Da nun unser convent dise supplication het dem rat uber- antwort, wie obstot, und der rat hort unser meynung und ge- rechtigkeit, die wir zum closter hetten, wüsten ouch nit, wie oder wasz sie dem convent solten antworten, nitdestminder wolten sie uff irem furnemen verharren und dasz closter nit usz iren henden und gwalt lassen, darumb forchten sie, unser ein teyl wurden fluchtig und sich heimlich hinweg machen, und so denn der merteyl by dem prior were, müsten sie dem prior und convent, der by im were, die zins laszen volgen, darumb bestelten sie heimlich hut, die uns bewaret etc. Und 3. handt. 13. uns nun. 13—14. drinckt und zwingt. 17. darumb uffs höchst.” 21. Der Brief bat „am 6.« Die Chronik giebt das Richtige. Der Spruch steht Matth. 7, 12. 22—23. »dasz ist — »propheten« fehlt. 1) S. oben S. 256 Anm. 1. 12. Dec. 470 ; 1529. wie wir uff samsztag, wie obstat, inlegten die supplication, in derselben nacht thet unser custor!) gar ein dorechten unge- schick. Dann [1sP] er was ein statkindt und hett dielen oder brett ufgehebt in der stadt gang und mit sinem liplichen brü- der verlaszen, das er durch dasselb loch im sin cleyder hinusz trüge. Und so der custor hinweg keme, solt er im sin cleyder hienach schicken gen Friburg. Da aber nün weder der custor noch sin bruder nit wüsten von der heimlichen hüt, kome uf sontag früe, da es noch finster was, uff den gang unsers cu- stors brüder und wolt die kleider reychen. Do erwüsten in die verhüter und legten in inn den thurn 3 oder 4 tag. Aber den custor nam die stat und legt yn inn den kercker 1 nacht und darnach an ein kettin in sin cell und gaben ym ein weltlichen man zü, der in verhütet, das nieman vom convent solt mit ym reden. Do komen alle tag 3 oder 4 mann vom rat verordnet mit im zu handelen, das weret 4 oder 5 tag. Darnach ergab sich der custor inen, er wolt die kutten uszzichen und hinusz- gon zum wort gotes. Da müst er versprechen sampt sin frundt mit ym, ob es sach were, dasz er sich heimlich oder offenlich hinweg mächt, so solt er sich aller anspruch zum closter mit der that verzichen haben, doch diewyl er hie blyb, solt er ein pfrund haben wie ein ander conventual. Darnach zog er ha- bitum ordinis ab von uszwendig, aber inwendig behilt er in an, und legt ein swartzen rock daruber und gieng also usz und in bitz nach winachten des jars 1530; wart ym witer zu- gemütet, das er solt zum disch gon, und verwyssen im, das er gieng zu denen, die des nuwen weszen nit weren und kunt- schafft mit inen hett, das solt er vermyden. Er besorgt ouch, dasz er müst zum gots (zu irem) tisch gon, darumb ging er heimlich hinweg gen Friburg widerumb in den orden. Wyter ist zu wissen, das der radt usz dem, dasz der custor glich nach inlegung der supplication understanden het zu flü- hen, in argwon kam wider den gantz convent, imm wer nit zu vertruwen, darumb er lange zit antwort uffschlüg. Darzu hat es sich ouch begeben, dasz ein namhafftiger burger der stadt Basel zu Friburg by unserem [ıs] prior het gessen und under anderen worten hat im der prior gesagt sprechende: »Min con- vent hat ein supplication ingelegt wider mynen willen, dan ich hab die besten ım rat zu Friburg und die gelerosten in der universitet dieselb supplication laszen lesen und sie rads ge- fragt. Und sie’haben das alle widerraten usz ursach, der con- vent wurde dasz füer gantz anzunden« etc. Da nün der ege- 1) Wahrscheinlich Heinrich Ecklin, den Georg im J. 1526 als sacrista bezeichnet (8. 355, 12; unter custor und sacrista ist derselbe Beamte zu verstehn) und der ein »Stadtkind« war (S. 355 Anm. 4). Des Sacrista er- wähnt auch Zscheckenbürlin in seinem Briefe vom 7. April (S. oben 8. 456 Anm. 1). Vgl. die Beilage über die letzten Schicksale der Karthaus. Di [u 0 feS 5 35 40° 30 SS In ern 2 RL TER Pe Ef 4 r 2 f - 30 cia, qui in causis plus homines quam deum timet) or cz 1529. 471 nant burger wider harkam, zeigt er die wort des priors un- serem schaffner an, der sagts im convent und den pflegern. Aber Theoder Scherrer), einer von den 13, sagt, der prior het ouch solche meynung hargeschriben, doch wem, ist uns nit zu wissen, dann dem convent hat er nye keinen buchstaben geschriben der supplication halben. Aber dem schaffner, wiewol er apostatirt het, nitdestmin- der war im der prior fast geneigt und schrib im dick und vil gar fruntlichen. Ouch in etlichen handelen, so der convent mit der stadt hett gehandelt, schrib er dem convent, er het recht und wol gethon, aber dem schaffner schrib der prior, als ob der convent nit recht het gethon und sprach: Jo der con- vent solt sich laszen wisen, dan es ist itzo also ein ding, man muosz dem wasser sinen lauff laszen etc. Sic volo, sic jubeo?) etc. Desglichen, so der schaffner gen Friburg kam, wart er vom prior fruntlich entpfangen, eerlichen gehalten vor dem convent und prior zu Fıyburg entschuldiget, dasz er het habitum ordi- nis abgezogen in einer guten meynung (exitus acta probavit). Da nun der schaffner sahe, dasz der prior kein myszfallen het an sinem wesen, ward er in sinem bösen furnemmen ge- sterckt (maioraque cornua sumpsit3)). Und do er widerkam gen Basel (beschahe uff fritag vor dem advent 1529 jar), glych %. Nov. darnach uff sontag het er hochzit nach der lutherischen art, 28. Nov. dan unser prior zu Friburg war guter ding mit ym und sprach, ob er darumb wer gen Friburg kommen, dasz er in ouch wolt uff sin (maledyten) hochzit laden etc. Ich kan den prior nit entschuldigen, das er spricht: »Ich hab dem schaffner ze vil vertruwet, und wo ich mit im nit güter ding were, offnet er alle heymlikeit [1sP]) den weltlichen« etc. (facile deviat a justi- ). Ursach ist, do man den schaffner solt machen, war der merteyl des con- vents darwider und sprachen zu den visitirern, er wer gantz und gar hinlessig, weltlich und het gar keinen anmüt zu an- dacht und geistlichen dingen und übungen (qui sibıi nequam, cui bonus?). Da antwort der visitirer im capitel und sprach: »Wir wöllen uch schaffner machen in hoffnung, ir werdent uch besseren«. Das wasz ein hübsche hoffnung. In der cellen nit geistlich sin, sunder weltlich, aber am ampt in der welt erst geistlich werden. In summa: die visitirer wolten thün, was inen der prior ingab (sicut moris est). Dornach in allen visitation 1) Ohne Zweifel Theodor Brand, aus einer angesehenen Kleinbasler Familie (vgl. $. 296 Anm. 2), seines Berufs Scherer, damals Rathsherr sei- ner Zunft, später Oberstzunftmeister und zuletzt Bürgermeister, Vater des S. 187, 26 erwähnten Oberstzunftmeisters Bernhard Brand. Ein Rathsglied, das den Geschlechtsnamen Scherrer geführt hätte, gab es damals nicht. 2) Juvenal. VI, 223. 3) Anklang an Ovid. Ars am. I, 239. Trist. IV, IX, 27. . 472 1529. warde grosze klag ab dem schaffner von beden convent. Des- glichen ward der prior von weltlichen und dapfferen mannen, als vom zunfftmeister !) gewarnet, das er dem schaffner nit solt also vil vertruwen, mocht alles nit helffen, der prior sprach allwegen: »Ich hab mir ein guten schaffner«. Darumb in allen : visitation wart der schaffner nit reprehendirt von den visitirern, wiewol sie vil klag gehört hetten, sonder vast commendirt und nemlich ın der vredketen visitatz, ee er die kutten uszzuch und apostatirt, declarirten die visitirer (wie inen der prior ingeben het), man solt dem schaffner ein eygin rosz kouffen. Nit lang darnach apostatirt der schaffner und koufft ym selbs 2 vöszlin, das ein ıydt er im tag, das ander in der nacht (dasz musz got im hymmel erbarmen). Darzü, da der prior hinweg fure, vertruwet er dem schaffner sigel, brieff, schlussel zu siner und aller heymligkeit. Das offnet und uberantwort er alles dem rat, darumb er groszen günst vom rat erlanget, und machten in zu eim schaffner der stat uber dasz eloster und lieszen in innemen und uszgeben. Deshalb er merglichen groszen schaden dem closter zugefugt, aber da was kein schand, dan in der selben zit zu Basel munch, pfaffen und nunnen, ie verruchter und fleiszlicher [20] sie lebten, ye eerlicher vom rat und gemein sie wurden gehalten (laudatur peccator in desideriis anime sue et iniquus benedicitur), und sprach man: »Der oder die ist recht erlucht mit dem gotswort und evangelio, (ve, quod dieitur bo- num malum), dan er oder sye hat sich gantz von den apostütz- lerwercken gekert und ist rechtgloubig worden und hat sin hoffnung gantz in (anty)Christum gesetzt und nit in die werg, damit 'munch und nunnen umbgon« etc. Nün wieder ad propositum: da der rat vernam, wie der custor hett wöllen flühen und der prior het dem convent ge- schriben und geraten (das doch nit war wasz), dasz er die sup- plication nit solt inlegen, wie dann der rat von Theoder Scher- rer und vom schaffner ward bericht, doch vil anders dan an im selbs wasz, dann der schaffner kan der lugen ein güt gestalt machen, darnach ward der rat mit einander rättig und sprach (wie mir ein namhafftig man anzoigt) : »Die munch wöllen uns in keinem stuck wilfaren und gehorsam sin, auch irem eygnen 9. Am Rande: anno 1528. 13. Am Rande: anno 1529. 1) Wahrscheinlich ist Lux Zeigler (aus einem Basler Achtbürgerge- schlechte) gemeint, der 1523 Oberstzunftmeister wurde und abwechselnd mit Jacob Meyer zum Hirzen dieses Amt bekleidete, bis er 1529 als An- hänger der katholischen Partei genöthigt wurde, es niederzulegen. Maria von Bun: die Nichte des Priors und grosse Wohlthäterinn des Klosters, bezeichnet ihn in ihrem Testamente (s. oben S. 334 Anm. 6) als ihren Vet- ter. In die Zeit zwischen 1523 und 1529 fällt, wie wir oben $. 432 bemerkt haben, aller Wahrscheinlichkeit nach die Wahl des Bartholomäus Knobloch zum Schaffner. Or 20 30 39 I - “ h) 1529: 1530. 413 prior sind sie nit gehörig, darzu ouch understond sie fluchtig ze werden, inen ıst nıt zu vertruwen«. Und beschlussen, man wolt uns nit hinweg lassen, es wer dan sach, das wir uns des gotshusz verzychen und das inen ubergäben mit gnügsamer versicherung und quittirung, das wir kein anspruch mer an das closter wolten haben, wo aber dasz nit, so wolt man un- ser bede convent in crutzgang inbeschlyssen und uffs gnübst versperren. Nach dem wart nit witer gehandelt mit unserem convent bisz uff Fabianı und Sebastiani im jar 1530. Do ko- ıw men die verordneten vom rat,»6 oder 7 man, fur bede convent 20 25 gt 35 Al Ken} und redten uff solche meynung: »Unser herren des rats mey- nung ist, nit dasz sie uch von dem uweren wöllen vertryben, aber sie begeren , dasz ir ire cristliche religion annemen und uch uwers ordens, regel, statuten und habyt verzichen wollen. So wil ein ersamer wyser rat das regiment wider zu uweren handen stellen, wie ir begeren in uwer supplication, doch must ir pfleger [20?] haben. So ir aber dasz nit wollent thüun, und vermeynen vilycht, es wer wyder uwere conscientz und des- halben hinweg wolten, so wil man uch allen ingemeyne und eim yglichen insonders sin leben lang laszen volgen ein gute competentz, so ir quitieren mit gnügsamer versicherung«. Item wyter sprach einer von inen: »Unser herren sindt ob uwer sup- plication gesessen und die verstanden, wie sie lutet nach dem buchstaben, und ir habent unseren herren eben gnüb zugeschri- ben, sprechende, sie haben uch das uwer beslossen und ver- spert; ir han doch noch essen und trincken, und sie sindt cast- vögt (casten- und kistenfeger) uber das closter, aber ir allein usufructuarii« etc. Darnach giengen sie hinweg, und bede con- vent hetten sich bald bedacht und verordneten zum vicario zwo person, die inen uff dasz egemelt anbringen solten antworten und sprechen: »Ersamen wysen lieben herren. Es ist noch umb ein kleyne zit zu thon, so halt man capitel in der öbersten Cartusz, dahin kommen vil vätter und gelerte personen, den schriben ır, wöllen wır ouch schriben, und so uns wider vom capitel geschriben wurt, wöllen wir uch ein fruntlich antwort geben«. Antworten sie und sprachen: » Wir wollen nit mer disputiren. Aber wir wollen einmal von uch wissen: Jo oder neyn, ob ir unser cristlich religion (ah got der religion) wöllen annemen oder nit und uch wöllen verzychen, wie obstat, mit einer gnügsamer quitirung, das ist tutsch geredt« (Latine: Lu- pus in omni sermone agnellum vocitat). Antwort vicarius: » Wir werden üwer religion in keinerley wisz noch weg anne- men, aber so es nit anders mag gesin, so stellen ir die quiti- rung nach uwerem gefallen, und so wir sy geleszen haben, ist sie uns anzunemmen, so wöllen wir sie annemen, wo aber nit, sl. e.w.l.h. 28. Jan. 474 1530. so wöllen wir witer thun, das billich und recht ist«. Solchs anbringen ward von in nit abgeslagen, und sie lyeszen uns uff dem won, dasz sie ein quittirung stellen wolten. Do waren etlich vom convent nit wol content, vermeinten, der vicarıus het sich ze vil [21] ergeben etc. Item witer redet ein conven- tual, sprechende: »Lieber herr, es ist erkant von beden räten, wölche person etwas ins closter hat bracht, wöll man ir laszen volgen. Nün hab ich von mynes vetterlichen erb bracht 200 fl., beger ich, das man mir die lasz volgen, so will ich fur mich und alle myne frundt gnügsam quittieren, das weder ich noch myne fründ ansz closter oder stat keinen anspruch wöllen haben, und so das geschicht, will ich hinweg. Aber das closter zu ubergeben und mich das verzichen, hab ich nit gewalt«. Antworten sy und sprachen: »Es ist wol ein wunder, dasz ir uch alle so fast sperren, dasz closter zu ubergeben, so doch uwer keiner mag sprechen von dem minsten, das des closters ist, dasz ist myn, dann ir sindt allein usufructuarii und nit eigen schaffner, aber unser herren sindt kastvögt« etc. (unde locus?). Antwort vicarius: »Ja, ir sagent recht, das unser kei- ner fur sich selbs insonders mög sprechen, das ist myn, aber der orden und wir alle ingemeine mit dem orden mögen spre- chen: das closter und was des closters ist, ist unser und myn. Doch, so ir selber bekennen, das unser keiner mög sprechen, dasz closter ist myn, wie mögen dann wir hinweg geben, das nit unser ist?« Wyter wart geredt: »Ir hand in uwer suppli- cation gesetzt, der seel heyl hang an der kutten«. Antwort vicarius: »Das haben wir nit geschriben, sonder in der kütten, so wir unser gelubd halten und dem orden leben, sindt wir der seel heyl.sicherer in der kutten dan on die kutten«. WYyter wart von inen geredt: »Ir sollen wissen, das unser herren in irer stadt und landt kein kutte mer wöllen haben noch wissen«. Antwort vicarius: »Wir möchten lyden, dasz man uns noch hinacht hynweg lyesz«. Antworten sie und sprachen: » Wir haben tutsch geredt: wöllent ir unser cristliche religion (anty- christianam abominationem dicere debuerant) annemen oder quit- : tiren? (schaff her) den weg müsz es hinusz«. Antwort: »Stel- lent ir die quitantz«, [a1] wie obstat. je at 20 Darnach uff Agnetis secundo komen abermals die vorbe- stympten und berufften bede convent und redten, wie vorge- melt, ob wir wolten ir christliche religion annemen etc. , "wie obstat. Antwort der convent: »Wir wollen in unserem weszen verharren«. Witer sprach vicarius: »Der nechst abscheid was, das ir solten ein quitantz stellen« etc. Das wolten sie nit an- redt sin, sonder sie sprachen: »Wir haben dasz uch nit zuge- sagt«, und also stunden sie uff und giengen hinweg. Da redet einer usz inen, indem do sie zu der thür uszhin giengen: »Jo, ir wöllen das closter nit ubergeben und wöllen doch hinweg, 40 a 10 15 20 25 30 1530. 475 wo ist dasz recht, jo morgen im dorff«. Uff dise wort ward inen kein antwort, dann sie warten nıt. Darnach beschickten sie zum ersten vicarıum ins schaffners stüuben und frogten in, wes willen er wer, wolt er sich des closters verzychen, wolt man in sin leben lang wol versehen mit einer güten competentz etc., und solt sich glychformig den anderen christgloubigen menschen machen, »dan uwer orden und andere örden halten wir nit anders dann fur secten. Also (sprachen sie) wollen wirs nennen« etc. Antwort vicarius: »Das ir unseren orden fur ein sect halten, volgt darumb nit, das er müsz ein sect sin«. Da nun vicarius wider von inen herusz gieng, stundt ein stadt- knecht vor der thür und wolt in nit mer zu dem convent lassen. Darnach beschickten sie einen nach dem anderen, und so er wider herusz gieng, lieszz man in nit mer zu dem anderen (ecce quanta machinantur versipelles, ut illaqueent innocentes). Item uff mitwoch nach palmarum 1530 kamen aber die verordneten vom radt fur bede convent und sprachen wie ob- gemelt, wolten wir ir religion, die der geschrifft gemesz ist, annemen. Antwort der convent: »Neyn, wir wöllen in unse- rem weszen verharren«. Antworten sie und sprachen: » Unser herren wergklut sindt hinnen und werden uch im crutzgang versperren, dasz keiner herusz mag komen«. Da redt vicarius und sprach: »Lieben herren, wir haben (ist nit lang) unser an- ligen in ein supplication gestelt einem ersamen wysen rat uber- antwortet, als einem christlichen regiment, in hoffnung, [22] uns wurde christliche antwort, aber ytzunt wil man uns on antwort und alle angezöigt ursach versperren und beschlieszen in dem unsern, uff dem unsern und umb des unsern !) wider got, recht und alle billigkeit«. Da sie dasz horten, wurden sie fast zornig und erbleich- ten und sahen wie die doten und kamen inen die websten in 12. Erst hatte!»fur« !gestanden, was jetzt durch »vor« ersetzt ist. 1) Diese Stelle scheint eine Reminiscenz an den Ausspruch über Herzog Leopolds Tod bei Sempach, dem wir in verschiedenen Wendungen begeg- nen: Ich wil bi minen rittern und knechten hüt sterben und genesen umb das min und uff dem minen und umb min väterlich erb. Sogen. Klin- genberger Chronik, hsgg. v. Henne 190. — In und um und uf dem sin si der herr erschlagen, das tun die, so nit hölder sin den eidgnoszen, von in sagen. Sempacher Lied bei Lilienceron: Die historischen Volkslieder der Deutschen I, 136. — Quod dux Lupoldus non fuit per suos et in suo interfectus. — Quod a suis et in suis dominiis tunc idem dux interfeetus fuit. — Ex quo manifeste constat a suis et in terris suis id factum fuisse. Eidgen. Abschiede II, 313. 314 (Verhandlungen zwischen den Eidgenossen und Oesterreich auf dem Tage zu Constanz, 1461 Mai 2). — »Ward erschlagen bey den Seinen und von den Seinen und in dem Sei- nen« heisst es auf dem Bilde des Herzogs, das im Rathhaus zu Gersau hängt. Geschichtsfreund 19, 12. — Am meisten klingt die Stelle der Chronik an das Lied an, das also wohl dem Verfasser bekannt sein mochte. 476 1530, den hindern, und rutsten uff der benck hin und har, doch seyt ir keiner etwas, sas dahär dienet. Sölche antwort ward uns von der cristlichen religion uff unser supplication. Darnach im crutzgang sprach einer zum vicario: »Ir sindt mit uweren worten zu vil unbescheiden geweszen«. Antwort vicarius: »Hab ich nit die luter warheit geredt?’« Antwort er: »Jo warheit, jo warheit« (veritas est nobis gravis ad audiendum, sed in men- dacio ponimus spem nostram, quo et protecti sumus). Item nit lang darnach redet einer von den verordneten mit einem welt- lichen priester, daszmal unser pfrunner und sprach: » Uwer vicarius ist ein ruchman und unerfaren in weltlichen sachen, das wirt von unseren herren ermessen, wo dasz nit, hett er 7 köpff, man hüwe sy im alle syben ab« etc. Item in solicher gefengnusz gab man uns essen und trincken ein gute notturft, ouch bekleidung (fidelis deus, qui non sinit suos famulos in se sperantes tentari supra id quod possunt). Aber mit dem uberigen machten sie, wie inen gefiel, sy gaben usz und na- men in on unser wissen und willen, koufften und verkoufften !) etc., doch solch gefengnusz was uns wol lydlich, dann man liesz uns züfryden und hort uff, uns wyter ze vexiren (non invenientes quod ultra contra insontes molirentur?2)). 1) Am 1. und 2. August 1530 wurden durch die Pfleger »heren Ludwig Becherer, meister Rudolffen Supper, meister Anthoni Gobelin und Meister Fridlin Ryffen« eine Menge Kirchengewänder versteigert und daraus die Summe von 260 #%. 10s. 7.d. erlöst. Das Verzeichniss der versteigerten Gegenstände und des Preises, um den sie losgeschlagen wurden, findet sich auf dem Karth. Arch. unter den unsignierten Papieren. Am Schlusse bescheinigt der Rathschreiber Ryhiner, dass am 13. Jan. 1531 Fridolin Ryff von der obgenannten Summe 250 //, den Almosenherren ausbezahlt habe (Ueber Stiftung oder Erweiterung des grossen Almosens in der Reforma- tionszeit aus Beiträgen der Klöster s. Lichtenhahn 124 ff.). — Bei der Versteigerung finden wir, dass eine Frau, »her Heinrich Rumans frouw«, Messgewänder zurückkauft, die sie und ihr Mann geschenkt hatten. (Liber benef. 312 sind Heinrich Romann und seine Frau, deren Sohn Jacob Rumann und seine Frau, wohl die Grosseltern und Eltern dieses Heinrich verzeichnet, er selbst ist Blatt 19 u. 20 erwähnt.) 2) Man könnte ver- sucht sein, aus dem Umstande, dass hier und dann wieder Bl. 25b der Faden der Erzählung unterbrochen und ohne eine durch den Zusammen- hang gegebene Veranlassung auf Früheres zurückgegangen wird, zu schlies- sen, die Aufzeichnung der Chronik sei in verschiedenen Absätzen geschehn, der Verfasser habe, nachdem er hier in seiner Schilderung bis zu der Zeit, in welcher er schrieb, gelangt, Früheres eingeschoben, habe dann geraume Zeit nachher die Erzählung der jüngstvergangenen Begebenheiten wieder aufgenommen und bis zur Gegenwart fortgeführt, nachdem er so weit ge- wesen, wieder Anderes aufgenommen (Bl. 25b ff.), um nach einiger Zeit (Blatt 29) aufs neue zur Schilderung der letzten Ereignisse zurückzukehren. Allein dem widersprechen, wie schon $. 432 bemerkt worden, zunächst die Schlussworte der Chronik: Finis 12. maii 1532. Bei einer in verschiedenen, durch grössern oder geringeren Zeitraum getrennten Absätzen gemachten Aufzeichnung hätte diese Bemerkung am Schlusse des letzten Absatzes nur eine Bedeutung, wenn der betreffende Absatz nun definitiv als der letzte hätte angesehn werden können, ein vollständiger Abschluss der Darstellung 20 I | e: ; ” ; [ea 10 20 N an . 15231526. 477 Item wyter ist zu wyssen, dasz das lutherisch (wicklevisch) wesen zu Basel merglichen hat zugenomen von eim stuck in das ander. Namlich im jar 1520 und 21 etc. fiengen an munch und nonnen usz den clostern zu stüben oder gon, dorfft die oberkeit der clöster nit straffen !). In den selben tagen, do man zalt 1523, hetten wir ein conventual mit nammen Thomas Brün, was ein stadtkindt und sine vater und muter warend fast rych geacht?). Diser Thomas ward fluchtig, namlich also. Umb dasz fest corporis Christi im obgemelten jar, da der convent asz in den cellen, kam sın müter mit einem abtrinnigen Augustiner munch und mit an- deren mer [22°] weltlichen mennern und bracht her Thoman ein weltlichen rock und ein baret verborgen under irer schüben. Da her Thoman zu ir kam an die porten, gab sy im den welt- lichen rock uber die kuften und furt in mit ir hinweg am hel- len tag (o erudelis mater, non sufficit tibi in scelere tuo pe- rire, nisi et filium tuum, quem deo suo celesti et vero patri devoveras, ipsum aüferens tecum perimas?!). Am andern tag schickt her I'homan (vilis apostata) die kleider des ordens wider ins closter und begert, das man im widerschickt, was er ins closter het bracht von buchern) und hüszrat. Das schlug der prior im nit ab umb fryds willen, doch müst er quittieren, dasz er kein anspruch mer ansz eloster het und im wer gnüg gescheen. Der lebt in apostasia ongevert 2!/, jar, in welchen er wenig glucks het. Dan zum ersten war er fast verspott und veracht. Darnach schickten sine eltern ein botten gen Rom und gaben im 70 fl., das er im ein dispensatz (dissipatz) erlangt, eingetreten wäre, was hier ja nicht der Fall ist. Ist aber die Erzählung in Einem Zuge geschrieben, so hat dieses Datum einen Sinn, auch wenn wir noch keine vollständig abgeschlossene Darstellung haben. Die Verhält- nisse, wie sie damals bestanden, konnten ja möglicherweise noch Jahre lang dauern, und es blieb dem Verfasser unbenommen, später eine Fort- setzung anzufügen. — Gegen jene Annahme spricht aber auch noch die Art und Weise, wie sich der Verfasser an unserer Stelle ausdrückt. Wäre sie geschrieben unmittelbar nachdem die Wendung eingetreten, die er schil- dert, so würde er nicht sagen »gab man unsz essen und trincken«, »mit dem uberigen machten sie, wie inen gefiel, sy gaben usz - , koufften und verkoufften«, »solch gefengnusz was uns wol lydlich, dann man liesz uns zufryden« u. s. w. Ganz ebenso verhält es sich mit dem Schlusse des Ab- schnitts, der Bl. 25b endigt, wozu kommt, dass in dem dort folgenden, wieder zurückgreifenden Abschnitte mehrfach Ereignisse aus dem J. 1532 erwähnt werden, was beweist, dass er nicht kurz nach den zuletzt erzähl- ten Begebenheiten des Sommers 153! geschrieben sein kann. Die Sache ist vielmehr so aufzufassen, dass der Chronist einige Stellen seiner Erzäh- lung, an denen ein gewisser Abschluss, ein Wendepunkt eintritt, geeignet fand, um einzuhalten und Anderes, was zur Erläuterung, zum bessern Verständniss der erzählten Begebenheiten zu dienen schien, einzufügen. \ Auf die Jahre 1520 und 1521 passt nach dem, was wir sonst. wissen, diese Bemerkung nicht. Vgl. die Chronik des Fridolin Ryff 8.33 ff. Georgs Narratio 384, der zum J. 1523 derartige Klagen bringt. 2) Vgl. mit dem Folgenden S. 354,32 ff. 409, 29 fl. 3) Vgl. S. 362, 1523 um 4. Juni. 478 1526. 1530. weltlicher priester ze werden. Das war alles vergebens. Dann man wolt nit mit im dispensiren, und verlür kosten und arbeit. Darnach abermalsz erdachten sie etlich artickel, ongefär 5 oder 6, dererhalben er (wie er furwendet) ursach het gehebt, sich usz dem orden ze machen. Da gab’ der bapst den bischoff zu Basel oder sinen vicarıum richter und mandirt, dasz man die Carthuser examinirt, ob die artickel war weren, solt man mit ym dispensiren. Da schickt des bischoffs vicarius einen nota- rium mit sinem substitüten, dasz sie die sach examinierten. Da erfand es sich, dasz kein artickel war was. Da sprach der notarius zum prior: »Es ist nit not, dasz uwer schaffner!) er- schin vor dem richter«. Ist wol zu achten, das der richter und vicarius weren bestochen. Also mit der unwarheit ward mit im dispensirt. Nit lang darnach koufft im sin vatter ein capel- lanie zu sant Peter. Dazwüschen ward her Thomas gantz ver- rucht, vergasz got und siner sel heil, lebt des fleisch lusten und nach der welt art, also dasz im in eim jar warden geben dry kindt on das, das er offentlich by einer metzen sasz. Nit lang darnach uberkam er die frantzosen, die bösen blatteren, und gewan löcher im halsz, darnach stiesz in die pestilentz an und erwürgt in gantz (utinam non similia Antyocho aut [23] He- vodi passus), auch sinen vatter und müter und sinen liplichen bruder. Starben einander nach in 14 tagen oder uffs lengst in 3 wochen. Ouch des bischofts zu Basel vicarius (der mit ym dispensirt het) starb des selben jars. Witer zu wissen, das unser prior zu Friburg erlangt von Ferdinando verwilligung, dasz das regiment zu Stuckarten 2), desglichen das regiment zu Einszhein?) im solten überantwor- ten alle zins, die unser closter het zu Wyrtenberg und zu Einsz- hein®). Uff solche verwilligung verhefft unser prior den zins 1) Wohl Nicolaus Molitoris (s. 8. 432). 2) Bekanntlich stand Wir- temberg von 1519—1534 unter österreichischer Herrschaft. 3) Ensisheim, wo der Sitz der vorderösterreichischen Regierung war. 4) Am 21. Dec. 1529 hatte sich der Prior in einem Schreiben an den Rath gewandt, in welchem er zunächst betheuert, dass er sein Gotteshaus und die Stadt Basel nicht aus irgend einem Widerwillen oder um Rache zu suchen, verlassen habe, sondern allein, weil er es mit seinem Gewissen nicht verträglich ge- fünden, den Gottesdienst seines Ordens und die heiligen Messen zu ver- lassen, und immer gehofft, der allmächtige Gott werde es fügen, dass diese, wie von alter löblicher Gewohnheit, wieder zugelassen würden, »alsdan wer mir niendart uff erdtrich begirlicher zu wonen dan in e.e. w. statt undt doselbszt in minem gotshus«, dann fortfährt, er habe gehört, könne es aber nicht glauben, dass man zu St. Theodor etliche Gotteszierden vergantet habe (vgl. die Chronik des Fridolin Ryff 106£.); sei dem also, so wäre zu befürchten, dass man demnächst an die Karthaus gehen werde. Er bittet, es nicht zu thun, auch seine armen Väter, die eine Zeit lang in schwerer Gefängniss gehalten worden, zu entledigen. Sollte aber jenes doch geschehn, so möge man ihm wenigstens die Gotteszierden von Silber und Seidengewand, auch die Zinsen und Gülten, die er aus seinem väterlichen 0 N ”— 0 25 Rz 1530. | 479 von Wyrtenberg zu Friburg. Nach dem verordnet die stadt zwen vom rat, dasz sie mit dem prior handlent, und kamen zusamen. zu Nuwenburg, wölche zumüten dem prior, das er das closter solt ubergeben, so wolt man im sin leben lang aller jar 100 gulden geben. Das hett der prior fur ein gespött, und also wurd nyt usz demselben handel. Darnach haben die dıy pfle- ger!) in nammen und von wegen der stadt, als unser schirm- und mütterlichen Gute ins Kloster eingebracht, herausgeben. Am 4. Jan. 1530 antworteten Bürgermeister und Rath, sie hätten sich ihrem trostlichen Zusprechen und seinem freundlichen Erbieten nach, das er zu öfteren Ma- len vor seiner Abreise gethan, nicht versehen, dass er »mit lyb und gut«, als ob er: dessen hier nicht sicher wäre, abreisen und ihrem fernern Erbie- ten zum Trotze bis jetzt ausbleiben werde. Wiewohl sie ihm deshalb billig keine Antwort schuldig gewesen, wollen sie ihm doch zu wissen thun, dass sie allerdings im Sinne haben, auch in der Karthaus die Kirchenzierden zum Besten der Armen zu verkaufen; er solle binnen 14 Tagen nach Basel ‚kommen und sein vermeint väterlich, mütterlich und ererbt Gut anzeigen, wozu sie ihm sicheres Geleit für Hin- und Rückreise geben. Werde er in bestimmter Frist nicht kommen, so werden sie sein Begehren nicht berück- sichtigen. Am 11. Januar erwidert Zscheckenbürlin diesen Brief, spricht seine Entrüstung über die Verunglimpfung aus, als habe er seines Gottes- hauses »groszs hab undt gutt« mitgenommen; hätte er gefährlich handeln wollen, so hätte er allerdings Etliches mitnehmen können, er habe aber zu ihnen als seinen getreuen Herren die Zuversicht gehabt, dass es hinter ihnen wohl und sicher für sein Gotteshaus gelegen sei. Für das angebotene Geleit dankt er bestens, er hat übrigens das Vertrauen, dass er auch ohne dieses Geleite in ihrem Gebiete sicher gewesen wäre. Die Reise zu unter- nehmen ist ihm nicht möglich, weshalb er schriftlich, soweit er aus dem Gedächtniss kann, am Schlusse des Briefes sein ererbtes Gut anzeigt, wie- wohl die Mehrzahl unter ihnen wohl wissen werde, was Vermögens seine Eltern und seine Verwandten gewesen und was ihm von diesen angefallen; sie hätten daher nicht von seinem vermeinten, sondern von seinem na- türlichen, wissentlichen und vor Gott und der Welt zugehörigen Erbe sprechen sollen. Er will diese seine Anforderung und die früheren, mit denen er begehrt, dass sein Gotteshaus, dessen er sich in keinen Weg ver- zigen haben will, in seinem Wesen gelassen werde, als recht und billig zu Gott und der Welt gesetzt haben und sich zu ihnen als Liebhabern der Gerech- tigkeit versehen, sie werden so handeln, dass es ihnen unverweislich sei und ihm nicht Grund zu rechtfertigen (gerichtlich zu klagen) gebe. (Die Briefe Zscheckenbürlins liegen unter den unsignierten Papieren im Karth. Arch. Der Brief des Rathes in eben demselben Nr. 492. Das Concept dazu steht im Missivenbuch 1525—1530, 170b.) — Unter dem aufgeführ- ten Vermögen werden u. a. 2400 fl. erwähnt, welche der Prior Jacob (Louber) auf Wirtemberg angelegt und die 120 fl. Zins abwerfen, auf Gregorientag (12. Merz) fallend, ein Zins von 55 fl., ebenfalls von Wirtemberg fallend, auf Lichtmesz, ferner ein von der Frau Margaretha (soll heissen: Maria) von Brunn stammender Zins von 106 fl. »ab Senheim, 'Thann, Enszheim etc. vallende«. — Wegen dieser Zinsen wandte sich nun Zscheckenbürlin, da er vom Rathe keine befriedigende oder wohl überhaupt gar keine Antwort erhielt, an die österreichische Regierung. — Bei der 8. 476 Anm. I erwähn- ten Versteigerung von Kirchengewändern wurde übrigens wahrscheinlich auf seinen Brief Rücksicht genommen, und die 13 Messgewänder, darunter 2 sammtene, die ein, wie es scheint, im J. 1575 aufgenommenes Inventar unter den unsignierten Papieren des Karth. Arch. als noch vorhanden an- giebt, sind wohl die laut jenem Briefe von ihm herrührenden. 1) Auch hier ist wieder von drei Pflegern die Rede, entsprechend der Stelle S. 459, 9, 1531 29, Juni. 480 1530. 1531. herren und in namen des vicarien, als eins stadthalter der Cartusz mit sampt dem gantzen convent, alle genant mit iren eignen namen, ein brieff uffgericht und den brieff mit des con- vents sigel versigelt, wölches der schaffner inen uberantwort het, doch dasz theten sie als on unser wissen und willen. Darnach komen die pfleger zum vicario und sprachen: »Der vatter hat die zins zu Wirtenberg verhefft. Darumb sollent ir unseren herren fruntlichen entgegen gon und uff irer syten ston, nit uffs vatters syten, sonder gedencken der groszen frunt- schafft, die uch unsere herren haben bewisen. Dan ir sehen wol, dasz alle clöster zergangen sind und die person vertryben, aber uwer hat man geschondt und dasz closter ist noch gantz, und ir sindt noch hie«, mit vil andern glatten worten. Ver- meynten, wir solten des fur ein fruntschafft rechnen, dasz man uns dasz unser verspert und beslossen hat und uns in ewige gefengnüsz erkant. Antwort vicarius: »Wir wöllen uns beden- cken und uch ein zimliche antwort geben«. Darnach underredt sich der convent mit einander und beschlüsz inen nit anders ze antworten, dann also: »Ir haben uns in ewige gefengnüsz erkant on unser schuld und on alle angezöigten ursach. Ouch nemen ir in und geben usz das unser und was das closter hat, on unseren wissen und [23°] willen, mit wasz recht, wissen wir nit, darzu handeln ir mit dem prior und der prior mit uch on unser wissen. Hierumb wöllen wir uns der sachen nit beladen, sonder yedem sin recht lassen volgen, wie billich ist«e. Dar- zwuschen kam der pott von Wirtenberg mit dem zins, und die pfleger handleten mit ym vor rat, das er in den zins gab, doch müsten sie in quittieren, wo wyter cost daruff tryben wurde, solt im on schaden gescheen. Da nün die pfleger den zins hetten, begerten sie von uns kein antwort. Darnach uff Petri und Pauli 1531 schrib uns der prior, wie die pfleger in zu Wyrtenberg gemanet hetten, und under ande- ren worten schrib also: »Mich verwundert, dasz ir mich mit den pflegern haben gemanet, doch vermeyn ich, sie habens gethon fälschlich on uwer wissen. Begeren mich des ze be- richten«. Uf solichs schriben antwort unser convent, es wer als geschehen on wissen und willen des convents etc. Und der gantz convent war fast fro, da er hort, dasz der prior ins recht het geleyt den zins, und hett ein groszes wolgefallen daran. Begerten, er solt furfaren mit recht den zins ze behalten, wölte im der convent in allen dingen (als vil im möglich were) hylff- lich sin onangesehen, dasz wir in der kluppten stecken. Des- 39. »hett« fehlt Hs. wo es heisst, anstatt, des Hans Irmy (der bisher mit einem andern das Amt versehen) seien Zwei neue gewählt worden. Wir haben dort bemerkt, dass diese Angabe sich mit den Urkunden nicht recht reimt. 20 30 35 40 a REN : E 1531. 481 halben schickt er dem prior gen Friburg die nachyolgend in- struction, darinn er mocht finden und sehen, wes willen wir weren. Copia instructionis. Wir vicarius und der gantz convent des gotshusz sanct Margarethen tale in myndern Basell Carthuser ordens lassen . wissen und thün kundt menglichen, die disen brieff leszen oder o 1 15 20 25 3 o 35 40 hören leszen, das, nachdem dasz nuwe weszen, so man nempt (temerarie) christliche religion, in der stadt Basell angenommen ist, vil und dick von einem ersamen wysen rat der eegemelten stadt Basell an uns Carthuser alle ingemeine und an einen yedlichen insonders begeret, gebracht und erfordert ist, das wir uns unsers ordens, habit, regel, statuten verzychen, verlyeszen und ubergeben und [24] das nuwe weszen, die (on)christlich religion, annömen, uns glichförmig mächten der gemeine und wilforten den herren des radts, wölche einhelliglich erkant, beschlossen und in irem mandat hon lassen uszgon (non tam stolide quam impie), sölche cristliche religion mög wol mit guter conscientz angenomen werden. Uff solichs anbringen ist all- wegen unser aller ingemeyn und eins yeglichen insonder ant- wort geweszen, das wir nıt wöllen thün wider got, wyder der sel heyl, wyder unser conscientz, von der gemeyn cristlichen kyrchen nit wychen, unsern orden, habit, statuten nit verlaszen, wöllen ouch uns nit verzychen und ubergeben unser closter, gotshusz und was desselben ist, so ligen, so faren guter und habe; ursach ist, wir deten wider unser conscientz, dann wir habens nit gewalt. Das alles samen haben wir uns bezöigt vor einem geschwornen notarien und 4 gezugen, so zugegen waren. Witer habend wir begert, man sol uns laszen by brieffen und sigel blyben und hoff und platz mit allen sinen züugehörungen, da ytzunt unser closter stat, unbekummert, fry, ledig on alle hyndernusz nach lüt derselben brieffen zu unseren henden stel- len, wölche brieff inhalten und uszwysen, wie vor zyten ein ersamer wyser rat sampt die gemeyn der offtgemelten stat Baszel den obgenanten hoff unnd platz mit allen zugehörungen verkoufft haben den Carthusern, sie versichert mit irem grossen secret unnd sigel, ouch by irer truwe versprachen fur sich und alle ire nachkommen sölche kouff stet und vest ze halten etc. Witer wo dasz geschehe, namlich dasz closter zu unseren han- den gestelt wurde, wölten wir unser closter mit eim schaffner versehen und mit unser bekleydung hinweg zychen, uff dasz niemant unser becleydung halben geergert wurde, wie uns für- gehalten warde. Uff solchs wurde uns antwort, so wir hinweg wölten, müsten wir quittiren mit einer [24?] gnügsamer versiche- 1. »er« fehlt Hs, Basler Chroniken. I, 3i 482 1531, rung, das wir kein anspruch mer ansz closter wolten haben. Das ward inen von uns einhelliglich abgeschlagen. Witer, wir haben ein supplicacion an rat gestelt und dieselb durch unse- ren vicarium mit zwoen personen unsers gotshusz presentirt und uberantwort einem ersamen wysen rat. Ist geleszen vor beden räten !) zugegen der dryer person unsers gotshusz. In welcher supplication alle mengliche artickel uns fürgehalten wol recht und gnügsamlich (als wir hoffen, und slechten ein- faltigen personen möglich ist) verantwort und in derselben supplication mit dem letsten artickel die herren im rat dis ob- gemeltes kouffs ermanet und uffs höchst darumb ersucht, das man uns lasz by brieff und sigel blyben und die administra- tion und regiment unsers closters zu unseren henden stellen etc. Uff sölchs ward uns antwort, so wir wölten die nuwe christ- lich religion annemen und uns verzychen unsers ordens ete., wie obstat, so wolt man uns die administration und regiment zu unseren henden stellen. Ward abermals inen von uns einhel- liglich abgeschlagen. Nach dem hand die herren der rat uns in den crutzgang beschlossen und verspert on alle angezöigte ursach, handeln und machen mit uns und unseres gotzhus güt und habe, wie sie wollen und inen gefelt. Sie schriben und versigeln mit des convents sigel in namen und von wegen unsers vicarien und des gantzen convent, on unser wissen und willen ete. Und durch sölche unbilliche mittel wurt unser wirdi- ger vatter und prior unsers convents, her Hieronimus N., merg- lichen gehindert an sinen rechten, redlichen sachen und an- sprüchen, die er hat von rechts wegen zu unserem gotzhus. Hierumb wir vorgemelter vicarius und convent des gotshusz, wie obstat, verjehen und bekennen offentlich mit disem brieff, das unser wirdiger vatter, der prior her Hieronimus N., vollen gewalt hab, [25] ouch sol und mög haben unserethalben, alle zins, zechent, rent und gult unsers gotzhusz entpfahen und in- nemen, wie recht und billich ist, nach bruch und gewonheit unsers ordens. Wo aber yemans in daran understond ze hin- deren an solchem gwalt und recht in namen und wegen un- sers convents (er nem sich schirmher oder kastvogt), ouch mit brieffen, so mit unsers convents sigel versigelt weren, den soll man keinen glouben geben, dasz es geschehe mit unserem wis- sen und willen. Witer, ob man sich understund unseren wir- digen vatter und prior ze hinderen an sinem gwalt und recht mit anderen gloubhafftigen solemniteten, als so man in ein sach verwilliget vor einem geswornen notarien, in die hend verspricht und mit eigner handt underschribt und derglichen 26. sinem Hs. 1) D. h. dem neuen und dem alten Rathe, die zusammen zu sitzen pflegten und mit einander die Regierungsbehörde bildeten. Heusler 377 ff. 15 20 25 30 35 40 1531, 483 wo söliche testification und gezugnusz von uns oder in namen und von wegen unsers convents anzöigt wurde, dadurch unser wirdiger vatter und prior an sinen rechten und gwalt verhin- dert oder im nachteilig were, sol krafftlosz erkant werden, dann wir offtgedacht vicarıus und convent wol bedacht mit güter vernünfft lange zit einhelliglichen beslossen und diffiniert haben, unserem wirdigen vatter und prior sin recht und gwalt fıy, ledig und on alle hindernissen lassen volgen, und ob etwas von den obbestympten solemniteten, testificationen oder gezug- 10 nüssen von uns uszgyengen, beschee on zwifel nit von fryhem willen, aber wir wurden als die gefangnen darzü genötiget und gezwungen, deshalben so blyb es in sinem wert, wie andere getrungen und gezwungen sachen. Des zu warer kuntschafft haben wir uns alle laszen underschriben und an disen brieff 15 gedruckt unsers vicarien bitschsigel!), dann des convent sigel ist nit in unserem gewalt. Geben in der Carthusz zu myndern or Basel uff montag nach Margarethe anno etc. 1531. 17. Juli, 'Uff dise instruction schrib der prior widerumb mit disen _ worten: 2 Recepi litteras vestras cum copia instructionis ete. Uft solchs hab ich expertos radts gefragt, wie doch in der sach zu handlen sige, find ouch in mynem beduncken und irem rat den weg nit, mit recht die stat furzunemen oder zü kriegen. Dann ich gantz nutzet wurd schaffen ; wo wolt ich [25P] sye fur- 35 nemen, so sie umb niemand gebent noch gehorsam sind, son- der ein grosze summe müst haben, sie in acht ze thun; so vermöht ich kranckheit mynes libs halben nit nochin selbs trülin, und usz andern vil ursachen alles umbsuost und ver- - gebes were. Deshalben zu diser zit gedult not ist ze haben, 30 bitz unser hergott sin gnade schickt in andere wege etc. Uff solchs schriben antwort vicarıus, es wer nit not, dasz er in eygner person handlet, auch müst die stat gericht und recht bruchen an frembden orten und enden, namlich das landt- gericht ze Rotwill etc. Darumb das sie selbs bruchen, mögen 3; anderen nit abschlagen. Doch aber, so er nit wolt recht brü- chen, solt er sin vätterlichs erb von den pflegern erfordern und inen anzeigen, dasz bede rätte erkant hetten, wölche person usz dem closter gieng, wolt man ir lassen volgen alles, das sie ins closter hett bracht, aber er wer ytzunt nit im closter, sonder in dem ellend und müst sich des heiligen almüsen be- helffen, und sines vätterlichen erbs wurd er entsetzt on sin schuldt, das offentlich were wider die heilige götliche geschriftt und wider die gebott gotes etc. — Uff das antwort der prior nit. 4 6. diffiniriert Hs. Ebenso hat der Text der Chronik oben S.458, 32 regirirt. 1) S. die Beilage über die Siegel der Karthaus. 31 * 1527. 1530. 1531. 1525. 484 15261531. Da nün der convent sahe, das er weder vom prior oder capi- tel, noch vom reverendo !) oder visitirer2) mocht erlangen hilff oder tröst, gab er sich in gedult und befalch sich got (qui juxta est his qui tribulato sunt corde®) , qui et de quolibet justo dieit: invocavit me et exaudiam eum®), cum ipso sum in tribulatione etc. Et propius presentiusque est auxilium divi- num, cum abfuerit humanum). Dann man liesz in volgen ein Du zimliche und gnügsame lybsnarung mit essen und drincken, ouch mit bekleidung. Darzu het der convent keinen .uberdrang, im crutzgang liesz man in zefriden. Darzu mocht er auch heim- lich mesz leszen und die heiligen sacrament bruchen und niessen. Wyter ist ze wissen, das im jar 1527 ein converszbruder wurde fluchtig und zu Mulhusen nam er nach lutherischer [26] art ein alte eefrowen (si dis placet etc.) Darnach im jar 1530 setzten in die pfleger an porten, doch ward ym ange- dinckt, er solt sin wyb (alte schell) nit ins closter furen noch lassen. Das hielt er wie sin gelubd, got gethon, gab ir.ouch verstolen win und brot by der schwere etc. Darnach im 1531. jar ward im zugelassen, dasz er sie mocht zu im ins closter _ 23. Mai. setzen. Das thet er uff pfingsten. Und uff fritag nach aller 3. Nov. heiligen tag desselben jars starb er wie ein ander viche, dan er lage nie ze bett. Er klagt sich wol vor ee er starb ein tag oder vier, im wer eng umb die brüst, und uff fritag nach aller heiligen tag in der nacht gieng er die portenstüben uff und ab, darnach sasz er an disch und leyt das houpt uff bede hendt, darnach rycht er sich uff und sanck uff die syten und starb also, das er weder gucks noch gacks sprach. Sicut vixit, ita morixit: Sine crux, sine lux, sine deus et sine omnis Justicia3). Volgt wyter, was glucks ein stat Basel hat gehebt, nachdem dasz lutherisch wesen anfınge uberhant ze nemmen. Zum ersten, da die heilige mesz durch Oecolampadium in der pfarr zu sant Martin ward abgethon im jar 1525, nit lang 20. Sept. darnach im selben jar uff Mathei obent schlug der tonner in 1529. den buchsenpulverthurn®) und zerrysz in gantz und gar, und die stein zerspreyt er wyt unnd breyt und erschlug ouch vil menschen, etliche fast geschediget und thet merglichen scha- den an den huszern in beden stäten, namlich an den fenstern, das ouch in unserem closter zerrysz mer dann fur 12 fl. fenster. Item im meyen?) des jars, do man die byld gesturmet 1) Dem Prior der grossen Karthaus. Vgl. S. 341 Anm. 2. 2) Vgl. oben S.449 Anm.4. 3) Psalm 34 (33),19. &)Jerem. 29, 12. Psalm 50 (49), 15. 5) Es wäre verkehrt, nach dieser Stelle die Sprachkenntniss des Ver- fassers zu beurtheilen. Es sind. sprichwörtlich gewordene Ausdrücke, die er anführt. 6) Vielmehr am 19. Sept. 1526. Vgl. S. 54. 412 ff. 7) Viel- mehr am 14, Juni 1529. S. oben S. 102 fi. D 0 150) Be 30 os a f Fe > En 1 a et e 1 Ge 15291532. 485 het, kam ein wasser, dasz man sturmet in alle macht, und zerrysz die gewölb am Korn- und Fischmarck, thet ouch merg- lichen schaden ann den huszern, ın den kellern am win, in den laden am thüch und gewurtz etc., das man meynt, sölcher schad möcht mit hundertmal tusent [26°] guldin nit widerleyt werden, jo man möcht solchen groszen unglaubigen schaden nit gnugsam achten und schetzen. Item im nechsten jar dar- 1530. nach, aber im meyen!), kam so grosz wasser, dasz man aber S or 20 2 3 3 5 o Di sturmet in alle macht. Doch thet es nit so groszen schaden als vor. Dasmal hett man vor dem thor ein hubsche kilch, mit quadratsteinen gebuwet, abgebrochen und mit denselben steynen das gewölb und bruck by den Barfuszern wider ge- macht, wölches das wasser im nechsten jar davor het zerryszen, und am obent, da man daszselb gewelb het uszgemacht, in ‚der selben nacht kam dasz wasser und zerrysz grund und bo- den und furt die stein in den Ryn. Item im jar 1530 ward die stadt gemanet von den Zur- chern wider die lender?), und zugen inen zü mit 400 mannen, was als umbsüunst, costen und arbeit verloren. Item darnach ward die stat gemanet von dem Grawen Bunt, dem schickt man zweyhundert man in eignem costen, was als vergebens. Lagen ouch jar und tag im velde, darnach zügen sie ab und lieszen 200 mann im velde zu einer hinderhüt. Ligen noch ım velde und gat groszer costen uff sy. 15323). 1532. Abermals im 1531. jar ward die stat gemanet von den 1531. Zurchern wider die lender®), den zug man zu mit 400 mannen und mit vil hacken- und karrenbuchszen, als in eygnem costen, und do man wolt uszziehen, schruwen die lutherischen predi- canten uff den cantzeln, man solt onerschrocken wider die gots- lester und ungloubigen zychen, dann einer von dem nuwen weszen wurd 5 von den ungloubigen verjagen etc. Da nün die Zurcher, Berner, Baszler mitsampt der ander stet, so mit inen dran waren, zusamenkamen, schickten sie wider die len-(24.0et.) der 11 fendlin mit 8000 mann, wider dieselben schickten die lender 600 mann, die man nempt der verlorn huffen®). Alsbald 31. V steht am Rande von der Hand des Schreibeys als Verbesserung für das im Texte ste- hende U. Ersteres stimmt mit der Stelle S. 486, 2. 19. 1) Vielmehr am 4. Juli 1530. S. oben 8. 111. 2) Vielmehr 1529 zum ersten Cappeler Krieg. S. oben S. 100. Bekanntlich war damals »costen und arbeit nicht verloren «. 3) Ueber den Müsser Krieg, der auch nicht »vergebens« war, s. die Chronik des Fridolin Ryff 118. 122. 139 nebst den Anmerkungen. 4) Ueber den zweiten Cappeler Krieg und die Betheiligung Basels an demselben s. oben 8. 130 ff. Die Chronik des Fri- dolin Ryff giebt den ersten Auszug der Basler auf 500 Mann an. 5) Auch Tschudi in der Helvetia II, 204 und Salat 319 geben die Zahl der Evangelischen in der Schlacht am Gubel auf 8000 an auf Grund eines Mahnschreibens von Bürgermeister und Rath von Zürich an die im Gaster liegenden Bündner, Zürich, 23. October 1531 (abgedruckt Helvetia II, 486 ist. aber dieselben angryffen die 11 fendlin mit 8000 mannen, gaben [27] sie die flucht (domino de celo eis metum incütiente et pro stis Catholicis pügnante), und lyeszen dahinden büchsen, pro- viand und cleyder etc. Namlich die stat Baszel hett irem houpt- man geschickt 3000 fl. mit einem uszgeloffnen münch sanct Augustin ordens, was ein stadtkindt und was gantz erluchtet (obtenebriert, obdüriert, exceciert) mit der ewig hellischen dor- heit, unsinnigkeit, blindtheit, darumb slug so grosz gluck darzu, dan do man anfieng zu flühen, sprang er ab dem rosz, und das rosz lieff glich mitten under die lender. Die büchszen aber, die dahinden blyben, het die stadt Baszel gossen usz den mös- sin lichtern oder lychtstöcken, die sie usz den kirchen und clöstern genomen hetten, ouch wurden von den Baselern etlich erstochen, und vil wündt und gefangen. Also ward erfult die prophetie der lutherischen predicanten, ein rechtgloubiger würt der unglaubigen funff verjagen. Gaben sich domit selbs an die axt, das der lutherisch gloub wer ein ungloub, dann von den lendern, die do den gemeinen christlichen glouben behal- ten, verjagt und slug ein man nit allein 5 man (wie die lu- therischen predicanten hetten prophetizirt) sonder 10, ja mer dann 12. Nach dem wart die stat Basel abermals gemanet von den Zurchern uffs höchst, dasz sie inen zuzügen mit dem houpt- banner. Da schickt die stadt aber 600!) mit eim fendlin und sprach: »Wir haben ytzunt 1200 mann im veldt?) etc. Ist gnüg«. Ursach aber, warumb die Zürcher die gemanet hant ist, die Zurcher waren uszgezogen mit dem holptbanner wider die lender und hetten ein schlacht mit den lendern gethon und aber das velt verloren mit etlichen fendlin und vil lüt. Nam- lich den burgenmeister3) und hern Ulrich Zwinglin iren pre- dicanten (heresiarchen) mit 18 anderen lüthrischen predicanten usz Zurcher emptern*). Derselb Zwinglin ist gewesen ein an- 25. 1200 am Rande als Verbesserung des »eylffhundert« im Texte. 26. hat Hs. 205, im Auszug wiedergegeben bei Salat 318), worin es allerdings heisst, es seien an diesem Tage aus dem Lager der Evangelischen 8000 über den Horgerberg und die Sihlbrücke gegen die Schwyzer ausgesandt worden. Nach Bullinger III, 194 aber, der die Stärke der 11 Fähnlein im Ein- zelnen angiebt, waren es 3700—4000. »Dann das ettliche von 6000 und 8000 schribend, ist uberrächnet und ze vil daran gethan. Diser huff aber was so schön und wolgerüst, das ouch die, die krieg vil gebrucht, sagtend, sy hättend schönern huffen nie gesähen«. Die Katholischen geben Tschudi 207 und Salat 320 auf 632 Mann an, Bullinger sagt: »633, ettlich sa- gend 636«. I) Nach der Chronik des Fridolin Ryff 135 waren es »500 wolgeruster burger«. 2) Nämlich 1000 gegen die fünf Orte, 200 gegen den Castellan von Müsz. 3) Ein Bürgermeister ist bei Cappel nicht umgekommen (s. das Verzeichniss der Gefallenen bei Bullinger III, 142 ff.), dagegen der Oberstzunftmeister Rudolf Dumysen. 4) Wenn man die sämmtlichen Geistlichen zusammenrechnet, die Bullinger a. a. O. auf- zählt, so ergeben sich ausser Zwingli 6 aus der Stadt, 19 aus den Aemtern, fer 5 ot 10 15 20 25 30 35 Bat N TAST fenger des lutherischen (bubischen) weszen zu Zurch, hat ouch zum ersten in tutschen landen die mesz abgethon und die bild gesturmet, hat ouch ein zyt wider die lender geprediget und gesprochen, dasz man das gotslosz und ungloubig volck solt [2?] usztilgen. Er hiesz die lender unchristen, dasz sie des Lüthers abangelion nit wolten annemen, sonder wolten blyben und verharren im gemeynen christlichen glouben und von der gemeinen christlichen kirchen nit wichen. Auch schickt Zwing- lin in*die lender zu predigen etliche lutherische predicanten, die fingen die lender und verbranten etliche, etlichen houben sy die köpff ab'!). Aber an dem tag, do die Zürcher uszzogen mit irem houptbaner, hat Zwinglin fast ein ungeschickte pre- dig gethon und under andern worten ouch also geredt, das man unerschrocken wider das gotzlosz unchristen fleischver- kouffer volck (bona verba, queso) etc. (mit vil andern groben worten) solte zychen. »Dan das evangelium (sprach er) wirt uch beschirmen (mendax fuit stilus seribarum) , und die spysz der ungloubigen werden nit stechen. Ire buchszenstein und pfyl werden sich umbkeren und dasz gotslosz volck erschiessen. Ouch ir buchszenstein werden ir in uweren ermeln entpfahen. Ir schwerter werden nit houwen etc. (mentita est iniquitas sıbi). Hierumb wil ich mit uch, forden, ın der mitten, oder am end dran sin«?). Da die lender die erschlagne Zurcher abzogen, han sye den Zwinglin thot fünden und ein gulden crucifix mit einer sidenen schnur am halsz hangen. Do haben sie im dasz houpt abgeschlagen und daszselb uff ein stang gesteckt, aber den cörper in vier stuck gehouben und darnach verbrenten sie in etc. Die Zurcher begerten und erforderten von den lendern fur den Zwinglin ein gulden man. Antworten die lender und sprachen: »Wir haben keinen gulden man, aber wolt ir einen ströin, musz uch werden.«. Darnach ergaben sich die Zurcher den lendern, die müsten ouch geben den lendern ein thunne golt etc. Wie aber die Baszler und Berner mit den lendern ein rachtung haben ge- macht, ist mir nit ze wissen). Demnach sindt die lender ge- 11. am Hs. von denen freilich streng genommen nicht alle unter den Begriff Prädi- canten fallen mögen. 1) Die Verbrennung des Jacob Kaiser von Uznach, Pfarrers zu Schwerzenbach im Zürichbiet, der nach Oberkirch im Gaster als Prediger berufen worden war, durch die Schwyzer am 30. Mai 1529 gab die Veranlassung zum Ausbruche des ersten Cappeler Krieges. Er ist der einzige aus dem Zürcher Gebiete in das der Länder gekommene Prädicant, der hingerichtet wurde. Verschiedene Beispiele von Hinrichtungen sonstiger Anhänger der neuen Lehre werden aber bei Hottinger II, 161 ff. nam- haft gemacht. 2) Diese Rede Zwinglis ist den Reden nachgebildet, welche man von einigen Führern im grossen Bauernkriege, namentlich von Tho- mas Münzer vor der Schlacht bei Frankenhausen, erzählte. Vgl. Zimmer- mann: Gesch, des grossen Bauernkrieges 3, 777f. 3) 8. oben 8. 137 f. 488 | 1531. 1532. faren in alle vogtyen, ämpter und clöster, daran sie teyl hetten, und haben die mesz und bilder wider uffgericht, die die [25] Zurcher hetten abgethon. Und die darzu geholffen hetten, straff- ‚ten sie ein yeglichen nach dem er verschult hett. Und die 24. Nov. priester, die vertryben waren, die beschickten und setzten sye wider in und gaben in ir pfrund wider. In denselben tagen, do Oecolampadius hort und sahe, wie die gotsloszen (das ist die lender) inn allen sachen oblagen, und sin mitgnosz oder bruder (in der kysten) in Christo, “Ulrich Zwinglin, war umkommen, und alle sine anschleg giengen hin- der sich, ward er kranck (ich acht von leyt) und starb uff Cri- sogoni 1531. anno). Man murmelt ouch, er het im selbs ver- geben ?). Item in denselben ziten gab die stat Basel mer dann den halben iren wergluten urloüb und brach allen denen, so von 1s der stat solt hetten, etwas ab, namlich dem burgenmeister, zunffmeister und allen ratzherren iren sold halber ab, den pre- dicanten, die die stadt besolt usz irem seckel, yedlichem 10 etc. Ursach, es gieng groszer costen uff die stat kriegs halben, und das ungelt mindert sich von tag zu tag fast, das einer 0 vom rat sprach: »Es felt yetzunt der drıytteil minder umgelt dan vor der luthery«. Dann die priesterschafft, vil bürger und studenten zogen hinweg. Zu denselben ziten klagten alle koufflüt, sie hetten wenig losung, und die handtwergslüt, sie hetten nit zu wergken, und der gmein man klagt, er het nit zu essen, dann alle ding wa- ren 3 oder 4 jar fast thüer. Im jar 1531 galt ein viertzal korn uff dem margk 6 7%. 5 schilling d. und ein som winsz 5 @&, item 7 eiger galten ein schilling, und was umb und umb grosze armüt. Solche frucht (myns beduncken) bracht der kilchen und clöster güt, dann ee man die kilchen und clöster sturmet und die priesterschafft vertrybe, wolt iderman von pfaffen und munch güt rych werden. Es solt niemans mer zechen geben), und dasz halb ungelt muost ab sin etc. Aber man enpfand in allen dingen das [2s?] wyderspiel. Dan pfaffen und munch güt behalt in alle weg sine art, dan so es andery güt findt, ver- zert es dasselb, so es aber keins findt, beschuszt es nit. Wyter ze wissen, wiewol die lutherisch sect mit dem geistlichen güt gar kein gluck erlangen, nit destminder wol- ten sy ires schadens gern mit der geistlichen güter inkomen, und mer fur und fur beschwerten sie die clöster. Uff die Car- thusz haben sie gelegt jerlichs costen by 200 fl. Darnach im 1532. Jar 1532 schätzten sie die Carthusz umb 400 fl. und sünst alle andere, nit allein clöster, sunder ouch kirchen %). 1) Vgl. oben S. 138. 2) Vgl. über diese auch sonst ausgesprochene Verdächtigung Herzog II, 251. - 3) Vgl. Heusler 439. 4) Am 12. Febr. 1532 ermächtigte der Rath die Pfleger der Klöster, zur Deckung der auf- 2b 5 1 2 2 3 or Du > or o ‚1532. 489 Item da die luthery zu Basel anfıng, stundt ein frow in sant Johans vorstat uff die cantzel in sant Anthonien capellen !) und prediget in spott wysz, darnach' bruntzet sie in die hand (pfuch tu impüdentissima bestia) und gab das (maledyet) ge- wicht wasser etc. Nit lang darnach erlamb sie an derselben handt (justus es domine et rectum judicium tuum). Ir man was daszmal fast gwaltig im radt, darzu ouch gantz lutherisch. Ward im jar 1530 usz dem radt gestossen und von allen eren gesetzt. Item ein goltsmyt hett von den Zurchern und Bernern etlich kelch koufft, und da er sie schmeltzet, für der dampff in inne und erstockt in, und dasz sylber zersprang an die wend, und ein teyl zu dem kemmich usz. Ist geschehen anno 1532. Item da die luthery ze Basel überhandt het genommen, verbot die stadt by 1 @f, dasz weder man noch frow solt usz- gon in die dörffer mesz hören, bichten oder das sacrament entpfahen?). Item den priestern, die in der stadt blyben, wart gebotten by eyd und verlüren irer pfrund, dasz sie niemant solten bicht hören oder sacramenta geben). Item alle die, dy nit wolten zum dysch gon, wurden von allen iren emptern gestossen) (non considerantes scriptum [29] esse: Non potestis calicem domini bibere et calicem (Lutherano- rum) demoniorum, non potestis mense domini participes esse et mense (Lutheranorum) demoniorum )). Item anno domini 1532 uff mentag nach quasimodo kamen die pfleger zu unserem vicario, sprechende: »Der bott von Wir- tenberg ist hie, wil aber nit zinsen, deshalben wir mit ım vor rat sind geweszen, haben ym unser herren der rät anzeigt, sie haben die brieff und den convent müssen sie zyhen, ouch hat der hertzog von Wirtenberg sich verwilliget, er wöll alle zins in die eytgnosschafft gehörig laszen volgen etc., das wir uch anzeigen, als eim stathalter dis gotzhusz«. Vicarius antwort: erlegten Reiskosten Geld aufzunehmen, ohne dass es den Pflegern oder ihren Erben Kosten oder Schaden bringe. Erkanntnissb. 1525 — 1544, 103b, Schwarzbuch 23b. Die Nonnen im Klingenthal und ihre Ver- wandten machten Schwierigkeiten, und erst am 4. Juni wurden die dem Kloster auferlegten 800. fl. gezahlt. Ochs VI, 54f. In dem Vertrage vom 16. Juli wird des Beitrages von 400 fl. gedacht, den die Karthaus »der statt Basell kurz hievor an iren erlittenen reiszkosten ze steur abgerichtet«. 1) Fechter 127. 2) In einem Mandat vom 27. Aug. 1532 (Antigq. Gernl. I, Bl. 148) wird diese Bestimmung wiederholt. Das erstemal beträgt die Strafe 1, das zweitemal 2, das drittemal 3 und das viertemal 4 #. Stebler. Wer auch dann noch fortfährt die Messe zu besuchen, wird des Landes verwiesen. S. die betreffende Bestimmung auch bei Ochs VI, 80. 3) 8. die Bestimmungen der Reformationsordnung vom 1. April 1529 bei Ochs V, 702. 703. 4) Vgl. oben S. 110f. Herzog II, 193. 208 ff. Ochs VI, 55. 5) 1 Cor. 10, 21. 1530. 1532. 1532 5.April, 490 1 1532. »Ja, hubscher stadthalter. Ich bin gefangen und hab nit gwalt uber 1 d.« »Darumb (sprachen die pfleger) han wir uch das wellen anzöigen, das ir uch mit uweren mitbrudern bedencken und dem vatter früntlichen schriben (zu vermyden unnutzen costen), das er lasz den zins harvolgen etc. Und schriben ym uff sölche meynung und zeygen an, wie er von uch ist ge- wychen und ir nit von im, er mög uch helffen, aber ir ym nit. Wo aber er den zins nit wolt laszen harvolgen, müsten vilycht ir des tags eins engelten, das ir nie genossen habt. Darzu ouch haben ir in sinem abweszen manchen ruwen styrm erlyt- ten, das ir ouch etwan üweres leben nit sindt sicher gesin. Auch so wendt der vatter fur, wie der radt erkant habe, wölche person nit wöll im closter blyben, wol man ir laszen volgen alles, das sie ins closter hat bracht. Ist wol war, doch ist dasz beschehen, das unser herren damit wolten herusz locken die büben, so in clöstern waren, dasz sie gantz zü büben wurden.«. (Ecce quam sapiens consilium.) Vicarius: »Ir reden ytzunt usz mynem hertzen und nit usz dem uweren«. »Jo (sprachen sie) ir gloubens also?« Vicarius: »Wir wollen warten, bisz antwort von Wirtenberg kompt, damach uch ein zimlich antwort geben«!). Finis 12. maii anno 1532. 1) Am 12. Juni 1532 schrieb Zscheckenbürlin an Statthalter und Regen- ten in Wirtemberg und bat sie, die Zinsen und Gülten, die seinem Got- teshause jährlich ab dem Fürstenthum fielen, nicht den Herrn von Basel, sondern zu seinen Handen zu reichen; wenn jene damit nicht zufrieden seien, sondern nach Inhalt der Verschreibungen die Schuldner oder Bürgen mahnen würden, so sollten sie bedenken, dass die Verschreibungen auf Prior und Oonvent und wer sie mit ihrem Wissen und Willen inhabe, gestellt seien. Die Herren von Basel hätten nun dieselben zwar mit seinem und des Convents Wissen, nicht aber mit ihrem Willen inne, und es sei zu ermessen, mit was Recht und Billigkeit sie die Zinsen und Gülten ein- nähmen, da doch alles das, darum sie ans Gotteshaus gekommen seien, nicht mehr gelten solle. Er beklagt sich dann noch darüber, dass seine armen Üonventspersonen eingeschlossen und von jedermann abgesperrt ge- halten würden, und bittet, das Alles zu Herzen zu nehmen und ıhn alten betagten Mann in Gnaden bedenken zu wollen. Am 18. Juni schickte der königliche »rentmeister und geordnet irer mt. camer in Wurtemperg« (sei- nen Namen unterschreibt er nicht) eine Copie dieses Schreibens an den Rath, mit dem Bemerken, der Visitator Prior der Karthäuser in Köln (Mainz? s. 449 Anm. 4 u. Beil. X) habe in demselben Sinne suppliciert. Da die Supplication in Abwesen des Statthalters (als solcher war soeben Pfalz- graf Philipp v. Neuburg eingesetzt worden. Stälin: Wirtemb. Geschichte IV, 1, 331) eingereicht worden sei, so habe er aus guter dienstlicher und freundlicher Meinung ihnen solches nicht verhalten wollen. — Am 16. Juli wurde endlich der Vertrag zwischen der Stadt und dem Kloster abgeschlos- sen, der dem langen Kampfe ein Ende machte (s. denselben unter den Beilagen). or - [8°] 0 . De fundatione ortuque Carthusiae Basiliensis. . De cellis Carthusiae Basiliensis. . Bulle Bonifaz IX. vom 18. April 1402. . Vergleich mit dem Domcapitel vom 29. Januar 1404. . Jakob Louber über Heinrich von Alfeld. . Das Bekenntniss des Bruders Martin. . Letzter Wille des Bruders Georg ÜCarpentarii von Brugg und Ver- zeichniss der von ihm dem Kloster bestimmten Bücher. . Brief des Bruders Georg Carpentarii an Bonifacius Amerbach vom 4. Juni 1526. . Vertrag des Convents mit dem Rathe vom 16. Juli 1532. . Die letzten Schicksale der Karthaus. . Die Siegel der Karthaus. . Die Gebäulichkeiten der Karthaus. [41 10 15 20- 25 30 I. De fundatione ortuque Oarthusiae Basiliensis. Die ansprechende kurze Schilderung der Gründung und des Aufblühens der Basler Karthaus, die wir auf den folgenden Seiten mittheilen, findet sich auf S. 223 und 224 der Analecta Urstisii, von denen oben S. 237 die Rede gewesen ist. Das Original habe ich bis jetzt nicht aufzufinden vermocht. Die Abfassung fällt wohl in die Zeit bald nach dem Tode des Priors Heinrich von Alfeld, dessen Andenken sammt dem der Sophia von Rotberg, der grossen "Wohlthäterinn des Klosters (vgl. Chronica fundationis Cap. 28. S. 292 ff., ferner S. 387 Anm. 5), hier besonders gefeiert wird. Einen Anhaltspunkt zur Bestimmung der Person des Verfassers haben wir nicht. Dass er die von Heinrich verfasste Chronica fundationis gekannt, davon findet sich keine Spur; dagegen erwähnt er mehr- mals des Liber benefactorum, von dessen Benutzung auch einzelne seiner Angaben Zeugniss ablegen. Beim Abdrucke habe ich mich ganz an die Orthographie Wurstisens gehalten. Ob die Ueberschrift »de fundatione ortuque Carthusiae Basiliensis« von ihm herrührt oder sich schon im Originale fand, muss dahingestellt bleiben. Anno domini 1401, secunda feria proxima post festum sancti Nicolai, fuit ordini nostro data curia episcopi Basiliensis, ut inde construeretur monasterium sive domus ordinis Carthu- siensis. Vocabatur namque locus iste desz bischofs hof, et fuit empta per fundatorem nostrum a consulatu Basiliensi. Voca- batur autem fundator noster Jacobus Zibol, vir valde venera- bilis, prudens et devotus, supremus magister zunftarum Basi- liensium, secundus post magistrum civium in dignitate et aucto- ritate, insuper abundans divitiis et honoribus seculi. Et fuit domus habitationis suae, quam etiam (ut praesumo) expensis propriis construxerat, in monte sancti Martini, quae postea fuit empta pro collegio universitatis a domina nostra gratiosa, do- 494 | Beilagen, mina de Ratperg, relicta Burkardi Zibel, filii fundatoris nostri praedicti, quam semper fundatricem appellavimus, quod multa beneficia nobis contulit!), prout in libro beneficiorum domus huius habetur specificatum de manu venerabilis patris nostri, domini Henrici de Alveldia dioecesis Hildensemensis in Saxo- niae provincia situatae, qui extitit prior domus huius multis annis, perutilis, honestus, devotus, dulcis et benignus, omni- bus gratus, aflabilis et amabilis valde et (quod magnum fuit) tam in adversis quam prosperis patiens et immobilis, totam spem habens et ponens in deo. Huius venerabilis patris dile- ctione et benignitate domina nobilis et omni laude digna per- mota multa bona fecit nobis, quod fuit viro valde inclinata propter virtutes supramemoratas. Unde etiam elegit eum sibi in executorem testamenti, quod prudens erat et doctus valde atque practicus magnus tam in spiritualibus quam in tempo- ralibus. Fuerat enim cortisanus in curia Romana tempore Eu- genii papae necnon procurator caussarum in Basilea tempore generalis concilii, et ideo expertus erat et tamen semper hu- milis et zelosus pro honore dei et beatissimae virginis ac sanctae Margaretae, quae erat sua patrona specialissima. Pro cuius etiam honore duo festa et commemorationes quotidianas et speciales lectiones pro choro et refectorio, quas ipse per se dictavit, a capitulo generali ordinis nostri impetravit omni tempore in domo nostra duraturas. Insuper pro solemnitatibus beatissimae virginis de sanctissima eius conceptione et jocundissima visita- tione specialem materiam dietavit, collegit et a capitulo impe- travit. Ned et festum praesentationis dei genitrieis auetoritate capituli de novo apud nos instituit et legendam pro choro dieta- vit et collegit et per capitulum approbari et confirmari impe- travit 2). Hunc virum sancetum et devotum mulier sancta et devota in tantum dilexit, quod ad eius instantiam omnia altaria eccle- siae nostrae cum tabulis depictis propriis expensis decoravit. Appellabatur proprio nomine Sophia de Rotberg, nobili genea- logia, paucis annis a puellari aetate vivens cum marito, domi- cello Burkardo Zibel, filio nostri fundatoris. Quo defuncto con- tentabatur cum statu viduitatis, licet juvencula esset nobilis et abundans ac pulchra nimis valde, usque ad finem vitae. In- super legavit et vivens donavit nobis censum 50 florenorum super episcopo Constantiensi. Similiter aliis religiosis benefeecit in vita, ne post mortem ipsius res aliter iret, quam ipsa vo- lebat. Semper prudenter agebat in cunctis et patientiam ser- a > 0 30 vavit in magna et diutina infirmitate corporis, totam se deo_ offerens, hostiam vivam et immaculatam. 6. situatis. t) Die Summe ihrer Vergabungen wird Lib. benef. Ib und Chron. fund. 294,4 auf etwa 3500 Gulden geschätzt. 2) Vgl. S. 323; en ei 16 _ 20 30 35 40 Beilagen, = 2408 Habuit etiam eadem domina nobilis inter suas ancillas unam praecipuam secretariam, nomine Elsam de Rinfelden'!), virginem valde honestam, quae etiam multum induxit dominam ad benefaciendum nobis, semper existens promotrix et fautrix nostra. Illa namque omnia scrinia cum reliquiis ecclesiae nostrae manu propria expensis dominae nostrae fundatricis praefatae de novo reparavit. Anno 1408 in octava apostolorum Petri et Pauli positum fuit fundamentum ecclesiae nostrae et successive aedificata ipsa ecclesia cum paupertate et non sine turbatione, quod fiebat resistentia, instigante hoste humani generis, per capitulum maioris ecclesiae Basiliensis mediante bulla papali. Sed prae- valuit dei gratia, et omnis turbatio fuit sedata. Sie anno 1416 dominica in octava paschae, quae fuit 6. kal. mail, fuit eccle- sia consecrata cum tribus altarıbus, vıdelicet summo, crucis et beatissimae Mariae. Et postea adveniente sacro concilio Basiliensi anno 1431 et durante illo 17 annis praelati et caeteri conci- liistae porrexerunt manus adjutrices cum aliis fidelibus, ita quod domus de die in diem profecit in structura et ornamentis et aliis necessariis, prout epitaphium dominae ducissae Burgun- diae et episcopi Wigorniensis clare demonstrant, et in libro beneficiorum latius habetur. Et nisi ista maledicta caussa ex parte villae Liel inter armigeros de Baden et domum istam fuisset exorta, de qua longum esset enarrare, domus ordinis Carthusiensis in Basilea esset jam domus inclyta et in provin- cia Rheni non minima. Sciendum vero, quod olim fuerunt plures domunculae sibi contiguae in platea a porta civitatis circa Rhenum, quae diei- tur Laesers türli, usque ad torcular dominorum maioris ecclesiae Basiliensis, quod dieitur die Zehend-trotte. Has domunculas emerunt cum oneribus suis patres nostri primi ad dilatandum terminos nostros, et ne incolae inquietarent cellitas versus illam partem morantes. Et destruentes istas eadem de caussa aedificaverunt murum istum pro decore et custodia loci et hortos earum attraxerunt et fecerunt vineam pro consolatione et utilitate sua et suorum successorum. Prima autem domuncula adhaerens torcuları praefatorum dominorum vocabatur domus maior Welti, secunda domus Welti minor et erant istae duae domus sibi contiguae et ad- haerebant torculari. Tertia domus sequebatur versus Rhenum et vocabatur domus zur Bebenen. Quarto sequebantur duae domunculae sibi contiguae et vocabantur Wasenegk. Quinto sequebantur iterum duae domunculae sibi contiguae, quondam 4) Elszina Manerinn de Rinfeldia nennt sie der Prior Heinrich Lib. benef. 2. Eben dort werden noch andere Mägde der Sophia, eine Agnes, eine Greda und eine Cecilia als Wohlthäterinnen des Klosters aufgeführt, 496 Beilagen. Lienhard Peyers, unde hortus istarum domuncularum, quem etiam attraximus satis care emendo, vocabatur Peiers garten. Sexto sequebantur rursus duae domunculae sibi contiguae cum hortis suis adhaerentes turri praefatae, quae dicitur Laesers türli, per quam transitur ad Rhenum, et vocabantur antiquitus der zur Kinden husz vel der von Lützel garten, quod ante tempora fuerat Lücellensium ordinis Cistertiensis. I. De cellis Carthusiae Basiliensis. Von diesem Stücke, das uns unter dem Titel, unter dem wir es hier aufführen, in den Analecta Urstisii, S. 205, überliefert ist, gilt im Wesentlichen dasselbe, was von dem vorhergehenden. Das Original kenne ich nicht, über die Person des Verfassers giebt uns der Text keinen Aufschluss, die Abfassung muss in der Zeit bald nach dem Tode des Priors Heinrich stattgefunden haben. Vielleicht ist der Verfasser beider Stücke derselbe. An der Orthographie Wurstisens habe ich auch hier nichts ändern wollen und habe da- her auch die Schreibart »Lauber« beibehalten, obgleich es mir im höchsten Grade wahrscheinlich ist, dass im Original »Louber« ge- standen. ! Cella prioris debet esse angularıs prope cellam A, cuius hortus et secretum tendit ad coquinam. Cella vicarii debet esse P, quae etiam januam habet versus refectorium ad responden- dum secularibus in absentia prioris. O debet esse cella procu- ratoris prope fontem, quae habet januam ad secularibus respon- dendum. Cella N sacristae deputata est. Sic prudenter a pa- tribus ordinatum. Cum Jacobus Lauber electus esset prior vi- vente suo antecessore Henrico de Alveldia, sed paralytico per 9 annos, qui post suam absolutionem in cella priorıs jacuit, idem successor Jacobus eum noluit ex sua cella, quam 30 annis inhabitaverat, amovere, sed ad cellam P vicarii declinavit, quam munivit et aliqualiter reformavit. Mortuo vero patre Henrico cellam prioratus intrare distulit, quod ruinosa esset et contra ignis pericula non satis munita. Quare cellam P fecit + signari pro priore et cellam prioratus litera P, donec cella prioratus reformata fuerit. Qua reformata et priore eam inhabitante a 3. jr 20 (Se) 10 15 20 25 30 or or Beilagen. 497 tabulae in praescriptis cellis transmutari debent, nec cella P vicario deputata priori conveniens est eo quod seculares per ca- meram suam, ubi sua fercula reponit, ad stubellam deducere compellitur. Cella prioris + post Jjanuam nolae: Qui non baiulat crucem suam et venit post me, non potest meus esse discipu- lus. Luc. 14. — In alıa janua versus refectorium: Qui vult venire post me, abneget semetipsum et tollat crucem suam et sequatur me. Math. 16. — Hanc fundavit dominus Jacobus Zibol fundator. A. Ambulate, dum lucem habetis, ut non tenebrae vos comprehendant. Joan. 12. — Fundavit Burkardus Zibol. B. Bonum est nos hic esse: sı vis, faciamus hic tria ta- bernacula. Math. 17. — Fundavit idem Burkardus Zibol. C. Caro et sanguis regnum dei non possidere possunt, neque corruptio incorruptibilitatem possidebit. 1 Cor. 15. — Fundavit dominus Burkardus Zibol et domina Agnes de Eptin- gen, conthoralis eius!). D. Diligite inimicos vestros, benefacite his, qui vos ode- runt. Math. 5. — Fundavit reverendissimus pater et dominus Nicolaus monachus professus ordinis Carthusiensis tituli sanctae Crucis presbyter cardinalis tempore generalis Basiliensis concilii. E. Existimo quod non sint condignae passiones huius tem- poris ad futuram gloriam, quae revelabitur in nobis. Rom. 8. — Fundavit Isabella regis Portugalliae filia, Burgundiae, Lo- tharıngiae, Brabantiae et Limburgiae ducissa, sacri Romani imperii marchionissa, Flandriae, Artesii et Burgundiae pala- tina, Hannoniae, Zelandiae et Namurci comitissa, domina de Frisia, Salınis et Mechlinia. — Haec fuit mater Caroli Bur- gundiae ducis caesi apud Nanse. Pater eius fuit Philippus. F. Facite dignos fructus poenitentiae: jam enim securis ad radicem arboris posita est. Luc. 3. — Fundatrix eadem prin- cipissa. G. Gaudium est angelis dei super uno peccatore poeni- tentiam agente, quam super 99 justis, qui non indigent poeni- tentia. Luc. 15. — Fundavit dominus Leonardus Troubach de 3. fercula. Die Abkürzung Wurstisens ist nicht ganz deutlich. 4, Wurstisen liest »compellit«, was nicht geradezu unmöglich wäre, doch kommt es mir wahrscheinlicher vor, dass es ein Versehn für »compellitur« ist. 1) Nach der Chron. fund. S. 290 wurde der Bau dieser Zelle 1434 begonnen, während Burkhard Zibol, nachdem er bereits eine zweite Frau, die Sophia von Rotberg, geheirathet, im J. 1433 (S. 293) starb. Die obige Angabe wird also in der Weise zu verstehen sein, dass Burkard und seine erste Frau die Mittel zum Bau dieser Zelle gegeben hatten, die dann erst nach ihrer beider Tode gebaut wurde. Damit stimmt lib. benef. 1, wo es nach der Aufforderung, für Burkhard und Agnes zu beten, heisst: Qui fundavit duas cellas, dieses duas aber später ausgestrichen und durch tres, a, b et c ersetzt ist. Basler Chroniken. I. 33 498 Beilagen. Mülhusen, cappellanus maioris ecelesiae Basiliensis. Hic prope eam sepultus. H. Humiliamini sub potenti manu dei, ut vos exaltet in tempore visitationis. 1 Petr. 5. — Fundavit dominus Henricus Rode de Marcburg, juris utriusque doctor, consiliarius lantgra- vıı Hassiae, cuius filius prope cellam procuratoris sepultus est. I. In omnibus operibus tuis memorare novissima tua et in aeternum non peccabis. Eccles. 7. — Fundavit Johannes Vischer cappellanus maioris Basiliensis ecclesiae. K. Karitas est finis praecepti, de puro corde et conscientia bona et fide non ficta. 1 Timoth. 1. — Fundavit dominus Lu- dovicus Moser Tigurinus, protonotarius in Rinfelden; monachus factus Uarthusiensis primus eam inhabitavit. L. Labora sicut bonus miles Christi. Nemo militans deo implicat se negotiis secularibus. 2 Tim. 2. — Hanc cellam fun- davit magister Petrus zem Luft, decretorum doctor, canonicus maioris Basiliensis ecclesiae. M. Mandatum novum do vobis, ut diligatis invicem, sicut dilexi vos, ut et vos diligatis invicem. Joan. 13. — Fundavit dominus Ulricus Eberhart civis et mercator Basiliensis, quam dominus Petrus Wolfer cognatus ipsius ac haeres, prope ipsam sepultus, complevit. Ä N. Nolite conformari huic seculo, sed reformamini in no- vitate sensus vestrii. Roman. 12. — In alia janua versus ecclesiam: Nemo potest amplecti deum simul et seculum. Gregor. 18. moral. super Job. — Fundavit reverendissimus do- minus in Christo pater dominus Thomas Polton episcopus Wi- gorniensis in choro sepultus tempore generalis concilii. O. Omnes nos manifestari oportet ante tribunal Christi, ut recipiat unusquisque propria, prout gessit, sive bonum, sive malum. 2 Cor. 5. — Fundator Jacobus Zibol, dotavit Adelhei- dis de Eptingen. P. Patientes estote, fratres, et confirmate corda vestra, quoniam adventus domini appropinquabit. Jacobi 5. — In ja- nua versus refectorium: Praeparate corda vestra domino et servite illi soli, et liberabit vos de manibus inimicorum vestrorum. 1 Reg. 7. — Fundator Zibolius, fundator Carthusiae. 10 ? 15 20 25 30 35 re or or or ; ‚Beilagen. | 499 II. Bulle Bonifaz IX. vom 18. April 1402 (Siehe $S. 263.) Das Original auf Pergament befindet sich auf dem Karthäuser 5 Archiv als Nr. 58. Durch das Pergament sind zwei Schnitte ge- macht, die wohlerhaltene Bulle war abgeschnitten und eingenäht und ist erst bei der Neuordnung des Archivs der bessern Aufbe- wahrung wegen wieder mit einer Schnur an der Urkunde befestigt worden. Auf dem umgebogenen untern Theil des Pergaments steht 10 links: Ista bulla (darüber von derselben Hand nachträglich beigefügt: falsa et mendosa. servetur pro posteris, ut hec sciant) fuit impe- trata contra nos Carthusienses minoris Basilee, et per eam impediti fuimus ad annum integrum. Redempta cum 180 florenis datis do- minis, de summo ecclesie Basiliensis. Von derselben Hand steht, beinahe ausgelöscht, fast wörtlich dieselbe Bemerkung auf der Rück- seite der Urkunde. Hier hatte zuerst: gestanden: cum C florenis, “ nachträglich war beigefügt worden: et Ixxx florenis. Ebenfalls auf der Rückseite steht von der Hand des Priors Heinrich von Alfeld: Bulla Bonifacii IX contra novam plantacionem Bas. ordinis Cartu- siensis, ad instantiam capituli ecclesie Basiliensis impetrata, sed postea concordatum est cum pecuniis etc. Bonifacius episcopus servus servorum dei dilecto filio priori monasterii sancti Albani Basiliensis per priorem soliti gubernari salutem et apostolicam benediccionem. Honestis supplicum vo- tis libenter annuimus illaque favoribus prosequimur oportunis. Exhibita siquidem nobis nuper pro parte dilectorum filiorum prepositi, decani et capituli ecclesie Basiliensis peticio contine- bat, quod licet in opido minori Basilea nuncupato Constan- ciensis diocesis civitati Basiliensi contiguo, cuius quidem opidi proprietas ad dietam ecclesiam ab olim spectare noscebatur, apud curiam episcopalem in eodem opido consistentem, quam retroactis temporibus episcopi Basilienses pro tempore inhabitare consueverant, fuerit et sit quedam parrochialis ecclesia sub vo- cabulo sancti Theodori, mense capitulari Basiliensi ab antiquo unita et incorporata, fuerintque et sint tam cathedralis, quam dicta sancti Theodori et alie ecclesie Basilienses ac eciam dicta curia per terre motum olim in illis partibus factum adeo quas- sate, collapse et in structuris difformate, quod eciam ex pia largicione fidelium adhuc infra longi temporis successum vix 4 reformari valeant, dietaque curia ex opposito chori ipsius eccle- 32* 500 Beilagen. sie cathedralis, qui solo flumine Reni intermediante quasi in medio civitatis predicte consistit, ubi eciam pro tempore hastıi- ludıa, tornamenta, fistulaciones, coree et alia mundana exercicia fieri solent, situetur, et retro curiam ipsam super arena dicti tiuminis sepesepius diverse coree et vanitates per mulieres et alias personas vanas exerceantur, ita quod ipsa curia tam propter prejudicium, quod ex hoc ipsi cathedrali et aliis ecclesüs pre- dietis oriretur, quam eciam propter honestatem et observanciam religionis sit locus saltem pro fratribus ordinis Cartusiensis mi- nus aptus, tamen nonnulli fratres dieti ordinis quorumdam ci- vium Basiliensium asserencium, prefatam curiam ad commune diete civitatis racione cuiusdam contractus olim super hoc ha- biti pertinere, seculari suffulti auxilio in ipsa curia absque con- sensu et voluntate dilecti fili Humberti electi Basiliensis et dietorum prepositi, decani et capituli construere et habitare nituntur atque proponunt, quodque, si huiusmodi propositum in hac parte sortiretur effectum, magnum ex hoc non solum episcopo, preposito, decano et capitulo ac ecclesiis predictis, verum eciam toti clero Basiliensi prejudicium generaretur ac eciam diversa sediciones et scandala possent exinde inter cle- rum et cives dicte civitatis verisimiliter exoriri et jura tam ca- thedralis et sancti Theodori quam aliarum ecclesiarum predicta- rum non modicum diminuerentur. Quare pro parte dictorum prepositi, decani et capituli nobis fuit humiliter supplicatum, ut super hıis ad obviandum scandalis et aliis periculis huius- modi providere de benignitate apostolica dignaremur. Nos igi- tur huiusmodi supplicacionibus inclinati discrecioni tue, de qua in hiis et aliis specialem in domino fiduciam obtinemus, per apostolica scripta comittimus et mandamus, quatinus vocatis qui fuerint evocandi super premissis, te summarie, simpliciter et de plano ac sine strepitu et figura judicii auctoritate nostra diligenter informes, et si per informacionem huiusmodi pre- missa vel aliquod ipsorum, quod ad hoc sufficiat, reppereris veritate fuleiri, fratres et cives predictos ac omnes et singulos alios sua interesse putantes conjunctim et divisim, quociens expedierit, sub pena excommunicacionis moneas et requiras, ut infra peremptorium competentem terminum ipsis ad hoc per te prefigendum ab huiusmodi structuris et edificio penitus et om- nino desistant eisque inhibeas, ne de cetero huiusmodi vel si- milıa alia in ipsorum episcopi, prepositi, decani et capituli prejudicium quomodolibet attemptent; alioguin lapso huius- modi termino omnes et singulos huiusmodi tuis monicionibus, requisicionibus et inhibicionibus non parentes declares huius- modi excomunicacionis sentenciam incurrisse, et nichilominus legitimis per te super hiis habendis servatis processibus eos, quociens expedierit, aggravare procures, contradictores per cen- suram ecclesiasticam appellacione postposita compescendo, in- 10 15 20 25 30 33 40 2 Beilagen. | 01 vocato ad hoc, si opus fuerit, auxilio brachii secularis, non obstante si prefatis ordini et fratribus ac civibus vel quibusvis aliis communiter vel divisim ab eadem sit sede indultum, quod interdici, suspendi vel excomunicari non possint per litteras apostolicas non facientes plenam et expressam ac de verbo ad verbum de indulto huiusmodi mencionem et quibuslibet pri- vilegiis, indulgenciis et litteris apostolicis generalibus vel spe- cialibus, quorumcungque tenorum existant, per que presentibus non expressa vel totaliter non inserta effectus earum impediri valeat quomodolibet vel differri, et de quibus quorumque totis tenoribus habenda sit in nostris litteris de verbo ad verbum mencio specialis, et aliis contrariis quibuscunque. Datum Rome apud sanctum Petrum 14. kalendas maii, pontificatus nostri anno tercio decimo. 15 G. de Pala. a 1 S IV. Vergleich mit dem Domcapitel vom 29. Januar * 1404. (Siehe 8. 264.) 20 Das Original auf Pergament mit zwei anhängenden Siegeln liegt im Karthäuser Archiv als Nr. 60. In dei nomine. Amen. Nos frater Wynandus de Tremonia prior domus montis beate Marie prope Argentinam ordinis Car- thusiensis, commissarıus ad infrascripta a venerabili et reli- 25 gloso in Christo patre domino fratre Stephano priore generali maioris domus Carthusiensis specialiter deputatus, ad omnium et singulorum, quorum interest vel intererit et quos infra- scriptum tangit negocium vel tangere poterit quomodolibet in futurum, noticiam tenore presencium cupimus pervenire et re- 30 cognoscimus publice per presentes: quod cum nuper providus et discretus vir Jacobus Zibell civis Basiliensis, zelo devocionis accensus, curiam seu domum sive habitacionem pridem appel- latam des byschoffes hoff, nunc vero appellatam et in per- petuum futuris temporibus appellandam domus vallis sancte 35 Margarethe virginis et martiris, intendens in illa monasterium >02. Beilagen. sive claustrum de ordine Carthusiensi predicto in honore do- mini nostri Jhesu Christi et beatissime virginis Marie matris eius et sancte Margarethe patrone antedicte ac divini cultus augmentum erigere, fundare atque dotare et animo erigendi fundandi et dotandi huiusmodi monasterıum sive claustrum, cum suis areis, edificiis, ortis, juribus, attinenciis, pertinenciis, appendiciis et circumferenciis universis nobis necnon venerabili et religioso viro fratri Hermanno de Davantria domus Colo- niensis dicti ordinis priori, commissariis tunc ad hoc a prefato domino fratre Stephano priori deputatis, vice et nomine ac ad usum dieti ordinis et signanter religiosorum fratrum prioris et conventus, qui sunt vel erunt pro tempore in futurum in mo- nasterio seu claustro sive domo vallis sancte Margarethe ante- dicte, et ipsius monasterii ipsorumque in eodem monasterio suc- cessorum universorum, recipientibus et gratanter acceptantibus dederit, donaverit, tradiderit et assignaverit atque fundaverit irrevocabiliter inter vivos justisque et legitimis donacionis et fundacionis titulis pro sue et quondam Verene Sevöglin eius uxoris suorumque liberorum et progenitorum animarum reme- dio et salute, que quidem curia jamdicta situatur in opido minor Basilea nuncupato Constanciensis diocesis juxta et prope ecclesiam parochialem sancti Theodori in dicto opido minoris Basilee consistentem, mense capitularıi ecclesie cathedralis Ba- siliensis ab antiquo unitam et incorporatam, et ex opposito chori ipsius ecclesie cathedralis Basiliensis solo uni Reni intermediante, quam eciam curiam retroactis temporibus episcopi Basilienses pro tempore consueverant inhabitare: idcirco non- nullis tractatibus inter venerabiles in Christo viros dominos pre- positum, decanum et capitulum ecclesie Basiliensis prelibate necnon discretum virum dominum Eberhardum dietum Schenck perpetuum vicarıum dicte parochialis ecclesie sancti Theodori ex una et nos priores prefatos vice et nomine predictis parte ex altera, de scitu eciam et consensu prudentum et honestorum virorum dominorum magistri civium et consulum civitatis Ba- siliensis, intervenientibus, pro nobis fratre Wynando commis- : sario in hac parte et predictis religiosis fratribus priore et con- ventu, qui sunt vel erunt pro tempore, domo sive claustro val- lis sancte Margarethe in prefata eademque domo, ac vice et nomine, quibus supra, quos eciam et eorum in dicta domo successores universos ad subscripta omnia et singula eorumque observanciam et ratihabicionem perpetuas et inviolabiles auto- ritate, qua supra, scilicet a predicto domino fratre Stephano priore nobis commissa, qua et fungimur in hac parte, presen- tıbus firmiter astringentes et obligantes, cum dominis preposito decano et capitulo prenominatis, quibus dieta ecelesia parochia- lis sancti Theodori incorporata dinoseitur, ut premissum est, et ad quos jus patronatus eiusdem ecelesie parochialis pertinet, 10 20 25 30 40 45 5 % jr 0 15 20 25 40 Beilagen. 503 necnon cum perpetuo vicario supradicto, ipsorum et successo- rum suorum nominibus in et ad huiusmodi ereccionem, fun- dacionem et dotacionem suos consensus et voluntates adhiben- tibus, propter bonum pacis, concordie et tranquillitatis inter dictas partes perpetuo habendarum, cum paecis auctor, scilicet dominus noster Jhesus Christus, non bene colitur, nisi pacis tempore, amicabiliter convenimus et concordavimus in hunc modum. 1. Primo videlicet quod dicti fratres prior et conventus pro tempore existentes in domo vallis sancte Margarethe sepe- dieta perpetuis temporibus futuris absque contradiceione, re- sistencia et impedimento quibuscumque dominis de capitulo ecclesie Basiliensis antefatis et eiusdem ecclesie vasallıs, qui tune hoc in feodum habuerint ecclesia ab eadem, solvere, dare, tradere, expedire et assignare integraliter et cum effectu et sine diminucione qualibet, fraude, dilacione et protraccione quibus- vis in hiis remotis et exclusis, debebunt et tenebuntur, debeant atque teneantur decimas prediales de omnibus et singulis ipso- rum bonis immobilibus per eos habitis et habendis, acquisitis et acquirendis quibuscumque in parochia ecclesie parochialis sancti Theodori memorata et infra limites eiusdem parochie, sive fuerint agri, prata, orti, novalia et alie res quecumque, de quibus decime dari debent, et secundum quod et prout alii homines parochiani in eadem parochia moram trahentes huius- modi decimam dant, dare debebunt et consueverunt. Si vero aliqui seu alique aut aliqua domus, orti, prata, agri, vinee, novalia, possessiones vel aree in dicta parochia vel alıbi seu in locis, parochiis, limitibus seu dyocesibus alıis quibuscumque aut ubicumque siti, site aut sita ıpsis fratribus per quemcum- que seu quoscumque ullo unquam tempore donarentur seu per fratres eosdem emerentur vel alias eis obvenirent, de huiusmodi donatis, emptis vel obventis, ut pretangitur, similiter dieti fra- tres decimas, census et alia jura prefatis dominis de capitulo ac fabrice dicte Basiliensis ecclesie debitos, debitas et debita de eisdem dominis et fabrice premissis perpetuis temporibus absque contradiccione et impedimento quibuscumque integraliter et cum effectu dare et sine diminucione et protraccione quibuslibet as- signare teneantur et debeant omnibus, eo jure et modo, quibus et prout alii homines antea et priusgquam domus, orti, agri, prata, vinee, novalia, possessiones vel aree huiusmodi dictis fratribus donati vel empti fuerint seu obvenerint, ut prefertur, solvere et expedire debuerunt, consueverunt et tenebantur. 2. Item, quod iidem fratres prior et conventus pro tem- pore diete domus vallis sancte Margarethe apud comprehensio- s nem, circumferenciam seu limites, vulgariter dicendo by deme 9. Wir haben die einzelnen Punkte des Vergleichs durch Absätze hervorgehoben und die Ziffern, die in der Urkunde am Rande stehn, an den Anfang dieser Absätze gerückt. 504 Beilagen. begriffe diete eorum curie et habitacionis, prout nunc sunt, teneantur perpetuo permanere et in huiusmodi comprehensione, circumferencia seu limitibus stare contenti, huiusmodi ipsorum domum sive claustrum ulterius et amplius extra et ultra huius- modi comprehensionem , circumferenciam sive limites nunc existentes non extendendo seu edificando sive dilatando sine consensu dominorum decani et capituli predictorum, hoc tamen salvo, quod si qui seu que domus, orti, agri, vinee, possessio- nes vel aree curie predicte contigui seu contigue seu eciam vieini aut vicine seu juxta eandem curiam siti aut site dictis fratribus per quemcumque seu quoscumque donarentur seu per fratres emerentur aut eis obvenirent, huiusmodiı domus, ortos, agros, vineas, possessiones et areas fratres ipsi consequi pote- runt et habere necnon eis uti, dummodo domus, ortos, agros, vineas, possessiones et areas premissos diete habitacioni domus vallis prelibate contiguos seu contiguas per remocionem seu deposicionem muri seu murorum habitacionis eiusdem eidem huiusmodi habitacioni non includant seu ad eam aptent aut comprehendant quovis modo similiter absque consensu domino- rum de capitulo pretactorum, salvis tamen fratribus ipsis hostüs seu januis per huiusmodi murum seu muros in et ad domos, ortos, agros, vineas, possessiones et areas jamtactos dirigendis et ordinandis pro introitu et exitu accessibusque et egressibus oportunis, ita tamen eciam, quod de eisdem domibus, ortis, agris, vineis, possessionibus et areis cum censuum inde debi- torum et decimarum solucione faciant et facere debeant, sieut ceteri parochiani in parochia antefata commorantes, eo dum- taxat addito specialiter atque salvo fratribus antedictis, prout hoc per dictos dominos de capitulo eis graciose concessum existit, quod ipsis liceat, licitum sit et esse debeat, sı et quandocum- que voluerint nunc vel imposterum de orto seu ortis dicte ha- bitacioni contiguo seu contiguis solo muro versus pontem Reni intermediante, de muro seu menis Reni dieti opidi usque ad plateam seu stratam publicam dicte ecclesie sancti Theodori huiusmodi ipsorum habitacioni eciam per dicti intermediantis muri remocionem et novorum muri vel murorum seu sepium ereccionem vel alias, prout eis placuerit et expedierit, includere et comprehendere peciam seu spacium quadraginta pedum vel circa, sine dolo et fraude, secundum quod tunc id eis faciendi ab illis seu ab eo, cuius seu quorum ortus seu orti huiusmodi existunt aut intererit, fuerit permissum, pro cellis et aliis ipso- rum fratrum comodis, necessariis et oportunis faciendis et con- struendis, eciam absque decimarum dictis dominis de capitulo de huiusmodi pecia debitarum, si que ipsis inde deberentur, solucione ullis unguam temporibus facienda quacumque. 3. Item quod fratres prior et conventus pro tempore domus vallis sancte Margarethe jamscripte nulli homini seu nemini 6) 10 20 25 30 35 40 Beilagen. 805 ullis unguam temporibus futuris debeant ecclesiastica sacra- menta ministrare, familiaribus ipsorum domesticis dumtaxat ex- ceptis, quibus eukaristie et extreme unccionis sacramenta pote- runt ministrare, si ac quatenus et quod eisdem domesticis id facere possint, fuerint privilegiati. 4. Item quod fratres prior et conventus pro tempore ante- scripti ecclesiam aut ecclesias nunc incorporatas seu futuris tem- poribus incorporandas dominis preposito, decano et capitulo ecclesie Basiliensis prenotatis aut alias gracias eis datas, con- ı0 cessas et impetratas, dandas, concedendas et impetrandas in futurum quascumque nunquam ullis tempore et modo debeant sibi ipsis vel aliis quibuscumque a sancta sede apostolica vel aliunde seu alias quomodolibet impetrare. 5. Item quod prefati fratres prior et conventus prefate do- ıs mus vallis sancte Margarethe pro tempore omnia et singula funera personarum quarumcumque apud eos suorum corporum sepulturam eligencium permittant et permittere teneantur et debebunt presentari in ecclesias parochiales parochie seu paro- chiarum, signanter in civitate et dyocesi Basiliensi et dicta mi- 20 nori Basilea existencium, ex quibus seu ex qua tunc huius- modi funera venerint, quousque inibi missa pro defunctis de- cantetur seu celebretur. 6. Item et quod fratres prior et conventus sepescripti pro tempore rectoribus seu plebanis ac vicariis ecclesiarum, preser- 3 tim in civitate et dyocesi Basiliensi necnon minori Basilea prescripta constitutarum, ex quarum parochiis pretacta venerint funera, quartam seu canonicam porcionem hodie jure communi debitam et taxatam integraliter debeant et tenebuntur dare et cum effectu expedire, dicta funerum presentacione non obstante, 30 fraude et dilacione quibusvis in hiis resecatis. 7. Item et quod memorati fratres prior et conventus pre- nominate domus vallis sancte Margarethe omnia et singula pre- missa et eciam subscripta perpetuis temporibus teneantur et debeant firmiter et inviolabiliter attendere, rata et grata tenere, 35 observare et adimplere nec ea mutare vel revocare seu econtra ullo tempore facto vel jure in judicio quocumque ecclesiastico vel seculari vel extra ıllud directe vel indirecte, per se vel alium seu alios seu alias quomodolibet facere vel venire aut contravenire, mutare vel revocare volenti taliqualiter consentire 40 seu hec aut quevis ex eis fieri procurare aut, quantum in eis fuerit, permittere tacite vel expresse, publice vel occulte, nec litteras, gracias, libertates, privilegia vel exempciones quascum- que a sancta sede apostolica seu Romanis imperatoribus vel regibus quibuscumque vel eciam aliunde premissis aut sub- 4 scriptis vel eorum aliquo quovis modo prejudiciales impetrare vel impetratis uti, quesito quovis ingenio vel colore, sine con- sensu et voluntate dominorum decani et capituli diete ecclesie ar 506 Beilagen. "Basiliensis pro tempore existencium predictorum, sed quod quam primum domus vallis sancte Margarethe prefate priorem habue- rit atque conventum, iidem prior et conventus pro se, eadem domo necenon eorum successoribus domo in eadem universis de observacione, ratihabicione et adimplecione perpetuis omnium et singulorum premissorum et eciam infra designatorum domi- nis de capitulo sepetactis pro tempore tribuant et effectualiter assignent recognicionem et caucionem litteratoriam, eiusdem prioris et conventus sigillis et alias, prout opus fuerit, robora- tam, ad eademque omnia et singula se et successores ac do- mum eorum premissos firmiter et inviolabiliter perpetuis tem- poribus obligent eaque faciant, approbent, confirment, ratificent et auctorizent cum renunciacionibus debitis, necessariis et 0por- tunis ad omnimodam ac juxta presencium litterarum intencio- nem, continenciam et tenorem, sponte acceptantes. Nos frater Wynandus commissarius sepefatus in fratres priorem et conventum domus vallis sepescripte pro tempore eorumque successores universos domo in eadem pene nomine, scilicet quod ipsos in casu, quo et si aliquo anno vel tempore in observacione et adimplecione premissorum vel eorum aliquo scienter defecerint et negligentes fuerint vel remissi vel ea seu eorum aliquid mutaverint vel revocaverint aut in contrarium venerint seu fecerint modo quovis premissis contrarium, extunc reverendi in Christo patres et domini domini episcopi Basilien- sis et Constantiensis eorumve officiales necnon conservator seu conservatores auctoritate apostolica deputati et deputandi qui- cumque jurium et privilegiorum dominorum prepositi, decani et capituli ecclesie Basiliensis predictorum pro tempore existen- tes et eorundem subconservatores, quorum et cuiuslibet ipso- rum conjunctim et divisim jurisdiccionibus seu jurisdiccioni, ipsorum videlicet episcoporum seu officialium ordinarie, dieto- rum vero conservatorum et subconservatorum apostolice seu delegate, eosdem fratres priorem et conventum pro tempore in casu jamdicto, videlicet defectus et negligencie aut in contra- rıum faccionis vel vencionis eorundem, subicimus et submitti- mus in hiis scriptis, possint et debeant sive alter eorum possit et debeat conjunctim et divisim ad instanciam, quorum tunc interfuerit in ea parte, ad integram observacionem et adımple- cionem premissorum tunc non attentorum, observatorum vel neglectorum aut in contrarium factorum vel ventorum et ex- pensarum desuper factarum et habitarum huiusmodi negligencie vel defectus occasione, postquam eis vel alteri eorum de hiis legitime constiterit, tamquam rei coram illo seu illis per eos in jure confesse, compellere et artare ecclesiasticam per cen- suram premissisque et eciam subscriptis omnibus et singulis, non obstantibus omnibus et singulis privilegiis et libertatibus, graciis, litteris et exempcionibus quibuscumque, fratribus priori 10 15 20 25 30 35 40 45 Er ea Beilagen. 807 et conventui pro tempore domus vallis antedicte eidemve domui aut ordini prescriptis a dieta sancta sede apostolica vel impe- ratoribus seu regibus predictis vel aliunde in genere vel in specie impetratis et impetrandis, concessis et concedendis, qui- bus necnon insuper eciam excepcioni doli malı, in factum accioni et sine causa quod metus compulsionis, lesionis, de- cepcionis, circumvencionisve causa, beneficio restitucionis in integrum ob quamcumque causam et quo maiores vel minores ' juvantur, excepcioni non sic facte convencionis et aliter fuisse 10 15 2 30 2.39 4 Le; 45 dietum quam scriptum, et qua lesis ecclesiis et monasteriis pro- videtur et subvenitur, consuetudinibus et statutis municipali- bus, publieis et privatis, dominorum, castrorum, civitatum et patrie generalis omnibusque et singulis aliis accionibus, ex- cepcionibus et defensionibus juris et facti scripti, non scripti, canonici, civilis, consuetudinarii et municipalis, privilegio fori omnique juri et juris auxilio, quibus seu ope quorum fratres sepefati vel quivis alter possent ullo tempore communiter vel divisim contra premissa vel eorum aliquid juvari, facere vel venire, jurique generalem renunciacionem nisi precesserit spe- cialis dicenti non sufficere seu valere, nos frater Wynandus commissarius predictus, quoad premissa et eciam subscripta omnia et singula, pro nobis et quibus supra ac vice et nomine supratactis, ex certa nostra sciencia renunciavimus et tenore presencium renunciamus expresse, hoc eciam condicto premis- > sis adjecto speciali, videlicet quod in supradicto defectus et negligencie aut in contrarium faccionis vel vencionis casu pru- dentes et honesti viri domini magister civium et consules dicte civitatis Basiliensis pretacti prenotatis dominis preposito, decano et capitulo et aliis, quorum interfuerit pro tempore, contra et adversus fratres priorem et conventum pro tempore domus val- lis memorate auxilio, consilio, opera et favore suis oportunis efficaciter assistere eisque huiusmodi ipsorum consulum con- silium, auxilium, operam et favorem fideliter impertiri va- leant atque possint, ipsisque consulibus hoc liceat et licitum existat, dietorum fratrum prioris et conventus et quorumlibet aliorum contradiccione et impedimento quibuscumque non ob- stantibus. In quorum omnium et singulorum premissorum, de quibus due equales littere, una pro dominis de capitulo, alia vero pro fratrıbus memoratis, tradite sunt et confecte, testimonium evi- dens atque robur nos frater Wynandus prior commissarius ante- scriptus nostri prioratus et conventus dicte nostre domus mon- tis sancte Marie sigillum hiis litteris duximus appendendum, nos quoque magister civium et consules civitatis Basiliensis su- pratacti, quia eciam premissa omnia et singula de scitu et con- sensu nostris expressis facta sunt et pacta, ut est ae quapropter sigillum nostre civitatis Basiliensis prediete ad 'pe- 508 Beilagen. ticionem dictarum parcium hiis litteris fecımus appensari in maius robur et testimonium perpetuum premissorum. Acta sunt hec sub anno a nativitate domini nostri Jhesu Christi millesimo quadringentesimo quarto feria tercia seu die martis proxima ante festum purificacionis beate Marie virginis, que fuit et est vicesima nona dies mensis januarii. ui V. Jacob Louber über Heinrich von Alfeld. Wir haben 8. 243 Anm. 4 des Registers über einen Sammel- band von kleinen Schriften des Priors Heinrich erwähnt, das sein 10 Nachfolger Jacob Louber angefertigt und dem er einen Nachruf an den frommen Verfasser vorangeschickt hat. Es bildet dasselbe ein - Heftchen in 4°, das mit dem $S. 353 Anm. 1 erwähnten Ordinarium pro officio sacriste und einigen andern Stücken in einen Pergament- umschlag eingeheftet ist und mit ihnen zusammen das Bändchen 1; A. IX. 6 der Universitätsbibliothek ausmacht. S. 1 dieses Heftchens enthält den Titel: Liber meditacionum et orationum et aliorum opusculorum patris Heinrici Arnoldi de Allveldia Cartusiensis, quondam prioris Cartusie Basiliensis. S. 2 ist leer, S.3 und 4 enthalten die brevis commendatio, die wir im Nachfolgenden ab- 0 drucken, auf 8. 5 steht erst folgende einleitende Bemerkung über die Anordnung des Bandes: Et quanquam hoc totale opus laborio- sissime in unum collectum principaliter contineat meditaciones et orationes devotas, poterit tamen non inconvenienter in quinque partes dividi. In prima agitur de mysterio incarnationis et passio- 25 nis totaque vita Christi, in secunda de felici ortu beatissime vir- ginis Marie insigniisque ipsius gloriosissimis et vite sue octo sta- tibus, premissis humilitatis et caritatis preconiis, in tereia oratio- num et meditacionum de tempore et sanctis pars hyemalis, incipiens a die nativitatis domini, in quarta orationum et meditacionum de 30 tempore et sanctis pars estivalis, a penthecoste incipiens, in quinta de diversis agitur exerciciis spiritalibus, ad invocandum divinum au- xilium in nostris variis necessitatibus, letanie pro pace, contra 'Teu- cros et ad visitandum obsessum, notabilia pro directione procura- torum ceterorumque officialium, denique multa pro noviciis tempta- 35 tis et afflietis consolatoria , prout plenissime subsequens registrum explanabit. Dann folgt auf dem Rest von S. 5 und auf den fol- ee th, c 10 15 20 25 30 Beilagen. 509 genden Seiten bis S. 30 dieses Registrum, S. 31— 34 sind leer. In dem Register ist für jede Schrift die Blattzahl des Bandes an- gegeben, auf dem sie sich findet, die letzte (Conclusio operis cum oratione devota et pulcherrima pro feliei statu sancte matris ecele- sie, maxime pro conservatione sacri ordinis Cartusiensis aliarumque religionum, dignitatum et statuum efficacissima) steht fol. 856 et sequentibus. Den Band selbst habe ich nirgends gefunden. Beim Durchlesen der brevis commendatio wird uns sofort auf- fallen, dass sie in ihrem ersten Theile fast wörtlich mit der Lebens- skizze übereinstimmt, die Trithem in ‘dem Liber de scriptoribus ecclesiasticis und in dem Cathalogus illustrium virorum giebt (s. oben $. 241 Anm. 1) und die Georg in die Continuatio aufgenom- men hat (S. 325). Entweder muss Louber nach Trithem oder Tri- ‘them muss nach Louber gearbeitet haben. Ich halte letzteres für das wahrscheinlichere und vermuthe, dass Trithem sich von Louber die nöthigen Notizen hat geben lassen und dieser sie dann zugleich passend fand, um zu einer Einleitung zu den gesammelten kleinen Schriften Heinrichs verwerthet zu werden. Brevis commendatio predicti patris et suorum opusculorum ‘per quendam Cartusiensem de filiis professionis ac discipulis suis. Venerabilis pater Hainricus Arnoldi de Allveldia, natione Saxo, professione monachus Cartusiensis domus Basiliensis, vir religione devotus, ingenio clarus, affectu sincerus, moribus gra- vis, eloquio dulcis, conversatione affabilis, pius, mansuetus, exemplo fulgidus, in artibus liberalibus et sacris litteris pluri- mum exercitatus et pontificii juris non ignarus, qui, cum officio notariatus in sacro concilio Basiliensi et antea in urbe multis annis fungeretur, fidelis, justus, prudens ac circumspectus cunctorum testimonio inventus est probatus. Hic tandem om- nia cernens esse vanitatem universa pro Christi amore con- tempsit, clausuram Cartusiensium eligens et durante concilio Basilee ingrediens, ubi triginta annis prior ac pater subditos sıbiı monachos ac conversos ceterosque paterno prosequens af- fectu in pace et tranquillitate laudabiliter rexit, scripsitque fa- miliari stilo et aperto sermone pro fratrum suorum et aliorum in Christo pie vivere volencium edificacione quedam plena doc- trine, virtutum et devotionis, zeli et charitatis opuscula, in quibus diligens lector tanguam in quodam viridario inveniet 19—20. Die Ueberschrift steht auf einem aufgeklebten Blättchen. Die ursprüngliche Veberschrift, die theilweise ausgestrichen und zuletzt mit diesem Blättchen überklebt wor- den ist, scheint den Inhalt der jetzigen mit dem auf S. 1 stehenden Titel zusammengefasst zu haben. Vgl. das am Schlusse Bemerkte. 25. »artibus liberalibus« steht zum Theil auf einer Rasur. 29. »inventus est« steht auf einer Rasur. 38. Ueber »viridario« steht von andrer Hand: »in eynem würtzgartden«. Am Rande ist eine Hand gezeich- net, die auf diese Stelle verweist, 510 Beilagen. copiose spiritualium geniminum!!) et aromatum delicias ad oble- ctandum oculos mentis et ad pascendum desideria cordis, ıbı- demque discent clerici et religiosi ministri Christi in commissis officiis exhibere diligenciam, dignitatis sue servare moribus ex- cellenciam, salutaribus lucere exemplis, fervere in divinis, vi-: tare castrimargiam, diligere castitatem, lucra spiritalia solerter querere, temporalia pro necessitudine prudenter dispensare, animarum zelum facto ostendere, ad ea, que pia sunt, affectum gerere, disciplinam in cunctis, devocionem in ecclesiasticis, discent eciam procuratores et ceteri officiales sic transire per bona temporalia, ut non amittant eterna, sicque hoc mundo uti provide, ne a gracia dei contingat excidere, in adversis non murmurare, in prosperis non presumere, dubiis in rebus nil temere agere, in arduis procedere strennue, deferre honorem maioribus, non injuriarı equalibus et minoribus, dei timorem nungquam negligere et amori dei conditoris nostri nichil ante- ponere, in hoc principatum in suis opusculis tenens inter om- nes, quos legimus, devotarios, quod docendo orat et orando docet meditandoque narrat et devotissime suplicando concludit, Sicque scripta et devocionalia sua multum deserviunt omnibus : ecclesiasticis devote orare et celebrare desiderantibus, ita quod quasi per excessum mentis dicere possit, quod expurgent men- tem, intellectum illuminent inflammentque affectum. Idem pater Hainricus obiit quinta die mensis junii anno domini 1487, in Cartusia Basiliensi prescripta sepultus. v1. Das Bekenntniss des Bruders Martin. Das Bekenntniss des Bruders Martin, dessen wir oben 8. 315 Erwähnung gethan, befindet sich auf der öffentlichen oder Univer- 3. Am Rande wieder eine Hand, die auf die Stelle verweist. 6. Ueber »castrimar- gilam« steht von derselben Hand, von der die oben erwähnte Einschiebung herrührt: »id est superfluitatem «. 10. Am Rande wieder eine Hand, die auf die Stelle verweist. »eciam« steht über einer Rasur. 23. Nach dem Absatze, der mit vaffectum« schliesst, folgt eine Zeile: »Sequitur divisio operis et registrum«. Wir haben sie aus- gelassen ‚ weil sie den Zusammenhang mit dem Absatze »Idem — sepultus« unterbricht. Dieser ist erst nachträglich beigefügt. — »inflammentque« und was nun folgt steht wie- der auf einem aufgeklebten Blättchen. Die durch dasselbe verdeckte ursprüngliche Schrift ist überdies stark durchstrichen, sie scheint in directerer Verbindung mit dem, was auf S. 5 folgt (s. oben S. 508) gestanden zu haben. Durch Aenderung der Ueberschrift und der Schlussworte des Nachrufs an Heinrich wurde demselben eine grössere Selbständigkeit dem Register gegenüber gegeben. 1} Genimen = germen. st 10 or 1 o 15 20 25 30 3 ou 40 Beilagen. 511 sitätsbibliothek in Basel. Es ist aufgezeichnet auf zwei mit einander verbundene Pergamentblättchen. Das eine derselben ist ein Streifen von durchschnittlich 36 Centimeter Breite und 8 Centimeter Höhe, der auf der einen Seite der Länge nach mit 13 Zeilen beschrieben ist, das andere ist gegen 10 Centimeter hoch, oben nicht ganz 7, unten 9 breit, auf beiden Seiten beschrieben. Der obere Rand des letztern ist an den untern des erstern (unweit dem linken Ende des- selben) angenäht, es war dann, wie der Augenschein zeigt, über die Vorderseite des grösseren Blättehens geklappt und indem dieses ‚nun vielfach zusammengelegt wurde, in dasselbe eingeschlossen wor- den. Nachdem die beiden Blättchen in ein kleines Format zusam- mengefaltet worden, waren sie durch einige Nadelstiche in demsel- ben festgehalten worden, auf den beiden Seiten des zusammen- gefalteten Zetteis wurden die beiden Kreuze, von denen unten die Rede sein wird, angebracht. Jetzt sind die beiden Blättchen in einen dünnen Pappdeckel eingerahmt in der Weise, dass mit Aus- nahme der äussersten Ränder die ganzen Vorder- und Rückseiten frei liegen, und bilden nebst einem über ihre Herkunft Aufschluss gebenden, mit dem aufgedruckten Siegel der Stadtcanzlei versehenen »Proces verbal« und einer Abschrift des Bekenntnisses den Band A. IV. 15. Der erstere lautet folgendermaassen: Proces verbal über die in dem Waysenhaus, ehemahligen Cartheüszer-Closter ge- fundene Glaubens Bekentnisz eines Cartheüszers. Nachdeme im Jahr eintausend siebenhundert siebenzig und sechs die ohnehin baufälligen und unbrauchbahren Cellen, die sich noch in dem Waysenhaus befanden, zu Ersparung der Dachung Unterhalts-Kösten, wie auch um dem Waysenhausz mehr Luflt und Sonne und zum Anbau der nöhtigen Gemüser mehrern Raum zu verschaffen, auf Veranstaltung der Herren Inspectoren des Waysen- Hauszes sind abgebrochen worden: So hat sich in der zweyten Cellen rechter Hands wenn mann in den Garten kommt in dem Gemaüer derselben unter einem Balcken ein rundes hölzernes Büchsz- lin eingemaurt befunden, welches im herabfallen durch die darauf gefallene Mauer-Steine zerschmetteret worden, so den ein und zwan- zigsten Christmonats anno ein tausend sieben hundert sechs und siebenzig beschehen ist. In diesem Büchszlin befande sich beyliegende auf Pergament mit Mönchen-Schrifft geschriebene Sünden- und Glaubens-Bekennt- nisz eines Cartheüszers, von welcher durch die Herren Inspectoren Abschrifften und Uebersetzungen veranstaltet worden, mit einem Memoriale unterm zwey und zwanzigsten Jenners im Jahr ein tau- send sieben hundert sieben und siebenzig an Meine Gnädigen Her- ren einem Ehrsahmen und Wohlweysen Kleinen Raht gebracht, 45 und von Hochdenenselben der hiesigen öffentlichen Bibliothec das 512 Beilagen. Original zur Aufhebung zu übergeben und darüber diesen proces verbal aufzusetzen und demselben beyzulegen erkannt worden. Den 22. Januarii anno 1777, (L. S.) Canzley der Stadt Basel. Das Bekenntniss des Bruders Martin, der im Bewusstsein sei- ner Sündenlast seine Hoffnung weder in der Verdienstlichkeit seiner eigenen Werke noch in der Fürbitte der Heiligen, sondern einzig und allein in dem Leiden Christi erblickt, erregte grosses Interesse, es wurde sofort in deutscher Uebersetzung gedruckt, und aus dem Erlös dieses Druckes, der 80 Pfund betrug, wurden den Waisen- kindern Bibeln gekauft (Fechter und Schäublin: Das Waisen- haus in Basel 31). In neuerer Zeit ist es im Urtext im Neujahrsblatt für 1838, in deutscher Uebersetzung bei Buxtorf in dem Vorwort zu seiner Uebersetzung der Chronica fundationis (S. vırr Anm. 1) rt 0 herausgegeben worden. Der Verfasser des Neujahrsblattes nimmt 15 (S. 12f.) an, der Bruder habe das Bekenntniss aufgeschrieben, weil er nicht hätte wagen dürfen, es auszusprechen, und es verschlossen und eingemauert, weil er in Lebensgefahr gekommen wäre, wenn man es aufgefunden. Ich glaube, die ganze Fassung des Bekenntnisses wi- derspricht dieser Annahme. Nirgends ist die Befürchtung ausge- sprochen oder auch nur angedeutet, der Schreiber könnte einmal durch Menschenfurcht dazu getrieben werden, den Glauben, dem er hier Ausdruck giebt, zu verleugnen, er fürchtet vielmehr, er möchte selbst, sei es in der Stunde des Todeskämpfes, sei es sonst, durch die Einflüsterungen des bösen Feindes in demselben wankend ge- macht werden, Unglaube, Irrthum, Verzweiflung, Misstrauen könn- ten die feste Zuversicht erschüttern, deren er sich jetzt erfreut. Jetzt also, wo er sich von dieser Zuversicht getragen, von keinem Zweifel bewegt, von dem Bewusstsein, dass ihm Christus durch sein Leiden vollständige Vergebung der Sünden erworben, durch- : drungen und gehoben fühlt, schreibt er sein Bekenntniss nieder, erklärt seine gegenwärtige Stimmung für die allein berechtigte und geltende, verwahrt sich im voraus dagegen , dass die Zweifel, von denen er etwa angefochten werden könnte, dem Werthe seines Glaubens Eintrag thun sollten und verbirgt nun seine Schrift, in der er dieses Zeugniss niedergelegt, und von der er wünscht, dass sein Schutzengel sie in der Zeit seiner Noth und am Jüngsten Ge- richte Gott vorweise, an einem Orte, wo sie vor seiner und jeder menschlichen Berührung sicher ist. Wenn er sagt, er bekenne mit dem Herzen und mit der Schrift, auch wenn er nicht mit der Zunge bekennen könnte, so heisst das offenbar, »wenn ich auch nicht Gele- genheit haben sollte, mit der Zunge zu bekennen, ja wenn mir etwa im Augenblicke des Todes, wo ich gerne das Bekenntniss aussprechen würde, die Zunge versagte«, nicht aber »auch wenn ich, meiner Ansicht wegen zur Rechenschaft gezogen, nicht den Muth hätte, sie zu vertretene. Wir thun dem frommen Bruder und seinem 20 40 45 Beilagen. 513 Glauben wenig Ehre an, wenn wir das letztere annehmen. Eine Gefahr, wegen des Inhalts seines Bekenntnisses bestraft zu werden, lag übrigens nicht vor, da es nichts enthält, was gegen die Lehre der Kirche streitet und weniger Anstoss erregen konnte, als z. B. ; die Predigten Taulers, der doch bei seinen Lebzeiten und lange nachher das grösste Ansehn genoss (über die Bedenken, die in der . Reformationszeit in Bruder Georg gegen 'Tauler erwachten, der ihm . der Selbstthätigkeit des Menschen im Ergreifen der Gnade zu wenig __zuzuschreiben schien, s. oben die Anm. 1 zu $S. 379). Am wenig- ı0 sten war der damalige Prior der Karthaus, der fromme Heinrich von Alfeld, der Mann, der eine solche Gesinnung verdammt hätte. Sehr interessant ist es nun, dass wir wissen, wer unser Bru- der Martin gewesen ist, und welche Stellung er in der Folge im Kloster eingenommen hat. Die Vermuthung, die ich S. 315 aus- gesprochen, dass wir in ihm den Martin Ströulin!) von Basel zu erkennen haben, der lange Jahre hindurch Schaffner, dann Vicar des Klosters war und zugleich als Prediger in demselben wirkte, dem wir auch die auf uns gekommene Abschrift der Chronica fun- dationis verdanken (s. über ihn S. 305 Anm. 3, S. 314 ff., 340), 20 ist mir, seitdem ich noch einige weitere bezeugtermaassen von Ströu- lins Hand herrührende Schriftstüäcke (in dem Bande A. VIII. 18 _ der Universitätsbibliothek und dem Bande D des Karthäuser Archivs) verglichen, zur völligen Gewissheit geworden. Dass ein Mann von seiner Gesinnung zu solchem Ansehn im Kloster gelangte, ist sicher- 3 lich ein gutes Zeichen für den Geist, der in demselben herrschte, und wird diejenigen freuen, die sich bis jetzt für das Bekenntniss des Bruders Martin interessiert haben, ohne über seine Person etwas näheres zu wissen. Die Predigten Ströulins sind, wie schon S. 315 bemerkt worden ist, keine eigentlichen Originalarbeiten, sondern 30 Bearbeitungen von Predigten beliebter Schriftsteller. Ströulin tritt uns somit nicht als eine schöpferische geniale Natur entgegen und kann nicht mit einem Tauler oder einem Geiler von Kaysersberg verglichen werden, die sich übrigens in der Stille eines Karthäuser Klosters auch schwerlich zu dem ausgebildet hätten, was sie in 35 ihrer Thätigkeit als Volksprediger geworden sind, immerhin aber verleugnet er auch in diesen Bearbeitungen den Geist nicht, der uns aus dem Bekenntnisse entgegentritt. Ich dachte manchem der baslerischen Besitzer unseres Bandes einen Dienst zu thun, wenn ich ihm dieses Bekenntniss, von dem 40 er vielleicht schon oft hat reden hören, ohne es noch selbst gelesen zu haben, in deutscher Uebersetzung darböte, da die früheren Ueber- setzungen, auch die von Buxtorf, nicht ganz leicht mehr aufzu- treiben sind. 1 os 1) Die Orthographie des Namens schwankt; er selbst schreibt sich Ströwly. Basler Chroniken. 1. 33 514 Beilagen. Ego frater Martinus indignus nomine Carthusiensis con- fiteor tibi, clementissime deus pater, multitudinem, magni- tudinem et enormitatem universorum scelerum et peccatorum meorum, que umquam perpetravi a tempore regeneracionis mee ex baptismo usque ad hanc horam. Et pro illıs omnibus eX- 5 cessibus et peccatis meis multis et magnıs offero tibi pro satis- factione, amantissime deus, preciosissimum et superhabundan- tissimum thezaurum innocentissime passionis domini nostri Jhesu Christi erueifixi, tui dilectissimi fili, sciens me aliter non posse salvarı et tibi satisfacere, nisi per meritum innocentissime mor- 10 tis et passionis eiusdem. Et si hec predicta confiteri non pos- sem lingwa, confiteor tamen corde et scripto. Item in fide do- mini nostri Jhesu, quam personaliter et presenter docuit suos discipulos et ipsi deinceps nobis eandem fidem tradiderunt et pro ipsa mortui sunt, in qua ex gracia altissimi dei natus sum 15 et eruditus a cunabulis, in eadem et mori volo tamquam bonus Christianus. Quod si inimicus humani generis mihi in agonia posito vel alibi in quocumque loco voluerit immittere vel per- suadere aliquam incredulitatem, errorem vel desperacionem vel eciam diffidenciam, tunc jam sanus existens et bona racione % utens ex intimo corde contradico et non consencio, et in scriptis relinguo me numquam consentire nec ore nec corde nec racione nec voluntate eius immissionibus et persuasionibus fallacibus et mendosis, malis et perversis, in testimonium bone, firme et__ perfecte fidei, quam umquam aliquis fidelium habuit vel habere 25 posset in perfectissimo gradu. Item, si fieri potest, et si sum tante discrecionis, quacumque hora cordintime et ferventissime desidero et peto humiliter propter deum, mihi subveniri in ex- tremis sanctis sacramentis ecclesie, scilicet unctionis et eucha- ristie. Item vellem, quod omnibus diebus vite mee numquam 30 offendissem excellentissimam divinitatem tuam aliguo peccato, et vellem, si possibile esset, cottidie in signum vere contricio- nis sangwineum sudorem et sangwineas lacrimas ex oculis meis habundanter effundere pro omnibus excessibus et peccatis meis et tocius populi Christiani. In manus tuas, domine, commendo 35 spiritum meum. Optime Jhesu, omnis salus mea in tua est manu, et ideo corpus et animam meam in manus tuas Tecom- mendo, sive vivo sive morior. Non ergo poteris a me, Jhesu puSSIme, manus tue pietatis avertere, quia manus tue fecerunt me et plasmaverunt et redimerunt me. Stilo ferreo in manus 40 tuas Inscripsisti me validissime et cordi tuo caritate vulnerato ıinfixisti me. Ideoque si mater obliviscatur, ut filio uteri sui 27. Die Abschrift auf der Universitätsbibliothek und die bisherigen Abdrücke haben irr- thümlicherweise »cordacissime«. 40-41. Mit vmanus tuas« schliesst die 13. und letzte Zeile auf der Vorderseite des langen Streifen. Durch ein Kreuzchen wird auf die Vorder- chen und hier folgt nun die Fortsetzung des Textes, so, dass die Anfangsworte des Satzes, »stilo ferreo in manus tuas«, noch einmal wiederholt werden, 10 15 20 25 Beilagen. | 515 non misereatur, tu tamen, benignissime Jhesu, mei, quem la- teri, pedibus et manibus tuis tam misericorditer et indelebiliter inscripsisti, nequaquam poteris in fine oblivisci. Suscipiant me, queso hodie, manus tue pro me vulnerate, ut passionis tue remedia efficaciter senciam mihi profuisse. Clementissime Jhesu, certus sum, quod nemo alius tollat anımam meam, cum in ma- nus tuas commendavero spiritum meum, et hoc firmissime credo et sic teneo etc. Sancte angele, qui michi datus es in custodem, tibi com- mendo hanc cedulam, ut eam ostendas altissimo deo tempore necessitatis mee vel eciam in futuro judicio. Hoc signum # magni regis est Jhesu Christi domini nostri, qui nos per hoe custodiat ab omnibus insidiis inimiei nunc et in futuro. Amen. 1456. Anno primo professionis mee in ordine Carthusiensi, ipsa die Marie Magdalene 1456. Jhesus Nazarenus Rex Judeorum Confessio fidei katholice Ich Bruder Martin, unwürdig des Namens eines Karthäu- sers, bekenne dir gnädigster Gott Vater die Menge, Grösse und Uebermässigkeit aller meiner Verbrechen und Sünden, die ich je begangen habe von der Zeit meiner Wiedergeburt aus der Taufe bis auf diese Stunde. Und für alle diese meine vielen und grossen Ueberschreitungen und Sünden biete ich dir zur Genugthuung, liebevollster Gott, den kostbarsten und über- fliessendsten Schatz des unschuldigsten Leidens unseres Herrn 6. Im Texte steht: »quod nemo quod alius«. Wir glaubten um so eher das zweite, aus Versehen gesetzte, »quod« weglassen zu dürfen, als ein schwacher Strich durch dasselbe anzudeuten scheint, dass der Verfasser selbst es wieder beseitigt wünschte. 8. Hiemit schliesst die 16. und letzte Zeile der Rückseite des kleinern Blättchens. Das Folgende steht, mit der Ueberschrift »Conclusio«, auf der Vorderseite desselben unter der oben an- geführten verweisenden Bemerkung: »Stilo — cedulam«. 16. Die zwei Kreuze sind auf der Rückseite des grösseren Blättchens in der Ecke rechts so angebracht, dass ihre Spitzen nach unten, nach dem kleinen Blättehen zu gekehrt sind. Sie wurden ohne Zwei- fel erst nachdem die Blättchen zusammengelegt waren, auf diese Stelle, die jetzt die beiden Aussenseiten des zusammengefalteten Zettels bildete, gezeichnet. 33 * | 516 Beilagen. Jesu Christi des Gekreuzigten, deines geliebtesten Sohnes, in- dem ich weiss, dass ich nicht anders gerettet werden und dir genugthun kann, als durch das Verdienst seines unschuldigsten Todes und Leidens. Und wenn ich dies eben Gesagte mit der Zunge nicht bekennen könnte, so bekenne ich es doch mit dem Herzen und mit der Schrift. Desgleichen will ich in dem Glauben unseres Herrn Jesu, den er persönlich und gegenwär- tig seine Jünger gelehrt hat, den sie uns hinwiederum über- liefert haben und für den sie gestorben sind, in welchem ich nach der Gnade des höchsten Gottes geboren bin und auf- erzogen von der Wiege an, in ihm will ich auch sterben als ein guter Christ. Wenn der Feind des menschlichen Geschlech- tes mir im Todeskampfe oder sonst an welchem Orte es auch sei, irgend welchen Unglauben, Irrthum oder Verzweiflung oder auch Misstrauen einflössen oder einreden wollte, so thue ich jetzt, da ich gesund bin und meine gute Vernunft habe, aus innerstem Herzen Einsprache und stimme nicht bei, und hinterlasse es schriftlich, dass ich niemals weder mit dem Munde noch mit dem Herzen noch mit der Vernunft noch mit dem Willen seinen trügerischen und irrigen, schlechten und : verkehrten Eingebungen und Zureden beistimme, zum Zeug- niss eines guten, festen und vollkommenen Glaubens, wie ihn je einer der Gläubigen gehabt hat oder haben könnte im voll- kommensten Grade. Desgleichen, wenn es geschehen kann und ich dazu auserkoren werde!), bitte ich zu jeder Stunde aus innerstem Herzen und. aufs brünstigste, dass mir an meinem Ende beigestanden werde mit den heiligen Sacramenten der Kirche, nämlich der Oelung und dem Abendmahle. Desglei- chen wollte ich, dass ich an allen Tagen meines Lebens nie- mals deine erhabenste Gottheit mit irgend einer Sünde belei- digt hätte, und ich wollte, wenn es möglich wäre, täglich zum Zeichen wahrer Zerknirschung blutigen Schweiss und blutige Thränen aus meinen Augen in reichlichem Maasse strömen lassen für alle meine und des ganzen Christenvolkes Ueber- tretungen und Sünden. In deine Hände, Herr, befehle ich meinen Geist. Bester Jesu, all mein Heil ist in deiner Hand, und deshalb befehle ich meinen Leib und meine Seele in deine Hände, ich lebe oder sterbe. Du kannst darum nicht, frömm- ster Jesu, deine frommen Hände von mir abziehn, denn deine Hände haben mich gemacht und mich gebildet und mich er- kauft. Mit eisernem Griffel hast du mich aufs kräftigste in deine Hände eingeschrieben und mich in dein verwundetes Herz befestigt. Drum wenn eine Mutter vergässe, dass sie des Kindes ihres Leibs sich nicht erbarmte, wirst du, gnädigster 1) Ich kann das eigenthümliche »si sum tante discrecionis« nicht an- ders verstehen. _ 0 > 5 (IS 0 ur 15 20 Beilagen. 517 Jesu, meiner, den du in deine Seite, in deine Füsse und Hände so barmherzig und unvertilglich eingeschrieben hast, an mei- nem Ende nicht vergessen. Es mögen mich, so bitte ich heute, deine für mich verwundeten Hände aufnehmen, dass ich fühle, wie die Heilmittel deines Leidens mir wirksam genützt haben. Gnädigster Jesu, ich bin gewiss, dass kein anderer meine Seele wegnehmen wird, wenn ich in deine Hände meinen Geist be- fohlen habe, und das glaube ich aufs Festeste und daran halte ich u. s. w. Heiliger Engel, der du mir zum Wächter gegeben bist, dir vertraue ich dieses Blättchen an, dass du es dem höchsten Gotte zeigest in der Zeit meiner Noth oder auch beim künf- tigen Gericht. Dieses Zeichen + ist das Zeichen des grossen Königs Jesus Christus, unseres Herrn, der uns durch dasselbe bewahrt vor allen Nachstellungen des Feindes, jetzt und in der Zukunft. Amen. 1456. Im ersten Jahre meines Gelübdes im Karthäuser Orden, am Tage Mariae Magdalenae 1456. Jesus von Nazareth der Juden König Bekenntniss des katholischen Glaubens 518 Beilagen. vn. Letzter Wille des Bruders Georg Carpentarli von Brugg und Verzeichniss der von ihm dem Kloster bestimmten Bücher. (Siehe S. 310.) Die beiden Stücke, die wir hier geben, befinden sich auf zwei Papierblättern, einem kleinern und einem grössern, als Nr. 7 und 8 in dem Bande G?I, 34 der Basler Universitätsbibliothek, In dem sorgfältig nach dem Format geordneten Verzeichniss der Bücher giebt sich schon die Anlage Georgs zu dem Beruf des Bibliothe- kars, dem er späterhin obzuliegen bestimmt war (S. 361 ff.), kund. Die Preisansätze der Bücher, die wir in eckigen Klammern beige- fügt haben, rühren ebenso wie die Aufschriften auf den Rückseiten der Blätter und die Bemerkung über die Vollstreckung des Testa- mentes von der Hand des Priors Hieronymus Zscheckenbürlin her. —— a. Ego frater Georgius Carpentarii de Brugk praesenti meo recognosco chyrographo, pure propter deum proque ampliori sa- lute animae meae, tanquam extremae voluntatis meae testamen- tum deliberatione sufficienti praehabita me esse testatum et legasse domui vallis sacratae virginis et martyris Margarethe Basileae minoris Cartusiensis ordinis omnia (licet exigua fue- ıint) bona mea, si qua proprio hactenus jure possedi in vesti- mentis, libris, pecuniis ceterisve, modicis tamen ex hiis qui- busdam alienis (dum facultas erat) datis infra subscriptis. Igitur nec quisquam heredum aliorum sive successorum meorum huic meo scripto testato contradicens quaecunque sibi ex hiisce prae- sumat usurpare. Datum 5. idus junii anno Christi 1510. Quae alienis testamento legaverim. Den blawen rock, ein swartze kapp mit bruner syden ge-: fütertt, ein swartz byrett, item von büchlinen conpendium theo- logie scriptum, speculum vitae humanae sol man geben domino Georgio Molitoris de Clingnow, cappellano in’Rinfelden. Item margaritam poeticam magistro Joanni Currifieis, und ein brun byrett, dasz schlechter. Item ein swartze kapp mit grüner syden underzogen der brüderschafft sant Annen in mindern Basel. ja 0 25 35 Beilagen. k 519 [Darunter von der Hand des Priors Hieronymus Zschecken- bürlin: Expedita sunt legata extraneys anno 1510. Auf der Rückseite von der Hand ebendesselben: Testa- mentum ac ultima voluntas confratris nostri Georgi, qui fecit 5 a dominica post octavas corporis Christi, que fuit 9. juni 1510.] b. Annotatio librorum a confratre nostro Georgio Carpentariü de Brugk domui vallis beatae Margarethae martyris Basileae mi- 10 norıs Cartusiensis ordinis donatorum. Libri in forma arcualı. Quatuor partes Bonaventurae in libros sententiarum, in duobus voluminibus contentae. [2 gl.] Augustinus super Joannem et Holkot super librum sapien- ı5 tiae, in uno volumine. [1 gl.] Opera Gersonis in tribus voluminibus contenta. Quatuor enim eorumdem sunt partes, quarum bine priores in uno vo- lumine, aliae vero duae singillatim singulis voluminibus sunt coactae. [3 &%] 20 Translatio Argyropili in operibus Arestotelis, uno codice. [1 gl.] Questiones methaphysicales Dominici de Flandria, uno codice. [1 gl.] | Textus bibliae cum concordantiis, noviter Parrhisiis im- 25 pressus, uno volumine. [1 Vocabularius Calepinus. [1 gl.! Vocabularius breviloquus. [16 s.] Expositio psalteriana et rosetum exercitiorum spiritualium, in uno codice colligata. [1 &£.] 30 Concordantiae maiores et minores totius bibliae. [15 s.] Libri formae mediocris vel semiarcualıs. Pisanella sive supplementum. [1 @%] Opera beati Ambrosii, tribus voluminibus congesta vel seor- sum colligata. [2 gl.] 35 Lombardica hystoria. [1/ gl.) Viola animae. Lavachrum conscientiae. Opus Guntheri de oratione, jejunio et elemosyna. [1/2 gl.] Sermones Oliverii. Manuale curatorum etc. [1 gl.] Gemma praedicantium. Expositio Pascasii super threnos 40 Hieremiae. [1 dicken p.] | Liber de charitate. [1 dicken p.| Regimen sanitatis. [1 dicken.| Margarita philosophica. [1/, gl.] Parvulus physicae vel a naturalis. [1 dicken p.] 520 ” Beilagen. Boetius de consolatione philosophiae. [1 dicken p.] Navis stultifera Jodoci Badii etc. [1 gl.] Nicolaus de Orbellis. [1 dicken p.] Grammatica Mancinelli. [1 dicken p.]| Boetius de disciplina scholarum. Auctoritates Arestotelis. 5 Vocabularius rerum. [1 dicken p.] Libelli formae regularıs vel parviusculae. Rhetorica divina. Hortulus rosarum. Hugo de Sancto Victore de modo orandi et tribus dietis. [5 s.] Ysıdorus de summo bono et libellus de imitatione Christi. 10 > S. | | Anthidotarius animae etc. [1 dicken p.] Horologium devotionis etc. [4 s.] Paradysus anımae. [5 s.] Libri non hgatı. 15 Rosarium aureum theologiae, cuius sunt quatuor partes. - [4 dick p.] Rhabanus de laudibus sanctae crucis. [1 dicken p.] Introductorium ethicae vel parvulus moralis philosophiae. [5 s.] 20 Nestor Novariensis. [6 s.] Alanus de maximis theologiae. [2 s.] Sedulius in carmine paschali. [1 s.] Juvencus presbiter in carmine evangelico. [2 s.] Sermones sancti Effrem dyaconi. [5 s.] 25 Aurea novae grammatices vena. [4 s.] | Opuscula Bonaventurae. [10 s.] [Summa 29 &. 16s. 8.d., facit by 24 gl., in 48 volumi- nibus.] [Auf der Rückseite von der Hand des Priors Hieronymus: 30 Libros quos apportavit frater Georius.] VIH. Brief des Bruders Georg Carpentarii an Boni- facius Amerbach. (Siehe $. 312. 381.) 35 Das Original befindet sich im Basler Antistitium in dem Bande Klirchen] A[rchiv] C. I. 3, der auf dem Rücken den Titel »Antiquita- tes ecclesiae Basiliensis manuscript.« trägt, als Nr. 24, 10 15 20 25 30 39 40 45 Beilagen. 521 Salutem plurimam cum humili recommendatione. Pruden- tissime vir, veritus ego cum principe latinitatis, doctissimo Erasmo, per litteras loqui, quippe qui rusticitatis et inelegan- tiae, ne dicam imprudentiae conscius viro circumspectissimo viderer illudere, cogor ob instans periculum te ceu patronum humiliorem, non tamen ob id velut indoctum, convenire. Et ut paucis quid velim, intelligas, ad te mitto detectionem praesti- giarum etc., per me diebus proximis Germanice versam, qua- tenus auspicio tuo diligentique trutinatione, si visum fuerit, in publicum excudatur propere. Nam quid moverit, qur absque arbitris lucubratiunculam hanc non ausim quantocius emittere, praesentibus tibi litteris patefacere consilii fuit. Imprimis ob temporum instantium procellam sevissimam, quando nihil non ad calumniae perniciem vertitur, deinde quia videri possem in- fidelis in vertendo, quod adjectis vel mutatis nonnullis aut ali- ter citatis quam in originali habeantur, de meo velut ex indu- stria positum fuisset. Quod profecto minime credendum est, nisi quod propter nonnulla minus accurate per dominum Eras- mum citata libello adversarii non usquequaque respondere vi- debantur. Idcirco diligentissime collatis hincinde sententiis et verborum ponderibus studui, quantum potui, ne ullum calum- niandi locum relinguerem, sermonemque temperavi et plurima praesertim, quae memoratus idem doctor jusserat, praeterivi, ne vel illi negocium facesserem vel mihi aut domui nostrae damnum ex occasione ferrem. Audivi sane hodie a magistro Basilio germano tuo, quod nedum ÖOecolampadianos, verum etiam Lutheranos male habeat libellus iste Latinus, quanto ma- gis, si Germanice fuerit evulgatus? Quin et illud diligentius expendi, ut ea, quae hic passım vel ex enchiridio vel ex para- phrasibus Paulinis citantur, apte suis prototypis Grermanicis responderent, quos et mecum habeo contulique, immo et phra- sin ipsam Grermanicam diligentius observavi, quo minus ca- lumniarum insidiis pateret uterque.. Tu proinde, sagacissime vir, prospice rogo primum, quid facto sit opus et fac, uti vel per te ipsum vel Henricum Glareanum aut Beatum Rhenanum exemplar hoc prius perlegatur ac dijudicetur, antegquam excu- datur. Dicasque velim domino Erasmo, quae hic tibi scripse- rim, insuper quod paratus sim et hysperaspisten!) nuper a me laboriose versum, quando Frobenio visum fuerit, evulgare. Sed et linguam et paraphrases evangelicas aggredi cuperem, si Graeca quispiam mihi vertere curaret, quae in lingua passim occurrunt. Non. tamen id ipsum laboris deinceps ausim arri- pere, nisi prius a patre priore nostro (quae per te vel domi- num Erasmum facile poterit impetrari) largiori data venia. Alioqui non juxta morem ingredi satis onerosum foret nonnul- 1) Soll heissen: hyperaspisten. Vgl. 8. 393 Anm. 1 522 Beilagen. lis confratribus, qui velut infirmiores laborem meum profecto non exilem indulgentiam temere judicarent, si nullo patrono tutus fuerit. Vale, dulcis amice et equanimiter nugis meis ignosce, causaeque praesenti curam mox adhibe. Ex larario Carthusiano. 4. nonas junii anno domini 1526. Frater Georgius. [Adresse] Magnifico prudentique Bonifacio Amorbachio legum doctori studiique Basileensis rectori moderantissimo. IX. Vertrag des Convents mit dem Rathe vom r 16..J1111 1032; (Siehe $. 430.) Von den beiden Ausfertigungen (auf Pergament mit zwei hän- genden Siegeln) befindet sich die eine (K.) auf dem Karthäuser Archiv als Nr. 494, die andere (S$t.) auf dem Staatsarchiv Z III (Verträge mit den Klöstern) A. Obgleich von derselben Hand ge- schrieben zeigen sie manche kleine Abweichungen. Wir haben die erstere dem Abdruck zu Grunde gelegt und die Abweichungen, soweit sie bloss orthographischer Art sind, nicht berücksichtigt, mit Ausnahme einer einzigen gleich zu Anfang, die einen Eigennamen betrifft. Wir Jacob Meyger burgermeister und der rhatt der statt Basell, als rechte castvögt und schirmherren des Carthuser clo- sters in unser myndern statt Basell gelegen, an einem und wir Jheronimus Zscheckhenpurlin prior und der gemein convent erstgenanter Charthüsern am andern theil thunt khunt, beken- nent und verjechent vor allermenglichem mit dysem brief, demnach sich hingefloszner zeit, als wir burgermeister und rhat der statt Basell etwas enderung christenlicher religion halben 25 furgenomen, zwüschen uns beiden parthien allerley spenn und ;0 miszverstant zugetragen, in massen das ich Jheronimus Zscheck- henpürlin prior mich selbiger zeit von hynnen gen Fıyburg in das Priszgouw gethon, bitzhar daselbst enthalten, aber von son- derer lieby wegen, die ich zu einer loblichen statt Basell, my- 22. Meyer St. 26. Carthusen St. Va ee EN BE TEEN E Beilagen. 523. nem vatterlandt, darzu angeregtem Carthuser closter und ge- meinen convent trage, mich widerum alher verfugt, das wir uns solicher spennen und aller miszverstendt, so zwüschen uns geschwebt, gütlich und fruntlich geeiniget und betragen habent in volgender wysz, Das fur das erst wir burgermeister und rhat der statt Basell den obgenanten herren Jheronimum Zscheckhenpürlin 10 20 25 30 35 40 45 priorn widerum in die administration obvermelten closters zitt- lichen hab und gütern komen lassen sollen und wöllen, als wir ouch sein erwürde in und mit craft ditz briefs ynsetzen mit rechter gewaltgebung, das erstgenanter her prior alle und yede obgenanter Carthusen gütere, zins, rent, gulten und ze- henden verwalten, die durch sich selbs oder alere innemen, uszgeben, mit seinem convent niessen, das closter darvon in guten puwen, eeren und was nottwendig, wie von altem sin pruch und gewonheit gewesen ist, erhalten, doch von solichen nutzungen gefarlich dheine verendern, sonder unsern pflegern, so wir yeder zeit dahin verordnen, an unser statt jerlich erbare rechnung thun, und das alle und yede brief und gewarsami uber vermelten closters gütere, zinsz, gulten, zehenden und andere nutzungen und gerechtigkeiten wysende uns den cast- vögten, ouch herren priorn und convent obstat zu gemeinen getrüwen handen ingeschlossen und mitsampt den cleinottern erbarlich bewart werden, also das wir prior und convent einen schlüssel zu den brieven, und die verordneten pflegere in na- men unser der rhäten den andern zusampt dem schlüszel zu den cleinottern haben und besorgen, ouch das vilgenante her prior und convent inhalt der erkantnusz, so wir burgermeister und rhat der statt Basell im verschinnen funfzehenhundert funf und zwenzigisten jare uszgon lassen, niemanden me one un- sern willen in bedacht closter und iren convent uff- noch an- nemen, darzu der messen, singens und ander der kilchen ceri- monien, die sich mit unser angenomner christenlichen religion nit verglichen, stillstan, sich deren fürohin nit gepruchen, doch iresz habits im closter, den anzetragen oder von inen ze legen, fry sein und deszhalben von menglichem ungerechtvertiget pli- ben, wann sy aber fur das closter harus in die statt gan wur- den, das sy alsdann ein gemeine erbare cleidung antragen, iren habit in dem closter lassen sollent. Dargegen habent wir ob- genante prior und convent über die vierhundert gulden, so wir den vilgenanten unsern gnedigen herren burgermeister und rhat der statt Basell kurz hievor an iren erlittenen reiszcosten ze steur abgerichtet, furohin zu erhaltung der universitet jerlich vierzig pfunt, glich zu den vier fronvasten getheilt, thüt yede fronvasten zehen pfunt stebler, und zu uffenthalt der armen in das gemein almüsen jerlich uff sant Martins tag sechszehen viernzal korns ze geben verwilligt und zugesagt. Doch was 534 Beilagen. almusens uff uns uszzutheilen wither gestiftet, die sollent und mögent wir benanten prior und convent one intrag selber uszpenden und theilen in massen wir das gegen gott und den stiftern getruwen zu verantworten. In soliche weisz sollent wir zu beiden syten geeint und verricht sein dysem betrag sampt allen dem hieran geschriben stat, truwlich nachzekhomen. Darzu wir burgermeister und rhät der statt Basell die vilge- nanten prior und convent als unsere schutz- und schirmsver- wanten alle zeit in gnediger befelch haben, sy wither nit be- schweren, es were dann, das wir zu zeiten ein gemeine steur oder anleg uff alle unser schirmsverwandten gottshuser legen, deren sollent wir prior und convent uns nit wideren, sonder in solichem, ouch sunst, einen ersamen rhat der statt Basell als unsere castvögt und schirmherren mit allen treuwen frunt- lich gemeinen. Zuw urkhunt und stethaltung aller hieran geschribner dingen sind dyser brieven zwen an worten glich lutent verfertiget, yeder parthie einer, mit unserm burger- meisters und der rhäten der statt Basell anhangendem secret und unsern des priors und convent hieran gehenkhten insig- len bewart. Geben uff zinstag den sechszehenden tag heuw- : monats als man zallt von der gepurt Christi Jhesu unsers er- lösers thusent funfhundert zwei und drissig jare. ie Die letzten Schicksale der Karthaus. Mit dem Vertrage vom 16: Juli 1532 gieng die Verwaltung der Karthaus wieder in die Hände des Convents über. Der Prior kehrte ins Kloster zurück, der Vicar Nicolaus Molitoris übernahm nun wieder das Amt des Schaffners!), er besorgte auch die Biblio- thekarsgeschäfte und setzte die Eintragungen ins Calendarium fort (vgl. S. 363). Im letztern verzeichnete er ausser den Todestagen der Klosterbrüder die der Prioren der grossen Karthaus, einer An- zahl von Mönchen aus den benachbarten mit der Basler Karthaus verbrüderten Karthausen und einiger Wohlthäter. Am 7. Januar 1536 starb der Prior Hieronymus, ein neuer Prior wurde nicht er- ort nannt, in den Kaufverträgen ist jetzt statt von »prior und convent« 35 5. dysen K. 6. nachkhomen St. 1) Zahlreiche Belege hiefür im Karthäuser Archiv. _ = 5 Beilagen. 925 von »vicary und convent« die Rede. Es ist am natürlichsten anzu- nehmen, dass Nicolaus Molitoris, als er im Jahr 1532 das Amt des Schaffners wieder übernahm, weil er die tüchtigste Persönlich- keit dazu war, die Stelle des Vicars gleichwol beibehielt, und dass er nach dem Tode Zscheckenbürlins als solcher dem Kloster vor- stand. Die Schaffnerstelle war bei den veränderten Verhältnissen ‘die wichtigste im Kloster geworden, die Obliegenheiten des Vicars, 10 2 De [I [21 3 = 3 St 4U die in dem zusammengeschmolzenen Convent und bei den Schran- ken, welche dem Gottesdienste durch den Vertrag von 1532 gezo- gen worden waren, eine, weit geringere Bedeutung hatten als früher, konnten mit ihr ganz bequem vereinigt werden. Indessen ist ein Umstand, der uns gegen diese Annahme etwas bedenklich machen kann. Zum 13. December ist im Calendarium von der Hand des Nicolaus Molitoris verzeichnet: » Johannes Spilman de Lindow mo- 5 nachus et vicarius huius domus«. Johannes Spilman von Lindau, der im Jahre 1488 sein Klostergelübde abgelegt hatte (s. dasselbe Kart'h. Arch. Nr. 554, seinen letzten Willen ebendas. unter den unsignierten Papieren), begegnet uns unter diesem Namen nicht in der Zahl der Klosterbrüder, die den Brief an Hans Irmy unter- zeichnet, dagegen finden wir dort (S. 453, 28) einen »Johannes Loy von Lindow«, der hinwiederum unter diesem Namen nicht im Ca- lendarium erscheint. Die Vermuthung, dass beide Namen ein und dieselbe Person bezeichnen, wird aufs unzweifelhafteste bestätigt einmal durch die Vergleichung der Handschrift des Gelübdes und des letzten Willens mit der Unterschrift unter dem Briefe, sodann durch das Calendarium, das zum 4. Januar die Jahrzeit eines Elo- gius (wofür Loy der deutsche Name ist) S»ilman von Lindau und der Seinigen verzeichnet. Es ist dies wohl der Vater unseres Johan- nes, und es erklärt sich nun, warum dieser sich bald Johannes Spilman, bald Johannes Loy nennt. Bisweilen, so z. B. in dem Briefe Zscheckenbürlins an den Convent vom 7. April 1529 (s. oben S. 456 Anm. 1) heisst er auch schlechtweg Johann von Lindau). Um seine Bezeichnung als Vicar zu erklären, muss man entweder annehmen, dass er in früherer Zeit einmal vorübergehend auf kür- zere Zeit das Amt bekleidet habe (über Martin Ströulin, Ambro- sius Alantsee, Urban Moser, Philipp Stouffer und Nicolaus Moli- toris, die in den letzten Jahrzehnten das Vicariat inne gehabt, siehe S. 315. 339 Anm. 1. 340 Anm. 1. 313. 432) oder, was mir das Richtigere scheint, man muss aus ihr schliessen, dass er dasselbe in den letzten Jahren seines Lebens versehen. Es liesse sich den- 1) So nennt ihn auch Louber auf der Rückseite des letzten Willens. In dem Verzeichniss der Einnahmen und Ausgaben des Bartholome Knobloch als Schaffners der Karthaus im Jahre 1529 (Rechnungen der Karthaus Ba. ]) heisst er der Lindauer. Z B. »item dem Lindower und Schupen umm 2 schribmesser 2 s. — item umm 2 ougspiegel dem Lin- dower 3 s«. Wir sehen hieraus, dass er sich in seinem Alter einer Brille bedient hat. 526 Beilagen. ken, dass man im Jahre 1532 doch gerne die sämmtlichen Aemter im Kloster wieder besetzt hätte, und dass nun Molitoris sich dazu verstand, indem er das wichtige Schaffneramt übernahm, die dem Range nach höhere, jetzt aber weniger bedeutende Stelle des Vicars dem Johann von Lindau zu überlassen !), der einer der ältesten Mönche war, übrigens noch im Jahr 1529 genug Eifer und Wil- lenskraft gehabt hatte, um eine Versetzung aus dem Kloster, in welchem er über 41 Jahre zugebracht hatte, zu wünschen?2). Ob Johann den Prior Hieronymus überlebt hat und dann, falls die aus- gesprochene Vermuthung richtig sein sollte, dem Namen nach Vor- steher des Klosters geworden, lässt sich nicht sagen. — Es liesse sich auch noch etwas anderes annehmen, dass nämlich Nicolaus Molitoris nach Zscheckenbürlins Tode als Vorsteher des Klosters officiell zwar den Titel eines Priors nicht habe brauchen dürfen und sich auch ferner mit demjenigen eines Schaffners begnügt, dass aber, gleichwie der Orden fortfuhr, den Vorsteher des Klosters als Prior zu betrachten, er sich ebenfalls als solchen ansah und sich nun einen Vicar zur Seite stellte®). Ich muss aufrichtig gestehen, dass mich keine dieser Vermuthungen ganz befriedigt, und dass es mir nicht möglich ist, für die Stellung des Johann von Lindau eine sichere Erklärung zu finden. Sei dem aber, wie ihm wolle, der factische Vorsteher war nach Zscheckenbürlins Tode Nicolaus Mo- litoris, der wohl schon in den letzten Jahren des. gealterten Priors ?) die Hauptperson im Kloster gewesen war; dass er wenigstens gegen Ende seines Lebens auch rechtlich das Vorsteheramt inne hatte, geht aus dem sofort zu erwähnenden Briefe des Priors Gobelin hervor. 1) Nicolaus nennt sich in den vorhandenen Schriftstücken immer nur Schaffner. Als Vicar und Schaffner wird er in zwei Quittungen der Uni- versitätsrectoren Nicolaus Briefer und Albanus zum Thor aus den Jahren 1540 und 1543 bezeichnet. Dazwischen aber, im J. 1542, nennt ihn der- selbe Briefer einfach Schaffner. Für die Frage über die Stellung des Johann von Lindau haben diese Fälle keine Bedeutung, da er damals wohl schon gestorben war. 2) 8. 456 Anm. 1. 3) Hiefür könnte die Art angeführt werden, wie eine Urkunde von 1539 (Karth. Arch. Nr. 507) sich ausdrückt. Dort wird ein Zins verkauft »den —- — herrn vatter schaffner, vicarien und convent des gotzhuses sant Margrethen thal« u. s. w., der Schaffner. wird also dem Vicar vorangestellt. Es ist aber die Frage, ob hiemit etwas an- deres gesagt werden soll, als wenn es in einer Urkunde von 1537 (Karth. Arch. Nr. 504) heisst: »dem — — herrn Niclausen schaffnern der Carthusz und in namen der — — herrn vatter vicary und convent des gotzhuses« u. 8. w., ähnlich wie in einer Urkunde von 1459 (Nr. 219) steht, es sei vor Gericht gestanden »Martin Sonntag wissenthaftiger schaffner der wirdigen und geistlichen brudern priors und convents des closters sant Margarethen tal — — Carthuser ordens und in namen desselben closters«e. 4) Der Brief Z/scheckenbürlins an den Convent vom 7. April 1529, sowie die Rechnung, die er im Jahre 1534 den Pflegern abgelegt, und die sich im ersten Bande der Rechnungen der Karthaus findet, zeigen eine zitternde Hand. Die Briefe an den Rath, von denen oben die Rede gewesen, hat er, wie bereits bemerkt, durch fremde Hand niederschreiben lassen, a m 5 20 Beilagen. 527 Nicolaus hat nach und nach die Mehrzahl seiner Conventbrü- der zu Grabe tragen sehn und ihre Todestage im Calendarium an- ‚gemerkt!). Nach dem Briefe des Priors Gobelin waren nach seinem Tode noch zwei Brüder, Thomas und Nicolaus, vorhanden. Wenn an einer Stelle des Briefes das zwen ausgestrichen und vier dafür gesetzt ist, so ist dies wohl so zu erklären, dass noch zwei Mönche ‘ und zwei Laienbrüder vorhanden waren, und damit stimmen auch 10 Ee’3 20 25 =) 3 35 40 die Aufzeichnungen im Calendarium. Nicolaus hat in demselben die sämmtlichen Mönche, deren Namen unter dem Brief an Hans Irmy stehen, eingetragen (Calendarium Apr. 25, Apr. 30, Oct. 29, Dec. 13) mit Ausnahme des Thomas Kresszi und des Nicolaus Frölich ?), eben der beiden, die ihn nach dem Briefe Gobelins überlebt haben, und des Heinrich Ecklin. Wir haben schon oben die Vermuthung ausgesprochen, dass Heinrich Ecklin der Küster gewesen, der nach den Aufzeichnungen erst einen vergeb- lichen Entweichungsversuch machte, später aber wirklich nach Frei- burg entkam°®). Er wird bei der Rückkehr Zscheckenbürlins nach Basel in Freiburg zurückgeblieben sein, woraus sich erklärt, dass er weder unter den von Molitoris ins Calendarium eingetragenen, noch unter den ihn überlebenden Mönchen erscheint. Laienbrüder stehen drei unter dem Briefe an Hans Irmy unterzeichnet, bruoder Cristen, bruder Hans Werli und bruder Hans Roth. Dem erst- genannten begegnen wir im Calendarium Sept. 11, wo Molitoris aufgezeichnet hat: frater Cristianus sartor conversus et senior do- mus nostre professus. Den Hans Werlin führt Zscheckenbürlin im Liber benefactorum 71 auf als Johannes Wernherus Wolleb de Louffenberg conversus et pistor nostre domus (im Register nennt er ihn Hans Werlin mit Verweisung auf Blatt 71, so dass über die Identität kein Zweifel bestehn kann). Molitoris verzeichnet im Ca- lendarium Febr. 25 einen frater Johannes Bernardi conversus huius domus, was niemand anders sein kann als wiederum dieser Hans Werli, dessen Name in ungeschickter Weise latinisiert ist. Es bleibt somit von den drei Laienbrüdern des Briefes an Hans Irmy der einzige Hans Roth übrig, während der Brief Gobelins deren zwei als noch lebend voraussetzt. Nun finden wir aber Ca- lendarium Jan. 1 von der Hand des Thomas Kresszi einen frater Jacobus de Abbacella conversus professus huius domus verzeichnet, in welchem wir den zweiten der den Molitoris überlebenden Laien- brüder erkennen. Er ist ohne Zweifel der Jacob Knusshartt von Appen- zell, der im J. 1506 unter Zscheckenbürlin sein Gelübde als Laien- 1) Es waren zum Theil schon sehr alte Herren. Der Prior und Johan- nes Dryel (nach Lib. benef. 39 war er der Sohn eines Junker Otto von Dryel aus Geldern, vgl. über ihn auch Bl. 20) hatten im J. 1487 ihr Ordens- gelübde abgelegt (s. in Betreff des letztern Karth. Arch. Nr. 554), Johan- nes Spilman, wie wir oben gesehn, im J. 1488. 2) Nicolaus Frölich von Ensisheim- hatte in demselben Jahre wie Molitoris, 1496, sein Gelübde ab- gelegt. 3) Siehe S. 470 Anm. 1, 528 Beilagen. bruder abgelegt!),. Aus dem Ausgabenverzeichniss des Bartholome Knobloch vom Jahre 1529 sehen wir, dass Bruder Jacob öfter in Geschäften des Klosters in die benachbarten Ortschaften geschickt wurde. Eine solche Abwesenheit wird wohl der Grund sein, warum sein Name nicht unter dem Brief an Hans Irmy steht. Nach dem Tode des Nicolaus Molitoris wandte sich, wie be- reits ($S. 432) bemerkt, »bruder Gobelinus prior der Cartausen bey Meintz, visitator unnd bevelchhaber der closter bey dem Rinstrumb« am 18. October 1545 in einem Briefe an Bürgermeister und Rath von Basel, setzte auseinander, wie jetzt Herr Niclaus Prior und Verweser der Karthaus in Basel gestorben sei, von den vorhandenen Brüdern aber keiner zur Regierung des Gotteshauses sich eigne, er habe daher die Absicht einen neuen Prior zu wählen und hin- zusenden, habe es aber nicht thun wollen, ohne sie darum zu be- grüssen, in der Zuversicht, sie würden damit einverstanden sein. Denn es sei zu bedenken, dass wenn die Sache länger anstehn bleibe, alle Gefälle, welche ausserhalb der Stadt und deren Gebiet fallen, nicht mehr gereicht, sondern durch die betreffenden Obrig- keiten eingezogen oder behalten werden möchten, was nicht allein dem Gotteshaus und dem Orden, sondern auch gemeiner Stadt Basel zu Nachtheil reichen und kommen möchte?). — Der Rath antwor- tete am 12. November; er drückte sein Befremden über den Brief aus, erklärte, er werde auch in Zukunft sein Verhalten nach dem Vertrage richten, den er mit dem Kloster abgeschlossen, und bat, der Visitator möge künftighin ihn und seine Schirmsverwandten, die Karthäuser, mit seinen Schriften unbemüht lassen). Nach dem späteren Briefe Gobelins (s. unten) zu schliessen, hat dieser nun sei- nen »Mitgesellen«, den Prior Christoph von Trier bewogen, sich an den Rath zu wenden, worauf aber keine Antwort erfolgte®). Im Mai 1546 beschäftigte sich das Generalcapitel, das in der grossen Karthaus abgehalten wurde, mit der Angelegenheit und beauftragte die beiden Visitatoren, in der Sache vorzugehn. Zugleich schrieb der Prior der grossen Karthaus, Johannes, den 27. Mai an Boni- facius Amerbach, er möge durch das Ansehn, dessen er beim Rathe zu Basel geniesse, denselben bewegen zu gestatten, dass entweder durch ihn den Prior oder durch die Visitatoren der Provinz des Rheines jemand zum Prior oder Rector oder Schaffner über das Vermögen des Ordens in dessen Hause zu Basel (in priorem aut rectorem aut procuratorem de statu dicti ordinis nostri in domo nostra Basileensi) eingesetzt werde, wie ihm dies der Prior Chri- stoph von Trier ausführlicher werde auseinandersetzen können’). Was nun auch versucht worden sein mag, der Rath liess sich auf 1) Karth. Arch. Nr. 554. 2) Karth. Arch. Band O Nr. 22. 3) Missivenbuch. Copie daraus Karth. Arch. Bd.O Nr. 23. 4) Einen Brief Christophs habe ich nicht finden können. 5) Der Brief befindet sich in dem Sammelbande des Basler Antistitiums: Antiquitates eccles. manuser. Klirchen] A[rchiv] ©. I, 3 Nr. 51. 40 R) » Beilagen. 329 nichts ein, weshalb Gobelin, als er im folgenden Jahre zum Gene- ralcapitel reiste, den 18. April 1547 von Freiburg aus einen zwei- ten Brief an denselben schrieb. Da der Vertrag, dessen der Rath in seiner Antwort gedacht, ihm unbekannt, auch nicht mit Verwil- ligung und Bestätigung eines Visitators der Provinz oder mit Vor- wissen des gemeinen Capitels aufgerichtet worden sei, habe er - Amts halben nicht unterlassen können noch einmal durch den Prior 10 15 20 3 3 > or von Trier bei ihnen anhalten zu lassen, habe aber keine Antwort erhalten, vielleicht weil »gedachter prior von Trier derselbigen nitt hatt khinden erwartten«, dann sei ihnen beiden von dem letzten Capitel ein Mandat zugeschickt und ernstlich befohlen worden, einen Prior und Vorsteher der Karthaus zu Basel zu verordnen. Diesem Befehl hätten sie wegen der geschwinden fährlichen Zeiten und Kriegsläufe nicht nachkommen können; um nun dem Capitel guten satten Bericht geben zu können, bittet er den Rath, zu antworten, ob er einen verordneten Prior zulassen würde, und ihm zugleich eine Copie des erwähnten Vertrags zu übersenden !). Dieses Schrei- ben scheint der Rath nicht beantwortet zu haben, er wurde auch trotz dem für die Katholischen glücklichen Ausgange des schmalkal- dischen Krieges mit ferneren Zumuthungen einstweilen verschont, der Orden aber wählte, wie wir aus dem später zu erwähnenden Briefe des Athanasius Kolb ersehen, bis zum J. 1594 Prioren in partibus für das Basler Kloster. Von den beiden alten Herren, den Brüdern Thomas und Ni- colaus, scheint keiner geeignet gewesen zu sein, nach dem "ode des Nicolaus Molitoris die Verwaltung des Klosters zu übernehmen. Es wurde der Laienbruder Hans zum Schaffner bestellt, demselben aber in der Person des Andreas Fleyter ein weltlicher Gehilfe bei- gegeben ?), und während bis dahin bei Zinskäufen u. dgl. immer der Schaffner genannt worden war, als der das Geschäft abgeschlos- sen, im Namen von Vicar und Convent des Gotteshauses, wie bis- weilen bemerkt ist, so sind es von nun an die Pfleger, die han- delnd auftreten. Im Jahre 1557 endlich, ohne Zweifel nach dem Tode des Bruder Hans, gieng die Verwaltung vollständig in welt- liche Hände über. Hieronymus Mieg, des Raths, dem am 1. Merz 1) Karth. Arch. Bd. O. Nr. 24. 2) Im ersten Bande der Rechnun- gen der Karthaus finden sich Rechnungen über die Jahre 1548, 1549 und 1550, im Namen von Bruder Hans ausgestellt, jedoch von der Hand Fley- ters geschrieben, wie die Vergleichung mit dem sofort zu erwähnenden Bittschreiben zeigt. In diesen Rechnungen erscheint die Besoldung eines Dieners Andres, in welchem wir eben den Andreas Fleyter zu erkennen haben.. Auf einer Verschreibung aus dem Jahre 1553 (Papiere des Karth. Arch.) treten dagegen »bruder Hannsz und Andreas Fleyter als wüssent- haffte schaffner« auf, und auf einem undatierten Blatte (ebendas.) über- schrieben »Beger Anndresenn Fleyters schaffners der Carthus mynen gn. herrenn fürprocht«, stellt Fleyter verschiedene Anfragen über die dem Bru- der Hans zu belassenden Befugnisse betrefis der Verwaltung des Klosters und beklagt sich zum Schluss über seine geringe Besoldung von 52 fl. Basler Chroniken. I. 34 + 330 Beilagen. die Schaffnerstelle übertragen wurde), starb, wie es scheint, kurz darauf, und nun wurde Leonhard Hospinian ?2) von Bürgermeister und Rath zum Schaffner ernannt und legte den 11. October unter Stellung angemessener Bürgschaft ebendenselben gegenüber das Ver- sprechen ab, seinem Amte treu und gewissenhaft obzuliegen?°). Von den Klosterbrüdern lebte noch immer der alte "Thomas Kresszi. Nach dem Tode des Nicolaus Molitoris hat er die Ein- tragungen ins Calendarium besorgt, er hat mit immer zitternderer Hand neben einigen Namen, die uns nicht interessieren, den Nico- laus Molitoris, den am 3. Juli:1548 verstorbenen Notar Adelberg Salzmann, der bis an sein Lebensende viel mit den Karthäusern verkehrt hatte®), den Nicolaus Frölich5) und den Laienbruder Jacob von Appenzell®) eingeschrieben. Den Hans Roth finden wir nicht aufgezeichnet; bei seinem Tode ist Thomas wohl schon zu schwach gewesen, um weitere Eintragungen zu machen. In seinem verödeten Kloster erfreute er sich der liebevollen Fürsorge des Bonifacius Amerbach , der die alten Beziehungen seiner Familie zur Karthaus nicht erlöschen liess. Auch diesen sollte er noch überleben. Zwei Jahre nachdem Bonifacius im Kreuzgange des Klosters seine Ruhe- stätte gefunden hatte, im Jahre 1564, schloss sich das Grab über dem letzten Basler Karthäuser, 162 Jahre nachdem die ersten Mönche von Strassburg aus hier eingezogen waren, 35 Jahre nach- dem die Reformation in Basel dem Gottesdienste, wie er früher im Kloster gehalten worden war, ein Ende gemacht hatte. Als der Convent dem Aussterben nahe war, wurde von Frei- burg aus noch einmal der Versuch gemacht, die Verbindung des Klosters mit dem Orden aufrecht zu erhalten und wo möglich eine Ergänzung des Personals zu erreichen. Am 16. Januar 1561 schrieb Bruder Matthias, der Prior der dortigen Karthaus,- an Bonifacius Amerbach und bat ihn, dem früher gegebenen Versprechen gemäss : das übernommene Geschäft mit Eifer zu befördern”). Es handelt sich, wie wir sehen, darum, dem Rathe das Beispiel Strassburgs vorzuhalten und zu bewirken, dass er dem Kloster gegenüber eine ähnliche Behandlung eintreten lasse, wie sie die Strassburger ihrer Karthaus zu Theil werden liessen. Die Punkte, auf die es an-: kommt, hatte der Prior Matthias früher mündlich des ausführliche- ren mit Amerbach besprochen, er fasst sie jetzt schriftlich zusam- men, indem er ihm überlässt, bei der Betreibung des Geschäftes diejenigen nicht zu berücksichtigen, die etwa der glücklichen Durch- führung desselben hinderlich sein könnten. Zunächst wird hervor- gehoben, dass der Rath von Strassburg die Abhaltung des Gottes- dienstes nach Sitte des Karthäuser Ordens in der Strassburger Kar- I) Oeffnungsbuch 1530—1565, Bl. 173. 2) Im Oeffnungsb. Bl. 176 heisst er irrthümlich Johann. 3) Karth. Arch. Nr. 517. 4) Gast’s Tagebuch 71. 5) Calend. Febr. 8. 6) Ebendas. Jan. 1. 7) Der Brief befindet sich in dem 8. 528 Anm. 4 erwähnten Sammelbande des Basler Antistitiums als Nr. 54. a 10 r 2) —_ 20 vs — —_ = a r 7] . —. ax Ze VE Beilagen. i 531 thaus gestatte und jederzeit gestattet habe. Dieser Punkt möge d 10 15 20 25 30 3 40 . jedoch, wenn er der Sache hinderlich sein könnte, weggelassen werden. Sodann hätten die Strassburger im Jahre 1558 bei der Erwählung und Bestätigung eines neuen Priors die Autorität des ‚Ordens anerkannt, indem sie einen Boten an den Prior der grossen Karthaus abgeschickt, und als dieser ihm, dem Prior Matthias, die Bestätigung des nach Sitte des Ordens gewählten Priors übertragen, ihn durch berittene Boten hin und hergeleitet und mit einem ehr- lichen Reisegelde versehen hätten. Besonderes Gewicht aber legt er auf die drei folgenden Punkte. 1. Weisen sie die dorthin ge- schiekten Karthäuser Mönche nicht zurück, sondern bitten im Gegen- theill, deren Zahl zu vermehren. 2. Bezahlen sie wie die andern Klöster des Ordens jährlich an die Kosten der Abhaltung des Ge- neralcapitels 2 Kronen. 3. Desgleichen an das Reisegeld für die zum Capitel Reisenden 3 fl. rhein. Die Karthaus zu Basel hat diese Bei- träge von 1557 an, dieses Jahr eingeschlossen, nicht entrichtet, schuldet also mit Einschluss des Jahres 1561 zusammen 10 Kronen und 15 fl. rhein. Zum Schlusse empfiehlt Matthias »unseren Senior, den würdigen Vater Thomas«, der ferneren Fürsorge Amerbachs. Diesem Briefe nach hätte die Basler Karthaus, der im Jahre 1525 verboten worden war, Beiträge nach auswärts.zu zahlen |S. 399), in der Folge doch wieder solche entrichtet, und zwar bis 1556, d. h. so lange noch ein Angehöriger des Ordens die Schaffnerstelle inne hatte. In den Rechnungen des Bruder Hans finden wir einen solehen Posten nicht. Vielleicht verhält sich die Sache so, dass der Orden die Basler Karthäuser, weil sie doch nicht zahlen durf- ten, ausdrücklich dispensierte, um seine Rechte zu wahren, und deshalb die Beiträge erst von der Zeit der weltlichen Verwaltung an reclamierte. Ob Amerbach beim Rath Schritte gethan, wissen wir nicht; in keinem Falle änderte dieser sein Verfahren der Karthaus gegen- über. Die Strassburger, mit deren Beispiel der Prior von Freiburg hatte wirken wollen, hoben im Jahre 1591, nachdem sie mit Hein- rich IV. als dem Landesherrn der grossen Karthaus einen Vertrag abgeschlossen, ihre Karthaus auf und brachen die Gebäulichkeiten derselben, die ihnen in Kriegszeiten schon sehr hinderlich gewesen, ab!). Da die Karthäuser die Gültigkeit dieses Vertrages anfochten, erkundigten sich Meister und Rath von Strassburg am 13. Mai 1593 über die Art und Weise, wie seiner Zeit der Rath von Basel vor- gegangen?). Am 19. Mai wurde der gewünschte Aufschluss ertheilt, und es konnte bemerkt werden, dass man bis jetzt unangefochten verblieben). Ungestört liess der Rath das Gut des Klosters unter Aufsicht der Pfleger durch einen Schaffner verwalten, bis etwa 100 Jahre später die Verwaltung desselben mit derjenigen der übrigen 1} Strobel: Geschichte des Elsasses IV, 196. 2) Karth. Arch. Nr. 536. 3) Missivenbuch. | 34 * 532 Beilagen. Gotteshäuser vereinigt wurde. Den 11. Juni 1590 erkannten die Herren Dreizehn auf Anhalten des Rectors der Universität Samuel Grynäus, J. U. D., dass die Bibliothek des Klosters der Univer- sitätsbibliothek einverleibt werden solle, und bewilligten zugleich auf Anhalten der Pfleger, dass die noch vorhandenen Kirchenzier- den eingeschmolzen, zu Geld gemacht und »zu besserer gebenden Allmusens continuation« auf jährlichen Zins angelegt würden (Karth. Arch. Papiere). Die Gebäulichkeiten wurden im J. 1669 zur Auf- nahme der Waisenkinder eingerichtet und in der Folge in dem Maasse als die Einrichtung des Waisenhauses sich vervollkommnete, theilweise umgebaut. Da erfolgte plötzlich im Jahre 1762, etwas über zweihundert Jahre, nachdem der Prior Matthias an Amerbach geschrieben hatte, wiederum von Freiburg aus ein ganz unerwar- teter Angriff }). Am 2. Juni 1762 meldete sich beim Bürgermeister Hagenbach ein fremder Geistlicher, der sich für den Prior der Karthaus zu Freiburg ausgab, und eröffnete, er sei von dem General des Ordens beauftragt, die Basler Karthaus mit allen ihren Einkünften wieder abzufordern, indem er hinzufügte, die Sache sei am kaiserlichen und am französischen Hofe schon bekannt. Als der Bürgermeister erklärte, er könne auf die Forderung nicht eingehn, zeigte der Geistliche an, es werde mit nächstem ein Schreiben in dieser An- gelegenheit eintreffen. Ein solches, unterzeichnet von Pater Atha- nasius Kolb, Prior der Karthaus zu Freiburg, langte in der That am 10. Juni an. Es suchte den Besitz des Vermögens der Basler Karthaus durch die Stadt als eine blosse Usurpation nachzuweisen. Kein Reichsabschied , keine pax religiosa, kein Vertrag schütze sie bei derselben. Bis 1564 hätten die Religiosen das Kloster bewohnt, bis 1594 sei es durch auswärtige vom Orden ernannte Prioren ver- sehen worden, während weltliche Schaffner die Güter und Gefälle im Namen der Karthaus und unter deren Siegel verwaltet und die Herren von Basel sich selbst, wie eine Urkunde von 1539 zeige, als blosse Schirmherren und Kastvögte betrachtet hätten. Damit sollte wohl dargethan sein, dass der Augsburger Religionsfriede von 1555 der Stadt Basel kein Eigenthumsrecht verleihe, indem das a ei 0 20 25 30 Kloster ja damals noch als solches bestanden habe, Uebrigens wird beigefügt, dass ja alle diese Verträge nur die Reichsstände betroffen hätten. Eine Hinweisung auf den westfälischen Frieden, der be- treffs der geistlichen Güter den Besitzstand von 1624 sanctioniert, wird abgelehnt, weil die Stadt Basel sich schon im Jahre 1501 vom römischen Reiche getrennt und in den eidgenössischen Bund be- 40 geben habe, der Artikel aber nur die im Kriege begriffenen, damals“ pactierenden Reichsstände angehe. Der Schreiber des Briefes, von 1) Sämmtliche auf diese Angelegenheit bezügliche Acten nebst älteren, zur Erläuterung derselben dienenden Schriftstücken und Copien von sol- chen sind in dem Bande O des Karthäuser Archivs vereinigt, 3 a‘ a 1 > 20 2: ao 30 3 oa 40 45 Beilagen. 999 Keen durch hohe und höchste Patrocinanz allenfalls unterstützten Orden beauftragt, die Eigenthumsbefugniss desselben zur Geltung ' zu bringen, hofft um so eher von dem Rathe die Einräumung des Klosters zu erlangen, als die Karthäuser weder dem exerecitio reli- gionis, noch der städtischen Verfassung irgend welchen Eintrag thun, sondern sich ihrem Institut gemäss ruhig und einsam betragen ‘würden. Der Rath beantwortete nach dem Rathe der kurz darauf zu Frauenfeld auf der Tagsatzung erschienenen Gesandten der evan- gelischen Orte das Schreiben kurz, in derb abweisendem Tone, worauf ein zweiter Brief des Priors einlief, den man unbeantwortet liess. Die Sache schien nun zu ruhen, als am 25. Januar 1763 auf der Stadtcanzlei die Nachricht aus Colmar einlief, dass der _.Prior Kolb bei dem dortigen königlichen hohen Rath (dem conseil 15 souverain d’Alsace) eine Eingabe gemacht, in welcher der Stand Basel aufgefordert werde binnen acht Tagen zu erklären, ob man die im Elsass gelegenen Gefälle der Karthaus gutwillig abtreten werde. Man beschloss, nachdem die Sache den evangelischen Städten mitgetheilt und ihr nicht ganz übereinstimmender Rath eingeholt worden, sich abwartend zu verhalten, worauf die Karthäuser es dahin brachten, dass der hohe Rath am 11. Juni den Rath von Basel citieren liess, binnen zwei Monaten vor ihm zu erscheinen und seine Verantwortung zu führen. In Basel entschied man sich aber, sich grundsätzlich nicht auf einen Prozess einzulassen, sondern mit Berufung auf den westfälischen Frieden die Niederschlagung des Verfahrens durch königlichen Befehl zu erwirken. Durch die Vermittlung des französischen Gesandten bei der Eidgenossenschaft, des Marquis d’Entraigue, wurde zu Anfang Augusts dieses Ziel glücklich erreicht, die Zumuthung, welche die Karthäuser dann noch an den hohen Rath stellten, für die Zurücknahme des Be- fehles zu wirken, indem der westfälische Friede sich nicht auf die eidgenössischen Orte erstrecke, wurde von diesem abgelehnt. So war nach vielem Verhandeln und Hinundherschreiben diese Gefahr glücklich beseitigt. Zwanzig Jahre darauf, im Jahr 1783, wurde die Freiburger Karthaus selbst, von der sie ausgegangen war, durch Joseph II. aufgehoben, und eine weitere Anfechtung ist fortan nicht erfolgt. Wie das in die Gebäulichkeiten der Karthaus verlegte Waisen- haus nach und nach in immer zweckmässigerer Weise eingerichtet wurde und jene im Laufe der Zeit ihre heutige Gestalt erhielten, darüber zu berichten ist nicht unsre Aufgabe; wir verweisen auf die schöne Denkschrift: Das Waisenhaus in Basel. Seine Grün- dung, seine Entwicklung und sein gegenwärtiger Bestand. Von Dr. D. A. Fechter und J. J. Schäublin. Basel 18711), die uns schil- dert, wie sich an der Stelle des Alten, dessen Absterben wir in 1) Vgl. über dieselbe unsre Vorrede. 534 Beilagen. gegenwärtigem Aufsatze verfolgt, ein Neues erhoben hat, das jetzt in vollster und frischester Blüthe vor uns steht. XI, Die Siegel der Karthaus. Es sind mir an den Urkunden und Briefen der Basler Kar- 5 thäuser sieben Siegel begegnet, drei Conventssiegel, die nach: ein- ander im Gebrauch waren (Nr. I, 2, 3), ein Prioratssiegel (Nr. 4) und drei kleinere runde Siegel (Nr. 5, 6, 7), wahrscheinlich von Siegelringen, welche die drei obersten Beamten des Klosters, der Prior, der Vicar und der Schaffner trugen. Von Nr. 3, dem jüng- 10 sten Conventssiegel, dessen man sich noch in der Zeit der städti- schen Verwaltung des Klosters bediente, ist der messingene Siegel- stock vorhanden und wird in der mittelalterlichen Sammlung auf- bewahrt. 1. Hängt, oben und unten beschädigt, an einer Urkunde vom 15 28. August 1437 (Nr. 136); an einer Urkunde vom 23. Juli 1438 (Nr. 139) ist es beinahe ganz zerbröckelt. Es ist lanzettförmig und hat (mit Ergänzung der abgebrochenen Enden) eine Höhe von 5,5 Uentimeter. Die Umschrift auf dem, wie es scheint, um das ganze Siegel laufenden, nirgends unterbrochenen Rande lautet: ..... oris 20 z guetg vallis bte marg..... gis 1 basilea. ordis carthusie..... (Sigillum prioris et conventus vallis beate Margarethe virginis in Basilea ordinis Carthusiensis). In der Mitte die heilige Margaretha unter einem gothischen Baldachin in der Weise, dass über dem Haupte der Heiligen sich zwei Bogen wölben, auf jeder Seite ein 2 zweifach abgestufter reich verzierter, in Thürmchen endender Pfei- ler steht. Die Heilige hält in der Rechten das Kreuz, die Linke lässt sie am Gewand herabgleiten, zu ihren Füssen bäumt sich der Drache. Einen Heiligenschein hat sie nicht. Der untere Theil des innerhalb des Randes mit der Inschrift befindlichen Raumes wird 30 von der obigen Gruppe durch einen halbkreisförmigen Bogen ab- gesondert und enthält die sehr stark gekrümmte Figur eines knieen- den betenden Mönchs. In dem Raum unter dem Baldachin, der die Heilige in sich fasst, und in dem untern Felde, in welchem der Mönch sich befindet, ist der Hintergrund durch schräge, sich kreu- 35 zende Striche in kleine Rauten gegliedert. 2. An einer Urkunde vom 2. Mai 1460 (Nr. 223); auf der lin- ken Seite (für den Beschauer) ist ein Stück abgeschlagen , das [SR Beilagen. SpH) Uebrige ist ziemlich gut erhalten. Mehr beschädigt und weniger deutlich ist der Abdruck, der an der Urkunde Nr. 215, 1458 Mai 24 hängt, doch lässt sich aus ihm das auf dem andern fehlende Stück Umschrift theilweise ergänzen. — Das Siegel ist lanzettförmig, 6,1 Centimeter hoch. Architektur und Stellung der Figuren sind im _ Wesentlichen mit Nr. 3 übereinstimmend, doch ist die Architektur - reicher ausgeführt und zeigt noch ein lebendigeres Verständniss des 1 = 20 25 3 4 ei kenn [a <= gothischen Styles. Der Raum, in welchem der betende Karthäuser steht, auf beiden Seiten durch einen einfachen Stab abgegränzt, schliesst oben mit einem Halbrund. Die Eckchen zwischen diesem Bogen und dem wagrecht abgeschlossenen Boden , auf welchem die Heilige steht, sowie die Eckchen unter den Seitenpfeilern sind durch kleine Rosetten ausgefüllt. Die Heilige ist ohne Nimbus. Wie bei Nr. 3 ist der Rand mit der Umschrift oben und unten unterbrochen. Die Umschrift lautet: s poris!) + gvetg vallil bte mar!garete (bis hieher deutlich an der Urkunde 223 zu lesen) [in basi]lea ord cartusil[e]. 3. Ist mir zuerst an einer Urkunde vom 19. December 1486 (Nr. 349) begegnet?). Ich enthalte mich, eine Beschreibung des- selben zu geben, da es in natürlicher Grösse auf dem Titelblatte unseres Bandes abgebildet ist>). 4. Das Prioratssiegel, mit dem die beiden Briefe Zschecken- bürlins an den Rath vom 21. December 1529 und vom 11. Januar 1530 (S. 478 Anm. 4) versiegelt sind und das auch an Urkunden hängend vorkommt, ist am deutlichsten erhalten auf dem erstge- nannten Briefe. Es ist lanzettförmig, 3,5 Centimeter hoch und trägt die Umschrift S. priorg domus | cartus. i. bas. | In der Mitte steht die Figur der heiligen Margaretha mit Heiligenschein, sie hält in der Rechten das bis auf den Boden herabreichende Kreuz, in der Linken die Palme. Die Figur ist nur bis etwas unter die Kniee abwärts sichtbar, der unterste Theil wird verdeckt durch den dick- leibigen eidechsenhaft gebildeten Drachen, dessen linke Füsse ihrer ganzen Grösse nach sichtbar sind. Der Drache füllt die ganze Breite des Siegels und unterbricht den Rand mit der Inschrift. Zu beiden Seiten der Heiligen sind parallel mit dem Rande laufend eine An- zahl Sterne angebracht. 5. Dient zur Versieglung des Briefes Zscheckenbürlins an den Rath vom 11. April 1529 und des Briefes an den Convent vom 7. April. An letzterem ist es fast ganz unkenntlich. Es ist rund, hat einen Durchmesser von 1,35 Centimeter und enthält die Figur 1) Ueber dem p scheint des mangelnden Raumes wegen kein Abkür- zungszeichen angebracht worden zu sein. 2) Da ich nicht die sämmt- lichen Urkunden des Karthäuser Archivs Stück für Stück durchgangen habe, so kann mir natürlich gelegentlich das Vorkommen eines Siegels entgangen sein. 3) Auf der Zeichnung ist dem Rande, der die Inschrift enthält, ein dunkler Untergrund gegeben worden, um die Figuren in der le mehr hervortreten zu lassen. 996 Beilagen. der heiligen Margaretha bis beinahe zum Knie abwärts. In der Rechten hält sie das Kreuz, in der Linken die Palme, um das Haupt hat sie einen Heiligenschein. Dicht dem untern Rande nach zieht sich die Zeichnung des nicht mehr in seiner ganzen Gestalt auf dem Siegel angebrachten Drachen, man sieht den sich aufbäu- menden Kopf, den obern Theil des Leibes und den Schwanz. Rechts von der Figur (für den Beschauer) ein C, links scheint ein S gestanden zu haben, doch ist dies nicht mit Sicherheit zu erken- nen, da der Abdruck gerade auf dieser Seite nicht scharf aus- geprägt ist. | 6. Dient zur Versieglung der Schreiben der Karthäuser vom 28. April 1529 an Hans Irmy und vom 2. Juli desselben Jahres an den Rath (S. 452 ff. 454 ff.). Es ist rund, hat einen Durch- messer von 1,65 Centimeter und enthält die Figur der heiligen Margaretha bis zum Knie abwärts, mit dem Kreuz in der Rechten, der Palme in der Linken, unten die ganze Gestalt des Drachen mit Füssen und starkgeringeltem Schwanze. Während auf den bisher beschriebenen Siegeln die Heilige sich vollständig gegen den Be- schauer kehrt, höchstens etwas nach rechts (heraldisch) gewandt (am meisten auf dem neuen Üonventssiegel), sehen wir sie hier nach rechts schreiten, den rechten Arm mit dem Kreuz weit vor- gehalten. Einen Heiligenschein hat sie nicht; nach dem einen Ab- druck scheint sie eine Krone zu tragen, nach dem andern aber sieht es so aus (und es ist dies auch das Wahrscheinlichere), als ob sie eine Binde trage und über ihrem Haupte dem Rande nach einige Sterne schwebten. / Es ist dies ohne Zweifel »unsers vicarien bitschsigel«, das nach 8. 483,15 auf die Instruction gedruckt wurde, welche die Con- ventsbrüder den 17. Juli 1531 dem Prior nach Freiburg schickten. 7. Einer von Nicolaus Molitoris als Schaffner den 25. Juni: 1533 ausgestellten Urkunde auf Papier aufgedrückt. Rund, 2 Cen- timeter im Durchmesser. In der Mitte die heilige Margaretha, die in der Rechten das Kreuz, in der Linken die Palme hält. Der unterste Theil der Figur durch den Drachen verdeckt, der in seiner ganzen Gestalt, mit Füssen, sichtbar ist. Der Kopf der Heiligen, der in den Rand mit der Umschrift hineinragt und diesen unter- bricht, ist im Abdruck undeutlich, die Umschrift lautet: VJALL. _ STE. MRGARTE. | Während auf Nr. 1, 2 und 3 die Heilige in ihrer ganzen Ge- stalt sichtbar ist, auf Nr. 4 und 7 die ganze Gestalt auf dem Siegel Raum hätte, aber der untere Theil durch den Drachen verdeckt wird, geben 5 und 6, auch wenn wir uns den Drachen wegdenken, nicht mehr als ein Kniestück. 10. u 15 25 NICH a 5 " [s) D) uageın - pe} TEE TENE BSSS359EB S 22.23 Durchsans vom Refestonium nach dem Kreuztand Die Gehänlichheifen der Basler Gnfhaus, m Gez. von Eduard Vischer. Basel Tu den Basler Chroniken Bd $ 537ff 6% Erklärung der Zahlen u. Buchstaben. Vorplatz Keller und Speicher. (Fruchtschütte,) Colloguium Altar der Märtyrer Altar der Jungfrauen Verbindungsgang zwischen dem frossen und dem Kleinen Kreuzgang Scheerhaus Durchgang aus dem Hofe nach dem Kreuzgang Brumen Scheune und Stall Pfortnerwehnun Alosterpforte Trotte (Kelten) Zehntentrotte. des Domstifts und Pfarrhaus zu St Theodor Lessers Thürlein Der mittlere Thurm 8% x Lt u.Drackv FM Strassherger, Lmipzig or 15 20 > or 30 39 40 Beilagen. 597 XI. Die Gebäulichkeiten der Karthaus. Durch die Gefälligkeit der löbl. Inspection des Waisenhauses ist es uns möglich geworden, die nach dem grossen Stadtplane des Matthäus Merian von 1615 gezeichnete vogelperspeetivische Ansicht der Karthaus, die für die Denkschrift über das Waisenhaus !) an- gefertigt worden, auch unserem Bande beizugeben. Es schien mir nun nöthig, diesem Bilde einige Erläuterungen über die Bedeutung der einzelnen auf demselben dargestellten Gebäulichkeiten beizu- fügen und so dem Verständnisse der Stellen unsrer Chroniken, die von denselben handeln, nachzuhelfen. Indem ich aber das Bild einestheils mit diesen Stellen, anderestheils mit den noch vorhan- denen Gebäulichkeiten verglich, überzeugte ich mich bald, dass wir es keineswegs mit einer völlig genauen, in allen Einzelheiten ge- treuen Darstellung zu thun haben. Die Zeichnung des Matthäus Merian ist in einem bedeutend kleineren Maassstabe ausgeführt als die nach demselben angefertigte Lithographie, und vor allem ist zu berücksichtigen, dass Merian nicht beabsichtigt hat, eine Abbildung der Karthaus zu liefern, sondern einen Stadtplan, bei welchem es nicht darauf ankam, jedes einzelne Gebäude bis ins Einzelste getreu wiederzugeben, was einen ganz unverhältnissmässigen Aufwand von Zeit und Arbeit verlangt hätte. Wir dürfen uns also nicht ver- wundern, wenn die Zahl der Zellen, wenn Zahl und Lage der Mauer- öffnungen, der Thüren und Fenster, die auf dem Plane oft als blosse Striche und Punkte erscheinen, nicht richtig angegeben sind, wir dürfen uns aber auch nicht irre machen lassen, wenn wir in einem wichtigeren Punkte die Merianische Darstellung mit dem, was sich uns aus der Betrachtung der vorhandenen Gebäulichkeiten und aus den Beschreibungen des alten Klosters ergiebt, nicht ver- einigen können. Es betrifft derselbe die Stellung der beiden Kreuz- gänge zu einander. Merian lässt die Kreuzgänge mit ihren Ecken zusammenstossen, während gar kein Zweifel sein kann, dass an den südöstlichen Theil des kleinen Kreuzgangs, in derselben Richtung laufend, erst ein Verbindungsgang, und an diesen der eine Theil des grossen Kreuzgangs sich anschloss. Die Zellen, welche an die- sem Theile des grossen Kreuzgangs gestanden, haben mit ihrer andern Seite direct auf den Hof gestossen, sind nicht, wie bei Merian angegeben ist, von demselben durch eine fernere Reihe von Gebäuden getrennt gewesen. Es schien mir deshalb zweckmässig, dem Merianischen Bilde noch einen möglichst genauen Grundriss des alten Klosters beizugeben, den mein Bruder, Herr Architekt 1) 8. über diese die Vorrede. 38 Beilagen. Eduard Vischer, mir anzufertigen die Gefälligkeit hatte. Er legte demselben den von Herrn Architekten Giek entworfenen und in der erwähnten Festschrift enthaltenen Plan des Waisenhauses zu Grunde. Diejenigen Gebäulichkeiten, an denen seit der Aufhebung des Klosters nichts verändert worden ist, konnten demselben voll- ständig entnommen werden, bei denjenigen, die einzelne Verände- rungen erlitten haben, wurde neben genauer Besichtigung des Vor- handenen der durch Herrn Architekt Gauss sel. vor den Umbauten der letzten Jahre aufgenommene Plan zu Rathe gezogen. Anderes dagegen, namentlich der grosse Kreuzgang mit den ihn umgeben- den Zellen, konnte zum grösten Theil nur auf Grund der in den Chroniken und in den Analecta Urstisii enthaltenen Beschreibungen |) reconstruiert werden, natürlich ohne Anspruch auf vollkommene Genauigkeit. Hiebei ist zu bemerken, dass das, was wir zu recon- struieren versuchen, das Kloster ist, wie es am Ende seines Bestan- des ausgesehen hat nach den durchgreifenden Umbauten der letzten Jahrzehnte. Wie wir aus der Chronica fundationis und aus dem Anfang der Continuatio zur Genüge erfahren, hatte das Kloster nicht nur in der ersten Zeit nach der Gründung, sondern noch sehr lange Zeit hindurch über Mittel zu verfügen, die gering waren im Verhältniss zu dem, was die Ausführung der nöthigen Bauten ver- a Ben 0 en b) bunden mit dem Unterhalt des Convents in Anspruch nahm. Die Bauten wurden daher ganz allmälich und in so nothdürftiger Weise ausgeführt, dass ein fortdauerndes Nachbessern und Umbauen der- selben nöthig war. So erfahren wir von manchen Zellen, dass sie 1) Wurstisen giebt auf 8. 217 und 215 ein Verzeichniss und eine Be- schreibung der in den Fenstern des grossen Kreuzganges befindlichen Glas- semälde, und S. 228 dasselbe für den kleinen Kreuzgang und den Verbin- dungsgang. Diese Beschreibungen sind, wie ihre Fassung zeigt, Aufzeich- nungen aus der Zeit des Klosters entnommen. Am Schlusse der Beschrei- bung der Fenster des grossen Kreuzganges, S. 215, steht »Anno 1487«, auf S. 228 ist der Beschreibung der an dem Fensterbogen gegenüber der Kirch- thüre im kleinen Kreuzgange befindlichen Glasgemälde die nachträgliche Bemerkung beigefügt: Ista testudo depositä est et obstructa ob columnam chorıt 1488 (1485 wurde der Chor gewölbt und dabei der Strebepfeiler ge- baut, dem dieses Fenster weichen musste). Wir werden also wohl anneh- men dürfen, dass die Beschreibung der beiden Kreuzgänge aus dem Jahre 1487 stamme. Vielleicht ist sie niedergeschrieben worden in Verbindung mit den Aufsätzen de fundatione ortuque Oarthusiae und de cellis Carthu- siae, die ebenfalls der Zeit bald nach dem Tode des 1487 verstorbenen Priors Heinrich angehören (s. oben 8. 493. 496). — Fernere Hilfsmittel, deren wir uns bei der Anfertigung des Grundrisses und der Erklärung des- selben hie und da bedient haben, sind der im Jahre 1743, noch vor den ersten grössern Bauten im Waisenhause, von Emanuel Büchel gezeichnete, von J. M. Weis in Strassburg gestochene »Prospect der Statt Basel von der St. Alban Vorstatt«, der eine Ansicht der Karthaus von der Rhein- und der Stadtgrabenseite her enthält, und ein »Plan von dem Waisenhaus und dessen Umgebungen, aufgenommen und ausgefertigt von Friederich Baader Waisenknab in Basel (später Strasseninspector des Kantons) im Jahr 181%, der indessen blosser Situationsplan ist ohne Angabe der inneren Einthei- lung der Gebäulichkeiten. [SS ER or — or 2 = 25 Beilagen. 539 ganz oder beinahe ganz niedergerissen und dann-neu aufgebaut wurden, so wurden auch an den andern Gebäuden vielfache Ver- änderungen und Verbesserungen vorgenommen (s. namentlich 8. 299). Mit dem Eintritt Zscheckenbürlins beginnt eine neue Bauperiode für das Kloster. Mit den Mitteln, die von den Zibollen und andern Gönnern dem Kloster zugewandt worden waren, hatten nach und nach die nöthigen Gebäulichkeiten hergestellt werden können, jetzt konnte man daran gehen, mit den neuen Hilfsquellen, welche der Eintritt Zscheckenbürlins eröffnet hatte, das Vorhandene um- zubauen und, weil das Bedürfniss nicht zur Eile drängte, an die Stelle des Alten etwas recht festes und dauerhaftes zu setzen'). Zuerst wurde 1488 der Chor gewölbt, 1490 — 1495 das neue Haus für die Laienbrüder gebaut, 1494 die Trotte (Kelter) und ebenso die Scheune, 1495 stellte man die Zelle des Schaffners (OÖ) und 1498 die des Vicars (P) neu her. Im J. 1499 wurde mit dem Umbau des grossen Hauses begonnen, das die Refectorien und die Gastzimmer enthielt, der Umbau desselben gieng sehr allmä- lich vor sich und wurde erst im J. 1527 vollendet?). Dazwischen wurde, noch unter Louber, die Bibliothek neu hergerichtet, später im J. 1503: das Klosterthor und die Pförtnerwohnung neu gebaut, 1506 das Scheerhaus, nach 1513 die Priorszelle, wozu noch der Umbau einiger Zellen kommt, die Herstellung zweier Brunnen, viel- leicht auch noch Anderes, was in den Quellen nicht aufgeführt wird. Diese Neubauten wurden, wie gesagt, in sehr dauerhafter Weise ausgeführt, sie bestehen daher zum grossen Theile noch bis auf den heutigen Tag und dienen, allerdings mit manchen baulichen Veränderungen, noch den Zwecken des jetzigen Weaisenhauses. Ebendadurch ist es uns möglich geworden, mit annähernder Genauig- - keit einen Grundriss der alten Karthaus herzustellen, aber allerdings der Karthaus, wie sie nach den letzten Bauten aussah. Die Art und Weise, wie die von Heinrich von Alfeld geschilderte Einrich- tung der Gebäude zu derjenigen der letzten Zeit des Klosters sich verhält, lässt sich im Einzelnen nicht mehr nachweisen. Aus der ersten Bauperiode stammen von dem, was jetzt noch vorhanden ist, der kleine Kreuzgang und der Hauptsache nach auch die nordöstlich und nordwestlich an ihn anstossenden Gebäude. Dieser kleine Kreuzgang zeigt im Vergleich zu dem Charakter der zweiten Bauperiode eine grosse Dürftigkeit, immerhin wäre es aber zu wünschen, dass er aus dem Zustande gänzlicher Verwahrlosung, in welchem er sich jetzt befindet, gerissen und in angemessener Weise wiederhergestellt würde, was gerade bei seiner Einfachheit ohne grossen Kostenaufwand möglich wäre. Es würde damit ein 1) 8. besonders 8. 333 ff. 354 ff. Wir enthalten uns hier und später bei der Beschreibung der einzelnen Gebäulichkeiten die sämmtlichen Beleg- stellen anzuführen, da das Register (unter Basel: Karthaus) eine bequeme Zusammenstellung derselben bietet. 2) 8. 388, 17. 540 Beilagen. Act der Pietät vollzogen nicht nur gegen die alten Inwohner des Klosters, sondern auch gegen die um die Pflege der Kunst und der Wissenschaft in Basel so hoch verdiente Familie der Amerbache, deren Grabstätten sich hier befinden. Durchgehen wir nun an der Hand unseres Grundrisses und des Merianischen Bildes die einzelnen Gebäulichkeiten. Das an den Eckthurm der Stadtbefestigung (Nr. 1 auf unserem Grundrisse) angebaute grosse Haus, die magna domus!), ist insofern das älteste Gebäude des ganzen Klosterraumes, als es durch mehrfache Umbauten aus dem vor der Stiftung des Klosters hier befindlichen Wohnhause des Bischofshofes entstanden ist. Die Räum- lichkeiten dieses letzteren hatten sich die ersten Conventualen, so gut es gieng, zu ihren klösterlichen Zwecken eingerichtet (S. 261. 263). Der Saal musste als Kirche dienen, der Schornstein der Küche als Glockenthurm, eine kleine Stube als Refectorium, oben auf dem Dachboden wurden einige Zellen eingerichtet. Später als für die verschiedenen Bedürfnisse des Klosters durch eigene Gebäude konnte gesorgt werden, verblieben in diesem Hause vornehmlich die beiden Refectorien, die Küche sammt ihren Nebenräumen und die Zimmer zur Beherbergung der Gäste. Die Einrichtungen des- selben wurden zu verschiedenen Zeiten verändert und verbessert Di 20 (S. 271, 30 ff. 299). Ein durchgreifender Umbau wurde im Jahre 1499 durch Jacob Louber begonnen (336, S ff.) und im Jahre 1527 durch seinen Nachfolger vollendet (355, 2 ff. nebst Anm. 2 ebendaselbst. 388, 14 ff.). Im Jahre 1507 erhielt das Kloster vom Rathe die Erlaubniss, einen Thurm, »so an der statt müren im graben gestanden und der Kämynthurn genant ist«, der ihm »an der gesicht des nüwen büws verhinderlich gewesen, wa der stend bliben sin solt«, abzubrechen und die Steine desselben für den beabsichtigten Bau zu verwenden?). Das Erdgeschoss enthielt nach Vollendung des letzten Umbaues das Refectorium für die Mönche (6) auf der Seite gegen den Hof, auf der entgegengesetzten Seite nach dem Rheine zu die stattliche Küche (2), in die man einige Stufen hinabsteigt; die Decke derselben wird durch vier Kreuz- gewölbe gebildet, die ein in der Mitte stehender viereckiger Pfeiler stützt, auf dem die Jahreszahl 1508 eingehauen ist. An die Küche stossen die Speisekammer (3) und die Hausflur mit der Treppe (4). Dieses Erdgeschoss wird noch jetzt ganz seinem ursprünglichen Zwecke gemäss benutzt, nur dass in jüngster Zeit das Refectorium, das als Speisesaal dient, durch Hinzunahme des als Vorplatz zu demselben*’angelegten Raumes 5 vergrössert worden ist. Bei dieser Gelegenheit sind auch die nach dem Hofe schauenden Hauptfenster anders eingesetzt worden, so dass sie nun, was früher nicht der 1) Als das grosse Haus wird es bezeichnet in der sofort zu erwähnen- den Urkunde vom 31. Merz 1531, magna domus heisst es in der Chro- nica fundationis 336, 8. 2) Urkunde vom 31. Merz 1507, Karth. Arch. Nr. 420. o > 39 40 in 10 15 20 Beilagen. 541 Fall war, gerade unter die Fenster des obern Stockwerkes zu stehn gekommen sind. Im ersten Stocke befand sich über dem Refectorium das Re- fectorium der Laienbrüder, das jetzt als Arbeitszimmer des Waisen- vaters dient. Zwischen den beiden Fenstern, die es an der Haupt- facade hat, ist die Jahreszahl 1525 eingehauen. Es nimmt nicht, wie das Refectorium der Mönche, die ganze Breite des Gebäudes vom Hofe bis zum Stadtgraben, sondern bloss die halbe vom Hofe an ein. Die Räume über der Küche und der Speisekammer, zu denen man von der Treppe aus durch einen gewölbten Vorplatz gelangte, waren der Beherbergung der Gäste gewidmet; es sind die hospitum stuba cum camera testudinata pro visitatoribus (S. 355, 2). Durch eine (jetzt zugemauerte) Thüre neben dem Thurme standen sie mit einander in Verbindung. Das grössere Zimmer über der Küche,. das jetzt als Arbeitszimmer für einen Theil der Mädchen dient, hatte bis zu den Veränderungen der letzten Jahre einen mit Backsteinen belegten Fussboden, es war die stuba, das Wohnzim- mer der Gäste!l), während das kleinere Gemach, über Nr. 3, das über den Stadtgraben hin den obern Lauf des Rheines überblickt2), als camera, Schlafkammer diente. Dieses Gemach mit seinen ver- täfelten Wänden und dem hölzernen Deckengewölbe, das in der Mitte das Bild Christi, ringsum auf den 16 Knotenpunkten der Rippen in einem ersten Kreise die vier Evangelisten und die vier ” [252 8 30 grossen Kirchenlehrer, in einem zweiten acht Engel mit den Mar- terwerkzeugen enthält, bildet das eigentliche Kleinod der gesamm- ten Klosterbauten. Die auf den Mitten der vier Wände unter den dort zusammenlaufenden Gewölberippen angebrachten Wappen der Familien von Brunn, Oberried, Zscheckenbürlin und Fuchs deuten an, woher die Mittel zum Bau und zur Ausschmückung dieses Gemaches geflossen,, dessen Zierlichkeit von Manchem nicht ohne Anstoss betrachtet wurde®). Diese Gastzimmer scheinen vorzugs- weise für die Visitatoren bestimmt gewesen zu sein, zur Aufnahme geringerer Gäste dienten Zimmer im Langhause®), vielleicht auch die S. 355, 3 erwähnte stuba nova, die neben der vertäfelten Kam- ‘mer auf der Stadtgrabenseite zu suchen sein wird, wo sich jetzt Magazinräume befinden; zwischen diesen und dem Refectorium der Laienbrüder führt ein Gang in das Langhaus (7) zu den Wohnungen der letzteren. — Das zweite Stockwerk mit Giebelfenstern nach dem 1) An mehreren Stellen ist der Ausdruck stuba hospitum offenbar in weiterem Sinne gebraucht, in der Weise, dass er auch die Schlafkammer mit umfasst, so S. 351, 18, so Lib. benef. 20, wo es von Hans Oberried heisst: Idem dedit 20 florenos ad structuram stube in domo hospitum anno 1509. Denn anzunehmen, das vertäfelte Zimmer sei die Wohnstube, das andere die Schlafkammer gewesen, wird uns durch den Ausdruck camera testudinata bei Georg verboten. 2) Wohl hauptsächlich aus Rücksicht auf dieses Zimmer wurde die Erlaubniss zum Abbruch des Kämynthurmes nachgesucht. 3) S. 351,17 ff. Jetzt werden in diesem Zimmer die Con- firmationen der Waisenkinder abgehalten. 4) 8. 334 Anm. 5, 542 Beilagen. Hofe zu war ein offner Dachboden, Estrich nach Basler Bezeich- nung, drüber auf einem zweiten Dachboden war wie an allen älte- ren Basler Häusern ein grosses Dachfenster mit einem »Zug«, vermit- telst dessen die auf den Estrichen aufzubewahrenden Vorräthe aus dem Hofe heraufgezogen werden konnten !). Endlich ist noch des gewölb- ten doppelten Kellers zu erwähnen, der sich unter dem Hause befindet. Das an das grosse Haus anstossende dem Stadtgraben entlang laufende Langhaus mit den Wohnungen der Laienbrüder (7) wurde in den Jahren 1490—1495 gebaut (S. 334, 10 #. und Anm. 5). Dieser Bau war wohl, wenn auch von einer Grundstein- legung die Rede ist, nicht ein völliger Neubau, sondern der Um- bau eines älteren demselben Zwecke gewidmeten dürftigen Gebäudes. Daraus erklärt sich auch, dass er fünf Jahre lang dauerte, weil er nur ganz allmälich vor sich gehen konnte, wenn nicht die Insassen des bisherigen Gebäudes eine Zeit lang ohne Wohnung sein soll- ten. Das Erdgeschoss dieses Hauses besteht aus sieben Gewölben, die sich in grossen Bogen nach dem Hofe öffnen und zur Aufbewah- rung von Holz u. dgl. mögen gedient haben. An einem der abge- schrägten Stützpfeiler zwischen den Bogen ist die Jahreszahl 1491 eingehauen. Im ersten und wohl auch im zweiten Stockwerke (das letztere ist bei Merian nicht angegeben, wohl aber bei Büchel) befanden sich die Wohnungen der Laienbrüder und Gastzimmer?). Zur Zeit als der Bischofshof in den Besitz der Karthäuser über- gieng, scheint an der Stelle dieses Hauses und noch weiter der Stadtmauer entlang ein Gang gelaufen zu sein, ähnlich dem, der später zwischen dem grossen Hause und dem Lessersthürlein an- gebracht wurde und der noch auf der Merianischen Zeichnung zu sehen ist. Auf diese Weise erklärt sich die Stelle S. 261, 27, wo Heinrich von Alfeld erzählt, die ersten Conventualen hätten das clau- strum da gehabt, wo jetzt die Zellen der Laienbrüder seien, das colloquium in transitu superiori versus vineas et fossatum, das heisst in dem obern Theile des auf der Seite der Weinberge und des Stadtgrabens gelegenen Ganges (der untere T'heil war eben der in der Folge zu Zellen für die Laienbrüder verwendete?). Wie hier dieser Gang als der versus vineas et fossatum bezeichnet wird, um: ihn zu unterscheiden von dem, der an der Mauer gegen den Rhein hin lief, so heisst es in der Urkunde vom 12. December 1401 über den Verkauf des Bischofshofes an die Karthäuser, diese dürften {) Es ist dasselbe sowohl bei Merian als auf der Zeichnung von Büchel sichtbar. S. 299,17 ist die Rede von einem instrumentum ad introducen- dlum saccos cum frumentis in granarium corde et funis applicatione, doch ist dort unter dem granarium nicht der Dachboden des grossen Hauses, sondern das ganz als Keller und Speicher dienende Gebäude Nr. 14 ver- standen. Jeder der drei Kornboden, die dieses enthält, hatte in der Mitte der nordöstlichen Giebelfacade eine thürartige Oeffnung, durch die vermittelst eines an der obersten derselben angebrachten Zuges die Kornsäcke herein- &eschafft werden konnten. 2) S. 334 Anm. 5. 3) Vgl. S. 334 Anm. 5: pro structura transitus. a peu _ 2 3 os Ö 5 0 or 1 2 a = Sr — SS 30 4 yT — = Beilagen. 543 keinen Ausgang durch die Stadtmauer machen wider den Rine noch wider daz velde. An das Langhaus schliesst sich (Nr. 8) das Haus an, das die Bäckerei, die pistrina enthält. Die Räume derselben befinden sich im Erdgeschoss , die Zimmer des ersten Stockwerkes dagegen, die jetzt als Arbeitszimmer des Verwalters und als Sitzungszimmer benutzt werden, haben offenbar als Wohnung gedient, vielleicht für einen der Pfründner!). | Die Kirche zerfällt in den Chor der Mönche (9) und in die Laienkirche (10). Der Chor wird von der letztern durch eine Scheide- wand getrennt, in deren Mitte sich unten eine Thüre, oben eine grosse Bogenöffnung befindet. Unmittelbar vor dieser Scheidewand erhob sich in der Laienkirche das lectionarium, der Lettner, die ganze Breite des Gebäudes einnehmend, auf drei Kreuzgewölben ruhend. In den Raum unter dem Lettner führen die beiden T'hüren, durch welche man in die Kirche gelangt, die eine aus dem Kreuz- sange für die Mönche, die andere aus dem Hofe für die Laien. Die Laienkirche hat immer eine flache Decke behalten, der Chor dagegen wurde im Jahre 1488 auf Kosten des eben ins Kloster getretenen Hieronymus Zscheckenbürlin durch Meister Remigius Fäsch gewölbt (S. 333 f. und Anm. 5 daselbst). Die Jallresicht, ist auf einem der Schlusssteine des Gewölbes eingehauen ?). Der kleine Kreuzgang, dessen einer Arm der Kirche ent- lang läuft, ist noch auf zwei andern Seiten von Gebäuden einge- schlossen ; das an den Chor anstossende Haus enthält zunächst der Kirche die Sacristei (11), daneben die Capitelstube (12), über die- ser eine Kammer zur Aufbewahrung der Kirchengewänder?). Die Sacristei ist so hoch wie diese beiden zusammen. Im obersten Stock- werk befinden sich die beiden Bibliothekszimmer. Das an die nordwestliche Seite des Kreuzganges anstossende Gebäude (13) enthält einen Keller, über demselben einen niedrigen, ziemlich dunkeln Raum und dann drei über einander liegende mit Backsteinplatten gepflasterte luftige Kornboden®). Man darf sich nicht wundern, dass das doch nicht sehr viele Insassen beherber- gende Kloster so viele Vorrathsräume besass, da man sich zu erin- nern hat, dass der gröste Theil des Einkommens in Bodenerzeug- nissen, in Korn und Wein, floss, und diese dann erst, insofern sie nicht zum Unterhalt der Klosterbewohner und zu Spenden an die Armen verwandt wurden, durch den Schaffner in Geld umgesetzt werden mussten. 1) Bei dem neulichen Umbau des Waisenhauses ist dieses Haus um ein Stockwerk erhöht worden. 2) Das Innere der Laienkirche ist längst in Stockwerke abgetheilt und zu Turn- und Schlafsälen men der Chor dagegen dient als Waisenhauskirche. 3) 8. 294, 14. 4) Dieses Gebäude meint ohne Zweifel der Verfasser der Chronica fundationis, wenn er 8. 286, 3 ff. und 299, 14 ff. von dem granarium und 299, 20, 24 von dem celare spricht. Wir können es mit einem sonst bei den Basler Klöstern vorkommenden Namen als die »Fruchtschütte« bezeichnen. 544 Beilagen. Die vierte Seite des Kreuzgangs wird Anal. Urst. 228 als latus minoris galileae versus vestiarium bezeichnet; jetzt steht hinter der- selben kein Gebäude und ich finde in den Chroniken keinerlei Notiz über ein solches, das dort gestanden. Ein Theil des kleinen Kreuzgangs hiess das Colloquium (s. oben S. 261 Anm. 1). In den Analecta Urstisii wird der längs der Fruchtschütte laufende Arm (14) als latus minoris gallileae versus colloguium bezeichnet, nach S. 296, 5 ff. muss aber zum mindesten der an diesen anstossende südöstliche Arm mit zum Colloguium gerechnet worden sein. In diesem letztgenannten Arm befand sich in dem Vorsprung 15 der Altar der Märtyrer, in einer Nische unter dem Fenster 16 das lavacrum (296, 5 ff., vgl. mit Anal. Urst. 228). In dem nordöstlichen Arme sieht man neben der Thür zur Capitelstube noch die Nische (17), in welcher der Altar der Jungfrauen muss gestanden haben!). Der kleine Kreuzgang wird mit dem grossen durch einen Gang (18) verbunden. Dieser hatte, vier schmale, mit je einem Glas- gemälde geschmückte Fenster, ein fünftes über der Thür der Zelle des Sacrista war schmucklos.. An der Mauer der Kirche war die Legende von der Gründung des Karthäuser Ordens abgebildet. Gewisse bauliche Veränderungen haben vor etwa 25 Jahren eine beinahe völlige Zerstörung dieser Bilder mit sich geführt; doch sind zuvor durch den Maler Herrn Constantin Guise sel. sorgfältige Copieen des noch Vorhandenen aufgenommen worden, die jetzt im Waisenhause aufbewahrt werden. Der auf dem zweiten Blatte der 1510 bei Johann Amerbach gedruckten Karthäuser Statuten befind- liche Holzschnitt ist eine freie Nachbildung dieser Wandgemälde. Von dem grossen Kreuzgang sind im vorigen Jahrhun- dert drei Seiten vollständig abgetragen worden, die vierte, eben die Verlängerung des erwähnten Ganges, ist in die vorgenommenen Neubauten hineingezogen worden und hat ihre ursprüngliche Gestalt verloren, doch lässt sich diese aus den vorhandenen Spuren mit ziemlicher Sicherheit erkennen?). Um ein: möglichst genaues Bild von der Lage des ganzen Kreuzganges und der ihn umgebenden Zellen zu erhalten, haben wir die Beschreibung der auf den Fen- stern des Kreuzganges angebrachten Glasgemälde in den Analecta Urstisii zu Rathe zu ziehn, in zweiter Linie auch den Aufsatz de cellis Carthusiae. Die Fenster des Kreuzganges waren fast alle in 1) S. 296, 14 heisst es freilich, er sei in opposito loci capitularis errich- tet worden; er kann aber nicht an der innern Mauer des Kreuzgangs ge- standen haben, weil sich dort keine Spur eines für ihn bestimmten Raumes vorfindet, und weil er, wenn er an dieser Mauer gestanden hätte, in den Analecta Urstisii ebensogut hätte erwähnt werden müssen, wie der Altar der Märtyrer und das lavacrum. 2) Von den übrigen drei Seiten hat sich eine letzte Spur in der Richtung der den Garten durchkreuzenden Wege erhalten. Noch deutlicher als es heutzutage der Fall ist, tritt diese Anlage der Wege auf Grund des alten Kreuzganges auf dem Baaderischen Nituationsplane hervor. U 15 [5 a > [ei [211 Beilagen. 545 der Art gebaut, dass drei kleine Spitzbogenfenster unter einem flachen Bogen zusammengefasst waren. Ein Fenster dieser Art ist noch erhalten neben der Zelle des Priors, wir werden später auf dasselbe zurückkommen. Im kleinen Kreuzgange ist nur Ein solches dreigetheiltes Fenster, über dem Altar der Märtyrer, die übrigen sind viereckig, meist mit einem steinernen Fensterkreuz, zwei, die "auf beiden Seiten des Altars der Märtyrer, sind jedoch nur halb 10 15 20 25 3 oO 3 ou 40 so breit als die übrigen und deshalb, ebenso wie der Beschreibung nach die Fenster des Verbindungsganges, ohne einen vertical thei- lenden Fensterpfeiler. In der Beschreibung bei Wurstisen werden nun die einzelnen testudines des grossen Kreuzgangs mit ihren je drei fenestrae aufgeführt!), und wir erfahren, dass der von der Seite des Refectoriums in der Richtung nach dem Lessersthürlein laufende Arm des Kreuzgangs zwölf testudines hatte, der folgende acht, der dritte vierzehn, der letzte endlich ein kleines Fenster und sieben testudines. So haben wir die Möglichkeit, die Lage des gleich dem kleinen unregelmässig gebauten grossen Kreuzganges wenigstens einigermaassen zu reconstruieren. Wir erfahren auch, dass E und I Eckzellen waren, und N, die Zelle des Sacrista, eine Thür auf den Verbindungsgang zwischen den beiden Kreuzgängen hatte. So wird uns die Lage der Zellen von A bis N klar. Der Grundriss der- selben im Einzelnen beruht freilich auf blosser Vermuthung. Nicht so verhält es sich mit der Priorszelle, der Cella crucis, deren Mauern und deren eine Thüre, die gegen das Refectorium, erhalten sind. Zwischen der Priorszelle und dem Refectorium ist ein breiter ge- wölbter Durchgang (22), dessen Bau, wie die an dem gegen den Hof schauenden Bogen eingehauene Jahreszahl zeigt, erst im Jahre 1533, nach Zscheckenbürlins Rückkehr aus Freiburg vollendet wurde. An diesen breiten Gang schloss sich, wie der Plan des Herrn Gauss noch erkennen lässt, ein schmalerer (23), der neben der Zelle des Priors in den grossen Kreuzgang führte, so dass die Mönche jederzeit trockenen Fusses aus ihren Zellen nach dem Refectorium gelangen konnten. Zwischen diesem Gang und der Kirche, die eine Seite dem Hofe zugekehrt, mit der andern an den Kreuzgang stossend , standen die Zelle des Vicars (P), die des Schaffners (O) und die domus rasurae (das Scheerhaus, 19)2). Den Grundriss dieser Gebäude genau zu bestimmen ist nicht möglich, da hier im vorigen Jahrhundert ein vollständiger Neubau aufgeführt worden ist, der es schwer macht, die Spuren dessen, was früher hier gestan- den, gehörig auszumitteln. An die Kirche stösst auf der Zeich- nung Merians ein Haus mit einem ’Thürmchen, welch letzteres der Lithograph nicht ganz richtig wiedergegeben hat, denn bei Merian 1) Der Ausdruck testudo wird in den Analecta Urstisii auch bei der Aufzählung der Fenster des kleinen Kreuzganges gebraucht, die der Mehr- zahl nach viereckig waren, jedoch gewölbte Fensternischen hatten. 2) Die Zellen +, P und O hatten ursprünglich A, B, C geheissen und verdankten ihren ersten Aufbau dem Jacob Zibol. Vgl. 273, 6 ff. mit 497, 9. 498, 31, 37. Basler Chroniken. ]. 35 546 £ Beilagen. steigt es nicht aus der einen Seite des Daches heraus, sondern sitzt als Dachreiter auf dem First. Dieses Haus ist auch auf der Zeich- nung von Büchel sichtbar, es war, wie wir aus dieser sehen, auf der dem Hofe zugekehrten Dachseite mit einer Uhr versehen; es ist also kein Zweifel, dass wir in ihm das Scheerhaus zu erkennen haben, an welches, wie wir 8. 355 f. erfahren, Morand von Brunn eine Uhr stiftete. Es stimmt auch dazu die Lage am Brunnen (21), der wohl in der Zeit des Klosters an derselben Stelle stand, wo jetzt!). Das Scheerhaus enthielt zugleich die Wohnung für einen Pfründner. Es fragt sich nun: Wie breit mag dasselbe gewesen sein? Der Durchgang (20), der aus dem Hofe in den Kreuzgang führt, trägt auf dem Bogen gegen den Hof die Jahreszahl 1506. Da nach S. 354 Anm. 10 der Bau des Scheerhauses in das Jahr 1506 fällt, so möchte ich annehmen, was auch an und für sich wahrscheinlich ist, dass der Durchgang mitten durch dieses Haus geführt habe. Mit völliger Sicherheit lässt sich der Grundriss dieses Gebäudes natürlich nicht entwerfen, ebensowenig als derjenige der beiden Zellen des Schaffners und des Vicars. Aus dem Aufsatze de cellis Carthusiae erfahren wir, dass jede der beiden letzteren eine Thüre nach dem Hofe zu hatte. Von den Fenstern, die aus dem grossen Kreuzgange nach dem Kirchhofe giengen, ist seit den letzten Umbauten keines mehr vor- handen. Dagegen ist noch eines erhalten, das durch die äussere Mauer gebrochen ist, an dem nach der Rheinseite gekehrten Ende des südöstlichen Armes, zwischen der Zelle des Priors und der Zelle A?) ; wir sehen aus diesem Ueberreste (vgl. oben S. 545, 2 f.), dass auch die Fenster des grossen Kreuzganges sehr einfach ausge- führt waren ; auch war der grosse Kreuzgang ebenso wie der kleine nicht überwölbt, sondern mit einer blossen Holzdecke versehen 3). Eine Zierde der Kreuzgänge bildeten aber die gemalten Scheiben, mit welchen zahlreiche Wohlthäter die sämmtlichen Fenster aus- gestattet hatten, und deren Beschreibung, wie gesagt, in den Analecta Urstisii erhalten ist. Die Scheiben selbst sind leider fast alle, wie es scheint durch Verwahrlosung, zu Grunde gegangen ®), das wenige, 1) Während das Scheerhaus nach 354 Anm. 10 supra fontem stand, wird 496, 25 die Zelle O als prope fontem, in der Nähe des Brunnens liegend, bezeichnet. Die Zelle, welche der Prior Wynand und der Gründer des Klosters, Jacob Zibol, supra fontem pro domus procuratore aut aliquo laico erbaut hatten, die aber später verlegt worden war (272, 34 ff.), muss an der Stelle des nachmaligen Scheerhauses gestanden haben. 2) In den Analecta Urstisii wird dieses Fensters nicht gedacht. Sollte es vielleicht erst bei einem späteren Umbau an diese Stelle verlegt worden sein? Wir haben vorgezogen, es auf unserem Grundrisse wegzulassen. 3) Disposuit fundamentum poni in maiori gallilea pro 17 fenestris triplicatis et post- modum eius murum ex toto complevit cum tabulatura inchoata, et pa- vimentum fuit consummatum. Chron. fund. 291, 17 ff. Das pavimentum, der Fussboden der Kreuzgänge, bestand aus Backsteinplatten. 4) Vgl. Fechter und Schäublin 12. 10 h) 20 25 ee ea Seil c en 1 1 2 25 3 [Si se) 5 Beilagen. 547 was von den Glasgemälden der alten Karthaus noch vorhanden ist, ist theils in den Fenstern der Kirche angebracht, theils soll es in die Fenster der Gastkammer eingefügt werden. Wenden wir uns nun zu den Gebäuden, die in der Umgebung des grossen Eingangsthores (26) stehen), dessen nach dem Hofe gerichteter Bogen die Jahreszahl 1503 trägt. Links von diesem Thore ist (25) die Wohnung des Pförtners sammt dem Warte- raum für die Zinsbauern, ebenfalls mit der Jahreszahl 1503 bezeich- net, weiter dann (24) Scheune und Stall, rechts dagegen die Trotte oder Kelter (27), an deren einer Thüre sich die Jahreszahl 1494 und das Zscheckenbürlin Wappen befindet (vgl. S. 334, 7). Von dieser Trotte war eine Mauer nach der Fruchtschütte hinüber gezogen, welche den Garten des Klosters von dem Hofe trennte. In die nördliche Ecke des Gartens rechts unten auf unserem Plane ist ein fremdes Grundstück (28) eingekeilt, das die Trotte des Domstiftes, die sogenannte Zehntentrotte und, wie es scheint (s. namentlich (e=) 5} je) IS) or Karth. Arch. Nr. 318), das Pfarrhaus von St. Theodor enthielt, die westliche Ecke des Gartens, rechts oben, stösst an das Lessers- thürlein (29). Von diesem Lessersthürlein an liess zur Zeit des Einbruchs der Armagnaken (1444) die Stadt zur besseren Verthei- digung der gegen den Rhein schauenden Ringmauer einen bedeck- ten Gang längs derselben errichten (s. denselben auf der Meriani- schen Zeichnung), wie folgende Notiz in den Analecta Urstisii 226 besagt: Der gang an der ringmaur durch dasz closter ist gemacht worden im Schinderkrieg von Läsers thurn ?2) bisz an den Orthurn, thüt 59 werckklafter oder 472 werckschü, braucht 30 gwelm, ein iedes 2 klafter weit mit pfulmenten und mauren, ist aber hernach anno 99 also gebauen worden mit gewelmen. Als Heinrich Ecklin das ins Kloster eingebrachte Vermögen zu einem Umbau der Priors- zelle bestimmte, verordnete er: Item unter der stat gang sol man die müren beschen und ein sitz dorunder machen, asz lang der gang ist, und dorunder mit kislingen besetzen. — Als im Decem- ber 1529 der Küster, d. h. eben Heinrich Ecklin, damit umgieng, nach Freiburg zu entweichen, hob er in der Stadt Gang einige Dielen aus und verabredete mit seinem Bruder, dass dieser, wohl durch das Lessersthürlein, auf den Gang komme und ihm 1) Im J. 1507 erhielten die Karthäuser die Erlaubniss, eine Thüre, welche vom St. Theodors Kirchhofe her durch den Stall ins Kloster geführt hatte, zu vermauern, wogegen sie sich verpflichten mussten, in Kriegs- zeiten ihre grosse Pforte für die Bedürfnisse des Wachtdienstes stets offen zu halten. 2) In den Urkunden steht meist Lessers (bisweilen auch Lässers, auch Lesers) türli; in der Abschrift des Aufsatzes de fundatione ortuque Carthusiae schreibt Wurstisen Laesers türli (S. 495, 29. 496, 4). Das Thor ist erst vor etwa 15 Jahren abgebrochen worden, es hatte aber seinen alten Namen längst verloren und hiess das obere oder das grosse Rheinthor. Den Namen Lessersthürlein hatte es nach Fechter (Basel im 14. Jahrh.) 135 von einem Johannes Lesser, der dort gegen Ende des 13. Jahrhunderts Häuser und Hofstätten besass. 35* BASE: Beilagen. durch dieses Loch seine Mönchskleider hinwegtrage, was jedoch entdeckt wurde (S. 470, 2 fl.). Die beiden innerhalb des Klo- sterumfangs gelegenen Stadtthürme, der Ortthurm oder Eckthurm !) und der mittlere Thurm (30), gaben die Räume für die Kloster- gefängnisse her. »Sie haben«, heisst es Analecta Urstisii 226, yein kerker ghept im Ortthurn und etliche im mittleren thurn under der wacht«. Zwischen dieser Stadtmauer und dem Rheine lief, von einem Vorbau des Lessersthürleins ausgehend, eine zweite Mauer, die vor noch nicht langer Zeit abgetragen worden ist; auf der Feldseite steht noch heutzutage die bei Merian sichtbare zweite Mauer ausserhalb des Stadtgrabens, während der aussen an dieser sich hinziehende zweite Stadtgraben längst verschwunden ist). Auf der Merianischen Zeichnung ist endlich in der untern Ecke links der obere Theil des Thurms und ein Stück.des Daches der St. Theodorskirche sichtbar, deren Lage dicht gegenüber der von den Karthäusern erworbenen Liegenschaft dem Gedeihen der neuen Gründung anfänglich so grosse Schwierigkeiten bereitet hatte. 1) Egkthurn heisst er in der Urkunde vom 31. Merz 1507. 2) Die Urkunde vom 31. Merz 1507 erwähnt auf der Rheinseite einer »andern muren, so hinder unserm closter gat,« und legt den Karthäusern auf, eine Thüre aus dem Eckthurm in den Gang derselben zu brechen. Wenn es vom Kämynthurn heisst, er stehe an der Stadtmauer im Graben, so ist unter dieser Stadtmauer ohne Zweifel die ausserhalb des Stadtgrabens lau- fende zweite verstanden. 10 Personen- und Ortsverzeichniss. (S. das in der Vorrede darüber Bemerkte.) Aarau 122,10. 123,37. 128,19. 150, 23.130, 25,29, 32. Aargau 122,10,12. 162 A.3. 406,8. Achacius, Israel, 164 A.2. 218,22. Aebly, Hans s. Glarus. Aemter, die freien, s. Freien Aemter. Agnes, Magd der Sophia von Rot- berg 495 A.1. Aigle 422 A.3. Alantsee s. Allantsee. Alba, Herzog von 223, 39. Albrecht, Simon 119,3. Alemania, Alemannia s. Deutsch- land, Alemannia inferior s. Nieder- land. Alemaniae inferioris provincia des Karthäuser Ordens 337,16. — su- perioris 341, 27. Alencon, Herzog Franz v. 177,21. 184, Alfeld, Heinrich von s. Basel, Kar- thaus, Prioren. Alfons von Curillo, Cardinalis sancti Eustachii s. Rom, Cardinäle. Alfurt 112 A.A. Allantsee, Ambrosius 338, 36, A.5. 340 A. 4. — Augustinus 338 A.5. — Johannes, von Füssen 338 A.5. 363. — Johannes, von Schongau 315. 338 A535; Allschwyl 159 A.4. 167 A.8. 187,11. 215,26. Altenmünster 383 A.3. Alten Schönstein s. Nagel. Altkirch 346 A.2. Am Berg, Joseph 73 A.2. Ambrosius, der hl. 344, 23. Amerbach, Familie 235. 338 A. 5. 540,3. Amerbach, Basilius, Sohn des Johan- nes, Bruder des Bonifacius 384 A2. — Basilius, Sohn des Bonifacius 218,5. — Bonifacius 45 A.3. 147 A. 2. 312. 331 A.4. 355 A.5. 370. 520—522. 529,34. 530. 531. — Johannes 344, 20, 31. 354,12, A.$. 355,18. Andlau (Andlo), Ritter v. 152 A.3. — Ursula v., Gm. des Hans Ludmann v. Rotberg 293 A. 4. Anselm von Canterbury 379 A.1. Antwerpen (Antorf) 105,15. 117,26. 184, 8,20. Apfel, Nicolaus 354 A.9. Appendecker, Hans s. Carnellius. Appenzell 20, 31. 100, 23. 127,14, 21. 130, 27. 134, 6,28. 136 A.1. 200,14. 354 A. 6. — Jacob von s. Knusshart. Aquileja, Patriarch Ludwig v. 267 A.2: 345 Al. Aquino, Thomas von 290, 14. Aragon, Sicilien und Valencia, Kö- nigreich 296 A.1. Arles, Cardinal Ludwig von, s. Rom, Cardinäle. Arlesheim 167 A.8. 181,20. 215, 21. Armagnaken 331 A.4. 547,20, 25. Arona, Friede v. 204 A.3. — Friedrich und die andern Grafen v. 205,23. Arsent, Jacob 151 A.5. — Wilhelm 151, 13. Artolphus, Hieronymus 162, 22. Asia 19,10. Augsburg 113, 34, 36. 135,39. 156, 21. 219,9. — Augsburger Reli- gionsfriede 532, 34. 550 Personen- und Ortsverzeichniss. Augst 170,22. Augustinus, der hl. 344, 23. Aula b. Mariae s. Buxheim. Aumale, Herzog v. 224,1. Baar 101 A.2. Baarburg 136 A.4. Baden im Aargau (Obern Baden) 48, 89...70, 15. 180°98% 5148,907. 153, 8, 22,43. 154,14. 155,1. 161, 30. 162 A.3. 176 A.A. 186,19, 27. 187,.24, 31. 247, 110,,25..297,84: 390,28. 403 A.1. 406. 416,5. 422, 21, Baden i. Markgrafen Land (Niedern Baden) 340,2, A.2,3. 345,5. Baden, Markgrafen von 340 A.3. — Elisabeth, Gm. des Gabriel v. Salamanca, Grafen v. Ortenburg 151-A:,3. — Ernst (+ 1553) 136,4. 157,33. — des Markgrafen Land, die Mark- grafschaft, die Markgräfischen 24, 24. 48,25. 49,8. 52,38. 53,2. 150, 18. 176,24. 398, 21. — Edelknechte v. 302 A.3. 495,23. — Hans Heinrich v. 303 A.1. Baiern, Herzog Wilhelm V. (+ 1626) 118,12. Balstal 126, 26. Barfüsser Orden 389, 2. - Bart, Steffen 116, 40. Basel Aeschenthor (Eschamar thor, Esche- mer thor) al, 12. 54,5. 74.77. 188,6. 393,19. 412,4. Aeschenvorstadt 54, 15. St. Alban 19,23..33, 15. 87,4. 161, 6,7. .256.A,. 1, 300,4. =331;10, 338,38. 393, 14. 409, 7, 26. 417, 30. 440,8. 445, 27. 499,23. St. Alban Thor 54,6. 393,19. 412,4. St. Alban Vorstadt 54,14. 171,17, 19. Almosen, das grosse, 174,11. 224, 29. 4T6 A. 1. St. Annen Bruderschaft 518,37. St. Antonien Kapelle 489, 2. Armbrustschützenhaus 199, 18. Armenherberge s. Elendenher- berge. Augustiner Kloster 37,19. 55,7, 21.870200 59.9,.5%. 107,1. 2101, 6; A.3,4. 199,17. 402, 14.409, 12, 15,26. 417,2,4. 419,8, 420, 16. 421, 4,18. — Ein Augusti- nermönch 477,11. 486,6. Aula 386, 16, Bären-Zunft s. Hausgenossen. Barfüsser Kloster 33, 36. 34,3. 37, 20. 53,21." 8955M1,216,.80°° 74, 39,41,777,41,781519,232°106,20% 22. 174A.4. 402,14. 406,1. 409, 10. 417,2,3. 421,5. 440,8, 446, 24,33,35. — Barfüsser Platz 106, 20 ff. 219 A.3 (der neue Platz). »Das gewölb und bruck by den Barfuszern« 485,12. Bebenen, zur 495, 21. Beiersgarten s. Peyers Garten. Bischofshof hinter dem Münster 217, 38, Bischofshof in Klein Basel s. Kar- thaus. Bläserhof 170, A.4. Bläsithor' 170,11, 17. Blömlein s. Plänlein. Bollwerk zu St. Claren 117, 33, — zwischen der Neuen Vorstadt und dem Petersplatz ( Wasen- bollwerk) 117,32. 226,9. — neben dem Steinenthor 165,18. Breite s. Gebreite. ; Brotlaube 103,17. Brunnen, Stube zum, 82 A.3. Büchsenpulverthurm s. Schneider- thurm. Burg, auf, 86, 18. St. Clara 117,33. 402,15. 409, 8, 26. Collegium (Universitätsgebäude am Rheinsprung) 35, 20,27. 39,36. 43,11. 44,2. 45,7. 151 A.3. 261, 34. 262,1. 284,18, 293 A.5. 441, 14. 443 A. 2. 493, 31. — Oberes Collegium im ehemaligen Augu- stiner Kloster 151,5 und A.3,4. Deutschordenshaus 300, 18, 32. Domcapitel, Hof des, 217, 39. Domprobst, Haus des, 404,18. Domstift s. Münster. Elendenherberge 175,7. 224,29. St. Elisabethen 54,24. 196. Engelhof 176 A. 3. Esel 187,3. Eselthürmlein 106, 23. Fischmarkt 24,36. 82 A. 3. 103, 19. 111,26. 485,2. — Brunnen auf demselben 174,6. 222,28. Gartnern, Zunft zu 67, 14. 71,32, 42. 73,10,16, 93,767 81: 16. 85,39. 439,2. 445,18. Gebreite 254 A.1. Gerbergasse 103,13. Gerbern, Zunft zu 406 A.5. Gnadenthal, Kloster 388, 12. 402, 15. Personen- und Ortsverzeichniss. Graben s. St. Peters Graben. Grenzacher Strasse 161,3. Hasen, Jacob Meyer zum, 47,27. 231,19. 8. unter Meyer, Jacob. Hausgenossen (Bären) Zunft 83,1, 223,9. 331 A.A. Hebelstrasse s. Neue Vorstadt. Hirzen, Jacob Meyer zum, s. Meyer, Jacob. — UCunrat Schwartz zum, 182,1; Hohe Stube 331 A.4. Imbergässlein 103, 22. St. Johanns Kapelle auf dem Mün- sterplatz 395, 20. St. Johanns Thor 151,3. St. Johanns Vorstadt 489, 2. Kämynthurm 540,27. 548 A.2. Kapelle vor dem Aeschen Thor 51,12. — auf der Rheinbrücke 20,12. 160,40. — bei der Rheinhalde bei Hünin- ger Rain 151,3. Karthaus 90,38. 161,2,10. 379,8 ff. 393,14. 413,23. 439,10 fi. 447, 15 ff. 448 ff. 484,38. 488,41,43. — Karthäuser 394, Ss ff. 395, 25 ff. 399,24 #.401,.23.f., 405,17 f. 409,2. — Gebäulichkeiten derselben a. Vor ErrichtungdesKlo- sters. curia episcopi, des byschoffes hove 254,22. 255,7,45. 256,32, A.1. 260,19. 493,21,23. 499. 500. 501, 32, 33. 502, 20, 26. aula episcopi 261,24. domus antiguum granarium 261, 31 Margarethencapelle im Stadtgra- ben 259,29. 260,25. 261,2. b. Zeitder ersten proviso- rischen Einrichtung. refectorium 261,29. celle conventualium 261, 29. capella maior 261,24. 262,18. 263, 1,4. claustrum 261,27. collogquium 261, 27. ec. Gebäulichkeitenausder ältern Zeitdes Klosters, welche in der Folge ei- nen durchgreifenden Umbau erlitten haben. Plan für die gesammten Gebäu- lichkeiten 273, 3. en 551 coquina.271,.32.. 287,,28...299, 2, promptuarium 271,32. 299,7. refectorium 271,32. 277,13. 287, 28,29. 299,3. supra refectorium 261,25. 263,1. stupae maior et minor 271,32. locus rasure 271,33. patrum et hospitum camera 299, 3,11,12. stubella circa cameram patrum 261,29. promptuarium pro reponendis cus- sinis hospitum et aliis necessa- riis in camera patrum et hos- picii 299, 10,11, 12. domus communis locus 299,3. cella supra fontem pro domus ‚procuratore aut aliquolaico 272, 34—36. apud fratres laicos 30. laicorum celle 261, 27. 299,12. officine 299,4. carceres 299, 4. d. Das Kloster Vollendung. Magna domus 336,8. Dach der- selben 336, 8. 337,2. — Refecto- rien 336,9,10. 355,9. 388. 450, 23. 496, 23. 498,35. — coquina 336, 10. 349, 6 {an dieser Stelle: coquina cum stubella etc. con- tiguis). 454,22,27. 457,9,13. 496,22. gewelm vor der kuchen 454, 22, — promptuaria der Küche 336, 10. — dispensa 336, 11. — cellarium 336, 11. 355, 8. — Gasträume: Stube im Hause der Gäste (stuba in domo hos- pitum) 334 A. 6. stuba hospi- tum 351,18. hospitum stuba cum camera testudinata pro vi- sitatoribus 355,2,3. Kammer der Gäste (camera hospitum) 334 A.6. 355 A.2. gastkammer 462,24. — stuba nova 355,3. andere kemmerlin 462, 24. Langhaus. structura longae do- mus seu habitationis et dormi- torii fratrum laicorum 334, 11, 12. structura transitus, qui edi- ficari debet pro habitationibus fratrum et hospitum 334 A.9. Schlafsaal (dormitorium) der Laienbrüder 362. Die trina 272, 37. 299,6. 330,8 fl. irche 270,31. 271,35. 272,8 ff. 274,22. 277,28 fi. 278. 280, 34. fratrum camere in seiner 5592 Personen- und Ortsverzeichniss. 381,11,19. 284,22,23. 293, 13. 294,10. 299,33. 346,23. 448, 18. 495,9. 498,25. — Fenster 277,32. Bedachung 278,13 ff. Legung des Fussbodens 283, 11,12. Innere Ausschmückung 337,7. — coclea, qua ascendi- tur ab imo usque ad summum ecclesie 260, 42. — Chor der Mönche 283,11,12. 285,33. 299, 33. 498,28. Vertäflung 283, 14. Wölbung 333, 13. 334 A.4. Glasgemälde 334, 2. Chorstühle 286,15. Thüre zwischen dem Chor und der Laienkirche 260, 41. Bogen zwischen ebenden- selben 278, 27,30, 32. — Laien- kirche. Vertäflung derselben 290, 26,27. — Lettner 283,13. 294,9. 295 A.3. — Kreuze auf dem Dache 278,19,20. Funda- ment für einen Thurm 278,24 ff. Erbauung des Thurmes 283, 12. — Altäre: Hochaltar (hl. Mar- garetha) 281,15. 284,253. 291 A.3. 294,6,7. 495,15. sancte crucis 281,15. 294,8. 334 A. 6. 495, 15. virginis gloriose 281, 16. 294,8. 495,16. auf dem Lettner 294,4. 295 A.3. sancti Joannis Baptistae 355,16. 356, 8. — promptuarium reliquia- rum circa pulpitum evangelii 294, 6. Sacrıistei.291,5,14,-A), 3 295, 19. 296,16. 334, 8. 450,36. — Altar in derselben 294, 8. 295, 20. Capitelhaus 291,15. 294, 5,20. 295,13,19. 296,14, 16. Eiserne Gitter an dem Fenster dessel- ben 294, 11, 12. Glasgemälde 294,13. Altar 295,15. 356, 9. Kammer über demselben für Kirchengewänder und Kirchen- geräthe 294,14,15. 295,13, 14. Bibliothek 291,13. 294,5. 328, 21.1. .329, 8-1. 33156. Keller und Fruchtschütte: celäre 285, 34. 299, 20,24. gra- narium 286,3. 299,14 ff. Kreuzgang (ambitus, gallilea) im Allgemeinen 272,37. 281,19. 284,21. 291,2,3. 346,23. 456, 11. 461,26. 463,18. 473,7. 475, 21. 476,4. 482,19. — Kirchhof (eimiterium) im Allgemeinen 263,4. 274,21,24. 281,17. — Der grosse Kreuzgang (gallilea maior) 285,32. 287,29. 291,17 f.. 292,17. 295,18. Vertäflung 291, 19. Fussboden 291,19,20. Be- dachung 331 A.1. Fenster und Glasgemälde 291, 18, 21, 22. Lampe (ampula in magna galli- lea) 334 A.6. — Dergrosse Kirch- hof 295,18. 330 A.2. Geweihter und ungeweihter Theil dessel- ben 295,21 ff. — Der kleine Kreuzgang (gallilea minor) 291, 16,17. 295,19. 296. Bedachung 296, 10,11. Glasgemälde 296, 11,12. Collogquium 296, 5, 10. 342,12. 401,26. Altäre 295 A.3. Altar der Märtyrer 294,9. 296, 6. Altar der Jungfrauen 296, 14,18. Lavacrum 296, 7. — Der kleine Kirchhof 295,19. — Ver- bindungsgang zwischen dem grossen und dem kleinen Kreuz- gang 285,33. 295 A.3. Zellen 281,20. 282,26,27. 291, 4.293, 17.:330;6.: 336,842. 352, 38. 448,18. 477,10. — Zelle A 283,8.7286, 1.2299, 39.2496727T. 497,11. —- B:299, 39.497,13. — 0 290, 28. 355,10,12. 497, 15. — D 290,16. 299,39. 330 A.5.,:355:10,4 1249, AI = E 290, 30.2 291,.212.330° 275. 497,23. — F 290,30. 291,21. 299, 39. 497, 31. — G 299, 41. 330,3. 497,34. — H 299, 41, 42. 329,29. 498,3. — I 299, 41. 333 A.2. 498,7. Ofen in der- selben 336 A.1. — K 299, 41, 42. 339 A.2. 498,10. — L 285 A...2...290,32. 299 470.22 498,14. — M 285, 36, A.2. 299, 40. 498,18. — N (Zelle des Sacrista) 285 A. 2. 299,40. 329, 30. 470,13. 496,26. 498, 23. — O (früher C 273, 8. 275, 20) Zelle des Schaffners 287, 30. 330,1.. 331:A.1. 334,15. 450, 43...475,3. 496, 24.229856, 29. Wahrscheinlich ist sie gemeint 470,13. Uhr in derselben 334 A.6. Fenster in der stubeila derselben und übrige Ausschmü- ckung 334 A.6. — P (früher B 273,8. 275,20. 282A.2) Zelle des Vicars 284, 21. 299, 40. 334, 18 fi. 336 A.1. 496. 497. 498, 33. — + (früher A 273,7. 275, 20) cella crucis, Zelle des Priors N. | % Personen- und Ortsverzeichniss. 553 287,28. 336 A.1. 355 A.4. 462, 28. 463. 496. 497. — prioris cella antiqua 285, 31. 286,1. — sexta cella (der Zeit der Er- bauung nach) 287,34. — Zelle, welche Zscheckenbürlin nach seinem Eintritt ins Kloster be- wohnte, und Ausschmückung derselben 348 A.3. | Scheerhaus, domus rasurae 349, 5,6. 354,16. 355,4. Pfründ- nerwohnung in demselben 354, 16. Fenster in der Rasierstube 334 A.6. Uhr über dem Hause 334 A.6. 349,5,6. 354,17 ff. Brunnen 272, 35. 334 A.6. 355, 4,A.3. 496, 25. Bedachung 331 Ad, Pforte und Pförtnerswoh- nung 272, 28,29. 280,22. 349, 5. 353,14,15. 462,33. 477,14. 484,15,24. habitacula annexa 349,5. Stube der Zinsbauern 354,15. Fenster in derselben und in der Pförtnerswohnung 345 A.1. 354 A.8. Scheune 334,8. Trotte (Kelter) 285, 34. 299,13. 334,8. Garten 285,34. 299,13,24. 334, 8. 495,27 fi. Gartenthor und Gartenmauer 334,8. Stadtmauer auf der Rheinseite 260,24. 279,36. 504,33. »der stadt gang« an dieser Mauer 470,4. — Stadtmauer auf der Feldseite 260,24. 261,28. Mauer gegen die Strasse und gegen St. Theodor 299,28 ff. 495,34. Eckthurm 261, 30. Murus vulgariter Strech- sumpf dietus 272,11. Karthaus, Prioren 1. Wynand von Dortmund (1407 —j409) 251,18. 252,6. 254— 257. 264,20. 269,31. 270—273. 501 ff. 2. Johannes Dotzheim (1409 — 1418) 275,17. 278,12 ff. 281, 6,23. 232. 283,9. 284,33. 3. Conrad von Worms (1418 — 1424) :270, 8: 283,4 ff. 4. Ortwin (1424—1425) 283,19 ff. 5. Heinrich Kotlo von Lüden- scheid (1425—1429) 285, 25 ff. 286. 287. 6. Johannes Eselweg (1429 — 1432): 287,25. 1288,12, 19. 289,29. 7. Albert Bur von Utrecht (1432 — 1439) 290. 291. 292,6. 8. Adolf Brouwer von Cöln (1439 —1449) 295,1,2 ff. 296. 9. Heinrich Arnoldi von Alfeld (1449—1480) 239 ff. 248 A. 1. 297—304. 305 A.3. 311. 314. 316. 2.94.7.5.320: 90: 921.06,40: 322—325. 334 A. 1. 336 A. 1. 339 A.2. 416 A.6. 494. 496, 28. 499,18. 508—510. 513. 10. Jacob Louber von Lindau (1480 — 1500 oder 1501) 235. 236.241. 242,243. A,4. „244 A.2. 245. 305. 313 A.7. 314. 310,..922,7 fi. 2829: Ar3u..325 A.2. 326,20 — 342,27. 346. 347,27..348,19... 349, 38.350, 6,25. 351,36. 359: 360.- 361. 362. 364. 416 A.6. 478 A.A. 496, 27. 508. 509. 539,19. 540, 23. 11. Hieronymus Zscheckenbürlin v. Basel (1501-1536) 90,38. 235. 309. 313. 314.317. 318.325A.1. 331,8,18. 333, 2..334. 338, 35. 340 A.1,5. 347,17 — 356,14. 361. 363. 365. 366. 379,10. 382,26. 387 A.5. A416 A. 6. 432. 435. 447,20. „449,8,19. 450. 455, 33,36. 456, 7. 457, 36. : 459. 463,5. 469,40,41. 410,36,92. A1l.: 472: 7477,22 478,11,24,30. 479. 480. 481, 1. 482. 483. 484,1. 490, 4,12. 518. 519. 520. 921,43. 522— 527. 535,22, 37.539, 4,9..540, 27. 545, 28. Kaufhaus 3. 103, 11, 24,26, 30. zur Kinden, Hof der s. Zur Kinden. Klein Basel: die kleine Stadt 160, 40. 222,28. 439,4. 440,6. Min- deres Basel 518,37. Basilea mi- nor 248 fi. 393, 21. 394, 2.. 417, 24. die über Rhein 30, 13. 47,9. 712,9, 3a ya 89.4071, 117,33. 118,4. — die Tränke »ennent Rinsz« 161,2. die Ge- sellschaften jenseit Rheins 94,24, As2. Klingenthal 20,7. 488 A.4. K.ohlenberg 175, 10. Kohlenberger Gericht 62 A.1. Kopf, Wirthshaus zum, 164, 2. Kornmarkt 24,10. 51,18. 57,35. 83,22. 85,7,10,12. 86,15, 22. 954 87.,.187:38.. . 1083, 152. 1.120528 113,22. 126, 24. 143 A.1. 144. 447,27,33. 485,2. Kornmarkt- brunnen-103;11,32. 11128: Kreuzsteine 60, 8. Krone, zur, 103,20. Kuttelbrücke 103, 14,17. St. Leonhard 37,20. 59,5,11,16, 29. 63, 24. 163 A.1. 389. 409,25. 440,8. — Hof bei 180,10. Lessers Thürlein 254 A.1. 495,29. 496,4. 545,13. 547. 548. Lützel, Garten der von, 496, 6. Malzgasse 54,13. St. Martin 35,30. 37,19. 45,6. 57, 20.59,5,10. 196. 197,24. :312 A.1:883,17.23°°896, 11: 411, 15. 417, 3,6. 419,9. 440,8. 484, 32. — der Pfarrer zu (Anton Zanker) 383,17. St. Martins Berg 493, 30. Maulbaum, zum 220,15. Metzgern, Zunft zu, 421,10. Münster und Domstift 78,15. 79, 18. 86,19, 25,27. 89,24. 107,4. IEFR. 1. 10. AT 1SNEE IE, 183,7... 1288.29:.9199°17.° 21757, 36. 300,2.°924,38 330 A, 1.831, 11.334, 1479340’ A, 47943:106. 344,7. 346:A.3. .390,2.°393,8. 395,19. 396,2. 400,6. 403,1,6. 404,13. 411,18. 417, 30. 440, 5, 13. 445,17. 446,25. 447,9, 29. 495,12. 498,1,9,17. 499—508. — Capitelhaus im Münster 188, 29. Pabstglocke 173,19. Münsterplatz 88,21, A.2. Nadelberg 176 A. 3. Neue Vorstadt 117,32. St. Peter 78,15. 79,18. 87,4. 163, | 8, A.1. 196. 309. 334, 4. 338 A. 5. 346 A.3. 378,11. 379,1. 400,6. 410,15. 417,29. 440,5. 447,9. 460 A.2. 478,15. — der Kirch- hof zu 88A.2. — der predicant zu (Sebastian Müller) 80,1, 27. St. Peters Graben 176,7. St. Peters Platz (der Platz) 46, 38. 96,7, 14. .1175324:183,,92°199,13. 226.9: Peyers Garten 287, 31. 496,2. Pfalz 20,7. 225,33. Plänlein 293 A.5. Platz s. St. Peters Platz. Platz, der neue, s. Barfüsser Platz. Prediger 74,40,43. 90,38. 107,2. 151, 11. 342’A.2. 402,12. 409,9. Personen- und Ortsverzeichniss. 418,6. 440,6. 446, 35, 38. — der predicant zu den (Ambrosius Pe- largus) 79, 24. Predigern, Haus beiden, 62, 36. das Rheinufer bei den, 161,5. Rappen, zum, 47,8. Rathhaus (Richthaus) 34, 29. 57, 38,40. 83,21. 84,9,14,18. 85, 12,28. 87,24, 27. 94, 29,31. 103, 16 A.1. 447,27. Reinacher Feld 166, 22. Rheinbrücke 20, 12,14. 85,40. 160, 41,161, 42 2164:Ar31, 122.52 223,1,3. 225, 33. 348, 22, 32. :394,2. 461,42. 504,32. Rheingasse 174,5. Rheinhalde vor dem St. Johanns Phor5,3: Rheinthore 173 A.4. — das obere oder grosse Rheinthor 547 A.2. S. auch Lessers Thürlein. Rindermarkt 333 A.5. Rümmelins Mühle 198, 19. Ryspachs Hof 176,8. Safran, Zunft zum, 75, 31. 82, 30. 83,3. 84,19. 85,39. 331 A.4. Salzhaus, Salzthurm 103,20, A. 5. 129,:17..'161 5.2222] 30; Schiff, zum, 331 A.4. Schiffleuten, Zunft zu, 142,43. Schindbrücke 103, 8. Schlüssel, Zunft zum, 82,30. 83,4. 103, 14. 223, 9. 331 A. 4. 334 A.6. Schmieden, Zunft zu, 83, 2. Schnabel, zum 229,9. Schneiderthurm 413,3. Als Büch- senpulverthurm bezeichnet 484, 34, ohne Namen 54,5. Schol 103,7. Schützenhaus s. Armbrustschützen- haus. Schützenmatte 46, 39. 183,2. Schutz 112 A.1. Seufzen, Stube zum, 82,32. Sonne, zur (am Rheinsprung) 161,6. Sonne, Wirthshaus zur (in Klein Basel) 33,5. Spalenvorstadt (an den Spalen) 53, 12; 62,31% 72,4,33 Spalenthor 53,12. 74,7. 88 A.3. 226,8. Spital 19,23. 35,3. 37,19. 59,6, 12. 62,4,5. 63,24. 174,11. 224, 28. 300. 301. 409,25. 421,4. — der (Pfarrer) im Spital s. Weissen- burger. Spitalsprung s. Sprung. Personen- und Ortsverzeichniss. Spinnwettern, Zunft zu, 57. 58,12. Sprung 86, 22. Stachelschützenhaus s. Armbrust- schützenhaus. Steinenvorstadt (an den Steinen) 94233,103°92:4, 12° 104,8) 111, 19. 198, 21. 224,23. 439,3. Steinenkloster 24,34,35. 103,2. 193159. 293 8.5.5382, 175-388, 11. 393, 137 402, 15. Steinenthor 24,31. 112, 10. 165,18. 169, 36. Sternen, zum, 23,19. Sumerysen Haus 62,31. St. Theodor (St. Joder) 78,16. 79, 38.590,4, 107, 22-1632A.1...263, 15 ff. 280,21. 299,29,31. 340 A.4. 413,24. 417,24,29. 440,6. 447,10. 450,12. Nachtrag zu 460, 31. 478 A.4. 499. 500. 502. 503. 504, — Kirchhof 547 A.1. 299531. 827,17, — der Leutpriester zu {wahrschein- lich Wolfgang Weissenburger) 463,22 ff. Tränke »ennent Rinsz« 161, 2. St. Ulrich 79,19. 87,4. Universitätsgebäude s. Collegium, auch Aula. Utenheim, Hof der von, 170,18. Utingen, Haus 333 A.5. Wasenbollwerk s. Bollwerk. Waseneck, Haus, 495, 42. Wasserthurm 173, 22. Webern, Zunft zu (auch Garten und Hinterhaus der Weber, subur- bana textorum) 50, 11. 103,3. 173,20. 198,22. 382, 16. 439,2. Weinleuten, Zunft zu, 83,2. 85,40. 148, 25. Weisse Gasse 62,19. Welti, Häuser, 495, 38, 39. Werkhaus s. Zeughaus. Werkhof 32,18. 85, 13. Wiesenbrücke 170,9. 456 A.1. Wuhrhaus 112, 11. Zehntentrotte des Domstifts in Klein Basel 495, 29, 30, 37. Zeughaus (Werkhaus) 183,8. 447, 25,36. Zur Kinden, Haus der 496, 6. Basel, Bischof, Bischöfe 302,39. 330 A. 2: 499,32. 506,24: — Humbert von Neuenburg in Bur- gund (1399—1418) 500, 14. — Arnold von Rotberg (1451—1458) 293 A.A. Pfarrhaus 999 Basel, Bischöfe — Caspar zu Rhein (1479—1502) 334 A.4.7414.-A 23. — Christoph von Utenheim (1502 — 1527).24,.17.10..33.'342.36,.16. 4456. 52..190A22. 210325221792 7333 A. 613965. 21..403.A21,,414 3115: 478,5. — Philipp von Gundelsheim (1527— 1553).2116,.18.211 7.02.16. 17 34135 422,13. — Melchior von Lichtenfels (1554 — 1909). 10128 81.216858:.47 1.14: — Jacob Christoph Blarer von War- tensee (1575— 1608) 177,12,15. 180, IT ff. 181,28. 182,24,25. 186,20. 187, 9:827215-0. Basel, Diöcese 323 A.1. 324,3. 415, 9. 505, 19,25. — weltliches Gebiet und Untertha- nen des Bischofs 24, 24. 52,29. 116, 12,14. 159,33, A.4. 165,26. 167, 14,24. 181, 23. 217,40. 280, 6. Basel, Hans von 331 A.4. — Elsa von, s. von Laufen. Battier, Veronica vermählt an Peter Ryhiner 197, 35. Batz, Peter 26,20. 28,19. Baumgarter, Christoph 140—142. — Elsbetha 140 A.2. — Elsbethlein 140 A.2. — Jacob 28,12,18. 29,11. Becherer, Ludwig 448 A.4. 459 A.1. 476 A.1. Beffort!) 222,13. Beinweil 289,2. 302,11. 304,12,20. Bellenz 204 A.3. 208, 19. Bellingen 152 A.3,4. 155, 23. — der Schultheiss von(AmbrosiusKrenck- lin) 152,27 #. 153,2. 155, 21. Benfeld 310. 311. 378, 6. Ber, Bonaventura 39,4. — Franz 82,29. 214, 33. — Hans 22,8. 23,17. — Ludwig 45 A.3. 89 A.1. Bern 20,33. 53,17. 63. 64. 65,18. 66. 67. 70,15. 73,33. 75,24. 76,2. 82, 13, A.1. 283,09... 91. 292.29956,39. 100-102. 106. 107,23. 108,23, 35. 110515,.,.155,.136.0118,9,°122,,12, 125—138. 139 A.1. 146, 6, 27,33. 166,4. 167,8,9. 169170. 171,16. / 1) Diese Schreibart ist die allgemein ge- bräuchliche in den deutschen Schriftstücken der frühern Zeit. Ihre Anwendung hat um so mehr Berechtigung, als die französische Schreibart Belfort nur zu einer unrichtigen Aussprache des Namens verleitet, 596 177.23. 178, 29. '181,17.:188, 22,30. 185,20,A.2. 186,5. 200,13. 206,9. 208,1. 216, 34,36. 227,27. 249 A.2. 250,9. 302,28. 346 A.1. 401,12. 415,33. 419,17. 421—425. 446 A.2. 485,32. 487,34. Bernardinus, magister s. Coci. Bernhardi, Johannes s. Wolleb, Joh. Werner. Bertschi (Bertsch, Bersy, Bersius), Marx 37 A.5. 63, 24. 138- A. 2. 163 A.1. 390,6. 409,25. 420,7. 421,3. Bettingen (Betticken) 159, 31. Biberach 118,17. 135 A. 2. 156, 21. Bicocca, Schlacht von, 32, 39. Biderthal 25, 32 ft. Biel 92,9. 106,17. 126,11..127,20. Bientz, der junge (Hans) 131,13. Biermann, Gertrud s. Ryff. — Jacob 1%. Binningen 112 A. 2. Birseck, Schloss 117,4, 5. — Amt 159,4. Birsig 24, 31, 36.103,3,:A72,55181 19: 112. 159 A. 5. 475. 11. 219, 12. 224, 20. 485. Bischoff, Andreas 74,24. 82,32. 85 Az — Niclaus 147 A.2. St. Blasien 392, 6. Blauen im Jura 222,11. Blaurer, Ambrosius 124 A.i. Blechnagel, Urban (Urban Gürtler) 117,1,16. Nachtrag zu 378 A.5. Bleuler, Hans 64 A.5. 65,12. Blotzheim 355,14. 411,7. Böhmen 412,25. 420,11. — Böhmer Wald 224, 36. Böse, Udo 290, 23. 301,16. Bollweiler, Niclaus v. 165 A.5. Bondorff, Hans 26,18. Bothanus, Hieronymus, Nachtrag zu SA. LS A Brabant 184.. 223,19, 30. 392,16. Brand, Bernhard 166 A.8. 170 A.5, 8. 187,26. 219,13. AT1A.1. — Catharina s. Ryfl. — Hans 196. — Margaretha s. Lostorffinn. — Oswald 296 A.2. — Sebastian, Dr. (von Strassburg) 312. 345, 2. 346, 27. — Theodor 119 Var.4. 471,3. 472, 32; Brandmüller, Heinrich 196. — Ursula s. Wolleb. Bratteler, Jacob 27,27. 107,23. 118,9. Personen- und Ortsverzeichniss. Braunschweig, Herzog Heinrich 11. der jüngere von Braunschweig- Wolfenbüttel (+ 1568) 61,12. 149, 33. die Braunschweigischen (die von ihm geführten Truppen) 149, 97. — 8. auch Lüneburg. — Johannes von, »natione dux de Saxonia«, Karthäuser 24952731, A.2. 341,8. Breisach 222, 30. Breisgau 155, 34. 396, 34. 398. Breitholz 136,16. Bremgarten 92, 15.:122 A, 2712920. 130, 25, 28. 136, 25, 32...137, 9, 13, 347. 139 Aut Breuschthal 224, 2. Briefer, Niclaus 526 A.1. Brigittenorden 383, 12. Brouwer, Adolf, Bürgermeister von Cöln 295.A.1. — Adolf, Karthäuserprior in Basel s. Basel, Karthaus, Prioren. — Nesa 295 A.1. Brücklerin, Elsbeth 228, 35. Brünikoven, Rudolf v. 256 A.1. 499, BEN. Brugg 92, 16. eorg. Brun, Thomas 362. 32 ff. 409, 30. 410. 477. trag zu 378 A. 5. von Brunn, Bonaventura 218, 4228, 10. — Hans s. Schaffner. — Heinrich 334 A.6. — Maria s. Zscheckenbürlin. — Morand 331 A.4. 334,16. 354,9. 355 A.2. 365. vgl. 541,28. zum Brunnen (Brunner), Hans 216, 32 2265 18. 39241. S. auch Carpentarii, 382,6,9. 384, 478. Nach- Brunnmeister, Martin 33,4. - Bruno, der hl. 324, 22. 338 A.2. Burckhardt, Andreas 196. — Daniel I. 196. — Daniel II. 196. — Gertrud, vermählt mit Theobald Ryff 196 A.4. — Gertrud geb. Falkeisen, s. Falk- eisen. — Salome 198,3. — Susanna s. Ryff. Burgund 129,4. 204,2. 209,1. 227,16. — Üarl v. 497,29. — Isabella v. 290,30. 291,25. 495,20. 497, 25, 32. — Philipp v. 497, 30. Burgund, Hoch- 20, 23. Personen- und ÖOrtsverzeichniss. Burgundia minor, Klein - Burgund 250, 7,8. Busch, Hermann von dem, 383 A.6. Butzer, Martin 124 A.1. 424,1, A.3. Buxheim 337,16 ff. Caecilia, Magd der Sophia v. Rotberg AI Ast, Calais (Callis) 184, 22. Cantiuncula, Claudius 45 A.3. Capito, Wolfgang 391,15. 400,27. 408,2. 424,2, A. 3. Capnio s. Reuchlin. ie 92.19 SE I01A,.2.193,12,..419 „4 — Abt von (Wolfgang Joner) 133,12. 419 A.A. — Schlacht von 131,18 ff. 486, 27 ff. Carlstadt, Andreas Bodenstein von, 151A.2. 163,3,6, A.1. 387,14,19. 390, 22. Carneliius, Hans (Hans Appendecker) 32,35. Nachtrag zu 378 A.5. Carpentarii, Georg 246. 307 ff. 320,5. 828 A.1. .329.A.2. 331A.4. 339 A.3. 340 A.5. 347,22. 348,39. 357.4. 379,13. A16. 433. 453 A:1 und Nachtrag zu dieser Stelle. 518 —522. Oeccopieri 235 A.1. Chablais 169 A.1. Christgarten bei Nördlingen 339,5. Christian, Laienbruder in der Kar- thaus zu Basel 453, 31. 527. Christoph, Karthäuserprior in Trier s. Trier. Cistercienser Orden 496, 7. Clichtoveus, Jodocus 416,2,A.3 und Nachtrag dazu. Cluniacenser Orden 338, 37. Coblenz 301,19. 399,18. Cochleus, Johannes 381,5. 392,3. 405,16. | - Coei, Bernhardinus 354,11, A. 10. 369. Cöln -105,15. 226, 32. 271,17. 273,29. 274,15. 286,14. 295,2,7. 296, 29. 323. — Frzbischöfe: Hermann v. Wied (1515—1546) 114,3, 21. 385,26. — Gebhard Truchsess v. Waldburg (1577—1583) 185,11. — Karthäuserprior Hermann v. De- venter 502,8. Colmann, Karthäuser in Basel 355,13. Colmar 109. 156, 21. — der hohe Rath zu (conseil souverain d’Al- sace) 533. " 897 Conde, Heinrich v. 176,6. 177,18, 20,26. — Ludwig v. 176,4. 223,25,41. 224, San: Constanz (Stadt) 63,4,10. 66,16. 67, 7. 91,11. 92,9. 99,7. 101,26. 102, 12. 108,35. 114, 24,28. 118,9. 127, 13,21. 130,26. 13853. 165A 9. 305, 17. 403,13. 424, 8. — Diöcese 248,11. 302,7. 323 A.1. 499, 28. — Bischöfe von 461, 29. 494, 40. 506, 25. — Marquard v. Randeck (1398 — 1408) 260,14 ff. 281,11. — Otto v. Sonnenberg (1475 — 1490) 334 A.4. — Hugo v. Hohenlandenberg (1496—1529, 1531—1532) 422,13. — Weihbischöfe : Bischof Conrad v. Hebron 281. — Melchior 403 A.1. — Johann von 340,4. Coppius, Conradus 378,12. Crasso s. Grasso. Cronberg, Hartmudt v. 385 A.3. Cünlin, Conrad (v. Urach) 339 A.4. Curillo, Alfons v. s. Rom, Oardinäle. Currificis, Johannes 518, 34. David, Caspar 28,13. 100, 32. — Elsbeth, vermählt an Christoph Baumgarter s. Baumgarter. — Heinrich 140,18. 215,7. — Johannes 334, 14. — Lienhart 33, 4. Daxelstein, Sebastian 159, 25. Deinikon 136,15. 138 A.5. Delsberg 216, 8. 414,17. Delsberger Thal 168, 4. Denais, Geschlechtsname 235 A.1. Deutschland, deutsche Nation, Ale- mania, Germania 162,14. 205, 12, 20. 219 A.1. 221,13,26,33. 272,1. 325,4. 341,25. 382,19. 384,17. 386,2. 387,15. 389,11. 390, 24. 392,14. 397,21. 408,6. 420,3. 423, 1. 450, 25. 487,2. — deutsche Kriegsknechte 174,9. 177,23. — Kaiser und Könige 148,37. 208, 23. 302,38. Ruprecht 270,12, Sigmund 235. 242 A.2. 304,5. Friedrich III. 325,18. 330 A.5. Maximilian I. 397, 23. Carl V. 26,25 fl. 29,2,3. 61. 99, 37..113,59.14114%118!Var. 25.2118 A.2. 119,10,11. 121. 146,39. 147,24, 148, 31,39. 149. 150. 153,30. 154,1. 158,2. 164,13,17. 165. 166, 16..386, 3. 390,11. 412, 998 24. 422 A.3. — die Kaiserischen (Kriegsvölker Carls V.) 47,38. 165, 2.— die Kaiserischen = die Oesterreicher s. Oesterreich. Ferdinand I. 61,5. 99,28. 102, 12. 105,36. 106,4. 114,1. 149,8. 157 A.:3.2170: 403,13. 412,24. 278, 27, Maximilian Il. 178 A.1. Joseph II. 533, 36. Deventer, Hermann v. s. Cöln. Dhaun 218 A.1. Dichtler, Anton 28,11. 32, 33. Dienast, Geschlechtsname 235 A.1. Diesbach, Niclaus v. 414 A.3. 415, 30. — Sebastian v. 125 A.4. Diessenhofen 445 A.2. — Stephan v. s. Stör, Stephan. Dijon 20,24. 21,7. 204,16. 206,1. Dischmacher s. Ramminger. Distlerin, Maria 228, 10. Dittlinger, Peter 125 A.4. Dörfer, die fünf s. Fünf Dörfer. Döle 227, 16. Dolter, Conrad 135 Var. 21. — Hans, auch Frischherz Benannt 135,20; Dornach (Dorneck) 147, 25. 184,17. Dornbirn 449 A.3. Dortmund (Tremonia) 501, 22. Wynand von Dortmund s. Basel, Karthaus, Prioren. Driomalen, "Herr v. s. Herzog v. Au- male. Dryel, Johannes v. 453, 27. 527 A.1. E Otto v. 527 A.1. Dürr, Hieronymus 225, 22. Dumysen, Rudolf 486 A.3. Eberhard, Ulrich 285 A.2. 291,1. 498,20. Eberlin v. Günzburg, Johannes 404 A.2 Ebernburg 383 A.3. Eck, Johannes 64, 16. 406,11. 407, 14. 423,2. Eckart, Meister 379 A.1. Ecklin, Heinrich 355, 11. 453, 30. 527,13 ff. 547,28, Wahrscheinlich ist er gemeint 450,35. 456 A.1. 470. 472,30. vgl. 547, 33. Efringen, Heinrich v. 293 A.4. Egringen 291 A.5. 300,13, 14, 26. Eidgenossen (confoederati, confoe- derati de antiqua liga, confoede- ratores ligae veteris), Eidgenossen- schaft 20. 21. 22. 23. 26. 27. 28. 32. Personen- und Ortsverzeichniss. 46. 47,35. 48. 53,16. 99, 20, 24. 102,6. 108,34. 116,10. 119,12. 122, 24:25123..128,3682, 7 48T 24. 145,23. 146,29. 148, 27. 149, 25, 31.3151 A257 13328 7215377 155,1. 156, 22. 161,29. 163, 3,29. 167,1.171,10. 179,8 Ts 1.07. 22. 180,19. ©181, 20. 71837197152 11,28. 186, 32. 188, 2,3. 200.ff. 212, 36. 215 ff. 219,3.224,25. 227. 250, 9.400, 19..406,7.41, 122323 — Helvetier, Helvetii 173, 12. 385, 28. 390,12. 392,13. 406,9. 407,4, 21. 408,14,17. ihm oberlendischen Schwytzer gebirg 222,20. Eimeldingen 30, 33. Einsiedeln 270,23. 280,5 378,10. Elsass 3. 48,25. 49. 53,1,23. 109,4. 120,25. 153 A. 4. 155,34. 156, 37. 157,12 ff. .158,;1. 160, 29.162,16: 1.66,:28..:1793,1256178 821. 2:185 10: 189,17. 195 A, 1. 22.0 353 41, 226. 384,5. 387,3. 392, 11. 396, 34. 398, 19, 27. 399,1. 533,17. — El- sässer Wein 25,30. 120,25. 157,23. 221,35. 226. Elsass Zabern s. Zabern. Ellykurt s. Hericourt. Ems, Hannibal v. 179, 23, 25. — Marx Sittich v. 61 A.3. 118 Var. 23.>121,19. — Wolfdietrich v. 121 A.A4. Enderlin, Zoller an der Wiesenbrücke 456 A. 1. Engelporten, Kloster in Gebweiler 331 A.4.:392 A,6, Engenthal 51,14. England 105, 18. Ennius 441,6. Be Ensisheim (Ensen, Einszhein) 36,36, 38. 37,3. 49, 6,34. 50,3. 89,4. 90 A.3. 104,9. 226,5. 384,5. 478,29, A.4. 527 A.2. — das Regiment v. (die vorderöster- reichische Regierung) 53,18. 99,14. 129,10. 136, 4. 153,30,38. 154,2. 185,12. 478, 28. Entraigue, Marquis d’ 533, 28. Episcopius s. Bischofl. Eptingen, Ritter v. 172A.1. — Adelheid v., genannt die Münchin 282,25. 365. 498, 31. — Agnes v., vermählt an Burkhard Zibol 282 A.1. 365. 497,17. — Anton v. 331 A.4. — Gredanna, geb. v. Laufen, genannt zum Schiff 1A. 4. 338,17. Personen- und ÖOrtsverzeichniss. Erasmus von Rotterdam, Desiderius ADS A.TL 147, 18.2318:.,812.1868: 381. 383 A.6. 386, 7. 393,2. 397,20. 407,10. 408,7. 415,3. 521. Erfurt 441,3. — Jacob v. 315. Esslinger, Hans 170 A.5. Ettingen 159 A.4. 167 A. 8. 187,11. 215,27, Eustachii, Cardinal sancti s. Rom, Cardinäle. Evangelische Städte und Orte der Eidgenossenschaft 183, 19,25. 185, 18. 188,23. 533,10, 18. Faber, Johannes, Buchdrucker 64, 23 und Nachtrag zu dieser Stelle. Fabri, Dr. Johannes 403,12. 404A.1. 406, 11. Fäsch, Hans Rudolf 170 A.5,8. — Remigius, Maurerwerkmeister (1487) 333 A.5. — Remigius, Rathsherr, später Bür- germeister (+ 1610) 187,25. 218,6. Falkeisen, Gertrud 196. — Theodor 196. — Ursula s. Ryff. Falkner, Daniel 196. — Dorothea s. Ryft. — Heinrich, Stadtschreiber (+ 1566) 170 A.S. — Heinrich 19. — Johann Heinrich, meister 196. — Ulrich, Oberstzunftmeister 29, 33. 30, 14. 32,5: 212, 31.213, 14,20. Farel, Wilhelm 39,34. 40,1. 41,3. 43,25, 37. Farnsburg, Vogtei 159, 24. Fesch s. Fäsch. Fininger, Jacob 229, 2. Fischingen 300, 26. Fleyter, Andreas 529, 28. Florenz 114, 32,35. 115,14. 208, 32. 239,9; Franken 48, 23. Frankfurt 105, 15. Frankfurter Messe 345 A.1. 355 A.2. 416,1. 425,4. Frankreich, Franzosen 21. 22. 32. 40. 28,202 1517.A,57.166,,22727,5173. 1578. 91.0175,19, 24.1.1077, 21. 181,15. 184,26. 185. 187,35. 188, 10:,223.:.221. — Könige v. 205,16. Ludwig XI. (als Delphin) 331 A.4. Ludwig XII. 20. 21. 204,23, A.4. 205,6. Oberstzunft- 559 Eran2.1.321,.22:.235263. 27.128,30, 1.92. 33,9.:47..48..61. 136,5: 146,39. 147,19, 24. 148,28, 30. 149. 150. 151 A.5. 166,5. 200f. 212. 213. 214. 390, 11ff. — des künig trysenier 32, 16,17. Heinrich II. 166. 167,2. 171,11. — Catharina, Heinrici wittwen 223, 24. Carl IX. 171,8,9. 173,14, 181,16. — könig Oaroli wittwe 178, 9ft. Heinrich II. 177,22,24. 183,16. 154,7. 188,1,7.— die königliche verein 185,3. Heinrich IV. 177,20, 25. 531,33. Frauenfeld 20, 32. Freiberge, die 168, 5. Freiburg i. Br. 49,6. 89,4. 249, 32. 287,1. 303,16. 337,19. 392,9. 397, 15. 398. 399. 434. 435. 449 A.A4. 456 A.1. 459,11,24. 461,29. 470. 471. 478,26. 479,1. 481,1. 522,32. 527, 16,18. — Prioren der Karthaus |(Johannis- berg), Johann v. Braunschweig s. Braunschweig. Johannes Kesslin v. Leonberg 337,20. — Gregorius Reysch v. Balingen 337,18, 22. 345 A.1. 383 A.1. 397. 398. 416A,6. — Matthias 530. Athanasius Kolb 434. 435. 532. 533. Freiburg i. U. 20, 23. 73,40. 2A.1. 115..416..126: 11. 127, 20.1582. 151,13. 180,20. 200,14. 201, 24. 216, 33. 424, 16. Freiburger, Michael 344 A.3. Freie Amt, das (am Albis im Zürich- biet) 136, 20. Freien Aemter, die (im Wagenthal) 92,12. 137,20, 29. Freisingen, Weihbischof v. s. Marius, Augustin. Freudenberg s. Schorpp. Frey, Jacob 64 A.5. 65,13. — Rudolf (Hans Rudolf) 215,4. 455,26. — Tobias 185,21. Friesland 223,30. Frischherz s. Dolter. Froben, Familie 235. 382,1. — Hieronymus 147 A.2. —_ "Johann 345 A.1. 354 A. 8.,.909. 381 A.1,2,3,4. 383 A.6. 386 A.3. 393 A.1. 521, 39. Frölich, Nicolaus 453, 29. 527,4,12. 529,24. 530,12. 185,9. EA 60 Fuchs, Lienhard 331 A.4 nebst Nach- trag, 355 A.2. 449 A.4. 541,28. Fünf Dörfer, die (Reinach, Therwy l, OPER Ettingen, Allschwyl) 167 21: Fünf Orte, die (Luzern, Uri, Schwyz, Unterwalden, Zug) 92, 16. 09.18: 121,30. 123,14,38. 128,40. 129,20, 91.130,29. 136,13,19.183,32. — die fünf Länder 99,1,4,27. — die Länder 99,33. 100, 6,11. 101. 102, S19a 1,0,8198 99, 31 as, 145,21. 162,3. 224,32. 485. 486. 487. 488. Fürstenberg, Graf Wilhelm v. 27,22. Fürvelder, Jerg 228, 28. Füssen 338 A.5 Fulda 386, 6. Galiläa, Name für Oertlichkeiten in und bei Jerusalem 272 A.2. Gallarate, Friede v. 204, 14,16. Gallera (Gallarate?) Jacob v. 205, 25. vgl. Var. Gallati, Caspar 184,13. St. Gallen 20, 31. 100,23. 107, 23. 108, 35..127,14,20. 134, 28. 203,3. 391,13. 424,8. — Abt v. 208,3. — Othmar v., Karthäuser in Basel 453, 29. Gallica fides 184, 31. Gallica gens s. Armagnaken. Gallicion, Hans 29, 37. 56,27. 213,21. Ganfredus s. Trano, Goffrido de. Gebhart, Hans Heinrich 213, 21. — Lienhart 228, 18. — Lux 218,4. Gebilly, Geble s. Göbelin. Gebweiler 49,7. 331 A.4. 392, 9. — Johann 442 A.2. Geierfalk, Geirach s. Geyertalk, Gey- rach. Geldern 290, 22. 301,15. 392,15. 527 AM. Gempen 125, 17. Genevois 169 A.1. Genf 115. 116. 145. 146. 183,18, 32. 184,1. 186,32. 200,9. 205 A.1. 209, #2: Gent 271,16. Georg, Bruder (Laienbruder u. Bäcker in der Karthaus zu Basel) 334 A. 6. — Bruder, Mönch in der Karthaus zu Basel s. Carpentarii. — David s. Joris. Gering, Ulrich 344 A.3. St. Germain, Friede v. 174,8. Germania s. Deutschland. Personen- und ÖOrtsverzeichniss. Gernler, Peter 159, 20. Geroldseck, Oberster 224,7 Gerolspach, Georgius, alias von Schü- ren 241 A.2. Gerson, Johann 324,20. 326, 7. Geusen, die 227,10. Gex 169 A.1. Geyerfalk, Thomas (auch Thomas ee 37 A.2.: 409,13, 42147, >. Geyrach (Girio) 269, 39. Glareanus, Heinrich 89A.1. 312. 383 A.6. 440 A.A. 521,35. Glarus 20, 31. 63,9. 92 A21.°101, 28, 30. 136 A.1. 184, 13.200,14. — der Ammann von (Hans Aebly) 102,3. Gobelin, Karthäuserprior in Mainz s. Mainz. Göbelin (Gebilly, Geble, Geha Anton 100,31. 448 A.4. AT6 A.1. Götz, Jacob 55,22. 115,24. 119,2, A.2. 198,29. Grandis, Johannes 422 A.3. Granwyler, Oberster, 224,7. Grasso 121 A.1. Graubündten, Graubündtner 118.121, 1,21. 122,24. 139, 23. 485, 20. Greda, consodalis der Verena zum Haupt 251 A.3. wer der Sophia v. Rotberg 495 Gregor d. Grosse s. Rom, Päbste. Gregorienthal 409 A.1. Grenoble, Bischof Hugo v. 338, 23, Grenzach 150, 16. 334 A. 6. Grieb, Lienhard 21,5. Griechenland 19, 15. Gropp, Bath 421 A.3. Grubenheimer 420, 11. Grynäus, Johann Jacob 188427.,189,3. — Margaretha 197,26. — Samuel 532, 3. — Simon 162, 22. Gubel, Schlacht auf dem 134. 485, SL: Gürtler, Urban s. Blechnagel. Guise, Geschlecht v. 223, 25. — Heinrich I. v. 188,1 ff. Gutschick 165, 22. Gypsmüller, Johannes 243 A.4. Habsheim 104, 9. Hänlin s. Lapide, Johannes de. Hagenau 156, 21. Hagenbach, Franz 47,13. — Isaak 532, 15. Hagenthal 172, 29, Personen- und Örtsverzeichniss. 561 Hager, Andreas 171, 20. Haller, Berthold 423, 14, 21. Hammelburg 345 A.1. Hanau 441,2. Hans, Bruder s. Roth, Hans. Hardt, die (im Sundgau) 226, 7. Harnister, Dorothea 229,1. — Wolfgang 62, 30. Hattstadt, Claus v. 189, 18. Haupt, Burkard zum 251,1. — Conrad zum 175 A. 2. 251 A.1. — Verena zum 251,6 ff. Hebold (Peter) 73 A.A. Hegner, Gebhard 331 A.4. — Sibylla s. Zscheckenbürlin. Heid s. Lanten. Heidelberg 189, 4. Heidelin, Marx 159,19. 165 A.3. Heilbronn, Conrad v. 112,33. Heinlin s. Lapide, Johannes de. Heitersheim 392, 8. Heitzmann, Anton 14 A.2. Helvetier, Helvetii s. Eidgenossen. Henrici, Hermann s. Vullenhoe. Hercinia silva s. Schwarzwald. H£ricourt (Ellykurt) 27,19 ff. Hermanni, Heinrich s. Vullenhoe. Hessen, Landgrafen v. 329,30. 330 A.1!. 498,6. — des Landgrafen v. H. Land 104, 30. — Landgraf Philipp der Grossmü- thige 108,37. 114. 164,15. 166,17. Hetzer, Ludwig 45 A.2. Heynlin s. Lapide, Johannes de. Hierönymus, der hl. 343, 12. 341,24. Hildbrand (Hilbrand), Balthasar 26, 19. 47,7. 100, 30. Hildesheimer Diöcese 241. 297,21. 494,5. Hippocrates 411, 23. Hispania s. Spanien. Hochberg (Hochburg), Schloss 49, 9. — Markgrafen v. s. Rötteln. — Johann v. 340,1. 345, 4. — Sebastian v. 340 A. 3. Hochburgund s. Burgund. Hochkönigsburg 153, 32. Hochwald 125, 7. Hohenembs s. Ems. Hohenstein, Johann v. 264 A.1. Holbein, Hans 334 A.6. Holland 168,10. 392,15. 408,4. Holzach, Eucharius d. ä. 30, 13. 213, 21. 416 A.4. — Eucharius d. j., Arzt 416, 10, A.4 und Nachtrag zu derselben. — Oswald 47,29. Basler Chroniken. I, Homburg (Honburg) Vogtei 159, 27. 21777, Homerus 441,6. / Horn, das, bei Grenzach 150, 16. Hortensius, Lambertus 164, 10. Hospinian, Leonhard 530, 2. Howalt s. Hochwald. Hubmaier, Balthasar 401 A.1. 403,9. 404 A. 2. Hückily, Adam 119,5. Hüningen 151. Hünlin, Balthasar 378, 12. Hüpschi, Lienhart 73 A.1. Hütschy, Wolf 100, 31. 147, 27. 148, 20,23. | Hug, Conrad 421 A.3. — (Hans) v. Luzern 73 A.4. — Hans Düring (During Hugly) 135, 20. 159, 25. Hugi, Hans 73 A.A. Hugly s. Hug. Hurre, Johannes 401, 19. Hutmacher, Melchior 229,1. Hutten, Ulrich v. 382, 21 ff. 385, 27. Imeli, Jacob 63 A. 8. In der Gassen, Conrad s. Heilbronn, Conrad v. Innsbruck, die österreich. Regierung 1,283 .,19, Irmy, Balthasar I. 330 A.5. — Balthasar II. 175,19,20. 177, 15. 188, 5. — Hans]. 330,13. — Hans Il. 81 A.2. 215,3. 448 A.4. 451,46. 452,7. 453,33. 454,27. 455, 28,40. 456,3,19. 457,13, 18. 459,27,38. 480 A.1. — Niclaus 147,28. 166 A.8. Iselin, Jacob 228, 34. — Lux 82,30. 215,5. — Wolf 27,25. Isenflam, Heinrich 28, 2. Isengrien, Anna 197, 20. Isny 135 A.2. Ittingen 313. 314. 339 A.2. 340 A.5. 362. 392, 14. Jacob, St., bei Basel 113,12. 160, 8. Jacob v. Erfurt s. Erfurt. Jacobus Januensis s. Voragine, Ja- cobus de. S. Jago de Compostella 389, 3. Jarnac, Schlacht bei, 224, 4. Jeckelmann, Franz 228, 11. — Christiana ebendas. Jeuchdenhammer, Hans 153,21. 36 962 Johannes, Evangelist 19, 11. Johannisberg, Karthaus bei Freiburg 398,36, s. auch Freiburg i. B. Jona 132/24, A.1. Joner, Wolfgang s. Cappel. Joris, David 168. 169. Juchtenhamer s. Jeuchdenhammer. Judae, Leo 385, 8. Jude, der sich zum Christenthume bekehrt 122, 15,18. St. Julien, Friede v. 116,9. Jungermann, Maria, vermähltan Hans Gallicion 29, 39, A.6. 56, 27. Kaiser, Jacob 100,13, A.3. 487 A.1. Kaltberger, Subprior der Prediger in Basel 90 A.3. Karthaus, die grosse (Chartreuse bei Grenoble) 257 A.1. 338 A.2. 399, 19,31. 473, 33. 531. — Prioren 337, 24. 341,27, A.2. 456 A.1. 484,2. 531. — Stephan Ma- con, Prior von Seitz, zur Zeit des Schismas von den Anhängern der römischen Päbste als Prior der grossen Karthaus, d.h. als Ordens- general anerkannt, 257 A.1. 264, 17. 265,29. 269,38. 270,6. 271,23. 274 A.1. 277,4. 501,25. 502,10,42. — Johann v. Greiffenberg 257 A.1. Franz (zur Zeit des Basler Concils) 267,3. — Johannes (1546) 528. Keck, Bonifacius 448 A.4. 449,18. 462. 467,19 ff. Kegel (Keygel), Hans 33,5. — Kunigunde 228, 18. Kelbly s. Reinhart. Keller, Conrad 196. — Hans, v. Zürich 216, 33. — Martha s. Ryft. Kembs (Keimsz) 152, 22. Kempten 135 A.2. Kenzingen 398, 25. Kepfenbach, Georg (Georgius Wil- helmi v. Kepfenbach) 334, 4, A.1. Kessler, Martin 119,4. — Nicolaus 345 A.1. — Thomas s. Geyerfalk. Kesslin, Johannes s. Freiburg i. B., Karthaus. " Keygel s. Kegel. von Kilchen, Hieronymus 131, 13. 228,28. Kilchmann, Elsbeth s. Zschecken- bürlin. — Ludwig 331 A.4. Klingnau 518,33. Knobloch, Bartholomäus 432. 448 Personen- und Ortsverzeichniss. A.4. 449,13,20. 451,34. 456A.1. 459,1. 462. 463. 467, 18#. 471. 472. 180,4. 525 A.1. 528,1. | Knusshart, Jacob, von Appenzell, Laienbruder in der Karthaus zu Basel 527. 528. 530,12. Köuffer, Heinrich s. Zeller. Kolb, Athanasius s. Freiburg i. Br., Karthaus. — Christiana 199 A.3. 402 A.A. — Franz 423, 15. — Matthias 148,1, 21. Kornmesser, Nicolaus 421 A.3. Krantz, Martin 344,3. Krencklin, Ambrosius s. Bellingen. Krenzach s. Grenzach. Kıessi, Thomas 434. 453,28. 461. 527,4, 11.529, 24. 530, 331,19. Krug, Caspar 170, 9,13, A.8. — Sebastian 131,12. Küffer (Köfer, Koüffer), Johannes 402,3. 439,22. Kündig, Jacob 219 A.3. Kupfernagel, Agnes 334 A.3. — Johann 334,7. Lämmlin, Bat 63,1. Länder s. Fünf Orte. Landenberg, Hans und Christoph v. 161,24, A. 3. 162, 6,8. Landskron 25, 35. Landstuhl 385, 19, A.4. Langbaum, Balthasar 228, 23. — Magdalena ebendas. Langendorf 345 A.1. 379,16. . Lanten, Hans v., genannt Heid 216, 33. Lapide, Johannes de (Johann Hein- lin, Hänlin) 312. 329,4. 331,16, A.1.:338,33,A,2.'342,29,°.,347.6; 364. La Tour s. Thore, v. La Tremouille 204 A.2. Lauber s. Louber. Laufen 159 A.4. 182. 187,10. 215, 26. — Elsa v. 331 A.A. Laufenburg (Louffenberg) 527, 27. Laufenthal, das 116, 14,25. 159, 32. Lausanne, Vertrag v. 169 A.1. — Bischof v. (Sebastian v. Mont- faucon 1517—1560) 422,13,30, A.3. Leberwurst, Hans 62, 25. Leiderer, Hans 52 Var. — Ulrich 52,5. 394, 13. 397,6. Leimenthal (Leinthall) 159, 34. Lemli s. Lämmlin. Lenzburg 92, 15. Lesser, Johannes 547 A. 2. 3 N 2. ER .- Personen- und Ortsverzeichniss. " Liebinger, Peter 284 A.1. Liel 251 A.3. 288, 33. 289, 6. 292, 24. 295,12. 300,13. 301,32. 302— 304. 495, 23. Liestal 28,4. 51,12. 113,1,4. 128,10. 18932196. :497923.,217,62.'392, 12. 393 A.2. 394, 14,30. 445, 6,17. — des schulthessen dochter v. 182, 2. 'Limpurger, Telamonius 89, 24. 388, 10. 390,6. 402,22. 403 A. 1. 407, 7. 415,23. 450,21. 452, 3. 460,30. Lindau” 135 A. 2. 305, 16. 322,7. 334,5. — Johann v. 347,9 Var. 7—10. Vgl. auch Spilman, Johannes. Locarno (Lucarisz) 205, 21. 208,14,20. Lodi 61, 26. 149,38. Lostorffin, Margaretha 296, 15. 331 A.4. Lothringen 129, 3. 166, 28. — Herzog v. (Anton + 1544) 49,17 ff. 56, 33. 97,17. Louber, Italhans 305 A.2. 334, 5. — Jacob s. Basel, Karthaus, Prioren. — Johannes 305 A.2. — Ulrich 305 A. 2. Lucas, Evangelist 19, 14. Lucern 20, 31. 23, 34,42. 25,20. 66, 35. 214,2...92% 18::,99,2,:5..102,2%, 22. 122,1. 123, 14. 127,21. 132, 12. 133,11. 134, 34. 135,33, 34. 180,19. 200,13. 202,8. 216,32, 227,25. 385, 12. 401 A: 3. — der Spitalmeister v. 73 A.1. — Johann v., s. Lüthart. Ludolphus de Saxonia 315. 325, 29. 326.A.1. Lüneburg, Herzog Ernst der Beken- ner 114 A.2. Lüthart, Johannes (auch Johannes de Lucerna, Johann Sündli) Nachtrag zu 37A.4. 409, 16. 421,4. Lützel 392, 7.. 496,7. Lützelman, Hans 21,36. 23,18. Luft, Peter zum 285 A.2. 300,2. 498,16. Lugano (Louwertz, Lowers) 205, 21, 36. 208,13, 19, Var. 18. Luino (Lowin) 205 Var. 26. Luterbach 392,8. Luterburger, Jacob 196. — Margaretha s. Ryff. Luther, Martin 39,4. 104, 31, 34. 105,5, 9. 287 A.1. 369. 370. 383 A.6. 387, 10. 391, 27. 392. 405, 16. 407A.1. 408,4. 415,3. 416,2. 440 A.3,4. 487,6. Luxenhoffer, Hans 119,3. 569 Lyon 205,15, A.1. Lyra, Nicolaus de 287,2. 379 A.1. Mailand 21.22, 23,8..28, 311.292. 32.193,80. 41% 64. 62,..19.,.206. 742 390, 10. — Herzöge, Herzogthum 204, 24. 208,24. — Maximilian Sforza 21. 204, 44,.,204, 18. 205;20,.A.4: Franz Sforza ll. 121 A.3. 122,25, 27. 123. 186.A.1. 139, 24. Mainz. 105,15..249,33. 270, 9. 275, 17. 282,16. 283, 5,20. 255, 26. 287, 25. 288,1. 290,11. 392,14. — Erzbischof v. (Albrecht v. Bran- denburg) 385, 25. — Karthäuserprioren: Ortwin 283, 20. s. auch Basel, Karthaus, Prio- ren. — Gobelin, Visitator der pro- vincia Rheni 432. 449 A.4. 456 A.1. 484,2. 526—529. Wahrscheinlich ist er auch gemeint 490 A.1. Malvasier Wein 345 A.1. Maner, Elisabeth 495, 2, A.1. Manuel, Niclaus 64 A.5. 73 A.1. Marbach 392, 8. Marburg 104,30. 498,5. Marcellin, Gabriel 205, 24. vgl. Var. Marcus, Evangelist 19,5, 13. Marcus Antonius 205 Var. 26. Marignano, Schlacht von 22, 30. 209, 67.203 8.15 Marius, Augustin 403,3 ff., A.1. 412, 5. 415,24, Marschalk, Günther 256 A.1. Marseille 149, 13. — Bischof von. (Stephanus Plonerii) 295,17, 21. Ä Martin, Lux 196. — Salome s. Ryff. Martius s. Merz. Maser, Hans 22, 25. Matthäus, Evangelist 19,2. Matthias, Prior, s. Freiburg i. Br. Mechtildis virgo 311. 360. Medici, Jacob s. Musso. Medieis, Lorenzo, und das Haus von 208, 31. Meffret 315. Meintal s. Val Maggia. Melchior, Weihbischof v. Constanz s. Constanz. Mellingen 92, 15.137. Mellinger, Barbara, Gem. des Johann Petri 336 A.1. 219,8. 330. A.1. 36 * 564 Meltinger, Heinrich 22,24. 21,24. 33,8..71,208.248,.9,-80,25,782528. 85,42. 98 A.2. 399 A. 2. 448,10. — Jacob 33,3. Memmingen 118, 17...185 Ar 2.0837, 16. Merckin, Elisabeth 330 A. 2. Merian, "Theodor 170A. 5,8. 228, 34. Merz, Apollonia s. Ryff. — Eusebius 196. — Prior der Prediger zu Basel 90 A.3. Metz, Cardinal v. (cardinalis Meten- sis) 304, 5. Meyer, Adelberg 34,2. 42,33. 72,11. 19,145 159,18: 212, 31.7399 A, 2. 406 A.5. 454, 39. — Augustin s. Marius. — Bernhard, der Wechsler 135, 19. 153.183 210.0. — Bernhard (Hans Bernhard) von Balderstorf 21,36. 82,32. 215,1. — Hans Conrad (Bürgermeister zu Schaffhausen) 216, 37. — Jacob, zum Hasen 29, 34. 30, 14. 2 219. 2824213,.13, 10 _ wahr- scheinlich gemeint 310. — Jacob, zum Hirzen 55, 21. 58, 2. NIE Lee 21: 19. 162 A.7 [ygl.mit38..0. 6.° 1987290 215,2. 450.0457,35..922,22. — Be Pfarrer in Frankfurt 393 A Michelfelden 152,12, Mieg, Hieronymus 529,35. Misz s. Musso. Mörsperg, v., Decan am Münster in Basel 393, 11. Mohacz, Schlacht v. 412, 23. Molitoris, Georg 518, 33. — Nicolaus 313 A.T. 354 A.6. 356, 5, ,.3632::368, 1.38. A.5.,7400s Al. 430 ff. 451,5,15. 453,29. 454,25, 26. 456,5. 459. 461,22. 462, 34. 463;11. 464,11, 1847 3 A474. 475. 476. 478,11. 480. 481,3. 482. 483. 489,27, 33. 490. 524 ff. 536, 30. Monechusen 290, 8, Montbeliard s. Mümpelgart. Montcontour, Schlacht v. 224, 8. Moresin, Baptista 205, 26 vgl. Var. — Bernhardin 205, 25. — Hieronymus 205, 26. Moser, Adelheid s. Suter. — Hans 340 A.1. — Ludwig 299, 43. 339,7. 498,12. - Ulrich 339 A. 2. — Urban 324 A. 2. 325 .A.2..4:329 er Te Personen- und ÖOrtsverzeichniss. A.2. 839 A22340,1 3597808 362. Mühlberg, Schlacht v. 165, 2. Mülhausen 47,11. 73,,334r95 12 92,10. 99,7. 100,35. 102,18. 104, 10. 107,23. 108,36. 118,9. 126,11. 127,20. 130,26. 134,6, 24,27. 208, 4.330 A. 2.386, 4, 19. -484,13. 498,1. Mülinen, Beat Ludwig v. 216, 34. Müller, Niclaus s. Molitoris. — Sebastian s. Basel, St. Peter. Mümpelgart 181,11. 183, 5. — der Oraf v. (Friedrich, seit 1581) 216,7. Münch, Adelheid s. Eptingen. Münchenstein, Vogtei 159, 26. Münster, Sebastian 14. Münzer, Thomas 387,13. 487 A.2. Murer, Hans un Silberberg) 83, ii Murner, Thomas 407 A.3. 424 A.3. Musso (Misz , Mysz, Müsz) am Co- mersee und dessen Besitzer (Gia- como Medici) 118,24. 121. 122. 123. 139. 140,2. vgl. 485, 20 ft. Muttenz 159, 26. Myconius, Oswald 163 A.1. 167,4,6. Nagel (auch Nager), Hans 119, 6. Nagel von der Alten Schönstein, Jacob 331 A.4A. 364. — Margaretha s. Zscheckenbürlin. Nanzig 497, 30. Navarra, König v. (Heinrich IV.) s Frankreich. Nemours, Heinrich v. 176 A.2. Neuenburg a. Rhein 331 A.4. 398, 23. 449 A.4. 479,3. Neuenburg am See, Gräfinn v. (Jo- hanna v. Hochberg, verm. Orleans- Longueville) 136 A.1. Nicolaus, Bischof v. Tripolis, Gene- ralvicar des B. Caspar v. Basel 334 4 Nider, Johann 315. Nidwalden 204 A.3. Niederland, partes inferiores Ale- manie 61,1,6. 105,14. 117,18, 24. 149, 25,37. 175,15. 179,27. 184,5. 226,30. 227,9. 267,5. 290,25. 292, 3. 392,15. Nördlingen s. Christgarten. Nürnberg 135, 39. 252, 34. 253. 269, 33.290,19 38912 "423, 17. Oberland, Oberländer 62,13. 225,10. — ihm oberlendischen Schwytzer gebirg 222,20. Personen- und Ortsverzeichniss. 969 Oberried, Hans 83,2. 85 A.2. 331 | Paris. Karthäuserprior Johann von A.4 und Nachtrag dazu. 354 A. 8. 355 A.2. 541,28, A.1. — Franz 170 A.3. Oberwyl 159 A.4,5. 167 A.8. 11. 215, 26. Obrecht, Cunrat 456 A.1. Oecolampadius, Eusebius 162 A.T. — Johannes 35,20ff. 37,16. 45. 46. 68, 23.4 79,28: 104,29. 124.:138, 14. 167,7. 383,9 #. 386. 390,6, 24. 391,15. 396,11. 400,27. 405, 25. 406,13. 407. 408,5. 415,11. 416,3. 421,3. 424,5. 440 A.A. 442 A232. 443,15. 445,13, 460,31. 484,31. 488,7. Oesterreich 105, 30. 119, 19, 21. — Haus, Herrschaft, Unterthanen derselben 26,2. 99. 102,9. 166, 28. 185,15. 208,29. 254,23, 24. 279, 23. — die österreichischen Re- gimentsherren s. Ensisheim, Regi- ment v. — Herzog Leopold v. (+ 1386) 475 Ari 187 D) — Herzog Friedrich v. (+ 1439) 275, 254. 219. — Erzherzog Ferdinand, später Kai- ser Ferdinand I., s. Deutschland, Kaiser. — Erzherzog Ferdinand, Sohn K. Ferdinands I., 174,32. 225, 41,42. Oetlingen (Oetliken) 258,7. Oetly, Andreas 28,13. Ouglin, Bernhard 346, 28. — Hans 215, 9. — Hans Ulrich 229,1. Offenburg (von Offenburg, Offenbur- ger), Dorothea 334 A. 6. — Egly 82,31. 85, 43. — Hans 331 A.4. 334 A.6. — Heman 22,7. 159, 24. Oigly s. Ouglin. Oltingen 394, 30. Oranien, Wilhelm v. 227,10. Orleans 348 A.1. 349, 27. Orte, die fünf s. Fünf Orte. Ortenburg 157,30. — der Graf v. (Gabriel v. Salamanca), 157,29, 30. Ortus Christi s. Christgarten. Ösiander, Johannes 423 A.4. Ostheim, Heinrich v. 146,6. Othmar v. St. Gallen s. ‚St. Gallen. Paludianus, Ludovicus s. Moser. Pantaleon, Heinrich 164 A.3. Greiffenberg 257 A.1. Pasterle (Pusterla?) Peter 205, 24 vgl. Var. Pavia, Schlacht v. 47,33 ff. 390, 10 ff. Pelargus, Ambrosius s. Basel, Predi- gerkloster. Pellican, Conrad 386,17. 405,27 ff. 408,9. Persius 138 A.3. Petri, Familie 235. — Adam 311. 336A.1. 369. 379,17. 385,11. 446, 19. — Barbara s. Mellinger. — Heinrich 170 A.5. — Johann 345 A.1. 354 A.S. Petrus Lombardus 379 A.1. Petrus, Pfarrer zu St. Alban 445, 28. Peuterich, Petrus 185, 7,8. Peyer, Lienhard 496, 1. Pfalz, des Pfalzgrafen Land 48, 24. 56,33. 177,19. 185,10. Pfalzgrafen Ludwig V. 49,25. 57,9. 385,17. Johann Casimir 177,16,19. 183, 3,4. 185,10,.17. 188. A.4. Wolfgang v. Zweibrücken 172, 40. 224,4. Pfeffingen 24,13 ff. 215,23. 414,20. Pfyffer, Ludwig 216, 31. Phrygio, Paul Constantin 460, 31. Picardie (Byckarty) 150,5. Platter, Felix 228 A.3. Polen 408,4. Porta Montis s. Thorberg. Prediger Orden 383,2. 389,2. 424,1. Protestierenden, die 164, 3, 6,16. 165, Ba Pruntrut 25,5 ff. 180 A.3. 216,9. Hamminger, Diebold 310. 378,19 und Nachtrag zu 378 A.5. — Ursula 378, 19. Ramstein, Vogtei 159, 28. Randeck, Anna v., Gemahlinn des Bernhard v. Rotberg 293 A.4. Rappoltstein, der v. 189,18. Ratperg s. Rotberg. Reich v. Reichenstein, die 61,35. Reformierten, die (d. h. die Genos- sen des schmalkaldischen Bundes) 164,16. 165, 6. Reinach 159 A.4. 215, 27. Reinhart, Hans Erhart 147,26, 27. 148, 20, 24. Reublin s. Röublin. LH HArSHBLR? Paris 343, 37. 344,2. 348, 26. 349,27. | Reuchlin, Johann 342 A.2. 349, 23. 966 Reysch, Gregor s. Freiburg, Karthaus. Rhein“ 19, 36.20,.6. 83,43.:89, 33. 112,8,10. 120, 36,37. 142,24. 160, EI ES TR 2. 179 0229, 177,355. 183,10. 186,7 718, DE 189,9. 221,4. 222, 1,15, 26 ff. 225, 32,43. 227,2, 36, 38. 250,21. 256 A.1. 286,1. 382,29. 461,44. 485, 16. 500,1. 502,25. — ultra Rhe- num 261,33. de ultra et citra Re- num 267, 24. Vgl. auch Basel, Kleinbasel. — provincia Rheni des Karthäuser Ordens 285, 12. 256,26. 287,5, 10. 341,26. 383 A.1. 397,16. 432. 456 A.1. 495,26. 528,8. | Rheinfelden 170,21. 259,9. 275,30. 279,28. 339 A.2. 392,12. 404,8. 498,12. 518,33. Rheinfelden, Elsa v. s. Maner. — Jopp u. Georius v. 421 A.3. Rheingraf, Philipp Franz, auf Dhaun 199,23. 218 A.1. Rheinthal (in der Umgegend von Ba- sel) 48, 25. Rhenanus, Beatus 521,35. Riehen (Riechen) 24, 20,22. 159,30. 199,4, A.2. Rieher, Georg Hartmann 418,7. Riff s. Ryff. Ripa, Joh. Peter de 205, 24. Rippell, Niclaus 6. 16. 17. 195, 11. Rochefort, Anton von, Franz von 151,5ff., A.2 und Nachtrag zu der- selben. — Sanctius v. (auch Herr v. Viviers genannt) 151,7 ff., A.2 und Nach- trag zu derselben 155,16. Rochester, Bischöfe v. ‚Johann Langdon 292, 14. Johann Fisher 416, 2. Rochier, Marx 151,6 f., A. 2 und Nachtrag zu derselben. Rockenbach, Solothurner Familie 145,1. Rode, Albert 330 A.1. — ‚Elisabeth geb. v. Tresbach 330 — Heinrich 329, 30. 330 A.1. 498,4. Roermonde 290,7. Rötteln 49,8. 150, 3, A.A. 398,21. — Markgrafen, Markgrafschaft 288, 34. 300,18. 302,9. — Rudolf (Ru- dolf IIL. v. Hochberg- Sausenberg) 251,20. 252,1ff. 254,14. — Ernst v. Baden - Durlach 136, 4. s. auch Baden. 253.8.,831 Personen- und Ortsverzeichniss. rt Röublin, Wilhelm 33,14 ff. 34. 401 At Röwlin, Johannes 354 A.9. Roffensis episcopus s. Rochester. Roggenbach s. Rockenbach. Roll, Walther v. 175,14. 227,11. Rollenbutz, Lucas 389, 20. Rom 120, 28, 30. 442, F 7: — Stuhl zu, "römische Curie 208, 28. 241. 242 A.1. 263,23. 304,2. 477, 26. 494, 16. 509, 27. — Päbste Gregor d. Gr. 290,12. 344, 24. Bonifaz IX. 263 A.2. 499. Eugen IV. 242. 494, 16. Felix V. Gegenpabst 173 A.5. 235. 2 AHEZIITIT. Innocenz VIII. 325, 18. Julius II. 257 A.1. Leo X. 26,14 ff. 28,15. 29,7 208,27. — die böpachilellen (Truppen Leos X.) 28, 33. Clemens VII. 114, 31. 115 A.2. 418,2. 478,5. Pius V. 223,23. — Üardinäle Alfons v. Curillo, Cardinalis s. Eu- stachii 291,6 ff. 292,14. Georgius presbyter cardinalis ti- tuli beatae Mariae trans Tybe- rim episcopus Vicensis 296, 4,12. Ludwig v. Arles 266,1, 25. 295.2. Matthäus Schinner, "Bischof v. Sit- ten 28,29 ff. 201,42. 205 Var. 10, 12. — die kartdinallischen (Truppen Schinners) 28,37. Nicolaus tituli sancte Crucis pres- byter cardinalis 290,17. 497,21. cardinalis Metensis 304, 5. — das römische Reich 154,9. 208, 29. s. auch Deutschland, Kaiser. Romann, Heinrich s. Rumann. Romanus s. Wonnecker. Rosenberg, die v. 418, 8. abe (Ratperg), Familie v. 292 — Adelberg, Agnes, Anna geb. v. Randeck, Arnold, Bernhard, Hans Ludman , Ludman , Margret, Ur- sula geb. v. Andlo 293 A.4 und Nachtrag dazu. — Sophia v., Gemahlinn des Bur- kard Zibol, fundatrix der Basler Karthaus 282 A. 1. 292,31. 293, 22 fi. 294. 299,344 387A.75. 494: Roth, Bruder Hans 453, 31. 530,13. wahrscheinlich gemeint 454, 27, 31. 457,14,16. 527. 529,27, 34. 531,24. Personen- und Ortsverzeichniss. 567 Rothen Haus, Kloster zum 51,14. !Ryff, Magdalena verm. an Conrad Rotterdam s. Erasmus. Wolleb 194, 26. 196. Rottweil 161. 162. 208,4. — das | — Margaretha verm. an Joh. Jac. Landgericht (Hofgericht) zu 483, 34. Luterburger 196. 220,8,40. 228, Ruffach 195,10. 39. 229, 4. Rumann, Heinrich 476 A.1. — Martha verm. an Conrad Keller — Jacob 476 A.1. 196. . Rupeforti, a, s. Rochefort. — Peter 1. Meister 3. 55,22. 196. Russinger, Marx 183, 31. 198, 21. 199, 5,9. Russingerin, die, Gemahlinn des Tho- | — Peter II. Freiamtmann 13. 14 A.2. mas Silberberg 228, 29. We en 4 Se Se} ie 3.19 \ — Feter 111. Professor 6. 178, ar A apden 1a | 28. 193—199 und Nachtrag zu 197, — Andreas I. 196. 199,1, A.2. 20,21. 235. — Peter IV. 196. -- Andreas II. 196. 199 Ar2, BEER 196; — Andreas III. 196. Sal L es _ Andreas IV. Rathsherr und De- | —_„Dalome verm. an Lux Martin 196. putat 3. 4. 171 A.1. 179A.1. 193. ER 196. 199A.2. 218.13. 219.28. 228. | —,P>usanna verm. an Daniel Burck- ; ; 2 hardt 196. 14, A.1. -— Anna s. Isengrien. — Apollonia verm. an Eusebius Merz 196. 228, 8. — Asemusz 196 A.2. — Balthasar 196. — Theobald (Diebold) I. 14 A.2. 196. 1997.5722..8..2.218,41,.298..2929: — Theobald (Diebold) II. 228, 33, 35. — Theobald IH. 196. — Ursula verm. an Theodor Falk- j eisen 196. 106. Sr N net | 7 Ursula geb. Zimmermann s. Zim- — Claus I. 3. 196. 198,17. mermann. Ryhiner (Richiner), Emanuel 197,28. — Heinrich 60, 29. 464 A. 2. 476 A.1. — Peter 197, 31. — Veronica verm.an Abel Socin 197, 38. 198,5. — Veronica geb. Battier s. Battier. — Claus II. 196. Daniel. 'RA:Z 13, 196. 197,13, — Daniel II. 196. — Erasmus s. Asemusz. — Diebold s. Theobald. EN an Joh. Heinrich ra Er i Ryssenstein, Apollonia v., verm. an ee De un =: Georg Stouffer v. Blossenstouffen — Elisabeth vermählt an Christoph 313. Wiest 196. -— Fridolin I. Meister und Deputat 3#. 194, 20,26. 195 A.1. 196. 199, 9, 448 A.A. 459 A.1. AT6 A.1. — Fridolin Il. 196. — Fridolin III. 196. — Friedrich 196. — Gertrud verm. an Jac. Biermann Sacco (oder Sacro), Jacob Philipp 205, 23 und Var. Sachsen 297, 21. 325,5. 387,12. 494, 5. 509, 22. — Herzöge und Kurfürsten v. Johann der Beständige 92, 6. 108, 38. 109,28. 114. 196. Johann Friedrich der Grossmüthige — Gertrud geb. Burckhardt s. Burck- 164,14. 165,2. 166, 16. hardt. Moritz 166, 14,18. — Hans Jacob 196. — Heinrich I. 196. — Heinrich II. 196. — Hieronymus 228, 27, 29. — Hugo 196. — Jacob I. 196. — Jacob II. 196. — Jahel vermählt an J. J. Werenfels 196. 197,23. Johannes de Brunswich, natione dux de Saxonia s. Braunschweig. Salamanca, Gabriel v. s. Ortenburg. Salzmann, Adelberg 400 A.1. 530,11. Sarasin, Gertrud verm. an Christoph Socin 198,'10. Sattler, Wolfgang, genannt Weissen- burg 218, 6. Sausenburg 49, 8. 288, 34. 568 Savoyen, Savoyerland 115,.297.129,4. 183,26, — Herzöge Karl IT. 115,15, 29, 136,5. 145. 146, 34, 36. 200,7. 208, 30. Emanuel Philibert 169, 44. 170,1. Karl Emanuel 183, 23. 184, 1,4. — der Bastard v. (Ren£) 200,26. 203, 17. 208, 6, 7,12. 210, 30,38. 211,4. Schaffhausen 20, 31. 53, 17. 73, 33. 92,10. 101, 28. 106,17. 108, 35. 118, 9,18. 127,14, 20. 130,27. 134, 6,26: 162;5.:178,297185 A, 2.200, 15. 210,27. 216,37. 227,27. 310. 378,2. Schaffner, Hans genannt von Brunn 83, 3. Schafmatt 125,7: Schaller, Caspar 44, 39. 98, 18. Scheldtner, Hans Heinrich 229, 13. Schenck, Eberhard 264 A.1. 502, 30. Scherrer, Theodor s. Brand, Theodor. Schertlin, Sebastian 165. 166, 13, 19. Scherweiler (Zscherwiller) 49, 11, 13. Schicklin, Hans 354, 11. Schiff, Elsbeth zum 334 A. 6. — Gredanna zum s. Eptingen. Schinder s. Armagnaken. Schinner, Matthäus s. Rom, Cardi- näle. Schleifer, Heinrich 125 A. A. Schliengen 155,9. Schlosser, Jacob s. Kaiser. Schmaldienst 401 A.2. N Schmalkalden 164, 8. — der Schmal- kaldische Krieg 164, 3,5. Schmid, Bartlome 22, 24. 23,18. Schnitzer, Dorothea 229, 13. Schönkind, Peter 303 A.1. Schönau, Heinrich v. 44,4, 478, 6fl. und Nachtrag zu dieser Stelle. Schongau 315. 338 A. 5: Schorendorff, Peter 47,29. Schorpp (Zschorpp) v. Freudenberg, Apollinaris 354,10. — Jacob 331 A.4. 354 A.A. — Maria s. Zscheckenbürlin. Schülly, Gorius 26,1. 32,34. 158,20. Schüren, Georg v. s. Gerolspach. se (Schultheisz), Ulrich 170 ED Schumacher, Paulus 172,1. Schupp, Johannes 453, 27. 525 A.1. Schurstein, Nicolaus s. Thorberg, Prioren. Schwabenland (Suevia) 118,15. 399, 2. 420,4. 423,6. — der Schwäbische Bund 391, 24, 25, ı Personen - und Örtsverzeichniss. Schwartz, Apollonia, Wittwe des Mat- thias Üelin 229,8. — Cunrad 182,1. Schwarzenburg im Elsass 153,.32,.38, 7 154, 7. Schwarzwald (Wald, Silva Hercinia) 48,24. 226,37. 392,6. Schweiz s. Eidgenossen. — Schweizer Gebirg 222, 20. Schwyz 20,32. 23,34,41. 25,19. 66, 35. 73,39..92,17..992,5..100,.12. 110.::122,:1. 123;14: 181 0.9323 12. 180,20. 200,15. 201,47. 204 A.3:.208,Var.:18.,,210, 27. 2271 Sebastian, Mönch in der Karthaus zu Basel 383,5. — Laienbruder ebendaselbst 334 A. 6, vielleicht eine Person mit dem fol- genden. — Laienbruder in der Karthaus zu Basel 386. wahrscheinlich gemeint 484, 12 ff. s. Nachtrag zu dieser Stelle. Seevogel, Verena, Gemahlinn des Ja- cob Zibol 252 A.1. 502,18. Seewen 125,6. Seitz 257 RR 271,4. — Stephan Macon, "Prior zu, s. Kar- thaus, grosse, Prioren. Seltz, Martin v., 22, 7.u213,22., Sempach, Schlacht v. 475 A.1. Senheim (Sennen), Stadt 49,7. 104,9. 185,15. 478 A.4. Senheim (Sennhein, sonst auch Senn- hin), Heinrich v. 354, 10. 365. Sibenthal, Sibenthaler 66, 28. 66, 37. re | Sickingen, Franz v. 383, 14. 385. — Schweikhard v. und sein Bruder (Franz Cunrad) 155, 13, 18. VEInCBAE episcopus, Heinricus 289 1 Sigmund s. Steinschneider. Sihl, die 136, 16. Silberberg, Hans s. Murer. — Thomman 228,28. s. auch Rus- singer. Simler, Josias 166 A. 2. Simmenthal s. Sibenthal. Sisgau 125,6. 217,7. Sitten, Bischöfe v. — Matthäus Schinner s. Rom, Car- dinäle. — Philipp am Heimgarten 422, 13. Sleidanus, Johannes 164,9. 218. 219. 220. Socin, Abel Handelsmann 197, 33. — Abel med. dr. 197, 37, 40, Personen- und Ortsverzeichniss. Socin, Christoph 17. 198, 6. — Gertrud s. Sarasin. — Maria 198,2. — Salome s. Burckhardt. — Veronica s. Ryhiner. Solemacher, Thomas s. Brun. Solothurn: 20, 34. 52;33. 53,17. 73, 40282. 17.1085 7710. 115." 196. 117,5. 124,35. 125—128. 129. 130. 144,36. 145. 146,13, 30. 167, 19, 23,25. 168,2. 180,20. 200,14. 249 A.2, Solothurn, Jacob 147, 28. Sonntag (Sunnentag),, Martin 315. »26A.9. Spanheim, Johann Trithemius Abt v. s. Trithemius. Spanien, Spanier 29,1. 32, 37,39. 61. MAT 145 A. 24418, 24.191.392, 134,13, 291,7,12. 390,13. — Könige: Kaiser Carl V. s. Deutsch- land, Kaiser. — Philipp ll. 175, 15. 179,27. 184,9,10. 223, 23,34. 227,4,8. Speier 105,16. . — Bischof v. (Pfalzgraf Georg + 1529) 105, 24. Speyr;, Hans v. (Hansz Spirer) 184, Spiesz, Ulrich 134 A.5. Spiirer s. von Speyr. Spilman, Elogius, v. Lindau 525, 27. — Heinrich 54,27. — Johannes, v.. Lindau 453, 28. 456 aL.525 526: Spindler, Margaretha 229,2. Stähelin (Stechely, Stechelin), Hans Bernhard 184, 18. — Eucharius, Nachtrag zu 152,41. — Hieronymus 23,19. — Macarius (vielmehr Eucharius) 152, Staufer s. Stouffer. Stein, Brandolf v. 346 A.1. — Johann v. s. Lapide, Joh. de. Steinschneider, Sigmund 37,3. 384,2. Stephan, Prior von Seitz, General- prior der Karthäuser s. Karthaus, die grosse. 5 Sternen, Bartlome zum 23, 19. Stör, Heinrich 33 A.1. — Stephan, v. Diessenhofen 388,11. 390,7. 393 A.2. 394,13. 445, 6 ff. Stoltz, Hans 83, 2. Stouffer v. Blossenstouffen, Apollo- nia s. Ryssenstein. — Georg .d.ä.u.d.j. 313u. Nachtrag. — Philipp 313 f. u. Nachtrag hiezu. 969 320,3. 331.A.2. 337,4, 340,5, A1, 5. 347,7,14, Var. 7-10. 352 A.2. 432. Strassburg 19,38. 20,1. 45,31. 46, -32,43. 57,14. 61,34. 63,27. 67,8. 13,34..76,3.:82,13.:83,352°91:28, 92,3. 400-A.15.101...102,16.=105, 16. 106, 26, 29. 107. 108,1, 35, A.1. 114,22. 118,8.. 120,35337.0422,9. 124,17,30. 130,25. 138,3. 156, 21. 178,24,25. 179,2. 183,11. 186,31. 222,31. 223,42,43,45. 249,3. 251. 252,4. 261,18. 269,32. 270,2,4, 51€ 3711. 7217.8.7 283, 21.0 081)0. 310. 340,3..347,5. 378,2.:382, 22. 384,19. 389,12. 390,21. 394,17. 399,22. 400, 23,27. 411,14. 423,23. 445,21, 24. 501,23. 507,43. 550. 531. — Diöcese 378,7. — Bischof von (Johann von Mander- scheid) 178, 12. — Prioren der Karthaus Unser Frauen Berg, domus montis sancte Marie (501,23): Wynand von Dortmund, Ortwin, Heinrich Kotlo v. Lüden- scheid s. Basel, Karthaus, Prioren. — Johannes v. Hochberg s. Hoch- berg. Streiff, Martin 47,8. Ströulin /Strölin, Ströwlin, Ströwly), Agnes 340 A.A. — Martin 305 A.3. 314 ff. 322 Var. 16. 339 A.1. 340,5. 510—517: — Michael 228,17. — Rudolf 340 A.4. Stumpf, Johann 14. Sturm, Jacob 101 A.4. Stuttgart, das Regiment zu, 478, 27. Sündli, Hans s. Lüthart. Sultz 49,7. _ Sulzer, Simon 167,8. 171 A.1. 181 A.1. 188,14,15. 189,1. Sumer, Bat 159, 31. Sumerysen 62,31. Summerich 402 A.2. Sundgau (Sungäw, Sungow) 48,25. 52.38. 532 1899845411 083414172,39. 1735.10, Sunnen, Agnes zur s. Zibol. Super, Rudolf 135, 19. 448 A.4. 459 A.1. 476 A-1. Surracher 213,22. Suter, Adelheid, verm. Moser 33) Ar2; Tannenkirch 292,16. 302,8. Tauler, Johannes 311. 379,17. 513. 970 Personen- und ÖOrtsverzeichniss. Teck, Ludwig Herzog v., Patriarch v. ! Üelin, Margaretha 219,26,28. 220, Aquileja s. Aquileja. Teinicken s. Deiniken. Teufen 354 A.6. Thann 49,11. 199 A.2. 478 A.A. Therwyl 159 A.4,5. 167 A.8. 187,11. 215,27. Thierstein, Grafen v. 304, 20. Thomas, Bruder s. Kressi. Thomas de Hibernia Nachtrag zu 291 Ay2} Thor, Alban zum 526 A.1. Thore, der v. (de La Tour?) 176 A.2. Thorberg, Peter v. 249 A.2. 250,7. — Karthaus (domus sanctae Paulae Portae Montis) 249, 32, 35. 270, 32. 271, 39. — Prioren: Johann von Braunschweig s. Braunschweig. — Niclaus Schurstein 401, 8. Thüringen 387,12. Thun 401, 19. Thurgau, T'hurgauer 100, 22. 134,6, 28. Thurneisen, Caspar 83,1. Thurneiser zum Thurn (eigentlich ebenfalls Thurneisen), Leonhard 180, 6,7. Tillmann, Bernhard, Berichtigung zu 64 A.5. 125 A.A. Tischmacher s. Ramminger. Toulouse 151 A.2. Trano, Goffridus de 290,15. Traubach, Leonhard, v. Mülhausen 330.3. 4.2.3, 407,36, Tremonia, Wynandus de s. Basel, Karthaus, Prioren. Tresbach, Elisabeth s. Rode. Treyer, Conrad 424,17. Trier 301, 20. — der Bischof v. (Richard v. Greiffen- klau 1511 —1531) 114,3,20. 385, 14, 25. — Karthäuserprioren: Wynand von Dortmund (271,18) s. Basel, Kar- thaus, Prioren. — Christoph 528, 28, 40. 529, 8,9. Tripolis, Bischöfe v. s. Nicolaus und Limpurger, Telamonius. Trithemius, Johannes 325,3. 343, 24, 33. 509. Troubach s. Traubach. Truckenbrot, Jacob 163 A.1. Trutman, Hans 21,35. 30,12. Tübingen 344, 5. Türken 70,45. 105. 106. 119, 14,24. 121.18. 1639080 1.245; Uchtland 63, 11,15. 73,40. 151,13. Uelin, Anna 219, 22. 220. "Waldshut 99, 15. 14, 17.2288 — Matthias 229,9. Ufnau 386 A.1. Ulm 47,1. 124. 135,39. 424,8. Ungaria, Johannes de 271,38. Ungarn, der König v. (Ludwig II.) 412,23. Unterwalden 20,32. 66, 24, 37. 67,2. 73,89, 92,17..99, 2,8, 1228 103: 14... 127,212.131:3107232 2.253 11.180, 20...208, 13222 7538} auch Nidwalden. Urach, Conrad v. 339,9. Uri 20,31. 23,33, 40.: 25,19: .66,34. 18,39..92,17.99 2.8.0222 95 14. 127,21. 132,12. 175,14. 180, 20.200, 154,204: 3,45 .2105 27. 216,32, 237,6, 11: Urstisen s. Wurstisen. Ursula, Hebamme 228, 24. Usuardus monachus 311. 360. Utrecht 290,6,7. — Utrechter Diö- cese 325,29. Väsch s. Fäsch. Valence 295 A.2. Val Maggia (Meintal) 208, 14,20. Veldner, Hans 448 A.4. 459 A.1. Veltlin 118, 25. Venedig 117,18, 20, 21. Vergy (Werse), Peter v. 208, 32. Vertemate, Geschlechtsname 235 A.1. Vesch s. Fäsch. Vich, Bischof Georg v. s. Rom, Car- dinäle. Vischer, Johannes 498,8. Vischingen s. Fischingen. Visconti, Galeazzo 201,33. 205 Var. 26. 207 Var. 39. Viviers, Sanctius v. s. Rochefort. Vögeli, Balthasar 37 A.5. Vollenhoe s. Vullenho. Von Brunn s. Brunn. Vonkilch s. Kilchen. Voragine, Jacobus de 288,2. 315. Vullenho (Vollenhoe), Heinrich von 325,20 ff. 326 u. Nachträge hiezu. — Hermann v. 326 A.3 nebst Nach- trag. — Berchta v. 326 A.3. Waadt 169 A.1. Wald s. Schwarzwald. Waldkirch 303, 16. 391,13. 400,26. 403,10. Wallenburg, Herrschaft, Vogtei 159, 24. 217, 7.:3945.30) 5 Personen - und Ortsverzeichniss. Wallis 122,1. Wangen im Allgäu 135 A.2. Wasserhuhn, Dorothea, vermählt an Prof. Peter Ryff 197,21 und Nach- trag zu dieser Stelle. Watterohn, Melchior 228,17. Watwiller 49,7. Weil 153,4. 286, 10. Weissenburger (von Weissenburg), Jacob 35,4. — Wolfgang, Pfarrer im Spital, nach- her zu St. Theodor 35,6ff. 37 A.3. 63,24. Nachtrag zu 90,4. 177,7,9. 383 A.6. 409,24. 421,4. 460,31. Nachtrag zu dieser Stelle.. 460, 38 ff. Wahrscheinlich ist er gemeint 463, 22. — Wolfgang s. Sattler. Weisslämmlein, Jerg 159, 27. Welsche, welsches Volk, Welschland 129,2,3. 162,16. 179,18. Welfen 249 A.2. Werdmüller 73 A.1. Werenfels, Anna Maria, vermählt an Abel Socin 197,31. — Jacob 1%. — Jahel s. Ryff. — Johannes 197,27. — Joh. Jacob 196. 197,23. — Maria 197,27.’ = Peter 196. 197, 25. — Rudolf I. und II. 196. — Salome 196. — Samuel 197,27. Werlin, Hans, der Schuhmacher 228, 11. — Hans, Laienbruder bei den Kar- thäusern s. Wolleb, Joh. Wernher. Werthemann, Geschlechtsname 235 Kal, Wesen 449 A.2. Westfälische Friede, der 532, 38. 533. Westhoffer, Theodorus 309. Wettingen 199,3, A. 2. Wicken s. Wykon. Wiedertäufer 391,12. 400,26. 420, 4.4259, Wien 105. 106. 119,19,21. 219,8. Ist 423, 6 an Wien zu denken? Vgl. in den Nachträgen die Bemerkung zu dieser Stelle. Wiest, Christoph 196. — Elisabeth s. Ryft. Wigorniensis episcopus s. Worcester. Wild, Anton 162, 24. Wildisen, Georg 159, 27. Wilhelmi, Georgius s. Kepfenbach. Willading, Lienhart 73 A.1. 971 Windeck, Johann von (Johann Win- decker) s. Wonnecker. Windecken 440 A.3. Winleger, Michel 62, 27. Winterthur 331 A. 4. Wirtemberg 478,29, 479,1. 480. 489, 98,31. — Herzöge von Ulrich 201, 34. 206 Var. 11, A. 1. 208, 30. Christoph 165,8. 219 A.3: Ludwig 181,9. der Herzog von (es ist wohl König Ferdinand oder sein Statthalter gemeint) 489,31. s. auch Mümpelgart. — Statthalter und Regenten in, 490 A.1. vgl. Stuttgart, Regiment zu. Wisenburg, Wissenburg u. s. w. 8. Weissenburger. Wittenberg 392,20. Wölfflin, Werner 171 A.2. Wolfer, Peter 285 A.2. 498, 21. Wolfhart, Bonifacius, 383, 23, A.6. Wolleb, Christoph 196. — Conrad I., Amtmann 196. — Conrad II., Amtmann 196. — Erasmus 196. — Jacob 1%. — Johannes 196. — Johannes Wernherus (v. Laufen- burg, Laienbruder bei den Kar- thäusern, auch Hans Werli genannt) 453,31. 527. — Magdalena s. Ryff. — Margaretha s. Grynäus. — Oswald 196. — Theodor 196. — Ursula 196. Wonnecker, Johannes Romanus 440, 18, A.3,4. 441,2. M2A.2. — Lucas Romanus 440 A.3. — Paulus Romanus 440 A.3. Worcester, Bischof v. (Thomas Pol- ton) 285 A.2. 292,14. 495,21. 498, 21. _Wüurstisen, Christian 13. 14. 166,7. 170,5. 237. Wygorniensis episcopus s. Worcester. Wykon 135, 32. Wyler, Hans 215,8. Wynand v. Dortmund s. Basel, Kar- thaus, Prioren. Yelly s. Üelin. Yselin, Ysilly s. Iselin. Ysenflam s. Isenflam. 572 Zabern (Elsesz Zabern) 49,16. 167,2. 398,20. Zäslin, Claus 131,11. 153,13. Zanker, Anton 383,17, A.4. Zeigler (Zeygler, Zoigler, Ziegler) — Heinrich 303 A.1 — Lux 34,350. 82, 29. 472 A.1. — Wilhelm 214, 32. Zeller, Adam 33, 4. — Heinrich 113,7 und Nachtrag zu IB A. Zhag, Götschi 73 A.3. Zibol (Zybol, Zybel), DSB AHI: 36 539,5 — Agnes verm. zur Seniert STATT: — Agnes geb. v. Eptingen s. Eptin- gen. — Burkart 282 A.1. 283, 10. 284, 24. 288,28. 289,24. 292,30. 293,11 fl. 294,19 ff. 365. 387A.5. 494, 1,36. 497. 10.114,17, — Caspar 282 A.1. — (Clara 282 A.1. — Heinrich 282 A.1. — Jacob, fundator der Basler Kar- thaus 253. 259. 270—279. 282, 21, A.1,2. 283.:38,.284.:255.7288,227. 293,11. 298,24. 387 A.5. 493. 494, 4,86. 497,10,.498 31,37. 504581. — Johann 282 A.1. — Nicolaus 282 A. 1. — Peter 275 A.4. 232 A.1. — Sophia geb. v. Rotberg s. Rotberg. — Verena geb. Seevogel s. Seevogel. Ziegler s. Zeigler. Zimmermann, Balthasar 336, 2. — Johann 336, 3. — Ursula 197,18. Ziska, Johannes 385, 23. Zofingen 92,15. 135,14, 23, 30, 32. 136. Zscheckenbürlin, Name 235 A. 1. 331 A.4. — Familie 338 A.5. — Bartholomäus 331 A.4. — Bernhard 331 A.4. — Elsbeth verm. an Ludwig Kilch- mann 331 A.4. — Hans I. Oberstzunftmeister 331, 19, A.A. — Hans II. 331 A.A. — Hemmann 331 A. 4. -— Hieronymus s. Basel, Karthaus, Prioren. — Ludwig I. 331 A.4. 334 A.6. Familie 235. 235. 331 A.A4. 333 A.A. k . s m a > B 3 R ” & 4 * k > = ke ‘ s N - j Personen- und Ortsverzeichniss. Zscheckenbürlin, Ludwig II. 331 A.4. 334 A.6. — Magdalena vermählt an Lienhard Fuchs Nachtrag zu 331 A. 4. — Magdalena verm. an Hans Offen- burg 331 A.4. 334 A. 6. — Margaretha verm. an Jacob Nagel von der Alten Schönstein 331 A.4. — Margaretha geb. v. Basel s. Basel. — Maria verm. an Morand v. Brunn 331 A.A. 334A.6. 354,9. 355,5. 364. 387,22. 472 A.1. 418 A.A. — Maria verm. an Jacob Schorpp v. Freudenberg 331 A.4. 354 A.A4. — Sibylla verm. an Gebhard Hegner 331 A.4. — Sophia 331 A. 4. — Thomas 331 A.4. 363. Zscherwiller s. Scherweiler. Zschorpp s. Schorpp. Zürich 20,30. 26,40. 28,4. 46. 53, I7..,,03. 2.647. 65, 14.766,21 6977. 13,33.:75,24. 76,2, 82, 83.05, 91. 92. 99,6, 32. 100102. 104, 28..106.: 107).23.: 108,23, SI RATT. 110, 7,14. 118,9, 28. 121, 2;10,28. 122,14, A. 2, 123..126)3, 180107, 20..128...130, 29,33.131. 139.133, 10. 134. 135, 3,8. 136,13,19. 137. 138,2,17. 139 A.1. 161 A.3. 166, 4. 171,16. 178, 29,30. 179,4. 183 A.3,5. 200, 15, 20,23. 201,17. 203, 26. 210, 27. . 216, 34. 227,27..-299, 43. 339 A.2. 370. 385,28. 386, 5. 387. 389,12. 390. 391. 399, 22. 400,27 .-401,.11;:12:2406, 2,3, 25: 407,4. 419,20. 420,7. 425,3. 442 A.2. 485. 486. 487. 488,3. 498,12. ZügY "20,32. .60,85. ' 78,40.0092, 18: 99,2,5:122, 1. 123214 13220, 131531. 32,13 BR 198 5 34. 136, 16. 180,20. 200, 14°22777 Zugewandten der 13 Sagen alien Orte, die, 210,26. Zweibrücken, Pfalzgraf Wolfgang v. 8. Pfalzgraf. Zwilchenbart, Hans 47,9. Zwingen 117,3. 280, 6,13. Zwingli, Ulrich 7. 46. 63, 26. 104,28. 109, 11.151,20. 288 203, 26. 312 AWakn 385, 8. 387, 20.:390, 23. 391,15. 400, 27. 406,12. 407,5. 408,2,5. 423,13. 424,6, A.3. 486, 30, 32. 487. 488, 10. — Wilhelm 162 A.7. Glossar. a. kückumlaut des e in a: verdarbten 49,3. geschandt 51,15. schmackten 66,35. schwald schwellte 103,2. u. ö. vergl. heimkarten heimkehrten 84,23. — a für €: harnoch 51, 10. syderhar 69,12. harkumen 73,26. mansparsonnen 74, 42. rachtung 459,26. — a in Endungen für ton- loses e: gesamlat 49,12. versamlatt 50,12. 56,3 vw. ö. samlatten sich 71,31. altar Alter 457, 39. ä selten, weil vielfach durch 6 ersetzt: rat 50,21. 78,8. 85,29. bestan 52, 20. stat 55,38. brachen 64,4. rat- ten berathen 75,33. clar 77,11 (ge- gen clor 75,7). sasen sassen 81,17 (gegen sosen 86,12). begaben 164, 11. pfingstaben Pfingstabend 169, 34. ammeister, m. Vorsteher der Hand- werker (neben dem Stättmeister der oberste Beamte in Strassburg) 178, 32. — Vergl. deutsche Städtechron. 9, 1080b. andingen zur Bedingung machen : part. angedinkt 484,15. angon, angehen, vom Feuer ergrif- fen werden 62,30. anhennig, anhängig 147,17. 167, 26. anke, m. Butter 150,12. 160, 33. anmut, m. Begier, Lust, Neigung 4711,33. apostüzlery, «arooreoie, Abfall vom Glauben 69,21. apostüzlerwerk, n. 472,26. arbentsälig s. erbendselig. ax, f. 155,26. Vergl. die Anmerkung zu dieser Stelle; auch gaben sich domit selbs an die axt 486, 16. bescheid, m. Adrede 50,11. bescheidlich, ordentlich, angemes- sen 460,17. 464, 28. beschibikeit, f. Kunst einem et- was zuzuwälzen: beschybikeit 461, 33. mhd. beschiben, zuwenden, zu- theulen. beschicken, berufen, holen lassen 461,17. beschieszen, helfen, fördern, nützen: beschuszt es nit 488, 37. beschmöchen, Schmach zufügen 125, 27. bezögen, zeigen, erklären 'mhd. be- zöugen) 465,8. bibrief, Beibrief, angeschlossene schriftliche Abmachung 185,5. bitschsigel, n. Petschaft, Siegel 483,15. blitzgen, dlitzen 154, 21. 158,7. gegen blizen 157,6; blicken 227,35. blixgen, blitzen 47,17. | bochwort. n. Trotzwort 454,33. 457, 18. bögner, m. 210,8. bot, n. Versammlung aller Mitglie- der einer Zunft 50,19. 55,35. 57, 26. boumnusz, f. Juglans regia (im Ge- gensatz zu Haselnuss) 130,12. vgl. Grimm Wb. 1, 1194. noch Jetzt im Wiesenthale: (Hagelstücke) theil- weise in der grösze einer baumnusz. Schweizer Grenzpost v. 2. Sept. 1871 (aus Lörrach). brobant, f. (sonst im’ 16. Jahrh. profand, profend, m. und f.) Pro- viant 123, 39. 128, 23. brobiant 131,6. 132,33. brofiant 136, 20, Bogenschütz 207, 21. 974 brochat für brochmonat, Brach- monat, Juni 100,26. 102,25. bronst, f. Feuersbrunst 221,13. buchsenstein, n. (steinerne) Büch- senkugel 487,18. burgerschaft, f. Bündnis unter Stödken- LAF, Eis, . burgrecht, n. besondere Form eines Bündnisses zwischen Städten 63,5. 93,5..1388,1 u2 0. bussen, küssen, liebein 463,25. Gr. Wb. 2, 570. but, Beute 48,11. butz, m. Popanz, Schreckgestalt; Pfropf in Geschwären (Grimm Wb. 2,588). dan sy wol sechen, das ein butz dohinden stackt dass noch et- was (böses) verborgen wäre 84,33. Cs. K d. (s. auch t, für das es mehrfach steht; dagen tagen, Tagsatzung hal- ten 217,19) aus- oder abgefallen in des bösen vigens für vigends Fein- des 210,13. so lygen so faren hab ist 451,42. sitzen 464,12. ähnlich 481,25. nd für nn: nit bedacht und besunden 451,9 (gegen unbe- dacht und unbesunnen 450, 45). von hinden von hinnen 453,17. daffel, f. Gemäldetafel, Altartafel 86, 20,32. 88, 13,29. dennest dennoch (Grimm Wb. 2, 952) 63,2. 103,28. dettigen, sühnen, schlichten (ter- dingen), 108, 22. 127, 11. 135, 37. s. verdettigen, thedigen. dettigsherr, m. Herr (Rathsmit- glied,, der zur Schlichtung eines Handels abgeordnet ist 126,16, 27, 29. 127,6,9. thettigszherr 129, 29. deweder, ein jeder von beiden 206, 26,29. (in negativen Sätzen) keiner von beiden: dwetder 204,2. dhein, kein 523,17. disent: hie disent von dieser Seite (von der Grossstadt) 74,7. 161,4. vergl. hiedisent. doben (aus da oben) oben (im Lande) 159, 21. doubsucht, f. Tobsucht, Tollwuth 23,24. drieen, gedeihen, wachsen (für drü- hen) 189,12. s. Grimm Wb. 2, 1456. driszgist 36,8. vergl. Note dazu. durchechten, verfolgen, plagen 61,18, Glossar. € für ie im Prät. reduplizierender Verben: empfengen 49, 10. helten 55,38. vergl. zurheuwen zerhieben 102,11. & für 6: kilchere 162, 28. uffzulesen 168, 36. eb, ehe 18,24. 101, 15. ei für kurzes aus a umgelautetes e: einheillig eenhellig 82,16. für i: veilen vvelen 224,13. veil 224, 30. 227,19 (gegen vil 227,17). eiderman, jedermann 212,35. emd, n. Grummet 120, 8. 150, 11. empfahen, empfangen. inf. enpho- hen 458, 13. prät. empfünge 170, 11. conj. emphönen 456,16. part. enphonen 455, 3 endflechten (für entfiöchten) ent- ‚flüchten, bergen 103, 27. enet, jenseits 177,5. erarnen, verdienen, entgelten 458,1. erbeinig, f. Erbvereinigung 99, 37. erbendselig, arbeiselig, voll Noth 61, 24,36. 149,28. dufür arbent- sälig 174, 10. ergeben, reflexiv, nachgeben 414,5. erfündlen, erforschen 451,7. erkichen, ergwicken 159,3. erluttern, klar machen, bestimmen MIR ET: ermörten, ermorden. part. ermört 49,17. prät. ermörtet 49, 21. erschieszen, gedeihen, gerathen, helfen (Grimm Wb. 3, 961) 136,9. part. erschosen 27,15. s. harschie- szen und beschieszen. ersprachen, Gespräch halten, sich unterhalten 450, 24. ersticken, ersticken machen: prät. erstockt (fü® erstuckt aus erstickt) 489,12. ersuchen, rechtlich (belangen) 459,2. fackünly, n. Falconet 134, 24. fallen, fallen, prät. fül 166, 10. 175, 1: fantasy, f. (Trugbild) Anfechtung 461,32. fechte, f. Fehde 203, 35. verburgerschaften, sich verbin- den 123,34. s. burgerschaft. verburgrechten, derselben Bedeu- tung 215, 28. 217, 40. verdettigen, schlichten 52, 34. 126, 12. 146, 30. verdedygen 125, 11. verein, f. Vereinigung, Ueberein- kommen 171, 11,13. 183, 15. verfallen, durch Fallen umkommen. prät. verfülen 164,2. Glossar. “ verfenglich, wirksam, Erfolg ha- bend 95,13. 96, 36. vergl. Schmel- ler, bair. Wb. 1, 542. verflüechen, verfluchen. prät. ver- fliechten 169, 41. fergen, schicken, fortschaffen 66, 39. ‚verglichen, reflexiv, sich vertra- gen, zusammen passen 523, 34. verklügt, verblümt, von Worten 38, 17. | vernügen, Genüge thun 56, 36. inf. substant. Genüge 58, 28. vernugig sin, sich begnügen, @Ge- nüge haben S4, 28. verschliszen, verschleissen,, ab- nutzen 449 Anm. 4. versperren, einsperren 415, 27. 482, 19. verstand, m. Verständnis, Einver- nehmen 99, 8. vertrusig, überdrüssig S6, 14. viernzel, n. Viertel (beim Getreide- mass) 222, 38. 225,7,11,13. ge- wöhnlicher vierzel, fierzel 104, 18. 177,31 u. s. w. vierzal 488, 27. fleiszlich, fleischlich 472, 21. volge, exequiae, feierliches Leichen- begängnis mit Darbringung des Messopfers 33, 22. 36,6. vgl. Sur- gant: Manuale curatorum. Bas. 1508, BI.Xch. c. forden, vornen, an der Spitze 487, 22, frigetsknecht 62,23. $. die An- merkung zu der Stelle. füllen, faulen 130, 19. fund, m. Anschlag, Plan 46, 12. 469,7. furer, ‚fürder, furrer 80, 29. furfaren, fortfahren 480, 40. furo, weiterhin, fernerhin 214, 15. füstling, m. Faustrohr, kurzes Ge- wehr 184, 21. ‚Fernerhin 77,6, 27. g für hd. ng in Endsilben: hoffnug 68, 26. meinug 70,37. zertrenug 73,29. meinig 73,35. hornug 88, 12 w. ö. in der Stammsilbe: uber- trag 146, 37. gabelle, f. Zoll, vorzüglich vom Salz 208,23. | gacks: das er weder gucks noch gacks sprach 484, 27. gebüdlet mel, gebeuteltes, feines Mehl 144,14. gebüdlet melsz 144, 21. gegnen, begegnen, geschehen 61,4. 575 | gesicht, f. das Sehen, Aussicht 540, 28. gesprech, Disputation 77,41. 78,3. gewantman, m. Tuchhändler 140, 14. 219, 24. &itz;; Gierı71,1h. gnou, genau, enge. superl. uff das gnoüszt 451,7. uffs gnübst 456, 12. uffs gnübst 473, 7. — gnüb, streng, schwer 473, 24. gon, gegen, gen 33.14. 49,14. 50, 3 u. oft. götze, m. Herligenbild 51,20. 58,21. grist, Grütze? 120,7. grüm, m. für grien, Sand, Kies? 161,7,9. gen. grümsz 112,7. sonst grien 160, 39. vergl. 187,4. grümen, verb. 49,32. gucks, s. gacks. gumpest, m. Sauerkraut; verächt- lich für sauern Wein 116,25. vergl. schlegumpest. gut, gut. die guten jar Neujahrs- geschenke 213, 27. habit, m. Ordenskleid 473,14. 481, 13,23. hag, m. am hag abziehen unverrich- teter Sache 184,4. handfest, Zreu, unverbrüchlich am Glauben haltend 37, 6. handhaben, schützen 33,37. 81,26. hare, harre, f. Harre, Länge. in die hare 449,7. in die harr 455, 30. in die har 458, 33. harluttern, erläutern 206,24. harschieszen, aufschiessen, er- spriessen, gedeihen 210,41. vergl. erschieszen. harschinen, erscheinen 209, 9. harstatten, erstatten 206, 22. harsuchen, ersuchen, heimsuchen 204,4. heftig, adv. fest, andauernd 35,32. sehr 46, 8. heidensch-werk, n. Weberei mor- genländischen Ursprungs 106, 37. s. Grimm Wb. 4, 2, sp. 811. heiszen, verb.: einen lügen heiszen, einen der Lüge zeihen 440,12. -heit, Nachsilbe noch in geferligheit 465, 4. 467,36. billigheit 468, 20. (billigkeit 475, 29). heiter, klar, deutlich, von Worten 38,16. hel (stehen) , eigentlich schlüpfrig, glatt, daher nicht fest 81,28. vergl. hähl Grimms Wb. 4, 2, sp. 158, 876 hellig, m. Geheimnis, geheime Ränke 35,36. geheimer Rathschlag, Plan 118,11. cf. hehling in Gr. Wb.4, 2, 188. herd, m. Boden, Erde 103,6. 182, 16,20. hiedisent, hier diesseits (des Rheins) 87,6 u. Anm. 89,29 u. ö. s. disent. hinderhüt, f. Hinterhalt 485, 23. hingeflossen, verflossen, vergan- gen (Zeit) 522,28. hinlessig, nachlässig, faul 471,33. hinnen, hier innen 454,28. 457,15. hochherlickeit, f. oberste Her- schaft, höchste Gewalt (über einen Landstrich) 125,25. 128,18. 130, 6. hodler: von den Oberlendern, die man die hodler heiszt 225, 10; vgl.: hodler, fürköuffer, der korn und dergleichen auff theüre hindersich halt, der redlich mit dem juden- spiesz ficht. Maalerteütsch Spraach 2274, hulden, Auldigen 187, 20. husgesin, n. (für -gesind), Haus- diener, Dienstbote 462, 14. hüt, f. Wache; Hinterhalt 216,8. hütly: es gieng under dem hüdly zu, nicht redlich 21,13 (von den Gauk- lerkunststücken entlehnt). liederlich, i für tonloses e: kurtzy 53, 31. kürzy 100,16. alli 50, 25. büchly 79,22, 25. sölli solle 93,15. solti sollte 98, 15. gewarsamy 109,17 w.ö. im gan- zen nicht häufig. — 1 für ü häufig, x. B. sindt Sünde 169,10. chürfirst Kurfürst 164, 15. gestirmet ge- stürmt 4471,38; ebenso ie für üe: miessen müssen 165,3. triebsälig 165,4. biechlin 166, 6. entfieren 167, 24, u. a. umgekehrt ü für i: büttlichen dbittlich 166,32. schürm- herren 168,6. künder Kinder 168, 16. gelüfert geliefert 217,13. zunsz Zins 211,28 u. s. w. für ie: müd Miete 34,12. stüben stieben 477,4. flühen fliehen 486,9. — 1 für ü, mhd. iu: erytz Kreuz 168, 34. bedidt be- deutet 227,38. lichter Leuchter 486, 12. für ie: iderman 447,10. ytzunt 451,23. 454,9. 475,26. (yetzunt 455, 14). zychen ziehen 485,30. ü für t: verlühet verleiht 468, 32. iedlich, jeder 448, 26. 458, 12. 466, 42. (yeglich 481, 20). Glossar. inbü, n. Einbau, Gebäude innerhalb eines abgegrenzten Platzes 469,4. inhalten, enthalten, Inhalt haben 481, 33. inker, m. Einkehr, Verkehr 152,40. intrag, m. Einwurf, Einrede 469,7. Joch, auch, doch, wenngleich 44,18. jor-eid, der alle Jahre zu schwö- rende T'reuerd 34,35. 148,6. jor-zit, f. Jahrestag eines Gestor- benen 33,22. 336 (Anm. 6 zu $. 334). vgl. selgrete. karrenbuchse, f. kleineres fahr- bares Geschütz, Feldgeschütz 485, 27: keiglen, Kegel schieben 160,2. kemmich, m. Kamin, Schornstein 489,13. kernen, m. Kern: der beste ker- nen der jungen manschaft 184, 35. ch eingeschoben in ochstern Ostern 450, 35. christen, adj. christlich. dat. chri- stem für christnem 42,14. chur, Wahl, Wahlamt (städtisches) 93,38. 94,26. kilby, (eigentlich Kirchweih) Fest, Volksfest 23,33. 25,24. 160,11. vergl. Grimms Wb. 5, 831 unten. kilcher, ‚f. (aus kilchhöre), @e- samtheit der zu einer Kirche ge- hörigen, Kirchspiel 162,28. vergl. Grimms Wb. 5, 820. kilspal, Kirchspiel 34,27. kittern, kichern 463, 26. clegte, f. Klage 203,35. 204,5. klein, adv. wenig 712,8. 73,4. kluppte, f. Spalt, Klemme: in der kluppten stecken 480, 42. ; kost, m. Kosten, Aufwand 480, 25. kosten 485, 24. 488,19. kouf, m. Kaufpreis 119, 29. kranz, m. Verpflichtung eın (Schü- tzen)fest abzuhalten 119,3. vergl. Grimms Wb. 5, 2054. erutzgang, Bittgang unter Vortra- gung des Kreuzes, Prozession 36,24. kumlich, angemessen 209, 27. küriser, m. geharnischter Soldat 210,7, kuszmonat, m. wie sonst Flitter- wochen 463, 33. B ladenherr, Bewahrer der Lade, in welcher die städtischen Zinsbriefe liegen 14,25. S. über die Laden- herren Heusler: Verfassgsgsch. 243. Glossar. “ langen, verlangen 64, 31. leren, lernen 172,2. letze, f. Abschiedsgabe, Geschenk 25,31. letzge, lectio, Lesung eines Bibel- abschnittes, dann Vorlesung über- haupt 35, 25. 36, 19. 90, 36. . Lifferher? 21,35..22,7,24. 23,13 w.ö. löbig, Lob habend, löblich 455,25. lochennen, plur. Grenzzeichen an Waldbäumen uw. dgl. 128,13. loch- boum, lochenen, marchstein und ander gemerk. Basler Rechtsquellen I, 221. 8. ebendort I, 669 Anm. Ein Haus zwischen Langenbruck und Holderbank an der Grenze der Kantone Basel und Solothurn heisst das Lochhaus.. vergl. bair. lachen und lacken, einen Baum so zeichnen. Schmeller (2. Aufl.) 1, 1432. losen, zu-losen, zuhören 80, 2. lumde, m. Leuwmund. eins unver- serten lumbdens 97, 21. lüpriester für liutpriester, Leut- priester 33,15. lupriester 45, 6. 63, 20. lustren, auflauern 165, 24. 172, 11528; luttener, m. Lieutenant 116, 27. ludenner 119, 3. ludner 131, 12. lutaner 147, 27. lutter, klar, unzwerdeutig (von einer Verabredung) 210, 14. machmänlin, n. Gaukelmännchen; hier im Sinne von Versuch, Probe (spöttisch) 182, 33. mallenschlosz,n. Vorhüngeschloss 450, 37. manen, einen Mann nehmen, heira- ten 90, 27. meins, selten für das neutr. mein: meins sechste kindt 228, 39. merklich, beträchtlich, vorzüglich. gen. vil merklisz sammatz 103, 29. bedeutend, wichtig: merglich 462,8. schwer 464,17. 472,18. adv. merg- lichen beträchtlich ATT, 2. schwer 482, 25. mietwan, »n. Versprechung, einer Belohnung in der Absicht zu be- stechen 95, 15. vgl. Lexer, mhd. Wb.1, 2136. müd, (Miete), Belohnung 31,12 (ge- gen miet 95,15). murmlen, murren 81,7. murmeln, verstohlen als Gerücht verbreiten 488, 12. Basler Chroniken. I 917 mustern, ausmusten, sichten 111, E32; müszen, quälen, plagen 454, 31. 457,17. vgl. Maaler 295». n ausgefallen, s. g am Eingang. Isz- bruck Innsbruck 148, 41. vernuft 466,8. nn für ng: anhennig 147, 17. ngt, für nt: gesangten (den) Ge- sandten 187,29. vergl. auch unter dam Eingang. näch- s. nöch-. nidertrechtig, lich 61, 20. nidsich, nieder (das Land hinab) 155, 34. 157, 12. 162, 15. 183,-10. nidsiden, aus dem Unterlande 46, 32. nitzit, nichts 12,19. nüzit 75, 28. nutzit 77, 10. nizit 169, 30. nutzet 483, 24. nützit 219, 29. gen. nüczs 467,12. s. ützit. nöchgendig (nachgehendig) nach- folgend 224, 37. in gleichem Sinne die nächgönen artikel 440, 28. ntedrig, verächt- o für tonloses e: verordnot 96, 28. 97,14. geordnoten 98,1. gelerosten gelehrtesten 410, 39. für ö in wor- ren waren 124, 31 und oft (gegen wören 129, 2). für ou in bommen Bäumen 130, 12. bonngart Daum- garten 256 Anm.1. für u: gezwon- gen 465, 27. s. unten on-. über a für o s. Vorrede 8. XV. öbenzech, f. Abendzeche 225, 38. obsich, uufwärts (das Land hinauf‘) 155, 34. 157, 12. 162,15. obsiden, aus dem Öberlande 46, 32. öfnen, aufrichten, constituere. part. geöffnet 38, 24. vgl. uflnen. on- für un-: onufrlerisch unaufrüh- rerisch 216, 14. onbefiegt unbefugt 216,14. oncristlich 462, 3. onange- sehen 480, 42. onerschrocken 485, 29. vergl. bronst für brunst 221, 13. ougspiegel, m. plur. Brille 525 Anm.1. parthigist 60,18. pfrunner, Pfründer, alimentaruus 476, 10. pietanz, f. 8.336 (Anm.6 zu 8.334). vgl. die Erklärung 8.261 Anm. 2. pollicey, obrigkeitliches Mandat 88,3. 88,28. 89,14 u. ö. 31 578 pollizieren, ein solches Mandat er- lassen 88,2. posyeren 207,14. An der entspre- chenden Stelle Eıidgen. Abschiede III, 2, 1011 steht passiren. prave, m. nach dem ital. bravo, Mörder, Bandit? 165, 21. probieren, beweisen (probare) 36,9. 217, 31: quadratstein, m. behauener, Qua- derstein 485,11. rachtung, f. Vergleich, Sühne 459, 26. 487, 34. vergl. Haltaus Glossar 1499. renzlen, renlen, @etreide reini- gen 143,16. vergl. Stalder 2, 281 unter röllen. rouchfarb, rostbraun, ferrugineus ‘47,10. ruchman, m. grober Mann 476,11. rütsen, rutschen 476,1. Schenki, pl. schenkine, f. Schen- kung, Geschenk 213, 26. schenzlen, mit Schande belegen 64,20. scherhammer, m. 112,4 ,9, schidherre, m. Herr ( .Ratsmit- glied) zur Schlichtung eines Han- dels verordnet 130,36. 135,28. schiffrich, so dass man zu Schiffe fahren kann 103,12, 18. vgl. Frisch 2, 180«, schinbarlich, offenbar, klar und deutlich 65, 31. schlegumpest, Zingemachtes aus Schlehen 335 (Anm.6 zu S. 334). schmecken, riechen, merken. prät. plur. schmackten 66, 35. schmitzen, schlagen, empfindlich treffen, beschimpfen. part. gesmy- tzet 458, 41. schruffe, m.: 1 schruffen et spinnel ad levanda vasa 345 Anm.1. schwere, f. Gewicht: by der schwere in schwerer Menge 484,18. selgret, (mhd. selgerzte), was von der Hinterlassenschaft eines Ver- storbenen zum Heil seiner Seele ei- ner Kirche für Seelmessen, Jahr- tage u. dergl. zufällt oder vermacht ist 33, 22. Sellos, ungeistlich 463,7. semlich, solch 207,1. Serge, f. Sarsche, Wollenstoff, Decke aus solchem 355 Anm. 2. Werkhammer Glossar. span, m. Span, Zwietracht 125, 10. plur. spenne 24,17. spen 125, 2. spennig, widerspenstig, entgegen 147,15. spenig sachen 204, 22. spetzwörtlin, n. plur. spitzfindige, Spottworte 459,5 (spätzle, schmütz- wort, schlötterle, aculeus et male- dietum, scomma, argutiae Maaler 3788), | spinnel, m.: 1 schruffen et spinnel ad levanda vasa 345 Anm. 1. strecken, foltern 445,22. 446,7. strime, Streif, Schweif (am Come- ten) 25,15. 129,15. 143,9. stüben, stieben, fliehen 417,4. stutz, m. Stoss. in eim stütz (fort- gehen) plötzlich, sofort 449, 20. t nach f assimihiert: zunffig zünftig 60,11. namhaffig namhaftig 72,17. 144,43. künffig 149,10. 204,3. ge- schrifflich 459,18. 460,6. ebenso nach r: furrer fürder 80,29 (furer 21.46). — ausgefallen: lupriester 33,15. 45, 6. fruchbarlichsz 130,37. eygno- schaft 132,1,7. houpbanner 135,10. houplütten 136, 35. gelerosten ge- lehrtesten 470,39. vgl. zu beytheyl- len zu beiden Thheilen 146,40. — abgefallen zechen Zehent 439,7. angetreten: werkt für werk 455,12. 466, 7. beschwertnüsz 455, 37. — vgl. d zu Eingang. tagsherre, m. Herr (Ratsmitglied) Re Tagsatzung verordnet 130, 36, talme, jetzt, heute, nun 468,13. vgl. Grimm Wb. 2, 698 unter daling. thedigen, vergleichen, beilegen. thettiget 53,21. s. dettigen, verdet- tigen. trawen, drohen 445,35. prät. tro- wet 459,1. tr&m, plur. von tröm (für träm), Balken 182, 10. trungelich, trungenlich, adv. eindringlich 41,1. 209,6. trysinier, Tresorier, Schatzmeister 32,16. u für uo in gutt gut 79,30. 80,35 . ö. anmuttig 126, 36. rufften riefen 145,20. armutt 227,13. berufiten 450,43. vielleicht auch in schlug 156,12. slug 446,12. — u für ie im Prät. ehemals reduplizierender Ver- ben mit a oder & in der Stammsilbe: fül 164,2. 166, 10. empfünge 170, Glossar. 11. hülten hielten 170,11. 176,7. abgüngen 171,3. gung 173,20. fül- len 178, 20. underlüsz unterliess 216, 4. auch sonst für ie: flühen ‚fliehen 410,32. 472, 30. — ü ss. un- ter 1. — ü für ou in gluben 56, 7,8. 59,2,3 «. ö. glublich 65, 20. glube 68, 33. 71,5 u. ö. überlegen, beschwerlich, ungelegen 457,22. vgl. Maaler 4444, ubertrang, m. Bedrängnis 53,4. 145, 3. ubertrag 146, 37.' uber- drang 484, 9. uffnen, aufrichten, constituere 77, 36. vgl. Öfnen. uffnung, Aufrichtung 76,23. 77,15. uffschlagen, aufschieben, verzö- gern 410, 34. uffzug, m. Verzug, underdettinger, m. Unterhänd- ler, Sühner, Schlichter 125,17. ungelt, n. Abgabe über das eigent- liche gelt 488, 20. dafür umgelt 188,21. ungenumen, ausgenommen 210,16. unszschlet, ». Unsehlitt 150,13. unzeitig, unreif 226,21. ursachen, Ursache geben 455, 26. 463, 44. ürthe, f. Zeche, Schmauserei 225,40. usfundig, ausfindig, vollkommen, erschöpfend 717,35. uszkon, auskommen, vollenden 18,6. uszrichten, recht, verständlich machen 466, 8. uszschutz, Ausschuss, (Commission von Berathenden 72,15. 73,17, 21. uszschütz 80, 10. uschutz 187, 21. uszwarten, zu Ende warten, voll- Führen 68, 20. ützit, etwas 206, 20. vgl. nützit. üwer, euer, verkürzt zu ür 68,13. V unter F. Wache haltend, acht- Versäumnis wachtbar, sam 18L, 29. wasserstube, f. Raum, in dem die 579 Werkleute beim Pfeilerbau einer Brücke arbeiten, und der dem Fluss- bette abgewonnen ist 223, 4. webste, f. Wespe. kamen inen die websten in den hindern 475, 31. weidling, Xkleiner Kahn, Nachen 24,35. 173,23. 222, 28. wellen, wollen. wend (sie) wollen 109,40. wet wollte 67,19. 115,5. wed 74,24. wolt 130,32. wendig, abtrünnig 227,17. wiben, ein Weib nehmen, heiraten 90,27. widerlegen, ersetzen, entschädigen 185,5. widern, sich widersetzen 87,17. widerzug, m. Rückzug 149,36, 37. wittling, m. Wüwer 1711,22. wolfel, wolferl. in wolfflem gelt 147,10. compar. wölfler 160, 29. wölfle, f. Wolfeilheit: winwöltfle 157,16. wun und weydt, spisz und trank 145, 24. zamen, zusammen 75,9. 81,12 «. ö. zechen, m. (der Zehnte) Abgabe 439, 7. 488,33. zechent 482, 32. zeugen, zöigen, zögen, zeigen, (mhd. zouge, zöuge): anzeugen 460, 13. anzuzeugen 459, 25. anzöigt 457,5. 459,33. zoigten 463,1. an- gezögt 465,3. ef. bezögen. zibel, m. Zwiebel 162, 10,11. ziginger Zigeuner. zyginger oder heyden 61,41. zilror, n. Büchse, Flinte 178, 26. 187, 2. zimlich, 184,8. zöben, zu Abend. 160, 6. zundel, Zunder, Zündstoff 41,20. zunft, f. Zunft; Zunftgerechtsame. die zunft koufen sich ın eine Zunft einkaufen 445,19. zusatz, Besatzung von Hılfstruppen (vgl. Frisch 2, 154b). 24,18. 26,1. Hilfstruppen 27,19, 24. zwuren, zwier, zweimal 90, 35. schicklich , angemessen 31* Nechtrioe Anmerkungen zu 8. 3—17. Seite 3. 1) Ich verweise in Betreff der Geschichte des Ryffischen Ge- schlechtes auf S. 193 ff., auf Andreas Heuslers Aufsatz über Andreas Ryft nebst den von mir mitgetheilten Beilagen im neunten Bande der Beiträge zur vaterländischen Geschichte, herausgegeben von der historischen Gesell- schaft in Basel, Basel 1870, und auf das von mir verfasste Basler Neujahrs- blatt 1872. 2) Peter Ryff lebte nach dem 8. 196 abgedruckten Stamm- baum im Jahre 1488 »in der Haushaltung«, d. h. in der Ehe. Die Jahres- zahl der Haushaltung bezieht sich nicht immer, wie ich 8. 195 Anm. 3 be- merkt habe, auf den Eintritt in die letztere, sondern giebt an, in welchem Jahre der Betreffende zuerst als verheirathet nachzuweisen ist, das sehen wir z. B. bei Daniel Ryff, bei dem als Jahr der Haushaltung 1552 ange- geben ist, das Jahr, in welchem den 8. Mai sein ältester Sohn Peter ge- boren wurde. Seite 4. 1) Die Niedersetzung dieses Ausschusses oder dieser » Boten «, wie sie mit einem technischen Ausdruck genannt werden, geschah nicht am 17. Februar, wie bei Ochs V, 676 steht, sondern am 15. Die Quelle, aus der Ochs geschöpft, ist ein kleines Büchlein auf dem Staatsarchiv, St. 2. A, das einige Grossrathsprotocolle aus den Tagen jener Bewegung enthält. Ueber das unrichtige Datum bei Ochs s. die folgende Anmerkung. 2) 8.448 Anm. 4. In den hier angeführten Urkunden vom 18. October 1529 wird Fridolin Ryff als »des Raths«, »der Räthen« bezeichnet. Der Joh. Bapt. 1528 gewählte neue Rath wurde Joh. Bapt. 1529 alt und musste Joh. Bapt. 1530 wieder neu gewählt werden. Auf der Rathsliste von 1528 erscheint noch Peter Ryff als Meister zu Webern, auf der von 1530 dagegen Frido- lin, woraus hervorgeht, dass Peter zwischen Johanni 1528 und Johanni 1530 gestorben ist. In der Regel fanden keine ausserordentlichen Ersatzwahlen für verstorbene oder sonst abgegangene Rathsglieder statt, sondern man wartete bis zur nächsten ordentlichen Neuwahl der gesammten Behörde, die Stelle Peters hätte also erst Johanni 1530 wieder besetzt werden müs- sen. Nun wurden aber im Februar 1529 die Stellen der zum Austritte ge- zwungenen katholisch gesinnten Rathsglieder neu besetzt, und bei dieser Gelegenheit müssen, wenn in jenen Urkunden kein Versehn vorliegt, auch an die übrigen erledigten Stellen Neuwahlen getroffen worden sein. Diese Neubesetzung des Rathes wurde, nachdem der neue Modus der Rathswahl festgestellt worden war, in einer Grossrathssitzung vom 25. Februar, wie es in dem in voriger Anmerkung erwähnten Büchlein St. 2. A heisst, auf »fritag den 28. februar« angeordnet. Der 28. Februar war aber 1529 ein Sonntag, es muss also entweder der Wochen- oder der Monatstag unrich- tig angegeben sein. Ich vermuthe, dass ersteres der Fall und Sonntag der 28. gemeint ist. Damals also muss Fridolin, der am !5. Februar noch als Nachträge. 581 Sechser erscheint (Anm. 1), an die Stelle seines Vaters gewählt worden sein. Wenn sich dies so verhält, so ist aber Peter Ryff nicht erst 1530 gestorben, wie der Stammbaum angiebt, sondern diese Angabe beruht lediglich darauf, dass er 1530 zum erstenmale nicht mehr auf der Rathsliste erscheint. Ferner liegt hierin ein neuer Beweis gegen die Richtigkeit der in unsrer Chronik $. 89, 10 ff. enthaltenen Angabe, dass die erledigten Rathsstellen den 11. Febr. be- setzt worden seien. Die Geschichte dieser Wochen bedarf noch einer gründ- lichen Erforschung nach den Quellen. Ochs, der über die damaligen Gross- rathssitzungen Einiges mittheilt nach den Decreta et mandata senatus Ba- siliensis 1521—1601, Bl. 36b ff. und Bl. 59 ff. (auf S. 670 ff. und 665 ff.) und nach. dem Büchlein St. 2. A (auf S. 675 ff. 681 f.), giebt mehrmals falsche Daten an (wahrscheinlich irre geführt durch jenes »fritag den 28. febr.«), S. 670 den 14. Febr. statt des 12., 8. 676 den 17. statt des 15. und 8. 677 den 20. statt des 18. 38. Ochs VE TE. 4) 8. Beiträge IX, Sb: 5) Ich verstehe die Stelle so, dass der Verfasser erzählen will, der Ausschuss habe der Gemeinde mündlichen Bericht über die vom Rathe ertheilte Antwort gegeben, über diese Antwort habe aber bereits eine schrift- liche Aufzeichnung bestanden, eben die Policy, die dann am 18. Febr. von dem grossen Rathe angenommen und bestätigt wurde (97, 31). Nun ist aber kein Zweifel, dass diese ganze Policy erst das Werk der am 15. Februar zu » Boten« verordneten 20 Rathsglieder und Sechser war {sie sollten »die ar- tigkel, so ein burgerschaft begert, an ein end—pringen«), einer dieser Ver- ordneten kann also jene Stelle nicht geschrieben haben. Dass die Policy in der Form, wie sie am 18. Febr. angenommen wurde, aus den Händen der Verordneten kam, wusste der Verfasser der Chronik, der nach 8.65, 4 schon 1528 im grossen Rathe scheint gesessen zu haben (vgl. S. 5. 6), wohl, er scheint aber angenommen zu haben, dass die Thätigkeit der Verordne- ten sich bloss auf eine genauere Formulierung der schon schriftlich verzeich- neten Zugeständnisse beschränkt habe, wie er denn auch keinerlei Andeu- tung darüber macht, dass die von der Gemeinde erzwungenen Zugeständ- nisse (s. S. 86, 4 ff. und den S. 92 Anm. 2 erwähnten Brief Oecolampads) in der Policy modificiert erscheinen. Geschickt spricht der Wortlaut der letzteren in einer Weise, die offenbar darauf berechnet ist, den Eindruck hervorzubringen, die Policy enthalte dem Wesen nach die gemachten Zu- geständnisse, wenn auch aus praktischen Rücksichten bei der genauen Fest- setzung einige Einschränkungen gemacht worden. — Wie unser Chronist 86, 9 deutlich ausspricht, war auch bei den Forderungen politischer Art, welche die Bürgerschaft an den Rath gestellt, die Rücksicht auf die Durch- führung der Reformation der treibende Grund gewesen; nachdem diese glücklich erreicht war, wandte man jenen eine geringere Aufmerksamkeit zu. Seite 5. 1) So scheint mir die Stelle eher erklärt werden zu müssen, als in der Weise, dass man annimmt, der Verfasser wolle damit sagen, er selbst habe um diesen Preis Wein verkauft. Er würde in diesem Falle ge- wiss nicht ausgemessen, sondern verkauft gesagt haben. Ueber die Weinmesser vgl. Fechter (in der Festschrift: Basel im 14. Jahrhundert) 44, Rechtsquellen von Basel I, 126 f., über das Verkaufen von Wein auf offenem Markte in Basel noch im 16. Jahrhundert Peter Ryff 176, 21 ft. Seite 6. 1) Wir erwähnen noch, dass er sich am 21. August 1530 an der von ihm beschriebenen Kirchweih in Liestal betheiligt hat. 8. 113, 25, 30. — Ausser den im Texte erwähnten Versammlungen der evangelischen Bürger hat er nach 56, 3 auch schon der im October 1527 abgehaltenen beigewohnt. Seite 11. 1) Ein grösseres Stück ist etwas später eingeschaltet. Als der Verfasser, nachdem er die vollständige Durchführung der Reformation in Basel erzählt hatte, die Ueberschrift setzte »Hienoch volgt die pollicey — — geben wart« (92, 20 ff.), war ihm ein Exemplar des Wortlautes dieser letz- teren nicht zur Hand; er liess also den Rest des Blattes, auf welchem er angelangt war, und die sieben folgenden Blätter leer und fuhr auf dem 582 | Nachträge. achten fort, indem er zunächst die Reformationsordnung abschrieb, später- hin trug er dann die »pollicy« nach, indem er die Ueberschrift des ersten Absatzes derselben (vgl. S. 93, 1), durch »und ist« verbunden, der schon vorher durch ihn gesetzten Gesammtüberschrift beifügte. Das Actenstück füllte aber nicht den ganzen von ihm freigelassenen Raum, die drei letzten Blätter desselben blieben ganz leer. Er setzte nun auf das erste derselben einen gar nicht an diese Stelle passenden unklaren, möglichst breit aus- gesponnenen Abschnitt über die christlichen Bürgerrechte, der so recht die Merkmale eines Lückenbüssers trägt. (In unserem ‘Abdrucke ist er des besseren Zusammenhangs wegen vor die »Pollicy« gerückt worden.) Nach der Stelle »wie dan hienoch bestimpt und gehört wurt« (92, 11) zu schliessen, hat er. beabsichtigt, die beiden folgenden Blätter durch Mittheilung von Urkun- den über die christlichen Bürgerrechte auszufüllen, was er aber nicht aus- geführt hat. — Nach dem Schlusse der »Pollicy« auf 8. 178 der Handschrift, deren Hälfte auch leer geblieben war, hat er späterhin zu zwei verschie- denen Malen die beiden Bemerkungen über die Abänderung derselben (S. 98, 20 ff. unserer Ausgabe) eingetragen. 2) Auffallend ist die Angabe über die Wiederbesetzung der erledigten Rathsstellen am 11. Febr. 1529, die sich mit den bei Ochs V, 682 mitgetheilten urkundlichen Notizen nicht verträgt. Vgl. Anm. 1 zu S. 4. Ueber die Grossrathssitzung vom 12. Febr. vgl. das von Ochs V, 670 ff. Mitgetheilte, wo irrigerweise 14. Febr. steht. S$. die eben erwähnte Anm. Die Hdschr. A. G. V. 14 (s. S.17 Anm. 2) lässt S. 162 am 11. Febr. nur die Sechser neu gewählt werden. Seite 12. 1) Die Erzählung des zweiten Cappeler Krieges scheint in mehreren Absätzen geschrieben zu sein, von denen einer mit »friden« (131, 15) schliesst, ein anderer mit »byston« (133, 36), worauf das Uebrige, wie es scheint, in Einem Zuge folgt. Aus diesem Absetzen lässt sich schliessen, was auch durch die Art und Weise der Darstellung bestätigt wird, dass der Chronist erst mit dem zweiten Aufgebot ausgezogen ist. Seite 14. 1) Wegen des r siehe 8. 195 Anm. 1. Auch auf den Aussen- seiten des vordern sowohl als des hintern Deckels ist oben und unten ein schwarzes tr als Verzierung eingedruckt. 2) Auf Blatt 6 ist erst in den "letzten Jahren ein Zettelchen aufgeklebt worden, das bis dahin hier gele- gen hatte und zwar mit dem Inhalte des Bandes nichts zu thun hat, weil es aber die Ryffische Familie angeht, der sichern Aufbewahrung an dieser Stelle würdig zu sein schien. Es betriflt eine durch Diebold Ryff vermit- telte Abrechnung zwischen den Erben des Freiamtmanns Peter Ryff und der Wittwe des Anton Heitzmann. Seite 17. 1) S. oben 8. 6. Die Handschrift gelangte 1806 »e bibliotheca d’Annoneana«, d.h. aus der Bibliothek des im J. 1804 verstorbenen Prof. Joh. Jak. d’Annone, auf die Universitätsbibliothek. Rippell hat nur die Chro- nik des Fridolin und Peters Fortsetzung abgeschrieben. Die letztere giebt er nicht ganz getreu wieder. Einzelne Abschnitte lässt er entweder ganz weg oder er verweist nach Angabe der Ueberschrift auf andre Quellen, namentlich Wurstisen. Gelegentlich, wie beim Einreiten Kaiser Ferdinands, bringt er auch Zusätze, wohl ebenfalls aus Wurstisen. Am Schlusse der Chronik des Fridolin fügt Rippell die Worte bei: »Also hab ich vom 8. tag septembris 1614, hievor vermeldet am ersten blat, neben verrichtung anderer meiner obhabender geschefften dises bisz dohar abgeschriben, volendet uff sambstag den ersten tag octobris anni 1614«. Dann folgen die S. 6 angeführten Worte über den Verfasser, mit dem Zusatze: »der almechtig gott verleih im und unsz allen zu seiner zeit ein selige froliche ufferstendnus durch Jesum Christum unseren herren und heiland. Amen« und der Unterschrift: »Niclaus Rippell burger in Basell«. Ich hatte früher angenommen, Rippell, der die durch das Umbinden der Chronik beschädigten Stellen (s. S. 14) unver- stümmelt giebt, habe eine Abschrift der noch in ihrem ersten Einbande be- findlichen Chronik des Fridolin als Vorlage gehabt und diese abgeschrieben, später, nachdem er seine Arbeit mit den angeführten Worten beschlossen, Nachträge. 583 habe er sich irgendwoher die Fortsetzung des Peter Ryff verschafft. Allein ich bin von dieser Ansicht zurückgekommen. Gerade die Art und Weise, wie Rippell jene beschädigten Stellen wiedergiebt, zeigt, dass er sie in ver- stümmelter Gestalt vor sich gehabt. Denn entweder sind seine Lesarten der Art, dass sie sich für jeden, der jene Stellen vor sich hatte, von selbst ergeben mussten, oder sie sind geradezu unrichtig, wie S. 18, 25, wo er »uff dasz 40. w..« ergänzt: »uff dasz 40. wil ich«, indem er übersieht, dass auf der nächsten Zeile folgt: »wir achtung han«, es sich also nur darum handelt, den Rest des mit w anfangenden Wortes zu ergänzen, und S$. 157, 31, wo er »in schwartzem gewand« schreibt, während letzteres Wort auch in der noch unbeschnittenen Chronik gar nicht mehr Platz gehabt haben kann. Auch der Ausdruck, er habe »dises bisz dohar abgeschriben«, deutet eher darauf hin, dass er noch mehr abschreiben wollte, als dass er seine Arbeit hiemit als abgeschlossen ansah. Auch das Verhältniss, in wel- chem Rippell zu Peter Ryff und zu dessen Chronikenband selbst stand, spricht durchaus für unsre jetzige Annahme. 2) In Quart, A. G.V. 14 signiert. Die Handschrift ist der Bibliothek von den Herrn Professoren Peter und Rudolf Merian geschenkt worden, deren Vater Johann Rudolf Merian sie im Jahre 1786 von seinem Vater erhalten hatte. Sie ist nicht eine genaue Abschrift unserer Chronik ; einzelne Stellen sind verkürzt oder ganz weggelassen, andere durch Zusätze erweitert oder in etwas verschie- dener Weise gefasst. Ochs hat sie benutzt und führt mehrfach Stellen aus ihr an, z. B. V, 363. 365. 368. 652. 654 f. 684. Unrichtig ist es, wenn er sie 368 und 654 als gleichzeitige Handschrift bezeichnet. 3) Als »Geschenk von Herrn Pfarrer Thurneisen, erhalten den 15. July 1831«. Pfarrer Ru- dolf Th. war der Sohn des Buchhändlers Emanuel, den Haller IV. Nr. 736 als Besitzer nennt. Das Buch trägt die Signatur: K(irchen) A(rchiv) E. I. 20. Ueber die persönlichen Verhältnisse des Peter Ryff ist aus seiner Chro- nik nachzutragen, dass er nach 178, 27 das Strassburger Schiessen von 1576 besuchte, und dass ihm nach 179, 17 an der Pest des Jahres 1577 alle seine Geschwister starben bis auf einen Bruder, der im Welschland war (d. h. wohl in der französischen Schweiz zur Erlernung der Sprache, s. Beiträge IX, 49 Anm. 2). Berichtigungen und Zusätze. S. 20 Anm. 1. In dem Citat: Chroniken d. deut. Städte VIII S. 16 be- zieht sich 16 auf die Einleitung, nicht auf den Text der Chroniken. S. 26, 40 ist aus Versehen »batschafft« gedruckt. Siehe hierüber das in der Vorrede Bemerkte. S. 30, 24 ist nach »höupter« ein Komma zu setzen. S. 35 Anm. 4 in der zweiten Zeile v. u. lies 208 statt 201 (allerdings ist in der betreffenden Ausgabe Blatt 208 durch einen Druckfehler als Blatt 201 bezeichnet). S. 37 Anm. I ff. Wenn der Chronist von den guten Prädicanten spricht, welche die von ihm genannten Kirchen versehen, so hat er bei St. Martin in erster Linie an den so eben im Texte erwähnten Oecolampad gedacht, der 1522 oder 1523 Vicar des kranken Pfarrers Anton Zanker geworden war (Herzog I, 209 £.) und 1526 vom Rathe als Leutpriester zu St. Mar- tin förmlich angestellt wurde. Eine Abschrift des Anstellungsdecrets findet sich Antiq. Gernl. I fol. 27. Damals wurde ihm auch Hieronymus Bo- thanus aus Massmünster als Helfer beigeordnet. Herzog 1,353 f. — 584 Nachträge. Prädicant bei den Barfüssern war der in unserem Bande (s. das Namens- verzeichniss) noch mehrfach vorkommende Johann Lüthart, genannt Sündli, aus Luzern. Pellican war 1519—1523 Guardian des Klosters. S. 51, 10 lies »Ie« statt »Je«. S. 52, Var: ist auf der vorletzten Zeile nach »sin son« ein Komma zu setzen. S. 54 Anm. 1 1: »Aufzeichnungen 484, 31 fl.« statt »Aufzeichnungen 160«. Das be nach diesem Citat ist zu streichen. S. 60, 33 nach »liesz« sind die drei Punkte zu tilgen, der ganze Satz ist folgendermaassen zu lesen: aber der zweygerley gluben halb, so man ieder parthy liesz (ein teil hielt mesz — — —, die andren hielten cristlich bruch), werret es nit lang u. s. w. | S. 64, 23 und Anm. 4. Der Buchdrucker Johannes Faber Emmeus ist 1527 in Basel nachzuweisen. Stockmeyer und Reber: Beiträge zur Bas- ler Buchdruckergeschichte 155, wo sein Druckerzeichen, eine Hand mit einem Schwerte, das den gordischen Knoten durchhaut, abgebildet ist. S. 64 Anm. 5. Der zweite Gesandte Berns heisst nicht, wie hier irrig nach Herzog angegeben ist, Ullmann, sondern Tillmann. Eben dieser Seckelmeister Bernhard Tillmann (vgl. 125 Anm. 4) begegnet uns, wiederum mit Niclaus Manuel zusammen, Beiträge V, 312 als Gesandter Berns in Basel am 13. Febr. 1529. | S. 66 ff. Herr Dr. Stern bemerkt, dass für die Anmerkungen zu den folgenden Abschnitten die »Auszüge aus der ungedruckten Fortsetzung der Chronik des Valerius Rüd, genannt Anshelm« im schweizerischen Ge- schichtsforscher X, 273 ff. hätten herangezogen werden können, nament- lich S. 301 ff. zu 66 Anm. 1, 8. 313 ff. zu 100 Anm. 4, 8. 320 zu 105 Anm. 3, 326 zu Anm. S. 69, 3 1. wissend statt wsisend. S. 90,4. Als erster evangelischer Pfarrer zu St. Theodor wurde Wolf- gang Weissenburger eingesetzt. Siehe Athenae Rauricae 79. S. 94, 29 ]. zü statt zu. S. 102 Anm. 4 1. Aufzeichnungen 484, 39 ff. statt Aufzeichnungen 160. S. 107 Anm. 1 1. Lichtenhahn statt Lichtenhalm. S. 112 Anm. 1 1. Aufzeichnungen 485, 7 ff. statt 161. Auch ist das Citat von der Stelle, an der es sich jetzt befindet, auf $. 111 unter Anm. | zu versetzen. S. 113, 7. Der Familienname dieses »Heinrich Köuffer« scheint Zeller gewesen zu sein. 8. das in den Nachträgen zu 378 Anm. 5 Bemerkte. S. 115 Anm. 1 nach der Erwähnung von Kampschulte’s Werk über Calvin fügt Herr Dr. Stern bei: .S. daneben die Berichtigungen durch M. v. Stürler im Archiv des histor. Vereins des Kantons Bern VII, 440 —483. Vgl. Le röle de Berne et de Fribourg dans Y’introduction du Pro- testantisme & Geneve, im Archiv für die schweizerische Reformations- Geschichte, hrsgg. auf Veranstaltung des Schweiz. Pius-Vereins, I, 811—846. S. 117, 1,16. Urban Gürtler und Urban Blechnagel ist wohl ein und dieselbe Person. S. das in den Nachträgen zu 378 Anm. 5 Bemerkte. S. 125 Anm. 4. Statt II, 298 lies III, 298. S8. 133 Anm. 1. Die Misshandlung und Verhöhnung der Leiche des Abtes von Cappel wird von unserem Chronisten, von Oecolampad und von Gast übereinstimmend berichtet. und alle drei fügen hinzu, die Türken könnten nichts so Schlimmes verüben. Nach Gast 35 möchte ich anneh- men, dass die Quelle dieser Erzählung ein Brief des als Feldprediger mit den Baslern ausgezogenen Hieronymus Bothanus gewesen, der hinwiederum berichtet hatte, was man sich im Lager der Evangelischen über die Schänd- lichkeit der Katholischen erzählte. S. 135 Anm. 1. Statt 500 Mann lies 600 Mann. S. 151 Anm. 2. Durch Herrn Dr. Stern bin ich darauf aufmerksam semacht worden, dass sich in dem seit dem Drucke dieser Anmerkung Are N BE. Nachträge. 585 erschienenen 4. Bande der Correspondance +des reformateurs dans les pays de langue francaise, herausgg. v. Herminjard, 8. 326 ff. ein Brief des Simon Grynäus an Calvin befindet, der den im Texte unsrer Chronik er- zählten Ueberfall behandelt, und dass im Anschluss daran noch einige wei- tere Notizen über denselben mitgetheilt werden. - Nachdem ich hievon Ein- sicht genommen und bei dieser Gelegenheit auch die zahlreichen, den Vor- fall betreffenden, auf dem Staatsarchive liegenden Acten (unter »Civilia Nr. 1. A«) und das Missivenbuch durchgangen, will ich zur Ergänzung und Berichtigung des in der Anmerkung Enthaltenen Folgendes beifügen. Der Ermordete heisst in dem Briefe des Grynäus schlechtweg Rupefortis, ebenso in den Acten fast immer einfach der Herr von Rochefort, der bei Her- minjard 329 Anm. 9 citierte Brief des Myconius an Vadian vom 10. Jan. 1538 dagegen nennt ihn Antonius a Rupeforti, und eben dieser Vorname wird ihm in der Ueberschrift eines Zeugenverhöres gegeben. Wurstisen nennt ihn Franciscus von Rochefort, und ein Franeiscus a Rupeforti be- gegnet uns, wie bemerkt, wirklich in der Universitätsmatrikel. Hat der Ermordete vielleicht beide Vornamen geführt, oder beruht die Angabe Wurstisens auf einem Irrthum, und ist der Franciscus der Matrikel viel- mehr ein Bruder des gleich zu besprechenden Sanctius (ein solcher stu- dierte damals nach den Acten in Basel), der Ermordete aber etwa identisch mit dem »Antonius de Castaneth Tholosanus, der in eben diesem Winter- semester immatriculiert ist? Von den beiden Begleitern, die gefangen wur- den, war der eine ein Verwandter, der andre dagegen ein Diener des Er- mordeten. Den ersteren nennt Wurstisen Sanctius von Vivies (das »und Lorganist« hat, wie wir sofort sehen werden, mit seinem Namen nichts zu thun), bei Grynäus heisst er Vivarius, in den Acten bald der Herr von Viviers, bald Sanctes von Rochefort. Es ist der Sanctius a Rupeforti der Matrikel. Grynäus nennt ihn einen propinquus des Ermordeten, die Acten bezeichnen die beiden als »gevettern«. Den Namen des Dieners giebt weder Grynäus an, noch habe ich ihn in den Acten gefunden, nach den letztern war er »ein finer organist und musicus«, in einer der Zeugenaussagen heisst er geradezu schlechtweg »der organist«. Wurstisen nennt ihn Marcus Ro- chier Lorganist. Aus Versehn ist dem Namen noch einmal »Lorganist« vor- angesetzt, so dass es jetzt aussehen kann, als gehöre dieses erste Lorganist zu dem Titel des Herrn von Viviers. Die Gefangenen wurden erst nach Schwarzenburg bei Münster im Gregorienthal, dann nach der Hohenkönigs- burg gebracht, von hier wurde aber der Diener sofort wieder nach Schwar- . zenburg zurückgeführt und dort behalten, bis man ihn Ende December entliess (vgl. Wurstisen). Sanctius wurde in Folge der Anstrengungen, welche die Basler machten, im Merz des folgenden Jahres freigegeben und traf am 24. in Basel ein (vgl. unsre Anmerkung und 155,17). S. 151 Anm. 5. Statt »i. B.« lies »i. U.« — Dass die Eidgenossen, wie hier nach Wurstisen bemerkt ist, den Wilhelm Arsent zur Selbsthilfe er- mächtigt hätten, stimmt mit dem Inhalte der Acten nicht. S. 152, 39. Stähelin hiess, wie die Acten zeigen, zum Vornamen nicht Macharius, sondern Eucharius. Er war seines Standes »ein schriber «. S. 158, 24 ist das Semicolon, das nach »tagen« steht, zu beseitigen und nach »geendet« anzubringen. S. 165 Anm. 3. Herr Dr. Stern macht mich auf die bei Krabbe: David Chyträus (Rostock 1870) I, 40 Anm. ** angeführte, auf Schertlin bezügliche Stelle aus »Epp. Chytraei p. 945« aufmerksam : — — quem exu- lem et a Carolo V. proscriptum Basileae primum 1550. exeunte, ex Italia revertens, nosse coepi, ubi de obsidione Magdeburgensi, tum inchoata „et de Hispanorum Caroli V. potentia abutentium tyrannide, in Germanico im- _ perio intolerabili, sermones illius adhuc in meis auribus &vavioı sonant. S. 168 Anm. 1. Herr Dr. Stern macht mich aufmerksam auf die ein- gehende Arbeit von F. Nippold: David Joris von Delft, in der Zeitschrift für historische Theologie 1863, 3—166. 1864, 483—673, und auf das im Sera- 586 Nachträge. peum 1868, 202 ff. angezeigte -Verzeichniss der Schriften des David Joris (David Joris Bibliografie) von A. Van der Linde. ’s Gravenhage 1867. S. 178 Anm. 6. Der von Herrmann genannte »Olry Wiery« kommt bei Haller mehrmals vor als Ulrich Wirry von Arow (V, Nr. 557. 1196). S. 187, 32 lies judica ‘statt iudica. | S. 197, 20,21. Die zweite Vermählung des Peter Ryff fand nicht, wie die Huberische Tafel aus Versehn berichtet, 1583, sondern 1593 statt. ’ S. 235. Unter den Wohlthätern der Karthaus sind auch die Professo- ren der Universität stark vertreten. — Es sind hier die Eintragungen der beiden letzten Prioren hervorgehoben. Sehr zahlreich sind aber auch die des Heinrich v. Alfeld. S. 243. Die alte Ausgabe des Tractatus de modo proveniendi u. s. w. ist, wie die Lettern zeigen, bei Michael Wenszler in Basel gedruckt. S. 244. 245. Ueber den Schluss der Chronik und dessen Verfasser s. S. 305 Anm. 3. S. 246. Dr. Karl Buxtorf ist nicht 1871, sondern den 6. Nov. 1870 gestorben. S. 269 Anm. 1. Die Stelle im Liber benefactorum stammt ebenfalls von der Hand Heinrichs v. Alfeld. 8. 275 Anm. 4 lies »der Zibollen« statt »de Zibollen «. S. 291 Anm. 2. Es ist der Manipulus florum des Thomas de Hibernia (eines Prediger Mönchs aus der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts) ge- meint, eine Sammlung von Sentenzen aus den Schriften der Kirchenväter. Das Exemplar der Karthäuser, eine Pergamenthandschrift, nach den Notizen am Schlusse 1324 in vigilia epyphaniae durch Wilhelmus Zuremont vollendet, steht jetzt Universitätsbibliothek B. ıv. 9. S. 293 Anm. 4. Die Notiz Wurstisens über die Eltern und Geschwister der Anna v. Rotberg ist einer Aufzeichnung Heinrichs v. Alfeld im Liber benefactorum 2 entnommen. S. 297 Anm. 1. Die Angabe, Heinrich sei beinahe 15 Jahre lang Vica- rius seines Klosters gewesen, stimmt nicht mit dem, was wir sonst über seinen Aufenthalt im Kloster erfahren. Wenn er am 5. Juni 1487 starb (322,17. 325,19. 510,25. Tonjola 319) und 50 Jahre und 4 Monate im Orden zugebracht hatte (322,20 ff. 304,26), so kann er nicht vor dem Früh- ling 1437 eingetreten sein, war also bei seiner Erwählung zum Prior, Pfing- sten 1449, nicht viel über 12 Jahre in demselben. Es muss also wohl in dem 15 unserer Stelle ein Fehler stecken. S. 309 ff. Zu dem, was über die Persönlichkeit und den Charakter Georgs gesagt ist, ist das in der Einleitung zur Narratio S. 359 ff. Bemerkte zuzuziehn. S. 309 Zeile 15 ist statt sive zu lesen id est. S. Nachtrag zu 357 ff. S. 312. Die Stelle, »dass der deutsche Kirchengesang in tumultuari- scher Weise eingeführt wurde, betrachtet er als eine Strafe dafür, dass die Geistlichkeit denselben habe ausser Uebung kommen lassen«, ist zu berich- tigen. Bei genauerer Erwägung glaube ich nicht, dass Georg bei dem »a germano ritu — defecisse« auf S. 412, 18 ff. an ein Aufgeben des deutschen Ritus (wie S. 339 von dem Germanum idioma die Rede ist) gedacht habe, er meint vielmehr die ächte ursprüngliche Art des Gottesdienstes. In Betreff der Bildung Georgs ist zu bemerken, dass er nach einer Aeusserung in dem Briefe an Bonifacius Amerbach (521,41) des Griechi- schen nicht kundig war. S. 313. Ueber die letzten Lebenszeiten Georgs vgl. das S. 368 und in dem Nachtrage zu S. 453 Anm. 1 Bemerkte. Der Jerg Staufer von Blossen-Staufen, der in der Zimmerischen Chronik (herausgeg. v. Barack in der Bibl. des literar. Vereins als Bd. 91 —94) II, 474 ff. so schlecht wegkommt (s. über ihn auch Stälin: Wirtemb. Geschichte IV, 89 Anm. 1, 123, 137, 193), ist wohl der Karth. Arch. Nr. 390 als Philipps Bruder erwähnte Görg. Nachträge. 587 S. 313 Anm. 7. Stouffer ist nicht der unmittelbare Nachfolger Zsche- ckenbürlins im Schaffneramte gewesen; siehe das S. 340 Anm. 1 Bemerkte. S. 323. Ueber die Bemühungen Heinrichs um die Marien- und Mar- garethenfeste siehe auch 8. 494. S. 326, 4, 5. Die Stelle »aliague parva opuscula seu devotionalia, id est de origine Carthusiensium« versteht man, wenn man den von Heinrich von Vullenho oder von Vollenhoe, wie er sich dort nennt, geschriebenen Band A. VI. 14 der Basler Universitätsbibliothek ansieht, der die Schrift des Hein- rich von Kalkar (+ 1408) »ortus et decursus ordinis Carthusiensis«, daneben noch eine Anzahl Schriften über den Karthäuser Orden und einige andere erbauliche Tractate enthält und von Louber mit dem Titel versehen wor- den ist: De origine et decursu ordinis Cartusiensis et plura devotionalia. S. 326 Anm. 3. Wie hier der Vater Heinrichs v. V. als Hermannus Heinrici aufgeführt wird, so erscheint Heinrich selbst im Calendarium Dec. 8 als Henricus Hermanni de Vollenho monachus domus huius. S. 331 Anm. 4. Ueber die Frau des Hans Oberried habe ich nichts gefunden, und deshalb habe ich nicht klar darüber werden können, welcher Art die Schwagerschaft ist, in welcher er nach den Urkunden zu verschie- denen Gliedern der Familie Zscheckenbürlin gestanden. Morand von Brunn nennt ihn in seinem Testamente vom 25. Juni 1502 (Karth. Arch. Nr. 403) seinen Schwager, aber eben diesen Titel giebt er dort dem Thomas Zsche- ckenbürlin, der Geschwisterkind mit seiner Frau war, und den er an einer andern Stelle (Nr. 395) seinen Vetter nennt, und dem Prior Hieronymus, dem Oheim seiner Frau, der sich selbst auch Lib. benef. 204b als Mo- rands sororius bezeichnet, wie in der Continuatio 334,16 Morand soro- rius des Hieronymus heisst. — Nr. 414 (1507 Jan. 4) nennt Oberried den Thomas seinen lieben Schwager sel., und da er Nr. 422 (1507 Juli, 1) als Vogt (Vormund) von dessen Kindern erscheint, mag hier eine wirkliche Schwagerschaft bestanden haben und die Frau Oberrieds eine Schwester des Thomas, eine Tochter des jüngern Hans gewesen sein. — Den Lien- hard Fuchs nennt der Prior Hieronymus in dem 8. 449 Anm. 4 erwähnten Schreiben vom 7. April 1529 seinen sororius, und Lib. benef. 19 bezeich- net er hinwiederum sich als sororius Lienhards. Lienhards Frau hiess nach Fechter (Beiträge II, 229) Magdalena Zscheckenbürlin. Näheres wusste mir Hr. Fechter augenblicklich nicht mehr anzugeben. Es ist nicht un- möglich, dass diese Magdalena eine Schwester des Priors gewesen. S. 339 Anm. 2. Von der Angabe »celx florenos« sollte blos »1x flore- nos« gesperrt gedruckt sein. | S. 345 Anm. 3. Auch eine Anzahl sehr schöner Handschriften stam- men aus dem Besitze des Johannes de Lapide. S. 347. Herr Dr. Stern bemerkt: Eine der Bekehrungsgeschichte des Hieronymus Zscheckenbürlin analoge Erzählung findet sich in J. Marx: Geschichte des Erzstifts Trier. Abth. II. Bd. 2 (1862), $S. 331 ff. mit Bezug auf Dominicus aus Polnisch- Preussen, der in das Karthäuser-Kloster St. Alban in Trier eintrat. S, 348 Anm. 8. Die in dieser Anmerkung angeführten Stellen zeigen, dass die Angabe der Chronik, Zscheckenbürlin habe seinen berühmten letz- ten Gang ins Kloster in festis penthecostes unternommen, nicht ganz genau ist. Der Chronist hat diesen Gang und die einige Tage darauf am Pfingst- Ben Juni) folgende Einkleidung Zscheckenbürlins nicht auseinander- ehalten. ; S. 357 ff. Der Einleitung zur Narratio ist folgende Bemerkung beizu- fügen: In der Continuatio bedient sich Georg für id est der bekannten Abkürzung, eines senkrechten oder etwas schrägen Striches mit einem Punkte vor und einem solchen nach demselben. Diese Abkürzung hat die Abschrift A der Narratio beibehalten, jedoch so, dass sie den ersten Punkt weglässt (nur ein einziges mal ist mir derselbe begegnet). Eben diese Ab- schrift bedient sich als Abkürzungszeichens für sive oder seu eines langen 588 Nachträge. [ mit einem Punkte dahinter, und es ist nun in vielen Fällen schlechter- dings nicht zu unterscheiden, welches der beiden Zeichen gemeint ist. Da sehr oft dem Sinne nach ebenso gut id est als sive stehen könnte, wären wir häufig in Verlegenheit, welches von beiden wir setzen sollten, wenn wir unsern Entscheid nicht durch die Lesart der andern Abschrift bestimmen lassen könnten. An einer Stelle, die uns nur bei A erhalten ist (379,12), hatte ich erst, als ich sie Seite 309 Zeile 14, 15 anführte, sive gelesen, in der Folge hat mich aber sowohl die Form des Zeichens als die Rücksicht auf den Sinn bestimmt, id est in den Text aufzuneh- men. — Erst hatte ich angenommen, das [ mit dem Punkte dahinter könnte hie und da auch für scilicet angewandt worden sein, und habe es in einem Abschnitte, der sich nur bei A findet, zweimal (406,8 und 407,5) durch scilicet wiedergegeben. Allein ich bin von dieser Annahme zurückgekom- men, da in den Abschnitten, die sich bei A und bei L finden, letzteres nie scilicet hat, wo A jenes Zeichen setzt, und für scilicet sich bei A sehr oft die Abkürzung scil. findet. Ich bitte also, an den beiden genannten - Stellen scilicet durch id est zu ersetzen. S. 368. Ueber die letzten Lebenszeiten Georgs vgl. das in dem Nach- trage zu 8. 453 Anm. I Bemerkte. S. 378 Anm. 5. Ich habe es in dieser Anmerkung auffallend gefunden, dass im Calendarium der sonst als Diebolt Dischmacher bezeichnete Mann Ramminger, seine Frau dagegen Ursula Dischmacherin genannt wird. Die Sache erklärt sich wahrscheinlich so, dass Ursula nach dem Tode des Man- nes dessen Tischlergeschäft fortsetzte und deshalb im Calendarium als Disch- macherin bezeichnet wird, während der verstorbene Mann genauer mit sei- nem wirklichen Familiennamen aufgeführt wird. Der Diebold Dischmacher, der in den Rechnungen des Bruder Hans (siehe S. 529) bei den Ausgaben an die Handwerksleute genannt wird (Item Düebolt Düschmacher um 4 ramen 1 #4. 4 s.), und der uns im Oeffnungsbuch 1530—1565, Bl. 121 als »Diebolt der tischmacher jensit Rhins« begegnet, wird ein Sohn oder Enkel des alten Diebolt gewesen sein. Die Sitte, abwechselnd mit dem bereits feststehenden Familiennamen auch den Berufsnamen ganz in der Weise eines Familiennamens zu brauchen, muss damals noch allgemein gewesen sein, da sich in den verschiedenen Chroniken unseres Bandes zahlreiche Beispiele finden. Theodor Brand wird von dem Verfasser der Aufzeichnungen als Theodor Scherer aufgeführt (siehe 471 Anm. 1), die Chronik des Fridolin Ryff nennt 113,7 einen Heinrich Köuffer, Mitglied (der Räthe, während sich in den Rathslisten jener Jahre kein Mann dieses Namens findet, wohl aber ein Heinrich Zeller als Meister der Spinnwettern Zunft, zu welcher die Küfer gehören (über die Schreibung köuffer für küeffer s. 135 Var. 21. 402,3 und Anm. 2). S. 32,35 wird ein Hans Car- nellius genannt. In der Anmerkung ist darauf hingewiesen, dass Ochs ihn als Hans Appendecker aufführt. Dass wirklich ein und dieselbe Person gemeint ist, geht aus einer Stelle des Oeffnungsbuches 1490 — 1530, Bl. 2406 hervor, welche berichtet, dass am 24. Juni 1529 Hans Carmelis (wie dort der Name geschrieben ist) sein Bürgerrecht aufgegeben habe, während am Rande angemerkt ist: Hans Appentecker. Urban Gürtler (117,1) ist ohne Zweifel dieselbe Person wie Urban Blechnagel (117,16). Dass der Chronist auf derselben Seite den Mann mit zwei verschiedenen Namen nennt, fällt weniger auf, wenn man weiss, dass die Stelle von »Esz wart« (117,15) an, wie die Tinte zeigt, einige Zeit später geschrieben ist, als das Vorhergehende (vgl. was S. 12 bemerkt ist). Bisweilen haftete der Berufsname auch noch an Nachkommen, die das betreffende Gewerbe gar nicht mehr trieben. Dies mag der Fall gewesen sein bei Thomas Brun, der auch Thomas Solemacher (382, 6, 19), bei Thomas Girfalk, der auch Thomas Keszler (421, 4) und bei Jacob Kaiser, der auch Jacob Schlosser genannt wird (100 Anm. 3). — Noch jetzt hat bei uns auf dem Lande die- ser Gebrauch nicht aufgehört. Ich kenne eine Pächtersfamilie, die den Nachträge. 589 Geschlechtsnamen Rudin führt, deren Glieder aber in der Umgegend selten unter diesem Namen aufgeführt werden, sondern ganz allgemein unter dem Namen Dreher, weil der erste Rudin, der auf den Hof gekommen, den Drechslerberuf getrieben hatte. S. 386, 5 ist ohne Zweifel tamen statt tum zu lesen, was L hat. Der Abschreiber wird tü des Originals für tu genommen haben. S. 393, 23 liest A: exhortatur. Ich möchte diese Lesart vorziehn und mit Rücksicht auf dieselbe auch statt »animatum« »mentem« lesen, was A hat, und statt »consiliis«, was beide Abschriften geben, »consilium«, so dass die Stelle nun heissen würde: — scultetus — — exhortatur, et mentem colligere coepit (nämlich senatus) et circa horam octavam aut no- nam de tractandis, quae ad rem necessaria fuerint, consilium indicere. Vielleicht war schon im Original aus Versehn consilis statt consilium ge- schrieben. S. 397 Anm. 2. Herr Dr. Stern fügt bei: Vgl. über Gregorius Reysch die Zimmerische Chronik IV. 353; über die Margarita philosophica s. ferner A. v. Humboldt: Kritische Untersuchungen über die historische Entwicklung der geographischen Kenntnisse von der neuen Welt (deutsche Ausgabe v. Ideler) I, 367 und Kortüm und v. Reichlin-Meldegg: Geschichte Europas im Uebergang vom Mittelalter zur Neuzeit (Leipzig, Weigel 1862) II, 57—61. S. 403 am Schlusse von Anm. 2 ist beizufügen: Vgl. A. Stern: die Streitfrage über den Ursprung des Artikelbriefs und der zwölf Artikel der Bauern, inden Forschungen zur deutschen Geschichte XIJ, bes. S. 494 ff. 8.405 Anm. 1. Bei Ochs VI, 383 ff. wird erzählt, wie die am 3. Jan. 1526 eingeführte Reformation der Zünfte am 14. Jan. 1552 wieder aufge- hoben wurde. S. 406,8 und 407,5 lies id est statt scilicet. 8. Nachtrag zu 8. 357. S. 408 Anm. 3. Herr Dr. Stern fügt bei: S. auch B. Hidber: Dr. Thomas Murners Streithandel mit den Eidgenossen von Bern und Zürich, mit Urkunden, im Archiv für Schweizerische Geschichte X, 272f. S. 416 Anm. 3. Herr Dr. Stern theilt mir mit, dass vermuthlich fol- gsendes Werk des Clichtoveus gemeint sei: »De sacramento Eucharistiae, contra Oecolampadium opusceulum: per Judocum Qlichtoveum Neoportuen- sem, doctorem theologum Parisiensem, elaboratum:: duos libros complectens. Primus, multiplici authoritate et ratione comprobat sub forma panis et vini in eucharistia, verum Christi corpus et sanguinem re ipsa contineri. Secun- dus, rationes Oecolampadii, contendentes in pane et vino consecrato figu- ram tantum esse et repraesentationem corporis et sanguinis Christi dissol- vit. Cum Privilegio. Parisiis. Ex officina Simonis Colinaei 1526«. In Quart. S. 416 Anm. 4. Die Rechnung des Bartholomäus Knobloch (siehe 8. 525 Anm. 1) hat folgenden Posten: Item doctor Holtzach sim (statt sin, wie bei den andern ähnlichen Posten steht) jarlon, thut 21/, &. S. 416, 18. Statt destitus lies destitutus. S. 419, 20 liest A: Sic factum et in Tigur. ditione. Diese Lesart dürfte vorzuziehn sein. S. 423, 6. Sollte Georg bei dem »ex Viennensibus« an Waldenser aus der Dauphin& gedacht haben? Von Beziehungen derselben zu den Schwei- zer Reformatoren ist uns sonst vor dem Jahre 1530 nichts bekannt. S8. Herzog II, 240 ft. S. 435, Z. 27 lies 1869 statt 1868. S2437,"2.:13 vun S-377 statt 337. S. 453 Anm. 1. Aus dem Verzeichniss der Ausgaben des Bartholome Knobloch im J. 1529 (siehe S. 525 Anm. 1) scheint sich zu ergeben, dass Georg in diesem Jahre noch lebte, aber auf dem Krankenbette darnieder- lag Es finden sich folgende Posten: Item dem Jörgen umm artzny 2 s. — item dem Jörgen umm artzny 6 s. — item dem Jörgen umm frisch brott 590 Nachträge. 2 s. (die Klosterleute, für welche die Ausgaben gemacht wurden, werden alle in dieser Weise im Dativ aufgeführt). Das Fehlen von Georgs Unter- schrift unter dem Briefe zeigt, dass seine Krankheit keine leichte war. Nicht unwahrscheinlich ist, dass ein erneuter Schlaganfall ihm den Ge- brauch seiner geistigen sowie seiner körperlichen Kräfte entzogen. S. 454, 22 lies kuchen statt kirchen. Unter dem Gewölbe vor der Küche kann man entweder an eines der Gewölbe denken, welche den Gang an der Stadtmauer trugen (8. 547, 24 ff.) oder, was mir wahrscheinlicher vorkommt, und wofür ich mich auf der Erklärung zum Plane ausgesprochen habe, an die gewölbte Hausflur vor der Küche. In der Schrift über das Waisenhaus wird 8. 12 berichtet, dass der Rath, als er 1669 die Kloster- gebäude dem Waisenhause einräumte, sich unter anderm »Tscheckapürlins, des ehemaligen Priors, Stube, Kammer und Gewölb« vorbehielt, worun- ter, da man noch heute die vertäfelte Gastkammer als Zscheckenbürlins Zimmer bezeichnet, ohne Zweifel die Stube und die Kammer der Gäste und die zu denselben führende gewölbte Hausflur, die gerade über der- jenigen vor der Küche liegt, verstanden sind. 8.460, 31. Wolfgang Weissenburger war nach der Durchführung der Reformation Pfarrer zu St. Theodor geworden. Vgl. das als Nachtrag zu 90, 4 Bemerkte. S. 461, 40 ist »10 oder 12« (X oder XII) zu lesen. Der Strich nach dem x ist dazu bestimmt, das x von dem folgenden »oder«, mit dem es zu nahe zusammengerathen ist, zu trennen, nicht aber ein I vorzustellen. S. 469, 2: ingeschlossen die gemeyne. Die Gemeinde ist in dem Kauf- briefe ausdrücklich erwähnt: Wir Günther Marschalk rytter burgermeyster und der rate der stat Basel tünd kund — — daz wir für uns und alle unser nachkomen, die burgermeister, räte und die gemeynde ze Basel, die wir ouch zü allen nachgeschribenen dingen und ieclichem bindent vestencli- chen ze haltende — — verkoufet hand u. s. w. S. 477 Anm. 1. Siehe den Nachtrag zu S. 484, 12. S. 478, 8. Vicarius des Bischofs von Basel war damals Heinrich von Schönau (s. S. 44, 4). Er starb den 19. Juni 1525 (Tonjola 13). S. 484, 12 lies 1521 statt 1527. Der hier erwähnte Laienbruder ist wahrscheinlich der von Georg 386,19 erwähnte frater Sebastianus (nicht zu verwechseln mit dem dominus Sebastianus, von dem 8. 383, 5 die Rede ist; dieser war Mönch, jener Laienbruder). Die Rechnungen des Bruder Hans führen eine Pension für die Frau des Bruder Sebastian auf Bruder Baschos frow« erhält frohnfastentlich 1 €). Diese Pension erklärt sich, wenn man annimmt, Sebastian sei unserer Stelle gemäss als Pförtner im Dienste des Klosters verstorben. Statt 1521 nennt Georg als das Jahr von Sebastians Austritt 1523. Welche von den beiden Angaben, die beide ge- raume Zeit nach jenem Austritte niedergeschrieben sind, die der »Aufzeich- nungen« oder die Georgs, die in einer nachträglich beigefügten Rand- bemerkung enthalten ist (vgl. das über eine ähnliche Randbemerkung 8. 387 Anm. 5 Gesagte), einen Irrthum enthält, ist mit Sicherheit nicht zu sagen. In Betreff der Dauer des Aufenthaltes des Johannes Küffer im Kloster, den auch die beiden verschieden angeben (402,4 und 439,24), kommen die Aufzeichnungen der Wahrheit näher (s. 402 Anm. 3). Wenn die Aufzeich- nungen Recht haben, so darf auch ihre Behauptung 8. 477,3, in den Jah- ren 1520 und 1521 hätten die Mönche und Nonnen angefangen, die Klö- re verlassen, wenigstens was das letztere betrifft, nicht angefochten werden. S. 487 Anm. 2 habe ich das Werk von Zimmermann nach der ersten Auflage citiert, ohne zu bedenken, dass die früheren Citate (S. 48 ff.) nach der 2. Aufl. gemacht sind. Herr Dr. Stern macht mich darauf aufmerksam, dass die betreffende Stelle in der 2. Aufl., die mir nicht zur Hand ist, Bd. I, 434 steht, Nachträge. 591 S. 488 Anm. 2. Herr Dr. Stern fügt bei: Auch Nikolaus Ellenbog be- richtet: »Oekolampad ist, wenn das Gerücht wahr ist, nach dem Trinken ‚ eines Giftbechers gestorben« im Anfang seiner Schrift: De veritate corpo- ris et sanguinis Christi in eucharistia. 1539. 8. Ludwig Geiger: Niko- laus Ellenbog, ein Humanist und Theologe des 16. Jahrhunderts (Wien 1870, Separatabdruck aus der österreichischen Vierteljahrsschrift für katho- lische Theologie, Jahrg. 1870, I. und II. Heft), S. 54. Zu dem Plane: Die Capitelstube hat ausser dem auf dem Plane an- gegebenen Fenster noch eines, in der Mitte der nordwestlichen Mauer. Es ist nicht dreitheilig, wie das andre, sondern bloss zweitheilig. # ® n Leipzig. i H ® 28 ps} =} a =) Er u 2 pre} Do u 5 a >} > = je) = m Br a . - Basler Chronihen,Bd:1. N SURSANITN NN N KHRTNE AAN LAN Y Nun NY Lifh.C.Wetzstein. ie Gantbause zu Basel gegründet BUN u NER TER