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Urfcdb. 2) Uraprung auf der Höhe von Wi lim an dingen, unterhalb Mel- ehingen erhalten die Quellen neuen Zulluu,' vereinigt mit dem Er- pfiogerbaob Ane-, Aua-, nnd Brechloeh, die auch achon Lauebert heiisen. Von dieser irer Vereinigung (Stetten) ab ist der Name L. unbeatritten, fie get über IlerachwE^. Hauaen, Hariaberg, Brunnen, Gammertingen, Sigmaringerdorf in die IXinBii. Laucherttal, ON gehört dazu. lauch = Wald, Lochach = Waldfluss. Schmid, Bchwäh. Wb. 346 ff. stellt Lech, Lauchart zu elsäss. Lauch, Laugna (Burg- aa) = Wasser, Wasserlauf u. s. w. Die landläufigste Erklärung ist die mit „wildem Lauch **, der ser häufig hier vorkommen soll. Johler, Gesch. v. Ilohenz. Wir haben die älteste Form als die beste und auch richtigste zu nemen und die bietet das gemeine a, ahaj sein kann wie Breht und Berht. Also: y,der tapfere im Heere.'* Allein es gab einen altdeutschen Wortstamm ^Rad, das ein Bladharingaheim bildete, belegt ad 1069 als Bla- dringhem (Blaringhem im französ. Flandern). Wohin anders ge- hören die vielen Belege des Cod. Lauresh. 8. sec. Blatmarisheim, -marca? Offenbar hieher, also haben wir eine uralte Wonstätte in unserm Zollerisch. Bl. zu suchen. Vgl. ON 279. 6 Bvladiftgeft') Burdleidingen cod. Lauresh. 8. sec. No. 3275 , ligt in der Hurchinger marca; obcnd. curiae dictac des Uurlcdingcrs gaoi 1311. MHohenb. 222. Also eines Mannes aas Burlndingen ist gedacht, doerfer BurladUigen (Acc. pl.) 1356 ebend. 330. unsern tail JBwr- ladingen 1386 No. 402. 1402. No. 470. 1408 No. 510. — 1417 Mon. Zoll. 1 570. Oberrh. Zt. 28, 177. Burlatvdingen, Grenzbe- schreibg. 14 — 15. sec. MHohenb. 890. Btirlendingen , Zimm. Kr. II 214. Also: „zu dem Heim der Nachkommen des Burdleit.'* Nemen wir den althochd. belegten Pers. N Burdo (Burth) an, so müste die älteste Form einem unumstösslichen Geseze der damali- ligen Zusammensezung mit konsonantisch abbeugenden Namen ge- mäss Burdenleidingen heissen. B berichtet mir: ,^liurdleid kann zusaramengesezt sein wie Crotleid, Wolfleit. Burdileid wäre der Gepäckfeind. Es gibt im Ahd. ein Adj. burdahafter = infestus Grafif III 163, was bei einem umziehenden Kriegervolke ge- wiss nichts Unerhörtes ist, ob der gute Mann nun Gepäck (Plunder) an sich reisst oder von sich wirft." Ich lege dem Burd ganz sicher das Zeitwort heran, tragen zu Grunde, das ein Ablaut- subst. solcher Form abgeben kann, wie nemen, Nunft, kennen Kunst rinnen Kunst; das Adj. leit bleibt und so hätten wir vielleicht an Mundiburd; protectio urspr. zu denken. Oder darf an ahd. leit- jan, leitan, leita, leito, Fürerschaft anzeigend erinnert werden? Burdleit = Fürer des Trostes? Der mittellat. Name l)urdo für Maulesel ,,da8 Tier das den Sack zur Müle trägt", höfisch und Bardegala, ON seien noch hier genannt. 1) Ob. A. Garomertingen. 2) Ob. A. Hechingen. Wasserscheide zwischen Rhein u. Donau. 10 7 Dettlngeii, DettUngeii *) B fürt V. 1082 Teddingen aus dem Wirteinb. U. II 408 an. Die Mon. Hohenb. Tettingen 1268. No. 52. TeUngeti 1274 Nu. 69 ad 1300. Toethigen 1284 No. 97. Betüngen 1290. Ferner erwänt: No. 213. 233. 266. 375. 277. 278. 296. 338. 342. 400. Da 68 viele Ortsnamen solcher Schreibung gibt, so gelten die älte- sten Formen derselben auch für unsern zur Aufhellung. ON Ta- tingen 1100 (bair.). Tetingas 839. Tettingas 886. Tetinga 876 heisst Ober- und Unterdettingen bei Biberach. Zu Grunde ligt der Pers. N. Tatto, Tato, Tetto oder Tatti, Tetti, Tedi mit der Kose- form Tetilo; Tatilo. Also: ,,Zu, bei den Häusern der Nachkom- men Tatos.*' Dettingen bei Klingnau in der Schweiz lautet 1239 : Totingen. Mone Zt. 12, 292. Detlikon (Zürich): Tattinchova741. 853. Dathüsen 776. 961. Tatinsee 816. Dattenberg, Dattenhub, Tatenschwand (Schweiz). Tatenried (Elsass). Tettnang = Wang des Tato (Wirtemb.). Dettenried Tatinried 1282. (Schweiz) u. s. w. Bettungen^ Tetilingen, Teiilmgun 1082. W. ü. II 406. B. miles de Tetelingen 1246. M. Höh. 32. Zoll. Zt. 3, 42. Menloch von Thethelingen 1298 No. 170 M. H. DeUUngcn 1303 No. 197. Thet- telingen 1308 No. 199. 213. Tettelingen 1317 No. 256. Tethe- Ungen 1349 No. 470. Tedllngen u. s. w. In e. lat. Urkd. 1266 M. Z. I 206 : curia in Tettingen, Lib. Dec. 50. 52 ; ebenso Stese- Yin wow Betlingen 1^31 , Diöc. Arch. II 332. Erklärung sieh unter „Dettingen.^' Im J. 1322 ist ein- Berthold von Tetelingen Richter in Horb. Oberrh. Zt. 20, 120. 8 Empfingen ^) In pago Alemannorum, in Amphinger marca. Cod. Lauresh. No. 3261. 3262. 3263. 8. sec. Emphingen? Mlloh. IVa 791. a. 1246 ebend. 32. an dem dorffe ze Emi)hin gen 13^1 No. 43. Ein zweites Empfingen lag bei Jungnau, östlich, erwähnt 1588 in einem Kaufbriefe. Sigui. Archiv (Lichtschlag). Es ligt ein Pers. N Ampho, Amphinc zu Grunde. B erklärt es aus Aginfrid. — Vrgl. ON 75. Uebersezung wie bisher*). 9 Enslingen, Langenenslingen ^) Zwischen 925 — 35 vertantscht der hl. Bischof Konrad von Konstanz seine weifischen Güter gegen EnsUingen. Hess, Mon. 1) Ob. A. Haigerloch. Ober- und Unterdettingen, aber ganz ver- bunden. 2) Ob. A. Haigorloch. „Der wichtigste und älteste Name der Herrschaft Wehr stein ist Empfingen, für welchen Ort wir die Spuren des frühesten Rechtszustandes Deutschlands finden, denn wir finden E. als selbständigen Gau." Eugen Schnell. 3) ON schreibt unrichtig Impfingen. 4) Ob. A. Sigmaringen. 11 Guelf. pars bist. p. 9. Enselingen^ Ensilitigen Gesch. v. Hohenb. S. 413. Die Act« S. Petri in Augia, Oberrh. Zt. 29 S. 26. 29: J5w5c/%en. 13. sec — 1266. 1269. MoneZt. 3, 79. 83. Diöc.Arcb. 4, 22. Habsb. ürb. 267. Zoll. Ztsch. 5. 72 ad 1306. Einslingen, ebend. 1869 — 70 S. 7. AensUngen 1369 Habstaler Urkd. von Mono Zt. 6, 413 fälschlich für einen zergangenen Ort bei Gammer- tingen gehalten. Die Belege bilden wie bei Dettingen, Dettlingen (und Thenzelingen 1283 Mone Zt. 10, 106) keinen Unterschied von sprachlichem Werte. Die Bestimmungs-Adjektive Lang — in Langenenslingen, Langenbrunnen b. Beuron, Langendenzlingen bei Freiburg erklären sich von selbst beim Anblicke genannter Orte. Vrgl. HohenzoUern, Hohentwil, Hohenstaufen u. s. w. Die Ablei- tung ist von einer Koseform des Pers. N. Ans, Ansilo, also das Gehöft der Ansilinge d. h. Leute, Nachkommen des Ansilo, was B aus Anno, Anilo und Eniso mit finisilo ableiten möchte. Vrgl. ON 91—96. — Ensheim b. Strassburg : Ansulfishaim 768. 777. Anslechiswilare bei St. Gallen 11 sec. jezt Andweil. Ansolvinga^ bei Engen: Anseifingen u. s. w. Ans = Gott; daher Ansen/ Äsen; dann Pers. N. Sieh unter Emisheim, desselben Stammes. 9 FlUingeft. VilsiBgen *) In Kelteswis (?) et Filisninga — et alia Filistiinga (Ober- und Ünter-Filsingön , langer Ort) 793. 27. März. Wartmann, St. Gall. ürk. B I 126 ff. Neugart Cod. D No. 120. 812 Wartm. I 223. Neug. No. 194. Zw. 842—872: ad villam 2^i/wtn%a Wartm. II 397. Neug. I No. 484. Vrgl. in suo comitatu, qui dicitur Scherra, in loco qui vocatur Filisininga, Wartm. 11 1 99 ff. Neug. No. 483. Vilsüingen^ Vüselingen 1275. Lib. Dec. Diöc. Archiv I 45. VHs- Hagen Habs. Urb. 1313. S. 283. Eine Donauesch. Urk. 1420: VilsUngen, 16. sec. Filsingen. Die einfachste Erklärung wird sein : Felsenbewoner. Althochd. Felis m. und Feiisa, -es, dat. pl. Felisom, -on. Graff III 497; ebenda: Filisining, n. pr. hieher? Das wirtemb. Flüsschen „Fils" erklärt das DW 3, 1500 als „zwi- schen Felsen fliessendes Wasser.^' Als Hauptort des Scherragaues, d. h. des zackichten steinichten rechtsufrigen Landes an der Do- nau kaum anders zu nemen. Wir hätten also hier keinen Per- sonennamen wie bissher, woran -ingen angehängt ward. Donau- eschingen hat seinen Namen von einem Ascinc d. h. einem Colo- nisten, der an Eschen sich anbaute; warum sollte es nicht auch einen Filisinc, der an Felsen sich niederlässt geben? Bück, Zoll. 1) Ob. A. Sigmaringen. Vrgl. Lichtschlags vortreffliches He- dinger Pro^. v. 1872: Beiträge zur HohenzoU. Ortsgeschichto 1—3. Filsingen ist altertümliche Schreibang, wie Veste, Frevel u. s. w. V. hatte eine, der ersten Kirchen in der Gegend. Die älteste nach weis* bare in Rangendingen. Ueber t vgl. Ftidem, auf den, unten. 12 Zt. 7, 25 sagt: ,, zuweilen hieng man -ing au den Namen eines Flusses, so dass z. B. der Anwoner der Orn Orning (Oehring), der der Trossa (jezt Trösselbach) Trossing, der Anwoner der Grona Gröning hiess, woher die jezigen Ortanamefi Oehringen, Trossingen^ Groningen kommen. Ganz äulich verhält es sich bei den Ortsnamen auf -ara^ -arun z. B. die Kandara an dem Borge Kando (Kanderu), das Geländ Wcngeren in der Schweiz auf der Reussebene (Wang), ferner vrgl. den alten Plur. in: viri Moh- hingara bei Roth, Beiträge u. s. w. was nicht im entferntesten eine keltische Amtswürde bezeichnet. So ist Pflummern, Phluma- rin und drgl. zu nomen/^ Wollte man einen alten Pers. Namen in den Filisininga suchen , müste filu - sigisi geteilt werden. Die Goten Sisifridus u. Sisebut b. Procop (7. sec), Sisemand SisebaM müsten herhalten und für- den ersten Teil die Filomar, Filimot, Filudanch — allein das sind gesuchte Heraufholungen, gegen die unsern' „Felsbewoner^^ glänzend den Sig davontragen. 10 Fiscbipgen Fiskitigas, FisghicaSy Vishingiiny Fishinga 8. 9. 10. Jhd. ze Vischinan 14. Jhd. Mon. Hob. 889. Ein Pers. N. Fishln ligt zu Grunde, dem die vielen anderweitigen Fischingen, selbst Fischental im Züricher Kanton, iren Ursprung verdanken. Die späte Form des 14.sec. hat kein Verständnis mer für den uralten Eigennamen, der natürlich allererst appcUativisch war = einer der am Fisch- wasser sich anbaut, und flektiert nach beliebter Weise im nachhöfi- schen Zeitpunkt noch voll : vischinan wie vestinan u. s. w. — Ueber die ältesten deutschen ON dieser Art ON 556 ff. 11 CrammertinKen Gamertinga 1082. W. ü. 2, 397. B. Adalb. de Gamertingen 1101. Zoll. Zt. 2, 18; ebenso Lib. Dec. 84. Mon. Z. 1394. 437. Gamartingeti Ilabsb. Urb. 262. de Mont« Gamertigcn 1255. Mon. Z. I 181. Die gewönliche Schreibung Gamertingen haj)en auch die Lehensreverse vom 15. Jhd. ab. Es gab noch ein Dorf G. Es seien „etliche henser vor der stadt G. die etwan ein dorf gewesen.*^ Zoll. Zt. 4, 23 Anm. Die Urkunde 1311 ebenda spricht von G. Stadt und Dorf. Die Schreibung Gamerti^en anlangend, so ver- gleiche Ver/f/en = Veringen, Rütel///en = -ingen Mon. Z. S. 227 ; sie ist grammatisch hier wertlos. Sieh übrigens oben Einleitung. An tigen, digen = gedigene (sieh ro. Anmerkg. zu Weist. VI ; Weiler) zu denken* ist unzulässig; zu Grunde ligt der altd. Pers. Name, hinreichend verbürgt, Gamarit Cod. Lauresh. No. 2895 : Donatio Gamarit in Cimbren. Ego in Dei nomine Gamarit dono ad S. Na- zarium u. s. w. in pago Wingartheiba in Villa Zimbren u. s. w. 1) Ob. A. Haigerloch. 13 Also : ,,Heimat des Gamarit und seiner Angehörigen/' B erinnert (Zoll. Zt. 7, 27) an die Pers. N. Gumarit, Fridirit, Hadtritt, Ri- carid u. s. w. Ganiarid kann sich eines hohen Alters rümen, ich will nar an die spätgotischen Frigerid, Suertd, Rumorldus, Litha- rSd, Fruinarfth, Dument, Recar^d erinnern; das -rid, aus frü- herem -red entspricht dem -mir aus -m4r (alem. mar : Vadom&- rius). Vrgl. Dietrich, üher die Aussprache des Gotischen S. 44. 68 ff. Es bleibt noch Gam^ Gama übrig, das in vielen südd. Ortsnamen auftaucht und v. ON 609 zu Gaman, teilweise zu gam- bar, kambar, strenuus und gambra^ tribntum (altsächs.) gestellt wird. Vrgl. Gamelo, den Helden im Walthariusliede. — Im Mel- chinger Fleckenbüchl. kommt ein ^ßamer steigt'' vor. Sollte Gamer- schwang^ an der Donau, Wirtemb., denselben Stamm bewaren? 12 Ganselflngen In pago Alemannorum, in Burichinger marca — in Ganc- gingun et Gauzolßngun. Cod. Laur. No. 3275. 8. sec. in GossöL' vingen 1298. Mon. Z. I 242. Goeselmngen, Lib. Dec. 84. -elf ist wolf; Gaus-, Ganz- gehört zu dem uralten deutschen Per- sonennamen Gdz, Koz, got. Gaui ags. Geat, der vom Sone Wuotans entlent zu sein scheint. Vrgl. Gözesowa, Coazesbrunn, Gozzes- puhely Cozesheim Cdzziuheim; sieh ON. s. v. Ein Gdzolvesbah, Gozolfesheim ebenda. Die St. Galler Urkunden : Gausulfum. R. Hen- ning dazu S. 110. 118. Das wirtemb. Urkdb. 1 verzeichnet Göz- bert, Közbertus, Gauzbert (10, 39, 78 u. s. w.), G6zhelm, G6z- m&r (289), Gözjvin (308, 400), Gözzoloh (31), Gözboldishoven Gotzvold u. s. w. alle gehören warscheinlich hieher. Auf dem Heu berge ligt ein uralter Ort : Gaossa volkstüml. gesprochen, das offenbar Cozesheim gelautet haben muss. Altes au wird bekannt- lich vor Zungenlauten 6, mundartlich auch ao wie heute, somit wäre Gauselfingen der localen Aussprache nachgeschrieben, die auch graoss, laoss, braot (Brot), staoss, der Stoss u. s. w. sagt, lieber Goz sieh Müllenhoff in Haupts Zeitsch. 7, 530. liauchert, Rotweiler Mundart S. 12. Wir würden also übersezen: zu dem Heim der Angehörigen des Ganssolf, d. h. des göttlichen Wolfes, Genau hieran reiht sich 13 Clrosselflngeft ^) Grozelvingen 11. sec. Trad. Fuld. ed. Dronke, ze G^'osseU vingen 1337. Mon. Z. I (288). 1342. (294) 1344 (302). 1362 (340) femer No. 372. 461. 466. 477. 512. Ebenso die Zimmeri- 1) Ob. A. Hechingen. 2) Ob. A. Ilechingen. , Jm FQrstenthum Zollerhcchingen^' Histor. etat, topogr. Lexicon v. Schwaben I 629. Aach im Riesa ligt ein Ort gleiches Namens. 14 sehe Kronik. ON 670 sagen : „er sezt einen Personennamen Gro- zolf voraas und dieser kommt von Grozo/' Hier ist o kurz, darum vom Volke auch nicht Graosselfingen gesprochen wird. 14 Hechlngen Ilalmigun 786. W. ürk. 1, 34. B. Hafthinga, Hachinga 789 im Hattensuntare, einem Uutergau der BertholdsMr. Vom 13. sec. sb: Hächingen 1266 und oft in Mon. Z. 15. sec. uff sin tail zollr und IIüc?iingen 1417. uff die müli zu Hächingen a. a. 0. Hä- chingen diu stat 1416. M. Z. No. 566. die wayd, zwing und bann zu NiderJuicJnngeti (so ist zu lesen) 1413. No. 546. Fast formel- haft stets: ze Zollr und ze Hächingen 1416. Hächingen^ die stat und das bürgelin, oft 1419. 1420. Schmid, Belagerung der Burg Hohenzoilern S. 97. Auch : das Sloss Hechingen 1420, ebend. die alten stat ze H. 1421 S. 106. Zu Grunde ligt der ser verbreitete altd. Pers. N. Hahho^ Hacho naher denn Hago, Hako, Hacco bei Neug. ad 759. 787. 791. 793. 727. — 813 und 819 ist ebenda ein Heccfu) belegt. Ich ziehe vorerst andere Ortsnamenformen des- selben Ursprunges aus nicht zoUerischen Gebieten an. Hahing 866. Roth, ßeitr. I 15. Hahhinga 1000. Mon. Boica 6, 163. Hahhingas 850. Meichelb. 689. Hachinga ebend. Ferner Mon. B. ad 1011. 1030. 1060: Haching, Hächingen, Hächingen 1052. Von der Koseform Hahhilo kommt Hachelingun jezt Hechlingen bei Nördlingen. Alle die angezogenen Stellen mit Ausname lezterer gehören dem alten Baiern an. Der Name Hahho lässt sich zu einem Ablautverbum- Stamm hehan, hah, hfth behau stellen, der nngefär personare bedeutet, wozu das alem. heo, hea von Glocken, Geschözen, Stimmen der Menschen gebraucht, stet; verwandt mit jelian, jah. hehcra (*haihrfl, got.) der Häher, Schreier hat seinen Namen daher. Eine weitere Ableitung wäre etwa von hilhan , was dann den ersten Bewoner ausdrückte, der sein Gehöft an den Abhang baute. Stimmten die bairischen Hahhing örtlich wie in unserm Hochingen, so könnte man einen sicheren Schluss ziehen. 15 HecUftgon, Hettingen Hedingen ist urkundl. Form (Zoll. Zt. 1, 3 ff.), gehört zum Pers. N. Hado ; wird mit hellem „e" gesprochen, wärend Ilettingen Hätinga lautet, ahd. hadu, Kampf, Krie^^, vgl. Hadewic, Hedwig und = bellator, nom. propr. Ein Hedingen im Knnton Zürich belegt 998. Vrgl. änl. Namen ON 764 ff. Ein anderes in Baden belegt 1297, Oberrh. Zt. 29, 150 (Hödingen?); der OK Hedelfmgen get wol 1) Ob. A. Sigmaringen; Ob. A. Gammertingen; Bedingen Vorort V. Sigmaringen. 15 wol aof Hadwolf zurück. Im Kanton Zürich ist ein gleiches He- dingen. Meyer 0. 139a. Hettingefiy Heutigen, Uattingin 1288. 128Ö. Zoll. Zt. 4, 3. Haeitingefij Lib. Dec. 84. Hatingen 1208 W.U. II 367. Die Ziinmerische Kronik 1 44: Hettingen, Es gibt noch merere H. Hattingen b. Engen, one Umlaut. Alle weisen iren Ursprung auf Hatto, Haddo, Hatho, Hato, Hetto zurück, welche Namen nicht nur alera. sondern hessisch-fränkisch vielgebraucht vorkommen. Die Hattenhüsen sind in Baiern, Franken, Binneudeutschland früh nach- weisbar. In Alemannien „Hattenhuntare**. St. Meinrad wird nach der Reichenau gebracht ad Hettonem Augiae Abbatem et fra- truelem suum. Schmid St. Meinrad 53. Das Necrolog. v. R. weist viele Namen „Hatto" auf. Ein Graf Hatto vom Sülichgau sieh 20. Vrgl. das Zürich. Ilettlingen b. Meyer ON. 139a, von Hettilo gebildet. 16 Hermentiftgen ^) So im Lib. Dec. Andere urkundliche Formen sten mir nicht zu Gebot. Vergleichen wir das Schweiz. IJermetschwyl (Brem- garten), das im Lib. Dec. 190 Ilermuotswile lautet und dazu das oberschwäb. Sulmendingen urk. Sunimuatingeu , Gutmadingen urk. Guotmuatingen , Diöc. Arch. 1, 26 neben Guotmendingen , einer zweiten Form, so sezen wir richtig ein Jlerimuatmgeiif -vigun an; das WU I 9, 117 bringt Herimuot, Hcrimuat. Möglich dass ein Ilerimunt oder -d wie in Heremuntinchovun (851), jezt Her- mikon a. d. Glatt (Zürich) anzusezea ist. Neugart 379. Das Habsb. Urb. 281 nennt einen Cnonrat von Ilenntingen. Obiges „Hermentsch Weiler" im Aargau wird im 16. Jhd. noch Hermatwilcr geschriben. Oberrhein, Zt. 25 S. 191, 17 Inneringen*) In Ifutringen 1295, Riedlinger Urk. Zoll Zt. 4, 11. Gapella in Ineringen lAh, Dec. 103. Ineringm 1322. Oberrh. Zt. 22, 419. Ebenso 1382 Donauesch. U. Inncrhigen 1355 ebenda, ze Imieringen 1334. Zoll. Zt. I 67. ON 918 hat ein Inheringun 930, bair. Es kann lautlich nur ein alter Name Inhari -eri ange- sezt werden, was aber von Einheri, dem alem. gut bezeugten mythi- schen Ausdrucke streng geschieden werden muss, wenn man nicht bei gänzlicher Vergessenheit jenes ehemals volksthümlichen Einheri auf volksetymologischem Wege nachhelfen will. 18 Jingiftgen^) Jungingen \\^(i. Chron. Jsn. (Hess) 283. 1209. 1215 ebend. (Würdtwein). Lib. Dec. 94. MHohenb. 1264 (46.) 1336 (375); 1) Ob. A. Gammertingen. 2) Ob. A. Gammertingen. 8) Ob. A. HecbiDgen. 16 1842. 1349 u. 8. w. 1421 Zoll. Zt. I, 6. Gauz gleich lauten die urkdl. Belege für J. bei Ulm. M. Boica 29, 198. Im wirtemb. Urkdb. I 280 stöt sogar ein Beleg v. 1075; immer dieselbe Form. Die zweite Form ist Jwigenial: domus liospitalis im J. 1275. Lib. Dec. 83. — Ich halte lezteres für später. Der Deutschherren Sitte war, iren Niederlassungen häufig -tal anzuhängen; und so wird es aus dem alten volkstümlichen Jungingen verändert worden sein, als der Deutscbherrnorden sich hier einfÜrte. Der Pers. N. Jungo in Ortsnamen begegnet in Jungmannes wilare (St. Gallen) bei Neugart ad 907. In Fuldaer Urkdd. trifift man Jungo öfter, wie Jungmann, Juncram, bei Neugart öfters belegt 826. 827 u. s. w. Sieh übrigens noch unten bei Jungnau. 19 Katoeringeft >) Daz dorf ze Kaisseringen 1312 Mon. Höh. I No. 230. unser dorf ze Kayseringen 1342 No. 428. Mit den Namen Eaiserstul, Kaisersberg, Kaiserslautern, Kaiserstrassen, Kaiserwaldau hat unser ON nichts zu tun. Vor dem 11. Jhd. kommen jene Zusammen- sezungen nicht vor. Aber dass schon frühe Münch, Bischof, Graf, Herzog, König, Markgraf als Bestandteile von Ortsnamen auftreten ist bekannt und so wirds ahd. Cheisar, Keisar, got. Kaisar auch ergangen sein; es sei denn dass nach B (Zoll Zt. 7, 29) ein Kaiso, Kaisheri darin zu suchen wäre. Es könnte aber auch an einen Findling erinnert werden. Ist gar in Folge frühzeitigen Misver- ständnisses die erste Lautverschiebung stehen geblieben änlich wie in unserm Geschlechtsnamcn Kieselbert und Kiesel, wo die falsche Analogie sich an Kieselstein anklammerte, wie es beim Ortsnamen Kisslegg geschah? 20 *Hegingen*) *Herioldingen ') In Megingai et in Merioldingen — in Burichinger marca. 772 Cod. Laur. No. 3275. Mayngen 1356. Lichtschlag Progr. Mayyingen daz wilar, daz zu dem vorgenanten dorf Burladingen gchoeret 1386. Lichtschlag. Burl. und Maigingen 1402. Ders. Mayingen 1408 u. s. w. Es gehört zu altem Pers. N. Mag, MagOy welcher ON 1035 vielfach belegt ist. Maginger marca. Cod. Laur. 8 sec. Maghingas (wie Wehingen : Wahingas) Neug. 786. Megingen Cod. Laur. Maingas, Mainga u. s. w. Einzelne kelti- sche mag^ können sich da und dort unbeachtet in unsere Zeit herein llir fliessende Wasser gerettet haben. Die Belege des Mittelalters für das zollerisch- benachbarte wirtemb. Mengen sind überreich. Vrgl. ferner unter den ON Magenhuch, B zieht den 1) Ob. A. Gammcrtingen. 2) Abgegangener Ort bei Burladingen. 3) Abgcg. Ort bei Stetten unter Ilöllstciu. 17 Flur N. Magensteg bei Hechingen 1402 MZ No. 185 hieher; hält auch Maginbart für das arspr. Wort. Die Aussprache des wirtemb. M. ist MäJi -ingeny worin altes -ag noch merkbar, wie der alte Hof Malgin bei Denkingen „im Malaien'* heute noch heisst. Meine Alem. Sprache 113. Merioldingen sieh die Stelle oben. In comitatu Erkenberti in Buringen et Erphinga, Merioldinga et Mutil- stat 778. Cod. Laur. Es ist nur mer der Flurname Mertmgen übrig geblieben. Lichtschlag verdanken wir den Nachweis für Zollern, da bisher Möhringen Ob. A. Tübingen dafür galt. Meriold ist MSri -wald, altd. Pers. N. MaeroU S. Gall. ÜB. Dazu R. Hen- ning 111. Meroldus oft im Lib. Viv. Pföfifers. 21 Helohlftgeft') Mulichingen 772 Cod. Laur. No. 3275 soll nach Neugart Dioec. Const. M. sein. Melchingen 1275 Lib. Dec. Scriptor de Mekhingen 1297. Zoll. Zt. 4, 12. Burkart von Maelchingen 1318. MoneZt. 19, 101. Die vesti ze Jf&ZcA^n^en 1402. Donaue8ch.Arch. Soll jene erste Form auf den Gewärsm'ann Neugart hin zutreffen, so wäre ein Mulo, Mtüicho als PN aufzustellen, den ich, wenn er nicht zu ahd. mül m. Maulesel oder zu mulcho, mulchilo, der Melker von melchan, wie butilo von bieten, jubere gehört, nicht enträtseln kann. Im Melchi, die Melcha in Obwalden heisst urkdl. Merchij Mer Mal. Argovia II 10. Bacmeister, Germ. Kleinig- keiteo 36a, fürt aus Hessen v. 1235 einen Conrad MUchelingus auf und aus Uri v. 1283 einen MUchlinus, Dürfte an ahd. walhy malah Tasche, der Sack, Brotsack erinnert werden? — Vgl. das Zürich. Mulchlingen b. Meyer ON 139b. 22 Owingen') Owingen 1082 Wü 2, 405; ebenso 1139. 1179, Vorrede zum Wü IX. In Otoingen 1254 MH 38 : 1300. 182 : 1303. 1314. 1335. Mon. Z. 1344. 302. 1349: höfe zu 0. 1362. Ze obern Otoingen 1392. Lichtschlag Haigerlocher Urkdd. Cramer, Geschichte 30. Obige Form im Lib. Dec. und Zimm. Kronik. Obemo&ingen 1436. Lichtschlag a. a. 0. Das Volk spricht Ao- binga wie es auch Aubinger, Aobinger, Aobingerberg für zwei Rangendinger Oertlichkeiten gebraucht. Alte Leute sagten Hirschaob, Niedemaob, Imnaob. Wie die Flurnamen später beweisen, bedarf es keines grössern Wassers, es kann ein Feld wo ehemals Wasser durchfloss Au heissen, und der welcher daran wonte sowie seine Söne konnten Ouwinge heissen, ze -den Ouwingen = das Gehöft, wie 1) Ob. A. Gammertingen. • 2) Ob. A. Hechingen. Es gab einst ein unter- und Oberowingen, jenes »zergiengc und nur noch eine Kapelle zeigt den Plaz an. Dieses ist das heutige 0. Birllnger, Alemannia VI 1 2 18 Oehringen an der Orn : ze den Orningen , den Männern an der Orn; der Erzvater braucht nioht Onwo geheissen zu haben. Vrgl. oben, wo auch Groningen die Anwonerbäuser an der Grona be- deutet. Es gab übrigens einen altd. PN Otmo. Lib. Viv. Pfäfifers. 28 RmgeiidiBgeii >) Bangodinga, Bangadingas 795. St. Galler ÜB No. 139. Mon. Hohenb. Bangendingen 1291. (127. 128) 1300 (182): Stör- ker de Bangendingen, 1366 {^l\)Bangadingen. 1338(394): 1362 (568). 1868 (603) u. s. w. Mon. Zoll. I, 1322 (269): zeBanga- dingen. 1300 {24S) : Bangeldingeti. IS97 (44ß): you Bangendingen. 1411 (528) Bangadingen daz dorf. 1417 (568) Bangendingen u. s. w. Lichtschlags Haigerlocher Urkdd. 1392: Bangadingen. Aus diesem urkundlichen Bestände kann Raugendingen als hochdeutsche, Banga- dingen als dialektische oder archaistische Form angesehen werden. Beide zeigen alte consonantische Deklination, wenn man die älteste übersieht. Dieser Zwispalt, der bedenklich ist, könnte mit Wesso- brunn, Beromünster, Altomünster = Wessenbrunn u. s. w. gelöst werden. An „ding*^ Gerichtsstätte zu denken verbietet der älteste Beleg. Wir müssen uns also an ein Compositum aus Ranc-, Ranco-, und an ein -ad, -od, oder -ard, -art halten, -od, -ot müste in der Bedeutung von „Gut, Siz** not, uod, uad lauten, also föllt diese An- name weg. Sollte an ein altes Ranghart, Renchard appelliert wer- den dürfen? Ich glaube nicht. Wenn wir von Ranc, Kampf auch absehen und zu dem alem. Rando (Randodingen Graff II 531), was sprachlich verantwortet werden kann, greifen, so bleibt immer das hemmende „d'^ vor -ingen sten? Oder sollte zulezt zur Volks- etymologie Zuflucht stattfinden dürfen, die nach unzäligen Vor- gängen des 9. 10. Jhds. das Wort nicht mer verstand und -ding statt -ing nam: zu dem Gerichtsplaze des Rango oder Bando? 24 Bingingeft auf der Scher *) Bingingen stehende urkdl. Form im 13.- 14. 15. Jhd. Lib. Dec. Acta S. Petri in Augia: Dietericus miles de R. 13. Jhd. Oberrh. Zt. 29, 47 (Baumann). Mon. Hohenb. 1292 (129). 1315 (247). 1398 (789). Mon. Z. 1342. 1345. 1384. 1386. 1402 (294. 305. 370. 400. 470). Derselbe ON im wirtemb. Ob. A. Blau- beuren 1071 : Binginga, wozu Ringinheim, Ringesheim, Rinkilinga, Ringilinpach , Ringilendorf u. s. w. in ON kommen. Der altd. Pen. N. Bincho, Ringilo, Hringwolf u. s. w. gehört hieher und 1) Ob. A. Heohingen. uralter Markt. 2^ Ob. A. Gammertingen. Von der Stammburg der v. nannt, die dort stand. Mone Zeitsch. 3, 826. An der Ablaoh. 20 Jhds., 2 des 12. Jhds., die Dichte von deo obeDangefurteD Abwei- cbeodes bieten. Nur der Codex Hirsaug. bat zweimal Simeringen ^) ; eine Urkd. Ton 1891 (MZ I 421) SymaringeUj wie spät^ ofl volka- tümlich gemäss beatiger Ansspracbe zu lesen ist. Die Marktver- seicbnisse der Konstanzer Scbreibkalender des 17. Jhds., Seb. Bürster und andere schreiben nur das von inen für bocbdeutscb gehaltene Simmeringen. Wenn vom 13. Jhd. ab noch -aringen vorkömmt, so ist das wie die beutige offizielle Schreibung archaistisch. Der Name SigimÄr erscheint noch vielfach in altern deutschen Orts- und Flurnamen. Vrgl. ON 1334: Sigimareshüsun, Sigmaresbüsir (bair.). Arnold, Wand. 409: captura Sigimaresbäson 915. 960. Dronke 2, 308. 328 : Sigimar u. s. w. Der Leser findet ebenda noch mer Belege. Die Salem. Regesten ad 1288 (Mone Z. 3, 236) f&ren possessiones in Sigimars rflti, sowie Pfennige, die geschriben sind von Sigmermgen, auf. Die Mon. Z. 1355 kennen ein Sigmarsvelt I 328. Heute noch die alte Form als Zaisenweiler (Lindau) Flur- name: SigmarszeU. Da das feste Haus oder die Burg Sigm. auf römische, mindestens aber auf fränkische Zeit zuruckget, so wird der Anherr von Burg und Heimat Sigmar geheissen haben, ein Name der schon im 1. Jhd. n. Chr. in der fürstlichen Familie bei den Cheruskern vorkam. Sieh übrigens Foerstem. PN 1096. Man kann sämmtlichen deutschen Völkerschaften die Gomposita mit Sig (sign, Sieg) zuschreiben, ja sie sind überall reichlich ausgebildet. Der Ooie bfitte sigis, sigislaun, sigisa, sigisi. Reiner Stamm: Sige- ricus (und Singericus), Sigisarus, Sigimeres. Dietrich 74. m^r, mär, lezteres oberd. beisst berümt. Hpt. Zt. 7, 528. Wie Veringen in Stadt und Dorf, Altensteig in Burg, Stadt und Dorf (1355. MZ I 328), Stühlingen in Stadt und Dorf, 80 teilt sich S. auch in S. die Stadt und Sigmaringendorf. Im 14. sec. schenkt ein Folkwin dem Kloster Hedingen ein Gut S. dem darf Zoll. Zt. 1, 25. 1453 kommt ein Kirchherr zuo S. dem darf vor. Ebend. 24. Emstingers Raisbuch : Simeringen ain dorf; S. ain sUUa. S. 63. Der Curiosität halber sei auch der Ableitung „Siegesrosse* Stadt'' gedacht, welche die wirtemb. Jarbb. 1836 S. 183 brach- ten und die leider später nochmal aufgewärmt ward. 28 SickiBgen*) In Sikingen 1193. WU U 482. 454. Es gab einen PN Äicco, Sicko^ Koseform von Sibert, Sigefrid, Sigerich, Sigmar (Stark 19. 20). Vgl. St. GaUer Urkdb. 3 , 27 : Sikko. Lib. Viv. v. Pföffers : Sicco S. 30 Sp. 2. Stccüin^ ebenda. Die Mon. Blidenst. ed. Will haben 1) Das Tal des S immer sbachs, Nebenwassers der Acher (Baden), beisst 1285 und 1291 Yallis Sigemaresbach. Seb. Münster schreibt Simringen. 2) Ob. A. Hechingen. 21 einen presbyter Siggo, welcher Name heute in Wirtemb. beson- ders im obem alem. Lande Familienname ist. Die ON 1332: Siggingabem 967; hem ist niederd., bei „Blättringen" haben wir es auch in einem erhaltenen flanderischen Namen gesehen. Ebenda 1332 sind aus oberd. Urkundensammlungen Sikkinga, Siegingas, Siggenheim^ Sikilingin u. s. w. belegt, also ein gewön- lieber Pers. N. in Compositis: „zu dem Heim der Nachkommen des Sickoy' Siggo/' 29 «Siü^elilBKeft ') Sindelfingm 12. sec. Ob. A. Beschreibg. y. Riedlingen 52. Sindelvingen 1326 Zoll. Zt. 4, 34. 1364 Zwiefalt. Urkunde. Arch. Stuttg. (Lichtschlag) Habsb. Urb. ze Sindelvingen. Ueberrest ist noch der Flum. „Indelfingen", den Lichtschlag ans Urkdd. des Stuttg. Archiyes belegt. 1587: ein Acker zu Jungnow zu Indeh fingen. 1599 : Yndelfingen. Erinnert mich an ad clivum Jgrenstein vel Sigrenstein, Grenzfels bei Schelklingen -Weiler. Ob. A. Be- schrbg. y. Blaubeuren S. 203. Ein Zusaz zur Urkunde v. 1599 yom Jare 160Ö nennt einen Acker zu Sindelfingen in derselben Ge- markung. 1606: Kaufbrief um Aecker zu Indelfingen. Der altd. ^ameSindolf, Sindwolf, St. Galler ÜB 3, 21: 950, ligt zu Grunde. Vrgl. Sindolt (Sindwalt) im Nibel. Liede. Den gleichen Namen hat das uralte schwäb. Kloster Sindelfingen urkd. Sindolphingen, Sin- delphingen, Sindelvingen u. s. w. Vrgl. Schott, Stuttg. ON No. 200. V 30 Stoniftgeft*) Siarzinga 843. WU I 127. Storeingin 1178 ebend. II 188. B. Praedium in Storeingen 1160. MZ I 26. Ein dorf genant iS^/or- zingen, gelegen in der Schmyechen. Donauesch. Arch. 1403 Riezler. tm 16. sec. noch Storcingen, Oberrh. Zt. 25, 204. Ein PN Storzo, der heute häufig als Familienname auftritt, ligt zu Grunde, urspr. sonst „Strunk^' bedeutend (torso). Storzilo wird auch vorhanden gewesen sein; Storzeln sind kleine Strünke, womit der alem. Hof- name „Storzeln" bei Engen erklärt sein dürfte. B verweist auf Stiuri, Stori, Storizo zu Stör, gross. Zoll. Zt. 7, 29. — jet ist Zei- chen der Abkürzung: Struz aus Strutolf. Sollte auch in Storz eine Verkürzung anzunemen sein? 31 TrUlflngen') Truhelßngen 1293. Zoll. Zt. 8, 77. TrüMvingen Lib. Dec. Curiam Cunradi viUici in Truhelßngen 1291 MH 127. 128. 1304 1) Abgegangener Ort bei Jungnau Ob. A. Sigmaringen. 2) Ob. A. Qammertingen. ON 1483 schreibt falsch störzingen. 3) Ob. A. Haigerlooh. • 22 (201). 1305. Mon. Z. 163: Truhelvingen. 1318: Trielfingen, unser flecken. 1319 vrgl. 1328. M. Hob. 314. 1368 Trohdßngen WU II 414. Vrgl. Lichtschlag, Haigerl. Drkdd. 1392. Eine Grenz- beschreibg. perg. v. 1518 schreibt noch Truhelfi/ngen, Truhil- olf, Trohil-wolf ; der Stamm ist Truh- wie in Trubsaeze für Truht- saese, üo ist Koseform. Oder sollte trag, triugan? zu Grande ligen und Trugwolf ^ wie heute ein Flurname zu Kanzach b. Ried- lingen lautet, die hochdeutsche Wiedergabe sein? Laut Graff gibt es (V 254) auch ein drüh = pedica, compes, Fussfessel. Allein u ist lang, woraus ein Treulflingen oder Treilfingen geworden wäre. ^2 TrochteUngeiiO Tn/Molfingen, Truhtolfuingen 1161. WU II 137. 187. Nos- trom Yasallum dict. de Trhchtelvingen 1297. MH 165. TrühM- vingeny Lib. Dec. 83. Trochtelfingen, die stat 1310. MH I 189. T^rochdvingen 1256 ebend. S. 414. Die Aufzeichnung hohenb. Lehen MH No. 889 wie heute. MZ 1809 (253): ze Truhtolvingm, 1370. 1403 (481) u. s. w. Das wirtemb. Tmchtelfingen spilt mit herein, ist gleiches Stammes. Schon Stalin I 274 leitet die ON von Druchtolf (vergl. Droctulf S. 174 ebend.) ab. Die Druhtmar, Dructulif, Tructolf, Truhtplf, Truohdolf, Trohtolf u. s. w. bei Förstem. PN 351 fif. Dahin gehören die ON Truhtolfesheim 8. sec. Trutolfesheim 8. sec. Truhdolvesheimero marca 8. sec. TrtM stet zu got. draühts, Herhaufe, Volkshaufe. Trabt -olf Volks- wolf, Held. 38 Terligeft, Dorf ni Stadt ^) Fatinger marca in pago Alamanniae 772. Cod. Laur. No. 3299. DeVeringen 1054. Veringin 1134. 1142. 1150. 1160. Il70, wo schon eine Nebenform Vehringen stet? 1272: comes de altnn Vergen^ Zoll. Zt. 4, 64. Ebenda Bd. 2 sten alle Belege. Zwischen 1270 und 1280 wird Alten' und Neuenveringen genannt, Zoll. Zt. 2, 18 (wie Altkrenkingen, burgstal schon 1361). Was Faringer marca anlangt, so kann sie ebensogut oder noch eher auf Vöhringen bei Sulz passen, denn dort war eine Kreuzung römischer Strassen und ser frühe eine Culturstätte. Eine Reihe von Sagen deuten hier auf deutsche Mythologie^ auf eine bedeutende Vergangenheit hin. In der bekannten Alpirsbacher Schenkungsurkande (MZ 1) stet es auch schon verzeichnet. Beide Ortsnamen sind offenbar gleiches 1) Ob. A. Gammertingen. 2) Ob. A. Gammertingen. »Hier umfliesst die Lauchert in grossem Bogen die steinigten Wurzeln eines kühnen Felsenvorsprunges, auf dessen breitem Rücken sich noch stolz und trotzig die weitl&nfigen Trümmer alter Mauerreste erheben: es sind die Rainen der Barg Veringen.c 24 Zierolf oder von Zio-wolf, W. des Kriegsgottes Ziu^ der alem. in „Zistig** fortlebt. Der ON Zillkausen bei Balingen heisst 1130 Uzilishüsin, Bertholdi Zwifalt. Ghron. Perz Mon. G. X 116; sollte ein üzüolvingä, — as dagewesen sein? Es gab im Schwarzwald noch im 16. Jhd. einen Familiennamen Ze^55o7/*: Zeis*, Zisolvingen? Vgl. Oberrh. Zt. 23, 191. Wir haben aas dem bisherigen Materiale folgende altdeutsche Personennamen erkannt: Benzo, Benz. Pilolf, Bilolf. Piso, Bisso. Blathari. Bunno. Burt-, Bordleit. Tato, Tatto, Tatilo, Teto. Ampho. Ans, Ansilo. Filiso. Fiskin, Fisco. Gamarit. Gozzolf. Groz- zolf. Haho, Hahho, Hacho. Hadu, Hado. Hatto, Hetto. Hari- mant oder -maat. Inhari. lungo. Kaiso, Eaishari. Mag; Mago. Meriold, Meriwalt. Mnlicho oder Malcho. Owo. Rango, Rando oder Ranco? Hmodolf. Salmnnt, Salmuat, Salbodo? Sigimar. Sicco, Sicko. Sindolf. Storzo, Storizo. Trüholf, Truhtolf. Fara. Wasso. Wulfilo. Zierolf, Zeisolf, Ziolf. Einige davon sind Kose- formen wie jedesmal angegeben ist. Der Umlaut des alten a ist überall vollzogen. Unbestimmtes a ist vielfach an die Stelle der alten Wurzelvokale oder Doppellaute des zweiten oder Grund- wortes getreten, seine Aussprache ward verhochdeutscht in „en'*: Hermentingen , Salmeudingen , Salmandingen, Bangezdingen und Rangendingen, o wich dem e: Trochtelfingen, Gauselfingen, Ruel- fingen; -hari dem er, r, A, en st. altem ai: Burladingen. a in Sig- maringen ist archaistisch, die Aussprache ist correkt. i st. ie ist d^leichen archaistisch, kann aber gut besten bleiben. Veraltet is^ die Form Owingen st. Auingen ; ebenso au in Gauselfingen statt ö. Mundartlich ist i: Trillfingen, st. TrÄlfingen; Trochtelfingen statt Trtichtelfingen, wie das wirtemb. T. es noch hat. un ausge- fallen in Bmgen st. Buningen, Be^nningen. Consonanten vertauscht: s st. SJS in Gau^elfingen; altertümlich: Filsingen st. Filsingen. Verdoppelung: mm als Zeichen der Kürze oder blosse Schreibung in Gammertingen; das Volk spricht nur m und dent a: Gamer- dinga. Die urkdl. Stellen haben bis in's 16. Jhd. m, nicht aber mm. Altes ä und t strenge geschiden in Hee^ingen und He/tingen. Ausfall: Burladingen st. Burdlaidingen, Ruelfingen. Verdoppelung in Blättringen. 11 in Bi^Zafingen und TriZ/fingen. Wechsel von m und h in Saltnandingen und Sal&endingen. — Die Declination ist in den einleitenden Worten oben angedeutet worden. Die alten drei Casus sind erhalten in -ing&, -ingas, -ingum, -ingun. So ent- sprechen unsere -ingas genau denen im übrigen Alemannien im 8. 9. sec, wie im Elsass von 728 — 777 die Alongas, Bochildingas, Faginulvincas, Erpoldingas, Teuringas u. s. w. und in der Schweiz die Grachingas, Matzingas, Sveiningas u. s. w. bezeugen. Mit dem Ende des 9. Jhds. sterben diese Endungen in Alemannien und Baiern aus, in Mitteldeutschland dauern sie noch ein Jarhundert länger. Kuhn, Zeitsch. 14, 116. 165 ff. (Förstemann) Weinholdr 25 alem. Gr. 450. Der Nom. ,pl. in 'Inga erlischt gegen Ende des 12. sec. Disen (nach Weinhold Dat. sing.) üherwuchem die -ingcLS am das vierfache; sie werden im 11. sec. schon seltenen hören aber nicht ganz auf. Geographisch ist das in^a-Gebiet ein viel grösse- res denn das m^o^-Gebiet. Zum Dativ vergl. was in der Einlei- tung gesagt ist. II Die Ortsnamen auf -heim Got. haims^ ahd. haim^ heim, niederd. Jiemj Jiem, woraus verkürzt em, in der Schriftsprache -um (vrgl. Bochum, Derkum) ward. Nach dem Geseze der Lautverschiebung gehört Heim zur Sanskr. Wurzel 9I ligen, gayana, ^ayya Lager, griech. xeT/Liai^ xoi- 137, xoi/iacii, lat. quiesy civis w{»zu sowol haims als heiva und hveila got. gehört. Dieselbe Bedeutung muss man dem deutschen Ablautverbum hi, hei, hai beilegen (wozu heiva), so dass Heim, Lager, Wonstätte bedeutet mit dem Bildungszusaze m. In Ver- bindung mit dieser Verbalwurzel muss auch hien (coire) hträten, hüfch, hiwisk u. s. w. sten ; verhien, Excesse machen. — Die ge- wönliche Zusammenstellung des. haims mit xtj/Lirj ist durchaus noch nicht so sicher als man glaubt. Man wird finden, dass die ON -heim nur grössere Nieder- lassangen anzeigen; sie finden sich an Völkerstrassen , in früh dichter bevölkerten Ländern besonders im alten fränkisch-römisch- keltischen Gebiete. Hohenzollern weist nur wenige Beispile auf. Elsass, überhaupt das Reintal ser viele, nicht minder Wirtemberg. Das alem^ Volk spricht höam, ho^m, hoim, schwächt es oft zu ä, a, 9 ab, was neuhochd. Schreiber zu -en machten; Goren, Tha- len, Weilen, vom Norddeutschen Gora, Thala, Weila gesprochen, wärend das franz. en die richtige Ansprache bietet. Ensisheim Gorheim Lausheim Thalheim, Thanheim Weilheim 1 Ensisheim ^) Apud villulam Ensingesheim 1095 (in pago Serrarum, Scherra- gan) Not. fund. S. Georgii 12. sec. Mone Z. 9, 218; wo ein Flur- name Oberenholz daselbst genannt wird. Vrgl. Schmidts St. Mein- rad 65. Das elsässische Ensisheim heisst 788 Enghiseheim, marca, 1) Zu Berenthal, Ob. A. Sigmaringen. 26 gehört also nicht dazu. Zu Grunde ligt der PN Anso^ Änsinc. Ans der Koseform Ansilo ist Enselingen hervorgegangen; s. oben. 2 fiorheim') Ze Gorheim Habsb. U. 274. Gorhain , Gorhayn, Annivers. Monialium 1350. Donauesch. Archiv, ze Gorhain 1422. Zoll. Zt. I 69. Gen Gohren^ Forstgrenzbeschreibung MH. 890. Der ON Gomhofen kann nicht beigezogen werden, urkdl. Gailenhoven, aber Gohren bei Tettnang, alt Garha, Gorhain; Gorgenstadt bei Ellwangen (ze der goregun stat). Die niederd. ON Goor bei De- venter, * Avergoor, Watergoor, Hamgoor, Vitgoor, Saint-Jans Goor, Witegoor helfen erklären; KilianWb. goor = palas limus, lutoni, coenum. Hoffmann, Gloss. Belg. 15. 35. Altd. ^dr = Mist, Dünger, Schlamm. Abi. Verb, garen, gegoren. Das Volk spricht Gaora, also langes 6. „Der Gaoremerbacli*^, die Lage stimmt mit der Be- deutung des altd. Namens. B deutet Gorheim auch als Heim, das in der Nähe einer Sumpflache gegründet worden. Goringen bei Ravensburg 1155 WU 2, 88 (B) gehört zu einem Fers. N. Vergl. ON 651. Bacmeister (Nachlass) Wirtemb. Jarbb. 1875 S. 19. Back, Zoll. Zt. 5, 108. 7, 23. Graff, Sprachschaz 4, 236 sezt kurzes a an, d. h. er lässt es wie bei para unentschieden. Ein althochd. Gdr, GdringS, got. gaurs? traurig, arm (gärac) mittelloss stet ebend. 237. Ich weiss aber damit nichts anzu- fangen. 8 Laushelm*) Lüeheim 1266. Mone Zt. 3, 79. Actum ad Lüshain 1294. ebend.; ebenso Lib. Dec. 188. Vrgl. Lüshaimes wise ; ain wise des von Lüshain ze Underachnn 1300. MH No. 184. Das ba- dische Lushain (Bonndorf), desselben Ursprungs urkdl. Lüzheim 821. 849. 855 (St. Galler Urkdb.), 946 bei Neugart ON 1031. — Im alem. und schwäbischen Gebiete (sieh mein Augsb. Wb. s. V. ) begegnen viele Flurnamen mit Luss - gebildet : Lusse, z. B. Merishausen; Lüsseli, ebenda. Lussgraben, Luss, Durlacher Barbierordnung 1536 Mone 12, 172. Das Alemannische hat wie k in slate, Schlatt, so ü beibehalten und dem Hochdeutschen gegen- über es durch Kürzung gerettet. Aber an der consonantischen Abbeugung zeigt sich der Pferdefuss. Die Lüss- sind ebenso 1) Nahe bei SigmaringeD. 2) Zu Magenbuch Ob. A. Sigmaringen. »Kleines Dorf im Um- fang der Grafschaft Sigmaringcn zum Reichsstift Salmannsweil, in die Herrschaft Ostrach und Pfarre Magenbuch gehörend. Oesterreich hatte hier das Besteuerungsrecht, c Stat. Topogr. Lex. ▼. Schwaben II 84. 28 vor. Die Herkunft aus dem lat. villa, villare scheint troz aller Rettungsversuche unzweifelhaft zu sein, aher die Einhörgerang geschah so gründlich, dass man gar nicht mer an fremde Ahkunft dachte, sowenig als der ersame Bonner Bürger sein „Filla^* für fremd hält. Ja mancher Deutsche gründete erst ein „Weiler'\ So vermachte, wie Mono Zt. 19, 327 anfürt, a. 718 ein gewisser Ghro- döin dem Stifte Weissenhurg bei Adolfsweiler im Sargau viUare suum, quod ipse de fu>vo aedificavit cum mansis, aedificiis, manci- piis ibidem commanentibus, campis, pascuis, silvis, aquia, fariAariis (molendinis), peculiis (pecudibus) utriusqne sexus, mobilibus et immobilibus. Also vollständiges Landgut. Im Linzgau schenkte 786 ein gewisser Chnuz seiner Tochter ein Hofgütlein von 10 Jauch- erten in Chmizelwilare^ welcher Weiler also warscheinlich von im oder einem seiner gleichnamigen Vorfaren angelegt worden ist. Wartmann I 99. Reihen wir hier gleich an in Die Ortsnamen auf -weiler Weiler Weildorf Bernweiler '''BüzeliDsweiler Esseratsweiler Ettisweiler Hippetsweiler Killer Levertsweiler Rengertsweiler Riedetsweildr Selgets weiler Siberatsweiler Tafertsweiler Walpertsweiler 1 ''Weiler, BechtoldsweUer, Weildorf ') Heinrich von Wiler, Habsb. U. 281. In der Burgfriedur- künde des Zoller 1402, MZ I 466: bis gen Wüer; uf den wiger' (Weier) ze WUer 1417 ebend. 568. Gramer 30. Willdorofy Wildorof 882 als Ort der grossen Berchtoldsb&r. Wüdorf 1163: habilitantes in castello Berge prope Wildorf, Mone Zt. I 67. Dieselbe Form 1237 MH 29. 1260. (40. 41) 1274: in Villa W. (69). 1299. 1300. 1350. Haigerlocher Urkdd. (Licht- schlag). 1398. Zoll. Zt. 8, 72 u. s. w. Ebenso Lib. Quart. 1324. Freib. Diöo. A. IV 16. Auch die übrigen deutschen gleichlautenden Ortsnamen bei Ueberlingen, Teisendorf (Salzburg) u. s. w. heissen nach den Mon. Boic. Neug. WU Wüdorf, Wilindorf 786. 798, 849 u. 8. w. 1) Bei Hechingen. Haigerloch. 29 2 BeraTtllw'} PoBBesRionas in Bemwüam 1262. Lichtschlsg Prgr. 1869— 70 S. 1. Hagen von Bemw^ler U97 . Mone II, 234. Ira Kolm&ri- ■cben beg^net ein Ilernwlter, urkdl. Berniewiler Mone 14, 11. 1308: ßernwiler, Habab. U. 278 Berwiler, beute Berrweiler. An- dere ON sind Bernsnch, Beraegg, Bernau, Bernhauaen (Stuttg.), die aber verschiden abgeleitet werden müsBen. Vrgl. I'ers. N. Be- rinc, Bernnno oder geradeza Qemo, dt>r in Rotweil nud Villingen aralt«r Familienname war. Bernerfeld, Bernerbalden, Biirgstall Bern n. s. w. in Botweil sieh ni. Älem. Sprühe 20O. Hagen, Bern fiecht beinahe naob der Heldensage, die gar mitgespielt hat weuig- stenB bezüglich des Namens Hagen? 3 •Blxdluvttltr, BltuliTsUert >) In einer Urkunde vom 14. Mai 1287: de bono videlicet Stl- £elinswiler bei Wald. Sollte eii als Flurname dort noch fortleben, wie Indelfingen Sindelvingen? Zn Grunde ligt dor Pers. N. 1 Bnaili; PN 291: 942. 9!)2 sind änliche ON Boziwila. Boswile, Bnzwillare belegt. Ob sie dazn geboren ? Oder dürfte Tfuocelins- wiler vorgeschlagen werden? Ein Pers. N. Ruocelin in Roths " trägen I 16. Sieh unten „Riedetsweiler". 4 KiHrattvalttr') Escerkheswiler ^V I 347. Essrickstoüer 1275. Lib. Dec. Im vorigen Jarhundert noch geep rochen Easertschweiier. Daa Lib. Viventinm v. Pfäffera hat einen Pers. N. Eskirivh. St. Gall. ÜB 3, 21 : EskerkJK. 950. 957. ON 134 verzeichnen Assiberg, Esai- berg, Essiberich, Assiki. 5 Utltwellar*} In loco qni didtor OthelinesKÜare. Notit. fnnd. Georgii. Mone d, 310. Das Habsb. Utb. EttiateeÜer. B verzeichnet ein Oelia- teäer. Es gibt eine Ansal altdeutscher Pers. N. Das I^ib. Viven- tiiim V. Pßffers: Othehld. Daa St. Gall. ÜB 3, 23: Uotilo. Die Ortachaftsnamen Edinga, Ettingen, Etinlieim, Edinhnaen, Ettin- hoTa gehören zum Stamme Ed, wir haben es, mit Otilin (zn ödal, nodal, atbal) sn tan. Oiümmlare, Oetwil bei Grüoiagen. Z&rich. ON 162 9. seo. bei Neug. 854. 877. OteUeaviler, Osweiler 1) Bei Habttal Ob. A. Sigmaringen. b. 1266 aus dem Besic v Salem käuflich in den v. HabstaL Wirt. Jhrbb. lSä5 S. 439. 2) Bei Wald? Ob. A. Sigmaringen. S) Hohanfels. 4} Bei Hausen am AndeUbach Ob. A. Sigmaringen. 30 bei Raffach, Elsass 728. Odalrichischirchin 11 sec. ON 1180. Ob Ettiinsweiler bei Wangen (Allg^u) und Eglinsweiler bei Oehringen beigezogen werden dürfen? Ich glaube kaum. 6 mppetfweUer >) Hüteholdiswilaer c. 1209. WU 3, 483. Ein Hüt^Uh 1135. St. Gall. ÜB 8, 39. Also Pers. N. 7 KUler >) mit KiUertal Küler, Küwar (1) MZ I 366. 842. 470. 517. 522 a. 1877. 1393. 1402. hof zu KiUer 1409. 1414. Die Auüseichnung hohenb. Lehen No. 890 MH: Killertal, Ebenso die Zimmerische Kr. II 211. Die Bedeutung des Namens erhellt aus den von Lib. Dec. 83 (Küchwilar beigescliriben Küfviler) und Lib. Quart. Diöc. Archiv IV 16 (KiUciler) überlieferten Formen, welche sich auf denselben Ort beziehen. Elsässisches Kirweiler KirihwUari, Küihwüaru ON haben Chirihcowilare 742. KirtvUare 855. Der alem. Wechsel von r:l ist zu bekannt; viele Belege sten in m. Alem. Sprache S. 89 ff. Weinhold, alem. Gramm. Si 62. Sieh unten * Kirch- berg. Es gab aber auch einen altd. Kericho^ Pers. N. im Lib. Viv. V. Pfäffers. Die Orts- und Flurnamen Killental (Augsburg), Killingen (Ellwangen), Killenberg, Killen weiher, Killenholz bei Buggensegel gehören nicht hieher. — Das Eist. Topogr. Lexicon V. Schwaben 1791: Külen. 8 Levertsweiler ') Pleb. de Laifßnswüar 1228 WU 3, 230. Laifinswüar 1263. ecclesia in Laifinwüere 1273. Rector eccl. in Laifinsmlere 12S2. Lamphirsmlar, Laenphirswiler^ Landfridstviler, Lanßnswüer^ Lin- finstoiler 1273. Levismler 1290. LaephinsiciUer 1290, Eugen Schnell I 94. — Lib. Dec. 106: Lefensmler. Laifiswüer Habsb. Urb. 278. Von diesen Belegen gen die mit m, n auf Lempfriedsweiler. Ein Pers. N. Laif, Leif der früh untergieng, vielleicht in Latbolf Wü I 785 (Neugart) wiederkerend, war vorhanden im Cod. Lau- resh. ON. Das Liber Viventium v. Pfäffers kennt einen monaohus Leifi 8. 9. sec. Bei Dümg6, bad. Regesten 63 kommt 1194 ein Popo comes de Loyphe? vor. In der Notitia fund. S. Georgii Mone 9, 220 stet ein Lottf et frater ejus Egololf. Noch spät treffen wir einen ,,Loifin'S „Läufin^* im Schwarzwalde. Gehört es hieher? 1) Bei Wald. 2) Ob. A. Heohingen. Für Frendenweiler, Gaisweiler habe ich keine Belege, sie müssen einfach Wiler gelautet haben. 8) Ob. A. Sigmaringen. 32 28, 142. Waltrammafiswiler 1325, Mone 10, 458. 460. Lib. Dec. 24 ebenso ; Walframswüery Lib. Quart. Diöc. A. 4, 46. Der erste Besizer hiess Waltprecbt, Walprecbt; der zweite Waltram (braban, Rabe) Waldrabe. Bei Neugart stet aucb ein Waldrammesperc. Sieh mer ON. Ein presb. TJmlperius 758. St. Gall. U. Im Lib. Viventium v. Pföffers : üualdram. In diesen Ortsnamen allen ist der erste Teil Pers. N. mit Ausname von Killer, Der zweite Teil ist überall der Dativ Singular. IV Die Ortsnamen auf -hausen N Althoch deutsch Mis^ plur. dat. husum^ hüsom, hüson, hüsin, hüsen. Wenn man im Alemannischen und Schwäbischen sagt 'hatiSy also im Sing., so ligt ein ganz neuer Ortsname vor; wie in unsern Aussichts-, Belustigungspunkten: das Jägerhaus, Schicss- haus, Vogelhaus n. s. w. Dazu gehören die Wirtshäuser, Oeco- nomiegebäude, einzeln vom Dorf abstehend : Neuhaus, Zollhaus. Vrgl. auch Arnold S. 390 ff. Stet das plur. -häuser, -häu- sern, so ist der ON ebenfalls neu. Alt ist -hüsen^ -Itausen^ der Dativ plur., der selbst den im 8. sec. noch häufig vorkommen- den Nom. 'husir verdrängte. In der Mark, im Bergischen, in Westfalen hat in den lezten 50 Jahren altes „ -hüsen , -hausen'^ oft dem -haus Plaz matehen müssen, wie das -ingen in Baiem dem -ing; ist in Urkunden und dem Volksmunde da auch zu -sen herabgesunken. „Hausen** kann allein sten oder ein Bestim- mungswort bei sich haben ; als erster Teil der Composition kommt es selten, in unserem zollerischen Gebiete gar nicht vor. Das Best. W^ort kann Personenname oder beliebiges Appellativ sein. Hausen Bietenhausen Ounzenhausen Harthausen, Feldhausen 1 Hansen ') Das sigm. Hamen lautet im Lib. Dec. 106 einfach wieder 77Äsc« und öfter urkdl. Das hechingische auch : de Hüsen 1 228. MH 28. Cun- rad de Hüseyi 1246. 1328 ff. Vgl. in loco Hnsen 1262 beim Wilden- stein auf der Scher. Mone 3, 71. Auch z. Neckarliausen fürt B aus dem WU II 402 : Hüsun, 1082 an. So lauj;eten die urkundl. Belege für Hausen (Donaueschingen), wie für H. bei Messkirch, im Tale der Donau (oben 1262), an der Fils, bei Riedlingen, bei Spaichingen. Die neuhochd. Zeit brauchte lange bis sie die -hausen st. -hüsen hergestellt hatte. Selbst im mittlem Deutsch- 1) Am Andelsbach. Ob. A. Sigmaringen. Hechingen. 84. 1263. Veldhusm = Hausen auf dem Feld. 10. sec. Neug. No. 889. B. 1581 Veldthausen, Veher Füdem, ^eZ(f in Flurnamen sieh unten. Vgl. auch Lütjselfeld unten. V Die Ortsnamen auf -hof, -hofen, -hoven ' Althochdeutsch, mittelhochdeutsch' hof, dat. sing, hova^ kave; dat. pl. hofen, haven^ acc. hova. Graff IV 828 ff. Die vollen For- men hovuUy hofun sind jezt auch vilfach belegt. Die ON 812 weisen es Süddeutechland, Baiern, vor allem der Schweiz zu; nun hat aber Arnold, Wanderungen 166 und 366 nachgewisen, dass Mittel- u. Niederdeutschland regen Anteil an dieser Nameobildung haben. Das Rheintal ganz besonders erfreut sich deren. Wie 'ingen^ so weist -hofen auf alemannische Spuren oder Gründung hin« gleichviel ob Jülich, Aachen, Westfalen, ob niderfränkische, mittelfränkische, sächsische Bevölkerung heute wie vordem da war und ist. Diese Tatsache aufgeklärt zu haben, wie Weiler, -ingen, -hofen ins fremde nicht alem. Land kamen, ist Verdienst Arnolds. \ Also nur der Plural „Hofen^^ ist alt, der Singular neu ; lezterer bezeichnet jezt grössere oder kleinere Höfe im Gegensaze zu Städten, Dörfern, Flecken. Diese können aber Ueberreste alter -hofen sein; die Kriegszeit, Krankheiten haben verheerend gewaltet und da ist manchmal ein später erbauter Hof auf alter Stätte erstan- den, wo vielleicht nur noch eine Flur auf frühere grössere Anside- lungen hinweist. In unserem zollerischen Gebiete Hessen sich villeicht änliche Fälle constat leren '). Die „-hof** im Singular und die „-höfe*^ im nomin. plur., also jung nach irer Bildung sind, nenne ich zuerst. BrühUiof bekam sein „hof** erst später, wärend Brühl alt ist; ebenso der Heimhurgerhof, Buch- und Haidwieshof sind die Wald' und Haidhöfe, nicht aber „Heidenhöfe**, Inneringen. Waldhof ^ Kaiseringen. Lusthof Kettenacker. Birkhof Neufra. Haidenhof Diessen. Oberhof, Glatt. Seehof Haigerloch. Schmeien- höfe. Salenhof Trillfingen. Bürglehof Jungingen. Steighof, Beuron. Nonnenhof Laiz. Junghof Magenbuch. Nickhof, Dietfurt, Sigm. Buffenhofen bei Dietershofen. Paulterhof Hausemerhof Die aus grossen Fronhöfen erwachsenen Ortschaften endigen gewönlich auf -hofen, -hoven und enthalten den Namen des ersten Hofbe- sizers. Die Schweiz und das rechte Rheinland nördlich vom Boden- see, östlich von den Schwarzwaldhöhen haben auch -inghova, -inghoven gehabt, die in der Schweiz zu -ikon geworden sind. Unser Gebiet weist wenige auf. Viele sind längst „zergangen** und in Vergessenheit geraten. Bader in Mone*s Zeitsch. 19, 327 nennt in Baden Innighofen, alt Oninchova; Muttighofen: Muo- 1) Eine Reihe „Hofhamen^* unten bei den Flum. Als altbekann- tes Wirtshaus ist „'s Höfle'* im Killertale zu nennen. 86 zu der Heimat der Familie B. Der wirtemb. Floss-Name Brene hat damit nichts zu tun. Der Brenzkofer Berg hat den Namen der „zergangenen^* Ortschaft noch bewart. 4 Dietershofen ') Decanus de Dietershoven 1265 Zoll. Zt. 3, 84. TietersJioven Lib. Dec. 24. plebanus in Dietershoven 1278 Diöz. Archiv 3, 39. Dietelshoven Habsb. Urb. 278. — Vrgl. Dieterswciler Ob. A. Freu- denstadt: Dietrichswyler 1496. 1497. Mone Zt. 17, 456. gen Dietherissivyler 1518. Ebend. 18, 366. Dietrich der bekannte ur- alte Name aus der deutschen Heldenzeit ligt zu Grunde. Die älteste Form ist zu entnemen aus Thiotricheshüs, Dietershausen, Fuldaische Urkd. 815. WU I 408 u. s. w. 5 Hfttzhofen*) Ze Hitekoven, Habsb. U. 264. Hüzinkoven 300. 301. Hüe- kovers hof 2b'0. Hiddingeshofen, Hittingeshofen ? Der Lib. Viv. hat einen HÜio, 6 JetUofen*) In Uetinkofen 1298 Mone Zt. 3, 250. in Ütikoven 1279, ebend. S. 92. ze Utkoven lit ein yischenz 281. ze üetkoven 270. — Ober- und Unterjettingen Ob. A. Herrenberg: Uotinga Wü a. 806. Die augsb. schwäb. Jedesheim, Jettingen sind urkdl. Utesheim, Uetingen 1207. 1311. Vgl. Augsb. Wb. 245b. Dagegen Jetten- hausen bei Tettnang heisst Getenhüsen 1294 Mone 3, 245, wie alerö. Genner: Jänner; altd. gener: jener; gerlich : järlich ; g6mer: j6mer, Jammer, desiderium. Meine Alem. Sprache S. 112. — Uotinc = Son des Uoto ; -hoven = bei, in dem Gehöfte des Uotinc. Der Liber Viv. hat den Pers. N. Uto, Uoto oft. Ueber die damit zusammen- gesezten ON sieh ON 1498 ff. Vrgl. Enzkofen, wo ein Grafengut zum zoll. Habstal gehörte: Enzechofen 1281 bei Mone 6, 410, aus Anzinchovun, Wrgl, Büzikofen 1295. Biuzekofen 1282 Mone Zt. 3, 228. Ellinkofen 1 338. H 96. Hl 228. Alzkoven 1288 III 236 ff. 7 Inxigkofen ^) Untzikoven Habsb. Urb. 274. Inzkofen b. Schweinersdorf (Mos- burg): üncinJioven 11. sec. — Die Ableitung von einem Unto, -ine, Untingeshofen. Der Lib. Viv. v. Pf. hat einen Hunzo^ was besser passt. 1) Ob. A. Sigmaringen, früher Wald. 2) Ob. A. Sigmaringen. 3) Filial von Ostrach. 4) Ob. A. Hechingen. 38 bei Hans, Hof, -ing ein Complex von Häusern and Gehöften, nnd es konnte sich später uoser ßegriff Stadt anter den Namen flüch- ten. Wie bissher, ist der dativ sing, statin steti und pl. sietin^ stetten in unsem ON vertreten ; das Bestimmungswort braucht nicht immer ein Pers. N. zu sein. Arnold 91 weist auch die -stetten im hessischen und fränkischen Gebiete den Alemannen zu, wie die -ingen, -weiler, -hoven. Bück Zoll. Zeit. 7, 22 bemerkt, dass diese ON auf der Alb am dichtesten sich beisammen finden, was für die zollerischen Orte vortrefflich passt. Das St. Galler Urkdb. bringt 752 Älistadi, Ältstati, Stetten bei Meersburg. WU l 4: Nortsiati 760 Nordstetten bei Horb. WU I 6: Hohunsteti, Wa- lohsieii, Erfstetin u. s. w. So müssen unsere zoll. ON also auch gelautet haben. Der Uebergang des dat. sing, in den dat. plur. scheint sich bei manchen -stati erst im Mittelalter vollzogen zu haben. Stetten (Affelstetten) Dilstetten (Titstetten) Fronstetten (Pfronstetten) Henstetten Ruhestetten 1 SteUen *) «Affelstetten Die Belege bieten keineswegs Anlass zu besondem Bemer- kungen. — Etwas südlich von dem „zergangenen*^ A. lag die Burg der Herren von Affelstetten Zoll. Zt. 4, 21. Oberrhein. Zt. 2J2, 419 ff. Hermann v. Affelstetten 1326 Zoll. Zt. 4, 33. Affelstetten, daz dorf 1366. A. daz wUer 1367 Zoll. Z. 5, 6. daz wasser der Loa- chat ze Affelstetten, von dem brunnen und von der bürg ab u. s. w. Donauesch. Archiv 1400. Vrgl. Hedinger Progr. von Lichtschlag 1872 S. 16. Der erste Teil des Namens lent schliesst sich an das be- kannte ahd. apholtra, Apfelbaum an. Die ältesten Belege in ON lassen -a, -aha, -hachy -heim, -löchy -wang, -perch als Grundwort erkennen, sieh ON 99 ff. Wir haben hier noch das einfache Wort Aphal, Aphol one Zusammensezung mit -tra, -tre = Holz (ahd. drin, vergl. tree), welches z. B. in Hollander steckt. Mit Affolder sind ge- bildet die Namen zweier Höfe bei Pfullendorf (später Weiler) Af holder- berg od. schlecht Afterberg, urkdl. Afaltirberc, M. Z. 1 , 33 1 . Als Flum. lebt Affelstetten fort; ich werde nochmal unten darauf zurückkommen. 2 «Dilstetten, Titstetten Im Lib. Dec« 103 : Titstetten, das st. TiZstetten zu lesen sei. Titstetten jezt Wallfartskirche bei Veringen, einst Pfarrkirche für abgeg. Orte Hochdorf, Glashart, Titstetten^ Gunzenhof und Veringer- feld. Zoll. Zt. 3, 46. Urkd. 1249. Stuttg. Archiv. H. de Titst^ten 1262 Lichtschlag Progr. 1869—70. Ditstetten 1438 Zoll. Zt. 5, 3a. 1) Bei Hechingen u. unter Holstein. Ersteres stets mit dem Beisaze: unter HohenzoUern oder im Gnadental, oder bei Hechingen .genannt; lezteres sieh Holnstein. 2) Zwischen Jungnau und Veringendorf. 40 bilden die Ausname. „Weildorf'^ ist schon oben behandelt ; „Hoch- dorf bei Veringen ist abgegangen, Hermannsdorf erst seit 1804; wir kennen Veringendorf und Veringenstadt, Sigmaringendorf wie Villingen und Villingendorf. Es bleiben also noch Eschendorf Höfendorf Liggersdorf Mindersdorf Obemdorf 1 EscbendorfO Ostemdorf 1183 Wü 2, 233. 1195. Schnell, in loco qui dicitur Osterndorf 1219 Zoll. Zt. 8, 15. Ostirndorf 1239, Stalin 2, 495. B. Wir haben hier die erweiterte Form y. dst, die 6stan oder ostar lautet. Erstere einfache ündet sich im zoll, abgeg. „Ostheim'^ (sieh Baldenstein); die erweiterte in „08trach*^ Die Bedeutung kann dem Leser nicht zweifelhaft sein. Mit Wasser, "^^ald, Wisen, Ortschaften zusammengesezt bezeichnen die 0, wie Westerwald) Westheim, Westerwise die Abendseite, die gegen Osten ligende Besizung. Es bedarf aber nicht immer einer ent- sprechenden Gegenbezeichnung. Da die Wasser „Ach*' in dieser Gegend sich um Rhein oder Donau streiten, wird eine „Osteraha^^ leicht erklärlich sein. Sieh übrigens unten beim ON „Ostrach". Heute spricht das Volk Äischadorf; st: seh wechseln schwäbisch und alemannisch gerne, besonders d^ wo jozt unverständlich ge- wordene Wörter gesprochen werden sollen. So schreibt der phurer Prediger P. Arpagaus 17. sec. zwiscÄes st. zyristes, vrgl. geischlich^ bö^cAlich in meiner Alem. Sprache 133; die Nibel. Bruchstücke Wackernagels ebenso. Obwol die ON „Eschingen" nie „ai** in der Volkssprache aufweisen, so schrieb doch ein Geometer oder Schrei- ber Eschendorf als ob es an ,, Esche'* anzulenen wäre. Der Um- laut von aoster^ wie es mundartlich statt dster heist, ist aister^ wie in Aisterberg (Tübingen. Riedlingen); denselben bewirkte ein fol- gendes nii'^S das wieder aus „ar'* entstand. „Ze demo ostarun dorfe'* müste es althochd. heissen. 2 HOfendorf') Hebindorf 1098 MZ I 1099. WU I 254. 315. Heuindorf 1101 I 328. Hd)endorfnm MH 603. 889. Haigerlocher Urkdd. 1392 Lichtschlag. Ze Hefendorf 1401 MZ I 464. 1468. Diöc. Arch. I 50. Es ligt eine alte Form Habindorf, Havindorf, Ilebin- dorf zu Grunde ; der Pers. N. Habino, Habo, der aus Neugart be- 1) Bei Ostrach. Das geogr. stat. topogr. Lexicon v. Schwaben (1791, Ulm): „Eschendorf, enmals Osterndorf im Gebiet des Stifts Sal« mansweil, im Amt und Pfarrei Ostrach.'* 2) Ob. A. Haigerloch. 42 Eybarg und 8. Gattin Saanahilda kommen auf der Reise dahin. — Ein Mindershach begegnet im Ob. A. Nagold a. 1295 „Monde- lersbacb'' MH 155; ebenaa 1313; ze MOndlerspach 1317. 5 OberndorfO Die Constanzer Urkunde v. 970 Wü I 411 (Nachtrag) fürt auf: in locis Hoberendorfy Hakelinbach, Pilolfingen, Liuterestoref. Die St. Gallischen Obarindorf gehören hioher. Ueber alem. h- Vorschläge sieh meine alem. Sprache 116. 117, wo ich Hegingas, Heiingas, Hebingen, Hasnmwang und eine grosse Zal Appell, mit unorganischen h anfürte. Dazu kommt noch Heburinga (Ebringen) in Prisgavia Neug. CXX. ABirlinger (Fortsezung folgt) Zur Wortforschung*) X 1 Zur altdeutschen Efichensprache. Bekanntlich spi- len in unser n mittelhochd. Gedichten die Krapfen eine Rolle, man erinnere sich z. B. nur des Parzival und Meier Helm- brecht. Ich habe darum die ausfürlichste „Erapfenschilderei*' einem Drucke des 15. sec. Kochenmeisterey 8. 32 Bl. o. 0. und J. für die Alem. entnommen. Da das dem Ex. beigebundene „Si- bille Wissag Heidelberg zur Schleyerülen a. 1492 gedruckt v. Heynrico Knoblochzern*^ gleiche Lettern hat, so dürften wir Jar und Druckort bestimmen können. Der Kampf der neuhochdeutschen Laute mit den alten findet durchaus statt. Neben den alten I in blibet, fygen, wyss, wynber^ viys (Weise), spisslln, stucklln, w^n, teiglln, muossitn, steyblln, negl^n, pfenl^, kommen vor weigsel (Weichsel), müslem, küchletn, scheiblet (rund), Eys weyss u. s. w. Neben dem ü in bz/ch (Bauch), Vvüt stet strauben, säur, haubt neben heiipt; statt 6u, ü'. plüen (bleuen pliuwan) u. s. w. s für neu- hochd. sd^ in 5malz, neben ^c^malz, ^chweiss. Die mitteld. mund-* artlichen o st. u und f/, uo sind noch allgemein: kochenmeisterei, schnoppen, ront, anrdren, bldmen, dorre (dürr) birn. Das un- sichere Schreiben der alten Bildungen -iht, -eht, -aht, -et an Adj. breitlicht, längltcht neben lenglet, kugelecht, scheiblet, zuckerat, rosat, löcheret u. s. w. a §13 Krapfen*). Von k. Item so du guot krapfen backen wilt von öpfeln vnd von birn, so acht, das sie vor wol und schon 1) Bei Wald. Oben S. 29 lis Anm. 3 Achberg st. Hohenfels. 2) Alem. V 286 ff. 3) Vgl. mein alem. Büchlein von guter Speise. Sitzungsber. der 44 § 18 Item Yon hüner oder fogelmagen der kramatVogel ynd ander fogel, so mag man nemen die köpf, kregen, derm, fUss' und magen. daz back gar dein, stoss in einem morsser, seud hart eyer, hack peterling oder andere gate kreater, das thn alle« in den morsser, stoss es wol und würcz es abe und salz es; tha es in ein schusseln, knyt ein rohes ey daran und die krapfen mit und alles warm fürgetragen. Also mag man kalbshim bereiten und ein füllen vor wol gesoten. § 19 Wiltu krapfen backen von überbeliben hünem oder wiltbret gebraten oder gesoten, so es nur nit schmeckt; daz hack olein und schlach eyer in ein schusseln und gehackten peterling; würf das gehak darein, würz und salz es ah; temperier es wol, daz es nit zu dünne sey mit gesotem honigweyn vnd leckuchftn darein gerieben, so helt es sich beyeinander und let sich einfüllen, die krapfen sein schier gebacken, daz sichstu an der brunen wol, so du sie ussnimpst. merk auch, daz man alle krapfen mit zacker mag besehen, so man die erbern lüten fürtreit. So ist es selten ein krapf, so man ein wenig welscher weinbeer darein hackt on peterling und on kraut, sie weren dester besser. Also hastu den teik vnd krapfen füll, ob du die mass recht kanst treffen, so bistu ein guter koch, d iij b ff. b Bieberschwanz , stm. cauda fibri: in dem ersten teil lernet es wie man fastenspeisen bereiten sol von mancherley fischen und auch bieherschwenzen etc. zu sieden, braten, gebacken u. s. w. Vorrede. Item bieberschwene vnd der fisch wie sie genannt syntt gat gebraten vnd yngber darauff gestrewet warm fürgetragen. Aber wiltu die sieden, so ist gut ein pfefferlein darüber gemacht oder ein eyßenleyn mit leck&chen abgesezt, darauf pfeffer wolgestossen gestrawet. b j a. item fisch und krebs und bieberschwenz sein vil besser gesotten mit gutem wein, dan mit wasser oder byer oder eytel essig. e iiij b. Im 1 6. sec. verschwinden sie von vornemen Tischen. C Schnabel: item ein fremd gebackes Ykei^^i Schnabel, diija. Nym weiss brot, schneid die rinden davon; daruss mach dünne schnitten, die leg uff ein bret, schneid die rinden als teller, nym öpffel, die schneid zn halben fierteiln vnd röst sie, darnach hack sie dein, salz und würz sie was würz du hast oder yngber, vermisch mit saffran, hack, daz durch ein schlach wol geklopft eyer darein, dazu knyt durch ein. So die füll hast bereit, so streich sie uf ein schnyden und deck ein ander darüber, daz die unter schnyte gar nahe zu der obern reiche, d iij a. d Holbraten m : item wiltu ein holbraten oder genant einen rechbraten in der fasten machen, a j a u. oft. Nym feygen, wynber, erwelle sie in gutem wein, hack sie klein, sehe mel daryn, vermisch es wol, mach es ab mit salz und mit würzen; netz die hende in einem teigwasser, schlag die feigen vmb einen spiss als ein holbraten mit nassen henden vnd truck in 46 2 Der Leib heisst Falk. In der sonst so trefflichen Aus- gabe Freidanks (mit kritisoh-exegetischen Anmerkungen. Berlin 1877) von Frane Sandvofi ist eine wunderliche Emendation vor^ ' geschlagen. Wie in Freidanks Spruch 31, 13: der werlt ist niht mdre, wan lip guot und Ire statt lip man lesen soll liep, so wird der alte Spruch Der Leib heisst Falk umgeändert in: der Hb (d. i. lieb) heizet valck, denn , der Falk itt ein Symbol des 6eliebten\ Es genfigt gegen diese Verböserung des Spruchs auf die Ueborlieferung zurückzugen. Proverbia commun. (kölnisch) N. 714: Datz lijff heyscht valck Uulgns sie fatur quod corpus valco vocatur. Tunnicius 1010: Dat lyb hit falke, Qui semel extinctns, praesens sibi vita negatur. Seb. Franck Sprich w. I 17b: Das leben ist lieb ^), Der leib ists haupt gut (I 159). 11 1 : die weit helt den leib für das haupt gfit. Und so erklärt es auch ausdrücklich Geiler von Kaisersberg 4n Ädelphi Margarita facetiarum 1508. Scommata N. 34. In eos qui dicere solent: Der lyb ist das haupt gut. luxta illud Ouidij: Vt corpus redimas fer. pa. et ig. Falsum est prouerbium hoc et diabolicum: siquidera Anima non corpus est capitale Christo teste: Nolite timere eos qui oc, corpus etc. Item quid proderit homiui si uniuersum etc. Anime vero sue etc. non (iicit corporis sui. Porro dominus ad Sathan. Orania sint in potestate tua: animara autem eins serua. Item da mihi animas : cetera tolle tibi: neque Ouidius contradicit: Siqui- dem solum addo, ut animam redimas corpus interire et pati fer- rum et ignem patiaris. Dass der Sinn des Spruchs ist: corpus vivum in honore mortuum in dedecore, erhellt klar aus demselben Geiler (citiert bei Eiselein S. 159): So lang der Falke lebt, tragt man ihn uf Händen, und die Henn gat uf dem Mist; so aber der Falke tot ist, kommt er uf den Mist; und die Henn uf den Tisch*). FWeinkauff 1) So fangt Christoph Schorers aus Memroingen Buch an — y,Bedenke wie roau sich nechst göttlicher Hülff vor dein Schlag oder Gewalt Gottes versehen und bewahren solle u. s. w." Ulm 1662. kl. 8. bei Balthesar Kühnen. S. 1. 2. Auflsge. 2) Vrgl. Alemannia III 129. 180 wo ansfürlicbe Nachweise eu lesen sind. Hun bei Eiselein ist in Henn eu bessern. AB 48 erscheint auch ein eingefasster Krottenstein. Krotte = Kröte, alem. schwäb. Es ist aber anch krote eine Krankheit Alem. V 149 ; denn der Stein soll dagegen sein. In Mercks (Ulm) Gastellum kommt er zweimal vor 777b = Batrachites, 979 => Chelonitis, f. In Forer-Gesntr^s Tierbch. 1563 Bl. 169b: Den KroUenstein halt man gmeinlich dafür, dass er wachse und gefanden werde in .dem köpf einer Krotten, ist doch ein betrag and falsch. Dann von wegen seiner färb vnd gestalt, aach kraffb, wider alle gift ange- strichen, hat er seinen nammen ; ist seiner art ein edelgestein, gantz hart and schöner krefiPten nit allein wider das gift, sondern aach für etliche kranckheiten. AB Mundus vult decipi Für diesen bekannten Sprach ist die erste gedruckte Quelle noch nicht nachgewiesen. Büchmann, Geflügelte Worte, citiert nach Dr. Ganns in Soest eine Stelle aus Paracelsus: die Welt wil betrogen sein: darumb muss die Arznei mit solchen Buben besetzt wer- den, von denen die Welt betrogen werde. Wand er, Sprich w.- Lex., bringt eine Stelle bei aus Fisch- art: ,Kurtzau8 Mundus vult decipi, ergo sey bschiss jr Recipe', und aus Zincgref (1591 — 1635) von Heidelberg, 1626 Land- Schreiber zu Creuznach oder vielmer dem Fortsezer-Joh. Leonh. Weidner (aus Ottersheim in der Pfalz, Rector in Heidelberg) Amsterd. 1653 IV 231: »Als der Cardinal Caraffa, der päpst- liche Gesandte in Frankreich einzog vnd das Volck hefftig zulief vnd vor ihm niederfiel, sprach er oft lachend : ,Die weil das Yolck betrogen seyn wil, so sey es betrogen.^ J. B. Schuppius (1610 — 1661) kennt das Sprichwort gleich- falls. Bei im heisst es in dem Tractat ,von der Einbildung oder vorgefassten eingebildeten Meinungen der Menschen^: , Warum? Darum: Mundus vult decipi opinionibus; die Welt wil betrogen sein, der Holländer aber, die Werlet wil beloft sin^ Diese gewissenlose Nuzanwendung ,ergo decipiatur* hat schon früher ein Mönch gemacht, wie Seb. Franck erzält, der für Zinkgref und Weidner vielfach Quelle war. Durch Francks Schrif- ten ist der Spruch besonders verbreitet worden. Er findet sich schon in den Paradoxa 1534 N. 236 (247): Mundus vult decipi. Die Welt wil betrogen sein. Mundus regitur opinionibus. Die Welt würt mit eittel wahn regiert.' Wer hat alle stifft vnd cl5ster bawen? Wer hat sie mit so reichlicher prouision versehen? Falscher wahn der gaistlichait. Die weit wil betrogen vnd belegen sein, vnd nur mit wahn ge&fit 50 Eid zeitgenöBsisober Gelerter ist Magister Fabian FraDek, der erste deutsche Ortbograpb, über den FranaWobay in der Zeitscbrift för Gescbicbte und Altarthnm ScbledenB (Brealaa 1863) gehandelt hat. Der Aofsaz ist anch in basonderem Abdruck erschieneo. Teutscber Sprach Art ynd Eygenschafft. Orthogn^hia,. Ge- racht Bnchstäbig Teutsch zuschreiben. New Gantalei, ieta brftih- chiger, gerechter Practiok. Formliche Missiaen vnd Sckrifitan, an iede Persooen rechtmessig zustellen, aufiis kürtzst begrifbn. M. Fa- bian Frangk. Fraockfiirt am Meyn, Chr. Egenolpk ^) 1631« 4®. Eine neue Ausgabe des Büchleins zeigte 1872 FideÜB Butsch Sohn in Augsburg an, Catalog LXXXV No. 576: F. Franck, ain Cantzley ynd Titelbüchlein darinnen gelernt wird wie man Sendbriefe formlich schreiben, Orthographia Teutsch lernet etc. Augsp. H. Steyner 1532. 129. Von dem Convertiten M. Caspar Franck von Ortrandt in Meissen (1543 — 84) igewesnen Hoffprediger in der Grafrchaft Hag' (in Baiem) erschien eine Rechtfertigung seiner Conversion aar 1) Christian Egenolph ausHadamar am Westerwald war, abge- sehen von der kurzen Wirksamkeit des Beatus Mamer 1509 — 12, der ersteBuohdrucker Frankfurts. Falkenstein, Gesch. der Buchdracker- kanst S. 203 meldet von Egeuolph, er sei 1513 nach Frankfurt gekom- men ; weil die Inschrift auf dem Eckstein seines Hauses am Kommarkt angebe (?): Ab invecta huic urbi a se primo Typographia a® XIII, Domum hanc Christianus Egenolphus Hadamarien. extmi F. a® Dni MDLXIII. Das Jar XUI beziet sich auf E's Aufenthalt in Frankfurt und statt MDLXUI muss entschieden gelesen werden MDXLIIL Im Jare 1580 ist er von Strassburg übergesiedelt, wie sich aus Lertner's Frank- furter Chronik 1. Buch 2. Cap. 39 ergibt, denn das Epitaphium, das auf seinem Leichenstein auf St Peters Kirchhof gestanden, lautete: Hie jaceo Egnolphns Christi de nomine dictus Hacqne Chalcogn^phus primus in ürbe fni. Obii[t] Christianus Eg^olphus Hadamarius Anno Dm. 1555 aetar tis suae 58, ab invecta vero a se primo in hanc Urbem l^ypographia Anno 25. Civis defuncti Memoriae aet. Margreta Uxor Et Liberi Superstites M. P. C. — . Frankfurt, das ,£aufhaus der Deutschen' (Franck's Germ. 869a: da ist die gross mess Teutscber nation; Chron. 20: das edel gewerbhauss, darin Teutsch vnd welsch kaufifleut zwey mal im jar zusammen kummen von allen landen; der Meyn scbeydet hohe vnd nidere Teütschen) war lange Zeit auch der Hauptmessplaz des Buchhandels; die Fastenmess begann 24 Tage vor Ostern und dauerte 20 Tage; die Herbstmesse am 8. Sept. und dauerte 15 Tage; der erste Messkatalog erschien daselbst 1564, der lezte 1749; die erste eigentliche Zeitung erschien daselbst 1615, die Ober- l^ostamts- Zeitung, vergl. G. Schwetschke, ausgewählte Schriften 1866 11 128 fg. (S. 102fg.Leip- zig Hauptbüchermarkt, ein Verdienst der Jesuiten) und Codex nundi- narius Germaniae literatae biseoularis. Mess-Jahrbüoher des deutschen Buchhandels vom Erscheinm des ersten Mess-Kataloges bis aar Grün- dung des ersten Buchhändler -Vereins, 1564—1764. fol. 1850. 62 stadierende Chorknaben, die zw^r mit dem Ordenskleide and einer angemessenen Pfründe begabt, aber durch keine Profeesion gebon* den, noch immer die Freiheit hatten, sich jedem beliebigeii Stande za widmen. Auch ans der Stiftung des Stadt -Ammanns Sibotfio um 1330, wornach am Sterbetag des Stifters die Schüler so ^Pfrfln- den und Kappen (caputia) anhabenS einen Sempael erhalten sollen, lässt sich nur auf die erwftnten ,Togaten' oder auf ,N o v i s ß nT von Heilig-Ereuz schliessen. Nach Steichele S. S26 stet durch urkundliche Erwänungeo fest, dass Word schön im 13. Jarhundert eine Schule und einen Schulmeister hatte. So erscheint vom 18. Juni 1275 bis sum 29. April 1294 wiederholt in Urkunden Reinhardns reotor sco* larium und doctor Scolari um in Werde (Urkk. in München, s. Mon. Boic. 33a, 171. R. B. 4, 561), Hainricas de Pvl, doctor scolarium in Werde, in Urkunden yom 12. Mftrs 1307 and als ,Hainrich von Powl, schvlmaister ze Werde' am 16. Okt. 1318 (Urkk. der Stadt, in Donauwerd, und von Ueilig-Kreuz, in Waller- stein). Der Schulmeister hatte (nach Steichele) bis in das 16. Jar«- hundert mit einem Cantor und mit seinen Schülern die Pfarrkirohe alle Sonn- und Werktage nach altem Herkommen zu versehen. Wir hätten demnach eine Pfarrschule oder Stadtschule an^* zunemen, wie sie für die Bedürfnisse eines kleinen Stftdtchens wol hinreichte. Hatte es doch selbst in den ersten sechs Jaren des 17. Jarhunderts nur 900 und einige Bürger (vergl. Wolf, Gesch. Max. des Erst. Bd. 2, S. 346, Anm. * Urkunde). Die Schüler lernten in solcher Schule ausser der Uebung im Lesen und Schrei- ben der Muttersprache und der Abfassung deatscher Briefe anter Anleitung des jSchulmeisters^ auch ,durch den Cantor' soviel Mu- sik und Kenntnis des lateinischen ABC, dass sie bei den vielen gottesdienstlichen Verrichtungen und Begehungen, an welchen In der Regel die ganze Schule Teil zu nemen hatte, die Kirchenlieder singen konnten. Der Religionsunterricht bestand in dem Einprägen des Vaterunsers» des apostolischen Glaubensbekenntnisses und des englischen Grusses. Mag unser Sebastian in dem reichen Kloster zum Heil. KreoB nicht blos einen Namensvetter, sondern einen wirklichen Verwandten besessen haben (vergl. Alem. Bd. V S. 146); eine öffentliche La-' teinschule kann im Anfang des 16. Jarhunderts nicht bestanden haben. Die Werder Benedictiner trieben keine humanistischen Studien, sonst wüssten wir Namen von Gelerten, wie sie vom Benedictinerkloster in Augsburg vorhanden sind. Königsdorfer würde diesen Rum des Klosters nicht verschwiegen haben, wenn dazu irgend ein urkundlicher oder litterarischer Anhalt vorgelegen. ,Wer die Güter dieser Welt besizt, dem ist das Höhere Trug und Wan*: and nun gar Unterricht um Gottes oder der Menschheit willen! Das Kloster mit seinem Grundbesis und Einkommen war kein Asyl und keine Arena für Studien, sondern eine grossartige 54 anzuschaffen, es war bei seinem Tode eine Barschaft -von ftber 12000 Golden vorhanden. Dass solche rei<^e Mönche über den haushälterischen Sinn des Abtes murrten und guten, geeundea Trunk und reichliche Bewirtung Yerlangten, auch vom Papst die Erlaubnis an einigen Tagen Fleisch essen su dürfen sich erwirk- ten, wird wol überliefert, aber nichts von ireu Studien oder gwr einer Lateinschule. Franok spottet .in seiner Chronik über den Benedictiner-OrdOT BL 466a, welchem Benedictus ,den brauch des weins der £& vil Sünden raitzet abschl&g vnd in der regol verbott, aber yets haben sein ordensleut mit seiner r^el dispensiert, dann die v&tter mook- ten des weins nit geradten, vnd betten njemant mer mfigen in den Orden überkummen, also wer S. Benedioten erb erbloß/ Der Zweifel, ob Franck eine lateinische Schule besucht habe stammt aus den Spöttereien Schelhom's, Adelungs und K* am Ende's, die in Franck's Schriften eine auffallende Unkenntnis der Wallfahrtskirche Heilig -Kreuz in Donauwörth wendet sich in einem Aufruf an alle Freunde des Kreuzes, der uns der Beachtung aller Ka- tholiken werth erscheint. Es wird nämlich der Vorschlag ^macht, jene schon vom Untergänge bedrohte Kirche und achthunderijäbrige Wall- fahrt durch milde Beiträge zu erhalten and würdig zu restaoriren, und zwar zur Ehre des heiligen Kreuzes und insbesondere zur Sühne der demselben in unserer Zeit häufig zugefügten Beleidigungen. Und das soll geschehen zum Andenken an Plus IX. und soll auf diese Weise ein Denkmal für Pius, das , Kreuz vom Kreuze' werden. Näheres theilt der Director des Cassianeums (Chr. L. Auer) gern mit'. Seb. Franck weiss noch nichts von des Malachias (Freund des h. Bernhard) ^Prophezeiungen künftiger Päpste' (darnach war Pios als Crux de cruce, der jezi^e als Lumen in coelo angedeutet), weil diese Partie der im 17. Jarhund. besonders beliebten Devisen-Spielerei nooh nicht erfunden war. Zuerst wurden sie vom Benedictiner A. Wion in seinem Lignum vitae Venedig 1595 herausgegeben. In des Benedictiners 0. Schre- ger, Studiosus jovialisAugsb. 1778 sten diese «Symbola prophetica' S. 179 — 194. Der Jesuit Cl. Fr. Menestrier (Les prophet de S. Malachie Par. 1689. 4.) erwies sie als einen in die Classe der bei den Papstwalen ge» wönlichen Quodlibets und Pasquinaden 'gehörenden Betrug. Vergl. Pierre Le Brun (1661—1729 Oratorianer), Histoire critique des prsr tiques superstitieuses , Ronen 1702, vermert Amsterd. 1788, auch itaL Mantua, 1745 con licenza de' sup^riori: FV 22—88 Confutazione delle Profezie di San Malachia sopra i Papi. M a b i 1 1 o n hielt den ersten Herausgeber auch für den Verfasser. Die Unechtheit ist neuer- dings 1857 glänzend nachgewiesen von G. Weingarten, vergl. die Lit. in Hase's Kirchengeschichte 10. Ausg. 1877 8. 479. Nach der Köln. Volksztg. No. 52 hat Cardinal de Angelis, der Busenfreund Pius' IX., 1861 die Aeusserung getan: ,Ich glaube nicht an diese Dinge, der Papst auch nicht'; in No. 56 wird auf das 1872 erschienene Werkchen von P. van der Moore: La faussete de soi-disant propheties d'Orval, de Saint Malachie et de Blois verwiesen und erklärt: ,Die Mehrsal dieser ,zukunftverkündenden Aussprüche* ist lächerlich, und die Deutung eine durchaus geschraubte'. 56 römten Barbara, der Erfinderin der noch jezt allda blühenden and berümten Spizenklöppelei. Die Vermninng liegt nahe, daas, wie ja bis zum heatiffen Tage gerade Oheim und Ne£fe ser oft naeh altdeutscher Sitte (Tacitus, Oermania 20) in besonders gemütÜcher Beziehung stehen, so auch damals der Nördlinger Ohm frühzeitig das keimende Talent des kleinen Sebastian erkannt, gestftzt oad gesohüzt und sich des strebsamen und wissbegierigen Knaben hülf» ' reich angenommen. Die gröste Warscheinlichkeit spricht för die Anname, dam Franck in dieser schwäbischen Reichsstadt im Rießgau, rings Ton der Grafschaft Oettingen umgeben, die Lateinschule besucht habe. Ob F's Vater, der in der Widmung als bei seinem Bruder in Nördlingen lebend erwänt, schon frühe (etwa nach dem Jode seiner Frau) seinen Wonsiz von Werd nach Nördlingen verlegt hat oder erst in Folge der reformatorischen Bewegung von dorthin überge^ siedelt ist, lässt sich nicht entscheiden. In dem Wirtshause dieses Oheims mag der junge Sebastian durch die Gäste, zumal durchreisende Kaufleute, farende Gdger und Gaukler (wie Paul Wüst, vergl. Alemannia IV 2) und ,fromni6^ Landsknechte gar mancherlei über Länder und Leute vernommen und besonders häufig die Klagen über Bedrückungen, Mishand- lungen, Steuererpressungen und Kriegsbrandschazungen des ge- meinen Volkes mitangehört haben. Andererseits mag in jener auf allen Gebieten regsamen Zeit, wo durch den ritterlichen Max I und die bei aller Gelegenheit Kaiser und Reich feiernden Huma* nisten die nationale und deutsche Gesinnung erweckt und gepflegt wurde, auch schon frühe bei F. die in seinen Schriften überall hervortretende Liebe zu seiner Vaterstadt Werd wie zum ,gfros8en deutschen Vaterland' durch Erzälungen aus der Geschichte Schwa* bens (welches noch bis ans Ende des vorigen Jarhunderts ,das Reich' hiess) und seiner Heldenkaiser rege geworden und seine Wissbegier in den ,neuen Zeitungen' (Flugschriften) sowol über Kriegsgeschichten als die jüngst entdeckten Länder, welche die Ein- bildungskraft abenteuerlich ausmalte, frühzeitig Stoff und Narung gefunden haben. So wurde sein wissenschaftlicher Trieb wie seine moralische Gesinnung gefördert. Dass er das ,Laster der Trunkenheit' und das Luderleben der ,verderblichen Landsknechte' (eine zugleich mit den ,Franzosen' einreissende Plage, Chronik Bl. 217a) aus eigener Anschauung schildert, zeigen seine Schriften. Es ist natürlich, dass bei im, der in der harten Schule der Not und Armut gross geworden, sich frühe ein fester, stolzer Charakter, mit starker satirischer Ader entwickeln muste. Wer auf seine Kindheit und Jugend nicht als auf ein sorgloses, von Mutterliebe gehütetes Pa- radies zurückblicken kann, in dessen Werken wird man wenig Humor und Heiterkeit spüren können. Ausser Nördlingen an der Eger könnte vielleicht die benaoh- 58 decret von 1606 steaerfrei in seiner Baraohafb und fsrenden Habe ^dieweil er die Knaben in der grammatica und htunanitatis arte lernet'), Konrad Epp, Meister Panl und seit 1513 Johann Ke- ning oder Pinieianus, der Günstling Peatinger*8, ein poeta km- reatns, auf seinem Grabstein gerümt als ,Literatürae politions et disoiplinae pnerilis institutor^ Vergl. Jniins Hans, Beitrttge aar Geschichte des Angsbarger Schulwesens, in der Zeitsehrift des Historischen Vereins für Schwaben und Nenbarg II 1. Augs- burg 1875. Die Nördlinger Lateinaohnle Ueber Nördlingens Sohnlwesen hat der gelerte and flaissige Nördlinger Reetor DEBeyschlag in mereren Schulprogrammen gehandelt: , Schalgeschichte der Reichsstadt Nördlingen*, 1793 1%. Da Nördlingens Vorbild in Schalsaohen die Reichsstadt Nürnberg an der Pegnibs war, so müste eine eingehende Behandlang aaah die vier damals an diesem Size des Reichsregimentee blühenden ^lateinische Schulen' zu St. Sobald, zu St. Lorenz, beim Neaen Spital und im Schottenkloster (Benediciiner) bei St Egidiep in Be- tracht und Vergleich ziehen, mit Benuzung der genauen und urkund- lichen Nachrichten, die Reetor JVV^Heerwagen verö£Pentlioht hat in den Schalprogrammen: ,Zur Geschichte der Nürnberger Gelehrtenschalen, Nürnberg 1860^ und ,Drei Aktenstücke aus den Jahren 1485, 1575 und 1622', Nürnberg 1862. Wir wollen jedobh die Betrachtung, wie damals die Schulverfassung, der Unterricht nnd die Disciplin im Einzelnen bescha£Pen waren, uns för das grössere Werk über Sebastian Franck vorbehalten nnd nur einig« wenige Punkte berüren, um zum Schlüsse tou den ,chri8tlteheii Heiden' zu reden, die von entscheidender Wichtigkeit lür seine Geistesentwicklung waren. Nördlingens ^) Bürgerschaft war schon zu Ende des 15. Jar» l) Der Name der Stadt lautet (nach Steichele III 981) ursprüng- lich Nordilinga, Nordilingin = bei denen des Nordilo; später (auch lat.) Nordelingen, Nördelingen, Nördlingen, Nördeling; bei Franck Nördling, Nordliög, Nörling, Norling. In Althamers Commentar za Ta- citns' Germania Nümb. 1586 p. 268 Nordlingiacum. Das älteste Stadt- siegel hatte mit dem Adler die Umschrift: S. Burgensium in Nordi- lingen. Ueber die lächerliche Ableitung des Namens Nerolinga von Tiberius Nero, bei den alten Chronisten, vergl. J. F. Schöpperlin*8 kleine histor. Schriften. Nördl. 1787 I 87. Ursprünglich königliches Hofgut, Dinghof, wurde von König Arnulf die curtis Nordilinga in paeo Retiensi constituta (im Rieß) 898 an das Bistum Regensburg geschenkt (an S. Petrus und den pretiosus Christi martyr Emmeramus oder Hei- meram); es hatte damals schon zwei Kirchen, ecolesiae binae decima- tACi aus dem Besiz von Regensburg gelangte es wieder zum Reich 60 in den zaireioben Reichsstädten das Patronatsrecbt ; er wftlte ode^ vielmer dingte auf eine bestimmte Zeit sich selbst den Rector Ik seine ,Stadtsohnle', nachdem derselbe seine Beföhigung dardi einen , Actus* (Probelection) dargetan, stellte demselben Am «Paktverscbreibnng* (Instruction für den Schul- und KirebBn* dienst) mit einem , Zettel* (Schulordnung) aus, mit Vorbehalt «ioer bei im stehenden vierteljärigen Kündigung und betraute beeünnite Personen mit der Inspection. InNördlingen hatten dieKireben» pröbste oder Pfleger von St. Jörgen dieses Amt, den Reotor am dem Heiligen zu salariren, mit Zuziehung Sachverständiger, iaabe* sondere des Stadtschreibers die erforderlichen SohulordnangiMi abzufassen, die Examina abzuhalten und für die Visitationon m sorgen. Die älteste Paktverschreibung ist die noch vorhandene des Meisters Andreas Burlibey vom Jare 1415; vom Jare 1448-— 99 sind deren 11 vorhanden. Die älteste geschriebene Ordninig der flateiniscben Schule^ betitelt ,das offthftn der Schul zu Ndrd* lingen* stammt aus dem Jare 1499 und ist von dem gelerten SUdt^ Schreiber Peter Tünzel entworfen, die 2te von 1505 und die Ute nach der (von Nürnberg) »gesandten Schulordnung' von 1512 rCfi^ Stadtschreiber Sebald Lauter, die 4te ,durch Oeorgen Ifilir (aus Donauwerd) Stadtschreiber (1513 — 33) zu Nördlingen ge- macht Ao 1521*, dem eifrigen Gönner und Beförderer der Re- formation ^). Nach einem Gutachten der Kirchenpröbste war 1499 ,aiioh hier wie in Nürnberg ein erbrer briester dazu verordnet, der auf die Schul sein Aufmerken hätte*, und zwar der Kaplan unserer lielMii Frauen Altars sollte Jede Woche oder wenns ihn freyte*) in die Schul gehn und aufmerken, ob allem fleissig nachgegadgta würde*. i 1) Die Stelle eioes ,Stadt8chreiber8*, wozu nur ein wissenBohafbliili gebildeter Jurist genommen wurde, war damals in den ReicbstädtiB eine der wichtigsten und einflussreichsten. Unter den Nördlinger Stadtr Schreibern ist am berürateäten Ulrich Tengler, der Frennd Seb. Brant's und Jacob Locher's, der Verfasser des Layenspiegels, welcheri nach dem Tode des Job. Gäsel, eines Licentiaten der ^^istl. Rechte, von 1480 — 85 dies Amt inne hatte und als Landvogt der bair. Herr- schaft Höchstott etwa 1510 starb. Ueber die Bedeutung dieses 1509 .^i in Augsburg gedruckten Rechtsbucbes vergleiche Panzer, Annalen *. S. 308, Eichborn's Deutsche Staats- und Rechtsgesch. 1819 III 336 und Walter's Deutsche Rechtsgeschichte § 355. In Gödeke's Elf Bücher deutscher Dichtung I 15 sind die «Layenspiegels Spruch' abgedruckt; andere Lieder erwant dessen Grundris S. 145. Brant's ,richterlicb Clagspiegel* Strassb. 1516 ist ganz ausTengler entnommen. Teng- 1er hatte weil Augsburg damals sich des Rumes erfreute, dass dort die reinste Sprache geredet werde, in diesem Dialect sein Werk geschrieben. Vgl. Scbelhom, Beitr. 2. St. S. 117. 2) d. h. im beliebte. da der ganze Unterricht im Wesentlichen aof Abhören des Aob- wendiggelemten oder Yerbeeeern des feierhaft GesprochentB oder Gteschriebenen hinauslief. Schnlklassen. Ler gegenstände Die Schule in Nördlingeta hatte nach dem Lerplan von 1512 — in diesem Jar mag etwa unser ,Ba8ti' auf die Anstalt gekommen sein — vier Klassen oder Goetus, bisher ,Letzgen* d. h. lectiones, jeEt nach Nürnbergs Vorbild ,Girker genannt, sp&ter ^Sessionen', Die Schüler (clerici, clericnli im KA) hiessen nach den Klassen^ lermitteln die Tabulisten (in Buchstabier und in Legistä| Le- sende unterschieden), die Donatisten, dfe Ca to nisten und die Alexandristen^). Auch die in der Alemannia UI mitgeteilte Schulordnung von Crailsheim 1480 (den Herren von Hohenlohe ge- hörig, bei Ansbach in Franken) nennt die obem Klassen naeh den Grammatiken: Donatistae, Regulistae^ Casualistae = Alexan- dristen. In Ulm waren (nach Beyschlag S. 30) zu Absalon Orü- ners Zeit 5 Lectionen: erste Lection des Provisors in Logika, andere Lection Parvuli, dritte Lection reg^Iarum, vierte Lection prime Partis , fdnfte Lection doctrinalis genannt. Im Norden Deutschlands waren die Klassen geteilt nach der Fibel (verderbt aus biblia = Über literarum elementariarum vergl. Orimm's WB.), dem Donat, der Regel und dem Alexander. Die Tabulisten lernten ,in der Taffel' buchstabieren und lesen und zwar die Tischgebete, das Benedicite und das Oratias, sodann das Pater noster oder die Oratio dominica, das Ave Maria oder die Salutatio angelica beatae M., das Credo oder Symbolura apostolorum, das Conüteor oder die Beichtformel*) und den Gisio- janus, den Kirchenkalender'). 1) VergL Jaeobi Henrichmanni institutiones grammatioae 1606 am Ende der Vorrede: Tabalista, Donatista, Catonista, Alexandrista barbara vocabula barbarissimus docet nebulo, nemlich der Verfasser des Sohulbaohs, oui barbarus titulus: Es tu scholaris? 2) In Crailsheim gebrauchte man, wol bei den obem Schülern, das bekannte yPeniteas oito^ einen in Hexametern abgefassten Beidit- spiegel; der vollständige Titel lautet: Peniteas cito libellus iste nunoupatur. Tractans oompendiose ae nenitentia et eius circumstantiis; ac vitam peocatis depravatam emen- oare oapientibus multum utilis et necessarius. s. 1. a. 4^ 8) Es war wichtig und richtig der Jugend frühe diesen ans 34 laiein. Hexametern bestehenden Kalender (eine Erfindung des 10. oder ll.JarhuDda) einzuprägen, weil alle Data in Briefen, AlUen und ürkaa- den des Mittelalters nach den Heiligennamen angegdien wurden» Desi Jannar ?raren die Verse gewidmet: 64 Rechnen Da Sebastian Franck in der Werder Stadtschule aosser dem Lesen') und Schreiben auch das Rechnen gelernt haben wird, welches im beim Betreiben seines Gewerbes und Geschäftes (ab Seifensieder, Hausierer, Buchdrucker und Buchhändler) spater von Nuzen war, so lont es sich auch einen Blick auf die alten Rechenbücher zu werfen. Das älteste deutsche Rechenbuch ist von Ulr. Wagner, Rechenmeister zu Nürnberg 1482 u. o, (vergl. Serapeum YIII 128). Damals, in Francks Jugendzeit, ist wol in Werd nach einem andern Hülfsbuch unterrichtet worden: Behennd vnd hüpsch Rechnung vff allen kaufiPmanschaften. Leipr zig, Kachelofen 1489; Pfortzheim, Thomas Anßhelm 1500. Der Verfasser war Job, Wi dm an von £ger (Widmung datiert Leip- zig 1489), ,der artznei Doctor Job. Wydman, genant Möichinger^ (Weller 's Repertorium No. 659); andere Ausgaben sind Pforzheim, Thomas Anßhelm 1508; Augsburg, G. Stayner 1526; im Serapeum S. 157 wird auf ,Drobisch'8 lerreiche Abhandlung über die Leipziger Ausgabe von Widmans Werk* verwiesen. Das erste Rechenbuch des 16. Jarhunderts für Schule und Haus hat Oppenheim^s Stadtschreiber Jacob Köbel abge- fasst: Eynn Newe geordent Rechenbüchlein vf den linien mit Rechenpfennigen') den Jungen angenden zu heüslichem ge- brauch vnd handeln leicbtlich zu lernen, mit figuren vnd exem- peln; dem Dietrichen Kemerer von Wormbs genant von Dal- burgk gewidmet, Oppenheim 1514. 4^. 1) Mit welchem Lebensjare besuchten die Kinder die Schale? Da- rüber findet sich eine interessante Notiz in Wittwer's (Prior zu St.Ulncb in Aagsburffy 1612) Gatalogas Abbatum (gedruckt in Steichele's Archiv 111} , welche f. Hans, Augsb. Schulwesen S. 22 mitteilt, ,au8 der hervorget, dass schon damals die 7— Sjärigen Knaben, die zum erstenmal die Schule betreten sollten, nur durch Zuckerpläzohen und andere Lock- mittel [Lebkuchen mit Buchstaben darauf oder Namen] bewogen wer- den konnten, an dem verhassten Orte auszubauend Auf solchen Schul- anfang beziehen sich die Sprichwörter bei Franck I Ib. Supremis labijs gustare. Er hat ein mal eim schülmeyster ein guten mor- gen geben. Ein auffheben thun, oder das erst schülrecbt thun. Er hat 3 Buchstaben vff einem lebkuchen gessen. Erbat ein buch durch einn neber (= Borer) loch gesehen. Aufheben SS praeludium, beginnen (ein Fechterausdruck vergl. Grimm's Wb.), Franck's Spriohw. Vorrede 4a zu diesem meinem schülrecht hab ich euch f&r mein aufheben zum richter und gpriesswertel erweit. Schül- recht thun (nach Wand er Sprichw.-L.) =s Zeugniss seiner Bildung geben. 2) Der Holzschnitt auf dem Titelblatt von Köbels Büchlein seigt zwei Personen, die nach Rechenpfennigen, bei Böschenstein zwei Frauen, die auf einer schwarzen Tafel nach Z a 1 e n rechnen. — 66 Bald wurde jedoch Eöbels Buch verdrängt. durch das sprich- wörtlich berümt gewordene ,Adam Riesen (Risen, Rysen) Rechenbuch^ das sich von der Reformationszeit bis in die Mitte des 18. Jarhunderts in Gebrauch erhielt. A. Ries^ von Stefielstein (bei Bamberg), geb. 1489, war 1522 ,Rechenmeyster zu Er£Pordt\ 1525 ,vff sant Annabergk\ woselbst er als Bergbeamter 1559 starb. Die Ausgabe Erfurt 1525 8® (ein kleineres Werk war ebendas. 1522 erschienen, Serapeum S. 156) ist Vrban Osan Amte- Verweser auf S. Annaberg gewidmet. Dass diese ,Rechnang auff der linihen — in massen man es pflegt tzn lern in allen rechenschnlen gruntlich begriffen anno 1518' schon erschienen, zeigt der Titel, vergl. Weller^s Repertorium No. 3628; eine 2te Erfurter Ausgabe 1525 bei Panzer Annal. S. 420: ,Rechenung auf der linihen vnd federn in zal, mass vnd gewicht auff allerley handierung*; Augsburg 1528 (H. Steyner) bei Zapf Augsb. Buchdr. II 183; Erfurt 1533: ^übersehen und gemehret^ vergl. Heyse's Bücherschatz 1854 No. 303. Im Serapeum a. a. 0. . S. 157: Ein Gerechent Büchlein auf den Schöffel, Eimer und Pfund tgewicht zu ehren einem Erbaren Weisen Rath auf Sanct Annensbergk durch Adam Riesen 1533; Leipzig 1536. Zu gleicher Zeit mit dem 1. Werke von Riese war von Heinr. Schrey- her oder Graramateus von Erffurdt, der sieben freyen kdnste maister (zu Wien), 1518 zu Nürnberg ein ,new Rechenbuchlip * erschienen, woraus zu lernen war ,nach der gemainen regel Detre, welschen practic, regeln Salai ^) vnd etlichen regeln Gosse ') mancherlay — Rechnung auff kauffmanschafftS auch die proportion der knnst des gesangs im diatonischen geschlecht auß zutaylen monochor- dum, orgelpfeyffen vnd ander jnstrument auß der erfindnng nicht mit der regula falsi (vergl. Aisted p. 825) etwa zu verwechseln. Fusti heisst bei den Kaufieuten alles dasjenige, was an einer Ware unrein ist oder nicht gut, als Holz, Packleinen etc. (also = Brutto); auch wird es von zerbrochenen oder beschädigten Waren gesagt; daher ,regula fusti' = diejenige Rechnung, welche lert, wie man das, was unter den eingekaufteil Waaren nicht gut, zerbrochen u. s. w. ist, von dem guten unterscheiden und von beiden den Preis berechnen soll (= Bruttorechnung). 1) üeber regula falsi und die davon verschieden regula coeci, zekis, virginum oder potatorum vergl. Elügel's Mathem. Wb. IV 268 fg. A. Riese: , Regula falsi. Ist ein Regel, das man durch zwu falschen zaln, die man der auffgab nach examinirt, die rechte zahl haben mag^ 2) ,Co88, Regel Coss* hiess bei den deutschen Arithmetikem lange Zeit die Algebra. Die Italiener, welche dieselbe in Europa ein- 'f&rten, hatten sie regola oder arte de ia cosa genannt; cosa, res ist bei den alten ital. Algebraisten, was wir ^Wurzei einer Gleichung' nennen. In Joh. H. Alstedii Enoyclopaedia, Herborn 1630 fol., ist pag. 803 — 864 die alte ,Arithmetica' dargestellt, worauf pag. 865 — 874 ,Gob8 ae libri III de fictis numeris arguentibus veros' folgen. 6& begonnen und angeregt zu haben. Der Nürnberger Mathematiker Hans Neudörffer (1497 — 1563) h'ess zuerst nicht bloss deutsche und lateinische Schönschreibevorschriften in Holz schneiden, son- dern er verfasste auch die erste deutsche Schrei^eknnst: ^Ein gute Ordnung — Zierlich schreybens 1538. Nulla dies sine linea'; (sein Schüler Gundelfinger hatte den Walspruch: Nil Penna, sed Usus); es erhielt sich die Kunst der Kalligraphie in der Fa- milie ; noch der Urenkel Hans Neudörffer war berümt als ,Rechen- meister und M o d i s t' (Schönschreiber). Franck klagt in der Vor- rede der lezten oder Augsburger Ausgabe der Türkenchronik (H. Stainer 1530) über seine ,böse geschrifft^^); der Leser mag sich an zwei Facsimiles, die ich später geben werde, darüber selbst eine Ansicht bilden. Ausser dem Schönschreiben, welches damals noch one Vorlege- blätter nach dem Muster der Lererhand geübt wurde, hat Franck noch eine Kunst gelernt (welche erst die Volksschule unserer Tage wieder einfürt), die des Briefschreibens, wobei die Kenntnis und Sicherheit der gebürenden Titulaturen von grosser Wichtigkeit war. Schon 1474 druckte man ,Formularien' zu Sendbriefen und Anf- säzen aller Art'); vergl. in Panzers Annalen die vielen Ausgaben dieses Buchs von einem unbekannten Verfasser. Mit dem Jar 1493 erschienen zugleich zwei neue derartige Briefsteller und . Titel- bücher: von Friedrich Riedrer ,von MAlhusen in Heg^w^, der .Spiegel der waren Rhetorik. Vß M. Tullio G. [Albertano von Brixen] vnd andern getütscht: mit Irn glidern clfiger reden Sand- briefen, vnd formen menicher contract, seltzam, Regulierts Tutsohs vnd nutzbar exempliert, mit fugen vff göttlich vnd keiserlioh schrifft vnd rechte gegründt* (Fribnrg in Brißgow 1493 fol.) der Universität und dem Rate gewidmet; neue Ausgabe Mainz 1508; Strassburg 1509, 1517 fol.; das andere von Heinrich Geissler (Gessler) von Freiburg, ,Schüler der kaiserlichen Rechten^: New practicirt rethoric vnd briefformulary des adels stetten vnd l&ndem etc. Strassburg 1493 fol.; hierauf als: For- mulari vnd tötsch rethorica. Strassburg 1502. Augsburg 1507. Strassburg lÖll, 1514, 1515, 1519. Für die Jugend gab es ein nach Gessler gearbeitetes Ga utz- leybüchlein: Wie man schriben sol eim yeden in was würden stadt oder Wesens er ist, geistlich vnd weltlich kurtz begriffen. Strasburg 1) yvormals ist sie auch getruckt, aber an vil orten, weiss nicht ob es meyner bösen geschrifft oder meins abwesens, das ich nit selbs im truck nit corrigirt bah, oder des vnfleiss vnd hinlessigkeit des truckers schuld ist, nit also fleyssig vnd an vil orten gefelscht auss- grangen. Yedoch werden dise f&l, on nachthayl sein, das sich ein fleissi- ger Leser, leichtlich darein waisst zu schicken/ 2) L. Rockinger, Mittelalterliche Briefsteller und Formelbücher. Müncheil 1861 4^ u. Quellen und Erörterungen VII 47 fjg^. Serapeum VI 313 fg. 70 natürlich noch gestattet werden musste, noch kein HiÜfshuch nötig; es genügte wenn sie täglich einige Buchstaben, später etliche Worte lateinisch und deutsch ,auf hilzene täfelin^ (one Ueberzug) ,mit der feder' geschrieben dem Lerer zur Gorrectur vorzeigten; ee wurden inen ,beyweilen die Buchstaben gezeugt ynnd die andern Buchstaben verhept (= verbessert), vmb das sy zu volkome- nerer kenntniss der Buchstaben geükbt wurden^; in Nürnberg schrieben die Schüler ,in wachs (tafeln) oder auf papir', der Looat hatte die Schrift zu ,cäncelliren (= die Schrift durchstreichen) oder vnderstreichen ynd die knaben zu Formierung gutter Bucdi- Stäben vnd Schriften anzuleyten*. Für die folgenden Klassen benuzte man zu Schreib- undMemorier-Uebungen die Sprüche Salomonis nach der Vulgata oder Sentenzen aus den Ethica oder Moralia (Disticha) des Dionysius Cato oder Alanus, stets mit prosaischer oder gereimter Verdeutschung. Der nachobersten Klasse wurde auch ,Latein fürgegeben, Ettlich vers oder pross ex Esopo, ex Lactancio, ex Boecio de dis- ciplina Scolarium, ex Alano u. s. w. nach Ansehen des Schul- meisters\ % Die Etymologie d. h. Elementar -Grammatik wurde nach dem Donatus minor s. Partes orationis quot sunt? und den Re- gulae grammaticales, oder auch nach der Prima pars (Alexandri) eingeübt, die Syntax nach der Pars secunda, die Pronunciation d. h. Metrik nach der Pars tertia Alexander's ,vnd anderer Autor vnd lerer^ Diese Schulbücher verdienen, weil sie heutzutage wenig be- kannt sind, eine genauere Betrachtung. Was «zunächst die Grammatiken betrifft, so waren in Nördlingen der ,Donatu8^ und der ,Allexander^ (so gewönlich geschrieben) noch in voller Herrschaft, wärend an vielen andern Orten neuere und bequemere Grammatiken (von Paul Nia vis d. h. Scbneevogel, Born. Perger in Wien, ülr. Ebrard v. Neuburg, Cochläus, Aventin, Henrichmann, Brassicanus, Pinicia- nus etc.) eingefürt waren. Der sprichwörtlich berümte Grammatiker Aelius Donatus war 354 Lerer des h. Hieronymus gewesen. Der Schulausgaben des Mancinelli (Antonius Mancinelli Veliternus, Grammatiker u. Philolog in Venedig, f nach 1500). Poetae para Remigii regulae interserta. Regulae grammaticales minores pro pueris. Triginta sox con- structiones. Regimina. Localis ordinatio constructibilium. Cato teutonice expositus. Am Ende: Acta in imperiali civitate Vindehcorum Augusta expensa Syluani Otmar, apud coenobium beate Ursulae eis Lichum residentis. 4^. 16 Bogen, lieber die frühesten Wörterbücher (Vocabularius, später Dictionarium, Lexicon) vergl. Gesner's Thesaurus, Praefatio; Dieffenbach's Glossarium, Einleitung: Weller im Serapeum xxn. xxin. 72 Die Fabeln \) desAesop waren nicht bloss in der metrischen Form, in welche sie der Erzbischof Hildebert von Toors (f 1139) gegossen hatte, in den Schalen bekannt und beliebt, sie waren auch dem deutschen Volk zugänglich geworden durch die Uebersezung von Heinrich 3teinhöwel, dem aucb als Chronikenschreiber be- rümten Stadt- Arzt von Ulm. Die erste Ausgabe des Textes war Phrigj Aesopi philosophi moralitas e greco in latinum traducta Rom 1473 4^; als Aesopus moralisatus (in Distichen) cum bono commento seit 1489 4^; mit Holzschnitten und Seb. Brants Fabeln Esopi appologi sive mythologi c. quibusd. carminum et fabular. addi- tionibus 3eb. Brant Basel 1501 fol. Steinhöwel hatte seine lateinisch -deutsche mit Holzschnitten verzierte Ausgabe bei Job. Zeiner in Ulm (der schon 1473 die ,tütsche Gronica^ gedruckt) schon vor 1480 erscheinen lassen und zwar Aesops Fabeln ^vß latein' (nemlich des Remicius und Romnlus) ,schlecht vnd ver- stentlich getütschet', beigefügt ,auch etlich ander fabeln als Aviani, auch Doligami, Adelfonsi (d. h. des Petrus Alf onsi) vnd etlicher schimpfiEreden Pogii (facetiae des Poggio), auch die histori Sigesmunde der tochter des fürsten Tancredi vnd des jAnglings Gwiscardi^ ; vermert mit Seb. Brants Fabeln und Ezem- peln Strassburg 1508 foi. (Gödeke § 114, 4 fügt der Ausgabe ein? bei). Freiburg im Breisgau 1535. 4^ u. ö. Der Cistercienser Alanus ab Insulis (aus Lille oder Ryssel in Flandern, gest. 1203 in England) hatte Sprichwörter und Sitten- sprüche in elegischem Versmass geschrieben, welche als Doctri- nale altura oder liber parabolarum metrice conscriptos, auch als Proverbia nicht bloss fHlhe gedruckt und coromentirt, son- dern auch am Ende des 15. Jarhunderts ins Deutsche und ins Franzosische übertragen wurden. Die Sprüche des Dionysius Cato ,de moribus ad filium' aus dem 3. oder 4. Jarhundart waren seit Karl dem Grossen ein beliebtes Schulbuch, von dem es frühe angelsächsische Paraphrasen, wie englische, französische und deutsche Bearbeitungen (als ^Meister Catos Rath') gab, vergl. Schlosser, Vincenz von Beauvais S. 181 und Zarncke, der deutsche Cato. Sebastian Brant hatte, nachdem er die Thesmophagia (Phagifacetus) Basel 1490 und den (in Leoninen abgefassten) Facetus Basel 1496 lateinisch und deutsch herausgegeben, auch 1) Ueber die Fabel-Litteratur vergl. Oesterlen, Steinhöwcls Aesop. Publ. 117 des Liter. Vereins 1874. Das moralische Interesse neben der kriegerischen Neigung unserer Yorfaren zeigt sich deutlich in der Auswal der alten Schriftstellen, welche man zuerst und schon ser frühe verdeutschte, nemlich: Aesop, Boethius, Vegez und Frontin. Es wäre eine interessante Aufgabe, nach diesem schon von Degen berürten Ge- sichtspunkte die Aufeinanderfolge der Uebersezungen aus dem Lat und Griech. im Zusammenhang mit der deutschen Culturgeschiohte zu be- trachten. 74 des Aeneas Sylvias (poeta lanreatos imperialisqlie secret, als Papst Pius II.; Epistplae familiäres 1478 bei Job. Koelboeff de labeck, Coloniae incola), des Gasparinus (f 1431, Sobüler des JobanDes von Ravenna, berumt als Erklärer and NaoBamer Ciceros) und Anderer (darunter besonders Franc. P bilelf us, Filelfo, f I48I9 Sobüler des Oasparinus; seine Episteln in Venedig, Basel, Strass- barg, Deventer etc. gedrnokt) oder ,sanst icbzit anders*. üp Nördlingen hatte man in der Scbalordnang von 1512 für die oberste Klasse die ^Epistolas Enee Silvy oder der- gleichen' empfolen and den Virgil wegfallen lassen; man er- klärte ausdrücklich ,der Schalmeister soll die hohen poeten meiden vnnd den hoben Schalen empfehlen'. Logik. Disputationen In der obersten Klasse war, wenn das Doctrinale Alexandri vollständig absolvirt d. h. auswendig gelernt worden, eine Lection für die Logik bestimmt, wobei man als Lerbuch den ,Parvulos logicae' oder ,Petras Hispanus' zu Grunde legte. Dieses aas Psellus geschöpfte und viel commentirte Compendium wird naoh einer bestrittenen üeberlieferung dem in Lissabon gebornen Domini- kaner Petras, der als Papst Johannes XXI 1277 gestorben, ge- wönlich zugeschrieben; zuerst als ,Summulae logicales' Köln 1487 4^ erschienen; auch die ,Parva logicalia'. In der Nördlinger Schale war jedoch der Text mer als das Gomment ins Auge gefasst und es genügte, wenn die Schüler die ,prinzipien vnd regel^ begriffen hatten und in den Disput! rübungen die erlernten logischen Künste handhaben konnten. Diese Disputirübungen fielen, nach der Ordnung von 1512, die wir in unserer Darstellung zu Grunde legen, auf Samstag Nachmittag (früher auf Freitag Nachmittag) und zwar wurde ,solcher Actus alle acht tag, vierzehn tag oder drey Wochen un- gefarlich verlangt*. Diese Uebungen wurden in Nördlingen schon seit 1499 gehalten (vgl. Beyschlag II 29); wärend sie in der Nürnberger Schulordnung nicht erwänt werden, finden sie sich in einer Ulm er Schulordnung aus diesen Zeiten als ,was news das vor nit gesin sunder zu gut den schuler vffgesetzt vnnd geordnet durch den jetzigen mgrum. Und geschah sollch Disputatz alle ganz Wochen jj vnd jjj malen im Sommer nach der schule vnd werte unz funfen im gegensin des magister der jetz da, jetz dort uff merkte*. Man disputirte in drei Abteilungen. ,An einem Ort arguirten die Logici in Logica vnnd physica wider die quesUones vnnd sophismata den respondentibus des tags davor bevolhen, der president war der Provisor. An einem an- dern Ort disputirten die mittleren schaler in Grammatica, der 76 Schluss eine kleine Liedersammlung für Schule und Kirche. Die (davon verschiedenen) Hymnen waren nach Beyschlag III 11 auch besonders gesammelt und zum Gebrauch der Schulen mit Spracfa- und Sachanmerkungen versehen. Neben dem lateinischen hymm« rium und sequentiale (Sammlung von Sequenzen und Prosen) finden sich schon am Ende des 16. Jarhunderts auch Uebersezungen vergl. über ,die siben zyten etc.' (horae canonicae) um 1470 und ,ettlich tewtsch ymni' Heidelberg 1494 4^ Gödeke's Grundnss S. 147 und Panzer Annalen S. 211 und Znsäze S. 76. Altdentsches Liederbuch, Volkslieder der Deutschen nach Wort und Weise ans dem 12. bis zum 17. Jarhundert von F. M.Böhme. Leipzig, Breil* köpf und Härtel 1877. Die üebung im Gesang geschah nach der vom Benedictiiier Guido von Arezzo (11. Jarhundert) eingefürten Tonleiter, deren 6 Töne er mit «/, re, m», /a, sol, la bezeichnete: die unsem dia* tonischen Tönen c, d, e, f, g, a entsprechen; zu dem Hexachord oder Reihe von 6 Tönen kam später zur Ausfüllung der Getane (für unser h) noch die Silbe si. Die Benennung dieser Uebung in der Tonleiter oder ,Sol- misation' (Du Gange: solmifacio = cantandi per notulas ratio; solficare, solvisare = musicales notulas canere; ital. solfa = scala) wie der Tonsilben ist hergenommen von den Anfangssilben der Halbverse einer an Johannes den Täufer, als Schnzpatron der Sänger, gegen Heiserkeit gerichteten Hymne: Ut queant laxis i^^sonare fibris Jtftra gestorum Famuli tuorum SohQ polluti Xabii reatum iSancte Johannes. Es gab auch noch zwei Denkverse für die Schüler: 1 Cur adhibes tristi nnmoros canturoque labori? Ut -Rclevet ilfiserum Faiyxm Äofitosque Zabores. 2 Corde Deum et fidibus gemituque alto benedicam, Ut re mi /inciat «oZvere ^bra sihi. Die clericale Solmisation, das Sol mi und Xo, deutete der Volk9- wiz, der sich gern die Fremdwörter in seiner Weise verdeutscht, freilich etwas anders aus. Franck, Sprichwörter II 46a : Also klingen der betlerglocken, S. Valentini, Anthoni etc. botschaft, ein tertz von einander gestimpt, Sol sol, mir mir, Sol sol, mir mir. Franck kannte von Werd aus Benedictiner und Teutsch- herren^); in Nördlingen lernte er ausser denBarfüssern(Fran- (Frater Viius) Bild. 1508. Gleichfalls mit Noten. Von Cochläus erschien zu gleicher Zeit: De musica actiua. Colon. 1507 und Tetra- chordum musicae. Nor. 1512 49 u. ö. 1) Ueber diesen von seiner ersten Einsezung weit abgekom* 78 der Nördlinger Schale hat er sich wol mühsam und kümmerlieh durchschlagen müssen. Dass er den Gegensaz von Armut vnd Reichtum, die beiderseitigen Gefaren, Schäden und Schattenseiten in langer Erfarung gründlich erkannt, zeigen seine Schriftra an vielen Stellen, die Chronik 1531, das Weltbach 1534, die Panr doxa 1534, das verschlossen Bach 1539 und insbesondere ' die Sammlung der Sprichwörter 1541 ^ ein Gedankenschaz aus dsm eigenen Leben und dem Munde des Volks für das Leben und eigene Verhalten. Mit besonderer Liebe preist er den Segen der ,fr61ichen armutS das Glück der harten Schule des Lebens für die Entwicklung von Geist, Gemüt und Charakter, wenn das Menschen- herz einen edlen Kern hat. Wie Freidank singt: ,Fr51ich armit ist ricbheit ane gat^ so rümt auch Franck den Spruch £pioiir*s Chronik Bl. 93a ,ein frftlich armfit ist ein erbar ding* und Spr. I 116b: Arm&t ist ein ehrlich fröhlich ding^). Arm&t ist nit arm&i, sie sei dann frftlich. I 37b: Armut vnd hunger hat vil gelerter junger. .1 39a: Armut studiert, Reichtumb jubiliert. Die arm&t ist aller künst stieffm&tter. Er sezt den Reichen die ,weder gataen noch eyer legen künden* (I 159b, II 113b, 158a) gegenüber ,die sinnreich selig armut' als ,(ler reichtumb^) zung, bandt, aug vnd f&ß'. ,DiBe &mpter muß ir der arm lahm Plutus mit gelt') abkauffen vnd durch einn tausch der armfit jr gab mit seiner vergleichen. Damit geschichts dz sie (die Armen) dadurch weiss (werden) vnd die müssigen vnuersuchten polstersiechen sessel sitzende reichen nicht leren (= nihil discuut) dann zwen schenokel vber ein pferd schlagen, im bret spilen oder der stnben, wein- krausen hüten ^), vnd mord vber das arm vnschuldig, ghen singender Carrendeschüler, , Partekenliebe' = eine cigennüzige L., ,Par- tekenfresser' als Bezeichnung des M&usekönigs bei RoUenbageti. Vergl. Birlingers Wörterbüchl. z. Volkst. 1862 S. 16: parte msk nahen, vom Rufe an den Häusern: partem, spartem! „'s päd'm^* Ulni. 1) Aesopus moral. 12 extr. Paupertas si Iota venit tutissima res est. Claudian. de rapt. Pros. 881: ingeniosa vias paulatim exploret eges- las utque artes pariat sollertia, nutriat usus! 2) Bei F. weiblich: die reichtumb kann weder gatzen noch eyer legen, II 113 auch als Merzal: Rechte reichtumb kamen nie vmb, 1 117b: Reichtumb seind doli vnd thom, 1 159b : Reichtumb haben Adlers federn, sie lassen sich nit bannen. 3) Franck hat in Erasmi Adagiorum opus, Basel 1583 p. 167 die Stelle vom ,blinden' Plutus aus Aristophanes, vom ^blinden u. lahmen' aus Lucians Timon gelesen; was er vom Verhältnis des Reichtums zur Armut sagt, weiss er offenbar aus eigener Leetüre von Aristo phanes' Plutus (v. 519 JlkvCai Jlo&iv oiv Hug ^eganovias ] X^efAviog: tovriao- /uc^' agyvQÜiv Jrjnov), der griechisch 1517 in Hagenau vou Pet. Mosellan und 1528 ebendas. mit Scholien von Melanchthon edirt worden und griech.-lat. von Thomas Venatorius in Nürnberg bei Petrejus 1681 erschienen war. 4) Die Krause, mhd. kruse, das orüselin eine Art (Deckel-) Kmg, 80 ausflerdem Ton dem Bnrsgeld für den Ghorgesang nnter die ge- sammten armen Schüler auf Martini 6 Pfund, auf Nativitatis 4 Pfund Heller zu verteilen. Rector der Schule war Meister Joh. Zilger^seit 1505 — 16, worauf Meister Bastian Schid im im Amte folgte, der dem Rat ao wol gefiel, dass er 1519 im und seinen Kindern das Bürgerrecht schenkte. Dass Zilger kein Schulmeister ,yon Gottes Gnaden^, son- dern faul und gewinnsüchtig war, zeigen die Manungen des Rates, so schon 1 505 : ,der Schulmeister soll stattlich Locaten halten vnd den Befehl thun Vleis fürzn wendend 1506: ,er soll den Enahen von den Vigilien ihr gepflrend gellt, das er ihnen hisher nit hab folgen lassen, angedeihen lassend Wenn auch das Unterrichts- monopol des Rectors durch einen Ratsverlass 1512 bekräftigt und dem ,Maister Sebastian, Schreiber', der eine deutsche Schule fftr Schreiben und Rechnen hielt, die Concurrenz gelegt und der PHTafr- Dnterricht in Latein und Musik verboten wurde, so muste dodi 1514 der Rat im wieder entbieten lassen: ,da8S er sich hinfüro der Schulordnung bas den bisher bevleiß auch nit mer arme Knaben hielt, denn im die Ordnung zuließt Die .erlaubte Zal aus* wärtiger, armer Schüler sollte nemlich nicht 40 überschreiten. Der Vorteil des Rectors von irer verstärkten Anzal bestand, nach Beyschlags Vermutung 11 21, one Zweifel (?) wol in der £inname des Gurrentgesangs^), von dem sie, die kein Quartalgeld dem Reotor zu zalen hatten, dem Rector etwas abgeben mussten. Der Rector hatte ein gutes Mittel , sein Jareseinkommen (d. h. ,Sold aus der Stadtlade', dazu Quartal- oder Schulgeld and Anteil an dem Bursgelde^) beträchtlich zu steigern, indem er fremde, auswärtige Schüler in Pension nam. Es lässt sich vermuten, dass ausser diesen reichen Kostgängern und Pensionären, die beim Rector wonten, auch wol arme Schüler, die im besonders empfolen 1) Ob auch in Süddeutschland der Currentgesang üblich gewesen. Lab ich nicht erforschen können. Die Litteratur über die seit dem Anfang des 14. Jarhand. aufgekommene Sitte, dass ein Verein armer Knaben vor den Türen fromme Lieder sang und sich so durch milde Gaben die Mittel zum Studium erwarb (wie Luther von sich bekennt: ,Ich bin auch ein solcher Partekenhengst gewesen und habe das Brot für den Iläusern genommen* oder, mit Mathesius zu reden, »sein Panem propter Deum geschryen*) war mir leider nicht zugänglich. Dr. Wilisch, oratio de prima Currendae et chori syrophouiaci institu- tione, Dresden 1735 8^ Chr. O. Stemler, Abb. a. d. Kircheng. v. d. Gurrende u. denen Currendanern. Leipz. 1765 8^. Schaarschmidt, Oesoh. d. Gurrende. Leipz. 1807. 2) Bursgeld (das Wort ist bei Beyschlag nicht erklärt, feit auoh in Grirom's Wb.) war das Einkommen aus den Fuudationen oder Stif- tungen. Die Schulordnung bestimmte dass ausser dem Stadtpfarror auch der Rector als yBursgeselle' zu der Bursrechnung solle berufen werden und dabei sein und ,zugleich ain purssnersoU helfen welen*. Beyschlag 11 17. 82 Der BeanuB^). Die christlichen Heiden Wenn Hagen III 316 den «Hamanismus* unsers Franck rümt und meint^ dass Franck nicht nur fast alle damals bekannten Alten aus iren eigenen Schriften kennen gelernt, sondern auch den Humanisten seiner Zeit (Erasmus, Pirckheimer^ Hütten, Reuchlin u. a.) bedeutende Aufmerksamkeit geschenkt, so bedacf die erste Behauptung einer grossen Einschränkung, die zweite fordert den Hinweis auf die Bedeutung und den Einfluss.der italienischen Humanisten fQr Deutschland, insbesondere für Heidelberg. Die Lateinschule hatte im von den eigentlichen ,Klassikem'y an die man heutzutage denkt, wie wir sahen, wenig geboten; ob und wie das Klosterstudium in Heidelbe^rg die Kenntnis der antiken Litteratur und Cultur fDrderte, wird aus dem folgen- den Abschnitt erhellen. Wer damals die Hochschule, Studium universale oder generale, academia, gymnasium oder auch universitas*) besuchen wollte, bedurfte noch keiner 1) Beanus ist unser ,Abiturient' oder auch ,Fuch8' d. h. anhe- bender, eben immatricalirter Student, von bejaune = bec-jaune == (Gelb- schnabel; die Ausdeutung als Acrostichon: Beanus Est Animal Nesoi- ensVitam Studiosorum ist eine wisige Definition nach mittelalterlicher Weise. Die ,Fuch8taufe* der Studenten ist ein schwaches Nachbild der rohen ,Depositio comuum' oder Beania, die, wie aus Gregor von Na- zianz erhellt, schon auf der Universität Athen stattfand und von Justi- nian wie von der Synode im Trullus zu Gonstantinopel, Canon 71 verboten war. YgL in Zarnckes Deutsche Universitäten im Mittelalter das Ma- nuale Sa>larium c. 2 und die Note S. 227. In Diefifenbachs Glossar, wird beanus erläutert L e. leoator [Bube, Ruffianer], gall. L scho- lasticns trivialis, ethrusc. i. barbarus, banausus, ain bean, bachant, sohelm, grobianus, grober esel; ochß, puffel, tulpel. Der Beanus (nach der Deposition pennalis, von pennale, Federbüchse) galt als ,pecu8 campi, oui ut rite ad publicas lectiones praepararetur, comua depo- nenda essent. Die bei der Deposition benuzten Instrumente werden in folgenden Denkversen aufgezält: Serra, dolabra, bidens, dens, olava, novacula, pecten, Cum terebra comus, cum lima malleus, inous Rastraque cum rostris, cum furca et forcipe forpex. Für die Depositions-Ceremonien war selbst Luther, der für sie ein latein. Lied gedichtet; vergl. Andr. Wilh. Gramer fünf kleine Schriften 1S32 und Meyer Studentioa Leipz. 1867 S. 48. Hautz, Heidelberg 1 85, gibt eine reiche Litteratur darüber an. In Grimms Wörterb. ist die Stu- dentenbezeiohnunp^ ,Faohs' vom weidmannischen ,einen Fuchs prellen' hergeleitet, richtiger ist es dieselbe als ^ine Corruption von Feix, Feux^zu betrachten mit Karl Seifart, Altdeutscher Studentenspiegel Bremen 1866 S. 48; vergl. auch Grimm über die Grundbedeutung von ,F&ohs< und ,Feix^ In den Acten der Kölner Artistenfacultät nnden sich Bestimmungen gegen die rohen «tnbulationes et vexationes novi- oiorum apud äsnum' d. h. unfreiwillige Bäder und Taufen. 2) universitas ursprünglich ea commune = Gemeine, also mvam u Philosophen und Poeten der Heiden, wie bei den Aposteln Christi und den Kirchen-, Vätern* schien im im Grunde derselbe Gottes- begriff zu sein. Gott ist nicht nur ,das unsichtbare selbständige Gut*, sondern auch die weltdurchdringende Kraft, die ,in allen alienthalb und doch nindert (nirgend)^, die ,in, ob (über), anter, ausser allen Dingen ist', ,wie aller Dinge Wesen, also auch ir Leben und BewegungS wie Paulus aus Arato citiert t in im leben, weben vnd seind wir, wir seind seiner Art; daher die ^Heiden' so gnt wie die jVäter' ain mächtig Zeugnis geben der ,UntÖdtlicheit der Seelen'. Gott hat seinen jGegenschein d. i. sein Ebenbild in uns gepflanzt als einen Spiegel, auf dass wir ihn doch im selben er- sehen, wie er sich dann selbst darin eraieht'; daher das ,S ebnen nach der rechten Erkenntnus Gottes, durch die Erregung des Eben- bildes — und Sohnes Gottes in uns, welcher von Anbe^nn in den Herzen, auch der gläubigen Heiden, im Geheimnus ver- borgen, gewirkt hat.' Leitet Cicero das Wort religio als ,Ge- wissenhaftigkeit , scheue Aengstlichkeit' von relegere, Lact ans als ,Verbindlichkeit, Gebnndensein' von religare, so fasst Franck die Religion tiefer als Hingabe an das Ewige, als Anhänge lichkeit an Gott, als Ergebung in Gott, welche die Selbst- verleugnung (abnegatio sui) voraussezt und die Nachfolge Christi fordert, in welcher der Mensch sich durch ,Kreuz, Trübsal, Not und Leiden' von dem UngöttlichiBn befreit und scheidet, indem er im Denken den Eigensinn und Dünkel, im Herzen den Eigenwillen und Eigennuz verbannt ; dass wir alle ,vanitet, finsternuß vnd irr- thum zfiruck werffen, vnd dargegen Gott erkennen, dienen,, vnd dem zeytlichen leben widersagen, vnd vns der gerechtigkait er-^ geben, zum dienst Gottes, auss dem wir geporen werden, zu allem gntten, daher auch religio das man Gottsdienst verteutscht (so definiert die Summa von Thomas Aquinas 2a 2ae qu. 81 religio = cultus Dei)^), aber aygentUch ein Vergebung^) deüt, da der mensch nit mer sein selbst ist, sondern ainem andern ergeben, also 1) Die Religion der Alten war wesentlich itioiieufiovCa (Furcht vor den Schrecken und Wundern der Natur, Cic. Nat D. 2, 5 sq. Sext. Empir. 9, 24; primus in orbe deos fecit tiraor Petron. fragm. 22, 1. Stat. Theb. 8, 661) = religio quae in metu et ceremonia deorum est (Cic. de invent. 2, 22, 66), quae superioris cuiusdam naturae (quam di- vinam vocant) curam ceremoniamque affert (2, 58, 161). Sp r i ch w. II 148. 2) Bei Franck ist »Vergebung* = (freiwillige) Hingabe. VergL Grimms Wb.: ,er geben = der sich gefangen und zu eigen gab; eigentlich in des Herrn Gewalt und Macht gegeben, (ursprünglich) starker als hörig und gehorsam^ Die Stelle, auf welche sich Franck bezieht, in Lactant. Instit. 4, 28 apparet nuUam aliam spem vitae homini esse propositam nisi ut abiectis vanitatibus et errore miserabili Deum cognoscat et Deo serviat; nisi huic tempörali renun- tiet vitae ac so rudimentis iustitiae ad cultum verae religionis in- stituat: hac enim conditione gignimur, ut generanti nos Deo iusta et debita obsequia praebeamus, huno solum noverimus, hunc seqoamor. 85 die Christen Gott/ Darnach hehanptete Franck später gestüzt auf die yZeugnuss der balligen schrifft, der Hayden, alten lerem vnd v&ttern' dass ,Gott das ainig ain, ynd höchstes gut, sein almechtigs, wars, lehendigs wort — , Christus, der New mensch, vnn des weybs Som, neben der schlangen somen, in aller men- schen herlä sey, Aber zur seligkait nit gnug, wir seyen dann auch widemrob in 6ot, Christo, vnd seinem Reich, wie sy in vnns. Item das wort, Christus, der new mensch, werde dann in vnns wie empfunden vnd empfangen, also geboren,' gewißt, gelesen, gebraucht, vnn angelegt^ Zu solchen freien und künen Anschauungen hatten sich in dem Manne die beiden Sentenzen aus der Schulzeit entwickelt. Aus ir stammten auch die Sprüche: ,Nemo sibi nascitnr' (Sprichw. II 57ar) und ,Homo homini deus'. Das Kind eines reichsstädti- schen Oemeinwesens musste als ^mv nohnxov leicht zu der Gesinnung kommen, welche (Pseudo-) Piatos Brief an Archytas ((Sc. Fin. 2, 14, 45) ausspricht: homo non sibi se soli natum meminerit, sed patriae, sed suis, ut perexigua pars ipsi relinqna- tor, oder kürzer: non nobis solum nati sumus (OfiP. 1, 7, 5). In dieser Gesinnung wurzelte Francks Schriftstellerei, wie er in sei- nem Ckrmaniae chronicon 1538 Bl. 296a sagt : ,der leser neme mein dienst vnd fleiss für gfit an, so bin ich zalt vnd rewet mich die arbeit nit, dann weil kein mensch jm selbs geporen sein sol, sonder ie einer dem andern leben sol, hab ich mit dissem dem gmeynen nutz w511en dienen, vnd ja an den baw dess gmeynen nutz disse meine stain wollen tragen, wer mehr hat vnd baß kau, der geh mehr vnd th& baß^ Ebenso im Weltb. 1534 Bl. 163b: damit ich mir selbs nit alleyn leb vnd geboren sey. Sprichw. II 57: Nemo sibi nascitur Der bäum tregt jm selbs kein Apffel Das schaf tregt jm selbs kein wolle Niemand sol jm selbs leben. Die Sprichwörter wollen, dass wie der bäum, vnd alle Crea- toren, zu dienst des nechsten erschaffen, jr selbs allein nit nütz sei, sonder nach art der lieb anderen. Also ist alle tu gen t suff den nechsten gericht, vor Got jr selbs gröster Ion, vor der weit jr selbs gr5ster schad, dann nach art der lieb, so sich selbs nit suchet, verzert sich in diensten der lieb, scherpfft Hoc vincalo pietatis obstricti Deo et religati sumus, unde ipsa reli- So nomen accepit, non, ut Cicero interpretatus est. a relegendo (Nat. eor. 2, 28). Franck folgt der Definition des Marsilius Ficinus (Plato, Florenz 1488 — 84 : Argumentum in Euthyphronem vel de sancto) : nos ipsos relegendo religantes Deo religiosi sumus und Augustin s Betract. 1, 18 uni Deo religantes animas nostras, unde religio dicta creditur. 86 vnd verzert alle ding, geht dronder bin vnd kompt vmb jr leben, glück vnd heyl auff erd, nur dass sie vor Got lebe ewig. Franck, welcher in seinem Lebensgange wol den ^on der Welt* zu erfaren hatte und den Sprach ,Homo homini Inpos^ (Plant. Asin. 2; 4, 88) genug bestätigt fand, gibt Sprichw. II lÖa su: ,Ein mensch ist des andern wolff, Tenffel, oder hagel worden^ fl> aber hinzu: ,E8 solt ein mensch des andern gott sein^ In der Chronik Bl. 93a malt er den Sprach Epikurs bei Wal- therBuriey ,satis magnum alter alteri theatrum sumus' mit den schönen Worten aus : ,einer sol des andern fäßtrit^} tantz- haufi, pallast, oder rosengart sein*. FWeinkauff Nachtrag zu Seite 64, Anmerkung 1 Schul recht. Franck, Weltbach Bl. 177a: In mitte dises Tempels (8 alomonis) ist ein felß rings vmbg&ttert mit eisinen g&tter, z& dem kein Sarracen sich n&het, sunder von weitem an- bett, wann sy gleich von ferren landen anzfibetten wallend kum- men. — — Item sy glauben das auff disen stein Christus Jesus nach xl tagen seiner geburt geopffert, vnd von Simeon in sein arm entpfongen worden. Item Jesus hat xij i&rig, als er vnwisssend seiner m&tter, zu Hierusalem- blib, auff disem felsen gelert, vnd sein erst schäl recht thon, darumb sy dann mit grosser rea&- rentz dise statt eeren, mer dann die vermeynten Christen das Sa- crameot des altars. FWeinkauff 1) Bedeutet entweder vestigiam = wegzeigender Fusstapfen, oder gradus = Stufe, Staffel, um emporsteigen, oder scabellum =& FuBsbank, Schemel, um darauf ruhen zu können. Der Spruch: av&Qto- nog ttv&gcjnov daiftoviov (= S-eogj denn erst im neuen Testament iat es = böser Geist) steht in Michael Apostolius (1453 aus Constantinopel fluchtig) Paroemiae, Cent, in 53. Plinius N. H. 2, 5 definiert: Deus est mortali mortalem iuvare et haec ad aeternam gloriam via. Symmachus Epp. 9, 114: Beete Caecili US [Statius] comicus (f 168 v.Chr., Menan- ders ^Nacbamer) Homo, inquit, homini deus est, si suum offi- cium sciat. Die hochmütige Bemerkung Epikurs in einem Brief an einen Gesinnungsgenossen und Philosophen (Seneca Epp. 7 fin.): Haec ego non multis, sed tibi: satis enim magnum alter alteri theatrum (s=s Publikum) sumus, hat Franck in menschenfreundlichem Sinne omge- wandelt. 88 vorhin wol erdorret ist, alsdann brinnt und flackert es geschwind dahin u. s. w. 99a. Wie der P£ftw, so er die federn ansieht, hoffertig wirt, so- bald er d'füess beschauet die federen niderlässt, also lasst der Mensch von der hoffart ab, wann er sein end betrachtet. 100b. Die Liebe ist Mets Unruw, wie man sagt, sie geht nimmer mOssig. 106b. Man spricht sonst gmeinlioh, die zeit füre uns alle hindurch. Das ut nichts. Mit der zeit £aren wir zwar all darvon, aber die zeit ist nit der rechte fnrmann. 107a. AB 2 Ofenkachelsprfiche aus Deckenpfromi Aus der Hafherwerkstätte von Röder in Neubulaoh hervorgegangen Vor Drachen uns bewahre Gott Und trage uns in aller Noth. Geduldig ist das Läknmelein, Das Licht gibt einen hellen Schein. Gebratne Hasen sind nicht bös, Der Hammer gibt gar harte Stöss. Glück und Glas — Wie bald bricht das! Ein Affe gar possierlich ist, Zumal wenn er vom Apfel frisst. Der Dachs im Loche beisst den Hund, Soldaten macht der Degen kund. Das Fleisch der G&nse schmecket wohl, Die Gabel es zerlegen solL Der Jude arme Leute schind't, Das Jägerhom im Walde klingt. Die schlaue Katze frisst di^ Maus, Der Kamm herunter bringt die L&us. Stolze Frauen — Gleichen diesen Pfauen. Kamele tragen grosse Last, Ein Kränzlein ziert den Hochzeitsgast. Der Raben Lied ist grab grab grab. Vom Rettich man den Koth schaübt ab. Der Vogelsteller früh aufsteht. Er fragt nicht, ob die Uhr recht geht. Xanthippe war eine arge Hur, X mal X macht hundert nur. 1) Vergl. Alem. IV 24A ff. 90 Josna Ulsheimers Reisen nach America* und Beschreibung des Landes Andreas Josua Ulsheimer ') (Ulßheimer, ülßhaimer), Son dnes Geistlichen in Gerstetten im Wirtembergischen Amte Heidenheim, erlernte in Ulm die Ghimrgie^ machte daraaf als Feldchimrg bei schwäbischen Regimentern 1596 und 97 die Feldzüge gegen die Türken in Ungarn mit, reiste 1598 mit einem jungem Bmder nach Italien und trat in Livomo als Wandarzt bei den Orossher- zoglichen Truppen ein, aber schon Anfang 1599 begab er sich auf ein Friesisches Schiff und machte auf diesem eine Fart durch das Mittelländische Meer über Zante, Greta nach dem AtlantLschen Ocean und Holland. Alsdann for er auf Holländischen Schiffen viermal nach Central- und Süd-America (1599—1603), 1603—4 auf einem Schiffe der Genuesischen Corapagnie nach Guinea, trat im December auf einem Schiffe der Holländisch-Ostindischen Gom- pagnie ein und machte eine Fart nach Ostindien mit, von welcher er im Oktober 1609 nach Amsterdam zurückkerte. Ulsheimers Reisen auf Niederländischen Schiffen fallen in die Zeit, als Philipp n. nach der Eroberung Portugals den Handel der abgefallenen Staten zu vernichten und inen den indischen Markt zu verlegen bemüht war. Interessant ist es, in den Berichten Ulsheimers zu verfolgen, wie trozdem die künen Seefarer ire altgewonten Handelswege ver- folgten und sich selbst aus den Golonien des feindlichen Landes und deren Machtbereich nicht g^nz verdrängen Hessen, femer wie dieselben stets darauf gerüstet sein musten, selbst gegen eine Uebermacht den Kampf aufzunemen. Ulsh. entschloss sich 1609 in der Heimat eine Stelle zu suchen, und begab sich zunächst za seinem Bruder Sebastian^ der damals deutscher Schulmeister zu Schorndorf war, von da nach wenig Tagen zu einem jüngeren Bruder Johann Cornelius^ Forstknecht auf Grafeneck. Auf dea lezteren Bat vermalte er sich mit Anna Hosch, der Tochter des früheren Forstknechts auf Grafeneck Johann Hosch und liess sich 1) Prof. Hartmann berichtet, dass der Name Ulsheimer in den Gerstetter Kirchenbüchern nicht vorhanden sei; dieselben fangen erst a. 1607 an. Ich aber finde in meinen Büchern, dass Jakob Ulshei- mer (Ultzamer) von Münsingen a. 15*66 Stadtpfarrer inHornberg war. Jakob U. von Hornberg ist 1568 CoUaborator in Markgröningeu, 1571 zweiter Diaconus in Schorndorf, noch nachweisbar bis 1608 ff. Das Bach „Sammlung aller Magisterpromotionen welche zu Tübingen von Anno 1477 — 1755 geschehen u. s. w. von Johann Niool. StoU, Stattg. 1756" fürt 3 Ulsheimer ans dem 17. und 18. Jarh. auf, zwei aus Feibach- Ganstatt, beim dritten ist die Heimat nicht angegeben. Die Taofiiamen sind Alexander Friedrich, Johann Georg, Johimn Jakob. AB 92 üngerischen AUenburg^) gezogen, da wier zusammen kbommeni aber unß nit lang gesaamet, sondern uff Waytzen und von danen weiter uf Hartwang (welches wier nngevahr den 18. tag nach der belegerung mit einem stürm, der nabendt in die 8 stundt lang gewehrt, gegen abendt eingenommen und erobert, darinen auch außerhalb etlicher fumemmer Weibs und Manßpersonen fast alles, auch schwangere und seügende weiber wie nicht weniger die kin- der nidergehawen und geschlagen, also weder jung noch alts vei^* schonet haben). Von dißem solt man aber weitter auf Erkm^) gezogen sein, in meinung selbige Vestung zu entsetzen. Es hat aber der Türckb solche Vestung, ehe wüer dahinkhommen, und nach dem die Christen darinen (wie. man gesagt) über die 50 Stürm außgestanden, erobert, und ist darauf unß entgegen gezogen, wier haben in aber in einer veldtschlacht, angesehen der Türckhische Kayßer selber im läger geweßen, in die flucht geschlagen, alß er sich aber wider umbgewendet, und die unßern, so gar ging auf das Beütten geweßen, in keiner rechten Ordnung mehr geweßt^ hat er unß (wie wohl dannocht der Türckhen noch vilmehr omb- khommen) schier gar uf das haupt geschlagen, also das wier alles verlaßen und unß allein mit der flucht sal vieren mießen, da dan der krieg selbigen jahrs biß auf das künfftige eingestelt worden. Folgt der ander Zug, Alß wier nun in Anno 596 unß aas bemelter flacht zu üngerischen Hamburg wider geliamlet, und unß daselbsten abgedanckht worden, bin ich dem Wirtemberger landt und Marckht Gerstetten im Haidenheimer Ampt alß meiner heimet zugezogen, von danen ich mich widerumben gesellenweiße nacher Ulm zu meinem lehrmeister begeben, aber nicht gebliben. Dann so bald der winter fürüber gweßt, hat man gleich umb Faßnacht Anno 1597 wider umbgeschlagen ') und wider den Erbfeind den Türckhen Knecht geworben, da ich mich abermal under vorigen Obersten Johann Friderich von Mörspurg under des Schwäbischen Kraißes geworbene Regiment schreiben laißen, und seind wier in der Fasten bey Ginttiburg gemustert worden, wie wier auch von danen auß, und ich under meinem vorigen Hauptman, Joachim Berchtoldenj \if[ der Tonaw biß in Ungenv gefahren, da wier zeit- lich zu Alienburg und Wißelburg in das aufgerichte Läger khom- men, seind aber erst im Monat lulio, alß kurtz zuvor ErtzhertzQg Maximilianus, verordneter General oder Veldobrister, zu Üngeri- schen Altenburg angelanget, von danen aufgebrochen, und mit gantzem häufen oder beer auf Papa gezogen, welche statt wier bald nach der belägerung mit stürmender handt erobert und ein- 1) Ungarisch Altenburg an der Leitha in der Gespanschaft Wieselbarg. Hartwang ist Hatvan östlich von Waitzen. 2) Erlau an der Erlau in der Hevesch-Szolnoker Gespanschaft 3) Die Werbetrommel rüren, ad arma vooare tympano Frisch 11 191b. Im Kinderreim v. Schwedenkrieg „der Kaiser schlagt um u. s. w/' AB 94 Demnach zogen wüer im Nahmen Gottes mit einander auf gut glückh dahin, nnd erstlich uff Äugspurg^ von danen aoff Jfi^prtiU« und fürter durch Tirol auf Trento, von danen auf Dieterich^en^ nnd von da auß femer auf Ferrara. Zwischen Verona aber nnd Ferraira ist unß in ein Italianischen Fleckhen (deßen Nam zwar, weil ich der sprach noch unerfahren war, nicht mehr wißendi, aber nahe bej Ifola de lafcala gelegen) folgender boß (Streich) begegnet. In dem fleckhen saß ein fraw in eid^m kromladen, die sprechen wüer (und weil wier noch nicht welsch konten) uf gut teutsch umb ein zehrpfennig an, waß sie ihr eingebildet kan ich nicht wißen, sie huob ein jämerlich Mordgeschrey an nnd rüeffst ihrem Man, der kam zue band mit bloßer wehr über unß gelof- fen. Weil wier nun frembd und der sprach unkundig, auch zum widerstand zu wenig waren, gaben wüer zuverhüetung größerer gevahr verßengelt. Nichts desto weniger ist unß der Man alß hiß für das dorff hinauß nach geloffen, derohalben wier unß zur gegeo- wehr gestellet. Nun aber lif vil volckhs mit dem Man hernaohy und alß sie unß still stehen sehen, und ihrer andtwortten sahen, hielten sie den Man und fragten in erst, warnmb es zu thun were, der gab ftbr wie seine fraw ime geclagt, das wier ihren zu Unehren begert und Unzucht zugemutet betten, daran sie unß doch gants unrecht gethon. Dißes fürgeben hielt uns einer (der under inen zugeloffen und Teütsch kundt) für, demselben sagten wier das es nit wahr, und wier so hoch springendt nicht, sondern mat: mied: nnd hungerig seyen, auch für solche arbeit lieber eßen wolten, gestaltsam wie wier sie deßwegen umb ein steür angesprochen beten, zeigten also die warheit an, da ward darauß ein groß ge- lechter und unß solcher schimpff (Scherz) umb sovil zum besten, das unß etliche vermegenliche des zugeloflnen volckhs einen dm- liehen zehrpfennig gesteüret. Von Ferrara zogen wier weiter gegen Botwnien^), under- wegen aber nit weit von Ferrara kamen wier abendts gar spatt') auf einen hoff, da legt man uns in ein scheüren auf das heW| deßen waren wier so fro, das wier nicht nach eßen (welches wier ohne das noch nicht recht fordern kondten) fragten, über diß hat die einöde, nnd der nechst erzehlter schimpff, welcher unß noch new wäre, bey unß sovil verursacht, das wüer den leüten uf dem hoff nit trawten, sondern zogen die laitem, daran wier uf das hew gestigen, zu unß hinauf. Alß wier schier einschlaffen wol- ten, kam einer von dem gesund, der rüeffet, wier meinten, sie wurden unß plündern wollen, ließen unß derowegen nicht hören. Alß er aber vort rüeffet, wier auch sovil merckhten, daß er von Eßen und Trinckhen sagte, kroch ich allgemach herfÜr, da hatte er einen kruog mit wein und einen zimlicben (grossen) Newge- bachnen kuochen. 1) Bologna. 2) Wird heute noch so gesprochen. AB 96 nit fern von dem ortt da mein Braoder schiltwacht hielte. Dero- wegen er von stund an eingezogen worden, nnd weil ee bey der Gaileen verbotten, das keiner bey nacht unnötig schiefien eolte, bete er nnzweifel (wie es ime dan ge£rewt worden), wan er ein Italianer geweßt were, auf die (Jalleen mießen, weil er, Bber ein Teütscber geweßt, von dem Großhertzogen selbsten in Sonderheit angenommen, und dahin verordnet worden, hat man ee an den Großhertzogen nacher Florentz berichtet, welcher mein Braoder nit allein absolviert, und deßwegen das er ein fürsichtiger Teutsober Soldat gehandlet habe, gelobt und gerüehmt, sondern auch noch darzu gehn Florentz in sein Guardi genommen. Deß Morgens se- gelt wüer (unwißendt was solcher Lermen bedüten oder wie er endtstandten) in Gottes Nahmen vort, und hab ich wie mein Brao- der Cornelius an solchem Lermen schuldig geweßt, und wie ime dariber ergangen, erst von einem Balbierer in der Insel Zante über etlich zeit hernach erfahren. Albie muoß ich erzehlen, wie bemelter mein Braoder wide- rumb in das löbliche Hertzogthumb Württemberg sein Yatter- landt, und zu densten khommen, und ist also geschehen. Alß in Anno 601 hernach der Durchleüchtig und Hochg»- bome Fürst, und Herr, Herr Friderich herteog gtf WürUemberg und Teckhj Grave zu Mimpelgart und Herr zu Haydenhaim eto.^) bey dem Jubeljahr zu Rom geweßen, und im widerkheren auch nach Florente kommen, Daselbst Ihro f: D: des krauts Hüener" derm^) genant begerth, welches mein ßruoder (weil die Italianer 1) Herzog Friedrich I. von Wirtemberff 1593—1608. 2) Hünerdarm werden zwei verschiedene Pflanzen genannt^ nemlioh Anagallis arvensis (Gauchheil) und Alaine media. Meist ver- stet man die leztere darunter. So z. B. schon Bock, welcher in seinem Kräuterbuch (neue Ausgabe durch M. Sebiz, Strassburg 1680) S. 904 f. folgende Beschreibung cuivon gibt : „Ob wol Hflnerserb oder Hüner- darm dem Gauchheil mit den Bl&ttlein etwas ähnlich stehet, so irt es doch ein sonders. Diss aller gemeinst Kr&utlein findet man vber Jahr in allen Kraut vndWeing&rten, vnd je feisster die &ckervnd Wein- gärten, je feisster vnd freudiger auch grüner vud saffbiger das Kraat auff dem Grund sich l&gert vnd fladert. Seine Wurtzeln seind aller ding zasecht, als dünne H&rlein. Die stengelein rund, safftig, weich, vnd durch auss safitig, gewinnet kleine weisse Blümlein, zwischen den Bnrtzelechten bl&ttlein auff. beiden seitten der siengelein, darauss wer- den kleine beschlossene ffefesslein, nicht grüsser, dann der Meerhirsen, darinn findt man sehr Ideinen s&lfarben samen, kleiner dann der Schül- wurtz, der feilt auss, ist vber Jahr in allen gebawten G&rten zu findeOi grün, gleich wie die Creutzwurtz. Am gesohmak wie andere Kooh- kr&utter, zu allem Vihe dienstlich, vnd insonderheit zu den Distel- fincken, die haben jhre kurtzweil darmif Ueber die äusserliobe An- wendung des Krautes sagt Book S. 806: „Das Kraut Safft vnd Wasser mügen (wie der Burgel vnd Mawrpfeffer) zu allen hitzigen Wunden vnd Scläden erwühlet werden, damit gew&schen, bestrichen, oder auff* gelegt*' maßen diße insal kein giütiget Thier leidet, nngefahr ein viertel stund von besagtem hohen berg entsprengt unden an einem an- dern berg auß dem felßen herauß ein wasser, welches gleich nidit über zehen schrit lang von dem arsprnng sich gleich anßbraitety das es siben starckher mahlen zn nechst an einander treibt. Da wier in dißer insnl sonsten anch Greta genant bey siben Wochen lang verharet und deß kestlichen MuscateUers f€ein8 so darinen wechßet geladen, seind wier von danen umb ostem in be- sagtem 1599 Jahrs wider hinweg zwischen A£frica nnd Europa auf dem Mari Mediterraneo und alß wier zwischen Barbarien und Hispanien durch khommen auf dem Atlantischen Meer nacher Holr landt gesegelt, und dahin per Cantabricum und Britannicum Ocea- num umb Pfingstenzeit erstlich zu Dexel und darnach zu ÄmMeT' dam glückhlich angelanget, alda ich selbigen mals nit mehr alß vier wochenlang verbliben. Bas viertte Capittel von ülfzheimers andere Meerfart in Westindiam oder Americam septentrionalem. Umb S. Johannis Baptistae in Anno 1599 sein von Amster- dam zwej Schiff nacher Westindiam gefahren , dariber war Ad- miral Cornelius üanfzen von Amsterdam, sein Tochterman aber war Yice-Admiral, auff selbige begab ich mich, alß ein wundartzt, fuehren also in Gottes nammen in die Bezeig ist ein kleine insul uff achzehen meil von Amsterdam, alda wier des winds erwartet haben, Alß wier auß bemelter Dexel segleten, seind wier mit einem Sturm nacher Engellandt geworffen worden, und auff PleymuU kommen, alda wier acht tag gelegen seind. Da wier von danen schifeten khommen wier erstlich auff groß Canarien und d raffen alda ein Spanisch schiff an, das haben wier geblindert, und eim Barfdesser Münch, den wier darauf gefunden, die obren abge- schniten, darumb das er ein hollendisch Psalmenbüechlen bey sich hatte, und wir vermeinten und darfür hielten, es hete einer von denjenigen Hellender, welche von den Spaniern kurtz zuvor er- schlagen waren worden, zugehört, dan sie baten unelangst zuvor ein hollendisch schif gebundert, und damit einen gantzen tag zu- gebracht, welchen tag der Münch pompen hat mießen. Von groß Canarien seind wier uff Isla de Sali ') gekhommen, daselbst haben wier vil gaißen gefangen, dan es hat in derselben insull vil wilde Gaißen, aber keine Menschen, und khommen die Spanier järlich hiniber dieselben zujagen, wie auch so wohl die Holländer alß Spanier vil Saltz, daß von dem Meerwafßer durch die Sonn daselbsten gekochet würdt, darauß fiehren. Weitter kamen wier von dannen gen St. Lago ^), vermeinten 1) Isola de Sal (Salzinsel), eine der Inseln des grünen Vorgebirges. 2) So Hs., es ist San Jago, die gröste der Inseln des grünen Vor- gebirges. lÖO wier das schiff an anckher gelegt. An dißer insol welche die Spanier inen haben weiten wier Perlin ^) kanffen, aber die Spanier wolt«n nit an Port*). Derowegen wier einen schaß oder drej in die statt gethon, und wider vortgesegelt seind. AUS wier nun wider von danen inHoUandt schifften, und noch ein schiff za nnfi khommen war, haben wier bey den flamischen insulen^) Schiff- brach geliten, and nnßer schiS verlaßen mießen, inmaßen auch wier mit größerer mieh nnd gefahr von den andern salviert wor- den, und endtlich in SeelancU aber mit wenigem profit und ver- lorner Reiß wider ankhommen seind amb Liechtmeß in Anno 1600, nach dem wier über die acht Monat auß gewest waren. Daß Fmft Capütel von ÜJfehemers driten meerfart in Wesi Indiam oder Americam Septenirionalem. Nach dißer vollendter Raiße in Anno 1600 haben die Kaoff- leüt meinem Admiral wider ein schiff mit alle^lay Kanffmannschafft and waß die Notarffb erfordert aaßgereißet, alß mit Korinsier^) Rapier Dolchen Garpiner^) hollendisch fein Leinwat Spiegel ge- strickhte Strempf gefeindt wallen tuoch hollandisch Käeß Fisch- ängel Khamen^) Messine Beckhen Manltrumen nnd dergleichoi Narrenwerckh mit solchen in Americam zn fahren nnd damit zn traffigiren. Uff selbige schiff bin ich zam andermal znm Wand- artzet anffgenommen worden. Da es nan nach noturfft versehen war giengen wier bemelten 1600 jahrs zwischen Ostern und Pfing- sten za schiff, and sägelten von Amsterdam nach Dexel, vonDezel nach Engellandt, alda wier wegen Gontrari winds zn FalmotUhe oder Fälmuie einlanffen mießen, alß wier vier tag daselbsten still gelegen, haben wier onß wider auf das Meer gemacht and seind mit gntem vorsptidi'^), wie es die Hellender zu nennen pflegen, daß ist mit gntem Olückh oder wind nach Westindien gesegelt, darinen wier erstlich zu Trinidad ankhommen, aber gleich nach La Margarita angelendet^ da wier zwen tag gelegen aber nichts gehandelt haben. 1) Perlen. 2^ Bord. 8) An einer späteren Stelle des Rayss-Baoches heisst es von den Flamischen Insalen „welche auf die 40 grad von der Equinoctiali gegen uns beer oberhalb der Insulen Ganarien ligen*'; es sind die Azoren. König Alfons V. von Portugal überliess die Inseln seiner Yatersschwester Isabella, der Gemalin des Herzogs Philipp des Guten von Burgund, auf Lebenszeit. Damals siedelten sich viele aus Flan- dern dort an, weshalb man die Inseln die Flamischen oder Flan- drischen nannte. Azoren heissen sie von den Habichten (portag. azor), welche auf inen zalreich vertreten sind. 4) Kann auch Karinsier gelesen werden. 5) Karabiner. 6) Kämme. 7) Glück, Wolfart, sieh vurspoit, Köln. Chr. III 617 14, Birl. Wb. daca 985. Hör. Belg. U 184b. Wederspoet, das GegenteiUAB 102 die Hollender Bermuetfes, die Spanier aber La de didbolo neDnen, dammb das allzeit daselbst Stnrm und Ungewitter ist) 32 Grad TOD der Linea Aeqninoctialj gegen Norden oder Mitemaeht ge- legen, ist eine große Fortuna^) auffgestanden , aber Gott hat uns außgeholffen, das wier im finffzehenden Monat nach dem wier za Amsterdam aoßgefahrem, and benantlich umb Johannis Baptistae in Anno 1601. daselbsten glückhlioli wider ankhoromen sein. Dttes Nahmen ab und auf West- indiam gesegelt. Auf der Raiße seind wier von Engellandts Ende in einem Sturm von einander geworffen worden, des andern tags hernach haben wier ein spanische Armada von sechs schifen so auß Irlandt kommen angetroffen. Ir Admiral war oberhalb des winds, die andern finff schiff underhalb winds von uns, die kendten derowegen zu uns nicht kommen, sobald aber Admiral unßer ge- wahr worden ist er auf uns gesegelt, haben demnach wier mit ime Schütggefert halten mießen. Alß er unß nun an bortt legen wolt, da schoß ime unßer Bixenmaister underhalbs wassers, das er anfing sinckhen, und daselbst von unß laßen mießte. Schifen demnach wier vort auf Westindiam und Ämericam Septentrionälem. Die erste insull oder das erst landt, daß wier in Ämericam Septen- trionälem gesehen, ist Trinidad gewest. Wier haben aber daselbst nit gelandet, sondern sein auf La de Grranada ein kleine insull nnd daran hin auff die insul Dominico gesegelt, darinen seind wilde nackhende Leütfresser, die haben uns, dieweil wier ein tag und ein nacht daselbsten verhareten, allerlay Frucht und Bomerantzen Citronen Lemonen^) Bladnias und dergleichen umb Visch- Engel, Kern, Manltmmen und dergleichen Sachen zu kauffen geben; Von danen seind wier khommen auf La de Margarita. Da seind wier wider drey tag gelegen, weil aber die Spanier nit an bortt wolten, mit unß zu tractieren, haben wier außerhalb das wier etliche Visch gefangen, alda nichts verrichten könden, seind demnach nff Fönta Larye^) geBchiffet, alda wier unßer ander schiff, welches vor Engellandt von uns khommen, widerumb angetroffen, und haben das schiff müt SäUg geladen, dan auf hundert und 1) Birl. Augsb. Wb. b. v. 2^ Ylissingen ebenso wie Middelburg in Seeland. 8i Leonen Hb. 4) Unten Puntalerey und Pontilarfie genannt Ygl. Nachtrag. 104 liehen gegen mir zu, und bat mich, ich solte sie mit mir in Hol- landt nemmen, derselben sagte ich zu, daß wan ich wider komme sie mit min nemmen wolte ^). Ich bin aber biß dato nit mehr da- hin kommen. Von dannen seind wier vollendt auf Hollandt geseglet, und in Anno 1602 im Mertzen nngefahrhch Anschelmj tag also acht Monat nach unßerer außfart zu Amsterdam glückhlich wol and mit frewden widerumb ankhommen, und zu landt ganzen. Das Sibende Capittel von Andrea Josua Ulßhemer Fünffier Meerfart und Erster Eaiße in Ämericam Meridionalem^ sonder' Ikh in Brasilien. Ungefähr vier wochen nach solcher widerkunfft ist wider ein schiff zu Amsterdam under .Capitan Jacob QurUen aach von Am- sterdam in Brasilien zu fahren zugerist' worden, darauf ich mich auch alß ein Wondartzet begeben, und seind wier in Anno 1602 gleich nach Ostern von Amsterdam abgesegelt und zuerst in Por- tugall au Portuport ^) ankommen. Daselbst hat man das volckh, den halben theil, wider haim und zuruckh geschiokht, dargegen hat man nnß Portugeßer in das schiff gesetzt, dan wier durfften nit sagen, das unßer schiff ein hollendisch seye. Da wier also außgereist, und das schiff geladen gewest, seiod wier auf die Canarischen insull zugesegelt und zu La Madera ankommen, da wir Canarischen wein geladen. Von danen seind wier vort auf Brasilien gefahren, und zu Pernc^uco oder Ffierna" baca angelanget, alda wier nngevehr sechs Monat lang gelegen, und schif mit zuckher geladen haben. Nach dem wier das schif geladen hatten, haben wier unsern Cors auf Portugal und heimwerts genommen, und seind zu Muris m GMicien ankommen, da wier in drey tag, in dem wier da ge- legen, hat es ein erdbidem gehabt, das unß der wein aus den Gießern gesprungen oder gesprützt ist, und sagten die inwohner es komme solches erdbidem alle siben jähr. Von danen haben wier wider mießen zuruckh nach Portoport seglen, dan wier waren zu hoch kommen, sondern seind in Anno 1603 eben um Faßnacht zu Flißingen in Seeland ankommen, nnd nit gar ein jähr außg^- west, mit solchem hab ich meine Westindische und sovil Septen- trionali alß Meridionali Americanische Raißen in Brasiliam unge- varlioh bei 12 gradeu über den Equinoctialem gegen Süden oder Mitagswarts volbracht geendet und auf geben, hab mich demnach von Flüßingen nacher Amsterdam gemacht,* da ich vollendt den überigen winter und nachvolgenden Früeling über biß auf den Mayen verblieben. Ehe dan nnn ich in Ostindiam raiße, muoß ich vor etwas gemeinen bericht thun, von der Westindianer Landts- 1) Eine echt volkstümliche schwäbische Vertröstung. AB 2) Oporto. 105 recht, Religion, Siten und gebrfuiclien und handthierung :c. und zwar erstlich von der Septentrional Americaner. Beschreibung Ämericanischer Landschafften und Insulen da- rin Ulfzhaimer geraissi ist. Das Ächte Cappittel von Art und FrucJUbarkheit der S^entrional Americanischen Landen auch Se- Ugian SUen gebreüchen und handihierung derselben Inwohner. America SeptentrionäliSf der Andere theil Westindiae, gegen mittemacht gelegen, ist ein groß landt, hat vil Insulen und Be- fieren^ ligt uns gegen dem Nidergang, den Gninesern aber gegen' Anffgang, tag und nacht ist in denen ländem, in den ich gewest (und die Nove Francie VirginsB und selbigen Americanischen Landt- schafften gegen mitag ligen, sich auch ungevahr uff die 20gradus ▼on dem Equinootiali Circulo erstreckben^ doch aber den tropioum Cancri bey vier graden nit erraichen) fast mer gleich. Dan der tag in Solstitio aestiuali daselbsten über 13 stund, wie auch Winterszeiten über dem Tropico Cancri umb das Solstitium hyemale die naoht über 13 stund, nicht lang. Waß aber nahe bey dem Equinoctiali ligt, da ist tag und naoht einander gleich, ligt also die Septentrional Americanische LandRefier, so vil ich darinen ge- weßt bin, Bwischen dem Equinoctiali und Tropico Cancri oder bei 4 graden darunder, und hat ein guten Luffb. Die Inwohner derselben Iftnder^) seind ein grob wild und ungehefir auch Barbarisch volokh. Sie betten fümemlich den Mon ao, demselben zu Ehren machen sie ein bildtnus von Meß^), blech oder knpffer in gestalt eines halben Monß*), solchen halben Mon setsen sie auf ein Calbassa^), Aber darauf steckhen sie ein feder. Vor selbigem ven*ichten sie ihren vermeinten Gottesdienst mit singen rollen springen und zupffen. Sie gohn gantz nackhet, allein die Männer bedeckhen ihre Manligkeit mit einem spitzigen Tegu- ment^), welches sie Ccdbassa neuen, das ist ein gemecht schier wie ein kurbis, das binden sie mit einem schnierlen^) umb den leib. Aber die weiber gehen gantz Muotter nachendt''), ir zierd ist lang har^). Wan sie die Mäner ziehren mießen, so machen sie hüet von JPapagen oder andere schonen alß^) fiamende Vögel" federn^ von den fdgel Flamiges *^) genant, dan scheue federn seind 1) Es sind dies die Kariben, deren Reste noch jezt auf Trinidad und in Guyana wonen. 2) Mefs, Möfs und Mosch, schwäbisch = Messing. 3) Mondes. 4) Hs. Cabassa. Spanisch Calabaza der Flaschenkürbis und die dartas gefertigten Gefasse. 6) Eb. Reffument. 6J Schnürlein. 7) Hier das strenghochdeutsche ch, wie ahd. nachot. 8) Hs. harr. 9) als s. V. a. also, gerade so. 10) Flamingos. 106 I in selbigen landen ihr bester schätz. Diße hüet setzen sie auf die köpff. Ferner haben sie heUzlen^), welche holl sein, darein steckhen sie Papageyen federn y steckhen nachgehendts selbige heltzlein sampt den federn durch die Ohren und dnrch die Naßm. So haben sie auch in der hndern Lefftzen ein Loch, darin steckhen sie ein Blawen stein, oder ein heltzlein, und das ist ihr geschmackh, wie auch gleßene Corallen^ auch andere Narren Werckh. Sie pflegen auch mit nnd zur Zierd kleine halbe Mon, welche de *irem Abgott dem Mon zu ehren von Meß kupffer startz*) oder plech machen , an Ohren Naßen und Lefftzen zu henckhen , mit dem sie zu gleich den Mon verehren, und sich schmuckhen. Sie haben einen König under inen und zwar schier in ieden dorff einer, dem geben sie aber nichts, frohnon im auch nit, d^ alle arbeit und dienst mießen die gefangne und Leibaigne Ter- richten. Allein dienen oder seind sie im vilmehr gehorsam im kriegen, und solcher könig von seinen underthanen keinen andern vortheil, weder ^) daß er zu bevehlen, und ungevarlich wie bei unß ein Schultbaiß in einem dorf zu gebieten hat. Was Essen anbelangt, das haben sie alles gemein, ire haüßer seind gleich wie bey unß in jahrmärckhten die kromhOten^), auf der einen seiten seind sie offen, auf der andern aber gar zu, sel- bige bawen sie aneinander, in vier zilen^) gegen einander über, also daß allwegen zwischen Etlichen heüßern ein viereokhender Hoff oder platz verbleibet, und auf der einen Seiten oder zilen laßen sie zwischen zwayen heüßern einen eingang. In solchen heüßern haben sie nichts alß FlUschbögen^) und drei oder vier he/fen'^), welche sie selber machen. Endtlich haben sie auch in iren heüßern an zweyen stotzen^) hangen ihre Amaka^) oder Beih^ sonsten findet man nit bald bey inen etwas, den sie behalten nichts Übem&chtigs, gleich wie die Cappuziner Minch. Die heüßer seindt von Riedt, die Bet oder Amaka aber von Bast oder Baumwolen, schier wie ein netz gemacht, dieselben henckhen sie an zwen stotzen, und hangen oder ligen also drinen, und ist für war gar gut darinen schlaffen , des nachts machen sie ein fewr darunder, darzu brauchen sie holtz, das gloschet^^) wie 1) Hölzlein. 2) Ofenrorblech, Blech schlechthin. AB 8) weder statt als nach dem Comparativ schon bei Luther, später in der Schriftsprache aufgegeben; aber noch schweizerisch und schwäbisch im Yolksmunde. 4) Eramhütten, Verkaufsbuden. 5) Zil und Aberzil sind correspondirende Markenzeichen, Steine, Punkte. AB 6) Flitjzbogen, zusammengesezt mit mhd. vliz (Streitbogen). 7) Häfen. Töpfe. B) Pflöcke, Baumstrüoke, bildlich von starken Beinen. AB 9) Span, hamaca oder amaca s. v. a. Hängematte, 10) glosten SS glühen unter der Asche. AB 108 Dieselbe ihr handthierung ist erstlich, das sie bemelten TodocXiA« auch Efzende Früchte ek]& Blandinas Mi BattaUis^)^ PömeranUen^ Le- monen, Citeronen, and dergleicheD, wie nit weniger Papageyen Pergir ien ^) Meerkatzen^ und solche sachen gegen den onßern, die hinein- kommen, nmb Fischängel, Maultrumen, Rollen, Messer, Pfeiffen, Spie- gel, und Linwat^) etc. vertauschen. Und gilt inen eben gleich es seyen solche New oder Alt, so haben sie solche gem. Außerhalb dißes haben sie nichts zuhandlen, alß wie sie gar gewise schütsen seind, mit flitschbögen^ gewild schießen, und fischen, Dan es gibt an denen ortten sehr yil fisch von allerlei gatung, als SchnoMem^)^ die seind ungefährlich einer Ellen lang, sonsten gformiert wie ein hecht, aber grien ^) an der färb, und haben schnftbel, Item Bersich'^) die werden von 6 biß ungevahr 12 pfund schwer, und groß, Item ein andere gatung, die neuen sie Pesce di porca^) das ist Sauh fisch, dan wan sie gefangen werden, so grunßen sie wie ein Saw, seind in der große wie ein höring, wan sie uß dem waßer khommen, so machen sie sich selbst zu einer Kugel, alß het man sie also anfgeblaßen, das man auch damit köglen kundte. Item JRoehem ist ein braiter fisch mit einem langen Schwantz. Schwer^isch*)^ die haben vornen in kop£f hinauß einen langen schnabel, der sihet wie ein schwert, ist scharp£f und zackhet wie ein segen^®), dißer 1) Blandinas, nach einer andern Stelle sind dies die Ba- nanen. S. oben auf S. 99. 2) Hb. Baccatas. Gemeint sind die süssschmeokenden Warzel- knollen von Convolvulus Batatas. 8) Pergiten eine Art kleiner Papageien mit keilförmig abge- stumpftem Schwänze (Conurus). Der Name stammt aus dem spanischen perico periquito (kleiner Papagei). DiePerikiten zeichnen sich durch ir buntes Gefieder aus und gehören fast ausschliesalich dem östlichen Südamerica an. Sie werden von den Indianern h&ufig gesamt und schon seit langer Zeit nach Europa eingefurt. 4) Leinwand. 5) Schnok ist niederdeutsch der Hecht. Gemeint ist wol der in allen europäischen Meeren und auch weiter verbreitete Gran- knochen (Beiono vulgaris), der auf der Oberseite bläulichgrun ge- färbt ist und zu den Hornhechten gehört, die sich durch einen langen Schnabel auszeichnen. Ulsheimer entnam den Ausdruck aus dem Niederländischen snoek. 6) Grün. 7) Bersich = Barsch. Gemeint ist wol der Seebarsch (Labrax lupus). 8) Hs. Besehe di poca. Es ist wol eine Art der Kugelfische (Gymnodontes), von denen sich merere wie Luftbälle aufblasen können. Eine derselben wird auf den Antillen zur Belustigung gefangen. Yergl.' Brehm Illustr. Tierleben Y S. 752. Das Grunzen wird durdi das Aus- treiben der Luft bewirkt. 9) Es ist möglich, dass Ulsheimer den Schwertfisch (Xiphiaa gladius) und den Sägefisch (Pristis antiquorum) hier zusammenmengt; beide sollen den Wal angreifen. 10) Säge. 110 • die dorades (welche ein überaus köstlich herlich und delicat esaeD) zu finden sey^. Die inwohner dißer landen nemen ti1 Weiber j doch ist die erste die recht, die ander seind alle Concnbinen. Aber in Waya- boka und Gaiena hat ein yeder nur ein Weib, und seind keüaohe leüt, die sich lieber umbbringen ließen, ehe sie mit einem frembden zuschaffen beten. Und wie es ein Barbarisch abgöttisch und heid- niß volckh ist, also ist es der zaubei*ey und zauberischen TeüffeU* weisen gar sehr ergeben, in maßen sie [mit] dem TeüflTeln (die leibhafftig zu inen kommen, und sie Ingange^) nennen) reden und dantzen. Ja sie sau£fen mit dem Teä£feln Tabackh, und wan aie seiner begehren, so ist einer under inen gleichsam alß ihre Priester, der fordert den Teufel mit sonderbaren darzu gemachten Rollen. Dieße Leüt laßen sich nit leibaigen machen, beneben aber stellen sie sich alß weren sie gantz einfeltig und simpeL Und wan man einem ein klaidt gibt, doch nur leinin, so dienet ein solcher einem ein gantz jähr darumb. Aber man darfif sie nit fast schelten, sondern muoß inen nur gute wortt geben, dan sie laßen sich nit zwingen, und wan man sie zwingen will so fre&en sie Erden oder gifft, das sie sterben. Wan inen jemandt stirbet so heilen und weinen sie über in, Aber nit lang sondern werffen in bald hinaus, irgend in ein Mora8^\ alß dan sitzen sie noch ein Zeitlang täglich zusammen seine thatten zu erzehlen, und in vollendt zu beweinen, und diß Manier, die ich bißbero erzehlt, und in dißem Cappitel beschriben habe, ist von Wayaboka an biß auf die Puntalerey und auf 8. Domingo^) und Cracus. Bas Ueüni CapUtel In wass für Insulen^ Befieren^ Küsten und Landen Americae Septentrionalis, da die Hallender hand- thieren derffen^ die ich in meinen Reifzen gesehen^ und wafe hey denselben wunderbares zu merckhen sey. Erstlich ist Wayaboka ein Refier ungevahrlich 6 grad von der Equinoctiali Linea. Darnach Gaiena '^) auch ein Refier, nnge- fahr 8 grad von der Equinoctiali Linia gelegen. Darauf komet 1) Das Fleisch der Corypbaena wird ser geschäzt, namentlich -i das die Flossen umgebende Stück. 2) Von den Botokuden erzält Maximilian PrinE zu Wied (Reise ^ nach Brasilien II S. 68 f.): „Sie fürchten schwarze böse Geister oder " Teufel, die sie Janchon nennen. — Man kann diese Teufel mit dem ^ Aygnan oder Anbanga der Tupinambas für gleichbedeutend halten.** ^ — H. Stades Reise nach Brasilien (herausgegeben von E. Klüpfel, m Stuttg. 1869) S. 173: „Sie gehn auch nit ffem die nacht auß iren hüt- - ten, ires behufes zuthun, one fewr, so s^r förchten sie sich für dem .m Teuffei, welchen sie In gange nennen, und inen offtmals sehen." 3) Morast, Schlamm. 4) Hs. Domnigo. 6) Cayenne. 112 die Spanier auf ^) nnd finden die Perlen in den Schelfen, die seind nit änderst zu eßen dann ostem. Ferer ist Ua J)(ymmoo^^ bey 14 graden von Equinoctionalj. Die wirt nun von wilden Menschen* freßem bewohnt, und gibt nichts besonders drinen. Also gibt es auf festem landt etlich fdmemme ort, da die Hollendischen pflegen anzulanden und zu laden, alß da seind Fontüarfie^), da wohnet Niemandts überal, dan es gibt keine fruchten da, alß Indianisch feigen, und seind daselbst die SaXtepf armen ^ darvon droben im Sechsten Capitel meidung thon worden ist. Item Qumina^) ein kleines Stättlein, von den Spaniern bewont, daselbst handelt man auch mit Perlen und Tabaka, dan der gute und beste Tabakha komet daselbsten her. Ferer ist daselbst ein dorf, welches auch die Spanier inen haben. Item Cracus^) ein Spanisch Stattlein, da wirt auch mit Perlein, Salsa peril und gutem Tabaka gehandelt, aber alles gegen den Hollendern heimlich ohnwißend der Justitien oder Obrigkeit, und solches allenthalben so die Spanier wohnen. Alle diße ortt ligen ungevahrlich 10. 11. und 12 graden von dem £k][uinoctiali Girculo> und gibt allerlay seltzamme Vögel darinen, alß Meer oder Kropf gen^^ die haißen also, weil sie so große Kröp£f haben, das einer ein Waßeraimer voll oder bei Finff Wirtem- berger maß darein faßen kendten, Item grawe weiße und schwartze Maiger y deren ich manchen tag über die dreyßig geschoßen hab, seind aber nit so groß als die hieländische. So gibt es auch da- rinen Papagay en^ und andere Meer Vögel, Ferer so haben auch die Hellender in die insul Cubo oder Oubaco^) ung^far 13 grad von dem Equinoctiali. Es wohnet gleichwol Niemandt darinen, sintenmal nichts sonders drinen wecbßet, sonder allerdings wild ist. Es haben sie aber die Spanier inen, und die beste berlen- fischer daselbst. Es ist nicht das groß Cuba bei Nova Spania, darinen ich geweßt bin, sondern eine kleine insull zu nechst bei La Margarita gßlesen. Also in'') die insull S. Lago^) bei 11 graden bey Equinoctiali, eine große scheue fruchtbare insul, wirdt von den Spaniern be- wohnet, gibt darinen für die Kauffleut fürnemlich Perlen Tabakh Salsa perill. Deßgleichen ist La Porto Bico^) bey 19 graden dem Equi- 1) auf tun = öfnen. 2) Dominica (lö»/,« N. B.). 8) Oben Puntalercy, welcher Ort gemeint sei, darüb. s. Nachtrag. 4) Cumana. 5) Gemeint ist Cariaco, östlich von Cumana, an der Spize des Golfes von Cariaco. S. oben S. 101 : Craco. 6) Cubagua, eine kleine Insel zwischen Margarita n. dem Festland. 7) Erganze: die Holländer handeln. 8) Wenn hier nicht ein Verschreiben statt Tabago vorliegt, ist die Insel nicht aufzufinden* Ebenso oben S. 101, wo S. Jago stet. 9) Hs. La porta Rico. 114 fiiehret, gibt es große Menschen Merckht, und wer yü 8olioh«r Schwartzen oder Sclaven bat, der ist reicb bei inen, mid solches darumb dieweil die Portugeßen oder Spanier daselbsten gantz nidits scba£PeD, noch arbeiten, sondern die Schwartzen sie erhalten mießen. Dan ein yeder Mor oder Schwartzer muß seinem Herrn teglich ein genantes gelt bringen, and Ufern, er nemme es aach gleich wo er welle ; ye nach dem einer starckh oder qnalificiert ist, nach dem muß er seinem Herrn auch lifem, nnd benantlich einer ein Baal de Otto ^) (ist sovil alß ein Königischer oder Pilipstaller ; acht Real ein Pilipstaller; hinc real de otto^), Hollander sprechen , ein. Stuckh von achten), etwan halb sovil, auch etwan nur 2 oder S Destum minder oder mer, und ist ein Destum sovil als anderhalbea. Real. Bringt aber er sein genants gelt nicht, so wirdt seiner übeL gewartet, und grewlich geschlagen. Dißer schwartzen Weiber und. Töchtern tragen waßer 'holtz und dergleichen , und versehen irent Herren alles haußgeschefft. Demnach mießen noch über diß alle» solche Sclaven so wol Weib und Kind alß auch sich selber er- halten, und emehren, dan inen ihre Herrn das wenigst nit geben. Es kennen solcher starckhen Schwartzen, wan sie wollen, in einem tag wol drey oder vier daller verdienen. Dan wan die Portugeßen- über feldt wollen, so laßen sie sich in einer Amaka oder in einem Indianischen bet tragen. Nun tragen ire zwen einen an einem holtz, daß gleichwol dickh, so leicht aber ist es alß wan es nur ein steckh^) were. Denen gibt man von einer meil ein taler zu tragen. Deßgleichen gehen die Portugeßer weiber, so nur wenig eines stattlichen herkomens oder weßens sein, nir- gendt hin f&r das hauß, man muß sie tragen, es sey gleich in die kirchen gastungen oder wo sie auch sonsten hin oder aus der Steten hin wellen. Waß aber daß geborne Landvolckh anbelangt, das ist ein Barbarisch volckh, sie gehen gantz nackhendt wie die Septentrionalischen Am ericaner, allein verschneiden die Brasilen ihre haut, gleichwie man bei uns die wames verschneidet mit zugen ^), sonsten seind sie mit heüßer und anderem manier £a^ in allem den Indianern in SeptentrionaÜ America (von welchen im vorgehendten achten Gapitel gehandlet worden) gleich and ehnlioh. Allein wan Ire weiber eines kindts nider kommen, so helt sich desselbs weibs man hindsheterisch, und das weih wartet sein, wie einer kindtbeterin. Dan er henckhet seine Amakam oder bet in die zwey manß hoch an zwen bäum auff, darine leget sich der 1) Es. cyto: Pezzo d*otto oder Real d'otto ist der Peso, welcher den Wert von 8 Keales hat und ungefär einem Speciesthaler (die Phi- lippstbaler sind die mit dem Bilde Philipps 11. von Spanien gepräg- ten) entspricht. Pezzo d'otto bedeutet „Stück von achten'^ 2) Hb. real de oyte de otto. 3) Stecken, Prügel 4) Sieh die Landsknechtskleidung. AB 116 nit reden, sondern geben einander ihr begehren mit pfeifen zu ver- stehen. Ihre Ktiei^) seind wie Ilorn, sie haben auch kein ander wehr alß die flitschbögen^ damit sie gar gewiß schießen könden. Sonsten hat Brasilen einen guten gesunden luffty wie aacti gut gesund wasser, aber zu Pernabuco muß man es kaufen, die weil sie es ungevahr ein viertel Meil wegs odek* ein wenig weiter dahin füehren mießen. Die fruchten anbelangt, hat man obs den Überfluß, von allerley, als Blaiines^) Baconas^) Lemonen Citeronen JPonteranteen und der gleichen, wie man dan auch zu Phernabuco und Bayia Real, da ich geweßt, und ich gehört, auch in andern ortten^Bra- silae, dahin nit kommen bin, allerhandt sachen, es sey von getraid, von Oel, so darinen auch heufig wechßet (es ist aber gelb, und wirdt von den Bäumen, daran es wachßet, ole de palm genenet), den^) von Buter, flaisch, und was deß menschen noturft erfordert, gar wol über kommen kan. Aber der Wein wachßet nit darinen, sondern wirdt aus der Canarischen Insul dahin überflißig gefüehret. Es geh wol guten wein drinen, aber der König aus Hispanien laßet solches nicht zu, besorget, wen sie auch den wein und also alle noturft selber beten, sie etwan rebellieren und einen aignen König aufwerfen mechten. Dem Gubernatori ists zugelaßen, das er zum lust ein wenig ziehen und plantzen darf, wie auch andern, aber weiter nit, alß das sie nur die trauben haben und essen, die werden sehr groß sehen, an der färb, wie hie zu land die Tramener, die beer langlecht und so groß als ein welsch nuß, seind honig sieß, und kestlich gut. Aber keltern und wein machen derfen sie nit, weder allein wie gemeldet der Oubernator ein wenig zum lust. Deßgleichen wachßet auch kein getraid drinen, und solches weg^n der Ähmai^en^ deren es sovil darinen gibt, also das sie das körn nit auf kommen laßen. Sie bekommen aber deßen sehr 1) Alemannisch, sieh Alemannia I 255. AB 2) Sieh oben S. 99 Anm. 2. 3) Hs. Bacouas. Vgl. Sechster Theil der Orientalischen Indien, Warha£ftige Historische Beschreibung deß Gewaltigen Goldreichen König- reichs Guinea tc. Auß Niederländischer Verzeichnuß, in Hochteutscher Sprache beschrieben durch M. Gotthardt Arthus von Dantzig — an Tag geben, durch Johann Theodor vnd Johann Israel von Bit, Gebrüder (Gedruckt zu Franckfurt am Mayn, In Verlegung Wil- helm Fitzers, Anno MDCXXX). Dort werden auf S. 72 unter den Früchten Guineas aufgefürt Indianische Feygen und es heisst von inen: „Die Indianische Feyffen werden fast gantz Indien durch ge- f Ahret, vnd ist die beste vnd nützlichste Frucht, so die Indianer haben neben den Cocquos. Sie haben an einem jeden Ort, da sie wachsen, jhren besondern Namen. In Guinea werden sie genannt Banana, die Brasilianer nennen sie Pacona, vnd den Baum Paguouer. In Malauar aber heissen sie Patau.'* 4) denn s= dann, femer. 118 Es haben aber die Brasilier neben dißen herlichen gaben Gottes auch ihre Plagep, dan es gibt Schlangen^) darinen, die seind biß in die 10 oder 12 Glafifter latig, und so dickh alß ein Mao in der mite, die freßen Menschen und Vieh. Wan diße Schlangen gern einen Menschen beten, so stehen sie irgendt an einen Weg, an einen Baum gantz ofrecht. .So nun ein Mensch ihrer nicht achtet, und fürüber gehet, so fallen sie auf in, and klengen^) oder wenden sich umb den Menschen herumb, daß er weder arm noch hendt regen kan, Alßdan stechen sie den Menschen iren schwantz, der ist gleichwie ein verborgen scher, in dasFnnda* ment, oder unden in leib, und schneiden in also auf, biß er stirbt. Wan er todt ist, so freßen sie in. Sie haben aber kein gifft bei inen, und wan die Indianer eine solche schlangen oder thier spiren, so manet man in zwey oder drey derffer auff, die mießen darauf streifen. Wan sie dieselb nun antrefen, so schlagen sies zu todt, oder erschießens mit flitschbögen, darnach eßen sie dieselb mit einander und seind gar lustig darbey. Ich bin selbst einmal darbet gewest, und hab ein helfen eßen, sie haben ein herlich g^t weyß flaisch, wie die höner. Selbige schlang ist noch jung, und über sechs oder siben Claffter nit lang gewest, die Haut hab ich mit mir nacher Amsterdam gebracht, da sie in^) einer Apothek zur gülden dust genant in der warmen gaßen oder straßen hanget. Mer hat es ein yierfüeßig hörig thier drinen, daß heißet man laiart^) das ist auf Teütsch faull. Dan es hate einen gantsen tag zu Schafen biß es ungeyahr einer ziemlichen Stuben oder 12 schrit lang gehet, es frißet nichts sondern lebet vom lufiPb^), es ist in der große ungevar wie ein Fuchs, ist graw von färb, Wan man es an einen Baum henckhet, so beuget es drey oder vier 1) Bei der Beschreibung der Riesenschlangen Brasiliens haben wir wol zanächst an die Abgottschlanee (Boa constrictor) und ire näheren Verwandten zu denken, da diese nicht giftig sind und von den Indianern und Negern gegessen werden. Freilich ist die Anname, dass diese Schlangen auch Menschen angriffen und auffrässen, unbegründet; doch laufen Erzälungen der Art auch noch heute um und werden ge- glaubt, so dass man es Ulßheimer nicht zu ser verübeln darf, wenn er es gleichfalls berichtet, üebri gens hat der leztere in seine Mitteilungen offenbar manches aufgenommen, -was sich auf die äusserst giftige, in Guyana und Brasilien verbreitete Lachesis rhombeata bezieht. Diese, welche zu den stummen Klapperschlangen gehört, trägt am Ende des Schwanzes vier bis fünf zugespizte Schuppen und einen Dom, und man hat hier und da angenommen, dass sie mit demselben verwunde. 2) =s klenken, schlingen, flechten, vgl. Lexer u. d. W. 3) in feit Hs. 4) Span. pg. lerdo langsam träge dumm. 5) Auch Oviedo, der zuerst in seiner Naturgeschichte Indiens (primera parte do la historia natural y general de las Indias, Sevilla 1535) das Faultier beschreibt, meint es lebe von Luft: es war dies, wie er mitteilt, die gewönliohe Anname der Brasilianer. 120 die Bchwartzen oder sclaven^ welche inen hinweg gelofen seiii, füehren. Dan die schwartzen einen berg eingenommen haben, tob welchem sie die Portugeßen nit treiben kennen, und thond diße Schwartzen im land amher großen schaden, in dem sie vil menschen vnd yich hinweg treiben. Das Ztüdffte und dissea ErstetUheUs Leiste Capüel Van eimem Wunderbaum in der Insul Gomora. Wan man in Brasilen von Portugal aaß Eichifet , so ^ komet man in die Canarias insnlas , darinen ladet man wein , den man in Brasilien füeret. Bey dißen Insnlen ligt eine die haißet Qih mora^). Darinen hat es kein ander Reiß waßer, alß Ton dam 1) Die richtige Namensform ist 6 o m e r a. üebriffens befand sieh der oben beschriebene Baum auf Ferro. VgL L. v. Buco, Pbyncalische Beschreibung der Canarischen Inseln S. 112: „Es hat ehedem auf der Insel Ferro ein grosser Baum gestanden, ein Tilbaum, Lanrus foetens, dessen breite fleischige Blätter weit umher einen dichten Schatten ver- breiteten. Alle Tage, zwei oder drei Stunden nach Sonnenaufoang, fiengen die Blätter dieses Baumes an zu träufeln, wie ein Regen fielen die Tropfen von Blatt zu Blatt und sammelten sich unten zur laufen- den Quelle. Die Einwoner der Insel, die nicht qnellenreich ist, kamen im Laufe des Tages, dies reine Himmelswasser zu holen und kerten am Abend mit vollen Krügen zurück. Der Baum ward für heilig f^ halten, ein Wunder der Welt. Ein eigener Aufseher, von den Em- wonern angestellt, sorgte für die reinliche Aufsammlung des Wassers in Cisternen, und ordnete die Austeilung an die wasserholenden Men- schen. — Dieser woltätige Baum stand noch 1689, östlich etwas über dem Städtchen Valverde. Der P. Oalindo hat in gesehen und be> schrieben. Er stand noch lange nachher, aber durch Alter der Menge seiner Blätter beraubt, verlor sich die Wirkung. Das Bedürfnis nötigte die Bewoner neue Quellen aufzusuchen, und jezt ist das Wunder ver- gessen. — Reisende aber, die bei den Canarischen Inseln vorüber, dem neuentdeckten Amerika zueilten, vergasen, ungeachtet der Menge und Grösse der Eindrücke, die dort ire Eiäbildungfskraft erfüllten, den Baum von Ferro nicht, und er ward überall in Europa berümt." Eine Beschreibung dieses Baumes findet sich z. B. im Neundten Theil Orientalischer Indien — durch M. Gotthard Arthus von Dantzig (Gedruckt zu Franckfurt, durch Matth. Beckern, in Verlegung lohannis Theodori de Bry, Im Jahr 1612). Ich seze sie der Vergleichung wegen her (sie stehet S. 4) : „Von der Insel Gomera kamen sie an die Insel Elferro, aufif 4 Meilen von derselben gelegen, welches auch ein sehr schöne und fruchtbare Insel ist Auff dieser Insel ist ein gross Wunder- werck Gottes zu sehen, dann es stehet mitten aufif dieser Insel ein grosser dicker Baum, welcher für vnd für, bey Tag vnd Nacht, durchs gantse Jahr, mit einer dicken Wolcken bedeckt ist, darvon dann die Bletter stettigs mit Wasser triefifen, darumb dann die Inwohner viel Geschirr darvnter setzen, vnd daran hencken, in welche sie das Wasser samb- len vnd fangen, damit sie es zu jhrer vnd' jhres Viehes Notturft sn gebrauchen haben, weil sonst aufif der gantzen Insel kein süß Wasser mehr als dieses, so ihnen Gott durch diesen Baum bescheret, zu finden ist.*' Am Schlüss des Bandes ist auch eine Abbildung des Baumes gegeben. Schon in der Reisebesohreibung von Linsohotanns (Na- 122 Anlehen übernommene Land zu besezen ; die Baisebeflchreibmig erschien 1557 zu Hsgenau, neaabgedrackt in der Bibliothek des litterarischen Vereins in Stuttgart Band XL VII) berürt nur den westlichen Teil der Terra firma, welchen Ulsheimer nicht besacht hat, und bietet keine Vergleichspunkte mit dessen Reisewerk dar. Auf Brasilien beziehen sich die Warhafftig Historia und Beschrei- bung einer Landtschafft der wilden nacketen grimmigen Menschen« fresser Leuthen in der newen Welt America gelegen von Hans Stade von Homberg aus Hessen (die Reise fand 1549 statt, die Beschreibung erschien 1556 zu Frankfurt am Main, wieder abge» druckt in dem XL VII. Bande der Bibhothek des littermrischen Vereins in Stuttgart), und die Histoire d'un voyage fait en la terre du Bresil, autrement dite Ameriqae von Jean de Lery^ natif de la Margelle, terre de sainct Sene, au Duch6 de Bourgongne (L^ry wurde 1556 mit 13 andern Geistlichen von Calvin nach Brasilien abgesendet, wo im Jare vorher ein französischer Edel- mann Villegagnon mit Unterstüzung des Admirals Gaspard de Coligny eine Colonie angelegt hatte, welche den verfolgten Refor- mierten Frankreichs eine Zufluchtsstätte bieten sollte; die vielge- lesene und oft aufgelegte Reisebeschreibung erschien zuerst 1578 in Ronen, ich benuzte eine Genfer Ausgabe von 1594). Stade be- suchte auf seiner ersten Reise Pemambuco (Prannenbucke), das Schif blieb aber nur kurze Zeit dort; bei seinem zweiten längeren Aufenthalt in Brasilien lernte er nur die südlichen Gegenden Bra- siliens kennen und befand sich lange in der Gefangenschaft der Tuppin InbaSj deren Landes- und Volkesart er ser eingehend be- schreibt. In denselben Gegenden, am Rio de Janeiro^), lag auch das Fort Coligny, wo Lery, wie es scheint, mit demselben Stamm verkerte: er nennt sie Toaoupinambaults, Obgleich Ulsheimer nicht soweit nach Süden gelangte (er ist hier nicht über Bahia hinausgekommen), so stimmt seine Beschreibung von Brasilien vielfach zu dem, was Stade und L^ry erzälen; indes scheint er deren Reisewerke nicht gekannt zu haben. Zur Vergleichung mit Ulsheimers Angaben teile ich einige Stellen aus den lezteren mit: I. ülsh, Cap. X S. 114: Sie gehen gantz nackhendt — allein verschneiden ihre heut. Dazu vgl. Stade II, 8 (S. 174, Stuttg. Ausg.): sie gehen alle nacket, jung und alt — und sie verstellen sich selbst mit vermalen. Lery S. 96: taut hommes, femmes qu^enfans — demeurent et vont coustumierement aussi nuds qu'ils sortent du ventre de leurs mores. S. 99: Au surplus, nos Bresiliens se bigarrent souuent le corps de diuerses peintures et couleurs. 1) riuiere d' eau salee, nommee Ganabara par les sauuages, et par les Portugais Gen eure: paroeqiie, comme on dit, ils la descouari- rent le premibr ioor de lanuier, qu' ils nomment ainsi. Lery p. 53. 123 II. Ulsh. tjrzält, S. 114, wie die .Miuiner , wt^nn ire Wei- ber niederkommeD , sich „kindsbetterisch" hielten und von densel- ben bedienen Hessen. Lery S. 264 fiP. berichtet, die Weiber arbeiteten weit mer ^ die Männer, und sezten dies aacb w&rend der Schwangerschaft und ^eich nach der Niederkunft fort: la mere an snrplas ne de- mennuit ordinairement qu'nn ionr oa denx en la couche, prenant pnii i^res son petit enfant pendn ä son col, dans nne escharpe de eotton falte expres ponr cela, s'en ira an iardin, ou d qaelqaes »ntres affaires. m. Die Beschreibung der Beerdigung, wie sie Ulsh. S. 115 S^bty weicht wesentlich von den Angaben L6rys ab. Nach diesem (8. 802 f.) wurden die Leichname, nachdem die Totenklage etwa räaen halben Tag gedauert, in ein rundes, tiefes Loch verscharrt »les bras et les iambes liez k Tentour", man hüllte den Toten AUch wol in seine H&ngematte und gab im Schmuck an Hals- tendem, Federn u. dgl. mit ins Grab. IV. Ulsh, S. 115: „seind noch blinde haiden undMenschen- « Die Weise wie sie die gefangenen Feinde schlachten und Moneren, beschreiben ausfürlich Stade II 28 S. 188 ff. Lery S. 2X1 ff. Y. ZTZsA. S. 115: „sie haben ihr aignen könig^ und S. 106: »9VDd SEwar schier in leden dorff einer, dem geben sie aber nichts, '^^hnen im auch nit" u. s. w. Stade S. 177: Sie haben sonderlich kein regiment oder recht, ^^K^ iede hütte hat einen obersten, der ist ir König. LSry S. 196: Bresiliens n^ayans rois ni princes obeissent vieülards. VI. Ulsh, S. 116: „getraid'\ Hierunter ist wol der Mais zu ^^wtehen, vgl. Liri^ S. 120 f. VII. Ulsh. S. 116 : „ole de palm^'. Lerj/ S. 161 f. berichtet ^Oo einem aus Baumfrüchten gewonnenen Oel, welches zu Heil- zwecken verwendet wird: „nne huile rougeastre et espesse faite ^ Hn fmict qu'ils nomment Couroq. lequel est presque comme une ^luwtagne en Tescorce.*' VIII. Ulsh, 8. 118 handelt vom Faultier. Darüber berichtet ^^ j f S. 145 f.: Le plus gros que les sauuages appellent Hai/ est ^^ U gnuideur d*un gros chien barbet, et a la face ainsi que la ^^^lenon, approchante de celle de Phomme, le ventre pendant comme ?^luj d'une tmye pleine de cochons, le poil gris enfum6 ainsi que ^^ine de mouton noir, la queue fort courte, les iambes velues ^Omme celles d'nn Ours, et les griffes fort longues. Et quoy que %Oand il est par les bois il soit fort farouche, tant y a qu^estant Pcins il n'est pas mal ais6 k appriuoiser. — Mais au demeurant Tay entendu — que iamais hemme, ni par les champs, ni k 124 la maison oe vid manger cest aoimal: tellement qa'aaouns estiment qu^il vit du vent. IX. Uleh, S. 119: bandelt von der Plage der Würmer, die Bich in die Füsse einboren» Davon spricbt Stade 11, 31 S. 192: „Es bat Würmlein, sein wie flöbe, docb kleiner, hej^n Attu^ mal der Wilden spracb. Dieselbigen kriecben einem in die füsse, ood es jucket einem nar inwendig, wann sie bineinkriecben, die frenan sieb ins fleiecb binein, das man es sonderlicb nicbt fölet. Wann man es nicbt gewar wirt and sie als bald beranß langt, becket ei einen klumpen niesse, so rund wie ein erbis. Wann mans dann gewar wird und berauß langt, bleibt ein löcblin im fleiaoh, to groß wie ein erbis/' Lery S. 160: „Les sauuages sont anan persecutez en leurs personnes d^une autre petite verminette qa*ili nomment Ton: laquelle se trouuant parmi la terre, n'eat pas du commencement si grosse qu*une petite puce, mais neantmoins sa ficbant, nommement sous les ongles des , pieds et des mains, oa ' tout soudain, ainsi qu'un ciron, eile y engendre une demaigaisoii, si on n'est bien soigneux de la tirer, se fourrant tousioors plus auant, eile deuiendra dans peu de temps aussi grosse qu*un petit poix, tellement qu^on ne la pourra arracber qu^auec grand doa- leur." X. UM, bescbreibt Cap. VIII S. 109 die flUgenden FiBchi änlicb wie Liry S. 22 : il est de forme assez semblable au hären, toutesfois un peu plus long et plus rond, a des petis barbülons sous la gorge, les aisles comme Celles d'une GbauuesouriSy et pres- que aussi longues que tout le corps: et est de fort bon gonst et sauoureux k manger. Aucb davon bericbtet Lery, dass sie bis- weilen in die Scbiffe bineinfallen : aussi estant souuent adnenu qoe quelques uns s'aburtans contre les roats de nos navires tomboyent dedans, nous les prenions ainsi aisement h la main. Diß enilt aucb der Burger und Wundartzt Samuel Braun zu Basel, dessea Reisewerk (Anbang der Bescbreibung deß Königreichs Congo) in Frankfurt bei Job. Theod. de Bry Seeligen gemeinen Erben 1625 in fol. herauskam; vgl. S. 3: „Eins aber kan ich nit vnvermeldet lassen : nemlich, als wir auff 8 grad bey Norden, der Aequinoctial* linien, kommen: sind viel fliegende Fisch, so groß und grftsser al0 ein H&ring, mit solcher menge ins Schiff geflogen, daß es schier vngl&ublicb ist, wann man es nie gesehen vnd erfahren." XI. Ulsh. Cap. VIII S. 109 bandelt von den BonUen. Vergl. damit Lery S. 23 f.: la Bonite, qui est des meil- leurs ä manger qui se puissent trouuer, est presques de la fa^on de nos carpcs communes: toutesfois eile est sans escailley et en ay veu en fort grand nombre, lesqnelles Tespace d'enulron six sepmaines en nostre voyage ne bougerent gueres d'alentour de nos vaisseaux, lesquels il est vrai-semblable qu'elles suiuent ainsi ä cause du bret et godron dont ils soot frotez. Im 9. Teil der Orientalischen Indien (Frankf. bei.J. Th. de Bry 1612) heisst 12< forme estrange. Der Name Kaagerre bezeichnet warBoheüiliefi die Rassel (vgl. ülsh. S. 110), mit welcher sie den Teufel besehwöreo oder in der sie in wonend denken. Si^c S. 183 nennt dieselbe Tammaraka and beschreibt de folgendermassen : Sie glauben an ein ding, das wechst wie ein kürbs, ist so groß wie ein halb maß düppen, ist inwendig hoel, stecken ein stecklin dardurch, schneiden ein löchlin dar ein, wie ein mundt, und thun kleine steinlein darein, das es rasselt, rasseln darmit wann sie singen und tantzen. Mit diesen Rasseln scheineD die von Ulsh. erwänten Priester grossen Betrug verübt zu haben; ausfürlich handelt von den lezteren Stade a. a. 0. und Lirf S. 240 f. Dieser nennt sie (Jaraibes, woraus wir schliessen dflrfen, dass sie in Brasilien nicht einheimisch waren, sondern von den Kariben herkamen. Nachtrag Zu S. 101 Note 1. Gumina ist Cumanaj die schon im 16. Jarh. von den Spaniern angelegte Handelsstadt an der Küste da^ Staates Venezuela. Vgl. S. 112 Note 4. Gotta ist warscheinlio^ San Christoval de los Cumanagotos (benannt nach dem Indianer' stamm der Cumanagoten). Dieser Ort, 1588 gegründet und fai^^ nur von Eingebornen bewont, die von den Salzwerken bei Apa^'. cuare hierher gezogen waren, ist seit 1671 mit der 1637 mw£^^ Meilen davon angelegten spanischen Stadt Nueva Barcelona ver"*^ einigt: beide sind an einer dritten Baustelle in der N&he zasama-'^ men gebaut worden und füren jezt den Namen Neu-Barcdom^ ^ Vgl. Humboldts Reisen in die Aequinoctial - Gegenden von Süd-*^^ america IV S. 369. Zu S. 102 Note 4 und S. 112 Note 3. Der Name ist ent-^ stellt aus Punta l'Araya, wie das Salzwerk an der Spize des Vor^"^ gebirges Araya hiess. lieber den Handel der Holländer daselbst^ vgl. Humboldt a. a. 0. I S. 257: „Da das Vorgebirge Araya da- mals keine ständige Bevölkerung hatte, machten sich die Holländer den natürlichen Reichtum des Landes zu Nutze, den sie -für ein Gemeingut aller Nationen ansahen. Im Jar 1605 schickte der Madrider Hof bewafnete Farzeuge nach Punta Araya, mit dem Befel, daselbst auf Station zu liegen und die Holländer mit Ge- walt zu vertreiben. Diese füren nichts desto weniger fort, heim- lich Salz zu holen, bis man im Jar 1622 bei den Salzwerken ein Fort errichtete, das unter dem Namen Gastillo de Santiago oder Real Fuerza de Araya berümt geworden ist*^ WGrecelius 128 sehen Dörfer Berstett, Olwisheim nnd Eckwersheim von Friedrich Bresch, Püarrer in Mühlhach. Strassburgy Druck von J. H. Ed. Heitz, Schlauchgasse 5. 1878, — 105 S. kl. 8<>. Preis 0,60 M. Der Vorgang des Herrn Pfarrer A. Erich son, welcher 1872 eine Geschichte seiner früheren Gemeinde Hürtig- heim herausgab (s. Alemannia III S. 95), hat jezt in obiger Schrift, soviel Rf. weiss, die erste Nachfolge gefunden. Herr Pfarrer Bresch fürt uns auf Grund der Kirchenbücher die Geschichte der drei evangelischen Landgemeinden Berstett, Olwisheim und Eckwersheim vor, von deneä die beiden ersten den Freiherm von Berstett und den von Dettlingen teils als bischöfliches Lehen teils als Freilehen gehörten, das lezte 1570 aus dem Besiz der Grafen von Leiningen -Westerburg in den der Grafen von Hanau- Lichtenberg übergieng. Der Verf. hat die Notizen der Kirchenbücher nicht etwa unvermittelt nebeneinandergestellt und so abdrucken lassen: er hat es verstanden, durch Benuzung der in jenen Orten üblichen Kirchenordnungen (für Berstett war es die Strassburgeri für Eckwersheim die Uanauische), sowie durch stetes Hinweisen auf die kirchlichen und politischen Verhältnisse des ganzen Landes> die einzelnen, abgerissenen Notizen zu einem lebensvollen Bilde der kirchlichen und sittlichen Zustände jener Gemeinden zu verarbeiten.. Von der Reichhaltigkeit des Inhalts zeugen schon die Ueberschriften. der Kapitel : 1. Einleitendes. IL Der Gottesdienst und die Predigt. Eatechismuspred igten. Jugendunterricht. Kirchengesang (wir er- faren hier z. B., dass der Gesang der Gemeinde erst 1665 in Olwis- heim eingefürt wurde). III. Taufe und Nottaufe. IV. Copfirmation, Abendmal, Trauung, Leichenbegängnisse. V. Von der Ernennung der Pfarrer. VI. Vom Kirchenbesuch, von der Sittlichkeit, vom Aber- glauben. VII. Die Bürgerordnuug von Berstett. VIII. Von der Kirchen- zucht. IX. Pfarrhaus, Gemeinde, Schloss und Kirche in irem Verhält- nis zu einander. X. Allerlei Kriegsnöte. XI. Etwas vom Bettler- wesen in früheren Zeiten. XII. Beziehungen zur katholischen Kirche. Wünschenswert wäre bei solchen Spezialarbeiten eine series pastorum beizugeben, welche ja nur wenige Seiten in Anspruch nimmt und viel- fache Aufschlüsse über Persönlichkeiten geben kann. Der Vrf. hat auch Einzelnes über die Herrn von Berstett aus den Kirchenbüchern mitge- teilt (die Familie ist noch in Baden ansässig) : nach diesen Angaben wird die geschichtliche Notiz über dieselbe im genealogischen Taschen- buch der freiherrlichen Häuser auf das Jar 1849 (Gotha) in einem Punkte berichtigt. Es würde sich überhaupt empfehlen, bei solchen Nachfor- schungen in älteren Kirchenbüchern sämmtliche Nachrichten über ad- licheFamilien auszuziehen und bekannt zu machen; dasleztere braucht nicht gerade in der geschichtlichen Darstellung der Gemeinden zu ge- schehen, wenn nicht die Familie von wesentlicher Bedeutung fßr eine solche ist: der passendste Ort sind historische Zeitschriften oder solche, welche speziell die genealogischen Studien behandeln, wie der in Ber- lin erscheinende deutsche Herold. WOreoelius 130 Veringen, Dorf: die müli ze Veringen in dem darf 1355 Donauesch. Archiv. Vorhof. Die Verkaufsurkunde der Herrschaft Jangnaa 1367 Zoll. Zt. 5, 6 erwänt: lungnow die barg vnd den Vorhof ^ Schil- tow die bürg mit dem Vorhof Es sind Aosidelungen im Schnze, in den Vorwerken der Burgen , die nachher als selbständige Nider- lassungen galten. Dadurch sanken die benachbarten Dörfer zu Weilern herunter und zergiengen zum Teile ganz. Gorheim: in Gorhan 1304. Zoll. Zt. 9, 89. Hausen^ Neckarhausen: molendinator de HÜ8m\22^ Zoll. Zt. 10, 52. Zu Hüsen an dem Näher 1379. 9, 8. EippetsweHer, Ze Hilpolistailer 1367. Zoll. Zt. 5^ 5. Der erste 1150 auftretende Isenburg (sih unten) heisst HtUebold, ZolL Zt. 10, 33. Hiltipolt von Werstein, Abt v. St Gallen 1271— 1279. S. 45. — Ferner kommt H. vor 1246. 1249. 1270. 1279. 1284. 1288. 1291. 1298. 1309. 1327. Hilteboldus miniBier de Eetüngem, 1275 Zoll. Zt. 3, 67. Hitzkofen, Hiczkoffen 1895 ZoU. Zt. 3, 20. Hicßkouen 1427 Zoll. Zt. 4, 66, wie 1405 Zt. 3, 21. Inzikofen bald Inzighoven^ Inzigkofen bald Inzilfofen geschri* ben. Das Volk spricht Inzkofen. Urkundlich Ynzkhoven^ sp&teir Inzkofen, Schnell 14. Daselbst stet noch: Für die Schreibart In* zighofen spricht die Ableitung von „Einziger Hof \ was der Verf. selbst nicht mer anerkennen wird. Junghof ^ auch Sandhäusle genannt, an der Grenze gegea PfuUendorf neben der Straße von dort nach Ostrach. Der Namer von seiner Erneuerung 1577 durch Abt Stefan Jung von Salem. Den zweiten Namen erhielt er von dem benachbarten Sandstein* bruch. Schnell I 86. Küler* Die Zusammensezung von -hofen mit Kirche auch im alem. Küchoven ON Kirchhöfen 1159 Oberrh. Zt. 80, 80. Mdchingen: Malichingen, MaLechingen 1040 — 1100 Zwißtlter Gründungsbericht FUB I No. 7 S. 27. Burchardus de Mdchingen No. 436 ebenda. Maelchingen 1417 Zoll. Zt. 9, 94. Eingingen: Ringengen 1345. Donauesch. D. So spricht man heute. FauUerhof: in Bdlt 1304 Zoll. Zt. 9, 89. Der BoUersbach b. Tübingen schon urkdl. BoUersbach 1191. Stetten bei Hechingen: unam huobam ad Stetin^ unam ad Ingistal 1040 — 1100, Bericht über die Gründung des Klosters Zwifalten. Fürstenb. ÜB. S. 26. In villa Stetin? vor 1211. Zoll. Zt. 2. 42. Tafertsweüer : de Tagebrehteswüare 1200 Konstz. Urk; Zoll. Zt. 9, 84. id2 weg und erhielt sich wie gesagt nur in aafgefrischten ürknnden and Rechtsansprüchen. — Die Bedeatang von Beuron, Benren oder wie man ehemals anch sagte „Klosterbearen*' ist bekannt = habitatio, mansio, bür (Sih im Hildebrantsiiede: prüt in bürCf Weib daheim); altnord. byr, neuhocbd. noch in Vogelbaaer und in Altbaiern: auf' den Bauern = auf dem Lande , den Ortachaften. (München). Arnold 364: „Bei den Baiern, Schwaben, Sachsen und Frisen zimlich häufig." Was Baiern anlangt , so dürfte dch nur die ProY. Schwaben deren besonders rümen dürfen, ich keime Bem- beuren, 2 Beuren, Beyern^ Ottobeuren, Ettenbeuren, Kaufbenren, Illerbeuren, Kleinbeuren, Klosterbeuren, Nassenbeuren, Oberbearen, Salabeuren: die meisten im alemannischen Gebiete. Im Wirtem- bergischen nenne ich Blaübeuren, Beuren bei Hundersingen, uralt u. 8. w. Zeiller in der Oerterbeschreibung des SobwabeDlandes, im Ghronicon Parvum Sueviae Ulm 1653 S. 478 s< die ^yvoder- schiedliche Ort dises Nahmens in Schwaben** auf. — Was die Grammatik der oft schlecht überliferten und noch schlechter ab- geschribenen Formen oben anlangt, so föUt das heutige -on auf; es ist schriftsprachlich, nicht volkstümlich und jedesfoUs aa das urkundliche -on angelent ; vgl. Benediktobeuren, Wessobrunn, Alto- münster, was scheinbar alte Formen sein sollen, durch falsche Schriftsprache eingefürt Der Umlaut des alten ü, iu in eu, ^^) sezt ein altesT bürif hüria voraus, was ON zalreich nachgewisdn, ist Manche Formen könnten auch an ein althochd. bü, büwes, pL büwir ze den bnwirun erinnern mit -ir wie in kelbir, lempir, rindir, loabir, allein die ältesten Belege zeigen, daß an AußfaU des w nicht zu denken ist. Es heißt also Beuren „zu den bewonten Stätten, Häusern**. Vgl. ON 366 ff. Die deutschen Ortsnamen 1868 S. 85. Weigand im Archiv für hess. Gesch. 7, 253 denkt an mkd. hür^ Bauer. 2 «Wildbeuron') In WaUbürrun 1280 Mone Zt. 3, 92. Decima in WaUbimvn 1279 ebenda. Güter in Walipiuron videlicet montem seu fen- dum castri dicti Waltpurch 1283 S. 229. WcMürron Lib. Dee. 107. Eberh. miles de Burre^) 1230 Zoll. Zt. 3, 27. a. 1241—42 bei Schenkungen oft genannt. Es ist W Beuren Wonsiz am Walde oder auf urbargemachten Feldern, die in der Landessprache noch insgesamt zum Gebiete „Wald** gerechnet wurden. Vgl. Rade vorm Walde, Elosterwald u. s. w. 1) Die alem. Formen der Schweiz und Niderdeutschland haben ü und ü behalten. 2) BA Pfullendorf, badisch. Einst Edelsiz und Hofgüter beim Kloster Wald, jedesfalls viel älter als lezteres, gehörte aber ehedem dazu. 3) Oder sollte Burrau gemeint sein? sih Burgau. 134 Lichtschlag Haigerloch. Urkdd. : Gesaez ze Zimmern^) 1340. 1402 u. 8. w. MZ 1 291. Ich habe in meiner Alem. Sprache S. 33 gesagt: „Die eben- falls entschiden deutschen Ortsnamen Zimmern — denn der Deuisdte batäe im Gegensaz zum Homer mit Holz — finden sich in einem Haufen beisammen am obem Nekar — ; an der fränkisch alemanni- schen Grenze kehren sie wider**. Der Gote hat timrjan för bauen, hat vaddjus = Wand aus Flechtwerk für Mauer; der Rdmer Stein- mauern, daher althochdeutsch müra, mM (Dat. mdrom, mdron) den Römern abgelauscht ist, wie Bacmeister sagt. Jedesfalls haben die Ortsnamen Zimmern ein hohes Alter, und der erste Erbauer scheint reformatorisch zu Werk gegangen zu sein, weil sich der Gegensaz zum bisherigen im Namen erhielt. Merkwürdig ist dann auch das heutige urkundlich oft ge- nannte ^yHochmauem^^ (Rotweil) in der Nachbarschaft der deutschen Zimmern, Was die got. Sprache besagt, bestätigt auch die alt- hochdeutsche : zimbarjan = aedificare, struere (hüs), zimd)ar lingen S. 161. Gebort die Stelle castrum in Ilapsperg MH 153 zn 1295 bieher? Die von Hapsberg sollen schon 1108 auf dem Bergkegei über dem Wann tal (Warntal, Wäntel, Warintal v. Waro B) gehaust haben. Diöc. A. 11 100. Alemannisches Gebiet, ob nördlichi oder südlich^ hat den Anspruch auf die ältesten Nider- laßungen des Namens. Habechisburc , Habihtesburc, Habsporch, Habechesberge sih ON; mer unter IlabstaL Ein Landvogt von Baden weiler im 16, Jhd. hieß der Habsberger. BBaader Sag. 1851 S. 27 ff. Ein Hans Hermann von Hapsberg f 1584. Bei St. Blaneo ist der Habsberg, lieber mitteld. ON Arnold 443. 4 ^Hohenberg, ^Frauensberg^) Heinr. et Hugo de Hohetiberg, neben Rud. von Hertenstdim^ (bei Hornstein) 1295 Mone 1 80. Hohenbergy das wiler Urk. 1355. Donauesch. 1367. Zoll. Zt. 5, 6. Im Bingener Perg. Rotel 1494r stet ein Höhinberg verzeichnet. Die Erklärung ist unschwer.. Frauensberg 1367 Zoll. Zt. 5, 6. Frowelsperg daz wiler 135S Donauesch. Urkd. Vgl. auch Lichtschlag Progr. 1869—70. S. 16^ Die Form Frowelsperg kann Deminut. Frowelifiesperc^ aber aacb. ein Pers. N. sein. — Andere alte Stellen scheinen zu sein: am Aliens^ berg, Flurn. Inzkofen 1536. Uf des heiser s berg, Inneringen 1536* 5 ♦Kirchberg*) E. de CJiilicberg 1142 MZ I 12. Hartmannus de ChUchpenr 1160. KircUergUlO, ebenda. Kylperch 1246 MH 32. 1244 Zoll Zt. 8, 69. Kilperg 1263. KUchper g l2bQ. 1260 und oft. Auf der 1) */j St. von Dettingen, altes Pauliner-Eremitenpriorat. 2) Hof, abgegangeDB Burg bei Langenenslingen mit Warmtal. Der Habsberg teilt sich in 3 besondere Berge, die Stubenhalde sigm., den Burgborg mit steilem Abhänge und den Schlossberg, einen stmlen Kegel, der vom Gebirge getrennt ist und auf seiner ser beschränkten Spize das Schloss Habsburg trug. Das Tor, wo der Burgweg von dorn Hab 8 her g bor in das Dorf Langenenslingen einmündete heisst im dortigen alten Seelbuch burktor. 3) Abgeg. Orte bei Veringen. 4) Wirtemb. ehmals zoUerisch und herrschaftlich haigerlochisoh. Zoll. Zt. 8, 80. 140 ein Stairfenfels, zasammenhangend mit dem Egesheimer Skrnr fenberg? lieber Staufenberg in Hessen Weigand a.a.O. S. 288« 8 Strusberg ') In loco qui vocatar Bure et in pago qui vocatnr Scerra 848 St. Oall. U II 6 ff. Furch 1005. Burg 1275. 1824. Lichtschlag Progr. 1872 S. 7. 8. Burk^) Lib. Dec. 45. Das 15. 16. Jhd. Burc^ Burg^ Purg, Das unter dem Felsscbloße angesidelte Dorf hieß Strassberg, und war das Burgdorf, beide villeioht erst im 13. Jbd. entstanden, wärend die uralte Pfarrei Burg mit St. Ve- renakirche, der alem. Heiligin, abwärts der Schmeihen eine eigene Gemeinde bildete, bis endlich Burg und Bargdorf unter dem gemeinsamen Namen fortlebten. Strjcuiberg 1834 MH 856. 8tfüS9' bergt ^e bnrg and statt 1345 ebenda 440. Homines et predia in Strassberg 1253 MZ 179; Ryschach ze Strassberg 1891 No. 421. Straussberg 1404 (der pfarrkiZchen and dem gotteshuse Sani Verenen ze St.). St. Verenen Gotzhüs ze Burg, im Straossbergar Ban 1405. zuo Burg bi Stras^erg, za Strassberg und z& Burg 1428. Lichtschlag S. 10. — Es war also im untern Teile Strafi- bergs, wo die Kirche stet, in uralter 2^it eine andere Be- festigung, die spurlos verschwunden ist; Hefental ist ein Teil jener alten Niderlassung. „Straßberg'' ist leicht zu erklären; die Straße nach Veringen, Sigmaringen, die alte römische Straße be- strich den neuern Bestandteil des Dorfes. Die ON mit „Straße^ gebildet sind häufig; z. B. Strass beiTettnang, str&ssell80. Straas- weiler zergangener Ort bei Langenau. SträssaheUn bei Heidelberg, arkdl. Ich fand wiederholt auffallende Uebereinstimmung der Orte römischer Cultur und des deutschen Namens Straße d. h. Hoch- straße, Steinweg gegenüber dem Knüppelweg, Holzdamm. 9 Achberg') Heinricus de Achberg 1239 Zoll. Zt. 3, 39. Burgau ^Hainburg (Heimburgerhof, Homburg). ^Isenburg ^Schalksburg 10 Bnrgan^i ^Baraa'^) Güter zu Burgun 1355. 1356 und öfter Zoll. Zt. 4, 46. 7, 65 ff. Hof ze Burgun, ze Burgen ebenda. Bei Schnell 1 76 : 1803. 1) OA Sigmaringen? Bisher OA Gammertingen. 2} Man wollte den Birkenhof (die höfe genant Bürken 1508 Zoll. Zt. 4, 24) und Hefele Einfürung des Christentums sogar Benren bei BiedÜDgen darunter vermuten. Auch Schmid Gtesch. v. Hohenb. sezt hinter Bure regelmässig mit ? Benron. Die Verenakirchan sind alle ser alt. 8) Bei Lindau, Endave. 4) Halb zolleriscb, halb wirtembergisch, OA Riedlingen. 5) Ein alter Burgstal bei Wald. 142 (der Burg) m Jungnau, vgl. Oberrb. Zt. 21, 419, Sih mer bei den ,, Flurnamen/' Vor den Burgkstedsm, Inneringor Flurn. 1536. In Orenburg^ Flur, Unierschmeien, ebenda; imJBifln^- stal beim steg, ebenda. Betraer Burgstal. Burgweg^ Haigerioch. 18 *Schilksbiirg<) ScMtsiburg 1266 MZ I 206. Uf der bnrg se SehätgOmtg 1349 ebenda No. 316. ze Scluükshurg 1369 No. 349. SehäliM^m^ 1370 No. 354. Castrum Schalkzhurg 1876 "No. 368. 1894 und 1395: Schdlzhurg. Schälksburg ist des Fr. von Zobre 1326. Zoll Zt. 4, 33. Zum Vergleicb mögen noch das ehedem hdfeoBtoiii- scbe Schalksietten und Schalchi^}erg 1226 MH dienen; die Bekge sind zalreicb. Aus der althochd. Zeit haben wir ein österraM. Scalcoburg 863 und aus derselben Zeit ein Scaloobmnnon ON: Scalcaburg, Scalcbcsbausen , Scalcbaswinchil n. s. w. Oot. dcalki, servus im Gegensaze zum höhern Diener, znm Minister andfafthto. Vgl. Graff 6, 480 ff. Förstemann in Kuhns Zeitsohr. 15, 165. Der Wechsel von t, z, s, k hat nichts Störendes; was richtig ab- geschriben ist^ kann die alemannische Grammatik verantworten. ^Baldenstein ^Höllenstein, Holstein Homstein ^Uunnenstein ^liichtenstein ^Wekkenstein •Werstein u. s. w. 14 «Baldenstein*) Urkundlich schon 1. Hälfte 12. Jhd. 1329 Zoll. Zt. 4, 86. - Als Flurname westlich von Inneringen auf dem Veringerfeld et' halten. Eine Anzal ON sind in der ältesten Zeit vom PN BaUo ' gebildet: Baldingen, Baldanbeim ON 198 ff. Vgl. Duos invenio fuisse pagos Baldenstein alterum prope „Wimpsbeim"* et alterom prope „Ineringam^^ in Alpibus. Sulger I 276. Hae duae villae Baldenstein et Ostheim inter Jungingam et Ineringam alpestraa pagos olim sitae bellorum motibus extinctae sunt. I 81. irrt, sih Lichtschlag Progr. 13. Johler 209. 1) Bei Balingen. Jezt wirtembergisohy einst ein wichtiger lolleii- scher Besiz, wenigstens von 1266 an. 2) Zergangene Ortschaft bei Veringen, Flurname. ,,Bekanntlich sind weitaus die meisten mittelalterlichen Bargen unserer Gaue, welche den Namen Stein — selbständig oder in Zusammensezung mit einem andern Worte — tragen, nachweisbar römischen Ursprungs. Ich er- innere nur an den Stein zu Ortenberg, su Diersbeig, zu Rheinfeidan und zu Baden im Aargau; an Eberstein, Ist ein, Falkenstein. Der Germane nur mit Holz und Lehm zu bauen gewönt, konnte die eisen- festen Römertürme nicht einfacher and treffender bezeichnen.*' Oberrh. Zt. 23. 144 17 *IliimieBit6tB>) Eine Kapelle des bl. Nicolaus auf dem Hunnensiein bei Trochtelfingen vrird in eiDem Indulgenzbriefe von 1822 erwftnt. Beiträge zar BelenchtuDg der altern Geschichte der zoll. Lande. Sigmaringen 1863 S. 61. Die Stat. Capit. Trochtelf. 1737 achrei- ben capella Hennenstein. Hun = Bergrücken? daher die vilen volksetymolog. Hnndsrücken. Vgl. die altd. Belege des dankdn Wortes bei GrafiF IV 960. 18 «UoliteiistelB') Swenger von lAechtenstain 132^ Zoll. Zt. 4, 83. Eb«*h. Ton Liehtenstain 1340. Uolricb v. L. 1392. 1293. 1418. —MZ I 461. 477. 512. 522. 531. 556. 561. 679. 583. MH No. 771. Neofra under Lichtensiain 1405 Zoll. Zt. 5, 26. Ich erinnere an die nn- zälicben Lichtenstein, -eck, -egg, -berg, -fels; obenan stet der bekannte Lichtenstein mit seiner Romantik (von Hauff). Zwisdien Leinsletten und Bettenhausen rechts über dem engen Waldtale der Glatt ligen die Ruinen von lAchtenfels^ von Fritz dem Oeünger als „altes zerbrochenes Schlössle angetreten als werlich hergerich- tet worden.*^ Bei Harthausen -Oberndorf ist das alte LidUeneek^ jezt restauriert; Lüechtenberg, Flum. bei Salem. Seb. Bürster 185. Lichtnau^ Hechinger Flnrn. Es ist aus althochd. liohti, hell, klar, weithin scheinend gebildet; daneben deutet es auch oft nur ent- waldete Kulturstätte an, was im fränkischen Lar ligt. 19 ''Wekkeniteln') Burchardus de Wekkenstein 1280 Zoll. Zt. 3, 37 und oft. Das WU III hat Wekenstein, Weckenstein, Wekkinstein, S. 270. 445. 457. 458. 425 u. s. w. Eine Grenzbeschreibung 1460 (Schnell 165 ff.): ußer dem stain bei Burkwyler den rechten weg für imm lindlein die Schmihen daselbs uf gen Wekenstain in das burgstal (jezt Wald bei Oberschroeien). Da die bissherigen Zusammen- sezungen mit -stein keine Personennamen (Baldo?) ergeben, sondern auf Lage und Bodenbeschaffenheit hindeuten, gerade wie in Volme- stein (Einfluß der Volme in die Ruhr) und vilen sächsischen Beispilen so haben wir uns an ahd. toekki, weggi = Keil oder an das faktitive wecken zn halten ; ersteres würde die Eigenschaft des Berges anzeigen, lezteres, änlich wie schrecken in Schreckenstein, das aufschießende, emporragende Felsschloß bezeichnen, aber immer 1) Bei Trochtelfingen. 2) Bei Neafra, OA Hechingen, zergangene Burg; die Trümmer von Vorder- und Hinterlichtenstein noch sichtbar. 3) Zwischen Oberschmeien und Storzinfjfen , Ruinen noch sicht- bar. In dem Durcheinander der Teck-Sagen kommt immer und im- mer wieder ein „Weck*' als urspr. Name vor (Jacob Frischlin, wirtb. Beschrbg.). 146 Oorh. Mortnar. 1350 Bl. 4b: wis gelegen by dem siakMis ge- nempt des Jungen vris gent den Clösnemun ze Layts n. s. w. Eigen- tümlicberweise bieß das Schloss in Krancbenwies Wasserhaus. 21 Hoheiifeli '), Ltehtenfeli >) Nach Eiseleios Angabe 1148 der erste nrknndlicbe Nachweis» Gesch. d. Stadt Konstanz S. 252. Burch. de Hohenvelsi 1291 Barack in den Schriften des Vereins f. Gesch. des Bodenseea 2. Heft (1870). Ebenda z. 1212. 1216. 1222 u. s. w. Hohenfds 1222, de Honvds 1223, de Hohenvelsi 1256 Zoll. Zt. 3, 49; der Minnesinger Barcard y. H. 1226. 1285. Oberrh. Zt. 29, 143. Mone U 486. 1263. 1270—1292. Barack S. 73. Vgl. Vilsingen. — Im Annivers. von Neidingen kommt eine Familie (Kinzigtal) Felsberg, Velsenberg vor, die jedesfalls von einer Oertlichkeit iren Namen hat. Felsen heisst auch ein furstenb. Wald im Tiergarten. — Lieh" tenvelz, Berth. von, 1298 Furstenb. ürkdb. I No. 660. — Wü- ({ent;62$= Wildenstein oft in zoll. Urkunden. Der ^laufelSy her- wärts gegen Sigmaringen am rechten Ufer der Donau, mit der schönen Lindenallee einen Teil der fürstl. Anlagen bildend, sollte einst zu einer Klause auf dem Bleuelstein oder Bleuf eisen dienen; doch die Frauen ließen sich in Inzighofen nieder. Sage. 1854 Schnell I 5. Bittelschiess * Mottscbiess Schemegg 22a BitteUchiess ') B. de Biädschiess 1087 Mone Anz. V VI 305 ff. Bertoldus de Bfdelscieg^ Notit. Fund. S. Georgii Mone 9, 207. Biäüschies 1216 MZ I 92. Bert, de Butelshiz 1223 Mone 1, 76. Biuielschies 1265 Mone Zt. 3, 78. Hugo de Btätelschiess 1267., St&lin II 501. Butüschies 1266 Lichtschag Progr. 1869—70 S. 3. Büttelschia Lib. Dec. I 106—108. 153. III 75. Püttelschiess 1423 Zoll. Zt. 1, 9. In einer homsteinischen Urkd. 1460 kommt merkwürdigerweise auch ein Wald- oder Feldname Schissbiich vor. Zoll. Zt. 8, 28. Der Belege ließen sich noch yile bringen. Die Erklärung des Bestimmungswortes sih Bittelbronn, Das Wort -schieß ist oben kurz erörtert; es bedarf nur noch der Nachweise für die gegebene Erklärung. Bei Pforzheim ist der berüchtigte Wald Hagenschieß^ Oberrh. Ztsch. 20, 19. 25, 116^). Im augsb. Schwaben gibt es 1) An der badischen Grenze CA Sigmaringen. 2) Ehmaliges Schloß auf jezt sisinar. Boden. OA Salz, wirtemb. 8) OA Sigmaringen. — Ruine bei Homstein, hat dem Bittelsohießer >T&lec den Namen gegeben. 4) „Pforzheim ligt am Hagensohieß und den Orensen des Graichgows." Zeiller, Oerterbeschr. S. 042. „Auf den südlichen Bergen 148 ab weit kenntlich sind; sodann gehört in manchen Gegenden die Sattelform dazu, wenn der Vorsprung durch eine halsartige Ein- buchtung kenntlich ist. Das alem. Gebiet, sowie das tyroliache, haben unzäliche alte Namen einst oder jezt noch bewonter Orte Honegg, Jungingen; Langeneck, Wald, Jungnau. Prescheneck in der Ortenau , Zoll. Flurn. an der Grenze bei Schloßhaosen. Stahlegg bei Löffingen, zerfallene Burg im Wuetachtal. Fru$%deek^ an der Einmündung des Eyach — in das Nekartal. Zoll. Zt. 8« 58. Tanneck (1123 Taneiko?), Bonndorf. Wildock bei Rotweil. Brand- egg b. Domhan. Fritscheneck, ortemb. Hof. Lichteueck oft. AUe PN -egger in Niederdeutschland stammen aus Süddentsohland. Die fränk. PN sind Dative Plnr. Nideggen. Die Sonderegger, Honegger in Bonn sind Eingewanderte (Baiern?). X Tal Au Wis Wang Ahd. t«im PN Kravek, Kr»ch blmb«D. Bemerken will ich noch, daß diA ZironiBrieohe Kr. bald Krauchen- bald Kirüchenwifl gebraucht. £IiD«D alUn Flurnamen, der auf balbkrei aförmige Lage dentet, haben «rsr in Cirgffumnte 1275 Mone 1, 77. 10 "Wugn') Adilh. de WoHgai — In poMeuionibns Bais in Wangen apad Ovtra 1262 Mone S, 71. 323. In Wangen apud Oatrach 1296 3, 483. Wir werden doch bei den apfttern Nnmenabildungen ikiST mar au wang = pratam denken dürfen. Bei den älteren, die bsC ini 8. 9. Jbd. hinanfrei chen, maß daa allgemeinere campna an- g-^vaert werden. Farstem. 1863 S2S1 nennt als Heimat iwei große l-s^ndioballeu im S dar Dooaa. Die erste stellt ein Viereck dar, d^t^Mon Ecken durch Sigmaringenj Donanwerd, Mttncben nnd die I'^»«bqaelle gebildet werden. Aue diaen Grenaen, in denen sicher &l>«r 100 waitg ligen, aohreiten diae Namen in vil dflnnerer Orup- ps^Tnng nur in den bad. Oberrheinkreia , deutache Schweiz, kaum Kl leitwiigw. DertwMt') ThudOBanck 1275 Lib. Deo. Tadetcanch, ebenda S 152. Ze T^amdvangent ^"^ l^^^- Tudwang, SUt. dea Cpta. Linzgau, Diäc. A. II 193 ff. Es gibt im Althochd. einen Stamm duth, dtU, dud, d«r kleinere und größere Waßer bedeutet ON 600. An Tint- v'niH), Dietwang ist kaum zn denken, wiewol es am nächsten läge, *^n Tiuto, T«ut- anzunemen. B bezeichnet die Ifeulenau bei ^■8in. all von Teito herkommend, fQrt aber gleich abd. tutäeholbo^ Voakolbe, typha, Deutenkotbe, Dentelkolbe an. Im Allgäu ligt ein ^>~t Deutelm>oa\ an der Donau hei Ertingen ist eine Iteuienau. ^ faättan wir den Namen Tutt , Tuttili = mamillae. Das kannte ■ach mit der Stelle Tjten Ow im Gorbeimer Mortuar 1350 fQr <'^* aigm. Deutenan in Einklang gebracht werden. Ich vergleiche U«x- Booh Thntinh&gen, ThatenhÖBeu, Tuchtenhusen 1234 Mone '•^- 8, 281 i llnhtinhftten 1257 Dichtenhanaen, bad. Ueiligenberg. 1) BA Phllendorf, ehedem eingepfarrt zu Oitracb. Wangen bei oM«iu ist sohoD 1187 belegt. Hone Zt 1, 323. 9) OA Sigmaringen, einst OA Wald, jezt Filiale von Mindersdorf. 8) Der fikmisoh-haohdentache Name ist Donae (zu dinsen? anf- K^nnsen?); sonat heißt er noch Rorkolben, Narrenkolben, Bulater, Kn«bel, Knoipe, Bürste, PLnael u. a. w, Hermann QrsDmann, deutsche Tnanieonamen, Stettin 1S70 No. 6ßT S. 217. Dieffenb. Üloaa. G16a: ^Akooepei), lieeobdoddeo: Nov Gl. 366: herba in aqua (tTpha) dudel- Itolbe a '■ 15B 12 OttenwtBg') Pratum in Otiinswangh, bei Wald 1260 Mone Zt. 6, 407. 0. bei Waldsee soll Otolveswanc heißen Mone 1 837. Zam PN Ottino, Othelin sih oben S. 29: Ettisweiler. — Weihioang — davon stet mir keine urkandliche Form zur Hand. XI Althochd. huliwa, lacuna, uligo, sordes limi vel aquae; lacha, Pfüze; far, var, Ueberfarstelle, Pftre Steinhilben RotcnUchen Neufra [Mindersdorf] 1 StelnhillMii') Ad Stainhulewe, Acta S. Petri in Augia Oberrh. Zt. 29,46. Stainhül, Stainhtdwe, StainhiOl 1244. 1289 WU II. Dietrieos et Dienio de Stamhultce 1290. MH No. 122. 1297 ebenso. DeStam- hülve nOl MH 192. Stainhtdve IS3S. Vüiager yon Sieinhiaw 1349 No. 470. 1353 No. 504. 1379. 1387. Ze StainhiÜwen, 'hykdwm 1386 Zoll. Zt. 8, 3. Ze Stainhülm 1386 S. 4. Hans von Staii^ hiUb 1394 S. 6. Die von Stainhuli (so zu lesen stat Stammbali), der von SiainJiül, Annivers. v. Maria-Hof bei Neidingen ed. Fick- 1er II, 19. 20. Auberlin von Stainhiai UlS MZ No. 587. Daher Hülicer, Albrecbt 1338 MH No. 398. Die einst weitverzweigte Familie des Namens erscheint in einzelnen Mitglidem als die Pfüzer, Pfiziger, Pfutz, sogar von Pfuz Zoll. Zt. 8, 1, was nur die UebersezuDg von Hülwer ist. In meiner Heimat Warmlingen waren die Steinbilber wol bekannt und begütert, daher Pfnzental, eine Flor, jezt Feisental den Namen hat. — Hiezu gehören die ebenso alten ON TiufenhtUuwe 1152 Mone Zt. 1, 338; auf der schwäbi- schen Alb, (Ehioger OA Beschrbg. 129) heute Tiefenhülen. Der Weiler Onhülben OA Riedlingen urkdl. ze Hohenhuluwe 1287 MZ No. 227, (Die OA Beschrbg. HonhUb, Honhilbe, Honhulewin.). Berghülen OA Blaubeuren urkdl. Berchulwa Barkülen (sie). CA Beschrb. 140. Flur- und Waldnamen sind auf der Alb, auf dem Heuberge zalreich. Sih unten b. d. Flurnamen. HiUe^ Hülhe^ Hilb gehört der schwäbischen Alb an = Zisterne, Dorfbmnnen, be- sonders zur Viehtränke. Münsinger OA Beschrbg. 59. Ich habe in meinem Wörterbüchlein z. Volkst. S. 45 und in meinem Angsb. Wb. 237 über das verkannte Wort gesprochen. huUu?a Graff IV 881 ff. Mhd. Wb. I 680b. Lexer 1382. Das einfache hol, hui mit der Bildungssilbe w, wa ist anzusezen. Was die Grammatik be- trifft, so kennen wir b = w aus Ao&ingen: Owingen^ Tübingen: 1) OA Sigmaringen. 2) OA Gammertingen. 157 rFa*riiig«ii a. B. w. Alem. Sprache 140. Du AsiimilationB-a: haltiwe bt D«beD flbODO, haagotogon n. s. w. an itellen. Die amtliche Schrei- bnug SteiDÜlheD ist der Mundart gemäß; vgl. Gauselfingen at. Goßfllfingen. Besfiglich dev Geographie dei Wortes hat es Bich, ^»ie Bcfaon gesagt, aof der Alb am häufigsten erhalten; im Mittel- alter war d^s Wort allgemein, wie wir aus uozäligen Stellen, gams t>eaonden ans dem Vridauc ee wiKen. Garia Sotinlachi 1266 Mone Zt. 6, 408. Burcart von Soten- r^M^m 1835 ebend. 10, 4fi9, 461. Boienlachm Zimm. Er. IV 107. C^u Bat timmungs wort ist rot trüber nod jede Anlennng an rodeo, nr^as fr&nkiach, ansgeachloßen, da nur Beul- sten dürfte. Hit „rot" b^aeichnete der Oermane altrömisohe Niderlaßungen wie in Rot- NT oil, Botenmttnster, mit rdmiachen Ziegeleien, also wo Ziegelerde, La^m i^t, das kann rot heißen. Die zweite hier zutrefiende Er- klärung get anf die BoUoasser mii^ck, die im Schwarzwald oft vorkommen. Wer kennt nicht die RoatUchen beinahe im ganzen ^«agib. Bistnmsgebiete? Die filteste Botlache bringt wol Dümgä, tt«ad. Regesten 9, 6. a. 926 lat. ad rnbrum volutahram, ein alter 0^£>| neben Stonfinberc, Seleberc. Dsher gehört die Botmarg, der ^1&« rfimieche Bolbnmnen bei Eieslau; die bair. u. sohwäbischen H«^en Rottach, Rotach, Rotmos u. s. w. sind zallos. Daß das •l'tlioehd. lacha schon frühe zu and Fl. Namen genommen ward, iB^ ielbstTerat&ndlich. F.in abgegangener Ort Lachen war bei Je- ■ingn Schmid Pfaligrafen 131. Apad Lachun 12S&. Praedium ad J^aiAen 1219 bei Tettnang. Wie an der alten Murg vile Flarn. ^JeHorlaohe, Darrlache, Scheidlacbe n. a. w. so anderwärts auch, ^■«weilen könnte Zweifel obwalten, ob die urkundlichen Stelleo I^blia, Uhhi, lAche oder unser L. meinen: der Volksmnnd ent- ■cHeidet, da jene« 6, ao, dises nur ä in der Aussprache hat. *<*lketttmlicfae Sobriftatfloke überheben den unorientierten Leser *^l>ald des Zweifels, was bei oAa nnd ahi schwieriger sein dürfte. a iMfra*) Nänfron Lih. Dec. 84. Gen. Nuffran MH 890. In Ermange- Itttt^ älterer Belege ziehen wir die gleichnamigen ON Nenfrach (^^lemertal), Nenfra (Riedlingen) und Neufra bei Rotweil mit iren ^^^^sten Nachweisen lu Rate. In salem. Urkdd. de Niuferon l]^9, Äoae 1, 823. 1283 : de Sivron, ebend. 3, 230. Die Formen zwi- ■<^l»«n 1171 bis 1299 sind Nivnrun, Ninron, Nüfron, Nüfren, Nl- "^n. Ganz so laaten die Stellen für die beiden „Neufem" an der ^tnch, wo die Straße von Leipferdingen nach Blumberg fürt, 1) OA Si \ 1) OA Sigmarinsen. 8) OA OanunerUiigeii. 158 Bargstall und das schweizerische a. d. Thnr, oberhalb Stammheim. ^Nifern^ an der Enz heißt im Cod. Hirsang. Nieueren, Im 16. Jhd. erscheint Nieffem Mone 2, 217. Aus der sog. ahd. Zeit ergeben sich für bair. elsäß. Schweiz, fränkische Oebiete die ON Niufaren, Niaferen, Niwora(!), Niwifaron, Niwivara, Niuvaran. lw. Cod. Laur. Sih ON. Graff 11 574 legt wie ON richtig fiar, Yar zu Grunde. Wenn dises Grundwort so ser seine Betonung und gar sein Verständnis eingebüßt hat, so unterlag es nur einem all- gem. Geseze. Uebrigens betont das Volk doch Min altes a ge- hörig, macht sogar 'Och daraus (Riedlingen), aber auch nur das alemannische; die fränkisch - alemannische Gegend Altwirtembergs gab a in var, far dem nasalen en (franz. en) zum Opfer. Wenn Orte des Namens („zu der neuen Färe) nicht an Waßem direkt ligen, sondern sogar auf der Höhe, so hat doch urspr. der Ort seinen Namen vom Tale herauf angenommen, wie gerade bei un- serm zollerischen Neufra. Das bist, topogr. Lexieon ▼. Schwaben sagt von unserm N. „Ehemals hieß der Ort Neuferon und von den Einwohnern bäunsch Niufra ausgesprochen.^ [4 Mindersdorf] Mindersdorf S. 41 ff. Suanahilt kam ans dem Linzgau, will über Zurzach nach Reichenau : cumque jam in villa, Muneheresdorf nuncupata, prozimam monasterio mansionem habuisset. Vom hL Blut in Reichenau, Mone Quellens. I 74a. Waitz bei Pertz Mon. bist. Germ. 6, 146 ff. Neugart Cod. Dipl. I 489: Mvneresdorf. Gallus Oheims Chronik von Reichenau (ed. Barack) 56, 10 : Myn- nersdorf; 82, 2: Münderstorff ; 94, 9 ebenso. — Von andern zollerischen ON hat die vorgenannte Eronik noch folgende: ßur' chingen oder Burladingen uff der Schär, Eingingen uff der Schär, Fischina (Fischingen), Emphingent Welbelingen (Wilflingen), Trich" toi fingen (Trillfingen oder Trochtelfingen S. 19). Laitterberg S. 484. Hermandingen 47, 22. Obemdorff 73, 17. Zu Liggeringen (unter Ligger sdorf S. 41, 3) vgl. die Formen Lügaringen, Lüggeringen, Lütgeringen, Lutteringen (Radolfzell). Zu Ettistoeüer vgl. Otte- lingen 55, 6: Ettlingen. Otelinisstette? Nekrolog. Annalen von St. Blasien 1077 Mone Quellens. III 615a. ABirlinger .* Alte gute Sprüche Mir brueder fuereu ain hirten orden, Zue Wein trincken sein mir geboren. Der Suntag ist deß montags brueder, 159 .Am AfR^rmontag ') ligen mir in Ineder, ' ^n der Mitwooli kinden wir nicbU Bch&fieD, Am Donderatag thnen wir niclitB d&n gaffen, Der Freitag will ain besooden hau, Hit vrlab am samptag wollen wir in du päd gan^}. Also hatt die wuohen an ende. Das vDi gott der harr ain faß wein sende Daraa gnett lemlen vnd wecken. ' Vrirt lafl dich das nit erschrecken, I>a darfst an mir nit schmalen. Gib mir dein teschen, ich kban dich freilich wol zaien. All voll khainer 1er, Wirt trag meer her I Gling glang glorian, ich han mein gelt vertboa! Han ich nit ain pfenning meer darinne ! £s mueet ain Beiche peorin sein die wir gnneg thet gewinnen. 1539. Handschriftlich am ScMufie eines Drucks von Charton (Be- tieuhMfi vtm Offenbarung «wer kgmlischer Influxion des kocher- famen Magistri Johannis Charionis Buetikaymenaia) in meinem Seaiee. WCrecelius Ein harte Nnfi ein stumpfer Zahn, Ein junges W«b ein alter Mann Zusammen sich nicht reimen wol, Seins gleichen ein jeder nehmen soll. Tnrpe aenex miles, tnrpe senilis amor, Est in canitie ridiculoBa Venna. luglans dora dena corrosna, Nora napta sponans rngosus. Friedr. Jtd. SoHmann. Rituale Nuptientium oder Beschrei- fr«*«? der HockeeitgebrOu^e, welche unter den bekamttestettVOlkem ttbUch sind u. s. w. Bremen 1715 S. 236. Gar zn jong and gar zvl alt Verdirbt den Ehatand mannigfalt. Wenn dn.wtlt das Mftgdlein haa. So Bchan anvor die Mntter an; 1) Sohwibiseh-anfftb. Wb. t. Birlinger SOa. Zwei Wocheureime lur Tergleiqhung ebenda 4S4a. 2) Vgl. alte gate Sobw&nke ed. KeUer. 3. A. S. 68, 9. 160 Ist dieselb von guten Sitten So magst du um die Tochter bitten. Ebenda 263, Ich halte meine Frau, sagte jener vor dem Richter, wie ein ander seinen sameten Pelz. Wenn der nicht zum längsten über den dritten Tag ausgeklopfet wird, so kommen gar bald die Mot- ten hinein und wird er gar verdorben. Ebenda 274. AB Auf der breiten Klinge einer deutschen Hellebarde, die im National-Maseam zu Florenz auf be wart wird« stet: Auf der einen Seite: Guissen bin ich genant, Kayser Mazimilianus woi bekant, Da in sin underthan fangen hant — Zu Brück in Flandern das geschach — Ich Hess mich brauchen zu der sach, Mit mir gar manchen man erstach« H. H. M. Auf der andern Seite: Nero ain arge Bosserwicht der Unglick yil hat angericht, fünf jar hat er gantz wol regiert, gantz grausam drauf tirannisiert. Beschlief sein mueter also alt, Hess aufschneiden sie alsobald, damit er sech sein legerstat, sein Schwester er geschwechet hat, Greif frawen und jungfrawen dran, und Hess verschneiden ainen man, aus im wolt machen er ain weih, gross schand er mit den knaben dreib. Und sein zuchtmaister Senecam, der in hat gelert mit zucht und schäm, den hat er zwungen mit gewalt, er solt im selbe erwölen halt, welches todes er lieber sterben w.olt: hier war kein anders dann er solt sich genzlich des versehen thon. Der gut alt man gedacht: ey non! und hat gar bald ain fand erdacht: ain wasserbad ward im gemacht, darin setzet er sich behend, 161 lies adeni achlogea an dem end und da das leben am sertestea war, faor sanft hin za der alten schar. Liea fischeii mit gOldjnen gam, da borbimeiden schnier in wam, er lies airnnden Rom die stat au Bechen, wies gebmniien hat die grosaeo stat Droiver, verbreot daa man weder ort noch blatz mer kent, da aie vor zeitan je det stahn. Vil solcher Inst hat Nero gefocbten an, dmm ist im worden auch sin lan. Nach einer Abschrift des Herrn Baumeister FLnthmer. Vgl. wu die Mirabilia nrbis Romae von Nero erzälen*. „Der sechst cvyaer ze Rome Nero der poß 'hdtrich wnrd cajser, regiret xmj iar, jm was kain boßhait z& groß, er ließ sein mntter anff schnei- den, das er mocht gesehen wo er gelegen were vnd ließ Senica ^^n BCh&lmajster totten vmb dos er in der iugent gestranft hett, '^rwiä. er was der erst cayser der die cristen dnrcfaechtet vnd die ^E~WTen aant Peter vnd sant Panl legt er nil mart«r an vnd nil an- d^r haiigen, vnd er zandet Rome an mit (tU an sij enden willig- lm«3ta, das er non deih grossen fAr ftfid hette. Die Rßmer weiten i>3 dar vmb ertAtt haben, do entran er in in ain wald,' do er sach cLcu man Buchet, do stach er sich zetod." Nach einer Handschrift dmser ISQO in Rom gedmcktan Uehersezung, in meinem Besize. WCreceHua Volkfitümliehes , Sagen , Aberglauben ') 1 Qnellaage von Teinach. Bei Verfolgung der Parte d^aWUdea kam ein Jüger bis auf die Talsole an eine dicht um- ^^«k«liMne Stelle, an die er noch nie gekommen war. Da sah er ^^ (einer Ueberraaohnng unweit von dem Rande des Baches einen ^y^onerstradel emporquellen, an welchem einige Hirsche badeten. ^A« war die mineralisobe Quelle, welche spiit«r so manchem Kran- *«n «ur Gesundheit, manchem Gesunden zur Verjüngung half) ^*»«J welche bis auf den heutigen Tag die Hirschqnella heißt. \Mfludlicb.] 1} Alem. T 361 fF. Oben S 89 Z 26 lia Eopf statt Knopf. 3) ESne QueDinsehrift in Teinach lautet: Aegrotoa sano, s: o. Vgl. die Sage von Wildbad. 162 • 2 DerSchäfersfelsen im Teinachtale. Bei dem Brück- chen an der Walkraüle im Teinachtal, wo die Neubulacher Steige beginnt, tntt zwischen der Straße und dem Ufer des Teinachbaches auf einem Wisengrande ein schwarzgrauer Sandsteinfelaen zu Tag, unter welchem ein verwunschener Schäfer begraben ligen soll. (Mündlich.) 3 Mutesheer bei Dennjächt. Zwischen Dennjächt and Unterreichenbach wird die im Nagoldtale hinziehende Straße zur Linken von einem ziemlich hohen Raine begrenzt. Derselbe ist alljärlich schön begrast bis auf einen kreisförmigen Ring von etwa einem Meter Breite, welche Stelle beinahe ganz kal und abgestan- den bleibt. Hier läßt sich, wie die Sage get^ das Mutesheer nie- der; denn die Stelle ist einer seiner Tanzpläze. (Mündlich.) 4 Der Geist in der Sonntagshütt. In der wildroman- tischen und abgelegenen Schlucht des Monbachtales (Grenze zwi- schen Baden und Wirtemberg bei Liebenzeil) stand auf der badi- schen S^ite eine bewonte Hütte an der Berghalde, deren Trümmer noch jezt vorhanden sind. Iren Namen hatte sie von einem Be- sizer, Sonntag. In diser Hütte hauste ein Klopfgeist, der aller- hand Schabemak trieb, das Vieh im Stalle losband, Türen auf und zuschlug, so daß die Leute vor im keine Ruhe hatten und schließ- lich sich gezwungen sahen, die Hütte zu verlaßen. Diser Elopf- geist soll ein /ruberer Hirschwirt in LiebenzeU gewesen sein, der im eigenen Hause habe gehen müßen. Ein Geisterbanner habe denselben aber in einem Sack in das verlaßene Monbachtal hin- ausgetr^en und in jene Hütte gebannt. Andere haben bei dem Elopfgeist auch an einen verstorbenen Holzdieb, den Strickerhannesle, gedacht und sprechen, wenn sie von dem Spuk reden, kurzweg vom Strickerhannesie. (Mündlich von Dennjächt.) 5 Sage von Monakam. Der Ort Monakam, der jezt auf einer Hochfläche ligt, soll früher am Talabhang in der Rich- tung gegen Neuhausen gelegen sein, auf der Flur Weiler&cker, auch „im Garten^^ genannt. Im Schwedenkrieg ¥rurde der Ort aber zerstört und später auf der jezigen Stelle erbaut. Auf den Weileräckern stieß einst ein Bauer beim Pflügen auf einen metalle- nen *Keßel, der einen großen Schaz enthielt. In der ersten Ueber- raschung stieß er nun einen Fluch aus, worauf sofort der Kessel in die Erde versank, die sich aufgetan hatte und über demselben sich wieder verschloß. Auf diser Stelle hat man zu verschidenen Malen, hauptsächlich zur Adventszeit, ein großes Feuer gesehen. (Mündlich von Monakam.) 6 Der Geist von Wekershausen. Hinter Unter- haugstett, am Rande der Hochebene, links von der nach Lieben- zeil fürenden Straße stand ein abgegangener Wonort Wekershausen. Dort get ein Geist, welchen merere Leute als eine hohe Flamme, halb so hoch als ein Haus, schweben gesehen haben. Die Erschei- 163 long hat nicht selten anch Leute, obwol «ie mit der Oertlichkeit fani wol «ertr&nt waren, irre gefQrt, indem sie die „F&ckel", v«Uie erat vor inen hergieng, plOzIicb anf ganz anderer Stelle Mihtn. (Hündlioh ron Ottenbronn nnd Unterhangetett.) 7 Geister beim Gaisbnrger Scblofi an weit Bolz- >TeDn. Anf d6r Holderwise bei Holzbronn, nahe dem Wald, am •*iiAv^ ni den Ruinen des Oaiabnrger Schloßes, hat man Nachts :a Tsnchidenen Zeiten stete zwei oder drei gegen einander wan- teinde Lichter gesehen. In den fSnfziger Jaren geschah es ein- asü, daß swei HolzireTler, Brüder, zu später Stunde noch in dem ixutoßenden Walde waren. Auf einmal kam ein großer Hnnd her- •a, für dem einen der Brüder zwischen die Beine und trug in ros ftller Yenuohe, sich frei zu machen, und troz ollem Hilferufen ■ittliagi eine weite Strecke, der Schloßmine zn. Die Holzbronner rarsiebem »nf das Bestimmteste, die Lichter nnd der Hund seien ktAne natBrliche Erscheinungen, sondern Geister von dem Gais- bnrger Sehlofie. (Mündlich.) 8 Der Wettera'bleiter vor Altburg. Unweit des Ortes AHWg bei Calw, erhebt sich anf der früheren Pfarrwise, hart ■n Wege, ein kleiner Hügel, anf welchem früher ein Gartenhäus- Aat gestanden; dasselbe soll vom Pfarrer Bohnenberger erbaut forden sein, einem Manne, welcher im Kufe stand, übernatürliche Kflsste betriben za haben, namentlich soll er' auch im Stande ge- nasen sein, ein Wetter in einem Kochkessel zu bannen. Von dem Sllgel, anf welohem das Gartenbäuscben stand, get nun im Orte & angemeine Sage, derselbe sei für den Ort ein Blizableiter, sei <)ii Wetter bis dahin vorgeschritten, so komme es nimmer weiter. Tittache ist, ,daß Altbarg Sußerst selten unter Blizschlag und Ge- vitteraohaden zu leiden hatt«. (Iffindlich.) 9 Lichter hei Altbnrg. Bei Altbnrg hat man an der BUlle, wo frflher das jezt abgebrochene Schloß stand, öfters, und Wndera in der Adveutszeit Lichter wandeln sehen. (Mündlich.) 10 Der Altar in Monakam. In der Kirche zu Monakam riet ein gesohniater Altar mit Flügeln, der um 1802 von der in i»a Kirchhofe gestandenen ursprünglichen Kirche in die jezige KiKhe übertragen wurde und zu welchem in früheren Zeiten aus 'an Schloß Liebeneck und Umgegend regelmäßige Wallforten ge- ■diahen, Aach sollen an diseu Altarschrein bedeutende Rechte a den nahen Herrschafts waldangen geknüpft gewesen sein, web- ngeo die Weilderst&dter denselben gern an sich gebracht hätten, indem sie sich erboten, sovil Kronentaler dafür zu bezalen, als Bau brauche, nm den Weg von Weilderstadt bis zur Kirche in Henakam, einen an den andern gereit, damit zn belegen. Aus dem Handel sei aber deshalb nichts geworden, weil die Bilder des Ütarvchreins stets wieder von selbst nach Monakam auf ire alte Stelle zarückkerten. (HUndlicb.) 164 11 Spuk beim Maierhof in Ottenbronn. Bei Maierbof außerhalb des vormals Hirsauiscben Kloaterorto Oitei bronn (auch Ottenbronuer Hof genannt) auf der Flur Birkeuftek« soll früher eine Stadt gestanden sein, wie man denn auch beii Pflügen daselbst „lauter Ziegel" findet. Ueber dise Aecker htU man schon oft, namentlich in der Adventzeit, ein Licht hinwan- deln sehen, das sich von den äußersten H&usem vom Ort weg m der Richtung gegen Hirsau bewegte, und das bald langsam güt^t bald stillstand, und bald „schnell wie das Wetter*' weiterlief. JDir Schultheiß Rentschier selbst hat das Licht oft vom Fenster aus htr obachtet. Auf derselben Stelle ist auch schon ein kopfloser Biete auf einem Schimmel gesehen worden, der jedoch in umgekeiter Richtung, von außen gegen das Dorf her, aiph bewegte und in dff Nähe des Dorfes verschwand. (Mündlich.) 12 Hund als Begleiter. Im Sommer 1839 für dieFiMi des frühern Schultheißen mit iren zwei Kindern, worunter der B^ zftler dises, der jezige Schultheiß Ziegler, von Gechingen nach WiA- bad. Es war früh Morgens um 3 Ur. Nicht weit von Geohing« fürt der Weg an einem Eichwald vorbei. Da behauptete die IViV auf einmal, sie müßen von dem richtigen Wege abgekommen seiii auch laufe ein mächtig großer Hund neben dem Wagen her. lÜNü aller Gegenversicherungen des Furmanns und der Kinder, weldi den Weg wol kannten und auch von einem Hund nichts SikM^ blieb sie doch fest auf irer Behauptung. Als qian aber dieGiMü« der Markung erreichte, war der Spuk wie abgeschnitten, aoiok hat weder vorher noch nachher Jemand von einer ErscheiiMinf etwas bemerkt. (Mündlich von Gechingen.) ^ 13 Der Feuerschläger. In dem Hause des Batsscbf«' bers Mayer in Deckenpfronn bei Calw get ein Geist um. Densb läßt sich, so oft eine bauliche Veränderung in dem Hause ge- trofiPen wird, im Keller vernemen, wo er ein Geräusch macht, vil wenn Jemand Feuer schlage. Bei der lezten Bauveränderong !■ ; Jar 1836 habe Mayer, wie er selbst bezeugt, das Feuerschlagtt ganz deutlich vernommen und dem Unsichtbaren zugerufen : „sddig du Feuer solang du witt!^' Es soll Einer sein, der in den KrMp' Zeiten um das Leben kam. (Mündlich.) 14 Der Untergänger. Auf der Flur Bremet, Marko^j Deckenpfronn, get der Geist eines Untergängers. Er soU schHj merfach mit einer Kreuzscheibe dort gesehen worden sein. (MündBflk.)! 15 Brücke nicht geheuer. Unterhalb Speßhardt arfl dem Wege zwischen Calw und Zavelstein, fürt ein hölzerner Sitg: über den Bach, bei welchem Nachts Vorübergehende schon OxMgi* von unsichtbarer Hand erhalten haben. (Mündli^.) 16 Geist vor Althengstett. Zwei Mtoner von AXt' hengstett giengen Nachts einmal die Hirsauer Steige hinauf mH Hause. Oben am Ende der Steige, als sie in eifrigem Oespiidt begrifien waren, huschte eine Gestalt, die einen Schein Mrie dM 16S Lkiit von aiob gftb, talftofwärta in der Richttutg gegea den Ort iUtbengBttttt mit dem Aasruf: Au wehl eclinell ui inen vorüber, 'monaS sie den W^ in aller Stille fortsezteoi. Auf den Wieen, in d«r N&he dee Orts haben die Leate nm Advent sohon Lichter gehen lehen. (Mündlich.) 17 Der lange Mann, ÄU eine Frau Nacht« auf dem FnAweg von Horoberg nach Aichhalden heim gieng, sah aie einen luigen Hann neben den» Wege stehen. Sie überlegte, ab sie su- rick oder iren Weg fortsesen solle, dachte aber, er wird dir mcbts tnn snd gieng welter. Der Lange sei ein Stück weit mit ir, habe sich dann verbeugt und sei verschwunden. (Mündlich.) 18 Der Kocblöffelbub. Im Walde zwischen Aichhalden ■nd Zwarenberg get ein Geist, der Nachts den Leuten schon in Gartah eines Hirsches beg^oete. Ein Mann von Aichhalden wurde «mal hart von im bedrftngt, indem er von der Straße ab in den Wald hinein genötigt wurde, wo in der Geist g^en eine Tann« K drtloken suchte. Als der Mann sein Meßer ans der Seiten- tudie harvoniehen wollte, habe er es nicht herausgebracht. Zu- iKt an der Qeiat von im abgestanden und in dem Dickicht ver- Mbnnden. Als er nach einigen Tagen den Vorfall dem Förster b nahen Hofstett erzälte, erwidert« im diser: „Das wiße er wol, iwelhe sei im an jener Stelle auch schon paßirt". Der Hirsch i^ dar Koohldffelbnb sein, ein Hausirer, der sich dort an einer Turne erh&ngt hatte. In der Nähe von jenem Plaze, etwas wald- imriTti, findet sich noch ein verschütteter Keller*). (Händlich na Aichhalden.) 19 Der Stiokel. In Enztal bei Wildbad lebte ein anner Kun, ein Familienvater Namens Stickel. Er klagte seine Not imi Sehaltheiß nnd bat um UnterstÜEong. Diser wis in ab und küm- merte sieb sieht um in, Stiokel schleppte sich weiter, ist aber iinter- vega verhongert und wurde auf dem höchsten Punkt der Straße gegen Simmenfeld todt gefanden. So oft nun der Schultheiß dise 8Mle paAirte, bekam er von onsichtbarer Hand immer Orfeigen, ^eichril ob er allein gieng oder andere mit im waren. Im leztem Fall worden aneb aeine Begleiter mit Schlagen traktirt E« heißt, das tue der Stickel. Tatsache ist, daß der Schaltheiß die Stelle ■eidet und oft einen großen Umweg nicht scheut, um dem Stickel •osnweichen. (Mündlich von Aichhalden.) 20 Der Nonnenwagschimmel. In Dennjächt get die Sag«, an der Nagold oberhalb dises Ortes streife der Nonnenwag- asfainunel. Ala vor 40 — SO Jaren ein Mann aus Dennjächt Namena Gvngenbacb von dem badisehen Orte Nenhansen heimkerte, sah er 4 1) Die OA »IggaWittrig 1) Die OA Besohr. vermutet, derselbe rüre von einem B^uinen- flbrigena ist der Sage naoh in der Gegend einmal eine kleine 166 den Schimmel aus dem Nogoldwer, dem sogenannten Nonnenwag heraussteigen. Das Pferd kam hinter im her und war im mit den Vorderfüßen fast schon im Nacken. In seiner Angst lief der Mann davon, sezte an einer seichten Stelle über die Nagold und rannte nach Hause, wo er in Folge des ausgestandenen Schreckens acht Tage krank darniderlag. (Mündlich von Dennjächt.) 21a Die Wandelbilder in der Kirche zu Aichhal- den. In diser alten Wallfartskirche standen bis Elnde der 1860r Jare drei halblebensgroße hölzerne Bilder, die früheil vergoldet waren : eine Maria, einen Bischof und einen Klostergeistlichen vor- stellend. Von disen Bildern sagte man, sie haben aus der Kirche nicht entfernt werden können; wenn man sie fortnam, standen sie am andern Morgen wider auf irer Stelle. - Die Kirche selbst zeigt die gleiche Bauart wie die alten Kirchen in Belsen und Kent- heim. Aus Acten des OA Calw, und mündlich. 21b Kirche nicht geheuer. In derselben Kirche (za Aichhalden) hörte man früher zur Nachtzeit öfters ein Gepolter, wie wenn Kegel gespilt würde. Wenn die Kegel fielen, hörte mfto es rufen: vier, fünf, all um! (Mündlich von Aichhalden.) 22 Erdmännlein in Aichhalden. In das IlirschwirU- haus in Aichhalden bei Calw sind früher immer zwei Erdmänolem gekommen, die das Brod gebacken, auch auf dem Acker gearbei- tet haben. Da ließ inen der Wirt einmal neue l(leider macheOt worauf sie sagten, jezt seien sie bezalt. Und kamen von da an nicht wider. (Mündlich.) 28 Die Glocke zu Simmersfeld. Im sogenannten Hardt bei Oberweiler wülte ein Schwein eine Glocke zu Tag. Als sie in Bewegung gesezt wurde, habe sie immer getan : Susanna, Glockastanga, , z' Simmersfeld do muß i hanga. Und so kam die Glocke nach Simmersfeld, wo sie noch hangt* (Mündlich von Aichhalden.) 24 Glauben an alte Rechte. Die Bewoner der vonn»^« Hirsauischen Klosterorte Agenbach, Ottenbronn, Oberkollbach oo» Oberreichenbach leben der festen Ueberzeugung», daß dise Gemei<>* den von Klosterzeiten her bedeutende Rechte an die umligend0A Staatswaldungen besizen, welche inen vom Staate, dem Rechte' nachfolger des Klosters, vorenthalten werden. In disem Glaub^** wurden sie früher von Forstbeamten bestärkt, welche sich i^ gleichen Sinn äußerten. In Ottenbronn habe ein Förster einst g^ sogt: „wenn sie wüßten, wie reich sie wären, dann könnten B^^ alle mit silbernen Pflügen faren.*' Auf die gleiche Färte wurd^J auch Rechtskundige gefürt, welche sich darüber beklagten, d^^ inen Nachforschungen in den Staats-Finanzarchiven nicht ermötiT Hebt werden. (MündHch.) KDoll 167 25 Der Schaitengeist. Anf der Vdhringer Almond Schaitea ging vor Altere eio Geist als Licht. Der Schneider 2eller hat mir erzält, er sei eininal als Lerbub mit seinem Heister Nachts vom Euadenhaus heimgegangen, als nnweit der Bötenmüle iwischsD Vöhringen OBd Bergfetd der Schaitengeist in Gestalt einer lichterloh brionenden Erbsenboschel gegen sie herabrollte. Disem Geiste verdankt übrigens ein leibhaftiger gehonier Vöh- ringer seinen Sptznainen: er hei&t Schaitengeist. Georg Schmid, W heifit der Hann, er lebt beute noch, wiifite daß VShringer Hftdehen in die RßtenmUle mit Eaakel und Spinnrad g^angen and die wollte er beim Heimgehen recht in Angst jagen oder „fifrchtig" machen. Er holte eine Eolrabe ganz ans, machte Hnnd, Augen, Nase, Oren darein und tat ein Licht hinein, sprang Dod gsnkdte damit hemm, um den Mädchen den Schaitengeist vorznmacben ; die Rötenmüle ligt gegenüber von Schalten. Doch es gieng im schlecht, denn er war auf einmal so verblendet, daß er nicht wußte wo auß und an. Da ist noch vollende das Licht ausgegangen und er wäre gerne heim gewesen, fand aber weder Weg noch Steg mer. Aber was jezt? Er rief und schrie so arg er konnte, man solle in holen und den Weg zeigen, ja er brach noch gar in Weinen aas. Man kam nicht; warBcheinlich merktens die in der MOle und wollten den Geist büßen laßen oder sie hör- tens niidit. Knrz, es dauerte nech eine Weile bis man in holte nnd lo den Schutengeist erlöste; der dismal sich selbst gefilrch* tet nnd vor Fnroht den Weg verloren. Fragt der Leser in Yöh- rtngen nach dem Schaitengeist, so weiß es Jedermann. Mündlich. Uartin Binder. 26 Der Geist im Wördgaßle. Unterhalb Vöbringen, wo man den Fnßweg von Bergfeld an der Rütenmüle vorbei nach Vdbringen get, im sogenannten Wördgäßle soll anch Öfters ein Grast gesehep nnd gespürt worden sein und zwar ebenfalls als Licht oder als Mauer, vor der die Leute desWeges kommend ge- radezu stea bleiben mosten. Ein Hann erzälte meinem Vater oft, er sei vor 40 Jaren an einem Abend znr Winterzeit vom Malen aus der Rfitenmflle so gegen 7 oder 8 Ur heimgegangen. Unter- halb von Wördgftßle sei «^ im gewesen, als scheine im der Mond glänzend vom anf seine Lederkappe. Ein Par Schritte weiter und er hatte schon den Fußweg verloren, noch ein Stück weiter und er stand vor einer Mauer oder einer langen und hohen Scheiter- beug. Da habe er daran bemmgegriffen und sei endlich zu einem Qanse gekommen, and das war die Ziegelhütte die unterhalb Vöb- ringen an der Straße nach Bergfeld ligt. Er dacht« nun auf der Straße vollends heim zu laufen. Aber schon nach wenigen Schrit- ten stand der Hann in einem eingemauerten Loch mit fußtiefem Waßer. Er hatte gleich die Schuhe voll. Da suchte er an den Winden hinaufzusteigen, weil er nicht herausfinden konnte. Das war aber das Brechtoch, in dem zum Herbst die Weiber Feuer 168 macben, den Hanf zam Brechen oben drüber l^en um in zu dörren. Er gieng nun weiter, sab Licbier und trachtete inen so, kam aber immer weiter davon weg. Er gelangte in ein Wisen- täle, darin ein Wäßerlein floß, dann den Berg auf und den Berg ab, durch Waßer abwechselnd, fiel wider zu Boden mer als hundert- mal. Endlich nach langem Umherirren hörte er den Wächter in Vöhringen 12 Ur rufen und merkte, daß er eine halbe Stande oberhalb Vöhringen bei Sigmarswangen sich befinde. Jezt konnte er ungehindert heimgehen. Das war ein böser neckischer Geist daat Mündlich. Martin Binder. 27 Der Kastenkneoht im Beinerhäusle. In dem Beinerhäusle oder Kasten nahe bei derVöhringer Kirche, das ttian vor etwa 24 Jaren abgebrochen hat, trieb der verstorbene Kasten- knecht ab Greist sein Unwesen : er rumorte mit Simmeri und Streichholz förchtig! Er hat keine Ruhe, weil er bei Lebzeiten beim Meßen des Getraides Betrag übte. Mündlich. Martin Binder. 28 Das geistende Feldgericht. Auf dem sogenannten Beggen unweit Vöhringen gegen Sulz sollen früher öfters Geister in Gestalten von Feldrichtern gesehen worden sein. Sie maßen die Felder mit feurigen Meßruten, schlugen dabei manchmal auf ein- ander loß, daß das Feuer herausfur. Sie müßen das zur Strafe tun, weil sie bei Lebzeiten ungerecht handelten und für den und jenen Partei namen bei Vermeßnng der Grenzmarken. Mündlich. Martin Binder. 29 Der Binsf eider geist. An der Straße von Vöhringen nach Wittershausen zu, auch rechts gegen Oppen und links dem Wittershauser Berg und Bochinger Rieth zu sol früher, und bis in die neuere Zeit ein Geist gewandelt haben, meist oneKopf und kolschwarz und wie mit einem Talar an. Er kam vor ungefar 20 Jaren zu einem Lumpensammler, welcher Nachts von Vöhringen nach Obemdorf gieng, aus dem nahen Walde an dem die Straße vorbeifürt, heraus in Gestalt eines Jägers mit seinem Hunde, es habe ein Feuer aus seiner Brust und Augenhölen hervorgeleuchtet, worauf der Lumpensammler so erschrocken, daß er gesprungen sei wie ein Ros, one zu wißen wohin, endlich sei er ganz hungrig und entkräftet in einem Dorfe angekommen, wo er gefragt habe vor einem Hause wo er die Leute geweckt hatte und sein Aben- teuer erzält und erfur, daß es Wittershausen war, an dem er eine Stunde zuvor vorbei war. Man ließ in ein und machte im eine Milchsuppe, er blieb über Nacht und ging Morgens weiter; die Leute haben zu im gesagt, es sei dis schon Mereren so ergangen. Derselbe Lumpensammler hatte es meinem Vetter erzält Münd- lich. Martin Binder. 30 Die Hexenjagd. So allgemein der Glaube an Hexeret ist, so allgemein ist es auch die Sage, daß sich Hexen in Tiere, besonders in Hasen, aber auch in Wölfe und Füchse verwandflfai können. 160 Ic dem Pf&rrdorfe OiUtliiigeD, Wildberger Oberamte, einem Orte voo 874 Emwoner, ereignete rieh im Jare 1773 eine Ge- scbiohte, deren gerichtlichen Verlauf man noch jezt mit allen Nsbenrnnttänden, in dem Kircheuoonvents- Protokolle des Orts von ganaatitem Jare nachleaen kann. Ein Bfii^erBBon deaaelben, der in Hersoglicben Dinsten unter den HnnreD attuid, und damals in Urlaub im Dorfs sich aufhielt, kam öflan su einem Becker des Orte, dem er gegenüber wonte, um nch die Zeit tu verkünwn. Einst, — es war am hellen Taget — als er mit einigen Andern bei dem Becker war, sah diser einen Fuchs hinter dem Hause aeines Nachbars heranschleichen, zeigt« in seinen Gästen und besengie, da& er das Luder, das schon einige Tage uiuher- sobleicfae, gerne schießen möchte, wenn es nur den Bauern va sohioDen erlaubt wäre. Um dia Yerbot (dos, das Wildern zu verhüten gegeben wurde) hsibe BT, sagte der Husar, eich nicht tu zu bekQmmem, liefi eich «ine Flinte gaben, schlug auf den Fnchs an, und verwundete in an den hintern FOßen. Der Fuchs schweißte und sprang nicht nach dem freien f elde, wie man bitte erwarten sollen, sondern in das Dorf, und von dem Becker und Hasar verfolgt, durch eiae Hauptstraße dea- ■elbon, und endlich in ein Haus. 8ih, sagte der Husar, als er mit dem Becker in das Baus nachgeeilt kam, hier — unten an der Treppe die auf die Stube in der zweiten Etage fürte, — ligt Scbweiß, hier muß er hinauf sein! und gleich darauf: „Bruder, hilf mir, ich bin erblindeti" Wirklich, er war beim Hinsehen auf das Blnt blind geworden; sein Geförte fQrte in ans Freie, weil er dachte, es sei im nur vom Springen übel, und als es nicht half, die Treppe hinauf vor die Türe des Stflbchens, in welchem sie Jemand ftchzen hOrten. Die Bewonerin desselben, ein gegen 70 Jare altes Weib, war längst im Bofe eine Hexe zu sein, und so war denn der Einfall des Beckers ganz natürlich, daß sie sich in einen Fuchs verwan- delt and blutige Wunden davon getragen habe. Dem oUgemeinea Wane zu Folge, daß eine Hexe den ange- richteten Schaden wider heben müße, wenn mau sie also bitte, hieß'er den Husar die Aechzende dreimal nm Gottes Willen bitten, im aeiiiOeaiobt wider su geben! — Er bekam auch auf der Stelle widar den Gebrauch seiner Augen, wiewol ser geschwächt, und krJbikalte von da an so ser, daß er sum Dinst unfähig wurde. Dioe Hexenjagd aber wurde nicht nur im ganzen Borfe das all- gemeinie Gerede, sondern auch kirchenconventlich untersucht und der Berioht nebet Absohrift des ProtokoUes an die höchste Be- kirda eingeMhiokt, die, onstat die Sache an prüfen, sie, weil es j«t BO Hod« WHi Twloehte und auf sich beruhen ließ. 170 Herr Pfarrer B. der bald darauf (1774) einige Zeit Vicar in disem Dorfe war und nicht nur das Protokoll selbst las, sondern auch der Sache noch weiter nachfi'agte, erz<e mir dise Geschichte (1799 d. Sol. 20. Oct.) und versicherte mir, daß im der Barbirer selbst teuer versichert habe, er hätte dem berüchtigten Weibe die Posten ausgraben müßen, die sie bei jenem Schuße in den Hintern bekam. Auch sah er die seit jener A£f&re hinkende Hexe, weil ire Tochter Magd im Pfarrhause «rar, fast täglich und den von jenem Tage an kränkelnden Husar nicht weniger mit eigenen Augen. Aufzeichnung von 1799. 31 Behexte Kinder. Vor zwei Jaren war ein Mädchen in MößingeDy welches auf einmal großes Aufsehen erregte, und vor vilen Zuschauem nicht nur Nadeln, Stücke von Schnallen und dgl. mit Haren umwunden von sich brach, sondern auch die seltsam- sten Bewegungen im Bette machte. Unter anderm brach es ein Stück eines Milchtopfes von sich, der wenige Tage vorher zer- brochen worden war. Dises Stück war weggekommen, one daß man wußte wohin, und paßte genau in die Lücke des Topfes, war auch so groß, das die physische Unmöglichkeit es zu verschlucken und wider wQgzubrechen am Tage lag. Wenn man so eben das Betttuch wider in Ordnung übers Bett gelegt hatte und nur einen Augenblick es an den Enden festzuhalten vergaß, im Nu wars wider dem Mädchen fest um den Leib gewunden und blieb genau angepaßt, auch wenn es^ wie häufig geschah, die größten Sprünge im Bette machte und sogar aus demselben und mit der Fertigkeit einer Kaze unter der nideren Bettlade hin und her durchsprang. Die bekümmerten Eltern suchten Anfangs Hilfe bei dem bestellten und geschickten Arzte der Amtsstadt, endlich aber mit dessen Genemigung, wo sie sie zu finden wußten und fanden sie bei dem Kuhhirten des Orts, einem vormaligen Schäfer, der ein Mann von mer als gewönlichen Kenntnissen in Hinsicht auf Zauberei, Bibel- und Tierarzneikunde ist, wie ich aus einem Gespräche mit demselben selbst bezeugen kann, und wie er auch dis schon früher hinlänglich bewisen hat. Er bewirkte in wenigen Wochen durch innerliche und äußer- liche Mittel die völlige Genesung des über 10 Jare alten Mäd- chens, one daß Rückfälle kamen, stet in einem großen Rufe, den er aber nicht zu vergrößern sucht > und gehört unstreitig unter die beßere Klasse der Beschwörer. 1800 den 17. April wurde ein Mädchen von etwa 13 Jaren nach Tübingen ins Clinikum eingelifert und der genauen Aufsicht einiger med. Candidaten übergeben. Dasselbe brachte man aus un- gefar 3 Stund von Tübingen ligenden und nach Weil im Schönbuch eingepfarrten Dorfe Breitenstein, wo es seit etwa 3 Wochen vil Auf- sehen erregt hatte. Das Mädchen brach Fezen von Windeln, Haften, Glassplitter, zusammengekaute Leinwand, in welcher Stein- chen waren, und sogar Stricknaddn und Nägel von sich, und als dis nach einiger Zeit aufhörte, so kamen ans dem unteren FuISe 172 Finger, mit weißer Wolle dazwischen, auf die Wunde des Ermor- deten legen mußten. Der erste tat dies, one daß die daraaf aufmerksamen Richter eine Verändening an der Wunde bemerken konnten; aber als der andere schwur, fing sie vor einer Menge Zuschauer an rot zu werden und Blut floß aufs neue aus ir aber den Fuß. Die Rich- ter verurteilten deswegen den zulezt Schwörenden als Mörder und er wurde an öffentlicher Straße, neben dem Landgerichtshaus und Tempel, hingerichtet. (Wie Crusius Th. 11 seiner Kronik S. 171 aus einem Manuscr. diso Geschichte erzält.) 34 Spanisches Trünklein. Als 1621 die Spanische Armee in der Pfalz den Meister spilete, muste auch dise Abtey (Hert) und die davon herrürenden Bedinten mit in das Spil. Unter andern namen die Soldaten nicht allein dem fürstabteyischen Rent- meister Theun (Christoph) alle seine Haabseligkeit , sondern sie rißen im auch den Mund auf und schütteten im einen weißen Trank in den Hals, von welchem er alsobald ganz onm&chtig und an allen Glidern lam zur Erden fil, daß er auch weder Hand noch Fuß roer regen kunte. Sein libes Weib nam sich seiner an und trug in davon. Als ir nun geraten wurde, daß sie den elenden Mann in die Schweizerischen Bäder füren sollte, hat sie in auf irem Rücken über Berg und Tal, über Waßer und Flüße, in allerlei Gefärlichkeiten 172 Teutsche Meilwegs getragen. Erasmi Francisci Lust-Schau-Bühne part. 2 Vers. 5 1031. Daraus Rott- mann 342 ff. AB 1 Ein sehr rares geheimnus — ein sehr gutes gedächtnus den kindern einzupflanzen, daß sie bis in ihr alter alle wort so sie hören behalten können. Einem kind, knab oder töchterlein von 3 — 4 Jahren alt, wan es zu bekommen ist von einem jungen fromen und keuschen ledigen geistlichen der schon gepredigt hat, wann er hat ader gelassen von dem waßer, so sich um das blut umhersezt genohmen und mit einem reinen feinen weissen läplein oder tüchlein benezt dem kind darmit den köpf auf dem wirbel gewaschen und trochnen laßen, so ist geschehen, getreulich be- schriben und zu Gutem hinderlaßen von Hans Conrad von Wyl. Pfullcndorf. Rec. Bach für Lak etc. Gießen 17. sec. 2 Gegen Nasenbluten hilft : Deschlekraut, Adlerstein, Caruiol, Muß abTodtenköpfen oder von Bandstöcken unter die Uochsen binden etc. Ein nutzlicher Bericht und Regiment, wie zu diesen gefahrlichen Sterbenslänffen vor der Pestilenz — zu verfahren sei u. s. w. gestellt durch Joanuem Schleherum Dr. phil. et medic. Phys. Constantiensem. Constanz 1611 S. 102. AB 173 3 Wie man sich der so genanten SANCTI HUBERTI Schlüs- seln, oder Eisenen Hörnlein, so durch absonderliche Qebetter gesegnet, und dann an die Wanderbahre Stohl des H. HUBERTI angertthret werden, gebrauchen muß. So bald als man mathmaßen kan, daß ein Vieh von einem anderen WAtenden gebißen, oder sonsten angesteckt worden, muß das Hdmlein des SchlAßels glAend gemacht, and janf die Wund, oder wan dieses nicht fAglich geschehen kan, auf die Stirn biß ins lebhafPbe Fleisch getrucket werden. Gleich darauf, und am selbi- gen Tag fanget man fAr das gebrente Vieh, eine fünf- oder neun- tAgige Andacht an, zwischen welcher man ihm tAglich ein wenig gesegnetes Brod, oder Haber, von einen Priester zu Ehren des H. Huberti, vor allen andern Eßen geben muß. Man bettet dar- bey alle Tag fftnf oder neun Vatter unser und Ave Maria, zu Ehren Gottes, seiner Glorwftrdigen Mutter, und des H. Huberti. Es ist ^cht vonnAthen f&r jedes Vieh, eine absonderliche f&nf- oder nenntAgige Andacht zu halten, wann man mehr als eins am selbigen Tag mit dem SchlAßel brennet; es ist aber rathsam, das beschädigte Viehe in w&hrenden fAnf oder neun Tftgen einge- spart zu halten, auf daß sich das Gifft durch zu viele Bewegung und Erhitzung des Viehes nicht ausbreite. Und je ehender man das beschädigte Viehe brennen kan, je beßer ist es. Man kan auch aus Vorsichtigkeit das gesunde Vieh mit dem SohlAßel auf der Stirn brennen, und die Andacht verrichten, wie sie hier oben vorgeschrieben stehet, und alsdann ist es nicht nftthig das Viehe einzusperen. Die ErafTt und WArckung dieses obgenenten Mittels ist durch die tägliche Erfahrnnß gnugsam kundbahr; und wann es ja ge- schehen solte, daß unangesehen dieses Mittels, das gebrennte Vieh die rasende Sucht bekäme: so siebet man allzeit, daß es ruhig 'und ohne W Athen verrecket, und andern keinen Schaden zufAget. Es wäre aber ein Mißbrauch deren gesegneten SchlAsselen, wann man Menschen, oder Holtz, oder etwas anders damit- bren- nen thäte; indeme sie nur allein fftr dasr Viehe gesegnet seynd. Sie verliehren aber den Segen nicht, wie etliche es aus Irrthumb meynen, wan mann sie auf die Erden fallen ließ, oder mit blosen Händen angreifift. Zum Beschluß ermahnet man, daß wider allen rasenden Zu- fall, kein beßeres Mittel zu finden seye, als daß wann man sich bey Zeiten in die Bruderschaft des H. Huberti einschreiben laßet; und nach Belieben und Andacht einen jährlichen Zinß fAr sich, und sein Vieh, Gott und diesen Heiligen zu Ehren versprichet, wie es in vielen Oerthern schon längstens gebräuchlich ist. Von Herrn Baron Hans von Ow auf Wachendorf mir mitge- teilt, der auch in seinem Archive einen solchen Schlüßel aufbe- wart. Sih „Aus Schwaben*' I 106. — A. 1682 rechtfertigt sich 174 Jos. Margaretha von Bernsaw gegen die Bauern (Herrschaft Har- denberg), daß sie einen Brief vorwis, in dem Pastor Offermann von ir den Hubertusschlüßel erbat, weil ein toller Hund seine Schweine gebißen habe. Picks Monatsschrift 3, 597. Dahin ge* hört wol auch das „Wurmschneiden und Schürfein'' an Hunden * aus derselben Herrschaft von 1743 nachgewisen. Ebend. S. 598. AB 4 Aberglauben. Vom Rathausglöckchen in dem Dorfe Sommenhardt bei Calw sagt man, wenn es traurig läute, habe es immer etwas zu bedeuten, in der Regel stirbt bald darauf Jemand. Im Jar 1877 hat es den ganzen Herbst über „immer so arg traurig getan.*' Jezt weiß man, sagten die Leute, was es bedeutet hat: das hat den großen Brand am 3. November angezeigt. Aus dem Mund der alten Hirschwirtin in S. Wenn bei einem Brande ein Kamin nicht einfallen will, so brennt es im 'Orte bald wider. Calw. Wenn am Neujarstage eine Weibsperson zuerst das Haus be- tritt, um gutes Neujar zu wünschen, das bedeutet Unglück. Unterhaugstett. Begegnet Einem beim Gang auf einen Markt zuerst eine Frauensperson, so hat man keinen guten Markt. Daselbst. Get man auf eine Untememung ans und begegnet Einem zu- erst ein altes Weib, so ist es keine gute Vorbedeutung. Auch darf der erste Kunde in einem neu eröffneten Laden kein altes Weib sein, wenn man in Geschäfte Glück haben will. Stuttgart. Begegnen einem auf dem Weg Schafe, so bringt es Glück ; Schweine zeigen Misgeschick an. Stuttgart. Wenn der Braut am Hochzeitstag der Schleier zerreißt, so bedeutet es eine unglückliche Ehe. Stuttgart. Wird in einer Gesellschaft eine Butterballe aufgestellt, aber nicht angeschnitten , so ist das schlimme Vorbedeutung. Bei Weinsberg. Wird ein Verstorbner vom Lager genommen, so darf er sich in keinem Spiegel spi^^ln, sonst folgt ein zweiter Todesfall nach. Man muß daher zuerst die Spiegel verhängen. Stuttgart. Nach einem Todesfall soll man Blumentöpfe verstellen, auch Vogelkäfige verhängen, die Pflanzen und Vögel sterben sonst ab ^). Stuttgart. In dem Leinen, in welchem Jemand begraben wird, darf kein Name eingenät sein. Daselbst. Wenn man Toten von einem Kranken in den Sarg etwas l) Im Oldenburgischen werden beim Tod des Bienen vaters, der den Bienen angezeigt wird, die Stöcke etwas umgesezt und man meint, wenn das nicht geschehe, werden die Bienen nicht gedeihen, sondern krank werden und absterben. (Lpi. III. Z. 1876, Nr. 1734 S. 249.) 175 mitgibt, 80 nüst du in manchen FiDen. L^ man Ton einem ßettpißer einen Teranreinigien Lappen in den Sarg, so hilft das gegen das Uebel; ebenso wenn der Kranke in ein Grab pifit Stuttgart. Fällt Einem im Tranm ein Zan ans, so stirbt Jemand ans der Freondschaft. Daselbet Bienen. Nach der Meinung des Volks in Schwaben ist es d^m Gedeihen der Bienen förderlich, wenn man sie das erstemal St Gertmdstag (17. Man) y^ansstellV' und es wird vor diser isstellung der Bienenkorb mit ,J)reifaltigkeit8wafter'' besprengt uxzad auf das Bodenbrett vor das Fingloch „Dreifaltigkeitssalx"* «•«legt. Der sogenannte Standimmen, d. h. derjenige Bienenschwarm. wr sicher zulezt greschwärmt hat, darf auch weder getötet noch ▼'^ixrkaaft werden, bis man einen nenen hat, denn sonst gienge mit lExza alles Glück in der Bienenzucht verloren; und erst dann, wenn ^-^^er neue „geschöpft^* ist, kann man den alten unbedenklich r^X'äußem. lo Schwaben heißen die Bienen auch Herrgotts- oder Marien- ^ö^eP). KDoU 5 Allerlei Aberglauben. Auf den Alpeo Wirtem- ^^x-gs herrscht die Meinung, die Kühe, die bald kalben sollen, möße ^'^^n an einem Sonntage am melken aufhören, weil sie sonst bei ^^cht und nicht bei Tage, welches sicherer und bequemer ist, ^«ilben. Wer an einem gewißen Sonntage, an dem in jedem Hause ^^o möglich Küchlein gebacken werden, zuerst zu Nacht ißt, der ^^im seine Aecker zuerst schneiden. Diser Aberglaube veranlaßt ^x& einigen Alpdörfem ungereimt frühe Abendmalzeiten an jenem ^nntage. Manche Weiber in der Steinlach sind der festen Meinung, ^enn man ein Hnn, um junge auszubrüten, wärend des Zusammen- ^ Butens mit den Glocken der Kirche auf die Eier seze, so bekomme ^au nur 3 Hauen unter der Brutzucht. Der Zufiill begünstigte ^^ weilen schon den albernen Wan und der Pöbel bemerkt es vil ^^Ger wenn ein Aberglaube ein einiges Mal zutrifft, als wenn 99 ^^nn gegen seinen anererbten Unsinn zeugen. A 1799. Aß 1 Hansinschriften in Oberhangstett Auf Deckengetäfer in Haus No. 51 des GStepper: Um ein gemaltes Auge her: Das Ang der Herrn Sieht nah und fem. 1) m. Ztg. 1876, No. 1734, S 249. 176 Ueber der Stabentür am Getäfer: Der ist ein wackrer Mann Der vf die Zukunft schaut Und immer fleißig ist ' Und seinem Gott vertraut Ein gutes Herz vf diser Ehrd Ist all der Ehre wertb. Am Hause des Gemeindepflegers Roller No. 22: Nur unt«r Gottes Schutz und Segen Kann man beglückt und sicher leben Besonders da auch Gottes Hand Ein Haus bewahrt vor Fluth und Brand. Und lebt man auch nach seiaem Wort, So ist man glficklich hier und dort, Und gehts einmal zur Welt hinauß Kommt man zu Gottes Himmelshaus. 2 Zimmer-Sprttche in Unterhaugstett In der Stube des David Rexer ^) : Sag nicht Alles was du weisst, Thu nicht Alles was man dich heisst, Glaube nicht Alles was du hörst, Richte nicht Alles was du siehst. Das Haus ist mein und doch nicht mein, Nach mir kommt ein Andrer drein, Ist auch nicht sein. Jakob Gusterer und seine Hausfrau Anna Maria. In einem andern Hause stet: Wer ein Christ sein will, / Der bedenke doch: Wie edel die 2^it, Wie nöthig die Busse, Wie kurz das Leben, Wie gerecht das Urtheil, Wie schröcklich das Gericht, Wie lange die Ewigkeit. 3 Buchsegen In dem alten Kaufbuche der Gemeinde Osteisheim bei Calw vom Jare 1671 finden sich auf dem ersten und zweiten Blatte fol- gende Weihesprüche von der Hand des Schulmeisters eingetragen: 1) Jezt verwischt. 178 Wie Hoch ein Ouott in welchem Preiß Vmb Paar Göltt ZihI auch gleücher Weiß. Wie es gehandelt Ynnd geschehen, Kan Mans in dißem Buoch ersehen, Ynnd der Obrigkeit recht Kündbar Machen Vnd geht fein rflchtig 2ni In Allen Sachen. Qanz dieselben Sprüche, jedoch mit zeitgemäß veränderter Orthographie, eröffnen das Eaafbnch von 1716. Nor ist hier den Sprüchen auf der ersten Seite noch die ernste Manong yorange* stellt: Mensch Sih um, Sih vor, Sih Neben dich behend, Schau was du thost so bedenck, bedenck das End, Bedenck, bedenck, die Ewigkeit, Die Himmels Frend, und Höllen layd, Dich Stündlich zu dem Tod Beraitt. Wiederum in der Ecke unten rechts auf dieser Seite stet von der gleichen Hand: Jacob Fellnagel | der Zeit Schuhlmaister | und Gerichtsschreiber. lieber dem ersten Geschäfbseintrag ist zu lesen: Alles mit Gott und nichts ohn ihn. Calw KDoll Melchior SeMzins sen. ein Strassbnrger Stadtarzt des XYI Jarhnnderts Fischarts Beziehungen zu gelerten Aerzten seiner Nachbar- schaft und seine Belesenheit in der medicinischen Litteratur jener Zeit haben es verschuldet, daß der „Humorist und Jurist daia^ bei den Gelerten Straßburgs widerholt für einen Jünger des Ae- sculap gegolten, ja daß er als Mediciner auftrat, als im die mo- derne historische Dichtung zum ersten Male die zweifelhafte Ere einer Berücksichtignng zu Teil werden ließ. Michael Schützens (»Toxites«) Onomastica duo, die Fischart completierte und mit einer lateinisch geschribenen Einleitung ver- sah, veranlaßten G. Spindler zu diser Anname, wie eine der sein Quellenstudium attestierenden Anmerkungen zum „Blümlein Wunder» hold*' (Straßburg, Levraalt 1824) verrät. lieber die Person dises eifrigen Paraoelsisteo und seine litterarische Verbindung mit unserm Poeten habe ich im Archiv 1) DerGargantua bietet an einer Stelle ein Rattennett von aber dreissig Namen einander bekämpÜBuder medicinisoher Autoritäten. 180 07 1420. 8), das nachher deßen Schwigerson Jean lAbamiit}) ver^ vollst&ndigt hatte — den weitgereisten and besonders lange Zeit in Frankreich gewesenen Straßburger Stadtarsst MeldUar Sebiß oder Sebisch. Ueber die Beteiligung dises Mannes wie Fischarts an den zuerst 1579 erschinenen Siben^), seit 1587: Fünffzehen Büchern vom Feldbatv^ auf deren Bibliographie und Verhältnis ich nächstais an andenn Orte zurück zu kommen habe, spricht sich JE^. Jöbm im einen „Lectori*' des erweiterten Buchs, und zwar meines Wißens zuerst in der Ausgabe von 1587 Bl. * 8a aus. „Dem Guthertzigen Leser, neben erbietung angenemer Dienst, ▼on wegen deß Buchtruckers zu vememmen. 1) S. Branet, Manuel Ü'^ S. 1074: „L'AGRICULTUBE et Mai- Bon rustiqae de Charles Estienne . . . plus un bref reeueil de la ohasse et de la fauconnerie. Paris, Jaques du Puits, 1564 in 4.'* Rep. 1566 2mal, 1670 „augmente par Jean Libaut . . . de la chasse du loup et de la fauconnerie^S 1578, 1583, 1586; 1589 zasammen mit ,Jja Chasse du loup, par Jean de Clamorgan'S und „La fabrique de la jauge, oa dia- pason"; 1591 u. 8. w. In Berlin haben wir nur die allerdings f&r Fisohart hauptsächlich in Betracht kommende Ausffabe von 1583 (= Ov 1438. 4) und drei andere von 1598, 1622 und 1625. — Ueber sonstige medicinisohe Schriften Jean Libauts s. Brunet a. a. O. III*, 8. 1073. 2) Außer dem noch zu erw&nenden Buche des Marius verlegte und druckte Jobin noch ein Jar nach der ersten Publication der 8e- bisischen Encyolopadie sowol die „Siben Bücher | Von dem Feld« | baa vnd Aokerwerck . . . | Etwan durch . . . | Herren Äfrieum CkmmUm von Padua, | inn Welscher Sprach beschriben . . . | Nun aber durch Hieremiam Martium he» \ stellten Doctom der Artznei zu Augspnrg . . . I . . . Herren Hansen Fuokem, Herren | zu Kirchberg vnd Weißen- hom . . . I . . . vnd gemeynem Yatterland, | auch menniglich. Hoch vnd Niderstands zu gutem inn | gemeyne Tentsche Sprach gebracht . . • | Gedruckt zu Straßburg, bei Bemhart Jobin. | . . . M. D. LXXX." (Wid- mung datiert vom „15. Martii 1580", Bl. B la— Pp 8a == 296 bezeich- nete Bll. Text) als auch „GEODAISIA, | Das ist: | Von gewißer vfi bew&hrter Feldmessung, eyn | gründlicher bericht: wie nämlich, boy*|de, aller Felder grosse zu messen vnd abzurech« | nen: auch allerley erforderte platze, von an« | dem Feldern, inn gewissem Messe, auß vnd abzathey» | len, oder auch dieselbige an zu messen seie. | Durch Jdhatm Conraien von Ulm, Predi' | gern jn Schaffhausen am Rhein, auffs neu | sugerioht vnd demonstrirt. | (Holzschnitt) | Deut 27. Cap. | .... | Zu StraCborg, bei B. Jobin 1580*' (Widmung des Verfassers vom „25. tag Januar^) . . . 1580*' an „Herren Schulmeys& vnd Provisoro, Loth SHmmem** u. s. w., Bl. A 5a— b: „Innhalt'S Bl. A 6a— F 6b: Text). Beide in Berlin s Yr 9690. 8. Eudhch scheinen auch „XU Bacher | Von dem Feld* | bau .... Durch . . . i Herrn Bsiem vom OretcenHU, weiland .... be- schriben I • . . . in gemein Teutsch | ffebraoht, Durch einen . . . Artiney Doctom. 1 .... I Gedruckt zu Straßbnrg, bei Bernhard Jobin. 1686 | fol.'' bei im noch erschinen zu sein, wenigstens haben wir in Berlin vor Ov 1114 fol. ein so lautendes Titelblatt 18S uatumen hievan ordenUch bbigesdety ynnd gleichsam aafi dem Baaren- hof zu wellig einen bekömmlichen Landsitz gemacht. Wieer datm noch weitere auaserlesene zum Feldbau? nötige stuch eu anderer gelegenheit, wann er gedachten Herrn lAbalt (inn maBen er ver^ tröstung gethan) seine Beuidirte Ägriadiuram wird stehen Latime an tag bringen, aufi seinem vorhabenden Feldbawreeki vnd Landsitzgerechtigkeit wird können Communieieren . , . .^^ Sebiz selbst motiviert seinen nach 'unserer heutigen Auffafimig doch etwas zweifelhaften Beruf zur Herausgabe eines landwirt* schaftlichen I^erbuchs mit folgenden Worten an „Herrn Ludwigen, Pfaltzgraffen bei Rein, des Heyligen Römischen Reichs Ertz Tmek- seß (!) vnd Churfl^rsten, Hertzogen inn Baiern** BL ):( 4a: ,,. . . inn betrachtung der f5rderung . . . gemeynes nutzes vnd erwe- gung der verwandschafft der Agricuttur zu meiner facuUet der Ärtznei, vnd meim sonderen Inst der pflantzung allerhand 8im- plicien, (hab ich) nicht vmmgehen wollen noch sollen, dise . . . BAcher vom Feldbau vnd Meyerhof von . . . Carole Stephane vnd Johanne Liebalto, Ärtzenei Doctorn, . . . vnserm gemeynem Vatter»- land zu sonderem nutz vnd vortheyl inns Teutseh zu vertieren'\ Gewidmet habe er das Buch dem Eurf&rsten, dieweil er „wargenommen, daß vor der zeit gleichförmiges Buch vom Fetdr bau Constantini vertiert • • - Herren Ott Heynriehen . . . E. Gh. G. Herrn Vettern vnd Vorfahren ist zugeschriben''. „Datum inn Straßburg den letzen Martii. Anno 1579. Met* chior Sebizius, der Ärtzenei Doctor zu Straßburg.*' lieber Lebensumstände dises Mannes orientieren Christian Wilhelm Kestner, • Medicinisches Gelehrten -Lexicon (Jena 1740) S. 775 und Ch. G. Jöcher IV (1751) S. 460 ff., lezterer nachAn- gaben des jungem Sebiz in dem mir nicht erreichbaren Appar. (vel Append.?) chronolog. ad Schntidii ooncion. secular. Heuüidi Kurz, J. Fischarts sämmtliche Dichtungen HI, 471, ist das komi- sche Mißverständnis paßiert, daß er den Enkel oder gar Urenkel mit dem Großvater verwechselte und den angeblichen Zeitgenoßen Fischarts erst 1664 geboren werden und 1704 sterben läßt. Vgl. auch Biographie medicale, Paris. G. L. F. Panckoucke Editaur 1825 11, 188. Melchior Sebiz oder Sebisch wurde 1539 zu Falkenberg im 1) Der bei Graesse Tresor 111, 53 erwänte Druck von 1545 ligt mir nicht vor, wol aber andere von 1554. 4., 1556. i., 1561 8., 1566. 8. — sämmtlich von Samuel Emmel in Straßburg gedmckt, und einer 8. a. „Getruckt zu Straßburg, durch | Theodosium Rihel*', alle mit der hier von Sebiz erwänten Widmung an „Herrn Ottheinrichen'S unter welcher sich als Heransgeber und Besserer der Herrschen Uebersezung Ludwig Babus D. nennt. Datiert ist die Vorrede von 1551. Ueber Rabe s. Archiv f. Literaturgeschichte VU, 445. Ludwig ist der VaUr des Apostaten JoL Jacob ä^bus, der durch Fischarts Nachtraben be- rüchtigt wurde. 184 Die Aasgaben des Bockschen Kräaterbnchs — der ans Hei- desbach im Odenwalde stammende Botaniker Hieronymus Tra§uSf wie er sich nannte, starb 1554 zu Hornbach — verzeichnet O. A. Pritzel im Thesaaros Literatnrae Botanicae (Lipsiae 1872. 4) 8. 30b: in Berlin ist die Merzal derselben vorhanden, nur leider nicht die von 1577, welcha warscheinlich zuerst die Sebizische Textre- daction enthält. Der Titel der zweiten^) lautet: „Ereütterbuch, | Darin> vnderscheidt Nam« | men vnd Wurckung der Ereutter, Stau« | den, Hecken vnnd Beumen, sampt jhren Frachten, so inn | Tentschen Landen wachsen, auch der selben eigentlicher vnnd wolgegr&ndter | Gebrauch inn der Artzney . . . . | Item von den vier Elementen, zamen vnd wilden Thie* | ren, auch Vftglen vnd Fischen, Milch, K&ß, Butter, Honig, Wachß | . . . . | Alles durch H. Hieronymnm Bock . . . beschriben. I Jeteund auffs new mit allem fleifi vbersehen^ vnnd mit vüen ntiglichen Experimenten | gebessert vnd gemehrei. Auch wie man die Ereuter z& rechter Zeit samlen vnd Distillieren soU. I Durch den Hochgelehrten MELCHIOREM SEBIZIVM Sile- sium, I Der Artzney Doctom zfi Straßburg. | . . . . | Gedruckt z& Straßburg, | durch Josiam Rihel. | '' Am Ende : „ . . . Straßburg, durch I Josiam Rihel. | M. D. LXXX. | I Augustj. | '^ Die „Yorred** an Straßburger Gönner „Herren Arbogast Rechburgem Stettmeystem, Herren Johann Carl Lorchem alt Ammey« | stern, vnd Herren Fridrichen von Gottesheym Dreyzeh- nem, der | allhieigen Academy Scholarchen'*, datiert von hier „den 14. Augusti 1577'*, ist weniger durch das instructiv, was der Herausgeber von sich berichtet, als durch die Schilderung der Aftermedioin und Quacksalberei jener Tage. Da diso Zeitschrift auch die Kulturgeschichte der alemanni- schen Landstriche mit in iren Bereich zieht, so werden einige Aus- züge villeicht nicht unerwünscht sein. Für mich sind diso Zomr Bibliographie 1875 S. 132 E Interessante Stadien über die Geechiohie des Tabaks in Blums Grenzboten 85. Jahrg. (1876) II S. 821 ff. 878 ff. 401 ff. Ausser dem dort S. 327 angezogenen Buch von Fairholt (1876) wäre G. C. Antz, Tabaci Historia. Berol. 1836, Tiedemanns Geschichte des Tabaks, Frankf. a. M. 1854 und G. A. Henrio, Da tabac: son his- toire etc. Paris 1864 zu nennen. Die älteste Schrift über Tabak ist in Ber- lin , J)E HERBA I PANACEA, | QYAM ALU TABACVM, | AUI PETVM, AYT I Nicotianam vooant, breuis | Commentariolas. | Quo admirandss ao prorsas diuinsB haius | Peruanee stirpis facultates et vsus ex | plicantar. | Ab ÄEaidio Euerardo Antuerpiano, | Philiatro inordinem redaCtus | . . . I ANTVERPIAE, | Apud loannem Bellerum. | M. D. LXXXVII. | « 12». üeber T. in der deutschen Litteratar s. Weimar. Jahrb. II, 243. 1) Dise Aasffabe besizt die kgl. Bibliothek in zwei Exemplaren = Lw 24, 204. foT. and Lw 24, 204a. Von den spätem mit dem Texte Sebizens: „Jetzund zürn Andern mal, aaffs new . . . vbersehen. Strassb.Jos. Rihel 1587'* fol. 1595. 1680. — Der andere medicinische Freund Fischarts edierte ebenfalli ein fremdes Kräuterbuch, wie ich im Aroh. f. LG. VI, 504 Anm. bereits erwiat habe, das des Barth. Carrichter. 186 thdl geseizet werden, dieweil solliclie Eoleii'jren Menßkaät andi vnder den Pfeffer miaclien . • . fahren sie tA, probieren heimlidier weiß anch hieneben jhre kAnstlein, daher . . . der Medicos ao seiner Gnr jrr gemacht würt. Will geschweigen das sie aoß einer Kranckheit zwo oder drey machen . . . Vnd damit sie jhre bftse Stack desto besser bemendtlen ynd verdecken mögen, seind sie die ersten die dem Medice die schuldt geben . . . Solche mißbrench aber . . . fftren nicht allein die groben vnnd vn- gelehrten Esel, die Kelberftrtzet, die endtweders zfinor verlanffene Haren vnnd Baben gewesen, oder aber da sie ehrliche Handthie- ning, gewerb vnnd Handtwerck ge« [a db] triben, die sdbigen nachmals des eilenden Pfennings vnd des schandlichen mAssiggangs halben verlaßen . . • Sondern anch etliche selbst gewachsene Me- dici, welche kanm die Ghrammatic, ich geschweig die andere not- wendige artes gelehmet haben . . . An solchen Gesellen ist aber noch za wenig, es m&ß anch der Teuffei vnnd seine glidmassen hierzfl das beste thftn . • . Dann da mischen sich auch mit ein die heilosen von Gott verworffene Jaden, die Hexenmeister, Teaffel beschwerer, Waclugiesseriny Segen- sprecherin, vnnd was des gleichen vngeziffer ist, vnd vom leidigen Teaffel seinen vrsprnng hat. Disen laafft man haaffenweiß zi . . . Solliche . . . Leut werden für halbe Götter gehalten, man tragt jhnen Gelt bey der schwere jhres gefallens zu, dieweil dieeelben Teaffelsbeschwörer, aaß anschawnng des Wassers oder Harns, nicht allein von der Kranckheit, sonder anch vom Namen, Stand, Ver- mögen vnnd allerley gelegenheit vnbekandter Person • . . berieht geben können. Derselben arih vnd eigenschafit ist, das sie jeder- man dahin weisen, das jhre Kranckheiten . • . von disem oder jhe- nem alten Weib, so sie verzaubert habe, herkonune .... Deßgleichen th&n diso auch, so die Kranckheiten der Men- sehen vnnd des Vihes mit Segen, Kreutzen, Charactem vnnd andern der gleichen Narrenwerck heilen wöUen. Geben für wie dise Kranck- heit von disem oder jhenem Heiligen herkomme, erdichten den Kranckheiten seltsame Namen, die weder sie noch andere Leut verstehn, als Leachdropffeny Bbfi besehrey, Jfipffm vnnd der- gleichen, wie es jhn z& Nacht getrewmet hat . . . Letzlich kommen auch mit jren RAckkörben daher gelaoffen die Landtfarer, WArm« [a 4a] samen vnd Theriack schreier, welche den mehrer theil Hencker, Schinder oder sonst leichtfertige Leute. seind, die betriegen offentliöh die Welt, also das maus greiffen mfiß,- schreyen ein Salb oder Artzney för alle Presten auß. Für allen dingen so rhümen sie jhr Menschenschmaltz . . • Ynd d^naoh sie etwann jemands vmb ein genandte besoldung sft heilen vnd curiren angenommen vnd durch list das gelt z&n theil von den Leuten z& wegen bracht, faren sie daruon, lassen sich den Krancken mit Diebs Schmaltz schmieren, so lang jhn gelöst. Das ist ja eine dolle vnsinnige blindÜieit • • . ! 188 I daß andererseits Samuel Olooer ser wol näheres von dem lange Zeit in Straßbarg lebenden Juristen Fiscbart wißen konnte. Wie sein College Mathias Bemegger^) den „vir festivissimi ingenii loannes Fischardus diotus Menzer IGtus** kannte und seinem Binenkorbe warme Lobsprüohe spendete — sib die Stelle bei E. Weller: Neue Originalpoesieen Fisoharts S. 22 — , ebenso gedenkt Gloner seiner ausdrücklich in der „Vorrede** zu den „Novae | SACRORVM BIBLIORVM | figurse versibus Latinis et Ger- | ma- nicis expositse: | Das ist, | Newe Biblische Figu« | ren mit Latini- schen vnd Teut» | sehen versen anßgelegt, | Dem gemeinen Mann vnd der I lieben Jugendt zur anreitzung wahrer | Gottseligkeit, vnd an- deren Christlichen | Tugendten an tag gegeben, | Durch | M. 8AMV- ELEM GLONE- | rvm Poetam Laureaturo. | Straßburg, | Getruckt bey Christoff von der Heyden. | M. DC. XXV." | in 8** und nimmt sogar den größten Teil von Fischarts Vorwort zu den ,,Neae(n) Kunst« I liche(n) Figuren Biblischer Historien, grüntlioh von | To- bia Stimmer | gerissen | . . . | Anno M. D. LXXVI. | '' (Kurz II, 275 ff.), jedoch nach der Ausgabe von 1590*) herüber: „ . . . Hab ich in gegenwertigem Bibelbüchlein nichts bessers oder bequemers auff die bahn bringen kennen, als was der hoch' gelehrte vnd versündige Herr Johann Fischart, genant Menüfer, bey der Hechten Doctor, in deß Tobiae Stimmers Bibelbüchlin, so in Anno 1590. hie zu Straßburg durch Bernhard Jobin') (wie- wol bey weitem nicht so vollkommen) gedruckt worden, zu einer Praefation oder vielmehr wolgefaßten vnd würdigen Commendation vorangesetzt. Das lautet von Wort zu Wort also ....*' Und zum Schluß: Bl. a 7a: „So weit Herr Johan Fischart'S Der Titel der anscheinend ser seltenen Lobschrift auf Melchior Sebiz lautet (Biogr. erud. D. 1236. 4): 1) üeber disen s. Strobel a. a. 0. S. 150 und die A. D. B. II, 412 ff. Gloners Biblische Figuren von 1625 enthalten auch von im ein empfelendes Gedicht in Distichen. 2) Die Biblisoi^n Figuren Fischarts und Gloners sind durchaus nicht identisch, wie man z. 6. nach dem Verzeichnis von Büchern . . aas der Freihr. v. Meusebachschen Bibliothek I (Berlin -1855) S. 81 Nr. 1659 annemen könnte. Die Holzschnitte des Leztem sind der Mer- zal nach von Christ. Maurer, einem Schüler T. Stimmers, nicht von disem selbst wie dort, ferner sind die lateinischen und die deutschen Verse hier von Gloner. Zu Stimmers Figuren hatte Fischart erklärende deutsche Reime geliefert und dise dann „nachmaln*' für die spätem Ausgaben, noch nicht für die erste, durch M. Paulus Crusius „der Kirchen zu S. Wilhelm in Strassburg Diaconus*' in lateinische Hexa- meter bringen lassen. 3) In Berlin vorhanden = Bh 5571. 8. 190 Bebisu Ampla jaoet r^o, ad Septem porreota tnonee, Erigit hsec fama capat et se immifloet Olympo; Dives opam fractaqae potens atque obere gleba, FoBta viris pariter vali^ pariterqne peritis, Nobilibns clara ingeniia, qaascmique per artes Ire libet, neo non stadÜB asperrima belli — Slesidos appellant oras tractumqae coloni. Objecta laterum gemini alta mole minantar In ccelom hinc atqne binc montes et sidera lambant Oder» fliiTiiui Yertioe; tum mediam pellncidus Odera terram Mordet aqais» fractaeque boant in margine voces. Amplus conBpicitor yicoi tellnre sub ista, Faiokenberg» FALCONUM indigenis olim de MONTE vocatus, Pingne aolom denaisqne habitata mapalia tectis Qni tenet et Utas segetee et ovilia mnlta. Heic quondam aedes et prsedia lata colebat Spectatam valliaqae atqne altis tnrribas arcem OeorgiQi ,BebiriiM Clarus avis proayiflqne atavisque QEORGIVS iUe, nie mei genitor, versa qoem canto, SEBIZl etc. [3] .... ^ Qoattnor bio doxit sooiali lege marita8| E qoibas est aactus numerosa prole, beati Ut natia octo nomeram superarit Hiobi. De quamm (reliquas oausa bonitatia omitto) *2S*"^ ^^ 0«^^o tertia erat CATHARINA OCICCIA, felix sebisu Non ortu modo, quod atantes m comboa aureus Migores longo numerayerat ordine; felix Sed qnoque virtntum donis illustribus, ornant Quse maü'onamm decus, interqne sethera ponunt. ^iSidSiibew?' ^^ Natum genuere raum, quo tempore QÜINTÜ8 1639 CÄBOLÜS Imperium viginü rexerat annis etc. [6] . . . . Quippe diu Indo in patrio non substitit, altum Sed BBIGJE prius, binc NISS^, tum nohlleBBESL^ Palladium subiit, miria progressibuB auctus Mj^^Hjo^SSl lögenii, HELVIGIO et claria doctoribua usus. SebisU .... Namque ubi firmayit recto vestigia gressu [8] MELCHIOR et sensit tingi lanugine malas, Impatiens torpere domi pultem inter et ollas, Creber agit secum, patrios qua linguere posset Sorte lares et regna soU lustrare remoti Et varias populorum urbes et discere ritus etc. [10] .... Urbs antiqua fuit (Mysi tenuere coloni) ■e'^^ert^ifiu LIPSIA, foeta viris, yario puloherrima cultu, 1^ Et deccuL et pretimn antiqni Gioeronis ab »yo. ^Äi^f^äriSr ^i^ ^ ERYTHREÜM natur» arcana docentem, HeriinuB ' Et DASYPODIDM monstrantem sacra Mathesis, HERLINUM et maltos miratar in ordine patres. Heic, HOTOMANNE, tni subiit ooenacnla tecti FnmciMiu Hoto- lunxitqae hospitio dextras, Genitoris amicum ™^^ Agnovit yeterem et grata considit in sede. [13] Salye, ait, o salye interpres clarissime Inris Unice nunc rector studiomm HOTOMANNE meomm 1 Ille salutantem yoltn susoepit amico Et mensam dedit et castis accommoda Mosis Tecta, nee oranti quicquam segrä fronte negayit eta * * * * Lanrenüiii Tnp- Imbibit Eunomiffi fontes legumque bonamm, ^^^ Te fadlem monstrante yiam, pater inclyte TUPPI. Acddit hinc autem Gkdlornm ut abiret in oras Hospes et Alsaticis prorsoe yalediceret aryis, Qoippe Senatoren! res in sna regna yocavit. Unde noyom hospitiam SEBIZIUS ire coactos HieronTml MASSARII intrayit (qnis enim non nomina noyit?) M^*menM ntitar Summi tecta yiri, nee yel Thalete minoris Vel Coo sene yel Gelso yel Apolline prisco. Tot tantisque yiris toto celeberrima mundo damit Argyrope, yariis qui laudibus astra Compleront rutilamqae domum qui Solls utramqi^e, Occiduasque piagas ortusqne rubentis Eoi. Hartinui Bncerns |||3g|||^Q£iiiim ecquls enim poterit nescire BUCERUM, 'o^- S{^5|"PP* MARBACHIOS nescire et sancti nomina PAPPI, loh. Tauiger £t prffimatura TAUFRERUM morte peremptum, inBtuB Mejern. MElERÜM, GODOFREDUM et magnse lucis Diony..^Godoi^. -I OBRECHTÜM lo. Qaintherins GUINTHERIUMQUE, Dbiorum olim de gente profectnm, ^^BunreJ:''^' -^^«ö HAÜNREÜTERI meritarum encomia laudum? Quique yices bis sex Rectoris sustulit annos Meich. lun. lüNIADEN, pietate grayem linguaque disertum, Mulcentem dictis animos et corda regentem: Ut qui conspexere yirum, mox auribus oUi Astiterint arrecti omnes biberintque lepores Verborum et mirum suad» felicis honorem?? Glaret adhuc eadem — Superum sit gratia regi! — Qui gestaut coelum Musarum, AÜantibus, alis: Thom. Weg. Gerne mihi siquidemWEGEILINDM) ceme Themistam CMp. Biuch. BITSCHIDM et Hippocratem SALTZMANNUM lo. Bndolph. *^^ , . Baiiim. ceme, yel ipsum 08 sünOem nomenqne hmneroaque et conoto Parenti luieh. sebtaina, [14] Gerne SEBIZLU>£!N, medici gr^gis mcrementnm, id4 Ex tarnen his RAMO vixit conjanctior ora, Namque Viro luvenem insigni Yirtate yalentem STURMIUS, Argyropsß oolumen saUime, fideli Hubert. Langnetufl Commendabat (enim dignuB fait ille) Gamena. o;i?*Le*»iiS' Sed neque LANGÜETÜM taceam, qui Saxonis ori« ¥^**' *chi ^™**'' Mißsuß ab Ensiferi Gallorum vixit in aola, ^'^ Regins?'^ Noc regis Ghirargnm ingenti laude PAREUM, Qneis simal ac MELIOR jaonndo innotnit nsa : Homm auctoB monitis medica perrexit in arte. Atqae iteram messor flavas bis l^t ariatas Et bis calcatis madnit vindemitor uvis, *dunum "^ LÜGDÜNÜM insignem porrectis arcibns arbem — Quam Rhodanos velox, Araris quam tardior ambit, — loh. Bauhinui Bo- Appulit et magno BAUHINO in tecta vocanti herbaram coUigit, Hospitii dextram deoit et oonatibus altia ** ^ nutur^^**' ^^^^ ^^^f variaB qoando coutexeret berbas. Qaod cum perfecisset opus felicibuB aetris lacob Daiecham- Teque, DALEGHAMPI, medicorum nobile sidufl, piuB Pllnlj choli- . A. . ,i,. . JA. i.- astei. medious, bo- AudiBset Puninm doctis exponere verbis, unicua^t^chiTQr- ^^„„0^ j^^p instauTat vebiturquo feroce caballo tem Pewii^SSm ^^^^ PÜELLARÜM loca qu» de MONTE notantur : Tuigo MompeUier. Qua slmol ex alto fimdata Academia colle, Imprimis nuraero Medicorum atque ordine felix. Lanrenuu« lou- Namque ibi lOÜBERTüS docuit, docuere SAPORTA, ADtoniursilporto FENENUS, SALOMOQUE et RONDELLETIUS, Fenenna ä«»,»^*- lac. saiomo omnes Gniieim.^ Ron- Artis Apollinese decus indelebile nati. Tot tantosque yiros magno sectatus amore Noster erat MELIOR (yel tanto nomine dignns), Inque diem inqae diem doctrinam dotibus aoxit etc. • • • . SednluB occepit tentAre animantia ferro [17] Et docta reseoare manu, membra omnia came Nndare et nexas compage resolvere fibras etc. • • • • Sed faciles babuit tomicis in rebus Acbates bfoÄ dSoctor Q'»» ^^^ ostendere nam : CABROLLIÜS alter, Anthonioa ohai- Alter CHALMET^US erat, ftimse agmine fortes, ™^ "" Ambo felices et docti bis landibuB ambo etc. [19] .... Monstrum horrendum, immane, infando nominePapa Belliger in Gallos jam tum rigida arma moyebat. Ipse tenebatur oinctus MONS PESSULUS atro Obsidio et circum hunc stabant denso agmine türm» etc. 1) Ueber Johann, den Son des altem Jobann und Bruder des be- rumten Kaspar Bauhinas s. Ersch und Gruber I, 8 S. 189. I9(t Imperii heroes, quin divi Cseaaris ora ^MTLIl MAGNI, terramm pace- regentis Glimata et infracto moderantis tramite mundam. ?ujie S'iMb^bar^ ^^^ bina» ienuit coelesti munere Divas: IX. CHOL et AimAAmbflß nupseraot magnis qaes regibiu isio ^^' n'SptJ^"^' Tempore, namGaUoELISABE, Domino ANN A Pyren«. At quia jam famam nitidis exteoderat astris Beb. auiicus fit MELCHIOR, ELISAB.S sabito pervenit ad aures : Christi», reginae 4 j . x i. 11 x • Qai. EiiMbethM Ad 8686 ergo viFnm Tocat et corapellat amieo Alloqnio, nt magnss Reginse assisteret anla. Lntet. »bit. Ule rogantem audit sequiturque flaentia ad amnero Sequanse, et Asclepi partes induBtrins audet. Hinc autem venia dimissus rite rogata, insp. fit Titoe et Additos inspector pradenti mente daobns %t Mattäei Log. ' Fratribas, antiqao LOGIORUM stemmate natis, ^^i^küwuL^"^ Q«» i»cet ad Ligerim validis AÜRELU portis Ivit, ibique nnnm ferme doravit in annnm. Eis tamen in patriam felici sidere versis, Revert. Hontem Miles ubi qoondam fuerat ipigravit in nrbem, eisuannm j^^ librosque suos, quos liqaerat ante, petitum. Caetera prsetereo, quas regna SEBIZIUS ivit. • • • • Namque omnes qnos Rbenns obit, qnos Savus et Ister Et Nioer et Moenus, Scaldis, Lysa, Vistula et Albis, Intravit populos, ssevi qua Pannonis ora, Bojommque jaoet tractus, vivontqae Borossi etc. [24] .... Ecce Machaoniis decedere noloit arvis, Sed laornm gerere et snmmnm medic» artis honorem. Beb. vaient. Be Nam vetus ad Rbodani fnndata VALENTIA ripas Conspicitnr, quondam Latus habitata colonis, Nunc Qallis exculta, et opimo fertilis agro Musarumque domus, toto celeberrima m^do. Hano, ut Apollineum capiti mereatar honorem, Ingreditur votique hilari fit pectore compos. Namque ubi solennis pomposo Academia ritu Beb. vaient Med. Convenit, unanimi DOCTOREM voce salutat etc. Doct. cre». Oanoel. pq r "I loh. Monlncip 25. 1*»>J Aogu-ti lÄi Annuit Aonidum chorus et MONLÜCIÜS ipse Qni Phoebi vice prsBses erat rectorque Senatus. At rursom in patriam meditatur vertere cursum. .... Qua(m) simul ac tetigit salvo pede MELCHIOR^ annis Grandibus effoetos fatali lege parentes Sublatos videt, et lacrymis humectat ocellos Et patris et matris iugubri carmine manes [26] Plorat et ad mcsstos lapides sospiria libai 198 Tanta foit pietas illi rab peotore, natom Ut minime esse sibi, ast aliis Datum esse putaret; Neo sua proveheret sed publioa commoda, more Non pigri fossoris opes qni fodit in agro Commissas, sed qui varios aptavit ad usus Restitnitque sno ping^ com foenere regi! Interea Gonjux Don ona prole parentem Fecit: enim uDdecies falgente pnerpera parta Decnbuit, tofdes juyit Lucina labores. • • • • Filia prima fuit, fuit ultima filia, nati Has inter Teuere novem — res mira relatu! etc. [30] .... Atque aliqui remm didioere negotia, magnls Principibus servire aliqui, serrire Senatui: Unicns, et nomen qui gestat et ora Parentis, MELCHIOR in medica ezcellit clarissimuB arte etc. .... Sebis OanonicuB fit Quid dicam ezcelsos quibus est subvectus honores? Ctouegy Thomani. Nunc ülum sacrf annumerant CoUegia THOM^, Nunc sibi solenni RECTOREM Academia ritu Eligit et sceptri augustis dignatur habenis. ^A^en?*au?uT* ^*°*® potestatcm Divo nunc Csejare nostro Divo Ferd. u. Palladio, ille subit cana grayitate DECANI Munia, Paeonii cöncedens prsemia montis. Longa senectutis quid dicam stamina, raris Visa viris, vegetumque animum nec^ tempore fractum? etc. annoram. Tu tamcu haud unis e millibus une SEjBIZI, Tam vegeta in seras duxisti tempora messes, Lnstra decem septemque absolvens stamine lustra etc. .... Quis tamen ignarus vivit vacnusque malorum? [35] Quis caret serumnis? cum dici nemo beatus Ante obitum possit supreroaque fnnera. vastos Sicut enim tangunt radiata tonitrua montes, Nimbus agros, segetes undse rapiuntque bidentes, Elstque nihil certum intact» tutumque salutis, Atra ubi tempestas exturbat nubibus aequor: Sic nemo humano vivit de sanguine cretus; Qui non innumeris fortunae obnoxius iris Yivat et expectet momentis omnibus atras Fatorum diras, infestae nescius horse. TaUs enim feriit simul atro corda SEBIZI Sidere tempestas: s»vo mors invida rictn Accedens rapuit mediam de pectore partem 200 nftten ist, nit allein endern vn corrigirn, sonder auch mit sichtigk- licher demonstration, einem yeden verstendig, auch mit vorhin vn- erhörten künsten gespickt, euch allen auf ein neues mit zn teilen.'^ (Bd. VI S 68.) Weinkauff fürt unter den Anleitungen zum Briefschreiben auf „New practicirt rethoric vnd briefformulary des adels stetten vnd I&ndern^', die von Heinrich Geißler von Freiburg verfaßt und zuerst in Straßbnrg 1493 in fol. erschinen sei. Die neueren Ausgaben sollen von 1502 an, unter dem Titel „Formu- lari vnd tAtscb retborica" herausgekommen sein. Ich besize ein Wdrk (fol.) mit dem Titel ,,FOrmulare. vnd Tutsch rethorica'^ Am Schluß: ,,Volendet nach der geburt Christi vnsers herre als man zalt M. GCGG. zcij. ior. C. bist von S.'^ Also schon 1492 kamen die Formulari und Tutsch rethorica her- aus. Es bedarf sonach einer genaueren Untersuchung, ob zwei Werke des gleichen Titels erschinen oder ob die seit 1502 herausge- kommenen ein selbständiges Werk außer Zusammenhang mit dem Geißlerschen sind'). (Bd. VI S 68.) Schon aus dem Anfange des 15. Jarh. be- sizen wir einen lateinisch-deutschen Briefsteller, wie es scheint von einem Zugehörigen der Universität Erfurt, der aus Süddeutsch- land stammte, verfaßt. Er findet sich in einer Handschrift der Bibliothek zu München (Clm. 7675) und ist von Dr. WSchum (Ein Thüringisch-Bairiscber Briefsteller des XV Jarhunderts u. s. w. Halle, 1875) herausgegeben. Die ersten Briefe in disem sind „de filio ad patrem ut sub- veniat sibi in suo studio*' und „responsum a patre ad filium.'' Ich besize handschriftlich Briefe änliches Inhalts (gleichfalls lateinisch und deutsch) aus dem Ende des 15. Jarh.; sie sind für die Schule zu Butzbach (zwischen Gießen und Frankfurt) abgefaßt und tragen fast alle die Unterschrift ,,ex Buczbach, 1488*^ Es sind 5 Briefe ,,de filio ad patrem** (der Inhalt dreht sich um Geld- unterstüzung), dann fblgt ein Brief von Aeneas Silvius an seinen Neffen Antonius mit deutscher Uebersezung, am Schluße stehen zwei kurze Briefe one Ueberaezung „de socio ad socium*' und „epistola presens iucunda que retrograde amicabilis antrograde vero hostiäs est.** Da ich die Mitteilung besonders meinem Freunde Weinkauff (aus Kreuznach) Wlieb mache, so gebe ich als Probe einen Brief aus meiner Sammlung, dessen Verfaßer bei der Reise nach Butz- bach in der Nähe von Kreuznach jämmerlich durch Räuber aus- geplündert ward. Er lautet: „Johannes Alzencia. Myn dynst allezyt bereyt. Vor dieser zyt, gar lieber vatter, dyr hab geschribbenn gar froHch schriffb. Nu gydt vnd zwingt vnglick ich dyr trnerlich schribenn muß Sao ich zu lest hat entphangenn die ^ guldenn zcu Alzencz vnd hat 1) Bd. VI S 112 Zeile 17 von unten lit gelegen statt gelesen« i 202 Die ligt am Necker inn aiDem Tall, 20 Da tmeg sieb zue groß Krieg anii Z^all Mitt mortten, rauben Ynnd mit prandt, Das tbett denn framen herren anndii; Dann großen Krieg bonnt sy erlitten, Oar mäniich ynd gar kegckblicb gstritten, Das lüessan sy den lieben Gott walten, Forcbdant (d^ statt mocbdans nitt erhaltenn, Da sy bordant von solliober Nott, Phendt suecbdant sy ain annders Ortt Ain scbönnen Berg bocb außerkorenn. 30 Die berren baben zusamen gscbworenn, Bey ein annder laßen leub, ebr. vnd gatt, Wie man zu sollicber bandlang thutt, Ynnd babent Gott gar woll yerdrautt, Ain statt anff ainen Berg gebautt, Rottwell am Neokber ist sy genandt. Die statt ist weitt und fer erkandt Unnd ist ain alte beraembte statt, Wann sy also denn namen batt, Ligt anff aim berg gar fest vnnd stedt, 40 Ain tiefifer grabn ryngweis dmm gedt, Denn selbenn bab icb woll bescbaadt, Kain graben bonnt sy nie gebandt, Das bab icb inn der Gronickb glessen, Die greben seint all vor geweßenn, Dartzne gar manigs tieffes Tall, Hynaus mocbdans scbießen vberall. Das kam den feunden zu kaynem framen, Kain leger dorfiPt darfäer nitt kumben. Nocb bett ain Ersamer Batb kain rue, 50 Trey vorstett baudans aucb dartzue, Sy bonnt sy allentbalb woll bewardt Vnnd kaynen kosten gar nitt gspardt, Das icbs aucb kuertzlicb bie bedeitt,« Darmitt erbieltans lanndt vnd leudt. So merckbant weider, was icb sag: Die alt statt stedt nocb aa£P diesen tag Ganz unverbörtt vnnd vntzerstördt. Das batt ain lannge zeitt gewertt, Vnnd icb in sacben aucb nitt lieg, 60 Da erbueb sieb erst ain neuer krieg. Den selben will icb recbt ertzöUen: • Ain Römyscben kynig tbett man erwöllen: Kynnig Conradt aus dem Scbwaben landt. 204 Gott wolt erhalle ding lann waltenn, Ob inn Rottwell nicht mocht erhalten Vor sollichem gwalt Tnnd übemiatt. Da sagtans im zue leib, ehr vnd gatt, Bey im zu gnessen vnnd za sterben, Sy woldant preiß vnnd ehr erwerbenn Vnnd im auch fristen sein leib vnnd gutt. Das nam zu hertzen das Edel plott, Zug inn die statt auff ir zusagenn. 120 Lothary thett das leger schlagenn Woll füer Rottwell, die bernembte statt. Die sich gar ehrlich gehaltenn hatt. Er lag darvor ain lannge zeitt. Ayns mals hneb sich ain großer streidt, Die herren hieldant ainen Rath Vnnd machdant ain lermen in der statt. Die feindt die hördant von sollichen Sachen, Wie halt thain sy ir Ornnng machenn, Wann inn kam gar ain großer grauss. 180 Die bürger fiellant zur statt hynauß Vnnd kament inn ain tieffes tall, Das was des feundts großer ynfall. Die sach die mocht nitt werden weger, Vnnd fiellant im hynden in das leger, Sy stachent darnydert vnnd schluegantzu tott, Da hörtt man jamer vnnd große nott. Man Sachs hamysch gein hymel aufspringen, Aynn Lau£P thett auff den andern tryngen. Der kynig wolt ai^ch nitt lenger beitten, 1 40 Fiell aus der statt auff ainer anndern seitten, Alls halt er sollichen scharmytzell hörtt, Er fiell ins leger ann aim andern ortt Vnnd griff den feundt gar dapfer ann. Gott gab im glückh, das er sig gwann, Vnnd alls ichs warlich jetzundt melt, So gwung er die Schlacht vnnd bhielt das feit. 'Dann Lothary abtzoch, darnach halt starb. Kynig Gonradt das kayserdumb erwarb, Er wartt gekrönt vnnd auch erwölt, 150 Wie ich die handlnng hab ertzölt. Er hatt die krön mitt ehren gefiertt^ Vnnd fünftzechen jar hatt er geregieortt^ Hett nachmals auch vill sig vnd glickh, WiewoU inn babst Innocenti dickh Gar offt ,zu hynderen hatt vnderstanden, Hatt auch von haiden das heillig lannde Mitt gwalt abtrungen vnnd vil erschlagen. 206 Das thett er inn ans gnaden schenckhen, Ir lieb ynnd treu wolt er gedennckhenn, Unnd wolt ir gnediger Kayser sein. Dammb gab er inn die freihait ein, Das sy bey allen irenn tagehn 210 Des Eaysers hörbaucken düerffant schlagen, Ynnd darizne plaßen ain mundett. Wies ann ains faersten hoff zne gett. Also honnt sy ir freihaitt erwarbenn, Dammb seint ir gar yill gestarbenn, Sy honts erfochten mitt dem schwerdt, Ynnd was ann Eayser honnt begerdt, Das hatt er in geben ganntz willigkleich Alls aynnem glidt des Römyschen Reichs. Jetzt will ich vonnder Torredt lann, — 220 Ain annders mnes ich £achenn ann. Darbey da will ichs lassenn pleibenn, Anfachen vonn dem schießenn schrei benn. Oott will ich alle ding lou waltenn, Ynnd wer im Reich batt schießen kalten Woll mitt der pyx, thae ich bedeittenn. Ynnd 'ist geschecben zu diesen zeittenn, Da man zalt daoßent fünffhundertt jar Und acht ynnd fünfftzig, das ist war, Woll nacb der gebuertt herr Jesus Christ, 230 Der fuer vnns alle gestorbenn ist. Hatt vnns erwarben das ewig lebeon, Das will er vnns allesamet gebenn! Will sein ynnser Barmhertziger Gott, Ja wann wir haltenn sein gebott, Darin sollen mir haben kain verdrießen. Ich wart zu Weinfeldt ob aim schießen, Da kam ain schitz vnnd zaigt mir ann, Er sprach: ich will dich wißen lann, Unnd nymbt du meinen wortten war, 240 Yill schitzenbrieff seint kumen dar Yonn Rottwell, der festen Aeichstatt, Die ain berüembten namen hatt, Die Bürger soindt darin weitt erkanndt Inn teutsohen vnd inn wellischenn lanndt, Da wiertt ain schießen außerwölt; Die handlung hatt er mir alle ertzölt. Das ich geb meinen wortten krafft, Man schribs schonn inn die Aidtgnosschafft Alle iren lieben treuen Aidgnoßenn. 908 Hatte gmainer statt m ehren gethonn, Dammb honnt sia nitt verdorrenn lonn, Habenn darumb das schießenn gemacht, 300 Honnt alle aaoh gar woll bedracht, Das diße gselsohaflft wertt gemertt, Dammb honnt sy allen fleiß ankertt. Ain Ersamer Rath hett wenyg me, ünnd acht Tom Rath gab man dartasne, Dennselben gab man allen gewalt, . Vnnd das sy gienngen vnnd thettans halt, Sy soUant alle sach woll bewarenn Vnnd kainen kosten gar nit sparen, Das es kemb gemayner statt zu gntt. 310 Des war denn herren ganta woll zu matt Dnnd anch ains Ersamen weisen Rath, Der soUichs schießen gehalten hatt. Bnrgermaister was ain weiser mann; Er saigt inn die sach gar trealich ann, Unnd das sy soldant han g^tt fleiß. Das man erwürb lob, ehr yand preiß. Denn Burgermayster will ich nennen, Ain gantse gemain thutt inn erkennen, Herr Hanns Gonradt Hettinger ist er gnandt, 320 Dasselbig jar was er im ambt. Sein ambt verseohen vnnd woll geregiertt. Mann hatt die herren anff zilstatt gfiertt. Die aierckhelt man ab vnnd tailtans ans Zn negst woll bey der sohitaen bans. Da selten die Tikecher vnnd kramer faill bann. Noch weider will ich euch saigenn ann, Zu aller negst woll nebenn inn Da hett man faill vil mesch vnd synn: Was ainer khandt da erdennckhenn, 330 Fanndtmanau kaufien vnnd nitt inschenckhen. Darbey thett man vill küertsweill treibenn, , Vnnd wöllicher nitt dahaimbt wolt pleibenn, Der da wolt volgenn seinefti synn, Er gieog hynaos nam geldt an im, Fanndt man in knertawellen vnnd au spülen. Solt ainer lieber dahaimbt sein pliben! Dan wöllicher hatt sein gelt verloren, Der hatt das schießen woll halb verschworen ; Es weren mann oder auch frawen, 340 Zd allen Sachen wolt man schanenn, Darmitt das man nichts thett vergeßen. Hennt stenndt abgschridt vnnd fleißig gmeßen, Dann m ist ordraUeh aue ganngenn, 210 Was aa£P dem schießen habent gsechenn, Die warhaitt soltant sy veriecheon. Das bannt die frumen scbitzen getban Vnnd das denn berren getzaiget ann. Da bett ain gantzer Ratb kaip me, Dem berren Baumaister spracb man zue, Das er ankertt alla sein fleiß, So wolt man gebenn lob, ebr vnnd preis; Alls im die berren bonnt aucb verdrautt, 400 Das scbießen batt er gar scbönn gebautt Vonn Zellen , scbenckbitten vnd auch stenden. Das fynndt man nitt ann allen endenn, Alls icbs zu Rottwell bab gesecbenn, Das kann iob initt der warbaitt jecbenn. Unnd da ich hörtt vonn soUichem schießen, Des wegs thett mich gar nicht verdrießen; Ich macht mich aufif vnnd zug dabin, Ghein Rottweli da staindt mir mein sin; Ich kam dabin in kaertzen tagenn. 410 Dauon da mnes ich euch recht sagenn, Man erbutt mir da vill zucbt vnnd ebr. Die scbitzen sprachen: wo zeugst du her? Ich kumb von Weinfeit ab dem schießen Vnnd bofif, das wertt mir woll ersprießenn, Ich bab dann kertt vill guetter mer, Darumb so bin ich zogenn her. Sy schickhdant mich zu ainem mann, Mein bandlung die solt ich im zaigen ann. Denn seibenn will ich mitt namen neuen, 420 Ain Ratb der wiei*tt inn woll erkennen, Gonradt Keller ist er genandt. Ich sagt im die bandlung allesandt, Da bett er gar ain knertzenn synn, Er gienng vnnd nam noch ain zu im, Thoma Pfister den thue ich nennen. Die scbitzen thain sy baitt woll kennen, Die zwen die warent behentt beraidt Vnnd füerdant mich zu der oberigkaitt, Der vber das schießenn der oberist solt sein, 430 Mitt im noch sunst ain berr gar fein. Ain Ersamer Ratb gab in den gwalt, Ynnd was sy schuefiant das gschach gar halt. Herr Prenißen was der erst erwölt^ Denn andern bab ich nitt ertzölt, Herr Hilbrant Mdgcker ist er gnandt. 212 Da thett ich weider faerbas gann, Ain lannge schenckhiiten sach ich auch stann, Der selben khundt ich nitt y^rgeßeo, Ich hab die bitten selbs abgmeßenn, Die was auch woU vonn dem anfanng fön£P vnnd neuntzig gemayner schridt lang, Vnnd alls ichs warlich jetzt bedeitt, 490 So was sy guetter schridt acht weitt. Das hatt herr Baumaister gar woll bedracht, Vnnden vnnd oben zway heuslach gmacht. Daruon da maes ich weider sagenn, Mocht ainer das waßer darin abschlagenn Vnnd was denn aynßen gelegenhait was. Ach, lieben herren, wie gfelt euch das? Wie es dann kertt zu sollichen sachenn, Man lies auch inn schenckhitten machen, Gar lannge Tisch vnnd darfüer benckh, 500 Dartzue hett bitten schönn vmbhenckh, Vnnd was icH sag ist nitt erlogenn, Tisch waren bedeckht vnnd vbertzogen: Wenn ain wolt die sonn vertreiben, Das er am Tisch nit khnndt peleibenn, Vnnd sy hynein schin aa£P disch vnd penckh, So zQch man fuer die schönnen vmbhenckh, Die waren gelb, gruen, rott vnd weiß, Es was zuekricbt mit allem fleiß, Dan ich habs ordenlioh beschandt. 510 Ain neues schieshauß honnt sy gebandt, Dasselbig hauß hett vnnden zwo thier, Vnnd jederman mnest gann darfuer, Es werent man oder auch frawenn. Ich mnest das schieshauß recht beschauen^ Das ich inn Sachen auch nitt lieg, So hetts ain hoche lannge stieg; Ich gieng hinauff, kam inn ain sali, Tisch waren bedeckht darin vber all, Dasselbig das kann ich woll ermeßenn, 520 Mann gab den leuden trinckhen vnd eßenn Dann jedermans was fröllich vnnd landt Zwo schönner stuben hab ich beschandt Die ain die kertt denn herren zue, Inn der andern stubn was gar kain rue, Mitt eßen vnnd trincken huelt maus in pflicht, £^ was als ordenlich zue kricht, Dann da wartt niemant gar betrogen, Vmbhenckh hatt man fuer fenster zogenn; Die herren honnts alls woll bedracht, 214 So hetten dan die leadt kain nie Ynnd lieffant alle dem mändlin zue, Es hett ain lanngen dickhenn partt, 580 Vnnd wen das mändlin reden wartt, So spib es waßer aoß seim mandt; Das mändlin auch woll synngen kbandt, Wie es dann kertt zu sollichen sachenn So fienng das Yolckh gar laudt an za lachen ; Das thett das mändlin hartt verdrießenn, Mitt waßer thetts zum Banm schießenn. So wolt dan niemant bey im. pleibenn, Also thett es sein zeitt vertreibenn. Man fiiertt mich weitter aofif den plann, 590 Ain schönne schenckhitten sach ich da stann, Da khondt man gan darin ein vad auß: Hett manyger offb ain sollichs haoß, Er erhielt sich drin woll jar vnd tag. So merckhant weider, was ich sag, •Dann ich sach mich gar obenn vmb, Darmitt ich an die Goltschmidt khtunb. Dauon da moes ich euch recht sagenn, Ain große bitten thett man aufschlagen, Die selbig gab man dem goldtschmidt ein, 600 Darundertt solt ain handwerckh sein, Vnnd was ich sag, ist nitt erlogenn, Mitt deppich was sy vbertzogenn, Dartzue wünsch ich im gluckh vnd haill, Dasselbs solt man honn silber faill, ViU hundertt gülden was kram wertt, Vonn manigem man hab ich das kertt, Wellicher nitt seins schießes wolt wartten, Der mocht dasselbs woll spiUen vnd kartten, Vonn silber macht man lander gwynn, 610 Der ain verluers der annder truegs hynn. Da thett ich auch weider fuerbas gann, Ain schönne pritzstatt sach ich da stann, Darob thett man straffen mitt dem schwerdt, Vnnd das den schitzen datzue kerdt, Darmitt gab man im ains fuer kerben, Manyger maint er müest gar sterben; Dann ob der werckhstatt was gar kain rue, Dem bannen werffen sach ich zue, Der bann der macht ofilb manygem hayß, 620 Mitt schranckhen macht man drumb ain krayß, Daran staindt der weit ain große zall, Hynden vnnd fomnen auch vberall, Es ist o£ft glecherlich zue gangen, 216 Die warent dailt weiß vnnd auch rott, 670 Alle geferlichkaitt man da verbott, WiewoLs kain sohitzen dorfft verdrießen, Vnnd inn dem Erbel mnest er schießenn, Allerley fordaill soll verbottenn sein; Die Bchitzen faryrdt man fleißig ein, Alls balt ain Bchitz inn statt ist kamen, Vnnd die herren honnt das vemomen, So ist der ganngen ders hatt gförirdt Vniid hatt die schitzen in herberg gfierdt, Damach soll zamen kamen ain Rath, 680 Alls balt man 'am sontag von kirchen gadt, Dann man wolt ziechen aa£P den schieß plann. Was haben die herren vonn Rottwell thann? Sy zagant hynaaß mit großer ehr, Ain gantzer Rath der gienng vorher; Da maes ich vonn ir ^eihaitt sagen, Des kaisers hörbaacken thett man schlagen, Mitt paßaanen plüeßant die trametter, Das hatt man kertt gar weitt vnnd fer, Darmitts der kayser hatt begaabt 690 Vnnd inn aach solliche freihaitt erlaabt; Vnnd das ich sag ist nitt erlogenn, Die schitzen seint aa£P herren zogenn; Dann da was kainer ehr zauyll, Die selben hettant ain annders spill, Dasselbig was pfeaffen vnd tramblen. Damach seint schitzen all zamen kamen Woll aaff den verorntten schiesplann. So hörtt was haben die herren gethonn, Seitt ich die warhaitt redenn soll: 700 Endpfiengant die schitzen ehrlich vnnd woll, Vnnd der die Redt hatt da gethonn, Der Bargermayster thett neben im stonn, Aach desgleichen ain Ersamer Rath, Der solliche endpfachang veromett hatt; Der selbig herr ist mir woll bekandt, Doctor Johann Spretter ist er gnandt, ^ Denn schitzenbriefiT thett er ertzöllenn, Das sy soUant Nenner erwöllenn, Sechs von dem frembten vnnd trey von inn ; 710 So merckhant aach weider meinen synn, Das maes ich denn schitzen veriechenn. Gar balt vnnd behenndt was das gesohechenn, Der bmeff solt pleiben bey seiner krafft, Zwen Nenner gab die Aidtgenosschafft, Vonn Frey vnnd Reichstett die wellent ain. 318 Er hait sych kalten ehrlich vnnd woll, Seudt ich die warhaitt redenn soll; Inn dem puchhalter mues ich veriecheno; Dann er hatt gar nichts vhersechen, Was zwen oder trey hont snnst aus kricht, Das versach er allein bey meiner pflicht. Meine Herren die honnt sich bedacht, 770 Das ich mein sinn honn mitt mir bracht, Ir weishaitt thett sich bedenckhenn, Ain neues klaidt wolt man im schenckhen, Das war fiierwar auch rott vnd weiß, Er solt ankeren allen sein fleiß, Vnnd solt ain treuer ziller sein, Das bandt man denn anndem alsamb ein. Am Montag fieng man zu schießen ann, Ain jedlicher hatt geren das best gethonn. Die Neuner honnt es woll bedracht, 780 Vnnd haben mir sechs loß gemacht« Die stett vom Reich die schußent ann; Was haben die herren vonn Rottwell thann ? Denn alle sach thons woll bedenckhenn, All vmbgeng ließans neu Scheiben henckhen, Die trueg man hynaus mit pfeu£fen vnd trumblen, Als halt die Neuner seint zamen kumen; Ain Ersamer Rath hatt sich bedacht, Alls halt der erst vmbgang was verpracht, Da thett ain Rath des Schießens gedenckhen, 790 Vnnd woldant den schitzen gar ehrlich schencken Ain fueder wein rott vnnd auch weiß, Man richtett zue vier faß mitt fleiß — Was ich jetzt redt, ist nitt erlogenn, — Funff starckher roß honnt daran zogenn, Wolt man den schitzen ir hertz au£fweckhenn, Zwen seudin fannen darauff steckhenn, Ain steckht man fernen, den andern binden, Vnnd allenn diennern solt man verkynnden, Sy sollant dem fueder weynn vor gann, 800 Vnnd auch der statt färb legenn ann. Wie sich zu sollichen ehrenn gebiertt Vnnd hatt das auff die zilstatt gfiertt. Ja was das nitt ain große ehr! Mitt pußaunen, hörbaucken zug man vorher, Hynaus zu den schitzen da was in gach, Ain ganntzer Rath gieng hynden hernach. Denn wein hatt man preßendiertt, SSO Ain jedlieher kan das woll gedenckhenii; Den sobitsen thett man alsamb sohenckhen. So merckhant weider, was ick sag, Die Bohenokh die weret auch fiinff tag, Die Aidtgnoßen hont sich bedacht, 860 Ain jediiobs Ortt sein spül gebracht, Darmitt da macht man frendt vnd matt. Wie man hej sollicher gselscbafit thutt, Das kan ain jedlieher woll gedenckhen, Alls offl man thett den schitzen schenckhen; So lies man plassen ain mnndett, Wies ann ains f&ersten hoff zne ghett, DaSt kam den herren zu gaettem frumen, Den Tonn Villing was ir spül anch kamen. Das kertt dem haaß Ton Osterreich zae; 870 Die statt vom Reich hettant aach kain rae, Denn sy honnt sich gar kaertz bedacht Ynnd honnt ain spSl zaw^gen bracht, Sy maestant all denn schitzen hoffieren, Ain jedlieher solt sein kanst probierenn. Da solliohe frendt was alls yerbracht Honnt die schitzen ain annders erdacht Ynnd fiengen darnach za tantzen ann, Sach man gar manygen stoltzen mann Oar fröllich tantzen vnnd aach spryngen, 880 Mir was anch woll mitt dissen dyngen. Nach dem tanta hettant jnnckhfrawen verlangen Es ist gar riohtigklich zae ganngenn, Denn alle freadt hatt man erdacht, Biß man das schießen znm endt hett bracht; Denn wöUicher gwang der lebt im saas, Darnach traeg man die fannen heraas, Man was versechen mitt allem fleiß, Die fanen warent rott vnnd weiß, Ja was das nitt ain große ehr! 890 Mitt der hörbaackben zag man vorher. Das hatt das Volckh im hertzen erfreidt, Die knaben wassent inn weiß beklaidt, Mitt kostlichen kleinadem schön putzt vnd ziertt Damach hatt mans aaff zilstatt gfiertt, Thett man den schitzen ir gmüedt anffweckhen, Die fenlach lies man ftier sich steckhenn. Damach honnt herren noch ains bedacht, Zwölff schönner jnnckfrawen hatt man bracht, Die waren gar schönn geschmückht vnd ziertt, 900 Alls wen mans zn aim tantz hatt gfiertt, Die selben maohdaat das schießen erst gantz, 222 Hanns Pfeninger ist er genandt, 950 Unnd ist denn schitzen gar woU erkandt, Er hatt es gwungen gantz ritterlich, « Darnmb ich im das lob vergich, So gar ain schönnen großen fann, Da stainden woll fünfftzig guldin ann Mitt schilt vnnd wapen schön poßenyrdt, Unnd das denn fannen hatt getzierdt, Das annder fynndt man auch geschriben, Dasselbig ist zu Bottwell plibenn, Thoma Pfister ist der name sein, 960 So hörtt, ir günstigen herren mein, Das annder er ehrlich gwongen hatt; Darnach faer zue ain Ersamer Rath Dann si honnt sich gar kuertz bedacht Unnd habent die jonckhiraw füer schitzen braht Mitt schönner Renerentz vnd ehren Rueffb man den herren vnd schitzen von Beren, Sy sollant zun herren fuerher gann. Das haben sy mitt willen gethonn, Ain ganntzer Rath thett sich bedenckhenn, 970 Der sCatt von Beren thett man schenckhen Denn schönnen wolgemachten krantz, Mitt der junckhfraw thett er ain tantz, Sy satzt im denn krantz woll aoff sein haubt, Er hatt die Junckhfraw ehrlich beganbt, Junckherr Hanns Herbott ist dör name sein. Er danckhet denn gar zichtig vnnd fein, Das thett er vonn wegen seiner herren, Unnd inn gar geren pryngen gein Beren. Nun wellen mir laßenn von dissen dyngen, 980 Der Neuner fannen thett. man pryngen, Die beruefiBb man hynein in die schreibhitt Nach schießes gwonhaitt brauch vnnd sitt, Alls ich die sach vemumen hab. Man danckhet inn ehrlich vnd fleißig ab Vmb^iren treulichen beistanndt Vnnd gaben in fannen in die hanndt, Sy sollans fueren mitt in von hynen, So wiertt man sechen vnnd werden innen. Wer die Neuner zu Rottwell seindt gwessen, 990 Die wiertt man hyndennacher lessenn. Ich wills all ordenlich einschreiben, Vnnd nichts soll mir dahynden pleibenn. Das mag ich reden bey meim lebenn, Aim jedliohem thett man ain Taller geben ; Darnach hatt rieh ain Rath bedacht 224 Das NachBchießen habt ir auch vernumen, Das baitte beste gern Züroh seint kamen, Es khmnbt der statt zu gnettem frumen Die besten honnts gar ehrlich gwnngen. Aynner sach kann ich auch nitt endberen, Ich will ein schreiben all Raths herren, Die zu dißer zeitt honnt geregiertt 1050 Unnd solliches schießen honnt gefiertt, Zm aynner gedechtnas solts in fnunen Ynnd iren geschlechtem, die naoher knmen, Dann wiertt man solliches schießen verkynden, Iber hundertt jar so mag mans fynden, Mitt schilt vnnd wapen will ichs beschreiben Ynnd kain statt soll mir dahynden pleiben; Ir herm, ich will euch gebetten hann, Ob ich der sach het znwenyg thaon, Ir wolt mirs nitt znm argen meßen, 1060 Wen ich darin hett was vergeßenn, So wolt ich die herren all bitten lonn, Sy woltant mir nichts verübell hoDn, Gar knertz hab ich die saoh betracht; Denn sprach hab ich za ehren gemacht Aim Ersamen Rath vnnd gemayner statt. Die sich gar ehrlich gehaltenn hatt, Dann alle sach was gar woU betracht. Liennhartt Flezel hatt den sprach gmacht. Der fdersten vnnd herren dienner ist 1070 Ynnd der statt Bottwell za diser frist, Yonn Aagsparg da thaett er sich nennen. Die schitzen thain in woll kennen Aach aas der loblichen ajdtgnosschafift, Darmitt g^b ich mein wortten kra£Ft, Also hatt mein gedieht ain endt, Gott aUe sach zam besten wendt ! Hernach uolgen die edlen vnnd ehmuesten^ füersichUgen^ Ersamen^ hochweisen herren vnnd Eaths personen inn der heniemb- ten statt Rotitcelh die zu diser zeitt honnt geregiertt, da solchs herren schießen gehalten worden ist, cdl mit namen pschriben, tote hernach volgL Herren Yrtalsprecher: H. Hanns Oonradt Hettinger, Barger- mayster; H. Matheys Yischer, schaldes; Hanns Prenyssen der alt, Johann Hilbrandt Mögckher, Gonratas Spretter, Martin GaldiO| Caspar Dettinger, Michel Hörtzog, Hanns Bayr, Lorentz HoDgsti Jacob Wölfflin, Jörg Schaller, Erhartt Domhann. Dentzler vonn Zürch 1 fl. 45 kr. 12 schus. — Das 38. HanDS Plattner von Bern 1 fl. 30 kr. 11 scbns. — Das 39. Andreas Hörttenstain vonn Zürch 1 fl. 15 kr. 11 schoß. Johan Noppis Notarias vnnd Cantzeleij Schreiber zu Rottwell 9 fl. — Der pritzen fann: Jacob Hnpschlin von Mengen 1 fl. Liennbart Flexal PritEn- maister 9 fl. Veltan Flexel Ziller 5 fl. — Die hochbernembt Reich- statt Augsburg : Liennhart Bruner, Jörg Haapmann, Christoff Hoff- mair, Moritz Mamadorffer, Hanns Jocham und Thoma Gillig alle von Augspurg. — Die hochbernembt Reichstatt Schledtstatt: Hanns Rieß, Hanns Gelfi* und Christman Klaw, alle von Schledtstatt. — Die Reichstatt Ylm : Hans Negelin, Jörg Balckhamer, Hanns Steadt- lin, JörgMöslanng und Hanns Mair, alle von Vlm. — Die Reich- statt Memingen: Jacob Fries und Jacob Baur von Memyngen. — Die Reichstatt Eslingen: Hanns Pfister, Dauitt Pfister and Hanna Schmidt, alle von Eslingen. — Die Reichstatt Gmundt : Christoff Gullin, Jacob Reißer, Steffan Bentz und Hanns Feiner, alle .von Gmündt. — Die Reichstatt Reudtlingen : Jacob Gegkeller, Bastionn Müller, Jörg Bechtolt und Hanns Lyngckh, alle von Reudtlingen. — Die Reichstatt ^chwebischenhall: Jacob Hagckh von schwebi- schen Hall. Rom. Kay. vnnd Kyn. May. Erblender ire gsande schitzen: Das viertt Loß. — Die statt Villingen am schwartzwalt hatt geben ain Neuner von wegen der Erblender: Hanns Wemner ein erwölter^ Neuner, Stoffel Rebman, Thebus Wemner, Petter Müller, Hanns Jeger, Stoffel Psetzer, Hanna Hayre, Hanns Schlei- cher, Melichor Schleicher und Matheis Neidinger, alle von Villingen. — Die statt Freiburg: Thoman Stadler von Freyburg. — Die statt Rottenburg am Necker : Stoffel Walckher und Vrich Wachen- dorffer von Rottenburg. — Die statt Mengen: Hanns Bogner uiid Jacob Hüpschlin von Mengen. — Die statt Schömberg: Bastionn Wuerer, Urich Straub, Balthasar Hengst und Bastlin Braun, alle von Schönberg. Petter Laur, Hanns Wernherr. Hanns Schaber, Hanns Pfeiffer und Stoffel Vogl, alle von Obemdorff. Jacob Scherrer und Jacob Glut von Horb. — Das hochbernembt Fuerstndum Wuerden- berg hatt geben ain Neuner von wegen aller fuerstenn. Das sechst Loß. — Die statt Studtgardt: Cyriacus Hom von Studtgartt. — Die statt Sultz hatt geben ain Neuner : Lorentz Rueff ein erwölter Neuner, Paulin Vngmach, Clauß Eatz, Conrat Hoffinaister, Ann- dreas Mueße, Claus Rueff und Hanns Langjar, alle von Sultz. — Die statt Ehingen: Claus Gretter, Balthaß Müller, Hanns Oeng- ckhinger, Martin Gengckhinger , Blaßin Kintzelman und Jacob Scheppo, alle von Ehingen. Hanns Wesler und Gregorius Sohrenckh von Alberspach. — Die statt Roßenfeldt: Hanns Kmeg, Haynrieh Negelin, Jacob Pfeiffer, Burckh Zymerman und Anthony Müller, alle von Roßenfeldt. — Die statt Herrenberg: Enndris Rueg, Enodria Weber, Enndris Roßer und Jacob Rudthartt, alle von Herrenbeiy. — Die statt Tornstetten: Hanns Gretzinger und Hanna Händler von Tornstetten, Matheis Zymerman von PfuUingen, Hanna EiqfBar 228 Bynder, MarÜD Göbel, Martin Hör, Hanns Jacob, Clanß Vogler, Hanns Herlin, Jörg Reißer, Hanns Folhaber, Hanns Frey der Jung, Gregorios Springer, Bastion Bair, Wolff Amolt, Panllin KeUin, Gonrat Hueber, Bastionn Elgartemair, Radolff Frantz, Jacob Het- zinger, Paulin Tenfelsperger, Hanns Holtzlin, Steffen Bynder, Bastion Negelin, Jacob Gnedig, Petter Mair, Petter Bentz und Hanns Eißenbach, alle von Rottwell. — Die Reichstatt Weifienbarg: Gon- rat Morfelt von Weißenbnrg. — Die Reichstatt Rottenburg an den Tauber: Glauß Hoffman von Rottenbnrg. — Die Reichstatt Lan- daw: Dierpolt Eysner, Balthaß Eysner und Lorentz Ziem, alle von Landaw. — Die Reichstatt Neuenbürg: Dauitt Zynckh vonn Neuenburg. — Die Reichstatt Geislingen: Veitt Scheffolt vonn Geislingen, Paulin Baynuer von Stauffen, Remygins Mair von Costantz. Das Stadtbvch yon Sebaffbansen Schluß Ryschach aduocatus. Wir der R&t zu Schaffhnsen haben vns ainhelleklich erkendt vff vnser ayde vnd 6re durch vnser Statt vnd armer vnd lUbher in vnser Statt nutz vnd fromen vmb dise nachgeschribnen stok in 5 der wis vnd roainung als dieselben stuk begriffent. Zem ersten. Weiher nv hjnnenthin vnser vogt wirt, daz der die drißig phunt die Im von jerlicher StAr geuallent Ingewinnen vnd nemen von der Restancie derselben StAr, als daz vor langer zit sitt vnd gewont ist gewesen es sy denn daz man Im die willeklich von der StAr 10 gebe. Vnd wenn man nit SiAr git S6 sol man im onch nicht geben. Wer aber daz man dehains j&rs zwA stAran geben wurd So sol man Im« doch nit mA geben denn von ainer stAr. Vnd des gelich wer daz man dehains j&rs stAr entlehenti SA sol man im ouch nicht dauon geben. Item vnd vmb daz Insigel sol nu hin- 15nenthtn niemau me geben denn ainen Schilling phenning vnser raüns er sy burger oder gast. Item vnd von der bnrger vnd ge- sten wegen die in ainer klag begriffen sind als vil der ist, sol der Richter nit me nemen denn j ß ^ unser müns. Item vnd vmb daz gericht schriber aropt haben wir vns erkent daz das nyeman 20verphenden sol in dehain wys. Wenn wir ouch vßziehen oder Raison mAßin So sol denn der vogt ouch ye mit vns vßziehen vnd Raison als daz von alter her komen ist. Vmb den nachrichter sol der vogt die gesetzt halten die da- 25 uor in disem b&ch geschriben st&t. Der vogt sol ouoh daz burgkrecht by vns haben Id ge^ycher 230 Item von ainer obei'ii tappbart Juppen viij ^ vnd von ainem barchaitlin j ß pfcnning. Item von aiuer scblecbten ainfaltnen kappen iij ^ zwi< v ^ vnd vff halben weg gef&tert iiij pfening. 5 Item von ainem sakröklin vngef&tert j ß gef&tert zvj ^ vnd von ainem> tapharttin vngefi&tert gevocht xviij ^ Gefdtert ij ß ^. Item von ainem langen tapphart vff den fuß vngef&tert üj ß GefÄtert iiij ß ^. Item von ainem gantzen sakschopen iij ß ^ vnd von ainem lOknöpfleten iij ß iiij ^. Item von ainem fröwen Bok mit glenken vnd mit ainer brysi iij ß vnd von ainem schlechten in gelenk vnd 4a bridnen xviij ^. Item von ainem schlechten fröwen mantel mit ainem goUer ^ ß vnd 4n goller xviij ^, vmb die engen gefalten mentel vnd vmb die 15gr6sen vnd witen fröwen Rock ist nit Satzung. Item von ainer fröwen gefalten kittel rok iij ß vnd von ainem schlechten fröwen tapphart mit ainem goller ^ ß ^. Item von ainer fröwen barchat mit gelenken vnd mit brysinen an Ermel xvj ^ vnd mit Ermein ij ß ^. 20 Item von zwain witen fröwen Ermein iiij ^j vnd von zwain engen vj ^. Item vmb die großen kappen vnd zederlocht zerhöwen ge- wand ist kaiu ban. Item ainem sniderknecht der ainem in sinem hüs werket vnd 25 im sin gwand vsrichten kan, sol man geben des tags viij ^ vnd ainem knaben vj ^. . Item Weiher Soider daz hantwerk tribt der mag wol wullin gewant vail haben vnd mag ouch daz hantwerk darzu triben. Actum an mSntag vor sant Hylarientag Anno :c. cccc. viiij. 30 By dem erkennen der vorgeschribnen Ordnung sind gewesen dez RÄts ainer vnd drißig. (fol. XXXIV.) Rischach aduocato preside. Johannes Waybel hett vff disen tag für Rät brächt wie daz er vormals ain gemächt vnd Ordnung oder ain gemaind geton hab 35 gen sins suns seligen kinden, darinn er im selb behalten hab daz er widerrAeffen mindern oder mSren möcht Vnd wiß nit anders denn daz darumb ain brief geben sy des aber nieman veriehen well, darumb hett er dis alles offenlich widerrflfb also ob daz wer daz hienäcb dehain brief funden wurden die dis sach antwurtin daz 40 die vernicht vnd craftlos sollen sin. Dis ist erkendt In dis Buch zescbriben. Actum quinta post Othmari Anno dm. Millesimo cccc. decimo. Dis hett im Hans Nutzli vor Rät geöffnet. Nachtsclidch. 45 Wir haben vns ainhelleklich erkendt durch gutz frids wüton wer nv hinnenthin den andern an dem sinen nachtz oder tags schädiget oder sin vih vff yeman tribt, es sy vff dem veld odisr 232 wonern alle jare in den aid gehen werden. Actum an Mittwochen nach Agnetis Anno dm. Millesimo cccc. xxj^. Nota : dis nackgeschribnen sand an gericht noch Bat niemer mhr körnen dn willen vnd gunsi vnd ivißen Burgermaisters vnd Bdtz. 5 Wilhelm Earrer. Jeckli Karrer. Hainrich lib. Negilli sntor. Erhart Seifinger. Jung hofwiser. Hennsli Süter. Jos Biderb. Bur- kart frik. Alt fischinger. Enich. Rickenbach. OAbli. Spor. Hensli B41inger. Roschacher. Strobel. Stainegger. RAdi Balinger. fröwen- uelder. G&nrat Swertfurber. Ali zimberman. Balduff. Wißwtler. 10 zündufif. R68ch hnbensmid. Hans Murer floffer. Clewi Mürer. Jeckli Sporer. SAß. Held. Hanns von wil. Jung fmid von Meilingen. Hennsli R6rer. Fürsin ars. Lentzinger. Yselli. Haintz Nagler. Wid- mer. Cunrat Brunner. Rüsch. Meynow. Giezberg. Binder im Saltz- hof. Jos Snettzer. Schillig moßersmid. Hans Brun. Hennsli zim- 15berm4. Senfli. Clewi schillig. C&nrat . Keßler. Clewi trdgmacher. Kastler. Das man hinnenthin nieman kainen frevel sol eh aerdie" nen geben. Wir der Burgermeister vnd R&t zu Schauffhusen haben ge- 20 setzt durch g&tes frides willen das man hinfür nieman dehainen freuel noch vntzuht Sol zu uerdienen Geben, er sy burger oder gast denn daz ain Rat menglich nach siner erkanntnAfl vmb vnt- zuht str&ffen sol nach ieglicher sach gelegenhait. Actum an dvnrs- tag nach Agnetis Anno M. ccccxxj. 25 (fol. XXXVI.) Von dem konmarkt vnd wie sich die pfragner halten sond. Wir der Burgermaister Groß vnd Ciain R&t habend vns ain- helleclich erka^it durch gemainer statt nutz willen das nyeman, er sye Burger ald gast, dehain körn köffen sol Es sye den vor in dOantwederm komhüse nider gesetzt. Wir haben öch gesetzt das hinfAr dehain pfragner er sye burger ald lantzman nAtzit köifen sol Ee denn das man die glocken gelAt hat. nach dem vnd man die glocken gelAtet so mw gend denn die pfragner wol köfifen. 35 Wir haben öch gesetzt w&r das dehain pfragner er wer burger ald gast nach dem vnd man die Glocken gelAtett h;ätt vtzit köfift hett wil das vnser burger ainer haben vmb das geltt als es der pfragner kö£Ft hett vnd in sinem hüse bruchen so sol im es der pfragner volgen vnd werden l&ßen ftne alles widerwort. 40 Wir haben öch gesetzt das ain yeglicher vnser burger vor der Glocken E denne das man si gelAtett hat wol köifen mag wes er in sinem hüse bedarff vnd das er darin brüchen wil. Wir haben och gesetzt das dehain pfist^r vnser bnrger de- hainen kernen machen sol vnd den enweg fAren vnd anderswa 45 verköfifen. Wir habend öch gesetzt das dehain pfragner er sye barger oder gast nyena vff das land riten sol körn ze köffen vnd kerno- 234 Swüiin braten ain pfuiid vmb vier haller. Item hammen ain pfand sond si geben vmb dry haller. Sy sond machen dry würst die ain pfund t&gend vnd sond darin nüt hacken in kain wis denn swinin br4ten vnd sond si 5 geben vmb sechs haller vnd nit hoeher. Item si sond Öch kain swin höwen Ee das es die seh Ö wer haißend. Böckis sond si geben zway pfund vmb fünfif haller, stat an den schöwem. 10 Sy sond geben altbock ain pfund vmb dry haller. Item was öch die schöwer schetzen das sond si also höwen als es gesetzt ist vnd nit selb saltzen. Den kAgen sond si kain vter abhowen vnd das flaisch laßen beliben als es von alter herkomen ist vnd an im selbs .... 15 Die Ruggen sond si vs den swin^ nemen. Sy sond die Bottertentz fürbas nit mer zu dem brunnen schütten sunder si sond die tragen zä dem Rill in ain grob. Weiher aber vber der stuck dehaines t&ti der sol ain pfund haller vnser müntz ze büß geben als dik das beschicht vnd wil 20 man die büß nemen als ander fräfilen. (fol. XXXVIL) Der znnfftmaister vnd die sechs sond rAgen by den aiden so si gesworn band pfinnig flaisch vnd ander boos geuorlich flaisch. Vofi des abzugs wegen, 25 Wir der Bargermaister groß vnd klain R&t haben vns ain- helleclich erkent vff vnser aid durch vnser gemainen Statt Nutzes vnd fromen willen was knaben ald tochtern hinfür für vnser Statt beraten werden es sye z& der gaistlichait in Glcester, zu dem Sa^ crament der hailigen Ee ald sust inander weg vnd an ander statt 30 das die söiich gut damit si vßgestdrt vnd ber&ten werdent ver- anzalen sond nach vnser Statt recht herkomen sitt vnd gewonhait. Actum dominica Exaudi Anno 2C. xxvij. Wie vü habern ainem Burgermaister Jerlichs zagehoert warab ör gdt vnd wer in git. 35 Item von dem closter aller hailigen git man jerlichs ij Mal'» ter habern. Item fünfilzehen viertail habern gend die Mayer von Widla. Item Glavs Cromer genant hildbrant git drü viertaiL Item hanns Menlich git ain Mutt habern zway jar vnd an 40 dem dritten jar so git in der fries am hornberg vnd gät vß dem winzürnen ampt. Burler hirt sol den Mutt habern allweg ij jar vnd der fries am dritten jar als der fries das dem Burler vor Burgermaister vnd R&t vormals anbehept hat vnd sol ouch der köffbrieff den 45 der Burler von dem len hat dem friesen dehainen schaden bringen. (Ordnung). Wir der Burgermaister vnd Raut Gros vnd klain zft Schaof- 285 huen haben tus sinhelcklicli erkennt vff vnsor ttyde dnrcb Ge- mainer Statt oucb Richer vnd Ärmer nnttz vud ^e vnd frommeiiB willen Bas dia nacbgeechriben etnck Ordnungen vnd gesatzzen hin- fAr in unser Statt gehalten werden sond vngeuorlich. Item des Srgten das die Edlen der geselsobafFt vff der OberD 5 ■taben binfAr j&rlichit v&er ir gesellachafft vier erber mannen die sy denn vff ir ayden vnd vff ir ere gemainer statt die ontzliohi- ■ten vnd ^licboaten sin beduncken In deo klainen Baut kiesen wellen vnd aettzen aond. Tnd zi den vieren dry in den großen Haut A1b6 das ri in dem großen Raute nit mSr haben sond denn 10 riben. In maoßen als ander zanfften ungeaorlich vnd aond yetteo vff pfingsten schieroat ckomen So man den Kant endren vnd von nAwem besettaen wirdet, anheben Vnd da« dannenthin iörlioba tön ioe ollermenglichea tntrfig vnd Widerrede vnd ouch &n geuerd. Zd dem andern als. wir ettwos zftea bär ainen obroaten IK xanfftmaiBtar gebettet vnd erwellet vnd dem gewalt gegeben band den aiMlern mnfftmaiatem vmb gemainer Statt aacben vnd ge- ■ohefften znsamen zc^ebieten vnd eich darumb mit inen zu be- apreohen vnd in vnderreden vnd aoliobs alldenn an ainen geseßenn Raat Bebringen zc. Das da soliobs gantz vnd gar vernicht tod20 ■ Tnd abatn vnd hinfflr nit mär beaohecl^en Bol vngenorlicb. Tz& dem dritten ad ist ouch vnser gewonhait gewesen j£r- liebB vier haimlicber zä settzen das eol onch gantz ab ain vnd hinfftr nit mer bescheoben, ^ Kind vßer der Statt beraten. 25 Ttzft dem vierten so haben wir gesetzett vud geordnott Weibe niser bnrger ald burgerin S! syen rieh oder arm in kind knaben oder toohttren hiofür für vnd vßerthalb vnser Statt beraten Ea syg z& der gaiatlichaitt ald dem Sacrame&t der hsiligen Ee das der oder die von aolichem gut aö ei iren kinden also gend vnd zu 30 Hgend vnd damit af soltcbe iri kind vßber&tend vnser gemeinen Statt z& abzng noch anzal nichtzit vberal geben noch dammb ze t&nd pflichtig sin sond weder wenig noch vU kains wegs arglist vnd generd hierinn gantz hindan gesQndertt. (Zus. Beat&t monit- Uga den 5. tag Hornungs Ao. 1543). 35 Anzal vnd abzug. Ttzn dem fünften So haben wir geordnet vnd gesettzt Wei- ber vnaer bürgere ald bnrgerin R!ch oder arm sich vßer vnaerm bugrecht vnd tän göt vßei' vnsern stiüren ziehen vnd settaen wil das der oder die vnser gemainen Statt von allem irem gut ligen- 40 dem vnd varendem den sechtzebenden pfenoing vnser wernng nach ansai s& abtng geben sond vnd vnser gemainen Statt von anzals vad abeogs wegen den vollen vnd gantz vsricbbnng get&n haben Ine all widen-ed vnd geuerd. Abflug dl ain gemahfel vor dem andern abglt. 45 Ttzd dem sechsten ob sich in künfFtigen zitten yeman fröm- itt mit dem Sacrament der hailigen £e barin z& vns in vnser 236 Statt frömdotte vnd sich gefAgte das der gemahel ains abgieng vnd sich das ander widerumb hinweg za sinen fründen ziehen wölte das sol mit soli ehern g&t Sd es sinem gemahel zabraucht haat vnd das es von sinem gemahel angeaallen ist vnd das es nutzet vnd 5 mit im hinwegziehen wil in dem obgeschriben anzal stAre vnd da- uon den sächtzehenden pfenning zu abzog geben vnser gemaineo Statt vngeuorlich vnd äne all Intrag. Das kain ainiger den andern vbersagen sol. Ttza dem Sibenden vnd zfi dem lettsten S6 haben wir vns lOerkennett das hinfür kain ainiger er syg des Rantes oder nit den andern vmb gros Sachen die ainem sin dre lib oder g&t berürren vbersagen sol Sander wenne solich sachen für ainen Bavt ge- wachsend S6 sol man ainen für Raut beschicken vnd in vmb bo- lichs ansprechen vnd in der zäspruoh wisen als recht ist vnd siist 15 kain kuntschafiPt vber nyeman verharren kains w^. Vnd vff das alles So habend wir vns furo ainhellenclich er- kennt das wir dis obgeschriben stuck Ordnungen vnd gesattzten gemainlich nach dero dehains insunders weder mindren noch mdren vnd die ouch gemainlich noch sunderlich nit vernichten noch ab- 20 tun sond denn mit gunst willen vnd wißenn der obgemelten ge- sellschafft der Edlen vff der Obern stuben &ne all beßsuird vnd geuerd. Item vnd sind dis obgeschriben gesattztten Ordnungen vnd stuck gesetzt vnd gemacht vnd habend wir vns dero In obgemel- 25 ter wise erkennt vff Mittwochen nechste vor sant Hylaryentag Nach Cristi gepurt Thüsend vierhundert vnd darnach in dem ainen vnd drlßigisten JÄrenn. Wir der Burgermaister vnd Räte z& Schaufhusen haben vns ainhellcltch erkent wa ainem vnserni burger ichtzit verstoln wirt 30 Es sye Barschafft oder ander gut vnd der dieb ergriffen vnd das gut hinder im funden wirt Das man denn daßelb verstoln gut dem vnsern widerumb geben vnd die Statt den dieb vff iren cos- ten hencken sol. * W&r aber das ainem gast Ichtzit verstoln vnd der dieb by 35 vns ergriffen vnd der diebstal hinder im funden wurd So sol man den dieb von dem verstoln gut als verr das gelangen mag er- hencken. Ob des guts aber nit also vil w&r daz man den hencker dauon möcht vßgerichten Sd sol die Statt das vbrig dargeben. W&r aber ichtzit vbrigs daz sol man dem gast widerumb geben. 40 Actum in anno xxxij. WeUier den andern anfaUeL Wir der Burgermaister vnd Raut zä Schavff husen haben vns ainhellenklich Erkent wer der ist der den andern in vnser Statt anfallet Es sye von recht oder ander sachen wegen vnd dar vmb 45 rechtes begert das man sölich zu dem Rechten heben sol vnd ob es von recht wegen w&r das denne der Cleger slnen ancht brief offenlich z5gen sol vnd ob der Cleger zu dem ächter clagen wil 238 kommen oder vfifersidn möcht In dehain wise Welicher es aber daröber t&te für wor ainer oder mer haimlich oder offenlich oder es schAffe getön werden von dem das fQrkerae vnd kuntlich wurde den oder die sol vnd wil man strauffen an Iren Üben vnd gaten 5 noch ains rautz erkantniße. Wer oach das yeman solicher ge- lAbde red oder antragens als vor st&t von Jeman horte oder ver- n&me von wem das wer das sol ain jeglicher zu stunt vnd dne alles verziehen ainem Burgerm aister oder sfnem Statthalter für- bringen vnd zu wißen tun by sinem ayde sd er gesworen haut. 10 Es sond ouch dise gesetzte halten alle vnsere burger vnd bywo- nern vnd dis alle järe in den ayd geben werden. Actum quarta post agnetis Anno dm. M. cccc. xxx primo. Wir hant vns ouch furbaßer ainhelleclich bekent wer es d|us dehain vnser burger oder die vns zu versprechen sont wer odfer 15 weihe die wären ainer oder mer besunder zfi dehaihen andern vnsem burgern oder denen s6 vns zfigehoeren vnd zfi versprechende st6nt lUzit zu sprechen betten oder gewunnen warumb oder von was Sache wegen das wer nAtz vsgenomen S6 sich in dem zit defe Burgrechtes verlouffen het darumb sol sich menglich vnd ain jeg- 20 lieber insunders von dem andern hie z& Schauffhüsen vor ainem Burgerro aister vnd raut rechts benAgen laußen oder an den enden dahin sü es danne wisent vnd sust dehain ander recht noch geb- richt gegeneinander nit suchen noch fürnemen by den ayden sd ir hie swören werden. 25 Ouch haben wir gesetzt vnd vns ainhelleclich bekant weli- cher burger ouch sin burgrecht vifgeben wil der sol es vffgeben vor ainem Burgermaister vnd raut hie zfi SchaufiPhüsen vnd sol ouch danne sweren ainen ayd liplich zu got vnd den hailigen obe er zu dehainen vnsem burgern vtzit zu sprechende habe wärumb 30 das sye das sich in dem zit sins burgrechts verlouffen haut das er die darumb hie zu Schauffhüsen vor ainem Burgermaister vnd raut oder dem goricht mit dem rechten rechtuertigen sol oder an den enden dahin sü es danne wisent vnd kain ander recht noch gericht by dem selben ayd wider die vnsern nit fürnemen sol vnd 35 obe ain solicher zfi gemainer statt üizit zu sprechen bette warumb das w&r das' sich in der zit sins burgrechts verlouffen hett da- rumb sol sich ain ieglicher rechts benAgen laußen vor ainem Schulthaißen vnd raut zfi dießenhouen vnd sust kain ander recht noch gericht gaistlichs noch weltlichs by dem selben aide wider 40 vnser gemainer statt nit sfichen noch fArnemen in kainen weg vnd das ouch ain ieglicher danne der statt Iren abzug geben sol von allem dem sA er haut vnd sol ouch danne ain solicher alles das so er in der statt vnd in iren gerichten haut noch dem vnd er das burgrecht vffgeben haut verstAren vnd verwachen als ander 45 vnser burger welicher aber das nit tfin wolt der sol alles das s6 er haut verkouffen In Jftrs frist nach dem vnd er das burgrecht vffgeben hant Vnd so] ouch danne furo kain Ilüfirouchin in vnser 240 recht noch gaistlichs noch welÜichs wider ynser gemam statt dehain vnsern barger noch die iren nit suchen noch f&rnemen in kainen weg dne alle geuerde. Der ayd des der das kommeß Inne hat. 5 Item du wurst sweren ain gemain vnderkoüffer vnd knecht zu sinde dem gast als dem burger vnd mit dem meße menglichem * ain glichs zu tun auch dem gast als dem burger dem armen als dem riehen ouch kainen gewerb noch pfragen zu trfben die vn- sern markten schaden bringen mAgen In dehain wise vnd das du 10 niemans renner sin solt In kouffen noch verkonfifen noch kainen renner nit setzen solt. Du solt ouch mit nieman gemain h&n noch ainen furo nit schirmen danne den andern vnd^mit namen wanne du vail gftt wißest das den vnsern zfizef&gen ainem als an dem andern vnd darinne mit dem Ion niemant zu statten weder 15 durch miet durch gäbe noch durch deheiner hande sache willen danne darinne menglichem glich vnd gemainlich z& sind alles öne alle geuerde. Den ayd den die loüffer Sweren söUen. Der Statt nutze Sre vnd frommen z& fürdern vnd iren scha- 20 den zu wenden vnd was Sachen dir enpholen werden das du die one verziehen nach dinem aller besten vermögen volle enden vnd Semlich brieff 86 dir vfifgeben werden zft antwurten an die ende als dir danne das empholen würt gemainlich &ne alle hindemiße vnd das du dich darinne nit sümen noch varen laußest weder ge- 25 seilen fröwen win spil noch deheiner hande sachen wie man die benemben mag ouch in den sachen verswigen zft sin vnd dehain ander sach vff dich zu nemen noch nieman nüd in der statt louf- fen zu werben das dich an dem louff hindren noch irren möge, danne als verre als Awer ainer der antwurt warten mAß obe 30 er dazwüschen ainem vnserm burger ainen dienst get&n möchte sol ime nit verbotten sin alles ön alle geuerde. Des richters ayd. Der richter sol swdren das gericht von gemainer statt ^egen vff dis iär zu besitzen vnd ain glicher richter zft sin dem armen 85 als dem richin dem burger vnd dem gast nach diser statt gewon- hait vnd recht niemant z& liebe noch zu leide noch durch kains vrtails willen vnd ouch kain miet rioch Schenkung z& nemen fr&ffe* linen zft rAgen vnd das nit z& laußen durch fründe durch vigentschafft durch nit durch haß noch durch dehainer band ander 40 Sache willen one alle geuerde. Burgermaisters ayd. Item ir werdent sweren dem hailigen römischen ridi ouch mit namen vnd besunder diser gemainen statt Sohauffhusen trAw vnd worhait vnd gemainer statt nutz ere vnd fromen zu f&rdem 45 vnd schaden zu wenden die vnsern vor schädelichen dingen z& warnen vnd allen vnfriden zwöschen den vnsern niderzftlegen vnd Zugestillen nach Awerm vermögen ouch witwen vnd waisen z& schir- 242 Der richter. Der richter sol sweren sin bestes zu tunde zu richten dem armen als dem rieh in vnd euch kain miet noch Schenkung z& ne- men vnd fräuelen zu rAgen vnd das nit zu laoßen durch firünt- 5schafi% durch vientschafiPt durch nid durch haß noch durch kai- nerlay ander sach willen. Den riclitern. Die richter sullent sweren zu richten in den sachen So für sü komen vnd brocht werden dem armen als dem riehen vnd das 10 recht z& sprechen als verre sich Awer ieglicher verst^t vnd das nit zu laußen weder durch früntscha£ft durch vientschafft durch nit durch haß noch durch kainerlay ander sach willen danne luter- lich one alle geuerde kain miet noch schenckung zu nemen Alle fräueln zu tilgen vnd richter zu sind vntz ander richter gesetzt 15 werden. G^erichtschriber , ^ Der Schriber sol sweren des gerichts zu warten vnd das mit sin selbs Übe zu besitzen oder mit ainem andern mit dem er versorgt sie vnd alle vrtailen gegen armen vnd riehen zu ver- 20schriben Als verre das ie notdurfiftig wurt Äne alle geuerde vnd ouch kain miet noch schenckung zu nemen vnd alle freuel^n zu rAgen. BauteknecMe. Vnserm aller gnedigosten herren dem römischen künige vnd 25 dem balligen römischen rieh vnd gemainer statt Schauffhüsen trAwe vnd wärheit vnd gemainer statt nutz ere vnd fromen zu fürdern vnd schaden z& wenden Dem Burgermaister vnd raut ge- horsam zu sinde die vnsem vor allen schedelichen dingen zu war- nend vnd allen vnfrid zwüschen den vnsem niderzulegen vnd zu 30 stillen als verre Awer ieglicher mag' vnd alle fränelen zu rAgen Das wil ich halten vnd alle heimliche sachen zu verswigen es sige im raut oder vßerthalb des rautz. Wächter ayd (die in der statt vmb gänt), Vnserm herren dem künige vnd dem hailigen römischen rieh 35trAwe vnd worhait vnd deßglich gemainer statt vnd der Statt nutz vnd fromen zu fürdern vnd schaden zu wenden dem Burger- maister vnd raut gehorsam zu sied die vnsem vor schadelicben dingen zu warnen vnd (fol. XLII) Allen vnfriden zwüschen den vnsem nider zu legen Ais verre danne ieglicher mag. Alle haim- 40 lieh Sachen zu verswigen es sige ime raut oder vßerthalb des rautz alle fräuelen zu rügen ir horentz oder su werdent üch ge- seit vnd vmb zu gönd zu Snmerzit vnd su winterzit der nacht fnnff statt vnd die gange zu halten noch des Buchs wisung 6ne alle geuerde als danne harnöch geschriben stot. 45 Item ir sond üch su Sumenctt vnd su winterzit So man das fiir lütet vfif das rauthüs besamelen vnd gan vnd die vier so an die gaßen zu wachende gehosrent Sollent zu stunt vs gan vnd 244 sprechen gewannen warumb oder von was sache wegen das w&r das ir üch darumb ains rechten hie za Schaufhüsen oder aber ains ratz sprach benAgen laaßen vnd säst nAt vnfrüntlichs für- nemen noch dehams w&gs dartza tAgen noch kain ander recht 5 suchen in kainerlay wege. Item wer ouch das in dem zil md in näment danne man Ach schuldig wurde das ir das bekerent wenn das zil vs sige oder aber das mit ains ratz willen vber werdent. • Item wer ouch das Ach hengst oder harnst In der statt 10 dienst abegieng das ir Ach danne dafAr laußen benAgen In der mdße als man üch das schetzen wurt. Item vnd obe ir dehainen angriff täten das ir danne mit nomen vnd mit gefangnen den r&ten gehorsam sigend. Item wenne ir mit jemant ritent das sont ir in Awerm costen 15 tun es wer danne daz ir ainem ainen knecht verweseten. (fol. XLIII.) Zu welker zunfft Cunrat ziegler gehören soL Wir der Burgermaister Groß vnd klain r&t haben vns ain- hellclich erkent vnd zem Rechten gesprochen von des wegen Als der koufluten zunfft vnd der Cromer zunfiBb yetwedri maint das 20 ir der Ersam Cunrat ziegler zugehören vnd dienstbar sin sölt Vnd als der selb Cunrat ziegler vff die zit als sich die zunfft angehebt band vnd gemächt worden sind by den koufflAten vnd in der- selben koufflAten zunfft Als im die sin vatter selig koufft hat mit sinem Ifb begriffen ist Das er ouch denn nA hinnethin by den- 26 selben koufflüten vnd in ir zunfft sin vnd beliben sol Doch von des gewerbs wegen der Cromery Das er daramb mit der zunfft ob si des nit enberen wölten vberkomen mag In darumb zutund Als denn der zunfft sitt vnd gewonhait ist ein all geuärd. Actum dominica proxima ante festum Pentecostes Anno domini M cccc. 30 XXX. iij. Von der wegen die tailreben büwen vnd nit in der RdUtt zunfft sind. Wir der Burgermaister Groß vnd klain rät haben vns vff den obgeschriben Suntag Erkent vnd zem Rechten gesprochen 35 von der ReblAt zunfft wegen die sich sw&rlich clegt band das vil vnd manigerlay lAt hie zu Schaufhüsen Reben büwen die nit ir aigen syen die sie ouch nit erköfft noch zu er hieben haben die in ir zunfft nit gehören Inen ouch nit dienstbar noch dehain fronuastengelt vntzher geben haben Das alle die so reben zu ge- 40 mainden vnd vmb den tail büwen vnd die nit in der zunfft sind nü hinnenhin der ReblAt zunfft fronuasten gelt geben süllen &n all widerred. Von Cunrat veJißn wegen vnd der pfister. Wir der Burgermaister Groß vnd klain r&t haben vns vff 45 den vorbenempten nächsten Suntag vor pfingsten Anno domini M. cccc. xxxiij Aber erkent vnd in der gAtlichait gesprochen zwüschen der pfister zunfft vnd Cunraten vollen dem müller Als sl des vns 246 sami nit versworen verbürget noch vertröstet haben vnd w&r obe ir daz Bargrecht vffgeben weiten oder obe ir des erlaußen vnir- den Aid obe es Ach abe gesagt wurde^oder obe ir Ach von hinnan schi- ben &ne des rautz vrlöb vrie oder vmb was sache So hie vßge- 5 lonßen das w&r betten ir danne zu dehainen vnsern burgern ainem oder mer besunder oder zu gemainer statt icht zu sprechen das sich in dem zit Awers burgrechts ergangen het warvmb oder, von was Sache wegen das wer darumb sont ir danne recht suchen vor- dren vnd nemen vor ainem Burgermaister raut oder gericht gen lOSchaufhüsen oder dahin sü Ach danne wisentvnd kain ander recht noch gericht gaistlichs noch weltlichs wider vns noch die vusem nit suchen noch für nemen In dehain wtse one alle geuerde vnd das Burgrecht x jclr ze haltend vnd daby zu belybend x jar vnd ob jr daz Burgrecht vffgeben wölten daz sollen ir tun mit Awer lÖselbs üb vnd nit In geschrifft. (fol. XLIIII.) Den vahterlon (ist also hesunder wie harnach staut vff fritag nach Crucis Ex<ütnser Statt nie- 40mer me sont an gericht noch an R4te gesetzt werden vnd dartzfi jr jetwedre vnser Statt ze büß geben m&st. Ahtzig phnnt phen- ning vnser müntz Von dez wegen daz si hänfen dem Lenen vnd Rudolflen siuem brader daz hüs vnd hofstatt mit dem kornmeXTe vnd mit dem nebent hüs daran daz an hainrichs von Roßberg hoa 451it vnd mit der hofstatt die zwischen irem großen l^üs vnd dero Im turn hofstatt lit vnd waz zu dem allem gehoert daz alles wilent wemhers säligen ze dem thor waz mit vnrecht vnd mit vabchen 262 das rieh enpfangen sind mit dem pfand Schilling sd darvff ge- slagen sig nachlnnhalt ettlicher hriefen daräber geben die vnder andenn Innhalten das vns nieman weder kaiser noch küng von dem hus von Assterrich nit treugen noch zühen solt oach dz nie- 5 man zfi t&nd hett Inn kainen weg ee dem mal vnd die herschaft vmb den pfand Schilling vß gericht vnd benflgig gemacht worden weren Da hab sin gnad Inen empfolhen vns zu bitten die ding zu betrachten vnd In vnser selbs briefen zu erkennen was wir schuldig sien vnd werden zfi tfind das wir solliohs mit güti tAgen 10 vnd wider in die pfantscha£[t tretten vnd zn dem büß von ftsater- rich keren dann er des willens vnd dartzfi genaigt sig das er gern frid vnd gnad In disen landen s&he vnd wann das beschicht so woll sin gnad daran sin vnd bestellen der rütteri vnd krieg halb so yetz regieren das wir der ab vnd in rouw gesetzt werden dann 15 wann söllichs beschee wer dann vnser vind wer wa sin gnad dann das mit gAti nit abtragen möcht der mAst sin vind oach sin dann er sich Hannsen von rechberg nit mächtigen könne dann das er soliichs mit dem swert mit vns vnderstan ward vnd dartzfi vns by allen vnsem fryhaiten vnd priuilegia so wir von Roemschen 20 kaisern vnd küngen haben oder vom h von österlich krefftlich bliben laussen vnd vns der nit mindern sunder zu vnsem oren vnd wirden'nach zimlichait meren. Ob ^ wir aber soliichs zu tfind nit vermainten so sien die fürsten von Oesterrich des willens das si vngem haben noch begeren weiten darumb von wegen Irs ob- 25 genanten Irs gnedigen herren vnd der andern fürsten dar zu ge- wandt So erforderten vnd hatten si vns recht vfif vnsem aller gnedigesten herren den Römschen kaiser oder ob vns das nit an- mAtig wer vff ainen churfursten mit sambt ainem fürsten In disen landen der vnuerdächtig sin soll vnd das den selben enpfolhen 30 Word von vnserm herren dem kaiser solich Sachen zu hoeren vnd das recht zfi sprechen vnd mit recht zu erintern dann sin gnad wol bekennt vnd sie euch wer solt man sich rechtz der sach ainigen vff all churfursten das gieng langsam zfi vnd mocht bis zum jüngsten nit ennd gewynnen Sin gnad wolt euch zu sollichem 35 rechten mit sollicbem gewalt komen des zum rechten gnfig sin solt vmb das was an der ennd ain recht vnd zu tfind erkennt das dem nachgangen ward vnd begerten des ain antwurt. Vnser antwurt ist das wir vnserm gnedigen herren hertzog albrechten ouch allen fürsten von ftssterrich alles gfiten woll ge- 40truwen vnd allzit für gnedig herren gehept band vnd noch hüt by tag band vnd wir wissen ouch nit anders dann das Ir gnaden vns bishar allzit gnedentlich gehalten vnd gewesen sind vnd was wir einen gnaden vnd den sinen zu lieb vnd ge- fallen tan möchten das weren wir gfitwillig vnd nachdem si Ir 45 red vnd fordrung gesetzt band da sig die statt sch&ffhusen von erst anfang zum Rieh gewidmet vnd gesti£ft vnd bißhar am rieh loblich vnd erlich harkomen darzfi best&t ouch als wir an das S68 büß Asterrich Tfirpfent das wir da wider an das rieh löblich erlich Tod redlich wider enpfangea vod darzfi gefriet vnd coDfirmiert worden sind vnd sithar räwig daran bliben vnd gewesen vnd Quch bfit fa; tag vnd wir bitten si sin gnad zfi bitten vns fürer also dsraa bliben zn lassen das wollen wir mit gantzera willen ver- 5 dienen ob das nit sin mecht so sien wir vff die form von hertxug SgmnndB raten euch angeuertiget vnil mit vns gersdt wurden die selb red rnd onch Ir rede wollen wir furo an des hailigen rieh statt Tnser verainung vnd die so xä dem rieh geboren (fol. LX) bringen vnd der saclien rätz pflegen vnd dann sinen gnaden der 10 weh halb fUrer anltwnrten. Vff das begerten si nach sollichor anttwnrt Inen den grossen rfttz zu haben mit dem wolten si solich red onch tun vmb das das si hofften ainr wittern anttwurt zu bekomen dann wa man recht« begert vnd sich rechtz erbütt des dfirff man sich nit vil beraten dann woll wa man sich gfltlicher 15 tag verfassete wer wol nott das man rätz pfleg was ainr zu söl- liehen tagen fQrtagen vnd wes er sich behelffen wolt darunib so nunt er das wir vns yetz ains richter aintend vnd des rechten uns vfFnemend also nach Ir beger su hatten wir den grossen Rfttt vnd noch dem vnd sy sollich red glich als vor Uten vor dem 20 grauen r&tt so ist Inen geanttwurt Im grossen i-At glich als vor dann aooil mer wir sind loblich vnd erlich wider zum haitigen lieh enpfangen darzn gefriet vnd best&t haben Ouch dem gesworn dabj zn bliben danon nit kd tretten noch vns ahzuwerffen das wir ,onah jerlichz swaren vnd sien hißher loblich vnd erlich am rieb 26 harkomen vnd bitten si mit vnsers harren gtiad z& reden vod zii tntten vns fOrer daran gerAwig bliben za lassen Aber der gross rit sig die gemaind zn schaffhusen vnd wir sien gantz eins vnd haben Ir vorgemelt red wol gemerckt vnd söllich Ir red vnd for- dmng an des hailigen richs chnrffirsten herren vnd stett vnd ander 30 so SU dem rieh gehosren bringen vnd nach dero rätt sinen gna- den fürer antworten wollen. (Blatt LXI. ist leer.) (fol. LXII.) Die wttzger. Die metzger sunt flaisch geben vnd sont an vahen am sams- 35 tag nach sant niricbstag iu dem tsxxvj jar. Item ain phnnt Rintflaischs vrob iij ^ gStes Sebaffins ain phnnt gfitz vmb iiij ^, Zwai phunt gätz bukkins vnd gaissius vmb v ^. Swas aber swach ist dos sont si geben als die schowor ie 40 faaisaent ald hin tfin das als bAse ist. die |ül waren vnz das es der Kavt ändert. (fol. LXIII.) Vmb die vtscher. Wir der vogt vnd der Ravt ze Schaf h. sien vber ain komen vnd haben geeetzet ainiberlich. Swaa visch fi&mda Ittt iW wnaser J5 ahher Rlrent vntz für die Brugg ze diessenhouoD die sol nieman mb aii se phragen kfiffen es siien vnser bnrger oder gaste. 264 B^ 8ont Öoh enhain vnser burger oder geste ze Scholh. lebent visch gemain mit enander verkö£fen. Was visch öch vnser vischer ko£fent in dem werde ald dar vnder ab hin vnd die her fÜirent oder tragent das mugent si wol 5 tun wan vns dunkt das es vnser statt besser si getan denne vermitten. Was visch man öch den Bin ab fAren wil es tAiea burger ald geste die sont vnsem burgern da von ze kofifene geben als vil die burger ie denne went alle die wil die vische ie hie sint in gemainem köffe als denne ie zitlich ist. 10 Was visch öch die vischer tÖter vngesaltzener £ra her brin- gent vor primzit die sont si vor imbis vf den markt tragen vnd verkoffen vnd nit wider ab dem markt tragen. Vnd was si vngesalzener töter visch her bringent vf vesper zit die sont si öch nah vesper vf den markt tragen vnd verkÖffen^ lÖbi der tagzit vnd sontz nit wider ab dem markt tragen. Es sol öch enhain vnser vischer ze Schafh. dekainem frömden vischer sin visch hie verkö£fen. Dis gesetztan sol man also halten vnd wer si brichet der sol vnser Statt ze büße geben vnser g. müntz fiinf fchilling phenning 20 als dik es beschiht. Wir sülen och allii jar zwen sohower setzen von vnserm Rat vnd zwen von den vischem die vmb du vorgesohriben ding vnd sunderlich die vischer vmb bös visch die es öch alle wegent tun sont bi iren aiden die si vnser Statt gesworen hant. 25 Geben an sant Mathias abent »nno dm. M. ccc. Ixxxyj. öch habin wir gesetzet was visch man den Ryn herab fAret lebender visch vnd die man enweg f&ren wil es töien Burger oder lantlüt das man derselben visch ainen dritten tail hie ze Schafbusen lavssen sol daz man hie och dester bas visch hab. 30 Vnd waz visch man also hinnan fAret da von sol man vnser stat ze zol geben von jeglichem pfund j ß ane gfeuerde. Ez ist och gesetzt daz die vischer die an dem markt visch vail hant stan sond an dem vischbank vnd sond nicht Ob dez herblingers tor stan vnd wer daz brichet der sol vnser stat ae 35bus geben v ß phening. Ez war denn daz ir dehainost so vil w&r daz si ir visch die si denne vail hant vf dem vischbank nit möchten gesteilen ane alle gevärde weli daz sind die mügent ir visch wol setzen ob dem vischbank vfhin denne ze mal vnd nit anderz vngevärlich. 40 (Auf einem angehefteten Bl.) || Primo legatur. Wir der vögt vnd der Ravt ze Schafhusen siien vber ain komen vnd haben gesetzet ainberlich Swas visch frömc^e Lüt daz wasser abher fArent vntz für die Brügge ze diessenhouen die isol nieman vmb sü ze phragen köffen es siien vnser Burger oder geste. 45 Es sont öch enhain vnser Burger oder geste ze Schafh. Lebent visch gemain mit enander verkoffen. Was visch öch vnser vischer köffent in dem werde als dar 266 Was ouch visch vnser vischer kcaffend In dem werd oder darunder abbin die mögen Sy wol bie verkouffen. Was [fü] oucb Totter vngesaltzner viscb fra vor primzit bar bringen Die send Sy vor ymbis vff den margKt tragen vnd ver- 5 kouffen vnd nitt wider ab ^em margkt tragen vnd was Sy totter vngesaltzner viscb vor vefper zitt barbringen die sond sy oucb nacb vefper vff den margkt tragen vnd verkouffen by der tagzit vnd die nitt widerumb ab dem margkt tragen. Wer der Stugk debains liber fert der gitt zu Boß sin pfiind lOpfenQing als dick ers tfit äne gnad. Es sol oucb nyeman vnser burger nocb lanttlütt dehain grAn viscb durcb vnser Statt den Rin ab oder sust yendertbin 4n ains Bnrgermaisters vnd Rautz vrlob vnd gunst fAren vnd was visob man also bie fürzafören erlopt dauon sol man vnser Statt za zoll 15 geben von ye ains pfunds wert ain scbilling vnser müntz. Vnd sol man vnsern Bürgern allweg derselben viscb den dritten tail bie lausen ob Sy die baben vnd bezaln wellen In^ dem kouff als Sy gekoufft sind mitt dem costen bißbar daruff gegangen. W&re aber das yeman solicb viscb ob vnser Statt vsser dem 20 Rin vnd darunder wider jn den Rin oder vber land f&rte da- rumb das er solicbs äne vnsern willen tätti vnd vns dauon nitt zollen müste Tutt das ainer vnser barger den sol man danimb straffen nacb ains Rautz erkann tnüss E^ sy vmb das für faren oder vmb den zoll zu ferfaren als dick das bescbicht. T&tt das 25 aber ain gast der sol In vnser Statt vnd jn vnser gerlcbt nyemer mer komen äne ains Rautz vrlob vnd willen. Difß Ordnung ward ernüwret vnd gesetzt durcb Gross vnd Ciain rätt vff donstag nacb der alten vaßnacht anno dm. M. ccce. Ixiij®. (fol. LXV.) Dis ist die ordenung die EMetha die Efiglerin dOmif ircm gut getan hat. lt. des ersten ab den vier marcben silbers iärlicbß vnd ewiges gcltz so si batt vff des S Assen seligen gAter ij guldin ewiges geltz gen MaggnÖw an das GotzbAs docb sont die selben ij guldin geltz ze lipgeding beliben vlricbs des parendysers tochtran Gloster- 35frowen in dem selben GotzbAs ze MaggnÖw vnd näcb dero tot demselben GotybAs eweklicb. lt. ab dem selben gut ain balber guldin geltz den veltsiecben vff der staig ze Scbäfbn. lt. den Siecben in dem Spittäl ain guldin geltz an ir m&l 40 ze Besserung. It. den parf&ssen ain guldin geltz an ir m&l. lt. nunen frowen ze sant agnesen ain halben guldin gelts an ir mal. It. minem berren dem Lütpriester ze sant Jobans kilchen vnd sinen gesellen ain balben guldin geltz also das man ir Eweklicb 45 an der CiMitzetlen gedenk vnd ir ocb ira jarzit verkünd vnd begang. It. den Cappelän ze sant Jobans kilchen allen gemainlich »in balben guldin geltz. 268 ainem Cappellan vff der staig ainem Cappelan in dem Spit&l ainem Schulmeister vnd den armen Schalern allen ze Sch4fhu8en in der Statt. Nv sol man dis vorgeschriben Guldin tailen alsd das ie dem priester ain tail werd dem Schulroaister ain tail als ainem priester 5 vnd den armen fchnlem allen 6ch ainen tail als ainem priester. Och ist es ze wissenne das man vff den j&rzitlichen tag des obgen. hierre Josen jerlichß vnd och darnach vff ie die vrdnvasten an dem avbent ain vigily singen so] vnd morndis ze meff ain s6l- meffe vnd sont denne ze gegen sin die vorgenanten pHester alle 10 gemainlich der fchälmaister vnd 6ch die armen fohfiler weler aber sich absentiert vnd nit zegegen ist zn ieglicher vigily vnd 6ch der meffe vntz ze ende vs, wie dikk vnd wie vil er das tat s6 sol im denne ze mk\ von dem tail d& er sich gesinnet h&t nihtes werden vmb das si dester geflissener sigint bi der vigily vnd 6ch bt der 15 meffe ze sin. (fol. LXVI) An die spende. Won sol wiffen das dis gelt eweklich &llü jär sol g&n an die spende armen lüten ze Schafhusen. Des Ersten ain phunt phenning geltz der müntz 86 ze Schafh. 20 ie denne genge vnd gäbe ist an die spende ab des Mannes hüs von stain da ist ietzo inne Claus Bl^cheli der smit vnd lit dch zwüschent G6berginen vnd ir kinde hüs vnd hainis Irmenses hos das selb phunt gab hainrich der alt menteller an die fpend. Item zwai phunt der Sgen. phening ewiges vnd jerlichs geltes 25 die gänt ab des Spittals wingarten vnd Inuang der gelegen ist vor garspurg der etwenne was Jeklis fromherzen. das gelt gab dd Lochelerin an die spende. Item zwai phunt ewiges vnd jSrlichs geltes die gab ab den hüsern du gelegen sint inderent der bachbrugg hinder der Bat- 30 Stuben di\ man namde scherlochs höser das selbe gelt gabent du L5che1erin vnd du hettelin an die spende vnd gant des geltes xv\] ß ab günthers hüs das ietzo ist sifrides des Maigers von widilo vnd sines bruders vnd xvij ß ab hans hiltzingers hüs den man nemmet der Brugel vnd vj ß ab der vorsterinen hüs von Gennersbrannen. 35 It. aht Schilling phening Gostentzer müntz Ewiges vnd jerlichs geltes die gant ab dem hüs das R5sten was vnd nu hans golt- smitz bi der inderen trinkstuben ist das hie vor Labans was das selbe gelt gab Jacob Laban an die spende. Won sol och wißen das Buri selig ain gut ze tilendorf das der 40schnider büwet an die spende geben het mit aller zogeh^rde als6 das man an sinem järzit tag eweklich geben sol ain spende dar siner sele wille von den nützen des selben gutes. Die selben spende rihtet ietzo vs &llü Jär der Schftnl6w. Vnd wennc er das nit rae t&t es si bi sinem leben ald nach sfnem 45 tot so sol der Rat ze Schafh. besorgen das man die niktz von dem gut in neme vnd die spende vs rihti jerlichs. 270 den Ich hainrich von Randegge Ritter vogt vnd wir der RIt Ge- mainlich der Statt ze Schaufhusen daz fär yns k&m dd ich vor- genanter hainr. von Randegge Ritter offenlich ze gericht faffe der befchaiden Johans von fula barger ze Schaufhusen vnd gab machot 5vnd ordenot d4 vor vns offenh'ch gesundes libes vnd mfites von friiem willen alz jn du vrtail lerte für sich alle stn erben vnd 6ch nachkomen mit dem gedinge als bienach geschriben ist Lü- terlich durch Gott durch siner vordem vnd nachkomen Selan hai- les vud *nutzes willen an daz almfisen die spende ze Schaufhusen. 10 Nun matt kernen gfitz kornes Sohaufhuser metfes Järglichs ^wigs geltes vnd zinses die nd hinnenhin g&n sont vß vnd ab sinem In- vang den wingarten akkem wisan Bongarten hüsern ho&tetten mit Trotten vnd mit aller zugehörde so er hat bt Schaufhusen vor der Statt nach da bi ligend vnd hat daz get4n mit der beschaidenhait 15 daz derselb Johans von fula alle sin erben vnd nachkomen In dero band vnd gewalt der obgenant sin Invang mit aller zfigehdrde jemer kunt nü hinnenhin Järglichs vnd eweklich ze den vier vnser lieben fr6wen tagen daz sol sin vff vnser frowen tag ze herbst als si geborn ward vff vnser frowen tag ze der liehtmÜSe ze , 20 vnser frowen tag ze dem ärnde vnd vff vnser frowen tag ze Mit- tem Ougsten als si erstarb darab vnd d& von ze jedem zil Nun viertail kernen richten vnd geben sont an die Igenanten Spende deil pflegeru die ie denne daz Spennegelt In nement wer die je denne sint Äne alle minderung ftne alle Widerrede vnd fürzug vnd &ne 25 allen schaden ze derselben pfleger banden vnd wan dis als6 mit vrtail vnd mit recht von vns beschehen ist daz es Nü vnd hie- nach vnd iemer eweklich kraft vnd macht haben sol ftne alle ge- uerde Darum b hab ich obgenanter Hainrich von Randegge Ritter min Insigel vnd wir der Rat ze Schaufhusen haben vnser Statt In - 30sigel mit vrtail ze ainem vrkünd diser vorgeschribener dinge vnd von fliffiger bettwegen dez obgen. Johansen von fula offenlich ge- henkt an disen brieff so vergich 6ch ich obgenanter Johans von fula ainer gantzen wUrhait aller der dinge du von mir hie vor geschriben sint vnd daz ze beßerm vrkünd vnd st&ter Ewiger 358icherhait so hab ich min aigen Insigel für mich min erben vnd nachkomen die ich hierzfi och vesteklich verbind offenlich gehenkt an disen brief Der geben ward do man zalt von gotz gebart DrA* zehenhundert Jare darnach in dem drü vnd Nüntzigosten Jare an sant Hilaryen tag dez Bischoffs. 40 (fol. LXVllI.) Ahgeschrift dez briefs vmb die Clofen ymkalb I^ns als die der Rät selihen MJ derselb brief lidt in des Hü- nen geicalf. Allen den die disen brief ansehent oder hdreot lesen kdnd wir hainrich von Randegg vogt vnd der lUt ze Schaffhusen das 45 vor vns erzögt ist mit erbem löten die darumb zu den haiigen gesworn haut gelert aid das fro Angnes selig hainrichs des hafners seligen wilent Gliche wirtin die zu Schaffhasen burgerin waz die ^2 hand geordnet vnd geben vier matt kernen ewigs geltz an die gemainen Spend armer lüt zn .Schaffhusen vfTer ynd ab irem hÜB hofif vnd hofstatt vff der Herren acker mit aller zageh6rd nü hin- nen th in ^weclich nach ir baider tod ye vff sant Martins tag föl- 51end ingenomen werben von den Spendmaistem wer die denn ye sind vnd sollend denn die selben vier mutt kernen schaffen ge- bachen werden za ieglicher frdnvasten ainen mutt kernen oder md als denn den Spendmaistern geuellig ist wenn man aber daffelb kerneugelt j^rlicbs nit richte So sollen vnd mugen denn die Spend- lOmaister nach ieglichem zil daz vorbenempt hüs vnd hofstatt an- griffen 2C. (fol. LXIX.) GemcUn fpend armer liUe frcw Annen lAwir nen von hfumegg eu fant Angnefen vnd ire mUgeseUinen. Es ist zewifTen daz Swester Ann die alt L6win katherin 15 von kürnegg ver^na trülleraygin Ann von Mekingen katherina L6win vnd Swester kathrin Dörfflingerin GonnentTweltren des gotzhüs fant Angnesen koft hand dis nachgeschriben jerlich gelt an die gemainen Spend armer lüte zu Schaffhasen daz sind zw6n galdin geltz von bansen dem Breiter vnd Leonharten sinem 20san vffer vnd ab irem alten hüs hoff vnd hoffistatt ab dem kelr dahinder ab dem stok hinder dez Spitals hos vnd ab irem Nüwen hüs vnd hoffstatt daz an dem alten has ist gelegen vnd ab dem hüs vnd hofstatt darinn der vogel seffhafft ist vnd da- uon er J^rlichz git j tt vij ß ^ Schaffhnser müns dis alles zu 25 Schaffhasen ist gelegen In der webergaffen also daz die selben breiter vnd ir erben vnd nachkomen In der hand vnd gewalt das alles ymmer kompt die vorgesagten ^ guldin geltz nü hinnen thin jdr- lich ye vff sant Martins tag richten vnd gebenn süllen den phlegem vnd Maistem der selben Spend vnd sol man die spend jerlichs 30 geben zu zwain ziln dez ersten vff der hochgelopten küngklichen m&ter vnd magt tag vnser lieben frowen fant Marien als ai em- phangen ward vnd euch vff fant Angnefen tag als dai zu Schaff- husen sitt vnd gewonhait ist &n all geuerd Weihes Jars aber die vorgen. breiter oder ir erben oder nachkomen an dem Jerlichen 35 gelt sümig wurdin zerichten wenn die ziiij tag die nechsten nach Sant Martins tag vergangen sind S6 habend denn die Maister vnd phleger der vorgedachten fpend wenn fi wellen vollen ge- walt vnd recht die selben guter anzegriffen mit versetzen oder nü verkouffen als verrechtuertgete phand ka dag vnd &n alle geridit 40 als vil vnd als dik vntz in ye der jerlich zins so denn der spend ye daruff uzzftänd gentzlich gewert vnd bezalt wirt &n ir schaden oder 81 mugend aber die genant breiter vnd ir erben vnd nach- komen mit dem rechten daromb anlangten als vmb fpendzins an Schaffhusen recht vnd gewonhait ist weders denn den phle^gem 45 vnd Spendmaistem aller best fügt Eis gilt onch vermals ab den hüsem ab dem kelr vnd ab dem stok nit me denn z 5 ^ Schaff- hnser werung dem Gardyin vnd Gonnent dez hüs der Mindern Schiri git ij viertail kernen. Haini zit git ij viertail ffbmen vnd ain halb hfin. Cuni zit git ij viertail kernen. Der Schedel git iij viertail kernen. 5 Der Binder von Rüti git ij viertail kernen vnd ain halb hün. Der frye git ij viertail kernen vnd ain vasenacht hon. Roggen Gelt. Der frig git vj viertail Roggen. Die dörfflingerin git j mutt Roggen. 10 Rost grit j matt Roggen. Irmense git ain matt Roggen vnd ain vasnaht hon. Der pregentzer git iij quartalia roggen. Hans von Langwisen git ij qrt. roggen. Haini Oening git j quartale Roggen. 15 Cani Berimm git j qrt. Roggen. Peter der hafner git j viertail Roggen. Hans v&rli git ij qrt. Roggen ij berbsth&nr. Vli m5sli git j qrt. Roggen. HAnrgelt. 20 Du Flöterin git j berbsth&n j vasnacbthfin von ainem büs ze Flarlingen. Der Tomer git j herbsthan. Haini dienst git j vasnachthfin. Schaff hopt git j herbsthan. 25 Dis gelt sol ain Gapplan wer je denne sant Michels Altar in dem weadelstain ze Sant Johans ze Schaafhusen hett Järglichs in samenen an die spende vnd sol im d& von Järglichs von dem selben gelt werden ze L6n ij qrt. kernen vnd ain h&n vnd gewinnet er daran gebresten oder süms&li so sont jm es der kilchen ze 30 sant Johans pileger alwegent helffen In gewinnen Als dik es ze schulden kunt dz hett sich der Rät ze fchafhuBen vff den ait erkennet. Datum et actum Anno dm. M^ ccc^ Ixzj In mense aprili 2C. (fol. LXXIII.) Diß ist die vfeaichnung des kraiß der Man- taut am Randen, 35 Item von Schaffhasen vber die Engi vnd dann die obem Strauß biß gen Beringen vnd z& Beringen vnden durch das Dorff vnd der selben strauß nach durch 16ningen biß gen Tettlingen vnd der strauß nach biß zum türlihag vnd har darch biß vff die Schiltstaig vnd d4 dannen hinderm Westerholtz ab darch die Mergk- 40tail wiß biß in die MüIi genant im aigen in die Watach vnd dannethin die Watach vff vnd vff biß gen Hetzenhoaen , lit zwü- schen fAtzhain vnd ahdorff, vnd von Hetzenhoaen den Bfichberg vff durch die schneschlaiffi biß vff den Bachberg vnd vbem ruggen vff dem bachberg biß vff galga in den brunnen vnd vsserm braunen 45 "biß kremhilten weg biß an das riet vnd von dem Riet obnen harin durch büßlingen über lagen vff der h5hi biß in Ebersbronnen (durchgestrichen : Efelbrunnen) vnd vsserm Ebersbronnen (ebenso) 276 nant zu tund noch zu Bchaffen haben mit gericht noch 6n geriebt in kain weg denn allein mit dem rechten zu Schauf hosen vnd sich des benfigen laosen. Actum vff mdntag vor saut thomastag Anno dm. M9 cccc xxx quarto. 5 Was die messer ee lovn nemen sotU von kam messenne vnd nusse vnd solichen dingen, Won sol wissen das wir vns in dem Rat erkennet haben von kuntscbaft die wir darumb in genomen haben wie es von alter her komen ist das die messer die körn vnd ander solich ding 10 messent vff dem markt nit me ze Ion sont nemen denne von ainem mut vnd daronder vnd darob vntz ain zwdn mut vnd von zwain mutten ainen phening gewonlicher möntz ze Schaf h. vnd von ainem malter vnd darunder vntz an zwSn mut ij. ^ wie vil si messent vnd sont enhain übermesse von den lüten nemen weder kom noch 15 ander ding. Vnd wer daz brich et der git j Hb ^ Schaf huser müntz ze b&sse vnser Statt jegliches tages sd er es brichet. Won sol och an allü viertal d4 mit man blös kom messen sol Insenin hangende ring machen darumb daz da man du viertal 20 bekenne für vef viertal. Von dez zoUes wegen. Der Rat hat sich erkennet daz ain yegl. geselleschaft die by enander ze Schä£fhusen ye badent den win s6 si denn samend köfftin verzollen süllen nach derselben Statte recht oder sich süss mit dem 25 zoller richten. Actum die lune ante ascensionem dm. Anno 95. Kantengiesser, Vmb antwerk lüt die zinin kanten vnd giessuasse vnd schüs- selan vnd solich geschierre vnd ding machent in vnser Statt ist ge- setzet das man enhain werk also hie machen sol der maister der 30 es machet oder würket swere denne ze den hailigen vor hin ainen gelerten ait das er nit me blyes darz& denne den f&nften tail neme. er mache es von nüwem gezAg ald von altem geschierre vnd was er also machet es si ainer oder mS der sol das selbe das er ie machet zaichennen mit vnser Statt zaichen das er dar z& gewinnen vnd 35 nemen sol von den die es von vnser Statt wegen geben sont als dik es ze schulden kunt. Datum anno dm. M^ ccc Ixxvj. £8 sollen hafiengiesser vnd kantengiesser sweren ain aid z& gott vnnd den haiigen was Inen altzugs zukom zakofiPen die sy 40 argwenig bedunck das nit zu schmeltzen sonnder ainem Borger- maister zo anntwurten Defß glichen was zugs sy koffen der sy nit argkwenig bedunckt denn edemmals vnd sy den schmeltien viertzehen tag ofiennlich lassen vff irem laden st&nn Deffiglichen so sollen die vailträgeren ouch sweren was Inen argkwenigs mkom 45 zuuerkoffen das ouch ainem Burgermaister zo offnen vnd 8& eitiAgeii. Actum menntag nach bamabe Anno M<^. d. aecondo. 278 andern stain denoe ainan zwisohend vingern dicke vnd daz sy glat vnd Eben sin sollen.) (Item wenn si ainem gemalent, so scbtitten si sprAr vff vnd ermalent die moli daz sond si nit mer t&n.) 5 (Sy sond weder hAnr genß tüben Swin nocb dehainerlay vicb haben dann souil Esel als ainer bedarff der welher m4r Esel haben wil der mag ain Roß haben. Vnib aines schhltnaisters lön* Won sol wißen das man vber ainkomen ist vmb vnserm 10 Schnlmaister von phollendorf der nn in dem Gotzhas aller hailigen ze Schafh. ist das man im geben sol ze lön jerlichs von ieglichem schaler ze ieglicher frdnnasten iüj ß phenning vnser müntz f&r 16n für hAnr vnd andrü ding vnd darzu ain kerzen ze der Heht- mis als d& her vngeo&rlich vnd die armen schaler &ne solichü 15 ding vnd scopriie sol man öch sehen. Vnd der schnlmaister sol besorgen das der scoper der schal warte vnd ir tA als er sol. Vnd lieht sond die schAler in selben geben vnd dem schnlmaister nihtes. Won sol im öch phant geben vmb stnen lön nah iegellcher frdnnasten so er es vorderet in den nehsten aht tagen vnd was 20 im ie phant wirt dn sol er die nechsten vierzehen tag behalten nngenirlich vnd damah mag er sd angriffen wenne er wiL Vnd minnales vnd fpecolares sol man im öch geben als das von alter her komen ist. Vnd ainem senger sol man öch geben als dA her gewonlich 25 ist gewesen. Vmb die hüchgeUen wie du sol sin da man kalch bi mifiei. Es ist och ze wißenne das man die kalch gelten d& bi man kalch git also v&hteu sol won sol nemen ain roggen viertal vnd sol das vfmeßen mit sprAren vierstnnt vnd sol du vier viertal in 30 die gelten schütten das sol die stang vndenen rören so man si in die öri stoßet vnd so man denne den kalch mißet so sol man ieglich gelten mit kalch föllen das der kalch die stang tekke äne generde. vnd der gelten NAn sont sin ain fader kalches ze Schaf- husen. Vnd swer anders tat der §^t nit das recht. 85 Rndgem Im tnm dem eitern ist erkendt alz der Engel mit dem göCTen von vnserm Rat tedingt daß Rödger im tnm allweg by sinen brieuen beliben sol ka Intr^ Actnm secnndo poet Galli Anno xsj. Bnrgermaister vnd Raut z& Schaffhasen haben geordnet vnd gesetzt das man die kalch gelten also vechten das ain vefen vier- 40 tail nemen vnd das mitt sprAwren gestrichen meßen sol das viertail zway vnd ain vierling onch gestrichen gemeßen sollen sfb ain gelt vnd der gelten achtzehen ain fSder. Äin abgeschrift des briefs den Jacob selig der hun vmb die Metsie hat deji brief hat nu hans Lxiti der Meteger. 45 Allen den die disen brief ansehent lesent alder hörent leoen knnden wir der Schnlthaiße vnd der Rät ze Schafhosen das Ar vns kam Jacob der nan genant von Hüfiogeo böiger le Schaf- 280 vn mit vrtail darvmb öch ain brief ist geben der selb brief lit in der Barger kisten. Won sol ioiffen das du statt het geschierren da bi man Mi- ten 'Sol den toinson mavffan vefviertal roggenviertdt haberviertal bdas geschierr ist enpJwlheti JeMin failer der däbi vhhien sol den lüten Anno domini M^ ccc Ixxxx am nAntag nah hüarif, Ain keCfel dk bi man Omen bi v&htet da gant viertal in 14- tersr wines vntz an die nagel die darinne sint. Item ain altümlLs. alte kops. ain altü halb mas. d& man nit lOyngelt von git. Item ain näw koph ain nAw mäf ain n&w halb maf d& man vngelt von git. Item veAdertal ain gantz ain halbes ain vierdling vnd ain halb vierling. 15 Item Roggen viertal ain gantz ain halbes ain vierdling ain halb vierdling. Item ain strichinsen za dem roggen viertal. Wtnzd. Chnrat gabelhuser. Er hett den winzol emphangen von hutt disem tag zway 20 jar die nehsten vnd git darumb xviij ft vnd xzv f&. daromb sind bans Cron vnd vlrich payger Dis beschah an fritag naeh fant Thomas tag Anno 2C. cccc. primo. Hainrich Cron* vnd Grymli hant verfprochen för jerlich stAr So Johannes Schah sin wib vnd sin swSher Jerlichs za stAr geben 25 werdent vnd ob sin sweher vnd sin wib hinfAr Bargrecht vffge- ben so süllent die selben h. Cron vnd Grymli vmb den anzal euch hafil sin Actam qnarta poft Agnetis Anno occc rvü^. Haimlicher: Burgermaister. Hallower. Lunty. (Auf dem hintern Deckel). Item Hans Houbarg. Item Hans . . . 30 Item Man ist mit den walhen in ain kernen von der wol- fekke wegen dÄ sol der statt werden von Je dem Sakke xyj ^ dem wiechfer j ß den knechten viij ^ vnfer muntz. Datum et actum anno domini Millesimo Trecentesimo Ixxxx fecando Menfe Mail Dis sach hett och Albrecht kilcheü von Coftentz von der walhen 35 wegen mit yns vertadingot. (Amor vincit omnia.) (Vorderer Deckel.) 40 Item peter Sarwürker swor an frytag nach lucye willeklich recht vmb recht bi vns ze haltent ze nement vnd ze tAnd In der sach als er mit dem Tichtler hänfen Rietman vnd Nicol. Nägellin ze schaffen hat W&r och daz er za dehainen anderren vnsem bar- gern me ald si zfi im ihtes ze sprechen hette ietz ald noch le 45 sprechen gewuuuc von geltschalt wegen darnmb sol er sich ouch bi vos dez rechten lanßen benAgen vnd daz recht halten nemen vnd tun von den vnsem In vnser statt vnd niendert anderfw4 hin 282 wir vns die wil wir nicht erlöst sint als yorbesohaiden ist niendert- hin zfi herren oder stetten verbiDden ane der vorgen. vnser gne- digen berren hertzog Albrecbtz ynd nach sinem töd siner vettem vnd erben als vorgeschriben stavt wißen ynd willen ynd sAllent 5di8 alles stetbaben bt den aiden b6 wir dararob za den hailigen gesworn b^bent mit vffgehabenen b&nden vnd mit gelerten worten &ne alle geuerde vnd des alles ze w&rem vrkunde baben wir vnser Statt gemaines Insigel offenlich gebenket an disen brieff der geben wart ze Scbafbusen do man zalt von kriftus gebart drAtzehen lObandert vnd acbtzig Jär vnd darnach In dem Sibenden J&re an Sant Marien Magdalen tag. Ain äbgeschrift des hriefs als tcir vnserm herren seligen her- zog LütpoUen von Oeßerrich vnd sinen erben sumrent. I Wir der vogt der Ravt vnd die burger gemainlich der 15 Statt ze Schaffhusen Tunt kont mit disem brief allen den die in ansehent oder hörent lesen von der taylang wegen 86 zwiischen den bochgebornen fürsten bertzog Albrecbten vnd hertzog Lüt- poUen gebrudem von gots gn&den hertzogen ze Oesterrich ze Stir ze kernden vnd ze krain vnsern gen&digen berren beschehen ist 20 ynd aber wir dem obgenanten bertzog Lütpolten vnserm gen&digen berren von der selben tailung wegen worden sint Dft veriehen wir offenlich das wir dem vorgen. hertzog Lütpolten von Oesterrich vnserm genädigen herren vnd sinen erben ob er enwere warten vnd gehorsam sin süllen als ynserm rechten herren vngea&rlich 25 vnd als wir zä derselben vnser herschaft banden von dem hailigen Rftmscben Rieh in phandes wise komen sint. W&r aber das der- selb vnser genAdiger herr hertzog Lütpolt ab gienge von todes wegen vnd nit sün oder süns sun hin der im lieffe s6 s51en wir dem ^gen. hertzog albrechten vnserm gen&digen herren oder sinen 30 sün ald suns sün gehorsam sin vnd warten als d& vor geschriben ist vntz vff die zit das wir von dem hailigen Ramschen Rieh er- löset werden. Och sölin wir vns die wil wir nit erlöset sint als vor beschaiden ist nienderthin za herren oder Stetten verbinden &ne des vorgen. vnsers gen&digen herren hertzog Lütpoltes ald 36 siner erben als vor geschriben st&t wißen vnd willen Vnd sdlen dis alles st&t haben bi den ayden so wir daramb ze den hailigen gesworn habint mit vffgehabnen banden vnd mit gelerten worten &ne alle geuerde vnd des alles ze w&rem vrkünd haben wir vnser Statt gemains Insigel offenlich gehenkt an disen brief Der geben 40 wart ze Scbafbusen An dem Sunnentag nach vnser fröwen tag ze der liebtmiße nach Chrifbas gebürt drüzehen hundert i&r ynd dar- nach in dem vier vnd ahtzigosten iare. Diser brief ist ab gentzelich vnd ist vns wider gegeben vnd nien Öch difer vorgeschribener aide erlavßen als wir an disem -^ben brief gesworen hattent vnd lit der hobtbrief in der barger i(en in der trukken d& vnser herren von Oesterrich brief inne Mit. 284 Sittengeschichtliches 1 Alte bewärte BaderegeP). Die erst regul ee du in ein had ziehest: soltu schanwen das dein seckel geladen sei mit gold, uff das du mögest halten zim liehe Ordnung; wann (denn) sobald das gelt ein ort hat, so hat aacb die ordenung ein ort. Tractat der Wildheder natur, Wirkung — gemacht mit grossem fteiß durch Laurentium Phriesen. Strafiburg, Grieninger 1519 S. J28. Vgl. Wildbad y. Renz S. 456. Der Ulmer Bcdneologe Gre- gor Salemann gibt etwas später es so : „Die erst Regel, ehe und ains in ain bad zeucht, so ftirsehe sich aius mit dem Seckel, das demselbigen nichts abgehe, das Baden wurd sonst nit vil frucht bringen." 2 Narrenbrunnen. Das Büchlein des eben genannten Fhries oder Fries sagt 8, 8: „Desgleichen (ist) in der insul Ghoum ein brun, welcher die Vernünftigen zu Narren macht, so sie darauß trinkend oder darin baden/^ Dazu bemerkt unser Salzmann: „Got sei dankt! das er weit von uns sei, das die arzet in unsern landen nit darinnen baden, es wurd sonst der gemain man oft übel faren.^^ 3 Böse Badesitte. „Dann alle morgen hebt man zeit- lich an den schlemmer zu singen vnd singt in nit in S c h i 1 e r s thon (alte Meistersingerweise), sondeirn der vollen zapfen.^' Badenfartbuchlin — durch Georgium Pictoriumj Franckfurt 1560 Bh 13b. 4 Unfruchtbare reiche Frauen opfern silberne Kinder in Triberg*). Das sittengeschichtlich ser wertvolle Tri- berger alteWallfartsbuch „Wunderbarliche Dannenfrucht Auß einem unfruchtbaren Felsen auff dem Schwarzwald entsproßen u. s. w. Hervor gegeben von Johann B. Degen, Rottweil Kennerknecht 1722 8b*' berichtet S. 288: „Das Hoch- Fürstlich Marggräffliche Hauß von Baaden-Baaden u. s. w. hat ein von gegoßnem Silber zierlich aoß- gemachtes Antipendium, drey große silberne Kinder, zwey güldene Crönlein mit vilen Edelgesteinen bereicht, zwey kostbare mit einer Unzahl Perlein und Kleinodien besetzte unser lieben Frauen und Kindsröcklein geopfert." „Daß Hocb-Fürstl. Land- gräffl. Hauß von Fürstenberg, Mößkirch u.'s. w. ein silbernes Kind. Daß Hochfurstl. Landgräffl. Hauß von Fürstenberg Stieh- lingen u. s. w. auch ein silbernes Kind.^* ^^Von dem Hoch- Frey herrlichen Hauß von Reischach etc. Demnach ich Marquard Rudolph von Reischach, Herr zu Immendingen und ZimmerholtZy mit meiner Ehe-Liebsten Maria Benigna von Hallweil etc. ohne 1) Aus der Bibliothek meines Freundes v. Renz iu Wildbad. 2) 8ieh AUm. II 150 Ü'. iB6 emf<igeii Tnrgönem die Scbtdd haben, daß sie nicht allein die Fenr-Kaglen beschwpren, sonder ancb die Gbschdtz nnd große Stnck hin und wider auff den Wählen nnd Schansen planiert and gericht, welches nun ein fabel ist/' 5b Wundermacherinnen in Constanz. ,,A. 1348 wor- den auch zwey Weiber verbrennt, welche im Münster die Bildnnß deß gecreutzigten Heylands mit frischem Hüenerblnt besprenget und als ob auß dem Greutzbild miraculoser Weiß von selbst das Blut gefioßen seye mit Fenerstraf hingerichtet/' Constantini M. Triarcus Triumphälis, Typus ter insig- nis Acranianae metropolis Constantiae. Das ist der in der Constantinisch'Dreyhogigen Ehren-Porte Constantzisch- mit drei- fachem Ruhme prangende GlorSieg- und Ehr-reiche Oreutg-Schild oder Dreytheüige Beschreibung der nach Älter Eed-Ärth Bestän- dig in der That, Edkn^ Vöst- und Ehrsamen Stadt Canstante u. s. w. von Joanne Friderico Speth, L ü. Dodor. Constane^ Waibd 1733. 4^. 6 Liebes-Denkmal, welches dem Tübinger Todtenbach einverleibet worden ist. Eine liebliche Knospe, welche im Gburten Christi auf Erden einen guten Geruch zu verbreiten Trieb hatte und Hofinung machte, hat der allweise Gärtner frühzeitig nnd kraft seiner Eigenthums-Rechte, denen, die von Ihm zum Hießen bestellet waren, aus ihrer Pflege weg — und in sein edleres, höheres Gartenbeet dahin genommen. Es war Johann Albrecht Bengel, D. Johann Albrecht Bengels Enkel, ein Kind guter Art, ein erstgebomer Sohn, welcher Donnerstags am 21. Julius 1768, in Zavelstein nach erstandener grosser Lebensgefahr seiner Ge- b&rerin, als ein schwaches Knäbleiu in diese Welt — und an eben demselben Abend, durch die Taufe^ in den Gnadenbund Gottes eingetreten ; seine zarte Kinder- Jahre mit erfreulichem Wachsthum zugebracht; im Monat Julius 1774 von einer hizigen Krankheit, nnd in eben demselben Monat 1775 von den Kinderblattem dnrch Gk)ttes Gnade glücklich genesen; Sodann aber, nach manchen ver- gnüglichen Proben eines kindlichen Sinnes, aufgeheiterten, lehrbe- gierigen Verstandes, und geraden Herzens, eines Eifers wider das Böse, einer Anhänglichkeit am Guten, einer Reue über jogentliche Uebereilungen, einer Liebe zum Wort Gottes, einer Freude am Heil Gottes, eines Verlangens, das Reich Jesu zu bauen, bald nach dem Anfang des Jahres 1777 zu welken angefangen, und, nach einem beschwerlichen Lager von eilf Wochen, wobey sein rechter Arm und linker Fuß durch abwechselnde Schmerzen, und sein ganzer, zarter, Körper durch verzehrendes Fieber angegriffen war ; nach einer ohne Gebrauch der Zunge und des rechten Arms dordi- seu£zten Woche, wobey der sanfte, gedultige Lammes-Sinn, durch Kraft des Geistes Christi, zum Trost der wehmüthigen Elterherzen sichtbarlich zunahm; nach einer zween Tage vor der Auflöeoiig frisch hervorglimmenden Hofinung zu längerem Pilgerianf; nach 288 nen zettel hat und ein Baamwollen Einwurf. Sie machen auch ein ganz leinen Tuch . das man Golsch nennet und ist am tag. das binnen Vhn alle Jahr dieser zweyerlei Tücher dann 100,000 ge- macht werden (S. lO'i), daraus man ermessen und liecbth'cb ab- nehmen kau wie viel im ganzen lande derselben ins Werk ge- rieht vnd verfertiget werden. Man sagt auch von den Sirahfn, das sie gar nahe zur vn- keuschheit geneigt vnd die Weiber lassen sich gar leichtlich von den Mennern iiberroden jnen zu willfaren vnd daher ist das kurz- weilig Sprichwort entstanden, daß das Swaben Landt dem gan- tzen TeutschJandt thorechler Weiber genug gebe, wie das Fran- ckenland reuber und betller. das Hevcrlandt dieb, Schweitzerland krieger, Sachsen seufler, Wcstphalen und Friesland Eidbrecher und der Kheinstrom FVatt. S. 104. 2 Von den Schweizern. An viele des Volks gibt die Eidgno«it;it.-' Hiif]iilriii'k(>ivi von ('»li (if>ur.:'i iu Ünuu.