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Der ffeistliche Tofirelffesans Wilhelm Crocelius 193—211 geistliche Vogelgesang Wilhelm Crocelius'. 219—229 Sebastian Franck von Donaawerd III Der Artist in Ingol- stadt Franz Weinkauff 1—66 Beiträge zar Geschichte des Hamanismns in Schwaben and Elsafz und des Erwachens der klassischen Stadien im 15. und 16. Jarhundert Wilhelm Crccelius 184—189 Alachmannen oder Allemannen? Johannes Meyer 261—288 Die Hohenzollerischen Orts-, Flnr- und Waldnamen Anton liirlin^rer 91—94 Zar Wortforschung Derselbe Richard Bück... 86—91 189—192 Zur Alemannia Anton Birlinger 94—96 Jesua Ulshelmers Reisen nach Guinea und Beschreibung des Landes Wilhelm Crocelius 97—120 Volkstümliches Aberglauben Sagen Rechtsalterttimliehes Karl Doli Joh. Üaptist iSchöttle Anton Bir- MufTitT 80—86 137—158 Sehwabenneckereien IV Karl Doli 67—69 Dichtungen von M. Kurrer. Aus dem Lateinischen Der- selbe 120—136 Eine Mannheimer Theaterhandschrift des Götz von Ber- lichiujcen Gu:> tav Wen dt 182—184 Zu Schillers Wallenstein Anton Birlinger 211-219 Daß Pranck des Lateinischen vollständig mächtig war, wenn wir auch keine Reden und Verse von im besizen, bedarf keines Beweises. Die von im aufgestellton Parcidoxa^ sowie die Sprichwort ter treten zuerst lateinisch, dann deutsch auf. Von seinen lateini- schetp Briefen ist nur der an Campanus nachweisbar. Zugestehen kann man, daß Franck nicht eu den Humanisten im engeren Sinne der Partei gerechnet werden darf. Denn diso rückten die philologische Lesung und Erklärung der ^jheidnischen^^ Schriftsteller in den Vordergrund und stellten neben den lezten Endzweck, nemlich die Anregung und Förderung sowol des wissenschaftlichen Sinnes als des sittlichen Lebenswan- dels, als höchste Aufgabe und Krone der humanistischen Studien hin, daß die Schüler mit Verachtung irer yfiarharischen^^ Mutter- spräche ire Gedanken und Geföle in wol durchdachtem Giceroni- schem Periodenbau und in gewälter Latinität des goldenen und silbernen Zeitalters darstellten oder eigene poetische Versuche^ in antiken Versmaßen wagten und den klassischen Vorbildern nach- eiferten, wozu sich ein reichlicher Stof bot im Lob und Leben der Freunde und hohen Gönner, zumal der Fürsten (Gratnlazionen, Kondolenzen, Panegyriken etc. etc.), in der Verherrlichung der Vater- stadt oder des Wonortes, in der Zeichnung des eigenen Lebens- ganges, in der Schilderung mannigfacher Liebesabenteuer, in epi- grammatischen Verhönungen der Widersacher und Misgünstigen, in patriotischen Vorgängen und religiösen Ueberliferungen oder kirchlichen Festen. Daß Franck aber nicht bloß von dem Geiste des Altertums berürt war, sondern auch üniversUätsvorlesungen gehört, dafür gibt es einen urkundlichen Beleg, den ich der Güte meines Freun- des Prof. Dr. Attgust Klucklwhn in München verdanke. Daß Franck vor seinen theologischen Studien im Heidelberger DominikanerkoUeg (darüber im Abschnit IV) sich die allgemeine humanistische Vorbildung „in artibus^*^ auf einer Universität er- worben, hielt ich längst für warscheinlich. Seinen Namen konnte ich jedoch in den Matrikeln von Köln, von Tübingen, von Frei- bürg im Breisgau^ von Basel für die Jare 1515 — 25 nicht auf- finden. 1) Die £oZn^ Matrikel wie die Tübinger habe ich selbst, diel^et- burger hat mein Freund, der Oberbibliothekar Dr. Julius Steup, nach- g eschen. In Basel ist, wie ich der gütigen Mitteilung des Prof. Dr. E. [autzsch entneme, weder in der aügenieinen Matrikel der Universität von Anfang an (die noch vorhandene theologische Matrikel beginnt erst mit dem Jare 1597) noch in den FaktUtätscäcten in den Jaren 1515 — 25 der Name Franck zu finden. Daß Franck, wie Wald p. 9 aus einem Brief Melanchtbons schloß, gar in Wittenberg studirt habe, ist grundlos. Denn der Brief Melanchtbons, der einen Philologen Sebastianus Francus (villeicht nur „aus Franken") empfilt, föllt ins Jar — 1544, also nach unsers Seb. Franck Tod. deutsch: Bayersche Chronik) erschin zu Äventins Leheeiten nur ein ^^Kureer Auszug'', Nürnb. Fr. Peypus 1522 (Aventin f 9« Jan. 1534). Aach Franck hat nur Doch eine Schrift Äventins erlebt: Chronica Von yrsprung, herkomen vnd thaten der vhralten Teutschen etc. durch Johannem Auentinum fleissig zusameDbracht, und yetzt erstmals durch Casparum Bruschium in truck verferti- get. Nürnb. Job. Petrejus 1541 4^. Auf eine frühere Anfrage in Betref Francks erhielt ich aus München zur Antwort, daß man auf der Universit&t, welche die vollständigen Matrikelbücher beware, zwischen den Jaren 1515 — 25 unter den Ingolstädtern vergebens nach Seb. Franck gesucht; da- gegen heiße es 1519 Oktober: Job. Turmair ex Abinsperg. Auf neuliches widerholtes Ansuchen erhielt ich (am 1. Dez. 1878) zur Antwort: Die älteren Matrikeln der Universität Ingolstadt ligen nur in einer im 16. Jahrhundert gefertigten Abschrift vor. Darin findet sich unter dem Rektorat^) des Artisten Thofnas Eamlspack 1614: — 15 eingezeichnet: J26. Märe 1515 Sehastianus Frannck de Wer- dea 1 gr. (die Nobiles zalten 6 gr.). Also ein Tag nach Annun- ciatio Mariae (25. März). Daraus ergibt sich, daß Franck schon vor dem Heidelberger Klosterstudium in direkte Berürung mit dem Humanismus kam, der gerade damals durch Männer wie Locher (1497 poeta laurea- tus), Aventinus, Joh. Eck, ürban Rhegius (poeta laur. 1518), Böschenstein f Joh. Agricola (Ammonius oder Peurle, Prof. des Griechischen 1515), Matthias Kr et z u. A. in Ingolstadt seine höchste ' Blüte hatte. In diser Glanzperiode der klassischen und der he- bräischen Philologie suchte Aventin durch seinen Einfluß als Priuzenerzieher die geiertesten Männer Deutschlands an die Uni- versität zu bringen; in seinem Auftrage hatte (freilich vergeblich) U. Rhegius den Erasmus mit hohem Gehalte dorthin eingeladen, hatte Herzog Wilhelm im Jare 1520 EeucJdin dort die Professur der griechischen und hebräischen Sprache übertragen. Reuchlin wonte in Joh. Ecks Hause (Geiger S. 462). Im Abschnit IV werden wir darstellen, wie Francks wei- tere Entwicklung unter dem nachweisbaren Einfluß Wimphelings und seiner Schule (oder Gesinnungsgenossen), sowie Meuchlins und endlich des Erasmus stand, aus dessen Werken er lebenslang lernte und schepfte. Ein getreues, gerechtes und verständliches Lebensbild eines Mannes läßt sich nur entwerfen, indem sich das- selbe auf dem in kurzen Umrissen angedeuteten Hintergrunde sei- ner Zeit abzeichnet. Man muß wissen, in welcher Umgebung , in welcher geistigen Atmosphäre er sich bewegt, an welchen wissen- 1) Vom Jare 1507 — 1515 einschließlich war die Amtsdauer des Rectors und der Dekane ganzjärig ausnamsweise, sonst halbjärig für den Winter vom 18. Oktober, ftir den Sommer vom 24. April. Den Doktoren der drei höhern Fakultäten standen die Ma' ffister der Artistenfakultät, die Meister der freien Känste, gegen- über. Alles wissenschaftliche Treiben beschränkte sich auf die Interpretation der y^auctorUates^'' : die Theologen hatten den Xom- bardus und die Bibel, die Juristen das Corpus iuris canonici und civilis (die Pandekten waren noch unbekannt), die Mediziner den Avicenna, Tpocras und Galienus^ die Artisten den Aristoteles^ PorphyriuSy Alexander und Priscianus. Die deutschen Universitäten waren im Ursprung wesentlich kirchliche Anstalten, exempt von weltlicher Gerichtsbarkeit, begabt mit allen Vorrechten des Klerus, daher Lerende wie Lernende clerici genannt wurden; die Gehälter der Professoren^ welche iCZß^ riker sein musten, waren außer geringen Besoldungen der Fürsten, den etwaigen Honorarien (pastus) der Studenten und den Emo- lumenten der Promojsicnen anfangs meist auf kirchliche Probenden gegründet; der ganze Unterricht stand im Dienste und unter der Aufsicht der Hierarchie. Die Theologie marschirte an der Spize der Fakultäten 1). So stand es auf den ältesten Universitäten: Prag 1348, Wien 1365 (1384), Heidelberg 1386, Köln 1388, Erfurt 1392, Würjsburg 1403—16, Leipzig 1409, Rostock 1419. Nur ser allraälich und anfangs unmerklich kam ein neuer frischer und freierer Geist in die deutschen Hochschulen. Die Reformpläne der beiden großen schweizerischen Konzih'en (Konstanz 1414 — 18, Basel 1431—46) wie der Unionsversuch mit der griechischen Kirche (Konzil zu Ferrara und Florenz 1439) waren mislungen: Gerson^ der Kanzler der Universität Paris, starb (12. Juli 1429) als Lerer einer Kleinkinderschule im St. Pauls- kloster, einer Vorstadt Lyons ; Gregor von Heimburg^ nicht bloß „als Syndicus in Nürnberg durch die trefflichste juristische Rheto- rik in deutscher Sprache'^ (Prantl 17) berümt, sondern auch durch seine Studien in Würzburg als humanistisch gebildeter Wortfürer der deutschen Nation gegen die Anmaßungen der römi- schen Kurie, er starb in der Verbannung (zu Dresden, August 1472). Aber seit und mit disen Konzilien hatte der Humanismus seine Wanderung nach Deutschland angetreten und jener Enea Silvio (Piccolomini , als Papst 1458 Pius II), der die ruhige und gesezliche Reform der Kirche an Haupt und Glidern zu vereiteln wüste durch italienische Schlauheit^), ist gerade in Deutschland 1) Kant, der Streit der Fakultäten 1798. In dem Vorwort die Zensur- und kulturhistorisch wichtipfe Vorhaltung WÖÜners (Schöpfer des Beligionsedikts 1788) und Kants Verantwortung 1794. 2) Franck Kronik Bl. 811b: Diser „Walch, in der kunst des zierredens, poeterey vnn andern künsten hochgelert'^ „Frumm weil (so lange) er Eneas Silvius hieß, wirt er vmbkeret im bapstumb, würt aus eim Poeten ein Tirann", der Teutschen, durch die er erhöoht ward, 8 [1520], durch die Buchdruckerpresse mit reißender Geschwindig- keit überallhin verbreitet, die ganze deutsche Nazion vom Nord- und Ostseestrande bis in die fernsten Gegenden Tirols und Steier- marks zu jubelndem Enthusiasmus erregte, er hörte noch, wie in Worms [1521] der Reformator kün sein Beginnen rechtfertigte vor Kaiser und Reich'^ In dise Periode fallt die Gründung neuer Universitäten : GreifswcUd 1456, Fretburg im Breisgau 1457, Basel 1460, Ofen 1465, Trier und Ingolstadt 1472, Mainz und Tübingen 1477, Wittenberg 1502, Frankfurt a. 0. 1506. Der klerikale Charakter der Universitäten wurde bald alterirt durch die Mediziner und Humanisten, Die Arzneikunde wurde in Paris wie sonst von Geistlichen gelert; erst 1452 hob der Kardinal von Touteville das Statut auf, wornach die Baccalaureen der Medizin unverheiratet sein musten (Hautz I 445). Auch in Heidelberg war auf Drängen des Kur- . fürsten Phüipp L (1476—1508) durch eine päpstliche Bulle 1482 gestattet worden, daß auch Laien und sogar verheiratete als. or- dentliche Professoren der Medizin angestellt werden konnten (Hautz I 340 fg.). Die Artisten wie die Schul-Rektoren^ „die Meister der freien Künste'^ waren im 15. Jarhundert zu einem großen Teile Welt- liche, Laicfi, seitdem die fratres communis vitae (Gerhardiner nach Geirt Groot, Gerardus Magnus, 1340 — 84 Vorsteher des ersten Bruderhauses in Deventer; Hieronymianer oder Gregorianer; Gollatien-Brüder (collatio religiöse Versammlung), gute Brüder oder Brüder vom guten Willen; auch Cucullati = Kappenherrn, Gugel- oder Kogelherrn), one Gelübde und kirchliche Weihen, also one priesterlichen CJiarakterj daher vilfach von den Bettelmönchen an- gefeindet) sich dem Schulunterrichte gewidmet und dabei sich verheiraten konnten. Nach Deventers Vorbild gab es bald solche Schtdbrüderschaften nicht bloß in Zwolle, Utrecht und fast allen bedeutenderen Städten der Niderlande und Westfalens, besonders Münster in W., sondern auch in den Rbeinlanden bis nach Schwaben hinauf, in Norddeutschland bis Rostock^ in Mitteldeutschland bis Merseburg. Dise Brüder waren eifrige Pfleger und Förderer der Mystik wie des Humanismus, der Muttersprache, in welcher die Bibel gelesen und das Gebet gesprochen wurde, wie der Lektüre der Kirchenväter und der heidnischen Moralisten, welche als Unter- richtsstof benuzt wurden. Aus disen Schulen stammten die ersten humanistischen Ver- treter und Lerer, ein Graf Moriz von Spiegelberg, Ludwig Bringen- berg (in Schlettstadt), Rudolf Agricola (in Heidelberg), Alexander Hegius (in Deventer), Rudolf Lange (in Münster), Hermann von dem Busche (in Köln), Desiderius Erasmus von Rotterdam. In gleicher Abneigung gegen den Klerus unterließen die Hu' manisten an den Universitäten seit Mitte des 15. Jarhunderts auch 10 rum dapes (Praef. in panegyricum Lipsiensis theologi sermonetn 1514, in Versen vgl. Buhkopf Schulwesen S. 247). So hatte be- kanntlich schon Hieronymus behauptet: Daemonun cibus est car- mina poetarum, secularis scientia, rhetoricorum pompa verborum und das Lesen der „Codices seculares*' (= antike Litteratur), als eine Art Gottesleugnnng gebrandmarkt: Quid facit cum Psalterio Horatius, cum Evangelio Maro, cum Apostolo Cicero? simul bi- bere non debemns calicem Christi et oalicem daemoniorum. Ein Franke, der erste deutsche ^^poeta *laureattts^^ Seitdem der ehemalige Florentiner Bibliothekar Tammaso ParentuceUi als Nicolaus V (1447 — 55) den päpstlichen Tron be- fitigen, hatte der Humanismus einen gewaltigen und gewichtigen Gönner: an seinem Hofe fanden die griechischen Flüchtlinge seit Eonstantinopels Fall 1453 Zuflucht, Ere, Honorar und Beschäfti- gung. Die griechischen Litteraturschäze wurden durch Vorträge und Unterricht bekannt, durch lateinische üeberseeungen allen Ge- bildeten zugänglich. Noch verbreitete der Humanismus seine Stralen nur ser spar- sam nach Deutschland. Seltsam genug, daß ein Italiener in Deutschland als Verfech- ter und Apostel der ^^alten Dichter und Redner^^ auftrit und für die antike Welt Propaganda macht. Fnea Silvio de* Piccolomini aus Siena, seit 1462 Sekretär der Reichskanzlei in Wien, von 1458 — 64 Papst Pius H. Noch verachtete Italien „die nordischen Barbaren", die „sau- fenden und stinkenden Deutschen" : da brachten im zwei Deutsche die erste Druckerpresse, Konrad Schweinheim und Arnold Pannartz, die in Subiaco schon 1465 und zu Bom 1467 druckten. Der Buch- druck der sich von vornherein als eine publizistische Waffe ^) die 1) In dem Streit um den Mainzer Bisohofstul zwischen Diether wm Isetiburg und Adolf von Nassau, an dessen Hof zu Eltville Chttten- herg 1464 lebte. — Die ersten Druckorte: 1450 Mainz, Erfindangf und erste Drucke 1451 — 57. 1461 Bamberg. Albrecht Pfister, erster Buchdrucker außerhalb Mainz (und Eltville). 1465 hei Rom im Monasterium Sublacense; 1467 in Rom selbst. 1466 Köln, die dritte deutsche Stadt nach Mainz und Bamberg. Üdalricus ZeU von Hanau (aus Schöffers Offizin). 1468 Augsburg. Günther Zainer von Beutlingen etc. 1469 Strassburg. 1469 Venedig. Joh. de Spira (Speyer). 1469 Mailand, 1470 Nürnberg. Vgl. Chr. Friedr. Harless, die Litteratur der ersten 100 Jahre nach der Erfind, der Typographie. Leipzig 1840. 12 Aldus Manutius und den Redner and Geschieb taforscher Marcos Antonius Sabellicua kennen gelernt. Heimgekert ist Celtis in rastloser Wanderlust der fleißigste Sämann humanistisches Geistes in allen Orten und (regenden Deutschlands gewesen; er ist der Gründer der Gelertenvereinej der die zerstreuten Förderer und Freunde des Humanismus in einen fruchtbaren Verker bracbte; durch in kam nicht bloß die Rheto- rik Ciceros und neben Terene die Poesie des Horcus und die Nach- bildung seiner Metra in Aufschwung, sondern auch die den Do- minikanern so verhaßte Philosophie Piatos \ von im wurden über- all in den Klöstern Handschriften aufgespürt. ' Zum Unterschid von den übrigen deutschen Humanisten bat er auch um Land und Leute zu verstehen in Böhmen und Polen die Landessprache er- lernt, wie auch von Agricola als Unicum dastet, daß er eine fra/n" Bösische Schrift in's Latein übersezte: den Brief des Arnauld de Lalaing über die Zusammenkunft des deutschen Kaisers Friedrich III mit Karl dem Künen, Herzog von Burgund, in Trier 1474 (bei Freher^ Rer. German. Script, ed. Strud. Argentor. 1617 II 302 sq.). Celtis stiftete nach dem römischen Vorbilde geHerte Gesell" schoflen^ die alten Sprachen wie die römischen Altertümer zu er- forschen und zu irer Pflege anzureizen: so 1488 in Krakau die Sodalitas litteraria VisttUana, 1489 in Ofen die Sod. litt. Hunga' rorum^ seit 1494 nach Wien verlegt als Sod. litt. Danübiana^ 1490 in Heidelberg die Sod. litt. Bhenana oder Celtica^ die in Maine unter dem Vorsize des Wormser Bischofs Johann v. Dal- berg eröffnet ward, 1491 in Lübeck die Sod. litt. Baltica oder Codanea, die aber früh wider eingieng. In Ingolstadt lerte Celtis vorübergehend 1492, 1494 und 1497. Für seine Zuhörer edirte er eine Epiioma in utramque C^^eronis Rhetoricam, cum arte me^ morativa, et modo epistolandi utilissimo s. 1. a. (Ingolstadt 1492) 4^ mit einer Widmung an den um die Pflege der Wissenschafben hochverdienten Kaiser Maximilian. ImJarl496 lebte er vorüber- gehend als Prinzenerzieher am Hofe zu Heidelberg, wo er die Söne Philipps Latein und Griechisch lerte. Der Rektor der Wiener Universität und der Sekretär des Kaisers IHerius Gracchus (Krachenberger aus Passau ^) veranlaßten die Berufung nach Wien, woselbst er .nach einer zehnjärigen vil- seitigen, gesegneten und einflußreichen Tätigkeit, als erster Pro- fessor der Beredsamkeit und Dichtkunst und Direktor der Uni- versitätsbibliothek 1508 starb. Erweiterung der Universltäts-Studien Celtis^ vom Kaiser berufen als Lerer der alten Philosophie 1) Diser Hamanist plante zuerst , eine deutsche Chammatik zu schreiben; der Tod verhinderte die Ansförung des Planes. 18 und der klassisohen Litterator, war der erste, der die gried Us eke Qramnuxttk dozirte and den Homer inierpretirte, der nicht bloß Cieeros Rhetorik lerte, sondern auch mit seinen Schülern Rede* Übungen yeranstaltete (iln/an(7 eines phüologiscJien Seminars); auch begnügte er sich nicht mit der Erklärung des Uaraz und des Terem^ er verlangte auch metrische Uebungen und ließ einige Komödien des Terene wie seinen eigenen Versuch „Ludus Dianae*' durch seine Zuhörer auffüren. Die Lere Yom Kosmos erörtete er, indem er die Schrift des „philosophus Platonicus*' ApptUeius De mundo zu Grunde legte und von ir eine Ausgabe veranstaltete (L. Apuleii de mundo seu Cosmographia Memming. 1494 fol. Yienn. 1497 fol.). Die Geographie in Verbindung mit der Astronomie trug er vor nach Claudius Ptolemaeus; Landkarten, Erd- und Himmels- globen halfen dabei den Gegenstand veranschaulichen. CeUis hat das Verdienst zuerst nicht bloß WeligeschicJUe (von Ninus bis Maximilian), sondern auch deutsche Geschichte auf der Universität vorgetragen zu haben; eine Geschichtsprofessur gab es erst auf der ersten protestantischen Universität, welche Philipp von Hessen zu Marburg 1527 errichtete. Für Deutschlands Urzeit legte er die Germania des Tacitus zu Grunde, welche er in Wien 1500 4^ edirte (zugleich cum Conr. Celtis carmine de Germa- nia; Vadianus besorgte Wien 1515 davon eine neue Ausgabe); für die Zeit der Hohenstaufen das historische Gedicht Liguri- nus sive de gestis Imp. Gaes. Friderici I Aug. libri X car- mine heroico conscripti nuper apud Francones in silva Ilercynia et Druidarum Eberacensi coenobio (Cistercienser -Abtei Ebruch bei Würzburg) a Conr. Gelte reperti. August. Vind. 1507. fol., dabei Conr. Peutingeri de ortu, genere et posteris Imp. Caes. Fri- derici I. Tractatio. Nationdlgefül der deutschen Humanisten Ein Volk, das seine Geschichte, Helden und Großtaten nicht kennt, kann auch kein Nation algefül, keinen Stolz, keine Selbst- achtung haben ; one höhere Ziele und sichere Leitsterne verläuft dann das Leben des States wie der Einzelnen. Einige der deutschen Humanisten empfanden, wie Kaiser Max, schmerzlich disen Mangel in irem Volke, zumal wenn sie unter Italienern weilten. „Johannes Stabius des hoch löblichen Kaysers Maximiliani Ma- thematicus, hat mir offt gesagt — erzält Magister Job. Carion in seiner Chronica 2. A. 1534 4^ Bl. 109b; in Francks Germania Bl. 102 — wie Kayser Maximilian vber die Teütschen Historicos geklagt hat, das sie der hohen, weysen vnd von Gott begnadeten Fürsten handel vnd thaten so vngeschicklich bschriben vnd cor- 14 rampiert haben, vnd hat befolhen fleyssig aUe Historicos zusamen sa bringen, vnd auß allen ein leydliche Cronica zu machen. Wie on zweyffel geschehen were, so er lenger gelebt, oder dnrch an- dere grösser gesch&ffb nicht verhindert were." Es sollte noch Jarhnnderte dauern, ehe nach den Sammel- werken von Schard, IHstorius, Eattber, ürstisiuSy Freher^ Mei- bom^ Le&mUz^ Eccard^ eine des deutschen Volkes würdige voll' ständige Sammlung seiner Historiker bis zum Jare 1500 zu Stande kommen konnte: Monumenta Germaniae historica — auspiciis societatis ape- riendis fontibus rerum Germanicarum medii aevi edidit 0. H. Pertz Hannov. 1826 ff. Daraus Einzelabdrücke „in usum scho- larum scriptores rer, Germ, Hann. 1840 ff." und in deutscher Be- arbeitung die Geschichtschreiber der deutsckenYorzeifBevhX^^^Q. Hierzu kommen neuerdings die von der Bayerischen Akademie der Wissenschaften herausgegebenen ^^Chroniken der deutschen Städte vom 14. bis 16. Jahrhundert". Celtis Verdienste um die vaterländische Geschichte sind schon berürt. Außer dem Ligurinus entdeckte er im Kloster St. Em- meran in Regensburg das noch ältere Werk einer sächsischen Nonne, welches den Italienern beweisen konnte, daß in Deutschland schon unter Kaiser Otto I die humanistischen Studien gepflegt wurden: Oper &HroSintae^)^ iUustris virginis et monialis Germanae, gente Saxonica ortae, nuper a Conr. Cette inventa. Norimb. 1501 fol. mit einer Widmung an den Kurfürsten Friedrich von Sachsen (den Gründer der folgereichen Universität Wittenberg 1502) mit Lobepigrammen auf die sächsische Nonne von Gandersheim (um 980, die iren Namen Hrotsvita in Clamorvälidus übersezt) von verschidenen Mitglidern der Rheinischen Gesellschaf t in Heidelberg. Besonders wichtig wurden die sechs dem Terenz nachgebil- deten geistlich- moralischen ^fiomoediae sex^^ der Hrosvitha für die Pflege und Richtung des deutschen Schuldramas^), Der patriotische Sinn der Humanisten zeigt sich, nach disem tapfern Anfang des Celtis, besonders darin, daß sie den Wünschen des Kaisers und der Wißbegir des deutschen Volkes dadurch ge- 1) Vgl. Dahlmann-Waitz, Quellenkunde der deutschen Geschichte. Göttingen 1875. 2) Neuerdings herausgg. von Barack, Nürnberg 1858; vgl über die HrosvithaUtteratur Gödeke Grundr. S. 14. 1150 u. Koberstein LG. I 376, sowie Prantl U 484. 8) Neu herausgg. von Bendixen, Lübeck 1858, verdeutscht als jydas älteste Drama in Deutschland*' von ebendemselben Altona 1850 — 58. Vgl. über lat Schuldramen Otto Franck^ Terenz und die lat. Schul- comödie in Deutschland, Weimar 1877, und meine Recension des Buchs in der Jenaer Lit. Zeitung. Juni 1878. 16 der erste deutsche Hamanist, der eine allgemeine deutsche Oe- schichte verfaßt hat (1602), mit Bennzang der Stadien seines Freundes Sebastian Murrho (Ganonicus in Golmar f 1495): Epi" tome rerum Germanicarum usque ad nostra tempora. Straßburg 1505 4^ (Wimphelings Vorrede an Thomas Wolf, Sept. 1502, läßt eine noch frähere Ausgabe vermuten). Die von Wimpheling 1496 als Prediger zu Speier unter- nommene Bearbeitung der Kronik Ottos van Freisingen wurde nicht zu Ende gefürt. Wimpheling veranlaßte seinen Freund den Benediktiner-Abt Job. Trithemius (von Trittenheim bei Trier 1462 — 1516) zu Spon- heim (bei Kreuznach) zur Abfassung der ersten deutschen lAterär- geschichte. Sein Liber de scriptoribus ecclesiasticis Basel (J. Amer- bach) 1494 fol. Paris 1497 4<>, dem Bischof von Worms Joh. von BaXberg gewidmet, ist troz des Titels eine allgemeine lAterärge- schichte; BB sind vile Philosophen, Redner, Dichter, Mathematiker, Astronomen, Mediziner, Historiker und Juristen eingeschmuggelt, weil „auch die Werke weltlicher Schriftsteller zum Verständnisse der h. Schriften etwas beitragen können'' {Silbemagel, Trith. S. 60); die Ergänzung und Fortsezung, welche Johann Butzbach^) aus Miltenberg (am Main, Piemontanus), Prior des Klosters am Laacher See abfaßte, ist erst neuerdings durch Kr äfft und Crecelius (Zeit- schr. des Berg. Gesch. -Vereins VII) und Böching (Hütten, Suppl. II 2 437 fg.) bekannt geworden. Auf Wimphelings Wunsch und im gewidmet verfaßte er „zum Lobe Deutschlands** den Catalogus illustrium virorum Qer- maniam suis ingenüs et lucubrationibus omnifariam exornantium s. 1. 1495 40 Trai. ad Rh. 1495 4» Mogunt. 1497 4» u. ö. Schon 1491 konnte er einem dünkelhaften Italiener, welcher außer von Albertus Magnus von keinem deutschen Gelerten je etwas gehört haben wollte, triumphirend disen Oatalog aus seiner Bibliothek zur Beschämung vorzeigen. Trithemius machte noch handschriftliche Zusäze Ende Juni 1509, worin u. a. Joh. Piemontanus (Butz- bach)^ der Lobredner Trittenheims, Jakob Locher von Ulm, poeta laureatus^ Schüler des Seb. Brand und Lerer am Gymnasium zu Ingolstadt, Heinr. Bebet, Dichter, von Justingen in Schwaben, der eine Gosmographie schrib, Conrad Peutinger Dr. utr. juris, kaiserlicher Rat' zu Augsburg erwänt sind. Silbernagel 67. Von Trithemius Frankenkronih 1515 soll später die Rede sein. Konr. Peutinger hat nicht bloß römische Inschriften, Kunst- werke, Münzen, Altertümer und Urkunden gesammelt (berümt ist 1) Vgl. O.Jdhn, Populäre Aufsätze von der Alterth. Wiss. Bonn 1868 und J. WegeUr, Kloster Laach. Bonn 1854. D. J. Becker, Chro- nica eines fahrenden Schülers oder Wanderbüchlein des Joh. Butzbach. A. d. Lat. Regensb. 1869. 18 ragend vor den Völkern durch Tapferkeit und Treue^ die Stamm- Y&ter nicht hloß der Franken, Schwaben, Bargunden, Gothen, Ge- pideu etc., auch der Normannen, Pikten und Skoten. Seine Kenntnis des deutschen Yolksgeistes zeigt die Samm- lung der Opuscula, Straßburg Gröninger 1508, worin, außer den Facetien (Buch I und II) und einer Epistel De lattdibm et phHo' Sophia veterum Germanorum (Spruchweisheit), Froverhia germanica in latinitatem reducta und eine Ganiio vemactda enthalten sind.« Die Proverbia oder Sprichtrörler werden in kammeniirier Ausgabe mit proverbialen Parallelen von Dr. Suringar als Gegenstück seines Erasmus nächstens erscheinen; das einen Liebesabschid behandelnde Volkslied: „Ich stund an einem morgen gar haimlich an aim ort*' ist mit der Bebeischen Elegie in der Alemannia IV 1 42 — 44 wider abgedruckt. In der 1501 erschinenen Sammlung der hymni (159) in SS. Trinitatis laudem, sanctorum et sanctarum, quibus eoclesia Rom. singularem cultum exhibet, honorem a diversis auctoribus, diverse metri genere compositi sind auch VersicuU (Zapf S. 135), d. h.- deutsche Sinnreime mit entsprechenden lateinischen Distichen ein- gereiet. Es wäre freilich verdienstlicher gewesen, die damaligen Volks- lieder und Sprichwörter in der naiven Form des Volks zu sammeln, als sie durch die Latinisirung und gelegentliche Versifizirung an- scheinend elegant zu machen. Der Erzälung der Facetien (Buch III) De guerimonia lupi super sua infelicitate ligt der Meistersang^) ,,die Wolfsklage'' (etwa 1510) von Heinrich Schmier (Agricola Sprichw. Hagenau 1529 No. 664 unrichtig: H. Schmier) zu Grunde. I^ie Wolfsbeichte (Buch II) Lupi confessio et poenitentia et vulpis et asini ist wie Bebel selbst angibt ex Hugone Trimpergio egregio in vernacula nostra poeta. Auch das Asini iudicium de cantu philomelae et cuculi wird wol auf einem alten Volksliede beruhen; vgl. das Lied aus dem Jare 1580 abgedruckt in Docens Miscell. I 284. Vom Pfaffen vom Kalehberg sagt er: Sacerdos Calvimontia in Austria, de cuius facete urbaneque dictis integri UbeUi per- scripti sunt. In der Ausgabe der Opuscula, Straßburg 1512, ist sowol ein 3. Buch der Facetien als auch ein Gedicht In laudem Ger- manorum quod sint artis impressoriae inventores (worin schon der Italiener BerocUdus im zu vorgegangen) bei Zapf S. 190. Schließ- lich ist noch zu bemerken: Bebel war der erste, der die schwirige Frage über die deutschen Gaue und zwar seines Stammlandes behandelte: 1) Darüber weiter unten in diser Zeitschrift. 20 Plautus Menächmx und Bachides (samt der ^^Fhüogenia TJgolint\ ein Lustpil des Rechtsgelerten Hugolinas Parmensis 1437, woraas ein Fragment in A. v. Eybes Margarita poetica), als .^Spiegel der sitten*'^ verdeutscht von Albrecht von Eyhe (inWürz- burg), Augsburg 1511. Virgils Aeneis von Thomas Murner ^ Straßburg 1515. Wimphelings Schüler, Bingmann Fhil^ius, übertrug (mit einer Widmung an Kaiser Max) Cäsars Krieg mit den Galliern etc. samt Flutarchs Cäsar und Lucuins (10) Totengespr&chen , Straß- burg 1507 u. ö. Wimphelings Freund, Job. Gallinarius (Henner) „der freien Künste Meister'*, übertrug Lticiani Palinurus „vß kriechiscber sprach durch das latyn in tütsch'\ Straßburg M. Hupfuff 1512. Wimphelings, Celtis und Reuchlins Freund, der in Italien mit Rudolf Ägricola und Job. von DaJberg gebildete Kanzler des Kurfürsten Philipp von der Pfalz (dann 1512 Gesandter des Her- zogs Älbrecht von Baiem beim schwäbischen Bunde), Dietrich von Pleningen^ „Ritter und Doctor", übersezte sowol den Sallust und Ciceros Rede gegen Gatilina, Landshut 1515; Plinius Lobrede auf Kaiser Trajan, Landshut 1515 (mit einem Holzschnit von Albr. Dürer) und aus Seneca einen ^^außeug^^ über Kindererziehung und Lebensplan, Landshut 1515, als auch Lucians Gespräch Somninm seu gallus, Landshut 1516, Lucians Von Klaff ern und Ohren- bläsern und eine gleiche Schrift des Poggius, Landshut 1516. Hieronymus Emser übersezte Plutarchs Schrift, Wy ym einer seinen veyndt nutz machen kan (1519) 4^ und Xenophon, Von der haußhaltung (Dresden) 1520 4^. Emser hat sich auch als Dichter versucht: Eyn deutsche Satyra vn straffe des E^bruchs Lpz. 1505 4^ (der Herzogin von Sachsen gewidmet) und (aus Baptista Maniuanus) Wider die an- fechtung des Todes Lpz. 1517. Sein Lied gegen Luther 1525 ist bekannt; vgl. G. £. Waldau, Nachricht von H. Emsers Leben und Schriften. Anspach 1783. Georg Spalaiin (Burkhardt aus Spalt, im Bistum Eichstädt), auf der Sebaldusschule in Nürnberg gebildet, auf Mutians Em- pfelung 1509 Erzieher des Kurprinzen Job. Friedrich, seit 1514 nen weg wyter sy zelero (Gottsched, Nöthiger Vorrath zur Gesch. der deutsch, dramat. Dichtkunst, Leipz. 1757 S. 40). Von demselben Yer- i^sser ervfJknten Strubel und Panzer Ann. S.266 ein kirchenrechtlicbes Werk in deutscher und lateinischer Sprache, das den sonderbaren Titel hat: Der Jieiligen Kircl^en und des Römischen Reichs Wagen fur^ lateinisch: Quadriuium Ecclesie Quatuor prdatorum (d. h. Papst, Bischof, Pfarrer, Kaiser) officium Quibus omnis anima subijoitur, beide heiGrüninger in inclitissima Helueciorum urbe Argentina 1504 erschinen, „in welchem er sich über das Verhältnis der £rche zum Stat und andere wichtige Punkte mit großer Freimütigkeit äußert*^ 22 von . den Humanisten ins DeaUche übertragen. Außer Alexander dem Großen war im Mittelalter ein besonders beliebter Stof der Kampf um Troja. Nach der Mitte des 15. Jarhnnderts wurden vil gelesen die Schriften des Franc. Petrarha^ Äeneas Sylvius (Papst Pins II), Felix Hemmerlin (Chorherr in Zürich), Foggim von Florenz. Besonders drei Süddeutsche haben sich durch solche Ueber- sezungen Verdienste erworben : Hans Hartlieh von München, Niclas von Wyle und Heinrich Steinhöwel. Nicht bloß ftb: Herren, Fürsten und Fürstinnen, auch für den Bürger ward Ergezung und Unter- haltung geboten. Das nach dem Roman des Vaendo'CälUsihenes ^) gearbeitete Werk Liber Äleaandri de prelüs, gedruckt Utrecht 1473, Straß- burg 1486 u. ö., übersezte „der hochgelert Doctor (Arzt) Johann Hartlieb zu München^* (auf Wunsch des Herzogs Alhrecht III von Bayern^ der nach dem Tode der Agnes Bemauerin 1435, sich im Jare 1436 mit Anna von Braunschweig vermählte, f 1460), als ^^Hystori Eusebij von dem Grossen Künig Aleaander^% Augs- burg 1472 (mit Holzschnit), 1473, 1478 u. ö. Die Historia Troiana Guidonis (de Columna^ Messanensis ') ers^hin als „erstorung der edeln — statt Troia*^ o. 0. u. J. Augs- burg 1474 (mit Holzschnit), 1488. Straßburg 1489 u. ö. Der Ueber- sezer ist nicht genannt. Harilieb übertrug auf Wunsch der Herzogin Anna aus dem Latein ,^die hunst Ciromantia^^ (gedruckt Augsburg o. J.) und „sant Brandons buch was er wunders erfaren hat*^ (o» 0. u. J.). ' Ferner auf Wunsch herczog Albrechts, sun des Erczherczog Ernsten in Oesterreich ^^das buchOuidy von der lieV^^\ d. h. den Tractaius Amoris des AndreckS Capellanus (Andreas, Presbyter von Regensburg, von Aventin als ^fiairischer Titus Livius^' ge- rümt) und den des Albertanus (Richter in Brescia 1235—46) o. 0. u. J.y Augsburg 1482 (mit Holzschnit), Straßburg 1484 u. ö. Ueber disen y^Hans Hartlieb ^ genannt Walsporn^', gebürtig von der ^^Neustatt uf der Hart am Rhein der Churpfalz gehörig", habe ich in Crecelius Zeitschr. XI 119 urkundliche Naclu'icht ge- geben (darnach ist Zarncke, Universität, im MA. S. 245 zu ver- bessern) ; von seinem Enkel Jakob Hartlieb von Landau und dessen Scherzschrift De fide meretricnm (bei Ludwig von Hohenwang ge- druckt) wird im Abschnit IV die Rede sein. % 1) Neue Textaasgabe von J. Zacher, Pseudokallisthenes. Halle 1867. H. Weismann, Alexander, Gedicht des 12. Jarh., vom Pfaffen Lamprecht. II voll. Frankf. 1850. 2) H. Dunger, die Sage vom troj. Krieg in der Bearb. des MA. etc. Leipz. 1869. 3) Wichtig wegen der darin enthaltenen ältesten Aussprüche der Minnegerichte, vgl. v. Aretin : Aussprüche der Minnegerichte 1803 S. Y. 24 drich^ zu Ulm bei Joh. Zainer „von RAtlingen** 1473 heraosge- geben, übersezte das Speculum vitae bumanae Rodarici fipiscopi (um 1470) Zamorensis (2^mora am Duero in Spanien) s. 1. a. (Augsburg Güntber Zainer 1471) als „Der Spiegel menscblichs lebens^, Herzog Sigmund von Oestreicb gewidmet, o. 0. u. J. ; Augs- burg 1479, 1488 (mit Holzscbnitj. Weil die Stadt darf ebenso stolz, wie auf iren Johann Kepler (f 15. Nov. 1630 in Regensburg), auch auf iren Stein- höwel sein, welcher für die deutsche Litteratur ein Banbrecher und Wegweiser geworden ist durch seine Uebertragungen lateini- scher wie italienischer Geschichten, Novellen, Erzälungen, Schwanke und Fabeln. Er ist der erste Deutsche^), der aus dem Italieni- schen übersezte. Er hatte in Padua studirt und sich dort 1442 die Würde eines Doktor der Medizin erworben. Spccaccioß jjDecamerony daz ist cento noueUe in welsch vn hundert histori oder neue Fabel in teutsche*^ Ulm o. J. (J. Zainer 1472), ist unzweifelhaft von Steinhöwel übersezt, wenn er sich auch nicht genannt hat. Andere Ausgaben: Augsburg 1490 mit Holz- schnit. Straßburg 1509, 1519, 1540 etc. mit Holzschnit. Diß Werk il Decamerone (1352), welches den grösten Einfluß auf die europäische Romanlitteratur^) übte, erschin zuerst o. 0. u. J. ; da- tirt (Venedig) bei C.Waldarfer 1471; Mantua 1472; die freimüti- gen Bemerkungen über Papst, Pfaffen, Mönche und Nonnen ver- schafften im die erende Auszeichnung in Florenz 1497 öffentlich verbrannt zu werden; schon früher veranlaßte die klerikale Rück- sicht Buchdrucker zu verstümmelten Ausgaben (dei deputati Flor. 1573 u. ö. ; vgl. Marcus Landau, Giovanni Boccaccio^ sein Leben und seine Werke Stuttg. 1877). Die Schrift des Jo. Boccatius (Boccaccio) de Claris MuHeri- bus erschin unter dem Titel : Von etlichen frowen, Ulm Zainer 1473 u. ö., der Fürstin Eleonora, Gemahlin Erzherzogs Sigmunds von ' Oestreicb gewidmet; die Fäpstin Johanna ist nicht übergangen. Gronick von Gottfrieds von Boallion Heerfarth ins gelobte Land, so D. Guido lateinisch beschrieben. 1) Aus dem Italienischen übersezten im 16. Jarhundert Peter Wemher die „fast senliche vnd erpermliche mitleydente hystoria von Phylocanio des Kunigß sun auß Portigal. Vnnd von der schonen Eu- genia des Kunigß tochier auß Engellandt" geteutscht auß welscher Zungen in Teutsche. Nümb. Jobst Gatknecht 1515 4 mit Titelholz- schnit ; Christoph Wirstmg die (aus dem Span, in welsche Zunge über- tragene) Hipsche Tragedia von zwaien liebhabenden menischen ainem Ritter Cdlixstus vnn ainer Edtn junckfrawen Mdibiaf Augsb. 1520 4 mit Bchäzbaren Holzschnitten. 2) J. Dunlopy Geschichte der Prosadichtungen von F. Liebrecht, Berlin 1851 S. 214 — 54. Simonde Sismondi, die Literatur des südl. Europas von L. Hain, Leipz. 1816 I 321 fg. 26 tor des hoffs Costentz) Facetiae (latein und deutsch 1486), (ans der Handschrift monasterii Weingartensis) herausgegeben von A. y. Keller, Tübingen 1874. Bebeis Facetien, zu denen Adelphus Mülich in der Margm- rita facetiarum 1508 Facetiae Adelphinae als Nachtrag Uferte, sind schon besprochen; sie erschinen bis tief in das 17. Jarhnn- dert vermert mit den Facetien des Nioodemus Frischlin u. A. Romanhaften Unterhaltungsstoff brachten „ Diocletianus (und sein Vater Pontianus) oder die siben weisen Meister^' ^) und die Gecta Romanorum«). Die Quelle, woraus besonders Seb, Franck seine Kenntnis der Dichter und Denker des Altertums geschepft hat, ist die Schrift des Walther Burleigh (Burley, Burlaeus, f nach 1337, eines Schü- lers von Duns Scotus)^ „Doctor planus et perspiouus'^ zn Paris und Oxford (1337): De vita et moribus pküosophorum poetarumque veterum (c. autoritatibus et sententiis aureis eorundera annexit). Ed. princ. o. 0. u. J. (Köln, Ulr. Zell von Hanau); Köln 1472 u. ö. verdeutscht als: Das buch von dem leben vnd süien derhayd' nischen maister von newem getrucket. Augsb. 1490 u. ö. Nach Lessing XI 299 ist ^^ Anton Sorg einer der gelerte* sten Buchdrucker'^ der Uebersezer; bei im wurde gedruckt in Augsburg seit 1476. Die .Verdienste der Freunde Wimphelings als Uebersezer anr tiker Schriftsteller sind schon berürt. Sie haben auch Neulateiner verdeutscht : Dietrich von Pleningen eine Schrift des Poggius (s. oben); Wimpheling selbst die Declamation des Berodldus: De tribus fror tribus^ Heydelberg 1600 (mit Widmung an Friedrich Gamerer von DoZ&er^ 1518, Straßburg Reinh. Beck), und Joannis Pici von Mirandel Sendbrief an seinen Vetter „yn zu ermanen zu christ- lichem leben vnd zu lere der heiligen geschrift vnangesehen erger" nufi*^, Straßburg 1509 4^. Widmung an Hans von Schönner, Fri- burg (um Pfingsten) 1509. Wimpheling hat auch eine Homilie des GhrysosUmus über- 1) Schön Cronick vnd histori aus den geschichten der Römer o. 0. «u. J.; Augsburg Bämler 1473; Augsburg Sorg 1478. Historia calumniae novercalis Antwerpen, Ger. Leeu um 1490 u. ö.; Oeeterley, Johannis de Alta Silva Dolopathos sive de rege et Septem sapientibus Straßburg 1873. D.vocletianns Leben (in Versen) von Hans v. Büchel, herausgeg. von A. v. Keller. Quedl. 1841. Hans der Büheler war Dietast- mann des Erzbischofs von Köln, zu Poppeisdorf bei Bonn 1412. 2) Verdeutscht Augsburg 1489 klein fol. (Lessing XI 2 98). Oesta Rom. das ist der Romer Tat, herausgeg. von A. v. Keller. Quedl. 1841. Gesta Rom. (lat.) herausgeg. von A. v. Keller. Stuttgart u. Tübingen 1842. Uebersezung von Grässe, Dresden u. Leipzig 1842 II. Getta Rom. ed. Oesterley U fasc. Berlin 1871—73. 28 litisiren und als Kannegießer^) mit Worten die Welt verbessern ist ja jezt noch das Labsal der Bierbänke und Weinschenken. Francks Zunge ist wol auch durch solches Vorbild gespizt wor- den ; er hörte manchen edeln Spruch uod manches treffende Sprich- wort; die Neutestamentliche Forderung : Seid vollkommen (in Liebe und Warheit) wie euer himmlischer Vater traf tief sein Herz und entzündete einen schroffen Idealismus, in vilen Stücken /dem Schü' lers verwandt. Zu disen Eindrücken der Wirtsstube kamen die Einflüsse des häuslichen Herdes^ wo noch heutzutage vom Gesinde das phan- tastische Reich des Aberglaubens wol gepflegt und gehütet wird. Die ganze Welt glaubte damals, die Gelerten erst recht, an Geister und Gespenster^ an Hexen und Unholde^ an bedeutsame drohende Eimmelserscheinungen und Zeichen^ an Astrologie und Horoskope (Nativität), an Wunder und Mirakel. Francks Sinn für das Wunderbare und Mysteriöse blib im als Erbteil seiner Zeit und seines Volkes, selbst als er durch Agrippa von Nettesheim über das Heaenwesen freier denken gelernt (Weltbuch Bl. 134b). Betrachten wir die in Francks Schriften noch erkennbaren Spuren. In Erasmus Moria Bl. 33: Solcher Tandtmkr vnd fabel — — von den trügnüssen, gespen- sten, gesiebt, von dem Bockelman, mit Poltergaistem^) vnd vmbff- lauffeden seelen, vn dergleichen tausend wunder. Im Latein: nee uUa satietas talium fabularum, cum porten- tosa quaedam de spectris, de lemuribus, de larvis, de inferis, de id genus millibus miraculorum commemorantur. Moria Bl. IIa erklärt Franck (nach Listrius Kommentar): j^Pan würt geacht der Gott sein, der die leüt erschreckt vnnd f5rchtig macht bei den Poeten", und sezt hinzu: „den die kinder Bockelman oder bercht heyssen." Grimms DW s. v. erklärt : terriculamentum popelmann, butze- mann, popanz. Bockelmann erscheint als eine stehende Schreckge- stalt pädagog. Art in Augsburg. Birlinger Augsb. Wb. 68b. Li Merks Lat. Serm. Castellum, Ulroae Suev. 1646 Sp. 534b: Man- 1) Das Wort ist modern zuerst von iJoftener gebraucht ; es stammt aus des Norweger Professors L. v. Holberg Lustspil „den politiske Kandestöber" 1722; vgl. Danske Skueplads, Kopenh. 1731 fg. Deutsch von Oehlenschläger, Leipz. 1822 fg. Büchmann, Geflügelte Worte 11. Afl. S. 173. Hildebrand im DW V 167. 2) Guld. Arch 80b: von den rumpd Gayater — — dauon vü fabel bücher vmbfaren, als Tundali, Cassianus vnd Jacobus de paror diso ein Carthewser. Visio Tungdali ed. Oscar Schade. Königsberger Univ.-Progr. 1869. — Joh. Cassianus, Zeitgenosse Angustins and Hiero- nymus, Collationes Patrum. Basel 1485 u. ö. — Jacob Junterbuck (von Jüterbock, Prior in Erfurt f 1465, Mystiker mit Reformplänen) de po- tesbate daemonum ; Sermones etc. so Incfibus ist nach Diefenbaohs Glossar: =' mare, der tewfbl, der die frawen reyt; nach dem Noyum Glossar, allgemeiner = nachtmännlein , schröttlein, alp, nachtmare, trat, elb. — „Die Tenfel Succubae halten sich in Weibsgestalt zn den unflätigen Träumeren, verursachen inen leichtfertige yenerische Tr&ume, als wann sie unzüchtige Weiber beschlieffen, beschlafi^en aber in sol- chen Träumen eben dise Succubae oder Tenfelshuren, welche den Mannessamen auffassen, sich alsbald zu iren Unholden und Teufels- bräuten Terfagen, dise als Incubi in J^nnsgestalt auch beschlafen und was sie anderswo aufgefaßt inen in irer unreinen abschenli* chen Vermischung beibringen/ Barthol. Anhorn Magiologia Basel 1674 S. 662. Auf Lieder und Schwanke scheinen mir die Ausdrücke Düitig- heim und Schlauraffenland hinzuweisen. Sprichw, II 49 Cescon habitas: Du bist von JDiUiicheym^)^ da die Dannzapfen wachsen. Ein grober dlb bawer. Ein grobs hMzlin. Es were gut sewtrög auß jhra zu hawen. Du bist auß dem Schlauraffenland (vgl. I 48b 162a). Gescos ist ein stat Pamphilie, da so grobe leut woneten, wie inn Teutschland die Bintzger kr6pffeten Baum, daß dauon ein sprichwoH entstund: Du bist ein mann von Gescon, wie mans auff der Alb ( Alem. I 96) hat, gleich wie man spricht : Es ist ein stat wie Heuhach^ da frassen die wolff den Schultheiß auff dem marckt, Wolt einn groben d&lpel vnd fantasten damit anzeygen. Wir brauchen die oberzelten, Itevn^ Ein grober^) Algewer bauer. Ein blinder Schwabe^) etc.. Ein rechter dummer Jan, der teutach Michel, Ein teutscber Baccalaureus. Aus der satirischen Volkslüieratur waren unserm Franck be- kannt die Wechselreden des Bauern Markolf und des Königs Sähmo (Alem. V 55). Der gemeine Mann muste sein Vergnügen an einem Büchlein haben, worin das Sprichwort: „Die Gelerten, die Verkerten'' praktisch illustrirt wird, indem der grobe und häß- liche Bauer Marcolfus mit seinem gleichgeschaffenen Weibe JPoU' cana in seinen treffenden, freilich oft unflätigen Antworten, in sel- statt Tuvitium, Tuitium (Deutz) yerstanden haben. Beatus Bhenanus redet von dem coenobio Divitensi coatra Agrippinam, vulgns Tuitium vocat corrupte. 1) Ein gemachter Ortsname wie Finsingen Alem. II 257 st. Mun- derkingen, Schnerkingen Alem. IV 150; Ort wo man starke Brüste hat; Grimms Wb. dumme dutten -= Risen, nngescblacbte Menschen. Grimm 315, Simrock 408. Die ist von Ehingen, d. h. hat gar keine Brust, Volkswiz Schwaben. Schlauraffen vgl. Zamckes N. S. 455 fg. Vgl. Germ. 17, 305 (Latendorf), ebenda S. 93 (Birlinger). 2) Alem. I 100 ff. 3) Alem. IV 205 nnten. 32 (Prof. Dr. A. y. Keller in TübiDgen machte mich auf die Stelle aufmerksam), findet sich die Bemerkung^). „Der Pfaffe Amis ist eine der Formen des yilgestaltigen Helden der Schelmenstreiche nnd Schwanke, des Lügens und Leutebetrigens , der im deutschen Volke seit vilen Jarhandertem unter mancherlei Namen umgegangen ist, als Amis*) und Pfaffe vom Kälenherg^ als Peter Leu und Bochart^ der zulezt seine Pro- teasnatur in Till Eulenspiegel abgelegt hat, und in diser Gestalt noch heute unter uns umget.*' Von Paul Wüst (Alemannia IV 181 ff.) kannte Franck nicht bloß seine (oft rohen) Schwanke, sondern auch ernste Sprflche. Mancher Reim in den Sprichtoörtern Francks wird von Meister» Sänger-Lindem herrüren. Widerholt wird der Tahulatur^) gedacht Spr. 1 125b, II 208a und oft in Moria und Paradoxa. Spr. II 87a : Du mußt von schalckshausen sein. — Der diß nit kan abgefürt wie ein würffei (II 165 Burghauser würffei) — der ist ein einfeltigs schaf, singt nit vil meyster gsang in seinem hauß, ist ein narr, vnd kan nicht dann fromm sein. Auf die ritterliche Poesie findet sich nur Sprichw. II 62b eine Anspilung : „Er helt einn freien tafel, offen hoff, Es geht zu wie an hönig Artus hoff, Die hund tragen gantz köpff dauon." Es darf nicht gefolgert werden, daß er die Artus- Dichtungen kannte (Parzival war schon 1477 o. 0. u. J. gedruckt worden) oder das von dem bairischen Dichter und Maler Fürterer für Herzog Alhrecht IV (1475, f 1508) in der Titurelstrophe ver- faßte Werk über die Tafelrunde-^ er referirt nur ein im Volks- munde lebendes Sprichwort, auch in Agricolas Sprichw. No. 668: Es gehet zu wie inn Künig Artus hofe^); das gleiche gilt von der 1) Lappenberg Ulensp. 853 widerlegt Vilmars Saz quoad Bochart aber vollständig. B. ist ein weiser Narr. AB. 2) lieber Strickers (der Strichäre = vagas, Zeitgenosse Rudolfs von Ems um 1250) Pfaffen Amis vgl. H. Kurz. L. G. I 427. Gödeke Grundr. S. 32; über Philipp Frankfurters (zu Wien, Ende des 14. Jh.) Pfaffen vom Kaienberg Kurz S. 667, Gödeke S. 116; über Widmanns (von Hall in Schwaben kämpfte mit gegen die Armengecken 1480) Peter Leu Kurz II 85, Gödeke S. 117. 3) Alem. I 289. 4) Agricola berichtet daselbst von der Taffei runde oder Messe' ney und den Helden WigloiSf Pareifal, Titurel und Tristrant und dem „roten Ritter** Grafen von Manßfeldt, sowie von „König artus bmn" und „König Artus gassen** hart vor Eißleben. Agricola war wol be- lesen in deutscher Litteratur, vgl. Vorr. Bl. 2b. Franz Pfeiffer/ hat in der Germ. X 94 ff. alle seine gelerten Kenntnisse in diser Art mitge- teilt. Daraus Grimm Heldensage 2. Aufl. S. 318. Vgl. Alem. I 263. 34 christlichen Widerstand des in disen Berg entrückten Ritters nnd dieTreae des treuen Eckart schildert^ (Vilmar); von Wimphdings Freund Joh. Ädelphi48 (Mülich), Phisikus in Straßhurg, 1512 hei J. Grüninger edirt. Herrn, v. Sachsenh. hg. v. £. Martin Tüh. 1878. Auch einiges aus dem Sagenkreise Dietrichs ') war im hekannt, und zwar der Eiese Sigenot Grermania 1538 Bl. 56: j^Dieterichs vcnBern^) histori", wie er, nach dem Siege üher Odoaker, König von Italien geworden und fridlich 32 Jare regirt. „Daher seindt die lieder, so man in TetUsch vonn jm singtj gemacht. Die Bisen seindt die Barbari. Dann Odoacer war einn Barbarus aoß RAgenn — — Er ist aber Dieterich von Bern genennt, dammb das er zu Verona oder Bern — hoff gehalten.' Der erste Druck hat den Titel : Herr Dietrich von Bern oder von dem allerkAnesten Wey- gand Herr Ditterich von Bern vnd von Hütebrand seinen treuen Meyster. Wie sy wyder die Byefien gestryten auch viel grolVer Sachen erstanden vnd erlytten haben. Sagt das bAchlein, das gar kurzweilig tzu lesen, tzu hören, vnd tzu singen ist. Heydeiberg^ Henr. Enoblochtzer 1490. Am Schluße des Gedichts ist noch „der Bosenkrane unserer lieben Frauen*^ angehängt. Panzer Ann. S. 187. Auch in Straßhur g 1505 und 1510 wider gedruckt. Um die gleiche Zeit war „das Heldenbucfi mit synen Fi* guren*' (Holzschnitte) erschinen, d. h. der auch Franck (sih unten) bekannte Wolfdietrich, o. 0. u. J. ; Augsburg, Schönsperger 1491; Hagenau 1509; und des ^ Ecken Äußfahrf^y Augsb. Hans Schawr 1491; Nürnberg 1512. Vgl. Karl Oödekes Deutsche Dichtung im Mittelalter, Hannover 1854. Auf das Bolandslied ist offenbar die wunderliche aus Garion entlehnte Notiz in der Germania Bl. 85a zu beziehen über „Garo- lus Magnus^* : „von seinem v&tter Boland hat er zimlich gut verß gemacht.'^ Mit Stolz weist Franck nach, daß Garolus ein Franck vnd Caroli gantz geschlecht eittel Teuische Francken gewesen seind; daß er der alten teutschen ^Historias vnd lieder^ j sowie „Bechtsbücher'^ habe sammeln lassen; mit Freude berichtet er^ daß es Beatus Bhenanus gelungen — vergeblich hatte Kaiser Max die Gclerten mit Belonungen aufgefordert, altdeutsche Urkunden aufzufinden — das Evangelienbuch Otfrids (von Weisseuburg an der Lauter) und Notkers Psalmen „in fränckischer zungen*' zu entdecken. 1) Oskar Jänicke in der Zeitschr. für Deutsches Altertham XV 326: Wie die Theologen, so verwerfen auch die Historiker des 16. Jh. die Heldensage (folgen Stellen von Seb. Münster und Tschudi). Eine rationalistische Erklärung der Heldensage gibt Seb. J^anck Germania 1539 Bl. 56a. AB. 2) Vgl. Alem. IH 132 296. 86 Im Krieg deß Prides 1539 Bl. 93a: Die alten haben gesagt drey ding machenn einen M&nieh^ N&mlich, vnwiasenhaü, fauXka§i vfi verzweyflung^ wann die Idioten nicht haben gelert, Tnod jr jugent mit faalkayt vnd hartecken schiessen haben hinbracht, das jnen ein schelmenbain im mgken ist gewachssen, vnd sie inn die achdmenzunfft ^) seind geratten, darinn arbayten sünd ist, das sie nicht mer haben mftgen graben, vnd sich doch die faulen starcken hctchanten z& bettlen gesch&mpt vnnd die donm secure oder Jih annes sme labore*)^ nicht haben gelernet dann ein nuß durch einenn sch&lsaok auffbeissen, oder wie ein saw durch ein schftl ge- lanffen, vnd ein stuck von einem schiilsack gefressen^ so seind sie inn ein Verzweiflung gefallen etc. Die sibpllinischen Orakel — erst von den Philologen des 17. Jarhunderts als unecht erwisen — galten zu IVancks Zeit als starke Beweise der evangelischen GeschidUe, WimpheUngs Freund, der Stadtschreiber Jakob Köbel^) zu Oppenheim war der Heraus- geber und Drucker eines lateinischen wie deutschen mit Holz- schnitten erschinenen Volksbuches: Offenbarung der Sibyllen Weis- sagungen 1516 4^, Opusculum de vatioiniis Sibyllarum s. a. (um 1516). Köbelf der sich auch selbst als Dichter versuchte (über eine Hasen-Mißgeburt in Niederflörsheim 1505, vgl. Weller Rf^>ert. No. 349), druckte auch des Ritters Job. von Marßheim^) (1497 verfaßtes) Lergedicht: Spiegel des Regiments in der Fürsten hüfe, da Fraw Vntrew gewaltig ist 1515 (Ausgaben bei Weller No. 928 und im Neudruck Oödekes Stuttg. 1856). Spr. I 105: Von der vn- trew vnd hinderlist der menschen sind all bücher voll. In gleichem Geiste wie Brant und Mumer gegen die Sittenver- 1) Mein Freund Rektor IVanek in Edenkoben, von dem wir eine neue Ausgabe der Ouaestiones fabuiosae oder Disputationes q^uodUbe- ticae zu erwarten haben, vermutet darin eine Anspilung auf des Ma- ffister Barth. Chribus Monopolium dier Schdmeneunft 1488; vgl. Zamoke, Deutsche Universität, im MA. 8. 61 : seota aecwrorum vel conchaitamm. Ueber die mittelalterliche Eselsbrücke für Prediger, des Minoriten Joh. de Werdena Dormi secure, vgl. Abschnit IV. 2) Sprichw. 11 69b: Hans onfleiß vnd Contz onsorg; vgl. U 28b. 3) In dieem Volksbuch erscheint zuerst die ZwÖlfzal der Sibyllen, ein Gegenbild zu den Aposteln. Franck erw&nt (nach 8chedel) 11 ; Quid. Arch Bl. 48b: Lactantius von den zehen Sibyllis. Bl. 71 jedoch einige mer. Im Mittelalter zälte man nach Oervasius von Täburg 10; vgL Gödeke, Deutsche Dichtung im MA. S. 240. Verschiden von disem Volksbuch ist die Schrift: Von SibyÜa weyssagung vfi von König 8a- lomonis weißheyt was Wunders geschehen ist vnd noch geschehen soll vor dem Jüngsten tag \ zuerst erschinen in rheinischem Dicdekt: Sybillen- boich, Collen 1513 u. ö.; vgl. Wellers Repert. No. 1639. 4) Rektor Franck bereitet eine neue Ausgabe vor; einer brief« liehen Mitteilung desselben entneme ich die Notiz, daß Morßheim 15. Januar 1516 als Großhofmeister der Pfais gestorben ist 38 Geschichten^ Lucians ^) zum Ergezen des Tiesers anfgetischt wird, „Abenteaer zu Wasser und za Lande ** im Stile anaers Mundil' hausen^), das wird im Brandan als glaubwürdige Tatsache und volle Wirklichkeit dem Leser zugemutet. Franck nennt sie auf dem Titelblat des Weltbttchs 158i, wie in der Vorrede ^S. Brandons Histori*^, er hat also die Ulmer Aus* gäbe (bei Hans Zainer 1499) gelesen, welche von andern Ausgaben abweichend den Titel fürt: ^^Historia von St. Brandon*^ (Panzer Ann. S. 243). Was einst dem Knaben und Jüngling gewiß großen Genuß bereitet hatte, war dem kritisch gewordenen Manne natürlich — Lüge und Fabel. Gleich auf dem Titel des Weltbuchs heißt es: „nit aus Beroso (des Dominikaners Annius von Viterbo), Joanne de monte vtUa^ S. Brandons Histori, vn dergleichen fabeln", und in der Vorrede : Wir haben auch nit die lugenhaffb hystori S, Bran- don, reyß vnd m6rfart Dietrichs von Bern^) oder die poppen (Pappen = Docken) Joannis de monte villa angemaßt (uachgeamt = gefolgt) oder die Fabel Berosi hierein gesetzt. Er gibt mit Berufung auf Martinus Ilacomilus (Hylacomi- Jus) den Vorzug der Glaubwürdigkeit „den neueren weltbeschau w- em, mdrherrn vnd gestrengen landtfarern als Marco Veneto^^ (Marco Polo) etc. Die Wunderberichte des Johannes von Monievilla (John Man' deville% „Doctor in der Artzney vnd Ritter, geboren vssz Engel- land", der 1322 Asien durchzogen (f 1371), erschinen als: the voiage and travaile, Westminster Caxton 1499; auch lateinisch, französisch, italienisch, deutsch; zuerst von Michelfeld (Michel- felser) verdeutscht, mit lächerlichen Holzschnitten. Augsb. 1481, 1482; dann von Otto von Biemeringen% Straßb. 1484 u. ö. Eanst Oiromantia) ; handschriftlich in Nürnberg. Karl Schröder, St. Bran- daD. Ein lateinischer und drei deutsche Texte. Erlangen 1871. 1) Des waokern Schulrektors Georg Boüenhagens Son Gabriel hat aas Lucian, Brandan etc. seine „Ungleubliche Jndiam'^c^ Reysen, durch die Lufft, Wasser, Land, Helle, Paradiß vnd den Himmel. Mit etlichen warhafften, jedoch bey vielen Gelehrten glaubwürdigen Lügen" Magdeb. 1603 übersezt und zusammengestellt. 2) Gottf. Aug. Bürger ist der Uebersezer des von Baspe englisch geschribenen Buches der Abenteuer des Lügenboldes; vgl. Heinrich Düntzera Einleitung zu der bei Dyk in Leipzig erschiuenen Ausgabe. 8) Bezieht sich auf den Wolfdietrichy von dem ein Btich wider- holt schon im Mittelalter angezogen vrird; vgl. Grimms Heldensage S. 227 No. 88. AB. 4) In der Beschlußrede: Wann einsmales kernen von uil kunig- rychen kauffleut gen Brugk (Brügge), die dies buch gern gehört hettcu. Durch dem bet willen, ich obgenanter Otto von Demeringeny Thum* herre (zu Metz), von latyn ynnd frantzoyscher sprach zu tutsoh ge- bracht han. Vgl. Peschel, Geschichte der Erdkunde und HumboiuUs iO Schönspergers Chronick im truck 1487 außgangen'' (Oerm. Bl. 203b) und Thomas Lirers (gesessen zu Rankweil) schwäbische ,yChronik'^ getrackt von Conrad Dinchmit in Vlm 1486 (Oerm. BL 206). Meine Vermutung über Francks deutsche Lektdre im Knaben- und JOnglingsaltor stüzt sich auf die unbestreitbare Tatsache, dafi im ersten Jarhundert des Buchdrucks, der allgemein als eine Gnade Gk>tte8 den Laien erwisen betrachtet wurde, ein gewaltiger Lase- hunger auftrat, zumal in den Beichsstädten, und Alt und Jung sich an Buch und Bild ergezte. Franck hat in seiner Jugend gewiß nicht die Oewissens&ngste eines dämonischen und genialen Menschen, wie Luther war, durch- gemacht. In verlockte Wißbegrir, in erfreute Gottes wunderbare Macht in Geschichte und Natur, in reizte Streit und Widerspruch der Welt zum Nachdenken, er brachte es dahin „als ein unpartei- scher vngefangner, ein yeden lesen zu künden,^*' flinen andern Vorzug sehe ich in der gründlicheren humcmir stischen Bildung; wobei freilich nicht vergessen werden darf, daß nur die schroffe und kolossale Einseitigkeit Luthers den weltge- schichtlichen Umschwung zu Wege bringen konnte. Luther selbst fülte seinen Mangel ser wol. »Wie leid ist mir letzt, daß ich nicht mer PoSten und Historien gelesen hab, vnd mich auch diese niemand gelehret hat. Habe daför müssen lesen des Teufels dreck, die Philosophos und Sophisten mit großer Kost vnd Schaden, daß ich gnug dran habe auszufegen" (Altenb. Ausg. II 812). Ebenso bedauerte Melanchihon Luthers mangelhafte hu^ manistische Bildung ; größere Sorge für Bildung der Rede und zu- gleich die „milderen^ Studien einer waren Philosophie, woran es in Erfurt gefeit, würden bei Luther villeicht auch dazu gedient haben, die Heftigkeit seiner Natur zu lindern (Köstlin, Luther I 50). Luther hatte guten Grund 1524 für die Schalen den Ratsherrn Deutschlands zu empfelen ,die Poeten und Oratoren, nickt ange^ sehen, ob sie Heiden oder Christen wären, griechisch oder' latei- nisch", „die Chroniken und Historien, welcherlei Sprachen man haben könnte^ (G. Pßzer, Luthers Werke S. 867) ; in der schänd- lichen Nachrede nach Francks Tod 1545 rouste er anerkennen, daß der neben den „Scheispoeten^) Z^mc^n'' gestellte „Beelzebub ** oder „Arshummel'^ Franck das grifflin funden — Historien eu schreiben und Spruch Wörter zu erklären. 31. 208b: Herr Jacob Pfarrherr oder kirchherr zu Trusenheym, hab ich zu Straßburg in einem alten geschrieben buch gelesen, setzt etc.; vgl. Bl. 242 und 143. Ueber Sigmunds Beformation in Abschnit Y. 1) Es genügt auf Lessings Rettung des S. Lemnius III 280 fg. hinzuweisen. Ausforlich handelt über S. Lemnii Leben und Schriften Strobel, Neue Beytr. III 1. 42 von Eck, seit 1517 Protektor,* als Herzog Ernst znm Bischof yon Passau gewält worden, Matth. Kretsf, Urhan BhegiuSy Aagnstin Merbold von Hohen wart, Lochers Freund, Otto von Pack ans Meißen (1537 enthanptet) n. A. Ein Denkmal stiftete sich die Gesellschaft 1518 durch Herausgahe alter von Aventin^) aufge- fundener Geschichtsquellen, nebst eigenen lateinischen Briefen und Gedichten. In der Artistenfakultät wirkten damals 40 — 50 Magister nicht gerade in großer Einigkeit, denn die Fakultät war durch den Parteihader der Anhänger der via antiqua und der via mo- dema, „der arttisten baider wege, des alten vnd newens als ay sich nennen^^ gespalten; erst die Statuten- Redaktion von 1519 ver- bot auf Befel des Herzogs die Parteiworte ,,moderniy antiqni, rea- listae, nominales^^ und befal, daß sich Lerer wie Lernende einfach und gemeinsam als ariistae bezeichneten. Diser aus der verschidenen Behandlung der Schul-Philosophie hervorgehende Streit, der in keineswegs humaner und philosophi- scher Weise gefürt wurde, war dem humanistischen Äventin ein Gräuel; er zitirte deshalb gern beistimmend das Volkssprichwort (gleichwie Wimpheling in der Äpologia pro republica christiana c. 1. „die Gelerten, die Verkerten**, auch Fraiick Sprichw. I 36b, 90b, II 99b, lfi3b): „Je geler ler, je verkerier'\ Wie die Fakultäta-Akten meist nur Promotions- und Geld- angelegenheiten betreffen, so berüren die Uni versitäts- Akten (außer den Statuten) meist nur die Schattenseiten des Stndentenlebens, Skandale und Tumulte, Exzesse und Verbrechen, Verbal- und Real- injurien, Schuldklagen, Wirtshaus- und Bordellgeschichten, Raufe- reien, Schlägereien, nächtliche Ruhestörungen durch Schreien und Brüllen (8 ^^Zirker und Wächter" besorgten die „Befridung bey tag vnd nacht", die ^,Wachthut^'\ weshalb widerholt gegenseitiges Zutrinken t nächtliches Heruraschwärmen und Musiziren, Karten^ und Würfelspil, Waffentragen ^) (bay tag noch nacht), Maskiren 1) Aventins Nazionalgefül kennzeichnen die Worte eines Briefes 1517 (mit Bezug auf Hermann von Altaicb und Valtogeius Noricus) bei Mederer p. 101: Ex quibus plane intelligo, maiores nostros non ita barbaros, ut nos quidem falso euspicaraur, fuisse. Nos autem prae illis esse maxime socordes, qui in vana dictionum digladiatione et um- bratili edentuli Grammatici conseneseimus. 2) Als „TFa/f men morum studentum et beanorum (= bachantum) von Joh, de Wer^ dena (handschriftlich in München). Des Grammatikers Paul Niavia Dya- logus literarum studiosi cum beano quarumque preceptionum imperito (a a. Leipzig, Hart. Herbipol.) gibt ein lerreiches, aber trauriges Eulturbild. 2) 6. Sehwetschke, Zur Geschichte des Gaudeamus igitur^ Halle 1877. Gewiß ist das weltliche Lied, wie so vile, durch die Kirche ver- anlaßt, durch .«den beim Introitus der mittelalterlichen Messe ge- bräuchlichen Antiphon: Gaudeamus omnes in Deo". Daß ein altes Studentenlied Gaudeamus vorlag, beweist das Lied des ital. Humanisten Codrus ürceus (1500) (Monographie von C. Maiagola, BoloRna 1878), wie die im nachgebildete Schlußstrophe in Emsers Spotlied auf Lu- thers Hochzeit 1525 (Waldau, H. Emsers Leben und Schriften 8. 62 mit CocMäi gereimter VerdeiUschung), Franck spilt auf das Lied Spr. n 81a an: Ihr (der saw) leben ist ein Requiem, jr todt ein Gaudea$nus ynd Te deum Ictudamus, Spr. I 44: Mein liebster bul ist mit reyffen bunden; vgl. ükland VL. 1 584 fg. Die Studentenlieder der (Jarmum Burana und das Liederbuch der C&ra Hätglerin sind bekannt. Das Lied tfCerevisiam bibunt homines, animalia cetera fontes" etc. (Allg. Bekte- Gommersbuch, Leipzig Breitkopf n. Härtel 1876 8. 505) muß tu ^orcl- deutschland entstanden sein. 46 nicht bloß an „tnimmen und pfeiffen'^ ergezte, sondern auch am jyparrl/zufen ') vnd dergleichen vnnachtheiHgeu LeibS' Uebung^\ Auch in Ingolstadt wüste sich die akademische Jagend außer den regelmäßigen Vakanzen und Ferien noch andere Feier- und Festtage zu machen. Die Kollegien fielen ans am Donnerstag und selbstverständ- lich am Sonntag. Die Ferien dauerten vom 21. Dezember bis 7. Januar, Fastnacht 14 Tage, desgleichen Ostern, im Herbste vom 29. September (Michaelis) bis 1 8. Oktober (Lucas £v.)t ^^^^^ kamen die vilen Feiertage der Apostel, gewisser Heiligen {Sebastian 20. Jan«) und großer Kirchenlerer ; auch an allen Tagen feierlicher Fakult&ts- Akten (einer Promotion oder Disputation) oder wenn ein aermo ad derum statt fand, las der Professor des Vormittags kein Kollegium. Damach hatte das Jar ungefär 180 Lesetage; die Dozenten der Rhetorik, Poesie, griechischen und hebräischen Sprache und der Mathematik hatten selbst in den größeren Ferien ire Vorlesungen fortzusezen (vgl. Prantl S. 168). Die Studenten erlaubten sich am 1 5. Juli (in festo divisionis apostolorum) einen kleinen Scherz in den Börsen mit iren Lerem\ im Järe 1492 bestimmte die Artistenfakultät gegen dise „corrup- tos bachautum mores^^ ne ifisolentias et clamores sucitare nee ma- gistros recludere^ ligare aut quovis modo molestare attemptent. Das Verbot wird nur zur Uebertretung gereizt haben. Zugleich suchte man die ser häufigen Studentenfeste, die Fontania^), Massenspazirgänge (exitus cumulatos) in die Wälder 1) Alem. in 66. IV 260 und Crecelias in der Germ. 19, 99 ff. AB. 2) Fontania, Fontanea, Fontonia. Prantl. II 118, 188. In Diefm- hachs Glossar: Fontandlia (ludi), bornfart Aus Balth. Trochus Asca- niensis lat.-deutsch. Wb. Leipzifr Lother 1617; ursprünglich oberdeutsch. — Als Locher 1506 in küner Neuerung bei solcher Brunnenfart eines Sonntags eine Schar vornemer und adlicher Studenten als Landsknechte Sanci^eri) ausstaffirt durch die Stadt marschiren ließ zum Aergemis er Theologen, die in darauf in einer Streitschrift anffriffen, wies er disen Verstoß gegen die akademische Sitte als „kleinliche Nergelei zu- rück, weil ja an den berümtesten Universitäten (Italiens?) Fbntium Sacra sive Eleutheria mit militärischen Aufzügen gefeiert würden** (Hehle II 7). Ueber die von Conzilien verdammte Fontium adoratio (Du Gange) ein Stück alten Heidentums vgl. Grimms Myth. 826 fg. Horaz Od. IH 18 : fous Bandusiae splendidior vitro, Dulci digne mero non sine floribus. Quellendienst im Altertum vgl. NorJc, mythol. Real-Wb. I 801, welcher aus Mones Nordd. Heidenth. 11 136, 166 die Bronnenvererung der Altfranken u. Hessen nachweist. Zu Mühlhausen an der ünstrut in Thüringen (einst freie Reichsstadt^ feiei't man, wie mir Dr. Bau (Sekretär der Bonner Bibliothek) mitteilt, noch alljärlich ein Brunnonfest in der Mitte des Sommers; Volk und Schuljugend zieht hinaus nach dem Walde zur Popperoder (mit Steinen gefaßten Quelle) und senkt Kränze und Bouquets hinein, die auf dem klaren Grunde einen reizenden Anblick gewären. — Prantl: ludi chartarum et taxillo- rum omnino prohibendi ; similiter ne, ut fieri solitam est, pravium (/9^* 48 # Francks philosophische Studien Franck spottet widerholt über die ^^Modemisten^ and (Chronik 104b) über ^Aristotelem, der Theologen gott'^ In Ingolstadt brannte knrz vor Luthers Auftreten der Partei- gegensaz zwischen modemi und antiqui oder NaminalisteH und Bealisien bei weitem stärker, als an den anderen Dniyersit&ten^); die modemi waren dort entscbiden im Uebergewicht gegen die antiqui oder ^^Äntiquisten^'^ (Prantl II 147). Die modemi ver- traten die Richtung, welche ir „venerabilis inceptor" der Fransui- kaner Occamj des Duns Scotus Schüler, (der kün unter dem Schiise Kaiser Ludwigs des Bayern die Rechte der Statsgewalt gegen das Papsttum verteidigt hatte) eingeschlagen, wftrend die an^t^i (die Anhänger des Papalsystems) den Betrib diser neueren L^k zu verdächtigeu suchten. Es ist bekannt, wie der alte Streit zwischen PlcUo und Ari' stoteles über das Verhältnis von Sein und Denken, die wichtige Frage über den Wert der AUgemeinbegriffe^ auch die Scholastik im Mittelalter parteite. Haben die Universalien, haben die genera und species sab- stanzielle Existenz oder sind sie bloß Abstraktionen aus dem Be- Bondern und Individuellen? Sind die universalia ante rem*^ wie PkUo (nach Aristoteles Angabe) lerte: haben sie eine gesonderte selbständige Existenz von den Einzelobjekten (sei es bloß dem Rang- und Kausalitätsverhält- nis oder auch der Zeit nach ; vgl. Ueberweg, Gesch. der PhiL 1866 n 114)? Oder sind die universalia in re? wie Aristoteles will, d. h. haben sie eine reale Existenz, aber nur in den Individuen? Disen beiden Formen des Bedlismus trat der NomindUsmms entgegen: universalia post rem: nur das Individuelle hat reale Existenz, die Gattungen und Arten sind nur subjektive Zusammen- fassungen, indem wir die gleichartigen Objekte mittelst des gleichen Wortes {nomen^ vox) bezeichnen. Der Gegensaz zwischen den modemi und antiqui gieng nun eigentlich nicht von der Frage der Universalien aus, sondern von der Yerschidenheit der Lermittel der Logik. Die antiqui hielten sich an die alte Betreibuug des Albertus Magnus, Thomas Aquinas und Duns Scotus. Die modemi, deren Vorbild Occam war, er- strebten eine Erweiterung und Fortbildung des im Compendium des Petrus Hispanus gegebenen Materials, besonders in Betref der 1) Prantl, Gesch. d. Universitäten I 58 fg. Ueber Paris, Heide^ berOt Wien, Erfurt, Basel, Tübingen, Greifswald, Leipzig, Prag, Mains ' und Köln vgl PranÜ, Gesch. der Logik lY 148 fg., 185—194, 228 fg. 50 Waram Adam im Paradies Ton einem Apfel and nicht von einer Birne gegessen? Ob Oott etwas Oeschehenes ungeschehen machen ktane^ z. B. aus einer Hure eine reine Jungfrau? (Hagen I 31). Erasmus gibt in seinem „Lob der Torheit** (bei Franck B]. 46) als scholastische Quästionen und Quisquilien an: „Mit was weiß (=Wie) die Welt sei erschaffen vnd inn ain Ordnung bracht?* „Durch welche teüchel (Kanäle) vnd rinnen diser ynflat der erbsünd sei in die nachkommen gelait?** „Mit was maß, mit was meß, in was zeit (quibus modis, qua mensura, quantulo tempore) Christus in der Jungfrauen leib am fertig vnd zeittig worden?" ,,Wie in dem Nachtmal des Herrn die aocidentia oder z&f&l on ein behausung (domicilio = ire Substanz) bestehen?^' ,,0b auch ain punct, zeit stilstehen, vmbkeren sei gewesen in der göttlichen gehurt vnd erschafiung?** „Ob vil kindtschafft in Christo seien gewesen?" (plures in Christo filiationes = ob Christus mer als einmal geboren werden könne ?). „Ob es ain möglicher Spruch (possibiUs propositio) sei: Oot derVatter haßt den Sun?" ,,0b er (Dens) hab m5gen die person ains weibs, ains teüf- fels, ains esels, ains kürbß, ains kißlings an sich nemen (silioem suppositare)." „Darnach^ wie ain kdrbiß hat mögen predigen, zaichen vnd wunderwerck thun?" „Item, wie man an das creutz wolt geh&fft haben, wann er ain kißlings wer gewesen, wie es jm angestanden wer, wann er ge- redt het." „Vnd was Petrus hab oonsecrirt zfi diser zeit, weil der leib Christi am creutz ist gehangen** (quid consecrasset, si consecrasset eo tempore quo etc.). Und „Ob dise zeit (eodem tempore) Christus hab mögen ain Mensch genennet werden?*^ „Vnd ob nach der vrst&nd essen vnd trincken zimlich zft- künfiftig sein werd" (post resurrectionem — fas sit futurum). Auch in der kleinen Schrift: Das päpstliche Rundschreiben and die 80 verdammten Sätze erl&utert durch Eernsprüche von Män- nern der Neuzeit, sowie durch geschichtliche und statistische No- tizen Duisburg 1865 S. 162 finden sich einige „Lieblingsthemata der Scholastiker**, nach Ludov. Vives, in pseudodialecticos 1519 '): 1. Philosophische Säze. Cujusvis hominis asinus non est animal. 1) Vgl. F. A. Lange, Vives in Sehmids Pädag. EnqyolopMie. 52 Zeit als gültige Beweise von Versiandesvencirrung und Narrheit aDgesehen werden würden, waren (im Mittelalter) die ausgezeich- netsten Oeisteskräfte gewidmet/' (J. Liehig y Chemische Briefe, 3. Aufl. Heidelberg 1851 S. 72.) Zum Schluße sei noch auf die seit Petrus Lcmbardus Til be- handelte Frage hingewisen : Was hatte eine MauSj die eine geweihte Hostie gefressen, zwischen den Zähnen? Lombardus tröstet sich mit: Dens novit (Strauß, Olaabens). II 572). Genaueres über disen Skrupel der Transsubstantiationslere in der von Wilhelm Holder (aus Stuttgart, Abt in Maulbronn, f 1609) verfasten köstlichen und gelerten Satire : M%is exenteratus (die aus- geweidete Maus^). Tübingen 1593. Ein anderer Schwabe belert uns über eine verwandte Frage : C. M. Pfaify dissertatio de stercoraneis medii aevi tarn lat. quam graec. Tübingen 1750 4^ (Vgl. auch Cani^M^ lect. antiqu. T. IL) Francks Sprachstudien Gerade zur Zeit, als Franck nach Ingolstadt kam, war zu dem Latein und (seit 1505) dem Hebräischen auch das Griechi- sche als neuer Lergegenstand getreten. Somit war wol die Ge- legenheit geboten, besonders für die Wolhabendern, ein ^^trilinguis^*' zu werden, wie es Erasmus war ,,in dreyen sprachen ein fürbin- dig gelert mann, sonderlich der Latinischen vnd Grichischen, deß- gleichen zu seiner zeit nit gefunden warde'* (Franck). Die meisten Studenten trösteten sich mit Franck Sprichw. II 40a: Wir kAnden nit all Erasmus sein, oder in die guldin Insel [El Dorado] vber meer schiffen. 1) Der Titel lautet, wie mir Dr. Gerhard, Custos der Bonner Bibliothek mitteilt, vollständig also: Mus ezenteratus, Hoo est, Trac- tatus valde magistralis, super quaestione quadam Theologieali, spinoss, & multum subtili, ut intus. Scriptus pro redimenda vexa (zur Ledi- guDg der Qual) ad Magnificum, Scientificum, Doctrinativumqne, & Ca- tholico zelo igrnitum virum, Johannem Pistorium Nidanum (Nidda in der Wetterau) : Theologum sicut abyssi maris profundum. Per fratrem Wilhelmum, de Stutgardia, Ordinis Minorum. — Virum malum vel mus mordeat. Tubing. 1593 4^ Ed. II Tub. 1668 8^ juxta exemplar Tubingense Lips. 1677 12®; nach dem Vorwort von J. A. S., welches die Historica de ortu et progressu haeresum in Germania, praesertim Augustae Vin- delicorum, Relatio, quae ex antiquis Annalibus Mss. cuiusdam contem- poranei fideliter descripta erschinen (superiore demum) anno MDCLIV Ingolstadii cum facultate superiorum erwänt und verhönt, muß es eine Ausgabe von 1655 geben. Die gegen den ,, Apostaten^' Pistorius, den Fabulista Caesarius Heisterbachensis und die Calvinisten gerichtete Con- sistorii Eoclesiastici in Ducatu Wirtenberg^ico praefatio ad leetorem ist unterzeichnet von M. Joh. Magtrns, Lac. Oslander, Andr. Osiander, M. Foelix Bidembach. 54 Rheghis war darch Ecks Empfelung vom Kanzler mit einer philologischen Professar betraut worden (oratoriae publicitos do- cendae praefectus). Hat Franck dise Lerer gebort? Hat er Lochers des be- geisterten Hamanisten Vorlesungen besucht? welchen ein Zeitge- nosse M. Carolus Reutherus Franco (vgl. Fulgentius) als Zierde des lAitetianum cantubernium (in florentissimo Boiarorum gymnasio) preist, der zuerst die trefflichsten Klassiker hervorgezogen, zuerst historicos veraces, rhetores suaviloquentes, vates iucundos der stu- direnden Jugend vorgefurt. Locher hatte die berümtesten Hochschulen Italiens besucht, um sowol die klassischen Redner und Dichter, als auch die pla- tonische Philosophie zu studlren. Noch 30 Jare nach diser fröli- chen Zeit preist er in einem Danklied seine Lerer, den Philippus Beroaldus ^) in Bologna, den Kreter Mttsurus in Padua, und andere in Pavia, Rom, Florenz etc. Er gedenkt in der Widmung des Fulgentius an seinen Studiengenossen in Italien, Wolfgang von Tan- berg, Kanonikus und Dechant zu Passau, jener einst gemeinsam verlebten genußreichen Tage und der wissenschaftlich geselligen Kränzchen (sodalitium), wo sie nicht bloß am Quell der Poesie sich erlabt, sondern auch bei lustigem Gelage manchen Becher geleert (naso Signum tangentes Liberi patris, crateras) oder nach den Stu- dien an Spazirgang, Tanz, Bad und Schwimmen sich erfreut oder an Karten und Würfel (chartis adfabre pictis: astragalis, fritillo atque alea inter corymbiferi amplissima vasa Ly^i ludebatur), insbeson- dere sind es zwei Scenen, die er mit Lust schildert, einmal wie sie des Nachts den Son des Podestä und die Nachtwächterschar, die „albernen Verächter der Deutschen^' (Alemannorum derisores ineptissimos) durchgehauen und entwaffnet, dann die lustige Meer- fart von Ferrara nach Venedig in heiterer und zugleich erlauch- ter Gesellschaft, als sich inen von Bologna kommend der Mark- graf Jakob von Baden (Marchio Badensis ac Spanhamensis Comar- chus nobilissimus Ärchipresul Treverensis^) mit glänzendem Ge- folge (cum eleganti familia) anschloß; welch interessante Unter- haltung, welch reicher Gedankenaustausch! Man kann ein fideles königliches Gelage feiern, das Schiff gleitet durch ruhige See, die Reisenden lassen Leier und Zither erklingen (testudines et cythar^ eburnis ornat^ plectris consonabiliter pulsari coeperunt), bei disen harmonischen Klängen stet Locher auf dem Steuerteil des Schiffes, musizirend ein zweiter Arion, nach Pythagoras irriger Palingenesie, und siht die Orte und Inseln der Adria auftauchen ; das Matrosen- 1) Den Aeltern, nach Hehle S. 13 den Jüngeren. 2) Geboren 1471, seit 1493 Koac{jutor des Erzstifts Trier, 1503 auf Wunsch des Kaisers Max zum Erzbischof gewält, f 1611, gelert und liderlich. Fr. W. Ebding, die deutschen Bischöfe II 600. 66 Troia aaß besnnderer gunst ynd liebe jre büätniß in den Tempel ließ setzen. Bald gab der Teufel auch red vnd antwort darauß, aoß dem das volck bewegt dret/ gMin darauß macheten'' sucht man vergeblich bei Boccaz oder Gryraldus^). Woher mag sie ent- lent sein? Von den Schriften Omds, der unter andern Bildern der Klassi- ker auf dem Titelblatt der Guldin Arch figurirt, scheinen im aus selbständiger Lektüre die Metamorphosen bekannt zu sein, yilleicht in einer Äuswal^)\ die Schrift De arte amandi zitirt er Paradoxa, Vorrede. Virgil — „sein b Acher seind zum teil vor äugen" Chronik 112b — erscheint noch ganz als der mittelalterliche Zauberer^), Ea ist möglich, daß er die mit Recht berümte, von Locher^) be- sorgte Ausgabe des Horaz (die erste die in Deutschland gedruckt wurde) einmal in der Hand gehabt. Was er aber aus disem Dich- tern zitirt, hat er aus Sammelwerken, In der Chronik 113 (aus Schedel) fügt er eine aus Väler. Maximus entlente Anekdote bei, wobei Horatius Flaccus mit Horatius Pulvillus identifizirt wird. Die Lerer Francks verfolgten offenbar im Gegensaz zu Locher die Richtung des Wimpheling und des MurmelUus und irer Ge- sinnungsgenossen, die nur eine Fortsezung der Deventerschen Schule ist. Man suchte sowol christliche Lere als heidnische Moral und Gelersamkeit den Schülern beizubringen. Wimpheling^ zumal in 1) Jo. Bocatii negi yfvealoyiag deorum, Basel 1511, erschin auch c. annot. Jac. MicyUi. Eiusdem de montium, sylvaram, fontium, la- caum, fluviorum, stagnorum et marium nominibus Basel, Joh. Hervaff, Sept. 1532; dises geographische WB ist von Franck im Weltbuch Bl. 17a zitirt. Lil. Greg. GyraMus aus Ferrara, de diis gentium varia et multiplex historia Basel 1518, sowie Basel, Oporin 1548 fol., wozu 1549 ein Band kam: Hyginas, Palaephatus, Fulgentius, Albricus, Ära- tus, Proclus. Die Stelle über den Priapua Chronik Bl. 98 kann aus Gyraldus (1548 p. 405 Fascinum pro Priapo) sein, warscheinlicher ist sie aus Ludov. Vives Commentar zu Augustins De civ. Dei (VII 2) Basel, Frohen 1522. 2) Es ist mir dise Sammlung nicht bekannt, ich schließe aber darauf aus Joh. Pauli, welcher widerholt sagt: Man liset in fäbtdis poetarum. Franck orwant oft den Dedalus, Icarus vnd Phaethon, Ly- caon, Midas, Tantalus. Sisyphus, Hercules, Charontis Schiff etc. 3) F. W. Genthe, Virgils 10 Belogen übers, mit Einl. über V. Leben u. Fortlehen. Magdeb. 1840. lieber die 4. Ekloge, auf Sprüche der cumäischen Sibylla (Guldin Arch Bl. 43b) gestüzt und von Leuitanz auf Christus gedeutet, vgl. J. H. Voss Anraerk., sowie Piper, Virgil als Theolog und Prophet des Heidenthums in der Kirche, Ev. Kalender XIII 1862 S. 17—82. 4) Dise Straßburg 1498 erschinene Ausgabe wird von Bentley gerümt : „non ex exemplaribus Italis iamdudum editis , sed ex manu- scriptis Germanicis expressa «sf 68 dem Evang. Job.) oder vilmer lesuis Ton Hieranymua de vallibaB oder de Padua. Ascensius gab diß in Hexametern verfaste spraeh- licbe Meisterwerk mit Argumenten und Scbolien zum Sehalgebrauch heraus (Paris 1510); in der Vorrede dankt er seinen Lerem, den frommen und gelerten Hieronymiten in Gent Auch Dominikus Mancini (1494) hatte die Leidensgeschichte Christi in elegischem Versmaß besangen. Das Gedicht De passione domini nostri J. G. erschinen in vilen Ausgaben^) war ebenso beliebt wie das andere De quattuar virttUibus earundemque officiis (Paris 1488 4^ u. ö.; c. aliis Basel 1543). / Den ^yKreuzessieg^^ oder die Himmelfart Christi von Maca- rius Mutius^ eques Camers (aus Camerino in Umbrien, Freund Pölitians)j Carmen de triumpho Christi edirte Joseph. Horlennius Segenensis zu KölHf Martin. Werdenensis 1515 mit Titelepigram- men von Buschius^ Murmellius, Tunnicius und Widmung an den sacerdos Jacobus Montanus Spirensis. (Auch in Basel etc. ge- druckt.) Ich übergehe die vilen Mariendichtungen und Heüigen'Hymnen oder Gden der Humanisten und bespreche den ^^eweiten YirgW^ (wie Trithemius u. A. rümten), den gefeiertsten Dichter zu Anfang des 16. JarhundertSy den 1448 geborenen^ als KarmeUtengeneral 1516 gestorbenen Job. Baptista (Spagnuoli) aus Mantua — Man- taantts. Von seinen vilen Dichtungen, der fruchtbare Mann hat über 50000 elegante Verse fabrizirt, waren die Eclogen (Eglogae oder Bucolica) am meisten in den Händen der Schüler und Stadenten. Es sind Idyllen, die sich von denen Theocrits und Virgüs, wie Geßners arg unterscheiden; es treten nicht Schäfer und Schäfe- rinnen in einfacher Naturliebe auf, es sind vilmer Dialoge über die Gefaren der Liebe, die Bosheiten der Weiber und die Glückselig- keit des gelerten Klosterlebens. Seitdem Mantuanus 1498 dise Jugendgedichte revidirt und mit zwei (Schluß) Idyllen vermert, wurden sie von Jod. Badius Ascensius kommentirt und in Leipzig Wol auch die schönen Sprüche über Freundschaft u. Religion. Spriohw. I 8a: Amicus amico pracco et testis. I 9a, 56b: Amor amore, amicitia amicitia venditur emiturque. II 65b: Neoessarius (= amicus) est ne- cessarius. Die Freundschaft des Dämon und Phicias Chronik 27 114b (Schillers Bürgschaft). I 119: Impietas contusa exit, pietas incipit. I 56a: Virtus oppressa altius surgit, obfuscata clarius emicat. I 109b: Iniuriae magnanimo spernendae, non ulciscendae. 1) Mir ligt vor eine in Deventer bei Rieh. Paffraed erschinene Ausgabe o. J. mit dem Titel: Quem iuvat horrendos Christi meminisse dolores Paucis: nunc parvo comparet ere sibi. Vgl. Freytag Adp. III 8 sq. De quattuor virt. neu hg. von ii, v. d. Hardt, HelmsUtdt 16918. Pie Jesuis mit Mancvnis Poemata von Th. Pulman. Antw. 1559 12. 60 sondern anch des tugendhaften Inhaltes halber (Warnung vor Weib, Vergnügen und Müßiggang), so daß er dieselben ebenfalls adOer- manicae iuventutis gratiam (Straß bürg 1508 bei M. Scbürer) her- ausgab. (Andere Ausgaben bei Suringar Erasmus p. XXXII.) Von dem Pariser Theologen Job. Ärhoreus Landunensis wurden dise Epistolae kommentirt, sowie Salomonis praverbia, Paris, JeanRoigni 1549. Des Ascensiiis poetische Blumenlese war Franck wol bekannt : Süvae moraleSf in zwölf Büchern, 1492 klein fol., in Lyon bei Job. Trechsel. Die aufgenommenen Stücke sind: fünf kleinere (tin- echte) Gedichte Virgüs (auffallender Weise aus dem echten Virgil nichts 1), Auszüge ^) aus Horaz^ Persius, Juvenäl, Ennius^ ein Gedicht des Earmeliten Baptista Mantuanus, die Tisebzacbt des Guilleaume Budi aus Paris (1467—1540), dem „eigentlichen Begründer der humanistischen Studien, besonders der griech. Sprachkenntnis in Frankreich.** Von Andrelinus (f 1518) spricht Frasmus Adagiorum opus Basel 1533 p. 414 s. v. Syracusana mensa, — Unde Fanstus An- drelinus Foroliviensis poeta, non solum laureatus, verumetiam regius atque etiam si diis placet Regineus. vetus congerro meus, qni plus quam triginta iam annos in celcberrimaParrisiorum Acaderaia poeticen doeet, in carmine quod de pavimento Parrisiensi inscripsit, adagionem in Anglos derivavit: Mensa, inquiens, Britanna placet Et haud scio ande natum sit hoc vulgatissimum apud Gallos proverbium, ut cum hominem vehementer cibo distentum velint intelligi, dicant, tarn scUur est quam Änglus. Yerum, iidem ut illis attribuunt noXvipayiav, ita nobis noXvTioaCttv adscribunt. (Also: edacitas Anglorum, bibacitas Germa- norum.) 1) Die „Figurae litterae pythagoricae" abgebildet fol. 22b. Aus- gewält sind Horaz Od. IV 7, II 14. 3. 18. 10. 16. 2, I 31; Per«u« Sat. II 61 fg. und Juvenal X 346 fg. (Gebet); Ennius (Anual. VII Freund- schaft) aus Aul. Gellius XII 4; Horaz Od. IV 8. 9, III 2, Epp. I 18. Jut?ewal XIV 1—86, 107—140, 179—246, 288—321 (Eltern- und Kindes- pflichten); dabei f. Il2b flgurae et nomina der 24 griech. Buchstaben; sodann XV 139 fg. (allgemeine Menschenliebe); Baptista Mant%Mnu8 contra podas impudice loquentes Carmen (f. 128a handelt Asc. vom Pria- puSy Franck hat noch eine andere Quelle benuzt Chron. 98); Jo. Sul- pitii Verulani (aus Verulum in der Campagna, humanistischer Lerer zu Rom unter Innocenz VIII, erster Herausgeber des Vitruv und Erklärer der Kriegsschriftsteller Vegez, Aelian und FVontin) De moribus pue- rorum Carmen iuvenile, oft einzeln oder mit Anderm gedruckt. Älanus (vgl. Alemannia VI 72) hat manches Sprichwort versifizirt, was man one die Quelle zu kennen noch heute zitirt, z. B. f. 208: De nuce üt corylus: de glande fit ardua quercus, De parvo puero saepe peritus homo. Franck Spr. I 75a, II 92: Auß kindern werden auch alt leut. f. 220: Bos semel est vitulus, semel est canis ipse catellus. f. 224: Mille viae ducunt homines per secula Romam (allegorisch für Himmel). Vile Weg^ füren nach Rom. f. 117b: non minor est risus de servo quando leva- tur In dominum — asperius nihil est humili dum surgit in altum. Franck Spr. II 93b. 61 Sulpwins Verulanus^ die moralischen Distichen des Cafo und die Parabeln des Alanus. Er begleitete sie mit einem ausfiirlichen Kommentar, worin die Metra erklärt und eine Fülle sprachlicher and sachlicher Gelersamkeit mitgeteilt ist. Die psetido-virgilischen Stücke : Vir bonus, De ludo, De livore, De Venera et vino, De litera Pythagorae, galten, auch als Virgilii epigrammata ethica betitelt, bis in die Mitte des 16. Jarhanderts als echt; Sebastian Brant hat am Ende seines Narrenschiffs den „Vir bonos'' übersezt, „der wis man'' {2jamche S. 114), den uns in seinem Oedicht gezeichnet „der hochgelobt Virgilius." So zitirt Franck im ^^Laster der Trunkenheit^^ 1528 das Gedicht De Venere et Tino : ,,Das laster hat Virgilius gehaßt, ein aygenn Carmen da- nonn gemacht." In den Paradoxen 1534 No. 58, 59: „alle ding ist gespal- ten ynd ain gabel, wie das ypsüon^ der buchstab Pi/thagore, y^ welches Yirgüius ftir die wegschaid, vn zwen weg anßlegt, nem- Kcb der tftgent vnd vntugent." Der Erläuterungen des Ascensius zu Cato erinnert sich Franck bei Abfassung der „Ouldin Arch" 1588 Bl. 166b. Aus Wimphelings Adölescentia Straßburg 1500 4^, c. addit. 1505 (die ich benuze) u. ö., stammt nicht bloß die Bezeichnung: Proverhia Senecae in Francks Spr. 1 Bl. 63b (vgl. Adol. f. 60), obwol er die Erasmische Ausgabe benuzt und den Publ, Mimus Spr. II 39b wol kennt, sondern auch mancher Spruch, z. B. Laster der Trunckenheit 1531 Bl. 12b Ovidius spricht: Die Nacht, der wein, vnd die lieb rattenn nichts rccbtschaffens. Adol. f. 51b aus Ovid.: Ck>ntra amorem, noctem et vinum. Noz et amor vinumque nihil moderabile suadent. Ula pudore caret, Liber Amorque metu ^). Spr. II 147b: Occasio facit furem = Ad. Bl. 78a. Spr. II 91b: Non est tu tum scribere in eos qui possunt pro- sdibere. I 145b: Es ist bdß wider die schreiben, die mftgen ver« treiben *). 1) Adol. fol. 75: Carmen Phüomtm (Locher) ex Plautino dicterio in Bacchidibus translatum; istoc illecebrosius Heri nihil potest, Nox: ▼inum: mulier: homini adulescentulo , quod pius auditor et rationis compos sepius perlegat, am Rande die Bemerkung: Nox noctis nocti noctem nox nocte nocebunt Per casus omnes animi sententia quadrat. 2) Macrob. Sat. II 4 med. Temporibus triumviralibus PoHio, cum fesoenninos in eum Augusius scripsisset, ait: at ego taceo; non est enim faoile in eum scribere qui potest proscribere, Laur. Vatlo bestrei- tet gleich im Anfang des Libellus de donatione Constantini den Saz: 62 Adol. Bl. 79 aas den Sententiae FranciBci Petrarche: Non est facile in eum scribere qai potest proscribere; und Ad. Bl. 78: Calamitas raro sola venit. Spr. II 63a, 143a: Nulla calamitas sola. Kein vnglück (kompt) allein. Ad. f. 79b: Veritas amittitur niminm altercando. 0. Arch Vorr. : Nimium altercando v. a. Wimphelings Adolescentia ^) war ein bedeutender Schritt hin- aas über Seb. Brants Schulbücher Cato und Facetus, jener in an- tiken Hexametern, diser in mittelalterlichen Leoninen; sie gab prosaische und poetische Stücke aus altern und neueren Autoren, und nur ganz vereinzelt noch einige Leoninen; sie veranlafite ins- besondere die Münsterer zu neuen Schulschrifben. Sie bot auch biblische Sprichwörter, und zwar des alten Testa- mentes, ex Proverbiis Salomonis, ex Ecclesiaste = Eoheleth, ex Ek^cler siastico = Sirach. Polydorus Vergüius Urbinas (f 1555 in Urbino), berümt durch die Schrift De rerum inventoribus Venedig 1499 u. ö., hatte die neutestamentalischeu {Proverbiorum libellns Venedig 1498), Erasmus die klassischen Adagia (Paris 1500) gesammelt. Buschius edirte zunächst für die Schule in Wesel, dann ad studiosorum quorumque utilitatem Diciata — ex Proverbiis sacris et Ecclesiastico. Köln, Conr. Cäsar 1518 4^. Die leoninischen Denk- verse der Proverbia communia, die schon den Bebel zu einer pro- saischen Sammlung deutscher Sprichwörter (bei Franck Spr. I 75b fg.) gereizt hatten, wurden von dem Münsterer Anton Ikinnicius (Tunniken) in klassische Hexameter umgewandelt und fast um das doppelte durch westfälische Sprichwörter vermert. Der £pi- logus an die Schuljugend weist durch seinen Inhalt auf Adol. f. 76b Moralitates pro pueris. Auch MurmeUius nam in seiner Fappa puerorum esui atque usui percocta, Köln Mart. v. Werdena 1513, lat.-deutsche Sprichwörter auf (bei JVawcÄ Spr. I 74). Ueber Fcibri de Werdea vgl. Suringar, Erasmus Einl.; Alem. V 140. Wimpheling hatte bloß aus Ovid Excerpte gegeben, flores excerpti de operibus Ouidij: cuius opera cum pueris et adolescen- tibus non sint integre tradenda: utile tarnen est honestiores sen- tentias non preterire preeipue que ad mores attinent : et que apud sacros doctores et ipsas legum glosas passim inveniuntur. Murmellius Chrestomathie, deren Ueberschriften mit denen Nolo scribere in eos qui possunt proscr., da es die höchste Tagend sei, wie es den höchsten Rum und Lon verdiene, zur Verteidigung der War- heit und des Rechtes das irdische Leben aufzuopfern und das himm- lische Vaterland zu erreichen. 1) Vgl. F. A. Lcuige, die Schlettstadter Schule in Schmids Pädag. Encyd. 64 I 74a Amor amaror (aus Bapt. Mant.). B. Plaut, ex Cassina: Amare occipere amarum est. I 28b Pudor seni pudor, iuveni decor (wol von Franck in diser prägnanten Weise). B. PL Decet verecundum esse adulescentem. In adulescentibus indicium e8t probi ingenii verecim- dia, in senibus vero nullo modo. — Diogenes: mbor est color virtutis. II 23a Gaudii moeror est comes. . B. PI. Voluptati maeror comes. Franck hatte demnach, wie wir sehen, aus den Quellen la- teinischer Poesie eifrig schon als Student geschepft und merte auch später seinen erworbenen Schaz. Wie sah es aus mit seiner Kenntnis des Hebräischen? Chronik Bl. 2 : Gottes zehen namen in der heiligen schrifft, der erst Hl laut stark, der ander FAoe dz laut forcht, der iij. Sabaoth^ das' ist ein Fürst der himmlischen h6rscharen, der iiij. Zelion oder Bamathel^ das laut der hoch gott, der v. Eyd das laut, der da ist, der vj. Adonay, das laut der Herr, der vij. heißt Tay das laut heiliger geist, der viij. Tetragrammatofiy das ist der vnaussprechlich namen, dauon oben, der ix. Saday dz laut AU- mechtig, der x. Eloym dz laut die götlich maiestat vnd drey einigkeif . Ebenso Quid. Arch 39b: die vier vnleslich buchstaben — deuten nicht dann ein ploß, ist^ oder sein, dann Hih laut bey den Juden sein, dauon der vnleslich nam Gottes herkompt, Jhuh^ so wir Jehouah lesen, sonst hat er von seiner art vnd krafft neun nam- menn — — Elpim (1. Eloym) laut die allwissend Göttlich Ma- yestet. Man sieht, daß er die Buchstaben Ajin :? und ^ Zade ver- wechselt, denn es gibt kein Zelion^ sondern yvis^ LXX o vtf^WTog; der andere Name ist aus Psalm 149, 6 : *^N niüQ'n Vulg, exal- tationes dei. Da die Hebräer von der Rechten zur Linken lesen, so ist Eyel falsch : "»n bwV, 6 9ebg ^(Zv. Statt eloe (elohej) = stat. constr. von elohim war der Singular eloah zu sezen ; niCin>nni> VII 1 6 82 11 Von dem Amethyst^), In dem Werke: j^AdeUche Weyd- toercke \ Das ist^ | Aufifährliche Beschreibung vom Jagen^ anjeteo von neuem an Tag gegeben und zum \ Druck be- fiedert. I Franckfurt am Mayn \ Bey Joh, Wühelm Anmon und Wilh. Serlin Buchh. | Im Jahr 166 1^ C4.) stet 8. 257 i^er die Wunderkraft des Amethystes folgendes zu lesen: Daß ein Jäger gut Glück zum jagen habe. Wiewol Glück und alle Güte allein von Gott kommen, so schreiben doch soDsten die Naturkündiger vom AmeÜUBten, wann den die Jäger und Waydlenthe bey sich tragen, so sollen sie zur Jagt und zum Streit gut Glück haben, und Barth. Anglicus vom Lipparo Lapide: wer den hat, and da- rein sihet, zu dem kombt alles Wild, und sihet ihn an. — Kurz vorher (8. 253)^ unter der üeberschAft: „Daß einem die Hirsch biß in die Netze nachfolgen ^ Es schreibet Barth. Angli- ' cus vom Lipparo Lapide, wer den hat, und darein sihet, zu dem kombt alles Wild, und sihet ihn an. So schreiben sonst die Na- turkündiger vom Araethisten, daß, wann den die Jäger und Weyd- leute bey sich tragen, so sollen sie gut Glück zur Jagt, und zum Streit haben (Erk). In K. von Megeffbergs Buch der Natur (Pfeiffer 432) heifit es: der stain h&t die kraft, daz er der trunkenhait widerst^t und macht den menschen wächig und vertreibt die poe- sen gedänk und pringt guot Vernunft u. s. w. Das biblisch Edeh gesteinbüMein^ das ist Abcontrofähurg , beschreibung und Geist- liche bedeutung der 12 Edelgestein ti. s. w. durch Jacöbum 8chop- perum 1614 8. 171: machet den Menschen wacker und sittsam vertreibet die trunckenheit und so er auf den Nabel gebunden wird, soll er die Trunckenheit verhindern und au£Fhalten, auch mr Jagt und zum Streit grosse Krafft haben, das Gedächtniß schär- pffen vnd den Schlaff wehren, auß vrsachen, daß er die Dünste zum Haupt nit steigen last. Man achtet auch darfür, daß er dem Gift widersteht. - 12 rfGibt es auch aufiernatürliche Kranckheiten und ZufäUe und was ist von den Bezauberungen zu halten? Daß die ganze Machina Menschlichen Leibes dem Leibe nach aus lauter natür- Hearathen also blind übersehen, daß sie zum öfteru Weiber freien, die nicht einmal wissen, wie die Küchen-Kräuter wachsen, geschweige daß sie gelernet hätten wie sie es kochen sollen, dahero oft einem besser wäre er gienge mit manchen Schweinen als mit solchen Herren zu Ta- fel. 2) Andere haben gewont so köstlich zu kochen und zu essen, daß sie es im Anfange ihrer Ehe also übermachen, daß sie es bis ans End schwerlich hinausbringen , sondern froh werden wann sie hernach aus dem Garten nur etwas Gutes kochen können*' u. s. w. 1) Nach Weigand> DW I MO (1873) sollen die Griechen dem Amethysten die Eigenschaft, daß er den Rausch stille, beigelegt haben. Griech. lat. afjii&vatog, amethy stus, franz. am^thyste, darauß mittelhochd. der amethiste, amatist, ammetiste. Vgl. Lexer 1 51. (Erk.) 83 liehen Tbeilen suBanimengesetzt seye, lig^ klar genug am Tage« Ob aber also das natürliche mit wahrer Aasser-NatürJichkeit werde und könne überfedlen werden, davon lasse einem jeden seine Mei- nung frey nnd sage allein, daß, wann es aossernatürliche Krank- heiten oder ZnföUe gäbe und geben sollte, die van Teuffeiischen Säften herrühren und daß solche zu curieren ein bloß natürlicher Henech gans untauglich seye. Daß es aber heMuberte Zufälle gebe^ geben habe und noch geben könne, das will ich nicht sog^ wider- sprechen, ob ich schon davon in meiner vier- und dreißigjährigen Praxi kein wahrhaftes Exempel gesehen habe und noch keines zu sehen verlange/ Instituiiones Chirurgiae — kurze und cdlgemeine Lehre von der Wund-Ärteney — von Franz Widenmann^ der tayserl. freyen Eeichs-Stadt Augsburg — Augen- Schnitt- und Wundarzt. Augsburg Lotter 1734 S. 81 ff. ABirlinger Volkstümliches: SittengeschicIitlicheSy Rechts- altertfimliches 1 Ein Instrumenium Notariatus iJÜber die beschehene solenne Pössessionsergreifung deß an Seine Herzogl. Durchl, zu Württem- berg von dem Freyherm von Bouwinghausen käuflich überlassenen AfUheüs an ÄUburg (bei Calw) und Weltenschwan vollzogen den 25. und 26. Junij 1759 — enthält folgende Bestimmungen. Bei langer formel voller Besizergreifung des Schlosses durch den wir- temb. Cüommissar ward der Schloß- und Gartenschlüßel nebst au- thentischem Lagerbuche, Documenten und Lit'teralien „tradirt und übergeben*'. »Wie nun der herzoglich württembergische Herr Commissarius sothane Tradition sogleich feierlichst acceptiert und somit durch Aufmachung eines Feuers im Schloß, Malerei und Jägerey Haiuß deren Possession in toto complexu et pleno jure er- griffen.*^ Nach einer Ermanungsrede dem neuen Landesherm Un- tertan zu sein, erhielt jeder Bedienstete eine Gratification : 1 Maß Weiii und vor 2 Krz. Brot zu einer ^ Ergötzlichkeit*'. Nach di- lem Besten sich beide Gommissarien mit dem Notar auf die Pferde und ritten in die Waldungen, wo die beiden Forstknechte sich auf Anordnung dos Forstmeisters von Wechmar in Neuenbürg einfan- den^ sowie ein Dorfschüze. Nach den geschäftlichen Vorbereitungen, Berechnen der Flachen u. s. w. gieng es zu der von Bouwinghausen angelegten Hirschsulze (Lecke), allwo von dem v. Bouwinghausi- ■chen Mandatario ein Zweig von einer Eichen abgehauen^ dem her* Mogk württemb. Herrn Commissario in Händen gegeben, von denen heeden Forstknechtent weU man, um der angeblümten schönen Fd- 84 der wiUen, nkht treiben lassen können, sich auch s S* 60a Anmerkung: inter antiqua navium genera recensentur 96 Lordennen^\ Hoochbaerden, Dootslegers^ GasthuyBenif Yloetacheepen, Swartescheepen , et qoae huo feMsiant BeyUlschepen. WeiBtümer II 223 : Beitgelschif n. nayigium oblongnm et angastum, zu Beytel, Beißel. Diefenb. Gloss. s. v. Pristis. VI 52: Wan du tvilt das Töchterlein ^ han sib VI 159 ff. wo eine Variante stet. — S. 173: 8L Huberti Schlüßel vgl. Alem. ni 265. V 62. VI 177 Judaskuß : Judas Kuß ist worden neu, | Gute Wort und falscbe Treu? | Lach mich an und gib mich hin | Ist jetzund der Welt ihr Sinn. | — Weist du nicht ? | Daß treuer Freund, ein seltzam Gast | den Melonen gleich zu scheteen; | Fünfzig Körner must du setzen. Eh dann du einen guten hast u. s. w. Abele, Seltzame Gerichtshändel 1654 S. 131. VI 201 ff. 206 V. 236 ff. Ueher das Schüeenfest eu Wem- felden 1558 list man in den Eidg. Abschieden Bd. IV 2, 1012: „Lucas Ulmer Vogt zu Weinfelden hatte ebne Bewilligung des Land- vogts an gemeine Orte der Eidgenossenschaft u. a. m. ein Frei- schießen aasgeschrieben, welches stark besucht worden; da der- selbe aber durch Schinderei und Allefanz die Sache so getrieben hat, daß er für seine ausgesetzten Gaben wohl lOfach entschädigt worden ; da er ferner in seinem Einladungsschreiben an den Fugger in Augsburg denselben Herr zu Weinfelden genannt hat, so >iirird der Antrag, daß in Zukunft niemand mehr in den gemeinen Vog- teien sich solches ohne Bewilligung der Obrigkeit erlauben dürfe, in den Abschied genommen. Auch wird Ulmer auf künftige Tag- satzung citirt, um sich zu yerantworten. " JMeyer V 92: Verena- JBeuilinsloch. „Der Antiquarius des Nekar- stroms, aus welchem meines Wißens zuerst Rochholz in seinen drei Gaugöttinnen die Nachricht von unsrer schwäbischen Verena geschepfb hat, ist keineswegs die älteste Quelle ; yilmer erzält schon CrusiasAnn. Suev. Paral. 10 die Sage vom „Frena-Beutlinsloch^ aus- fürlich. Aus im schepften, zum Teile abändernd (wol nach ungenauer Erinnerung), zum Teile zusezend, Sattler (historische Beschr. etc. 2, 98 ; topographische Gesch. 366) , Schwab (Neckarseite 146), Griesinger ( Universallex. etc. 1483). An Ort und Stelle ist die Sage erloschen, selbst die Hole war in Vergeßenheit geraten und nur der schlotartige Ausläufer, der oben auf der Bergfläche mün- det, unter dem Namen Fronenloch bekannt, biß im Anfang des vorigen Jarzehnts nach Crusius' Angaben die Hole wider aufge- sucht und die gelbe Sickererde, womit sie erfüllt war, daraus ent- fernt ward." Vgl. Ausftirliches darüber in des Verfaßers obiger brieflicher Mitteilung schönem Buche „Nebclsagen^ von Ludwig Laistner Stuttgart Spemann 1879 S. 292 ff. worüber die Alem. noch näheren Bericht geben wird. ABirlinger 1) „Zur Lordannefi, Laurdannen" einst Name eines Hauses am Markte zu Bonn. Lagerb. ed. Pick. 97 Josna ülslieiiiiers Reisen nach Guinea nnd Besclireibnng des Landes^) Ich teile ans der Handschrift die Fortseznng der Reisen Dlsheimers mit, indem ich für dißmal ans dem zweiten Teile der Seisebeschreibnng diejenigen Kapitel answäle, welche sich anf Guinea beziehen. Der Rest behandelt die Reisen Ulsheimers nach Ostindien and wird später veröffentlicht werden. Zar Vergleichung habe ich die folgenden gegen Ende des 16. nod zn Anfang des 17. Jarhunderts erschinenen Beschreibungen Ton Gkiinea herangezogen, welche indes Ulsheiroer selbst kaam hei Ab£Mi8ang der seinigen benuzte. Johannes Hugo Linscotanas W seiner Navigatio ac Itinerarium — in Orientalem sive Lusita- ooinm Indiam (Hagae-Comitis 1599) eine Descriptio totius Guineae tractos, Gongiy Angolae, et Monomotapae beigefügt, dieselbe be- rfirt Ober-Gninea nur kurz und verweilt hauptsächlich hei Congo und Angola. Ausfürlicher ist die „Warhafftige Historische Be- ichreibang deß Gewaltigen Goldreichen Königreichs Guinea, sonst das Ck)ldgeBtad von Mina genandt — Auß Niederländischer Ver- leichnaß, in Hochteutscher Sprache beschrieben durch M. Gotthardt Arthus von Dantzig. Alles — mit schonen EupfferstAcken ge- lieret, vnd an Tag gehen. Durch Johann Theodor vnd Johann Israel von Bry, GebrAder.*^ (Franckfurt am Mayn, In Verlegung Wilhelm Fitzers, Anno MDCXXX.) Es bildet den 6. Teil der großen Sammlung von Reisebeschreibungen^ die unter dem Titel «Der Orientalischen Indien '^ herauskam. Der 12. Teil derselben Sammlung (Gedruckt zu Franckfurt am Mäyn, bey Caspar R5tel, In Verlegung Wilhelm Fitzers 1628) enthält einen „Anbang der Beschreibung deß Königreichs Congo. Innbaltend, FAnff Schif- &rien Samuel Brauns Burgers vnd Wundartzt zu Basel, so er — b vnderschiedliche weit entlegene frembde Königreich vnd Land- sehafiFlen glücklich gethan" etc. Braun gibt eine genaue Beschrei- bang von Nider-Guinea und von der Goldküste, welche leztere er 1617 unter der Expedition des Generals Calancio besuchte. Der Ander Thaü. Das Erste Capittd. Von der Ersten Beiße m Africam und erstlich hiß auf Bio de Benin, Alldieweil ich nun den früling zue Amsterdam zu brachte, waren von Genuesischer Compania zwey schif zu gericht, nacher Giiwea anf die Qoldkust zu fahren (welche in Africa ligt und ihren Anfang su Capo Baimas ^) 4 Grad von der Linea Equinoctiali ü 1) Alem. VI 90 ff. POmea Hs. VU2 9d nemet biß nacher kust Acora ob Monte ^), alß in die 120 meilen sich erstreckht). Dariber ist Scbifherr geweßt mein alter Capitani, mit dem ich zuvor 2 mal in Westindia geweßen bin, Namens Cornelius Hanßen. Auf dißer Schifffart nun hab ich mich aber- mahlen für einen wundartzet gebraueben lallen. Seind demnach, alß wier auß gefertiget geweßt, von Amsterdam in Anno 1603 im Mayen ausgeraißet, und haben unßern Curs auf die Goldkust von Nova Guinea genommen. Alß wier under Engellandt kommen, seind wier von einem Contrari wind nach Pleymuie*) getriben worden, alda wier zwen Monat still ligen und auf den wind haben warten mießen. Da wier nun guten wind bekhommen> seind wier in Gottes Nammen fort gesegelt und erstlich hinder der Barbari kommen auf G. Verde 13Va grad oberhalb der Equinoctial Linea gegen uns hero gelegen. Daselbsten haben wier eine Schlup *} (welches ein klein Schiflein von ungefähr 12 lasten ist) aufge- setzet, und sein fürter die kust längs geseglet, auch endtlich in die Grrem oder Graan kust*) khommen, aber in keinen Hafen ge- lofen, sondern immer vort gesegelt, doch seind die Schwartzen oder Moren mit Lemonen an Bortt khommen, und haben anß Bomerantzen, Lemonen, Ziteronen, Benanes und sonsten allerhand fruchten, auch EUephanten zän gebracht und eingetauschet, son- derlich brachten sie vil Mäloget^) daß ist reß ®) wie pfeffer, und gut in der speiß zu brauchen. Darnach seind wier [an] die kust C Palmcts wie auch Quak- qua (das ist Teutsch souil alß wiUkhome) kommen ^). Dißes ist ein heßliches volckh, sie feilen die zftn spitzig, wie die hundszen ^), und seind Menschenfresser. Daselbsten hept es an Gold zu geben. 1) unten JJcra genannt. 2) Plymouth. 3) Schaluppe (chaloupe), die von ülsheimer gebrauchte Form schließt sich enger an das Niederländisohe sloep an, woraus das fran- zösische Wort erst entlent scheint. 4) Kömerküste (Pfefiferküste), von engl, coast of grain. 5) Ein Gewürz, welches bereits vor der Entdeckung Guineas aus der Berberei nach Italien eingefürt wurde, die sogen. Paradieskörner. Es stammt von einer Art Ingwer (Amomum Grana Paradisi L.), den die ^ Portugiesen Malagheta (Melegueta Manigueta) nannten. Weil man in für eine Art von Pfeffer hielt, bekam die Küste den Namen. 6) räß (mhd. raeee) =x scharf, herb von Geschmack, von einem Verb, das in der Ableitung ratzen (kratzen) noch vorkommt. 7) Auf der Zan- oder Elfenbeinküste y welche am Cap Palmas be- mnnt, unterschid man früher die Küste der bösen und der guten Leute. Die lezteren sind die Quaquanegefj welche von irem Gruß „Quaqua*', den sie bei jeder Gelegenheit hören lassen, disen Namen erhielten. 8} Diß wird auch sonst von einigen Negerstämmen der Zanküste berichtet und als Beweis der Anthropophagie angesehen. Freilich würde es zu der Bezeichnung der Quaquaneger als der guten Leute nicht passen, wenn es auch von inen gälte. 99 • Dtmach seind wier imer fordt gesegelt, auf das C. de S puntas^ an welchem ort sich der recht Goldkust anhebt. Endtlich haben wier SU Commenda^) (ist ein dorff) das schiff an einen anckher gel^^, nnd haben daselbst eili Zeitlang mit den Schwartzen ge- htndlet. Darnach sein wier anff C. de Corsa ^) geschifft, ligt eine meil ander dem Gastel^), daselbsten ist das schif etlich Monat lang gelegen, nnd haben wier mit den Schwartzen gehandelt. Weil wier alda gelegen, ist anf ein zeit ein Schif zn uns auf die küst kommen, welches von Graff Moritzen auß Niederlandt selb ander anßgefertiget worden, aber auf dem Meer durch ein fortnn fon seinem zngebnen schif verworffen, und ein orlochschif das ist ein hollendisch Kriegschif genent worden. Derselbige Gapitani hat ooßem General angesprochen, daß er imme ein Man oder dreyssig gebe, er wolt das Castel ^) einnehmen, solches verwilliget im nit allein nnßer General sondern zog auch selbsten mit ans landt, da sie sich dan in 130 Man starckh mit mußqueten hämisch und langen spießen und ander notturfft zum streitt wohl armiert be- landen. Alß sie aber von Gommenda auf das Castel zue marsierten, begegnet inen etlich taussendt Schwartzen, in meinung die nnßem 1) Cap der drei Spieen (de tres puntas), von den Portugiesen 10 benannt wegen der drei kleinen dicht neben einander ligenden Spiien oder Berge, aas denen es bestet. Andere beginnen die Gold- töste etwas westlicher bei dem Assinie-Fluß. — Hs. puntes. 2) Commenda oder Commendo (Portugiesisch Aldea das Terras), ein Dorf und Hafen, noch im westlichen Teil der Goldküste, auf wel- chem die Holländer die Forts S, Sebastian und (1688) Vredenburg an- legten. 8) Cap Corso, jezt gewönlioh in der engl. Namensform Cape Coast genannt. 4) Gemeint ist das Castell Elmina, welches etwas westlicher als Gip Coast ligt. Das auf dem lezteren befindliche Castell wurde erst 1663 von den Schweden angelegt. 5) Das Castell Elmina wurde auf dem Grunde einer zwischen 1388 — 86 von Normännern aus Rouen und Dieppe angelegten und um ^ Mitte des 16. Jarhunderts verlassenen Ansidelung im Jare 1484 von den Portugiesen erbaut, welche, wie Arthus S. 90 erzalt, zu disem fikrhtbenden Bau etliche Schiffe mit Kalk und Steinen, neben' andern Inatramenten und allerhand Werkgezeug aus Portugal verschriben. Von (^i>em befestigten Punkte aus versuchten die Portugiesen, allerdings ▼ergeblieh, sich das Monopol des Goldhandels auf der Küste zu ver- "cbaffen ; besonders die Niderländer wüsten sich einen Anteil daran zu ^ifthenu Gegen dise nun wurde von Elmina aus der heftigste Kampf S^fört, als Philipp n. von Spanien auch Herr über Portugal geworden ^. 8. Arthus S. 92 — 99, wo sich auch eine Abbildung des Castells findet. Deshalb legten die Niderländer zum Schuz ires Handels 1612 Y^ Meüeu östlich von Elmina das Fort Nassau an (s. über dise Grün- daiiff den Bericht von Samuel Braun in dessen Fünff Schiffarten S. 25 f.), ^wSch gelang es inen 1637 Elmina selbst durch List wegzunemen. 100 sramckh zatreibeD, und zu schlagen, derowegen wier, alß wier solchen großen hauffen gesehen, ein Ordnung gemacht, and einen halben Mon hoch von Sand vor ans aufgeworffen, wie aach die schif, welche nitweit von land gelegen seind, mit schießen dapffer af die Schwartzen getroffen haben. Indeßen begieng anßer General xind besagter Hauptmann ein gantz unbedechtlich stuckh, darumb sie auch daß leben geben mießen, dan sie giengen sampt einem jungen zun Schwartzen hin, und vermeinten sie wolten den Schwartzen* bereden, das dieSchwartze (weil wier nun des Castell begerten) zu friden sein und uns ziehen laßen solten. Aber die Schwartzen verstunden den handel nit recht, dan der General bil- det im hohe sachen ein, kundte auch zimlich schwatzen, dardurch er zum General worden war, aber nit der Man darnach, wie sich hie befunden. Dan indem sie zue den Schwartzen giengen, winckhet er inen mit der handt und schreyet paish paish paish, ist Spanisch pas pas pas, Frantzösisch paix paix paix, Teütsch Frid Frid Frid, meinet nit änderst dan sie wurden alß kinder oder alß seine an- dergebene gleich auf sein fridbot geben, und ihre wehr niderlegen. Aber sie achteten seiner Narey eben so wenig, alß in Anno 1601 die belagerten Türckhen, in Canischen, des Cappuciners Münchs meß, der dardurch der Türckhen geschütz beschweren oder ge- stellen wolte, das sie nit mer darauß auf die Christen schießen köndten. Dan wie selbige Türckhen den Münch von seinem altar, den er vor der vestung hat laßen aufrichten, hinweg und sampt dem a|tar zu trimern verschoßen, also haben diße wilde Morön dißen unßern General sampt dem Hauptman und Jungen unge- achtet ihres fridbots ergriffen, und inen die köpff abgeschlagen, auch hernach außgehület, und noch ehe wier von daneiv gezogen, daraus getrunckhen, den jenigen, der den General erlegt, ward von den Schwartzen ein kusten oder truchen voller messer spiegl und gläsierene korallen oder poterlen für seine riterliche thatten ver- ehret. Auf solches meinten die Schwartzen, sie beten unß schon gantz erlegt und geschlagen, lieffen derohalben mit einem grew- lichen geschrey auf uns, alß derfften sie nur die beit holen, aber es ward sie zu bald gerewen. Dan unßere Mußquetierer fiengen an fewr zu geben, dardurch gar bald vil Schwartzen zu boden erlegt worden, rißen derohalben aus, und gaben die flucht, der eine da* der ander dort hinaus, und weil wier keinen General und jene keinen Hauptman mer baten, zogen wier unverrichter sachen wider von landt ab, über diß besorgten wier auch, die Spanier mochten noch einen hinderhalt haben. Nach solchem verordneten und erkivßeteu wier einen andern General, Adrian vmi Oust genant, derselb schickhto mich mit einer wohl außgerüsten, und mit mußqueten, groben geschütz und andere zugehör woll armirter Schlnp selb vierzehendt nach Benin. 101 Bas Ander Capittd. Wie ich in Benin kommen und was sich dornen eugetragen. Da wier nnn also außgefertiget waren, segleten wier von Cap Gore anß nacher Ackra^)^ alda man das beste Gold findet, von dannen anff Arden^)y daselbst haben wier ein Portogallisch schiff angetroffen, and mit inen ungevärdb 2 stundt geschütz geverdt gebalten. Endtlich aber weil sie uns zu starckh geweßt, sie wfidemmb verlaßen, und seind vort gesegelt, nacher Rio de Logo *), da wier eingeloffen. Im einlaufen seind wier mit der Schlup auf den grund khommen, und in gevahr leibs und guts gestanden, wier dan yil kessel und beckhet aus geworffen, die Schlup leicht ni machen, endtlich seind wier aber mit Gottes hilff wider darab khommen, und der Statt zu gesegelt, welche dem König von Benin (der in die sibenhundert weiber hat, und ein mechtiger könig ist) 20 gehöret. Es begab sich aber eben zur selben zeit, das ein an- dere seiner Statt rebelliert, die er, weil die Statt umbmauret war, und sie daselbsten kein geschütz haben, so leicht nicht zwingen kente, ließ derohalben der König uns ansprechen, wier solten ime helffen, dieselbe Stat wider zu gehorsam bringen, welchem wier wflforten, und zogen unßer zwelf mit 2 stuckhen großes geschützes mit den Schwartzen, deren in 1000 waren, für die Stat umb- ligerte man. Wier aber stelleten das geschütz für ein thor. Deß andern tages schickht unß der feldobirster ein gaiß und zwuc bennen, begerende wier solten solches unßerm Gott opffern, welches Opffer wier gleich ime wider schickhten, und ine beandtworteten, das außer Gott weder gaiß noch hüener esse, derohalben er uns « biten laßen, wier wolten unßern Gott auf unßere weiße ehren. Sie opfferten aber denselben tag dem Teufel (den sie daselbst *ftr einen Gott halten) zwen Menschen, siben hundt, drey ochßen, swelf gaißen und über die hundert hüener. Alß solches volbracht war, fiengen wier an auf die Statt zue schießen, einen halben tag, biß wier das thor hinein geschoßen haben, nach welchem die Schwartzen mit aller macht hinein gefallen, die stat überweltiget 1) Akra ist ein Landstrich im östlichen Teile der Goldküste, wo jeat die Fort James (engl.), Crevecoeur (holl.) und Cbristiansburg (engl.) ligien. 2) Ardra auf der Sklavenküste, 10 Meilen westlich vom Rio Lage, fgl. Arthus, welcher S. 100 berichtet, die Küste vom Rio de Yolta an, welcher die Ostgrenze der Goldküsto bildet, werde weg^en der gofar- liehen Sohiffart selten besucht „biß an Bio de Ardra. Diß Revier oder Oegendt wirdt sehr von den Portugesen besucht, und ist weit und breyt beunt» nicht zwar als wann es so ein gut Land were, sondern wegen der Hänge der Schlaven oder Leibeygenen, so daselbst verkaufft werden''. 8) Der Lagos, ein bedeutender Küstenfluß der Sklavenküstc, un- gefiur auf der Grenze nach Benin gelegen. 102 und erobert, auch alle wehrhaften manspersonen darinen niderge- hawen, die weiber nud kinder aber gefangen, ander sich getheilt, auch unßerm yeden ein weib gegeben, Endtlich aber die Statt ver- brendt und in boden gesohlaifft haben. Endtlich seind wier mit großem Triumpf wider nach er Sio de Lago gezogen, da uns dan der König nit allein finff lest pfeffer geschenckht, sonder auch durch sein abgeordnete uns auf allerley weiße groß ehr hat anthun lassen. Von danen zogen wüer auf Benin die große stat, da der König sein Residentz hat^, daselbsten die schlup vollendt mit pfefPer zuladen. Alß wier nun dahin khommen, ließ uns der König dapffer empfangen, wie er dan uns zu gefallen sein Königlich fest, welches er alle jähr nun einmahl (daran sich also jährlich der König nur einmal von dem volckh sehen laßt) begehet, gehalten und sonst groß Ehr erzeigt hat. Weil wier under deß nun mehr pfeffer geladen, nammen wier unßern abschaide. Das drit Capittel. Wie toir von Benin unfier Schlup weiter auf Cäbo de Lopo Gonzalva, auch endtlich auf die hast gefahren, und was unß begegnet. Alß wier zu Benin fertig geweßt und abgesegelt, haben wier unßern Gurs genommen auff Bio de Camerones ^) und Bio de B^ ungeyahrlich 7 oder 8 grad ober der Linea Equinoctiali gegen uns hero gelegen, da wier Ellephanten zän umb unßere waren einge- tauschet haben. Da wier erstlich ankhoromen in Bio de Camerones^ seind die Schwartzen mit sechtzig Canoen^) (das seind ihre schiff) auf uns zu gefahren, m. meinung uns zu überfallen, derhalben wier uns in der schlupp mit tuechem und schantzsegel woU verschantzt, auch das geschütz fertig gemacht, aber mit dem Ipßbrinen verzogen haben, biß sie gar nahe khommen, das wier mit gutem vortheil anheben fewr zugeben y ab welchem ungewöhnlichen und un ver- sehenlichen feur und donnern, sich zu salvieren, under das wassei gestürtzet, und die flucht gegeben, dan wier ihrw vil erschossen haben. Deß andern tags seind wier zu zwuo Canoen^) khommen. Die Schwartzen hielten von fernen, taucheten imer mit einem finget ins Wasser, und hielten in also naß über das rechte *aug. Wiei 1) Eine genaue Beschreibung der Stadt gibt Arthus S. 101. 2) Der Camerun mündet unter 4° n. B. in die Bai von Biafrs gegenüber Fernando del Po. Westlich davon fließt nach der Karte bei Linscotanus der Bio Beal ins Meer. Samuel Braun S. 14 freilich hat eine andere Beibenfolge: Auf .solches (von Benin aus) sind wir nach dem Land von Ambosy und Camarona, Rio de Anikare und Rio del Ree gefahren. ' 3) Ganonen Hs. 4) Hs. Ganonen. 108 kundten du wißen was sie damit meinten (sie wolten aber damit orknndigen, ob wier frid halten und handien wolten oder nicht). EndÜich sagt ich wier wolten es auch also machen, wie geschehen. So bald wiers nun auch also gemacht, seind sie gleich zu uns an bort gefahren, und haben gefragt was wier wolten. Weil wier aber nit mit inen reden kundten, zeigten wier inen Messer Beckheter und falsche Corallen, mit glaß gemacht, haben inen beneben mit deu- ten und wiockhen zuverstehen geben, was wier dargegen beger- then, bliben also in die drey wochen bei inen, und handelten mit inen fümemlich mit Ellephanten zän. Sie aber thetten nit dergleichen einmal, das ob sie wüsten, alß sie uns zu überfallen heten wollen. Nachdem wier nun in dißen dreyen wochen vill EUlephanten zän bekhommen, seind wier weiter vort und erstlich wad Rio de Qangra^), von danen aber auf Capo de Lopo GonzcUva^) gefahren. Dißer ort ligt schon einen g^^tzen gradum über die Equinoctiali Lini oder Mitl Lini der weit, und muß man sich da- •elbsten schon des poli antarctici (dan man unßem polum nicht mehr sehen kan) uf den schifen gebrauchen. Wier drafen aldort ein Frantzösisch schif an, waren aber Freybeiter und brachten unsBrott, aber wier traweten nicht, son- dern macheten uns bald von danen, und segelten strackhs durch den Equinoctialem wider der kust von Ghiinea zu mit pfeffer und Ellephanten zän wolbeladen. Derwegen unßer General ein schif mit Ellephanten zän und Benenischen Pfeffer auch (weil die kust von Guinea jährlich fünff- lehen oder sechszehenhundert pfund golds liferte) mit 1600 Pfd. golds laden ließ, nacher haus in Hollandt zu seglen, auff solches WBT ich vom General doch mit einem guten willen auch geordnet. Das Vierte CapUtel. Wie ich von Gmnea wider nacher Hol- landt gereißet und ich underwegen von den Menschenfressern ge- fangen^ aber endüich glickhlich zu hatifi ankhomen seye. Alß wier nun von unßem General abgefertiget geweßt, haben wier unßem weeg nach hauße ^nommen und seind erstlich nf Rio de Gangra gleich ob Rio Cambo^)^ nit über 3 grad von der Equinoctiali Lini gegen uns herwerts gelegen, zu gesegelt, alda etlich kupffere ring und messen beckhet, die wier noch übrig haben, vollend znverhandtlen. Da wier nun in die Refier khom- men, haben wier unßere schif in anckher gelegt, und einen schuß 1) Der Rio de Angra mündet unter 1^ n. B. in die ßai Corisoo. y,Die Insel Corisco bat den Namen von den Portugesen bekommen, da- mmb daß es auf derselben viel Ungewitter gibt, mit Donnern, Blitzen oder Wetterleuchten, und großen Uegen, daß es also daselbst nit gut wonen ist.*' Arthus S. 105. 2) Cap Lopez, l^ s. B. Hb. Cape delopo Gonzxda. 8) Rio de Gahom bei Arthus S. 106» Köniffreioh Caponu bei Sa- muel Braun S. 16. Es ist die Bai von Gaben oder Gabun Vt^ ^* ^* 104 auß einem großen stuckh gethan, mit welchem wier den Schwär* tzen ein zeichen geben, das sie an bort kommen solten. Alß sie kämmen, brachten sie Ellephanten zän ^) nnd roten Sandel, die haben sie mit nns gegen kupffere ring nnd messine beckhen verstochen. Weil sich nun die Schwartzen gantz freindt^ lieh gegen nns stelleten, tribe mich der f&rwitz, das ich den Ga- pitan ansprach mich mit den Schwartzen nacher landt fahren, nn- gevahr ein meilwegs vom schif. Da mich ihr König freundtlich empfangen nnd in sein hüten gefüehret, anch brott von Benaxines gemacht (dan sie haben sonsten keines, weder was 'sie von geder- ten Benannes machen) wie nit weniger Wein de palm gegeben,' also mit mir gezeret und gnts mute geweßt. Inn dem wier also frölich waren^ kämmen ein hänfen Schwartzen dahin, f&r des Königs hüten gelofen, die stellet sich gar zornig, und sagten spanisch zu mir, es heten sie mein volckh betrogen, dan dieselben inen ring zu kaufifen gegeben, die kein niitz seyen, angesehen dieselb sie entzwey brechen kennen, wie auch an im selpst war geweßen. Es seind aber nit wier, sonder die Kupfferschmid die sie gemacht daran schuldig ' geweßt, nichts desto weniger weiten sie von mir haben und mich zwingen, ich solte dieselben wider machen, oder sie weiten mich nicht mehr an den bort laßen, sondern fressen, und redeten mir gar spöttisch zu, ja die weiber tantzeten schon umb mich her, ireweten sich und sungen, nammen mich bey der band, und steleten sich alß weiten sie mir drein beißen, sie grifen mich auch ferer an den leib, ob ich faist sey, und bestellet schon ein yedwederer theil an mir. Hie laß ich ein jeden verstendigen selbst judicieren wie mir zumuot geweßt seye. Ich versprach inen aber die Ring wider zu machen, wan sie mich in das schiff ließen, dan da selbst, sagt ich, het ich den werckhzeug darzu. Aber sie weiten es nit thun, sonder ich solte es bey inen machen, oder sie weiten mich freßen. Derwegen ich nochmahlen zu dem König begert. Den bat ich er solt zu dem schiff schickhen, und mir den werckhzeug hellen laßen, so woldte ich die zerbrochne ring wider machen, sagte beneben ich wolt inen ein Wortzeichen mit geben, das sollen sie dem Capitan zu stellen, so werde er inen die Sache, dar mit er inen die ring wider machen kenne, Ufern, die sagte er mir zue. Es kam aber selben tag kein Cannoa mehr an bort, mieste ich also warten biß an Morgen. Ueber nacht füehren sie mich in ein hüten, gleich hart an des königs hüten, darinen muste ich zwischen zweyen weibem, die mich bewareten, ligen, und wa ich gieng, da giengen sie neben mir her. Ümb miternacht hub der König an, auf eim eißern gemecht wie ein Schell klopffen, redete 1) Arthus S. 106: und wirdt viel Elffenbeyn daselbst (zu Angra) vertauschet. 105 imd sung auch durcheinander, ungevahr ein viertelstund. Darauf erhub sich ein grosser grewlicher wind, der wehet des Königs hüten ZQ, alß wolt er alles zu häufen wehen. Auf solches fieng der König an, noch lauter zu singen und zu schreyen, so lang biß es wider still war. Da höret ich in schier ^ie gantze nacht mit dem Teüffel reden, ich konte aber nichts verstehen, so sagten die zwey weiber zu mir Eybo Eybokewa ist sovil „Du Weißer, der Teüffel ist beim König', damit erfrewet sie mich also, das vor angstschwaiß kein truckhner fad an meinem leib gebliben. Wan dißer König zu rath sitzet, so sitzen seine weiber mit ime zu rath, und seh wetzen vilmehr alß der König und seine obristen, in maßen sie auch in der urtheil den verzug haben. Alß nun Gott den tag gab, darnach mich hertzlich värlangete, kam der König zu mir und sagte. Er wolte an das schiff schickhen, was sie sagen miesten, und wa ich das Wortzeichen het. Da gab ich inen ein zedel (dan ich bete alzeit papir und schreibblei bey mir gehabt, und solches zu dem Ende, das wan ich etwan etwas sonderlich oder seltzams gesehen, ich das selbig verzeichnet oder reißen^) kendte) an den Capitani, darinen ich kurtz geschriben, wie mein sach stunde, das nemlich die ring kein nütz*) und derentwegen ich gefangen lege, auch da er mich nit liberirte, weil ich die ring nit machen kendte, gewiß gefressen würdte. Mit dißem brieffe schickhet der König etliche Schwartzen, darunder auch sein Sohn war, an bort zu meinen Capitani, sie nichts wi- derigs versehendt, dan sie verstunden sich umb die schrifft nichts noch umb das leßen. Da sie aber an bort kommen, und der Ca- pitan den zedel geleßen hat, behüelt er des Königs Sohn sampt den andern Schwartzen gefangen, biß an zwen, die sohickhte er wider zu dem König, mit dem beschaid, wan sie mich an bort lifem werden, so welle er diße auch loßgeben. Da die Schwartzen diße zeitung empfiengen, schrien und hielten sie zusammen und wurden bald retig ^), mich wider an bort lifem. Derowegen der König selber zu mir kommen, zeigt mir sol- ches an, und sagte ich solte mit denjenigen, die sie mir zu geord- net, wider zue meinen Weißen ziehen, und sehen das sein Sohn sampt den andern gefangnen gewiß ledig gelaßen würden. Bene- ben gab er mir einen schlißel, dem war das blat oder hart abge- brochen, und bat mich, ich solte denselben im schiff wider machen, und bei seinem Sohn im wider zu schickhen, welches *) ich ime gleich- 1) reißen in Umrissen entwerfen. 2) schon mbd. das Adj. keinniUze (untauglich). 3) schon mhd. raetec raetic = Rat gebend ; raetic werden = einen Ratschluß fassen. 4) welche Hs. 106 woU zusagte. Aber da ich wider in meim ficbiff war, wnrfe ich denselben über bort, und nachdem wier den Schwartzen die haut voll geschlagen, haben wier sie wider ledig und heim ziehen laßen. Nach solchen saumeten wier uns nit lang mehr daselbsten^ dan sie baten kurtz zuvor, ehe wier hin kommen sein, etlich Weißen überfallen und gefressen, welches wier noch an etlichen umbständen merckhten, sie wolten es /aber nit gestehen, sondern legten solches auf die in Rio Cambo, so .zunechst an inen ligen. Segelten wier derowegen unßers weeges vort auf C. de Lopo^) QcnzaXva. Da wier uns mit holtz und wasser versehen. Darnach seind wier zuruckh der heimet zu fiir die insul 8t. Thomae geschifft, und haben bey derselben ein Barka, die mit zuckher geladen geweßt, angetroffen. Die weil es aber spanisch war, und Li^a Bona^) zuschiffen wolten, haben wier sie geblen- dert^), und ihres wegs wider fahren lassen. Der gleichen beit ist auch uns eben in dißem unßem umb- keren und heimfart zum ander mahl an die band gestoßen. Dan alß wier' auf der hechte ^) gehn der Flamischen Inaulen (welche auf die 40 grad von der Equinoctiali gegen uns her oberhalb der Insuien Canarien ligen) kommen seind, haben wier ein ander schif auß grofi Canarien (welches auf Westindiam seglen wolte, und in die 70 Personen, weih und kind, darauf waren) angetroffen, wel- ches wier auch wie daß vorige eingenommen und geblindert, her- nach aber ohne einige leibs oder lebens gefahr oder beschedigung wider haben vort faren lassen. Nach solchem seind wier wider mit reicher beit nach heimet in Holland geschiffet, und in kurtzem, benandtlich in Anno 1604, zwischen Bartholomei und Michaelis, alß ungevahr seohszehen Monat nacher unßer ausfart, zu Rotterdam an der Maaß oder Mosa gelegen glückhlich ankhommen, dan die Rotterdam und Am- sterdam in einer Companei seind. Von danen bin ich wider nacher Amsterdam gezogen, hab also mein Guineische Raißen beschloßen, und zu bemeltem Amsterdam auf ungevahr 4 Monat mich aufge- halten. Eben umb selbige zeit da wier heimkommen, haben die Staden die Statt Ostende ^ nachdem sie drey jar und acht monatt belegert geweßt, und sich darauß gantz Riterlich biß auf das eü- ßerst gewehrt gehabt, dem Feind, der noch darvor und durch solche belegerung mehr verlohren alß gewonnen hat, gantz ver- derbet überlassen. ^! Lapo Hs. Lissabon, 3) geplündert; 16. bis 16. Jarhundert hlundern und hlündern neben plündern von Plunder Blunder (Bettzeug, Kleidung und Gerät beson- ders ärmerer Leute). 4) Höhe. • 107 Das Sibendt Capittel, Von LandUart ufid Fruchtbarkeit 6rta- neaej auch Rdigian BegmcfU Handihierung und andere Siten der Gmneser. Guinea ist ein großes Land und Königreich in Africa hinder Barbaria und Interiore Libia, abendtwerts gegen America über oder an dem Atlantischen Meer, der mitel Lini der weit zuge- seglet, fJEihet nortwerts an sohald man Übern fluß, Senega genant, von uns gegen mittag reißet, gegen Morgen stoßet es an Rio de Logo und das Königreich Benin ^). Zue Ccibo Verde ^ 14 grad von dem Equinoctiali nordwerts gegen nnß hero, hebet sich die kust von Guinea an. Die inwoh- ner seind schwarize Moren^ mit denen ist nichts zu handien, alß Ambragräfi ^) (ist ein bißen Gummi der von einem Wahlfisch her- kommen soll), aber es ist ein großer betrug darinen. Sie machen vü Vieh, machet Buter, aber nit Keeße. Es gibt auch daselbsten ^1 Viach , und so man weiter ziehet , khomet man uf die Rechte Goldkust, die Tanget an zu Quaqua und C, de tres puntas^), dar- nach Yolget Atshin^), das ist ein kleines Castel, dem König in Hiipania zugehörig. Daselbsten haben uns die Spanier ein Schlnpp mit Man genommen, welche sie biß an zwen (die man auf das Csitel a Mina gefüert hat) nider gehawen haben. Von daneux komet man auf das dorf Commenda^)^ da ist ein großer handel fon Leinwat, Beckhetem, Kesseln, Messer, Eyßen vilerlay sorten und färben, glaßerine Corallen, kupfiferene Ringen, grob wulen- thnch, Spiegel und dergleichen Sachen. Diße Goldkust höret auf bei Rio de Logo gegen Benin zu. Die beste und reicheste Gold- koit aber erstreckht sich von C. de tres puntas^) biß auf Akra. Die fürnembste ort auf der Goldkust, da man handelt, sonderlich die Hollender, seind erstlich Quaqua und Commenda, darnach Cape äe Corsa''), Maurra^) und AJcra, 1) Hs. Berim. 2) Engl. Atnber-griSf grauer Ambra, soll eine krankhafte Goncre- tion oder Sterooralverhartung des Cacbelot (Physeter macrocephalus) •ein. Er warde hauptsächlich aus Ostindien und von der Ostküste Africas eingefürt (auch Arthus Beschreibung S. 6 gibt an, daß man am grünen Vorgebirge damit bandle). 8) Hs. puntes. 4) Atshin (Axim), der westlichste Teil der Goldküste, mit dem gleichnamigen Orte, bei dem die Portugiesen schon unter König Erna- nael das Fori Antonius anlegten, welches die Holländer 1642 eroberten und seitdem besizen. 6) Vgl. oben S. 99. 6) puntes Hs. 7) Gap Gorso s. o. S. 99. 8) Mourre (Arthus S. 100), More (Braun S. 25 f.) oder Mauri im Königreich Sabu. 3 Meilen östlich von Elmina, seit 1612 durch das niederländische Gasteil Nassau gedeckt. — Hs. Maurra. 108 Es ist diß landt fruchtbar von Wein de palm ^), so haben sie gut Brottf welches sie machen aus einer Frucht, die sie Mille *) haißen, ist rundlccht und unßerm hanfsammen nit gar ungleich, item auß Türckhischem Korn, deCen es bei inen vil gibt, sie neuen es Mais^)^ nicht weniger haben sie auch vil Zuckherried^ und sonsten allerley stattliche Fruchten. Des gleichen mangelts inen nicht an guter schnabelwaidt «und Hiener Aper auch Visch den Überfluß, also das man umb ein ring ding, alß etwan nur umb 2 oder 3 Ellen Leinwath, auf einen gantzen tag lang fär das gantze schiffvolckh fisch gnuog kauflen kau, dan es ein große fischerey daselbsten hatt. Eben sowenig haben sie auch Mangel an Wild" hreU doch seind die Hirsch ^) nit so groß alß bey uns und haben weiße strich, einen an dem andern, durch den gantzen leib, son- sten seind sie rott, haben aber keine hörner. Die RechböckMen seind bey inen größer nit, alß die Haßen bey uns, seind graw von färben, und haben Jdeine hömlen. Femers gibt es bey inen Papagayen und Merkaizen den hauffen. Sie haben aber hingegen mangel an Waßer und kein ander sießes alß das Regenwasser, das samblen sie in große gruoben bey der Regenzeit. Es witert seltzam bey inen, wie in Ostindien^). Im Maio Junio Julio biß in Augustum regnet es schier alle tag, von selbiger zeit an regnets nit mer biß in Januarium, sondern ist gar haiß wetter, also das alles vor großer hütz außdoret. Im Januario heben die travado an, da khommen fast alle tag zwey oder drey wetter, das wehret biß in Majum, wie in angefangnen sibenden Capitels gemelt worden ist. Und dahero komet es, das sie ihre Früchten im Apprillen säen und gleich im Augusto also in vier Monaten nach dem Aussehen wider ein ernden. 1) PaJmwein wird aus verschidenen Palmenarten und zwar auf ser manigfaltige Weise gewonnen. Den meisten liefert Rapbia vinifera, die in den sumpfigen Niderungen vorhersehend ist. 2) Hirse (portug. milhio) werden einige Grasarten (Holcus sorghum und H. bicolor) genannt, die man in Senegambien und Guinea anbaut und aus deren Korn ein gutes Mel gewonnen wird. 8) Auch der Mais wird in Guinea stark gebaut und gibt vil- fach zwei Ernten järlich. Der Name ist übrigens aus America einge- drungen. 4) Unter den Hirschen und Rehen werden von den älteren Rei- senden häufig auch die verschidenen Antilopenarten mit einbegriffen. 5) Vgl. Samuel Braun Anhanpf der Beschreibung deß Königreichs Congo S. 4: Auff solchep harten Wind ist es in einem augenblick so still worden, daß wir vns darüber verwundert. Es hat auch offt in einem tag drey oder viermal mit grossem Gewalt angefangen zu reg- nen, vnd bald darauff widerumb mit grosser vngestflmigkeit zu winden, oder wähen. Welche Wind und Ragen Travada genennt werden, so jhre gewisse zeit haben im Jahr, nemlich im Mertzen, Aprillen vnd Meyen. Die vbrige zeit aber gibt es keinen Ragen, dargegen grosse Hits. 109 Auf irem Marckht haben sie ein heüßlen stehen. Wan nan efiender speiße etwas nt den Marckhte kommet, so opffern sie zn- Torderat dem Teü£fel (den sie Fiitiße ^) nenen) darvon. Ihr König (den sie in ihrer sprach Aura, aber spanisch Rey nenen, und der drey meil inerhalb landts in einer statt Futta^) genandt wohnet) that änderst nichts dan das er alle tag sein Fiitiße (das ist sein Tefiffelsbeschwerang und zauberey oder Gottesdienst) machet, das Terricht er mit allerhandt narisch und zauberisch Ceremonien, mit nogen, schellen und klinglen, auch murmeln, und sich hin und her wendet, nahendt allerdings wie die Papisten ihr meß halten. Dod ist eben durchaus bei inen ein Barbarisch werckh, dan es hat bey uns ein dorfschultheiß mer Authoritet alß ein solcher König. Wan er trinckhet, so nemmen im sein edellent das trinckhgeschir Torm Maul hinweg, und saufens auß. Wöchentlich am dienstag^) (den sie wie wier den Sontag fey- ren) muß man dem König allen Wein auß seinem gantzen gebiet bringen, den muß er hinwiderumb zum besten geben, hat derselb Til gelt, und gibts nit zum besten, so schlagen sie in zu todt, und nemmen alles was er hat, und versauffen es, dan sie behalten nichts übernächtig. Wan auch einer under inen ein schätz hat, nnd denselben nit zum besten gibt, so schlagen sie in, wan sie deßen inen werden, zu todt. Iren König tödten sie umb einer Bchlechten ursach willen. Wan ihr König stirbet^) so mießen alle seine Edelleüt, die bei im im Rat sitzen, -auch sterben, deß gleichen tnch alle seine Sclayen. Sie zerhacklien sie zu kleinen stückhlen, ond werfen selbige hin und wider auf das veldt, mit dißem für- geben, wan ihre leüt sterben so kommen sie in der Weißen landt, daselbst mieße der König auch leüt haben, die auf in warten. Darumb mießen sovil mit im sterben, und deßwegen machen sie alle ihre Todten vor der begräbnus gautz weiß, ihr begrebnus ist sovil als des gemeinen volckhs, des Königs halten sie rein, und alß, damit der verstorbene täglich umbgangen ist, das legt man im auf sein grab, damit er auch etwas zu schaffen habe, nnd das er nach seinem todt nit etwan erst huuger sterb, so bringt man im alle tag 2mal eßen und trinckhen auf das grab. 1) Fetisso bei Arthus. Fytysi bei Braun. Die heute bei uns ge- bräachliche Form Fetisch ist aus franz. feticlie hergenommen. 2) Am nächsten stimmt hierzu der Name des Reichs Fetu, nur ligt die Hauptstadt gleiches Namens an der Küste; landeinwärts ligt die Residenz in Commendo (Guaffo), welches westlich, und von SabUj welches östlich an Fetu grenzt. Weiter nach Osten wonen, früher in aus- gedenteren Sizen, die. Fanti, welche in neuerer Zeit durch die Aschanti svückgedrangt sind. 8)Jedoch halten sie denselben (den Feiertag) — am dritten Tage in der nochen, nemlich am Dienstage, Arthus S. 31. 4) Vgl. aber das Begräbnis der Könige Arthus S. 81 f. HO Wan sie den König zu grab tragen, so tantzen und schreyen sein weiber vorher, weißt aber keiner ob es gesungen oder geweint ist, uf solches volget der ander Comitat. Sie die weiber des ver- storbnen Königs tantzen, und schreyen also auf dem grab, und von demselben wider heim. Wan sie wider heim kommen, so schlupffet sie durch ein viereckhet ding, welches die FtUisa hai- ßen, darnach sitzen sie zusammen in das hanß, und heilen gleich wie die hund auf einen halben tag lang, sagen darzu „£y wanimb bistu gestorben, was hat dir gemangelt, hastu nit weiber gnuog gehabt ?*^ Daß treiben sie woU bei drey Monat lang, alle tag. Wan solches furüber ist, so nemmen sie alles was er verlaßen hat, und versaufen dasselb, sie kaufen auch kie oder ochßen darzu, die freßen und reiben sie auf, mit dermen und kath (wie auch von andern thieren), seind eben mit tantzen und springen gar lastig dar bei. Sovil sonsten ihr Policey anlangt, haben sie, wan sie etwas mit einander beschließen -wollen , ein sonderbares hauß darzu, gleich unßem ratbheußem. Im berathschlagen schreyen sie so laut, das einer meint, sie wellen eihander schlagen, wan sie nun des handeis eins worden sein, so schlagen sie zugleich mit einander auf die brüst, und laßen darzu einen jetweder ein lauten hochtzer. Den Obristen in einem dorf haißen sie uf portugellisch ein Capitain. Der nach ime haist Metrini, ist der henckher oder nach- richter, doch einer von den Obristen und fümembsten geschlech- ten, mer alß ein Edelman. Es darf einer sovil Weiher bey inen nemmen und haben alß er will, wan einer eine nit mehr haben mag, so darf er sie von sich jagen, wie sie auch irer Kinder nit vil nach fragen, sondern dieselben verkhaufen und versetzen. Sie seind Ehrgeitzig und trachten nach hohen Tituln. Seind auch Edel, welche sie bey inen FilgcUga oder spanisch Hidalgo neuen, und umb geschenckht und gaben machen. Dan wan einer ein kuoh zum besten gibt, so machen sie in zu einem Eklelman ^), wan er schon sonst ein Betler wer, und darnach beederseits woll content, thut im auch das volckh sein ehr an, wan er nun den namen Hidalgo hat, und nun einer gern ein Edelman wer, so kaufPt er ein kuo oder stier, gibt inen dieselben zum haßten, so machen sie auß im einen Edelman. Biß sie in zu einem Edel- man machep, füehren sie ein wunderlich spil, so hie zu erzehlen zu lang were. Allein wan daß närisch Faßnachtspill fürüber ist, so tregt man letstlich den newen Edelman in deß Capitans hauße, da nemmen sie wein de palm, schiten denselben auf den boden, und rieren etwas« darunder, biß es ist wie leimen, damit schmieren 1) Vgl. über den Adel auf Guinea bei Arthos S. 78 ff. 111 sie in über den gantzen leib, das er lauter kotb ist, alßdan tragen sie ine alß kotig durch das gantze dorff, die weiber tantzen vor ime her, singen und loben in, wie er so ein stattlicher Edelman sey, und sovil zum besten gegeben habe; so es uns geschehe, wurde man* sagen, es were ein Saw, die sich in einer pfitzen umb gewaltzet hete. Wan nun alles fürüber und der Edelman ge- macht ist, 80 hat er nit sovil, das im ein blendt Pferd in seinem hauß schaden thun kendt. Den köpf von der kuoh henckhen sie in des Capitans hauß zur gedechtnus auf, und welcher zum mehe- sten kieh köpff hat, der ist der greste herr. Sie achten keiner kostticheit oder sondern zierdt, dan ihre heüßer seind nur hüten, und nit groß, nur von riedt gemacht, so klein das sie darin nur schlaffen. Darinen haben sie bey nacht ein fewr, und ligen auf der erden nnder einander, wie das vich, jung und alt, darumbher, sie deckhen sich nicht zu, und haben nur dene seckhlen^) under inen auf dem boden. Alle tag waschen sie sich dreymal, darnach salben sie sich mit unschlitt oder mit Oel de jpo/ma'), welches ein köstlich Artz« ney, und gelb ist, so sehen alß Saffran. Der Mäner geschmuckh ist, das sie sich mit schlißein be- hengen, tragen dieselben am halß, an den seitenwehren, ja sie henckhen kleine schlißelen an die berth. Die Weiber haben ihre zierd und hofart im har, welches sie mit QcHd zieren. Selbige tragen auch woU gautz güldene Ring umb den halß. Diße Wei- ber seind beneben gar hierisch, und frembder Nation Mäner sehr begirig, jährlich halten sie zwen dentz^ einen wan sie außsohen^), den andern wan sie einerndten. Daß treiben sie 4 wochen lang, und fangen al wegen mit dem vollmon an, bey der nacht dantzen sie am mehresten. Da geth es dan hierisch gnuog zu. Wie diß Yolckh sonst in seinem thun Barbarisch ist, also seind sie auch unfletig und mchisch im essen, dan sie eßen alles flaisch, küeh schaff gaiß und gewild, mit dermen und sampt dem koth. Wan sie uns ein schaf oder gaiß an bort zu kaufen gebracht, so haben sie alweg das eingweid außgedingt, solches beten sie für ein heren- oder schleckheßen, und sprechen wier seyen Narren, und wißen nit waß gut sey. Eß hat dißes volckh nit gar ein gesunden lufft, dan es gibt bey inen vil hitzige pestilentzischo fieber^ und sonderlich ist es gar ungesund im Mayen, das, welcher vil an land ligen wil, nichts 1) dünne Säcklein. 2) Palmölj ans den zerstampften und über langsamem Feuer ge- kochten Früchten der Oelpalmo (Elaeis guineensis) gewonnen, welches in Africa zur Zubereitung der Speisen benuzt wird. In neuerer Zeit ist et ein Uauptgegenstand des Exports für den Handel nach Europa, wo es zu Seifen und Maschinensohmiere verarbeitet wird. 3) aussäen. 112 gewißers alß kranckheit hat. lieber diß werden die inwohner he£Ftig geblagt oder gequellet von den Wurmen^), die sie in gli- dern bekhommen, und auf zwey klaffter lang, auch offib woU lenger sein. Es hat offt einer sechs oder zehen, ja mancher weil mehr, in den glidem. Wan diße Wurm herauß wellen, so machen sie Bleterlin, alß weren sie gebrent. Daß selbig briofat endtlich auß, und komet der Wurm mit seinem schwartzen. kopff herfür. Alß dan muß man gut sorg haben, das man sie nit abbreche. Dan wan einer bricht, so macht er gleich ein inflammation und großen schmertzen, biß er gantz und gar herauß, so thnn sie nit mehr wehe, bringen auch keinen weitem schaden. Darumb muß man groß achtung drauf haben, und ein sonderbare artzney darzne brauchen. Es bekommet auch underweylen unßor volckh solche Wurm, und thun denselben ofift große Plag an. Diße inwoner haben auch ein seltzsamme weiß zu kriegen, dan wan sie in krieg zu streiten kommen, so machen sie also balden, wan nur auf irer oder ihres feindts Seiten zwen oder drei man umbkhommen seind, frid halten^). Ihre wehr seind wie kleine spießlein, die haißen sie Hasagayen, sie brauchen auch Flitsch- bögen und große schult, darunder sie sich gantz verbergen kön- den ; ihre Seitenwer seind einer gantzen band brait, daran hen- ckhen sie eine klupert schlüßel, und binden darauf einen Hundts- khopff, das stehet bey inen gar soldatisch. 1} Es ist diser Guinea- Wurm (in Aetbiopien Fertit, in Ostin- dien Naru oder Narumbu, in Buchara Reshter) die Fäaria medinensis. Sein Vorkommen ist nicht auf die Westküste von Africa beschränkt (hier erscheint er vorzüglich in Senegambien und auf der Pfeffer-, Zan- und Goldküste), schon frühe wurde er in Aethiopien beobachtet, weit verbreitet ist er in Indien an der westlichen Küste und in Nord-Dekan, ser häufig in der Stadt Buchara, einzeln kommt er selbst in America vor z. B. auf den Inseln Grenada und Cura^ao. Die uns erhaltene älteste Beobachtung der Krankheit rürt von Agatharchides her, wel- cher unter Ptolemaeus Philometor lebte (Plutarch. Sympos. YIII, 9). DerWurpi erscheint fast nur in dem üntorhautbindegewebo und zwar kaum anders als in den untern Extremitäten und wandert warscheinlich von außen ein, ob durch die Haut oder mit dem Trinkwasser durch den Magen ist bis jezt noch nicht entschiden. Vgl. A. Hirsch, Bandbuch der historisch-geographischen Pathologie U S. 523 ff, Arthus in seiner Beschreibung von Guinea (1630) widmet der Krankheit ein ganzes Ca- pitel (48). Auch der Wundarzt Samuel Braun aus Basel bespricht die- selbe in seinen Fünff Schiffarten (Frankf. 1625 S. 33). loh. Hugo Lins- cotanus (Navigatio ac Itinerarium — in Orientalem sive Lusitanorum Indiam, Hagae-Comitis 1599 S. 11) fand sie auf Ormuz. . Die beim Zer- reißen des Wurmes entstehende Entzündung wird durch den scharfen Saft des Tieres hervorgerufen. 2) Es seyn aber ihre Kriege nicht so grawsam, als sie wol schei- nen, sintemal sie nicht lang waren, sondern gar bald ein Ende nemen. Arthus S. 44. 113 Nun folget auch kurtzlich von ihrer handthiening. In der- selben brauchen sie auch gewicht^) und maß, Ein Untz haißen sie ein BindOy ein loth Besä, ein quintlin Äche, ein halb quintlin Fäbä hrtta^ das aller kleinest nenen sie Gaera, ist fast ein Gran. Die Leimcat mißet man mit einem stab oder siecUicn aus, der ist ungefähr unßer IVs halb ehlen lang. Man gibt 40 auch 42 und etwan 43 steckhen duch minder oder mehr (nachdem vil schif endthalben seind) für ein Binda. Daß kupffer wigt man mit pfund •nß, 12 oder 20 pfund für ein Binda^ darnach eß kupffer ist, der Bing gelten 24 ein Binda. Ein stah eyßen gilt einen halben . . . , leehe acht oder mer scheuer glaßener Corallen werden verkaufit nmb ein Beeß oder umb drey AchUj darnach der Spiegel ist. Es seind diße Schwartzen so ein verstohlen volckh, das wa de etwas enzuckhen kenen sie nit feüren. Diejenige welche das Gold bringen kommen bey 30 oder 40 neilen auß dem )and herauß zu den schifen. Wier haben sie nit Tentehen khönen. Sie gehen gantz nackhendt biß umb die miten, da binden sie ein tuoch umb, und bringet manchsmal einem bei •eehs oder zwelf pfund auf ein mal herauß. Darfür kaufen sie Leinwat mehrertheils. Wan sie mit einander an bort kommen, so geben die kauffleut dem nnderkaufer daß Gold, und laßen in da- ait handien. Alß ligt der ßaur oder kauffraan (dan die bauren besitzen die Goldgruben, und seind in den ortten, da es gegraben wirdt, keine Edele) ins schiff, kan das Meer nit leiden, und etwan dirinen weder gehen noch stehen. Wan der Für oder Under- kiofer vil Gold hat, so muß man inen wein zu trinckhen geben, rack ehe er den Contract machete, mit inie der Dasche^) (daß ist ein Verehrung) halber zufriden werden, wievil man nämlich dasche von iedem Binda ime geben wollen. Wan er nun zufri- den ist, so macht er mit den kauffleüten den Contract, wie vil ne ime steckhen Leinwat für das gelt geben sollen. Wan das ge- tebehen und zu beederseits zufriden sein, so wigt der underhänd- hr daß Gold dar, hingegen mißet man inen die Leinwat heim, 1) Die Bawren, so vom Lande kommen, haben ihnen Gewicht von floltx gemacht. Deßgleichen haben sie rothe und schwartze Bonen, da- ^it lie sich behelffen, und wissen einem bald zusagen, so viel rothe, V]^ 80 viel schwartze Bonen machen so viel Pesos, oder so und so ^1 Benda — welches dann ihr gröstes Gewicht ist, und macht bey iQtt zwey Untzen. Benda Affa ist ein halb Benda, bey uns ein Untz, Aiauwa ist 2Vs Pesos, E^geba ist 2 Pesos oder ein halb Untz, Sirou ^y 1^1 Pesos, Ensanno ist ein Pesos oder ein Loth, Quienta ist '/i ßJÄCi Pesos, Agiraque ist ^l^ Pesos oder Va Loth, Mediataba ist ^4 ^nea Pesos oder 1 Quint, dann ein jedes Peso ist 1 Loth. Arthus S. 28. 2) lieber die Entstehung diser Sitte, dem Unterhändler oder Pi- ■®^n nnd Dolmetscher ein Dache zu geben, handelt Arthus S. 22 f. Blrlingar, Alemannia VII 2 8 114 man kan im fast von ieden stab oder steckhen ein halben stab wider endtziehen, ja man kan sie aocb mit dem zeblen nberror- theilen. Und was man inen also am meßen oder zeblen nemet oder abtregt, dasselbig gibt man inen hernach zu für die dasdU oder verehr ang. Und gibt solcher betrug* oder Tortheil dammb gegen inen, weil sie nit allein über zehen nit, und zwar daaselb nit woU zeblen können, sonder auch dieweil man, da solchen vw theil nicht gebraucht würde, man mit denen kaufflenten nit be- stehen könen. ^ Wan nun dißes füruber und verrichtet ist, so gibt der kanff- mau dem Bauren etlich ehlen thuoch, messer, Spiegel oder gl&ßeiie Corallen, damit ist der Baur gar wohl zu friden, und meinet er habe eben gar wohl gefißet, da doch der gut tropff am wenigsten dar von bringt. Dan der underkauffer gibt ime nit mehr, alß den halben theil, daß ander theil stilet er ime. Wan sie dan wider an land khommen, so schenckhet ime der underkauffer ein Ellen thuoch oder 4. So meint der gut kauffman oder Baur, er habe gar redlich mit ime gehandelt, also tregt der gut kauffman oder Baur, der das Gold so mit grosser gefahr so einen weiten weg hergebracht, am wenigsten war darvon. Wo sie das Gold graben, da darf ein geschlecht in zehen Jahren nur ein mal in die gruoben, und wie sie sagen so soll ein große Summa Goldts dort sein. Dan sie bringen es nngeschmeltst, gleichwie sie es auß der Erden graben, ie kleiner das Gold ie beßer es ist, sein bringen auch auf einmal 2 oder 3 pfund schwer. Am ufer des Meers schöpffen die künder daß sand nnder den felßen her für und schüten den von einem geschir in daß an- der hin und her, daiinen findet man gar guot Gold, und kan ei- wan ein kind deß tags auf ein Quintlen kommen. Das ÄcJUe Capütel. Guineser Gott kan in der Christen- menschen beisein nüt reden. Zum beschluß der beschreibung Guineae kan ich ungemeldet nit laßen, das, gleichwie Papisten järlich an Fronleichnams tag umb ir Esch oder velder gehen, und dieselben vor ungewiter seg- nen, also khommen die Guineser järlich in alle und yede derfer im Aprilen auf einen gwißen tag zasamen, da machen sie ihre Futise oder Teüfelsbilder oder Abgott, dem Teufel zu ehren ihre Futise. Ist nichts anders dan ein häufen zusamen getruckhten kats. Darzu brauchen sie, wie oben gemeldet, fast solch Cere- monien, wie die Papisten bey ihrer meß. Wan solche Futise fer- tig sein, so fragen sie den Teufel, wie selbiges jähr das körn und ander fruchten gerathen würde, waß für frembd schiff ankommen, was für kranckheiten volgen, wie ihre schwangere weiber der kün* der abkommen und was sich für krieg erheben werden. Ist den etwa ein Christ darbei, der den Teufel verspottet, und denselben heißet herliegen, oder nur laut redet, and in gegen den Schwartzen verlacht, oder einen Ligner haißet, so schweiget er stockhstil, 116 redet nichts mehr, so lang der Christ darbey bleibt. Wan sie dirmit wider fragen, ond andtwort haben wollen, so befihlet er, mao soll zuvor die gezeichnete (damit meinet er die Christen, TÜleicht umb deß h. Taufs willen) ab weißen und hinweg schaffen, Knuten woU er nichts reden. Schweiget aber der Christ anfenglich stil oder gehet hinweg, 80 andtwortet er durch den kathau fen auf ihre frag, otwan gehet ei wie er gesagt hat, etwan weit änderst. Solche Futisa steckhen lie hin und wider auf ihre güeter, auf das veld. Darvou soll das veld beschirmet werden, und gehet ihrer keiner hin zu, der es •or^e. Dan welcher ein solches weckh thut (außerhalb der Christen) der stirbt alsobalden. Wan es nun änderst ergangen ist, wflder inen der Teufel durch die vorige Futise gesagt hat, und wier sie dariber vexierten, sagten sie, FtUisa ynetUis, das ist tinßer 6oU hat gelogen; spottet wier dan ihrer weiter, das sie an einen Lugenhafften Gott glauben, so fragten sie uns, ob dan unser Gott nit auch lieg, und weiten schlecht nit glauben, daß unßcr Gott nit auch lieg. Darauß zuvernehmen, waß es für blinde verstockht lUkd arme leüth sein mießen? Der Ouineser weiber in der gegen Ackra haben hinder ohne Mäner. Ferners ist zu merckhen, das wie die weiber sonderlich in Ackra sehr hierisch seind, also bereden sie ihre Närische Mäner, wiD eine nur ein mal mit einem Man zu thun hab gehabt, sie kenen hernachtmer, so lang sie alters halber taugenlich seyen, zu geboren , und die Mäner glauben es und seind iu dem Narischen Wahn, das, gleichwie ein hen ein ayerstockh, also hab auch ein weih so zu reden ein kindtstockh. Ich achte aber, das es volgender gstalt zugehe. Gleichwie bey uns die Minch also gibt es bey inen starckhe und faule gaile icblingel. Die geben sich gleichsam in ein orden, sprechen, nun wellen sie nit mehr Mäner sein, sondern Weiber, binden dcro- wegen wie die Weiber tQechlen umb die schäm, thun auch allerley weibergeschefiPb, und flechten denselben ihre haar. Die Narrechten M&oer halten solche schlengel für heilige leüt, glaubten sie aber irendt halben, waß ich glaub, sie thätten solchen falschen Münchs- orden bald ab. Das Neündte Capittel von Landts art Fruchtbarkeit Beligion Segiment und Sitten des Königsreich und Statt Betiin auch der Stadt Lago. Dißes Königreich ligt gleich au Guinea gegen ufgang der Sonnen. Das wirdt beherschet von einem m echtigen Könitarckhen zäun umbfiochten wie mit einer Mauren. Darinen hat der König einen pallast, auch mit einem zäun umbgeben, welcher 116 pallast ungefähr so groß ist, alß die Statt Tübingen oder großer ^). Er hat auch darinen sibenhundert ^) weiber, deren ein yedeci ein sonderbares gemach hat. So hat er auch nicht allein yil diener, die auf in warten, sonder auch sehr vil Soldaten, die tag and nacht vor des Königs hauße ein starckhe wacht halten. Dißer König laßt sich daß gantze jähr nur ein mal sehen, und geschieht auf solche weiße ^). Auf seinen geburtstag körnet er in die Statt herauß geriten auf einem pferdt. mit rot schar- lachen gezieret und mit roten Gorallen behengt. Darauf sitzt er scheßlingen ^), wie ein weih, auf ihre weiße mit eim scbarlachtuoch stattlich geklaidct, und uit allein mit roten Corallen sondcm auch mit andern seltzam Sachen umbhenckhet. Darzu henckbet er über den köpf und rockhen biß auf die gangadern hinander einen weißen Roßschwantz, alß das einer, der in ansichtig würdt, dar- von erschrickht. Auf yeder Seiten gehen zwen mäner neben im her, deren die zwen in heben, die andern zwen platz machen. Dan das Yolckh laufifet sehr getrenckht zu, und wil ein iedweder den König sehen, gleichwie zu Rom am jubeljar den Papst. Sechs taussendt man ziehen vor im her, und wan er komet, so feilet alles volckh uider auf die knie, und klopfifen in die band, damit den König grießende. Der thut hin wider mit der band, eben wie der Papst zu Rom, wen er daß volckh segnet, und danckhet inen. Darnach füeret man in fort, nach einem hauße, deß Königs hauß genant, daselbsten kommen alle seine kriegs obirsten in sei- nem gantzen köuigreich zusammen, und opfifern dem Teufel, mit- sampt dem König, uf nachvolgende weiße. Sie opfifern zwen Men- schen, drey kieh, etlich gaißen und hund, wie nit weniger auch vü hiener, und schilkrotten. Die gaißen hund und hiener steckhen sie an spitz, und hin und wider auf die gaßen. Da laßen sies also steckhend verweßen, die statt steckhet allenthalben voll, und 1) Des Königs Hof ist sehr groß, und hat innwendig viel große viereckete Plätze, die rings herumb mit Gängen oder Vorhöfen ge- zieret seyn. darinn mau allezeit Wacht belt. Es ist so ein großer Hof, daß mau sein kein Ende sehen kan, und wann mau meynet, man sey jetzunder zum Ende kommen, so siebet man durch ein andere Pforten noch auf ein weitem Platz oder Hof. Arthus S. 102. 2) und 3) Es hat auch der König viel Weiber, und helt alle Jahr zweymal seinen ümbgang, daß er sich nemlich auß dem Hof begibt, die Stadt hin und wider zu besehen, und zu besuchen. Als dann ver- sammlet er seine gantze Macht, und was er immer kau für lustige Sachen oder Kurtzweil erdencken und berfür bringen. So wirdt er auch begleytet von allen seynen Weibern, die wol über die 600 seyn mögen. Arthus S. 104. 4) d. h. Schößling. Vgl. Arthus S. 103: reiten sie (die Adelichen) alle auf Pferden, auf welchen sie sitzen, wie bey uns die Weibs- Personen, und haben auf beyden Seiten ein Manns Person neben ihn herlauffen, an welchen sie sich halten, hinter ihnen aber haben sie viel Knechte. 117 geben emen großen gestanckb. Die kieb bawen sie zu stuckben, and legen die stuckh für die tbor binaus. an das gestad, daselb- sten sie Ton den vögeln gefreßen werden. Darnach füeren sie die Henschen an ein sondern ort in der Statt in ein heößlen, Obawan genant, daß ist sovil alß des Teufels oder Gottes heüßlen, darinen opffern sie die Menschen, und bawen selbig erstlich den köpf ab, naehgehendts voUendts zu stuckben. Die laßen sie also ligen, und qKreehen, Also wollen toier deß König Feind mit einatider eer- lackhen. Da scbreyet des volckb mit lauter stim Sarramena ha ofta Sarramena "ba oha Sarramena ha oha und stanipfifen zugleich mit den füeßen auf den bodon. Dißes ist sovil zusagen, der König Amce allen seinen Feinden den kopff ab. Sie machen seltzamme Go'emonien und beschwerungen darbei. Dan wan sie opfifern, so reden sie leibbafftig mit dem Teufel; Sie haben vilerley Sachen, dimit sie Futise machen. Der König ist der öberst Teufel be- •chwerer under inen, sie halten in nahcndt für ein Gott. Den er iit sehr großer Autbontet« bey iederman, also, daß wan sie einan- chr fluochen so fluochen sie bey dem König. Wan nun obgedachtos Opffer ein end hat, so setzet sich der Ktoig außerhalb deß haußes nider in ein Sessel, vor dem kniebet «Des volckb zu sammen nider, auch die obirste. Alß dan hept Bum an zu pauckhen, und klop£fen, auf großen schellen, und blaßen auf Ellephanten zänen. Damit machen sie ein solches ge- temmel, daß man es auf ein viertel Meil wegs hört, dißes weret nngevabr 2 stund lang. Darnach schreyet daß gantze volckb daherisa oha cada hoba oha, daß ist sovil sef/ gegrüefit du Gottes König. Dariber sagt der König Außafe daß ist ich dancklic euch. Darnach reitet der König wider in seinen pallast. Daß volckb aber inet, und trinckbet, tautzet, und springet, iederman ist frew- lieh und guter ding. Daß volckb aber laßet sich auch beschneiden, wie die Juden. Wan ein knab 3 jähr alt ist, so beschneiden sie in, opffern aber laTor, und haben vil gefäß darbey. Der König füehret einen stetten Krieg, und füehret auch Krieg wider die weilte Maren y das ist ein volckb die bei tag nichts sehen, und nur bey nacht, wen die Son undergehet, sehen sie. Und obwol dißes ungieüblich scheinet, so ist doch in höchster *arheit also beschaffen. Dan wier haben es offt an zweyen jungen Knaben probiert, wan wier inen gelt für geworfen haben, kundten *>e es bei tag nicht finden, sie erwischeten es dan ungefehr. Diße Weiße Moren kennen den kopff auch nit stil halten wan es tag lat, sondern zwitzen alzeit mit den äugen, so bald aber die Sonn ^er gehet, so halten sie den kopffen still, und sehen. Sie seind *<^neweiß und haben schneweiße haar, aber gantz krauß wie die ^(omi. Die Beniner brauchen diße weiße knaben auch zu ihrer «•«bewy. 8otU ihr Bifgiment anlangt, so ist daß selbig gar ernsthafft. 118 Sie seind alle mit einander deß Königs Leibaigen. Waß er ge- büetet das muß geschehen, und darf sich Niemand darwider setzen, er sey groß oder klein hanß. Es mag einer leicht etwas wider den König thun, er last im den kopff abhawen, und wer er gleich sein nehester rath oder obrister, da sihet der König nit an. Vierzig Meil von Benin ligt ein große Statt, genant LagOj gehört auch dem König Benin zu, ligt auf einer Insnll, ist ein Frontier ^) Statt, und mit einem starckhen zäun umbgeben. Dari- nen wohnen lauter Soldaten, und vier kriegsöberste. Die halten sich gar stattlich, sie khommen altag in des Königs hauß zusam- men, und opffern all morgen. Nach dem opffer halten sie Ge- richt, under dem freyen himel, vor des Königs hauß. Wer etwas zu clagen hat, der clagt, sie fallen alle auf die knie, wan sie ihr sach für bringen, und wan einem recht gesprochen wirt, so dan- ckhet er der obrigkeit, und dem König. Es stehen auch alzeit zwen gesandte bey dem Richter, die vom König her seind, und hören was man handelt. Die^elbige schickhen alletag post hin weg zu dem König, den avisiren sie, was selbiges tages die Rich- ter gehandelt haben, solches treiben sie durchs gantz jar, und dißes wirt nicht allein zu Lago, sondern auch in andern Stätten deß Königs wie auch zu Benin selbsten also gehalten. Genante Statt Lago hat einen großen zugang zu wasser und landt, mit ihren kauffmanschafft, und scheuer gewirckhten flug- neiten baumwollen düechern von allerley färben und figuren. Eis wechßet in dißem Königreich vil Pfeffer, doch etwas kleiners den in Ostindien, hat stil wie Cübeben, ist ^) denselbigen auch in der greße gleich, aber gar scharpff. Es gibt auch Ellephanten zän, und schwentz von EUephan- ten, die seind auf der Goldkust von Guinea so theür, daß einer daselbsten gilt ein Binda Golds, das ist ein üntz Gold. Für Gold brauchen sie kleine schneckhen heüßlen, und eben die jenige, welches die Jacobs Brüeder uf den hüeten tragen, sel- bige haißen sie Bufchir, Man kau auch darumb kaufen, was man will, sie achten kein Gold, wie auch kein Silber. Daß (so!) hal- ten sie aber so hoch, wie auch alles was rot ist, darumb darf auch keiner keine roten Coralien oder roten Scharlach tuoch, deßgleichen kein Hollandisch leinwat tragen, der König erlaub ime dan solches, und demnach nit mehr, alß ime vom selbigen erlaupt wirdt. Allerhandt victualien, und gute schnabelwaid, kan man bei inen wohl überkommen^ wie nit weniger stattliche visch, sovil man derselben begert. Der König hat uns drey monat von dem land gespeißet, mit allerley guten fisch, und mit gutem flaiß. '^ Hs. Fontier. Ha. in. 119 Dißeg land bat und gibt vil allerley gute frücbten, alß Be- ntimes Baconas Indiammes Betattas Lemoneii Gitronen Pomeran- tien Ananaßen, und dergleicben wie man sie dan uf der gantzen ku8t langf findet. Wan sie ibr todten begraben, so tragen sie znvor ihre leich- oam in einer Barn gantz in der Statt berumb, vor der Bar her nogen sie, nnd tantzen, deß verstorbnen weiber, sein rechtes weib ist die necbste an der Bar, sie bat ein scbiflein mit wasser, und an grienes lanb in dem manl, dantzet also darmit vort, sie tra- gen anob ein gaiß, nnd einen schwartzen steckben vorher in der bind. Wan sie nur schier zu deß verstorben hauß khommen, so stoßen sieTdie gaiß dreymal mit dem steckben auf den kopff, und frechen dreimal also, Äfe zing gete. Alß dan stechen sie der gtiß die gnrgel ab, und ziehen den steckben dreymal durch den stich, biß er gar blu ottig ist, damit spritzen und sprentzen sie ibo das bluot uf ihre weiber , darnach graben si^ in in seine bmmer, da er geschlaffen hat. Sein eltester Sohn, der ime succediert, hat sein bet bert an seinem vatter, der da begraben ligt, und wan er etwas ißet oder tiinckbet, so gibt er den ersten bißen seinem vatter. Wan man Ä^ fragt, waß sie darmit meinen, so sagen sie, wan sie eßen, und ihrem abgestorbnen vatter nit auch darvon geben, so mache ibr vatter, das sie weder glückb noch segen baten, darumb geben sie alzeit von aller cost am ersten. Wan wir dan weiter sagten, er eBe doch *nit, sonder ihre büener, so lachen sie und andtworten, ir vatter esse zwar, das man so vor äugen sehe, nicht, sondern nur die crafft darvon. Auf selbigem wahn bleiben sie und laßen sich nit darvontreiben. Sie beweinen ihre todten drey monat lang, ille tag zwey mal, und in demselben hauße, da der verstorbne vatter ligt, hat der Sohn, der ime succedirt. alle köpf von den ihüeren, alß küe gaißen Schweinen büener schaffen etc., die sein vatter geschlachtet und geßen halt, umbber aufgemacht, sihet eben wie ein altar. Sie haben auch große Ellephanten zän darbei lai- nen, sie machen auch sovil hiltzene kdpff herumb, sovil der ver- storbne vatter bei seinen lebzeiten im kriegsweßen feind umbge- bracht und erschlagen hat. Dan es gpite dapffere kriegsleüt, ein streitbar volckh, aber beileben from, aufrecht redliche leüt, die nit stelen wie die auf fer Cust. Ihre Marckht halten sie bey nacht, und gibt große Marckbt ^) 'öy inen, da etwan vil hundert weiber auf, und haben vil Wein ^o palm fail, den gibt es daselbsten so gut, das man in uf der Cost nit besser findet. 1) Vgl. darüber Arthus S. 104. 120 Von dißem Königreich und desselben inwohner, sonderlich von der Justitien Ordnung und gesatzen, krüegsweßen, heürathen und dergleichen, were noch vil zu schreiben^ weil es aber itzunder wegen kürtze der zeit zu lang, als laß ichs auf ferner gelegen- heit verbleiben. Prof. Dr. WCrecelius Elberfeld am Gymnasium Dichtungen yon M. Knrrer') Aus dem Lateinischen 1 Tot und Begräbnis ■ Schon wider, sih, mit einem Schreibebriefe komm Ich dir: der Menschen Schwachheit fordert mich heraus. Du schreibst, du hörtest gerne, was vom Kranksein, von Altweiberkuren dir ich mitgeteilt und hast Xach mer dergleichen Appetit. Der Stof erschepft So bald sich nicht, reicht biß zum Weltenuntergang. Wer dringt in jedes Labyrint, in jeden Schlupf, Wo seinen Schrit die Brut, die schensslich finstre, hemmt? Und welch ein Kampf! besigtest ehien Gegner du. Vergebens! gleich umzischen irer vile dich. So schlug der Vorzeit Heros einst der Schlange Haupt Vom Rumpf — zehn andre, schlimmre, schössen auf dafür. Herakles' Wiz und W^a£fen sind dir not, denn sonst Gibst, von Gefaren übermannt, du Fersengeld. Es haben alle Dinge Mass und festes Zil, Doch nur das Volk, unweise, weiss von Masse nichts; Grossmütterlicher Aberwiz, dem Enkel dünkt Er und der Enkelin ein Evangelium. Mit Kopf und Hand und Zunge streiten sie dafür. Hartnäckig, dass ir Göze ja nicht kommt zu Fall. Willst kampflich du den alten Wan besten, so nimm Dein Augenpar und deine Haut du wol in Acht! Lass Kindern ire Nüsse! Nimm sie mit Gewalt Nicht selben ab; es regnet Schmuz und Steine sonst. Nichts ist so unversönlich, als ein Weib auch, das Sich spöttischem Gelächter preisgegeben siht. Wie wütet die gekränkte! kampfesmutig get Sie vor mit allen Wafien, und bald kommt Succurs. Was meinst du? hältst du der vereinten Rotte Stand l) Alem. V 269 flf. 121 Der Weise schweigt. Du schweige, so du weise bist! * Warum denn schweigen? Vorwärts will ich auf dem Pfad, Den ich betrat, die Klinge kreuz ich one Furcht. Doch wo beginnen, enden wo ? Wenn all das Zeug Ich rügen will, das tolle, reicht die Zeit mir nicht. Seis! aus dem Quark etwelches greif ich denn heraus: Komm mit zu meinen Kranken wider, wenn's beliebt. Wer will nicht aUes helfen, wen empfilt man nicht Als Doktor und als Doktorin! zum Lachen ist's. Und wird die Krankheit ruchbar, welche Basenzunft Rückt schwazhaft nicht dem Dulder ringsher auf den Leib! Da wird mit Lebenshoffnungen er aufgeregt, Mit waren und erlognen, Jede weiss etwas. Das Wörtlein Tod, von keiner Lippe, war es noch So leise, wilFs, und stünde diser vor der Türe schon. Dem Arzte, der den Ausspruch tut, geförlich "Bteh* Die Sache, keine Hoffnung sei mer, ist man bös, Man zögert mit dem Priester, hält vom Bett in fern, Dass in das Amt der Sippe nicht er übergreift. Und kommt er, weicht vom Flecke keins, damit der Mann Nichts beichte, was den Seinen schlimm bekommt hernach. Dagegen weiss das Völkchen Alles was den Tod Anzeigt und sorgsam auf die Zeichen achtet es ; Sie sind ein Wink von oben ja dem Menschen, heisst's, Dass sich zum Tod bereitend er sein Haus bestellt. Willst näher du die Zeichen, die der Volksmund nennt, Dir ansehen, gut, ich künde dir die wichtigsten. Nachts auf des Hauses Dachraum hört man einen Fall, Dass von dem Hall erschütternd drönt der ganze Bau. Der Baum, des Gartens Zierde, den als Knabe noch Der Kranke pflanzte, welchen er als Mann gepflegt. Stet plözHch ab, und keiner weiss den Grund davon ; Sein Laub, jüngst frölich grünend, welkt, dann stet er kal. Gebell durchgellt die Nacht; im Holze pickt der Wurm; Das Käuzchen schreit; in Stücke klirrend springt ein Topf; Im Hause zirpt ein Grillchen ; an die Fenster schlägt Die nur im Zwielicht flatternde, die Fledermaus^); Der eine Fnss der Lade, drin der Kranke ligt, Reisst, angebort von Würmern, ächzend mitten durch. — Ei, was ist da Besondres, wenn eiu Ziegel fällt. Der unter Regen, unter Schnee verwitterte? Und wenn, derweil ein Käzlein auf der Mäusejagd 1) Volucris quae de vespere nomen habet: Das Tier hat nur im Lateinischen, nicht aber im Deutschen, seine Benennung (vespertilio) vom Abend. 122 Vom Balken büpfb, am Dache der Bewnrf sich löst? Und wenn ein Baum vertrocknet und zu Grunde get, Weil seine Wurzel eine Wülroaus bat zernagt? Oft kommt es vor, des Baumes Blätterkrone welkt, Der aber, der in pflanzte, blieb gesund und friscb. Dem Hund ist voller Mondschein, Glockenklang verbasst; In hungert und ein Stückchen Brods beschwichtigt in; Von einer läufgen Hündin hat er Witterung Und schlägt nun an, in engen Stalles Haft gebannt. Erscbine stets, wenn Hundgebell dein Or vernimmt, Der Tod dir, traun, zu jeder Stunde stürbest du. Des Holzwurms Picken ängstet dich, als kündet' es, Dass ablief deines Lebens zugemessne Frist. « weit gefeit! Das Würmlein denkt: allein zu sein, Tut nimmer gut, und klopfend die Genossin ruft's. Nun, schreckt dich ^ses Klopfen, das Gebälke brich. Das alte, weg und ziehe neu des Hauses Wand! Das Eäuzchen macht dir Sorge: Wald und Flur entlang Der Jäger mit dem Hunde zog im Morgengraun; Den Vogel hat sein Trit verscheucht, hinweggehuscht Vom sichern Orte krächzt er um so kläglicher. Den Topf, der fiel, zu spizig hat, noch nass, die Magd Aufs Bret gestellt und nun er trocken, kippt er um; Villeicht ein Mänslein streifte gar zu nah vorbei, Brosamen suchend, wenig feite, stürzt der Topf. Ein Grillchen zirpt: im Kleide trugst du selbst es wol Vom Feld, da du spazierend dich ergingst, nach Haus, Wenn nicht im Gras es heimgebracht die Scbaffnerin; Der Wärme get, behaglich zirpend, dort es nach. Wer, brächte jede Grille gleich den Tod herbei. Wer träte dann noch in die Reihen der Bäckerzunft? Die Fledermaus, im Dämtnerlichte schwirrend, merkt Den Schein im Fenster, flattert hin und prallt daran. Stürzt auf die blanke Klinge sie nicht ebenso. Mit Gier, wenn deiner Stube Nachts Besuch sie macht? Der Fuss des Bettgestelles birst: das ist der Weg Für alles Fleisch, und altes Holz zernagt der Wurm. Gib stat der mürben Füsse neue dem Gestell Der Lade, drin die Mutter schon den An gepflegt. Und dünkt das würdige Möbel neuer dir nicht wert, So schlag es doch zusammen, schafi^ es neu dir an. Und solche Dinge sollen Todesboten sein? Weib, o Weib, das glaube dir ein Anderer! (So gleicherweise lecket Bart und Pfote sich Die Zimmerkaze Morgens, weil sie gern sich puzt, Erscheint es dir ein Merkmal, dass Besuch dir, kommt, Du fegst das Haus und köchelst wacker darauf loß). 128 « Zafällig starb aach einmal Einer bald bernach, Doch wer, der noch bei Sinnen, sucht ein Omen drin? Wol bricht, erstet die Sonne, manch ein Aug im Tod, Ist dmm ein Todeszeichen auch die Sonne schon? Doch einen Kranken manchmal schreckt ein solches Nichts, Das Leiden steigernd, bis zum Tod es wirklich fürt. Starr blickt er schon, der Odem ringt mer kaum sich durch. Blau färben sich die Nägel, zuckend klafft der Mund. Nun unterm Haupt das Kissen zieht sein Weib hervor, Dass sanfter in das Jenseits er hinüberschläfb. Gebete spricht in sein verschlossnes Or sie noch, Auf dass die Seele gehe stracks zum Himmel ein; Auch trägt sie Grüsse sorglich an die Teuren auf. Die vordem schon zum Himmel eingegangen sind. Inzwischen wird, dass im sein Stündlein nahe, kund Und Alles drängt, ein ganzer Tross, zum Sterbehaus. Nun ist er tot. Sie drücken Mund nnd Aug' im zu. Ein reinlich Tüchlein breitend über sein Gesicht. Was aber soll das vile Reden? Welch Getös Verworrner Plauderstimmen füllt des Hauses Raum? Schnell aufgemacht die Fenster! ruft ein altes Weib, Gesperrt ist der befreiten Seele sonst der Weg. Die andre ruft: die Binenstöcke rückt vom Ort, Damit der Schwärm nachsterbe nicht dem toten Herrn. Den Essig, seufzt die Dritte, nemt vom Kellerbret, An Schmack und Ruch verwässernd, leicht sonst zieht er Kan. Die vierte forscht der Leichenstarre schweigend nach, Dann breit erklärt sie, weiter sterbe Niemand mer. Doch findet schlaff, beweglich sie die Glider noch, So heisst ir Spruch: ein Andrer folgt von euch im bald. Die Wonung räuchert^ eine fünfte, was in Sarg Dem Toten mitgegeben werde, zält sie her. (Vor Zeiten dem Verstorbnen Hess man, was er sonst Gewont und was im Leben im das Liebste war. Selbst Sklaven, jenseits im zu dienen, Waffen, sich Damit zu schirmen, Speise, sich zu sättigen). Sinkt in der Jugend Rosenzeit ein Haupt dahin, Das wird mit holdem Blütenschimmer mild umkränzt Und Rosamaschen lächeln auf dem Sterbekleid Und über der Citrone faltet sich die Hand. Dem Adel wird sein bunter Anenschild gesellt — Den Anen ist sein drittes Wort ja stets geweiht — Und ists ein Kriegsheld. Schärpe noch und Schwert und Sporn, Sein Schlachtross auch, auf welches manchmal er sich schwang. Mir, scheid' ich, geben sie villeicht die Bibel mit. Mich hüllend in den Kirchenrock, den oft ich trug. Warum jedoch, wenn eine Wöchnerin entschl&ft, 124 # Ir Nadel, Schere, Faden mitgegeben wird? Ich weiss es nicht, und niiiCkmer kam ich auf den Grund. Wer das erklärt, mir warlich gilt er ein ApolL — Die sechste drückt ein Rasenstück, damit er nicht, Nachziehend Andre, widerkert, im auf das Kinn; Sie heischt, bestatten soll man in von Jenem fern, Der, ach, in der Verzweiflung Hand an sich gelegt. Hört, wie sie schilt: o ruhte hier der Frevler nicht, Nie träfe Hagel unsrer Feldmark frohe Sat! Weiss nicht, wie der Gemeinderat sich so vergass In seiner Gutheit; anders war^s in frührer Zeit. Verscharren sollte Solche man abseits, ja dort, Wo man den Galgen baute, so gehört es sich ! Soll da, wo der Gerechten iische selig ruht, Des erlös schwarzen Missetäters Stätte sein? Lasst ja, so ruft sie, morgen wärts die Leiche schaun ! Pflichteifrig eine sibte weist die Träger an, Dem Grab verkerter Richtung nicht zu nahn, dass recht Er ligt und gleich vom Grabe kann dereinst ersten, Weil, wenn der Weltehrichter kommt am jüngsten Tag, £r, wie sie glaubt, von Sonnenaufgang nahen wird. Die achte spricht, wie sich die Witwe tragen soll. Wie um des Hauses Vater sich zu trauern ziemt, Wann und in welcher Ordnung sich der Zug bewegt, . Wer singen soll und welche Strassen man passirt. Zwei Tage füllen dise Klatschereien aus. Und weder eine Zunge ruhet, noch ein Or, Denn durcheinander schnattern Alle — wer verstet's ? Oft auch, was die gebeut, verwert die andere. Auch wird, dass nicht der Rede Flnss ins Stocken kommt, Die Kur bekrittelt, die dem Kranken ward zu Teil. Schlug er nicht aus die Mittel, so die Schwieger im Empfolen, weil sie solche stets probat erfand, Nam einen andern Arzt er an, er lebte noch. Der, den er hatte, leider, was verstand denn der V Zum Aufbruch mant die Glocke nun den Trauerzug, Da — mitten in's Geläute trift der Stundenschlag. Die ganze Schar Leidtragender, sie horcht bestürzt Und hält im Schreiten inne, wie vom Bliz gerürt, Ergrübelnd, wem sein leztes Stündlein jezo naht, Denn Stundenschlag im Grabgeläute weist auf Tod. Erst keinen Grabeskandidaten weiss das Volk, Keins ist ans Bet gefesselt, in das Haus gebannt. Doch hört es: der ist unwol, schlüssig ist es gleich: Der wird der Nachbar dessen, den man jezt begräbt. Entrüstung gleichwie Lachen zu verbergen, ist Dem Klügern schwer, dem Unsinn steueru, eitles Müh*n. 125 Habt ir mich lieb, so haltet das Altweibervolk, ßeschlennigen möcht' es meinen Tod, vom Lager mir, Und bist bei meiner Leichenfeier du dereinst, So kennst du meinen Willen, Freund, in disem Stück: Die Meinen tröste 1 scheuche fern den Plaudertross Und Niemand, denn die Totenfrau, berüre mich. (Auch die, mir scheint es, ist znvil. Ein Leichnam ist Ja niemals schön und wird es auch durch Waschung nicht). «Mag es geschehn, bestatten lass mich one Prunk Und mich geleiten sollen irer Wenige nur! In Leinen, nicht der Amtstracht Würde, den Talar^ Hüllt mich und lasst das heiige Bibelbuch beiseit! Nicht Schülersang, noch Glockenklang ertöne ! still Bringt, wenn des Abends Sterne flimmern, mich zur Ruh! Wo, gilt mir gleich. Schönreden soll kein Priester mir Und kein gekünstelt Denkmal drücke mein Gebein! Das ist mein Wunsch, nun achte du darnach, dir soll Glückseiger Jare schönste Zal beschiden sein, Und wenn sich alt, ermattet, einst dein Auge schliesst, Ins Grab du sinket, leicht werde dann die Erde dir! 2 Wandelgeister Nein, sie sind kein W an die Geister, noch der Tod das lezte Zil; Nicht ins Nichts zerrinnt die Seele, wenn auch schon der Leib zerfiel. Mühsal beugt oft den Gerechten , drückt so lang er lebt in schwer. Tage, lange Nächte gänen öd in an und trostesldr. Ha, so hat dahin die Tugend iren Lon? so war ein Spott All mein Leben vol Beschwerden, meine Liebe selbst zu Gott? Färt ins Nichts dahin die Sele mit dem Tode, wer noch spricht, Dass der Mensch ein höhres Wesen, denn das Tier? ich fass' es nicht. Die Vernunft, wer sagt wozu sie für die kurze Spanne Zeit? Warum für mein redlich Streben ernt* ich sovil Bitterkeit? Müsst ich nicht, wenn jedes Hoffen mit dem Sterben abgetan. Klagen, dass ein Gott? ja glauben, dass die Gottheit nur ein Wan? Reizte mich es nicht, den Bösen, welchen alles herrlich glückt, Gleich zu handeln, zu volfüren einzig was das Herz entzückt? Oder bliebe mir nur Jammer, nichts was Labe mir verschalt, Ein erlösend Zil mir winkte dann der Abgrund, der da klafft. Sihe, diser sammelt Schäze, zu befrid'gen sein Gelüst, Alles was das Herz begeret, dient im biß der Tod in küsst; Mir dagegen, aller Mühsal, aller Tätigkeit zum Hon, Wird der Sorgen Bürde, wird der Fluch der Armut nur zum Lon. Dort beharrlich wird gehätschelt von dem Glück ein schnöder Wicht Und in hohen Eren prangt er, und das Unglück kennt er nicht. Nichts von Krankheit weiss ein Dritter, von der Seinen Schmach und Pein 126 Und in quälen keine Menschen — und nur ich soll elend sein? Wozu nüzt mir noch das Lehen ? war es hesser nicht fürwar, Wenn ich nicht gehören wurde, denn zu leiden immerdar? Seis! Bezäme deine Klage! Denn es ist Verwegenheit^ Sich zu keren wider Gottes Allmacht und Gerechtigkeit. Harre mannhaft aus! dein Ringen füret sicher einst zum Heil Und, wills Gott, ein neues Lehen wird, ein schönres, dir zu TeiL Wer in seines Vaters Arme widerkeret, fürchtet der Je sich vor Gewitterschauern, vor des weiten Wegs Beschwer? Zwingt durch sturmgepeitschte Wogen nicht der Schiffer seinen Kan, Unentwegt, und grinst der Tod auch jeden Augenblick in an! Fest gerichtet ist sein Hoffen auf den lang ersenten Port Und sein Mut verlässt in nimmer, denn die Hoffnung ist sein Hort. Hoffe du nicht minder ! Lieblich aus dem dunkeln Schoss der Nacht Bricht ein Stral oft, und die Wolke schwindet vor der Sonne Pracht. Sprich, wenn dir der Fride lächelt nach so mancher dumpfen Qual, Hat für dich er im Geleite nicht der Freuden reiche Zal? Und wenn durch dein Erdenleben Finsternis dich auch umringt, Helle wird es um dich werden, wenn der Tod die Fackel schwingt. Elend schäz ich, glücklich keinen, eh des Lebens Form zerbrach, Solon gleich, der einst zu Krösus dises Wort, das weise, sprach. Die Entscheidung deines Lößes trägt der lezte Tag im Schoß, Lief erst diser ab, entrückt ist dann des Zufalls Spil dein Loß. Der ein Leben lebte voller Trübsal, jeder Freude bar, Dessen Leib voll Beulen, dessen Armut all sein Reichtum war, Lazarus, als er das Auge schloß, er für zum Vaterschoß Abrahams empor und seine Seligkeit ist grenzenlos. Doch dem Reichen, dem das Glück sich treu biß in den Tod erwis, Der im Taumel der Genüsse lebte wie im Peradies, Färt dahin er aus dem Leben, aus der Pracht und Herrlichkeit, Im ist, wie das Feuer brennend, ewigen Schmachtens Qual bereit. Also ging zu Himmelswonnen Jener aus der Leidensnacht, Also haben Erdenfreuden disem ew'gen Fluch gebracht. Lebe neidlos! das gesteckte Zil erstreben, sei dir Pßicht, Aber wirst du sterben, etwas bleibt von dir, das stirbet nicht. Die dem Leib gebot, der Sele bleibt bewusst das irdische Sein: Guten Geistern winkt der Himmel, böser harrt die Hellenpein. 0, das sind die alten Märchen, die des Dichters Hirn gebar. Nicht ein Einziger der vernünftig, hält dergleichen je für war. Lüfte doch der Dichtung Schleier, sihe da, geschriben sten Findst dahinter du: nicht Alles- soll im Tod einst untergen! Geh, schlag auf die frommen Bücher, Gott zu danken, der dich lert, Dass ein neues, bessres Leben nach dem Tode dir beschert. Fragst du, wo die Seele weile, wenn der Leib zerfiel zu Staub, Wenn in Todes Haft verfangen er dem Grabe wird zum Raub? Wallt sie. Grabeswacht zu halten, luftgewoben um die Gruft Oder schwebt sie, unermessne Räume messend, durch die Luft? 127 • Wo sie weilt, ich weiss. es nimmer, die villeicbt, wenn sie entwallt, Schon sich hüllt in eines künftigen Leibs beginnende Gestalt. Wo sie weilt, ich weiss es nimmer. Doch ich weiss, dass, wo sie weilt, Ans dem Mond des Weltenricbters sie das Machtgebot ereilt. Denn, vereint dem Körper wider ruft er sie vor seinen Stul : War sie fromm, sie wallt gen Himmel, war sie bös, zum Flammenpful. Die da Scblimmes einst im Leben übten, lassen im Moment Ab davon, sobald die Seele sich von irem Leibe trennt. Erde wird der Leib einst werden, ob er nun die Raben närt, Oder ob in sengt die Flamme, oder wohin sonst er fart. Ist er Erde doch! Zur Erde kert er, wie der Herr verheisst, W&rend seine feste Wonung angewiesen ist dem Geist. Ist er selig, warum sollt er wechseln seinen Aufenthalt, In die Heimat seiner Leiden widevkeren mit Gewalt? iBt er ein verdammter, darf er wider an die Oberwelt, Die da leben hundertfältig^ ängstend, wie es im greföUt? Ueber wen der höchste Richter seines. Urteils Spruch verhängt. Darf der wol dem Zwang entrinnen, der den Büssenden umfängt? Mag von Geistern und Gespenstern man auch hören noch so vil. Warlich eitel Träume sind es, müss'ger Köpfe müssig Spil. Freilich, als ein Knabe glaubt ich auch daran in meinem Sinn Und der Amme, die mich hegte, dank ich das, der Schwazerin, Die mir, dass ich munter blibe, oft wenn schon zu Bett ich lag, Manche grause Spukgeschichten ernsthaft zu erzälen pflag. Darum ging auch nie zur Nachtzeit aus der Kammer ich allein, Oder one Leuchte, draussen, meint^ ich könnten Geister sein; Mid, sobald es dunkel worden, und des Nachts die Kirchhof wand, Fürchtete mich vor den Häusern, drin ein Toter sich befand. Jeden Pfad, der sich verästelt, denn man nimmt oft dort in Acht Lichter, welche gern den Wandrer irre leiten in der Nacht; Auch den Anger, drauf der Fallknecht die verlebten Rinder schleift. Wo den toten Küh'n und Stieren über^s Or die Haut er streift. Diso Furcht, die knabenhafte, lag dem Jüngling noch im Sinn, Wie den Duft ein Fläschchen festhält, war einmal Essenz darin. Oft hab ich ir ausgeboten, immer wider kerte sie Und es brauchte, sie zu bannen, endlich Mannesenergie. Nichts mir mach ich jezt aus Geistern, allenthalben kann ich gen, Furchtlos, ob es noch so finster ; nicht«, auch gar nichts lässt sich sehn. Sihst den Mann du? Manche Fabeh hört* er aus der Ane Mund, Leicht nach Hause kam er, eh die Sonne sank am Himmelsrund. Gläser blinken, Brüder winken, und so trit er, Weines voll, Erst um Mitternacht den Weg an, der in heimwärts füren soll. Was nun schaut er? einen Schimmel, auf dem Schimmel sizt ein Mann One Kopf und one Füsse, der als Rumpf nur gelten kann. Trägt den Kopf im Arm und hurtig ehe dass er sich^s vurHah, Weg und aus den Augen ist er, dann auf einmal widur da. Voll Entsezen eilt er weiter, und der Ruf der Unke hallt 128 • Dumpf nnd tranrig wie ein Grablied, schaurig rauBcht es in dem Wald. Und der Mond hat sich entschleiert, zauberhafte Schemen haucht Er Yor's Auge, bis er plözlich hinter das 6e wölke taucht. Schuf im erst der Reiter Grausen^ dann das grelle Schattenspil, Aengstet nun das jähe Dunkel in erst recht, es ist zuvil. Was er einst vernaro als Knabe, Niemands Freundin sei die Nacht, Wird im klar und sein Alleinsein fällt im auf das Herz mit Macht. Immer wider die geschauten Bilder siht er vor sich sten Und im ist, als ob er müsse noch vor heller Angst vergen. • Zitternd an dem Leib, von Schweisse triefend, keucht er durch den Wald, Drausseu endlich, trabt er weiter durch die Heide nass und kalt. Sih, da glimmen Lichter, tanzen in dem Räume hin und her, Taumelnd stürzt er und im zähen Schlamme fast ermattet er. In dem Frührot kennt er endlich, das im Ost erglüt, sich aus, Rafift sich auf und triefend, klappernd trit er in sein ärmlich Haus. In umringen Weib und Kinder und verwundert forschen sie, Was im zustiess, denn sie schauten so voll Schrecken in noch nie. Also hebt er zu erzälen an, was er leibhaftig sah. Weit aufsperrend Mund und Auge, stet sein Büblein vor im da. Was es hört, es get gewaltig mit im um und offenbar Wird der Wald dem Son so schrecklich, als er es dem Vater war. Auch die Base kann nicht feien, die drei Menschenalter zält, Denn sie muss doch auch erzälen, wenn man ir etwas erzält. Und so spricht sie: Nicht geheuer ist schon seit dreihundert Jar Diser Wald, verirrt ist Mancher Nachts darin, und das ist war. £in gewaltger Räuber hauste dort, gefürchtet rings umher, Biß er, von der Märe stürzend, brach den Hals von ungeflär. 0, gar vile Dinge weiss ich, könnte Kreuzweg* nennen dir, Wer zu Nacht auf selben wandelt, dem erget es übel echier. Hier ein £ichbaum. Dran im Nebel fand man Einen einst erhängt, Den nun nach Gebür ein Haufen Steine dort als Grab umfängt. Dort abseits ist eine Grube, die sich kaum dem Blick verrät Und die sich ein Dieb, gestolnes Gut zu bergen, klag erspäht. Dort im schattendunkeln Wäldchen fand ein schlimmes Par sich ein, Seiner schuldbewussten Liebe dort sich ungestört zu weihn. Dort begrub die Rabenmutter ir gemordet Fleisch und Blut, Doch das Schwert des Henkers sünte später solchen Frevelmut. An des Feldes Jerner Grenze Ward ein Markstein arg verrückt, Wer der Täter, keiner weiss es; Niemand hat die Tat erblickt. Doch am Orte, wo der Täuscher jene Missetat vollbracht, Siht man feurig als Gespenst in manchmal umgen in der Nacht. Alle dise Pläze mid ich, als ich noch ein Mädchen war; Zalte man mir tausend Gulden, nimmer wagt' ich die Gefar. Mer noch: dise Geister schweben selbst umher am lichten Tag, Biß man, fromm drei Kreuze schlagend, irer sich erweren mag. Ja, sie schweifen durch die Felder, durch die Wälder nicht allein, 130 Drum den Freundesband zu brechen, iren Vorteil, ire Macht Fest im Auge, sann die schlaue Gamarilla Tag und Nacht ; Aber da gerade Mittel, Weiberteufelei sogar, Nichts yermochten, also namen ganz besondrer Kunst sie war, Und frohlockten schon, als wäre der gewisse Sig ir Teil Und als wäre der verstockte Herrscher schon bekert zum Heil. Plözlich einstens vor dem Bette, da der Kaiser lag und schlief, Flammenzischend, kettenklirrend stand ein Teufelsbild und rief: Heisst das Frömmigkeit, o Kaiser? einem Kezer hängst da an? Soll, verfäret, deine Seele wandeln des Verderbens Ban? Ich auch war bei Leib und Leben gleichen Sinnes. Ruhelos Tausend Jare büsst der Oeist schon, ligt der Leib im Erdenschoß. Warlich bitten nicht die Heiligen, beten Andre nicht für mich. Eitel dann ist all mein Hoffen, wandern muss ich ewiglich. Reiss dich los von disem Freunde, der der Höllen einst verfallt, Oder, stirbst du, sei demselben auch im Schwefelpful gesellt! Oftmals Hess der Spuk sich schauen, stiess noch oft die Drohung aus. Und der Herscher bleich und seufzend irrte durch das Königshaus, Biß der Freund, ein Prinz von Sachsen, nach dem Grund der Blässe frag Und dann, seinem kummervollen Freund zu helfen, Sorge trug. Unbemerkt zur Nachtzeit schlich er in des Kaisers Schlafgemach, Legt sich hin an dessen Stelle, wolgefasst, und hält sich wach. Und der Unhold naht sich plözlich. Feuer sprät aus seinem Mund, Brüllend, mit den Ketten rasselnd macht er seine Drohung kund. Doch die Täuschung war am Ende und des Trugs Vergelter nah, Nicht der Herscher, der geschreckte, Friedrich selbst, sein Freund, ist da. Unerschrocken von dem Lager springt er, stürzt mit Donnerlaut Auf das Scheusal sich, das nimmer mor zu rüren sich getraut, Greift^s und hält es fest umklammert, reisst ein Fenster auf und hört Nicht das Winseln, nicht das Bitten, wie der Geist in auch beschwört, Den mit Risenarmen fasst er und er wirft in one Wal, Gleich als war' es nur ein Aeffchen, in den Graben am Portal. Ein Vermummter mit zerschundnen Glidern bot dem Blick sich dar. Als es graute — dran ersah man, was es für ein Teufel war. Der gebeugte Kaiser aber, ob sein Zorn auch war entloht, Muste lachen, bald auch wider kerte seiner Wange Rot. War der Freund, dem das gelungen, wert im erst, so ward er jezt Im noch werter. Sagen lasst mich nur noch das zu guter lezt: Kunde get, aus deinem Volke stund ein Mann ^inst, Friedrich, auf, Der wie du dergleichen Geister überwältigte zuhauf. — Wer kein Tor, der nüzt die Lere und sobald ein Spuk sich rürt Und das Volk in seinem Wane der Dämonen Walten spürt, Weiss er, dass Betrug im Spile. Bofih das Volk, es wird berückt, Wird misbraucht, dass ja den Herren keiner in die Karten blickt. Denn sie brüten nnermüdlloh Trug und Arglist und Verrat, 131 Im Yerboignen still erlauemd die Gelegenheit zur Tat; Prägen Geld, so keinen Wert hat, von geringem Korn nnd Schrot, Dem Gesezeswort entgegen, das mit Strafe diß bedroht; Mit dem sündigen Gewinne nach Beschüzem schauen sie. Was die einen lustig raubteu, decken und verbergen die; Ires Raubs Gewinn zu teilen, halten sie Zusammenkunft, Neue Ränke, neue Plane schmidet hier die saubre Zunft. Wer da klug nicht will er wissen, was sie treiben im Verein, Nein, Befridigung gewärt im, solchen Leuten fern zu sein. Aber wollen seines Hauses heiPger Schwelle Geister nahn, Allenthalben spürt und späht er, Wachehaltend auf dem Plan, Daas bei Nacht und Nebel keiner, welcher einem Geiste gleicht, Stele seiner Tochter Liebe, noch die Gattin im beschleicht, Noch im raube seine Schäze, noch, dieweil bestürzt das Haus, Tief im Keller supfe seine weingefüllten Fässlein aus. Nimmer sind im solche Freunde, solche Schwigersöne wert Und hinweg mit Geisseihieben scheucht er sie von seinem Herd. (Geister, die mit hochgeschwungnem Knüttel er bewältigen kann, Daaa sie gerne ferne bleiben, fürchtet nicht der brave Mann. Waa man sonst von Geistern redet, die da gen um Mitternacht, Himgespinnste sind's, worüber, fem von jeder Furcht, er lacht. Seine Kinder unterweist er, dass kein Graun sich schleicht hinein In die zarten Kinderherzen und sie hält in langer Pein ; Denn wem solches Zeug als Kind ward in den Kopf gesezt, es bleibt Fest dort haften, dass kein Mensch es je so leicht daraus vertreibt, Und wenn Mäuse, Ratten, Kazen galoppieren durch das Haus, Noch als Mann im allenthalben bricht der kalte Angstschweiss aus. Er verbeut, dass seinen Kindern man den Namen Satans nennt, Hält von jenen seiner alten Köchin sie drum auch getrennt. Alte Bücher^ abergläubisches Zeug enthaltend, Band um Band, Wandern in den lezten Winkel, wirft er in den Feuerbrand. Wenn die Ane, wenn die Tante, der die Welt voll Geister scheint, Ob das Kind sich auch entseze, nur damit es nicht mer weint, Nach dem Wauwau, nach dem Nacht-Rab, nach dem bösen Ruprecht ruft, Welche manches schlimme Kind schon Nachts entfürten durch die Luft, Dahingegen gute Geister denen, die gehorsam sind, Zackerwerk und Obst bescheren, Kleider selbst zum Angebind; Wenn sie von den wilden Sehwärmen reden, die mit Saus und Braus Rittiings auf der Ofengabel rasen durch die Luft ums Haus, Welche sm des Satans Festen eilen durch die Nacht dahin Und kein Fenster offen dulden, würend sie vorüberziehn ; Wenn sie dann von armen Sündern plaudern, die als Feuerschein In dem Kirchhof gen, von Hunden, welche Glut und Flammen spein: Laut nun zürnt er: wigt in Schlummer anders meine Kleinen ein, Sorget dass auf bessre Weise mag gestillt ir Weinen sein ! Kufen aber aus dem Orte seine l'iüchten in hinaus. 13^ Dann mit Sonnenuntergänge treibt es in gewiss nach Haus, Und wenn auf verschlongnen Wegen durch die Nacht er wandeln moss, Sorgsam wacht er, dass der Wein im nicht berücke Kopf und Foss. Wärend Jener nun im Dunkel, ranschumfangen, sinnverwirrt, Schemen, Geister, Hexen schauend, hierhin, dorthin schwankt und irrt| Lang vor Tag auf allen Wegen taumelt in die KreoE und Quer Und zurecht sich endlich findet bei der Sonne Widerker, Siht der Andre nichts von allem, wandelt seinen Gang in Rah, Und gesund und fröhlich wider trit er auf seid PfSrtchen zu. 3 Die Zigeuner „Sah in einer Gasse Einen Galgen hübsch und fein; Sprach zu mir der Galgen: Hüte dich, Zigeuuerlein 1^' Zigeunerlied Ich gieng einmal im schattigen Wald, es stund der Tag so sonnig, Mein Möpschen folgte meinem Schrit, mir war so wol, so wonnig. Beim süssen Sang der Vögelein ich hatte wenig £ile, Eichhörnchen hüpften zierlich froh, stillstand ich manche Weile. Tat sich der grüne Vorhang auf, dass vor mir lag die Ferne, wie durchflog der trunkne ßlick den lichten Raum so gerne. Wol mocht ich so gekommen sein biß in des Waldes Mitte, Und weil ich eben müde war, so hemmt* ich meine Schritte. Ein hoher Eichbaum schattend stand, ich sezte mich darunter. Ich sass und zog mein Buch hervor, so blib ich wach und munter. Ich las Odysseus Heldenmär, des schlauen, vilgewandten. Des durch dein Lied, o Sängerpreis, Homer! so weltbekannten. Derweil bald da, bald dort spaziert mein Hündchen in den Loden, Rings um mich her nach Hundebrauch und schnuppert auf dem Boden. Auf einmal aber schlägt es an, aufschaut' ich von dem Buche, Springt zu mir her und schmiegt sich an, als ob es Hilfe suche. Und winselnd zupft es mich am Rock, als wollte mich es bitten: Auf, auf! und rasch erhebe dich und folge meinen Schritten! Ich denk' im Gen: was hat das Tier? Ein sonderbar Betragen! Von Reh'n ein Rudel hat es wol erschreckt in seinem Jagen. Was sah ich? Prasselnd loht ein Brand, rings lagernde Gestalten: Die Körbe 1er, der Kessel singt; bald gilt's das Mal zu halten. Tiefbraun ir Angesicht, den Leib beschwert mit irer Habe, Zerlumpt ir Anzug and zerfezt, ir Har schwarz wie ein Rabe. Ein Bursche pustet in die Gibt, indes den Topf zmn Brande Zusezt eih Weib und Reiser aucht der Bubmi laiito Bnde. 183 Der streift des Katen Balg, und die bringt nm mit kaltem Blute Die Tauben, und ir Bratspiess ist die derbe Haselrute. Ein and'rer stellt ein Jagen an auf seines Kindes Köpfchen. Im aber flicht die Frau das Har und bindet's fest in Zöpfchen. Dum sest sie breit sich hin und beut die straffe Brust dem Jungen, Dm dessen Blosse kaum zur Not ein Lappen Tuch geschlungen. Ans winer Qmge quetscht ein Bursch die schauerlichsten Töne, An irem Böcklein aber flickt daneben eine Schöne. Ein Büblein angeritten kommt auf einer langen Stange, Dem Schiftger streut es Bröselein in seines Käfigs Zwange. Nun trollt es sich und rennt umher und wen es kann erschleichen, Den zupft er hinten, dann geschwind siht man den Schalk entweichen. Gleich ist er aber wider da und treibt das gleiche Necken. Und kriegt ein Schlftppchen er einmal, muss in die Mutter decken. Dort unterm hohen Tannenbaum ligt Einer, halb sich lenend, Hit langem Bart und weissem Har, die Glider träge denend. Des Haufens Ffirer ist der Greis, im hängt die Pfeif im Munde, Er sieht und wirbelt in die Luft den Rauch aus irem Grunde. Ich sah so hin, da schlug aufs neu mein Hündchen an. „Ich glaube, Sprach ich zu mir, am besten ist, du machst dich aus dem Staube. ** Doch hatten sie mich rasch entdeckt. Heran schon lief ein Knabe, Der bat fftr seine Leute mich um eine kleine Gabe. Ein Uebrigs tat ich: solchem Volk trau' Einer, der alieine. Yeignflgt, wie soyil Geld er sah, von dannen sprang der Kleine. Zur Matter lauft er, hält ir hin, was er von mir erraffte Und Jeder lief und ruhte nicht, biß er es auch begaffte. Da dankte mir der ganze Tross, mir ans der Feme winkend, Den Schlapphnt zog der Alte gar vom Scheitel silberblinkend. ESn altes Weiblein aber hub vom Size sich zur Stunde, Die Haut voll Runzeln, grau der Kopf, kein Zan mer in dem Munde. Am Leibe war sie spindeldürr, ein Kropf am Hals ir schwappte, Ir Rücken hdckrig wie ein Berg, ir Fuss, der rechte, knappte. Zu den Genossen kert sie sich, drauf nimmt sie mich zum Zile; Nun galt es, dass der Hexe braun nicht in die Hand* ich fiele. Doeh wie sie sah, dass ich vor ir vom rechten Weg ablenke. Da greift sie aus, und auf dem Hals ist sie mir, eh* ichs denke. ,0 haltet, ruft sie, lieber Herr, zu Dank Euch wird^s geschehen. Zu fftrchten warlich brauchet Ir Euch nicht, o bleibt doch stehen ! Niemanden je, so alt ich bin (die Hundert schon beschrit ich) Hab ich gekränkt, o zeigt mir doch, Herr, zeigt die Hand mir, bit ich. Ir schlagt es ab, da doch ich Euch glückselige Kunde bringe? Nichts brauch ich ja, denn P2ure Hand : Kund sind mir vile Dinge! Bin anch zu lügen nicht gewönt — was ist da zu bedenken? Wsui ich nichts Gutes prophezei, braucht Ir mir nichts zu schenken. 134 Nor Gutes, ant mir, sag ich Euch; in Minen und Geberden Les* ich's nod Euer Herz verdient das schönste Glück auf Erden. Wer gerne teilt sein Scherflein mit, und nicht zu karg, den Armen, Wol get es dem sein Leben lang, Gott wird sich sein erbarmen." In*s Auge fass^ ich sie: Mir ist ein Grausen aufgegangen, Vom Kopf biß zu dem Fuss hinab war sie von Schmuz umfangen. Ich schloss mein Cr, so gut es gieng, vor irer Zunge Pfeilen Und weiter schrit ich, sprach kein Wort; hier galt es kein Verweilen. Wie so nun, taub mich stellend, ich von ir mich abgewendet, Fortwandelnd, one dass ich nur ein Wort an sie verschwendet, Zur Bander humpelt sie zurück. Doch weil sie nichts erwischte. Ward sie von Allen ausgelacht, sie aber flucht' und zischte. Ir widersprachen Andre laut, darunter auch der Junge, Den ich beschenkte; still jedoch stand nimmer ire Zunge. Ein Häuflein Weiber hat sich ir mitbelfernd zugewendet, Und nun entbrennt ein Kampf, der wol mit blauen Malern endet. Ich nam es aus der Ferne war, mir moclit^ es wenig frommen: Den Heimweg hab ich, langsam nicht, durchs Blachfeld d'rum genommen. Ein Bauernburseh kommt hinter mir denselben Weg gewandelt, Gar froh gestimmt vom jungen Wein, den er beim Wirt erhandelt. Er bringt, weil bald die Hochzeit ist, dem Bräutchen hübsche Dinge, Manch lustig Liedlein singt er, dass der Marsch im bas gelinge. Er steuert heimwärts von der Stadt, wo zu bestimmten Tagen, Und heut' auch so, die Krämerschafb ir Marktzelt aufgeschlagen. Wie freut er sich, dieweil der Sinn des Vaters nun erweicht ist, Dass sein das Mädchen und das Zil, das holde, bald erreicht ist. Wie Die mit irem Hinkebein in schaut in irer Nähe, Sie grüsst in, forscht, woher des Wegs? wohin die Reise gehe? Da bleibt er sten und schwazt, das ist ein Reden und ein Lachen! Und gibt zulezt noch gar die Hand dem wüsten, alten Drachen. Hierauf er zieht das Beutelein, die Alte zu begaben Und hebt sich weiter mit Gesang, um vollends heim zu traben. Und als er mir zur Seite war, ich frug in: „sprich, mein Lieber, Was wüste denn das alte Weib? Was giengst du nicht vor&ber?" „Sie hat, er sprach, ein schönes Weib mir profezeit, nicht minder Ein langes Leben, heilen Leib, dazu gar hübsche Kinder, Und manche schöne Dinge noch.*' — „Du glaubst der schwarzen Alten Und zalst dein Geld noch, dass sie schön zum Narren dich gehalten?'' „Nicht trauen sollt ich irem Wort? Sie hat mir kundgegeben Von meiner Mutter selig vil, aus meines Vaters Leben. Fremd war sie mir, die Augen mein sie nie zu sehn bekamen, Und dennoch kannte sie mich wol und nannte mich mit Namen ! Wer sagt ir, was ich selbst nicht weiss? Wenn all das ir bekannt ist. So glaub ich, dass die Zukunft sie zu schauen auch im Stand ist.*' Mich kam darob das Lachen an: „So glaubst: ^«^ ^m Erlogne? 135 Nur ml doch hab wol Acht, du bist ganz sicher derBetrogne! Kein Zweifel, die Zigeunerin ist über dich im Klaren, Auch wftr's zu wundern, wüstest du, wober sie das erfaren. Mir aber danket schier, du bist zu rasch im Glaubenschenken, Dich hat das alte schwarze Weib berückt mit iren Ränken. Noch kennst du dise Rasse nicht: willst du sie kennen, höre! Grat iat's villeicht für später, dass ir Trug dich nicht betöre. Sie schleichen in die Dörfer ein, um alles au&uspüren. Was tauglich scheint, um iren Plan .gehörig auszufüren. Noch ledig bist du. Wäre dir die Braut auch nicht verbündet, Die glücklichste Verbindung doch dir hätte sie verkündet. Was anch erfüllt den jungen Mann, dem um die frischen Wangen Der erste Flaum wie Schatten spilt, mit süsserem Verlangen? Der Jongfr« get ea anders nicht, und wenn'« die frömmste wäre ; Drum beiden wer von Hochzeit singt, er bringt willkommne Märe. Du bist begütei*t. Dein Gewand schon gibt es zu eiTaten, Das zeichnet dich vor manchem aus von deinen Kameraden. Verl&ssest du das Haus, du bist bei vollem Beutel immer, Dein Vater gibt dir, was du willst, zu knapp dich hält er nimmer. Und wenn es ein Vergnügen gilt, engherzig sparst du selten. Schlecht finden lassest du dich nicht und Keiner kann dich schölten. Das wüste sie, mit Schmeichelton hat sie dich eingenommen Und freut sich jezt, dass sie so leicht zu deinem Geld gekommen. Oft hat sie schon dein Dorf besucht und strich durch seine Gassen Und durch die Fluren rings umher, du darfst dich dVauf verlassen. Du hast, weil in der Schule du, villeicht sie nicht gesehen; Du mustest.Vor- und Nachmittags ja stets zur Schule gehen. Du warst, weil eben auf dem Feld, wol nicht zu sehn im Staude, Wie sie zu deines Vaters Haus die flinken Schritte wandte. Sie selbst auch sah villeicht dich nicht, obschon des Vaters Züge, Den sie schon manches Mal gesehn, bekant ir zur Genüge. Wer kent in nicht? Du weisst ja selbst : wer ist im ganzen Flecken, Dem er, in Geldnot, nicht bereit, ein Sümmchen vorzustrecken? Selbst aus der Ferne mancher kommt nach eurem Haus gewandelt, Der Holz von deinem Vater bald, bald Vieh von im erhandelt. Und oft auch gieng er über Feld, Ausstände zu kassieren: An Minen bist der Gleiche du, am Gang und an Manieren.^ — gSie wüste doch, wie alt ich bin, dass ich als kleiner Knabe Das Füssohen brach und dass ich dann schwer krank gelegen habe ; Sie wüste, dass der Vater sich mir .zürnend abgewendet Und dass er jezt mir widerum die alte Liebe spendet." „0, jedes Hauses Heimlichkeit mühn sie sich zu erschleichen, D^rum kent sie dich, *s ist ire Art, zu schleichen und zu streichen. Dass von des Nachbars Enkelin das Herz dir eingenommen Und nun des säubern Mädchens Hand du wünschest zu bekommen ; Dm8 erst dein Vater Nein gesagt, bis endlich die Begerte Sein Herz, von deiner Liebe Macht bewältigt, dir gewärte; 136 Da88 er bereits mit Feldern dich, mit Wisen reich bedachte Und dir sein Hans, mit schwerem Geld erst neu erbant, vermachte ; Dazn den halben Yihbestand, den Wald nicht zu yergessen, Und einen Haufen baren Gelds, nichts spärlich zugemessen; Dass, wenn die Scheunen all im Herbst beginnen anzuschwellen Vom Elrntesegen, er dir selbst die Hochzeit will bestellen: Das weiss das ganze Dorf — und sie, sie sollte nichts erfaren Von Dingen, die doch lange schon in aller Munde waren? Ja, das ist ein verschmiztes Volk ! Es will einst von den Borden Des Nil vertriben worden sein von grimmen Feindeshorden. Nichts ist es, als verlaufoes Pack; nur Schlechtigkeit, dieg^osa ist, Der Hang zur Zügellosigkeit schuf, dass es heimatlos ist. Arbeiten? Nein! Die ganze Welt durchbetteln, ist erquicklich 1 Auch lässt es, wenn es nichts erhält, mitlaufen was im schicklich. Es spilt sein ganzes Tun, solang des Sommers Tage wären. Im Wald sich ab, sein nächtlich Ruhn, sein Zeugen und Geb&ren. Doch wenn es get dem Winter zu, wenn kalt die Fröste schaaern, Der Wälder Bann verlässt es dann, kriecht unter bei den Bauern. In unsrer Gegend bringt zumeist die Zeit es zu, die kalte, Hier, weiss es, feit es nicht an Holz und sonstigem Unterhalte. Das Mausen aber hat es hier sich abgetan — weswegen? Weil so nur Unterschleif im wird, woran im vil gelegen. Doch zauberhafter Künste vil sich rümt es vor den Leuten Und weiss auf dise Weise fein den Landmann auszubeuten. Gern bannt es Geister aus dem Haus, und Hexen aus den Ställen Und doktert an dem lieben Vih herum in Krankheitsfällen. Besprechen will es Feuersbrunst, Geraubtes widerbringen. Behilflich dem Verlierer sein zu den verlorenen Dingen. Die ganze Zukunft lige hell, so pralt es, vor dem Blick im. Und doch ligt tief in Finsternis sein eigenes Geschick im. Grossvater kam und Vater einst durch Schwert und Strang ums Leben, Doch keiner weiss, dass Gleiches auch mit im sich wird begeben. Stet schon das Zuchthaus hinter im, der Scherge mit der Rute, Der Henker mit dem glflhnden Mal, er merkt es nicht, der Gute. Und, altgeworden, ruht er sich im Wald und auf der Heide Und merkt nicht, dass der Tod nach im ausstreckt die Arme beide. So haben — nimm es übel nicht! — gefoppt dich ire Künste, Und was die Alte dir verkauft, sind eitel blaue Dünste. Nun lerne künftig klüger sein durch disen kleinen Schaden Und trau dem Hokus pokus ja nicht wider, möcht ich raten. '^ Wie wurde da der Junge rot, schalt wacker auf die Alte : Sich blicken lassen soll vor im nicht wider sie so balde!^) Stuttgart KarlDoU 1) Uro dem Leser eine Probe des Urtextes zu geben, welche d^^* 137 Yolksffimliehes : Sagen VI 1 Btr tritoclMM fitlfl In Augsburg sei es geschehen, daß ein Jesuit eine evangeli- ioiie Bäckermagd anm waren alleinseligmachenden Glauben be- keren woUte und diß versuchte in Oestalt eines Gespenstes. Er Seite dem H&dchen dermaßen zu und erschreckte es so f&rohter- lieh» daß es gar su arg war: wenn sie nicht vom Kezerglauben ablafi6| würde in der folgenden Nacht der Teufel selbst kommen und sie holen. Eis habs die Magd dem Knecht geklagt und ge- beten ir beizustehen. Was geschieht? Die folgende Nacht ver- steckt sich der Knecht in der Magd Kammer. Der Geist kam wflrkfioh und hub ein mächtiges Gepolter an. Der Kuecht nicht &11I, wischte herfOr mit seinem Gewer. „Der Geist, diß ersehende hob seine vermeintlichen Teufelskrallen beide in die Höhe, geht auf den Knecht loß und will in erschrecken, der in aber in den Leib stieß, daß der Geist niderfiel und starr tot war. Der Knecht wedite behende jedermann im Hause auf, mit Vermeidung wie er den Geist erstochen habe.^ selben zuirleich in den Stand sezt, über die Treue der üebersezung sich eimgermaften ein Urteil zu bilden, sei es vergönnt, die schönen Schlaß- ▼erse des Gedichtes Tod und Begräbnis im Original hier mitzuteilen: 8i me diliffitis, vetulas arcote cubili, Ne me languentem promptius ore necent. Sique meas vmquam tibi, Gare! licebit adire Exsequias, nosces iam mea vota prius. Consolare meos! Turbam depelle loquaceml Nemo, cave, tangat me nisi membra lavans. (Non opus esse tarnen statuo lotrice. Cadaver Semper erit foedum nilque valebit aqua). Si poteris, qua vis siue pompa trade sepulcro M e, paucosque meo funeri inesse sine t Lintea me cingantl Signum talare facessat Ofßcii, maneant biblia sacra domi! Sint pneri mnti! Sileat campana! Feratur Corpus, cum coelum sidera prodit, humum! Quilibet aptus erit locus! Absit praeco disertusi Nee mea caelatus contegat ossa lapis! Sic, opto. facies, et sie mea vota beatam Annorum seriem Te superare volunt, Sique senex, vitaeque satur, tua lumina claudens, Ingrediaris humum, sit tibi terra levis! 138 2 Ein Spiler and Flacher verirrt „Zu Eßlingen ward järlich am Tag St. Gatharinä ein Markt gehalten, auf welchem, als einsten ein Edelmann verreiset, geriete er zur Spil-Gesellschaft. Es kam aber dazu, daß der Edelmann all sein Geld verspilet und da es nun dunkel worden, befale er dem Knecht die Pferde zu bringen und ritte auch noch selbiges Abends darvou. Unter Wege aber gedachte er fort und fort an sein ver- spiltes Geld, dessen denn vermutlich nicht wenig gewesen, daß er also ergrimmet, einen Finch und Gottslästerung über die andere herauswarf, daß auch der Knecht darwider zu reden begunte, mit Vermelden, daß sie nun im Wald wären, auch Gott leichtlich ver- hängen könnte und so fortan, der Edelmann aber nur noch greu- licher gefluchet. Indessen stoßen im etliche Reuter auf (welche freylich lauter Gespenst« gewesen) mit großem Geräusche und Ge- tümmel, dise salbeten den Edelmann mit Stößen dergestalt, daß er halbtot vom Pferde fiele, welchen doch sein bescheidener (sicli auskennender) Knecht nach weniger Zeit wider zu Pferd brach te« ritten aber doch die ganze Nacht irr, bis sie Morgens früh in das Kloster Bebenhausen kamen, ganz matt und kraftloß und was den Edelmann betrlift so krank und schwach, daß er auch allda nach 3 Tagen sein Geist aufgeben wie Manlius berichtet in Collectan.^ 3 Der Zaaberer Hasch „Glaubwürdig ist von etlichen berichtet worden, wie daß vor etlicher Zeit iü dem Würtenberger Land ein großer Mörder um- gegangen sey, der dabei ein überaus großer Schwarzkünstler ge- wesen und kundte sich unsichtbar machen, wenn er wollte, mit Namen Nusch^ für welchem sich jederman entsezte, wenn man nur seinen Namen nennen hörte. Diser zauberte sich auf eine Zeit bei Schorndorff zu einem alten verdürten abgehauenen Stock oder Trumm von einem Baum. Als nun eine gute arme Frau hinaus in den Wald, Holz aufzulesen gangen war, fände sie unge- fehr diesen Block am Wege liegen, dachte bald, ich will ihn nehmen und zu Hause schon zerhauen, nähme ihn auch, lüde ihn auf und trüge ihn mit sich. Als sie aber nahe an das Thor kam, finge der Nusch an zu reden und sprach: alte Hur, stehe still, laß mich gehen, du hast mich lang genug getragen! Die arme Frau erschrack hefftig und ließe den Stock, unangesehen daß sie so hart und schwer getragen hatte, daß ihr der Schweiß darob ausgegangen, fallen, lieffe darvon, Nusch aber verschwand." 4 Von einem Schaze „Es ist auf eine Zeit ein Pfarrherr zu Dontzdorff, oberhalb Gemünd gesessen und in seinem Garten einen Baum gefället, da- runter er Kohlen gefunden, die glitzerten etlichermaasen, darob er sich verwundert und darvon etliche in seinen Sack eiogesteoket. 189 Als er nnn nacher Hans komen und die Kohlen wollen heraus- thoD, siehe da waren es soviel Goldgulden, so viel nemlich er Kohlen hineingeleget und mit sich heimgetragen hatte. Er lieff bald wieder dem Garten zu, in Willens deren mehr zu holen, aher da war nichts mehr anzutreffen." 5 Den Teufel Terschriben „A. 15S7 ist eine Hex zu Dillingen gefänglich eingezogen worden, die soll 31 Jahr in ihrem Wittihstand gelehet hahen als eioe Hehamme; dieser hat der Teufel versprochen, sie in keiner Armut stecken zu lassen. Nun ist der Teufel zum andern mal zu ihr kommen und hegehret, sie soll sich ihme ergehen und mit ihrem Blut unterschreiben: da sie aher sagte, wie sie nicht schrei- ben könte, da hat er ihr einen Ritz oder Riß an den linken Arm gemachet, ihr eine Feder in die rechte Hand gegehen und mit dem aufgefangenen Blut die Feder gefüllet, welche er ihr ge- fÜhret und damit üher das Papier gefahren; jedoch sei nichts darauf geschrieben zu sehen gewesen (wie sie hernach in der Tor- tor bekant und ausgesagt), welche Schrift denn der böse Geist zu eich genommen habe und wenn sie hernachmals etwan zur Kirche gehen oder ein Gebet verrichten wollen, zur Stunde sei der Teufel BQ ihr kommen und bah ihr solch ihre vermeinte Yerschreibung vorgehalten.^ Dise fünf Sagen sind dem bekannten 1695 zu Nürnberg in Verlegung Wolfg. Moritz Etutters erscliinencn Volksbuclie entnom- men: Das ärgerliche Leben und schreckliche Ende des vielberüch- Ugien Ertz- Schwarzkünstlers D. Johannierwislesbuckel , einer Anhöhe zwischen Hirsau nnd Liebenzeil, gegenüber dem Dorf Ernstmühl, hat man oft einen ad) Warzen Pudel Nachts laufen sehen, der aus der Nagold ge- kommen sein soll. Merere Leute sagten bestimmt aus, daß er inen begegnet sei. Seit die sogenannte Wilhelmsstraße, die der Nagold entlang fürt, dort gebaut worden ist, hat man von dem Honda nichts mer gesehen. Mündlich aus Liebenzell 81 Erdmännohen auf dem Hof Lütxenliardt Auf den Hof Lützenhardt bei Hirsau sind früher auch Erd- mftnncben glommen, kleine Leutchen wie Zwerge mit wildem Aenßern und aerfezten Kleidern. Sie kamen aus der nahen Bruder- höle, in der sie ire Wonung hatten. War in dem Hofe etwas zu ■chaffen, so hatten es die Erdmännchen über Nacht geschafft. Sie Inunen, unsichtbarer Weise, wärend der Feldarbeiten auch auf das Feld nnd legten Kuchen für die arbeitenden Menschen dort nider. Die Lente rochen denselben plözlich und fanden dann die will- kommene Labe in irer Nähe. Aus Mitleid mit den kleinen, ärm- lich gekleideten Männchen und um sich inen dankbar zu erweisen, ließen die Bewoner des Hofs inen einmal neue Kleider machen, die sie yoT vret Hole niderlegten. Damit aber hatten sie dieselben "fertriben, denn von da an kamen sie nie mer auf den Hof. Mündlich von Oberkollbacb 150 32 Der Hasarensprnng bei Teinach Zehn Minuten hinter Teinach, am Wege nach Breitenberg, jedoch auf Liebelsberger Markung, da wo das Rindenhäuschen stet, ist die Straße durch eine Stüzmaner gegen den steilen Ab- hang geschüzt. Die Stelle heißt der Husarensprung. In Folge einer Wette die es galt, oder, wie andere sagen, zur Strafe, vil- leicht auch um sich einer Strafe zu entziehen^ sezte dort einmal ein Husar mit seinem Pferd in den Abgrund. Der Sprung aber glückte nicht; Ros und Mann langten zerschmettert unten an. Vor 60—70 Jaren stand in der Nähe ein Wirtshaus, das einen Tannenzapfen im Schilde fürte. Mündlich von Liebeisberg 33 Spuk in Teinach Im Hause des Mezgers L. in Teinach hat es vor etwa 20 Jaren nicht unbedeutend gespukt. In einem Dachbiegel befanden sich allerlei Geräte aufbewart, darunter auch ein dreifüßiger Stul mit einem runden Polster. Auf disen Stul und in die Kammer, glaubt man, sei ein Geist gebannt gewesen, den man für den eines gewissen Stabsrichters (Schradi) hält. Als der Stul in Folge eines Auctionsverkaufs aus dem Hause kam, vemam man im ganzen Hause, in jener Dachecke beginnend, ein merkwürdiges Gepolter, es wurden Gegenstände von irem Plaze gerückt, im Oem hörte man ein Schlucken und änliches, one daß man übrigetis den Geist zu Gesicht bekam. Der Spuk soll noch nicht ganz aufgehört haben, doch ist die Sache nicht mer so bedeutend wie firüher. Einige bringen die Sache auch damit in Zusammenhang, daß einmal ein Wansinniger aus einem Zimmer des Hauses über das Dach zum Backofen stig, in disen, der eben gefeuert war, hineinkroch und darin verbrannte. Mündlich, Teinach 34 Otter leistet Kindern Gesellschaft Landleute, welche im Felde arbeiten, nemen häufig die Kin- der mit hinaus, die sie dann an einen Rain sezen und dort meist sich selbst überlassen. Oft läßt man einem solchen Kinde wol auch einen Topf mit Milch zurück, die es verzeren darf. So ge- schah es auch in Sommenhardt, auf dem Felde zwischen disem Ort und Zavelstein. Allein sobald ein Kind dort allein war, kam regelmäßig eine Otter ans dem Büohenlaub, einem Buchwäldchen, das jezt in einen Eichwald umgewandelt ist, um an der Malzeit dos Kindes Teil zu nemen. Die Leute kamen oft dazu und sahen, wie die Schlange von der Milch trank und^ wie die Kinder ab- werend sie auf den Kopf schlugen mit den Worten : Du, iß et no Milch, iß au Brooka ! Uebrigens hat die Otter den Kindern nie etwas zu leid getan. (Häufig.) Mündlich yon Sommenhardt 151 85 mida Jagd bei Heabnlach Der wilde J&ger mit Treibern und Hunden jagt auch bei Neabnlach. Mit lautem Lärm und Getöse für er einst dahin, da beobmehtete in ein Banernknecht vom Dachladen aus und wachte den Lärm nach, worauf ein Eselskinnbacken zum Dachladen her- einflog, damit er auch von der Jagd etwas habe. Mündlich, Neubulach 86 Stdikreua bei Heabnlach Wol kaum finden sich auf einer Ortsmarkung so vile Stein- beiaammen, als auf der Neubulacher. Außer mereren ein- seinen Kreuzen an verschidenen Stellen der Markung macht sich l>«Bonder8 eine Gruppe von fünf alten Steinkreuzen unterhalb des SUdtohens an der Straße nach Oberhaugstett bemerklich, auf wel- clien meist eine Pflugschar eingegraben ist. Hier sollen, wie im Orte die Sage get, die Untergänger der Earchspilsgemeinden zu- BAmmen gekommen, und in Streit geraten sein, in welchem alle Sebliben seien. — Auch mit dem Schwedenkrieg hat man die Kreuze schon in Verbindung bringen wollen. Mündlich aus Neubulach An ein anderes, an der Straße nach Oberhaugstett stehendes Krena, auf welchem eine Kunkel mit Spindel abgebildet ist und das im Volksmunde die Spinnerin heißt, knüpft sich gleichfalls eine Sage, deren auch die Oberamtsbeschreibung Erwänung tut: Es sali hier eine Spinnerin geäußert haben, heute müsse sie noch einen Knnkelhalter haben und wenn es auch der Teufel wäre, wo- rauf sie richtig der Teufel holte. 87 Der Raieb In Oberhaugstett bei Neubulach erzält man, daß bald dat bald dort der Raich sich hören lasse, indem er plözlich au, au laut rufe and disen kläglichen Schrei oft biß zu dreißigraal wider- hole. Der Ruf klinge wie ein Rehruf, daher auch der Name des Geistes, Raich oder Rehgeist. Der Schultheiß Claus hat den Raich in einer klaren Mondnacht einmal in seinem Hofe bei dreißigmal rufen hören, aber nichts gesehen, auch habe sich der Uofhund Wlkommen ruhig verhalten. Einmal hörte ein noch in später Stande im Walde beschäftigter Besenbinder plözlich den Schrei des Raich neben sich, one das geringste zu sehen. Im Unmute über dise unheimliche Störung stieß er ein Scheltwort aus und machte sich gleichzeitig auf den Heimweg. Der Raich aber ist auf dem ganaen Wege nicht von im gewichen und hat in beständig mit seinem Rufe verfolgt. In neuerer Zeit läßt sich der Geist nicht mer so häufig vememen, wie früher; doch treibt er namentlich in 152 den Adventsnächten seiD Wesen zuweilen auch jezt noch. Es ist übrigens ein harmloser Geist, der Niemanden ein Leid zufügt. Mündlich aus Oberhaugstett 38 Matesheer In lariinsmoos Hart an Martinsmoos, an die Häuser des Orts anstoßend, stand in früheren Zeiten ein Schloß, von welchem jezt nur noch Sparen des Burggrabens ersichtlich sind. An diser Stelle hat man früher oft einen gewaltigen Lärm vernommen, den das Mutesheer dort verursachte. Zuweilen ist dises wilde Heer auch mit lautem Getös über den Ort weg, an den Leuten vorüber gefaren, aber one jemanden zu beschädigen, wenn man sich stille verhielt i^nd die Geister nicht beschrie oder verhönte. Einst sah eine Hanf- brecherin das wilde Getümmel an sich vorüber jagen und bemerkte hinter dem Zuge eine Weibsperson, die nicht nachkommen wollte. Auf den beherzten Zuruf der Bäuerin, sie solle machen, daß sie nachkomme, habe jene erwidert, wäre sie gegürtet und geschürzt, so käme sie schon nach. Die Hanfbrecherin band ir nun Werg um die Mitte des Leibes, worauf die Nachzüglerin dankte and dem wilden Troß nacheilte. Mündlich aus Martinsmoos 89 Der wilde Jäger In der Umgegend von Martinsmoos auf dem Schwarzwalde bei Calw lebte einst ein leidenschaftlicher Jäger, welcher nichts weniger als fromm war. Auf das Krankenlager geworfen, ließ er einen Geistlichen rufen. Als diser sich bemühte, in ernstlich zum Reiche Gottes zu bekeren, gab im der Kranke trozig zur Antwort: Unserem Herrgott soll sein Reich verbleiben, nur aber soll meine Jagd verbleiben bis zum jüngsten Tag ! — Nun so fare hin ! rief der entrüstete Priester und verließ in. Bald darauf starb der gott- lose Mann und musto nun als~ wilder Jäger umgen. Die Leute haben in schon, hoch zu Roß, mit drei Hunden jagen sehen ; auch ist es zuweilei^ geschehen, daß er mit Pferdefüßen nach den Leu- ten warf. Seit einiger Zeit hat man nichts mer von im bemerkt : das macht, es soll seine Zeit, die 1000 Jare, die er zu g^n hatte, abgelaufen sein. Mündlich aus Martinsmoos In dem benachbarten Oberhaugstett hat das Gespenst den Namen des wälschen Jägers. Weiter oben im Gebirg, in Agenbach, haust der wilde Jäger auch als Förster, indem er im Walde die Tannen auszeichnet. 40 Erdmänncben und Erdweibcben in ■artinsmoos In das Haus des Bäckers in Martinsmoos sollen früher immer zwei Erdmännlein gekommen sein, welche im Haus und im Stalle halfen arbeiten. Sie hatten ganz zerrissene Kleider an, worüber der Bäcker 153 rieh erbmnnte und ioen neae Kleider gab. Von da an bliben sie aber tos, denn jezt, wie sie beim Weggen sagten, seien sie ausbe- zalt. In dasselbe Bäckerhaus kamen zuweilen auch zwei Erdweib- ehen snm Tanze. Dieselben kamen aus einer nur zeitweise fließen- den Quelle, einem sogenannten Seltenbrunnen auf der Wise im Brügel« Als sie einstmals beim Heimgange sich verspäteten und in die Quelle tauchten, kam Blut aus derselben geflossen. Die Erdweibchen aber hat man von dort an nie wider gesehen. Mündlich aus Martinsmoos 41 Der Kommesser Auf dem Boden der Martinsmooser Kirche hat ein Kommesser g^geistet, warscheinlich ein Kastenverwalter, welcher in seiner Ver- waltung unredlich war. Man hörte dexitlich, wie er Korn abmaß ond dabei rief : Mer Spreuer als Korn, mer Spreuer als Korn ! Jflit ist es ruhig. Mündlich aus Martinsmoos 42 Dil Wilde Heer bei Liebeisberg Derselbe Spuk, der in Martinsmoos vorkommt, scheint sein Wesen über Oberhaugstett bis nach Liebeisberg hin zu treiben. Ein Schmid, Namens Gottlieb Steinle, der 1812 den russischen Feldzug mitmachte, geriet zweimal in das Getümmel des wilden Jägers. Das einemal auf der Laite, einer hochgelegenen Flur bei Liebeleberg , als er ' von Teinach herkam. Auf einem Pferd one Kopf gewarte er einen Jäger mit einer großen Schar von Hunden, vdche in umringten. Eingedenk der Warnung, daß man bei einer sokhen Begegnung „nicht in der Lufb schnaufen darf, sondern in den Boden gucken muß", legte er sich flach zur Erde, worauf die wilde Jagd über in weggieng. Das zweitemal war er im Buhler- stich, einem Walde zwischen Warth und Oberhaugstett. Auf einmal rollte eine Chaise heran, hielt an, Diener sprangen ab und öfihe- ten den Schlag, aus welchem nun vile Hunde herauskamen. Mit einammal aber waren weder Chaise noch Bediente mer zu sehen ; dagegen hub sofort ein ' merkwürdiges Jagen an , wovon zwar nichts zu sehen, desto mer aber zu hören war, denn die Hunde verfürten ein arges Gebell. Chaise und Hunde sah außer Steinle am nämlichen Ort auch ein gewisser Wurster von Neubulach ; der- selbe flüchtete sich und rannte nach Hause, wo er vor Schrecken drei Tage lang sprachlos zu Bette lag. Mündlich von Liebeisberg 48 Udergelst Von alten Leuten in Liebeisberg wird behauptet, auf dem ■ogensnnten Laitengarten habe man oft nach Ave Maria ein Reh bald gjMhon, bald schreien hören. Es sei das der Mädergeist, 154 der die Vorübergehenden vom Weg abzuziehen suche, sonst aber noch Niemanden etwas getan habe. Mündlich, Liebelsberg 43a Schwebende Lichter Von Breitenberg aus siht man in den Winterabenden oft ein, oft zwei Lichter über der jenseits der Teinach aufsteigenden Berg^ wand, auf Liebelsberger Marknng. Sie kommen näher und rücken ferner, „gaiern*' (schweben) auf und ab ; auf einmal sind sie weg, auf einmal wider da. Der Schultheiß Kühler in Breitenberg hat denselben schon stundenlang von seinem Fenster zugesehen, er be- merkte sie namentlich „bei* wüstem, stürmischem Wetter". Auch hörte man vor ^ bis 6 Jaren von Leuten, welche Abends von Liebeisberg nach Teinach zur Hanfreibe giengen, sagen, es seien inen Lichter auf irem Wege begegnet. Mündlich aus Breitenberg und Liebeisberg Auch im Walde Plinkhardt auf Breitenberger Markung get ein Geist in Gestalt eines blauen Lichtes, der Plinkergeist; schon vile Leute haben in beobachtet, wenn sie aber demselben nahe zu sein glauben, sehen sie auf einmal nichts mer. Mündlich aus Breitenberg 44 Das Fleekenhockerle und das Schorchangesle In frühern Jaren sah man oft, meist in der Adventszeit in Scbmieh bei Calw ein Licht, das von den Feldern, zwischen den Hecken hindurch in den Ort hereinkam, und bald auf dem Weg, bald auf einem Brunnenstein sten blib. Es war oft nur zwei, drei Schritte von Einem entfernt und die jungen Leute liefen im manchmal nach, um es zu haschen, was aber nie gelang. Er war ein harmloser Geist, der wie er kam, auch wider ver- schwand. Die jezigen Bewoner des Ortes haben die Erscheinung häufig gesehen; in neuerer Zeit zeigt sie sich weit seltener. Ein anderes Gespenst ist das Schorchangesle (Agnes), das in dem Wald Schorch bei Scbmieh sein Wesen treibt und die Leute gern irrefürt. Mündlich aus Scbmieh 45 Die Angelsan In Oberkollwangen sah man früher öfters in den Advents- nächten ein schwarzes Schwein mit seinen Jungen. Es kam vom sogenannten Angel, einem Weideplaz außerhalb des Ortes, biß in den Ort herein. Dasselbe richtete sich von einem kleinen Hause in der Nähe der Kirche auf und sah zum Fenster hinein. Oberkollwangen 46 Der Eisenkarch Leute, welche Nachts unterwegs waren, haben vor OberkoU* wangen oft den Elisenkarch gehört, der an denselben mit einem 156 Ger&uflche vorüberfnr, wie solches ein schwer mit Eisen beladener Kirren Ternrsacht. Zu sehen ist das Furwerk aber nicht. Unter andern ist der Karch auch dem Vater des Gemeindepflegers Han- lehnann begegnet, der dann in großem Schrecken vollends nach Hanse eilte und oft von diser Begegnung sprach. Oberkollwangen 47 Der HaN Im Sack Ein Bauer von Oberkollwangen, Namens Hanselmann, gab nch damit ab, Hasen in Schlingen zu fangen, die er dann Nachts Tom Felde nach Hause trug. Einst hatte er auch einen Hasen ge- bogen, ließ in in seinen Sack springen und trug in der Heimat nu Als er an einem Walde vorüberkam, rief eine Stimme in dem Walde: Hick^ hackl Aus dem Sack! — antwortete es sofort: „Undi fam in's Hanselmanns Sack", worauf der Mann im Schrecken den Sack 2nr Erde warf und atemlos nach Hause rannte. Als er am oiehBten Morgen hinausgieng, um seine Beute zu holen, fand er den Sack noch am Boden: der Hase aber war fort. Oberkollwangen 46 Strassengntle In der Nähe des Eronenwirtshanses in Hofstett, eines aus wenigen Höfen und Häusern bestehenden Weilers auf der Höhe Unter Calw, hat sich schon oft eine Frauensperson gezeigt, welche mitten auf der Straße ein Kind hin und her bettete und die man das Straßengretle neont. Welche Bewantnis es mit derselben hat, iit nicht näher bekannt. Von den eine halbe Stunde weiter berg- aufwärts ligenden Weilern Hünerberg und Meistern aus hat man das Straßengretle als helles Lichtchen auf den sogenannten Straßen- ickem bei Hofirtett gesehen. Mündlich von Aichelberg Mit dem Straßengretle wird eine Erscheinung, die man im Wald Vögelesrain auf der Markung Oberkollwangen, eine Stunde fon Hofstett entfernt, beobachtete, in Verbindung gebracht.' Es soll dort, unweit dem sogenannten Igelslocher Brunnen, wo vor Zeiten der Ort Igelsloch gestanden haben soll, nicht geheuer sein. Vor etwa 30 Jaren befur der alte Lutz von Hofstett die durch disen Walds ziehende uralte Weinstraße mit einem Wagen Holz. Obwol es bergab gieng, so war der Wagen auf einmal nicht mer weiter zu bringen; kein Rad drehte sich und es war dem Manne, als ob der Wagen in hellen Flammen stünde. Seinem Mädchen, dam bei im war, schin es sogar, als ob der ganze Wald brenne. Erst nachdem der Bauer einen kräftigen Fluch ausgestoßen hatte, seste sich der Wagen mit Gerassel wider in Bewegung. Mündlich von Neuweiler 49 TtBUDde Uoliter bei Wünbacb Auf dem Maneracker, hart am Dorfe Würzbach, hat man noch YOt 20 Jaraa nm die Adventzeit fünf, sechs Lichter sehen können, 156 welche hin and her und wie tanzend aneinander Yorfiberstreifien. Der Schaltheiß Pfrommer hat dieselben oft beobachtet. Seit diser Zeit aber hat man die Lichter nicht mer bemerkt. Mündlich von Würzbach bei Calw 60 Der Geist bei der Havelsbnrg Der Hirschwirt Eeppler von Würzbach hat dise Erscheinang mermals gesehen. Er sagte mir: als ich selbige das erstemal sah, kam ich von Calmbach her auf dem sogenannten Föhrbergsträßle, hatte mein Fnrwerk bei mir und einige Fäßchen Bier auf meinem Wagen, an der Straße saß aufgemachtes Scheiterholz. Da es nun Nacht war, kam ich etwas ab dem Weg und mein Furwerk ge- "Tiet an eine Holzbeige. Ich gieng ab dem Wagen und sah dar- nach, und da ergab sich, daß an meinem Furwerke eine Achse ge- brochen; muste dann meine Pferde abspannen und one Furwerk nach Hause. War villeicht noch hundert Schritte von dem soge- nannten Talweg, welcher das Würzbachertal iüneinfürt, bei dem Bergabhang. Auf einmal sah ich eine Weibsperson den Weg her- aufkommen, ungefär vier biß fünf Schritte in der Nähe gegen mich, 80 wie man sagt hemdärmelicht. Ich gieng meinen Weg weiter, dachte : wenn du rechter Art bist, wirst du mich schon anreden ; hat aber nichts gesprochen. Sah sie nachkommen biß an die^) so- genannte Rothenbach , auf einmal nicht mer, und kam mir ein solcher Graus und Furcht, daß ich bereits nicht mer heimkam. — Ein andermal gieng ich mit noch mereren Bauern das Tal her- aus. Auf dem nämlichen Plaze sah ich die Gestalt wider, fragte die, die bei mir waren, ob sie nichts gesehen hätten ? da gaben sie zur Antwort, sie hätten nichts gesehen. Ich aber sah daa Weibsbild im nämlichen Gewände wie das erstemal. Hatte sie auch schon in meinen jungem Jaren dort gehört. Als ich noch zur Schule gieng, muste ich öfters mit dem Viehhirten dorthin. Um die Mittagszeit hörte ich mermals eine Weibsperson in diser Gegend, in der Richtung gegen die sogenannte Havelsburg, die fortwärend jammerte und weinte. — Ebenso hörte man auch schon von älteren Leuten sagen, daß in der nämlichen Gegend eine Weibsperson einem Mann begegnet sei ; sie hatte den Schurz aufgehoben und immer gefragt : habt Ir meinen Mann nicht gesehen ? habt Ir meinen Mann nicht gesehen? dann gab diser zur Antwort: Da Strähl-Maukel, was werd' ich denn deinen Mann gesehen haben! Wie er das sagte, kam auf einmal ein Brausen und ein Wind, daß man glaubte, alles Holz falle auf in herein, und habe bereits sein Haus nicht mer erreicht. Aufzeichnung des Schultheißen Pfrommer in Würzbach Die Havelsburg ist ein Bergkopf in der Richtung gegen Calm- bach, welche Spuren menschlicher Ansidlung zeigt; es muß, wie 1) Schon fränkisches Warzeichen, Speierer Bistamsgrenze ? 157 unser Gewärsmann sich ausdrückt, dort einmal etwas namhaftes gestanden sein. 51 Erdmämiclieii bei Aichelberg Nach Aichelberg fürt ans dem kleinen Enztale ein steiler Fuß- weg durch den Wald. In dem Gestein neben disem Wege finden sich merere Löcher, welche man schon zugestopft hat. Hatte man dieselben aber heute zugemacht, morgen waren sie wider offen. Und das hat nach der Sage der Leute Niemand getan, als die Erd- männchen, die in disen Löchern gewont haben. Gesehen hat die Männchen freilich Niemand. Mündlich von Aichelberg 52 Erdm&iinohei 1b Kapfenbardt In die Müle zu Kapfenhardt bei Neuenbürg kam Abends nach dem Betläuten ein Erdmännchen. Es sezte sich hinter den Ofen, hat Nachts auch oft in der Müle gemalen. Einst paßte der Müller im auf, als es weggieng und warf mit einem Prügel nach im, worauf das Erdmännchen im zurief: Hättst du den einiga Wurf net thaun, Deine Eindskinder würdet's gnossa haun. Verschwand darauf und kam niemals wider. Unterreichenbach 53 Spuk in GniAbacb Im Jare 1854 machte eine sonderbare Geschichte in Grun- bach vil von, sich reden. Im damaligen Schulhause erhob sich mit einemmal ein solches Gepolter, daß man es in den Nachbarhäusern über der Straße hörte. Das Geräusch gieng von der Bettlade, in welcher zwei Töchter des Schulmeisters lagen, und nur wenn die Mädchen im Bette lagen, aus; die Lade wurde dabei in die Höhe gehoben und mit Gepolter wider zurückgeworfen. Alle Bemühungen, der Sache auf den Grund zu kommen, waren one Erfolg: Land- jäger bewachten das Hans, fremde Personen übernachteten darin ; Niemanden aber gelang es, etwas zu ermitteln, biß etwa nach Jares- frist der Spuk von selbst aufhörte. Das Gebäude ist bei dem lezten großen Brande nidergebrannt. Unterreichenbach 54 Der LOwenwirt von ScbOmberg Der Löwenwirt Burckhardt von Schömberg hat auch mer als Brot essen können. Als im auf dem Felde einmal eine Pflugschar wegkam, brachte er es mit seinem Beschwören dahin, daß der Dieb sie wider brachte. Dabei sezte er disem so zu, daß er später selbst sagte, er möchte es nicht noch einmal tun. Einst mähte er Beine Wise, ließ aber einen runden Fleck ungemäht. Ein Bauer der das stSn geblibene Gras sah , mähte es nun heim- lich ab, band es in ein Tuch und wollte damit nach Hause. Wie er aber aus der Rundung hinaus wollte, fand es sich, daß er gebannt war; er muste die ganze Last biß zum andern Morgen halten, onc 158 weder dieselbe abwerfen, noch yon der Stelle zu können, biß die Wirkung des Bannes vorüber war. Mündlich von Monakam ^5 Der Hirschwirt von lonakam In Monakam waren einst die Rotmäntel im Quartiere. Man nannte sie nur die Kaiserlichen. Da war im Hirsch einer, der befestigte seinen Säbel an den Ofen und rannte wider denselben, one daß es im möglich war, sich zu schädigen. Nun sagte er zu den Anwesenden, wenn Einer da sei, der machen könne, daß in die Klinge verleze, der solle es tun. Da war aber ein stärkerer da. Der Hirschwirt, der still hinter dem Ofen saß, sagte, er solle das nicht noch einmal sagen. Als er es aber zum zweitenmal sagte und wider an die Klinge rannte, drang im solche in den Leib, daß er sich elend verwundete. Mündlich von Monakam Stuttgart KarlDoll Elsäfzisch Spraohlioheti I ■ Grammatik, Text, zum Wortschaze Die folgenden Mitteilungen sind einer Handschrift entnommen die Herr Gymnasiallerer Schtdfs in Schleiz in der Alem. IV 282 anfürte und aus der er eine kleine Probe gab. Ich habe den Text näher angesehen und gefunden, daß er dem Oberrheine und warschein- lich dem Elsaße angehört. Geschriben ist er von Franenhand, man glaubt sogar sprachliche Schattierungen herausfinden zu kön- nen. Entweder lebten die Schreiberinnen in einem elsäßischen Kloster oder es haben elsäßische Nonnen im rechtsrheinischen Lande das Er- bauungsbüchlein abgeschriben. Die Vorlage und die Abschreiberin- nen gehörten also nicht ein und derselben Landschaft in Alemannien an. Ist auch die Mitteilung von besonders großem Werte nicht, immerhin ist sie eine Bereicherung für eine künftige Grammatik des Alemannischen am Oberrheine; auch das mittelhochdeutsche Lexikon get nicht one Gewinn ab. Ich glaube alles, was taugt, her- ausgehoben und verwertet zu haben. Ich spreche auch Herrn Schtdts meinen Dank aus, daß er mich auf den alem. Schaz im mitteld. fränkischen Lande aufmerksam machte und es mir ermög- lichte in zu benüzen. — Der Beitrag H ist für den ersten Augen- blick nicht unter Elsaß unter zu bringen; bei näherer Betrach- tung stellt sich das Straßburger Hochdeutsch der ersten Hälfte des 16. Jarhunderts heraus, und nicht bloß das, auch eine Taschen- ausgabe der damaligen Satiriker haben wir in dem wenige Blätter umfassenden Drucke. 159 1 Lautiere Vocale. A kurzes: hirenschall, zall. Vgl. Alem. 1 303 An- merkg. 5. Echte alem. Denung stäl, Stall. Alem. Sprache 47 ; a = n : warden, wurden. Der Umlaut des a bietet nichts aaiTallendes. Ä langes: neben & wie in rdt, yemdmest und den fremden trinitdt, majestdt treffen wir das platt-alem. dem elsäßischen Idiome kaum geläufige au, dafür bekanntlich elsäßisch 6: gaub (des hl. Geistes), aubent, aubentessen , leztes Abendmal; audem, Adern; ▼erlaußen, begaubt, entschlatiffen , schlat^ffen, gewaupnet^). Sih übrigens Weinhold Alem. Gr. § 128 S. 102. Der Umlaut ijst e: vers- mechnus, ibelt^tig , ge^der, ingeeder, unbertigs. ä ^ai: rdnigen, hdlsam. Andere ä begegnen für ou : junckfirä, weyrekh ebenfalls mit dem Umlaut ^; jonckfralich. Dazu bemlin, erfrelich, glebig, zer- stret, getreet, fre (freue), frede, geseget (gesäugt) u. s. w. E kurzes, Umlaut von ä: semffmietig, hellisch merr (mare) n. s. w. Umlaut von o: gettlich, (divinus) blutstrepflin, gespett, merder (mörder). Vgl. Weinhold Alem. Gr. S. 93. e = ü bei fol- genden Liquiden: ungestemm, seufzen für st^nfzen, seufzen. E langes, Umlaut von ä, au sih oben. Umlaut von ö: beß, höchsten, gressten, großer, dettlich, traten, tresterin, getrest, heren, erher neben erherr, imper. entplest, aufheren, sch^ni, Schönheit; netten, erlösen, m ertlich, geted, sacr. der elung, krenung u. s. w. ^=a»; geschlich, flesch u. s. w. Weinhold § 122 S. 98. e = te, (iu, io): verdenen, verdenst; denst, denerin, dener, verdenlich, ver- dent, nemant, lemut, geng u. s. w. S — üe, ü: versend, versünt, dend, facite, verseneu. Weinhold S. 98 § 122. I kurzes = ü: tberfltssig, »berwunden, ibeltStig, triftig st. türftig. Zegen, in lezten, erf»lt^ sinder, gltck, erztrnet, zichtigen, ktnig, 1/fft, Lüfte ; dtrstet, sindig, bristen (mamillae), schtssel, dir- nin (krön), dirr, getncknet, verkind (verkündet), migen, vermiger u. 8. w. Weinhold §115S. 94. %•=€&: erhirr, exaudi. I langes = ü: natirlich; =t2e (uo): grin, miterlich, gem^ (Ge- müt) u. s. w. Uebergang des f in ei, ey in Wurzelsilben: mey- den, feynden, leib, weilen, zeiten u. s. w. In den Bildungssilben -lin, erhalten : bdmlen, fieslin, diechlin, glidlin, herzlin, kindtlin, büschelSn u. s. w. I^ie: fliehen. IE=üe: wtedent (schar), wütend; wietrich, senftmietig, diech- lin, erktelen, betriebt, trtebsall, fies, fieslin, bießer, Büßer ; sies, süß; gegriest, behiet (mich), gnugthier, Genugtuer; ir diet, tuet, tut; mied, müde; blieender (leib), gtetigst, wiesch, conj. praet. thief- fel, thieffelhaftig , riegen u. s. w. Richtige Schreibung: betrieger. 1) Alem. Sprache 48 160 ie = lat. ^ : sptegel, specala wie nenhocbd. ie = rom. f : clari- üciereu, jubiltereD, glorificieren a. s. w. ÄI=ei mhd. trifaltigkait, ewigkait, engstlichatt, weyschaitf afoem, bewaHid, schwais, belaitter; auch ein anderwatd begegnet. ei = ü mhd. eu nhd. fraiotlich, fratnden u. s. w. El^ä: dein, den, eam; in deim, in dein, in hoc; deinsel- ben, sogar armein. Vgl. Alem. I 255^). Weinhold S. 103. ei = ie^ (iu, io) sih oben e: detnerin, verdeinen. Weinhold S. 104. ei=^üe: beissen, büßen, feuß, Füße. Alem. Sprache 57. 70. 81. Alem. I 255. III 185. ei = mhd. ü: se^nfzen, seufzen. wie mhd. ; geschärft dorren, Domen. 6= au yersomlich ; ö = on: frdleichnam. Ü erhalten: frum, volktimen; ü=u: andwtirten, di^rch, ab- gründt, äü a. s. w. Weinhold S. 97. Ich möchte u ansezen. üsü: >^ cr^tür; ü = ut: htitte, heute. Ul^iu (ö, eu): rui Reue, rtiien, ttiir, huit, fuir, tnalichen, tniies (herz), getm, getruilichen, gezuikniß, nuigeboren, vernut-ren, erzutgen, fluist, üuich u. s. w. Consonanten. Der Consonantenbestand weist einige Fälle auf, die für Elsaß sprechen. Metathesen wie bume, borne für brunne u. s. w. finden sich keine da. Mit verbunnen äugen ist elsäßisch und rechtsrheinischem altem Straßburgischen Bistams- gebiete eigen. Allgemein oberrheinisch und bei Hebel gewönlich sind Denungen des alten ä, e vor r, Z miren (Myrrhen), stäl, Stall; zerzert, zerzerrt ; Formen wie hiren, deren, toren = Hirn, Dom sind auch schwäbisch. Alemannisch sind hofnüg (Hoffnunff), setinf- zen, se^nfzer, begengnet (begegoet), besengnet, feisten (mit Fäa- sten). Das Streben alte Quantität zu bezeichnen unterstüzen r, 1, selbst in Fällen, wo langer Wurzelvocal ursprünglich stet: trieb- sa22, hirenscha^ was obiges stal wider aufhebt; wirr (nos), merr (mare), Bellig, se^Zigkait, erherr (exaudi), herrt heu, dorren u. s. w. n ist ausgefallen in hofnti^, froleichnam, wie man heute noch am obem Nekar sagt ; oft eingeschoben, wie wir bereits gesehen, in seufzen, Faust u. s. w. in lebifigen zuckt noch altes lebendec nach, wiewol die -in^- Endungen dem nordschwäbischen im Rieß ganz eigen sind. Die Labialen weisen anlautend p und b in bunter Abwechse- lung auf: perg, pitterst, pischof, prunnen, pluot u. s. w. was bei- nahe in der späten Zeit der Handschrift bairische Vorlage verrät. Das fremde „Punkt'' erscheint im Dat. pl. Punkten. Auch bei den Gutturalen treffen wir spät bairischen Schriften eigenes ch] fimf- zec^en, sec^n, verzeic/f, werley ch, u. s. w. g = j: maigestät, = A: besehe//; cfi^k: erschricAt, gedancAen. Denungs-/» scheint schon ini 1) Alem. Sprache 53. 59. 161 Auiige, auch ih im Anlaute ist schon da : thief^ fAailhaftig, ^^on, gefAon, ^Aier n. s. w. -A^ait wechselt mit -c^ait. Die Zungenlaute weiaen beinahe durchaus s=ß, niderd. t auf, gerade wie das Ahkölnisch-Hochdeutsche : verladen, gro^n (neben großen, magnum) nrgie^n, gegoren, gesehen, vergib nit, schwai^, hus, wi^n, wißen 0.8. w. 8dl =8, 8t: geischlich^ wey^-cAait; auch 5 = ^c^ ; ge^ech, gwchech; ygl. Alem. III 185. Wechsel von c2, t bezeugen nichts neheres hinsichtlich der Heimat: vere^ilgen, endlos, unen^ich, bal^ akendj gemend, gewainJ, bewainc^. Ausfal: semffmietig, holselig 0. B. w. Bei der Declination der Substantive begegnet Flexions- loogkeit : dreier person, Genet. pl. ; für sein feind (pl.) ; aller mei- ner sünd, sind; umb ir sind u. s. w. Bei den Adjektiven treffeu wir die niderrheinisch- fränkische starke Flexion: der kristenlichcr kirchen, der allerinnbrinstiger lieb, also bei Femininis. Die Superlative keunen nur -ist, nicht oit. Die JPariic. praet. lauten öfter verkind, geted = verkündet Q. 8. w. Die alte Weise: er was bitten, besitzen, das ich dich bitten bin — allgemein noch üblich. Die Praet. der I-Conjug. 3 pers. erschtn, schrl, vertrib alter Sprache entfremdet; dagegen WM = war noch da. Oesncht zu dSten, zu verstoßen = getötet zu Werden. 2 Textproben 1 Herr Jhesu Ghriste, du hast mich gebiZf nach dir: das ?ergis nit an mir! Herr du hast mich kaufft mit deinem rosen- fi^ben blfit, das heihaM an^) mir! Herr Jhesa Ghriste, du bist mein vatter, ich bin dein kind: wie gco8 mein schuld ist, so ist doch dein barroherzigkait ßl gr^ •er: darum bitt ich dich lieber herr durch dein gettliche gnad vnd durch dein grundlose barmherzigkayt und deiner heiligen marter willen, das du dich über mich armen s/nder arbarmest. Herr Jhesu Christo ich birg mich hutt in den bach deynes rosen färben bläta vor deinen zoren, den ich verdoit hab mit mei- nen Btnden! herr ich fltiich hti»t vnder den schilt deiner barm- hendgkait vor deinem gericht. herr ich senck mich ht„ weisen, daß ein Amt ist, an ihm selbst göttlich, nnd der Welt so ,„nÖth]g und nutzlich, als Essen und Trincken, oder sonst kein ander «„Werck. Daß aber etliche solches Amts mißbrauchen, würgen und »„schlagen ohne Noth, aus lauter Muthwillen das ist nicht des Amts, «„sondern der Person schuld, dann wo ist je ein Amt, Werck oder «„irgend ein Ding so gut, das die muthwillige böse Leut nicht miß- «,bnmchen? Solche sind gleich wie die tolle Aerzte, die eine ge- «jSonde Hand wollen dem Menschen abhauen ohne Noth, aus lau- <«ter Muthwillen.* Was siebet dann der HErr JESUS, wann er, wie ehmals an f]em Oaliläischen Meer, also an dem Rhein-Ufer, auf der Glacis in der Vestang, Ober- und Unter-Homwerck gehet? Brüder siebet er, und wann er ein wenig fürbaß gehet, siebet er wieder andere Brflder, aber nicht in dem Schiff ihres Beruffs, oder über einer Arbeit, die ihn erireuen könte, sondern bey dem Wein ligen, und aossanffen, was eingeschenckt ist, und haben Pfeiffen, Geigen, Ley- ren und Psalter bey ihrem Wohlleben, auch am Tage der Rnhe 182 des HErrn. Brüder siebet er bey den ausgelanffenen Dina- Scbwestem, die sieb nur nm des Harens willen bie verdingen, und den Soldaten nacbzieben, von denen man die Worte des Propbeten sagen kan: Du bist nicbt ¥rie eine andere Hure, die man maß mit Geld kaoffen, nocb wie die Ebebrecberin, die an statt ibres Manns andere znläst, dann allen andern Haren gibt man Geld, du aber gibst allen deinen Bnblern Geld zn, (benckest ibnen deinen Lobn an,) and scbenckest ibnen, daß sie za dir kommen allentbalben, and mit dir Hurerey treiben, und findet sieb an dir das Wider- spiel für andern Weibern, mit deiner Hurerey, weil man dir nicbt nacblaufft, sondern du Geld zugibst , und man dir nicbt Geld an- gibt, also treibest du das Widerspiel. Ezecb. 16, 31 etc. Brüder siebet er, die in einer losen Gesellschaft ibren Mund übergeben lassen von faulem Gescbwätz, scbandbaren Worten und Narren- tbeidung, oder solchem Scbertz, der keinem Cbristen-Mensoben ziemet. Epb. 5, 4. Brüder siebet er, die sieb zusammen koppeln mit losen Stricken, unreebt za tbun, und mit Wagenseilen, zu sün- digen. Es. 5, 18. Die über ibrem Brüderscbafit saaffen, und un- glückliebem Spielen, zuletzt Händel miteinander anfangen, rauffen und einander verwunden. — Fortsezung folgt. ABirlinger Eine Huiiheinier Theaterhudschrift des Göti von BerliehingeB Nacbdem der von mir besorgte Druck des Heidelberger Manuskripts von Goetbes Bünenbearbeitung seines Götz ersebinen ist, stellt sieb beraus, daß aueb die Mannbeimer Tbeaterbibliotbek in Besiz einer Handsebrift dises Werkes ist. Naeb einer Mittei- lung des Mannbeimer Journals, die dann in andere Blätter über- gegangen ist, entbält das Mannbeimer Manuskript mer als das Heidelberger Exemplar: ja die Zeitungen bebaupteten, jenes zeige die größere Korrektbeit. Die Angelegenbeit ist immerbin interessant genug, nm zu genauerer Prüfung aufzufordern. Auf der einen Seite Ufert unzweifelbafb das Mannbeimer Exemplar eine willkommene Bestätigung desjenigen, was dureb die neue Ausgabe zum ersten Male bekannt geworden ist. Aueb ist riebtig, daß an einigen Stellen, wo der Sebreiber des Heidelberger Manuskripts sieb ver- scbriben bat, in dem Mannbeimer das Riebtige stet. An einigen Stellen babe icb in der Ausgabe bereits unter dem Text die Ver- besserung unzweifelbafter Feier gegeben. So verstet es sieb von selbst, daß Olearins beim Bisebof von Bamberg vom corpus juris bebauptet, es sei darin alles, was in den Gesezen abgängig oder dunkel wäre (p, 46, 2L 22 d. Ausgabe), dureb Glossen ersezt. Hier ist abhängig sieber Sobreib- oder gar Druokfeler (was icb von 184 Als Götz den yerstimmten Weisungen nicht aufzuheitern vermag, kommt der kleine Karl und ruft: „Zu Tische, Vater! zu Tische! Wie steht ihr da, wie schweigt ihr? habt ihr euch verzürnt? Nicht doch, Vater, das ist dein Gast! Mann, das ist dein Wirth^. Darauf kert sich Weisungen nach einer Pause um und sag^ indem er das Kind in die Höhe hebt: „Du bezwingst mich, lieber Kleiner **. Götz get dann auf Weisungen zu, faßt das Kind an, so daß es beide in die Höhe halten und ruft: „Bote des Friedens, du erinnerst mich an meine Pflicht ''. Karl aber beschließt den Akt mit den Worten: „So tragt mich zur Mutter, so tragt mich zur Tante. Euch yersöhnt, verbunden zu sehen, ist ihr einziger Wunsch. Das habe ich ihnen lange schon abgemerkt^. Wenn Goethe das in der gewönlichen Theaterbearbeitung ge- ändert und, um den Knaben nicht gar so altklug erscheinen za lassen, die Aufforderung zur Versönung Marien in den Mund ge- legt hat, so war diß jedenfalls eine Verbesserung. — Aber alle Warscheinlichkeit spricht dafür, daß das Mannheimer Exemplar hier Goethes ursprüngliche Fassung der Stelle darbietet. Abgesehen davon müssen wir der Heidelberger Handschrift die größere Zuverlässigkeit beilegen. Es ist unbestritten, daß der Dichter sie eigenhändig durchkorrigiert und in die gekürzte längst bekannte Form umgewandelt hat. — Damit aber nicht ein fal- scher Name in die Goethelitteratur komme, bemerke ich schließ- lich, daß — nach dankenswerter Mitteilung eines mit Frankfurter Verhältnissen bekannten Gelei*ten — der Name des Senators, der auf dem Titelblatte des Heidelberger Manuskripts die Echtheit von Goethes Handschrift bescheinigt hat, nicht Dr. Heuburg, sondern jYeuburg ist. Der Mann hatte die Unart so viler Menschen, sei- nen Namen undeutlich zu schreiben. Daher der Irrtum. Karlsruhe Dr. Gustav Wendt Beiträge nr Geschichte des Hvnanismas in Schwab» und Elsafz und des Erwachens der klassischen Studien in 15. und 16. Jarhnndert Die Zeit, in welcher die klassischen Studien jene mächtige Be- wegung der Geister hervorriefen, die befruchtend auf eine Regenera- tion der Wissenschaften nach allen Seiten hin einwirkte, hat zwar schon manche Darstellungen gefunden. Allein zu einer tieferen und eingehenderen Kenntnis sind wir noch nicht gelangt. Dazu bedarf es einer weit vollständigeren Herbeischafiung des Materials, welches in Handschriften und alten Drucken verborgen ligt. Ich hebe zu- nächst einen scheinbar unwichtigen und vilfach übersehenen, aber durchaus nicht zu unterschäzenden Punkt hervor. Wir haben noch 18S ■ keine enehepfende Darstellnng der Lermittel d. h. der Grammati- ken, Vocabularien n. dgl., deren man sich bei dem Unterrichte be- diente. Und allerdings sind die meisten so selten geworden, dafi es nnr bedeutenderen Bibliotheken — nnd auch disen kaum — rei^gCnnt ist, eine größere Zal davon zu besizen. Wie sollte es aaeh anders sein ? Wie wenige unserer heutigen Bibliotheken geben neh damit ab, Schulbücher aufzuheben! In der älteren Zeit war man in diser Hinsicht kaum sorgfältiger. Diejenigen Exemplare aber, welche der lieben Jugend in die Hände gegeben wurden, hatten ehemals dasselbe Schicksal wie heutzutage : sie wurden zer- ri&eDy beschmirt, verklext und — weggeworfen. Ich kann an einer Beihe von solchen Schulbüchern aus dem 15. und 16. Jarhundert, welche ich selbst besize, ad oculos demonstrieren, wie auch damals der Spruch galt: Jugend hat keine Tugend. Yen welcher Bedeutung gerade die Frage der Schulbücher flir jene Zeit war, get augenscheinlich schon aus dem ^nen Um- stand hervor, daß der unermüdliche Vorkämpfer des Humanismus, Hermann Buschius, bei seinen Angriffen auf die Gegner desselben in Köln besonders darauf drängte, daß der Donat statt des Alezander Gailus gebraucht würde. Es scheint uns kaum begreif- lidiy wenn wir den Streit verfolgen, wie eine solche Frage mit dner Erbitterung und Leidenschaft one Gleichen verfochten wurde, wie BOgar die Kanzeln, namentlich von Seiten der Dominikaner, dam benuzt wurden vor den „poetae et oratores", als den Vor- gängern des Antichristes, zu warnen : was in Köln wirklich vorge- kommen ist. Richtig bemerkt in diser Hinsicht Cornelius (die Hüneterschen Humanisten S. 26): „Will man billig urteilen, will man beiden Richtungen ir Recht widerfaren lassen, so muß man sieh auf ire Weltstellung, wenn ich es so nennen darf, besinnen. Der Orden der Dominikaner war eine der Blüten, welche die ältere christliche Zeit getriben hatte; er hatte der Welt den Thomas von Aqnin, dem deutschen Volke den Albertus Magnus gegeben: auch jeit waren sie die, wenn gleich ser ungenügenden, Vertreter der älteren christlichen Weltanschauung. Andererseits sind die Huma- nisten aus dem Prinzip der neueren Geschichte geboren und die- nen im. Beide Teile sind natürliche Feinde: was Wunder, daß sie sich schaden? Nicht als ob sie selbst irer Stellung sich klar bewnst wären. Es sind vilmer die Vorposten zweier Heere, die einander nahe rücken: sie kennen den Plan nicht, welchen sie als Glider des Ganzen voUfuren helfen, sie wissen über die dis- und jenseitige Stärke und die Elemente derselben keine Rechenschaft zu g^ben — nur eins wissen sie, daß es Feinde sind, auf die sie seUagen^. Ich habe diß vorausschicken müssen, damit man es nicht auf- fidlend findet, wenn ich auch Notizen über solche Männer, welche sich fast ausschließlich mit dem elementaren Unterricht im Latein abgaben, unter die Beiträge zur Geschichte des Humanismus auf- 186 neme. Der gewaltig und aiianflialteam vOTdringenda, einem glftii- zenden Meteor vergleichbare Sturm des Hamanismus, der rasch die Feinde allerwärts niderwirft, erregt mit Recht unsere Bewunde- rung; allein möglich war er nur durch die vorangehende stille Arbeit einer Reihe von Schulen und Männerui die über den blen- denden Erfolgen irer Nachfolger sum Teil völlig vergessen sind. Eine eingehendere Darstellung diser Schulen des 15. Jarhun- derts, welche eine rationellere Betreibung des Sprachunterrichts und ein anregenderes Studium der alten Klassiker anbauten und förderten, sowie eine Charakterisierung der hierbei benuzten Schul- bücher, ist eine Aufgabe für die Geschichte der klassischen Philo- logie, welche noch nicht annähernd beeidigend gelöst ist. Eine nicht unwichtige Quelle fär die Kenntnis derjenigen Werke und Männer, welche am Schluß des 15. und zu An&ng des 16. Jarhunderts für die Ausbreitung der klassischen Studien tätig waren, besizen wir in dem Auctarium des Priors im Kloster Laach, Johannes Butzbach, (f 1526), welches nach der Absicht des Ver- lassers eine Ergänzung zu dem Werke von Trithemius „de scri- ptoribus ecclesiasticis" bilden sollte. Ea ist zu disem Zwecke be- reits von Böcking im Supplement zu Huttens Werken (Tomi poste- rioris pars altera) für die Biographien deijenigen Männer ausge- beutet worden, welche in den Epistolae obscurornm viromm vor- konmien. Ich gebe hier eine Reihe von Artikeln daraus, und zwar hauptsächlich über Schüler von H. Bebelius und solche, die ans dessen Kreis hervorgegangen sind. (foL 115b.) [3^)]Äcdbu8 Henricfnan, patria Sudelfinensis natione Sueuus, homo in secularlbus litteris excellenter institutus, grammaticua et poeta insignis, discipulus quondam Heinrici Bebelijj poete laureati, cuius supra memoriam habuimus'). Scripsit pro vtüitate puerorum, quorum in grammatica preceptor erat, satis notabilem grammaticam M. ig „Grammatica est ars recte*^^). Garmina quoque et diuersas epistolas cum nonnullis al^s edidit. Viuit adhuc. [J^Oannes HUbrant^ natione Teutonicus, familiaris predioti Jacobi fautor, et ipse quidem bonarum litterarum discipliniir sat eruditus, qui et nonnuUa ingeni|j sui edidisse fertur monimenta. 1) Für die AnfangsbucbBtabon ist in der Hs. freier Raum ge- lassen, um Biß später hineinzumalen; diß ist aber unterblibeD. 2) Ich lasse die Biographie des H. Bebelius nicht abdrucken, weil dieselbe bereits von Böcking a. a. 0. mitgeteilt ist. 8) Bei Anf&rang der Werke eines Autors befolgt Butzbach im Auctarium die Ordnung, daß er vom auf der Linie den Titel, in der Mitte die Ansal der Bü<^er und am Schluß die Anfangsworte des Wer- kes angibt. 187 ■ed nichil eonun adhno ad noticiam meam pernenit. Legi episio- lam eins damtazat in grammaticam prememoratam. Vioit adhac. [S]^(u/iaiittö .Ee/^, auditor anpramemorati Jacobi, a quo iam in grammatica quam in ceteris humanitatis litteris apprime eraditoB est. Scripsit et ipse pro recommendatione operis pre- ceptoris sni instmctnm carmen, quo satis acutum suum prodidit ingeninm, sed et aüa plura scripsisee didtur nondum mihi cog- mta. Vinit adhuc cepto insistens studio. [M]Aihia8 Erets^ natione Alamanus, patria Landspergensis, predicti Sebastiani sub eodem preceptore quondam con&scipnlus, metro et prosa exercitatum habens ingenium, de onius scriptiB nichil hucnsqne Tidi preter carmen illud quod in grammaticam ma- giatri sni compoBuit. Viuit adhuc. (foL 116a.) [J^maindus MecMingius, homo studiosus et excellenter satis emditus, versu prosaque yalens, qnedam vtroque stilo scripsisse jierhibetor, quibus nomen suum et Studium ad noticiam posteritatis transmisit, sed nichil ex eis hucusque ad meam peruenit lectionem preter epigramma vnum grammatic^ Henricmanni, cuius auditor ihit oUm, prepositum. Viuit adhuc 1509. [X\0anne3 HdberkdU cum predictis ab eodem in litteris phi- losophicis institutus preceptore, ingenio clarus et sermone comptus, ligata solutaque exerdtatus oratione, quibus etiam nonnuUa fertur ingenij sui cudisse mooimenta, que nondum videre potuj. Scripsit «t ipse in preceptoris sui grammaticam instructum epigramma, quo «i acceptum referre voluit, quicquid sub ferula illius philosophice «roditionia acquisierat. Viuere adhuc dicitur plura scribens. [T]0atme5 Webery natione Sueuus, sub sepememorati Jacobi ^rammatid doctissimi cum antedictis in triuialibus scientijs egregie imbntns, sicut aperto p. (patet ?) iudido in epigrammate illo, quod in laudem crebro nominate grammatic^ composuit. Si quid aliud, mihi necdum innotuit. \C]AspefU8 Hamd^ vnus ex preceptoribus Jacobi Henricman, ^prammaticus excellens, a quo grammatice institutionis non mini- mam partem se idem Jacobus in epistola ad eundem accepisse in- ^^ue fatetur, quem etiam plura scriptis reliquisse ad vtilitatem •tudentium non dubito, quorum noticiam non habeo. \yf^0lffgangu3 Bcbelius, natione Sueuus, patria lustingensis, £rater Henrid Behelf hominis litteratissimi, homo et ipse eque ac germanus in litteris humanitatis excellentissime instructus, ingenio pollens et eloquio. Scripsisse dicitur quedam ad incitadonem fra- tris sui pro explosione barbarie et insätutione puritatis latine lin- gne, que nondum videre merui. Legi tamen eins instructum epi- gramma, quod in libellam fratris de arte versificaudi condidit. Viuit adhuc, ut audio, cum germano Tubingp philosophiam pro- fiten«. [L]E(mardtis Clemens^ natione Sueuus, patria Vlmensb, pres- 188 biter ibidem, vir in sacris litteris competenter institntas et secn- laris b'tterature non ignaras, metro exercitatus et prosa, scripsit gemino stilo erudite lectionis quedam sintbemata, e quibus com- plura feruntnr carmina et ad dinersos instmcte eleganti^ epistole. Legi ipsins in stychologiam Bebelianam Carmen. [W^Endeliniis Sueans, patria Pborcensis et ibidem in pbi- losopbia lector, bomo studiosus et emditus in secularibus litteris, qoi et carmine et prosa qnedam scripsisse dicitor, e quibus extät in laudem Bebelij Carmen saphicum. Viuit adbnc' Eine Reihe von Süddeutscben, welcbe als Verfasser von Bar- barolexen und Disputationes quodlibeticae bekannt wurden, beban- delt gleichfalls Butzbach; icb babe die Biographien bereits in der Zeitschrift des Bergischen Geschicbtsvereins 7 S. 282 ff. yeröffentlicbt. Unmittelbar hinter denselben stehen auf fol. 83b die folgenden: [l]Ohann€S CharisfeuSf cuius patrie vel nationis nomen ignoro, bomo equidem in secularibus litteris egregie doctus et diuinarum non ignarus, ingenio excellens et sermone disertus, Greci peritus sermonis atque latini, philosophus et orator insignis, fertur non- nuUas lucubraciones edidisse, quas tamen nondum memini me vi- disse, de quibus feruntnr Orationes plures li. j. Et quedam alia. Quo autem tempore hie damit similiter ignoro, puto tamen eom ynum ex supramemoratis fore neotbericis et forsitan adhue viuit 159 [d. i. 1509]. [C]Ratho Vdemhemiiis, natione Teutonicus, vir in liberalibos soiencijs excellenter emditus et diuinarum non expers litteramm, peritia artium quippe magister ogregius et Sletstatinis scholis pre- fectus famosus, ingenio cultus et sermone clarus et tarn bone- state vite quam doctrina auditoribus suis venerabilis, plura scri- psisse perbibetur, sed nil adhuc ad [fol. 84a] lectionem meam peruenisse memini, lector mens studiosus illa inquirat. Mortuas est ante paucos menses cum magna auditorum suorum querela et pulcbro cuiusdam epitapbio bonoratus sub Maximiliano anno do- mini 159 [1509]. [tjOhannes HiU Rotwylensis, natione Teutonicus, bomo bo- naram artium oppido studiosus et diuinamm scripturaram noticia sufficienter imbutus, philosophus acutus et Heidelbergensis gym- nasij decus insigne, ingenio subtilis et acer, sermone clarus et dis- putator de quolibet acutissimus, fertur scripsisse aliqua lectione digna sc. Questionum disputatamm li. j Quodlibeta varia li. j Orationes plures li. j Et nonnulla similia, quorum tituli me fugiunt; puto quod viuit adhuc. Als Grammatiker wird aufgefärt fol. 151 : 189 [W]EnUefilaus Brack^ natione. Alemanus, homo in studijs litteralibos continue exercitacionis, liberaliura artium professor et examinator rectorque scholarnm apud Constaniiam vigilantissimas, metro yalens et prQsa. Scripsit ad Ttilitatem et profectum scho- lipetamm suorum de significatione reram opas graramaticnm quod Vocabularium rerum prenotare voluit li. j „Malta ad te prestans iauenia" Et alia quedam. Glarait sub Friderico 3^ apud Saeaos fa- moaiBBlmas. Als Astronom wird auf fol. 155 behandelt: [t]0anne8 Liudllius, natione Germanus ex oppido Heilbronensi alias fons salutis dicto oriundos, homo certe quam in dioinis tum in secolaribus scienqjs et vel maxime in astronomia stodiosos et doctos, izigenio simüiter et sermoue prestans, coios opera et stu- dio scripta loannis de Monte Regio in lucem producta sunt. Scri- psit et ipse in astronomiae scientia nonnnlla quibus nomen et em- ditionem soam claret scilicet Ephemeridem nouam li. j „Cum supe- rioribos annis non paucos". Alia eins opuscula nondum videre (ergänze „merui"). Claruit statim post prefatum Joannem Regimontanum. Elberfeld WCreceHns Zur Wortforschung XII 1 Deutelkolbe m. typha zu Alem. VI 155: Deuttvang. Dios- coridis, de medicinali materia — Francof. 1543 S. 265 : typha ger- manice: moßkolben, narreokolben, Deiitelkolben^ liesknoi^en. Im Bagister: dytteUcolben. Tabemomont. ed. Bauhin 1664 S. 559: DeUelkoU)m. Zwinger, Ki'äuterbuch Basel 1694: typha niederl. Dodde, Lischdotte, Densen. In teutscher Sprach: Ließkolben, Narrenkolben, Wasserkolben, Ließknospen, Weyerkolben , Maur- kolben, (Morkolben? Bück), Dietelkölben S. 313. Die merfachen Leüdbä^ sten zum ON Tatilinpach nicht Tutilinpach. Vgl. auch den Namen Deutelmoos in Schwaben, den Familiennamen DetUd- Moser in Riedlingen. In Fischers Statistisch-topogr. Beschreibung des Borggrafthnms Nürnberg u. s. w. 1787 I S. 176: TeichMben^ lieBohkolben. Zu Bölsier = typha stimmen die Sumpf -Flur- namen: Bolster, Bolstern, aber nicht die beiden Bolstemang, die nie sumpfig waren, noch es sind. Im 9. Jarbd. saßen da noch einaelna Romanen, sollte bostar Rinderhütte hereinspilen?^) 2 Gnsel adj. subst. geil, aufgeregt. „Ein new abentürlich Practica Docktor Johannis Roßschwantz von Langen Lederbach ** 1) Die Lesart Bo^ernang kommt im 13. Jh. widerholt vor. In derlei Namen ist wol allerhand zusamraengeronnen. Man denke an die naheligenden : ahd. pulstar (pelta), püliz (boletus), häristal (Vieh- stelle) und an die alten CoUectiva auf -erach (em) z. B. hcislerach (has- kren); gerteraeh (gertren) ; längerrach, lengrach, lengem u. s. w. (Back) 190 • (alem.) Cap. XIV: Die münchnrerden dis jar vil keß samlen, wann das ffiter ist wo! geraten, das wirt sie faßt stechen and gusd machen, Toranß die noch schopff nnd schwantz haben. Mittig. von Crecelius. Willing (Alem. VI 87 Anm.) in seinen Predigten 9Sb : „dieweil unser fleischlicher Adam so gusel und geil ist — so ist von nöten, daß der mensch sein fleisch mit seinen glüsten täglich lerne abwürgen und tödten — dem halsstarrigen alten esel sein gnü<^ brechen u. s. w.'' „Die Maulesel springen au£P die stfttten, so ge* laden, beyßt sy in die mänin und in rugken; daß jm diser gusd vergange sol man sy ein weyl eynspannen und das mülinrad ziehen lassen: das selbig machet jn etwas zämer.** Gesner-Forer Tier- buch 1563 Bl. 49b. Gii^e^ m. Gänserich. Baar. Sunthausen. Am Bodensee hört man strichweise güs^penis, güsen = coire. R.Back schreibt mir : Ertinganis (Ertingen, Oberschwaben) est güs puden- dum, mentula; güH 1) homo lascivus, luxuriosus 2) qui puellas frequentat 3) homo hilaris et garrulus et gestaosus (= Geck auf der Zwifalter Alb). CHisen cohabitare; nackgüsele n. puerulos nudus, qui pudenda non tegit; parentes hoc basiatura dicunt. Pro güsen etiam nunc quibusdam in locis verbo güslen utuntur, unde giisel detraham. Eadem yocabula reperi in valle Lutrae Munigi* singensium (Münsingen, Lautertal). Altorfenses pronuntiant gosm pro ludere lascive, uti aliud verbum gopen. Verbum gtisi sonat simile alter! pro basiatore scilicet fusi, Wangensibus alpinis : htisi. Schmid Schwab. Wb. 250 kennt Ous, Gusel = Gans; in der Kinder- sprache. Sohmeller V 951 gusel adj. sich g. machen, lustig machen (1456) Frisch I 384c nennt ein Güselsross, ein Pferd das den Reiter abwirft, offenbar zu unsrem Worte oben gehörend. Seine Belegstelle ist Altenstaigs Vocab. entnommen: strenax, frisch, gails gusds Roß das einen bald vber ab würflet. Diefenb. Gl. 551. AB 3 Zu Sebastian Bfirster ^). Zu den von Birlinger allbereita besprochenen Wörtern aus Bürsters Chronik erlaube ich mir in fol- gendem nachträglich einige Bemerkungen zu machen: S. 12 ist nach uff röhr ein Fragezeichen gesezt, stat dessen wäre die Silbe -en anzuhängen, uffrören = in Fülle zusezen; anfrören = Pulver auf die Zündpfanne schütten, dann zusezen, reichlich geben überhaupt, ist in dem wirtembergischen Donantal noch volksüblich. — 251 hrüdtertrager ^ Brettertrager. Ober- schwäbisch Britt = Brett (in Lindau damals schon derselbe Bretter- handel wie in Ulm). S. 24 heisch ist wol der heisch =■ klatschen- der Hieb, Schlag, oberschwäbisch bätsch. Zeitwort: bätschen, klapfeu; schlagen, daß es klatscht. — ängeri (Engerling) heißt in einem dem Freyherrn von Freyberg- Justingen gewidmeten Auszug : Caii Plinii bist. nat. von Heyden. Frankfurt 1505 : emgerichi (tds Barbenköder angefOrt). — anspeniger in Thomas Weißenhorner 1) Sih Alem. Ol 276—285; IV 286—244. 191 Giiroii. ed. Banmann. S. 19 : etliob edel und ainspenig, S. 29 da- ni ein raysiger sswispeniger knecht. — S. 99 hsckaidt^ zwischen wagnerbanß, scheyren und anderen Geb&nlichkeiten des Kl. Salem genannt: wol = Bescheidstabe. Eine solche fand sich nach den Anlendorfar Yerbörsprotokollen nm 1680 im Schloß zn A. — hräisckig. Im Donantal ist brätschen = ausklopfen, fionen aus- brfttachen = reifs Bonenkeme ans den Schoten schlagen (vgl. brU' sdien). — baeize f. ist noch üblich ftlr Pflasterboden, bes. vor St&Uen« — dachsgäbel heißt in Oberschwaben auch die zweizackige ESsengabel mit der die Garben auf den Wagen gehoben werden. — dmmer jest noch = dämmerig, halbdunkel. — erfileen. Ein Anlendorfer Protokoll von 1717 sagt: der Pfarrer werde ihme Metmem einen braffen Filz geben haben = Verweis (Band 1717 8. 862b). — erworgenj jezt verwargen, ersticken. — groppe ist goUo Tulgaris, dagegen gründet cobitis barbata und taenia, welche aneh das Volk nnterscheidet. — Ob grudel m. nicht von grudeln ? Lflctera bedeutet beute brodeln, sieden. Wir sagen ja noch „der Siedige und der Heiße ist mir den Buckel hinaufgelaufen.*' — kkdge nacM ist in der Ravensburger Gegend als kin^t noch vor- handen. — - kOr ^ Keller, jezt noch ; die sogenannte Klingenberger Ohron. ed. Henne sagt S. 140: hattend dadurch (die Stadtmauer) in einen ^jgegraben. — Die Heggbacher Chr. (ed. Baumann) a. a. 0. S. 289: mnker, müleeren. — der schwarze Kaspar = Ten- hl ist noeh übliche Bezeichnung. — kastspuolen; hier in Ehingen karspuel = Spülicht, Spülwasser. — hrogen voU, jezt groglet voll und grMet sowie groppet voH^ scheint eher zu einem Zeitwort rebeln » rebeln, wuseln, wimmeln als zu krock (Rize) zu gehören. Vgl. punlet voll, gruselet voll, gwuselet voll, alles mit derselben Bedeutung = wimmelnd voll, g und b wechseln ja oft genug. — Lidi f. Lastschiff. Richentals Chronik (Aulend. Codex): Item das holti • . . ain guoÜ arger ledi vmb ain pfond heller . . . vnd ain minder arger ledi vmb XYIII ßd^, — Klingenb. Chr. S. 852: fuor ain acheff als ain schitterledi (Scheiterlastschiff). — laichen. Wenn die Geistlichen und Lerer Ferienreisen machen, sagt der Bauer: die hearro l&ichet. Der zuckende Bliz one hörbaren Donner heißt W^MtarlSich. — rofienbrüderische Knnrst: Anspilung auf die bekann- ten Rosenkreuser. — latzfnan: 1) in Laub oder Reis eingekleide- ter Frflhling^buz. Von im singen die Kinder: stilla, stilla, it so loat| der latsma h£tt o dicke hont, eor hätt o h^te wäf», eor ist heont nftoht verschläft und wenn men hett it gweckt, so lag er 00 im bett 2) Schelte = Lümmel. — einen schnee herlegen ist noeh gebränchfich. — lozen heißt man in Oberschwaben auch die Anhiebe (der Zimmerleute) am Randholz, das man zu beschlagen snftngt und die ovalen Holzabfälle davon. — lückem, verlUckem % entdeoken, ausfindig machen, ist in ganz Oberschwaben ge- brftnohUoh. — niauderig 1 = betrübt eingeschüchtert. 2 trüb (vom Wetter) in ganz Oberschwaben. — ölherger = Schlafhaube, fauler 192 Mensch (in Friedberg OA Sauig.). — schapper. Was ist der alte Ulmer Familiename Schaprunius? ^) — schick: — er hette einen gegenständ und so es einen schick abgebe, wolte er solchen zur Ehe nemmen. Aldf. Protok. 1672. — schidwein. Disem entspricht unser oberschwäbisch schidwecken, m. = Abschidsessen; wird stets Abends gehalten. — zu schnapp wird wol uoser yerschnappen = sich unbesonnen verreden, gehören. — alß hueren, schnuaren soll man usser der herrschaft bieten. Aldf. Maigebot von 1609 S. 5 — schöpfen (schöpfen ), der Sinn ließe auch unser schwäbisch schöpfen = abfangen zu. — segi: — 1416 vnd sol man alweg mit der segy uff gemaynen kosten Tischen. Eönigsegger Orig.-Urk. — In Buchau sagt man für Sege, die 2!ögi, weil es, wie Fischer KnoU meint, von ziehen herkomme (sagena). — thürgerichi Türpfosten noch allgemein. — trom Balken, trömen mit Balken decken, unter- ziehen: das irämt Gebälke (Aulendorf). — unglü^er^ in Ertingen heute das aangleinster. Ebendort heißen die Feuerfunken gleinster neben glaneinster und glanäisten. Einige sagen auch granäisto und sogar granlaiste. — verdössen vgl. die Stelle aus Forer^ Gesners Tierbuch (19) bärenschmalz mit räbenaschen . . . duscht alle geschwulsten. — verwarlosen, noch üblich = durch Unachtsam- keit zu Grunde richten. — zu weite möchte ich bemerken, dafi es in der Schweiz als schwette wider vor kommt. Vgl. watt: wette; Schwad: schwader(-loch). Vgl. Rochholz A. S. 1, 16ä. — A. 924 (locus) Uuat beiRümlang. !Neug. — Langwatt ist die BachmuttBr, welche als Farweg benüzt wird. A. 1 194 villa Langata, Geschichts- freund 4, 262. — 13. Jh. Waetfluo ib. 17, 251. — 1346 in dem wat (an der Albe) Ettlingen. Moqe Ztsch. 6, 341. — WaUgafi bei Tobel (Schweiz) Grimm, Wst. 4, 406. wadegaß ib. 5, 648. — 1324 Languat. Steichele, Bisth. Augsb. 3, 1275. — Schon im J« 987 heißt der Rehbach bei Speier Lancwata. — 1393 item sie haut ein langwatt in dem Ebach (Gemeindebach), Grimm Wst. 4, 303. — untz an die Langotten (bei Wiedikon) ib. 1 342 die laut- wat (das Wasser bei Villingen). Mone a. a. 0. 8, 121. — 1458 (das Wasser) die Langweg bei Vendenheim ib. 8, 166. — im gwatt. Zuggen, Geschichtsfir. 25, 135. — 1219 Wanbrehteswate. Wirt. Urkb. 3, 78. — 1420 uff der langwatten. Habsthaler Urkb. S. 41. — der Watpach 1714 zu Merxheim. Grimm, Wst. IV. — Wie Bie- der zu slat, so verhält sich swader zu swat. J. 1266 swaterlo. Ztsch. f. G. des Obr. 28, 386. — 13. Jh. swaderleg (Schwader- mühle an der Zusam) Steichele 3, 845. — 12. Jh. swadirouua. Geschichtsfr. 17, 250. — 1375 schwaterlo. Mone 6, 359; dort S. 360 ein Mann der Swaterler. — 1516 swaderloch by zell an der Schüssen. Vanotti Gf. v. Montfort S. 625. — Schwatterloch bei Lauffenburg etc. etc. Ehingen a. d. 1). Dr. RichardBuck 1) Wie verhält sich der schapper (das Vließ der Sofaalay tent 194 vnd zeittlicher siessigkait. Die sibent Staffel entziechung gött- liches drostes leiplicher vnd m&tlicher empfintlichait. Die achtet Staffel verlengerung des einganges ewiger Äred vnd entlicher selig- kait. Der jedliche hat ain besunder zu geaignet fred, in die sy ver- wandlet wirt, als dise nach geschriben materi anzaigen wirt. Die erst Staffel gaistlicher drawrigkait ist pitter schmerz- liche rew der boswlrtikait, die peniget den waren rewer schmerz- lichen, den so er sieht vnd erkent in dem liecht der gnaden, das er durch sein begangenn sind sein edle seil so hartt verwundet, die drew vnd das gelipt des gelabes an got gebrochen vnd got so groß dar durch belediget vnd erzirnet hat. Dise ermesung vnd bedrachtung machent schmerzen vber schmerczen in dem gemAtt des warens rewers: disse drawrigkait wechst vnd nympt z& in dem herzen des menschen, so er in embsigen gemytt vnd sieht vnd bedracht die hailsameii gietter der genaden vnd dngeten, der er sich durch seinn sintliches leben, so er in zeit gefiert hat, sdbs ber&bt vnd vntailheftig gemacht, auch die penen zu dem er sich durch begangen sind vnd versimpten g&tthat verpfändet hat vnd got so seh warlich belöget ; vnder den ieczgemelten drawrigkait ist die edelest vnd hechst die den entspringt auß göttlicher belonung. Der barmherczig giettig got, so er sieht vnd erkent disse draw* rigkait mit abgrunter dieffer rew, kan er sich nit lenger enhaiten, sunder er güst jm ein die genad verzeichung aller begangen sind, durch die dann alle drawrigkait auff gehept vnd hin genamen Wirt vnd in gaUtlichen fred verwandlet vnd bekert: dar vmb die erst Staffel gaistlicher fred ieczgemelter drawrigkait in grossen hoff- nung, göttlichen genaden, verzeichung begangner sünd, vers4mpte g&tthat| veterliche barmherczigkait, so gott jm gaist von inen zu dem menschen rett wie z& Maria Magdalena: dir werdent abge- lassenn dein sünd, stand auff vnd gang im frid Jhesn vnsers herren. Die ander Staffel gaistlicher drawrigkait mit irer tu geaigne- ter gaistlicher fred ist erkantnus aigner bruchselligkait ^)* So nun der mensch enpfint die erlangte gnad gottes ee er in im selbe nymt war: d& bist gesund, bis fursichtig vnd beh&ttsam, das dir nichs ergers begegne, seczt vnd nympt vestigclich für sich, Got vleisigclich in ennzinter andacht zu ddnnen vnd die vberigen ver- lichne tag in göttlichem lob vnd zu verzeren vnd enden; in dem so begegnet vnd stand dem menschen zu merckliche hindemus vnd grosse beschwemus im auß gang der sinden im ein gang der ge- naden. wan der feind aller seligkait, so er seiner herberg vnd ein wonung durch die ersten Staffel Verstössen vnd verdriben ist, so brucht er alle sintlichen aigenlistigkait wider den menschen» wie er wider besiezen mecht sein alte herberg, behusung vnd ein 1) HinmUigkeiL A4j. in Weist. 2, 569. IM wirft vnd vber in verhengt, die er nit änderst an nympt wan ab ain zaichen vnud merokliohes anzaigen göttlicher vngeiüideii, auch etwas schwerer ynnd peinlicher ist weder die vor gemelta draw- rigkait. Wan nach dem vnd der mensch in gaistlichen dugetsamen gietter zi nympt vnd aofif steigt, also wechst auch vnd steigt auff die driebseligkait, die fiäst z& zeitten als wmi das der in göttlicher straff sich selbs vrt< zfi sein in der zall der verdamp- ten menschen vnd acht sich selbe in aigem vrtal als ain aoß ge- dretten vnfruchber stock der dem für werden sol, sprechent in im selbs: ach got du ewiges gut, all obgemelten genade hab ich ver- sdmig schlefferlich lassen hin gan vnd mich nit darin nach mei- nem vermügenn vnd deinen gnaden geibt vnd die za fruchten bracht, darvmb billich da mir die als dem himel regen, donner wider en- zogen hast. Also murmlet er vnd zimit nit wider got, besundor allain beschuldiget er sich selbs vnd sein aigne sftmseb'gkaü. So nun aber der brun aller barmherczigkait Jhesu der giettig erkent vnd sieht selliche dise diemüttigkait des menschen, so verwandlet er zfimal aber dise drawrigkait in grosse fred, als vns das geldb- lich anzaigt der erlich prophet Dauid jm buch der psallem also sprechent: nach der vnzalberlichait der schmerczen meines heraeim habent gedrest dein süsse drestung mein sei. Darvmb die viertt Staffel gaistlicher fred gemesne verleichung zeittlicher driebsalig* kait durch die drostung göttlicher süssigkait. Die fünft Staffel gaistlicher drawrigkait ist zeweiffel des Stands aigner weßlichait zewissen den grad göttlicher straff auß der er besorgt sich zfi sein in der zaU der abgeworffen verstoasne von den genaden gottes vud der verdampten stat der menschen in grossen zeweiffel der hoffunng an ainem vnd der forcht am an- der tail, ob er sey in genaden oder vngenaden gottes; wan als die geschrift sagt, so waist der mensch nit gewislich ob er sy in ge- naden oder vngenaden gottes. Durch sellichen zweiffei feit der mensch in grosse drawrigkait, auß der er kunt in grossem die- müttigkait, auß der er wider kumpt zu göttlicher drostung, von der den grosser fred erstat den die vor gemelten fred der gena- den gottes; den so lernet er den fred zft haben vnd suchen in aller leiblichen vnd gaistlichen driebsaligkait, sprechent mit dem heiligen sant Pauls: vberflissig bin ich in frewd in aller drieb- saligkait, bedenck wie Gristus sein crücz mit freden hab gedragen zft der »tat der marter vnd durch sein leiden bese«»» sein aigen glori ynd himlischcn erbschaft zu der kain mensch kumpt den durch leiden. Die sechst Staffel gaistlicher drawrigkait ist wider sagen vnd ganz abkerung in irdischer drostung vnd zeittlicher süssigkait. Die andecbtig begirlich sei auß gemelten gnaden erkent sy wollkumenlioh das irdisch leiblich drostung zeittlich süssigkait^) vnd gaistlich 1) Dise zwei Zeilen sten doppelt in der schlechten Handschrift. Die cz sind durchaus mit s hier gegeben. 198 II Van den syhen iebung des menschen herczen auf die grtuU vnd geseez ist alle ghthaU vnd volhumenhaU des innem menschen. Beraittent ewr hercz dem herrenn, also etat geschriben «ni ersten b&ch der küng am sybentem capitel Tnd send die wort dei hailigen propUete Samels zfi den kinder yon Israhel; mügent b& gel^tt werden ainem ietlichem cristen menschen, der dem herreo begert z& machen vnd bawen aiu herberg gaistlioher zfi kunft. Die hailig geschrifb zaigt vns an vnd weist auß syben iebnng des herczen, anff den gruntt vnd geseozt ist frey ledigkait aller g&i- hait vnd wolkumenhait des inern menschen, die aofi den sybea gaben got des hailigen gaist entspringent vnd waehsent. Die erst iebung ist vleisige beraittong, kampt auß der gab göttlicher forcht. Die ander ernstlich behiettung, entstat auß der gab gött- licher kunst. Die dritt schnelle offnung, wechst auß der gab göttlicher giettigkait. Die viert veste sterckung, entspringt anfl der gab göttlicher' sterckin. Die fünft hiczige vber gebung, flttsf auß der gab göttliches rattes. Die sechst begirliche erhebung^ zAcht sein außgang auß der gab göttlicher verstentnus. Die sibent diemüettige abdötung, nimt sein grund auß der gab göttlickei weißhait. Die erst iebung des herczen ist vleisige beraittung. Z& vlei« siger beraittung des herczen send nott drw ding: das erst auß dreibung verganger beganger sind durch pittern rew vnd pein« lieber driebsaligkait vnd bäßwirdigkait; das ander abzng ^e^w wirtiger sünd durch vleissige virsichtigkait. Durch disse drew ding wirt dos menschen hercz gerainget vnd zfi vnschuldigei rainigkait beraitt zfi gaistlicher zfikunft des herren durch die gal göttlicher forcht. Die ander dan die sind krefUgklich außdribt vnd das hercz mit rainer warer vnschnld ziert. Die andre iebuog des herczen, auff der dan statt die volkumenhait des inerin menschen« ist ernstliche behüettung. So nun das hercz durch die ersten ie* bung mit vleiß ist beraitt dem eingang vnd gaistlicher zfikunft dei herren, so sol es durch die iebungen der behüttung drwlich behüi vnd bewart werden, da mit die außdreibung sintlicher vnseyberkail durch semige vnbehfitsamigkait nit wider einflus, als vns dai lernet der weiß am bfich der sprich am vierten capitel, sprechent mit sunderm vleiß behütt dein hercz, wan von jm fiüst das leben, aller stand vnsers lebens, gfit oder beß, wirt geurtailt auß den herczen, von dem dan als auß der wurcz vnser werck gfit oder böC geurtailt werden. Sollich erstelichen behiettunge wirck der menscl nit auß aiger craft, sunder auß der gab göttlicher kunst. Die driti iebung des herczen ist schnelle effnung: des menschen hercz, mü vleiß beraitt in der ersten iebung, mit ernst behüt in der andren sol schnei dem herren vnd dem edlen cosperlichen schacs gAttüMm genoden in gaistlicher zfikunft geöffnet werden, das (vnd) er von a^faiei MO ger ewiger liebin ynd in . der ofihung an dem stam des haillg crücz sein heroz vor an vnnerdent geben im leben vnd jm tod, gSttlich vnd menBchlich, dar vmb als der hailig saot Bembart schreibt: berr, icb waas vnd erken wa dein bercz lei, da ist dein scbaca, dein heroz ist bey vns, so seyen vnd wir dein schaos. Dar vmb der bilUohait halb nach, so geben wir biloh vnser hearca nye- mant dan got; sollichem vbergeben floß aoß der gab g6ttliohs rattes, nit anß aigner verstentnus, dar vmb wir vnstrefflich standen vor aUem himlischen hdr. Die sechst jebnng des hercaen ist begir- liehe auff erhebong zS Oot. Zfi dem eingan der gnaden ist nit gnog herczlich beraitung behietung offnnng vestenoag vnd vber- gebang, sunder der mensch m&ß das begirlich sn got aofferheben in vier weg : s& dem ersten in der verstentnns der warhait, z& dem andren in lieb habender begirliohait, z& dem dritten in dngetsam Wandel der zichtigkait, zu dem vierten in geformeter maynung der gerechtikait. Von den awaien zu dem ersten erhebungen schribt der hailig sant' Bembart vnd spricht: als vil der mensch got erkent, als vil liebt er im, wann es ist vnmüglich, das der mensch got er- ken vnd nit lieb hab; sellich erhebong des herczen wirckt der mensch dan wirdigclich, so er aller lielbdn begirlichen ding diaer weit verordnet in gottlichem liebin ; solliche erhebung der liebin in got ist das hftchst klainat vnd der beschloß menschlicher volko- menhait aof erde, durch die der mensch got eingelibt verainiget vnd ain gaist mit im wirt, als das eyssen im fewr aigner form ledig stat, also statt der mensch form- vnd pildlos aller zeittlichen ding. Zu dem dritten sol das hercz in got erhebt werden in dugetsamen wandel, das der mensch mit sant Pauls müg sprechen: mein wo- nung ist in den himlen; das beechioht dan, so der leichnam allain leiplich lebt auf erde vnd alle inwendige krefb des menscbln wonet ^y gotf dar mit der mensch sprechen mag mit der lieb habenten sei: ich schlaff leiblicher außwendig syn vnd kreft halb, aber mein hercz mit dem ersten innem menschen wachet in gott. Z& dem vierten sol das hercz inn got erhebt werden in ^erierter rechter mainung der gerech tikait; des beschicht, das alle wort, gedencken vnd werck gaistlich vnd leiblich in ainer rechten mainung auff vnd in got geordnet werden. Sollich erhebung des gemyttes in got wirckt göttlich verstentnns, durch die der mensch flucht irdischen vnd suchet die himlischen guter. Die sybent jebung des herozen in got die ist diemüttige abdotung, des nicbs anders ist den die diemuttigen abdotung des herczen von aller leiblicher vnd nottorf- tigen begird vnd von allem dem, das den menschen hindert vnd irt ann der genaden gottes; sollichen abzug wirck göttliche weishait, die dan ain jedlichen menschen lert alle ding an zu nemen als sy send: got als got, duget als duget, die synd als sind. Seiich herzlich iebung vnd wirck in vns der edel gaist Jhesu der mylt durch farbittung vnd beystand Maria vnd alles himlisch hör. amen. 202 klayder tragen. Wen ains ain hoflariig klayd an legt vnd eich ein- prfst vnd so hept den ains an vnd gefeit jm selber vnd beschanweat dich vnd so kumpt den dir die ynkeuschaitt dar anß, geleich als ain kart die^ da rawoh ist vnd des dnoh hipsch. -Also auch rauche klayder sollent ir tragen vnd sollent auch diemiettig sein, die macbent den den leib gelatt, das ist kewsch: das ist die dritt. Die viert Staffel das ist: dein red sol veminftig sein vnd be- schaidenlich, als sant Ambrosins schreipt von den jnnckiVawen: uner jnnckfrawen red sol sein vernünftig vnd ainfeltig vnd sollent mit •soham geziert sein. Das ist veminftigklioh r6d, wenn du etwas reden wilt, so lauß vor von der vemnnfb gerechnet werden, ob es nit schaden pring vnd ob man dein failmit nit dar bey mereke vnd was dn r^en wilt, das lauß vor für die Yemünfk knmen ee das es in den mnnd kn« vnd solt nit fßl schwecera ; wen ains also tu anszerichten hat vnd zeschweczen so gednnckt mich das geleidi das nit ain rechter gmnd da sey. Dar nach sol sy sein ainfeltig, nit das man Sprech: ey wol kan das mensch so recht wol reden wm dn bey den lefitten bist gewesen vnd das dn haim knmest, ey das hett sich recht wol daranff ge6egt vnd fachent den an vnd nmet wider sich selbs vnd anff ain yetlichs wort so kumet sy ain naaS seczlin des sol vberal nit sein, snnder sy sol ainfeltig sein. Dar nach so sol sy sein selten, das ist ain (entberliche Person) ftnnot vnd da nit nucz anß entspringt vnd nit fSl gefSrts machen, schlecht: Oot grieß dich! vnd da mitt anff vnd dannen; dar nach sollent sy ge- ziert sein war mit die schäm soll geziertt sein ainer junckfhiweo red, die schäm nit mit zierlichen werten. Die fanfb stapfei, das ist : dn solt dich bieten vor schencknngen vnd vor kramen, was (wan) das pringt oft ainem menschen grossen schaden. Ey, sprichst dn, was solts den schaden, wenn man schon ainem etwas schenckt? Ja werleicb, es pringt M vnkensohait, wen dir schon ainer etwas kramet, so mainstn nit allain das kramet sunder auch den kramer, nit den kramer der vnder dem ladenn syst, den der dir das kramat gefit; wen d& z& im kumpst, so m&stn im dancken vnd mtst sprechen: Gnad herr oder Gnad jnnckherr vnd beost den im die hannd, den so kumpt das ander her nach, das ich dir woll sagen wollt; vnd hebelst den also schon als sey es hayl- tum vnd wen du am morgen anff stast, so beschawest in am aller ersten vnd erspringt den aines nach dem andren. Dar vmb so biet dich dar vor. Die sechst stapfei das ist ain gutta cristenlicbe vnd göttliche fraintschafft solt d& haben, das ist, bist du ain man vnd lanß aine sein wie gaistlich sy woll so hab sy lieb mit dem gaist vnd nit mit leiplicher bey wonung; des geleichen ain junckfraw sol ganoi kain bey wonnung haben bey den mannen vnd solt erschrecken wen sy ainen man ausech, aber sy erschrecken geleich als ain essel, dem ain sack empfelt, nitt das es in gottes namen angefangen ward vad in (Hs. im) des teüffels namenn ain auß gang hab oder des (dase es) itt 203 gotiet Damen gezetlet werd vnd in (Hs. jm) des teüffels namen aaß gewindet werd; nit leit die Cristenlich fraintschaft^ das man ain ander ob dem tisch für leg vnd aio ander ere machen — nun weit dar TOD» wann es kampt etwa ftil vngemachs dar von. Die sibent stapfei, das ist diemüttikait. wen die janckfrawen ye sprechen, wen man gen in spricht: fraw, so sprechent sy: dein mftter ist ain fraw, vnd mfigen nit leiden daß man gen in sprech — vnd die aller rainest jonckfraw Maria ztt der man spricht: Fraw; man sprich nit: vnser liebe janckfraw, man sprich vnser lieben fraw — vnd sprechent den: ye got sey gelopt, ich bin ain janckfraw, vnd vberhebent sieh irer jnnckfrawschafft also vast, vnd da sprich ain lerer von den selben janckfraw mein liebe gesponß gottes, seyder min die jnnckfraw dem lemlin nachvolget, so ftircht ich nun die hoffurt vnd die geschwalst mach das da nit nachvolgen mfigest dem lemlin darch die engenn porten noch kindest volgen jnn ewige sftligkait, das ist wen ains ain hoffart in im hatt vnd das es also aaff geschwelt ist vnd höcher der hoffart in im hatt vnd sich böseer gedfinckt den ander leüt vnnd sich selber ako groß macht, das es nit dem lemlin nach kan volgen vnd darch die engen por- ten kan kamen in die ewige säligkait, wann aaß hoffart kampt vnkeüsch. ye sprichst da, wie kan vnkeüschait aaß hoffart kamen? Nan hat es doch kain geleichnas, ich gelaab wol ee e» kam vnnlauter- kait aaß essen vnd drinckenn. merck: wen man die zw& sind immer sdber ansieht so kampt aine nit aaß der andren, aber got ver- hengt ye Über ain menschen von hoffart wegenn vnlaaterkftit. merck : da hast etwenn ain solich hoffart jn dir, aber da merckst vnd hast nit dar f^, das es sind ist, vnd vber nimbst dich deiner janckfrawen- sdiaft also vast vnd da dos nit roercken wilt, so kampst da dan dar vmb vnd feilest in vnlaaterkait vnd merckst den, das es den sind ist; vnd also hast da den das für ain sind vnd waist das es sind ist. dar vmb sollen die janckfrawen diemüttig sein, das sy nit vmb ir janokfrawenschaft kamen vnd sollent sich des nit über- nemen, das sy nit vor der geschwalst kannen einkamen in ewige siligkait durch die engen port, vnd sol gedencken an ir arben- aeligkait, das sy doch ir selb so gar nit trawen darff, das sy nit wajst was got über sy verhengt vnd sol nun döster diemütti- ger sein. Die achtet stapfei das ist: behüt deine sinn das ist des ge- fleht vnd des gehör vnd des greiffen vnd die andrenn. Zam ersten so hab dein gesiebt inn hatt vnd lag nit vast vmb, vnd ersieh nit alle ding, wan du magst uff ainmal sechen das du dar nach wol fier wachen zeschaffen hast, biß das du es nyder truckest ; wann wenn da als vast vmb wilt sechen vnd alle ding beschawen wild, so geschieht dir geleich als ainer die in ain frembs land kern vnd wöltmin beschawen, wie die frawen in iren schlayren giengen, die WM'd irr des ganges vnd ward gefeit von ainem, dar vmb so sollen Jmekfrawen ire aagen in beh&tnuß haben. Z&m andren des ge- 204 hör: wan man an hept dich ze loben vnd etwas lobHch Besagen, so ker dich dar von vnd merck nit auff vnd nym dich des nit an. Zum dritten so l&g das du dich nit vngeschafifenlich an greiffest, nit wen du ainn morgen auff wachest, das da den dem teüffel an der ketten vmb treibest vnd gedenckest: also ist es ain ding vnd an hebest dich selbenn an gezegriffen vnordenlich: da biet dich, vor anß ain junger mensch wenn er auß schlaft, das er nit lang in dem bett lyg, wen es hebent sich an beß gedencken in im auff se gan vnd greift den sich selber an schantlieh. Dar vmb ir müttereo, hast du ain doehter die also lang lefit vnd nit auff will, so nim ain prigel oder ain tremel vnnd tremel sy auß dem bett. Ey, sprichst du, sy ist noch jung, wer sy alt so bederft es nit. vnd dfür vmb sprich ich : wen du erwachest, so stand auff vnd halt dein hend be- hntsamlich bey dir vnd lauß dir es sein als ob ich des sech oder dein engel der ist alwegen gegenwirtig vnd Oot vor an, dar sieht alle deine werck, vnd dar vmb so halt ewre synn in beh&tsamkait oder mach dir ain erbermiß gegenwirtig. Die neundt stapfei das ist: du solt nit lang verharren auff vnlauttem gedancken oder einfellen, als wen dir etwas einfeit: also leyt der eeman vnd die eefraw mit ainander. vnd also wer es wen dir etwas soUichs oder anders einfeit, so verhar nit dar in vnd ker dich geringe darvon auff etwas anders, es sey arbaitt oder was es ist; so Schutt den köpf, das dein hercs mit etwann andrem bekft- meret sey. vnd es wil dasselbig dennocht nit helfenn : du gedenckest den nach dar an, wie wol du arbaist — wen es mag dennost ains etwas annders auch gedencken wen auff die arbait, wann es firsaca des heroz nit als samd ; seltenn die frawen wircken was sy im köpf betten, die weyl sy neend, sy ddrsten es nit iren mannen sagen noch saigen^; desgeleichen auch die janckfrawen, selten sy ir gedenck die sy ob der arbait band dar ein wircken, sy dörsten es die v&ter vnd die mAter nit vast sechen lassen — dar vmb so soltu etwas ton, das dir dein hercz gancz vnd gar vast vnd das dn nichs anders dar neben gedencken künnest : das ist ain starck mechtig gepett des dir das hercz gefasset, aber das muß eryebt werden, wan es dir schon wider ein feit, so ker dich wider dar von vnd das treib ymma darfur, bys das du in ain g&tte gewanhait kumbst. die alt vetter sprechen: es sy geleich vmb des menschen hercz als vmb ain müll, wan man g&t koren auff ain müll schitt so melt sy, kument dann fluigen dar ein vnd andren vngeschaffne ding, das melzs auch; ist dan nichs dar jn, so verzert sy sich selber: also ist es auch vmb dein herz. Kurz es mftß gedacht haben: so lag vmb gfit koren vnd gedenck als mer etwas g&ts als etwas args, so du ye ge- dencken mftst, so Ifig das dfi gfit koren habest, das send gfit ge- denck vnd gewen dich an gfit gedenck die von göttlichen dingen send vnd so melt dein herz das gfitt koren wen frölich gfit ge- denckt dar ein schizst; aber wen du das gfit koren nit hast, das send die gftten gedenck, so m&ß es dennocht malen, so ksmaa dm 206 etwas zftaiatt, das in el^n ist, so beleibent sy ain (an = one) man; den geschieht geleioh als ainem federlio, des also schwept, es mag leicht ain windlin kumen, so feit es auff den ortt; knmpt den ain klaines windlin so feit es auf disen ort. Gleich t&nd sy auch also: wann in nit ettwas za statt, das sy maynen das in ehen sey, ye sprechen sy, ich mag mich nit in das kott myschenn vnd heleibent ee an man. das soll nit sein, du solt dich gancz Got ergehen vnd nit also getailt sein, das du Got wollest gefalle vnd der weit, das sy nit leiden mügen, wen nun ain schlayr nit recht pryssen (nesteln, ein- hängen) ist, es tatt sich nit also. Die dreyzechen Staffel das dn solt ainen Spiegel haben. Die junckfrawen han Spiegel, dar jnn sy sich sechentt ob sy mt meler oder masen habenn vnder den äugen, vnd muczent sich dar vor anff vnd lagent wie in das lachen anstand vnd macheu also ain äffen spil: also soltu auch ainen spiegel haben, dasistCristus vnser herr, in dem sollen mir vns beschauen. Der spigel ist auß glaß gemacht vndweylnun das lauter glas da ist, kanst du nicht dar jnn seohen, man macht aber pley binden an das glaß, so kan man sich darin soeben. Das lautter glaß ist die Gotthait, das kinden mir nitt Sechen, dar jn hatt er an sich genommen die balligen menscbait, daa ist das pley, das mir ainem spiegel an im betten, das wir alle in sechen. Wen ich in sich an demCreücz in aller gedult, so sich ich mich in aller Tngedult, ynd sich in in aller armfit, das er nit bett das er sein baupt auff nayget vnd ich han aUe reichtung vnd sich das er hie auff disem erdtreich nie kainen gutten tag bat ge- heptt ynd ich leb in allem wollust, vnnd* find mich selbs ganos brechenbaft vnd das mein leben seinem leben gancz yngeleicb ist vnd das laß dir den zi herczen gan vnd erseufczge den vnd bittgot, das er dir vergeh, wa zeigt man mir den spiegel? da gang an die predig vnd wen du den baym kumpet vnd so gedenck was dn gehört habest: das vnd des sey vnrecht vnd erken also dein sind vnd dein mausen, als die med ye den junckfrawen sagen: da band ir ain melin vnd so weschst sy es dan ab. was helf wen sy (ver)langt das man ir das^ sagt vnd sy that es nit nacher oder wasch abher ? Dar vmb so sol maus abher weschen. Die vierzechen Staffel ist das zum dickeren mal beich- ten, dar mit weschst man ab die massen das send die sind; dar vmb so sol man zum dickern mal beichten vnd da weschen vnd die alten lumpen her färziechen vnd auß weschen, auch sol in der beicht sein der gelaub vnd die boffnung vnd auch die lieb, das send der zecher, das ist das du wainest mit jamer* lieben äugen. Die funfczecben Staffel das ist verbarrlicbait. Der teufel der last dich anfachen, aber er hatt acht deiner fersen, das ist er Ikgt erst ob er dich an dem Iftsten end verfdrete vnd darvmb sol man verharren. Was wer es wen da die XV stapfei auff gangen werest vnd wider dar voun liesest, als ye die junckfrawen irend, wen sy ye 206 IV Dpß nachgeschriben red ist am predig van der j% gemachelschafl vnsers herre Jesu Eristi. „ Veni in ortnm menm, soror mea, spoosa mem et veni" kam ia meinen garten mein Schwester vnd mein gemaohel. Also spricht der jonckfrawen s&n z& dir ynod deinen geleichen jn dem b&ch der gesang aller gesang. Vnder allem dem, das menschlich heroa Tnd gemüet erfreen mag in diser zeit, so ist zä zergenoklichenn Ynd li gaistÜchen dingen eins der allerfrelichosten ding wenn ains Tn- bedacht g&tt neye fröliche m^r hdrren wirt. £ya nun ist mir eokr pfolchen worden, das ich dir Tnd andren an schimpf die aller* pesten mer yerkinden sol; nun wer mich hat aoßgesant an swet- ffel mit grossem ernst nit ain ritter oder ain graff, nit ain irdi* scher küng oder kayser, die all d&ttlich send, wer mich hatt aoA- gesant der den himel ynd erd geschaffen hatt, der gewaltig herr, der die weytenn weit mit ainer hand yerfacht, der, des reyehtom nymer zerrinnen mag, des weyßbait nyemannt laichen mag, des gtttte aUe ding yber wint, des wesen kain annfang noch end hat, der himlisch yater, der doch an din yerdiennen dich barmherzigk- lieh beschaffen hatt, der dir z& dem cristenlichen dAff barmhersigk- lichen geholffen hatt, ynd der aller barmherzigklichest yon dem ewigen tod dnrch seinen allerliebsten snn erlöst hat: dise^ groMW herr hatt mir enpfolchen zewerben an dich die fröliohen bottsohaft, die ich yor dir weil ich bey dir was nit werben dorst ynd ist das die: Er haut ainen lieben snn der ain m&tter hatt anff «rd an einen yatter ynd jm himel ainn yatter an ain m&tter. Sein matter ward sein schwanger ynd gepar in jnnckfi:aw, jn sein ant* lit beeret zesechen die engel, seiner schonij wandert sidi sanen ynd monn, seynen schacz mag niemannt erschepffen, sein gewalt hat kain end, sein land ist anmessigklich weyt, seiner diener ist yn- mäsigklichen yil, wan der haylig Daniel sach das im dienet ae taa* sentmalen tausent ynd bey im standen ze zechen tausentmalen hau- dert tanset englisch gaist. Disen leutseligen jangling, — gib mir das frölich bottenprot — wil dir der himlisch yatter z& ainem gemachel gen ynd hernach zfi seiner ee, wilt auch du, wenne da nnn in ia*- genten grosser wirst? wie sälig dein yater ynd miter ist, das in got ye ain solliches gebott yerUchen hatt. Sälig send dy fraind, vber aller saliger bist da das da ain sollichem herre macht getailt werden. Doch hat mir der edel jangling entpfolchen dir ynd allen rainen herzen ze sagen, wie wol das sy, das er geren wone in dem hanß elicher keuschait mit XXXfeltigem Ion ynd noch lieber aaff dem grenen feld witemlicher lauterkait mit LXfeltigem Ion, noch so feü er niendert lieber sein den in dem plienden garten mägtlicher rainkait, die da dret hundertfeltig frncht; l&g er hat yecz ain woll- gefallen an deinem keuschen leib, den er z& seinem laoteren diewi berait hat: seinen gdttliohen äugen gefeit das da jm dMa 210 in iod, du mostest wagen ob er wnrt ain zerer oder ain eepredier oder sin drincker oder ob er nymer gutten tag mit dir gelebt, dein h&zzig, dein veind, vnd die burdin musest nacht vnd tag ze bött ynd ze disch bey dir habenn. Gewonneetn den kain kind, so hett er kai- nen irid mit dir Ton der ynfrachtperkait deines leibs vnd hetteat ftn ewigs belangen vnd sennen nach kinder; gewonesta den kind, so wirt dir sorgen nymer paß, du wordest deinen ynwiderpriiJdi' eben schacz des plomen der magtlichait verlieren vnd alle jar ainest deins todXs wartenn, in nnlust vnd bledigkait vil monat schwerlich tragen, mit sterbender not schmerczlich geberoo, mitt grosser müe sägen vnd vber deine kind nimer &n sorg b^eibeiL Waffen! almechtiger Got mit wie maniger bitterkait eelicher leyt s&ligkait vberlat ist! Solt ich dir der eeleit druckt, angst vnd nott erzelen, so zenmn mir papir vnd federen, vnd darvmb, mein liebes kind, wirt wiczig an fremden schaden, folg mir vnd vberhebt diqh der hörten eeleüt angst vnd nott, ergib dich allaui dem herren, der allain herozen firid mag geben, dem, der da spricht: mein por- din ist ring vnd mein joch das ist siVßi nim war des rata sant Pauls, der spricht: nit, das gepotten sey von demm herren junckfrawe ze beleyben, aber ich ratt es, wan ich wolt, das alle menschen werent als ich, leg hin all vngeamott forcht vnd ain weyplich gemüt, merok ¥rie manlich ful der junckfrawe den sig irs Streits behalten haben, darvmb leg an ain manlich gemütt, gedenck wie dick du bis herr müUest absterben yecz füll jar deinen sund- lichen begirden, die dir weret dein muter, vnd das biUich, der ich hoff, du habest nun, denn grossen tcdl vberwunden mit manigem willen prächen ; war aber, das der veind alles g&ten * willen ymermer kumen wurt vnd deinem keuschen gemüt ainen man furhaben, so sprich als ze ainem mal sprach die haylig sant Agnes: gang von mir, du brand des tods, du merer der bofihait, vnd du r&ber aller rainikait, wan ich pin für kumen von ainem anderen mann der edler ist den du, sein vatter weiß vmb kainen sun, seine mutter vmb kainen man, die engel diennet jm vnd ab seiner scheny verwundert sich alles himlischs hör, von seinem r&ch werden lebentig die dotten, von seinem angreyffen werden gesunt die syechen, sein lyebin ist die edel keüschaitt, sein angreyffen ist ain lautter hayligkiut vnd sein veraingung ist magtlich rainikait. Aber das dich yemant wolt aie- chen mit werten oder wercken von deinem gutten fursacz, so sprich die wort der hayligen sant Agaten da man derselbe vil verhieß vnd fül darnach drewet, das sy aiuen man nem, do sprach sy also: mein gemüt ist gefestnet auf ainen starcken felsen vnd in Gristo Jhesn gestifb vnd gewitmet vnd darvmb so sent ewr wort der wind, ewrer trewon der regen, ewer erschrecken send wasser, wie wol ir an das hauß meins herzen stiment noch so muget ir es nit vmbwerffen. Diser saligen junckfrawe folg nach, so hab ich mein potschaft wol geworben. Nun laß mich au ainer kurcae wiasaiif was deinn maynung aey den Worten, da« ich meinem alten kemp .1 ■ ■■ .1 212 ans nicht. Den höheren Aberglanben, des WallenBteinB Astrologie, verstanden seine Soldaten nicht, die wie Pachhelbel höchstens noch von einem onheilvollen Kometen etwas wissen mochten. Wenn die zwei Mörder Deyeroox und Macdonald als Hauptlente ans „ Ge- frorensein ^ glauben und es offen aussprechen (W. Tod Y 2), so kann man das den abergläubischen Fremdlingen noch gestatten: Schiller streift aber damit hart an die Grenze des Unerlaubten in seinem Drama, das wol verlangt, dass schon im Lager auf die traurige Katastrofe, wiewol kaum bewusst, noch in weiter Feme angespilt wird. Wenn der erste Jäger dem Aberglauben, als sei der Genera- lissimus stich' und hiebfestj entgegentrit mit der Elendshaut: Er trägt ein Koller von Elendshaut Das keine Kugel kann durchdringen so streift dises Koller doch ser nahe an Aberglauben, wenn auch gerade bei im nicht. Das stich' und hiebfestsein konnte der ge- meine Mann und Soldat nicht recht von der Elendhaut trennen. Wallenstein trug ein solches Koller, das stet in mereren Berichten über in und so fand es Schiller. Terzky trug auch eines, auch er sei fest oder gefroren gewesen, erzält Antonio Paullini's Gurieuses Bücher-Cabinet, dritter Eingang, Göln und Frankfurt a. M. 1711 S. 544, er muste zulezt mitMusqueten tötgeschlagen werden. Die Vomemen nur keimten solches Ledercollet tragen, für die andern war es zu teuer. Daher ist wol auch eine Reimerei aus jener Zeit „Elendhaut*' aufschlussgebend. Von einer Schönen aber Stolzen, Aufgeblasenen heißt es: Mein Fleisch und meine Haut ist einig für die Reichen, Es kann kein Leder sich mit meinem Leder gleichen. Vgl. den Bericht Forer-Gesners im Tierbuche XLa (1562): «Seyn haut aber gribt (von den weißgärbern mit häring- oder anderm Fischschmalz zubereit) gar gute leibgöller^ das sy ragen, so auch stich- und schwärtschläg aufhebt vnnd etwan an statt eines harmr sches eu vnsem eeiten angelegt wirt. Ein EUendshaut gilt etwan drey biß in vier Ducaten vnd wirt als vnderschidlich von einer Hirzenhaut erkent u. s. w.^ Im Norden sind die Hosen aus Elend- leder ser geschäzt. Der Aberglaube mit den ElendskUmen war im 16. 17. Jhd. allgemein und volkstümlich: was konnte den Soldaten oder Bauern hindern in gleichfalls aufs Leder überzutragen? Man muß nur die Akkommodationsweise des gemeinen Volkes kennen. Zum Belege des Gesagten diene z. B. was Aberglaubens Forer und Tabemamontanus bringen. „Ellendsklawen wie N. N. schreiben, so man die am blossen halß vnd brüst hencke, dz'sy den fallenden siechtagen heile vnd den so da emider gefallen, schon schäume, z& stund erledige.*' In Polen sollen die Presthaften gefeilte Klauen im Wein zu trinken bekommen. „Etlich tragen ein ganzen klawen bey jnen, etlioh machen jnen ring darauß, die sy ansteckend.'' Gesner meint «was also der arzney gebraucht werde, da etwas Aber^^anbeD bey aein 213 innfi.^ AsBtat der „Ellendklawen** hätte man schon damals von Seite der Betrüger dem Volke Kuhklanen angehängt. Taberna- montanns (Ausg. 1592 S. 167a) sagt: „Es ist ein gemeiner Wahn, ein Ringlin von Elendklaw an die Finger gesteckt oder sonst wie man wöll, bey sich getragen, helffe für das Vergicht und fallenden Wehetagen. Ich h^bs oft versucht, aber keinerley hülff befan- den.* Der Glanbe verdankt dem Anblicke eines verendeten Elends mit den langen steifen geraden Beinen den Ursprung, heute noch üUioh. 2 Wenn der Kapuziner sagt: drum kann er (Wallenstein) den Hahn nicht hören kr ahn — » der Wachtmeister : wenn der Hahn hrähtj so machis ihm Grauen — , der erste Jäger : das hat er mit dem Löwen gemein — so begegnen wir darinn wider einer altem volkstümlichen Anschauung. Bei Forer 102a stet vom Löwen : dises thier hat auch eine große forcht vnd schräckcn ab dem gügel- hanen vnd seinem geschrey, dermaßen, daß er von seinem kamben vnd gesang gantz erstaunet u. s. w. Vgl. dazu Boxbergers An- merkungen in seiner Ausgabe Schillers III 36, wo eine darauf Jse- lügliche Grabschrifb stet. — Ueber die Wal des Kapuziners stat Augustiners ein andermal. 3 Das Drama fordert eine Vorgeschichte, eine kurze Schilderung der Persönlichkeiten die bei der Katastrofe in erster Linie beteiligt sind; änlich wie das Volkepos den Hagen Sigfrids Jugendzeit und Drachengeschichte erzälen läßt. So macht uns denn der bidere, an alte Mannentreue lebhaft erinnernde Wachtmeister mit dem traurigen WaUer Buttler^ dem heimatlosen Iren, bekannt. Der erste Jäger muß uns auch etwas Vorleben des Haupthelden Wallenstein erzälen und sa dem gehört ganz besonders das Studentenleben, wärend uns Gordon, der Wallenstein seine Stellung verdankte, aus der Burgaaer Pagenzeit , wo er mit im zusammenlebte , Mitteilung macht, auch ein Beitrag zur. Würdigung seines Benemens bei dem Morde. Also zur sog. Carcergeschichte in Altorf. Mich erinnert sie an die Teufelssagen des Mittelalters. Der Altfeind schließt einen Vertrag: er baut über Nacht eine Kirche oder Brücke; sein Lon ist die erste Seele, die hineintrit. Der Tag bricht an, das Werk stet fertig da : sih, da schiebt einer einen Hund, einen Bock oder gar ein Schwein vor und der betrogene Teufel fllrt aus Zorn mit davon. So habe W. seinen Hund in den Carcer geschoben, da- mit alter Sitte gemäß derselbe nicht seinen, sondern des Hundes Namen für alle Zeiten erbalte: daher er auch Hundeloch benannt ward. Antonio Paullini S. 485. Wir begegnen hier einem Studentenhunde wie im Faust dem Ma- gisterhund. Schiller und Goethe gebrauchen den Namen Pudel, was durchaus nirgends früher zu lesen ist. Das Halten der Studentenhunde adieint nicht einmal der Kraft- und Geniezeit vor 100 Jaren ent- ^mngon zu sein. In Tübingen ist wol von Jagdhunden der Studenten 214 kurz die Bede, alleio in dem Sinne, wie wirf heute zu nemen gewont sind, begegnen wir nichts Aenlichem. Ich redete von der Kraftseit : der große Hund ist germanisch, sächsisoh, englisch, nordisch; der kleine Hund mit allen seinen Lastern romanisch. Der germanische Hund ist der Hofwart, er hat meist nur gute Eigenschaften, der kleine romanische schlechte. Pudel heißt in Alemannien der Hund schlecht- hin und anderwärts, besonders in den Volkssagen, jeder Hund mit zottichten Haren wie in Goethe im Faustbuche vorfieind. „'s Puddili ist yerkarret'' sagten die Bauern als mir mein junger glathariger Hund überfaren ward (Wurml. Tuttlingen). Die Doggen, die Bernhardiner haben den sog. Studenten-Pudel verdr&ngt. Aber wo studentische Verhältnisse in Rede kommen ist „ Pudel ^ üblicher und, möchte sagen, höfischer. Lessing und Schiller (Räuber) ge- brauchen „Budel''. Weigand Wb. H 403 belegt Pudelhund, Pudel seit 1678 und sagt, „es ist eine kraushaarige, gelehrige leicht zur Wasserjagd abzurichtende Hundeart **. Daher „budelnaß". Zeid- lers Lexikon XHI 1186 nennt Jagdhundenamen: Weydemann, Wald- mann, Euckebusch, Stockebusch, Elöckner, Küster, Cantor; die Wasserhunde: Budel^ Schütze, Spion, Taucher. Die rauhen und zottigten sonst Budel-Hunde genannt (S. 1183). „Diese Art Hunde lasset sich zu allerhand Künsten und Sprüngen am besten ab* richten.*' Daher als Studentenhunde beliebt; es sind warschein- lich die schon im 16.Jhd. gesuchten englischen Wasserhunde. Ich ziehe ganz keck das mittelniederd. und mitteld. bodele, Wasser- blase auf wallendem Wasser an ; pudeln schüttelnd und plätschernd schwemmen oder waschen. 4 Zu der gelungenen Scene mit dem Bauer im Lager möchte ich den gewichtigen Zeugen aus der Zeit des SOjärigen Krieges, J, Ristf etwas sprechen lassen. Ich muß die wenigen Reime, deren Titel auch Goedeke, aber unbestimmt, anf%Lrt, aus Martin 2^eillerB Handbuch, Ulm in Verlegung Oeorg Wild Eysens a. 1656, 1. Teil S. 4 fiP. nemen, da mir das Original nicht zu Händen ist. Zeiller be- merkt vorher: zwar mancher Bauer, der doch sonsten wol fromm und einfaltig blieben wäre, zum wenigsten ein Bubenstücklein für sein Lehrgeld, so er den Soldaten geben im nächsten (gegenwärti- gen) Krieg, gelemet hat und viele so verschmitzt worden, daß man sie nicht für j^auersleute u. s. w. Von welchen Einer Reimen gemacht hat: „Man darfP nicht weit Soldaten suchen die Bauren können besser fluchen ^), 1) und wo hört man mehr blasphemieren Ali hier in den Friedländisohen Kriegsqaartieren ? Und wo steht denn geschrieben sn lesen Daß sie (Josoa, Davm) solche Flnohmäuler gewesen? 215 als die nur reden frfth and spat was sie der Kri^ gelehret hat. Was sag ich femer vom Betrag vnd andern Schindereyen, die man nicht lehren (lernen) kann heim Pflag Und wo die Hirten schreien? Der Krieg kann bald in diesen Sachen aoß Baaren solche Künstler machen, and daß mancher der sonst viel versteht, sehr schwehrlich ihrer List entgeht. H. J. B. in Holsteins erbärmlichem Klag- and Jammerlied.*' 6 Wenn der Kapuziner am Schlaße seiner Bede Wallensteins eigne Worte gebraucht Er müsse haben die Stadt Stralsund Und war sie mU Ketten an den Himmel geschlossen so war das damals eine gewönliche Bedensart, die bei Konstanz and Ueberlingen widerkert. Ich füre dahei noch an: „der Hom habe zu Gonstanz nicht in das Paradieß und zu Ueberlingen nicht in die Höll kommen können **. Von gleicher Allusion (sagt die Sehatikammer des Bosenkranzes, Kempten 1690 S. 278) ist auch liaoh dem ersten Sturm die Scherzred kommen: der Teuffei hab aoa „der Höll die Stadt Ueberlingen stürmen wollen**. Höll ist eine bekannte Stadtörtlichkeit in Ueberlingen, Paradies eine Vor- stadt in Konstanz; Teuffei war der Name eines schwedischen Offiziers. 6 Zu der Gehässigkeit gegen Wallenstein, die alle Katho- liken in Deutschland besonders die Klerisei erfüllte und gleichsam volkstümlich war, (sih Kapuziner: Ja freilich ist er uns allen ein Stein Des Anstosses und Aergemisses usw) will ich aas Salem und Augsburg einen schlagenden Beleg mitteilen. In dem von einem Augsb. Benediktiner verfassten Buche : Summarischer Verlaofibegriff oder kurze wahrhafite Historia Schwed : Augsburg : denkwürdigen Sachen a. 1653 Augsb. Aperger, 4^ S. 67 wird frei- lioh irrig schon zum Jare 1533 bemerkt: „Entzwischen wäre die Wallstainische Conspiration wider Ihr Kays. May. vnd das Hoch- löUiche Hauß Oesterreich, ja wider das gantze Bömische Beich, der- ^eichen keine bald zu finden, auß göttlicher Verhängnuß in Bö- heimb entdeckt und die interessierte oder zusammen geschwomen mit ihrem Haupt oder Bädelführer, dem Wallstainer selbsten, umb- Der Oaildorfer Pfarrer Georg Albreoht in seinem Fluch ABC Schwab. Hall 1644 klagt: vor Jahren war das Fluchen nicht so gemein, es flachten allein die Krie^sgargeln , die man darum Marterhansen ge- nennet — aber jetzo — flachen nicht nur die Männer u. s. w. — Goties- listem hat in Limpurg, in Geildorf überhand genommen, dermassen, daß fut nit ein Hauß, nit ein Mensch vnder uns zu finden, der nit mit denselben angestecket wäre u. s. w. 216 gebracht ynd zu verdienter Straff hingerichtet. Daß solche Gon* spiration denen Ängsburgem nicht gäntzlich unbekannt gewesen, ist aoß deme leichtlich zu erkennen, daß sich ein sonders wol jeder man bekandter ohngeferd zwo Monat vor, ehe solche Lasterthat entdeckt wurde, öffentlich in deß (schwed.) Statthalters B^hansong zusagen nicht gescheuchet: Es wären etliche newe Anschlag ob- handen, welche, da sie in das Werk solten gericht werden, wurde der römische Adler nicht mehr hoch fliegen/ (Reginbald Möhner hieß der Mönch.) Sebastian Bürster aus Salem (ed. v. Weech) drückt sein Stau- nen über das schöne wolgepuzte Eriegsvolk im Salemer Tale aus: „waß großen nuz hätten die kenden schaffen und verrichten wan kain betrug und fabchhait darbei wer gsein, hetten die Suedische alle zuemahl uff das kraut hinweg kenden freßen und in dem. Boden See kenden verseufen. So ist aber nichts wenigerß gedacht worden, dan eß ihnen zue schlagen vom Wahlstein verbotten ge- weßen, daß mier ain rüdtmayster Golinidsch sagte und auch vil andere, eß gange nit recht her, eß werde etwaß underm häÜem gespüU, sie hetten schon kenden schlagen, man wöll doch nit schlagen u. s. w. kayßer, soltest doch ain mal greufen, wie an- trew man mit dier umbgehet und so fälschlich underm hüetliii mit dür spült! Solutio: die hier ist zeitig worden und die kraid ainist an den tag komen, dan, wie volgen wird, ist der Wahl- stainer oder Früdlender erstochen und nach und nach die rädle- füehrer gefangen und eingezogen!" 7 Wir finden Wallenstein im Verkere mit Seni vom Äherglau' ben befangen, der aber unvolkstümlich ist und sich auf die Astrth logie bezieht; volkstümlich ist, wenn auch nicht durchweg, die Ge- schichte mit der goldenen Kette, die in dem Augenblicke zerspringt^ als der Kammerdiener im Mantel, Ringkragen und Feldbinde ab- nimmt: „Aus Gewohnheit trug ich sie bis heut, — Aus Aber- glauben, wenn ihr wollt — Mir muß fortan ein neues Glück be- ginnen — denn dieses Bannes Kraft ist aus." Ich erinnere an: „das Ringlein sprang entzwei" im Volksliede und in Sagen, an das Glück von Edenhall, das in altadelichen Familientraditionen West- ÜBilens sich noch vorfindet. Ganz volkstümlich ist in der Unter- redung mit Pachhelbel, dem Bürgermeister von Eger: — Ihr saht doch jüngst Am Himmel die drey Monde? Davon sich zwey in blutge Dolchgestalt Verzogen und verwandelten u. s. w. Bürgermeister: Wir zogens auf den Türken. Wallenstein: Türken! Was? Zwei Reiche werden blutig untergehen Im Osten und im Westen, sag ich euch usw Dise Seite des auch aus dem Götz v. B. Goethes bekannten abergläubischen Wesens des 16. 17. Jhds. ist in den Historien, mer 217 ftb anem lieb, betont. Eine Anzal bieher gehöriger Waraeichen bringt Martin Zeillor Handbuch 1. Teil Ulm 1655, die ich, weil es gleichzeitige Mitteilnngen, hier abdrucken lasse. „Siehe meine 825. Epist. ynd viel wunderliche Exempel, die sich nur beym nftchsten Teutschen Krieg, die 30 Jahr über, auch etliche wenig Jahr suvor, ynnd seithero begeben, in den getruckten Relationen, vnnd sonderlich dem 6. Theil deß Europsischen Schau- platz, in Verlegung Herrn Matthiei Merlans, seeligen Angeden- okens, imd seiner Erben, am Franckfurt außgangen. Ich wUl nur atlich wenige allhie erzehlen. Als daß deß Jahrs 1643 über der Cihiir-Sftohsiisohen Festung Eönigstein, ein groß streitend Eriegs- heer su Boß ynd Fuß ist gesehen worden. Anno 1625 den 8. Maij, zu Mittag vmb zwey Vhr, hat man ma Leiptzig in der Luffb weisse Würmer sehen fliegen, in grosser Jf enge, ynd sehr dick in einander. Ghron. Lips. Anno 1628 den 3. August! ist in der Hinder-Pommerischen Statt Schlawe gegen dem Abend ymb 7 ynd 8 Vhr ein ynge- ^^rohnliches weisses 'Greutz in der Lu£ft gesehen worden, darüber mUh m&nniglich hat yerwundem müssen. Es ist yom Norden kom- anen, ynnd hat sich dem Süden gewendet, daß es den gantzen JHorisont ymb die Statt, so wol nach der Länge als Breite, be- ^prifiim. Ob es nun ein Vorbott der Pest gewesen, die darauff deß Orts gefblget isti oder ob es noch ein grössers bedeute, ist Gott be- gannt; saget Microlius lib. 5 Pomer. p. 215. Anno 1648 den 20. Jenner, seyn bey dem Stättlein Seelow, Sn der Marek Brandeburg, Abends zwischen 7 ynd halb 9 Ybren, ^bnty Wnndersteme gesehen worden. Anno 1642 den 24. Brachmonats, ist zu Piritz in Pommern, ^fachts, eine Todtenbaar im Mond erschienen, welche etliche Stun- den gestanden, ynd yon vielen Leuten gesehen worden. Anno 1629 hat man zu Brück an der Leytha, in Nider- Oesterreich, im Felde zwey grosse Kriegsheer miteinander streiten Igeaohen. Im Jahr 1643 hat es yngefehr vmb den 10. Jenner, hinder dem Schloß Bobenhausen, in der Wetteraw, ein vngewohnliohes Teaentralen Schiessen gehabt, vnnd ist auch Fewer davon auff die Srden gefallen. Anno 1647 den 12. Mertzen, Abends vmb 7 Vhr, istzuBuchau sun Federsee, ein halbe Stund lang, Fewer, so klein, wie Regen irom Himmel gefallen, daß die Schiffer auff dem See vermeynt, sie würden mit den jhrigen verbrennen. Anno 1645 den 17. vnd 27. Aprilis, Abends zwischen 5 vnd 6 Yhren, hat man zu Dinckelsbühl, vor dem Segeringerthor, die Sonnen gantz Blntroth gesehen, daß auch auß denselben ein vn- nhlbare Meng blaw, schwartz vnd fewrige Kuglen, wie Granaten gefahren, die sich hin vnd wider vertheilt, viel über vnd in die Stett, in der Gegend deß weissen Thurns, gefahren seyn. Hernach 218 den 9. — 19. Henmonats, ist die besagt« Statt voller kleiner weissen Yögelein geflogen, welche, ausser daß sie Flügel gehabt, vnd etwas grösser gewesen, den Omeissen gleich gesehen haben. Vmb das Jahr 1622 ist ^e Statt Oroßglogaw in Schlesien, fast gantz abgebronnen. Niemand hat recht wissen können, wie das Fewer außkommen. Die Hirten anf dem Felde haben damahls über der Statt, in der Lofft, zween grosse Männer miteinander ringen gesehen, vnnd ist darau£P das Fewer wonderbarlich, von einem Ort zum andern, über Eck gesprungen, vnd femers an* gangen. Antor tom. 4 Theat. Eorop. fol. 974a Anno 1646 nach Eingang deß Wintermonats, Hesse sich allhie zu Glogan, am Him- mel, wider ein merckliches Wnnderzeiohen sehen, in Gestalt zweyer gegen einander streitenden Heeren, woranff endlich sich , eine grosse Rnten herfür thate, die sich gegen Polen gewendet hat An dem Tag, an£P welchem deß Jahrs 1633 den 1. Wdn- monats, der Hertzog von Friedland, den Schwedischen General Du- balden, vnnd den alten OrafiEen von Thnm, bey Steinaw, in Schle- sien geschlagen, vnd sie gefangen, hat man über Golberg in Pom- mern, ein groß förmliches schwartzes Grentz, an den rothen Wol- cken gesehen. Anno 1644 den 18. — 28. Wintermonats, hat sich zu Minden in Weetphalen, Nachts, der Himmel Creatzweiß eröffnet, daß das Fewer über gedachter Statt gestanden, vnnd die Sohildwacht vor deß Herrn General von Königsmarck Hof hell vmbleuchtet hat. Anno 1654 den 24. Hornung, frühe zwischen 4 vnnd SVhr, ist in der Lufft es hin vnd wider gefahren, vnd gezischet, welohes endlichen bey hellem Himmel gegen Nordosten sich gesetzet, vnnd anzusehen gewest, wie von obenher eine grosse gewundene mit einem krummen langen Schwantz sich erstreckende Schlange, so fast eine Stund gestanden. Dergleichen Wunderzeichen haben sich mehr hin vnnd wider begeben. Augustin. Limmer, in der Rela- tion, von der Leiptziger newen Jahrs- biß Ostermeß dieses 54. Jahrs pag. 37. Zum Beschluß, will ich noch einer sonderbaren Geschieht, auß deß Adelarius Erichs Gülchischer Ghroniok gedencken, obwohln sie eygentlich vnter den obgesetzten Titul nicht gehörig ist. Der schreibet nun, im 6. Buch am 14. Gap. daß deß Jahrs 1592 wenig Zeit, nach deß Hertzogen Willhelms zu Gülich vnd Cleve Todt, im Mertzen, der Sturmwind zu Emerich am Rhein, im Fürstenthumb Gleve, im Kloster S. Hieronymi ein Esche auff dem Stamm mitten von einander gebrochen vnd als man sie zu schneiden vnnd zer- scheitem ließ, habe man in einem jeden Schnitt vnd Spalten et- liche Hauffen Kriegsvolck abgebildet gesehen, darunder Trummel- schläger, Fenderich etc. gemeine Soldaten etc. allerdings, als ob sie mit Fleiß also abgemahlet wären, zuerkennen gewesen etc. Was hierauff, als hocbgedachten Hertzogen Herr Sohn Anno 1609 her- nach gestorben, vor Krieg vnd Ynmhen in selbigen Gülohischen 819 Landen vnd noeh Ynlftngsten erfolgt, daa ist noch zum Theil in frischer Gedächtnaß. ^ Dasn füge ich einen Bericht des Hauptmanns Bemal Diaz del Gastillo über die Eroberung Neu-Spaniens (ed. Ph. J. von Reh- fiief, Bonn Marcos 1838 8 Bd. S. 284): „Die Mexikaner erzählten Folgendes, was sich kurz vor unsrer Ankunft in Nen-Spanien zngetragen hatte. Am Hinmiel erschien ein Zeichen in runder Oeetalt, wie ein Wagenrad, dessen Farben zwischen grün und roth spielten. Kurz darinf erhob sich ein zweiter ähnlicher Kreis, der sich gegen Osten in Bewegung setzte, und mit dem ersten vereinigte. Moteousuma, der damals schon das große Reich regierte, ließ ssine Priester und Wahrsager vor sich kommen, und gab ihnen auf, dieses nie gesehene Himmelszeichen zu beobachten und zu denten. Die Priester fragten ihren Ck>tt Huitzilopochtli, und erhielten die Antwort, daß das Meteor große Kriege und schwere Pestilenz bedeute, und daß man Menschen-Opfer anstellen müsse. Kurz nach diesem Himmelszeichen erschienen wir in Neu- Spanien, und zehen Monate darauf kam NarvaSz und brachte einen N^ger mit, der die Pocken hatte. Dieser Unglückliche steckte simmtliche Einwohner von Sempoalla an, von wo aus sich die ftirchtbare Krankheit, wie eine wahre Pest, über ganz Neu-Spanien ▼erfareitete« Wie wir nun in der Nacht der Trübsal den blutigen Rückzug ans Mexico machten, auf dem uns von dreizehenhundert Mann, die wir in diese Stadt eingezogen waren, fünfhundert und fünfrig getödtet und den Götzen geopfert wurden, fand man die Deutung jenes Himmelszeichens vollkommen bestätiget. Diese Sache erzähle idh wörtlich den Mexikanern nach, wie sie das Meteor in ihren kieroglyphisehen Schriften abgebildet, die wir immer als zuverlässig belnnden haben. Folgende Erscheinung habe ich aber mit meinen eigenen Augen gesehen, und Jeder, wer wollte, hat sie sehen können. Im Jahr 1527 wurde bei Nacht ein Zeichen am Himmel sichtbar, welches vollkommen die Form eines langen Schwerts hatte. Es stand zwischen der Provinz Panuco und der Stadt Tezcuco und blieb ganzer 20 Tage hindurch anveränderlich. Die Mexikaner deuteten es auf eine Pestilenz — was auch eintrat.** ABirlinger Der geisüiche Vogelgesang Im 17. Jarhundert entstand im südwestlichen Deutschland ein Lergedicht, welches an den Gesang und das Oebaren der Vögel HHry^ Betrachtungen und Vorsehriften der Lebensweisheit an- 220 knüpfte. Bereits 1650 erschin es in Angsborg im Dmck. Seit- dem muß es vilfache Verbreitung gefunden haben. Aus dem 18. Jarhundert sind merere Drucke und handschriftliche Anfeeichnungen erhalten. Die Herausgeber des Wunderhoms namen es in dem dritten Band, der 1808 erschin, unter die Einderlieder auf. Eü» sorgfältige kritische Behandlung erfur der Text durch W. Wacker- nagel (Yoces variae animantium 2. Aufl. 1869 S. 112 ff.). Zulert ist diser geistliche Vogelgesang in der Ausgabe des Wonderhoms von Birlinger und mir II S. 455 ff. abgedruckt. In änlicher Weise, aber in breiterer Ausfurung, hat bereits 1593, ebenfalls im südwestlichen Deutschland, ein mir sonst nicht bekannter Dichter, Johann Jakob Gugger^ die Stimmen von yier Vögeln geistlich ausgedeutet und Warnungen vor Oottesyeracbtung, Kezerei, fleischlicher Sicherheit und Sünden aller Art daraus h^ geleitet. Obgleich das Gedicht Guggers in Freiburg gedruckt ist, könnte der Verfasser doch ein Baier sein. Er hat jenes nemlich dem Probst zu Bayrdiessen gewidmet. Diessen aber, zum ünterschid von Schwabdiessen auch Bayerdiessen genannt, ist ein Marktflecken am Ammersee, wo sich ein Stift regulirter Ghorherm befand. Da die Sprache des Gedichtes sich an die damals bereits durchge- drungene neuhochdeutsche Schriftsprache anlent, so läßt sich da- raus über die Herkunft des VerfSsissers nichts bestimmen. Der Druck in 4^ bestet aus 7 Blatt, jede Seite ist mit einer reichen, bald schmälern, bald breitem Zierleiste eingefisJ^t. Titel: Vier Chriftliche an- \ zeygungen vnd bedeütungeti, In \ difer frftlichen angehenden Somers zey- | ten luIUg zubeher- tzigen : Warumb der liebe Allmechtige | Gott den vier nachfolgenden Vögel, dem Gnckguckh, der | Ganß, dem Raben, vnd der Eulen, jr angebome ftimm al- | fo angeordnet vnd erfchaffen habe, alles in Teütfche Rey- | men verfaffet, vnd zu vnderthenigem wolge- fallen, | auch gebürenden Ehren dediciert, | vnd zugefchriben, || IjSm Ehrwürdigen in Gott Geift- | liehen Herrn, Herrn Baltha- farn, Probfte | deß würdigen Gottshauß vnd Elo-jfters Bayrdieffen. Meinem | Gnedigen Herrn. || Durch: | Johann Jacoben Gugger. | Getruckt zu Freyburg, im Jar M.D.XGHL Auf der Rückseite des Titels stehen folgende Verse: Vier Vögel hie, nit alfo fchlecht, Wie man Ce licht, merck mich jetz recht, Anschawen folt, gantz wol betracht, In folch jr Gfang, Gottes Allmacht, Dann die all vier, erinnern dich, Wie diß Leben fey zerg&ngklich, Das künfftig aber Ewig werdt, Wol dem der Chriftlich darnach fibrebt. Mit Aij b^nnt darauf das Gedicht : 221 Zum Chriftlichen Lefer Nach dem ich hewr in Sommers zeit Hit einem Mafi durchs feld hinfchreit Vnd kommen thet wol in das holtz, Hdrt ich gar manchen Vogel ftoUz 5 Singen mit ftimm nach jrer art, AUda ich eiogedencken wardt Des lieben Gotts AUmechtigkeit, Der folchs gefchaffen weyt vnd breit, Himmel vnd Brd, Menfchen ynd Thier, 10 Die Flfoh im Meer vnd Yftgel hier, Die Loben oR nach jrer art Mit jrer (timm den Sch^pffer zart, On zweyffel Idagen fie auch Gott Ir Jammer, trAbfal, angft vnd noth, 16 Wie folchee Damd auch bekennt, Vnd die Baben mit Namen nennt, Darzn Paulus der heylig Mann Zun Römern am achten zaigt an, Das alle Creatoren fich 20 S&hnen vnd &ngften Mttiglich, Diß als ich in bedencken nam, Vnd aufiP die vier Vögel kam. Doch nicht wie die Egyptier, Oder die Gottloß Z&uberer, 25 Die all jr Glück vnd Vnglück frey Stellen auff der VAgel gefchrey Vnd ander Aberglaubens mehr, Daruon Ich hiemit ProteXtier. Sonder diß alles Geyltlich bdacht, 80 Darzu mich Peters Han hat bracht, Der Han das zettergfchrey volbracht, Bald Petrus an fein Sund gedacht, Sah fich bald vmb gantjs trawriglich, Vnd beweinte fein Sund bitterlich. 85 Alfo folln wir vns all anfehen. So offt wir hören den Hanen kr&hen Vnd andere Trawrzeychen mehr, Derhalb vns in der zeit bekehr, Von vnfem Sünden laufen ab, 40 Die Bfiß nit fparen biß inns Grab, Sonder wend dich zu Gottes Son, Deinen Heylandt vnd Gnaden Thron. Zweyffel auch nicht an Gottes Gnad, Wie Judas der Verr&ther that, 46 Erhenckt fich felbft, vnd praft entzwey. 222 Laß dirs ein fchrAck Exempel fein. Vnd halt dich veßt an Jefam Chrift, Der nach vns ficht zn aller frift, Naiget fein Haupt gegen vns fehr, 50 Zu hdm vnfer Bitt vnd beger, Zaigt vns auch feine Wanden rodt, Damit er vns erlftffc vom todt, Sein Arm auch außgeftrecket f indt, Zu vmbfahen vns Arme Kindt, 55 Drumb ich Dichter dich fleifßg bitt, Wilts nit loben, I&ftera auch nit, Vnd merck mit fleiß wie ichs jetz mein, Mein lohn ift gring, Welt danck ift klein, Gott aber erkenn das Hertze mein. Vom Guckguckh 60 Der Guckguckh fchreyt zur Lentzes zeit, Vnd vermeldt vns des Sommers freüd, Vnd rftfiFt gwikh guekh on vnderlaß, Merk auff was da bedettttet daß. Weil aU drey Ständt wol in der Welt 65 Sich aU zu vU gantz lAffig fbelt, Da rAffet er all Q-epftUchen^ Das fie follen ftndieren gern, Vnd guckhen in die SchHfft wol vmb, Auch geben acht auff Ghrifti füm, 70 Der jn gibt recht Inftruction, Das fie in ^feinem Namen fchon B&ß vnd Vergebung Predigen folln, Weh den, die es nicht hdren wolln, All jrrthumb, Sect, vnd Eetzerey 75 Zu wider legen fleiftig fey, Auch Oberkeyt vnd Vnderthon Auß Gottes wort berichten fchon, Loben auch felbfb in Ewigkeit, Das gefeit Gott zu yeder zeyt. 80 Darzu rMt auch der Guckguckh fein AUr Oberkeyt^ groß, hoch vnd klein. Das sie seinr ftimm folln nemmen war, Vnd guckhen in jr hmpter zwar. Das es recht gehe zu jeder zeit, 85 Vnd nicht befchweren Arme LeÜt, Sehen auch auff jr Dimer eben, Was fie für gfchwinde Ffactick geben. Mit aufflatz vnd befchwerung vil, Welchs doch den Herrn nit ttvtMn will, 90 Vil Vdgte^ Schreibir vnd Amptfifel 228 Haben hieuon die befte Beut, Darüber vil Herrn werden Arm, Die Diener Reich, welche Gott erbarm. Deßhalb fo riUQPb der Gackgnckh recht, 95 Du Oberkeyt guckh aiuff dein Knecht, Halt auch ein Vifitation Mit deinem Hoffgefindt gar fchon, Schreib an£P was er f&r 6&t so klein Hat, ehe er ward ein Diener dein, 100 Darzu addier Tein DienXtgelt zwar. Das du jm gibft ein gantzes Jar, Snmmiers vnd halts gegen leim G&t, Ynd gnckh wie er Haoßhalten th&t. Der Guckgnokh rAfit auch jedermann 105 Mann, TFetd, Vnd wie ichs nennen kan, Das jeder guckh in feinen Standt, Brauch jn mit Ehm ohn alle fchandt, Hab Glaub vnd Lieb auffrichtig fein Gegen Gott vnd dem N&chilen Tein, 110 Furcht Gotty halt Oberkeyt in Ehm, So wirdt Gott Glück vnd Heyl berchem. Das ift des Qwikgucka Vogdgfcmg: Der Widhopff jungt im koth vnd ftanck, Alfo wir auch empfangen werden 115 Im koth der Sflnd au£P difer Erden. Drumb guckh gantz wol das eilend leben, Daruon man miß Gott rechnung geben, Das will ich dir jetz rathen eben. Von der Ganß Die Arm dürftig Ganß fchreyt. Ach, Ach, 120 Solche bedeüt gwiß groß vngemach Vber die ffroffe Sicherhetft^ Darinn die gantze Welt jetz leyt, Vnd will vns hiemit zaigen an, Was Gott der Herr im Ann th&t han, 125 Das er vmb der Welt boßheit zwar Wirdt ftrafTen gwiß gantz ofiFenbar Mit Peftilentz vnd Thewrung gfchwindt, Darzu mit Kriegen, wie fie fingt; Dann weil der fromme liebe Gott 130 Trewlich vns warnet one fpott, RiUft vns mit V&tterlicher Xtimm Zur Bfißy ich bitt mich recht vernimm, Das mehrfte theil gehnt aber hin, Es hdrts, vnd fchlegts bald auß dem finn, 186 Veracht die Geyfblich Oberkeyt, 224 Vnd lebt in Sünden alle zeyt, Laffet die Gnadftand laii£Fen auß, Schl> Zeichn vnd Wander in die paoft, Nimbt auch der ftraffen keiner wahr, 140 Erf&afit in allen Laftem gar. Rennt mit gewalt der Hdllen zfi, Ynd macht im felbft Ewig Tnrh&: Dramb fchreyt die Ganfi bilHch, Ach^ Äch^ Das wir dem End nit dencken nach. 145 Derhalb Cch yederman befinn, Wa er zu letzt will fahren hin, Dann weil yetznndt vil Ketger fein, Die Wort Yhd Sacramrat gantz rein Verf&lfchen wollen Tnuerfchampt, 150 Ynd fich doch rAhmen allefampt, Als das Ae rechte Ghriften weren, Welche doch nnr die Leat verf&hren Mit jrer falschen Lehr gefchwindt, Ach Gott Xtra£P folch Teüffels Oefmdt. 155 Auch fchreyet die Ganß Ach ynd Layd Vber OwaU vnd YngreehHghayt^ Darza vber den Bekihm itfam», Der nun fein aygen nutz ficht an, Ynd fehindt der Annen fleifch vnd bl&t, 160 Das marckt auch aoß den knoden gut. Die Lieb vnd hilff will nit mehr fein, Es wird verßlfeht Bier vnd der Wein, In Elen^ Maffen^ vnd Gewicht All BAberey ifb auffgerioht, 165 Vnfauberkeit man mifchen Ihfit Ynder das fchftne Trayde git^ Ynd gibts au£Ps theürfb dem Armen Man, So ers in feiner Noth foU han. Ach, Ach vnd wehe^ vnd aber wehe, 170 Wie will man doch vor Gott beftehn, Wann man fiftr fein Gericht foll gehn. Yom Raben Der alte fchwartz vnachtfam Rab Der Ichreyt on vnderlaß grab, grab, Ynd obs gleich ilt fein Aygen ftimm, 175 Die Gott der Herr hat geben jm, So ift fie doch vergebens nicht Yon Gott dem Herren fo zu gricht, Dann difes Yogels Gfang zaigt an, Das fich bedencke jederman, 180 Das er einmal hie fterhlich fejß^ 225 Vnd keiner von dem Todt fey frey, Wie vns die Schrifft anch kl&rlich meldt, Den Todt vns für die Nafen ftelt. Noch fAbrt die Welt ein dnmmen fin 185 Vnd lebt in allen Laftern hin: Die Ketzer f&lfchen Gottes Wort, Vnd richten an groß Seelen Mordt, Der Türgkifch Hundt ft&ts einher bricht Ins Teütfche Beich, wie man wol ficht, 190 Wider die Arme Ghriftenbayt, Vnd th&ndt jn an groß Hertze laydt — Das grab, darzu das Jüngft gericht, Wirdt bey jnen betrachtet nicht. Alfo geht es mit andern anch, 195 Welchen der Gott nnr ift jr Banch, Die Epicurifi^ Mhftfchtoeiny Die Leben in den fanß hinnein, Als wer kein ander Leben nicht, Verachten Gott vnd fein Gericht, 200 Der Name Gottes wirdt gefchendt, Sein Wort veracht an vilen Endt, Vngehorfam nimbt vberhandt, Haß, Neyd, Vnzucht will fein kein fchandt, DiebstaU, Geytz, vnd der Wncher groß, 205 Liegen vnd das groß Affterkoß, Verleümbden, Schmehen, falfche klag, Nimbt vberhandt, merckt was ich fag. Derhalben rAfft billich der Reib: Bedenck dich Mehfch, fchick dich zum grab, 210 Vnd Xteh von deinen Sünden ab. Laß dirs layd fein, vnd Glauben hab An Chriftum Jefnm Gottes Sohn, Den Einigen Genaden Thron, Der vnferthalb auch lag im Grab, 215 Darmit er vns zuuerftehn gab, Das wir auch alle Iterblich fein. Weil wir von fleifch, haut vnd von bein Von Adam alle kommen her, Beladen fein mit Sünden fchwer, 220 Chriftus aber all vnfer Sündt Befcharren in des Grabes grundt, Er wider Aufferstanden ift, Ein ander Wohnung zugerüfb Denen fo an jn Glaubig fein, 225 Vnd abfteheut von Sünden fein, Solchen Ibll fein das jrdifch Grab Nor ein SoUaffkamer, wie ich fag. mt 15 226 Vnd wie ChriTt anflPerftandeii iH Alfo follen fie zq der £rift 230 Aach widemrob reizi anfferXtelm Vnd in das Ewig Leben geho, Die fiob aber beke&en nicht, Fragent nicht nach Gottes Gericht, Die werdent aoß dem Ghrab hinnein 285 Gehn wol in die Ewige pein. So offt du nun th&Xt hdren fein, Den Rabn das Grab anßfohreyen fein, So bedenck dein Endt ynd Ichick dich drein, Tracht nach der Frewd, hAt dich vor pein, 240 Das Rath ich dir von hertsen mein. Von der Eulen Die groffe Eül man Hu Hu nendt, Air menfch anfF Erdt diefelbig kendt, Dife führt wol ein kl&glich jRimm Des Nachts, das man Xich f&roht vor jm, 245 An wAXten Orthen fie Xich holt, Vnd dnrchwandlet die groffe Welt, Des tages fchlafft vnd ficher ift, Zur Nacht an heulen jr nichts gbrift, Vnd fchreyt on vnderlaß Hu Hu^ 250 Der kl&glich Stimm hdr eben sn, Dann difes heulen zayget an, Wie es dem Gottlofen werd gähn, Der jetz den tag des Heyls verjbhlftfit, Vnd wartet nur der Sund gefch&fft, 255 Lebet im Werkh der Finflemiß, So folget dann endtlich gewiß» Wann er all Warnung hat veracht, Vnd Gott mit jm ein Ende macht, Das er von difer Welt jetz fehrt, 260 Das Hellifch fewr wirdt jm befchert, Da hebt fich an groß hertze laydt. Ach vnd wehe werdt in Ewigkayt, Das ift jamer vnd grolle noth, Vnd fchreyen in den flammen roth, 265 Mit Zeenklappem man heulen thftt. Solches bedeüt der Eulen m&th. Dammb du lieber HenTch bedenok. In Sünden dich nicht willig fenck. Brich deinen bAfen lüften ab, 270 Vnd merck wol draoff was ich dir XSftg. Thfi Bftß, vnd Glaub ftarok feft vnd rein An Jefam Gbrift den Heylandt dein« 227 Aii£F daB du nit kombft an diß orth^ Da Ach vnd wehe it&ts wirdt gehört, 275 Sonder fchiok dich zum Himmels Thron, Da du mit GhriXto Oottee Sohn In Ewigkeit mftgft leben fein, Frdlich vnd g&tter dinge fein, Wünfch ich allen wol in gemein, 280 Milsiiia meldt den Namen mein. Bemerkungen 1 hewr hener, in diesem Jare. — 2 hinschreU^ ursprüngliche Form jes Praeteritnm, wofür jest hinschriü mit dem Vocal des Plnralis eingedrungen ist. — ^ ich ward eingedenken, eine sohon im Mhd. gebräuchliche Umschreibung des Verbs, welche dem La^ teiniachen ,,meminis8e coepi** entspricht; in nhd. Zeit besonders im Volkslied und überhaupt in vollütümlichen Schriften angewendet. Das von ingedenke (eingedenk) hergeleitete ingedenken findet sich schon mhd. als substantiviisrter Infinitiv (vgl. Lexer n. d. W. tn» bOden). Im DWB ist als Verb eindenken und ingedenken, aber nicht eingedmken verzeichnet — 18 eun (zu den) Bömem ad Bomanos. — 18 eaigt; der Diphthong ai findet sich noch in dem Verb jer«t^cn V. 51. 123. 178. 251, naiget 49, U^d oder laydt 156. 191. 210. 261. mgrechiigkayt 156, aygen 158. 174, trayde 166, CkristenhafftX^O^ Ewigkatft 262. Sonst stet für mhd. ei bereits ei oder ey; es ist demnach in Freiburg zu Ende des 16. Jarh. die bairisch-österreichiscbe Lantreihe ei (U bereits durch die fränkisch- obersächsische e» et verdrängt. Vgl. Zarnke Narrenschiff S. 274. — 20 shhnen, mhd. senen. — 21 als alles. — 21 in bedeneken nam, mhd. ein bedenken nemen, neben disem findet sich nhd. schon bei Luther in hedencken nemen s. DWB. n. d. W. — 23 frey, oft Tersioherungspartikel, und nicht selten als Flickwort im Reim ge- braueht; hier könnte es allerdings auch im Sinne von offen unge^ mert gemeint sein. — 38 bekehr^ des Reimes wegen für bekehm. So ist auch V. 75 im Reim sey für seyn gebraucht, obgleich der Diditer nicht überall im Reim genaue Uebereinstimmung im Schluft- consonanten verlangt, vgl. V. 169 ff. wehe: beaiehn: gehn, — 45 fraet barst, von dem mhd. noch aligemein üblichen breeten, wofür seit Luther das nd. bersten zur Geltung gekommen ist. — 56 wQta wolle es; hier ist wol eine Vertauschung der 2. Sg. Prites. (dm wOt) und des Imperativs weUe anzunemen. — 57 jetg so auch 118. 122. 258. 259, jeder 84, jederman 104. 179, yeder 79, yeder- man 145, yeUnmdt 147. Die Aussprache ist wol die diphthongi- sehe (vgl DWB. IV, 2 Sp. 2275 n. d. W. je und 8p. 2317 u. d. W. jetst), obgleich in unserem Gedichte der Reim nirgends Anhalt fswftrt. Die Anwendung des j im Druck ist nicht entscheidend; isnn in allen Formen des Pronomens der 3. Person (jm jn jr) in jrthum und jrdisch ist j statt i gesezt, wogegen die Prä- 228 Position in (sowie im = in dem) ich nnd ist immelr mit i gedruckt werden. Vgl. zu V. 142. — 59 erkenn 3 Sg. Gonj. = erkenne, wenn nicht ein Dmckfeler für erkent vorligt. — 65 sieUf des Reims halber ist in einer Art von constrnctio xutä avvsoiv (all drey ' Ständt = jeder der drei Stände) der Sing^ular für den Plnralis ge- sezt. Vgl. zu V. 133. — 71 schon altes Adverb, wofür wir jezt das umgelautete (adject.) schön gebrauchen. Es ist übrigens häu- fig, und zwar nicht nur in dem vorligenden Gedicht, Flickwort im Reim. Vgl. V. 77. 97. — 75 sey, vgl. zu V. 38. — 83 ewar för- war (aus ze wäre in Warheit), nicht selten Flickwort im Reim, so V. 100. 126. — 86 eben genau sorgfältig. — 87. gsckwind ge- schwind (ungestüm kün); Practick, wie franz. pratiques, Ränke, unerlaubte Kunstgriffe. — 89 auffsatz Auflage. — 90 rtfft^ so auch V. 104. 131. 208; es ist abzuleiten von dem schwachen Verb ahd. hmofjan, mhd. ruofen und rüefen, welches sich auch im Nhd. er- halten hat, vgl. Brants Narrenschiff 38, 43 und 65, 94, wo rüefft wol auch Praes. Ind. sein wird. — 105 ichs ich sie. — 109 gegen mhd. und auch noch im 16. Jarh. allgemein mit dem Dativ ver- bunden. — 113 ^un^ei} schon mhd. = jung werden, vgl. DWB. — 118 eben s. oben zu V. 86; hier, wie auch sonst allgemein, Flick- wort im Reim. — 122 leyt, mhd. lit, ligt. — 133 gehnt, Plural nach das mehrste theil, — 137 lauffen auß, auch sonst in dem Sinne von ablaufen^ das Bild ist wol von der Sandur entlent, vgl. DWB. u. d. W. — 138 Schlägt in die pauß = schlägt in den Wind. Es ist kaum an das aus dem Lat. entlente Pause zu den- ken; eher an ein Subst. zu dem Verbum phnüsen pfüsen püsen (blasen) in der Bedeutung von „Wehen, Wind^. Allerdings kann ich ein solches in oberdeutschen Dialekten nicht nachweisen (das von Schmeller angefürte „nach der bauß oder pauß'', d. h. „in Fülle** gehört wol hierher, aber das zu Grunde b'gende Verb hat die Bedeutung „anschwellen** angenommen). Von dem entsprechen- den nd. pusten gibt es ein Subst. püsty gewönlich als atem ge- fasst, doch sollen auch Redensarten vorkommen, wie in de püst gän^zn Grunde gehen. — 142 im; sonst wird festgehalten, daß die Dat. und Acc. des Pronomens jm und jn gedruckt werden, s. zu V. 57. — 146 Wa wo. — 160 marckt felerhafl für Mark. — Enoden, man erwartet Knochen und ist geneigt das im Text stehende Wort als Druckfeier anzusehen. Da aber Knoden d. h. Knoten sich merfaoh mit Knochen berürt (s. DWB. u. d. W. Ktiote), so wäre zu untersuchen, ob hier nicht eine volkstümliche Wendung zu Grunde ligt. An Knote im Sinn von „Gelenkknochen** ist nicht zu denken, da dise gerade kein Mark enthalten. — 163 Elen, mhd. de neben eUe und eine ein eilen, nhd. Elle. — 163 Maffen = Maßen. — 166 Trcofde, auch mhd. einzeln treide statt getreide getregede. — 184 Noch trozdem dennoch. — 184 dummf ahd. und mhd. tumby bewart sonst im 16. Jarh. gewönlich die tenuis, selbst im 17. ist tkimib nnd tu/mm ser häofiff. Im Mhd, 229 hat es auch die Bedeutung jugendlich unerfaren, one Welt- und Menschenkentnis. Dise verschwindet im 16.*Jarh. allmählich und es bleibt nur die schlimme Bedeutung töricht stumpfsinnig^ welche übrigens schon ahd. vorkommt. — 191 thtnät] wenn hier kein Dmckfeler (statt ^^n^) vorligt> so ist es wider eine constructio Mtfo avvsciv (der Tärgkisch Hundts die Türken), — 197 in den sau/i hinnein leben, mhd. in dem süss leben (vgl. Lexer u. d. W.). 198 t<7er= waere. — 205 Liegen, alte richtige Form, wofür später das unorganische lügen eintrat. — 205 das groß Affterkoß^ Nach- rede Verleumdung. Mhd. kommt dae afterkoese vor, daraus könnte Äfterkos mit Wegwerfung des umlautwirkenden e (i) und mit Bückumlaut entstanden sein. Im DWB. feit das Wort. Ist hier villeicht Abwerfen des n im Reim (s. zu V. 38) und der Infinitiv afterkasn (afterkosen) anzunemen? — 221 Befcharren\ entweder ist hescharret zu lesen oder das Wort dH (V. 220) in ml zu än- dern. Für befcharren gibt das DWB. Belege von Luther bis Opitz ; aafgefürt wird es noch von Frisch. — 262 wer dt wäret dauert. — Elberfeld WCrecelius Volkstiimliches ans dem Elsafz I Sprüche in Wirtsstuben Beim Trinken Wer will trinken und essen, Der darf Gott und den Wirt nicht vergessen. 2 Trink un iß, Gott nit vergiß, Sterwen isch gewiß! 8 Wer will trinken und essen. Der muß Gott und den Wirt nicht vergessen : Gott muß er sagen Dank für seine Gaben, Und den Wirt mit bai*em Geld bezalen. 4 Heut um^s Geld, Morgen umsonst! 5 . ( ,. Komm herein, mein lieber Gast, Wenn du Geld im Beutel hast; Geh' hinaus auf deine Straß, 280 Wenn da miob besalet hast; Denn es ist haut nioht der Tag Wo der Wirt dir borgen mag. Amen. 6 Seit der Oredit gestorben ist, Sind alle Lumpen mißvergnügt, Und stehen Durst and Hunger ans, Zum Borgen ist kein Wirt su Haus. 7 Solche Gäste liebe ich, Die erbor discuriren, Die gut und redlich zalen mich Und frölich abmarschiren. 8 Hier ligt in dunkler Nacht Ein Wirt den seine Schulden umgebracht. 9 Im Biärz mueß me trinke aß wie e Heb*, Im April aß wie e Geis, Im liai aß wie e Kueh, Do wird Ei'm 's ganz Johr d*r Wi nit thue. 10 Der Säufer zum Glas Ich beschwöre dich bei deinem Geist, Dass du mV nit in de Kopf 'nein steigst. Jetz mecht i awwer die Ursach wisse Werum du mich Naeoht in Grawe g'schmisse. Jetz was soll dein Straf sein? . Das Glas am Mund: Marsch mit dir ins Loch hinein! ') 11 Inschrift an einem Glase Bist du voll, so bin ich leer. Bist du leer, so bin ich voll. 12 Trink ich, so hink ich, Trink ich nit, so hink ich doch, Drum will ich liewer trinke Un hinke Als nit trinke Un doch hinke. 1) Das Gemisch von SohriAdenisch und Mundart kommt häufig solchen Reimen vor. 281 II Nachtwäohterrofe 1 Um 7, 8, 9 ür Hänn Sorg zn^ Für nn Liecht, DaA euch Gott behüH. Um 10, 11, 12, 1, 2 ür Loset was ich euch will sage. Die Olock het sehni (n. s. w.) g*schlage. Bei Tagesanbmch (Sommer) Loset was ich ench will sage, Die Olock het zwei geschlage, Der Tag kommt anznschleiche De'n Arme wie de Reiche, Der edele Tag den Gott uns gab, I wünsch euch alle 'ne gate Tag! (Simdgaa) 2 Hört, ir Leut, ich tu euch kund! Es ist nnn die zehnte Stund ; Nemet Feuer und Licht in Acht, Gott geh euch eine gute Nacht. Hört, ir Leot, ich tu euch kund, Es ist um die 2te Stund; Die Morgenstund am Himmel schwebt, Und wer den neuen Tag erlebt Der lobe Gott den Herren! (Barr) 3 Höret was ich euch will sage, Die Glock hat zehni g'schlage; Bewaret Feuer und Licht, Daß Niemand ein Unglück geschieht, Und lobet Gott den Herren! (Bnchsweiler) Im Jar 1793 Loeet was ich euch will sage, Die Glocke hat zehne g*scblage, Bewaret Feuer und Licht, Daß kei'm kei Unglück geschieht, Und lobet Gott den Bürger! (Münster) 232 5 Scherzruf Höret, ihr Lait, was ich aich will sache, Die Glock hat seh' geschlaehe, Lesche Faier an Ample, Legen ins Bett an stnunple! (Weißenbarg) m Inschriften an Häasern, Ställen a. s. w. Der Segen Gottes komm über dieses Haas, Das h. Greatz treib alle Feind' hinaas. Unter dein' Schatz, o Maria, nimm es aaf, Sant Sebastian, wende ab alle Pest! (Sennheim) Sant Maariz, ein wachbarer Schildwacbt sei ! Sant Agatha, mach es frei von Feaers Branst! Sant Barbara, laß Keines sterben Ohne das Sacrament» noch verderben! Sant Andreas, mache weichen Und Sant Helena mit dem Crentz Zeichen, Treibt alle Hexerey von diesem Haaßgesind Und laß es fromm leben ohne Sund. Amen! (Sennheim) Ein reines Hertz S. Agatha hat. Freywillig war sie in der That, Die Ere hat sie geben ihrem Gott, Errett das Vatterland aas der Noth. S. Agatha, bitt für uns allesammen, Errette uns vor zeitlich und ewigen Flammen ! S. Agatha, bitt für ans in der Fears Gefar, Und aach in Leib and Seel Gefar, Darch Jesam Christam axisem Herrn! Amen. 1811. (Sennheim) Gedrackter oder geschribener Zettel an Scheunen- oder Stalltüren, meistens in Gebirgsortschaften : Mentero sanctam f spontaneam f honorem Deo t et patriae liberationem. Sancta Agatha. Ora pro nobis. C. H. B. ') (Rimbach-ZeU) 1) Caspar, MeloMor, Balthasar. 283 Wer will bauen an die Staraßen Muß die Leute reden lassen; Es gibt der Neider immer sehr Tiel, Aber es geht doch wie es Gott haben will. fEschentzweiler) Am alten Oasthaas sur Traabe, unter den Bildern von Josna und Kaleb, die eine riesenm&ßige Traabe an einem Stock tragen: Wenn wir gleich hier zu Land nicht solche Tranben tragen, So bringen sicherlich auch kleine Trauben Wein, Dies werden Josua und Kaleb selber sagen, Wer es nicht glauben will kehr in dies Wirtshaus ein. (Hülhausen) Am Rathaus 1) Non tarn pro moenibus, quam pro legibus pugnandum. 2) Einerley Recht sey unter euch, dem Froembden wie dem Heimischen. 3) Hier außen lege ab Haß, Freundschaft, Furcht und Gab, Gar oft sind Haß und Hohn Des frommen Richters Lohn. 4) Integritas consilii non eventus reepidendus Deliberandum diu quod statuendum semel. 5) Praemium et poena. Non sequere vota sed rationem. (Hülhausen) Am Rathaus 1604. Renovat. 1846. Dem Heyligen Reich ist dieses havß Zuo lob vnd ehr gemachet avß, Darin die wahr gerechtikeit Gehalten wirt zuo jeder Zeit. (Kaisersberg) Im Beinerhaus bei der Pfarrkirche: So ist's recht, Da liegt der Meister bei seinem Knecht. (Kaisersberg) Auf einem steinernen Brunnengehäuse 1618 Drincks tu Wasser in dein Kragen, Ueber Disch erkftlt dein Hagen, Drinck mftsig alten subtilen Wein Rath ich und las mich Wasser sein. Mathias Hiffel MDCXVIII Elisabeth Birklerin. (Kaisersberg) 284 In der Hafitiergasse (HanrinBchrift) Jetzt bin ich als fremder Gast Herför gegangen ander dem Balast, Ach got wie geht es noch immer zu, Das die mich noch hassen wo ich nichts thu, Die mir nichts gönnen and aach nichts geben, Die mfissen doch leiden das ich tha leben, Und wenn sie meinen ich sey verdorben. So haben sie vor sich selbst za sorgen« Inschrift mit einem Feaerstein an einer Fensterscheibe desselben Haases Flache nicht in meinem Haas, Geh nar bald zar Thfir hinaas, Sonst könnte Gk>tt vom Himmelreich Strafen dich and mich sagldcfa. (Kaisersberg) Am Bathaas 1) Concordia res parvae crescant, discordia maximae dila- bantar. Einigkeit aas kleinen Sachen Grosse yienderding ^) za machen. Wo die Hertzen s^ynt zertrennt In der Welt das Glück sich trent. 2) lastida in se virtatem complectitar omnem. Gerechtigkeit begriffen that Was nar mag tagend heisen Verwahre sie in gaten Hat Deren sich than besohliessen Der Richter dieser lieben Stadt Der das Schwerd in banden hat. 3) Initiam sapientiae, timor Domini. Vor alle Ding hab lieb dein Gott Im Glaab vertraa, werst nie za Gott Schmacht nicht sein Gnad, Foroht ihn allein Regieren laß ihn, dein Hertz behalt rein Nach Gott sollst da den Nächsten lieben Ihm Gats erzeagen and nicht betrieben Einem jedem tha wie da selbst wolt Das anderer halten solt 4) Diligite jasticiam qoi jadicatis terram. Dem Rechten nach, kein valsche maas Leacks niemand za lieb oder Haß 1) Feindsdiaften. 285 Die Ooties Furcht lern erBÜich eben Dadurch wird dir bestandnus geben Wie geschrieben recht billig und wohl Auch des Nächsten lieb verleben soll Und unser leben sey zu verzehren Zu Gottes Reich und jenem Ehren. (Schlettstadt) An einem Haus in der Eirchgasse 1564 In Oottes Namen geh herein, Der will mein gutter göner sein. (Zabem) Am ehemaligen Weißenturmtore i Gottes Barmhertzikeit Der pfaffen grytikeit Und der bauren bosheit Durchgründet niemanß Uf minen eit 1418. (Straßburg) Dise Inschrift bezieht sich darauf, daß die Bauern im ge- nannten Jare den Fruchtzehenden, den sie järlich an das Stift St. Thoma abzurichten hatten, auf dem Felde verbrannten, weil das Stift sich geweigert, inen „die gemeine Zech an brodt und wein auszurichten". — grytikeit, Geiz, Habgier. — Die Jarszal war die älteste in arabischen Zi£Pem geschribene in Straßburg. In der Draohengasse Wo Landsknecht sieden und braten, Pfaffen zu weltlichen Sachen rathen, Und d* Weiber führen das Regiment Do nimmt's selten ein guts End. 158S. (Straßburg) Auf den verlierenden Krieg bezüglich, den die Zwistigkeiten unter den katholischen und lutherischen Domherren des hohen Stiftes bei der Bischofswal hervorgerufen. Am Speierbad, in der Alten Weinmarktgasse : Das Havs stot in Gotes Haut Vnd ist im Spirbad gnant. Do die Wand mit Gvadersteinen Gmacht war, zalt man 1576, In der Zit was es volent Do die Schwitzer von Zirch gnent Fvoren in dm Dag herab mit Gwalt, Brachten mit ihnen ein Hirsen In rechter Gstalt der war noch warm 236 Vnd sies do zuStrosbvrg war das Schiesen, Das sag ich onvermessen, Vf der Mvrer Stab war der gegesen. Die Schrift ist doran gemacht Wer do fir get das er bedracht Wan das Schiesen ward volent. Domit bring ich den Rimen zyiu Eod. qoo. D. F. B. (Straßbarg) Die noch vorhandene Inschrift bezieht sich anf das große Freischießen, zu welchem die' Stadt auch die Schweizer, ire alten werten Bundesgenossen eingeladen hatte, welche die Fart von Zürich nach Straßbarg zu Wasser In einem Tage zurücklegten. Job. Fischart hat sie in seinem „Glückhaften Schiff" verherrlicht. An der ehemaligen Kleinen Metzig: Im Ochsegässel bin i gebore, Zum Ochsemetzjer bin i erköre, Im Ochsekopf haw i feil, In der Viehgaß bin i daheim. (Straßbarg) Die Kleine Metzig, die in den Jaren 1838 — 1840 abgerissen and durch neue schöne Häuser ersezt wurde, bestand aus einer Reihe von Schoppen, in der Mitte nur war eine dieselbe über- ragende Behausung angebracht, an deren Dach ein großer Ochsen- kopf aasgehauen war, darunter standen die mitgeteilten Reime. IV Mülhauser Malefiz-Ordnung (Mitte des 17. Jarhunderts) Ein Papierheft von sechs Folioblattern, weit geschrieben ; das Wasserzeichen trägt den sogenannten Baselstab. Die Kanzlei be- zog bis ins vorige Jarhundert beinahe sämmtliches Papier aus Basel, wo auch die obrigkeitlichen Mandate, Ordnungen, Statuten u. 8. w. gedruckt wurden. Gegenwärtiges Formular bezieht sich auf den endlichen Gerichtstag, nachdem vorher durch geheime Unter- suchung, beziehungsweise auch die Folter, das Geständnis er- folgt war. Der Blutvogt Sagt ehe man non sitzet und Jederman stehet: Dieweil nächst vergangenen Mittwochen Mein Gnäd. Hrn. Herren Bürgermeister und Rath erkant haben daß auff den heutigen Tag ein öffentlich Malefitz und peinlich Halß Gericht solle gehalten werden, so will ich Ew. Ehren Wht. (Weisheit) gefragt haben ob es dem Tag und lauten nach Zeit seye. , > Hierauff wird umgefragt Vom Hm. Burgermeister, und erkant daß es dem Tag und lauten nach Zeit seye. 237 Blutvogt Will dise Urteil Niemand wiedersprechen, znm Iten, zum 2ten und zom Sten mahl? Hierauff setzen Bich die Richter und wird durch einen Amt- knecht das Gericht verbandt. Blutvogt N. Verbietet M. Onad. Hm. das jhr öffentlich Malefitz Gericht. Amtknecht Ich verbiet Meinen Gnad. Hrn. das ihr öffentlich Malefitz und peinlich Halß Gericht welches sie dißmahlen aus hochem obrigkeit- lichem Gewalt besetzt haben zum Iten mahl. Das wiederholt Er zum 3teu mahl. Daß Niemand nichts darein rede, handle oder fümemme denn dem es erlaubt ist und von Rechts wegen gebühret bey der Straff und Büß und Beserung so darauff gesetzt ist. Blutvogt Wer am Rechten zu schaffen hat, der melde sich an. Schultheiß Weilen meine Klag die ich im Nammen der Statt und mei- nes tragenden Amts thun solle schwär und wichtig ist, so bitte ich mir einen Fürsprech zu vergönnen. Fürsprech Demnach der Hr. Schultheiß meiner begehrt, so wäre mein Schuldigkeit zwar und guter Willen wohl Ihme bedient zu seyn: Indem es aber« eine so wichtige und beschwärliche Sach antrifft, hätte ich wohl leyden mögen, daß Er einen anspräche, der Ihme seine Klag besser wüßte vorzubringen als meine wenige Persohn. Jedoch weil Er mich dazu erneut hat, so will ich mir jeder Zeit vorbehalten haben, alles was die gewohnliche Rechte Inhalten und vermögen, auch wo ich etwas versäumen würde, daß der Hr. Schul- theiß seinen ordentlichen Absprung nemmen, und fahren möge vom ersten biß auff den 2ten, von dem andern biß auff den 3ten, und das so lang und viel biß Er einen überkombt, der Ihme seine Sachen genugsam vorbringe, und darthue wozu Er Recht hat. Blutvogt Der Beklagte kan sich auch um einen Fürsprech bewerben. Beklagter Begehret eines Fürsprechs, welcher Ihme zugelassen wird, und entschuldiget sich auff die weis und mit dem Vorbehalt, wie des Hrn. Schultheißen Fürsprech. Kläger Des Hm. Schultheißen Fürsprech sagt: Dieweilen unser Ge- gentheil sich um einen Beystand beworben, so begehre ich für 238 meinen Beystand Herren Bnrgermeister NN., bitt hiemit Ew. Ehrs. Weisheit wolle mir hierin eine gönstige Willfahr erweissen. (Es geschiechet auch etwan, daß der Kläger und Beklagter den zweiten Beystand erbittet über den vorigen.) Blutvogt Dieweil Ew. Ehrs. Wsht. und flbrigen Herren Räthe zu Bey- stand begehret worden, so können sie hiemit jhren Partheyen freund- liche Willfahr leisten, und zu jhnen stehen. Kläger Hieranff klagt des Hm. Schnltheifien Fürsprech wie folgt: Herr der Blutvogt, wie auch Edle, Ehretiveste u. s. w. Es ist so wohl in Göttlichen als weltlichen Rechten clar und heiter versechen daß .... (hier, eine Lücke). Dessen allem ohn- geaoht, so hat doch gegenwärtiger NN. sich nicht gescbeüet u. s. w. DieweO er nun dessen überzeugt und selbs geständig, so klag ich im Nammen des Hm. Schultheißen auff sein Leib und Leben, auff sein Out und Blut u. s. w. Und begehre dessentw^en, daß Er den Rechten und unse- rer Statt Gebrauch nach alles Ernst« abgestraffb und condemnirt werde. Beklagter bittet und begehrt durch seinen Fürsprech, daß seine Bande Uime geöffnet werden, damit Er sich desto besser gegen einer so wich- tigen und schwären Klag verantworten könne. Kläger Das wiederspricht des Hm. Schultheißen Fürsprech. Urtheil Hieranff wird erkant, dieweilen jhme seine Band so hart ge- bunden, schwer anligen, daß jhm dieselben auff sein Begehren ge- öffnet sollen werden, jedoch daß Er hiemit in guter Oewahraamme gehalten und den Rechten nicht entzogen werde. Blutvogt Will diese Urtheil Niemand wiedersprechen zum Iten, 2ten and 3ten mahl? Beklagter Verantwortet sich durch seinen Fürsprech. Kläger An solche Verantwortung kan der Hr. Schultheiß nicht kom- men, dann • • • Hier folgt was dar wieder zureden sey . . . Begehre deßwegen, daß die Veijüchten '), welch der Be- 1) Mhd. vergthtf vergicMj Geständnis, Bekenntnis. 289 klagte gut und peinlich^) gethan, vor dem ganzen Umstand ver- lesen werden solle. Beklagter bittet dnrch seinen Ffirsprech dafür. UrtheU Die Verlesung der Veijücht wird erkant. Blutvogt Will diese ürtheil Niemand wiederspreohen, zum Iten, 2ten und 8teo mahl. Stattsohrdber Verlieset die Veij&chten. Kl&ger Weil diese Veijücht verlesen, so begehr ich, daft man auch die sieben nnpartheyischen Mann') verhören soll. Beklagter Ist seiner Veijücht allerdingen geständig, und bittet daß die Verhörung der sieben nnpartheyischen Mann underlassen werden soll, weil es dessen nichts bedorfe. Kläger Dieweil der Beklagte der Klag allerdingen geständig, so be- gehrt der Hr. Schultheiß zu vememmen, ob Er nicht bessere Kundtschall*) geftkhret. Urtheil Hierauff wird erkant, daß der Hr. Schutheiß die bessere Kniidt8cha£ft geführet. Blutvogt Will diese Urtheil Niemand wiedersprechen, zum Iten, 2ten und 3ten mahl? Kläger Weil dann meine Klag völlig erwiesen, und der Beklagte der allerdinges geständig, so begehr ich zu vememmen ob der Hr. Schultheiß das bessere Recht und der Beklagte Unrecht habe. Urtheü Wird erkant, daß der Hr. Schultheiß das bessere Recht und der Beklagte Unrecht habe. Blutvogt Will diese Urtheil Niemand wiedersprechen, zum Iten, 2ten und 3ten mahl? 1) Gütlich und auf der Folter. 2) Die Siebner waren Bürger, welche vom Beklagten alt Schieds- richter, Expertem berufen und, wenn das Gericht es für gut fand, ver- hört werden konnten. 3) Bessere Gründe zum Beweise der Sobald des Beklagten. 240 Kläger Dieweil dan der Hr. Schultheiß das besaere Recht geführet, and der Beklagte Unrecht hat, so begehrt Elr an einer Urtheil zu vernemmen, wie der Maleficant selbige Terbessern soll. Urtheil Hieraujßr treten die Richter ab. Alsdann wenn sie wieder sitzen fragt der BlutTOgt, was sie in dem Abtritt und Bedencken gut befanden. Wird demnach er- kant, daß der Uebelthäter solches Unrecht mit seinem Leib und Leben, Gnt and Blat verbesseren solle. Blatvogt Will diese Urtheil Niemand wiedersprechen, znm Iten, 2ten und 3ten mahl? Kläger Nachdem £. E. Malefitz-Gericht hiemit erkant, daß der Uebel- thäter mit seinem Leib and Leben yerbessem solle, so begeret der Hr. Schaltheiß hiemit za vememmen, aaff was Weis and Form solches solle geschechen. UrtheU Hierauff wird erkant daß der arme Sünder von dem Schran- cken genommen, hinauß aaff die gewohnliche Richtstatt geführet| and vom Leben zum Tod hingerichtet werden solle, mit dem N and was demselbigen zugehörig. Blatvogt Will diese Urtheil Niemand wiedersprecheo, zam Iten, 2ten and 3ten mahl? Kläger Es begehret der Hr. Schaltheiß za wissen, wer diese Ur- theil an ihm vollstrecken solle. UrtheU Durch den geordneten Nachricht^ soll diese Urtheil an ihme vollstreckt werden. Blatvogt Will diese Urtheil Niemand wiederspreohen, zum Iten, 2ten and 3ten mahl? Dem Stdtthotten wird mit Namen geruffen, und befohlen den Scharfrichter zu holen. Beklagter In mitler Zeit bittet dessen Fürsprech für denselben, and um Fristnng seines Lebens so viel Dirne m^lich. Blutvogt Wann der Nachrichter an dem Schrancken sich erzeigt, wird Ihine des Gerichts letste Urtheil and Erkentnufi mündlich angezeigt, j 242 Mülhausen hatte kein eigenes Oesezbnch; die Richter arteil- ten „nach Wissen und Gewissen*^ ; — „nach VerständniB nnd Gut- dünken ", wobei sie sich an Gebrauch und Herkommen hielten. Den Juristen unter inen waren der Sachsen- und der Schwabenspiegel nicht unbekannt'); im 15. Jarhnndert drang das römische Recht durch und bei Criroinalsachen fand im folgenden Jarhnndert Kaiser Karls y peinliche Gerichtsordnung (Carolina) vre Anwendung auch in Mülhausen, wie wir später sehn werden. Großen Einfluß flbte in disem, wie in manchem andern Bezüge, die eidgenössische Schwester- Stadt Basel auf die kleine Republik Mülhausen aus, deren Stadt- schreiber meistens auf der dortigen Universität studiert hatten oder selbst Baseler waren, wie Zichlin, Petri, Lauterburg, Wild, Gysier u. A. Uebrigens wurde vom 16. Jarhnndert an keiner als Stadt- schreiber angenommen der nicht Licentiaius tUriusque juris war. lieber die ausgesprochenen Strafarten und Strafwerkzenge soll hier nichts beigebracht werden, dazu wird sich, wo es nötig ist, bei den nun, nach der chronologischen Reihenfolge mitzuteilenden Verurteilungen bessere Gelegenheit geben. 16. Jarhnndert 1 Mishandlung der Eltern. Hanß Jacob K. der sein Matter geschlagen und den Vater herauß gefordert, hat nach aoßgestan- dener Gefangenschafft und Abbitt des Malefitz, ein Urphed schwören müssen, daß Er außer seiner wacht kein gewehr mehr tragen, ferner sich aller Hochzeiten, Wirthshäusern und Thorstüblein '), aach anderer Gesellschafft müßigen wolle, außer der Schenke auf der Zunft 8). 1582. 2 Bürgerlicher Äufrur gegen die Obrigkeit^) in den Jaren 1583 bis 1590. — Im Jar 1588 wurden etwa 400 hiesige Bürger 1) P. Viron-RSviüe, les anciennes jurisdictions de TAlsace, p. 13 und 14. 2) Die TarstübUin waren ein Vereinigungsort, wo Frennde und Verwandte die auf der Wache befindlichen Bürger zu besuchen pfleg- ten. Es wurde da geschwazt, getrunken und gespilt; wegen Unfug wurde diß jedoch mermals von der Obrigkeit verboten. 3) In Mülhausen bestanden biß zur Vereinigung mit Frankreich, im Jare 1798, sechs Zünfte: Becker, Schneider, Schmide. Mezger, Reb- leute und Ackerbauer; die vier ersten hießen die gro&enj die beiden leztern die kleinen Zünfte. Jeder Bürger muste sich auf einer dersel- ben einschreiben lassen. Die Zunftmeister sassen im Kleinen Rate. 4) Die Verhör- und Oerichtsprotokolle umfassen merere Folio- bände und sind auf dem Stadtarchive aufbewart. Der Prediger David Zwinger, ein Augenzeuge, hat den ganzen Verlauf der Ehnporung in einem noch in Handschrift vorhandenen Foliobande aufgezeichnet. Kürzere Berichte darüber geben Mathias Graf und Mathias Mieg in iren Geschichten von Mülhausen. 244 6 Selbstmörder, 6örg ß^s Erben geben 100 Thaler wegen dessen ErhenkoDg. 3. August 1637*). 7 Unbefugte Copulation, Herr Tb., Pfarrer von Zimmersbeim*), daß er in seiner Flöchtung ^) alihier, einen Soldathen mit seiner Köchin zusammen geben, ist in Thum gelegt, und umb 100 fl. gestrafift worden, vngeacht des Bischoffs Intercession. 23. August 1637. 8 Knospen abgehauen, Hanß St. daß er Knospen *) in der Sin- nen^) gehauen, ward um 10 Pfd. gestrafft und gethürmt. 7. August 1639. 9 Felddiebstal. Wegen eines Felddiebstahls soll eine yerbfir- grerte Person 4 fl. erlegen, und die Hintersassen aber mit der Trille^) oder der Geygen'^) gestraft werden. Mandat vom 25. August 1648. Ein Kind soll 1 fl. geben ; Einer der es sieht bey seinem Eydt angeben, und die Wächter an den Toren visitiren. 18. Juni 1662. Yon der Kanzel herab und vor der versammelten Gemeinde seines Ver- brechens wegen g^etadelt und zur Buße ermant wurde. 1) Disem Urteilsspruch ist von folgendem Zusaze, einer spätem Hand, begleitet: Wegen Caspar K. war der Frevel 50 Pfd. und dem Scharfrichter 20 Pfd. 26. August 1683. — Samuel P. 160 Pfd. 15. Au- gust 1714. 2) Ein südöstlich von Mülhausen gelegenes Dorf, welches damals und biß zur französischen Revolution nebst dem größten Teil des Ober- elsaßes zum Bistum Basel gehörte. 3) Flucht. 4) Eine Art Schilf, dessen Blätter zum Verstopfen der Faßdauben dienen. Das an den Stadtgraben wachsende Gras und Gesträaeh machte einen Teil der Besoldung des Stadtschreibers und des Baumeisters aus. 5) Ein Zweiggraben- der 111. 6) Die Triüe war eine Art cylinderforroiger Käfig oder bestand ans zwei hölzernen dicken Sparren, die kreuzweise auf einem im Boden stehenden Holzblock ruhten, in der Mitte waren sie durch einen star- ken Eisenstift vereinigt und konnten im Kreise herumgedreht werden; der Delinquent wurde in die Trille gesezt oder, im zweiten Falle da- rauf gebunden und so lange herumgetrillt biß er, beti^ungsweise bei Obstdiebstal, das corpus delicti wieder von sich gegeben. Die Trillen waren gewönlich an den Toren angebracht. 7) Die Geige bestand aus einem Brett, das man dem Felddieb mit einer Kette am Hals befestigte; zu beiden Seiten waren runde Löcher, wodurch die Arme heraus gestreckt werden konnten. Mit disem Strafwerkzeuge wurde der Dieb von einem Stadtkneebt an einem Markttage herumgefurt Manchmal ward im das Geetolene auf den Rücken gebunden. 246 15 KirchendiebstcU^), G., Bürger der Stadt, so Geld ans der Bächae in der S. Stephanuskirchen genommen, auch andere Dieb- stähle begangen, ist zum Schwert verurtheUt worden. Ist den 3. August 1683 hingerichtet worden. 16 Sodomü ward mit dem Schwert gerichtet und verbrantU. 18. Juli 1688 «). 17 Hülffe hey Kapueinem gesucht. Clade S. T. wurde des Nachts in seinen Laden gebrochen und etliche Stuck Tuch geraubt. Der ließ durch einen Schneider zu Lanßer') bey den Eapusinern Hülff suchen, darauf der Dieb sein Wahr^), theils für sein Hsoß, und theils beym Träubelgäßlein ^) des Nachts wieder ablegte, — (Clade) wurde um 85 Pfd. gestrafft, und der Bott^) in Thum gel^^ 29. October 1690; 14. Merz 1691. 18 Duell. Als zwey frantzösische Capitain hier duellirt'^) und Einer todt geblieben, wurde der Frevel mit dem Major auf 100 Thaler verglichen. 11. Merz 1691. 19 Teufelsbeschwörer. Peter Dax, daß Er ein Teufels Be- schwerer aus dem Solothurner Gebieth geholt, und mit dessen Hilff auf dem Münchs Berg ®) vergeblich nach einem Schatz gegra- oder schleppten eiserne Kugeln an den Füßen, wärend sie, unter Be- wachung der Stadtknechte, schwere Arbeiten zu verrichten hatten. Am Hut oder an der Müze waren ScheUen angebracht, die bei der gering- sten Bewegung klingelten. 1) Hundert Jare nach diser Verurteilung wurde zu Colmar mere- ren Kirchendieben zuerst die rechte Hand abgehauen, hierauf wurden sie in mit Schwefel getränkten Hemden öfifentlich verbrannt. Ordon- tiances d^Älsace. 2) Cf. Carolina Cap. CXVI. 8) Landser, ein südöstlich von Mülhausen gelegenes Städtchen; ehemals Siz der Herschaft gleiches Namens, Besiztum der Grafen von Habsbur^, später der Erzherzöge von Oesterreich, als Landgrafen des obern Elsaßes; es gehörten dazu 25 im Sundgau gelegene Ritterdörfer. Das Kapuzinerkloster daselbst wurde im Jare 1664 gestiftet. 4) Seine Waare. 5) Trägt seinen Namen von dem darin gelegenen Gasthaus Zur Traube. Sih oben No. 12. 6) Der Schneider. 7) Wärend des Kriegs zwischen den Kaiserlichen und den Fran- zosen unter Ludwig XIV. 8) Mönchsberg, volkstümlich Münzberg, gehörte „seit uralten Zei- ten dem baslerischen Hohen Tbumstifft, welches V4 des großen Frucht- und Weinzehenden bezog^S Den 10. Oktober 1682 kaufte Mülhausen die Rente um die damals bedeutende Summe von 8000 Gulden zurück. 248 18. Jarhundert 24 Feuer einlegen^), Anna Maria K. so zu Illzach Feuer einge- legt, mit dem Schwert gerichtet. 4. Juli 1703. 25 CrlminalfaU. Ein Weberknecht, Namens Joseph Karrer, aus fürstl. Sankt Gallischer Herrschafft, als er mit einem Andern, Na- mens Marx Meyer, von Langeuaa bey Angsburg, von Golmar nach Basel zu reysen abgangen vnd zimelich viel Gelt bey ihm vermerkt, nähme ihme vor denselben zu ermorden. Derowegen als sie za Battenheim^) übernachtet, und sich bey anbrechendem Tag, den 19. October 1705, auff den Weg gemacht, ergriff er bey dem so- genannteu Entenloch, Illzacher Bahns, einen Stein, schlug ihn mit demselben zu Boden, nahm ihm sein eigen Messer anß dem Sack und schnitt ihm die Gurgel ab. Die göttliche Räch verfolgte ihn aber alsobald, denn da er vermeinte den Weg auffwärts nach Basel zu nehmen, nahm er ihn hinunterwärts, und traffe bald zwey Rix- heimer^) an, die auff Wildbrett in die Hart ^) gegangen waren und wieder heim wolten; solche fragte er, ob das der rechte W^eg nach Basel seye. Als sie ihme mit nein geantwortet, und ihn mit sich genohmen, traffen sie gleich den Toden Leichnam an. Weil sie nun an besagtem Menschen Blut sahen, auch sonsten seine Reden ihnen verdächtig vorkamen, führten sie ihn gefangen nach Rixheim; daselbst erkannte ihn bald ein Schweitzer Fuhrmann, der ihn die Nacht vorher in dem Wirthshauß zu Battenheim nebst dem £Ir- mordeten gesehen hatte, er auch unter dem Geld, so man ihme auß dem Sack gethan, ein Stücklein, so der Ermordete wechslen wollte, gleich kannte, worüber er gleich zur Bekantnuß gebracht, und nach Landser^) geführt worden, allwo der königliche Amt- mann, ungeacht der Mord auff dem Mülhauser Boden geschehn, sich gantz ernstlich unterfienge vnd Wächter auff das Orth schickte, den Leichnam zu bewahren. Hingegen wolte die Stadt ihr Recht auch nicht versäumen, sondern schickte gleich eine Fuhr samt einigen Deputirten den Ermordeten abzuholen, welche eben zu rechter Zeit noch ankommen, da die Rixheimer ihn schon auffladen wolten. Als auch ferner der Ambtmann, auff beschehenes Ersuchen, 1) Nach Cap. CXXV der Carolina sollten die Mordbrenner leben- dig verbrannt werden. 2) Dorf an der Departemental - Straße von Colmar nach Basel, nördlich von Mülbausen gelegen. 3) Rixheim, großes Dorf, südöstlich von Mülbausen. 4) Umf augreicher Wald, der sich von der Nähe von Basel, west- lich vom Rheine bis gegen Colmar erstreckte, jezt aber teilweise aus- gehauen und zu Ackerfeld umgewandelt worden. 5) Sih oben No. 17 Anm. 3. 250 Außtritt^, and wider der Eltern Willen getroffenen Heyrath ge- holfen, Würde um 50 Pfd. gestrafft. 22. April 1722. 28 Die Bettelmutter^) im Spithäl so den Armen das Brod sam Theil entwendet und yerkaufft, wurde ans Halßeyfien gestellt nnd veruneßen^). 10. März 1723. 29 Harte Straff wegen Capuziner schlagen^). Ein Fuhrmann das er einen Franciscaner geschlagen, mußte deprecieren, alle Kosten, 80 sich hey 100 Liv. heioffen, ersetzen, 14 Tag gethümU werden, ein halb Jahr infam seyn und dem Convent 80 Li?, für Satisfaction zahlen. 19. Juli 1723. 30 Todschlag und Baüb, Der Metzgerknecht Johannes Seh., der seinen Kameraden Daniel Steffen mit einem Hammer erschlagen, den er in einem Wirthshaus gestohlen, den Leichnam in Stücke verhauen und in die Sinne^) geworfen, wurde vom Malefitz(gericht) so auf offenem Platze gehalten, condemnirt lebendig gerädert m werden, so daß wenn ihm die 2 Untertheil entzwey geschlagen, er mit einem Strick erwürgt^ sodann auff die Arme getroffen und der Hertzstoß gegeben; sodann der Leib an das auff der Landstraß auffgerichtete Badt geflochten. Die Execution soll auff dem Bahn- loch, rechter Hand so man vom Oberthor hinauß gehet, hey einem solches auch kein Itaub oder Baptus zu nennen." Das Ehegeriek^ welches für alle Ehesachen bestellt war, bestand aas den 8 Bürger- meistern, 2 Seckelmeistem und 4 Predigern göttlichen Wortes. Art I§ 1. 1) Flucht. 2) Aufseherin der Stuben, in welchen Bettler warend einem oder merern Tagen beherbergt wurden. 3) Aus der Stadt verbannt. 4) Fürstenberger, 1. c. B. XI Cap. 14, gibt nachfolgende nähere Umstände über die Begebenheit: „Es ist auch dieses Jahr das alte Sprichwort er fallt worden: Wer nichts hat zu schaffen, Der schlage einen Juden oder Pfaffen.*' „Es (nenge bey Modenheim bey starkem Regenwetter ein Franciscaner von Ruffach, der wohl zu Mittag gespeißt und dabey das Trinoken nicht vergessen, Namens Polycarpus, für Michael Sengelin, so neben seinem Wagen gienge vorbey, grüßete ihn, indem zwahr Sengelin ge- danckt, aber Regens halben den Huth nicht abgezogen, der hieße Uin einen groben Dölpel. Sengelin gab spizige Antwort, so daß es zu Streichen kämme, und der Franciscaner übel verwundet sich auf Mal- hausen führen ließe, und klagte es dem Bürgermeister, welchem gut Recht zu halten versprochen wurde, worauf er sich nach Buffach fahren ließe . . ." 5) Sihe oben No. 8. 252 obrigkeitlichen Respect zuwider eingegebene Schrifft Yor Rath^ wurde von dem Ambtknecht öffentlich zerrissen und hinweggewarf' fen, der Author mußte sie revocieren und deutlich um Verzeihung bitten, auff 2 Tage in Thurn und 20 fl. Straff büßen. 10. Januar 1731. 35 Schmachreden tcider den Kleinen Roth. Heinrich L — ch, so wider E. £. Rath und einige Herren des Ehrenregimenta ins be- sondere, injuriose Reden außgestoßen, wurde gethümt und mußte ürphede schweren^), 21, 27. Februar 1732. — Als er nicht nach- gelassen und gen Dornach ^) gezogen, wurde er ergriffen und in ewige Gefangenschafft condemnirt. 5. 16. Juli 1732. — Die Sache dauerte bis zum 28. November 1736, während welcher Zeit sein und seiner Frau um Gnade Bitten immer abgewiesen wurde. (Spä- terer Zusaz.) 36 Beligionssachen. Hans Georg Hammer, wegen irriger Mei- nung in Religionssachen, so er öffentlich außgebreitet, mußte vor Bann ^) revocireti, wurde in Thurn erkannt, und Vs «^^^r ins Hauß bannisirt^}, den Herren Pfarrern befohlen wieder dieses Laster öffentlich zu predigen, und ihne in der Gemeind nicht mehr anzu- nehmen biß er Proben seines bessern Glaubens von sich geben wird. 2. Juni 1734. Die Hauß Bannisation <^) auffgehebt. 28. Juli 1734. 37 Vergiftungsverstich. Hans Georg Ermendinger, so seiner Frauen Spongrün^) auff die Linsen gezettlet, die sie aber nicht geessen^), wurde an den Pranger gestellt, mit Ruthen gestrichen und ^ofint- siret. 15. 18. Februar 1736. 1) Eidliches Versprechen, nach bestandener Strafe sich nicht wieder dasselbe Vorgeben zu Schulden kommen zu lassen, noch sich an den Klägern oder Richtern zu rächen. Bei Landesverweisung musie der Verwisetio schwören das verbotene Land oder Gebiet nicht wieder zu betreten. Diso Versprechen musten manchmal schriftlich abgegeben werden. Sih Mülh. Statuten und Gerichtsordnung 1740 Art. XXX § 5: Vom Stadt -Frieden und Urpheden. 2) Zu diser Zeit besaßen die Edeln zu Rhein das bei Mülhausen gelegene Dorf Doruach als Lehen; da dieselben auch Bürger von Mül- hausen waren, so war die Stadt zur Gefangennemung des Delinquenten befugt. 3) Vor Gericht. 4) Dise Form für bannen, banniren wurde vorzugsweise im Ober- Elsaß angewandt; auch Moscherosch gebraucht sie. 5) Diser Ausdruck feit in Grimm's Wörterbuch. 6) Grünspan. 7) Diso Form für „gegessen^' ist mir sonstwo im Elsaß weder in Uandschriften uoch in Gedrucktem vorgekommen, sonst aber gewönlich. 254 nnd Dieben eine hohe Obrigkeit geschöteUf snm Klappersiem con- demnirt; ex gratia zu 50 Pfd. und zweytägiger Thürmung miti- giert^). 7. Februar 1748. 43 lAiderliche Aufführung. £in Schandlader mit Trinken nnd unzüchtigen Anßgelaßenheiten in Johannes Geyelin^s Haus in lU- zach, wird mit V4J^^i^ig®°> ScheUemoerk bestrafil. 12. 19. Jnni 1748. 44 Verleumdung des Vaters^), Eine Tochter die gesagt ihr Vater habe sich wollen erheuken, den Klapperstein zu tragen er* kant. 21. Mai 1749. 45 Beschimpfung der Obrigkeit, Jacob E., der ü. G. H.') meineidig geheißen, daß sie ihm wollen einen Vogt ^) setzen, 8 Tage in W(ü1centhum erkant; soll den Klappersiem an aUe 4 Thore tragen. 30. Juui 1749. 46 Wollendiebstäle, Eine Wollendiebin, obschon sie sich ver- glichen, wurde in den Kefig^) gelegt nnd an der Geigen an Me 4 Thore geführt, mit einem Säcklein WoUe hinten anhangend. 13. August 1749. Martin St. und seine Fran die ihrem Hausmeister sm nnter- oder der Schulden; später, und bis noch jezt im Sundgau, li'essboten genannt. 1) Gelinder bestraft. 2) Vgl. oben No. 10. 3) Unsere Gnädigen Herren, d. i. Bürgermeister und Rat. 4) Art. XXXVI § 2 und 3 der Statuten vom Jare 1740 sagt hierüber: „ . . . Ofifenbare Verschwender, die durch gütliche Vermah- uang sich von ihrem Lasterlehen nicht abhalten lassen, sollen vor E. E. Rath gestellt, ihre schandliche Lebensart ihnen öffentlich vorgehalten, und wann sie sich nicht besseren, auf kündbare Nachricht ihres schlim- men Wandels, mit der Thürnung, Schellenwcrck, Verweisung, und an- deren willkührl ich en Straffen, nach Größe des Verbrechens, und Ge- stalt der Umständen, andern zum Exempel, angesehen werden. — In- sonderheit solle, wann es die Nothdurfft erheischte, ihnen die Verwal- tung ihres Guts genommen, und gleich den Minderjährigren, Vögte ge- setzt, auch damit jedermann dessen berichtet seye, offentlieh als be- rüchtigte Verschwender ausgeruffen, und ausgekündet werden.'* Das öffentliche Ausrufen geschah, nach beendigtem Morgengottesdienste, durch einen Amtsknecht, von dem sogenannten Schreisteglein herab, welches neben der Haupttüre der Kirche an der äußern Mauer ange- bracht war und aus einigen steinernen Staffeln, oben mit eisernen Stangen eingefast, bestand. 5) Auch Narrenhäuslein genannt, eine Gefangnisstube im untern Boden des Rathauses, wo man Nachtschwärmer, auf der Tat ertappte Verbrecher oder solche, welche eine andere Strafe verwirkt, provisorisch einsperrte. 265 sohiedlichen mablen über die Wollenkammer gekommen, zn einem namhafiften Ersatz und die Frau Va Stund mit der Geigen am Hals auf das JRathhatishänklein zu stehn, dann an nlle 4 Thore geführt, und V4 J^^^ ^^^ Schellenwerh geschlagen zn werden con- demnirt, der Mann aber so sich flüchtig gemacht, angeschlagen. 27. August 1749. 47 Kindesaussezung. Elisabeth F. von Eglisau , die ihr unehe- liches Kind vor dem Spiegelthor im Schilterhäußlein exponirt, von Zürich abgeholt, an alle 4 Thor mit dem Strohkram ^) geführt, der Stadt ewig bannisiert und ihr das Kind mitgegeben. 18. Fe- bruar. 18. März; 8. April 1750. 48 Lüderlich Leben^). Johannes K., wegen seinem lüderlichen Leben ein Jahr in die Spinnsttibe auf Wasser und Brod erkannt. 1. April 1790. Derselbe, der sich vom ScheUenwerk zu dem er nachher ver- urtheilt, flüchtig gemacht und catholisch worden, auch gottlose Reden gegen die Statt und Hrn. Bürgermeister Hofer ausgestoßen ; nachdem er wieder in die Stadt gekommen, eingesteckt, verhört und biß auf weitern Bescheid in des Lederleih* s Castell^) im Spi- tal aufbehalten. 13. November 1751. 49 Verleumdung, Anna Z. so gesagt Johannes Frank habe Hrn. Postmeister Rissler^s Scheuer angezunden und ihn einen Mord- brenner geheißen, zum Klapperstein condemnirt. 29. November 1752. 50 Betterdiebinnen, Catharina St., Johannes B's Frau, und Anna Z. von nizach, so Better aus den Ställen mit einander gestohlen; die erste an Pranger gestellt, mit Ruthen gestrichen und verwie- sen; die zweite unten daran gestellt, ans ScheUenwerk erkant und soll mit einem Blech auf dem Rucken durch die Stadt geführt wer- den. 14. 21. Februar 1758. 51 Jarmarktdiebin. £ine Diebin die auf dem Jahrmarkt gar vielerley Articul hin und her gestohlen, 1 Stund an Pranger^ 6 Streich und gebrandmarkt, 20. September 1756. 52 Veruntreuungen. Die Bettelmutter im SpitaP) wegen Un- 1) In Colmar mosten die Delinquentinnen spizzulaufende Stroh« hote tragen. 2) Vgl. No. 43 u. 45 Anm. 4. 3) Vgl. No. 37 Anm. 2. 4) Vgl. No. 28 Anm. 2. 256 treo mit der Geigen an alle 4 Thor geführt and 4 Wochen ans Seheüenwerk geschlagen. 5. Janoar 1758. 53 Marktdicbmnen an Pranger gestellt, mit Buthen gestrichen; die einte gebrandmarkt nnd verwiesen. 28. Jnni; 4. Jnli 1758. 54 Bigamie. Johannes M., ein Schirmsverwandter ^), wegen be- gangener Bigamie, da die Frau erster. Ehe conniviert '), ein Stnnd an Pranger gestellt, die Buthen hinten aufgesteckt und ewig ver- wiesen. 25. April; 2. Mai 1759. 56 Baumw6lldiehinnen% Junge Mägdlein die Baumwolle ge- stohlen, 14 Tag ins Castdl und mit der Kuglen zu schaffen con- demnirt; sollen auch alle 3 Tag oö^^priS^eU werden. 21. November 1759. 56 Kleiderdiebin. Eine Landtfarerin, die 2 Kindern vor dem Thor die Kleidlein außgezogen, die zwar wenig werth waren^ 1 Stund an Pranger gestellt, an 6 Orten mit Buthen gestrichen, gebrandmarkt und verwiesen. 26. Juli 1760. • 57 Indienne-Biebstul mit dem Strang bestraft. 21. November 1760. 58 Leinen- und Wollendiebstal. Rudolff Sigrist, von Meister- schwanden ^), der ab dem Spithal- Graben einige Stuckh weiß leinen Tuch, und ab dahisiger Ramme ein Stuckh Wolleutuch gestohlen; Michel Spring, von Reitingen, Berner Gebiets, so ihm dazu An- leitung gegeben und an dem Diebstahl theil genommen, auch son- sten noch einige Diebstahl begangen, beyde peinlich befragt, and 1) Schirmsverwandte oder Hintersiiß konnten das gefreite Bürger- recht erkaufen; sie musten aber wenigstens 3 Jare in der Stadt ge- wont, guten Leumund, drei Gewerfe abgerichtet und ir eigenes Haas haben. 2) Damit einverstanden war; deswegen wurde er zu einer gelin- dem Strafe verurteilt; denn in der Mülhauser Ehegerichts -Ordnung Art XVII [ § 3 ist bestimmt: „Ein Mann der bey Lebzeiten seiner Frauen noch eine andere Frau nehmen, oder eine Frau die noch einen andern Mann nehmen würde, soll nach der Hals -Gerichts -Ordnung Kaysers Caroli V., peinlich, das ist am Leben oder mit dem Sltoufr- Besen gestraft werden." Cf. Carolina Art. CXKL 2) Die erste Baumwollzeug- oder Indienne-Fabrik zu Mülhausen wurde im Jare 1746 durch Jacob Schmalzer, Samuel Köchlin und Johann Heinrich DoUfus gegründet. Es folgten ir bald merere andere, wo- durch nach und nach vile, auch fremde Arbeiter herbeigezogen wur- den. Diebstaie in denselben wurden aufs schärfste gestndft. 4) Canton Aargau. 257 nach gehalteDem Gonsilit) zu Basel, obschon das Verbrechen groß, mit dem Strang verschont; für 8 Jahr auf die Galeerm oder den Galeeren gleiche Straff condemnirt; 1 Stund an Pranger gestellt, an 3 Thore geführt und wieder in die Gefangenschafft ; auf diesem Weg aber an 9 Orten scharf mit Buthen gestrichen. 11. 28. April; 28. May; 19. Juni 1760. Sind fiir obige Zeit allhier in Ketten und an den Karreti erkant worden. 3. Juli 1760; haben aber Mittel gefunden sich aus dem Gasteil über die Ringmauer flüchtig zu machen. 4. Fe- bruar 1761. 59 Weindiebin, Eine Magd die ihrem Meister Wein gestohlen, mit der Geigen herumgeführt , ein Krug hinten an ; hannisiert, 17. Juny 1761. 60 Reinhard M. von Illzach, der im Wii-thshans gesagt, er wolle nicht in Himmel, und noch dazu Betheuerungen gebraucht, 2 Tag in Walkenthurn gelegt, alsdann soll er zu Illzach in Thurn bleiben und allda ein Kirchenstand thun. 11. November 1761. 61 Kleiderdiebin. Eine fremde Frau die in Meister Theobald Steinbach's Hauß in Illzach ein Pack Kleyder gestohlen, so über 200 Livres werth wäre, so man aber gleich wieder zu Händen ge- bracht; wegen dem Gesinde mit dem sie herumfart, die Daumen- Stock angelegt*), an Pranger gestelt, an 8 Orten der Statt mit JRiU?ien gestrichen und bannisiert, propter gravitaiem, mit dem Zeichenbrennen verschont. 13. 18. Juli 1763. 62 Kindesmörderin. Anna Maria G. von Fortschwihr, bei Col- mar, so bei einem Becker der Statt gedient, zum Schwert erkant, weil sie ihr Kind getödtet. 8. P'ebruar 1765. 63 Betrügerin, Rosina H. die in Commissionen von YerkaufiP und Pfandern allerhand Betrug ausgeübt, und eines unehelichen Kinds niederkommen, als ein lasterhafftes Mensch, Vi J&^^ ^"s Schellen- werk geschlagen, mit einem Blech auf dem Bücken. 16. April 1766. Zum 2ten mal, 2. Novembris 1767. 64 Gottlose Beden, Hans Georg E., der Schneider, wegen gott- loser Reden und Fluchen, 1 Jahr ins Castell auf Wasser und Brod erkant. Indessen solle ihm durch die Herren Geistlichen zuge- sprochen werden. 22. Juni 1767. 65 Anzügliche Schriften. Hr. Johann Georg Seh. jgr., der an- 1) gefoltert. Birlinger, AlemMmiA VU 8 17 258 stößige Schriften voll critisch politischer Boßheit gegen U. 6. H. die Schweizer und die Leder-Commission ^), auch gegen den Hm. Bürgermeister Hofer und den Stattschreiber aufgesetzt: 1^ Zur schrifftlichen Äbbitt condemniert, 2^ Die Schrift zerrissen, 3® Drei Jahre seines Dreier- Amtes*) suspendirt, 4^ Alles Libellieren ^) bey Strafif eines Stohrers der allge- meinen Ruhe ^) verbotten. 25. Jannar; 1. Februar 1768. 66 Lederstempcl verfälscht. Paulus Seh., so beim Lederbureau *) angestellt, hat mit einigen Andern falsche Lederstempel , nach einem Muster das er im Bureau entwendet, verfertigen lassen. Mehrere dieser Hämmer wurden bey dem Saffianer Peter E. ge- funden, welcher bannislert. Paulus Seh. zu 14 Tag Thurtn und 3 Monaten ins Haus hamiisiert und sein Amt verloren. Seine Mutter soll 200 Livres Restitution zahlen und 300 Livres Geld- strafe. 10. 15. März; 19. April 1773. 67 Gelddiehstäl. Feißel Kabz, ein Betteljud, sich von Sept^) angebend, stiehlt im Kornhauß dem Metzger Schollen, von Batten- 1) Die Ledercommission ^ auch Lederbureau genannt, wurde im Jare 1760 vom Magietrat eingesezt, um die Ausfur des in Mülhaasen fabrizierten Leders nach Frankreich zu erleichtern ; dasselbe war einer bestimmten Taxe unterworfen und muste gestempelt werden. 2) Die Dreier waren je drei Bürger, die aus jeder der 6 Zünfte gewält uud dem Großen Rate beigegeben wurden. Sie waren im Jare 1740 eingesezt worden, bei der demokratischen Umwandlung des Stadt- regiments. 3) Ein obrigkeitliches Mandat vom 9. Dezember 1733 hat hier- über folgenden Beschluß gefast: „Wegen dem überhand genommenen PasquiÜen- Aussirenen, ist folgende Ordnung per mandatum auf den Zünften gemacht worden: P Jeder Bürger soll bey Ehr und Eid anzeigen, wenn ihm der Urheber und Verfasser der ausgestreuten Pasquillen bekant ist. 2^ Wer es angibt soll verschwiegen bleiben und 100 Thaler Be- lohnung erhalten. 3^ Wer künftighin eine Pasquille findet, soll sie gleich zerreissen und verbrennen und niemand etwas davon sagen, sonst soll er für den Thäter gehalten werden. 4° Die Wächter sollen des Nachts auf diese Nachtvögel fleißig Achtung geben und die Verdächtigen gleich anhalten.*' 4) „Wer wieder die beschehene Angelobung den Frieden bricht und Thätlichkeiten verübt soll als ein Stöhrer der allgemeinen Buh angesehen, und nach Befinden an Leib und Gut gestrafft werden." Sta- tuten der Stadt Mülhausen vom Jare 1740 Art. XXX § 4. 5) Sih No. 65 Anm. 1. 6) Die beiden Dörfer Ober- und Nieder-Sept ligen im Largtale, Kreis Altkirch. 259 beim^), eine Blatten mitt Lonisd'or, Silbergeld, nnd wirft sie bin- terdie Sack; 1 Stund an Pranger gestellt, an 7 Orten der Statt mit i^tt/^» gestricben, gebrandmarcki und ewig bannisiert 14. 15. 20. Mart. 1775. 68 Biebstal und Hurerei, Barbara Mooß, von Ziramersbeim *), wegen Diebstabl und Uurerey mit dem Strohkranjs und der Geigen an alle 4 Thore geführt. 26. Mai 1779. 69 Lästerliche Beden. Chriscbona, von BibP), Niclaus V's Frau, wegen ärgerlicber, lästerlicber Reden, zum EJapperstein condem- nirt. 28. Februar 1781. 70 Diebstäle. In den Jabren 1780 und 1781 fielen zablreicbe Diebstähle in den Fabriken, Bleichen und dem Robrscbützenbause^) vor. Die Schuldigen , ^ 7 an der Zahl, wurden also gestraft: 20 Jahre auf die Galeeren; lebenslängliches Zuchthaus und mit Eu" then gestrichen; Ualseisen und 20 i9,hT Baspelhau^\ Z id^hre Sehet- lenwerk. Einer der entwischte wurde in effigie an den Galgen gehängt; ein Anderer, den die Marichaussee ins Burgundische bringen sollte, wo er ebenfalls gestohlen, wurde bei der Ziegel- scheune zu Pfastatt^) erschossen, weil er entwischen wollte und ohne weiters durch Hrn. Amtmann zu begraben befohlen. 71 Fälsche Schriften, Charles Guerin, der Gärtner von Sie- rentz*), der zum Verkauf seiner Bäumlein falsche Brief gemacht, wird zum Ersatz condemnirt und zweimal ans Schellemverk oder an Pranger (gestellt) und die Btähen hinten aufgesteckt. 1. 5. Juni 1782. 72 Diebstäle auf den Bleidien, Am Ende 1782 und anfangs 1783 kamen auf den Fabriken- Bleichen wieder zahlreiche Dieb-' stähle vor. Die Herren Köchlin entdeckten zu verschiedenen malen in Beifort verkaufte Waare; zwei solcher Verkäufer wurden noch Golmar geführt, Johannes Schneider und Johannes Heklin von Ge- venat bei Masmünster''). Sie werden den 12. und 21, Februar 1783 ex capite criminis majaris reclamiert und nebst ihren Wei- bern ausgeliefert, den 5. März. Anton Heklin von Gevenat und 1) Sih oben No. 25 Anm. 2. 2) Sih No. 7 Anm. 2. 3) Bühl, im Gebweilcr Tale. 4) Vor dem Jungcütore, jezt eine Bierbrauerei. 5) Dorf, welches damals zum Amte Brunnstatt gehörte; jezt im Canton Mülhausen gelegen. 6) Großes Dorf auf der Straße von Mülhausen nach Golmar. 7) Westlich von Mülhausen. 260 Johann Helg von Tranbach^) werden als Mitschuldige erklärt, reqnirirt und aasgeliefert, den 8. und 12. März. Den 81. März wird nnn, nach gehaltenem Criminal-llathe, wegen obiger Dieb- stähle erkant: Johann Schneider und Anton Heklin zum Strang \ Johann Heklin und Johann Helg, den Strick am Hals mit den Vorgenannten, nach gehaltener Malefiz, zum Galgen geführt^ mit Buthen gestrichen; der erste für ewig; der zweite fElr 20 Jahr zur Galeere verurtheilt. Ihre Weiber ans Halseisen gestellt, als Mithelferinnen, und mit Buthen gestrichen; doch die Eine, wegen Schwangerschaft, verschont. Den 4. April 1788 wurde Malefiz gehalten und die Urteile exequirt. Weil die Maleficanten katholisch, so wurden inen zwei Herren Patres Kapuziner von Landser^) berufen, die sie zum Tod bereiteten, neben inen im Malefiz sassen und mit ihnen biß zur Execution giengen. Dise Toleranz und Begleitung ist im Lande wol aufge- nommen und die Urteile gelobt worden. Golmar^) war sehr za- rieden. 3. April 1783. (Josua Hofer.) 73 Hausdiebstal, Barbara G., wehren gestohlenen Hauben, Man- chetten und Spitzen bei Hrn. Zunftmeister Cornetz, wo sie ge- dient, mit der Geigen an alle 4 Thore geführt und bis Johannis mit den Kugeln am Fuß in die Spinnstube gesetzt. 13. Februar 1784. 74 Kirchendiebstal, Jacob D., der Todtengräber, bestiehlt zu mehrern malen die beiden Opferstöcke der französischen Kirche, indem er durclj die Oeffnungen ein Fischbein mit Pech beschmiert hineinsteckt und so Geld herauszieht. Diesen Diebstahl trieb er mehrere Jahre, und fährte sogar einen seiner Knaben dazu an. (Er hätte den Strang verdient.)^) Es wird gegen ihn erkant: Er solle den Strick am Hals vom Halseisen zum Galgen geführt; im Rückweg, an 9 Orten mit Buthen gestrichen, gebrandmarkt und für ewig auf die Galeere verurtheilt sein. So lange der Vater am Halseisen stand, wurde der Sohn Heinrich auf dem Bathliausbänk- lein ausgestellt; alsdann zu 6 Monat ScheUenwcrkarbeit verur- teilt, des Bürgerrechts verlustig erklärt und für ewig aus der Stadt verbannt. Der Ersaz des gestohlenen Geldes betrug 300 Livres. 17. 30. März; 4. April 1785. 1) Südwestlich von Mülhausen. 2) Vgl. No. 17 Anm. 3. 3) d. h. die Richter des Conseü souverain d*Älsaeef welches in Colmar seinen Siz hatte. 4) Zusaz des Stadtschreibers Josua Hofer. 261 75 Vagtibund. Joseph First, ein Judenstudent, aus Halle in Sachsen, wird als Vagabund an alle 4 Thore geführt. 25. Fe- bruar 1789. 76 Jahrmarktdiebin. Catbarina Beck, von Pfaffenheim ^), wird wegen Diebstahl in einem Laden, am Jahrmarkt, 1 Stund auf das Bathhausbänklein gestellt ; mit der Geige an alle 4 Thore geführt ; erhält 12 Prügel und wird bannisiert. 26. Mai 1790. 77 ungestüme Äuffürung, Peter St., der Kiefer, führt sich in Illzach gar ungestüm auf; für 8 Tag in Thurn und 1 Jahr eir- und wehrlos gemacht 13. Juni 1792. 78 Unbürgerliche Beden, Paulus M., der Vater, wird wegen unbürgerlichen Reden zu 600 Livres verurtheilt. 10. October 1793. 79 Charivari '). Ein ärgerliches Gharivari vor Peter Reinhard's Haus bestraft. 27. August 1794. 80 Beschimpfung eines Zunftmeisters, Jacob W., der Färber, wegen Unbescheidenheit gegen den Herrn Zunftmeister auf der Ackerleutzunft, wird Vä Ja^^r des Dreier- Amtes ^) stillgestellt. 6. No- vember 1794. Aug. Stoeber, Mülhausen i. E. Alachmannen oder Allemannen? In den Forschungen zur deutschen Geschichte Bd. 16 S. 217 bis 277 hat Herr Dr. Baumann in Donaueschingen einen Aufsaz unter dem Titel: „Schwaben und Alamannen, ihre Herkunft und Identität" abdrucken lassen, dessen vilfach beachtenswerte Resul- tate bereits von Andern gebürend hervorgehoben worden sind. Möchten auch nur einige derselben neu sein, so hat doch der Ver- fasser es verstanden , durch Zusammenstellung aller von im und von andern gefundenen Säze eine überwältigende Wirkung hervor- zurufen, und man darf im wol großen Dank für die umsichtige und fleißige Arbeit zollen, wenn man auch mit einzelnen Behaup- tungen, die er im Verlauf der Erörterung vorbringt, nicht einver- 1) Dorf, südwestlich von Colmar. 2) Eine Kesselmusik die, biß in die dreißiger Jare noch, vor einem Hochzeitsbause aufgefürt wurde, wenn eines der Brautleute oder beide Wittwer oder Wittwe waren. 3) Sih No. 65 Anm. 2. 262 standen ist. Um den Eindruck diser gehaltvollen Abhandlung, die ich leider erst in lezter Zeit zur Haud bekommen habe, mir selbst and andern nicht zu stören, will ich die sachlichen Einwände, die ich gegen dise uud jene Argumente darin zu machen hätte, jezt noch zurückbehalten. Hingegen kann ich es nicht unterlassen, darza- tun, daß der Verfasser, wo er sprachliche Unterrsuchungen er- klimmt, sich zu weit auf die Aeste hinaus wagt. Die nachfolgen- den Blätter werden diß zu erweisen suchen. Der vilbesprochene Alleuiannen-Name bedurfte nach Herrn Baumanns Hypothese einer neuen Erörterung, die um so weitschichtiger angelegt werden musto, je ausgedenter und verwickelter das Nez von Irrtümern an- gewachsen ist, das sich allmälig um den Ursprung dises berümten Volksnnmens gelagert hat. Es wird dadurch den Lesern onehin zum Bowustsein gebracht werden, eine wie schwinge Sache es ist um die Erklärung altgermanischer Namen, deren Verständnis noch lange nicht dadurch nahe gebracht wird, daß man sie leidlich zu übersezen weiß. Meine Arbeit bedarf der Nachsicht ; auch bin ich befriedigt, wenn man ir nachsagt, sie habe wenigstens die richtige Karte getroffen. Die Hypothese von der Identität der Allemannen und Semnouen braucht dadurch nicht zu fallen; die Allemannen können Semnonen sein, wenn auch ir Name anders als mittels des heilfgen Haines erörtert wird. Es mag sich hier zuerst um die Frage handeln, was für eine Betloutung der zweite Bestandteil des Compositums Alamanni ge- habt habe. Neuere Erklärer dises Namens hielten sich arglos an di<» jo/.igü Bedeutung des Wortes Mann und übersezten entweder allorloi Männer" oder „ganze, tüchtige Männer, Helden^)". Mit IWht behauptet Dr. Bauraann, daß bei der Erläuterung des Na- mon« Alamanni das Wort man nicht in seiner virtuellen, sondern \n noinor humanen Bedeutung aufgefaßt werden dürfe; allein einer- n^itM wagt er dise Ansicht^) nur schüchtern zu äußern; anderseits ttutorläst er eine ordentliche Begründung derselben, und drittens ist or uioht. der erste, der dise Ansicht äußert, sondern bereits Jacob Orinnn hat im Wörterbuche seine frühere Ansicht in disem Sinne moiiiii/'ioi'^* Um die älteste Bedeutung des Wortes man zu ermitteln, ^inlon wir gut tun, die synonymen Ausdrücke der altdeutschen ;g|>raohe, welche den Sinn Mann und Mensch tragen, einmal zu- H^UiHnizuNtellen ; es sind diß hauptsächlich^): firahi, wer, charl, Ij^o, man. Von firah homo ist nur der Plur. firahi homines 1) So Jacob Grimm in der Grammatik Bd. 2 (1826) S. 627. Gott. ^^ AuK. 1835 S. llOo (Kl. Sehr. 5, 196). GDS. Bd. 1 (1848) S. 498. X|h|0I'" diiKegen Wörterb. Hd. 1 (1854), Sp. 218. 2) I>aß man die Bedeutung Mensch gehabt habe, ist selbstver- gH^dlloh nicht erst heute entdeckt worden. Sih Grimm Gr. 8, 319. 0) Andere sehe mau bei MüUenhoff u. Soherer, Deukm. 2. Afl. S. 253. 268 nachzuweisen; dises Wort scheint den Menschen von seiner leih- haftigen Seite aufzufassen, indem das Stammwort ferah Fleisch und Blut, Leih und Lehen hezeichnet; aus dem Nibelungenliede wird jedem der „verchwunde Sifrit", einfallen. Dem lat. vir entspricht buchstahlich gotb. vafr, ags. ver, altn. verr. Im Ahd. ist dises Wort nur noch in Zusämmensezungen enthalten: werikelt com- positio viri (verschiden von dem modernen preußischen „Wehr- geld^); weralt sevum, saaculum; werodheod complexus hominum; werwolf lycanthropus (muß schon ahd. oder altfränk. vorhanden gewesen sein, da das afr. garou in loup-garou darauf zurückfürt). Vildeutiger als diso beiden vorangebenden Wörter scheint ahd. charal charl gewesen zu sein, das im Sinne von vir, maritus und senex gehraucht wurde. Im Altn. bezeichnete karlkyo das genug masculinum und karldyr hieß mas. Die Angelsachsen sonderten ceorl von carl in der Weise, das carl den Mann als Helden, ceorl den Mann als Ehegatten bedeutete ; inen hieß carlfugel das Männ- chen der Vögel, und wie wir Allemannen beute noch das Verbum wib<> im Sinne des uxorem ducere vom Manne aussagen, so auch die Angelsachsen vifjan und die Engländer noch zu Shakespeare's Zeiten to woman: daneben sagten die Weiber in Altengland von irer Verehelichung ceorljan wie weiland die Römerinnen nubere. Bei so mannigfacher Concurrenz konnte das ahd.. gomo, gotb. ags. guma, altn. gurai auf die Dauer keinen sichern Bestand fristen; es ist bekanntlich nur noch in unserm „Bräutigam^ erhalten und wird wegen seiner formalen Urverwandtschaft mit homo doch eigent- lich auch den Menschen und nicht den Mann bezeichnet haben. Alle dise Wörter überlebte das uralte, in seiner mythologischen Verwendung (Mannus) bis in die Morgenröte deutscher Geschichte zurückreichende Substantiv man, welches im Laufe der Zeit eine mannigfaltige Anwendung in den deutschen Zungen gefunden hat. Ursprünglich den Menschen von seiner geistigen Seite fassend, be- zeichnete es in spätem Entwickelungsphasen der deutschen Volks- gesellschaft bald den unireien Menschen in allen seinen Abstu- fungen vom geknechteten Leibeigenen bis zum vornemen Dienst- mann, bald den Mann als Helden und als Ehegatten. Es ist mir nicht schwer nachzuweisen, daß das Wort man in altgermanischer Zeit und bis zu Ende der Völkerwanderung den Sinn von homo, nicht den von vir und conjux gehabt haben muß. Ich brauche nicht einmal auf Mannus, den Vater aller Men- schen (Grimm mythol. 319. 544. 52) hinzuweisen. Den ersten Beweis liefert die goth. Sprache mit irem man, Mensch ; gaman, Mitmensch ; manleika, Menschenbild ; manamaurthrja, Menschen- mörder; nianas^ths, Menschensaat ; manniskddus, Menschlichkeit, unmanariggus unmenschlich; dem entsprechend auch im Ahd. ma- naheiti, manalihho, manaperga, manchunni, manezzo, manslecco, manslaht: im Ags. manaeta, manböt, mancild, mancvealm, mancyn, manmägen, mauslaga. Den zweiten Beweis nfime ich her aas der 264 Verwendung dises Subst. als unbestimmtes Pronomen. Zwar braucbt der Gothe sein man oder manna dnrcbaus nur noch in der con- creten Bedeutung yon Mensch, gerade wie auch der Römer sein lat. homo nur concret verwendete; erst in der Verbindung mit der Negation gewann der Gothe sein Indefinitum ni man und der Lateiner' sein nemo (nehomo). Aber gleich mit den frühesten Aufzeichnungen anderer deutscher Zungen erscheint man als Pro- nomen: im ahd. Hildebrandslied, im altsächs. Heliand, im ags. ^ Beövulf, in der altn. Edda, gleichwie homo auch im ältesten Denk- mal der franz. Sprache, in den Straßburger Eiden, auftritt (vgl. Grimm Gr. 4, 220; Diez Gr. 3^, 292). Wie wäre es nun möglich gewesen, dises Wort als Indefinitum zur Vertretung aller Personen und Geschlechter in abstractester Weise zu verwenden, wenn man als Subst. ursprünglich die Begriffe vir, heros, conjux bezeichnet hätte? Wie könnten deutsche Schriftsteller das Pronomen man anch von Frauen gebrauchen, wenn das Subst. Mann einst nur das starke Geschlecht in sich gefaßt hätte? Von wesentlicherm Be- lang für unsere Erörterung ist aber drittens, daß schon der Gothe aus seinem Subst. man ein Adj. manisk, und daß ebenso das ahd. mennisk, das ags. mennisk, das altn. menskr in evidenter Ab- stammung von man doch nur die Bedeutung menschlich (hnmanus), niemals die von männlich (virilis) haben, wie denn aus disem ahd. mennisk geradezu ein neues Substantiv, nämlich mennisko (Mensch), erwachsen ist. Nun wäre doch sonderbar, daß der Sinn des Ad- jektivs auf dise Bedeutung (Mensch) des Substantivs man zurück- füren sollte, wenn zur Zeit seiner Entstehung bereits die andere Bedeutung (Mann) die herschende gewesen wäre. Es lert uns viertens die Rechtsgeschicht«, daß ahd. man als Masc. den un- freien Mann, altn. man als Fem. das unfreie Weib, mithin man überhaupt den unfreien „Menschen", nicht bloß den unfreien „Mann** bezeichnete, und daß manahoupit den Leibeigenen gleich- sam als ,, Haupt Mensch** dem ,, Haupt Vieh" an die Seite stellte. Und wenn das alles noch nicht überzeugend genug wäre für die aufgestellte Neutralität des Sinnes, so mögen endlich noch Com- posita wie gomraan und charlman angefürt werden, welche neben dem ags. vifman (engl, woman) den .,Mannsmenschon'' dem „Weibs- menschen** gegenüberstellen. Aus diser Auseinandersezung hat sich ergeben, daß unser deutsches Wort man anfänglich den Menschen und nicht den Mann bezeichnete. Wir sehen uns daher gezwungen, das Wort manni in dem Namen Alamanni im Sinne von homines zu interpretieren und alle Deutungen, die auf viri, viri fortes, heroes u. dgl. aus- gehen, abzulenen. Zum Ueberfluß wird unsre Auslegung noch unterstüzt durch das bekannte Gitat des Agathias (um 550) aus Asinius Quadratus (um 250): ol de ^AXaf.iavoi "Evitikvitg (a. L. 'E;vyxkv6bg) siaiv uvd-gwnoi (nicht uvSgsg) xat juiyaSsg^ d. h. die Alle- manneu sind zusammengekommene (nach der andern Lesart .: zu- 265 8am mengespülte, durch Zufall zusammengebrachte) und gemischte Menschen (nicht Männer). Hiczu stimmt auch der goth. Ausdruck, den die Skeireins VIII 11 bei Auslegung von Job. 7, 46 ge- braucht: sildaleikjandans fraujins laisein svikuntbaba in alläim ata- mannam fauravisan rahnidedun , d. h. ,,bei allen Allmenscben^^ ^). Disem Worte man^ welches nur Mensch bedeutete, will Herr Dr. Baumann mit Recht das goth. vair, ags. ver, ahd. wer als ein solches gegenüberstellen, welches den Sinn Mann gehabt habe. Wenn er nun aber dises Wort wer in dem zweiten Bestandteil der Völkernamen Angrivarii, Ampsivarii, Bajuvarii, Boructuarii, Chas- uarii, Ghattuarii, Ripuarii, Teutovarii wieder finden will und den sprachkundigen Jacob Grimm (GDS. 542, noto) darüber tadelt, daß derselbe dises varii zu goth. varjan, ahd. werjan defendere stelle, und daß er aus dem ags. vare, altn. veri (nicht weri) den Sinn incola folgere, da doch aus dem Begriffe des Verteidigens keineswegs one Sprung der des Bewonens hervorgehe — so werden unsere Leser das Grundlose dises Tadels ser leicht her- ausfinden, wenn sie folgende drei Wörter, die nicht verwechselt werden dürfen, auseinander halten. 1) Da es wichtig ist, in welchem Zusammenhang diser Ausdruck sich befindet, so will ich in hersezeD. Im Evangel. Joh. 7 wird der gewaltige Eindruck geschildert, den die Worte Jesu auf das Volk mach- ten, als er wärend des Laubhüttenfestes von Galiläa aus plözlich im Tempel zu Jerusalem erschin und unter Anknüpfung au jene Ceremo- nie, bei welcher der Priester zur Zeit des Morgenopfers unter Musik und Gesang in goldener Kanne Wasser aus der Quelle Siloah in die Altarschalen goß, seine durchschlagende Rede über das Wasser des Le- bens hielt. Die Wirkung diser Rede muß überwältigend gewesen sein, da sie eine große Aufregung im Volke für und gegen in hervorrief. Die einen erklärten in für einen Propheten, ja sogar für den längst erwarteten Messias; die andern aber ärgerten sich an im und stießen sich besonders an seiner Herkunft aus dem verachteten Galiläa. Seine längst erbitterten Feinde aber, die Pharisäer, Schriftgelerten und Priester, welche mit Bangen seine Popularität zunemen sahen, erach- teten dise Gelegenheit für günstig, um in endlich unschädlich zu machen, in diser Absicht schickten sie Häscher aus, welche in fangen sollten; allein dieselben scheuten sich, Hand an in zu legen, „weil, heißt es nun in der Skeireins, seine heilige Kraft unsichtbar ire Bosheit noch un- schädlich machte und nicht erlaubte, vor der Zeit in zu greifen. Es kamen daher die Diener zu den höchsten Priestern und Pharisäern, und diso sprachen zu inen: Warum habt ir in nicht gebracht? Die Diener aber antworteten und sprachen, daß nie ein Mann so geredet habe wie diser Mann. Dise Antwort aber gereichte jenen zum Tadel, zur Ver- dammung ires Unglaubens. Denn die Diener antworteten auf die Frage, warum sie in nicht gebracht hätten, one Rücksicht auf die Bosheit der Fragenden, sondern vilmer weil sie über des Herrn Lere erstaunt waren und weil sie glaubten, dieselbe würde hei allen ÄUmenschen ofienbar werden. Doch jene ertrugen in irer Verdorbenheit die Antwort irer Diener nicht, sondern versezten voll Zorns, indem sie sagten: Seid ir auch verfürt ?* 266 T. Ooth. vasti Kleid (oder vilmer ein Terlomet Stammwort vaH Gewand), ahd. wer gaweri, mhd. wer gewer inTe«titiira fmit d<^m aus a umgelauteten e) : davon das schwache Verbom goth. vasjao, ahd. warjan, mhd. wem kleiden, bekleiden (wieder mit dem Umlaut e). II, Güth. Adj. vars behntaaro, ahd. stark. Fem. wara. mhd. wäre war Aufmerksamkeit, Acht, Obacht, Schnz (lat. r^-eor); da- von das schw. Verbum goth. varjan. ahd. warjan weijan. mhd. wern schüzen, verteidigen, ebenso ags. verjan verteidigen nnd altn. verja 1) verteidigen, schüzen: 2i hegen, im Arm halten (alles, wie man siht, mit dem l'mlant e) : davon ital. gnarire. altspan. guarir, prov. garir, 4*ranz. gnerir heilen. III. Goth. vair, ahd. wer der Mann (mit dem ans i ge- brochenen e); davon das schw. Verbum ahd. weren. mhd. wem gewern gewäreu, bürgen : davon mlat. warens, ital. gnarento, span. garante, franz. garant. prov. noch mit altem Stammvokal gnireu, Gewärsmann, hievon endlich garantir guarentire etc. Ks ergibt sich aus disen drei Wortgrnppen, dass die schwachen Verben unter I) und II durchaus nicht zum Stammwort der drit- ten Gruppe gehören, weil das schlechterdings der Vokalismus ver- bitet; es ergibt sich femer zur Evidenz, daß von dem Stamm- worte der dritten Gruppe das von den Römern in zusammenge- sezten Völkernamen überlieferte -varii nicht kommen kann, weil das wiederum schlechterdings der Vokalismns verbitet. Schon Jacob Grimm hat Grammatik 1-641 davor gewarnt, daß man vafr wer mit disem -varii zusammenbringe. Wie deutlich wer und -varii von einander geschiden sind, erhellt am besten aus der ags. Sprache. Dort finden sich von . ver Mann die Composita : folc-veras Volkmänner, leod-veras Leute- männer (dazu von veri>d turha, agraen, multitudo: eorl-verod, flet- verod\ Neben disen Substantiven weist jene Sprache aber fol- gende, mit -varii stimmende auf: burhvare Bürger, Cantvare Einwoner von Cantia« ceastervare castrenses, eordhvaras Erdbe- woner, ge>-ar:*n c:ves. flätvere Chattuarii (Beov. 4720. 5827. Scop. vids. 33 ■. hellevaraa Höllenbewoner, Rdmvare Einwoner v. Rom, sigelvare Sonnenlvwoner. Aethiopen, Sodomvare Einwoner von So- dom, svev^rdvei^ Schwertträger; ferner die Collectiva : buruhvaro Bür>ren?chal>. Cantvam complexus Cantuarensium, landvara pro- vinoia. ot'astervaru arx. Disem vare entspricht altn. veri, Plur. verjar in sk:pvori rauta. skogverjar qui silvam incolunt, Silvani, Rdinverj*^r Komani, eyverjai- insulani; fem. Hevör Gnnnör Eyvör; ahd. HeriuAra Guntwar* Albuera Frithawar Fnlcoara Haimoara ll^^iwam Hildi^vam l.eul>overa Leudovera Raginwara Sigoara l^ /a uaur^uchen bleiben noch die ags. OrUnamen: Billanora 267 Sovil ergibt sich , daß das -varii lautlich mit vollem Rechte zur zweiten Gruppe gestellt worden ist, wenn auch zuge- geben werden kann, daß die Bedeutung des Wortes uns noch nicht durchsichtig genug erscheint *). Für die wissenschaftliche Etymologie kann nicht dringend genug die Forderung aufgestellt werden: Man soll nicht zuerst eine Sach- und BegrifiPsableitung sich zurechtlegen und alsdann den Wortlaut darnnch meistern, sondern man soll bei jeder Etymologie, die man aufstellen will, zuerst die Lautlere und die Grammatik überhaupt in Betracht ziehen! Dise Forderung, welche alles Etymologisiren nach der alten Mode, und wäre es noch so geistreich, unbarmherzig unter- sagt, bildet eine Hauptregel der Sprachwissenschaft, wie sie von Grimm und Bopp begründet worden ist. Nachdem Herr Bauraann die Ansicht, als bezeichne der Name AUemanneu eine Bundesgenossenschaft verschidener an der Main- linie wonender Völker, zurückgewisen, und nachdem er angedeutet hat, es sei das Allemannenvolk von Anfang an ein Suebenvolk gewesen, sucht er die Identität desselben mit dem Semnonenstamm darzutun, jenem Kernvolke der Sueben (caput Sueborum), welches im lezten Viertel des 2. Jarhunderts von der Spree (oder der Lausiz) an den Main gewandert sei '). Den neuen Namen Allemannen hätten dise Semnonen hier im Süden von iren Nachbarn, etwa den Chat- ten, Heimunduren und Burgundern, mit denen sie sich widerholent- lich herumgeschlagen, empfangeu; besonders den Hermunduren, als unmittelbaren Nachbarn der Semnonen, sei der Hain des sue- bischen Nationalgottes Ziu im Semnonenlande gewissermaßen der Götterhain par excellence gewesen; sie hätten darum dem suebi- Boganora Bäccesora Bucganora Readanora Cumenora Boxora Toppo- sora Icenora bei Leo, Rectitudines 79. 80. 1) Uebrigens sind die Begriffe verteidigen, weren, hegen, pflegen, vereren gar nicht so unvereinbar, wie Dr. Baumaun glauben machen will; man darf nur die Bedeutungen des altn. Verbums vorja und der romanischen Ableitungen ins Auge fassen. 2) One Herrn Baumanns Schrift und Meinung zu kennen, habe auch ich ungeför gleichzeitig bei Abfassung und I)rucklegung des 3. Bogens ^1876) meiner Geschichte des Schweiz. Bundesrechtes Bd. 1, 39 nach dem Vorgange von Jacob Grimm (GI)S. 1, 498. 518) die Vorstel- lung einer Conföderation verschidener Völkerschaften, die man gewön- lich mit dem Namen Allemannen verband („allerlei Mannen*'), abgewisen und die Herkunft der Allemannen aus Norddeutscbland und zwar aus der unmittelbaren Nachbarschaft der Angeln vermutet, indem ich auf die merkwürdige Einstimmung einer großen Zai englischer und alle- mannischer Wörter und das ags. Wanderlied hinwis, wornach Angeln und Schwaben neben einander zu einem Reiche verbunden waren (hcöl- don fordh siddan Engle and Svsefe, svä hit OfFa geslöh. d. h. fortan be- haupteten es, das Reich, Angeln und Schwaben, wie es Offa durch Kampf erfochten hatte). 268 sehen Kernvolke, nachdem dessen hieratischer Name durch den Auszug aus dem Zialande hinfallig geworden, keinen prägnantem Namen schöpfen können als den der Alahmann&, der Leute von Zins alah, der „Leute des Götterhaines ", wenn anders sie in dem neuen Namen auch die Herkunft irer Bedränger aosdrficken wollten. Es istf wie man hemerkt, hier wieder derselbe Gang etymo- logischer Untersuchung eingeschlagen worden, wie er sich so oft bei Geschichtsforschern findet: eine schon fertige Vorstellung von der Sache soll nun auch noch die philologische Weihe empfangen; einer historischen Hypothese zu Liebe, deren Annembarkeit ich jezt nicht näher untersuchen will, muste ein entsprechendes Wort im Wörterschaze aufgestöbert und so lange zurecht gehauen wer- den, bis es zu Paß kam. Durch solches Vorgehen, das immer noch seinen Beifidl fin- det, wird die philologische Kritik angereizt, die Frage zu unter- suchen: Ist die Ableitung des Namens Alamanni von alah mög* lieh? Es verstet sich von selbst, daß ich bei Elrörterung diaer Frage nicht von der Bedeutung, sondern von der Form des Ety- mons ausgehe. Alah kommt als selbständiges Wort im Ahd. nirgends mer vor, sondern nur in Zusammensezungen von Ortsnamen und Per- sonennamen wie Alahstat, Alahdorf, Alahesfelt, Alabesheim, Alah- swint, Alahwich, Alahwin, Alahfrit u. dgl. Länger erhielt es sich bei den alten Sachsen des Festlandes; denn im Heliand, wo doch christliche Dinge besungen werden, findet sich das heidnische Wort alah widerholentlich gebraucht. Im Angelsächischen biten gote Handschriften die alte Form alh; daneben aber kommt immer mer die umgclautete Form ealh eal in Gebrauch. Allen disen Formen stet das goth. alh gegenüber, welches feminini generis ist, wärend die vorhin genannten männliches Ge- schlecht an sich tragen. Dem Altn. scheint das Wort zu man- geln, müste aber dort nach Grimms Vermutung alr Gen. als lau- ten. Es ist auch niclit außer Acht zu lassen, daß dises Wort sich nahe berürt mit ahd. elaho alces alce, mhd. eiche, ags. eich, engl, elk, altn. elgr, das Elenntier. Käme nun der Name Alamanni von jenem alah, so mäste er gelautet haben: Sing. goth. Alhman Plur. Alhmans für Alhmannos ahd. AI ahmen « A lähmen ^ Alahmanni alts. Alahmau „ Alahman „ Alahmannoe ags. Ealhman « Ealhmen ^ Elalhmenni altn. Almadhr „ Almenn „ Almennir. Se/en wir die .Abstammung des Namens Alamanni von aUi mit Hrn. r>auniann vorläutig als richtig voraus, so entstet die Frage : Waren die Römer im Stande, in irer Sprache das analan- teude h des deutschen Wortes widerzogeben? Hr. Banmann vor- 269 neint dise Frage darch folgende Säze. Man darf sich, sagt er, an dem Feien der Spirans h in der lat. (^und griecb.) Form des Namens nicht stoßen ; denn 1) Den Römern und Griechen, welche uns den Namen der Allemannen überliefert haben, verbot ire Sprache die Bezeichnung eines auslautenden h (sie konnten demnach, obwol man inen Alh- mannds Alahmannä vorsprach, mit dem besten Willen nichts an- deres nachsprechen als Alamanni). 2) Wäre das auslautende a in alah nicht durch nachtönen- des h gestüzt gewesen, so müsten wir wenigstens hie und da bei den römischen Schriftstellern einer Form Alomanni, zu der das Analogen Marcomanni, Langobardi drängte, oder einem abgeblaßten Alemanni begegnen. Es wird erlaubt sein, dise Behauptungen auf Richtigkeit oder Unrichtigkeit zu prüfen. Ad 1. — Was die Aussprache des h bei den alten Römern betrifft, so hat Gorssen in seinem bekannten Werke dargetan, daß der Buchstabe h im Altlateinischen sowol die gutturale oder pa- latale Aspirata als auch den bloßen Hauchlaut der Spirans ver- sinnlichte, daß aber freilich bereits zu der Zeit, als die Italiker ire Alphabete aus Hellas entlenten, der Laut ch im Verschwin- den begriffen war und sich vilfach zu dem Hauchlaute h verflüch- tigt hatte. Spuren der altern palatalen oder gutturalen Aspirata lassen in der Tat die beiden Wörter trahere tractum (goth. threi- han, ahd. dringen), vehere vectum und weiterhin vectura vectis (goth. gavagjan v^gs vigs, ahd. wagan) noch durchblicken. Aber fremde Namen mit ch, wie z. B. die phönizischen Channibal Chas- drubal Chamilcar sprachen die Römer bereits mit h. Die Natur des lat. Hauchlautes war indeß so flüchtig, daß, obwol uns ein- zelne Grammatiker dessen richtige Aussprache zu veranschaulichen sich bemühen, die Volkssprache, ono die Theorie zu beachten, in mer und mer vernachlässigte und auch die litterarisch gebildeten Römer diser Nachlässigkeit allmälig nachgaben. Wenn daher schon in lat. Wörtern Aussprache und Schrift schwankte (man findet ja bereits seit Cäsars Zeiten eredes aruspex Ostilius oedos ircos ge- schriben oder gemeißelt), so darf man sich nicht wundern, wenn diß bei den Fremdwörtern ebenso der Fall war, die ins Latein aufgenommen wurden, wenn also neben habrotonum halleluja Ham- mon Hiberns Hister auch abrotonum alleluja Ammon Iberus Ister gelesen wird. Vollends im Inlaute und hier in lateinischen wie in fremden Wörtern verschwand der Hauchlaut zuweilen ganz : nehemo nemo, vehemens vemens, prehendo prendo, nihil nil, und im Aus- laute ist, soweit wir schriftliche Aufzeichnungen lateinischer Sprache kennen, nie ein h geschriben worden. In den Töchtersprachen des Lateinischen sind die h weiland lateinischer Wörter bis auf wenige Spuren im Französischen und Walachischen verklungen^ wenn schon die Orthographie sie immer noch zähe festhält. 270 "Eh stet nicht zu erwarten, daß die Rdmer Wörter der deiit- Mclion Zunge günstiger werden behandelt haben als diejenigen an- der«;r Zungen; behauptet doch Pomponins Mela (in der Mitte df!if 1. Jh. nach Chr.j von den Namen deutscher Berge: quorum ijofnina y'ix est eloqui ore Iloroano. Und gleichwol wenn wir die römischen Aufzeichnungen germanischer Namensformen mit den i;ritM|>recbendcn Formen unsrer ältesten Sprachdenkmaler Terglei- dum, so mÜBsen wir zugestehen, daß die Römer es nicht feien lii;ßc'n an Genauigkeit der Widergabe und nur da yon dem, was ifion vorgesprochen wurde, abwichen, wo die Eigentümlichkeit irer Hproclie sie abzuweichen zwang. Zumal mit den deutschen Aspi- rationen geriten sie in Verlegenheit, weil ire Sprache dergleichen HO gut wie gar nicht besaß. Wenn nun gleichwol in den deut- ffclien Namen, welche sie uns überliefert haben, bald ein h, bald Ntatt deKselben ein c oder ch erscheint, so sind die Römer in sol- chen) Wechsel der Bezeichnung erwisener Maßen nicht irer Will- kür, Fondern der dialektischen Aussprache, wie sie bei einzelnen d<;iitHcben Stammen schon für jene 2^it sich nachweisen läßt, ge- folgt und nur eins kann auf Rechnung der Römer gesezt werden: die L/nterdrücknng des h. Wir finden daher eine vierfache Be- handlung des deutschen Hauchlautes in den von römischen Au- iorim überlieferten deutschen Namensformen: Das h und dessen Unterdrückung nach römischer Weise einerseits, aber auch die Aspiration des h zu ch und dessen Verdichtung zu c. Beispiele: Ilariobaudes Halidegastes Hartomundus Harudes H^mli Hilderieus llilpericus Hunimundus Hunila Hermegisclus. Ariovistus l^gioyai- no<; *AQif.i6v& lldico lldigisel. Chariomerus Charietto Xagioßtiv&rjg (Ümmavi Chasuarii Ghatti Ghattuarii Cherusci XtXiiße^iog. Silva ('aesia Cauchi Caucaland Caiioviscus Cariovalda Gatumeros Ga- tualdaGrocus; zur Bestätigung mag auch der Uunnenname hieher- gezogen werden: Xovvoi Ghuni Hnni. Aber auch mit dem inlau- tenden deutschen Hauchlaut verfur man so, daß man in bald an- deutete, bald unterdrückte, bald aspirierte: Araharius Gumoharius yfttO(A(jig ^Fi/ofAi()Tjg Ovdkdagog BavSaXagtog rofxaQiog Thusnelda (f. Thursinhildaj Theodatus (f. Theodahatus) Droctoveus Bructeri. Die wichtigste Frage für unsere Prüfung ist nun aber die: Wenn die Römer im Auslaut irer Silben und Wörter kein h dulde- ten, wie konnten sie denn l^ang und Form solcher deutscher Namen widergeben, welche disen Auslaut enthielten? Antwort: Nachdem h nicht möglich war, bliben noch zwei Arteu der Nachbildung übrig, nämlich mit ch und c, und obendrein konnten sie den Laut ganz unterdrücken. Beispile: Hunrich-us ^Ovcigi/'Og Malarich-us. Oherusc-i Aduatuc-i Bac-enis Triboc-i Peuc-ini Groc-us Harderic-us Hilderic-us Hilperic-us Theodoric-us Alaric-us XXw&ocuog Ghlo- dovens. Es ergibt sich hieraus, daß die Römer, wenn sie wollten, Im Stande waren, das in deutsohen Namen auslautende h als c 271 und allenfalls als ch widerzugeben. Ire eigene Sprache weist ja Wörter mit c im Anslaut: hie b»c hoc illic nee sie lac alec die duc fac. Und wenn wir urverwandte Wörter germanischer und römischer Zunge einander gegenüberstellen, so tre£fen wir dise Be- obachtung bestätigt: haibs csecus, salaha salic-, varah porcus, faihu pecu, faihs noix-iXog, nih nee, fraihnan precari, seh sec-are, taihun dec-em, veihs vic-us. Solche auslautende h werden schon in den germ. Sprachen bald festgehalten, zuweilen vergröbert, zu- weilen unterdrückt, z. B. goth. anafilhs traditio, gafilhs sepul- tura; ahd. elah alce, parah majalis, virah homo, walah peregri- nus; ags. bearch majalis, vealh peregrinus. Ahd. malaha pera, franz. malle, salaha salix, ags. sealh, voraha pinus, vuraha sulcus, ags. vurh. marah equus, varah porcus, verah vita, ags. feorh. Das Altnordische hat dise h im In- und Auslaute frühzeitig ver- loren, ^. B. mar equus, valr peregrinus, fiör vita, und zuweilen da- für media angenommen. Vergegenwärtigen wir uns nun noch einmal das Wort alnh in den verschidenen Formen, welche es in den germanischen Sprachen annam, so konnten die Römer das h in alah, wenn sie der Aussprache süddeutscher Völker folgten, unterdrücken und ala sprechen und schreiben; oder sie konnten es zu ch oder c vergröbern, wenn sie der fränkischen Aussprache nachgaben (alach oder alac); oder sie konnten sich der gothischen Wortgestalt an- lenen und dann gewannen sie alc. Demnach konnten sie, wofern man das Etymon alah als das einzig richtige zu dem Namen der Allemannen einstweilen annemen will, disen Namen dreifach wider- geben: Alamanni, Alachmanni (Alacmanni) oder Alcmanni. Die fränkische Form alach ist uns wol noch erhalten in dem alach- falthio der LSalica, und die an^s gothische oder angelsächsische Wort sich anlenende daueite in dem mlat. nlcha, d. h. penarium pars sedis, in qua sunt cupse, fort, worauf icli nachher noch einmal zu sprechen kommen werde. Zum Glück ist uns aber das Wort alh alah AUS römischer Feder und zwar aus der des Tacitus erhalten worden , wenn auch villeicht oder warscheinlich in misdeuteter Anwendung. Germ. 43: apud Naharvalos antiquse rcligionis lucus ostenditur: prsasidet sacerdos muliebri ornatu, sed deos interpre- tatione romana Castorem Pollucemque memorant. £a vis numini, nomen Älcis^): „Bei den Naharvalen zeigt man einen Hain von altertümlicher Heiligkeit. Vorstand ist ein Priester in weiblicher Tracht; aber als Götter bezeichnen sie, wenn man sich nach römi- scher Weise ausdrücken soll, den Castor und Pollux. Diß ist das Wesen der Gottheit, der (deutsche) Name aber Alken^\ Die Römer konnten also die Tenuis im Auslaute gebrauchen ; 1) Der Symmetrie mit numini wegen und nach dem lat. Sprach- gebrauch (Gaio Mucio mihi nomen est) neme ich Alcis nicht wie Grimm als Gen., sondern als Dativ. 272 sie konnten neben Alacmanni auch Alcmanni schreiben, wenn das Wort alh alah zu Grunde lag; das so lautende Wort wäre inen gewiß ebenso wenig widerwärtig gewesen wie die aus dem Grie- chischen entlenten Namen Alcmseon Alcman Alcmene, oder der aus dem Deutschen entlente Name alces Elenntier, oder die aus dem Geltischen entlenten Wörter culcita coscnlium falco murcus olca orca porca. Aber die Römer schriben nun einmal nicht Alacmanni und auch nicht Alcmanni, sondern Alamanni. Ebenso kennen die Griechen keine AXanfiavol und keine ^Ahcfiavol^ sondern nur ^AXa/navoi, Wer nun gleichwol behauptet, das Ala komme von alah her, der wird sich mit diser Tatsache abfinden müssen. Ad 2. — Herr Baumann meint: wäre das Ala in Alamanni ein deutsches ala, wie gewönlich angenommen werde, so müsten wir bei dea römischen Schriftstellern hie und da einer Foi:m Alc- manni, zu der das Analogon Marcomanni dränge, oder einem ab- geblaßten Alemanni begegnen. Das konsequent erscheinende a aber in der zweiten Silbe deute auf Deckung durch h. Verstehe ich dise Behauptung richtig, so will damit gesagt werden: Die Römer hatten die Neigung, auslautendes a in offener Silbe in o umzuwandeln; bei Alamanni konnten sie diß deshalb nicht tun, weil das auslautende a von Ala eigentlich durch h (alah) gedeckt war und niclit in offner Silbe stand. Die Yoraussezung zu einer sol- chen Folgerung kann ich nun durchaus nicht zugeben und muß daher beides, Yoraussezung und Folgerung, als grundlos zurück- weisen. Wir haben hier eine Zusammensezung aus ala und man vor uns. Die Teile einer Gomposition werden gewönlich durch einen Yokal vermittelt, von welchem frühere Grammatiker glaub- ten, er sei nach Willkür eingeschoben, um die Aussprache der bei- den Gorapositionsteile zu vermitteln, wärend die neuere Gramma- tik, gostüzt auf sprach vergleichende Beobachtungen zu dem Re- sultate gelangen muste, der sog. Bindevokal in Gompositis schließe sich genau an den dem ersten Worte gebärenden Flexionsvokalis- mus an. Nun ist Tatsache, daß die lat. Sprache einen Bindevokal o so gut wie gar nicht kennt; denn die wenigen Fälle albogalerus albogilvus merobibus werden anders erklärt: Bopp, vgl. Gram. § 966 (Bd. 3^ 441). Wo also bei den Römern ein o ab Binde- vokal in einem Fremdworte zum Yorschein kommt, da haben wir den Ursprung davon und die Yeranlassung dazu nicht im Latein, sondern in derjenigen Sprache zu suchen, aus welcher das Wort stammt. Bekanntlich verwendet insbesondere die griechische Sprache das o f&r Nomina jedes Geschlechtes und jeder Deklina- tion: ^fisgotfvXai olxoSofxoq fÄVOfia/Ja tooßa&ijg dQOSvoyeyi^Q, Wenn nun die Römer uns componirte deutsche Namen überliefert haben, einmal solche mit dem Bindevokale o, wie Langobardi Marcomanni Tcutoburgiensis Malovendus Marobodnus Ariovistus InguiomeruB Cariovalda Hariobaudes Bucinobantes Ghnodomarius, sodann solche 273 mit den Bindevokalen i, u, e und a, wie Segimerus Segimundns Asciburgium, Catumerus, Ganinefates Halidegastes, Idisiavisus u. a.: so ist das alles nicht rön|i8che Willkür und fluchtige Nonchalence, sondern es ist anzunemen, diso verschidenen Bindevokale seien da- mals schon in der deutschen Sprache vorhanden gewesen und die Römer hätten sie einfach so nidergeschriben, wie sie dieselben vernommen; zumal bei dem Vokale o sind wir zu diser Anname förmlich gezwungen, indem wir dises o nur aus dem deutschen, nicht aus dem Lateinischen erklären können. Daß a bei den Deutschen in tonloser oder schwachbetonter Silbe zu o sich wan- delte, dafür haben wir merfache Beweise; ich will nur zwei bei- bringen. Goth. Eigennamen wie Attila Budila Totila Yulfila wer- den ahd. zu Etzilo Putilo Zuozilo Wulfilo, und den goth. schwachen Formen hana hanan, blinda blindan entsprechen ahd. hano hanon, plinto plinton. In fränkischen Namen erscheint der Bindevokal o ser oft: Dagobertus Vulfoleudus Gundobertus Karolomannus. Auch in appellntivischen Compositis finden wir in gar nicht selten: ar- beolaos spiloman samolih tagosterno. Dises o stet bald für a, wie in Marcomanni Teutoburgiensiensis (marca thiota), bald für i wie in Chnodomarius Gundomadus. Der Gothe hatte in solchen Fäl- len immer noch die alten Vokale; nur in Fremdwörtern verfnr er wie der Lateiner, indem er das o herüber nam: Aipafraüdeitos Airmogaineis Antiaükia Nikaüdemus Gazaüfylakion. In den uns überlieferten altdeutschen Zusammonsezungen mit ala( Grimm Gramm. 2, 627. 650) tritt nun nirgends ^) statt des auslautenden a ein o ein, und wenn, was warscheiulich ist, diß auch früher nicht der Fall war, so hatten die Römer keinen Grund, Alomanni nachzu- schreiben, da sie doch nur Alamannds oder Alamann& hörten^). Ob die Handschriften des Aurelius Victor, der Script, bist. Aug. eto. einige Male Alemanni statt Alamanni lesen ''^), vermag ich aus Mangel des kritischen Apparates nicht nachzuprüfen. Wäre es aber auch der Fall, so ließe sich fragen, ob diß nicht Einwirkung späterer Aussprache und mittelalterlicher Orthographie sei. Aus disen Betrachtungen ziehen wir das Ergebnis: da die Römer Ala schreiben, so haben sie auch Ala aussprechen hören, und im Gegensaze zu Hrn. Baumann, der den Saz aufstellt, daß die Römer, obwol jenes Ala von alah stamme, dises alah doch nicht anders denn als Ala widergeben konnten, habe ich bewisen, daß, wenn Ala wirklich von alah stammte, die Römer gar wol Mittel gehabt hätten und zwar schon nach dem Vorgange deutscher 1) Nur zwei altsächs. Beispile sind bekannt: alowaldant alomahtig. 2) Einen andern Ursprung als unser ala hat natürlich das allo in dem keltischen Namen AUobroges. Der Scholiast zu Juvenal. 8, 233 meint: Ideo autem Allobrogie dicti, quoniam hrogaGoWi agrum dicunt, äUa autem aliud; dicti igitur, quia ex alio loco fuerant translati. Cf. den deutschen Namen aliorunse bei Jornandes. 3) Grimm 6r. 2, 624. Forcellini, Lexicon s. v. Unten S. 282« BIxUnger, AlenuumlaYIIS ^^ 274 Yolksstämme, den angeblichen Namen Alhmannos Alahmannft Alac- raannä durch die Formen Alcmanni und Alacmanni Dachzubilden. Dieweil sie dises aber nicht getan haben, so gewinnen wir daraas allen Anlaß anzuuemen, das Ala stamme nicht von einem Worte mit austönendem Kellaute oder Hauchlaute, also nicht von alah, sondern vilmer von einem Worte, das ein a in o£fner^ Silbe hatte. Der Einwand, es hätte ein solch offnes a sich die Umbil- dung in o gefallen lassen müssen, fällt, wie ich nachgewi8en,7&l8 grundlose Vermutung dahin. Die Betrachtung der lateinischen Namensform Alamanni gibt uns also durchaus keine zwingende Veranlassung, den ersten Bestandteil dises Compositums yon^'dem Worte alh oder alah herzuleiten. Ich könnte mich nun mit disem Resultate begnügen, will aber, um nichts zu versäumen, sondern um alles . Beweismaterial vorbeidefiliren zu lassen, was man etwa bei solch einer Erörte- rung geprüft sehen möchte, auch noch den Blick werfen auf die Art und Weise, wie die deutschen Hauch- und Kellaute kurz nach der Völkerwanderung beim Niderschreiben behandelt wurden. Hier zeigt sich uns zunächst bei romanischen Schreibern und denen, die irer Schreibweise folgten, ganz dasselbe Schwanken in der Ortho- graphie des h in deutschen Namen wie bei den alten Römern. Wir finden im Anlaute: Charibert Cliaideruna Chardoin Chari- mund Charoald Chadulf Childemer Chilliswint Chilpericus Ohio- dochar Chrambert Chrodegang Chrodochilde Chugobert, und Cale- tricus Cardaricus Crodico Cochilaicus, daneben aber Hariperaht Haideruna Hartwin Herimunt Hariold Hathowulf Hiltim&r Hiltis- wint Helfrich Flluthari Hramperaht Hruotganc Hruothilt Hngu- peraht Halidrich Hardcrich Hugilaich, ferner one alle Spiration Aribert Arduin Arimund Lothar Robert Roland Rambert Arlindis Ildebrand Ildefons Ilderich Ugo Uncilen. Im Inlaut ist die Be- handlung ebenso mannigfaltig: Eccard Fulcaris Arnaida Adelaida Adalard Adalelm Badoildis Baldechildis Bernard Berner Berta Bertier Piliilt Prunild Ewrard Gerard Giseler Gundicarius Gun- dachar Ragnaris Raganhari Uliaris Wilihari ChlodovsBus Drocto- veus Ostfalahi Walahun. Und ebenso im Auslaut: Alaric Aldric Embrich Erarich Gaiserich Otloh Berinhoh Harderich Erowic Hlu- dowich Hugilaich. Wie nun heutzutage deutsch lernende Franzosen das deutsche h unterdrücken, wo es hingehört, und umgekert ein h vorsezen, wo es nicht hingehört („das Uhn at hein Hei hins Eu gelegt"), so taten auch romanische Schreiber mit altdeutschen Wörtern, z. B. erro üs undes agen agastalt, heber harbeiti helahun hachus- tim*), zumal mit langobardischen arimanni Aripertus Ildipert, scnl- dahis marpahis Ahistulf lahip Alpuhin. Im Altdeutschen, soweit es von deutschgebornen und deutschredenden Schreibern aufge- 1) Zalreiche Beispile bei Weinhold alem. Gr. § 230—234. 276 durch Kriegsglücksgast Hartreich Scblachtkampf Risenkainpf Eriegs- glücksstreit Adler weit Volksschlange zu übersezen wüste. Nun, dise Weisheit hat allenfalls auch noch bei unser einem im Kopfe Plaz! Allein jeder fült, daß mit solchen Uebersezungen dise Na- men ebenso wenig erklärt sind, als wenn einer einem Lernbe- girigen den Begriff einer „Locomotive" dadurch erklären wollte, daß er im sagte, das sei „ein ßewegungsmittel, um vom Fleck zu kommen". Gerade so ist auch bei Völkernamen wie Marcoroanni Langobardi Burgundiones Franci absolut nichts erklärt, wenn ich sie schon übersezen kann mit „Grenzmenschen Langbeile Burg- winden Freie" ; sogleich kommen die Fragen: warum? wie so? Ein anderes Bedenken erhebt sich gegen die vilfach angenommene Meinung, daß, da die meisten Völkernamen nicht von iren Trä- gern, sondern von iren Nachbarn ausgegangen seien, sie notwen- dig einen nachteiligen Sinn, also Schimpf, Spott, Hon und der- gleichen in sich schließen müsten. Ich wenigstens zweifle daran, ob man alle Völkernamen von vorn herein von disem Standpunkte aus richtig deuten wird. Welchen Sinn hat nun das Wort alah? Vulfila übersezt mit alh die Worte vaog (Wonung Gottes, Tempel) und Ugov (Heilig- tum, heiliges Haus) im neuen Testamente. Da nun Tacitus den Germanen eigentliche Tempel von Holz und Stein abspricht und inen nur Waldkultus zuschreibt, so ligt es nahe anzunemen, auch alh bedeute eigentlich einen heiligen Gotteshain, und so faßt auch Herr Baumann den Sinn des Wortes auf. Allein bei näherm Nach- denken über den gothischen Sprachgebrauch in der Bibelüber- sezung muß dise Auslegung Bedenken erregen. Bekanntlich nennt Paulus den Leib einen Tempel des h. Geistes ; die Hauptstellen darüber 1 Gor. 6, 19. 3, 16 feien freilich in der gothischen Bibel; aber 2 Cor. 6, 16 und Ephes. 2, 21 bewegen sich ebenfalls in diser bildlichen Anschauung. Die leztere Stelle lautet: „Ihr seid Mitbürger der Heiligen und Hausgenossen Gottes, auferbaut auf dem Grunde der Apostel und Propheten, da der Eckstein Christus selbst ist, in welchem der ganze Bau zusammengefugt wächst zu einem Tempel heilig im Herrn (goth. in thammei alla gatimrjo gagatilöda vabseith du alh veihäi in frdujin)*^. Ich bitte um Alles : was soll der gläubige Gothe sich vorgestellt haben, wenn alh hier den Sinn Wald hatte? „Der Leib ist ein Wald des h. Geistes! In Christus zusammengefügt, wächst der ganze Bau (der Kirche) zu einem Walde heilig im Herrn!" Ich glaube, wenn alh jemals den Sinn von Wald oder Hain gehabt haben mochte, was ich bezweifle, so konnte diß Wort solchen Sinn zu Vulfilas Zeiten nicht mer haben. Bereits hat J. Grimm MytK 57 fgg, eine Reihe von deutschen Ausdrücken erörtert, welche künstlich erbaute Tempel bedeuten, und Belegstellen angefürt, die troz Tacitus deutlich dar- tan, daß die Germanen gebaute Tempel zum Kultus hatten. Etymologisch 3tellt sich alh zu dem urverwandten lat. arcere 278 müssen, der sich in der Limburger Chronik noch nicht voll- zogen hat. Hienach wäre alh ealh alah eher ein steinernes burgänliches festes als ein bloß hölzernes Gebäude gewesen, und von dem an- geblichen Begriffe „Hain^, „heiliger Wald*' ist weder bei Vulfila noch im Ags. noch in den übngen germanischen Sprachen auch nur eine Spur zu finden. Wollen wir also dises Wort in den Na- men Alamanni hineinzwängen, so dürfen wir denselben nicht, wie Hr. Baumann tut, mit „Leute des Götterhaines ^ übersezen, son- dern nur etwa mit „Menschen des Tempels, des Hofes, der Burg". Tempelmenschen, das kann heißen: Leute, welche zum Orte ires Kultus ein Tempelgebäude besizen, oder Leute, die einem Tempel dienstbar sind*), da ja man oft auch den unfreien Menschen des männlichen und des weiblichen Geschlechtes be- zeichnete. Die ÄUemannen wären sonach eine Art germanischer Lernten! Wie der Stamm Levi bei den Israeliten eigens für den Tempeldienst bestimmt war, so wären es nach diser. Erklärung auch die Semnonen-Alachmannen bei den Sueben zum Dienste des Ziutempels gewesen. Wie die Leviten zwar die Neben Ver- richtungen beim Gottesdienste versahen, sich aber dem Heiligtume nicht nahen durften, so durften es auch die Semnonen-Alachmannen nicht, außer in Fesseln. Und wie die Leviten 35 Städte zuge- wisen bekamen, so bewonten die semnonischen Tempelmenschen hundert Gaue. Wer Lust hat, mag diso Parallele fortsezen. Ich habe die Konsequenzen der Baumann*schen Etymologie auch in irem sachlichen Gehalte bis zur Grenze des Möglichen verfolgt und brauche den Leser kaum noch darauf hinzuweisen, daß der Sinn von „Teropelleuten, Hof- oder Burgmenschen*', den Alahmann& einzig haben könnte, mit Tacit. Germ. c. 39 durchaus unvereinbar ist. Recapituliren wir, so haben wir folgende Ergeb- nisse aus der vorangegangenen Erörterung zu verzeichnen: Angenommen, der Name Alamanni komme von alah und man, wie behauptet wird, so fallt auf: 1) daß die Römer nicht Alacmanni oder Alcmanni schreiben, da inen diß doch ebenso nahe oder näher als Alamanni lag; 2) daß auch die spätem Romanen durchaus Alamanni schrei- ben und nie zur Abwechselung, wie es doch bei Namen, die zu alah gehören geschiht, mit Zulassung des h, also nie Alahmanni; 3) daß das Wort alah in keiner germanischen Sprache die Bedeutung des heiligen Waldes, des Haines hat, wie die Herlei- tung der Alachmannen von .den Semnonen als Leuten des Ziu- haines erfordert, und es ergibt sich, daß der Name Alamanni aus Gründen der Form und des Inhaltes nicht von alah abgeleitet werden darf. 1) Wie etwa dor Name Electeo, ahd. Alahdio, gotb. Alhthius aus- drücken müate. Grimm GDS. 638. 279 Der Einwand : Warum bringen denn die Römer nie die Form Alo- manni, wenn ala etwas anderes als alah sein soll? beseitigt sich dadurch, daß sie nie Alo zu hören bekamen, sondern nur Ala. Jacob Grinini hat in seiner Grammatik 2, 447 einen Augen- blick, aber auch nur für einen Augenblick, den gleichen Einfall wie Herr Baumann gehabt. Er sagt dort: „Kann das h (bei alah) wegfallen, so dürfen auch Eigennamen wie Ala-reiks (Alaricus) u. a. hieher gezählt werden". Allein wenige Bogen später (S. 627), bei erster Gelegenheit, hat er disen Einfall wieder zurückgenom- men mit den Worten : „Die Vermuthung S. 447 ist falsch". Billigermnßen hätte dise Korrektur unsers grösten Sprach- kenners Herrn Baumann abschrecken sollen, einen alten etymolo- gischen Einfall wieder aufzunemen und aufzutischen, der sich nach allen Seiten hin als verfeit ergibt. Nachdem ich die Ableitung des Ala von alah alh in dem Volksnamen Alamanni als unmöglich zurückgewisen habe, komme ich auf das von Dr. Baumann verschmäte Adjektivum ala zurück, als auf dasjenige Etymon, welches bei der Erklärung dises Na- mens allein in Betracht kommen darf. Unsere alte Sprache hat in* zusammengesezten Nominibas zimlich deutlich zwei Adjektiva all und ala geschiden, die wol ursprünglich einem einzigen Worte entsprossen sind. I. all, — Goth. alls, ahd. mhd. alts. al, ags. eal, engl, all, altn. allr entspricht durch Urverwandtschaft dem griechischen oXogj dem lat. salvus, dem skr. sarva*). Es bedeutete, wie sich aus diser Verwandtschaft ergibt, zuei*st ganz, d. h. nicht zerstückelt, nicht verlezt, nicht verdorben, also totus. Da aber das Ganze immer auch eine Art Summe der zu im gehörigen Teile bezeich- net, so entfaltete sich aus disem Begriffe ser leicht der Sinn von all., integer. Ganz und all unterscheiden sich gerade so wie totus und integer ; totus wie ganz gehen auf die Einheit des Zusammen- gehörigen und auf deren Vollkommenheit; all und integer deuten auf die Unverleztheit, auf die Summe aller Bestandteile. Der französischen Sprache ist tout (totus) der Ausdruck für die All- heit geworden, wie uns das all, wärend entier (integer) den Sinn der Ganzheit hat annemen müssen. II. ala. — Gotb. ahd. alts. ala, ags. äl, altn. al ist eine jüngere Form des vorigen Nomens, dessen Consonanz vereinfacht worden ist wie oXoc: aus oXFog oder oskisch sollus aus solvus. Die Bedeutung ist aZ/, integer cunctus, universus, omnis, also im Sinne der Vereinigung aller Teile, der Gesammtheit, der Vollzälig- keit, mit Ausschluß alles Mangelnden, alles Vereinzelten, aller Aas- namen. Im Neuhochdeutschen hat sich diser Unterschid durchaus ver- 1) L. Meyer, vgl. Gram. 2, 435. 280 wiflobt; wir unterscheiden weder durch die Orthographie^) noch durch die Bedeutung Worter wie AUod (alot) mere proprium von Allmacht (alamaht) omnipotentia; wir bedürfen schon einiges Nach- denken, um nur einen Unterschid herauszufinden. Dises Verwischen und Vermischen stammt aber nicht erst von heute. Schon den mhd. Wörtern diser Zu^ammensezung ist nicht mer anzusehen, ob nh aus all oder ala entsprungen ist; im Ahd. schwanken die Quollen ebenfalls zwischen all und ala, indem sie die Bedeutungen vormongon ; auch im Ags. gibt es Wörter, die bald so, bald so gesohriben werden, z. B. liest man älvihta und ealvihta, älvealda und (lalvealda, allic und eallic. Nur im Altnord, und Goth. sind iM^ldorlei Formen deutlich und scharf auseinander gehalten. Die VnrderbniH dises Unterschides muß also hoch hinauf gehen und trügt nicht wenig dazu bei, daß die Erklärung des Namens Alle- umnnun für uns so schwing geworden ist. Ursprünglich sollen Composita mit alls'al eal allr griechi- Hohen Wörtern, die mit oXo- zusammengesezt sind, entsprochen hnbun, z. B. goth. allbrunst oloxuvoioq^ Composita aber mit ala lil al griechischen Wörtern mit tzwito-; z. B. goth. alatharba nay- iiftfto(fo^. Damit wir uns aber den Unterschid der beiden Zu- Müninionsezungen eher verdeutlichen können, will ich nicht erman- guln, wenigstens die Reihe der so componirten Substantiva, welche J. (irimm Gr. 2, 650 verzeichnet, nebst einigen Ergänzungen hier vor/. u füren, indem ich die so componirten Adjektiva beiseits lasse. I. Composita mit all-, oXo-. Goth. allbrunst bXoxavowg. — Ahd. albrandopher v),6xui(nog, — Ags. eallofirung oXoxavaroc:^ eal- HUftlf ambrosia. — Altn. allgildi plenum pretium, allgiörvi panoplia, nllhysi integrum praedium, allkiötvi pancreas, allklsedhnadr integer vestituM, allvepni panoplia. II. Composita mit ala-, navio-, Goth. alamans nafinhj&sig tlyÜQdinoi, Alamods ii. pr. nufxxpv/pq^ alatharba navd&Xioq, — Ahd. Alaman, alewalto omnipotens, alenamo prsenomcn. Die meisten Ntohen in adverbialen Redensarten : a) mit in und dem Akkus. : in aladräti vehementissime, in alafesti firmissime, in alagahi citissi- me, in alagahün, in alahalba undique, in alahant undiquaque, in alaltchi omnimode, in aleinaht vehementissime, in alanot accura- ÜHHime, in alawar verissime, in alawisün omnimode; ß) mit in oder tfi und dem Dativ: in alagähe, in alahalbon, in alanahi proxime, In alerihte rectissime; zi alawilru, zi alawäre, zi alasperi omnino^). 1) Mit Recht schreibt darum auch J. Grimm im Wb. 1, 218 un- lern VolksnamcD wieder nach altherkömmlicher Weise -4W€Wianwen, nicht AloODAnnen. Vgl. meine Geschichte des Schweiz. Bundesrechtes 1, 38 note. Atem. I 264 n. 2) Wohin gehören alzuges coniiniio, alwec semper? Unter den iMllb. Glossen der LSul. finden sich alacharde tota virgula, alathagio OHl loqui non potest, niutus. Siho die Glossen der LSal. v. fl. Kern. Suir 1369 S. 104. 106. 281 — Agg. älfylce multitudo, älmiht omnipotentia, älnht omnis crea- tura. — Altn. Alflfa n. pr. GDS. 540, algleyroingr amnestia, alheimr macrocosmus, alhugi serietas, almsetti omnipotentia, al- mügi plebs, alrocmi fama vulgaris, alvara serietas, alvidra mollis undique aer, aludh beuevolentia, althing comitia, altbyda plebs. Unser Volksname müste in den yerschidenen germanischen Sprachen also heißen: goth. Sing. Alaman Plnr. Alamans = Alamannds ahd. Alaman Alaman = Alamanna ^ alts. Alaman Alaman = AIamann6s •■ •• •• ags. Alman Almen = Almenna altn. Almadhr Almenn = Almennir. Herr Baumaun glaubt nun nicht, daß Ala in dem Namen Alamanni das verstärkende Präßx sei; denn im zufolge 6ndet das Präfix ala nur Anwendung in Adjektiven, Adverbien oder zu Ad- verbien gewordenen substantivischen Formeln; nie aber verbindet es sich mit waren echten Substantiven. Es sind hier ebenso vile Unrichtigkeiten und Irrtümer als Säze ausgesprochen. Zunächst siht man aus der widerholten Be- zeichnung „Präfix", daß Herr B. das Wort ala nicht für das alte oben geschilderte Adjektivum, sondern für „eine an sich bedeu- tungslose Vorsilbe'' hält. Schon das ist bezeichnend. Was soll man aber dazu sagen, daß er behauptet, ala verbinde sich nie mit waren echten Substantiven? Was sind denn alewalto, alenamo, was sind die ags. und altn. Ausdrücke? Doch halt! Wenn ein Substantiv im Laufe der Zeit adverbial gebraucht wird, wie die übrigen ahd. Composita, die oben aufgezält sind, dann verlirt es ja nach der Meinung des Hrn. B. sein Anrecht auf den sub- stantivischen Taufschein. Weil heim^ ursprünglich ein Hauptwort von der Bedeutung Haus, Heimat, jezt nur noch als Adverb ge- braucht wird, das lediglich die Richtung einer Tätigkeit anzeigt (heim gehen), so hat es alles Recht auf seine substantivische Her- kunft verwirkt? Weil die Wörter überhaupt^ zufrieden im jezi- gen Sprachgebrauche iren nominalen Sinn von Flaupt und Frieden eingebüßt haben, so sollen sie nie Substantiva gewesen sein? Haben denn die französischen enfin, vis-ä-vis, derechef oder die lat. ex- templo, invicem, obviaro sich ires Rechtes, substantivischer Her- kunft zu sein, deswegen begeben, weil man im gewönlichen Sprach- gebrauch inen keine substantivische Kraft der Bedeutung mer an- fÜlt? Nein, sondern alle so gebildeten Adverbien sind einmal wäre Substantive gewesen. Das zufrieden war einst ein wirkliches ^n'c- den mit der Präposition zu , wie wir das noch halb und halb em- pfinden in der Redensart: einen Zornigen zufrieden (zu Frieden) stellen. Das überhaupt war noch im Mittelalter ein Fechteraua- druck (über houbet), welcher Luftstreiche über den Kopf weg be- zeichnete. So sind nun auch die oben aufgezälten ahd. Ausdrücke, wenn sie gleich adverbialisch gebraucht sind, von und mit waren, 282 echten Substantiven gebildet; ire adverbialische Verwendung tut irem Ursprung keinen Abbruch, und es ist daher vom Standpunkt der historischen Grammatik aus irrig zu behaupten, jene mit ala zusammengesezten Substantiva seien keine waren Substantiva. Wenn wir nun nach dem Sinn des Namens Alamanni forschen, 80 stossen wir zunächst wieder auf eine alte Deutung. Da ist es ja freilich richtig, daß spätere römische und griechische Geschicht- schreiber oder Lexikographen deutsche Namen gedankenlos aus dem Lateinischen oder Griechischen deuteten; so z« B. Libanius 3, 317 den Frankennamen: ii)^vog narfQuyiittvov nghq rä twv noksf-iCüv fQyu; so Dexippus nach dem Etym. magn. den Herulernamen: änb Jiov ixsias eXwy "EXovqoi xtxkTH'ua; so den Gepidennamen das £tym. magn. aus dem Griechischen: rrjnatisg oiovsi rerinai^egy ol rszuiv naiöeg^ Isidorus aus dem Lateinischen: Gipedes pedestri prcelio magis quam equestri sunt usi, et ex hac causa ita vocati. In die- selbe Kategorie der Gedankenlosigkeiten gehört nun auch die Er- klärung des Allemannennamens bei Servius (ad Virg. Georg. 4, 278): Populi habitantes juxtn Lemannum lacum Alemanni dicuntur, die auch Isidor^) wieder aufgenommen hat: Alemanni a fluvio (!) Le- mano, Worte, die uns höchstens die schäzbare Notiz auf indirek- tem Wege vermitteln, daß man zu Servius Zeiten schon Alemanni» neben Alamanni sagte, was mir oben (S. 273) entgangen ist. Aber neben solchen Albernheiten sind uns auch Erklärungen aus dem Deutschen aus alter Zeit auf bewart, welche den Charakter von Volksetymologien an sich tragen ; so wenn Orosius 7, 82 von den Burgundern sagt: hos Burgundiones quondam subacta interiore Germania a Druso et Tiberio per castra dispositos ajunt in mag- nam coaluisse gentem, atque etiam nomen ex opere praesuropsisse, quia crebra per limitem habitacula constituta, burgos vulgo vo- cant. Orosius, ein spanischer Priester, Schüler des h. Augustinus, schrib seine Weltgeschichte nm 417; er hat seine Etymologie nicht erdichtet, sondern offenbar aus deutschem Munde vernommen; sie ist auch, was das Etymon betrifft, richtig, nur die Begründung ist falsch. Eine Volksetymologie ist es, wenn das Etym. magn. den Namen AoyyißuQÖoi erklärt, roviaon ßa&Biav vni]i7jv (Schnurrbart) xal ^axgäv s/ovug, was Isidorus und Paul. Diao. widerholen. Eine Volksetymologie ist es, wenn Jornandes den Namen der Gepiden als einen Spottnamen ansiht, der dem Volke wegen seiner lang- samen Ueberfart aus Scandinavien gegeben worden sei; gepanta bedeute auf gothisch pigrum aliquid tardumque. Es fragt sich darum : Wie ist die Erklärung des Allemannen- namens durch Asinius Quadratus aufzufassen, als gedankenlose Flause oder als Volksetymologie ? Hat Quadratus zu seiner Den- 1) Es ist mir unbopjrciflich, wie Hr. B. behaupten kann, im frühem . Mltt^'lalter habe je^dermann gemeint, der Volksname sei von Lemannus, •* — LimmatüuBse H). abflreleitet. 288 tung die lat. und griechische oder die deutsche Sprache zn Rate gezogen? Asinius Quadratus lebte im dritten Jarhundert nach Christo zur Zeit des Kaisers Philippus Arabs (244 — 249); denn er schrib eine römische Geschichte in griechischer Sprache unter dem Titel ^ Pw/naiKij yiXiag/iu auf das tausendjärige Jubiläum der Stadt Rom a. 248. Auch alle seine andern Bücher, so die par- thische und deutsche Geschichte, soll er griechisch abgefaßt haben, loh erwäne diß darum, weil Agatbias in sonderbarer Weise av^g ^iTaXiwTTiQ und nicht "^Pcofidlog nennt. ^iTaXiciiTjg kann zweierlei be- zeichnen: entweder einen Griechen, der in Italien wont. besonders einen Bewoner von Großgriechenland oder Unteritalien, oder aber einen Römer, der griechisch schreibt und durch seine griechisch geschribenen Werke der griechischen Litteratur angehört. Da der Mann einen lateinischen Namen trägt, so trifft bei im natürlich nur das leztere zu. Mit diser Tatsache gewinnen wir zugleich die Anname, daß Agathias das Citat aus des Quadratus Geschichte der Deutschen warscheinlich wörtlich anfürt: ol di ^AXa^iavoi^ et ys ygil ^Aoivno) Kovadgaifo bjiso&m^ avSol IiakuirTj xai rä rsg/aaviyä hg To aKQißec AvaysyQafi^ivw^ ivvijXvdig (a. L. "^yxXvSbg) slaiv äv' &Qa)noi X€U fÄiyadsc^ xal xoiw dvvarair avwtg ^ iniowinla. Der lezte Zusaz deutet darauf hin, dass wir hier eine Volksetymolog^ie vor uns haben, d. h. eine Worterklärung, die Quadratus nicht selbst gemacht hat weder mit Hülfe einer klassischen, noch mit Hülfe der deutschen Sprache, sondern die im aus deutschem Munde als allgemein angenommene Erklärung der Allemannen überliefert worden ist: xai ravw dvvaxai avroig ff inwwfiia „und dises be- deutet inen die Benennung'\ Aus dem griechischen SXkoq konnte Quadratus den Namen Alamanni nicht so deuten, wie er es ge- tan hat; denn äXXo- heist in Zusammensezungen wie als Sim- plex ander, fremd, abgeneigt, feindlich; uv&gwnot äXkof/vXoi z. B. sind fremde Menschen, Leute von anderm Stamme, aber nicht „zu- sammengelaufene und gemischte* ^ Ebenso verhält es sich mit dem lat. alius und seinen Compositis. Also bleibt in der Tat nur die Anname übrig, daß wir hier eine interpretatio e vemaoulo ser- mone vor uns haben. Es ist nun nicht nötig zu glauben, daß die deutschen Ge- wärsmänner gerade das philologisch richtige Etymon ires Yolks- namens getroffen haben oder daß sie es, wenn sie auch das* rich- tige im Auge hatten, gerade richtig auslegten; die Volksetymo- logie kennt die philologische Akribie nicht; es genügt ir, wenn sie einen plausiblen Grund für eine Benennung anzugeben weiß. So mögen denn auch die etymologisirenden Allemannen in dem ala- ires Namens schon nicht mer den Begriff der Ganzheit, sondern den der Allheit gefült haben, und leicht mochte inen vorschweben, diso Allheit, dise Gesammtheit sei ein Allerlei, eine Vereinigung viler verschidener und mannigfaltiger Menschen, one daß inen da- bei, wie iren modernen Nachbetern, irgendwie die Vorstelluog 284 eines Yölkervereines yerschidener Stämme einfallen konnte, inen, die alle sich ires suebischen Geblütes so ser bewußt waren. Dem Ganzen und Vollkommenen stet das Halbe nnd Unvoll- kommene gegenüber. Wir besizen eine kleine Anzal altdeutscher Eigennamen, welche Mischlinge, Kinder gemischter Eltern bezeich- nen. Halbwalah bei Schannat, Halbdurinc bei Goldast und Schannat ans dem 8. und 9. Jarhundert. Halbinc Halbker Chalpaida mögen änliches bezeichnen. Die Ausleger sind über den Sinn nicht ganz einig. Mone im Anzeiger 1835 S. 389 meint, das seien Leute, die einen Thüringer und Welschen zum Vater, aber eine fremde Mutter haben; Grimin Gr. 2, 633 glaubt, dise Namen drückten Abkunft aus der Ehe einer Thüringerin oder Italienerin mit einem fremdem Manne aus. So wird auch der Healfdene Semidanus ^) im Beovulf 377 einen Mann bezeichnen, der nur von einer elter- lichen Seite her ein Däne ist, vermutlich so» daß die Mutter eine Ausländerin war. Der Halbinc mag ein Kind sein aus uneben- bürtiger Ehe, d. h. ein Kegel, ein Bastart*). Wir sprechen jezt noch von halben Geschwistern und halber Geburt. Man kann mit jenen Namen vergleichen gr. ^uißagßaQog ^fiiAXijy ^uuovdcuog ^fuxQijg rif.iidovXw;^ lat. semibarbarus semigrascus semignecnlus se- mijudaeus semimedus seminumida semipersa semiplacentinus. Mischung bezeichnen offenbar auch Hazc6z Hessengothe, Diot- g6z Theotgot Theudgaud und Thendigotha Volksgothe Thentgothe, Hüngdz Hunnengothe, Snävegotha Schwabengothin (worüber ich in der Gesch. des Schweiz. BR. 1, 77 Note 4 eine Vermutung ange- deutet habe). Der Mischlingsgeburt stet die reine, Abkunft gegenüber; dise bezeichnet die alte Sprache mit dem Adj. erchan (allem, urcbe pnrus), z. B. erchanprnoder frater germanus. Darum werden wol auch die Eigennamen Ercangaud Erchanswäp Erkanwalh mit ^reiner Gothe, Schwabe, Walche** zu übersezen sein. Heuteutage deuten wir dise unvermischte Nationalität bei einigen Stämmen mit dem Adj. alt an : Altbaier, Altengländer, Althesse (gegenüber dem Hanauer und Schaumburger). Altsachse (zwischen Weser nnd Elbe angesessen, gewönlich Nidersachse genannt). Schon fniher kannte man dise Namengebung : Altswftp Altturinc Altwalh Altbün'); das ags. Ealdseaxen meint auch die Sachsen zwischen Weser nnd Elbe. Beine edle Geburt mag ferner ausgedrückt sein durch Namen wie Adalgaud Adilg6z Edelgothe, Adalheit edle Person, Adalhün Edel- kwune, Adalsw&p Edelschwab, Adalwalah Ekielwalch, Adalman Edel- IMnn (dises zusammengezogen in Alman, wie Adalbero Adalberht 1) Prof. Birlinger ül>er8ezt „Kleindäne'' aus Dakini, die wie die Qtikiui sich vom Hauptstamme trennten. 2) Bastart lH»zcichnet urspr. nicht von unehehclter Geburt, sondern ^ bento noch Kn Schweinen und andern Tieren von gemischter Race. 8) Natürlich ist alter Hün im Hildebrandslied ganz anders ge- 285 Adalbrant Adalfrit Adalfuns Adalmuot Adalrich Adalwfn in Albero Albert Albrant Alfrit AlfoDS Alomot Alrich Alwin); änlich mag auch Mogangoz den reinen echten Gothen ausdrücken. So könnte denn in Alamanni die Reinheit des Volksstammes angedeutet sein; es würde dann das ala das Vollkommene und Reine gegenüber dem Vermischten und Unechten bezeichnen, — wenn es nur zu den Ala- manni analoge Alafranci Aladuringä Alagothi Alasw&pä gäbe. Da diß nicht der Fall ist, wird dise Auslegung abzuweisen sein. Noch kommt mir ein anderes Wort in die Quere, mit dem ich mich abzufinden habe. Bei den Langobarden gab es wie bei andern deutschen Stämmen einen zwischen den Sklaven und den Vollfreien mitten inne befindlichen Stand der aldii oder aldiones, welcher entweder durch Geburt oder durch Freilassung erworben werden konnte. Der Aldio genoß eines geringen Wergeides, das nicht einmal die Hälfte von demjenigen eines Freien betrug. Blib er auch seinem Herrn für immer zu gewissen Zinsen und Diensten verpflichtet, so galt sein Verhältnis doch nicht für ein servitium^ sondern nur für eine obedientia; nicht für Leibeigenschaft^ sondern nur für Hörigkeit, und sein Herr hieß darum nicht dominus, son- dern patronus. Der Aldio war nicht rechtlos, sondern rechtsfähig ; sein abhängiges Verhältnis beruhte nicht auf persönlicher Willkür, sondern auf dinglicher Uebereinknnfb ; er selbst konnte wie ein Freier Land und Leute zu Eigen besizen, konnte ein dominus sein. Aber selbständig war er darum doch nicht; seine Rechtsgeschäfte bedurften der Genemigung des Schuzherrn; sein im anvertraates Gut konnte er und die Seinigen nicht verlassen. Kurz, die Aldio- nen hatten einen Fuß noch in der Knechtschaft, den andern schon in der Freiheit. Das Wort aldii aldiones get in seinem zweiten Bestandteil zurück auf goth. thius Knecht, thivi Magd, thivan dienen (synonym andbahtjan, skalkiu6n), thivadi (wie skalkinassus) Knechtschaft, tÜa- magus Dienstknabe. Im Ahd. findet sich diu dio nur in Eigen- namen, von denen ich die merkwürdigen Adaldiu Erchandiu Lr- mindiu Thiotdiu und Aladin erwäne; selbständig ist das Wort diorna (eig. diuwarna) die Dirne, d. h. ancilla; dionon servire ist verkürzt aus diuwinon, dionust aus diuwinust. Die fränkische Form war vermutlich theo, wie sich aus der malb. Glosse und aus einigen n. pr. ergibt. Im Ags. bedeutete theöv den gänzlich un- freien Sklaven theöva ancilla, theövdoni servitus, theöyjan servire, theövboren serviliter natus ; nicht anders das altn. thyr scrvus, th^ ancilla, thiona servire, thia in servitutem redigere. Es kann kein Zweifel darüber walten: aldii und aldiones ist ein Compositum mit disem dio und mit al; aldiu scheint ursprüng- lich geheißen zu haben ein ganzer Sklave, ein echter Knecht, so gut als cUein ganz einzig, cUröt ganz rot. Die Germanisten scheuen sich vor diser Etymologie, weil der Sinn des Wortes im longo- bardiachen und bairiflchen Rechte damit in Widerspruch atet^ inr 286 sofern als die longobardischen und bairischen Aldionen keine völli- gen Sklaven, sondern yilmer Hörige mit persönlicher Freiheit und dinglicher Abhängigkeit waren. Diß könnte darauf f&ren, anzn- nenien, wir faßten jezt allgemein, wenn auch gemäß der Ueber- lieferung, das Wort dio mit seinen Ableitungen in vil zu hartem Sinne auf; dio sei urspr. nicht der Sklave harter Leibeigenschaft, sondern bezeichne wol einen freier gestellten Diener oder Unter- gebenen; das sehe mnn an der Ableitung diot und diota, das Volk, nämlich in seinem Verhältnis zum Könige ; niemals habe in Deutsch- land das Volk die sklavische Unterwürfigkeit orientalischer Unter- tanen geduldet, und doch gehörten diot und diota zu dio. Oder man müste die Ansicht aufstellen, der Name aldiones habe zwar ursprünglich Leibeigene der härtesten Knechtschaft bezeichnet; aber dise Leibeigenen seien beim bairischen und langobardischen Volksstamme entweder allmälig oder durch einen plözlichen Akt und jedenfalls in prähistorischer Zeit auf die Stufe der Freige- lassenen oder der Colonen vorg(Tückt ; man habe aber, wie das oft geschehe, den alten Namen bei disen Leuten fortgebraucht, und für die eigentlichen Leibeigenen wieder andere Bezeichnungen in Umlauf gesezt. Nun hatte, wie oben S. 264 gezeigt worden ist, auch das Wort fnan den Sinn des dienenden leibeigenen Menschen. Darum würde zu dem aldio ein alman als Synonyuum treten, wenn ein solches alman anderswie sicherer als aus den Ortsnamen Almansdorf Al- mansberg zu belegen wäre. Dagegen entspräche dem Alaman in diser Vergleichung jedenfalls der Name des goth. Feldherrn Ala- thcus (Alathius), und es wäre ser instruktiv, genau zu wissen, wie sich der Sinn 'zwischen Alatheus und aldio schide, da sich daraus auch die Differenz zwischen Alaman und alman ergäbe. Wie dem aber auch sei, wir werden die Erklärung des Wor- tes Allemannen kaum im Spiegel der Aldionen suchen dürfen; denn die Allcmannen waren keine Sklaven und keine Hörigen, man müste denn zu der bedenklichen Auskunft seine Zuflucht nemen, die Be- xeiohnung ,,Ganzknechte^^ ,,Alldiener^^ sei inen von iren gehässigen Nachbarstämmen als Schimpfwort erteilt worden. Es bleibt uns also nur noch eine Auslegung übrig. Die Nidurdeutschen brauchen das Wort allmann jezt noch im Sinne von jedermann. De van nSt kumt to et, dat is all manne verdret (Verdruß). G6d is g6d, man alto god is allmanns narr. Im Mün- iturlando heißt es : Sclve is en gud krüt, ower 't wäst nich in iJIvmanns g6ren. Frommann MA. 4, 143. 5, 429. 6, 430 (wo ^ Herausgeber diß Wort als gen. plur. deutet, da doch llHi brem. Wb. 3, 123 einen nom. allmann kennt). Auch den lliandinavischen Sprachen ist diser Ausdruck noch geläufig und IfAr aIh Appellativuni ^) : schwedisch allmän, dänisch almeen (alle- %■■ Almonningon sind große Pläze in der Stadt Bergen in t 287 mands ven, i allemands munde); vgl. altn. allmennr vulgaris, com- munis; almenningr nniversitas. Holländisch alleman jedermann, Jan alleman Hans Jedermann. Unser Allmende, das jezt den Sinn von ausgedentem Heideland einer Gemeinde, Gemeinweide ange- nommen hat, get zurück auf ein ahd. alamannida, der Weideplaz der Allmenschen, die gemeine Trift. Die Allemannen sind etymologisch die Allnwnschen : daran ist formell kein Zweifel. Wie das aber in jenem grauen Altertum, das hinter aller Geschichte im Nebel stet, beim Aufkommen des Völkemamens gemeint gewesen sei, darüber kann man wol nur Vermutungen aufstellen. Eine solche Vermutung will ich hier an- deuten, jedoch mit allem Vorbehalt besserer Erkenntnis oder besse- rer Belerung. Gesezt, die Allemannen seien, wie Herr Baumann zimlich plausibel gemacht hat, identisch mit den Semnonen, dem caput Sueborura, so muste dises Volk nach allem, was wir von im wissen, ein festes Bewußtsein davon haben, daß es ein zähes statliches Ganze, eine universitas bildete; hegte es doch ein starkes Bewußt- sein seines eigentümlichen Kultus, wie Tacitus es bezeugt, und pflegte es doch eines ausgeprägten einheitlichen Rechtes, das erst vilo Jarhunderte nach der Völkerwanderung in die Brüche gieng. Die Mitglider diser statlichen tinivcrsitaSt wie man noch im Mittel- alter freie statliche Verbindungen gerne bezeichnete, nannten sich mit einem gewissen Stolze alamanna, Leute des gemeinen Wesens, gemeine Leute, Allraenschen, universi homines. Urkunden- Eingänge späterer Jarhunderte geben uns noch einen Widerhall von diser stolzen Benennung: universis hominibus vallis Uraniae, universitas hominum intramontanorum u. dgl. Nicht anders ist der Ausdruck lantliute von Ure, von Swits und von Unterwaiden gemeint. Wir dürfen in ja nicht, wie uns der jezige Sprachgebrauch verlocken will, im Gegensaz zu statliute fassen; das will er durchaus nicht ausdrücken. Land ist in alter Sprache das Vaterland, dessen (irenzen ein einheitliches Statsgebit einschließen; in Zusammen- seznngen wird damit bald die große Ausdenung, bald das Heimi- sche hervorgehoben (Landrecht Landesfürst Landesherr Landeskirche Landmark Landfriede Landsgemeinde Landgericht landläufig Land- pfleger Landsftsse Landschade Landstraße Landsturm Landtag Land- wehr Landschade Landzwinger; Landesart Landesbrauch Landes- tracht Landsknecht Landeskraft Landvieh Landwein u. 8. w.); so sind auch lantliute nicht Bauern, sondern Landeseinwoner, Land- sassen, Bürger des Landes; lantliute faßt die sämmtlichen Mit- glider der statlichen Gemeinschaft zusammen, die universi homines, alle Männer des ganzen Landes. Ebenso sind auch Alamanna die Norwegen; Almendingeu und Almiudingen sind norwegische Dörfer, deren Namen mit dem südd. Allmendingon homonym sind, nur daß lezteres ahd. Alamuntinga hieß. Ein Almandbjerg erhebt sich in Nor- wegen im Osten von der Stadt Aunc im Drivatal.