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Meyer, Litteratnr MRBuck 268—271 ElsaTs Drei deutsche Prediger auf dem Index HRensch 24—25 Erinnerungen an Oeiler von Kaisersberg A Birlinger 25—27 Weisheit ans Geiler v. K. und Andern derselbe 81—82 Nochmal Krautenau bei Strassburg F WCulmann 52—55 Soldatenpredigten ans der Keichsveste Kehl ABirliDger. 92—103 Fisehartstudien I WCrecelius ... 236—240 Strass burger Handschriften in Hamburg Litteratur WCre- celius 240—241 Litteratur derselbe 267—271 Volkstümliches VIII IX A Birlinger, WCrecelius 117—135 280—286 Rechtsrheinisches Land Urbar von Beuron, Anfang 14. Jhd. ABirlinger 185—214 Asketische Traetate aus Augsburg derselbe 103—117 Bruchstttek einer prosaischen Historienbibel WCrecelius, ABir linger 135—142 Unsere Flussnamen MRBuck 145—185 Noch einmal die Alemannen derselbe 215 — 219 Ueber die Schwaben nnd Alemannen II vom Allgän nnd den AUgäuern ABirlinger, WCrecelius 263-267 Die Hohenzollerischen Orts- Flur- und Waldnamen ABir- linger 1—28 Zur Wortfopsclmiig ABirlinger 142—145 Sprüche fiber Landsknechte, Weiber, Pfaffen, Manche WCrecelius 75—77 Eberlin von Gttnzbnrg ABirlinger 28—29 Practica von Nas WCrecelius 271—272 Schwäbisches Hochzeitgedicht WSeelm ann 84—85 Redensarten nnd Sprichwi^rter A Bi rli nge r 82—84 Ans nngedrnckten Papieren Hebels 1 II GL angin 85—92 219—224 Volks- and Standesneckereien ABirlinger 273—276 Hansinschriften in Schwaben KDoU 241—263 YolkstfimlichesyiiyilllXCMBlaap^KDoll, WCrecelius, Seuffer, MRBuck, ABirlinger 37—51 117—135 276—288 Znr Alemannia ABirlinger 51 Zn Schillers Wallenstein II III ABirlinger 29—87 224—235 Zn des Knaben Wnnderhorn LErk, die Herausgeber, JM Wag ner 55—74 Die Hohenzollerischen Orts-, Flur- und Waldnamen ^) XII Ach Bach Bronnen See Fort Brühl Spöck Schlatt u. s. w. Ablach ^ (Alem. VI 8) Bittelbronn Ostrach Tautenbronn Reischach Dettensee Andelsbach (Alem. VI 8) Eremensee Bachhaupten Dietfart Heggelbach Brühlhof Hospach Spöck * Erdwelsbach Schlatt Litzelbach ♦Ror Ringgenbach ♦Taha, Daha Die genannten Ortsnamen tragen kein eigenartiges aleman- nisches Gepräge, Schlatt Biitdörann nicht ausgenommen. Ächf Acha, Ahha lat. aqua, (fränk. A» B, Afia, sächs. A, Apa) scheint ursprünglich aus Oberdeutschland nach Hessen und Mitteldeutsch- land gekommen zu sein, wo es als Ahe, A, Aa auftritt, Arnold Wanderangen 1 07. Äffa reicht weit ins Alemannische herein, wenn ich Wisila/fa, die Wieslauf die bei Schorndorf in die Rems läuft ad 1027 anziehen soll. Wie es mit dem j^Äphagau" am östlichen Albrande sich verhält? Mir ist die Uebersezung „Wassergau^^ als altdeutsch, von jeher verdächtig vorgekommen; ich halte den Namen für keltisch, da gibt es Anhaltspunkte zu obiger EIrklärung. — Auch der mitteldeutsche Uebergang in y,B&ch^' ist alemannisch unten be- legt. — Die alem. heutige Volkssprache weist auch hie und da A ä = Ach auf; wärend sie andererseits in unbetonten Silben öfters en (franz. en) wie für -heim (oben VI 26) dafür spricht. — Bach griech. tii^', altnord. beckr, ags. bec, sächs. beoki, becke, beeke, bicki Q. 8. w. ahd. baCy bah, pah^ mhd. pach» bach, fränkisch-sächsisch 1) Vgl. Alem. I 268 ff. U 78 ff. VI 1 ff. 129 ff. 2) OA Sigmaringen, Hof Andelsbach, ebend. BixUngw, AUmMtmU VUZ 1 ^ 2 feoL gec. und dämm Kena zeichen fcr . n 2\*. 37. 4^. 61. 62. 74. lOS. 113. 115. 16S. 214- 216. 2Ö0. 2S-. 533. 57'Ä 593. 5 -6. •?4V. 7'7. Ol 4:^o. 52^. 752. %31. ^34. IV 55. 61. 72. 1^>. 339. 34«>. S43. :37:'. 351. öl". 71:?. 721. 722. V 352. 3•^7. 511. o2y. VI 70. 73 a. s. w. Die ON damit gebildet erhielten den Nftmec vom Bache und er^ spater wollte man amgekert die Bachnames von inen ableiten. Back erlangte als concretere B^zeicbiar.^ iu Ueberge- vicht über Ach. Ache. In Mxtteldeai^chland s-zheicr dxs heimische JBmch'* dem etwas fremdem Ahe aas natürlich- n Grücdrn den Bang streitig gemacht zn haben, ein Vorgarg der im Namen Steinlw^A, Stein/yiicA I Tüb. Rottenb. ) stat des crkd!. Steinaha. Stein- ach auch bei nns bekannt ist. — Br'ynntn gor. brcnna. ahd. bmnno prunno, mhd. bmnne, sacbs. tränk, bome. bome, was linksrheinisch weit ins alemannische Gebiet heraufreichte, jezt aber zurückgedrängt ist. Das frAnkisch-rc mische /iirrii Püz ist ftr Bronnen unbekannt, dagegen für fenchte sumpfige Aecker alem. nachgewisen: sih Alem. VI löi*. — Mir kömmt vor, als ob ,. Bronnen" in den alem. ON ein gleich beim ..nrsprinc^ rasch flienendes, mülentreibendes Wasser wäre. — See got. saivs, ahd. KOy mhd. se, gab einst ON ab, die bliben, wärend längst das Wasser verschwunden ist, wie auch Spöck z. B. bei Heiligkreuz- tal, ein Knüppel - Sumpfweg zwischen ehmaligen längst abgegan- genen Elosterweiem, biß hente sich erhalten hat. Das Volk war mit der Benennung iSe^ auch für grössere Weier ser vertraut. — Furt ahd. fürt, vnrt, fort, vort. ags. ford. fyrd. aitfris. forda, niederd. vurd, vord, voerde = vaduiu, st. m. und f. Ursprünglich Uebergangsstellen über Flässe und Sümpfe, oder auch über ..Selten- biche" d. h. nur zeitweilig im Jare fliessende Wasser: endlich kann es längst ausgetrocknete Wasserstellen, Wege andeuten. In der alten Hirtensprache ser wichtiges Wort. Zu den an Sumpf- stellen erinnernden ON BnM, Spöck und Schl*itt will ich unten mer beibringen. 1 Ostnsh OA Sigmaringen In villa Hosirachtm nuncupatn 851 Wartmann II S. 37. Bcdditas apud Ostra, Notit. fund. S. Georgii 12 sec. Osfrnch FU 1 498. Heinr. miles de Ostera, 1275 ebend. Curiaro in Ostra 1274. SchneU 95. lo villa Ostrach 1279; ebenso Lib. Dec. 106. In piscaria (in fiumine) et molendinum in flumine Ostrarh. — poise— Jones in Tilla Ostrach juxta pontem et ultra fluvium dictum AMe 1295. Hone 3, 247. Vgl. 28, 115. Egehardo de Ostrach 1398. Bnrewiller et in Ostra 1279, ebend. 4SI ff. Osiirach, Um. D. Mona 1, 338. Osterah 12v<^5. Schnell 84. WU 3, 483. In ffowamwu hiasa ein Famulus Osternch 13. sec. Ocsternch heisst der Aitrach-IUer. Ueber Oster- sih ^^Eschen- dorf' Alem. VI 40. Deber das Vorschlag- A: iTöstrachnn sib die St. Gallischen PON Herchenfrid, Hanshelmmi, Hanno, Hebnringa, Hymmo, Harboninse, Hodalrihcho, Huadalbert n. s. w. Rudolf Henning „lieber die St. Gallischen Sprachdenkmäler" S. 141. Bei Ostrach nimmt die Adi den Namen Osterach an. Es ist ent- weder die östliche Ach, gegenüber einer andern westlichen, nun nicht mer bekannten Ach; oder das östlich fliessende Wasser vom Wonsize jezt Orte Ostrach aus. Die ON Ostamnaha, Ostrenaha bei Reigersberg, bei Blies and vile andere sten bei Förstemaim 135 — 143 verzeichnet. Zu vergleichen wären Ostorf (in zollerischeD Urkdd. öfter zb. 1394, vogt ze Ostorf 1397 MZ 435. 447), Oster- dorf, Osterhofen, Osterwaldrente (Egloffs). Flur- and Waldnamen weisen es anzäligemal auf. Das ,,08terbuch'' bei Deggingen im obern Filstale hat im Alemannischen vile Analoga, in meinem Augsb. Wörterbache 365 ff., im Volkstümlichen aas Schwaben I 29. 35 habe ich auf dise Dinge aafinerksam gemacht. — West-, Westerbäche sind bei weitem seltener, zb. aas der Gegend von Dürnaa and Rottani, Oehringen a. s. w.; ein alter Bachname ist ,,Nordwasser'' bei Allerheiligen FU I 619. 620. Wie Schreiber und Geometer die alte ,yHeanebarg'* bei Zwifaltendorf in „Heinrichs- borg^' verböserten, so tragen sie oder der volksetymologische Ko- bold die Schuld, dass „Eschendorf' aus ,,Ostemdorf' entstehen konnte, wozu die vilen Bachweiden und Eschen am dortigen Mül- bache Veranlassung gaben. Solche Vorgänge bemerken wir im alem. ON Ebenweiler, urkdl. ,Obirnwilare' (?) und umgekert in Oel- kofen, urkdl. »EUinchovin, Elnhoven* 13. seo. 2 Reisohach OA Sigmaringen, Weiler, Filiale von Klosterwald Ulricus de i^i^Aa 1191, Btkschach c. 1200 Stalin II h^l.Itiaeha 1200 WU 2, 237. Ae Rischa 1249. Nellenb. Regesten Mone I 76. Salemer Urkdd. 1200. 1249 u. s. w. de Itislia, Eishah. Fratres de i2i«cAacM284MoneAnz. 1836Sp. 469. Das Volk spricht richtig: ffüeischa** genau wie Stocka st. des schriftdeutschen Stockach ; ebenso ,Müneschdorf stat Mindersdorf. Alem. VI 41. 158. Eine Stelle Cod. Lauresh. Nr. 3656 ,in Riezha^ mit der Villa Rumeringa wage ich kaum hieherzuziehen, wenn sie auch lautlich stimmte. Dagegen müssen die ON (Förstemann 1254) Bische, Reisch am Ammersee, 1 1 sec, Biscah Reisach im alten Rotgowi bei Altdtting 11 sec. und 1011, Reischanc zwischen Sinkel und Geltnach (Uler- Lech) 11 sec. und 1059 hieher gezält werden. Es bleibt uns nichts übrig als an ein germanisches risc^ rysc lat. ruscus an- zulenen. Im Angelsächsischen begegnet wie ahd. risc ein fem. ry9ce, Binse, papyrus, juncus ; im deutschen Gebiete müssen wir an raus, rusche, riusche, (ob ein rfsche?) uns halten. Biscokt 'Mj "ha^ Ort wo Binsen zusammen sten, in Menge wachsen. Bück (Zoll Zeitsch. Ö, 109) fürt eine Wise im Reusoh, und den ON BentobB M c h (Bibermch) ao; ^heoao ein T^ggenmeache bei Hüfingen, Hone 15, 427. — T^igL Baaneisters (ed. Hartmann) Wirtemb. ON (Wfirtemb. Jahrbb. 1875). Ich mödite das Alem. YI 39. 4 crwiate Buttkried auch hiehenieben, bei Sehnell 1460: R. in deoi fttri. 8 iMiHirtl bei OstmA Badkatbüam 1188 WC 2, 232. Backihet nach 1194 0b6rrfa. Zt 28, 166. in eodesia Bachobiion 1195. Sdinell 75. Oberrb. Zt 28, 167. Villa BadiköbUony Berth. de BackköbUm Mone 1, 331. 336. Cnrtis de Bahdujbentm 1219 ZoU. Zt 8, 15. Es ist der Wonsis am Ursprnnge eines kleinem oder grossem Wassers, flicsBehd oder stehend; B. ligt am Ursprünge eines kleinen, des 80g. Mülbaches, des Escbendorfer Bächleins, das Volk spricht ffBadMta.^'' Es gibt schon im 7 Jhd. ein Bronhanbit, im 9. ein Kaltenbahheshoabit, im 11 sec ein horiginpahhes honpit, ein Sed ka ipii (Seeahaopt, Ende des Wärmsees), Thi&kauptenj Bayern. Am obem Ende des Sanlganer Riedes lag (1338, Bnck) der Weiler Moaskopiem. Vgl. Brtmnhanpten (Balingen), das elsäß. PmnhoalHton. Alem. sagt man Hoppnet, oberer Betteil wie bomm, Baum, sih meine Alem. 84 ff. Die Assimilation U für pt wird Bodi herbeigeDlrt durch yersachte Betonung des Bestimmuiiga- wwtea ,3m^''- 4 leggeltltfc. Neuhohoifels, Weiler Hdkdmbaek 970 WO 1, 411. HackißM€k 1185, ebenda 2, 240. Haiggdenbadk 1240, ebenda 3, 457. Hakelback 1194. 2, 307. Gehört a. 1163: Rotger miks de Hegebaek hieher? Diöc. Aldi. 2, 84. 88. Häggei^Mck 1421. Z. Z. K 6. YgL 3, 54 (1264 u. 1266): Hegf^Madk and miles de HaeggJmbaek 1251 Mone Zt. 1, 410. Der PN Hacco und dessen Koeeforai Hakelin ligt a Grunde. Der Familienname Hack ist heute noch schwäbisch- alemannisch, kann aber auch auf Habicht, der Hadc heisst, besogen werden. Das ai = e in Haiggelinbah ist zu Tergleichen mit Ha^eniberc, Hegenbarg, Tettnang 1246 WU 3, 457. OA Haigerioch. früher ein Dorf, gehört zu Gruol Hcdispaek 1368 MH 603. 1372 Gesch. ▼. Hohenb. S. 438. H. Nr. 889. £e Haspaek und M Hockspack 1392 ürkdd. s. Gawhkhte der Herrschaft Haigerloch ed. Lichtschlag S. 11. Die OMHoqpadi (bair.), Hnsonpach, Husenbachero marca, die Förstern, asi dem 9. Jhd. Tuneichnet, gehören nicht hieher. Bitten wir Btktg llfar uneeni Ort aus dem 10 — 12. Jhd.« fanden wir kt Hohapadi als eine graphische Eigenheit im Alem. wie puMi, fllohA, lohft (Bon) u. a. w. Sehen wir uns in der alem. Beipacks um, so begegnet Ho&kirch : praedium 1143, Hosikirdi 10 Jara später, 12. sec Hus- kilche 12. Jhd., de Husenkirchen, Constz. Copeibuch. Mono 9, 197, ebenso HosBingen (Balingen) oft belegt — allein unser ON wird wie Back richtig siht, vom PN Hoch, der sich heute häufig im Saulgauischen findet, abzuleiten sein. Also: am Bache des Bauers Hoch, 6 * Kroewelsbaoh Wonsiz bei Uechingen? Was mich veranlasst einen Wonsiz darunter zu verstehen, ist das öftere markierte Vorkommen des Namens, wie bei ON : üz der wise die gen Krbwelspach an dem weg — gelegen ist. 1356 MZ I 332. dry mansmad wysen gelegen inn Kroewelspach 1393. den Kroewdspach ufhin 1402 ff. Der Name Kroewel, Groewel, Griuwel, Graewel ist alem. so häufig gewesen wie unser Müller, Schmitz u. s. w. Ein Bauer der an einem kroewels- artigen Felde sich niderliess, ward so genannt, und als er oder seine Söne weiter zogen, behielten sie den Namen bei. Bück kennt die E. aus dem 13. Jhd. in Oberschwaben schockweise. Althochd. heisst chrewel, crouwel, kreuwel furca, Gabel oder Hacken. In Rottenburg: im Kratbly ein bekannter Flurname. Vergl. meine Notizen hierüber in Herrigs Archiv 1869 S. 469. Die Zoll. Z. Griuweli 1275. Griuli 1297. Eroeweli, Salem. Copialbuch. 7 UUelbach bei Otterswang Lüeelbach 1216. Hist. Topogr. Beschreib, von Wald, Hand- schrift (Hafner). Aenliche ON wie Livcelinstetin vor 1187 oberrh. Zeitschr. 28, 176; LiUzelbach SO von Höchst und N von Linden- fels deuten auf „klein'' ahd. luzil, lüzel (noch alem.) hin. Vergl. Lüzdfeld unten. 8 Biaggeabaoh OA Sigmaringen B. fürt Binkmbach 1237 Zoll. Z. 3, 38, Eichembach 1300 an, in beiden Fällen lige ein PN Rinke oder Richo zu Grunde. Hinke selbst sei aus RingoU entstanden u. s. w. Nach dem Melchinger Fleckenbüchlein ist „Rinker^' dort schon Geschlechts- name gewesen. 15. 16. sec. — Uralt sind die alem. Rinken- bürgen an der Ostrach bei Wilhelmsdorf und bei Baiersbronn hoch über dem Ufer der rauschenden Murg. Vgl. Schwab. Merkur 1880. Nr. 300. Schwab. Kronik. Prof. Dr. Paulus. 9 Bittalbroiin OA Haigerloch Ottonis de Buttelebrunnen 1297 MH Nr. 163; bonis in B. ebend. zuo Butelbrmne 1331 (330); POtelbrunn 1398 (793). Büttelbrunnen, Hohenb. Lehensaufzeichnung. Ze Bütelbrunnen 1392; Lichtschlag Haigerl. Urkdd. Vgl. WU II 414 (Horb). Es gibt noch ON bei Horb, bei Neckarsulm, bei Oehringen, bei Würz- bnrg. Vgl. Mone Zt. 9, 1. In der Zeitschrift fOr Franken 1859 Vy 1 8. 187: oariam nostram in villa Batelbrunnen juxta villam Withegehüten herbipol. diöc. 1323. in villa Butelbnrnen 1327. Ouden Cod. Dipl. III 204. 227. Et fragt sich, ist das Bestimmnngswort ein PN oder ein Appellatiynm? Ich halte dafür, dass sich Bütel- auf eine bestimmte Beschaffenheit des Wasserbehälters and zwar auf eine künstliche Fassung bezieht» zum Unterschide von der natürlichen Quellstabe U. 8. w. Back hält es desgleichen für einen mit hölzerner Bran- nenstube eingeschalten Brunnen. Das besagt auch mhd. Mute wannenartiges Territorium (hessisch Backtrog), künstliches Fluss-, Wasserbett; hält man endlich den uralten der Bienensprache all- gemein eigenen Ausdruck Biute^ Beute^ ausgeholter Baumstamm, daaui was hindert uns eine Deuchelleitung von Wasser anzunemen? Das gibt Aufklärung und nicht der PN Putilo, Butilo, der freilich dem Potilinesprunnen 8. sec. bei Förstemann zu Grunde ligt, nicht aber unsem südd. ON. Das 'il drückt ein Geschäft, eine Wider- holung aus wie Wirtel v. Wirt, Wirbel. Brechung des alten in ist, weil das Wort nicht mer bekannt, unterbliben. Das Wort „Brunnen, Bronnen'* ist häufig in Ortsnamen vorhanden. Die ehemals lollerisohe Burg Brunneny jezt wirtemb. Ob. A. Tutt- lingen: die borg ai Brmnm 1303 BIZ 247. 248. 249. zuo Brunnen der vesti 1889 (415). Brunnen, unser Burg 1391 (421). Vgl. das schon gen. Balingische ,,Bronnhaupten'^ MH 1338 (793). 1404 (808) u. 8. w. (Die Form Prumhopten ist zu beanstanden). An der loll. Grenie ist das wirtemb. „Bronnweiler*': Brunenwiler, Lib« Deo«, ferner ,,Langenbrunnen*' bei Beuron; das einfache «JSrunnen*" bei Engen: „Brunnon*\ Lib. Dec Im Ostfiränkischen, bairiech*wirtemb. begegnen vile ON Anspaoh : z. B. Groebreitenbronn, Kleinbreitenbronn, Heßlabronn, Seebronn, Hirschbronn, Schönbronn. Crt^glingen: Ebertsbronn, Reinsbronn. Feuchtwangen : Ammons- echiinbränn, Dikersbronn« Gersbronn, oder Heifibronn, Kalten- broun^ Kleinohrenbronn, Mögersbronn. Gunaenhausen: Dorschbronn, Lauierbronnmühl, Obenbronn, Siebenbronnmühl. Nach Anfurung ton N^|»rii«y (uneingeechalter Quell) in ON sagt Förstonann (ON 1863 & 3xN ff) „w^t häutiger ist „Brunne*' (jest Quelle)^ das heute nur nodi eine künstlich angelegte Quelle bezeichnet. Wir können das Wort aobon seit dein 7. sec häufig in den Kaaen nachweisen. Wirend ^»S^ng ^^ und ««Bnuin*' die Quelle von Soten des her- torbv^K'KiNKi««! und spradelnden Waasers auffassen, ligt eine mhi- Ciy» AttscIiaauQg dem gol. haubitK abd. houbit nbd. Haupt caput tii 1« Gninde.'* Eine grcAe Zal Fhimamen mit .«Brunnen'* iili unWck Die alett.^edimübiseliett und fränkiarben OK hat Bac- ittaler. WiMwib. JahrUv 1875 ^ed. Hartmann) massenweise anf- mAH^ $tsl «US Käme: BtuMmMe da« » gehört der erste Teil dt« Wort«» an mWi.« ^MriliK be«ti^n« was bekaantlick Handarbeit anwiiigtH Jakob Fkvcklin in & haadsdirifiL Bcadirabmig Wirtem- Wifs EL l^a: danMck kMMit der Back bm an die B«tte<-lfiMoi zu Beutelsbach. Lezterer Ort heisst 1265 ButeUspach und sclieiiit eher auf obige Erklärung als zu Pers. N. oder Bittelbronn zu gen. Der ON Tautenbrotm bei Gaisweiler OA Sigmaringen kommt urkundlich 1420 vor. Diöc. A. 12, 173. 10 DettenseB OA Haigerloch, vom wirtemb. OA Horb ganz um- schloßen; urspr. reiohenaaisch, dann nellenburgisch und jezt zollerisoh TtstinsB 815 Neugart 186. usser minem eigenem hofe ze Tatense 1308. MH 273. ze Tättensee 1417 Mone Zt. 16, 122. Täiense 1466 Zoll. Z. 9, 20. Oallus Oheim: ,,Däiensee'' 19, 6. Das Volk spricht one Verständnis des Ursprunges Dätsai und Dätsaü (Schnell 108). lieber Tat-, Täten- sih Alem. VI 10: Dettingen, Dettlingen. Der alte PN Tato, Tetto ligt darin. Also: „Haus des Tato am See.^' Eine Reihe von Flum. mit „See'' ge- bildet sih unten später. Bei Haigerloch ist der Seehof ^ nicht alt. 11 Kremensee OA Haigerloch, Hof bei Trillfingen Urkundliche Belege gehen mir ab. Das Volk spricht Ore- masai^ einst soll eine Kirche und ein Kloster dagestanden haben, sih mein „Aus Schwaben'* I 190. Der See oder Weier gab dem Wonsize den Namen. Ein Pers. Namä dürfte kaum darin zu suchen sein. Ich mache auf das mhd. Adj. greme, was Leid, Grammacht, aufmerksam: ze dem gremen sewe= Jammer, Trauer- see, die Sage läßt ein Kloster da versinken; oder Oramsee wie Gram-Krimvogel, gefarlicher See, der Menschen hineinzieht? Wenn die Verf. der Züricher ON-Kram, Kran, Kron = Kranwit bei än- lichen Namen aufiFüren, so heißt das alem. u. bairische Sprache vermischen; alem. ist nur „reckholder" möglich. Analogien (Laistner Nebelsagen 118 ff.) machen die Bedeutung ^,Nebelsee'' möglich. 12 Dletftart OA Sigmaringen, zu Vilsingen gehörig: Raine und merere Höfe ViUeicht schon 706. ON 1375. Castellum Dietfurt 1276. Zoll Zt. 3, 66. 1274. ebenda. WU 2, 317. Mone Zt 22, 128. Ebenso Gallus Oheim. (D. bei Mühlhausen 1464. ebend. 20, 283 and bei Wurmlingen, Tuttl.). Die Deutung ist leicht: diet = Volk, furt = vadum, Uebergangsstellen für Menschen und Vieh. Sih Alem. II 240 (Furtwangen). Unten bei den Flum. folgen vile Belege. Die Dietkirchen, -stege, -wege sind uralt. Flur- namen : Bietwege trifft man allerorts in Alemannien, z. B. zu Weig- heim 1533; zu Nendingen 1507; zu Herbholzheim 1341 u. s. w. Meist sind es uralte deutsche oder gar vordeutsche Oertlichkeiten, wie auch der Ausgrabungsbefund häufig ergeben hat. Vgl. dazu Bacmeister Wirtemb. ON 1875 Jahrbb. (ed. Hartmann) S. 12. Alem. Spr. 32. Foerstem. 170. 8 13 BTfthUlOf bei Hechingen 9iHof^ ist neuerer Herkunft ^); Brühl in unsrem Namen ist uralt. Der Flurname bei Hechingen wird urkundlich vilfach ge- nannt: den Brüd ze Leben dem Kloster ze Stetten 1300 MZ 244. 248. Unser Brügel ze Zell (485). Die Zimmemsche Kr. I 272 hat: uf dem Brüel unter Zollem. Bekannter ist: des Swarczen Graufen brügel^ lit am hömli 1393 MZ 426. anderthalb an unserm des Swarzen Orafen brügel (426) u. s. w. Davon die Brühlgärten bei Hechingen. Bei den Flurnamen unten folgen vile Belege. Sih auch Bacmeister Würtemb. Jahrbb. 1875. Unser Brühl (lat. brolium, brogilus, franz. breul) ist im MA ein tief gelegenes Gebüsch oder (Gehölz» in welchem die Jagd der wilden Tiere ausgeübt wurde, vorzüglich aber ein mit Mauern und Zäunen umgebener Wald (Wildgehege) ; in Deutschland besonders eine sumpfige, umzäunte Busch- und Waldwise (Bruch). Solche Brühle gab es schon zu Karls d. G. Zeit und sie gehörten zu seinen Landgütern; denn er ver- ordnete, dass die kaiserlichen Beamten seine Tiergärten (lucos), die man gewönlich Brühle nannte, (welche beide Ausdrücke schon damals gleichbedeutend waren) stets zur gehörigen Zeit ausbesserten und nie- mals abwarteten, biß die Not erforderte, dieselben von Neuem zu verfer- tigen. Anton, Geschichte der deutschen Landwirtschaft I 218. Sie wurden wegen der wilden Schweine in Niderungen angelegt, waren indessen auch für Hirsehe bestimmt, wie aus folgenden Ausdrücken hervorget: „Die Sau im Briel jagen^ und concessit cervum, quem in suo broilo venaretur. Später dienten die Brulde nur noch für die wilden Schweine; für Hirsche und Rehe dagegen wurden besondere Anlagen (Tiergärten) gemacht. Die Brühle verloren schon in der zweiten Hälfte des 9. Jarhds. ire ursprüngliche Bestimmung dadurch, dass sie in Wisen, Aecker, Pläze verwandelt wurden. In der Schweiz findet man solche kultivierte Brühle bei fürstl. Abteien im 9. u. 10. Jhd. wie bei St. Gallen, Einsiedeln. Vom 12—15. Jhd. bei Städten und Flecken z. B. Winterthur, Chur, Beromünster, Solothurn, Zofingen, Luzem. Ebenso in italienischen Städten: bei Pavia, in Venedig, Mai- land, wo der Ratbausplaz broletto, und in Venedig, wo ein Versamm- lungsplaz broglio genannt wird. Am häufigsten sind die Brühle in Dörfern zumal der Ost- und Mittelschweiz: Thurgau, Appenzell, Grau- bünden, Zürich, Luzem, Aargau, Bern und Solothurn. Sie dienten als Hut und Weide des Viehes (14. 15. Jhd.), genossen besonderer Pri- vilegien, die Nuzung stand dem Hofkeller zu; einzelne Brühle gehen im 15. Jhd. schon in Privateigentum über. Anzeiger für Schweizerische Altert. Kunde 1877 Nr. 1 S. 781 ff. 14 SpOek OA Sigmaringen, eingepfarrt in den badischen Pfarrort Burgweiler (Burcwiller 1279) Possessiones apnd Spek 1265 Mono Zt. 3, 78. curia in Spegge 1279, ebenda, was aber ebenso gut den gleichnamigen Wald zwischen Ach und Engen angen könnte. Possessiones in Spekke dictus des guot von Braimen; in villa Speke 1285. 1297. Mono 3, 232 u. s. w. SchneU 97. Zoll. Z. 5, 106 (B.) Vgl. Speck 1) Ueber Hof und Elofen sih Alem. VI 34 ff. 9 b. Wolfegg. Oberrh. Zt. 32, 114 (15 sec.) Zur Elarstelluiig des ON mögen folgende Beispile dienen. Bei Heiligkreoztal ist der SpeckhaUi urkundlich unzäligemal belegt, die alten Klosterweier lagen dort. Ein Land ze Speckloch bei Dußlingen f&rt Bück v. J. 1320 an. Die Zimmerische Kronik kennt einen ON Binder- speck bei Saulgau, abgeg. Das Habsb. U. im Jare 1420 einen Speckacker. Die PN Spekker in Hundersingen und Umgegend häufig. VergL auch im Allgäu: das g&t das der Speker baut — (1416 1480) der hof ze Bruggen den der Speker baut. Oberrh. Zt. 32, 81 110 (Baumann). Weitere Belege bieten die Offenburger Spitalurkunden im Freib. Diöc. Archive II 311: jugera agrorum sita in der Speke. — Im Fränkischen begegnet „Speckheim" (Alsberger Revier); dort kommt 1229 ein Wahsemund de Speck- veU vor, Burgruine bei Markt £imersheim in Franken. Ebenso kommt der Name im Eichsfeld und im Niedersächsischen vor. Bei Neustadt ist der ON Speckswinkel, Arnold Wanderungen 446. Das nordfränkische Gebiet benennt die Zunge des Landes, wo zwei Wasserflüsse eine Art Gabel machen, Speck, weil da in der Regel Uferbauten statthaben müßen; daher künstliche Befestigung und somit auch die am Wasser befestigten Häuser. Weigand in s. hand- schriftlichen Nachträgen zum Hessisch- Wetteranisch'en Wörterb. und in seinen ON widmet dem Specke ausfürlichen Raum. Es ist Knüppelbrücke, -weg zur Ueberfart über oder durch den Wisen- graben auf die Wise. In altsächs. Urkdd. die speckia, platt die Specke. (Sastrow Chronik v. Cantzow 3, 14). Aus dem Seligen- stadter Gültbuche färt Weigand an: von eym garten an der Specken gelegen; detBelhe Äppelspeck in der Gemarkung Beuem un- fern Grießen u. s. w. Wo wir auch im Alemannischen dem Worte, ob ON oder Appellativ, begegnen, sind es immer Wasserbauten mit Holz, eingetribene Pfäle, Knüppelwege über Pfäzen wie in Mittel- und Niderdeutschland. Die alten wirtemberg. Ordgg. besagen z. B. es soll niemand daneben oder baden bei den Spöcken oder Wasserbäuwen 1621 Reyscher XII 674. Der Schwabe Samuel Kiechel weiß in seiner Reisebeschreibung (Litt. V. 1866. 86. Publ.) von Spöcken oder mit Holz natürlich gepflasterten Wegen. Im echten Schwabenlande zwischen Iller-Lech lebt der Name in Fluren üppig fort. Augsb. Wb. 407. Die alem. Mundart spricht reines helles e, das ir zum Unterschide vom Nider- und Mitteldeutschen so ser zu Gute kommt, daher die Schreibung d', wie in Baiern das gebrochene i : e gesprochen und geschriben zu werden pflegt. Also ist spoch, spack mit folgendem i anzusezen. Das Wort ge- hört zu unserm nhd. Spachen , Holzteil , zerspaltenes Holz. Spächeln sind die geschlizten Baumzweige die man zu Uferbauten braucht, ferner klein aufbereitetes Reisach, und endlich klein zer- klobenes Holz überhaupt. Daß A;, ck in SpecÄ; stet, spricht für ein altes j, i wie in weken, wachen, also für die alte Form späk^o ahd. spakija, spekka. Vergl. übrigens noch Schmeller II 10 657 Lezer II 1073 ff. Meine Mittlgg. io Kahns Zeitech. für vergl. Sprachf. 15, 265, wo ich noch mer Nachweise ans Nordd. gab. 15 Schlitt OA Hechingen. Sclaia o. 1134. (Stalin II 509): dedit villam Barron non- capatam juzta Sdata sitam. MZ 15. ze SMathe 1310. (255). SMatte 1344 (302.) du Külch ze Schlatt 1362 (340). Uf Slaih das Dorf 1377 (369). Minen hof ge Schlat 1387 (409). Ze Schlatt 1393 (426). Wiler ob Schlai (428) u. s. w. Callas Oheim: Statte 19. Stat disen ON weiter zn belegen, will ich die änlichen ON und Flum. des übrigen alem. Gebietes nennen. Engschlatt hart an der zollerischien Grenze (Hechingen) kommt meist einfach als „in Slatte^* vor, 1220, Mone Zt. 15, 244. Das Didc. Archiv 4, 50 hat „Engeslait*^ dafQr. Das zergangene Schlatt bei Urach erscheint c. 1024—1039 (Fü I 6) als State (dato pre- cioso qnodam predio sao nomine S.), dazu die urkundlich so oft vorkommende „Schlatter Staig^': FU I 435. 436 u. s. w. Schlatt im Bez. A. Staofen FU I 184. Uchslat b. Schliengen Mone 17, 116. Dahslat, Dachslanden. Shlattstall ON bei Kirchheim a. T. 1387. Zoll. Zeitsoh. 12, 28. Schlatt im Amte Engen 1179: Slata, Dümg^ bad. Reg. S. 55. Bei Förstem. ON sind nach Neagart and andern aus der ältesten Zeit belegt Slat 787. Slata 754. 859. Buchslat 11. sec. Tegirslath 11. sec. Zillislate 9. sec. u. s. w. Als Flur- und Waldnamen kenne ich im Zollerischen: im Schlatty (Oberschmeien), im Schlaf twald^ (Dettingen, Dießen), im Ergen- schlattf (Wald), ScMattwasen, (Wilflingen\ Schlaitackery (Dießen), unter Weinschlatt, (Hechingen). Schlatt laeisst besonders das Land, was von Gurtweil an zwischen dem Arberg, der Schlucht, der Wuotach und dem Rheine ligt; es ist angeschwemmtes urspr. schlammbedecktes Land (1322). Schlattumr GausA durch das Schlatt. In einem Eemptener Urbar von 1555 stet: Wis im Schlatach, Schlatuns, in Schlatenbachtelin; ebenso eine Flur im SchkUt, Lin- dau - Schönauer Urbar und im Lindau - Rickhenbacher Urbar. ,,Im antern SchlatV*' Rengerschweiler Urbar. Bei Füezen (Stühlingen) lag ein jezt zergangener Ort Schlatt nur noch Beggingischer Flurname: im Schlattertveg, falls es nicht „Schlaitheimer" Weg heißen muß, da der Schweiz, benachbarte Ort Schlftta gesprochen wird. SchUxtthau Wald bei Dieterskirch, Schlatthronnen Rotweiler Wald. Der Schlatthof bei Sulz, bei Gmünd ist bekannt. ScMatt- höhsle, ScfUattacker, ebend. Die ehemals Kreuzlingische, von 1803 — 1813 hohenzollerische Herrschaft mit Dorf und Schlots gen. Ilirschlatt kommt zwischen 1178 — 1182 urkdl. vor: rus quondam inculturo in villa quae vulgo Hirslat appellatur situm. Freib. Diöc. A. II 85 ff. (Schnell). Zur Erkl. diene das altd. auch noch hessische släte f. (Schilfror füren nnsere Wbb. an) Kotlache, sumpfige Stelle in Feld und Wald, Sumpf, Schlamm, Lache. Arnold, Wand. 521 ff. Die scheinbare 11 • Kürze des a erinnert an Matte u. s. w. Man deutet ee auch = novellum, wo ein Holzsohlag geschah: das kann alles zusammen gen und der sumpfige Waldgrund konnte, nachdem er abgeholzt^ immer den Namen behalten, obwol die Sache wegfiel. Das nordfr&nk. Slettach will man demnach als Schleuse im Walde, in gerader Richtung durchgehauener Wald erklären. 16 "^Ror Burg and Besizungen bei Bisingen, OA Hechingen Eine schon im 14. sec. zerfallene Burg: Eoer, burcstal 1342. Rour^ daz burcstal 1343. Bar 1410. Eaur 1416. 1421. Barr 1397 MZ 444. 521. Heute noch Wisen in Bor bei Bisihgen. ON und Flurn. bedürfen keiner Erklärung, besonders wenn man sich erinnert, daß die Landsart d. h. der Boden in den Niderungon auch höher angelegten Wonungen den Namen leiht: sih Neufra u. s. w. Lichtschlag hat auf „Ror^' zuerst öfifentlich aufmerksam gemacht und nach im Locher in Zoll. Zt, XI 75 Anmkg., wo Bore st. Bore zu lesen ist. Sprachlich sei bemerkt, dass ,yHor^ schlechthin alem. für Schilfror und Mosror gesagt wird. Altdeutsch rära swn. und rör stn. Vgl. Bacmeisters ON (ed Hartmann) 'in den Würtemb. Jahrbb. wo vile alem. Belege sten. Vergl. die Flurn. Borenwise bei Homstein 1247. „/m Bar'^ Langenenslingen, oder gespr. d'Rorunta (v^ — w) wie die Andelfinger sagen, wärend das Langenensl. Zehentbüchl. v. 1607 Yorespan dafür hat. BorJudde bei Dettingen; die berümteste R. ist bei Rottenburg, wo das uralte Paulinerkloster stand. Eine Burg Borau stand bei Herren- berg 1379. Zoll. Zt. 12, 20. Vgl. Bor, Borspie, Name einiger Häuser am Einfluße des Rheines in den Bodensee. — Arnold Wanderungen 524 sagt bei Besprechung der Namen für die vilen Sümpfe u. s. w. ,, Damit hängt zugleich die grosse Verbreitung der Schilfgräser und Sumpfpflanzen und die Menge der Orts- und Lokalnaroen zusammen, die der einen oder andern Art ihren Ursprung verdanken; ich erinnere nur an die Orte Röhrda, RohrenfÜrt, Röhrig, Röhrigshöfe, im Rohr, Rohräcker, Rohrbom, Rohrfeld u. s. w.^^ 17 * Tibi, Dihi lag in der alten Amphinger Marca; von Licht- Bchlag nachgewisen In Tdha 772. 18. Aug. Cod. Laur. 3265. in villa Tdha 786. ebend. in villa Dahun in pago Naglegowe 1048, 1. Juni. WÜI 271 : zu Dahun 1246 MH Nr. 32. Dazu gehören Tachenr hausen Mono Zt. 20, 219. Dahenstein WU II 396. JDdhenfOd b. Neckarsulm Tahen 1177. Dahenvelt 1235 u. s. w. Wirtemb. ON in d. Würtemb. Jahrbb. 1875 S. 20. Eine abgeg. Burg Tachenhausen bei Unterbochingen Zoll. Zt. 12, 55 wo ein Haus „Tachenhauser'^ 1418 vorkommt. 6ot. thah6, ahd. daha, mhd. d&heLem, Kot. Graff 5, 104. Lezer I 407. Griech. riJMii sih Kuhn 12 Zt. 8. 451. Sih Alem. I 288: nim grünen oder frischen tähen da man die hafen aus macht und dörr den wol. Eine alte Keller- meisterei, Angab., lert mit Lern operieren : darnach must du haben ain iahen und mit demselben Wein den tahen klopfen in einem znberlin. Nimm weißen iahen und laß den weich werden in Waßer, darnach zerteil den iahen mit Wein u. s. w. Vgl. Schmoll. B. y. dägeln^ diß heißt auf der Alb die Hülben mit Lem ausschlagen. .XIII Feld Acker Rente Tiergarten Lustorte Hütten Feldy in ON, deutet auf ebenes Land das bebaut wird; es sind Flächen weithin mit fruchtbaren Aeckern. Der alte Dativ, plur. auf den Fildem, die Fudern kommt nicht selten vor. In Busammengesezten ON kenne ich nur Feld, Felden, jenes alter Dat. sing, ee dem velde. Das Lechfeld ist die grosse Ebene bei Augs- burg, Fürstenfeldbruck die getreidereiche Ebene zwischen Augs- burg und München. Ursprünglich wird Feld den G^ensaz zu Hole gebildet haben also = campus, wang, wie in Baiern Feld- kirohen und Holzkirchen, Holzmoching und Feldmoching anzeigen. Sodann ist Feld auch eine kleine Fläche und endlich ist es das Land im Gegensaz zum Dorfe, zur Stadt, was auch Gäu und Haide aussagt. Ein Gäunarr ist ein Bauerntolpel (Helmbrecht), Haidhausen bei München waren ursprünglich die Häuser auf dem Lande im Gegensase zur Stadt. Daher der alte Name „Feldsiechen'* für die Aussäzigen, deren Haus entfernt von den Orten in den Feldern draußen lag. — Schon vor dem Jahre 1100 konnte Förstemann gegen 300 ON mit „Feld*' gebildet auffinden. In un- serm ZoUemgebiete begegnet Feldhaitsen schon im 10. sec. Alem. VI 34. Das Verhigerfeld Zoll. Zt. 3, 4G muß bewont gewesen sein. Ein alter bewonter Ort ist Lüizelfeld gewesen: Lützelnveli daa guot genant 1 332. Donauesch. Urkd. mit dem Beisaze : „gelegen uf der Albe bi Ineringen dem dorfe.*' Hof ze Lüzelfeld 1367. Zoll. Zt. 5,6. Ein Flurname des Jungnauer Lagerbucbes von 153() heifit „tm LHz€nfeldV\ In Ostfranken, im alten Amte Kolmberg gibt es eine Anzal - feldefi beisammen: Frommetsfelden, Gastenfelden, Oberfelden. Im Crailsheimischen : Plofelden, Pretten- feld, Sehmalfelden. Im Grunsenhausischen : Pflaumfeld, Pfohe (kalb)- feld. EichstädtiBch : AHenfelden. Im Schwabach 'sehen: Gusten- felden (Seb. Frank). Bei SUuf und Landeck: Pfrannfeld: Thal- mannsfeld. Wa&ertrüdingen : Groß- und Untertellenfeld. Ich will nur Venrollständigung die mir zugänglichen zollerischen Flurnamen berseien: Langenfeld, Bingen. Wisen in Längenfeldem, Fronstetten, im Winkelfeld, Empfingen. Empfingerfeld, Dättensee, Heufeld, Hechingeo. Osterfeld, LangenensÜngen, Grünfeld, Hart. Die Be- aUmmmigswärter sind Sabat a. Adjektive. In Lüizdfeld haben 18 wir warscheiDlich das alte lüzel = wenig, klein, was die alte Sprache auch mit „minder^* hätte geben können. Acker nnd RetUe bedürfen in ON keiner Erklärung, dises ist alem. und bairisch, fränk.-hessisch- Itode, niederrheinisch- Bat. Kettenacker Tiergarten Kalkreute Lustorte 1 KetteOftOker OA Gammertingen Ecclesiam in Ketenacher 1184 WU II 307. KeUinachir, pre- dium 13. sec. Mone Zt. I 344. Kettenacker Lib. Dec. 85. In den Mon. Blidenst. 8 17 ed. Will begegnet ein „Eettinbahe". In Mone*8 Zt. 18, 455 „Kettenariun'' gut? Entweder haben wir es mit dem uralten PN Ketto zu tun, sih WU I 128 (a. 843) oder ist das alemannische Kette =Waßerleitung in Betracht zu ziehen? Schmeller I 310. — In Ueberlingen kommt 1534 (Oberrh. Zt. 25, 214) ein Fers. N. „Ketteoacher'' vor. „Rotenacker^' heißt im FU I 7 8. 20 Rotinaker. ON zur Vergleichung in der Prov. Schwaben: Baonacker, Göggingen; Degenacker, Neuburg; Dürren- acker, Füßen; Emmersacker, Sonthofen; Ueberacker, Rain. 2 Kalkreate bei Ostracb Calcrüti 1279. Schnell 102. Possessiones in Oalgrüti 1290 Mone 3, 239. Galknäi 1298 u. s. w.' Zu EiuH vergl. Adilsrw/i 1134 zwischen Tettnang und Ravensburg. Gisilmaresrt^i Geisel- macher OA Saulgan 1071 u. s. w. Der erste Teil könnte auf Galgo gehen, allein dann hieße es Gtügenretäe; sollte es auf gcUt' galgg- d. h. unträchtiges Vieh zilen? S Tiergarten OA Sigmaringen Zu Karls d. G. Zeiten gleichbedeutend mit den Brühlen d. h. Gehege für Schwarzwild und Rotwild. Im 1 3. Jhd. aber sonderte man das leztere von ersterera ab und errichtete für dasselbe eigene „Diergarden" oder „Tiergarten". Tier = wildefe Tier, Jagdtier, Hirsche, auch Schweine. Solcher -Tiergärten gab es schon 1210 in Deutschland, in der Schweiz aber erst 50 Jare später. Sie lagen im Gegensaze zu den Brühlen oft an Bergabhängen und kommen bei Burgen, Städten und Dörfern vor. Bei lezteren ist wol kaum an Wildpark zu denken, wol aber an einen gesehloßenen Pferch, in dem man das Vieh in Uchtwaid d. h. Nacht-, Frühwaide trieb. Daher kommt das Wort in Verbindung mit PN als Be- sizem. Anzeiger für Schweiz. Altertumskunde S. 84. Sagen an T. angelent E. Meier schwäb. Sagen Nr. 163. Rochholz Aarauer Sagen I 127 ff. — Weist. 6, 283. — Jakob Frischlin in s. handschriftlichen Beschreibung Wirtembergs berichtet von Stuttgart, 14 80 anfönglich Thiergarten geheißen hat. — Ist anfänglich ein Stut- haus und Thiergarteti gewesen S. 57. Urach hat ein altes Fürsten- schloß und einen Thiergarten daran S. 122. 4 Listorte Lindicfi vor 1570 vom Fürsten Friedrich Ludwig angelegt; ans lAndachj Linddhi d. h. Ort wo merere Linden heisam nien sten; ahi = etum lat., also gah der Lindenplaz dem Schloße den Namen. Ich kann nicht umhin des berümten Geschlechtes der von Lindach in Rangondingen zu gedenken. Sollte der Name mit Lindich in histor. £inklang zu bringen sein? Weit öfter wird der Linde bei Hechingen gedacht. — Burladinger Schloss c. 1500 von Graf Friedrich v. Z. Bischof von Augsburg erbaut. Frie- drichstäl a. 1801 von Hermann Heinrich Otto in dem lieblichen Tale bei Doli erbaut. Jung sind Josephslust ^ Lusthof ^ jenes ist auch Schloß im Urshergischen gewesen. Die Composita mit Lust sind alle als ON junger Abkunft und gehen neben den änlichen Namen für Bäder und Fürstenhäuser einher. 5 Htttoil Die Namen mit „Hütte": Lenzenhütte, Julienhütte, Glashütte sind etwas älter ; Glashütten haben alte Namen : Glaswald u. s. w. abgegeben. Glashütte im Hohenfelsischen, zu Wald einst gehörend, ward 1701 gegründet. Die Schwarzwälder ON Glashütten, Altglashütten sind vil älter. Bei Straßberg ist ein Glaswald, a 1468 kommt das holz Glashart vor, Bingen, Zoll. Zt. 4, 74. Die oberschwä- bischen Glashau, Glasäcker sind von Bück zusammengestellt. Ein Glasfelsen, kleine Hole, Blaubeuren. GlasbergWeinberg in Schmieden. Der Name get auf die früher vil häufiger vorkommenden Aschen- brennereien für die Glashütten zurück. Yergl. Zoll. Zt. 6, 31. XIV Wajsser Diessen Glatt Schmeien 1 Diessen CA Haigerloch In Tieezo 1082 WU 2, 406 in der Reichenbacher Schen- kungsurkunde. Hermanli von Ow nennt sich von Diessen 1385 MH 731. die Diesser band Diessen die „Burg^*. Da wo das Dießener Fischbachtal östlich umbiegt ist eine Sägmüle, und der gegenüber auf einem Felsenvorsprung siht man noch einige wenige Reste der Burg ^,Ältendiessen*\ Wie bei Neufra oben, hieß ur- sprünglich die Burg Diezzen vom Tale her so, und nachher nam die 16 sich bildende Ortschaft am Fuße des Berges oder der Anhöhe den Namen wider von oben. Der Name aber deutet aaf eine stark strömende Waßerstelle der Glatt, sih unten. Ich nenne zur Vergleichung die abgeg. Ort D. bei Horb; die Duessdm&lin bei Obemdorf 1404 MH. S. 813. 920 und öfter mit diemDiesselr iveier 1577. Köhler. Dießenbach b. Ochsenhausen. Dißenhausen b. Biberach (Hartmann- Bacmeister, Würt. Jarbb. 1875). Dießen b. Saulgau, lUertißen, Rißtißen, Tißen, Doßenbach, Dießenhofen (822;) vrgl. Getöse, ein Bächlein bei Oppenau, fließt neben der alten Burg ins Nordwaßer herab. Die Düßel, mit Düßeldorf, ge- hört gleichfalls hieher: a. 1065 : Tussale und Tussiladorp. Das althochd. Ablautverb diozan, mhd. diezen, diezzen bedeutet fremere, strepere, personare (vgl. ahd. hrfnan) und wird gerne von Waßer und Wind gebraucht: die wazzeren io gilicho diezzent in stürme und strite. — ter diezendo wint, Grafl* 5, 236, wo auch der ON Diezzenten Bach (ze dem) aufgefürt ist. Mhd. Wb. I 372 ff. Der Gegensaz ist „in der Stille'' für langsam dahin gehende Wasser. Bück. In einer Urkunde von 1334 2^11. Zt. II, 104. erscheint ein PN Ulrich der Diesser. 2 Crlatt OA Haigerlooh Im Cod. Lauresh. Nr. 3281—84 erscheint Qlathemer marca in pago Aleraannorum. Qlate 1246 Zoll. Zt. 3, 42. MH 6. Glatte Lib. Dec. 38. ebenso Diöc. A. 12, 19. Gtatt Weist. 4, 303. 333. Sollte Glatten bei Freudenstadt in der ersten Stelle mitunterlaufen, so ist es gleicher Abkunft wie unseres. Glata, Glatt, Kanton St Gallen. 731 Wartm. I 6. Stalin I 802. 311. Zur Verglei- chung mag dienen ,Glött' bei Blintheim an der Donau, das der Bauer ^Glatta' spricht. , Cloten ' 1335 Diöoes. Arch. 4, 62. Ganz sicher gehört hieher die ,Glat^ und ,Glatburg^ im Thurgan; von lezterer berichtet Aeg. Tschudys Wappenbuch in Gustav Scherrers Kl. Toggenb. Chroniken 1874 S. 134: „Burg Glatburg im obem Thurgftw ndch by Flaawyl an der ,Glat' ist von im selbs abgangen und zum theyl in die ,Glat' gefallen^'. ,Gladeheim' in pagoWaltgowe 784. Chron. Gottwic. H 699. 842: In villa ,Glade- heim'. Schmid Grafen v. Tüb. 512. Bück Zoll. Zt. 5, 94 fOrt ein Glattbrünnlein in der Glatter Gegend und einen Eof Glaibach 1362 MZ I 341 auf. — Foerstemann ON 582 ff. nennt eine Anzal Waßer und Orte daran des Namens, also vor dem 12 sec. Wie das schweizerische Waßer Glat (Neugart. a. 885) der Burg, so gab unser Waßer dem Städtchen Gl. den Namen. Bnck will mit Recht ein Glataha ansezen. Ahd. heißt glat glänzend, besonders vom Waßerspiegel oder gar vom Eise. Synonyma sind lüter. Höht, häli. So gut als es eine Schwarzach geben kann, so gut ist eine Glattach möglich. Auch die rheinischen Gladbach werden, so vrie 16 Olotter mit dem Glottertale bei Freibarg hiehergehören. Vgl. Baomeisier, Alem. Wand. 73 ^). 8 Sohmeten, Ober- ud unter Schmelen, Sohmeieiihöfe OA Sigmaringen Beide Orte haben iren Namen von der Schmechy die bei Onatmettingen nahe dem Hohenberg entspringt und bei Unter- Bchmeien in die Donau mündet. Schmyhe 1320 Zoll. Zt. 9, 27. Unser barg Smyehen and überal du Zwaital, die man da nemmet Smyentcd 1834 MB 356. dorf Schmiehen 1339 Donaaesch. Arch. Smiehen daz dorf, daz man nemet die obren Smiehen 1346 ebend. die obron S. ebend. die barg ze Smiechen and Müli ze Smiechen 1352 MH Nr. 428. dise halp der Loachan and dise halp der Smiehun MZ I Nr. 247. ein dorf genant Storzingen gelegen in der Smyechen 1403 Donaaesch. A. (Riezler) Schmiehen 1460 ebenda. Die Zimmerische Kronik II 469: des Wassers an der Schmeihenf zn Schmeihen dem Doif, gen Seh, dem Dorf S. 202. Ich ver- gleiche ,Smihen' in derOrtenaa 1185 (Schmiechbach 1342) Oberrh. Zt. 30, 84. ,Smiechain' Diöc. A. 4, 27. 170. »Smiehen* Habsb. U. 281. Vgl. Würtemb. Jarbb. 1830. 2. Heft S. 401. Eine Schmie- chen b. Ehingen a. D., eine Schmie b. Marbach, eine Schmiech Ob. A. Vaihingen, ON Schmieh OA Calw, Schmiechen bei Lands- bergi das 860 Smeoha heißt (Back). Das Ablaatverb smak, smiak, smaak, smoh, smioh, smauh, wohin schmiegen, schmncken, zarüokgen, ligt dem WaAemamen za Grande : es sind langsam and tie^gfründende meist anch auheimliche kleinere Flüßchen one anf- fallende Breite daranter za verstehen. Man vermisst es bei Grimm Gramm. II 23 Nr. 257. Was die volkstümliche jezt amtliche Schreibang ,ei' stat ,ie', wie die alte hochdeutsche hat, anlangt, so haben wir nur ein gewönliches alem. Gesez in Betracht zu ziehen, das ich in meiner Alem. Sprache 57. 70. 81 und Alemannia 1 255. III 185 hinreichend erklärte und mit vilen Belegen sichern konnte. Vgl. Weinhold Alem. Gramm. S. 103. 104. Altelsäßisch ebenso bekannt. — Wir haben eben wieder einen Beweis, daß die alem. Grenzen nach meinen Annamen weit nördlicher zu suchen sind. Ich kann disen interessanten Namen nicht abtun, one im einen andern zoUerisch-benachbarten Bach, die ^^Sehlichem^\ anzuhängen, weil ire Erklärung sich eng an Sehmiech anschließt. SUiken 1400 MH 1890: den Necker ab bis in die SeMichen und die Sehliehen uf biß in die Schwarzach; der ältere Beleg von 1334 MH Nr. 361: in der Schlichinn ist nicht störend. Gehört durchaus nicht zu Sluch wozu er schon gestellt ward und wozu Schluchsee stet. 1) Ein ülmer, der 1776 nach Wien reiste, sagt noch : „Der Brand- wein war wie ein angebranntes glatt Waßer". 17 XV Wald Hart Loh Buch I Wald (Klosterwald) Einhart Hart Haigerloch Magenbuch 1 Wald OA Sigmaringen Wald 1284 Mone Anz. 1836 Sp. 469. Walde Quellens. 3 30 ff. 1273—1307. Dem Gotzhüse ee Walde 1294 Zoll. Zt. 4, 10, ebenso im Fürstenb. ÜB 534a. 1279. MH 84. in TFoWe, de W. Walde wechseln ab a. 1258. 1270. 1284. Eine Villa in W. ältestes Constanzer Copeibuch b. Mone 9, 194. Vgl. WU III 483. Oberrhein. Zt. 28, 61. Lauchert Rottw. Mundart 14. Ein beliebter Name der Vorzeit für Orte. Wald besonders zur Unter- scheidung vor gleichnamigen andern, benachbarten, galt und gilt noch als Eigenname für jeden großen Wald; all seinen Umwonern und Inwonern kommt der Name ,Wälder^ häußg zu ^). Ein uralter Resiz des Stifters von St. Georgen auf dem Schwarzwald, Hezelos, der zwischen Schramberg und Villingen lag, hieß ad villnm Waldun 1139 (in Villa Walda 1139 WU II 10.) Dümg6 39. Förstemann zält vor 1100 310 ON damit gebildet auf. 2 Hart OA Haif^erloch Ze Harde 1329 MH 314. Unsern Maierhof, den wir do habint ge Hart 1335 Nr. 365. üf dem Maygerhof ze Hard 1349 Nr. 473. curia dicta des Maigershof sita in villa Hart 1362 Nr. 563. ee Hardt 1364 Nr. 576. Harde 1368 Nr. 603 u. öfter. Hard 1392. Lichtschlag, Haigerlocher Urkdd. S. 11. FU 17. 26. Hof ee Hard 1401 MZ. I 464. — Ein abgeg. ,Hart' bei Horb; «Harter Eäppele' WU II 450. — Das große Ried zwischen Salem und Memmenhausen, jezt Wisen, erscheint 1176 unter demselben Namen: ad ripam quae vocatur Blaewäc, quae dividit terminos — nemus quod vocatur Hart. Hart, Wald zwischen Engelswies nnd Gutenstein ,im Outensteiner Hart^ Zimmerische Kronik; ein be- kannter Hohenberger Forst hieß ebenso. Die uralten Bergwald - namen Murrahart, Burgunthart füren uns auf die Bedeutung , Berg- wald* wie Förstemann auch andeutet. Vgl. Roth Beiträge I 22. Daneben läuft die Bedeutung eines gemeinschaftlichen Triebwaldes, wärend loh das gemeinsame Gerechtigkeitsholz anzeigt, daher löher geradezu =portiones silvae communis. Alle , Harte' sagt Bück sind alte hirtengenossenschaftliche Hölzer; und der Verbalstamm hard, hird, hurd ligt zu Grunde, so daß Hirte, Herter mhd. streng dazu 1) So hieß Schwenningen in Beuron Waldschwenningon ; Ilochem- mingen hieß E. vor ,Wald* und Hausen bei Hüfingen H. vor ,Wald* Dioc A. 12, 145. Aiem. 278 Anmerkg. 18 gehfirt. Das Geniu ist je nach den alem. frönkisclien Gegend ein draifftchsB der, die, das Hart. msc. u. ntr. sind alem. fränkisc Sih meine Alem. Sprache S. 152, Schmeller s. v. Dm DW IV (Heyne) 50U erinnert an eäclisischea Haar, Waldgebirge. Andt Bsdeatnngen sih aaO. Die ZoBammensezung in Harthnnsen ( oben; über die vtlen Waldnamen ,Hart' in Zollern sih unten. 3 Ellblrt bei Ostrach, ehemals tum Kloster Salem gehörig In Inhart 1254 Mone Zt. 4, 245; ebeneo Lib. Dec 1( InnJiart 1457 Mone 11, 228. Mnhart 22, 310. 314 als Famiü« nanie in Ueberlingen. Darf ,Einbach' im KiozigtAl b. Hauaen 11 Einbaclj, ,Einhart8hn8in' später Pfalzburg i. Elsaß (Oberrh. Zt. S 56. Alaatia Illnstrata IT 3) herbeigezogen werden? Ich bezwei es. Unser In- scheint kurz zu sein, nnd erst später, weil ni< ■Der verstanden, ist Ein- daraus gemacht worden. Bück mac nicht mit Unrecht auf die alten Flurnamen Enholz, Enveldi I I 301 aufmerksam. Somit wiire In Hart, En Hart oue allen A klan^ an Eginhart u. s. w., nur der mit der Präposition geretti ON, wärend sie sonst verschwunden ist. Zc- wäre in nnBerm ( biete sicherlich kanm zu erhalten gewesen. Zu dem ist ze WaJ weder fOr Klosterwald, noch für unsern ON ablich. Daß die I tonung auf der Präposition oder beßer dem Präfix blib, ist nicl seltenes: bider aus biderbc, Beispil und die bairischen Nam Gisteig, Gasteiger, Gäatein u. s. w. 4 HilserlMb EeigerlG lOOß. Ocbe Gesch. v. Basel I 240. Beiffirloch V II 411 Reichenbacher Sclienkungsurkutide (1138—52). Haigerh 1141; ebenso in der Notitia fund. S. Georgii Mone 9, 21i) ( der Bestimmung: in Castro. Haigerloch ^ithmiA Gesch. von Hohi berg 1 3y. Hairlö, Böhmer Fontea 2, 556. Bei Schmid > kommen Formen vor wie Heigirloch, Ueigirlö, Hairloch, Hagget Hegcrlö, Haggcrioch, llcigirlö, HaigjrliJz. Die fränkische Urkuc vom 17. Sept. 1287 MH Nr. 114 hat dem HSIiebronn (Heilabrot entsprechend Ilegerloch. Später im 14 seo. wechseln Ilagerlo Baigerloch, Hoigerlou sogar Hairloch und Hayerloch ab. Haff' loch schreibt einer 1406, sih Lichtschlag H. Urkdd. 14 Jare v< ler ebenda: Baigerloch. Pers. N. Johannes Haigerloch Ih aee. DJ A. 12, 22. Bei Borb ist eine Örtlichkeit im lloiperk, bei Bli benren stand die alte Barg Jlaigirlöe FU I 481. Folgendes i Erklämng. Das Volk spricht heut« ,Hoagerloch' mit Anlennng „Iioch" indem es altea löh Wald nicht mer verstand ; die La Hs. gab übrigens za der Volksetymologie mer als liinreichend Anhalt. Der alte Doppellaut ai ist richtig verstanden und erhall als ,oa' wie Floaach, Soal, hoal n. o. w. Das BesUmmungswi 19 gehört wol zu ahd. heigir (vgl. in Heigere 879 Mou. Blidenstad. S. 3, 6.), picas, ardea (ygl. Heber.) Bei der UDznverläßigen zoo- logischen Terminologie der altern deutschen Zeit und irer Schriften kann Reiher oder Heher gemeint sein. Da Hohenhaigerloch dem heutigen Städtchen den Namen gah, so hahen wir uns einen Wald, dessen Aufenthaltsort in auffallender Weise der von jenem Wild- geflügel war, zu denken, mit einer Burg darinn. Loh^ Wald und die ON Hegirhuoch^ Eeigemhuoch mit bfioh =Wald von Buchen, gebil- det, stehen offenbar in Zusammenbang, so daß beier, heijer, beiger, Hüter des Waldes gesuchter wäre. Vgl. Förstemann ON 698. Graff IV 799. Lexer I 1210. Beifügen will ich noch, daß das was Jakob Frischlin sagt: „die vilen Beiger halten sieb wundergem ob Heidelberg auf (Beschreibung v. Wirtemb. hs. S. 139) genau auch auf die Haigerlocher Gegend heute paßt. Das Tal der Eyach sowie die Neckargegend unter n. oberhalb deren Mündung in den Neckar zält die Tiere nach Tausenden. 5 Magenbach OA Sigmaringen Magenbvhc 1216. 1219. Zoll. Zt. 8, 14. Frid. de Magen- buoch 1263 Mone Zt 3, 74 ff. Magenhuoch 1278 (u. 1274) bei Schnell I 87. 96. de Magunbuoch 1279. Mone aaO. S. 92. Magenbuech und -buoch Lib. Dec. 106. 108. Ebenso eine Con- Stanzer Urkd. v. 1263 (3, 479) und das Habsburger ürb. 278. Mundartlicher: Fritzen von Maugenbuch 1468 Zoll. Zt. 4, 73, ebenso die Zimroerische Kr. II 499 ff. In Horb lebte der Fami- lienname M. im 14 Jhd. Mone Zt. 20, 120. Was das Grundwort ,Buch' anget, so heißt es ursprünglich Buchenwald, dann Wald überhaupt; es wechselt im Genus zwischen msc. und ntr. wie wir oben bei ,Hart* etwas änliches sahen und kann ganz gut mit Personennamen zusammengesezt werden, wiewol Tiernamen häu- figer sind. Vgl. Graff II 629. III 35. Schott, Stuttg. ON Nr. 78. Mir ligt noch als Vergleich vor der ON Mettenbuch: de Mettun- buoch 1279. Mone 3, 92. Pfarrei Bürgweiler de ,Mettenbuoch' 1288. Weit häufiger ist Buch in Waldnamen das Bestimmungs- wort: under der Buochhaldun b. Mülheim, Tuttlingen (1268), sib mer unten bei den Flur- und Waldnamen. Der Name Mag — also mit langem k — get auf einen PN zurück und gehört zu ahd. M&gen Verwandte. Der PN in Meginga, Maginga hat urspr. kurzes ä. XVI Betra Gniol Laiz 1 Betra OA Haigerloch Petardle 786 WU I Nr. 33 u. 882. Päerale Cod. Lauresh. Nr. 3656. In Betherane 1082 Wü II 409. Petara, Betran 20 Schmid Hohenb. Gesch. S. 447. Weiran 1442. Petra 1444. Zoll. Zt. 9, 12 ff. Im Mittelalter gilt die SchreibiiDg Bttra^ Schnell 171. Die Neaneckischen Regesten ed. Locher Zoll. Zt. XII 12 ff. haben demnach nur Beira. Die Battern, ßatterate bei Johler 156 zälen nicht. Von disen Formen sind die ältesten offenbar latinisiert ; die Tennis - P ist weder sog. strengalthochdeatsch noch deutsch hier; die echten Belege sind die mit B, was die 2 oesterr. Urkunden mit w und p ausdrücken. Wollten wir Pet^^ Petrosa (wie die St. Galler Mönche beharrlich die Steinach dort nennen) ansezen, so müste ph pf im Deutschen werden, wie ans palatium phalanza, prandium phruonta und aus petarari, fklarica, aries, balista, pheteraere ward oder aber das alte romanische p flüchtete in seine Media, die unantastbar blib, phaffo neben babes u. s. w. Das scheint mir alles höchst unpaßend auf Betra an- gewandt. Daß eine Formationssilbe -ane, -ale da war, bezeugt die Volksaussprache Betra mit gutem reinem a (und nicht -frans, -en.); -ane^ 'an ist deutsch, -ale lat. und fremd; wer Peterale als Grundform annimmt, muß auch keltisch-romanisch operieren, wie kürzlich geschehen. Wer -an, ane also Beteran, Betraue ansezt, muß an das altdeutsche Bet- etwa Abgabe, Zoll und villeicht an -era, ahd. (burgera, praefectura) und an die Endungen der ON Adtaw^, Materawe St. Gall. U. I 66. Gundradan« Polypt. Inn. append. 316, Beviane^-nan Förstem. PN 240 denken. — In Hai- gerloch ist der Beiraer Burgstal noch als Flur- und Waldname erhalten. 2 Graol OA Haigerloch Die MII: prope villam Grtiren 1260 Nr. 40. 41. Gruoren ebenda, in villa Grurn 1274 Nr. 70. Wir die geburschaft von Gruorn 1300 Nr. 183. Ebenso 1311 Nr. 221. 1327 Nr. 305. daz gut ze Grurne 1328 Nr. 314. ze Grurn 1348 Nr. 463. der Boching von Gruorn 1405 Nr. 819. Die Notitia fund. S. Georgii, Mono Zt. 9, 219: Walker de Gruorun, A. 1263 ebenda 3, 78: Conradi (ßlius) de Gruore curiam quondam in Elschibmnnen. ze Gruorn 1392 Lichtschlag Haigerl. Urkdd. 22. Ein anderes 6. ligt auf der rauhen Alb OA Urach. Das Chronicon Blabur. Mone Zt. 3, 73 zu 1108: de Gruore, de Gruoeren (hei Tübingen? es ist das eben genannte) 1094 Neug. Episc. Const. II 579. ON b. Foerstemann 670. Lib. Dec. I 72. Gruome: vergl. Weist. I 373: zc Grurne? VI 385: Grünre"^. Ein Groiro begegnet 1185 im Breis- gau, Oberrh. Z. 30, 84; in villa Grüner ebend. 120 (Grünem?). Was den Wechsel von r und l anlangt, so braucht bloß an Kilperg für Kirchberg, Ki/be, Kirchweih, KiZche, Kirche, Triel, Trier, PrioZ, Prior, Morse/, Mörser erinnert zu werden. In dcir Gegend von Straßberg (Zollern), Ringgenbach sagen sie umgekert Hergle stat Helgle, Heiligenbild ; ferner HeubaJm, HeabaZ Ar BarM} 21 Baren, was alem. Gesez wie in Gruol verrät. Das Uracher Q. hat sein alem. Aassprache Grruol ebenfalls im Volksmunde bewart. Die Dativ-Endung -n, ne entspricht den Endungen viler ON besonders auch dem ßeterane. Der Ablautstamm grar würde auf grasan, gros und auf grdjan weisen, was germinare, in Saft schießen heißt: jgruos* wäre der junge Schößling wozu der ON ,Gruosna^ Groeßen SO von Amheim stet, ebenso ^Gruose' in Hessen 1057 (Grüßen). — Dürfte man an ruora, garuora denken, was altdeutsch oberfläch- lich geackertes Feld im Gegensaze zum tiefgeackerten des Herbstes bedeutet (Haupt Zt. 11, 262. Frisch II 135\ Mhd. Wb. IV SW) oder an ruore, ze ruore, weidmännisch = Haz der Hunde auf das Wild und die Hochspur des Wildes im Laubwerke, sowie Lockvogel- einrichtung auf dem Vogelherde, so wäre der ON leidster und einfacher zu erklären. Damit hat ,Gruorne^ wol nichts zu tun. 3 Lato CA Sigmaringen Vicarius de Laisi, ürkd. bei Vanotti, Grafen v. Montfort 1275 S. 536. Zu der Eilchen ze Laitzen Habsb. U. Decanus in Laizze Diöc. A. 4, 46. Conrat von L. ze L. 276. 277. In de- canatu Laiize Lib. Dec. 23. Laitz 1383. 1433 Zoll. Zt. 1, 12. 67. Hans Siglin von Laytz 1267. Mone Zt. 11, 115. Die Zim- merische K. II 63 hat Laiz^ wie heute üblich. — Wir können 1 einen Dativ, 2 einen altdeutschen PN Laithari, Leitheri in seiner Koseform ansezen. Vergl. Alem. VI 139, 6. Ob der Wald „in Laitzen'^ bei Tettnang und der Geschlechtsname ,Laitz^ sowie die in der altern Gartensprache geläufige ,Laitschbirne^ hieher gehört, will ich nicht entscheiden. — Das Alemannische nach altdeutschem Geseze hat ly i, ^, ch^ n, die mer oder weniger in ON-Bildungen erscheinen. Ich verweise auf die Schweiz. ON Hemschen, in den Bolschen, in der Tögerschen, in der Leutschen. Man bedarf übri- gens dises Sondergesezes nicht, erinnere sich vilmer an die Vor- gänge des Mittelalters: Wormze; czu Hohinsolmeze 1341 1351. van Sulmiße 1327. Solmeße 1312 heute ,Solms'. Näher ligen Sulc^ere, Buht^c (Münch-Buchsee Diöc. A. 4, 38.) Da laufen denn mitunter solche -ze, -se, die volksetymologisch und richtig teilweise an ,See^ angelent werden: Waise, Ilmense, Raroese ( Neckar- Roms) 1281. Man könnte stat ,Laiz^ Laitheringen, oder Laitishofen (Habsb. U.) sagen. Der ganzen Abhandlung get aber alle War- scheinlichkeit ab, denn wir haben es mit einem Appellativ zu tun. Das -se, welches wegen des Stamm-^ „2^'* ward, muß eine Wider- holung ausdrücken wie die Verba auf -zen : ächzen, kukizen u. s. w. dann bleibt Lait-^ das kann auf alte Jagd- oder alte Fronver- hältuisse zurückgehen: ich erinnere an Laitfaß, Hundlaite. Wenn es auf Fluß- und Augegendon paßen soll, wie Bück herausgefunden, 80 würde die Lage entsprechen. Uebrigens gibt es ein laite = Abhang neben lito und das gienge noch am besten an bei der 22 Oertlichkeit. Eiue Rolle spilte L. als uralter BegräbDisplas, worauf aber der Name nicht weist. B. vermutet romanisch. Lagir tium = Holz. XVII Nachlese Rain Geisweiler Weihwang Schernegg Baffenhofen Bell Ealkofen Ekartsmüle * Affenschmalz 1 * Rain bei Waid hieß firüher Oherkappel^ Alem. VI 134. Der obere Hof vom Rain in'Kappel 1290. Wochenblatt für Hohenzollern-Sigmaringen 1824 S. 166. (Dr. Hafners Mitteilung.) ze Hain Habsb. U. 278. 22 neben einer Anzal zollerischer ON genannt. Heute nur noch als Flurname erhalten. Ein ON Scliönramy ehemals um Hechingen, erscheint bei Schmid Burg Ilohenzollern S. 10. Rhein bei Schom- burg (OA Tettnang) heißt ze Rain urkdl. 1426. OZ. 32, 96. — Uralte Flurnamen sih später. Mones Zeitschr. 6, 418 ad 1278 fürt ein Buorain als zollerisch auf, ob Flur- oder ON? Förste- mann ON kennt schon vor 1100 20 Belege. Graff 2, 527. Bain ist Rain, Abhang, der grasichte Grenzstreifen in Feldern, zwischen Häusern u. s. w., sodann sanft ansteigende Uferbetten zb. der steinige Rain, Wurmlingen. 2 Schernegg Zu Alem. VI 147 ff. Hans Walther, Tochtermann des Scher* neggers 1313. Die Familie Bro(^mAnn in Schernegg ist noch gegen- wärtig auswärts unter dem Namen Schernegger bekannt. Also haben wir einen ON vor dem 14 sec. Diöc. A. 12, 182. Zeit- schrift des Bodensee-Geschichtsvereins 4, 18. Constanzer Urkunde. 3 Kalkofen im HohenfeUischen bei Liggersdorf In Villa Calcophe 11 sec. Zoll. Zt. 1, 31. Mone 9, 203. de Kalkoveti 1308 ebenda 4, 21. Im Emphingischen gibt es einen Flurnamen K. Vgl. CcUcrüti oben 13. Sollte beiden KcUk zu Grunde ligen? 4 Geisweiler OA Sigmaringen Alem. VI 80 Anmerkg. GeiswiUer 1257. 1263. Diöc. A. 12, 171, Conradus de G. Zoll. Zt. 3, 50. Vgl. Gaizwilare (Straß- burg), Gviswilare ON r>07. Geiswyl (Unterwaiden) heißt 848 Kysa- wilare, Geiss-=\n 2 Zinken auslaufende Höhe, die 2 Arme am Pfluge, 23 endlich Gaiß, Bock Keijsa ahd. — Ein Sangetsweilery Flurn. bei Wald, weist auf einen alten ON hin. Diöc. A. 12, 186. 5 Bnffenhofen OA Sigmaringeo Molendinum sunm et pratum in Buffenhofen 1253; Mone- Anfseß Anz. 1836 Sp. 470. Sollte Mfo, bo&o, Kröte = Kröten- hofen zu Grunde ligen? Weil das ü bindert, erinnere man sich an Ritter, Jammer und vile alem. Beispile und an archaistisch nicht mer nach irem Ursprung gekannte Wörter. Warscheiulicb zu Bufo PN. Boffo Cod. Laur. 3539. Buffileba ON Dronke 610. 6 Ekartsmflhle zu Mindersdorf Ußer demselben herfurth zfi EglismüMe 1260 Schnell I 166. Vgl. den ,Echardesbrnnnen' 12 sec. Oberrh. Zt. 28, 179 (heute noch bei Engen). Der Name Egli, Eglin war in der Familie der Yon Reischach üblich 1312. Wochenbl. f. Hohenzollem - Sigm. 1823 S. 74. 7 Weihwang OA Sigmaringen Ebenso 1266. 1329. Hist. Topogr. Beschrbg. des OA Wald, Handschrift (Dr. Hafner). 8 Bell OA Hechingen Die urkundlichen Stellen weisen Boll^ Bolle (Dativ) wie für die andern wirtemb. und badischen ON auf. MZ 1 329. Diöc. A. 12, 48. (Meßkirch). 1324 Lib. Quart. Diöc. A. IV. Wü 3 u. s. w. Ein Bollo b. Alpirsbach 1098. MZ I 2. Vgl. Bollmberg b. Obern- dorf. Wir haben an ein altes bol, ze dem belle = Berg, runder Hügel zu denken, sih bei den Flurn. unten. Der PN Bollo, Polio, Buolo kann kaum in Betracht gezogen werden. Förstern. ON 2. Aufl. 304 fürt alte Belege auf, die aber sprachlich streng von einander zu scheiden sind. Zwischen BoU und Jungingen auf einem Bergvorsprunge der Abtraufe ligen die Ueberreste der Burg. 9 * Äffenschm&lz 1389 Zoll. Zt. 12, 30. Der Name eines Lehenträgers oder Dienstmannes. Dise neckische Laune spilt wider im Namen ,Sun- nunchalp' (Tübinger pfalzgräfl. Dienstmänner), diu Litanie Litanei, diu Nixe u. s. w. Sih Uhland in Pfeifl^ers Germ. I 310 ff. Die Sürg V. Sürgensteifi bei Heimenkirch haben möglicherweise iren Namen von einem Fische. — Im Mittelalter heißt A. Woldienerei Heuchlerei, Augendienst und der dise übt. Ich füge hier noch bei : A/fensttU, Waldhöhe zwischen Forbach- Gernsbach. Affctisiui eine Art Fischnez, Ortenau Mone, 18, 416. — ABirlinger 24 Drei doutsche Prediger auf dem Index Kl wird wol manchen Lesern der Alemannia neu sein, daß (itihr von Kaisersherg auf dem Römischen Index der verboteoen Düohor itut, und aswar unter den „Auetores primae classiB", d. h. unter denjenigen Scliriftstellern, deren sämmtliche die Religion be- tn^fTmulü Werke zu lesen, zu besizen, zu drucken und zu verbraten von) UönÜHohon Stulo verboten ist. Er stet an disem Plaza schon in doni iil testen Römischen Index , dem von Paul IV im J. 15A0 herausgegebenen» sogar zweimal, als Joannes CheyserBper- g«tnHi« und tili Joannes Keyserspergius. Bei der w&rend des Tri- outor Üi>noils vorgenommenen Revision dises Index wurde er aller- dings gost riehen, und so findet sich der Name in dem von Pias IV im J« 1564 publiciorten Index nicht mer. Aber in disem stehen »JaiHtbi Ottheri sermonca: Item Speculum fatuorum**. Sixtus V «eate 15^«>0 «Joannes Cheyserspergensis'* wider in die erste Glasse, und in der Ausgabe Clemens* VllI vom J. 1596, in welcher jedem lUiehst alten der drei Classen des Index Pias* IV ein Appendix Wig\'t\lgt ist^ stet in dem Appendix der ersten Glasse von J „Jo- aniK« i^hey9<»r|)ergensis'\ und dann — nach diesem allgemeinen Verln^te üWrtlQ»siger Weise — in der zweiten Glasse „Jacobi Ottheri ete,** Tm jtKlen /weil'el lu beeeitigen. w«r gemeint sei, stet in xlen )in\Wr^n Ausgaben des Index, b. B. in der besonders correct g^slriK^ten Benedict« XIV vom J. 1770: iVyler v^I^^^^h»^ Keiter»bergius« 1, d. App. Ind. Trid. NavivHiU^ »ive »pec^ulum latuoram a Jacobe Ottbero ooUecta. Iiul Trid. — Scn\H>iie9 de iVntione I\>minica a Jacobe Ottbero coUectL Ittvi. Trkl. Kin «M^A» Kwt^ww !.<£ hat Tiuiitr gehabt Nor in Einem KvMiai»vS(^ liKlex« ^Wm ^xtu«' \\ »tel: ««Jmuuib Tbanlerii aennoDes ^ >*A«kAW>«a i',>«U(iil^^ IS«M\Miii$ iVmini ntiM|'p U nwp. dem Henvy tvcx Alba psbliciertea. t« \:i^9%y4r)>Mt t>^0 )^^2rtt^i^Kt Is^lex assi dasuif^ anch in dem M^'^.^A U^**^* ^>olt^ityr^:«ft l»*f\ «ikvk« vy^cK^^Cvc: ^TaxSeri Homilien ^,•4 ifM *> ^^Kx-rrn^pwrt *>*"". *?>Ä .AitsQxtvsfoo»» ie n^aaMroL en SjMtwfc.tvv'^ l^^rcv %wwtt *jjc »»Sj^.-nct ^rKK?c«r» wie ftber- 26 Daß Geiler und Tauler auf den Index gekommen sind, haben sie warscheinlich dem Matthias Flacius lUyricus zu danken, der sie in seinen „Catalogus testium veritatis'^ aufgenommen hatte. Tauler stet darin unter Nr. 301, Geiler unter Nr. 406. Von Geiler sagt er freilich nur, daß er scharf gegen kirchliche Misstände ge- predigt und die Verdammung des Johann von Wesel (Nr. 386) misbilligt und gesagt habe, der Neid der Mönche sei daran Schuld. Der Jesuit Anton Possevin bespricht in seinem „Apparatus sacer" Geiler, one etwas davon zu sagen, daß er auf dem Index stehe. — Von Tauler sagt der Jesuiten-Gardinal Bellarmin in seinem Buche „De scriptoribus ecclesiasticis^', er sei „ein ausgezeichneter und ser frommer Prediger'^ gewesen, Joh. Eck habe in zwar „als hinsicht- lich der Rechtgläubigkeit verdächtig verachtet ^\ aber Ludwig . Blosius habe in vortrefflich verteidigt. Ausfürlicher verteidigt Possevin seine Rechtgläubigkeit. Daß er auf dem Index Sixtus^ V gestanden und auf dem spanischen Indiens noch stehe, erwänt keiner von beiden. Noch ein dritter berümter deutscher Prediger stet auf dem Romischen Index, Johannes Wild (Perus), gest. zu Mainz 1554. Seit Clemens VIII (1596) stet nämlich im Index bei Johannes Ferus : „Verboten sind alle Werke desselben, bis sie verbessert werden (donec corrigantur) ; ausgenommen sind seine Commentare zum Matthäus und zum Evangelium und ersten Brife des Johannes, von denen die Römiscbe Ausgabe [von 1577] gestattet ist, und von dem „Examen ordinandorum^^ die nach 1587 erschinenen [corrigierten] Ausgaben^^ Die Formel „donec corrigatur** ver- bietet Bücber biß zum Erscheinen einer von der Index-Congregation ausdrücklich als genügend corrigiert approbierten Ausgabe, wie eine solche von den eben genannten Werken Wilds erschinen ist. Da von den Predigten eine solche Ausgabe nicht erschinen ist, müssen sie noch als verboten angesehen werden; das hat freilich Dr. Brischar nicht abgehalten, einige derselben in den ersten Band seiner „ Katholischen Kanzelredner Deutschlands '^ (Schaffhausen 1867) aufzunemen, und Prof. Magnus Jocham hat zu Regensburg 1841 einen ganzen Jargang von „des berümten Franciscaners Johann Wild Predigten, gehalten im Erzdomstift Mainz 1528 — 54** neu herausgegeben. Bonn FQReusch Erinnerungen an Geiler von Kaisersberg ^) 1 Johannes Keysersberger^ ein ser gelehrter Mann, der etwan auff ein zeit Prediger ist gewesen zu Straßburg, hat dieses erzehlet, daß der Teufiel im Schlaff in einer Zauberin solches Spiel 1 Alem. III 129 ff. 26 vnnd Gauckeley geübet habe VDod ihr mancherley Träome ersehlet. Da solchs die Predikanten des Orts uicht haben glauben wollen vnnd es für Gauckeley gehalten, so habe diese Zauberin einen Predikanten mit sich heimgeführt vnd wie sie sich in ein Backtrog gelegt, sey sie entschlafien; darnach habe sie mit den Händen, Kopf vnd ganzem Leibe also hin und wider geschlagen, vnd sich geweglet, eben als flöge sie in der Luft vnd tanzte. Diß aber hat so lang gewähret, biß von dem schlagen vnd stampfein der Backtrog sich umbgekehret vnd sie auf dem Söller, nit gering verwundet, gefallen sey. Wie sie nun erwachet, da habe sie wunderbar liehe Sachen, die sie mitler zeit gesehen und gehandlet hette, angezeigt. Sie sey aber durch die Wunden, die sie aus dem Fall des Backtrogs bekommen, vberweißt vnd überzeuget worden, daß sie nicht fern, sonder gegenwertig gewest sey. Eine kurtze, treuwe Warnung, Anzeige vnd Vnderricht ob anch zu dieser vnser Zeit unter uns Christen, Hexen, Zauberer vndVnholden vorhanden u. s. w. durch M. Abraham Säur beschrieben und an Tag gegeben. 1581 (Marpurg, Hessen). Aus der ,,Emeis" am Mitwoch nach Reminiscere 37*: nuon folget hernach von den Vnholden oder von den hexen. Vgl. anch A. Stoeber zur Geschichte des Volksaberglaubens im Anfange des XVI Jhds. 2. A. Straßb. 1875 S. 18. Hier hat Geiler v. K. gleich Luther und Melancliton später eine krankhafte Einbildung im Sinne, er kann sich aber nicht ganz häuten, seine Zeit würkt noch zu mächtig ein, denn gleich darauf glaubt er fest an Eünwür- kungen des Teufels auf die Hexen. — Camerarius Lib. I Prognost. Hist. Meditat. Lib. IV c. 13 pag. 280 erzält von Joanne Baptista Porta: ich geriet einsmals zu einer alten Hexen^ von welchen man sonst sagt, daß sie des Nachts in die Häuser gehen und den kleinen Kindern in der Wiegen das Blut aussaugen sollen. Wie ich ,ihr nun so etwas gefraget hatte, sagte sie gleich, sie wollte mir über einen kleineu Augenblick darauf antworten. Darauf hieß sie mich und die andern, die ich als Zeuge dessen was etwa ge- schehen möchte, mit mir genommen hatte, aus der Stube hinaus- gehen, welche sie hierauf zumachte, sich aber ganz nackt auszog, und ihren ganzen Leib mit einer gewissen Salbe überschmierte, als welches wir durch eine Ritze an der Türe sehen konnten. Dise Salbe war nun aus etlichen einschläfernden Säften gemacht und daher sanck sie auch gleicli nieder und fiel in einen tiefen Schlaf. Wir öffneten hierauf die Türe und einige stießen und schlugen sie ziemlich derb; sie war aber so fest eingeschlafen, daß es nicht anders schien als ob man an einen Stein schlüge, wenn man sie schlug. Wir gicngen darauf wider hinauß und mitler Zeit liörete auch die Salbe auf zu würken, da denn die alte Vettel wider erwachte, ihre Kleider wider anzog und anfieng herr- liche Sachen zu erzelen wie sie nenilich über See und Berge ge- faren und gab uns falsclie und wunderliche Antwort. Wir sagten darauf, es wäre ja ir Leib nicht aus der Stube gekomm^ sie 27 behauptete aber das Gegenteil: wir zeigten ir die Striemen, die wir ir geschlagen, sie' aber bestand doch steiff und feste auf irer Meinung. Darauß erhellt, sagt Thomasius in Joh. Websters Med. Pract. Untersuchung Halle 1719 S. 122, daß die Hexen in einer melancholischen und betrieglichen Einbildung stehen, als worion sie durch solche schlafbringende Salben gestärket werden, daß sie meinen und ihnen einbilden, sie kommen an weit entlegene Oerter hin wo sie wunderbare Dinge hören und sehen, auch solche Sachen thun und an sich thun lassen, welches doch eine pure Unmöglich- keit und ein bloßer Traum ist u. s. w. 2. Ihr. Johann Geyler, genandt Keysersberger, gewesener Prediger im Münster zu Straßburg, welchen Keyser Maximilianns lieb hatte vnnd kaum 7 Jahr Anno 1510, eh Lutherus zu lehren angefangen, gestorben ist, der hat gesagt, daß Gott ein tre£flichen Mann erwecken würde, der das Bapsthumb werde reformieren vnd hat gewünschet, daß ers erleben vnd jhn sehen möchte. Ist aber, wie gesagt, nur 7 Jahr vor der Reformation gestorben: hat das schandtliche Leben der Geistlichen hefftig gestrafft. Item die vn- nütze Verschwendung der Kirchengüter, der Geistlichen Faulheit vnd Vngeschicklichkeit , daß sie nichts gestudiret, und saget: olim erant lignei calices et aurei sacerdotes, nunc sunt aurei calices et lignei sacerdotes. Vor Zeiten waren hültzerne Kelch vnnd gül- dene Priester, jetzundt aber seindt güldene Kelch vnnd hült- zerne Priester. Sonderlich hat er die Römisch Kirch gestrafft, die weiße Münch hat er deß Teuffels Mutter, die schwartze den Teuffei selbst, die grawe Münch deren Nachkommen genennet; hat jedermann gewarnet, daß man die Kinder nit in die Clöster geben soll. Von den Franziskanern sagt er, was sind das für Leut, die hierein gelien und sind bescheren wie die Narren, mit ver- decktem Angesicht als (wie) die Schelmen vnd mit Stricken ge- bunden wie die Diebe? Daranff antwortet er, es sind die Franzis- kaner oder Barfüßer. Zwo christliche Jubelpredigten. Die Erste von dem Päpstischen Ablaß den 31. Oktober 1617 Jahrs: zu Glückseliger Vorbereitung des Evangelischen Lutherischen Jubelfests. Den 4. Nov. zu Vlm bey volck- reichcr Versamblung im Münster gehalten durch M. Balthas: Kernern, Predigern im Münster daselbsten. Gedruckt zu Vlm durch Johann Medem MDCXIII 4« S. 47 ff. 3. Das Alem. III 129. 2 genannte Buch hat S. 260 folgende Stelle: nach Albertus Krantz IIb. 3, cap. 16 a. 1254 hätten et- liche Schwaben gesagt, man soll den Ablaß von Gott nemen und des von Papst und Kardinälen erdichteten müßig gen. Die hätte man für Kezer ausgerufen, wie auch den M. Joan. de Wessalia Prediger zu Wormbs, der 1479 zu Mainz verdammt worden, welche Condemnation von Dr. Joh. GeUern von Keissers2)erff, gewesnen Predigern zu Straßburg im Münster — sehr hoch mißfallen hat.'' 28 Eberlin von Günzburg *) • ,,Sihe, da hat Gott der Herr in nechstf olgenden 1518 Jahr einen Barfüßer Münch allhie mit Namen Eberlin vofi Güntzhwrg bürtig, als er Dr. Lathers Büchlein gelesen, durch seine sonder- bare Gnade erwecket, daß er die Evangelische Warheit öffentlich in der Barfüßer Kirchen, wie er von sich selbst inn offenem Druck schreibet, zu Predigen angefangen. Es haben jhm aber darüber die Barfüßer Münch, so er seine gleissende Brüder nennet, hefitig zugesetzt vnd endlich, vnangesehen ein E. Rath auff trungendlich Anhalten deß geroeinen Maus zum drittenmahl Schrifft- und Münd- lich vor jhn gebetten, daß sie jhn zu einem Prediger behalten möchten, auß dem Closter verjagt. Dannenher nach dem er vil Verfolgung, auch von seinen nechsten Freundten, wie er sich öffentlich beklagt außgestanden, ist er endlich gen Wittenberg komen, von dar auß er Erstlich ein Schrifftlichen Bericht von den vornembsten strittigen Glaubens - Punkten an die außerwehlten Christen, wie er sie nennet, allhier zu Vlm, darin er sie vermahnet, nicht von dem Evangelio abzustehen. Darnach ein trewe Ver- mahnung an ein Ehrsamen Rath, darinn er sie erinnert in was vnseglichen Schaden sie von den Welt Verführern, den München, wie seine Wort lauten, geführet, vnnd wie sie solchem Vbel ent- rinnen mögen im Jahr 1523 inn Truck außgehen lassen. Hierinn nimbt er alle Vlmsche Priester vnd Münch je einen Orden nach dem andern her, entdecket deren vielfaltige Laster vnd sonderlich Kurtz vorm Beschluß meldet er, daß so große Büberey inn den Clöstern zu Vlm innerhalb 40 Jahren verlauffen, daß die Sonn nicht mehr vber dise Stadt scheinen vnd jhrentwegen kein Liaab oder Graß mehr wachsen solle. Wo auch ein große Theure oder ander Vnfall vber dise Stadt kommen werde, daß anders nichts als die heimbliche Laster der Münch dessen schuldig seyen. Hat auch sonsten noch andere Tractätlein in Truck außgehen lassen. Als mit Namen Fünffzehn Büchlein von mancherley außgangen zu Basel im Jahr 1521. Item ein Büchlein darin auff die drey Fragen geantwortet wirdt, Warumb 1) das Evangelium so ein kleinen Fortgang habe. Warumb 2) soviel Leiden umb es Evan- gelii willen erweckt werde. Ob man 3) warten solle die I^ebr des Evangelii auzunemmen, biß das sie durch ein Goncilium oder Reichstag bewehret, im Jahr 1523 Von der frommen Pfaffen Trost wider siben trostlosen Pfaffen Klage. Item wider die Sehender der Creaturen Gottes durch weihen, segnen deß Saltz, Waßer, Palmen, Krawt, Fewer, Ayer, Fladen u. s. w. im Jahr 1525." — 1) Alem. V 155 ff. 29 Zwo yimische Jubel- vnnd Dankpredigten bey dem auff christ- liche Anordnung eines Ehrsamen Rath den 2. Nov. 1167. Jahrs hoch- feyerlich begangenen Evangelischen Jubelfest daselbsten im Münster gehalten — durch Conrad Dietrich der H. Schrifft Doctorn vnd dero Vlmischen Kirchen Superintendenten. Gedruckt vnd verlegt zu Vlm durch Johann Modern MDCXIII 4« S. 10 ff. ABirlingcr Zu Schillers Wallenstein. Das Lager*) II 1. Ich sagte Alem. VII 213, in Sachen der apokryphen Altorfer Earzergeschichte : der Pudel sei als Luxushnnd der Stu- denten früher unbekannt gewesen. Schiller fand in seinen Quellen nur ,Hund' und ,HüDdchen^ ^), nicht aber Pudel, dessen Name im, wie Goethe, gleichsam höfischer klang und besser paßte. Bei Herren und Burgern im 17. Jhd. finden wir den Pudel^). In dem bekannten „Aufi^, Auff ihr Christen'* des Abraham ä S. Clara Salzb. 1684 S. 85, worauß Schiller ^) seine Kapuzinerrede teilweise übersezte und copierte, wie er selbst sagt, eifert der Pater gegen das Hundehalten der Reichen. Er ruft: ,,Kanst du ein Tutzet JBudelj Melampus, Diana, Bellacosa, Gharabella und weiß nicht was för Hund speisen und nicht einmal einen armen Bettlhund!*' Der Pfarrer CotUin aus dem Rieß, der Abraham copierte, hat in seiner Narrenwelt I 49 auch nicht umhin gekonnt dagegen zu eifern: „ich sehe bey dir eine solche Mänge Hund, Waßerhund, Spürhund, JBudl - Hund, Taxhund, daß einem möchte einfallen Actaeon habe bey dir einlogieret !'* Der beßere Handwerker scheint gleichfalls seinen zottichten großen Hund, in den die Sage zu allen Zeiten, bei allen Völkern den Teufel sezte, gehalten zu haben. Das in Dantzig bei Pharamund Kretschmer 1712 (Pseudonym?) erschinene Buch gegen den Aberglauben sagt uns das. Es heißt: Historie oder wunderliche £i'zehluug der seltsamen Einbildungen, 1) Alem. Vn 211—219. 2) Archiv für Litt. Gesch. II 175 ff. 8) Bei Fischart Garg. c. 26: Er hett sein Brot mit schwimmen können gewinnen — und es im Maul holen wie unsere Barhehund ( = Pudel, schreibt eine Hand des 17. Jhds. an den Rand meines Ex.). 4) Das Programm des griech. orient. Obergymnasiums in Su- czawa 1877 enthält von Prof. Stefan von Repta die Abhandlung: Zu Schillers Wallenstein. „Abrahams ä S. Clara Antheil an der Kapuziner- predigt in Wallensteins Lager". Das Archiv 1. c. ist zwar nicht ge- nannt, allein seine Spuren findet man überall. S. 12: „die Stellen aus Abraham sind citiert nach der bei Gottfried Hautt in Lusern a. 1687 erschinenen Ausgabe von „Reimb dich oder ich Liss dich" und bezeichnen die Römischen Ziffern die Capitel, die arabischen die Seiten- «den." Allein, wie kommt der Verf. dazu nur den zufallig ersten Traktat der Sammlung als Titel des Buches anzusezen? 80 welche Monsieur Oufle aus Lesung solcher Bücher bekommen, die von der Zauberey, Beschwörungen, Besessenen, Zauberern u. 8. w. handeln. Mons. Oufle (Le Fou) will sich köstliche Bücherreposi- toria anfertigen lassen, läßt einen Meister kommen, der einen zottichten Pudel mitbringt, ob dessen Erscheinen Oufle conster- niert ist und nicht mer weiß, was er bestellen will. Dann heißt es „als welches (Ilundehalten) jetzt nichts Neues ist, denn wie die Edelleute auf dem Lande Hunde ihres Nutzens wegen unterhalten, also pflegen die meisten Küf istler auch weUJie zum Zeitvertreib zu haben.^* Ueber die Hunde der Zauberer wie des Agrippa von Nettesheim (Kölners), des Faust und anderer werde ich gelegent- lich ansfürlich handeln. 2. Die Feindschaft des Löwen und des Hans, die Schiller nach Boxberger uud Düntzer den zwei Grabschriften bei Murr ge- mäß verwendete, stammt aus Aelian und Plutarch. Konnte der Dichter nicht sich seiner Plutarch lektüre erinnert haben? War nicht gerade in der Jenaer Zeit der Herausgeber Schütz dort tätig ? Ich sehe nicht ein, warum nur Murr die Grundlage abgegeben haben soll. Bei Aelian, Naturgeschichte HI 31 (Jakobs) lesen wir: ^A'ksKTQVova (paßsltM Xiwv, xai ßamXlaxog Ss lov airchv fÜjpvtr, wq (paaiv, o^^Ssl xal xaxiSihv rgifisi xal oacovwv ädoviog anärm JE xal ano&vTiaxBi. VI 22: ^Eyßiota de tw fiev Xiova nvg xal akBXTQvvDv, VIII 28 : snü xal «Afxrprov« dedoixB "kimv, XIV 9 wird änliches vom Leo marinus berichtet. Plutarch, Moralia (niuga twv ^(owv (pQon^iaiTSQa) N p. 981 E. (psvyei xä (hjgia tiv dvd'iay, (ig avv iksffai'ug, akfxvgvova Se Xiovrsg. Ich ver- weise ferner auf Plinius Histor. Natural. 29 § 78. 10. 48. In einer Fabel bei Achilles Tatius beklagt sich der Löwe, daß Pro- metheus einem Hau erlaubt habe, in zu schrecken, doch bald darauf tröstet er sich, als er hört, daß der Elefant von einem kleinen Musquito gequält wird, welcher im in den Oren summt. (Gubernatis). Im Mittelalter — Megenberg kennt in jedoch nicht *) — hat diser Bericht sich fortgepflanzt, so daß Agrippa von Nettes- heim in in seine Schriften aufnam, wie etwas später Forer Geßner im Tier buche (Alem. VII 213 2) es getan. Von jenem sagt Ma- thias Willens Wünschelrute, Nürnb. 1694 S. 59 tf. : er schreibet alles das, so er aus der Physika nicht in den Kopf bringen kann, der Sympathie und Antipathie zu — es seye eine unversonliche Antipathie zwischen einem Crocodil und Scorpion — zwischen einem Elephantcn und einem Schwein, zwischen einem Lätcen und Hahn/'' Die Magia Naturalis Wolfgang Hildebranda, Ebrf- furdt 1604 I 50' erzält: ein gewisser Brujerinus GalluB be- richte, er hätte einen gekannt, der keinen Haushahn oder Kapp- 1) Da^^cgcn weiß or „daz der han des nahtes die unrehten and die grausamen fursatz oder das grausam bedünken an krankmuetigen läuten vertreib mit eeim gesang.^ S. 192 b. Pfeifler. 31 bahn habo ansehen können. Ich füre dazu den altei) Carlyle an, der ein solcher Feind des Hanenkrähens war, daß die vorneme Dame, sobald C. auf deren Schloße zu Gast war, alle Häne rings- um zusammenkaufte und abschlachten ließ. Aus den Alten herüber nara Lessing in seinen Fabeln „der Löwe und der Hase'' dieselbe Geschichte Aelians und Pntarchs. ,,Aber, ist es denn wahr, fragt den Löwen einst der Hase, daß euch Löwen ein elender krähender Hahn so leicht verjagen kann.*' Martin Zeillers Epistolische Schatzkammer ed. Hermann Ulm 1700 S. 828^ erklärt: „Sonsten können theils Hund große Glocken, das laute Singen oder sonsten großes Geschrey ohne Winseln und Heulen nicht hören, weil nehm- lieh keine Gleichheit zwischen ihrem Gehör und solchem Laut ist. Gleich wie der L&w den Hahnen nicht ohne Ergrimmen schreyen hören kann, weil die Gehör -Röhren in seinen 'Ohren viel zu groß, eine so scharffe und subtile Stimm ohne Erbitterung zu erdulden' ^ Allen disen Stellen ligt die ganz natürliche Tatsache zu Grunde, daß der Löwe bei Nacht auf Raub ausget und sein Zil der Zeit mit dem Hanenkrähen, d. h. mit dem Tagesanbruch gekommen ist. Eine Erklärung finden wir bei Fischart Gargantua ON, die ich hier noch beifügen will: „Warumb der Löwe, ab welches Prüllen alle Thier erschrecken, allein den weissen Hauen förchte und ehre. Dan solches geschieht darumb (wie Procius im buch vom Sacrificio und Magia meldt)^ weil der Sonnen krafiPt, welche ein ursach und zeug' aUes Irdischen und gestirnigen Liechts ist, sich viel reimet, schicket und artet, in den weisen Hauen, also daß sie auch an der Färb außbricht. Demnach dan das Lischt, wie erwisen, weiß ist vnd der Low das Fewer schewet, wie auch der Elephant, vil mehrer schewet er das Sonnen artig Thier, welches von Hitz ganz schneweiß wie der Tag worden, dann deß Fewers vnd Sonnen würkung ist in ihrer krafft Weiß. — Ja ich will noch weiter sagen, daß in Löwen gestalt offtermals sind die Teuffel gesehen worden, welche, so bald ein weiser Han darzu kommen vnd gehebt worden, plötzh'ch sind verschwunden'*. Im Gap. 26 stet nochmal: Heut haben die Leuth mehr als ein Löwenmuth, ja vber Basiliskenmuth , dann die Löwen fürchten ein Uahnengeschrey, 3. Den Bauer mit den falschen Würfeln 'j benuzt Schiller um das Herunterkommen des Standes, um die Verarmung und den Verfall auf unerlaubte Hülfe in Folge des traurigen Krieges zu zeichnen. Aber er ist im auch ein willkommenes Mittel, die Spannung in den einzelnen Auftritten zu erhöhen. Die Gradation des dramatischen Ganges gewinnt. Der Dichter kann in darum auch kaum loßwerden, denn die Aufregung muß er nicht bloß 1) Fischart Garg. R \\]^ erwänt Ptaguiche Würfel, die sich hinder und für sich brauchen laßen. Weiter unten werden Pariser WOrfel genannt V 1. 82 wach erhalfcen, er muß sie steigern. Man erinnert sich nnwill- kürlich eines verschmizten bairischen oder oesterreichiachen Bau- ern, anf den es die Städter stets abgesehen haben; wie man mit dem umspringt, welch^ spöttische Lieder auf in g^esungen werden — das kann einer in München am besten erfaren. Damit sei kein Tadel ausgesprochen, denn die Bauren sind alle Lauren, wie ein altes Sprüchwort sagt, allein wie der Städter in jenen Ge- genden sich benimmt habe ich anderwärts noch nicht beobachten können. Die falschen Würfel anlangend, so gab es schon im 16. Jhd. Schwarzkünstler, Teufelsknechte im Heere, welche den Sol- daten die verfluchte Kunst, um guten Lon natürlich, beibrachten. Die Sitten der Kriege des 16. Jhds. lebten meist im folgenden großen Kriege wieder auf. Die Eisenbeißer, die ufUrüglichen Würfel^ das Gefrorensein erwachten bei dem Zusammenfluß so yiler Yölkerelemente natürlich gleich wider und was der eine nicht wüste, kannte gewiß der andere. Aber troz des Glückswürfels fülte jeder dessen teuflische Natur ; denn sobald es in den Kampf gieug, warf er in weg. Wer falsche Würfel ti*ug, hatte einen höl- lischen Pakt eingegangen, man brauchte nicht das Rechtsbuch zu fragen, das ein crimen falsi et furtum darin erblickte, und, ob des Pakts kann er — aber nur nicht die Officiere — auf die Folter gespannt werden, damit er bekenne. Das war in jener krankhaften epidemischen Hexenzoit bekannt genug, folglich darf Justiz an dem Bauern genommen werden. Zudem im Lager! da noch yil eher. Die Reimerei Rist's Alem. YII 214 ff. ist in 100 Sätzen zu Hamburg 1644, 8^ gedruckt worden. Wellers Annalen II S. 388 § 182. 82; Pseudonym: Friedlieb von Sanfteleben. In Mautin Zeillers Epistolischer Schatzkammer ed. Zach. Hermann Ulm 1700 sten 15 Säze ausgehoben, die sich auf das Thema vom verkom- menen Bauern beziehen. 4. Dem Kroaten gehört der Kapuziner, beide verstehen sich am besten. Volkstümlich ist der Orden besonders im Osten, denn seine Mitglieder gehen nur aus dem Volke hervor. Wo dasselbe arm ist, halten sich die vornemern Orden nicht auf, wie denn auch die verwandten Franziskaner allein es sind, die in Bosnien u. s. w. Niderlaßungen gründeten, da gibt es keine Je- suiten und Benedictiner. Der Kapuziner predigt volkstümlich, mundgerecht, meist sogar noch in der Mundart, dazu ist die bai- rische ganz vortrefflich geeignet, ganz wie das Plattdeutsch. Allein er predigt seinem Volke nur das Evangelium, hält im nur das warnend vor, was lasterhaft ist und wält die allemächsten Beispilc aus der Woche, dem Wonorte. Er politisiert nicht, schimpft nicht gegen die Obrigkeit, wenigstens außerhalb des Klo- sters nicht; es wäre im schon zu mühsam, wie dem Bonvivant das Redenhalten im öffentlichen Leben. Insofern könnte man Schiller zurechtweisen. Allein das wäre ungereimtl Schiller branchte 3a einen Mönch, von dem er durchaus nicht nötig hatte in einem bestimmten Orden zuzuweisen, selbst wenn er den berüchtigten P. Lamormain ^) meinte — der Orden aber den alles kennt und verstei, der dem dramatischen (wie epischen) Gange vortrefflich zu Gute kommt im Lager — das ist jener der Kapuziner. Einen Polterer muste er haben und auch dazu, dachte Schiller, paßt die rauhe härene Kutte am besten. In A\ien muß Isolani bei Pferdeanschaffung mit dem Kapuziner verhandeln. In den Räubern hat sich Moor in der „Kapnzinerkutte" zu Roller geschlichen und die Person mit im wechseln wollen. Sein Vorgänger weiland in in den Räubern, den der Mannheimer Theaterdruck Kommissar nennt, zieht ebenso gegen K. Moor loß wie unser Kapuziner gegen den Generalissimus. Allein des leztern Sprache ist doch wider von all den rohen Schlacken unberürt wie sie dort vorkommen. Unser Kapuziner vertritt hier seine Confratres aller Klöster Deutsch- lands, sowie die Weltgeistlichkeit. Alle waren unterrichtet, daß der Friedländer conspiriere, daß er mit den Lutherischen unter der Decke spile und das war fürchterlich! Wenn er es so treibt, so greift er sein frommes katholisches Kaiserhaus an und das war noch vil fürchterlicher. Wenn schon im Lager die Soldaten pro et contra auftreten, müssen wir auch erfaren, daß die Glerisei gegen Wallenstein ist: alles zur Erklärung dessen, was später die Katast rofe herbeifürt. Kurz es gehört das auch zum Ganzen. Eine Unterbrechung durch den Wachtmeister ist nicht gezeichnet, und wäre auch nur hemmend gewesen. — Und wem hätte, frage ich, der Stralsunder Miserfolg besser zu berichten angestanden, als dem Kapuziner? 5 Zu Alem. VII 215, 5 will ich bemerken, daß Wallen- steins bekanntes Dictum nicht zunächst aus Herchenhahn (Archiv für Litt. Gesch. II 164. 430) genommen zu sein braucht, es war so allgemein in Kroniken, Kometenbeschreibnngen, ja Kalendern verwertet, daß im Schiller oft genug begegnet sein muß. Wenn ich der Kometenbeschreibungen erwänte, so ist es gerade eine solche, die auch das Dictum bringt, und die auch wert wäre, ge- legentlich für den Kametetiaberglauben im Wallenstein (Kapuziner, Pachhälbel) angefürt zu werden, so gut oder noch beßer geeignet als Abrahams ä S. Clara Bericht. (Archiv f. Litt. G. II 411 ff). Des Buches Titel heißt: Ominosa curiosa oder Nachdenkliche Wunder und 2^ichen, welche bißhero am Ilimmel und in der Luft u. s. w. geschehen — beschrieben von Nicolas Höpffnern, Pfarrern zu Draschwitz im Stift Naumburg. Frankf. und Leipzig 1692 4^. 7 Nr. 71 findet sich die Stelle: Als auch Anno 1624 das Wetter in 1) Archiv f. Litt. Gesch. II 164 ff. Zu weit get Dr. Christ. Semler in seiner Festrede „Wallensteins Lager" Leipzig Wartig, 1879 wenn er behauptet, die Jesuiten (sollen wir uns denken) hätten den Kapuziner ins Lager geschickt. Birlinger, Alemannia Vm 1 ^ u dem ZwäDger oder Oster Tharm, der mit sehr dicken Mauern an dem Stadt -Wall stund und darinnen 50 Tonnen Pulver lagen, schlüge, daß er davon zerschmettert und das Pulver angezündet, 80 kam nicht lang darauf das Wallenstein*sche Geschütz und ang- stete diese gute Stadt damit gewaltsam, also daß er auch sprach: ob sie schon mit Ketten ani Himmel hienge, so müste sie doch seifte seyn und von ihm erobert werden. Aber vergeblich! er mußte sie vor diesmal unerobert laßeu/^ Vgl. Schiller v. Goedeke, Vollmer u. A. VIII 130. Herchenhahn, Gesch. Wallenst. I 260. Kbevenhiller XI 197. Ranke Wallenstein S. 124. Die Geschichte des Dreißigjährigen Krieges und des Westfal. Friedens, Neue Aufl. Gotha, Mevius 1760 4^ S. 42 sagt so: Wallenstein gedachte mit Stralsund bald fertig zu werden. Er wollte St. einnehmen und solte es auch mit Ketten an den Himmel gebunden sein'''. Der Jenaer Prof. theol. Christian Chemnitz gedenkt des Dictums eben- falls in seinem „Nothwendigen Bericht Auff Johannis Schefflers ausgelassene Türkenschrift u. s. w. Jena 1664: Hatte man nicht Pommern biß auff den ünssersten Grad außgesauget? Stralsund belagert und haben wollen, sollte es auch mit Ketten an dem Himmel hangen?^^ In Villingen (Schwarzwald) soll ein Schwede gesagt haben, als die weiße Frau auf der Stadtmauer erschien: Wann Maria die Stadt Villingen an 2 Ketten bis gen Himmel auf- ciige^ wollte ers wieder herabreißeu. Aus Schwaben I 295 Nr. 330. Mau siht, es schreibt einer dem andern nach. Das Bild impo- nirete natürlich, wenn es gleich nur eine Großsprecherei war, man lachte, wie einst über den Sultan, der da ausrief, er wolle das Raubnest Malta mit Schippen und Schaufeln in die See werfen, biß er mit Verlust von Tausenden von der Mördergrube, wies die armen Soldaten nannten, abzuziehen sich gezwungen sah. Bekanntlich nennen W. wegen Stralsund, das im ein Splitter, Aerger war, die Lieder Schiefer, Archiv 6, 65. 79. Seine Sol- daten hießen ebenso. Das ol>en genannte Opus v. 1760 gedenkt auch S. 80 der Musketenkugel, die in der Lätzener Schlacht den Wallenstein nicht zu verwunden im Stande war. Vgl. Wachtmeister : Ja, daß er fest ist, das ist kein Zweifel, Denn in der letzten blutigen Aff«\ire bei Lützen u. b. w. Davon ein ander Mal. 6 V Auftrit: y^Ber lange Peter aus Itzehoe^ soll der hagt're, lange Schauspiler Leißring, der die Rolle xa übememen hatte, sein. Ich will dagegen nichts einwenden, allein sollte nicht doch Schiller die Figur also benannt haben, weil er immer und immer wider dem ^langen Jri7r" vom Regiment Rheingraf in seinen Quellen Wgegnete? Diser erlangte eine gewisse Berömt- heit^ weil er dem Tilly auf der Verfolgung mermals die nmgekerte Pistole um den Kopf schlug. Es war ein feindlicher Offizier, in der Schlacht von Leipxig-Breitenfeld. Schiller im Drdßigj&hrijfen 35 Kriege (Boxberger VI 185) spricht bloß vom „schwedischen Ritt- meister'^ In Niklas Vogts Gustaf Adolph, König in Schweden, Frankf. u. Mainz 1790: „Ein Oberst, der lange Fritz genannt, verfolgt die Kaiserlichen. FrUz (springt auf Tiily zu): Ergebt euch zn Kriegs- gefangenen i TtUy: Was, uns ergeben! so lange ich diesen Degen habe ergebe ich mich nicht. (Gefecht — Tilly und der lange Friiz fechten. Tilly sinkt zu Boden; der lange Fritz will ihn mit einer Pistole todtschlagen — der lange Fritz wird aber erschossen). 7 Auftrit V: Ueber das Marketenderwesen wäre zu ver- gleichen, was Georg Hiltl in Dohms Sonntagsblatt 1867 S. 231 Sp. 2 gibt. Um dem Leser auf leichtem Wege etwas über Goethes Schrift „Gampagne in Frankreicli 1792^ beizubringen, füre man an, was da über die Marketenderinnen gesagt ist in den Berichten vom 29. Sept. (Ausgabe lezter Hand 30, 97, 100); vom 4. Oktober (S. 115); vom Marketender S. 281. 8 Auftrit I: Und die nennen sich Kaiserliche? Eine Anzal Schweden sagen in Süd Westdeutschland haben mit dem Schweden nichts zu tun. Alles was von Grausamkeit berichtet ward, musten die Schweden getan haben. Von den „Kaiserlichen^ und iren Grausamkeiten berichtet Seb. Bürster aus Salem Alem. III 267 ff. Die Spanier verstanden sich in der Pfalz ebensogut auf das be- rüchtigte Schwedentrünkloin Alem. VI 172 (1621). Christian Ghemuitz ins. Anti-Scheffler 1664: (Wie haben sie) in Pasewalcke tyrannisch gehanset? Allenthalben die Luth. in die Wälder ge- jaget, beraubet, geschendet, gerettelt, geschraubet, theils wie das Vieh niedergehauen! Von den Holkischen und vollends Götzischen Mordbrennereien sei geschwiegen, aber daß die Kaiserlichen in katholischen, sogar oesteri'eichen Ländern selbst übel gehaust , kann ebenso sicher nachgewisen werden. Die Form die „Kaiserischen*' kommt in den Schriften des 17. Jhds. häufiger vor als die „Kai- serlichen.** Luther, Seb. Frank, Paracelsns, Fronsperger haben „Kaiserisch.'* Vgl. Hildebrand im DW V 42. 9 Auftrit VI: Weil ihn die höllische Salbe thät schützen — Nein es ist die Salbe vom Hexenkraut — Unter Zaubersprüchen gekocht und gebraut. Es gab keine andere Hexensalbe als die die Hexen bei irer Fart zum Kamin hinauß durch die Lüfte zur Versammlung anwandten d. h. ire Ofehgabeln und Besen damit bestrichen. Schiller irrt sich hier. Er wußte villeicht etwas von der Waffensalbe, die aber hieher ganz und gar nicht paßt, für deren Erfinder der berühmte Paracelsus galt. — Außer den Ofen- gabeln, Besen bestrichen die Hexen ire Füße und Achseln. Die Salbe hieß unguentum Pharelis und ward gemacht aus dem Fett ermordeter, ungetaufler Kinder, ex merobris, sagt der Hexen- hammer, pueromm, interempterum ab eis ante baptismom. Der 36 Teufel bringt die Salbe gewönlicb. Vgl. J. V. Zingerles Barbara Pnchlerin, die Samthaler Hexe n. 8. w. Innsbruck 1858 S. 7. 8. 19. 40. Rochholz II 173. 10 Auftrit III: Die Kroatenscene erinnert lebhaft an an- liehe Straßenbilder nach der Eroberung Wiens durch Windisch- gräz a. 1848. Wie nüchtern und gemein nemen sich die zwei Soldaten nach der Einäscherung Magdeburgs aus, die uns der oben gen. Nicklas Müller vorfürt. — Zweiter Soldat: Sapperment, da bat man nicht genug zugreifen können; da ist das Silber und Gold nur gefloßen! Erster Soldat: Ich wollt' daß die Leipziger u. s. w. Zweiter Soldat: Hast du denn gar nichts dayongeträgen? Erster Soldat: Ein einziges ledernes Beutelchen mit einigen Gro- schen, das ich einem halbverreckten (!) Kerl aus den Rippen jagte, und ein Paar ßrostkrappen ist der ganze Bettel und das kostete mich noch mehr Mühe, als der ganze Quark Werth ist Zweiter Soldat: Wie so? Erster Soldat: Ei das Weib, so sie an- hatte, war schwanger und heulte und rang die Hände, daß mir alle Gedult verging, ich wollte die Krappen geschwind abreißen, allein der Leib war so aufgedunsen u. s. w. ich nahm also mein Messer heraus und schnitt ihr die Schnüre und den Bauch zugleich von einander — da log die Kuh und das Kalb und ich nahm die lumpichten Krappen!^' Etwas zuzufügen ist unnötig! Und doch will ich es tun. Der Hauptinhalt gilt Gustav Adolf, aber auch Wal- lenstein figuriert in zwei längern Auftritten. — Am Schlüsse der Vorrede heißt es: Indessen glaube ich denn doch unbefangenen Lesern damit einige frohe Stunden zu machen, und einem beßcni Dichter als ich bin Stoff zu einem vollkommenen Werke gelifert zu haben. — Und dies verdient doch einigen Dank.'' Schiller nam bekanntlich von den „Wallenstein- Dichtern,'^ deren es merere kurz vor im gab, keine Notiz. 11 Bei dem Anachronismus der Allongeperiicke Questenbergs im Lager und bei der Erwänung des Telegraphen^ was hier der BlizableUer eigentlich ist zu Eingang der Piccolomini, welche Verstöße gleich unwichtig sind wie Itzehoe: Mußjö und durchauß nicht stören, fallen mir die folgenden Zeilen bei Müllner, ein den Anachronmnus des Kostüms im Lager betreffend. 12 „Ich will es mir, den Schauspielerinnen zu gefallen, gefallen laßen, daß der Begriff des Kostüms auf die Tracht beschrankt werde; aber man muß mir dagegen erlauben, den Begriff noch weiter zu be- schränken, indem ich behaupte, Tracht sei nur insofeme Kostüm, als die Kunst sich irer bedient, um Orte und Zeiten zu charakterisieren. Hat sie damit andere Zwecke im Auge z. B. Verschleierung der Nudi- täten, Augenlust an Gewandfall, Bezeichnung des Charakters, Standes, Allers einer Person u. s. w.; so muß ich bitten, daß Tracht den Namen Tracht behalte und nicht mit dem Kostüm vermengt werde, mag sie auch von den Namen: Kleidung, Drapierung, Maske, Ordenskleid, Uni- furni, Modetracht u. s. f. den einen oder andern sich zueignen. Es kommt mir immer vor, als wüßten die Leute nicht recht, was sie sagen, wenn ich in Bezug auf Wallensteins Lager von den viekrki 37 Kostümen reden höre. Ich mag in diesem Gedicht nur ein Kostüm, das des dreißigjährigen Krieges und kann es hier durchaus nicht ver- tragen, wenn der Bauer von Anno 1500, der Dragoner von Anno 1750 und die Markedenterin von Anno 1805 ist. Ja, es würde mir alsdann viel lieber seyn, wenn sie alle zusammen in dem Kostüm von 1814 er- schienen, wie die Krieger in des Epimenides Erwachen. Dieses Eine Kostüm ist inzwischen ein ^ett-Kostüm, was ich von dem Begriff eines Orto-Kostüm zu unterscheiden bitte. Dieses kann, in einem Stück, wo die Personen aas verschiedenen Ländern zusammenkommen, sehr manig- faltig seyn, und dennoch in jenem zur Einheit werden. Beiderlei Ko- stüme nun nenne ich historisch und geographisch korrekt, wenn sie so dargestellt sind, wie sie an einem gewissen Orte zu einer gewissen Zeit wirklich vorhanden waren, oder noch vorhanden sind.'' Almanach für Privatbühnen. Zweites Bändchen auf das Jahr 1818. Herausgegeben von Adolf Müllner. Leipzig, bei Georg Joachim Göschen. S. 339 ff. (Ein Artikel aus Müllners Theater- Wörterbuch: Kostüm.) ABirlinger Volkstümliches, Sagen, Bräuche u. s. w. VII Ans: Christouh v. Schmids „EriDnernDfiren aas meiDem i eben'*. Augsburg 1853—1857. 1 In uralten Zeiten befand sich da, wo jetzt die Stadt [Dinkelsbübl] steht, nur ein einziger Bauernhof. Einer der Besitzer, der hier zuerst Dinkel baute und deshalb Dinkelbauer genannt wurde, viele Taglöhner hatte und sehr reich und sehr fromm war. erbaute hier eine Kapelle und ein kleines Kloster und bat den Orden der Karmeliten davon Besitz zu nehmen. Einige Ordeus- geistliche begaben sich dabin und hielten von nun an hier Gottes- dienst. Viele Landleute aus entfernten Gegenden, wo noch keine Pfarreien errichtet waren, erschienen an allen Sonn- und Feier- tagen dabei und da sie hier noch vielen guten aber unange- banten Boden fanden, so machten sie sich hier ansäßig. Es ent- stand nach und nach ein großes Dorf und zuletzt die Stadt. Wegen des Dinkels, der hier reichlich gedeiht und des Bühls oder Hügels, an dem sie Hegt, wurde die Stadt Dinkelsbühl genannt. Sie führt deshalb auch drei grüne Hügel mit drei goldenen Dinkelähren im Wappen (HI 1 — 2). ^ In einer Mauer des Klosters [der Karmeliten] gegen den Garten hin stand in einer Nische eine Statue mit Farben bo- malt, einen Bauer in uralter Tracht vorstellend. Über dem Bilde war in Stein eingehauen die Aufschrift zu lesen: ,, Dinkelbauer''. Unter dem Bilde stand der Reim; yyDas Kloster und die Stadt Von mir den Namen hat." (HI 15). 3 Von Gespenstern erzählte sie [Schmids TanteJ unter 38 anderm, eine alte Bürgersfrau sey einmal Abends in der Kirche eingeschlafen und aus Unachtsamkeit des Kirchenhüters in der Kirche eingesperrt worden. Als die Frau gegen Mittemacht er- wachte, habe sie eine Prozession, eine Reihe Heiligenpfl^er in alter Tracht und rothen Mänteln, auch einige Geistliche in schwarz^i Mänteln durch die Gänge der Kirche, sehr traurig und niederge- beugt, nmherwandeln sehen; ohne Zweifel weil sie die ihnen anvertrauten Ämter nicht treu und redlich verwaltet hätten, und nun dafür büßen müssen *). (I 33 — 34). 4 Die Tante behauptete ferner, zu heiligen Zeiten lasse sich um Mitternacht das sogenannte Kornmännchen auf dem Korn- boden der Stadt [Dinkelsbühl] hören, indem es mit großem Ge- tose einen Handkarren hin und her schiebe ^); in den geräumigen Kellern des Spitals, die an Weinhändler verpachtet waren, höre man in solchen Nächten einen Küfer laut und heftig klopfen und schlägein ^); an allen öffentlichen Brunnen der Stadt gehe das Gespenst, eine Weihsperson heulend und jodelnd umher, weil sie vor vielen Jahren ihr Kind in einen Brunnen geworfen habe ^). (I 34). 5 Noch viel größer als vor Gespensten war die Furcht der guten Base vor Hexen. Ihr damals fast allgemein herrschender Aberglaube war in dieser Hinsicht grenzenlos. Sie glaubte, ein Weib, das eine Hexe sey, könne sich in jede beliebige Ge- stalt verwandeln, ja sich so klein machen, daß sie durch das Schlüsselloch in eine Stube hereinschlüpfen könne; sie könne zur Nacht durch den Kamin hinausfahren, und auf einem Besenstiel hoch durch die Lüfte auf den Blocksberg reiten ^). Die Tante hatte manches bissige als bösartig verschriene Weib in der Stadt im Verdacht der Hexerei. Als ich einst als ein kleines Knäblein mit der Tante an einem Bäckerhause vorbeikam, flüsterte sie mir sehr leise in das Ohr, sie vermuthe, die Katze, die eben vor dem Fenster auf dem Bäckerladen an der Sonne lag, sey die Bäckerin, die sich so verwandelt habe, um sich recht bequem zu sonnen ^). Am Abende vor der Walburgisnacht, sagte sie vertraulich und geheim zu mir, sie möchte in dieser gefährlichen Nacht, Jn der alle Hexen ausfahren ''), doch ruhig und ohne Furcht und Ängsten schlafen. „Sei also so gut", bat sie mich, „und stelle des Vaters Degen so auf dem Küchenheerde auf, daß die Spitze hinauf gegen den Kamin gekehrt sey. Dann wagt es nicht leicht eine Hexe durch den Kamin herabzufahren und durch das Schlüsselloch in meine Kammer zu kommen, und mich in die Füße zu zwicken, wie es mir schon oiumal eine gemacht hat ^)" Ich lachte über diese Thorheit. Allein sie bat mich dringend, es doch zu thun und versprach mir einen Groschen : ich solle aber keinem Menschen, am wenigsten dem Vater ein Wörtlein davon sagen. Ich that, was sie verlangte. Am folgenden Morgen sagte sie zu mir sehr erfreut : „Alles ist glücklich abgelaufen! Du darfst mir aber glau- 39 ben, daß ich mit erschrockenem Herzen in die Küche gegangen bin; ich fürchtete es könnte sich dennoch eine Hexe durch den Kamin herein gewagt, und sich dann an dem Degen angespießt haben. Gottlob, daß es nicht geschah ! da hast du den ver- sprochenen Groschen/' Alle Vorstellungen meines Vaters gegen die abergläubischen Einbildungen der Tante waren vergebens. Allein daß sich ein so unsinniger Aberglaube in ihrem Gehirne so fest gesetzt hatte, kam daher, daß vor vielen Jahren, da die Tante noch ein Kind war, in Dinkelsbühl eine Hexe verbrannt worden. Ein solch schauer- liches Schauspiel mußte auf die Gemüther einen tiefen Eindruck machen, und die Richtigkeit des Hexenglaubens bei dem Volke, bei Jung und Alt^ außer allen Zweifel setzen. Ich bekam die Akten dieses letzten Hexenprozesses, der in meiner Vaterstadt vorfiel, späterhin, als ich Philosophie studirte, zu lesen, und mir schien es handgreiflich, das traurige Opfer des Aberglaubens sey unschuldig hingerichtet worden. Keine einzige Thatsache lag gegen die Unglückliche vor; ihre freiwilligen Bekenntnisse wurden ihr blos durch grausame Foltern abgenöthigt. Sobald sie von der Folterbank befreit war, betheuerte sie allemal sogleich wieder ihre Unschuld. Ich mußte staunen, daß Männer, denen es gewiß nicht an gesundem Menschenverstände fehlte, ein solches Urtheil fallen könnten. Allein zur Ehre unserer Voreltern sey es gesagt, daß die sämmtlichen Prozeßakten, nach damaliger Reichs Verfassung, an eine Universität eingeschickt worden, und daß die juridische Fakultät das Urtheil als richtig und gi-ündlich bestätiget habe. (I 36—39). 6 Sie [Schmids Tante] wußte viele uralte Gebetreime aus- wendig, die zwar kein poetisches Verdienst hatten, den Kindern aber heilsamer waren, als die schönsten Floskeln mancher Dichter es uns hätten seyn können. Die Tante sagte uns öfter vor, und wir wußten die Reimchen, die uns sehr gefielen, bald auswendig. Ich muß doch ein Paar derselben hieher setzen: „0 heiliger Schutzengel mein, Laß du mich dir empfohlen seyn. Bewahre mich von Sünden rein, Und führ^ mich einst in Himmel ein. Maria breit dein Mantel aus Und mach mir eine Wohnung draus, Daß ich kann sicher drunter stehn. Bis alle Feind vorüber gehn." (I 31 — 32). 7 Es war Fassnacht szeit. Das Licht war bereits ange- zündet, und wir alle saßen um den Tisch. Der Vetter [Albrecht] hatte sich heimlich in das Haus geschlichen, auf dem Hausgange seinen Rock abgelegt, damit man ihn nicht kenne, eine Maske vor 40 das Gesicht genoinmen, und trat plötzlich und unaogemeldet in das Zimmer. Wir Kinder kamen vor Schrecken ganz außer Fassung, schrien laut auf und zitterten und bebten. Er nahm nun wohl die Maske lachend ab und wollte uns wieder erheitern, allein ver- gebens; jener Schrecken hatte uns zu sehr angegriffen, und jenes schauerliche Maskengesicht schwebt mir noch immer vor Augen. Während der Vetter uns zu beruhigen suchte, kam der Vater nach Hause. Er war über unser zerstörtes, blasses Aussehen betroffen, und als er vernahm, was vorgegangen war, gab er dem Vetter einen scharfen Verweis. „Ich kann es nicht ausstehen'^ sprach er, „und es ist mir, wie ich schon öfter gesagt habe, in der Seele zuwider, Kinder so zu ängstigen. Es ist sehr unvernünftig, thö* rieht und wohl eine große Sünde. Ich habe es deßhalb strenge verboten, in meinem Hause am Abende vor SL Martin und St. Nikolaus, wie leider sonst wohl noch gebräuchlich ist, den Kindern durch Schreckbildern Furcht einzujagen*' *). (I 47 — 48). 8 Das Weihnachtsfest machte er [Schmids Vater], sowie die Mutter, nach uralter Sitte zu einem großen Freudenfeste für uns Kinder. noch immer erinnere ich mich jener seligen Augen- blicke ! Wir Kinder erwarteten, in eine dunkle Kammer gewiesen, was das „Christkindlein'* uns beschert habe. 0, welche Freude, welches Entzücken, wenn wir im Glänze der vielen Lichter die Weihnachtsgeschenke, auserlesenes Obst, Konfekt und Marzipan, allerlei Spielzeug, Kleidungsstücke und schön gebundene, einige sogar mit Gold gezierte Bücher erblickten ^^). Auf ähnliche Art wurden wir &m Osterfeste mit Ostereiern und Kuchen heacheukt ^^). Auch am Pßngstfeste gab es Waffeln und Hohlhippen, und wenn das Fest später fiel uud die Jahreszeit günstig und warm genug gewesen, die ersten Beeren oder Kirschen. (I 5 — 6). 9 In den Weihnachtsfeiertagen mußten wir die Weihnachts- geschenke und zu Ostern die Ostereier bei ihr [Schmids Tante Katharina] abholen, wo wir allemal reichlich bewirthet wurden. (I 40). 10 Einige Male des Jahres lud sie [Schmids Großmutter] alle ihre Enkel zu einem Abendessen ein, besonders auf die 3fartinsganSy wo sie uns alle, Kinder und Altern, sehr reichlich bewii-thete, und wir alle sehr heiter waren **). (1, 29). 11 An höheren Festen bekamen alle Angehörigen des Spi- tals [für Bürger in Dinkelsbühl] bessere Speisen; an Weihnachten Weihnachtsgeschenke an Eßwaaren; an Ostern Osterknchen und Ostereier und dergleichen mehr. (III, 6). 12 Das Ganze [die Weilmachtshrippe in der Pfarrkirche zu Dinkelsbühl] stellte eine angenehme Landschaft vor, einen breiten Berg mit vielen Absätzen und Seitenwegen und zu oberst die Stadt Bethlehem; unten war eine große Felsenhöhle, in der Christus geboren wurde und das umgebende Thal zu sehen. Die Peisonen waren zwar angekleidet, jedoch mit Geschmack. Köpfe 41 and Hände waren von einem trefflichen Bildhauer ganz nach der Kunst gearbeitet und von einem ebenso kunstreichen Maler übei*- nialt. Die ganze Jugendgeschichte Jesu wurde so nach und nach vorgestellt. Das Kind Jesu in der Krippe, Maria und Joseph und dabei die anbetenden Hirten, die hl. drei Könige, die Flucht nach Aegypteu und zuletzt der zwölfjährige Jesus im Tempel. Die An- ordnung der Scenen war einem in seiner Art sinnreichen Manne anvertraut, der fast täglich eine Veränderung anzubringen wußte, womit er die Zwischenbegebenheiten der Hauptgeschichten aus- füllte. Am Abende vor der heiligen Nacht z. B. war der Stall noch leer, und zwei Engel waren da und kehrten die Spinnen- gewebe ab; in der heiligen Nacht erblickte man das Kind Jesu, Maria und Joseph in der Felsenhöhle, und seitwärts die Engel und die Hirten; am Tage selbst waren indessen die Hirten her- beigekommen, das göttliche Kind anzubeten; in der Folge sah man Hirtenknaben und Hirtenmädchen mit ländlichen Geschenken, einem Lamm oder einem Paar Täubchen, mit Eiern oder Früchten der Krippe zueilen. Bevor die hl. drei Könige kamen, ließen sich die Yorreiter und Läufer sehen; hierauf erschienen die hl. Könige alle drei zu Pferd; endlich waren sie dargestellt kniend vor dem göttlichen Kinde und ihre Geschenke überreichend; ihr zahlreiches Gefolge füllte das ganze Thal umher. Ich bin zu keiner Stunde des Tages durch die Kirche gegangen, ohne daß ich Leii^te, he- sonders Mütter und Kinder sowohl katholischer als evangelischer Gonfession vor der Krippe stehend bemerkt hätte. Der würdige Stadtpfarrer b et heuerte, vorzüglich aus Liebe zu den Kindern habe er auf diese Krippe so Vieles verwendet. „Diese für uns heil- bringenden Geschichten^, sagte er, „werden so den Kindern aufs Beste anschaulich und unvergeßlich gemacht. ** j^Und wie viele Erwachsene sind in dieser Hinsicht noch Kinder!" sagte mein Vater ^^). Zur Zeit der Fasten fanden wieder andere Gebräuche und Anordnungen statt, dem Volke die Begebenheiten aus der Geschichte Jesu zu versinolichen. An jedem Donnerstag wurde während dieser Zeit an einem andern Orte der Pfarrkirche eine Bühne errichtet mit sehr schön gemalten Oel- und Palmbänmen, den Oelgarten vorstellend. Dieser schöne Garten zur rauhen Jahres- zeit grünt jetzt noch in meiner Erinnerung. Jesus, im Garten kniend, wurde vorgestellt, freilich nur durch eine gekleidete Statue in sanftrot hem Gewände und dunkelblauem Mantel; das Angesicht war aber sehr ehrwürdig und anmuthig und von hellen Strahlen umgeben. Oben in den Wolken erschien der Engel — ein Knabe, der ein guter Sänger war und ein Trost- lied sang. Dreimal neigte Jesus sein Angesicht bis zur Erde und jedesmal wurde dann mit der giößten Glocke ein Zeichen gegeben. Während Jesus auf dem Angesichte lag, las der Pfarrer ein kurzes Gebet vor. An dieser Vorstellung war in Hinsicht der Kunst allerdings Vieles auszustellen: allein dem Volke, das nichts von 42 Aesthetik wußte, fiel keine solche Kritik ein. Die Kirche war ge- drängt voll Menschen, Katholiken und Protestanten. Alle heteten in der Stille mit oder hörten wenigstens andächtig zu. Da an allen Donnerstagen Ahends das ganze Jahr hindurch ein solches Glockenzeichen gegeben wurde, auf das alle Angehörigen der Pfarrei knieend zu beten pflegten, so konnten sie sich die Angst Jesu am Oelberg um so lebhafter vorstellen und ich erinnere mich noch wohl, daß wir Kinder das uralte Gebet in Reimen mit großer Andacht beteten, welches, alten kräftigen Holzschnittmi ähnlich, uns sehr zu Herzen ging und das ich hierher zu setzen keinen Anstand nehme: du mein liebster Herr Jesu Christ Traurij( an Oelberg p^egangen bist: Denn Du erkanntest in Deinem Herzen, Daß Du mußt leiden große Schmerzen. Den Vater batest mit Begier, Daß Er nehm' diesen Kelch von Dir. Du sprachest: „0 liebster Vater mein Nicht mein Will' geschch', sondern der Dein!" Wie Du in Angst also hast gebeten, Da ist ein Engel zu Dir getreten, Vom Himmel wurde er bemerkt, Der Dich in Deiner Schwachheit stärkt. Die Todes Furcht sehr auf Dich drang. Zum drittenmal zum Beten zwang. Vor Todesangst ward Dir so heiß. Daß Dir ausging der blut'ge Schweiß. Und als Du solche überwunden. Hast Deine Jünger schlafend gefunden. Als sie vor Traurigkeit da lagen, Tbätst Du mit großer Liebe sagen: „Wachen und beten sollet Ihr, Daß keine Versuchung Euch verführ!" Jesu Christo Du höchstes Gut! Ich bitte Dich durch Dein theures Blut Und durch Dein dreifaches Gebet, Wann solche Anj^st auch auf mich geht. Und auf mich fällt des Todes Pein, Daß ich auch setz' den Willen mein In Deinem Willen allezeit Bis ich mein Fleisch auch überstreif Und wenn ich werde schwach und zaghaft. So hilf mir Gott in Deiner Kraft. 43 Daß ich nicht mit den Jüngern Dein In Versachung werd geführet ein, In Glaub, Lieb', Hoffnung standhaft bleib, Bis sich meine Seele scheidt von dem Leib. In der Chartvoche, am Charfreitage und Gharsamstage wurde der Leichnam Jesu im Grabe liegend vorgestellt. Das Grabmal war in den Kirchen der Karmeliten und Kapuziner in einer Neben- kapelle sehr prächtig errichtet und mit Glaskugeln geziert, hinter denen Lampen brannten. Die Glaskugeln waren mit durchsich- tiger Flüssigkeit gefüllt und warfen den lebhaftesten rothen, blauen, gelben und grünen Glanz von sich. Beinahe die ganze Bevölke- rung der Stadt war in Bewegung, um, wie man zu sagen pflegte, die heiligen Gräber zu besuchen; auch sehr viele Protestanten fanden sich dabei ein. In der Hauptkirche waren jedoch keine so glänzenden Kugeln zu sehen. (III 19 — 24). 18 Nicht nur große Begebenheiten der heiligen, sondern auch merkwürdige Ereignisse der weltlichen Geschichte wurden durch eigene Vorstellungen oder Feste itn Andenken des Volkes erhalten. So wurde das Entstehen der Stadt und des Klosters, das dazu Veranlassung gab, jährlich am Hauptfeste der Karmeliten gefeiert. Zwei Kinder, ein Knabe und ein Mädchen wurden in alterthümlicher Bauemtracht, aber sehr nett und zierlich, als Dinkelbauer und Dinkelbäuerin verkleidet; der kleine Dinkelbauer mit grauem, spitzigem Hute, brauner Jacke, rothem Brustlatze, grünem Hosenträger und weiten, schwarzen Pumphosen: die Din- kelbäuerin mit dem eigenthümlichen Kopfputze uralter Zeit, weißen Hemdärmeln, scharlachrothem mit Gold- und Silberketten ver- ziertem Mieder, weißer Schürze und einem langen schwarzen Bocke ringsum mit Bändern von allerlei Farben verziert. Der Bauer hatte auf seinem Hut« ein Sträußchen von Dinkelähren und in der Hand einen Dreschflegel. Der Kopfputz der Bäurin war mit rothen und blauen Kornblumen geschmückt und in der Hand trug sie eine Sichel und an dem Arme ein niedliches Körbchen mit Konfekt, von dem sie ihrem Bauern von Zeit zu Zeit mit- theilte. Beide Figürchen wurden auf einen kleinen Triumphwagen gesetzt und durften von sechs Waisenknaben gezogen bei der feier- lichen Prozession mitfahren. Das Landvolk, das zu diesem Feste zahlreich herbeiströmte, hatte an dieser Vorstellung, oder, wenn man will, an dieser Spielerei großes Vergnügen. Die Bauerleute freuten sich, daß man einen Bauer so ehre und fühlten sich mit- geehrt. Man verstand sich damals sehr wohl darauf, was Leute freue und das Volk zufrieden und vergnügt mache. Ein weises Wort dürfte wohl auch hier seine Anwendung finden: „Ein tiefer Sinn wohnt in den alten Bräuchen." Mir und nach mir allen meinen Brüdern wurde die Ehre zu Theil, den Dinkelbauer vor- xosiellen; ein Fräulein aus dem Deutschordischen oder einem 44 andern ansehnlichen Hause machte die Dinkelbäuerin. Ich muA lächeln, während ich dies niederschreibe. Ich erinnere mich näm- lich, daß auf den zwei Bändern meines bäuerischen Hosenträgen die zwei Buchstaben gestickt waren D. B., Dinkel Bauer. Ein lustiger Karmelit sagte: ,,Die zwei Buchstaben bedeuten: Du Bär.*' Ich war über diese Auslegung sehr aufgebracht nnd vertheidigte den rechten Sinn. Alle Anwesenden waren über meinen Eifer sehr ergötzt und gaben mir zu meinem großen Vergnügen am Ende Recht. ihr glücklichen Zeiten der Kindheit. Das Friedensfest, welches man nach dem schrecklichen drei- ßigjährigen Kriege alljährlich zu feiern pflegte, wurde sowohl yon der katholischen als evangelischen Bürgerschaft auch zu einem Freudenfeste für Kinder gemacht. Die Katholiken feierten dieses Fest blos in bescheidener Stille in Kirche und Schule und sa Hause mit einer reichlicheren Mahlzeit. Für die evangelischeD Kinder wurde nach dem dazu angeordneten Gottesdienste ein feierlicher Umzug veranstaltet. Die Kinder sowohl der deutschen als lateinischen Schulen waren militärisch in Gompagnien einge- theilt und zwar nach der Art ihres Fortgangs in der Schale. Der Knabe, welcher in der obersten lateinischen Klasse der Erste geworden, ritt als Oberst gekleidet mit bloßem Degen voraus — eine Ehrenstelle, die keinen geringen Wetteifer im Lernen bewirkte. Die Mädchen waren alle weiß gekleidet und trugen Blumen in den Händen. So zogen alle hinans zur Schießstätte, einem großen Rasenplatze mit schattenreichen Linden. Hier waren viele Zelte mit Erfrischungen aufgeschlagen. Auch jetzt findet sich bei die- sem Feste, unter dem Namen Kinderzeche in der ganzen Gegend bekannt, von weit und breit her eine unzählige Menge Menschen ein. (III 27—28). 14 Zur Zeit des deutschen Reiches war es gebräuchlicb, dem Kaiser, wenn er in eine Reichsstadt kam, immer von dem Vorzüglichsten, was die Stadt hervorbrachte, ein Geschenk zu machen. In Dinkelsbühl standen vor der Thüre des Hauses, wo er seine Wohnung nehmen wollte, allzeit zwei große Kufen voll Fische bereit. Die höchsten und hohen Herrschaften mit ihrem Gefolge aßen davon und schenkten den Rest den Kapuzinern der Stadt. (III 8). 15 Der Magistrat — [von Dinkelsbühl] ich rede hier vor- erst von der katholischen Religion — erschien an jedem Sonn* und Festtag in dem Hocharate, Bürgermeister und Senatoren in schwarzen seideneu Mänteln, der Rechtsconsulent in einem schar* lachrothen, der Stadtphysikus, so viel ich mich erinnere, in grü- nem Mantel. Sie hatten in den Chorstühlen zu beiden Seiten des Hochaltars ihre Plätze. (III 9). 16 Ein großer Bauernhof, eine halbe Stunde vom Dorfe fNassenbeuern] entfernt, gehörte in die Pfarrei. Eine kleine aber schöne Kapelle stand dabei. Der Bauer ersuchte mich, wöcheai- 45 ich eiDmal die heilige Messe da zu lesen, was ich auch gerne that. Einst ließ er eine große, neue Scheuer bauen. Am Abende, ehe man den Bau aufrichtete, kam er zu mir und bat mich, Morgens früh um 5 Uhr eine heilige Messe zu lesen, bei der alle seine Leute auch der Zimmermann mit seinen Gesellen Gott bitten wollten, daß Alles glücklich von Statten gehe. Er wünsche auch sagte er, ich möchte den ganzen Tag bleiben; denn wenn, was Gott verhüten wolle, — ein Unglück geschehe, so wäre denn so- gleich ein Geistlicher zur Hand. Zu Mittag aßen die Zimmer leute, Vater, Mutter und Kinder an einer langen, ländlichen Tafel, die im Garten aus einem paar Bretter errichtet war. Die Bäuerin wollte für mich in dem Hause besonders decken. Ich sagte aber, ich wolle mit ihnen gemeinschaftlich essen, was allen sehr lieb war. Alle waren sehr fröhlich und benahmen sich sehr anständig. Auch ließ sich manches erbauende Wort anbringen. — Gegen Abend stand der Bau aufgerichtet. Ein Zimmergeselle steckte ein grünes Tannenbäumchen mit rotheu Bändern geziert auf den Giebel, und hielt dann dem Herkoromen gemäß seinen Zimmer- mannsspruch. Er dankte vor Allem Gott, daß der Bau gelungen und Alles ohne einen Unfall abgelaufen, und bat Ihn, die neue Scheuer alljährlich mit seinem Segen zu füllen. Er trank dann auf das Wohl der geistlichen und weltlichen Obrigkeit, auf das Wohl des Bauherrn und sämmtlicher Arbeitsleute. Auch meiner wurde gedacht mit den Worten: ^Es lebe der Herr Hof -Kaplan allhierl^ Allen gefiel dieser mir gegebene Titel und sie stimmten freudig in das Lebehoch mit ein ^*). (III ?2 — 73). 17 Einmal fand ich bei Tische [in NassenbeuernJ in einem Rehbraten einige Schrotte. Der Pfarrer sagte, ich sollte sie auf- bewahren. Die Jäger pflegen sie Treffer zu nennen, und ich könne ihnen damit ein sehr werthes Geschenk machen. (III 91). Aus: Justinus Kemers „das Bilderbuch aus meiner Knabenzeit", Braunschweig, 1849. 1 Aus dem Ziehbrunnen im Hofe, sagte man mir, [Justinus Kerners Bruder GeorgJ werden die Kinder geholt *^). (38) Ich [der eben genannte Bruder J. Kerners] sah ihn [seinen Großvater] nun in den unteren Zimmern des Hauses in der Bahre, eingehüllt in das weiße Leichentuch, eine Gitrone in den gefalteten Händen, auf dem Kopfe eine weiße Mütze mit Schleifen "). (39) 2 An den Abenden, wo uns das Christgeschenk zu Theil wurde, das oft sehr reichlich in seiner hellen I3eleuchtung ausfiel, wo alles sich der Freude hingab, setzte sich mein Vater gemeiniglich im einsamen Zimmer in seinen Lehnstuhl und war sehr traurig. (116). 46 3 Zar Osterzeit legte in dem angebauten Theile dieses Gartens [beim Rathhause In Lndwigsburg] in dem mit Bucbsbaum umgebenen Biumenländem der Haase ein, worin die bnnten Eier den Kindern zum Suchen versteckt waren, ja, diese Freude er- streckte sich noch in einen benachbarten Garten des schon früher berührten Dekans Zilling "). (S. 124—125). 4 Besondere Gefühle von Verlassenheit und Trauer wan- delten einen in den vielen langen und menschenleeren Alleen der Stadt [Ludwigsburg] an. So hatten auch die großen verlassenen Räume des Schlosses und namentlich die Gegend des Corps de Logis etwas Unheimliches, Gespensterhaftes. Im Corps de Logis war das Gemach, in welchem Herzog Carl Alexander starb, von dessen Tod allerlei unheimliche Sagen gingen. Hier war es auch, wo in späteren Jahren die Schildwachen in der Nachtzeit mehr- mals wie von einer unsichtbaren gewaltigen Hand gepackt und über die Balustrade am Schlosse geworfen wurden. Auch waren mehrmals diese Wachen genöthigt die Posten zu verlassen, um auf der Schloß wache Anzeige zu machen von Lärmen und Tönen, als gingen Menschen die Treppen und Gänge auf und ab, wobei sie Schlüsseln rasseln und Thüren auf und zu gehen hörten. E^ wurden mir diese Vorfalle von einem damals wachhabenden Offi- ziere, der im Augenblick in Begleitung seiner ganzen Mannschaft Untersuchung darüber anstellte, selbst erzählt und versichert, daß er weder einen Betrug gefunden, noch eine natürliche Ursache erforscht habe, woher das von ihm angehörte nächtliche Unwesen hatte kommen können. Einen Soldaten, der auf seinem Posten dort einmal nächtlich gepackt und über die Balustrade gegen die Gruft hinabgeworfen wurde, sprach ich selbst einmal über diesen Vorfall. In diesen gespenstisch gewesenen Theil des Schlosses wurden in späterer Zeit die Geschäftszimmer aufgeklärter Re- gierungsherrn verlegt, wo wohl bald sieghaft deren Geist diesen abergläubischen Spuk zum Wohle der Aufklärung vertrieb. (S. 143—144). 5 Marder und Iltisse gab es in den alten Gängen und Mauern des Klosters [Maulbronn] in Menge; auch diese wußte er [Mathias, der Kutscher von Kerners Vater] geschickt zu fangen und sich ihres Pelzes zu bemeistern. Weniger ließ er sich zum Fangen unedler Thiere, namentlich der Ratten, bewegen, und ich weiß Mondscheinnächte, wo man diese Thiere aus einem Keller- loche des Oberamteigebäudes in einer langen schwarzen Procession, eine hinter der andern, über die Straße zu dem benachbarten Brunnen, dort zu Stiufen, langsam ziehen sah. Mathias hatte vor solchen einen wahren Respect, er wollte nie gegen sie zu Felde ziehen oder Fallen stellen, und gab zu verstehen, hinter ihnen könnte doch der Teufel stecken, sie seien noch von den alten Klosterzeiten her und könnten gar verwünschte Mönche sein. (161—162). 47 6 Es [Dämlich die Bibliothek des Klosters üdaulbronn] war eine hochgewölbte, übrigens nicht große Zelle, deren ßücherschatz von keiner Bedeutung gewesen sein soll. Derselbe wurde aber auch in meiner Phantasie schon ohne weitere Betrachtung von jener alten Tafel überboten, die an den Wänden jener Zelle hing und in Bildern und in Versen, in Mönchslatein, in goldenen Lettern, Stiftung und Geschichte des Klosters enthielt. Die Tafel hatte zwei Seitenthüren, wie eine Altartafel. Auf der rechten nach Außen war eine Waldwildniß abgebildet ; in sol- cher erblickte man Räuber, die Wanderer plünderten und mit Schwerdtem und Dolchen niederstießen. Auf der linken Seiten- thüre nach Außen sah man Cisterzienser in schwarz und weißen Kutten, als Bauleute beschäftigt. Einige behauten Steine und Balken, andere trugen Holz und Kalk herbei, noch andere waren in Aufführung einer Kirche be- griffen. Diese als Maurer und Steinhauer schaffenden Mönche erweckten in mir immer eine große Theilnahme, und ich wünschte stets, ich hätte mit ihnen auch so mitschaffen können. Auf der Innern Seite der rechten Thüre hielten ein Bischof und ein Ritter (Bischof Günther und Ritter Walther von Loraers- heim) die Klosterkirche, ganz im Bilde, wie sie noch ist, der ob ihnen schwebenden Jungfrau Maria hin. Darüber standen die Worte: „Laß dir dieses Opfer gnädiglich befohlen sein.^ Im Innern der linken Thüre kniete der erste Abt des Klo- sters {Diether 1148), und aus seinem Munde gingen die Worte: ,iO! Mutter Gottes, laß dir dieses Opfer empfohlen sein.^ Die goldene Schrift auf der Tafel selbst erzählte in Mönchs- latein, (das ich auf Anleitung des Professors einmal ins Deutsche, mein armer Gottfried [Kerners Freund] aber ins Griechische und Hebräische übersetzen musste), wie diese Gegend, in der nun das Kloster steht, vordem in großer Waldwildniß lag, nur von Räubern bewohnt, so daß in ihr kein Friede war, keine Glocke erklang, nur Schwerdtergeklirr und Nothruf der Beraubten und Halber- schlagenen. Da faßte der edle Ritter WaWier von Lomersheim den Entschluß, gerade in diese Wildniß ein Kloster zu bauen. Der Klang von Glocken, der Gesang ans Klosterhallen werde die Räuber ferne halten, verwilderte Herzen erweichen und Gottes Frieden in diese Gegend bringen. Mit Geldsäcken zum Baue des Klosters beluden der Ritter und Bischof Günther von Speyer einen Esel mit dem Entschlüsse, daß auf der Stelle, wo das Thier in jener Wildniß seine Last nicht weiter tragen könne, der Bau des Gotteshauses unternommen werden sollte '^). Dies geschah an der Stelle wo der sogenannte Salzbach entspringt. Ich betrachtete noch oft den viereckigen Thurm, unter dem man gleichsam wie unter einem Triumphbogen hindurcbfifthren 48 mußte, und« der über seinem Eingange den am Bacb oder Bmnnen (Maulbronn) mit seinen Oeldsacken niedergefallenen Esel in Stein geliauen zam Wahrzeichen batte. Nun wurde diese Stelle der Wildniß zum Klosterbau er- kohren. Licht wurde in sie durch Ausrottung der Wälder ge- bracht; man legte Wege an, führte mächtige Quadersteine, den Felsen entrissen, herbei. Die schönen Kreuzgänge hatten sich schon gewölbt, Mönche waren herbeigeströmt, und schon legte man den ersten Stein zum Baue der Kirche — da erschienen auf einmal die Räuber, begehrten Stillstand des Baues und erklärten den Mönchen, sie seien fest entschlossen, wenn sie nicht mit dem Baue aufhörten, alles bisher von ihnen Gebaute niederzureißen. Da trat ein schlauer Mönch zu ihnen, und sprach, sie freund- lich anblickend: 0! gebt euch doch keine Mühe mit dem Nieder- reißen ; wir selbst wollen euch geloben, das Kloster nicht auszu- bauen. Darauf ließen sich die Räuber einen Eid geben und ließen die Mönche inzwischen in Ruhe. Aber die Mönche bauten an der Kirche fort, als wäre nichts geschehen, und ließen nur im Schiffe der Kirche an einer Mauer links einen Quaderstein uuein- gesetzt und legten ihn zu Füßen der Mauer. Nun klangen die Klosterglocken weit durch die Wildniß und die Räuber, zornentbrannt, kehrten um, Rache an den eidbrüchigen Mönchen zu nehmen; diese führten sie aber an jene Stelle ihrer schönen Kirche, wo der Stein am Boden lag und oben noch einer fehlte, und sprachen zu ihnen: „Ihr sehet, die Kirche wartet noch jetzt auf ihre Vollendung und soll auf sie warten bis auf den jüngsten Tag.^^ So sahen sich die Räuber von der List der Mönche bezwungen , sie konnten sie nicht Eidbruches beschuldigen, wurden auch von der Schönheit des Baues ergriffen und bedachten sich auch wohl, daß ohne starke Beschützer all dieß von ihnen nicht hätte geschaffen werden können; man sähe sie von nun an in diesen Wäldern nicht mehr. Jener Stein am Fuße der Mauer, links von dem großen Altarkreuze, ligt noch da, und oben auf der Mauer, wo er hätte eingesetzt werden sollen, erblickt man eine zum Schwur aufge- hobene Hand von Stein, unter welcher Insignien der Baukunst: Kelle, Winkelmaß und Spaten eingehauen sind. (179 — 183). 7 Mathias, unser Kutscher, ließ es sich auch nicht nehmen, es gehe in diesen Gängen [der Prälatur des gen. Klosters] der verstorbene Prälat Weiland^ und er sei ihm einmal bei einer nächtlichen Sendung in die Prälatur begegnet, wie er in einem weißen Fracke mit schwarzen Bärtchen an ihm vorbei die Treppe herabgestiegen sei und sich dann unten in die PräUturkutsche gesetzt habe. (186—187). 8 In diesen Gängen der Prälatur, unter ihrem Dache, in ihren Zimmern und auf den Treppen, besonders der Wendeltreppe, die ins Dorment führt«, herrschte im Jahre 1659 bis 60 ein so 49 gewaltiges Spuken, daß jenes Prälaten W. einfacher Geistergang nach der Prälatarkutsche dagegen eine Kleinigkeit war. Alles, was anter dem Dache und in den Zimmern nur be- weglich war, wurde, wie von unsichtbaren Händen erhoben und spasderte zum Theil durch die Fenster hinaus in den Prälatur- garten oder in den Hof hinab. Dabei sah man es im Oarten oder dem Hofraume nicht niederfallen, sondern die Gegenstände schwebten langsam zur Erde, als wärden sie vermittebt eines Seiles oder sie noch immer hal- tender Hände niedergelassen. Oft entstand in den verschlossenen Zimmern ein entsetzliches Gerumpel, als würde ein Arm voll Holz an die Thüre geworfen; eröffnete man aber das Zimmer, so be- merkte man nichts in ihm als eine schwarze Katze, die sich aber immer während der Verfolgung verlor. Oft lief es nächtlich die Schenkentreppe hinauf, nicht anders, als ginge Jemand in großen weiten Pantoffeln. Als man meinte, es werde nun oben erscheinen, hörte und erblickte man nichts mehr, dagegen warf es nun unten im Gange die Feuereimer, die dort hingen, theils unter einander, theils stellte es sie aufrecht in eine Reihe hin. Der Prälat, er hieß Schlotterbek, verließ die Prälatur und zog in eine andere Wohnung. Auf seine Klagen sandte die Regierung eine Abtheilung Sol- daten, die Tag und Nacht in der nun menschenleeren Prälatur Wache halten musste. Früher hatten Bürger in ihr gewacht, aber, wie sie, wurden auch die Soldaten von dem Unwesen nur gefoppt und kamen auf keinen Grund. Ebensowenig brachten fürstliche Räthe, die zur Untersuchung gesandt wurden, durch weitläufige Verhöre etwas heraus. Den 15. August Nachts kam es in die Stube und dann in die Neben- stube und an das Bette, in dem der Offizier der Wache schlief, and schüttelte und rüttelte die Bettlade, so daß er vermeinte, mit derselben in die Höhe gehoben zu werden. Ein Hund, der mit ihm im Zimmer lag, sprang zum Zimmer, als würde er gejagt, hinaus. Am 17 Nachts sah einer von der Wache bei völliger Wind- stille zum Laden hinaus, kaum aber hatte er den Kopf wieder hereingezogen, schlug es den Laden wieder mit solcher Gewalt zu, daß er in Stücke zersprang. In einer andern Nacht zwischen 12 und 1 Uhr entstand in mehreren Gemächern der Prälatur ein furchtbares Gepolter. Der auf der Wache stehende Soldat Brinkh eröffnete das Gemach, von wo aus die Töne gingen; da war es ihm aber, als fahre etwas mit großem Ungestüm zum Zimmer hinaus, und es fing auf einmal ein solches Poltern und Krachen an, als würde ein großes Stück ▼om Dache abgehoben und in den Garten hinausgeworfen. Als BirUiig»r, Alemumift Vin l 4 50 man Morgens das Dach antersachte, fand man an ihm nichts verletzt, auch nichts im Garten liegen. Von einer andern Nacht gab einer der wachthabenden Sol- daten an: Als er vor des Prälaten Gemach Wache gehabt, sei etwas die Schneckenstiege heraufgerauscht; er habe nun nachgesehen, was es sei. Da habe er ein langes weißes Ding (so war sein Ausdruck) erblickt. Als er der Schneckenstiege zugegangen, und es genau habe ▼isitiren wollen, sei es auf einmal zu einer runden Kugel geworden, die in die Stiege hinabgefahren. Oft legte es sich auf die Soldaten im Schlafe, ging schwer, und es war ihnen, als drückte ihnen eine schwarze Gestalt mit beiden Daumen fest aufs Herz. Am öftesten weckte es die Soldaten und auch die andern Bewohner unter der Gestalt einer schwarzen Katze, die aber größer, als eine gewöhnliche Katze und hinten höher als vorn war. Die Regierung setzte einen Preis von 40 Fl. auf die Hab- haftwerdung dieses gespenstigen Thieres, aber nie konnte es ge- lingen, immer entwischte es. Diese Geisterkatze wurde meistens, nachdem irgend so ein Spuk geschehen war, sogleich gesehen '^). (189—192). 9 In einer Ecke des Gartens [des Klosters Maulbronn] der hinter der Prälatur und den Kreuzgängen lag, war an die Kloster- mauer ein Thurm angebaut, den man den Fauststhurm hieß; denn er diente einst dem berühmten Dr. Faust zum Liaboratorium und Aufenthaltsorte. Der Abt Johannes Entenfufi war ein besonderer Freund Fausis und räumte ihm bei Besuchen diesen Thurm zur Wohnung ein; daß war im Jahr 1516. Entenfufi und Faust waren in dem nahen Städtchen Knitt' Imgen geboren. Ein Zeugniß, daß Fausi:s Geburtsort KnUtlmgen war, gab Melanchthan in seinen Tischreden mit den Worten: „loh habe einen gekannt mit Namen Faust von Knittlingen, einer Stadt in der Nähe meiner Vaterstadt (Bretten). Er hatte auf der Schule zu Krakau die Magie gelernt, schweifte überall herum nnd lernte viele Geheimnisse. Er wollte sich lu Venedig sehen lassen und sagte: er wolle gen Himmel fliegen. Der Teufel aber zog ihn herab und gab ihm einen solelien Stoß, daß er auf die Erde sturste und fast gestorben wäre; doch starb er nicht. Vor wenigen Jahren saß dieser Johannes Faust gar traurig in einem Dorfe. Der Wirth fragte ihn: warum er gegen seine sonstige Art und Weise so traurig sei. Er sagte : Laß' dich heute Nacht nicht erschrecken. Um Mitternacht nun bekam das Hans einen Stoß. Als Morgens Faust nicht aufstand und m fini sohoq 51 Mittag war, ging der Wirt in sein Zimmer und fand ihn neben dem Bette auf dem Gesichte liegen; und so hatte ihn der Teufel getödtet. Er hatte, so lange er lebte, einen Hund bei sich, wel- cher ein Teufel war.* — Es ist Schade, daß Melanchthon das Dorf nicht benannte, in dem Faust sein tragisches Ende gefunden haben soll. Zu Maulbronn sagte man nicht anders, als daß ihn der Teufel auch in jenem Thurme seines Freundes, des Abts Johannes Entenfuß^ geholt habe. »>) (192—194). 10 Man sagt, auf diesem Berge [dem St. Michaelsberge in der Gegend von Brackenheim] habe der heil. Bonifazius mit dem Teufel einen Zweikampf gehabt, in welchem ihm der Engel Michael zu Hülfe gekommen; dabei habe der Engel eine Feder ans seinem Flügel fallen lassen, dieser habe der Heilige dann eine Kirche gestiftet und zu Ehren Michaels eingeweiht. Die Feder, die lange Zeit in der Kirche bewahrt wurde, soll zur Zeit der Reformation von da weggekommen sein; man sagte, es habe sie ein alter Stadtschreiber aus Stuttgart, der von der katholischen zur Intherischen Kirche übergegangen, heimlich an sich gezogen. Ver- gebens baten die Mönche des Berges bei Herzog Ulrich um die Bestrafung des Stadtschreibers und die Zurückgabe der heiligen Feder; sie erhielten keine Genugthuung. Darob in 2iOm ent- brannt habe der Erzengel Michael die Strafe der Vielschreiberei über Würtemberg ausgeschüttet. «0 (212—214). Stockerau in Niederösterreich CMBlaas Noten: 1) Vgl. Volksihüml. I, 800. 2) Vgl. Volksthüml. I, 39. 3) Vgl. Volksthüml. I, 66-68. 4) Vgl. Volksthüml. I, 62—63. 6) Vgl. Volksthüml. I, 307. 6) Vgl. Volksthüml. I, 326-327. 7} Vgl. Wuttke, Volksabergl. 74. 8) Vgl. Wuttke, Volksabergl. 92. 9) Vgl Volksthüml. II, 1—5. 10) Vgl. Volksthüml. II, 9. 11) Vgl. Volksthüml. II, 81. 12) Vgl. Aus Schwaben II, 132—134. 13) Vgl. Aus Schwaben II, 10—11. 14} Vgl. Volksthüml. 447 B, fif. 15) Vgl. Volksthüml. II, 140-141. 16) Vgl. Friedreich, Symb. u. Myth. d. Nat. 240. 17) Vgl. Volksth. II, 81. 18) Vgl. Alpeaburg, Alpensag. 233. 19) Vgl. Aus Schwaben II, 198. 20) Vgl. Meier Schwab. Sag. 167. 21) Vgl. Meier Schwab. Sag. 298—299. Zur Alemannia Alem. II 262 ff. »Man kann darwider einwenden, daß in Holland und den übrigen vereinigten Provintzien wohl so dicke, morastige und nebliche Lufft, als an einem Orte Teutschlands sey, und der gemeine Mann alda anstatt des Bon- pour Nickels auch nicht Mandeln und Marcipan esse und doch höret man (dort) von keiner einzigen Hexe a. 8. w.^ Jakobs Brunnemann vom betrüglichen Kennzeichen der Zauberey 1708. 1727 S. 113. V 264 Zauberer, Dise Sage stet schon bei Lerch- eiroer: Bedenken von der Zauberei S. 29 ff. Darauß wiederabgedruckt in M. Bernhardt Waldschmidts Pythonissa Endorea. Das ist acht und swintsig Hexen- und Gespenst-Predigten u. s. w. Frankf. 16G0 S. 108 ff. ABirlinger 62 Nochmal Krautenau bei Strassburg ) In der schäzbsren Schrift: „Straßbarger Gassen- and Hänser- namen aus dem Mittelalter, 1871, S. 97 ff. heißt es: n^^^^* Silbermann berichtet, nach einer zu seiner Zeit noch gangbaren Meinung habe man anfänglich Krotenau gesagt, wegen der vielen Kröten, welche die sumpfige Gegend unheimlich gemacht hätten, nach seiner Ansicht aber sey der Name von dem auf dieser Au gepflanzten Kraut herzuleiten/ Der geerte (ungenannte) Ver- fasser besagter Schrift bemerkt dabei, daß er geneigt wäre den Namen Krütenowe mit Geriute, Kreuth, Kreut u. d. g. in Ver- bindung zu bringen, aber darauf verzichten müsse, weil er das eingeschobene, „nur zu einem Femininum gehörige n" nicht zu erklären wisse, und gestet dann schließlich, es scheine im, daß der Name Krütenowe vorläufig noch zu den unaufgeklärten ge- zält werden müsse, wie diß denn auch die Ansicht des treff- lichen, kürzlich verstorbenen Wackernagel gewesen sei. Warscheinlich war besagte Krütenowe oder Krütenan, die bereits seit dem Anfang des 15. Jarhunderts ein bedeutendes Quartier der Stadt bildet, ursprünglich allerdings eine sumpfige Niderung auf der rechten Seite der 111, wo nach Urbarmachung und möglichster Trockenlegung des Bodens fleißig Kraut oder Kol und anderes Gemüse gepflanzt wurde, so daß die sumpfige Gegend sich bald in eine gewächsreiche, grüne und blühende Au verwan- delte. Krüt, zunächst sovil als Gewächs, lat. cretum, Kraut, oder Kol, namentlich Kopfkol, oder Kappes, woraus die Straß- burger ir berümtes Suurkrutt, Sauerkraut, bereiten, das in Paris, Lyon und Marseille als Lieblingsgericht verspeist wird, und zwar unter dem Namen Chou-croüte, was gewönlich als eine tauto- logische Bezeichnung von chou, oder von Krüt betrachtet wird, im Französischen aber wörtlich sovil heißt als Kraut-Kruste, oder Kol -Rinde, Croute de chou, gleichsam im Gegensaze zu chou- fleur, Kol-Blume oder Blumen-Kol. Übrigens ist Krüt ein Neu- trum, und die Declination desselben lautet in den verschidenen Perioden seiner Entwicklung, abgesehen von dem wechselnden Gh, C und K, im Anlaute des Wortes, namentlich im Pluralis folgen- dermaßen: Nom. diu Krüt, die Krütir, Kriutir, Krüter, Kräuter. Gen. derö Krütö, der Krütiro, Kriutero, Krüter, Kräuter. Dat. d6m Krütam, ablautend, Krütum, Krütem, Krüten, später den Krütiren, Kriutem, Krütem, Kräutern u. s. w. Angesichts diser Kasus -Formen erhob sich aber schon zu Ende des vorigen Jarhunderts die streitumfangene Frage: Wie kommt es, daß in dem Compositum Krüten* owe, aller Compositi- 1) Sih Alem. I 167. VI 195 ff. 53 onsregel zuwider, stat der Nominativ- oder Genitivform Krüt, oder KrütS, die Dativform Krüten erscheint? — Vile waren der Meinung, das Wort könne ursprünglich nur Krut-owe, oder Krüto- owe = Krütüowe gelautet haben, und seye erst ,ypar corruption de langage'^ zu Krütenowe oder Krütonau geworden. Andere hielten es dagegen mit der von Silbermann erwänten Meinung seiner Zeitgenossen, und suchten nachzuweisen, daß die alte Form von Kröte eigentlich Kröt=Krüt gelautet habe, und dass folglich die Krütenowe ursprünglich nichts anders war als eine Krötenowe oder Krottenau, wobei sie sich auf Dr. Diefenbach beriefen, der ans einem alten Mainzer- Glossar Erüt für Kröte nachgewisen habe. Den definitiven Nachweis diser Erklärung der fraglichen Au überlassen wir jedoch denen, welche noch den Mut haben, dieselbe festzuhalten, und bemerken dagegen Folgendes, wozu es in der Schrift: Die Straßburger Gassen- und Häusemamen, nicht an Belegen feit. Die alte Volkssprache der Straßburger gebrauchte bei iren Ortsbezeichnungen in der Regel den Dativ, oder alten Locativ, wie es denn auch in dem Verzeichnisse der ältesten Namen irer Gassen, Häuser und öffentlichen Pläze unt«r andern heißt: zu dem Raben, zu den Störken, zu dem Rebstöckel, zu dem guldinen Lewen, zu dem isernen Mann; desgleichen: in der Dorneg^ss, in dem Gerwergraben, am Spitteltor, auf dem Thomansplon, auf dem Rineckel, Wo der Fuchs den Enten predigt u. d. gl. Das- selbe war nicht minder der Fall auch bei der Bezeichnung der Oertlichkeiten ausserhalb der Stadt, wie unter andern: in den Reben, stat im Reh- oder Weingarten, in den Ellern, stat in dem Eilerwalde, und so auch in den Krüten, stat in dem Kraut- felde, oder in der Owe, wo Kraut und Gemüse gepflanzt wurde. Auch hatte man daher oft in den Krüten zu tun, gieng häufig nach den Krüten, holte Gemüse in den Krüten, kam zuweilen müde aus den Krüten, und redete zu Hause oft und vil von den Krüten draußen in der Owe. Und so waren denn die Ausdrücke, Krüten und Owe, beide als selbständige Nomina, einmal im Munde Aller, und begegneten sich in demselben gern und häufig als freundliche Nachbarn, so daß zu irer näheren und völligen Verbindung nur noch ein Schrit zu tun war. Disen Schrit hat denn auch namentlich die Owe getan, warscheinlich schon vor dem 10. Jarhundert, in dem sie auf ire Selbständigkeit verzichtend sich für immer an das lokative Krüten anschloss, und mit demselben ein Compositum bildete, das in der Form von Krütenowe sovil bedeutet als eine Owe in oder zu den Krüten. Auch geschah dieß 1) Krütam ist gotliische Form. Die Form chrütem erscheint in ^ner Urkunde von 1209, in welcher Papst Innocenz III dem Kloster im Sundgaa den Besiz eines gewissen Gütercomplexes bestätigte. Horger Qassen- und Häusemamen S. 97. 54 ganz in der Weise änlicher Ortsbezdehnungen, im Ober- und Unter- elsaß, wie allemächst Hagenau, im 12. Jarbondert, Haginowa und Hagenowe, sovil als Owe oder Au in dem Hag, oder in den Hagen, sey es daß besagtes hagin oder hagen dem altdeutschen schwachen Mascul. hagan, hago, oder dem schwachen Fem. hagin, hagi, an- gehöre ; beide haben im Dativ Singularis hagio, wie im Dat. Plu- ralis hagim, übergehend in hagin und hagen, und bedeuten sovil als Domgesträuch, Gebüsch und Waldung. Femer gehört hieher Honau, ein ehemaliges Kloster auf einer hohen Insel oder Au im Rheine, das samt der Insel 1290 von dem Strome weggespült wurde, gleich dem alten Rhino wa, Rheinau, ein Städtchen, das nach seinem Untergange etwas mer landeinwärts wieder erbimt wurde; deßgleichen Rothau, oder Rodau ^), ein Dorf in dem Steintal, sovil als Au in einer Rodung, oder an der Stelle eines ausgero- deten Gebüsches oder Waldes. Wimmenau, ein Dorf an der Moder, rings umgeben von Waldung, hat seinen Namen warscheinlich von einer quellenreichen Au, wie denn das altdeutsche wiman = wemau, wimjan = wimmen, so vil heißt als quellen, sprudeln; daher auch das formbildliche Wimmeln, Gewimmel. Was nun aber merere im Ober- und Unterelsass vorkommende Ortschaften betrift, deren Namen, wie Gereut und Greut oder Krüt, und Gretweiler oder Grötweiler, eine gewisse Aenlichkeit, oder gar Verwandschaft mit dem Namen Krütenau zu haben scheinen, so bemerken wir noch, daß eine Verwandschaft nicht existiert. Das abstracto Substantiv * rauti = rütf, r6ti, riuti, reutt, oder reut, rot, rdth und rod, ist sovil als Novale, urbar gemachtes Feld, auch Bruch und Neubruch. V^l. Graff, II, 489: In domo niuriute, in terra novali, in niuriutin, in terris novalibus, Nom. pr. Riut- lingen, Wernigeroda, u. s. w. Dabei ist jedoch nicht zu übersehen, daß in den ältesten Urkunden, im Sinne von ausreuten und roden, nur Verba, wie rütan, riutan, riutjan, nuten, reuten, samt den Substantiven rüti, riuti, rioti, roda und rdd vorkommen, und dass die participialen wie nominalen Formen mit gutturalem Vorschlag, ge, g-, wiegeriuti, gereute, greut, samt greut, kreut und krüt zwar schon im Mittelhochd. (Hartmann v. Aue) erschienen und 1400 biß 1500, überwuchern, aber nie ein ch im Anlaute haben. Angesichts diser Tatsachen, wie der Tatsache, daß der Name Krütenau schon 1209 in der Form von cJirutemawey sowie die einfachen Formen chrutum^ chruten, crututn^ ernten und krüten schon im 9. Jar- hundert erscheinen, ist aber nicht wol anzunemen, daß der Name Krütenau in irgend welcher Verwandtschaft stehe mit Ortsnamen, wie Gereut, Greut oder Kraut und Krüt u. d. g. Das Resultat unserer Erörterung des fraglichen Namens ist und bleibt dasselbe: 1) Eod- ist fränkisch und für Elsaß paßend, das eine Reihe fränkischer Sprachreste aufweist. AB. 55 Krüteti" oder Krauienau, sovil als eine Au in oder zu denKrüieUf aey es, daß dise Au iren Namen einem schon vorhandenen Kraut- felde verdankt, oder daß sie selbst erst zu einem Krautfelde geworden. Bischweiler FWCulmann Zu des Knaben Wunderhorn ^) V Neu bearbeitet von Ant. Birlinger und Wilh. Grecelius I 69 Gar hoch auf jenem Berge 1 Gar hoch auf jenem Berge da steht ein Rauten stöckelein, gewachsen auß der Erden. 2 Vnd da entschlieff ich vnter, da träumet mir ein seltsamer t^raum zu der selbigen stunde. 3 Mir träumet wie ich hette so gar ein wunder schönes Kind bey mir an meinem Bethe. 4 Vnd da ich nun erwachet, da stund ein altes grawes Weib vor meinem Beth vnd lachet. 5 So wolt ich das es were, das man siben alte Weyber vmb ein junge gebe. 6 So wolt ich auch die meine, so wolt ich auch die meine, geben vmb ein Bratwurst vnd vmb ein seydel Weine, geben vmb ein Bratwurst . vnd vmb ein seydel Weine. Fl. Bl. 8. (4 BL) Ein schönes Lied, | von der alten Schwieger, vnd I jrer Schnur, sampt jrem Son | Heintzcn, In seiner | weiß. Ein anders Lied, von dem Rauten stöckelein. | Ohne Druckort. (vielleicht zu Augsburg, bei Matth. Frank?) Uhland II 750. Meinert S. 94. Erk Liederhort 346. LErk I 102 Von zwölf Knaben Zwölf Freier möcht' ich haben, dann hätt* ich genug, Wenn alle schön wären und alle nicht klug, u. 8. w. Friedr. Rückert's gesammelte Poetische Werke in zwölf Bänden Frankf. a. M. 1868. I 534. Mein mutter zeihet mich, Zwölff Knaben tröstent mich. In der „Papierhandschrift Simprecht KröUs, Augsburg 1516.*^ Wackern. Bibliographie S. 32 LErk I 142 ff. 535 Bas Todaustreiben Die Stelle des Mathesins, 1) Vgl. Alem. n 181 ff. III 164 ff. IV 85 ff. 283 ff. 56 auf welche Nas in der fünften Centurie hinweist, ist nicht ans der Bergpostille oder der Vorrede zu Nie. Hermans Schriften, sondern ans des Mathesius Historien von Dr. Martini Luthers Anfang u. s. w. und lautet: „Anno 1545 Herrn Mathes^ Lied vom Bapst. Diß Jar hesucht ich Dr. Luther zum letzten, vnnd bracht jm das Lied mit, darinn vnser kinder zu Mitterfasten den Antichrist auß treiben, wie man etwan den todt, vnd die alten Römer jren Bilden und Argeis theten, die sie auch ins Wasser warffen. Diß Lied gab er in Druck, vnd macht selbs die vnter- schrifift, „Ex montibus, et vallibus, ex sylvis et campestribus.'^ Die Stelle steht in der Ausgabe von 1573 auf Blatt 168, in der von 1600 und 1608 auf 159. Nas citiert Blat 179, hat also wol eine andere Ausgabe benuzt. Dominica Laetare. Nun treiben wir den Tod hinaus, Den alten Weibern in ihr Hauß, Den Reichen in den Kasten, Heut ists mitten in der Fasten. Haben vor Altem die Kinder gesungen, und den Tod gehänckt oder vertränckt. Am Ruckweeg sungen sie: Nun haben wir den Tod austriben, Und bringen ein frischen Sommer wider. Andreas Sutor, der hundert- Augige blinde Argos, und zwey- i3sichtige Janus. Kauffbeyren. 1740. 8. S. 979. 1 270 Es ritten drei Heiter zum Thor hinaus, 1 Es ritt ein Jäger den Berg hinauf, ade ! es ritt ein Jäger den Berg hinauf, sein' Liebste schaut* zum Fenster hinaus, ade, ade, ade! 2 Ach Schätzelein, laß dein Schauen sein, ade! ach Schätzelein, laß dein Schauen sein, ich kann nicht alle Zeit bei dir sein, ade, ade, ade! 3 Kannst du nicht alle Zeit bei mir sein, etc. so reiche mir dein liebs Händelein! etc. 4 Nicht nur alleine dein Händelein, dazu auch dein kleines Fingerlein. 5 Auch nicht nur dein kleines Fingerlein, darzu auch dein roth'es Mündelein. 6 Mündelein reichen und das thut weh, wir beide scheiden uns nimmermeh(r). 7 Und der uns scheidet der ist der Tod, er scheidet so manches Mündlein roth. 8 Er scheidet so manchen Mann vom Weib, Die Jahre und Tag beisammen seind. 57 Flieg. Bl. 8. Vier weltliche schöne neue Lieder (das dritte.) Gedruckt in diesem Jahr, (aus der Zeit 1780 — 1805) wol in der Schweiz oder in Süddeatschland gedruckt. In von Arnims Samm- lung, vgl. L. Erk, Liederhort. S. 209. Zu Mündlein: In Peter Schöffer's Liedersamml. 1513 Nr. 3. (Strofe 3:) Nun g8eg(n) dich got, mein mündlein roty vud danck dir got von hertzen In dem Liederhflchlein: y,6antz neuer Hans guck in die Welt," .... (um 1680—90 gedruckt) heißt der Schluß (Strofe 14 — 16) des Jägerliedes: loh weiß ein Jäger ist wol gemuth: 14 Das Mägdlein fing da an zu weinen: Ach wolt ihr wieder von mir scheiden! ihr wollet nur — zum Fedderis, zum Tedderis, falter, ralter, rilala, ha ha ha ha, ihr wollet so von mir scheiden! 15 Ey kau und mags nicht anders seyn, so geht mir wieder mein Ringelein, so gebt mir wieder mein Bingens zum Fingeris, falter, ralter etc. so gebt mir wieder mein Ringelein I 16 Gott scheidt so manches Mündelein roth, und sterb ich dann, so bin ich todt, ach so scheiden wir zum Fedderis, zum Tedderis, falter etc. so scheidet uns der bitter Tod. Ebendaselbst (unter Nr. 22) in dem Trinkliede: ,,Der Hirsch wol aus dem Busche sprang'* — kommt als Nr. 5 und 6 vor: 5. Mein guter Gesell, das kan nicht sein, Bundadinellula, du gibst mir denn dein Händelein, Bundadinellula. 6. Und nicht allein das Händelein, etc. sondern das rothe Mündelein, etc. LErk I 379 Versorg die Gans, In der von uns Alemannia III S. 170 aus Förster mitgeteilten ersten Strofe des Liedes ist Z. 5 zu lesen: gib jr vol auff. II 3 Als Jupiter gedacht. Str. 4, 12 muß lauten: Ein jeder küß fort, so offt er nur kan. II 5 Ich gin^ einmal spazieren. In Str. 1 und 3 muß am Schluß der 3. Zeile ja dreimal gesetzt werden, in Str. 2 muß es ebenda heißen: ?m ha ja ja mir sagen. In Str. 3, 3 hat das hs. Liederbuch auch die Variante „Was willst du mir gleich machen.*' II 8 ff. Die Bauemdime und der Liebesgott, S. 9 Z. 7 T. n. hat die eine Aufzeichnung: ,,Weil d' mich dann verachst.*' Ob die im Text stehende Lesart der andern angehört, oder von 58 den Herausgebern herrürt, verniBg ich nicht anzugeben. Die mir vorliegende Aufs&eichnung hat auf S. 10 Z. 9 däsclnm, Z. 10 da (stott da), Z. 19 ä, auf S. 11 Z. 3 (^ Veit, Z. 4 da Sendrä kömmt, Z. 5. Hot ä, Z. 9. Bauemmädelj Z. 11 Gsicht mä. II 116 Wie kommtSy daß du so traurig bist? Ach Schatz, warum 80 traurig? Und gar nicht mit mir lachst? Ich seh dirs an den Äuglein an, Daß du geweinet hast. „Warum sollt ich nicht weinen? Sollt auch nicht traurig sein? Ich trag ja unter meim Herzen Ein kleines Kindelein.** , Darum brauchst du nicht zu weinen, Brauchst auch nicht traurig zu sein: Ich will das Kind ernären. Will auch sein Vater sein. „Ich wollt ich war gestorben Und lag im külen Grab.** Was wärs wenn du gestorben Und lägst im külen Grab? Da tat dein Leib verfaulen Bis an den jüngsten Tag. Mündlich aus Jugenheim an der Bergstraße. 1845. (Mittei- lung von L. Erk). II 118 Wie kommts, daß du so traurig bist 1. Ich hab' mein Tag kein Gut(8) gethan, hab* auch kein Guts im Sinn; man sieht mir 's an den Federn an, was ich für ein Vogel bin. 2. Ich bin der Vogel bei der Nacht und schlupp (schlupf) zum Fenster hinein. Und wer den Vogel fangen will, der muß recht hurtig sein. Mündl. aus Schlierbach im Hess.-Darmstadtischen. Das Lied: „Wie kommts, daß du so traurig bist** ist io Unordnung. Str. 1 ist ein ganz anderes Lied, als das, woio dio 59 Str. 2, 3 and 4 gehören. Auch sollte wohl Nr. 4 den Anfang machen. Mittler S. 561 hat schon darauf verwiesen. In ▼. Arnim's handschr. Samml. (1806): Wer mit der Katz in Acker fährt, Der spannt die Maas voraos, dann geht es nar hopp hopp, hopp hopp! dann ffkngt die Katz die Maus. Str. 7 des Liedes: Man sagt, es geh' den Krebsgang etc. (Erk, Volksl. B. I, H. 4, Nr. 33.) Der Vers ist eine Art von Wandelvers, der in vielen Liedern vorkommt. Wer mit Katzen fahren will, der spann die Maus voran; da macht die Katz wol hopp di hopp und läuft geschwind davon. Aus dem Odenwald. Joh. Fischart, Geschichtklittemng 1590. S. 90: Der mit der Katz gen Acker fehrt, der egt mit Mäusen zu, Also thut manch guter gefert, der laufft vnnd schnau£Pib, vnd bricht vil Schu, vnnd hat den Tag kein rhu, die gantze Nacht darzu. Stoßt doch nicht heim die Khu. Vgl. Uhland J, 103 Str. 6. (Ich zeunt mir nechten einen zäun) und Ambraser Ldrb. S. 217. Nr. 165. Joh. Fischart, Aller Practick Großmutter. 1623. (Scheible B. 8, 625): Schaw, hüt dich vor überiger Weißheit, dann man wirfft die Narren bald aus der Wiegen: wer dann mit Gecken zu Acker gehet, der muß mit Geucheo Egen. In A. Zaupser's bairischem und oberpfälzischem Idiotikon I München 1789. S. 102 hat sich Str. 1 also erhalten: Lied eines Springinsfeld: Hob i mein Tog koan guet not thon; hobs a no not in Sinn. Dos woas mein ganza Freundschaft schon, was i far a Zoberl ^) bin. LErk 11 178 Bin i nit a BürsMe. Die Hs. in Achims v. Arnim Nachlaß (um 1806) hat 1, 1 ä Bürstla, 1, 3 HirschU, 1, 5 ins grüne Holz, 1, 6 ein Jungfer, 2, 4 Geb sie dir Hand, 2, 5 Das Stückchen auf und abgeschwenkt (2, 6 fehlt). 1) Saaberes Frfichtlein. 60 II 230 Sterben ist ein harter Schluß. In dem von Erk in der Alemannia IV S. 287 mitgeteilten Li^e ist in Str. 1 das Wort „schwere^* zu wiederholen. In Str. 5, 2 ist „soll" statt „solt*' zu lesen. II 233 Sdl ich denn sterben? Das Original -Manuscript findet sich noch in Achims v. Arnim Nachlaß (um 1806 aufgezeich- net); es stimmt genau zu dem Druck im Wnnderhom. Die zwei ersten Zeilen „Ei soll ich denn sterben? Bin noch so jung" müssen auch zu Anfang der 2. und 3. Str. wiederholt werden ; erst dadurch wird das Lied singbar. II 295 Die untreue Braut, In Sachsen hatte eine reiche Jungfrau sich mit einem armen, aber schönen Jung-Gesellen ver- lobt und geschworen, der Teuffei solte sie holen, wo sie einen andern haben wolte. Weil sie aber einen andern gefreyet, kamen zweene Teuffei in Gestalt vornehmer Gavallier, tantzten mit der Braut und führten sie im Tantze hinweg mit jämmerlichen geschrey, nach zweyen Tagen brachten sie die Kleider wieder. (T. I. § 104. p. 107. Bergm. bestrafte Zeugensünde p. 101.) Michael Wiede- manns Historisch - Poetischer Gefangenschrifüben siebender Monat Julius .... Leipzig, 1869 S. 71. LErk II 298 Der Wirtin Töchterlein 1 ,E8 kamen drei Reiter, Frau Mutter.' Drilletillituro ! 2 ,Der erste will mich haben, Frau Mutter.' Drilletillitum ! 3 „Hat er viel Thaler, mein* Tochter?*' etc. 4 ,Einhundert Thaler, Frau Mutter.' 5 „Den sollst nicht haben, mein* Tochter." 6 ,Der andre will mich haben, Frau Mutter.' 7 „Hat er viel Thaler, mein' Tochter?" 8 ,Zweihundert Thaler, Frau Mutter.' 9 ,,Den sollst nicht haben, mein Tochter." 10 ,Der dritte will mich haben, Frau Mutter.' 11 „Hat er viel Thaler, mein' Tochter?'' 12 ^Dreihundert Thaler, Frau Mutter.' 13 ,,Den sollst du haben, mein' Tochter." 14 ,Was soll er aber eßen, Frau Mutter?' 15 „Fisch und Vögel,Jmein' Tochter.'^ 16 ,Wa8 soll er aber trinken, Frau Mutter?* 17 „Die besten kühlen Wein, mein' Tochter." 18 ,Wo soll er al>er schlafen,^, Frau Matter?' 19 „Bei dir im'^Bett', mein' Tochter." u. s. w.*"^ (Weiterer Text nicht vorhanden.) 61 jjUraU^^ — fügte der Einsender bei. v. Arnims handschr. Samml. (Aus dorn Würtembergischen. Vor 1805.) [In der Variante, die wir Alemannia IV S. 288 mitteilten, ist nach der 7. Str. folgende ausgefallen : »»Ach ja, ich hab ein Töchterlein, Das euch kann machen den kühlen Wein.«« « Ebenda ist in der 12. (mit der neu hinzukommenden der 13.) Str. „zerteilen" statt „zertreiben*' zu lesen.] In Hoffmanns v. F. „Scblesischen Volksliedern'^ (Leipzig 1842) S. 119 durch zwei Lesarten vertreten. Auch in der Gegend von Wrienen an der Oder habe ich das Lied aufgefunden: 1. ,Wer ist da draußen, Frau Mutter?' Dideldamdei 1 2. „Steh auf, und laß ihn Vein, mein' Tochter." Dideldamdei. 3. ,Wo soll er sitzen, Frau Mutter?' 4. „Auf einem Stühllein, mein' Tochter." u. 8. w. Wer wäre wol so gefällig, dem schwäbischen Texte weiter nachzuspüren? Auch die Mel. wäre erwünscht. LErk II 306 Anno 1649 kam zu Thermeis in Böhmen eins armen Mannes Sohn zu Hause, der 18 Jahr im Kriege gewesen war, und gab sich erstlich niemanden als seiner Schwester zu erkennen. Weil nun seine Eltern im damahligen Kriegs -Wesen vom todtschlagen Profession machten, ermordeten sie ihn in der ersten Nacht. Nachdem sie aber deß Morgens erfahren, daß es ihr Sohn gewesen, stürzte sich der Vater in einen Brunnen, die Mutter aber erhieng sich, da die Schwester die Mutter ohngefehr sähe, starb sie vor Schrecken des gehlingen Todes, (p. 724 Gottfr. Schultzens Chron.) S. 90 in: Michael Wiedemanns Historisch-Poe- tischer Gefangenschrifften Siebender Monat Julius, vorstellend den Frischlinum oder den allzuberedten Bedner. Leipzig, 1689. (Nico- laus Frischlinus, geb. zu Balingen in Würtemb. 22. Sept. 1547; t 22. Nov. 1590 auf Schloß Urach.) LErk II 322 Ein saurer Holzapfel. Als ein Liedchen, welches im Vogelsberg den Kindern vorgesungen wird, wenn man inen den ersten Jarapfel schenkt, teilt Herr Pfarrer Th. Bindewald mit: Holzäpfelchen, Holzäpfelchen, Wie sauer ist dein Kern! Doch wenn ich dich im Winter hätt. Wie äß ich dich so gern! Dagegen im kurhessischen Oberhessen als Tanzliedchen: 62 Holzäppelbäuinchen Wie sauer is dei Kernt Wie sehn die junge Bursche Die Mädcher so gem. II 326 Wenns Holzäpfel regnet. Liedehen, welches im Vogelsberg den Kindern beim Reiten auf dem Schoß vorgesungen wird: Du liederlich Bürschchen, Wann wirst du gescheit? Wanne Sauerkraut regnet Und Buttermilch schneit. (Mitteilung des Herrn Pfarrer Th. Bindewald). In Oberhessen (bei Marburg) beim Tanz: Wenns Sauermilch regnet Und Buttermilch 8chneit| Dann is mei Sch&tzche Goar nit so weit. (Mitteilung des Herrn Postpackmeister Becker in Marburg.) II 326 Heiderlau! Stirbt meine Frau. Herr Pfarrer Th. Bindewald teilt als ein Liedchen, das im Vogelsberg den Kindern beim Reiten auf dem Schoß Torgesungeu wird, folgendes mit: Trala, Hopsasa, Jetzt reit ich in die Wetterau, Hole mir ein andre Frau, Die soll sein hübsch und fein Wie die schöne Katherein! II 326 Wenn ich schon schwarz bin. Im (kurhessischen) Oberhessen wird beim Gesundheitstrinken wärend des Kirmestanzes u. a. folgendes Liedchen gesungen: Schwarz bin ich, Die Schuld ist meiner nicht| Die Schuld ist meiner Kammermagd Weil sie mich nicht gewaschen hat. Schwarz bin ich u. s. w. In einer Pause des Tanzes tritt einer der Burschen vor und singt unter Begleitung der Musik ein Verschen, in dem er eine Gesundheit ausbringt. Bei dem obigen wird am Beschluß der Krug, den er in der Hand hat, auf die Erde geworfen, daß er zerbricht. (Mitteilung des Herrn Postpackmeister Becker in Marburg.) 63 II 328 Schwimmen zwei löschte im Wafier herum^ Die Gänse and die Enten Die schwimmen auf der See, Und wenn sie nicht mer schwimmen können, Dann strecken sie den Berzel in d'Höh. Aus Oberhessen bei Marburg (Mitteilung des Herrn Post- packmeister Becker.) II 331 Aus ist es mit mir Kommt auch in Oberhessen bei Marburg als Tanzreim vor, mit der etwas derberen Schluß- zeile: Und das Mensch bin ich los. Bei Meier Schwäbische Yolksl. stet es S. 111 (nicht 11) in drei Strofen. Auch aus Eberstadt bei Darmstadt teilt uns L. Erk das Liedchen in drei Strofen mit, von denen aber die beiden lezten kaum damit zusammen hangen : Und aus ists mit mir, Mein Haus hat kein Tür, Und mein Tür hat kein Schloß, Denn mein Schatz bin ich los. Das Liedchen ist gesungen, 's ist gar nichts mer dran; Wers besser kann singen, Fangs noch einmal an. Da drunten im Tal, Wo die Sonn so schön scheint, Mein Schatz ist mir lieber Wie all mein gute Freund. Die 3. Str. s. im Wunderhorn II S. 322: Weit überm Wald dinna, Wo dSonne schön scheint: Und mein Schatz ist mir lieber Als äU meine Freund. Änlich bei Meier S. 7 Nr. 24: Bin dur da Wald ganga Und dSonne hat gscheint, Mei Schatz ist mir lieber Als all meine Freund. II 333 A geschecktes Par Ochsen, In. Oberhessen bei Marburg: 64 Ein Poloisch Par Ochsen, Eine Pohlische Kuh, Die giht mir mein Vater, Wenn ich heiraten tu. II 335 Mein SchäteU ist hübsch. Auch in Oberhessen bei Marburg: Mein Schätzchen ist schön, Aber reich ist es nit: Was frag ich nach Reichtum? Beim Geld schlaf ich nit! II 335 Wenn ich schon kein Häuslein Jiab, Vgl. damit das oberhessische Liedchen: Bin froh daß ich kein Bauer bin, Fällt mir auch kein Wagen im (üm = um). Jagt mir auch kein Katz ins Korn, Bricht mir auch kein Ochs das Hörn. (Mitteilung des Herrn Postpackmeister Becker in Marburg.) II 351 Der liebste Btde Pr. Abraham ä S. Clara: Judas der Ertz-Schelm. Erster Thail. Saltzburg, 1691. 4<> S. 143: Wie offt bekombt ein Weib einen Mann, der dem Himmel gleich ist, verstehe alle Tag Sternvoll, der immer singt: Ich weiß mir einen guten Gspann, Der ligt dort vndt im Keller, Er hat ein höltzemes Rockel an! Er heist der Muscateller. Vgl. [Jhland II, S. 584 : Den liebsten Bulen den ich han. LErk II 416 So geht es in Schnütjselputjg Häusel. Flieg. Bl. 8. 4 Bl. 17. Jahrh. (wol aus Süddeutschland.) Neues Wunderwerck der Welt, | Oder | Merckwürdige Be- schreibung I Der unerhört großen | Baß-Geigen, | (Bild: Baßgeige mit Bogen) Nebst einem kurzweiligen Weltlichen Lied. | Getruckt in eben diesem Jahr, | Als die Baß-Geige fertig war. | (Auf BL 3b das Lied:) Ein WeUliches Lied, Nach der Melodey: Wie man den Linden-Schmidt singt. 1 Wer gerne höret selzame Wunder-Dinge, der hör und mercke, was ich singen will, vom Schnudelputz und Närrischen Sachen : Wer die Ohren recht spitzt, und mercket wohl auff, Der wird sich den Puckel voll lachen. 2 In Schnudelputz Hause gehst alles wohl, da saufTen sich Schüssel und Pfannen voll, 65 Pantoffel wohl unter den Bftncken, es thäten die Löffel bis Mitternacht in Schüssel and Häfen einschencken. 3 Das Ofen-Loch tantzte auf einem Seil, Polz haben SQjährige Weiber feil, Wey nachten just mitten im Meyen, das Nudel-Brett rumpffte die Nasen darob, den Besen thuts jämmerlich geheyen. 4 Es Heff ein Kessel ins Hünerhaos, da laufft der Ofen zur Stuben hinaus, drey Haspel sind paar und paar gangen, ein Laub-Frösch erwischte ein Jägers-Gkim, wolt Spanischen Mücken mit fangen. 5 Der Stroh-Sack der soff sich ein Räuschlein an, im braunen Bier biß er ihm aus einen Zahn, den Weg kont er nimmer heim finden, er tortelt als seynd ihm die Gassen zu eng, es must ihm der Fuß- Dom heimzünden. 6 Der Sau- Stall der ritte auf einer Mauß, da schauet die Scheibe zum Fenster hinaus, drey Haspel sind paar und paar gangen, ein Laub-Frosch erwischte ein Jägers-Garn, wolt Spanische Mücken mit fangen. (Vgl. Str. 4, Z. 5. 6.) 7 Dem Sau-Trog fallen Gedancken ein, wie er schleifft ein Fuchs- Schwantz an einem Schleiff-Stein, damit er kau Brunnen-Rdhr bohren, im Ofen-Loch haben zwey Katzen gar schön auf die Mode einander geschoren. 8 Der Stiefel legt eiligst sein Degenlein an, er springet im Springen, laufft was er kan, hat doch nicht aus dem Hauß dörffen, drumb wird er so zornig, daß er vor Gifft wolt die Stuben zum Fenster naus werffen. 9 Es sassen drei Ochsen im Storches Nest, sie haben einander ganz lieblich getrost, sie wolten die Eyer ausbrüten, der Besenstil legte sein Degenlein an, damit er die Schnecken kont hüten. 10 Der Eßig-Krog redet mit einer Kuh, da kam der Schnudelputz auch darzu, die Schauffei mit ihrer Parucken, es lieff ein geschickter Esel zum Tisch, wolt die Bettstatt in Suppen einbrocken. LI Es stritten drey Brat-Würst und Pretzel miteinander, welch*^ von ihnen beiden herkäme aus Flandern, aus Bruderschafft han sie gefressen. zum Schneider lieff eine schecklichte Geiß, BIrlInger. Alemannia VUI 1 ^ 66 ond ließ ihr Pantoffeln anmessen. 12 Der Tisch legte sich ins Bett und ist kranck, da heulte der Sessel und weinte die Banck, sie thäten sehr jämmerlich klagen, das Stadt-Thor setzte die Schlaf-Hauben auf, der Heustock begleit seinen Kragen. LErk II 422 ZicMein u. s. tc. In 'Becueil von allerhand Collec- taneis und Historien. Das XVIII Hundert 1720' S. 52 st«t das Gedicht: Ein Zicklein, ein Zicklein, das hat gekauft das Vater- lein u. s. w. Am Schlufie: ,,Das heissen wol recht Jodische Wisches Wasches, womit man die kleinen Wiegenkinder im Schlaf solte einwiegen können; als wie die Kinder-Frauen oder Wart -Weiber mit den Erzehlungen der Mährgen vom Finger-Htd und vm: Sporn in Zorne: Spornen verwandelt werden. II 622 Des Morgens wöUen wir marschieren. Str. 3, 1 ist „ein" vor „Schnürlein" zu streichen (es stet nicht Im Mscr.). II 657 Trink Bruder trink. Str. 1, 4 lies „Oelde'' statt „Geld*' — Str. 2, 6 „Trink'* statt „Trinke." Eine 8. Strofe haben wir weggelassen, sie lautet: Sich M&del sich, Wie lieb hab ich dich, Schwartz braune Strümpe, Papier und Dinte, 67 Schlaff bey mir hinte, Machs fein geschwinde. Sich Mädel sich, Wie h'eb hab ich dich. II 656: Zeuch FaMe Zeuch. In Zeile 3 lis freßn; Z. 5 Gulden. n 669 ff. Die Schmiede. Von der 4. Str. an (S. 671) findet sich dieses Lied in: j, Mustcalischer Zeitvertreiber. Ein feines von allerhand köstlicher Sachen zusammen gewärmtes, blindes Äpffel Koch, .... Von Vnterschiedlichen .... Autoribus .... Anno MDC. XLllI." (warscheinlich in Nürnberg gedruckt.) Cyolopisches Hammer-Tricininm. 1 Drey Schmid bei einem Amboß stunden, es waren drey kohlschwartze Knnten, ein Contra-Punct sie fiengen an, daß in der Schmitten erUang. Der Hammer, der (ein) Jammer, fiel nieder, herwieder, gab ihnen den Tact darzu, sie sangen, sie (und) sprangen, vnd wenden die Stangen, vmb vnd vmb, es ist genug. 2 Der Meister bracht drey andre Schlögel; Wolan, zuckt widr, ihr faule Flögel, da habt jhr gar ein ringe Wahr, schlag drauff, der letzte beym Haar. Drey Knappen, wie Rappen, im Schlappen, dieldappen, schlugn wacker vnd waidler drauff, bestnacker, nur wacker, wol nasse drey Bürschel, in einem hauff. 3 Der Meister bracht ein Plempl in Kandten, Soll einer sehen die Bachanten, wie es zugieng, bey ihrem Trunok^ hieß einer den ander ein Funck, gibt Schlägel, gsengs Flögel, Huy Luden, Herr Bruder, trincks ausi, laß nichts darinn, Huy schlempel, Hans krämpel, den plempel ich dir jetz und gar auß bring. 4 Sie tranckens auß biß an den Nage), der Meister bracht ein andern Hagel; Huy Buben stell jetzt wider ein, es kan doch änderst nicht seyn, ruckt alle zusammen, jhr Krnmpen vnd Lahmen, 68 jetzt wird es erst recht ergehn, Jeli carti, fein hurtig, was soll ich noch länger, vmbsonst da stebn. Ander Theil. 1 Besser darauffer, faul Gauffer, jhr Schnauffer, den Hammer thut schwingen, die klingen muß springen, noch höher thut zucken, den Rucken, fein trucken (backeti), thut tapifer drauff klopffen, jhr Tropffen vnd Hopffen, jetz gebt es schon besser, und röscher, ihr Fresser, last nacher, die Stangen ist gemacht. 2 Ey du mein Peter, wie geht es vom Leder, Huy Strobel, mein Zobel, ruck besser zum Hobel, Hny Flögel, zum Schlögel, spitz dNägel, mein Flögel, Ruck besser zum Amboß, Melampus, Schlampampus, merckt auff jhr Holhippen, schwarz Krippen, Bierpüppen, ab ab ab daß Fewer kein spritz (kein Funckel spritz). 3 Trinck vnd gibs weiter, Freibeuter, Bärnhäuter, was machst laug fQr Krimpel« mein Simpel, du Gimpel, thu d'gurgel anspannen, wie d'schwanen, Göylhanen, so muß man recht trincken, nicht sincken, auf d*Finoken, die Augen zu drucken, nur schlucken, nicht kucken, ach ach ach wer lacbn will, der lach. 4 Schlagts nur nein ahi, ßeani, Grobiani, halt wacker zu bürschel, schwarz nüssel, sawriesel, Huy trittel, krumb vmi, schlag ymi, friß gummi, schmeist daß es erklinget, die Joppen auffspringet, doß d'Funcken vor Hitzen, nit Glitzen, au£Pspritzen, schlag gmach her, jetzt ist es genug. Diese 4 Strofen des andern Teils schließen sich jedesmal an die entsprechenden des ersten Teils als Schluß an. Obiges teilte L. Erk aus der Baßstimme, welche sich allein in Berlin be- findet, mit. Eine im Besiz des Herrn Dir. BHölscher in Recklinghausen befindliche Hs. (um 1673) hat dasselbe lateinisch. Die erste Strofe lautet hier: Tres fabri ad incudem se fundunt Candensqne ferrum ad numerum tundunt, Estque perquam lepida cantio Quam faciunt malleo. Dant ictus conflictus nullusqne relictus esse vult ultimns. Se trudunt, se cudunt Cyclopemque ludunt qui pulsat tardius. 69 Alternatim certatim datatim contendont defendant certamen accendnnt et forcipem versant tenacem rapacem, et malleam librant in altom ad saltum, dissiliant scintiJlae favillae. Ferrum paulatim finditur. II 687 Schneiders HöUenfarL 1 Es ging ein Schneider spatzieren wol des Morgens in der Froh. B^egnet ihm der Teufel, hat weder Strumpf noch Schuh. Ei ei, du Schnei dersgesell, du musst mit mir in die Höll, du musst uns Teufel kleiden, 'smag gehen wie es wöll 1 2 Und als der Schneider in d'flöll' 'nein kam mit seiner langen Scheer, schneidt er den Teufeln die Wedeln 'rab, sie hüpfen hin und her. Ei ei, du etc. 3 Der Lucifer kam auch darzu und sprach: Das ist ein Graus! die Teufel hab^n kein Wedeln mehr, der Schneider muß uns Vaus! Ei ei, du etc. (hört der Text auf.) V. Arnims Handschriftl. Sammig. vor 1806. LErk II 695 Die Schneidergeiß Str. 2, 1 lies „zu Backnang'' statt „zur B.*' Str. 6, 3 lies „darneben^* statt „daneben*'. Die 3 lezten Zeilen sind als besondere, unvollständige, oder durch Wiederholung zu vervollständigende Strofe zu nemen. Glcnk Str. 6, 4 ist wol s. v. a. Qelüng Gelünge. II 715 Fl. Bl. 8 (4 Blätter.) Ein Schön ne- | wes Geist- liches I Lied, Genandt das Vogel- | Gsang. In seiner aignen Me- lodey I zu singen. | Im Jahr, 163^. (37 Strophen.) Ohnö Mel. 1. Wolauff, jhr klain Waldvögelein, Auch was in Lüfften schwebt, Stimmt an, lobt Gott den Herr(e)n mein, Souil jhr singen möcht. u. s. w. In Hern. v. Maltzahn's Samml. — Vgl. Spees Güldenes Tugend- Buch Collen 1649. 12» Geistlich Psälterlein PP Soc. Jes. Colin 1722 S. 354. LErk 70 II 718 ScKlafy Kindlein^ schlaf I Zu den vielfachen Varia- tionen dieses Verses füge ich noch einige ans dem Vogelsberg, die ich der Mitteilung des Herrn Pfarrer Th. Bindewald verdanke : Schlaf, Kindchen, schlaf! Dein Vater hüt die Schaf, Dein Mutter hüt die braune Kuh, Häuschen, mach die Augen zu! Schlaf, Kindchen, schlaf! Dein Vater hüt die Schaf, Die Mutter sitzt im Kämmerchen Und flickt die alten Hemderchen. Schlaf, Kindchen, schlaf! Am Berg da gehn die Schaf, Im Tal da gen die Lämmer Und machen so kein Gejammer. Schlaf, Kindchen, schlaf! Dort oben gehn die Schaf, Dort unten gehn die Lämmerchen Mit den goldnen Bänderchen. Sause, Kindchen, sause! Münster ligt bei Hausen, Kästrich ligt nicht weit davon. Mein Kindchen soll ein Schläfchen tun. Sause, Kindchen, sause! Su SU suse! (oder Suse, Kengje, suse!) Hemme, Hartershuse, Ludermeng leit hart derbei, Soll mei Kengje e Schläferche sei. Das leztere aus der Gegend von Schlitz, wo auch die Orte Hemmep, Hartershausen und Ludermünde ligen. An das auf S. 726 angeforte „Flenn-Els auf der Geige, Kannste nit geschweige'' erinnert das Vogelsberger Spottliedchen : Gunkel Gunkel Geige! Die Frau kann nit geschweige. Da kauf ich ihr neu roten Bock, Da hüpft sie wie ein Geigenbock, Gunkel Ghinkel Geige! 71 II 780 Chden Abend^ gute Nacht. Ans einer Incunabel zu Karlsrnhe teilt Mone (Aufseß and Mone Anzeiger 1884 S. 290) folgenden Sprach mit: Ich wünsche dir ein gite nacht, von rosen ein dach^ von gilgen ein het, von masgat ein dür, von neglin ein rigel darfür. Vgl. dazu die Lieheshriefe II 812 f. II 738 Trommet auf dem Bauch. In dem Liedchen aas Schütze stet TnMnmel. — Buuk Baach. Am Spinnrad heißt Buuk das mittlere schrägstehende Holzhlat, in dem alle Stapfen des Wockens etc. stecken. — smullen schmaddeln. II 741 Trot^ tro^ trül. Dises Liedchen teilt Herr Pf. Th. Bindewald mit geringen Abweichungen aas dem Vogelsberg mit. Der Schluß lautet hier: Im Winter da ists kalt, Kalt ists im Winter, Vorm Tor da wont der Schinder Und frißt die kleinen Kinder, Droß droß drill! Andere Liedchen ebendaher: Droß droß drill, Der Bauer hat ein Füll, Der Bauer hat ein weißen Gaul, Der hat dreihundert Zän im Maal. Oder: Droß droß drill, Der Bauer hat ein Füll, Er fürt das FüUchen auf den Märt (Markt), Es war kein halben Gulden wert. II 747 Ik sett mi up de Planken Z. 3 ist zu setzen kern statt keim (allerdings hört man wol ein flüchtig nachklingendes i); Z. 4 lies keen statt kien\ Z. 5 muß es heißen un boddem = und butterten; Z. 17 lies woÜ'n statt weU'n. Herr Dr. Mielck hat im Korrespondenzblatt des Vereins für niederdeutsche Sprachforschung II. Jarg. Nr. 1 dieses „Verwunde- rungsHed'* besprochen und auf einem beiliegenden Bogen 26 Va- rianten mitgeteilt, darunter auch die beiden, welche er uns für das Wunderhom gegeben hatte. Eine andere Fassung, welche E. M. Arndt auBseichnete, haben wir in unserm Festgruß an L. Erk „Deutsche Lieder. Heilbronn 1876'' auf S. 45 mitgeteilt. 72 II 770 Storch Storch Steine. Ich lasse einige Liedchen aus dem Vogelsbei^ und der Wetierau folgen. Stoark Stoark St&ne, Flei iwwer H&ne, Flei iwwers Beckershaas, Stuß drei Weck heraus, Mir &n*n, dir än'n, Den arme Kerle gär kän^n. Aus der Gegend von Florstadt in der Wetterau (Mitteilung des Herrn Prof. Dr. Weigand in Gießen). Stat der lezten 2ieile wird auch gesungen: „Dem N. N. (es wird der Name eines an- wesenden Kindes eingesetzt) &ch än'n^'. Storch Storch Steiner, Flieg über Flaine, Flieg übers Bäckershaus, Stoß drei Weck heraus, Mir einen, dir einen. Armen Schelmen gar keinen. Aus dem Vogelsberg (Mitteilung des Herrn Pfarrer Th« Bindewald). Die Verwandluug von Häne in Haine ist wol untex' dem Einfluß der hd. Schriftsprache entstanden. Das Volk versteC> unter Hätie die Stadt Hanau. Storch Storch Steine Mit de lange Beine, Flieg übers Bäckerhaus Kommen drei schöne Jungfern heraus. Die eine flecht Weiden, Die andre spinnt Seiden, Die dritte geht zum Brunnen, Hat e Kindche gefunden In Gold und Silber gebunden. Wer soll es heben? Die Jungfer aus dem Löwen. Wie soll es heißen? Ilämel hämel weiße. Wer soll de Wengel wasch? Unser Magd de Klappertasch. Aus der Gegend von Schlitz (Mitteilung des Herrn Pfarre: Tb. Bindewald). Vgl. dazu Wunderhorn H. 744: Sonne scheine. 73 II 776 Litje Deren van veren. Gewönlich bo (E. Weyden Kölnische Volkslieder S. 32): Hans Pitter, nem mich, wacker Mädchen ben ich, kann kochen, kann strecken, kann nihen, kann flecken. Hans Pitter, nem mich, wacker Mädchen ben ich. One die erste Zeile bei Fr. Nicolai: Ein feiner kleiner AI- m&oach H 1778. 8. 107: Wacker Mäken ben ick, roade Strftmpe drea ick, kann stricken, kann naihen, kann 'n Haspel goet dreihen, kann nock wol wat mehr. Aus dem Osnabr&ckschen (Mosers Original- Mskr. in Nicolais Nachlaß nach der Mitteilung L. fbrks). n 779 In die Ilasdnüsse, Ich teile hier ein Liedchen mit, welches biß in den Anfang dises Jarhnnderts hinein in Gießen von den Kindern gesungen wurde, wenn sie in den Wald zogen, Haselnüsse zu suchen: Guten Morgen, Jungfer BasM „Großen Dank, Herr Vetter!" Will Sie mit ins grüne Gras, In die gelbe Blätter? Will Sie mit nach Steinbach In die Haselnüßerche? Knick I Knack I Bring mer'n Sack, Helf mer'n bißche breche. (Mitteilung des t Pfarrers Oeser zu Lindheim, der aus Gießen gebürtig war.) Steinbach ist ein Dorf nahe bei Gießen; in den Waldungen diser Gegend fanden sich vile Haselnüsse. II 351 Den liebsten Bulen den ich han etc. Uhland Nr. 214. Gödeke D. Dicht. I, 33 (Cod. monac. 1505, Bl. 11). Ivo de Vento Teutsche Lieder. München 1573: 4». Den liebsten Bulen den ich han Der ist mit Reiffen bnnden Vnd hat ein höltzens Röcklein an Frischt krancken vnd die gsunden, Sein nam heist wein^ Schenck dapffer ein. 74 So wird die stimm baß klingen, Ein starcken tronck In einem funck WO ich meim Brader bringen! Jacob Reiners Schöne newe Teutsche Lieder. München 1Ö81. 4«: Der liebfite Bole den ich han Thut anß den reben entspringen Er hat ein höltzes röcklein an Er macht mich lustig zu singen Frischt mir das blnt Macht mir ein freyen m&t Als durch sein krafft vnd aigenschafft: Nun grAß dich Gott, mein rebensafft! VgL Wyss (J. B.), Schweizer Kühreihen und Volkslieder. Bern 1818. qu. fol. pag. 68: Der AUerbesti wo-n — i ha, Der lyt i d's Aettis Gheller; Er het en rothes Röckli a, Röckli, Röckli, Röckli a, Me heißt ne Muschgiteller. In „Musikalischer Leuthe Spiegel'' o. 0. 1687. 4<* mit Musik: Nr. 6. Ach höret neue Wunder Wo Vögel doch jetzunder Den Ursprung nehmen her etc. Und hebet an zu singen Hie jacet in prsesepio, hie jacet in prsBsepio, Und bald darauf io, io io io io, Ich weiß mir einen guten Gespan, Der ligt dort in dem Keller, Er hat ein höltzern Röckel an, Ist zwar kein Muscateller, Doch in der Farbe gleicht er fein, Man heißt ihn den Feldliner Wein, Das weiß des Wirthes Greitel Wie auch mein leerer Beutel. Von JMWagner t Die Herausgeber 76 Sprüche über Landsknechte, Weiber, Pfaffen und Manche II Der Sprach über die Landsknechte (Alemannia V 265), wie in Weinkauff aus Wiropheh'ngs Adolescentia von 1515 gibt, ist bereits auffallend dorch Feier entstellt gegen den Druck von 1513| aus dem ich denselben (Alemannia I 102) mitgeteilt habe. Im lat. Gedichte Wimphelings ist außer dem von W. bereits ange- merkten „petis" für „peris" auch V. 3 „Natus es ad Martem?" zu schreiben. In der deutschen Übertragung durch Brant muß V. 4 lauten: „werden erwirgen uwern vil". Der von Weinkauff a. a. 0. S. 265 mitgeteilte Sprach über die drei hoffertigsten Tiere stet als handschriftlicher gleichzeitiger Eintrag in einem Exemplar von M. Johannis Gharionis Buetikay- mensis Bedeutnuß vf Offenbarung warer hymlischer Influzion (1526). (Alemannia VI 159.) Sextupes in scabie, nebulo residensque caballo Garpento mereti*ix animalia trina superba. Ain pueb auff ainem Raisigen roß hertraben Ain hure auff ainem hangenden wagen Ain Laus in aim grind, drei hoffertiger thier nit sind. Etwas verändert findet er sich in Dach's Zeitvertreiber (1700) 8. 541: Die vier stöltzesten Dinge in der Welt. Ein Schweitzer Bauerknecht auf einem grossen Rosse, Ein geiles Huren- Weib auf einem festen Sloße, Ein Floh und ein Lanß in einem bösen Grinde, Das seynd beym schlapperment 4 stoltze Hofgesinde. -T.»- a -fi- Junger gesel halt dich'werm, vervul nit dinen dorm, bis den fruwen nit so hult : so stet du wal. 1559. Auf einer Kanne. S. Jahrbücher des Vereins v. Alterthnms- freunden im Rheinland XXII. S. 127.' 76 Der ist nicht ebreowerth, der gelt von seinem bulen begert; narren und frawen geschirre macben die gantze weit irre. Ambraser Liederbuch S. 77. Lieb haben war mir offt beschert, Geld außgeben hat mirs erwehrt. das. S. 77. Aus S. Brants Gedichten (bei Zarncke): £in Waßerspinn ist also leycht, Sie gath uff waßer tieff und seycht Mit sechs fußen und dritt nit dryn; Doch kan ihr kein wol lichter sein Dann frauen glaub ist und ihr trew: Wer da ufifbaut, hütt sich vor rew! S. 155, 7. Junger, nit wolst vermissen dich Mit schnoeden Frauen uppiglich, Vil schand und schad würstu empfaheo, So du dich ihnen thust zunahen: Sie seynd schädlich und beschießes voll, Mit aller boßheit ist ihn wohl, Ihr glatte wortt syndt nichts dann liegen, Ihr schimpff ist anders nichts dann triegen, Schaden sie leib und seel zufügen, Von büßen wiben ist geschehen Als ubely das man hat gesehen. S. XXXVIII, 15. Adams rypp, sorglicher gestalt Entsprang auß dir der harecht waldt, Drin wechset süße bitterkeit Reuwender Lust, und trawrig freüdt, Nach kurtzer woUust langes leydt. S. XXXVIII, 19. Priester Segen. Mein Segen ist Saltz Creutz Waßer Esch, Damit lehre ich Seckel und Desch, Das zuckt mein Hesch und schluckt mein Flesch. S. XXXVII, Uff das die Pfaffen wermen sich von Leyischem gut, werden rieh, So gent wir ihn wachß, opferwyn, All Mesßen müßen gepfrümmet syn, 77 Wir treyffen sie mit anserm SchmaltZy Dargegen Grütz Asch Waßer Saltz Geben sie uns und glocken thon, Damit syndt wir besahlet schon, Uß unßerm gutt tryben sie pracht, Es ist als uff den geitz erdacht. S. XXXVIII, 12. Katzen gbyß, Pfaffen stryt and Wyber zanck Gehn hitzig an, duren nicht langk. S. XXXIX, 28. Gottes Barmherzigkeyt Der Pfaffen Grytigkeyt Der Buren boßheit Ist unergründlich uff myn eydt. Stehet zu Straßburg unter der weyßen thurn porten in einen stein gehawen, so zu Dr. Brandti sei. lebens zyt auffgericht und von ihm dieser rymen gemacht worden. S. XXXIX, 29. WCrecelius Ein Spruch von Job. Grofs in Basel In dem 12. Bande der unter dem Titel „Der Orientalischen Indien etc/' herausgekommenen Reisebeschreibungen ist im Anhang die Beschreibung des Königreichs Gongo von Samuel Braun , Wundarzt in Basel, abgedruckt (der Band erschin 1628 bei Wil- helm Fitzer in Frankfurt am Main). Discr hat Johannes Groß, Pfarrer zu St. Leonhard. in Basel, ein Gedicht vorausgeschickt, welches ich hier mitteile. Der Verfasser desselben ist wol der nämliche, wie Johann Georg Groß^ von dem Weller (Annalen I 386) folgendes Ler-Gedicht anfärt: die ganze Bibel in Summa- rischen Reimen versetzt (Basel, Job. Jac. Genatb 1622). WCrecelius In diesem BAchlin, Leser frum. Du finden kanst in einer sum: Wie wunderbar, stark, gfitig, grecht Sey Gott der Herr beym Menschengschlecht, Daß er der Erden grasten Theil Ins Wasser gsetzt zu vnsrem heyl: Indem das Wasser vns nichts schadt, Weil es in seinen schrancken staht Vnd nicht laufil auß ohn Gottes will, Sondern muß bleiben also still: Damit die Menschen allzumal Erhalten wurd'n vor vberschwall. Doch kompt von dem gerechten Gott Eiin vberschwall nach seim gebott, 78 Beweist hiemit sein grosse Macht, Dadurch er manchs zu nicht gemacht. Ist das nicht auch des Herren gAt, Daß auif dem Meer der Mensch wird b'hAt? Da sonst derTod ist nur so weit Von jhm, als eines Messers breit, Dabey der Mensch lernt f5rchten Gott, Dieweil er st&ts in sorgen stoht. Wer kan sich auch verwundem gnug. Daß der Mensch kan zu seinem fug Jetz schiffen bald in solche Land, Die yns zuvor gar vnbekandt? Vnd änderst nicht sind zu erfahren, Dann auff dem Wasser dahin gfahren. Da man zwar find viel Gold vnd Gut, So andern V&lckem kompt zu gut. Jedoch hierbey zu mercken ist, Wie Gottes Gricht zu jeder frist Sich band erzeigt an denen all, So da gerathen in abfall, Vnd Gottes wort verachtet band, Welchs predigt ward im selben Land Durch der^ Aposteln grossen fleiß: Daß jederman zu Gottes preiß Solt glauben an Herrn Jesum Christ, Der vns zum Heyl verordnet ist. Jetz find man nichts dann Aberglauben. Dem Satan thut auch Gott >3rlauben. Dieselben Leuth ernstlich zu plagen, Vnd thund doch nach Gott gar nichts fragen. Hand zwar verstand etwas zu handien: Jedoch vng^schickt vor Gott zu wandlen, Vnd was deßgleichen mehr mag seyn, Darvon diß BAchlin berichtet feyn. Dasselbig auch uns anloß macht, Daß jeder sein Schiffiurt betracht, Die er muß thnn, all weil er lebt. Biß daß er gar hat außgestrebt Das Scliiff, darin er fahren soll, Ist Gottes Kirch erbanwen wol. Dann ob schon sie ist auff dem Meer In mancher angst, sorg vnd geföhrd, Vnd bald vmbtriben werden muß, Wer drein einmal gesetzt ein Fuß, Ja auch kein gewissen platz nicht find, Sondern dahin thut fahren gschwind: Jedoch sie Gott bewaren wird, 79 Der sie allzeit gar weiblich Mhrt, Vnd sie nicht gar zu viel besohwerd, Damit sie recht erhalten werd. So wird ein lehr Schiff b'wegt zur stund, Maß endlich geben gar zu gmnd: Also, wann wir kein trAbsal hand, Ist Sicherheit in allem Stand, Vnd ist am grasten die gefahr, Wan man sie nicht will nemmen wahr. Wie auch ein Schiff vnbleiblich ist, Vnd jhme doch kein ort gebris: Also die Kirch bald hie, bald dort, Vnd findet doch allzeit jhr ort, Biß sie ein bessers gefanden hat In der himmlischen BArgerstatt. Nun fahrt die Kirch hin anff dem Meer Der b^sen Welt, nicht ohngef&hr. Dann wie das Meer vnrAhig ist Mit seinen w&lFn za jeder frist: Also die Welt viel vnrah macht, Vnd schlegt an d'Kirch mit gantzer Macht. Drumb maß sie haben ein Patron, Der sie recht fAhr ohn vnderlan. Derselbig ist der Herre Christ, Der aach allein der Wege ist, Vnd stillt zugleich deß Meers wAten, Darvor er yus kau behAten. Jedoch braucht er die Ruder-knecht, Die Prediger, so trew vnd schlecht Bewaren sollen vor anstftß Die Kirchen vnd verhüten s'bdß: Damit kein Schiffbruch b'schehe nicht Am Glauben, wie S. Paulus spricht. Dann der Glaub ist, sag ich fArwar, In disem Schiff die beste Wahr, Die wird durchs Wort erhalten recht. Wann Gottes Geist drein w&het schlecht: Wie ein S&gel mit gutem Wind Das Schiff erhalt vnd treibet gschwind. Wann schon kompt her ein Widerwind, Derselbig doch kein schaden bringt: Dann Gottes (jeist viel stArcker ist, Der w&het frey zu jeder frist, Vnd ob er schon nicht alle zeit GespArt wird, ist er doch nicht weit. Die S&gel auch beym Wetter gut Man ordentlich ablassen thut: 80 Dargegen aaiSgezogen werden. Wann sich erzeigen grosse gefärden: Also vns Gott sein Wort verleycht, Wan die Verfolgung von vns weicht. Soll aher diß Schiff seinen Paß Recht nemmen, ist noth ein Gompaß, Darmit man seh zur Gynosnren, Wie wir vns richten nach der vhren: Die ist Gotts Wort, ein zeiger feyn, Vnd zeiget vns die Wege sein. Weil auch das Schiff aaff d'felsen stAßt, Wann es der Ancker nicht erl&st, In dem er aoßgeworffen wird, Daß also das Schiff nicht verdirbt: So muß der Ancker vnsrer Seelen Vns lernen Christo recht befehlen, Der vns allein erhalten kan, Vnd solt es vm vns gef&hrlich stahn. Dann wie der felß das Schiff erhalt, Wann er den Ancker gewaltig halt: Also d'Hoffnung vns wird ei^lten, Wann sie Christum wird recht behalten, Besonders wann das Schiff wird glangen An seinen Port nicht ohn verlangen: Derselbig Port ist's Vatterland, Die Grechten da jhr wohnung band. Drumb schaffen wir vnd schiffen wol, Daß vnser Schiff sey Goldes voll, So Christus gibt auß frembdem Land, Der alles hat in seiner Hand, Vnd daß vns Gott sein Gnade send, Damit wir kommen bald zum end, Vnd das vmb so viel eh vnd gschwind. Wann wir nicht lang geschiffet sind. Dann die gefahr nur l&nger w&hrt. Wann einer lang ist auff der Ek'd: Wie b'schw&rlicher die Schiffart ist, Wann sie muß w&hren lange frist. Nun ist mein wünsch von gantzem hortz. Daß vnser Schiff nicht hinderwerts Getrieben werd: sondern fahr fort, Biß daß es kompt an's Himmels Port: Vnd wann es leyd hie w&llen viel, Daß es Gott fAhr zum rechten ziel. Amen. Johannes Groß, Pfarr. bey S. Leonhardt, in Basel. "WeisLeit aus Geiler von K. und Andern V«) feindla^») daraofffoma, I) Katharina. S) Diaes und die folgenden vor t, et stehenden o sind norddeutscher Aussprache nach ffeschnben. 8) Gem. 4) S. unten 9). 5) Yeita (GenetiT). 6) Ist edit und augsb. sehwahiseh. 7) Thomss oder Dossinicus. 8) Mathias. 9) DisM o ist echt schwibisdi, wo oi = ai ahd. ei, ai. 10) Aette. Vater. II) Link, echt obersehwah. augsb. 12) gelert 85 DarDBu deß Krettlamacher '*) Anna Ihr Etta macht in ^'') eini Etta ^^) divanna Zansa Baura Barla weit I Au gera lada laun. Dann Re Haut lang deinat^*)bey meiner Amma^) Und no zuo doife aUelamma, Wett I au latfda'^) laun daur zuo, Dels Hansa doila Banrabuo. Berlin Wilhelm Seelmann VgL die Sprache in der Fafnachteinladung, flieg. Bl. von mir mitgeteilt in Frommanns deutschen Mundarten YII 488. Die verständnislose nordd. Nachschreibnng ist hier zu beachten. B Aus ungedruckten Papieren Job. Peter Hebels I Als die alemannischen Gedichte Hebels bald nach irem Er- scheinen 1803 durch die günstigen Beurteilungen eines Job. G. Jakob], Jean Paul und 1805 auch eines Goethe sich rasche Aner- kennung und Verbreitung errungen hatten, wurde früh der Gedanke rege, sie in der hochdeutschen Sprache zu besizen. Jakobi sprach disen Gedanken zuerst im Freiborger Intelligenz- und Wochen- blatte aus; er meinte, wenn auch manche Schönheit verloren gehe, so müste doch auch in der Üebersezung der Stempel des echten Dichtergenies noch an inen erkannt werden. Mit einem gewissen beim ersten Auftauchen des Gedankens berechtigten QefÜl sprach Jean Paul dagegen und Hebel meinte, eine Üebersezung ins Hoch- deutsche komme im Yor, wie wenn man ein hübsches naives Bauemmädchen in städtischen Puz kleide und in die vomeme Gesellschaft einf&re. Ungeachtet dessen erschinen nach einigen Versuchen J. G. Jakobis in der Iris schon 1808, 1811, 1817 und 1824 vollständige Uebertragungen ins Hochdeutsche. Wie ser solche üebertragungen biß in die neueste 2ieit einem Bedürfnisse entsprachen, zeigt die von R. Reinick mit großem Geschmacke veranstaltete, mit den bekannten reizenden Bildern von L. Richter ausgeschmückte Umdichtung, die seit 1850 immer wider neu aufgelegt wurde (1869 fUnfte Auflage Leipzig bei Wigand). Neben den poetischen Federzeichnungen Richters ligt der Grund der Verbreitung in den Gedichten Hebels selbst. Jakobi 18) BartholomaBus. 14) Fein, gewiß. 15) Ser, heftig. 16) Korbmacher. 17) Warscheinlich is = ans, incliniert zu lesen. 18) Ist Widerholang; dvanna ist Wanne, Korbflechterarbeit. 19) Gedient. 20) Mutter. 21) Ist üblich, troz kurzem a. B 86 k*i mit Atr Wördigoog einer Uebertngmig Tolbtindig das Rich- iitf« geiroffiro« Wenn sneb der Tertraiita Kenner der alemanni- mtmi Mundart bei der Uebertragong ins Hoebdeatscbe etwas ¥ori der Natorfarbe und dem eigentfimHcben Blütenstaub diser I'fMisisn vermi&t, so atmen die Gedichte docb anch in dem neuen Cl «wände echte Poesie; die reizenden Detailmalereien, die Naivität und vor allem der rerkl&reode Hauch, in dem Hebel, im Gegensaz XU Dialektdfchtern alter und neuer Zeit, das alemannische Volks- liflisn de« Wieentals widergibt und nach seiner gemütvollen ide- alsn Beite sum Ausdruck bringt, ist inen unbenommen, und be- kundet die ächte reine Poesie. Es ligt etwas Wares in dem, was lieiniok in der Vorrede zu seiner Uebertragung sagt: „Es Ist nlüht bloß der Volksgeist des Schwarzwaldes und des Breisgaus, nicht bloß des Niderlandes und des südlichen Deutschlands, der In dlien Gedichten lebt; es ist der Geist» der vom Rhein bis an (llo Iltiaulsohen Grenzen, der von den Alpen biß zu den Wellen (tnr Nordsee und des Baltischen Meeres in Zeiten der Gesund- hnit alle« Große und Herrliche im deutschen Vaterlande erzeugt und durchdrungen hat: der Geist der schlichten ungeschminkten . . . Wahrheiti für die keine Sprache der Welt einen so reinen diohti»risohen Ausdruck bietet al« die unsrige." •— Von Hebel selbst ligt ein Beispil der üebertragnng vor in di^m Gedicht«: der Abendstem, das bald nach seiner Entstehung im J«re 1804 von im ins Hochdeutsche übersezt wurde; das Gimlielit «inwhin geilruokt in der von Jakobi herausg^ebenen Iris \\\\ Jahr 1x^^04 und ist in die Sammlung der Werke Hebels über- l<«^aii|(«ii« Hebel muste sich bei der Üebertragnng nicht wenige Abweichungen vom Original gestatten, aber der individuelle Bds, di«' Gematlidikett und Naivität ist mit in die neue Form hin- tlbiNriteihmittien : Willkomm« wiUkomm ! schon wieder da Tiid schon denselben Beigen nah Ott Keber «ohikier Abendsten? B«i ««UMir Mutter wir er geni; Kr tri|^|ieh naai sut matten Sd^ni Cttd höh sie «Im dock ttckt IVii» iV^uMd W«fil: Va iMU^itki ^kr :s«ifte wniü a^ IV li«W «(AK'^se Obc«t«ni: >^ a» ^Fi)is 4« ktts^i A ^k^MüxW 1% «*^ m l^^ll i^ iAiKvba^ 87 RReioick übersezte: Und kommst du auch schon allgemach? Was läufst du so der Sonne nach? Du lieber schöner Abendsteml Sie soll dich küssen möchst du gernl Ja tripple du nur hinterdrein! Ich wett du holst sie doch nicht ein. Man sihty beide Uebertragungen haben ire Reize. Das noch vorhandene Konzept der hochdeutschen Ueber- tragung Hebels zeigt einige Abweichungen. Strophe 1 stat: und schon denselben Bergen, schon den falben Bergen nah ; Str. 7 heißt es: und endlich wieder abwärts get, etat: mächtig wider abwärts geht. Strophe 13 heisst es vom Sternen- himmel, wie uns dünkt, schöner: seht wie flimmerte weit und breit In Lieb und Fried und Einigkeit Und alle ihres Lebens froh. Wärs doch hienieden auch schon so! Wärend in den Ausgaben der Gedanke verwässert ist: In Lieb und Fried und Einigkeit Wird jeder seines Lebens froh ! Wärs doch hinieden auch schon so. In einem Faszikel Hebelscher Papiere, der in der neuesten Zeit in dem Großherzoglichen geheimen Archive in Karlsruhe sich vorfand und uns gütigst zur Durchsicht zugestellt ward, wel- cher eine Anzal Konzepte zu Hebels Gedichten, zu Rätseln, Briefen und Studien Hebels enthält, findet sich neben dem Konzept der obengenannten Uebertragung des Abendstem, noch ein größeres Bruchstück einer hochdeutschen Uebersezung vom Gewitter, von Hebels Hand geschriben und mit den Korrekturen eines Konzeptes. Das alemannische Gedicht erschin zuerst 1806 in der Iris von Jakobi und ist mit den nach 1803 entstandenen Gedichten erst in die lezte von Hebel 1820 veranstaltete Ausgabe der Ge- dichte aufgenommen. Die Uebertragung lautet: Kinder holt die Wasch vom Seil Auf, Kunigund, nimm auch ein Theil Und Fritzchen treib die Schafe ein Es steht ein Wetter auf am Rhein; Mein Krähenaug, was sagt ich heut, Hat wieder richtig profezeit. 88 Die Schwalbe schwankt so tief und still — Weiß nicht wohin sie fliehen will. Es kommt so schwarz and kommt so schwer und an dem Himmel h&ngt ein Meer Voll Wetterdonst. Horch wie es schallt Und wie's am Blauen wiederhallt. In großen Wirbeln fliegt der Staub Zam Himmel auf mit Halm und Laub Und seht nur jenes Wölkchen an! Wol möcht ich wissen, wer's so kann. Seht wie ers aus einander reißt, Wie unser eines die Wolle schleißt. So helf uns und behüt' uns Gott Wie zuckts daher so feurig roth! Und kracht und stoßt, es schauert mir Die Fenster zittern und die Thür. Und sieh das Kind im Bettchen an Da schläfts, und nimmt sich nichts drum an. Die Nachbarn läuten drauf und drauf In Schliengen, dennoch hörts nicht auf Das fehlte noch, wenns donnern soll So läuten sie die Ohren voll. helf uns Gott, das war ein Schlag 1 Dort, sieh den Baum am Gartenhag. Noch schläft der Kleine sanft und gut Und hat beim Donnern leichten Muth Er denkt : ,,da trifft mich nichts davon Und wo ich lieg, das sieht er schon.'' Jetzt streckt er sich, jetzt dreht er sich AuÜB linke Ohr. Gott schirme dich! sieh die weißen Streifen dort Und in der Luft, horch wie's rumort Es kommt! Gott woll uns gnädig sein Hängt hurtig alle Läden ein! Wie stand das Weizenfeld in Pracht Nun schöne Erndte gute Nacht! Es rasselt auf dem Kirchendach Und vor dem Haus wie rauscht der Bach — Kein End! daß sich Gott erbarm Nun sind wir wieder alle arm Doch dachten wir nicht auch schon so? Und wurden wir nicht wieder froh? Die leztsa 4 Strophen fanden sich nicht vor. Vergleicht man die Uebertragiing mit dem Original, so ist es unzweifelhitft, dnß das Gedicht vil verloren hat. Das Gewitter ist eines der anacbaulichsten Gedichte Hebels, das warhaft pla- stisch einen Moment des Volkslebens darstellt : die Anzeichen eines herannahenden Gewitters, der Schrecken der U eberras cliuug, das Basaeln und Prasseln des Hagels, das schnelle Verschwinden, die Bestürznng in Folge der Verherung und wider Trost und, ala reizendes Gegenbild das schlafende Kind, das sich um alle diae Schrecken nicht kümmert, und das dem Dichter Veranlassung gibt, an die religiöse AufTassung solcher Ereignisse zn erinnern: gebiB Gott e ChindersiDu aj^ S'isch große Trost and Sege drin. Wf^ Ala Probe der Ahschwächung nennen wir Strophe 4 Zeile 3 *■%• schauert mir, für es jach e Gnius. Strophe 6 Zeile 5, jeat streckt er sich, jezt dreht er sich, filr: es achnäufelet es dreiht si hott. Strophe 2, Zeile 6 wie unser eins die VFolIe schleißt für: wie Anaer cia wenns WuHe zupft. Der Ausdruck schleißen ist zu modern für diaea Volksbild und ist unseres Wissens überhaupt in jenen Gegenden nicht im Gebrauch, so daß ein Provinzial au a druck au die Steile eines andern gesezt wird. In Strophe 5 Zeile 2 ist: In Schliengen üheräüssig, nachdem der individuelle Zug des Ori- ginals sie löute z' Schlienge druff an druff, in der Uohertragnng in die Wendung verwandelt ist, die Nachharn läuten. Eine andere Abacbwächung Strophe 2 Zeile 6 : von Berg zn Berge widerballt, hat Hebel durchgestrichen und dafür das Individualisierende des Originals beibehalten : und wies am Blaue widerhallt. Die Situation dea Gedichtes iat das badiache Oberland : offen- bar der Anfenthaltaort Hebels als Vikar, das Dorf Hertingen, eine Stunde von Schliengen mit Ausaioht rückwärts auf den Blauen, und vorwärts auf das Elsaß. Hingegen bietet das Konnept der Uebertragung einige Vorzüge vor dem alemannischen Gedichte, dabin gehört in Vers 2 ; die Schwalbe schwankt so tief und still, wo das alemannische Gedicht hat: der Vogel schwankt ao tief und atill. Strophe 1 der Uebertragung ist neu und findet sich im aleman- nischen Gedichte nicht, das anfängt: Der Vogel schwankt so tief and still. Die Uebertragung hat damit einen der anschauHchstcn Züge des Volksbildea bewart: das ist der Rnf bei einem herannahenden Gewitter: schnell die Wasche herein! und das ganae Haus wird f^ewönlich, was nicht auf dem Felde ist, zusammengetrommelt, am zu retten! S'icht minder karaktenstisch ist der Zug, daß irgend ein sich weise d unkender Großvater oder Vetler beim Eintreten aolcher Naturereignisse anafürt, sein Eräbeuaug hab es I den ganzen Tag schon angezeigt. i dem Atemannischen ' beknnnteD Bet Wir können aus dem Vorhaiidensein diser Strofe in der DebertragiiDg und aiu irem Feien im alemanniBcben Gedicht den Schluß ziehen, daß die Ueliertragung bald nach der Entste- hung des alemannischen Originals, verrnntlich ooch vor dem Druck desselben entatanden ißt, und daD dise Stropbe auch im ale- maoniBchen Gedicht vorhanden war, aber vermutlich wegen des Krilheaauges auf Wunsch des allem volkatümlicb Ausdrucks vollen abholden Heraosgebers der Iris wegblib. Im Gegenaaa za den Uebertraguiigen s iuB Hochdeutsche, war es Goethe, der in B' teilung der Hebelschen Gedichte in der Jenaer Litteratur-Zeituiig den Gedaaken aussprach, deutsche VolkBljeder ins Alemanniscke zu übertragen. Koelle, der bekannte Adjunkt des Hausfreundes, der seit 1809 mit Hebel näher bekannt wurde, erz<: er habe nach dem Erscheinen von des Knaben Wunderhorn, über das sich Hebel ser ergezte, im vorgesch lagen aus diser und aus andern Samm- lungen eine Centurie in alam an nischer Mundart zu bearbeiten, Hebel habe bereits merere, unter andern den Bettelvogt voD Heidelberg angezeichnet; aber die Ausfürung des Entschlusses sei ligen geblieben '). Wie es scheint hat Hebel doch einige Tersnche der Uebertragnng gemacht, ist aber aus irgend einem Grunde wider davon abgegangen. Wenigstens finden sich in dem zum Eingange erwänten Fas- zikel zwei kleine alemaimiacfae Bruchstücke als Konzepte von Hebels Hand, die sich als solche Uebertragungen ans dem Qoch' deutschen ins Alemannische ausweisen dürften. Das erste lautet: Der Waechter rfleft den Morgen a: „Wacht auf, wacht auf der Tag beginnt!" Druf luegt ai Sternli e'ander a : „WAi-s mögli? Wie doch Zit verinnt!" Der Mond luegt was si Zitli seit Er traut em oit, er hebta ans Obr ; Er seit der Wächter iach nit gscheit, ai Uhr goht um zwo Stunde vor. Druf sitze d'Sternli alli nieder Un nemme s'Rnd im spinne wieder. stat Zeile 2 findet sich im Konzept durchgestrichen: Wacht auf der Tag vorhanden ist uud atat Zeile 8; Es bet BO bi zwo Stunde .... 91 Das andere Bruchstück lautet: Es chunt e Bursch mit blutigem Rock Mit Schnufe un Schwitze, Ins Wirthshaus z'laufe zum goldene Bock Wo preußische Werber sitze Herr Werber, Herr Werber, o rettet mi gschwind S'chunt hinter mer z'Iaufe wie Wetter und Wind, Mi Schaetzli, das hani verstoche. „Und wenn du dein Schätzlein verstochen hast, Ist all sein Leiden vollendet;" Herr Werber, das bringt mer kai Ruh un kai Rast Im Böse bini verpf&ndet I gehr jo kai Handgeld, o rettet mi gschwind, S'chunt hinter mer zUaufe wie Wetter un Wind, Furt ueber Bahnstei un Graentzel I ger ke Handgeld! Euch gib i no Vier Thaler, wenn der mi kettet, ch^nmiet, o chömmet enandemo Sust ist mi Lebe verwettet. Der Werber gArtet sie Saebel a Druf h&nkt er si Rauch Tabacks dra Un ladet sini Pistole. Sie wandle uf wolvertrauter Bahn *8 Land ab und allewil abe; Sie luege enander bald freudig a: „Jetz wäre mer Aberm Grabe. Dort stobt der Bahnstei im grasige Feld Der Bursch lengt in d*Tasche un chnAst im Geld : Her Werber vier Bairische Thaler. Im K onzept finden sich noch folgende Korrekturen. Strophe I ile 1 heißt es ursprünglich: Sisch cho ne Bursch, wie Milch un Bluet Strophe H Zeile 2 und 3 ursprünglich: Lebendig wird es dir nimme! Drum ebe, so hani kei Ruh un kei Rast. Strophe III fieng ursprünglich an: Un wenn de mi ueber de Grenze . . . Das ganze Alemannisch beweist, daß Hebel ein hochdeutsches Ikalied vor sich hatte, dem er sich oft ziemlich wörtlich anschloß ; 92 denn die Alemannischen Redenswendungen tragen öfter das Gepräge des Ursprünglichen nicht an sich ; man merkt inen wie dem ganzen Bruchstück an, daß de Uehertragangen in hochdentschen Redens- arten sind. Zum Schluß diser ersten Abteilung folge noch die iir- sprütigliche Form des alemannischen Dank-Liedes an die Ver£EU»e- rin eines alemannischen Gedichtes : die Biene, die in Freiburg lebte : Sueß wie uffem chleine Tisch s' Imlis rein! Hunig isch — s' Bl&ttli sufer, Bluemli dra — Lacht mi eue Liedli a In de Stube chunts eim nit Us de Bücher lert mes nit Neiy wo's Imli d' Stiefele chauft In de Blüthe s' Chöpfli sauft Finndt me so scharmante Sache Und e Gmuethli zart und guet Und e heitre Sinn und Mueth Chas zuem nette Liedle mache. In den gedruckten Ausgaben lautet das Gedichtchen also: Wer so ne Liedli macha cha Mueß selber schier en Imli sy. Er leit so zarte Zelle a Un treit so reini Honiff dri. Nei in de Stube chunts eim nit Und in de Buechere lehrt mers nit. Wos Imli sini Stiefel chauft Im Blueme-Schooß sie Ghöpfli sauft: Dort find me so schermante Sache. Und so ne Gmuethli zart und gut £ frumme Sinn, e frumme Sinn, e frohe Muth Cha's au zum nette Liedli mache. Auch von diser Form ist noch eine Reinschrift von HebelB Hand vorhanden. Karlsruhe Georg Lftngin Soldatenpredigten aus der Reichsveste Kehl *) II II m Advents-Sonntag, Auszüge Lasset uns erbarlich wandeln. So hat uns Paulus 4n dem Ein- gang ermahnet. Dieser erbarliche Wandel des Soldaten aber zeigt sich wann er ablegt die Wercke der Finsterniß, und sich vor 1) Alem. VII 175 ff. Freaseo und SauSen hütet. Bätet eucb, diiß eure Herbien nicht beschweret werdea mit Freaeen »nd Saufien, heiet der Text ana dem EvADgelio. Der Heyland geht nauh Beiner Weißheit gar ver- Dünfftig mit den Menschen um, und will iina keine Last auflegen, die wir nicht tragen können. Er aa^ nicht: Hütet euch, daß ihr nicht esaet, oder auf gewisse Tage diß und jenes niclit easet. Ea ist Menachen-Gebott und Lehre, wann man sagt: Du aolt dos nicht angreiSen, du solt das nicht kosten, du seit daa nicht anrühren. Col. 2, 21. 22. Er verbietet uns auch den Wein nicht, daß wir nicht trincken aollen, wie die alte Lacedaemonier aus der Er- fahrung, was Ifir böse Folgen aua der Trunokenbeit im Krieg entstehen, den Soldaten den Wein gäntzlicb verbotten haben. Auch sind ihm die mäßige Sorgen der Nahrung und dea Beruffa ao gar nicht mißfällig, daß er vielmehr durch seinen Apostel erinnert: Regieret jemand, so aey er sorgTdltig. Rem. 12, 8. So jemand die Seinen, sonderlicb seine Haußgenosaen, nicht versorget, der hat den Glauben verleugnet, und ist ärger dann ein Hey d. I.Tim. 5, 8. Sondern Fressen und SaufTen ist ihm zuwider, und das ist erst wider die Erbarkeit, wann damit daa Hertz beschweret wird. Man mercke es z. E. an sich selber, wann man sich im Essen zu viel überladen hat, ob man nicht zu weltlichen Geschafften, wozu nicht eben die Hand, sondern der Kapff und ein Nachsinnen erfor- dert wird, gaatz autäcbtig iat. Nuch viel untüchtiger ist man bey solcher Beschwerung des Kertzena im Geistlichen und im Gottea- Dienst. Daher kommts, d»ß die Mittag - Kirchen so leer sind. Aasser dem, daß etlichen die Kiuder-Lehr eine verächtliche Sach ist, höret man sie offt ihre eigene Schande bekennen: Sie könten keine Andacht so gleich aufs Essen haben. Der Schlaf überfalle sie. Ein Sp»tziergang oder Bewegung, wann sie auch nur mit Warffei, Karten und Brettspiel gemacht wird, aey gesünder, als eine Stund hie still sitzen, und dabey so bekannte Sachen hören. Damit geben sie dann Zeugniß wider sich aelbat, daß sie ihr Hertz mit Fressen und Sanffen beschweret haben, weil sie so verdrossen zum Loh Gottes und F'ortsetzung ihrer Sabbaths- Pflichten sind, nnd daß sie keine Christliche Mahlzeit eingenommen, wie Chryso- stomiis fordert: „Kein tapfferer SoIdn.t sucht auf dem Kampff-Platz „ein Bad, oder einen Tisch mit Essen und Trincken übersetzt. Diß „taugt vor keinen Kämpffer, sondern vor einen Zartling. Es ist „jetzt eine Zeit des Streita und Kampffs, und also auch der Wunden, „Angst und Schraertzen;" und Theodoretus von den ersten Christen sagt; „Man hält bey uns keusche und massige Freuden -Mahle, ,, nicht mit vielem Wein und Fresserey, oder schändlichem Ge- „lächter, aoudern mit Gottlichen Gesäagern und Anhörung hei- „Uger Reden." Haben aie nun gleich bey ihren Mahlzeiten ge- BUDgen, und Gottes Wort angehöret, warum können wirs nicht «uf das Esaen in der Kirch thun? nnd mag dann auch eine see- lig«re und hertzlichere Bewegung seyn, ala daß das faule Herta J I I I dorchs Kirchen-Gesang wieder ermuntert, zu Gott geeogcD, und ansere Speise durcb Wort Gott«s und Gebett geheiliget, und zur rechten Verdauung tüchtig gemacht wird? Es Ut aber nicht allein unter dem Fressen, welches Christus verbietet, begriffen, wann man in der Quanliläl, und mit Eio- Bchluckung allzuvieler Speiß Ji^cess macht, dawider der Rath Sii-achs Csp. 38, 32. etc. zu mercken ist: Friß nicht su gierig, dann viel Fressen macht kranck, und ein nnsättiger Fraß kriegt dflB Grimmen. Viel haben eich zu t«d gefressen, wer aber mäßig ist, der lebt desto länger: sondero man kan auch in der Qualität, und durch Geniesaung leckerliaffter und. niedlich-zubc-retteter Speiß wider das Gebot des Herrn sündigen, sein Hertx beschweren, und Doh an Seel und Leib schaden, wovon eben dieser Sirscb in den vorhergehenden Versen sagt: Mein Kind prüfe, was deinem Leib gesund ist, und siebe, was ibm ungesund ist, das gib ihm nicht, dann allerley dient nicht jedermau, so mag auch nicht jederman atlerley; überfülle dich nicht mit allerley niedlicher Speise. Es wäre besser zu unserer Menage, und für unsere Gesondheit, wann die alte teutsche Einfalt im Essen noch zu finden würe, und man nicht von so viel i^fcosjfn hörte, und ich weiß nicht, wie die Nah- men alle heisseu von den Speisen, wo so viel Zeug manchmal wider die Natur untereinandi^r gemooget wird. Die Katur ist mit wenigetn vergnüget, und bedarff keine Kocli - Bücher, aucfa keine Koch aus fremden Ländern, oder daß Leut ausdrücklich darauf reisen, un- sere Soldaten, die sich ilire Suppe, Zugemüß und Fleisch selber kochen, haben diesen Vortheil davon, daß sie wissen, was sie ge- kocht, und daß es auch reinlich dabey zugegangen; da hingegen mancher grosse Herr den Scbmute seines Kuchen ' Jungen und andere eckelhaffte Sachen zugleich mitessen muß. Wehe dir Land, des Fürsten früh essen ; {also auch dae Frühstücken ist nicht su loben, worauf man den Tag hindurch nicht so frisch und munter, wie sonst, zu seinen Geschafften ist.) Wohl dir Land, des Fürsten essen zur Stärcke, und nicht zur Lust, stehet im Fred. Sulom. Ciip. 10, 16. 17. Man muß nemlich kein beatündig Werck ans Essen und Trincken machen, sondern wann man zu gewisser Zeit geessen, darauf wieder an seine ordentliche RerufTs -Arbeit gehen. Hätte es auch der Ofßcier gleich im Vermögen, daß ers bezahlen, und sich über seinen Stand sehen lassen könte, so muß er doch dencken: Wozu würde dieser Unralh dienen? Der König Salomo hätte es noch besser als ich bezahlen können, und doch will er, daß man zur Stärcke essen soll, und nicht zur Lust. Er kau ein reicher Mann seyn, aber es muß nur nicht bey ihm, wie bey dem reichen Mann zugehen. Will er zur Thür hinaus sehen, so siebet er vielleicht einen elenden Lazarnm, der nach etHch ttrosamen seufliset, oder sonst einen armen Mann, der in Kriegs-Zeiten von ihm oder eeiueu Soldaten verderbt woi'deo, und seinen Sohweiß i ihrer mntli will igen und HberflüBsigen Verach Wendung contribttireii mÜBsen. Diß kau Anlnß zu guten Gedancken geben. Weil aber unsere Soldaten fast keinem Laster mehr, als der Trunckenbeit ergebeu sind, so werden wir wohl viel mit ihnen zu Bcbaffen haben, biß wir sie ehrbnr machen, und das Wort Jesn ine Hertz hinein predigen : Hütet euch, daß eure Hertzen nicht beBchweret werden mit SaofTen. Meine Liebsten, es ist mir wohl bang, so offt der Monath-Sold ausgetbeilet wird, weil ich das wüste Gesauff, das unordiige Wesen, die Verschwendung der Gabe Gottes, and viele andere Sunden, als gewisse Folgen der Truncken- hdt, zum voraus weiß, und durch bo vieliältige Vorstellung und Ej-mabnung zum erbnrtichen Wandel nichts gerichtet habe. Und dieser Groliel ist nicht nur gemein bey den Gera einen, sondern ich hab schon Oflicier nach Mitternacht hören heimführen, ohne was meine Augen bey Tag gesehen haben. Darum höre mein Volk, laß mich reden, Israel, Inß mich unter dir zeugenl vielleicht, daß wir durch diese Predigt von den letzten Uingen einen und den an- dern ans dem Luder herans jagen, und vermögen mochten, daß er erbarlich wandle, als am Tage nicht in Fressen und Sauffen. Ich hab erstlich gesagt, das Sauilen sei ein schändlich und wider die Erbarkeit Inulfendes Laster. Wir beruffen uns auf eure Aufführung, und auf das jenige, was so offt unter uns ge- schieht. Zum Exempel, man sieht euch als Menschen in das Wirthahaus hineingehen, und wann man darauf das unsinnige 6e- schrey, das Geplerr der Lieder, das Springen und Tantzen, und andere TJnflUtereyen hört, oder bey dem Heimgehen oder Ueim- mhren siebet, solte man schier glauben, ihr seyet in der Hole der Oiret gewesen, darinnen ehemals die Kriegs-Leut Ulyssis in Hund and Schweine sollen verwandelt worden seyn. Es ist wider die Erbarkoit, darinnen der Soldat wandeln soll, wann er sich gleich des Morgens in Wein oder Brandtenwein volbauffet, und geht ihn vornehmlich das Weh des Propheten an: Wehe denen, die des Morgens früh auf sind, (nicht den Morgenseegen zu beten, und dATSof an ihren Beruff zu gehen, sondern) des Sauffens sich za befleißigen, und sitzen biß in die Nacht, daß sie der Wein erhitze, ond haben Harpffen, Psalter, Paucken, Pfeiffen und Wein in ihrem Wohlleben, und sehen nicht auf das Werck dos Herrn, und schauen nicht auf das Qeschüfft seiner Hände, daher hat die Hölle die Seele weit aufgesperret, und den Rachen nufgethan ohn alle Muse, daß hinunter fahren tieyde ihre Herrliche und l'öbel. beyde ihre Reiche und Fröliche. Es. 5, 11. etc. Es ist schändlich, d»ß die Sanff -Freude im Circul gehen soll, der kein Ende hat: Kommet her, lasset morgen seyn wie heutf!, nnd i wider alle Erbarkeit, wann i ■peyen mnß. Der Wirth mng KejHT Vf^asUmua bey seine holen, und voll sauffen, und soll ch vielmehr. Cap. öf), 12. Es iit m den Ueberfluß wider von sich :war bey solchem Unlust, wie der Auflagen auf die heimliche Ge- 9S I mScber, denbeo: l.ucri boniia odar ar re quaiibet, zugetruncken wurde: Mit Gunst und Ehren ihr Herren, ich will für die Gesundheit des Königs betten, und nach meiner eigenen Gesandheit trincken. Quo tibi potarum plus est in ventre saluturo, Hoc minus, epotis hisce, salutis habes. Man entschuldige sich auch nicht, daß es die Gewohnheit so mit sich bringe, und ein Stück der Ehre, Freundschafft und guten Vertraulichkeit sey, wann man auf einen setzt, und ihn wohl zu- gedeckt nach Hauß schickt. loh kan aber nichts entsetzlichers sehen, als andere toU sauffen. Man handelt dadurch ausdrücklich wider die Liebe, die man seinem Freund schuldig ist, and macht sich zum Werckzeug, wodurch der Abbadon, der grausame Ver- derber, den Menschen um Gesundheit, Vernunfft, Gewissen, Himmel and Seligkeit bringen will. Wie? wann derjenige, den du voll gesoffen, darauf Händel anfienge, und in den Händeln verwnndt oder erstochen würde? wann er zu tod fällt? wann er dieselbe Nacht einen Steckfluß bekommt, und, ohne den Rausch ausge* schlaffen zu haben, im ewigen Tod entschläfft? Bist du nicht Schuld daran, und meynest du nicht, daß du die Seele, die ins Verderben hinunter gefahren, und mit keinem Geld mehr zu lösen ist, vor Gott werdest zu verantworten haben? Achl daß uns Gott dermaleins Büß gäbe, die Warheit zu erkennen, und wieder nüch- tern an werden aus des Teufels Stricken 1 Darum es eine I6b- lielie Verordnung gewesen, die ich in einem alten Kriegs-Articnl „vor die erbare Teutsche Nation gelesen: „Es soll sich ein jeder „des Zutrinckens und ander mehr sündlichen Laster massen ^y* Und in einem andern: „Das Zutrincken soll dermassen verbotten seyn, „wo einer den andern müßigen, oder wider seinen Willen nöthigen „würde, der soll darum am Leib gestrafft werden." Ich hab zum andern gesagt, das Sauffen sey ein gefährliches Laster. Es geschehen wenig Duell, wo nicht die Trunckenheit den Zettel daza gesponnen. Alexander der Grosse würde den Clitum^ einen alten und tapffem Soldaten, der ihm in der Schlacht bey Granicus das Leben gerettet, nicht erstochen haben, wo sich beede nicht im Trunck übernommen hätten. Wo ist Weh? Wo ist Leyd? Wo ist Zanck? Wo ist Klagen? Wo sind rothe Augen? Wo sind Wunden ohne Ursach? Nemlich wo man beym Wein ligt, and kommt, auszusauffen, was eingeschenckt ist. Siehe 1) Sich mäßigen. Birlinger, Alemumlft Vin 9 98 den Wein nicht an, daft er so roth ist, nnd im Glaß bo sehön atdiet» er gehet glatt ein, aber hernach bdfit er wie eine Sehlange, ond sticht wie eine Otter: Sprüchw. 23, 29 etc. Dorch die Tronckenheit kan der Teufel einen in eine Sünde Btärfaten, davor er ala nOchtem einen Absehen gehabt h&tte. Man sage darnach nicht: ^Der Ransch hats gethan. Ich kan nicht dafOr. Es ist mir leyd, ich kan mich nimmer entsinnen. Dann anch nnr das prmct- ptMm nnd das freiwillige vorhergegangene Einstimmen der Seel kan schon eine fineywillige That ausmachen, ob es schon scheinet, daft man es nicht mit Willen gethan. Hftttcst dn keinen Raosch getmncken, so w&re das andere nicht nachgefolgt, daher stehet in dem Articnls-Brieff vor die Reichs -Yölcker: „Wofern sich einer „voll trincken, nnd in solcher seiner TmndEenheit jemand verge- yywaltigen, schlagen, oder gar ams Leben bringen, anch etwas an- „ders nngebOhrbehes verhandeln würde, soll dcnrselbe eben so wohl, ,,als wann er nüchtern gewesen wäre, (odor, wie es in einem <em „heifit, noch hirter nnd doppelt,) dämm gestrafft werden.^ Durch die Tmnckenheit sündigt man an seinem eigenen Leib, den man siech macht, und vor der Zeit ins Grab befördert; davon Philipp Melanchton su sagen pflegte: Wir Tentsche sanffsn uns kranck, arm, todt, nnd in die Hölle. Durch die Tmnckenheit werden die Begierden entiündt, und aus ihrer ficvgiona^sla gebradit, der Geist ged&mpffi, die Ehre Gottes und die Sorg vor unsere See- ligkeit vergessen, und die wachsame Yorbereitung auf den Jüngsten Tag verhindert Sonderlich aber beaeugen die Historien vielftltig, was die Tmnckenheit im Krieg geschadet. Da König Belsatser sich voll gesoffen, ward er des Nachts getödtet, und das Babylo- nische Reich von Dario aus Meden eingenommen. Dan. 5, 1. 30 31. Da Cyros unter dem Schein einer Flucht sein Lager voll Proviant und Wein hinterlassen, haben sich die Scythen darinnen wohl be- leoht, welche Gyrus unversehens überfallen und geschlagen. Die Stadt Si^racHsa war von Maredlo erobert, da die Bürger am Fest der Diana der Tmnckenheit nnd dem Spiel ergeben waren. Die Tapffsrkeit des Carthaginensischen Generals Hannibals hat das Winter-Quartier gesohw&cht, und den weder der Schnee noch das Alpen-Gebürg iwingen können, hat die Lust in Gampanien krafft- loß gemacht Armis vieiiy vUUs viehts est. Mit den Waffsn hat er überwunden, von den Lastern, sonderlich der Tmnckenheit, ist er überwunden worden, wie Seneca Ep. 51 von ihm schreibt. Da der Afiyrischo Feld- Hauptmann Holofumes so viel tranck, als er sonst nicht pflegte lu trincken, und seine Diener allesamt truncken waren, hat er den Kopff verlohrsn. Da nun das Kriegs-Voick hörte, daß ihm der Kopff ab war, ersohracken sie, und worden irr, und konnten nicht Rath halten, was sie thun solten, so war ihnen der Huth entfallen, und gaben die Flucht^ daft sie den Rbrftern entrinnen möchten, die sie sahen gegen ihnen daher ziehen. Judith 12, 21. 15, l. 2. Ja es ist au(£ auf den heatigen Tag 99> Diehts seltenes, daß man am des Saufiens willen im Feld angläck- lioh gewesen. So solt ihr nan, L. Brüder, die Wereke der Fin- sterniß ablegen, und hinfüro erbarlicH wandeln, als am Tage, nicbt in Fressen und Saqfifen, aucli eure Hertzen nicht beschweren mit Sorgen der Nahrung, dann kein Kriegs-Mann flicht sieh \A Händel der Nahrung, auf daß er gefalle dem, der ihn angenommen hat. 2. Tim. 2, 4. Ihr solt Kinder des Lichts seyn, und Kinder des Tages, nicht you der Nacht, noch von der Finstemiß. So lasset uns nun nicht schlafiPen, wie die andern, sondern lasset uns wachen und nüchtern seyn. Dann die da schlaffen, die schlaffen des Nachts, und die da truncken sind, die sind des Nachts trun* cken. Wir aber, die wir des Tages sind, sollen nüchtern seyn, angethan mit dem Krebs des Glaubens, und der Liebe, und mit dem Helm der Hoffnung zur Seeligkeit. Dann Gott hat uns nicht gesetzt zum Zorn, sondern die Seeligkeit zu besitzen, durch unsem Herrn Jesum Christum, der für uns gestorben ist, auf daß, wir wachen oder schlaffen, zugleich mit ihm leben sollen. 1 Thes- sal. 5, 5 etc. Beständigkeit, ihr M. L. Beständigkdt ist die Krone des Gottesdienstes, und an der Himmels-Leiter die oberste Stuffe, ohne welche niemand dargereiehet wird der Eingang zu dem ewigen Reich unsers Herrn Jesu Christi. Es sind 500000 Menschen mit Mose aus Egypten gezogen, uqd davon nur zwey in Canaan ge- kommen, Caleb der Sohn Jephunne, und . Josua der Sohn Nun. Diese sind nicht yom Herrn abgefallen, sondern haben ihm allezeit treulich nachgefolget. Alle andere durfften die Früchten dieses heiligen Landes nicht erndten, sondern ihre Leiber yerfielen in der Wüsten, weil es ein halßstarrig Volck war, das immer den Irrweg gieng, und nicht aufhörte zu murren. 4. Mos. 14. Also sind auch Isaac, Jacob, Moses und alle, die Gott lieb gewesen sind, beständig blieben, und haben viel Trübsaal überwinden müssen. Judith 8, 20. Eine so beständige Heldin ist auch in der Franzö* lischen Verfolgung jene Adeliche Dame gewesen, welche einem abgefallenen Prediger, den der Vicarius Generalis des Bischoffs iron A$^ers in ihr Gefclngniß mitgenommen, daß er sie gleichfalß bekehren sollte, zu beeder änsserster Beschämung geantwortet: „Ihr Unglückseeliger! wie kommt es, daß ihr so kühn seyd, die ,,Zengen der Wahrheit biß in ihr Gefaogniß zu verfolgen ? Schämet »4hr euch nicht, eine Weibs- Person an der Stelle zu sehen, in ^welcher ihr sein soltet? Ist nicht mein Geschlecht, mein Leyden »»an diesem Ort euch ein gerechter Yorwurff? — Damit ihr aber „keine Entschuldigung habt, so wisset, daß diese grosse Probe, in ,yderen ihr mich sehet, nicht so hart ist, als es das Ansehen ,yhaben möchte. Seit mich Gott an das Creutz ausgestrecket hat, so ,,finde ich Trost und Leben darinnen. Vergleichet nun meinen »,Staiid mit dem eurigen: ich bin hier getrost und ruhig: Ihr ^,aber, wie ich versichert bin, habt in euch nichts als Quaal und 100 yfUnmhe. Man hat euch Ehre und pensUmen venprochen, aber ,^ statt eaoh den Versprach zu halten, hat man vor eure Zag- «yhafftigkeit nichts ab Verachtung/' — — Wollen sich andere irr machen lassen in dem Kampff, der ihnen verordnet ist: ich nicht, muß er denken, ich bin kein neuer Recront» sondern ein alter Soldat, der über seinem alten Glauben klmp£Ft, und sich das Ziel nicht vermcken läßt, man mag mich rechts oder lincks fähren. Ich bin nicht von dir geflohen, mein Hirt, das weissest dn. Jer. 17, 16. Er maß wacker seyn alle- nmtj and betten. Elr maß sachen, das angefangene Weeen vest za behalten biß ans Ende. Hebr. 3^ 14. Er maß leyden können, daß man ihn straff». Nar die Unbändige wollen keine Zucht an- nehmen. Er muß sich nicht ftber seinen Prediger erboßen, und sagen: Ich bedarff nicht, daß mich jemand lehre, und verstehe es •eiber besser, als dieser fleischliche. Er maß sich nicht sehätawn, daß ers schon ergrifien habe, soDdem ihm nachjagen, ob ers er- greiffen möchte. Phil. 3, 12. Er muß bleiben in dem, was er gelernet hat, and kein Schweackfelder seyn, der sich von einem jeden Wind wehen, and in dem Bohr-G^ösoh seines «genen Geisies hin und her bewegen last, und mit dem seeL Dr. Luther betten: „Barmhertsger Gott, du hast mir gegeben, daß ich ein ,iGhrist bin worden, hilff", daß ich es bleibe, und nehme von Tag „au Tag SU im Glauben, wann gleiqh die gantae Welt solte fallen, „ottd skh jedermann icetten wörde, and der Teufel alle Töpfie ,«aerbreehen, so will ich mich nidit daran kehren, aoodem mit ,ideiner Göttlichen Hülff bey dem Evangelio bletben. Wir gehen zum andern Theil, und betrauten den beständigen SoUaten, der nicht weicht in seinem kibfiebeo Dienst. Diß hat nicht die Meynung, ab ob er aUeaeit ein Soldat bleiben, und nianermehr quittirai dörfiie, wann er einmahl Dienste genommen. Es mag seyn, daß er leichtsinniger weiße in diß Leben gekommen, daß die prmeeipUamit Jagend sidh dareh den Schein grosser Frey- heit veiieiten lasMn, daß es mit Unwillen, Verdroß and Hertaelmd der Eltern geschehen, oder daß er kttne Neigung mehr sum Kriegs- Slaad hat, sondern Gott and dem Nächsten nutsüdier im Barger- Uehen Leben, and in einor ordentlichen Haoßhaltang za dienen den Vorsala bat: so ist ihm sdran vergönnt, seinen ehrlidien Ab- schied an begehren. Er ist deßw^gen kein Rohr, das der Wind hin and her wehet; wie aoeh das Geeeta denen Ebräem erlaubt hnl, daß die jenige, so Häneer bnneton, oder frsyetoi, oder Wein- berg pflantiten, oder die voll Foreht waren« wieder heim ziehen darflten. 1. Maoc It, 56« So lang er aber von seinem Fahnen aiehl eal lasw e n isl> und s««ii Eyd ihn noch bindet, muß er aus seinem leiblichen Dienst nicht selber wetehen. Seinen Obern maß er g^^iorsnm wjn, und sieh ihrem Be^hl nicht widersetxen; wie anch die iwey JüQg«r sich ton ihrem Meisler Johanne gern su Christo senden liensen. Was seines Assla« und ihm befohlen ist, 101 deß muß er sich stets annehmen, seines Herrn Nutzen fördern, und seinen Schaden, so viel möglich, wehren; wie Husai auch bey Absalon,^ auf dessen Seite er zam Schein getretten, seinem recht- mäßigen König David getreu verblieben, sein Interesse befördert, und ihm zu gut den Rath Ahitophels zu nicht gemacht. 2. Sam. 15, 34. c. 17, 15. 16. Meuterey und Verständniß mit dem Feind muß er sich nicht in Sinn kommen lassen. Man dar£P im Krieg nicht hingehen, und sagen, was man siebet und höret. Solte ihm auch auf einige Zeit der Sold nicht gereicht worden, oder daß er Noth am Gommiß litte, wie es zuweilen in schweren Läu£Ften, oder wo die Zufuhr abgeschnitten wird, geschieht, so muß er doch be- ständig bleiben, und dencken, es sey eine FcUcUit&t^ dawider er nicht streiten könne. Wie es andern gehe, so gehe es ihm auch. Der sey kein Soldat, . der nicht im Nothfall Mangel leiden könne. Man habe wohl ehmals in belagerten Vestungen sich so aufge- zehret, daß man Pferd - Fleisch und andere unnatürliche Sachen essen müssen. Fordert ihn seine Schuldigkeit wider den Feind, so muß kein Ort so gefährlich seyn, dahin er sich nicht wolte beordern lassen; wie Ithai der Gethiter zu David sprach: So wahr der Herr lebet, und so wahr mein Herr König lebet, an welchem Ort mein Herr der König seyn wird, es gerathe zum Tod oder zum Leben, da wird dein Knecht auch seyn. 2. Sam, 15, 2h Keine beständigere und getreuere Leute aber kan der Fürst in seinen Diensten haben, als die auch Gott dem Herrn getreu sind, und aus seinem , Dienst nicht weichen. Welches jener Römische Kayser wohl eingesehen, indem er seine Obristen und Hof-Bedienten in ihrem Glauben zu probieren, auf eine Zeit ein Kayserl. fdict an seinem Hof ergehen lassen, in welchem er sich gestellt, als ob er alle Christen, die bey der Christlichen Religion beständig bleiben würden, in Ungpiaden von seinem Hof Verstössen, und hingegen die jenigen, die da von dem Ghristenthum abtretten, und denen beydnischen Götzen opffern würden, in Kayserl. Diensten mit allen Gnaden an seinem Hof stehen lassen wolte; darauf aber in Voll- ziehung seines Edicts das Gegentheil gethan, und an statt der standhafiPten Christen, die sich denen Götzen zu opffern geweigert, die Abtrünnige und Götzen- Diener von seinem Hof weggeschafft, mit diesem ernstlichen und nachdrücklichen Verweiß: Weil ihr earem Gott nicht getreu seyd, wie solt ihr mir, als einem sterb- lichen Menschen getreu seyn? Diß Urtheil haben wir auch hier schon unter den Soldaten wahr befunden. Sie wichen erstlich von Oott, und verläugneten ihren Glauben. In gar kurt-zer Zeit wichen sie auch von ihrem leiblichen Dienst, betrogen ihren Herrn und desertirUn u. s. w. Ich hab, G. Zuh. bißher den beständigen Soldaten vorgestellt. Die Worte unsers Evangelii: Weitet ihr einen Menschen in weichen Kleidern sehen: Siehe, die da weiche Kleider tragen, sind in der Könige Häuser, geben mir noch schließlich Gelegenheit, auch die beständige Soldätin zu zeigen, und nie zu ennabneD, daß aie in ihrer Kleiduog und durch etäte Veränderung derselben nicht aul so viel Thorheiten geratben solle. Variwn & inuiabiU semper Ffemina! hat der Poet geaagt, und es iat wahr, wann wir sie sonderlich mit so vieler Phantasie aufziehen, und die li'a^on ihrer Kleider so offt verändert Befaeu. Ich bin nicht so Singulair, daß ich verlangte, man solle, wie Johannes, ein raucli Kleid von Ca- mcel-Haaren, und einen ledernen Gürtel um seine Lenden tragen. Matth. 3, i. Mao mag sich einigei' Massen nach dem allgemeinen Brauch richten, und es könnet, demüthig und modest der Welt nacbthun, weil man sie doch nicht reformiren kan. Christus selbst bat sich in diese unacbnldige Dienstbarkeit begeben, daß er nach der danialigen Mode einen Bock getragen. Ich bin zum andern nicht so eigensinnig, daß eine wie die andere geben müsse, und sich durch die Kleidung in ihrem Stand nicht unterscheiden dörffe. Christus giebt dem Hof bierinnen etwas zum Voraus, und s^ti daß die weiche Kleider in der Könige Bäuaer getragen werden, und der Vittter aller Glaubigen schickte durch seinen Knecht Ele- asar seiner neuen Söhnin Rebecca silber' und gülden Kleinod und Kleider. 1. Buch Mos. 24, 52. Aber nicht nur dem Christeu- thum, sondern den Regeln des Staats ist es zuwider, wann man so gar unmaßig ist. nur stets nach der neuesten Mode fragt, das Geld aus dem Land schickt, und nichts vor proprer hält, als was in Pariß gearbeitet ist, oder aar einen Frantzösischen Nahmen hat. Bey solchen Umständen dai-ff man nicht fragen, waium Teutsch- land so arm sey? was die Frantzösische Kriegs-Heei-e übrig ge- lassen, das nehmen ihre Kaufileute und Moden-Erfinder weg, und wir sind so tböricbt, daß wirs ihnen selber mit grosaem Kosten schicken, und keinen Danck zu haben. Bej' einem Kind Gottes, bey einer Brant Jesu Christi, wird die Deraiitb, die tägliche Büß, die Erkänntniß der Sünden, das Angedencken an Jesnm den Ge- creutüigten, und die Vorstellung des Sterb- Kittels, solche mühsame Veränderung verbieten. Sie weißt, daß ihr die Kleidung nicht zum Geprang, sondern zur Duckung der siindlichen Blosse und Erinnerung des so schmcrtz liehen Sünden -Falls unserer ersten Eltern gegeben sey, und wann sie etwa bey Hof, oder bei einer Aufwartung, oder in Gesellscha£ft sich köstlicher als sonaten kleiden muß, HO seufl'zat sie über ihre ti^uZo- Kl eider mit der Königin Esther, und demuthigt sieb vor dem Herrn ; Du weissest, daß iaha tbun muß, tmd nicht achte den herrlichen Schmuck, den ich auf meinem Haupt trage, wann ich prangen muß, sondern halta wie ein unrein Tuch, und trags nicht ausser dem Gepräng. Stück in Esth. c. 2, 16. Sie macht sich aus einer so eitlen Sach kein so groß Ge- aahäfft und emharras, sondern denckt, ihre Seeligkeit zu schaffen seye sie von Gott zuförderst in die Welt gesetzt; ein gottloß Weib gebe bey allem ihrem Putz daunoch in Stricken des Tenfelsi es My nur ein Madeosack, dan sie so sorgfältig schmücke, and eine 108 ODsterbliche Seele übrig, die eines geistliclien Schniacks bedürftig seye. Höre Tochter, schaue drauf, und neige deine Ohren. Ver- giß deines Volcks, und deines Vaters Hanß, d. i. aller Manieren und Sitten, die sich mit dem Ghristenthum nicht reimen, so wird der König Lust an deiner Schöne haben, dann er ist dein Herr. ABirlinger Asketische Tractate aus Augsburg *) IV Von dem leiden Vnsera herren Jesu Cristi '). Wir haben durch bewerte geschrift, das das inwendig innerlich leiden YnTers liebsten herren vil vnd weitt grösser ist gewesen, dan das aufwendig leiblich leiden, vnd das vmb mengerlay vrsach willen, die ich hie in kurcz erzellen will, so du vor verstanden hast, wie das vier ding in der gemain gewesen send in Gristo dem herren, von 'dennen im das gaistlich kreuz das vnmasselich leiden geformieret und zft gefQget worden ist. das erst ist gewessen ein vollkomme verstaut* nus, die er het der vergangen, der gegenwürtigen und der künf- tigen ding, das ander ain vnmassige lieb, die er het zft Gott seinem himlischen vater vnd zu den menschen seiner geschöpft, das dritt ain vnmassenlicher ^) schmerzen, den er bekant ^) vnd sach der ewigen verdampuus. das vierd ain vnmasseuliche frßud, die er berait het allen seinen auserwelten in dem ewigen leben, das send gewissen vier vrsach der andren sachen des grossen vnbe- greiffenlichen leidens Jesu Cristi, wie du hören wirst in den nach- geschriben Sachen, entspringent auß den vier sachen. Die erst sach ist gewesen die sfind, in der Gristus gebebt hat zway aufsehen ^) : das erst zu seinem aller liebsten vater, so er den lieber hat, so im laider waß sein schmach, das er so vil mer schmerzens empfing von ainer yedlichen schuld, so vil vnd schwerer was des ewigen vaters aine yedliche erzürn ung die dan fo groß was als der, der dan fo groß erzürnet was. das ander aufsehen was zu dem lieben menschen, so er den lieber het, so im laider was sein schad, das er so vil mer schmerzens empfing von ainem yedlichen schaden so vil vnd dan grosser was der schad ains yedlichen menschen, nu was nichs das da mer wider die gött- lichen ere vnd schedlicher wer dem menschen dan die sünd, wan durch sy wirt Gott gewneret, verschmecht vnd verachtet seins aller liebsten gemaheles, der wunsamen sei, entpfrendt vnd beraubt jn 1) Vgl. Alem. VII 193-211. 2) Ein Auszug aus einem Leben und Leiden Christi c. 1470 gedruckt. Vgl. .Herrigs Archiv XLIII S. 231 ff. wo ich Proben, das Schicksal der Verdammten schildernd, mitteilte. Druck und Sprache bekennen Augsburg. 8) Mhd. unmäzlich adj. unermesslich, übermäßig. 4) Erkennen, wamemen. 6) Feit in den altd. Wörterbüchern. 104 seines bittem Sterbens und leidens, an dem felben ortt eitel vnd Yofrucbtper gemacht, also das Cristos, der da nach seinem weffen die gnad vnd barmhersdgkait ist, ab der schuld erschrechen vnd zittern ward, als von ainer zersterung seins weffens vnd Ver- nichtung seiner mainnng, die er im fEU'gesezt het in der enpfa- hung menschlicher natur. hiervm die sünd Gristo sein gedrang ^) vnd schmerzen ob allen dingen gemeret vnd gescherpfb hat; ange- sehen das die lieb des sunes zu seinem himlischen vater und zS dem menschen groff vnd vngemessenlichen was von nott, so mnst das laid vnd schroerczen auch groß vnd vnroessenlichen sein von der todlichen erzürnung Gottes vnd von dem verdörblichen schaden des menschen, der vergangen, der yez, vnd der künftig wer. wan Cristus die menig vnd schwere der fünd auß aigner verstantnus seiner ewigen weishait gegen wirtigklich bekant ^) vnd ansach von Adams sünd, pis auf des leczten menschen sünd, die er alle trug in seinem gemüt vnd auf seinem rucken, wan er für sye wolt genug thon, die im dan so vil wirß haben ge- thon, fo vil und er lye bas bekant hat vnd ir schad vnd verderbnus grosser was. o mensch gedenck wie in so übel ge- druckt bab die vnausfprechlich menig der Hlnd, wan er alle zeit ain aufsehen hat gehabt auf die kranckhait ^) vnd geprechen aller menschen, den sy haben in der schnellikait zu den Sünden vnd in vngeschicktlichait zu dem guten der an zall ist, dardnrch sye dan gehindert werden an dem obersten gät, das es so reichlich in sye uit fliessen kan, als es dan in im selbs milt vnd vberflüssig ist, das dem heren sein gedrang vngehewr vnd groß machen was, wan er wolt hinnemen alle die geprechen vnd so vil rew vnd laids für alle vnd yedliche sünd in besvnderhait auff sich laden, damit er überlud fein vnschuldigs hercz, wan er es beweget für ain yed- liche sünd, als vil rew vnd laids z& hau als dan vor Got aischet die gerechtigkait. darzu bezwang in die lieb der menschen, die er vor der gerechtigkait des vater verwessen wolt, wan er wol west, das es vnmüglich was, dem menschen so vil rew vnd laids zu haben für ain sünd, ich wil geschwcigen für vil sünd, als dan aischet die gerechtikait, darum Jeremias der proffet in dem gaist von im 8prac{i also: o wie groß, als das m5r grundloß vnd piter ist gewesen dein rew, wan er kom als ain erlosser von ewiger pein; folt das geschehen, fo muft er von not an Sich nemen den schmerzen der ewigen pein, der lieh vergleichen wer der todlich schuld, das da aischen ^) was die unpuglich ^) schlichte göttlicher gerechtikait, also das nichts vngepeiniget von der gottlichen ge- rechtikait aischet vnbelohnet von der gottlichen parmherzigkait 1) Sih Alem. VII 168: truck und getreng, ganz in demselben Sinne des Leidens Jesu. 2] Sih oben. 3) Schwäche, Schwachheit. 4) Verlangen ahd. eiscon. 5) Unbeugsam, unabänderlich. 105 beleiben wer, das da Cristo über alle maß erschrocklichen was, das er matt an fich nemen die leiben pein, damit gepeinigt werden die ewiglich verdampt sind ; noch dan thet er das mit freuden, wan er thet es mit willen, das ain yedlicher williger freyer wfircker lost hat in seinem wercken, es fey lost der natur oder der vemnoft, wie dan Cristns het. das aach so yil nnd er lieb het seinen vater ▼nd den menschen, so vil mer schm'erzens het er in der erzumung des Täters vnd in dem schaden des menschen vnd herwiderum fo vil fread zft volpringeu den willen des vaters ynd zfi erlöffen den ▼erloren menschen, wan het er es nit mit freuden und williglich gethon, so wer sein leiden dem menschen nit verdienlich, noch feinem himlischen vater geßiUig gewesen, hiervmb fo weittert er vnd ftrackt aufi seinen willen zu ewiger pein vnd leidung, das er gehorsam wer vnd genfig thet fär die ewige schuld seinem bim- lischen vater vnd vns verdienen wer die ewigen glorij, das da an* sach vnd erkant sein ewiger vater aufnemend den vnentlichen willen, als ob es volkomenlichen volpracht wer mit den werken; da durch er den verdienen was allen denen, för die er dan willig- lich wolt leiden alles das darzu Reh den beraiten vnd (trecken, was sein vnentlicher wil, begird vnd wellen, das ist das ewig leben aller menschen durch sein willige ewigs fterben vnd leiden. Die ander sach ist gewesen vndanckperkait, die im sein inwendig leiden vnd gedrang vast gemeret hat, darinn er auch zway aufsehen gehebt hat. das erst auf sein vngemessene lieb, die er het zfi dem menschen, die in thet an Hch nemen vnser geprechen vnd fär vns fterben an dem kreuz; ja fo große lieb an dem menschen gelegt, als ob im alle sein säligkait an dem menschen gelegen wer, nun 80 vil mer ainer den andern lieb hat, fo vil wirs im geschieht, so vil mer der vndanckper vnd vnerkenter der lieb ist, die da in Grißo grroß vnd vngemessenlich ist; von nott so muft der sehmerz der vndanckperkait auch g^roß vnd vngemeflen sein, das ander aufsehen was auff sain guthait mangerhand gaben vnd gnnr den, so er dem menschen beweist hat, wan er alles sein verdienen vnd auch darzu fich selber ganz aigen vmbsunst gegeben hat dem menschen, so das an im nit helfen ift vnd des herren lieb groß vnd der vndanckpem menschen vil vnd an zall sein, von not ist sein gedrang vnd inwendig leiden, das im alle vndanckperen herzen gepracht band, auch groß vnd vnmessenlich gewesen, wan er gegen- wirtigclich bekant vnd ansach aller menschen herzen von dem mynsten pis zfi dem maysten, davon Ambrosius spricht also : ift er vber die messe trawrig geweffeo, das er vns so klain bekant hat, vnwissend vnd vndanckper baider gutthaitt, das ift der vnge- messen lieb vnd der gaben, die so wunderlich groß vnzalber vnd wousam send gewesen in Cristo Jesu vnserm behalter. Die dritt sach ift gewesen fein mitleiden vber fein leiden, in dem er auch zway aufsehen gehept hatt: das erst auf die pein do von er fterben solt vnd die er han wurd in allen feinen 106 ftraichen, wunden vnd schmacliaiten wie wee im ain yedlichs thon ward nach zarthait feiner edelen vnd volkomen natur. die selben schmerzen wallen im gegenwürtigclicL alfo wol bekant, das der aufwendig mensch auch enpfand der schmerzen des gedrangs vnd peinlichait als ob er yetz geschlagen« gepeiniget vnd geschmeoht wurd, das da wol gemerkt ward an dem ölberg vnd oft so er gewainet hatt. das ander aufsehen ift gewefen auf das laid das sich ward begeben von dem grimen vbernaturlichen schaiden feiner wirdigen sei vod des edlen vnvermailigten iabemackel feines leibS| die fich alfo verainiget betten in Grifto dem herren, das himel - vnd erd eer zergangen wer, dan fy Geh nach natürlichem lauf ge- schaiden het, wer nit vbematurliche kraft der vngemeffen lieb komen, die do ftercker was, den der tod, vnd het difen ftarkeu- . Sampfon fein herz angewandt vnd zerprochen, wan es in feinem gewalt fkund fein fei zu laffen oder zubehalten: wie groß angft^ vnd not da gewefen sey, kan nymand aufgespreohen, funder di^ himel y das ertrich vnd alle geschöpft taten die öugen vnd_ gaben zu verfkend mit todlichem zittern vnd schrecken, dife zwa^ aufsehen: pein des leibs vnd laid des schaidens hat der herr^ allezeit angesehen vnd mit folchem mitleiden fein felbs an fioh ge^ nomen, das fein mitleiden vbertraff aller menschen herczen laid^ leiden vnd mitleiden, damit er dan auch verweffen wolt alle men^ sehen die pillich mit im folten haben ein mitleiden, wan er wol verstand, das kain mensch ain genugsam mitleiden mit im haben mocht, wie er den auch in rew vnd laid der fanden vnd in liebhaben den vater verweffen hat alle menschen vnd für fy ge- nug gethunn. das mitleiden mit im selbs ift so groß vnd vn- messenlich geweffen, das es nyemant kan bedenoken, wan vn- messenlich was die lieb die er pillich zft im felber het als z& dem oberften vnd allerpeften gut, dem gut aller guthait; von difem mitleiden fbet geschriben Mathei an dem XXYI: mein fei ilt trawrig bis in den tod. Das viert fach ift gewefen das mitleiden seiner lieben m&ter. dovon fein kiotlich herz mit groffen gedrang vnd schmeraen vber- laden was, wan er ir groß herzenlaid allezeit gegenwortigelicheD anschawen was, in dem er auch zway auffehen gehept hat. das erft was der göttlichen lieb halb, mit der er bekant vnd an fach dife fein muter, wie fy Oot vnder allen lauteren creaturen die aller nechft, die liebft, die vnschuldigft vnd die aUerhailigeft was, so vil fy dan 6ot lieber was, fo vil fy im auch lieber was vnd so vil fy im dann lieber was so vil im wirffer tett, das fy folt vnmassenlich betrübt werden, das ander aufisehen was der naturlichen lieb halb, wan fie fein liebliche wolgetane m&ter was, der leiden im mer zu herzen gieng, dan ihr felber, wan er es pas erkennen mocht er wol fprechen vnd fein lieb groffer was. so er Tie ansach vnd pey ir wonet, mocht er wol fprechen: herczliebe muter, weit du das ich waiß, wie wurdefb du fo herzenlioh betrübt, 107 Iran mich Dyemand nach 6ot meinem vater lieber hat, dan du mein allerliebste mnter, dise m&terliche mitleidung waffend allezeit lern herren betrüben sein hercz vnd gemAte, alfo das fein ge- lrang vnd schmercz, herauß enfpringend, groß vnd vnmeXTen- ichen waf fend, wie dan fein lieb zi ir groß vnd vnmaffenlich was. Dye fanft fach ift gewefen das mitleiden zu feinen gelidem: wan er das hanpt was aller auCferwelten, in dem er auch gehebt iiatt zway auffehen: das erfb auf alle pein vnd marter, die ie- mand vmb feinen willen leiden wurde, derfelben leiden im nacher g^eng zft herczen vnd groffer gedrang vnd schmerczen pracht durch fein vnmassenliche lieb vnd volkumen erkantnus vnd parmherzig- büt dan denen, die das felb leiden in ir äuffere synnlichkait iraffend enpfinden. das ander auffehen was auf aller menschen kamer, leiden, arbaiL gedrang vnd widerwertigkait, die im auch virffer band getan, dan den leidenden, als Sant Paulus spricht: wir haben nit ainen pischoff der nit ain mitleiden hab mit vnfern kranckheiten, sunder wir haben ainen, der in allen dingen verfueht worden ift on Xünd, das er parmherczig wurd; ja es ist kain Leiden noch mitleiden auf erd nye gewefen noch nymer wirt^ Gri- tbaa hab es volkomenlich gellten vnd enpfunden, das er damit für alle schuld davon entfpringen ifb das leiden, genug tat feinem himlischen vater, das da nyemand tun noch erschwingen mocht on die ewigen pein der hellen, davon alfo geschriben ftet: er hat durchwandert Jericho , das ist , er hat alle betrübtnus , küroemus vnd leiden der ganczen weit gelitten vnd getragen vmb ¥nfern willen auf feinem leib vnd in feinem herczen. Die sechft fach ifb gewefen die beranbnuls seines leidens, die im allezeit gegen wurtigcUchen ftieß an fein prüft vnd an fein edels herz vnd zartes herz, in der er auch zway auffehen gehept bat: das erft auf die großen menig der menschen, an denen fein groß vnmefßg leiden folt verloren werden vnd allermaÜt an feinen pmdern des judischen volcks aus dem er den entfprungen was vnd an den pösen Grifbenmenschen, die in feinem prat getauft folten werden, auch an der großen schar der vngelaubigen vnd an denen die in erbfünden oder todlichen fünden verschaiden vnd an der vnzallichen mänig der verdampten gaist, die alle fein geschöpft send, das im alles fo vil mer vnd grösser leides pracht, fo vil der fcQben mer waffend vnd er pas bekant iren verdörb- Liehen schaden, ja eines yedlichen ewige pein wolt er fein herz Laffen empfinden, dar zu in bezwang fein gruntloffe parmherzig- kait, vnausfprechliche liebe zu vns, das er nit vergessen kund des jamers vnd des laids feiner prüder, das zu inen nicht geraichen seit noch mocht sein leiden vnd verdienen, o mensch, laß dich nit verdrieffen, ob du zu zeitten betrübt wurdest umb feinen willen, ja vil mer vmb deinen willen, wan dein schöpfer vnd behalter ^) ift 1) Erlöser. 108 kainen aagenblick nye gewefen auf difer erd an pein vnd tod- lichen schmerzen vmb deinen willen, den nyemand leren noch be- greifen mag. das ander anffehen was auf die grosse der glori vnd freud, der fye beraubt wurde, das im fo vil wirfter tet, fo vil mer vnd groffer der glory vnd der freud was, die fy dan nit wurden besitzen, wie woll er fye darzfi durch fein vnmeffenliche lieb geordent het. Die fybend fach ifi gewefen die kfircz der zeit, darin er geliden hat, die da im fein lebtag was das da zeitlich vnd kurcz was gegen den jaren die die menschen auf ertrich im zeitt wurden fein, wan er für aller weit fand, künftig vnd vergangen, genug rew, laid vnd gedrang leiden mufb fo vil als dan die gerechtigkait Ootes aischen was, darumb fo vil vnd fein zeit gegen der langen zeit der menschen kurczer was, fo vil er entlicher fein muft die rew, das laid vnd gedrang ze merend, die fich alfo genugsamlich were außdenen durch alle zeitt der menschen. wie entlieh ifb er gewefen fo er auf ein ftund gelitten hat das genug wer fßr vier hundert jar ze leiden! wie grroß rauft das gedrang fein, das fo pald fo vil bezallen was ! herre, wie groß ift dein marter gewefen! ich gelaub wol das da Crifoftomus spricht, das dich nye nyemand lachend gesehen hab. Mich wundert das du fo lang gelebt hafb; das dir folche gedrang nit frü dein herz ab- geftoffen ; f&r war die göttliche kraft hatt dich auf enthalten bis auf die flbund, das du erlauben werd allem leiden vber dein herz on alle hilff, das du mochtest fberben vnd fQr vns vnfer todlich schuld bezallen, wan du sprechest an dem kreuz: mein Oot, mein Got, wie haftu mich verlaffen! Alle dein hochfbe schleg vnd fluten haftu himlischer vater vber mich laffen lauffen. Die achtt fach iflb gewefen die vngeftalt der sei durch die fund, wann Griftus allzeit gegenwurtigclichen fach den adel der sei des menschen vnd ir wunsarae schöne vnd pildung Gottes fo jamerlich befleckt vnd ver mailiget durch die fünd, das im fo vil groffer fein gedrang vnd schmerzen vnd pein gemacht hat, fo vil vnd fy im lieber gleicher, edeler vnd schöner was als den der profet Jeremias in der person Crifti wunderlichen erschrooken- lich fprechen was : dein antlücz ifb über die koln swarcz vnd vngeftalt. Nun was Griftus der ellich gerecht gespons der fei, der da innerlich lieb het ire schöne, adel vnd gezierd, alfo das er fich vnderwarf aller pein, angft vnd not vmb iren willen; dardurch vber die asch vnfer sünd gegoffen ward ain laug, darmit er widervmb wusch die vngeftalt vnd maffen der fünd von dem antlücz vnfer fol feiner pildung vnd gleichnus. G wie groffe pein was Grifto dem herren zu sehen die vngeftalt feines aller- lieb fben gemacheis vnd ir vnCtetigkait, wan fie die geschöpft lieber het dan den Schöpfer, wan fo vil laids ainem yedlichem geschieht im verlieffen, fo vil vnd er liob hat in dem besiezen; nun ift Gri- ftus die fei des menschen mit vnmessenlicher lieb beficzen, von 109 Dot malt er fye mit Ynmeffenlichen Bcbmerzen verlieXTen vnd fo das geschieht von ainem gemachel — was ift dan Grifto geschechen laids von To vil mänig tauffeDd feilen, die in den edelen gesponsen Yerlaffen hand vnd noch teglich fend verlaffen. Dye mynigclich fei ficht yetz an den wunsamen schönen ^) maien^ das holcz des lebens mit feinen edelen esten vnd abreif- fender zarter plust, die luftig volkomen frucht ewige fpeiß mit fo vil füffen geschmack vnd ftarcker craft vir alle gift vnd preften der feil, des feuchtigkaitt gefprenget hat feine nest, das iß; fein zerfpanen arm vnd die grünen pletter feiner gebeuedeitten hend vnd auch die zwen eft z&iamen geflochten feiner hailigen pain, dardurch vnfer lieb vnd vmbfachung des gemAttes gevefUget vnd geplanozet ift, ja alle vnfere werk fruchper vnd verdienlich worden fend vnd die begirden zeJhmeu geflochten vnd gepunden, alfo das vnfer freud fuUend fein in Got dem herren, vnferem hail, des lieb gancz ift geschmolczen von der lieb vnd zerflosen, das wir gefeuch- tiget würden mit gnaden vnd tugenden gepflanzet in das paradis, wann alle vnfere werk ,allain verdienlich feind vnd frucht pringen durch dicz gesaft. der scharpfo nordwind der gaisseluug hat difen malen vill pitterlich dnrchweet die pletter vnd plust fo peinlichen dnrehachtet, das fy geriffen ^) fend pis auf die erden, dardurch der acker vnfers herzen fo volkomenlich gepawen wirt, das er tragen fol der frucht zugehörend dem tisch des ewigen vaters. Olien auf den tolden difes maien ift der lieblich schön rossen krancz, wunigolich ze schawen, aber gar schmerzlich vnd greulich ze empfachen, wan er das mark des edelen gesponsen durch- drungen hat mit feinen scharpfen dornen, das im verdnnckelt ward fein geXicht, dardurch wir alle plinden seien gesechen worden, das wir yetzund widervmb sehen vnd bekennen vnfer hail Got dem herren. difer may hat laffen reiffen vnd flieffen fein pluft pletter vnd auch die feuchtigkait mit fo groffen Aussen vnd pächen feines rossenfarben plutes, das er ganz tiiicken, erXigt vnd dürr worden ift vnd fo erye erftorben ye todlicher ye verfioffner vnd dürrer worden ift fo er ye myuigclicher ye lieblicher vnd ye wnnsamer dem ertrich iflb in dem er ftet vnd gewurczelt ift, wan er im alle fein frucht vnd alle fein feuchtigkait, craft vnd vol- komenhait verlaffen hat. das ertrich ift das minnend hercz, das fo gar beseufziget, bedenckt vnd verwundert der groffen vnau- fprechlichen fÜffe der groß vberflüfQgen myne vnd barmberzig- kait die im ingefloffen ift unverdient, das es durch senen vnd groß mitleiden feines gemüttes schmelzet vnd zefleusset dardurch es dan anfacht zfi plüend vnd frucht pringet nach geleicher zier- lichhait des maien craft von dem es dan fein faft in fich ge- fogen hat, also das do geporen werdend vnd wachsen die allerkoften- 1) Vgl. das Lied von Cristus dem blühenden Maien, Anmerkung. 2) Üerabgefallen von mhd. risen. 110 Hchftan creftigeften fruchten auß difer erd, die da gefunden werden in dem irdisohen paradeis vnd auf dem paum vnd holcz des lebens, wan die frucht wirt nach dem adel des panms von dem sie den goporenn idb, vnd yemer das gebenedeit ertlich der ItLffen feuch- ägkait enpfahen ifL ye zierh'cher vnd luftiger vollkomener vnd koftenlicher die plulft vnd die frucht wird ßch dem maien ze ver- Seleichen, diser mai gibt sohaten vnd erküllung allen denen die ich vnder in feien verpergen vnd enmiten auß feinem ftamm flüffet ain fOffer prunn aller volkomenhait, hier innen fend niften die be- Aindorn adeliohen vogel, die da von dem edelen geschmack der vber- treffenlichen füffe gezogen werdend, hoch fliegend vnd körnend in die wunsamen waid der verporgen hülle in der fie habend ire neft vnd Wollust yedlicher nach feinem adel vnd gesohicklihait seins gefleders h^tohor vnd höcher fliegen ist. ach die hülle ift das anf geproohon mynreich hercs Jesu Grifti, aus dem da wallent vnd flieffent der lobendig prunn aller gnaden vnd parmherzigkait, die er fo miltigclich vnd reilichen flieflen laut durch den maien feiner plüwenden leidenden erstorbenen menschait auf das ertrich ains liebhabenden plAenden mitleidenden begirligen hercsen, inn weichet dan gesecst vnd gepflanczt ift difer may dureh ain andeohtiges demütiges betrachten feiner fruchte, do von das her« dan au^eiogen wirt vnd enpfindet den tätten gefchmaek des naienphiMt vnd da eilten mit auflringen durch den sierliofaen maien S^s in die hülle die verporgen i(t vnd vnbekant allen denen e Ae weder fckmeckend noch versuchen, in difem aofirag vnd der «rbebuiig dee gemüttee die mynend erait fagar verfenckt wirt inn der wunfkaien hülle, das fye (ich nymer fchaiden mag vor vimI Qre ganoi erfüllet wirt der vnaafpredüichen füffe, der do vol ift die felbig hüUe vnd fo vol, das l^e <» vnderlaß waUen vnd vberfliefl^ ift der gnaden vnd der parmherzigkait. difem üblichen ftartken vnd edelen geecbroadt fliegen nach die himliedien vogri, die andechtigeii« dienüttigen mensdieii, fo die der hiftperköt vnd (Hfl^ verflMMiDd« fo f^vend 1^ da f^^be madieB ire oest, das ift ir fWle wonnnff« das i^e ^ phift vnd (Ufe frwht nadi ir be- |tM all« seil habe viid tidi von alkii iren g e pr e che n enere, wan da ift Ir aUtr Tolkonenhait wnne vnd «nihist^)« alfo das die, die hi« im aettt alfo niften anf difem pana vnd dinrch (tete ge- deelilnn» vnd (^Ük» miUeednng de« fterbens Jbesn Orifti anBge- MTtHI wet%)en« seKier flkfren in die aller bodJten wanfamenften mit der ewinr^n f<^%kail vnd dafelba volkosMnidwn nreffen der IVneM. dW (ie in elfiirlMr maE dnrdi fen e nd e q[nal lie im sot v^fHWkt kand^ wan wa die bei^nsrd ftels ift wcm tn kie im aeü, do w^ (W v)«M ninAen vnd bestlaen vmer ew%fidh ak dan geechriben «tntx der etwa» bal^ dem wiH fSffirKMu d» ift: der kie in seit d^ ew^yn ifrynd K^c^rt vnd h^ bat. dem wirt h^ dort mk tail Ar (Ml w^Mvk etn ew^ Wkwnir^ b^ niftet fa^rx der b i mliwh en ^&KW Ywd mtswbhgber nnlnr mk «sJkMmsn *) alter feines TerdieoteB lonee in befteter freudreicber won feines loTtlichen anenplicks in dem widerglaus^ ') vnd widerflnß er on vnderlos ernew ert wirt vnd gefterckt des felben maiens ewiger felligkait, (blligkait. hie niftet der adeler, das frey ledig edel gemüt in dem anfiichwingen feiner vemnnft hoch über alle ding in luftperlichem fchawen in das rad der fonnen ewiger weifhait, gancz verfenckt in den abgmnt des vaterlichen herczen, do von der may enfprungen ift vnd zencht vnd laugt mit feinem fpiczmgen *) schnabel feiner durchleuchtenden vemnnft do von fo vil der gnaden in fich, das er zerflenst vnd zergat fein felbs nymer acht verainigt mit Oot gancz, ains in ain hie fbetmütigclich vnd dort ymer ewigclich, wan er fich schwinget alfo hoch, das im verprinet fein gefider, alle pildnng vnd geftalt, domit er ye aufgeflogen ift, das zergatt, al- lain beleibt in dem abgrunt der gottlichen lieb anschawen des mayen fnioht vnd nyeffen fein vnaufprechliche läfTe. hie niftet die nachtigall, der mensch ains hiczigen mynreichen herczen, das da in fenendem quäl deu tag ift fterben in toubennder mynn vnd die nacht Mfßgclich fingen in der ruw vnd abgefchaidenhait aller ge- schöpft, ach wie lieblich sie do kossen ift mit irem gefponfen vnd er fich widemmb fo fdffigclich erpeutet mit freuntlichen vmbfahen vnd den knß des waren frides geben, fo er fie mit dem leben- digen holcz des maien saft fo fOffigclich trencket, das fie ir felbs vnd aller ding vergifft vnd allain irem allerliebften anhanget vnd z&höret. hie niftet auch der fittich, ain tugendreichs pluewendes aofbchendes gemflt, das iecz die pluft des maien anfacht zu schmecken vnd benidnen in dem mayen fein neftlin machen, wann es noch zart vnd jung ift, das es fich in der hoch der hicz vnd tieffe der dnrftigkait nit wol enthalten ') mag, noch des kref- tigen pmnen der hülle trincken, darumb das felbig jung lieblich vogelein wol herab in die hülle geniftet hat, wan fein schnabel ze weich ift das fburck faft ze fangen vnd lat fich alfo hemidnen beniegen vnd ift doch oft herauffliegen auf den mayen vnd fein schone plfift mit füfßkait der mynne nieffen vnd anfchawen, wann fein ansang vnd aller troft ift der lieblich may, die waidreich wider pHüwend menschait mit feinem wirdigen leiden vnd fterben, das ift fein geeanck, wnne vnd waid vnd volkomenhait, da durch es thnt fein neftlein meren, wan es traget tag vnd nacht ye tner ye mer tugend zft tngend. durch des felben maien willen iecz ein dnltiges leiden dan ein fenftmütiges fweigen, yecz ain gütt- lichs vertragen, dan ain erparmlichs mitleiden, das fanget es alles anß dem luftperlichen maien vnd pricht es ab den fchönen eften, pringend in das hol damit fein neftlin weiter wirt, g^oß vnd be- saftet mit der frnchtperen vnaufprechelichen f&ffen fenchtigkait des 1) Widerschein, Olanz, mbd. widerglast. 2) Spizig, rohd. spiizecric adj. 8) Aufenthalt nemen. Vgl. Alem. VII 167. 112 wan Tarnen edelen maiens das es dardarcb erneret kreftig volkomeo vnd fo gefider wirt, das es Ach dan auch bering auffchwinget je hocher vnd ye hocher pis in das rad der gothait vnd yecz aaoh ain adeler wirt, wan alle krefb der gnaden feien wacblen auß difem innerlichen faft des maiens, das fo vil vnd fich der mensch mer vergleichet Grifto in leiden durch gedaltigkait mit leiden vnd danckperkait fo vil er neher vnd angenemer Gott dem vater wirt durch feinen aingeporen fun vnferem herren Jhesum Criftum, es feiend auch noch vil andere zarte vogelein, die da allain genift hand in den maien, in fein zierlich efb, in die grünen pletter vnd in dem pasch vnd wunfame der pluften, die da trinoken von den prünlein, die da wallen vnd fliefeud von dem toldeu herab vnd das find junge krancke ^) vogelein, die fo hoch nit mögen fliegen, das fie in den nrfprung des prunens mügen komen. des feind raine lautere berozen, die ain innerliche lieb, begird vnd feufzen habend zft dem edelen fterben Jhesu Griüti, da mit fie gar oft feiend genugsamdichen^ niefen nach irem oomplex feiner edelen fruchten, wan fie begoffen vnd gefeuchtigot werdent mit den raynpechlein feines roffenfarben plntes in beweglicher enpfindung, in mitleiden durch mynfame emfige vnd andechtige betrach- tang des wunderparen, erschrockenlichen vnd mynfamen leidens vnd fterbens ires allerliebften liebhabers vnd gemacheis Jhefu Grifti vnferes herren vnd do pey feien fie beleiben vnd nit hocher auf- tringen. es fond auch noch vil gemainer vogelin, die pey der weill vmb den maien vnd dar aufT fliegend fend vnd fchmecken die frucht vnd oft verfucheud vnd doch wiedervmb do von fliegend, wan fye darauf nit genift hand mit emfiger betrachtung, danck- perkait, vergleichung vnd volkömener lieb, mit denen das nett ge- macht wirt. das fend vil rainer herczen, die Ach hüten vor tod- länden vnd das leiden Grifti Jhefu vafb lieb hand, auch zu zeiten betrachten vnd übend, aber es pringet inen kain frucht, wan fye fich im nitt feien in mitleiden vergleichen, funder in der Übung fich felber mainen vnd lieb hand, das fie alfo auffliegend in den paum vnd den oft ansehen vnd aber nit prauchend, wan fye feien reich auf difer erden mechtig vnd wol gefreund t, des feyend fie fich veberheben ire hofinung han vnd zuverficht, das fy fich mit Grifto nit mügen vergleichen vmb feinen willen alle ding mit ge- dult leiden, fo iere vermüglichait wider ift dem leiden franftreck *) vnd ftolczmüttig machend, das fie nichts wollend, noch künend vertragen, wan das zeitlich g&t, ere, magschaft des menschen hercz erhebt, dardurch im dan wechft hocher mntt; der felbig rofitt macht vbermutt; da von entfpringet der zom, der zorn macht neid vnd haß, davon erlift die lieb die da ift vnd fein fol ain vrfprung der mitleidung vnd ob die felben zi zeiten herab fliegen 1) Schwache. 2) Procax, voce strepens DW IV 69. 113 zi dem sobaten des felben paumes. das fie ficli Tor der hicz tod- licher fünd mügen emeren vnd der frucht des ertrichs, das da bedauet vnd gefencbtiget wirt von diffem pawm uieffen, das itt mynreicber inprinftiger rainer kinder gepet vnd feiiges leben, in des Re ficb mit lieb, hilf vnd wandel z5 zeiten verpflichtend, fo fend fy doch alfo wie vor franftreck vnd vnvertreglich beleiben vnd alfo verzagt, das fye fich nit getorend ^) noch wollend wagen hocher z& fliegen wann fye haben ire vettich geschlagen in den JUeb ^) der zeitlichen gütter vnd mit dem ranch der weltlichen ere das ang betriebt ires herzen, das fie anders nichts mügen betrachten noch begeren, dan die irdischen ding, denen fie mit teglicber vbang feiend anhangen vnd verbonden; wan ain yedlicher da hin- seczt feinen f&ß, das ift fein begird, da er ift heften feine äugen, daa ift fein erkanntnns, da von entfpringen ifb die liebe, das fo vnd wa die lieb ift;, da ift das ang, wa der schacz ift, da ift das hercz vnd wo die lieb ift, do ift der luft vnd das vermfigen. Das erft ftnck ift das aafzeren feiner wunden als im die klaid ab wurden gezogen, ain newe bewegung feines schmerzen, gemarter^) wein ward im gepoten ze trincken vor dem creücz, fein nackenhait vnd ploßhait, fein zarte fcharo, fein groffe kelt, das herte werffen auf daa creucz, das er fo hert geftreckt ward vber das rauche des vngehawen holcz des creuczes, das vnmaffelich z& erdenen vnd z& erfpanen, dardurch im fein zarter leib vnd adem von feinem herceen geprochen vnd zerzerret wurden fo ftrenglicb, das es wol muglich wer gewefen, das im fein hercz von ainander gefprungen wer, das fein haut ob feinen rippen denet, das fie alle gezollt mochten werden; all fein wunden riffen fich wider au£f, alle fein gelider erlöften fich von ainander, fein ädern fprungen, newes pl&t vergieffen, die grimen hemerschleg, das grewlich durchfchlagen der rechten band, das durchwunden der linchen band, das engft- lich durchfchlagen des nageis der durch fein paid f&ß ging, der im fein gelenck von ainander ryß ; haut, fleifch vnd ädern wurden von dem nagel durch das pain vnd bolcz durchzogen. w6 des grofien fchmerzen des geaders, des gepains! vom ainem yedlichen hamer schleg erpidmet fein him vnd hercz vnd erkrachet vnd er- schütet fich fein leib, vnd ruchg von grimen quäl vnd großen schmerzen biß er die zen zefamen, er ließ manigen groffen feufzen vnd jamerlichen tod ächzen! das grewlich aufrichten vncz fjo das crücz gechlingen lieffen in den ftain vallcn, da von im fo unmaf- fenlich wee gefchach, das fich fein hirn, hercz vnd alle fein geäder erschütet von dem vberwag ^) des fchweren leibs, da das crencz herabfyel! wie peinlich wnrden alle fein wunden vnd 1) Geturren, wagen getrauen. 2) Feit, im mhd. Wb. 8) Oemischter mhd. mem. 4) Uebergewicht. Birlinger, AlemannU Vin 2 ^ 114 schmerzen ernewet ynd der grimen angefleht, feiner veinden fpct vnd Scheltwort, damit fye in hetrühten! das A^wer hangen, fchwindeln feins himes, das bewegen des crüecz hin vnd her in dem luft, alle feine gelider vnd gelenck zerschiden fich, er ftnnd feins felbs vngewaltig, das er weder hend noch föß geregen mocht, das er ainen zacher von feinen angen nit gewafchen kond noch mocht, er het in der weit nit fo vil, da er fein haupt hin naig^t, er mast es cläglich an£f fein achfelen lafTen sincken, im gepraft des ertrichs praite, das er must ften auf einem nagel, er het verloren alle natürliche feuchtikait, darvmb fchrie er: mich dnrft! vnd in dem fchreien wurden alle plotstropfen feines hercsen be- wegt vnd in der bewegong beschach im alfo wee: het er tauffend herczen Xterck gehebt, fye folten alle von fchmerzen geprochen fein! das trencken des efGgs vnd der gallen in feinem großen dnrft, das im alles waffers difer erden nit ain tropf mocht werden, des tranck verferet im fein zungen vnd fein kelen inwendig jamer- lieh vnd die pitterkait durchfnre alle fein gelider der verfbchnng, fein cleglich geperd, des eilenden waibens, feines hanbtes anf die rechten feitten, nun auf die lincken feitten, der eilenden Ver- wandlung feiner färb, den plaich, den fchwarcz der todgeftalt vncz er die fborbenden not gewan, fein andechtigs gcpet, den ftill, dan vber laut, dan mit zitern vnd ächzen mit wainlicher ftym feines herczlichs pitterlichs wainen, das cleglich vergiften feiner hailigen zeher, vermyschet mit feines herczen pl&tt, das pitter vnd jamerlich mffen, darzo er wainet von ganczen feinen hercaen, das foll pillich alle herczen bewegen. Criftus wainet zwen vnd fibenzig za6her an dem creucz vnd was das genug, wan er fo gar verdoret was, das nit mer feuchtikait in im was, das vnmefßg vbernatürlich verreren feins pl&ts von feinem herczen, haubt, leib, hend vnd f&ß von allen glidem, er verlor alle fein natürlich craft, im fchwendet vnd dorret das mark in feinem gepain, das him in feinem haubt, das pl&t in feinem geäder, die wurcze feines herczen ward todlich verschniten, darvmb dorten alle eft feiner adem, darvmb muft verderben der paum in feiner natürlichen plfienden jugent, darvmb was fein tod der pitereft, das er was der vnfchul- digeft, der edeleft, der zarteft, der pas naturlicheft, der fterckeft in feiner plüenden jugent, in feiner bochften craft vnd fein leben fo pald verlieren muft, allain von piter martemot, fein große troftlofigkaity von innen vnd von aufen an alle hilf des nye ge- Schach kaine marter; fein große gehorfam vnd gedult gegen feinen todlichen veinden, fein große, hoche vngemefiiie lieb in der fein hercz gegen den armen funderin, fein vnfaglich herczlich mitleiden, das er het vber fein zarte m&ter Maria, das im alles fein leiden drivaltigen was vnd das mitleiden aller feiner freund, gegenwirtiger vnd zukünftiger, o wee der grimen todftöß durch alle fein ver- wundte gelider, die fibieffen zu feinem zarten herczen, alle fein hailig gepain wurden in im zerknufb, alle fein ädern zerriffen vnd 115 xerproeh€09 alles ÜBin fleisch zerscbnyten ynnd von im gezeret vnd fein plftt aoßgetmckt alle fein leib vnd fein adem wurden auß- gefehlofTen 1 der ▼nzellichen menig, der tauflend wanden, do worden die toden mal vnd die todmaffen der ftoß, der scbleg, vnd der fall Tnd der wanden, das von der fcbaiteln feines baabtes vncz aaf die verffen feiner füß nichs gancz vnverwandt noch vnverseret was. die wanden darcbdrangen haat, flaiscb vnd gepain vncz in das mark hinin die adem drang der fchmerz darch fein Vernunft entpfintlioh in das hiren, in das hercz vnd in die fei; die prait ▼nd tyeff der wanden ftreckten Heb vom baapt auf die fQß, von alner band auf die andren, durch fein feitten in fein hercz vnd ▼her alle feinen leib; fein fei was durch betrübt vncz in den pittem tod. allb laid alles das in Grilto was: natur inwendige vnd anßwendige, die menfchait was ganz verwandt vnd zerprochen ob der gothait; er het von wee vnd von schmerzen verloren menschliche geftalt, er was gleich einem ufteczigen, fein erwir- diges baapt was durch (lochen mit taufent wanden der fcbarpfen deren, die inn feyn biren getruckt warden, dardurch der inwendig keren vnd marck feins bims verfert ward, das ain fei feines zarten hirens gewundet, die baut was von feinem haupt gelaffen, fein zartes ge&der ftund an manigen enden ploß, fein antlücz was fchwarz geleioh der erden von der Vermischung der Juden spaicheln vnd des ftaubs vnd des gerunnen geftanden plutes, das alles zefamen gepachen was, do floß das plfit, die zeher vnd der todlich fchwais dem heren in feinen mund, da mocht er vor fchwuchait vnd fchmerzen die fpaicheln nit auß werfen auß feinem mund, wan wie er der allmechtigeft wundert (1) was in feinen creaturen, fo was er doch nach der menschait fo gar verfchwachet, das er nit nach natorlicher craft ain halm von der erden aufgeheben mocht; aller fein leib was gefchunden von fei vnd fleisch, von den vil wupden die er het eupfangen, wan er kain gancze ftaten an allem feinem leib von der fcbaiteln piß auf die verffen, do fanck aller fein leib aaf ainander, hend vnd füß rißen auß den nageln, er rang vnd wand vnd krumpt fich als ain wurmlein, drey ganczen ftund ftaend er ze fechten gegen dem tod vnd zoch fo ftrenglich hin, das er docb(t) mocht in ainer yedlichen ftund tod fein, o wee! gedenck menschliches hercz, der dreyer, grymlichen, funderlichen todftdß, den grimen vnd ftrengen herczenpruch vnd dem fperr- fUeb ! do vergoß er waffer vnd plat, alfo das das innerft oflenbar ward. herre durch dein groffes pitters leiden hilf vns za der ewigen feligkait! Dicz bekenen, dicz sehen, dicz bedencken, dicz enpfinden, dies leiden fecz ich bimlischer vater deiner parmherzikait zwifchen das ftreng gericht, deiner gerechtikait vnd meiner jungften ') hin- fart aoß difem eilend vnd beger ze genyeffen der erloffung deines 1) Lezte vgl. nbd. noch jüngstes Gericht mhd. ze jungest, zulezt. 116 kofpcren pluotes vnd fenck mich in dein vnfchaldigs leiden vnd begrab mich in deinen begirlichen tod, den du auß lieb durch mensohlichs haiU willen haft geliien, in die lieb befilch ich mein fei vnd leib. Amen. himlischer vater, ich opfer vnd pring für dich deines ain- geporen fan, meines herren Jhefu Crifti, meines pmders vnd ge- trewen erlöffers aller füfflichefte gepurt vnd fein hailige menscbait, fein liebliche kinthait, vnd befchneidung feines kintlichen ploot- vergieffen, fein armuot, fein verfchmechies leben, fein allerheiligfte werck, feinen pl&tigen fchwais vnd plfttig zeher, fein langes gepet, fein entplöfung, gaifelung, krönnng, verfpeiung, verfpottnng, half- fchleg, paokenfchlag, außgeraufft har, verpunden äugen, fein su erdenen an dem crencz, fein truckt ingewaid vnd zu erdenten gelider, fein weit vnd düre wunden, fein verrertes plot, faft vnd mark feines gepaines, fein haiffer vnd erparmlich ftim, fein wai- nendos vnd mechtiges fchreien, fein verpundens vnd verfioffens antlücz, fein mund der plit begoffen vnd mit der Juden fpaichlen vervnreinet was feinen dürft vnd effigs vnd galles tranck, fein vertnnoklete äugen, fein gekröntes haupt, feinen verdorten leich- nam vnd 'gemarterte glider, die miterlichen fchmerzen vnd tranren, die müterlichen zehern, fein kintliches mitleiden vnd aller feiner leiblicher vnd herzlicher fchmerzen, fein traurige feil, fein ftof- fendes hercz, fewren pfeil der lieb, die fchiedung feines heiligen leichnams vnd feiner balligen fei, fein tewren tod, fein aufgeriffene feiton vnd das da außflieffend plftt vnd waffers, das do ift von dem ci-üecs, nagel, gaiffel, kronn fper vnd plftt. herr, hailiger vater, ich kom für dein angefleht nicht kö*, wan alles das dein fun, mein herr Jhefns Griftus in difer virelt getan hat, das hatt er ttlr mich getan, was er gearbait, wan er hat nichts Übels g^tan er hat gftt werck vnderwegen gelaffen, pitt ich dich das fein ge- horfam, fein diemüttigkaitt mein hochfart, fein gedultikait mein poßwilligkait, fein volkomenhait mein geprechenlichait dir vater, pring ich f^r feine werck, opfer ich dir fein heiligkaii, Xkelle ich S^n deinem zorn, gegen deinem tod, den ich versohultet han, 11p ich den tod des gütigen Jhesa die pein die ich verschiildet han vnd pillig tragen folt treib ich von mir mit den peinen des gütigeften, füffeften Jhesns, wan ich bekenne, das ich pillich püß noch volligdich nicht genug getan hab. was aber an mir g^urodien ift, das hat der gütige Jhesns, filr mich erfüllet, ieh foh pilUchcn mer gepüffei, mer getrauret haben, aber die fei des gütigeiteo Jhceus ift für mich traurig gewefen pis in den tod. ich foÜ mer gepcies getan heben, aber der güttig Jhesns in feiner iodesnot hat lengers gepeti getan vnd hat in d«r phitig fwaiß begoffen; ich folt mer genog vnd pefTemng getan haben, aber mit feinem für micii fterben hat er für mich gepefC^rt vnd genug than, dar vmb pit ich dich himlischcr vater durch des tewren vnd wirdigen opfors willen» das du mich erledigfte vnd erloft von allen vbeln 117 der fei vnd des leibs vnd mir vergebest alle mein fand, irfall vud geprechen vnd mir in meinem herczen enzündeft ein inprünftige lieb, das ich dir werd ain mynfames opfer yeczand vnd jmer ewigclich. Amen. (Jesus Mariia Hillaria Heigin). ABirlinger Volkstümliches: Sagen Aberglauben Bräuche Vlll 1 Sagen») 1 yomBkene Kirche Nahe dem Orte Möttlingen OACalw soll einst eine Kirche gestanden haben. Wisen vererbten noch iren Namen, wie wir es nicht gar selten finden: sie heißen „in St. Leonhards-Kirchenwisen.^ Die Kirche sei dereinft versunken. Drei Tage hindurch nachher hörte man läuten in der Tiefe. Der Name der Ackerzeig heißt ,Fleckenacker'. Mündlich. Wir haben hier eine jener vilen Sagen von versunkenen Kirchen, Klöstern, Schlössern. Der Grund des Versinkens ist Frevel der £inwoner oder Besizer, hier aber feit derselbe. In der Reformationszeit sowie im SOjärigen Kriege verschwanden hun- derte von Kirchen auf Feldern als Opfer allzugroßen Eifers über Nacht. Die Sage nam sich irer an. 2 Die Wasserfr&uleiii in Ostehheim Auf der ^Dolwise' ist der ,Dolbrunnen' eine Quelle, zu deren Faßung noch keine Hand des Menschen das irige tat. Da herauß, erzälen alte Leute, kamen drei schöne Jungfern zur Lichtkarz ins Ort herein. Einmal verspäteten sie sich, Bursche hielten sie auf. Bei der Rückker giengen die Buben mit. Da vertrauten« inen die Jungfern, sie müsten jezt sterben, weil sie über ire Zeit ausge- bliben wären^ tauchten unter im Brunnen, und reichten noch einen Strowisch heraus mit dem Deut: nemen sie in, so seien sie ge- rettet, d. h. die Bursche, denn sie waren ebenfalls dem Tode ver- fallen. Der Brunnen lief 3 Tage lang blutig rot. Die Bursche haben^den Strowisch weggeworfen. Mündlich vom Schultheißen Stahl. 1) Die folgenden neun Nummern bilden den Schluß der Calwer- sagen, die mein 1. Freund und unermüdlicher Mitarbeiter gewissenhaft selbst an Ort und Stelle gesammelt hat. AB 118 8 Das lUlMiweiUe Anf der hoben ,NillttS einer Bergkuppe bei Stammbeim, get die Sage, bause das ,Nillenweible* eine Frau mit langen Zöpfen. Sie ist Kinderecbrecken. Wer sie ist oder war, weiß niemand mer. £in Geist yLudlesbans' get dort in der Gegend und werden gleicb- falls die Kinder damit geängstigt. Mündlicb von Stammbeim. ,Nill und NoU' sind fränkiscb-alem. Höbennamen. 4 Der Adlerwirt Im alten Adlerwirtsbaus zu Stammbeim, jezt Wundarzt Sattler eigen, soll der alte Adlerwirt geistweise umgen. Er baut nacbts mit einem Säbel um sieb, daß es tönt und rauscbt. Seit ungefar 20 Jaren läßt er sieb nicbt mer boren. Mündlich. 5 Der Eberlitrdtlo In Gecbingen, wo's Gültlingen zuget, ist ein Wald und der beißt ,Wetzer^ Da spukt ein Geist, den die Leute schon gesehen haben. Er sei sogar mal neben einem Manne bergeritten. Man hält in für den längst verstorbenen Waldscbüzen Eberhardt und beißt in darum auch nur den |Eberhardtle^ Mündlicb von Oechingen. 6 Supponiokar, Brot&oker, Gansackor Die Suppenäcker und die Brotäcker auf der Markung Holz- bronn sollen iren Namen davon haben, daß in der teuren Zeit die Besizer dise Aecker um eine Suppe, beziehentlich um einen Laib Brot verkauften. Der Gansaoker, ein Vieiiel Acker auf der Markung Deckenpfronn, soll damals um eine Gans verkauft worden sein. Mündlich. 7 Baoamadal Von der Wise, genannt Altig auf der Markung Dachtel, welche ein ser guter Grasplaz ist, sagt man, „vor dem Bauer, der in der Altig drei Stücke besaß, habe man einem alten Lager- buch (oder Herkommen) zu Folge die Kappe lupfen müssen.'' Mündlich, Dachtel. 8 Alte Rechte In Altbengstett besteben drei sogenannte Fr6näcker, wovon der eine westlich vom Ort, der andere hinter dem Pfarrhaus, der dritte in der Nähe des jezigen Banbofs ligt. Dise Fronäeker 119 hatten järlich 22 Simri Dinkel und 11 Simri Haber an daa Kloster Hirsau zu gülten, wofür sie gewisse nicht unerhebliche Rechte hatten. Der Gemeindepfleger Angersofer versichert, er habe von seinem Vater gehört, wenn die Althengstetter wfißten, was für ein Recht die Fronäcker hätten, so könnten sie mit silbernen Pflügen faren. Mündlich. 9 Roohte XI Kontboim Zn Kentheim bei Calw, das durch sein uraltes Eirchlein (St. Candidus) bekannt ist, get die Rede, wenn sie, die Kent- heimer, von iren Rechten Kenntnis hätten, so gehörte inen der Statswald Dickemer - Berg, dann könnten sie alle mit goldenen Pflügen faren. Mündlich, Sonnenhardt. Karl DoU 10 BäekersfirM get um, Silier Säge Sobald die Frau des Bäckers gestorben war, der im Teue- rongsjare 1817 das Brot für die Armen zu bachen hatte, sagte man allgemein aus, zum Lone dafür daß sie mit dem Armenmel Schweine gemästet, laufe sie als scheckiges Schwein manche Nacht hemm. Die Sage ist hier wider wie so oft Rächerin böser Taten, die hieniden ungestraft bliben. Köhlers Sulz, Handschrift und Druck. 11 lonne get im Von den zwei Klöstern alter Zeit in Sulz war eines die alte Sammlung der Frauen genannt, stand in der Vorstadt unweit des Spitales, wo ein altes Gebäude das ehemalige „ Klöster le" sein solle. Von da biß zum Spitalbrunuen, get die Sage, sei einst in der hl. Weihnacbtzeit nächtlicherweile eine Nonne gewandelt. Vile Leute haben sie wollen gesehen haben. Ebenda. 12 laadllisberg hieß eine Gegend beim obern Tore, Sulz. Zwerge? Ebenda. 13 Ein Strassburger Zauberer Ob man durchs Teuffels- Bannen könne reich werden? Es wollen etliche an dem Hencker ein Ritter werden, und was dieser seinen Bedienten nicht bescheren will oder kan, das wollen sie bey den bethöretcn Leutheu erhaschen: Und daher wollen unter- schiedliche den Teuffei, vor Geld, außjagen, nicht minder, wie Simon Magus dem Heiligen Petro Geld anboth, daß er durch Uand- 120 aaflegen den Heiligen Oeist mittheilen könte. Wir wollen in Gegenwart ein Histörgen anziehen, außm Harsdörffer, im grossen Schau-Platze der Mordgeschichte, cap. 122. p. ro. 421 & c. Der Beschwerer. Der böse Feind ist ein tausend Künstler, der sich auch in einen Engel deß Liechts verstellen kan. Wer nnn sich seinen Betrug vertraut, von dem kan man sagen, die Wort Sirachs cap. 12. Y. 12. Wann ein Schlangen Beschwerer gebissen wird, das jammert niemand, sondern es sagt ein jeder, daß ihm recht geschehen, weil er von diesen gifiBtigen Thieren wohl entfernet scyn können. Dieses hat auch zu meiner Zeit (1625.) erfahren ein Zauberer zu Straßburg, welcher mit etlichen Studenten von Basel gefahren, und gehöret, daß man von den Gespensten geredet, und wie man selbe besprechen und beschweren solte, etc. Dieses nam er auch fleissig in obacht, lemete die Wort deß Segens auß- wendig, und als er hörte daß sich au£P einem Dorf, ein solcher Geist sehen Hesse, erkühnte er sich solchen mit den erlemeten Worten zu besprechen. Das Gespenst sagte, daß eine Banrn Magd ihr unehlich ermordes Kind der Orden vergraben, welches Geist nicht ruhen könte, biß die Dirn bestraffb, etc. Dergleichen Be- sprechung mit den Gespenstern hat ihn viel Geld verdienen machen, und ist er deßwegen in der Stadt Straßburg und in dem gantaen Elsaß bekant gewesen. Nach geraumer Zeit kommet der Ursacher solcher Gespenst zu ihm, und begehret, weil er ihn viel verdienen mach; So soll er ihm sein Kind, welches er erzeugen würde, an- getaufft geben. Dieses willigte der Bösewicht, zeugte aber kein Kind mit seinem Weibe, welcher seine Händel unwissend waren; deßwegen verfügte sich der Teuffel wieder zu ihm, und beredet ihn, daß er ihm mit seinem Blut, Leib und Seel verschriebe. In- zwischen, und nach solcher abscheulichen Unthat hat er sehr viel Gespenster den Reichen in die Häuser gebannet, selbe besprochen, und gegen Almosen geben an gewissen Tagen, oder Stiffi^ung in arme Häuser, etc. wieder vertrieben. Sonderlich aber hat er die Sontag beobachtet, und vorgeben, kein Gespenst antworte ihm an solchem Tag. Die Herren Geistlichen zu Straßburg haben diesen Beschwerer in das Geföngnuß werffen lassen, und weil er sich au£f die Schrift bezogen, daß kein Reich das mit ihme selbst uneinig wird bestehen können, und daß nicht er durch den Beelzebub; sondern durch Gottes Wort die Gespenster außtreibe: hat ihnen auch den Trotz gebotten, daß sie deßgleichen thun solten, oder darbey seyn, wann er mit den Geistern rede, sie aber weiten Gott nicht versuchen. Kurtz zu sagen, er hat sich herauß gewunden, daß er wider loß kommen, und den Gespensthandel ärger als zuvor getrieben. Es fügte sich aber, daß er in einem reichen Hauß ein Gespenst vertrieben, mit dem Vorgeben, daß man in das Waisen- Hauß 20 Gulden zahlen solte, so würde der Geist anßbleiben. Dieses Geld wird ihme zugestelt, solches dahin zu tragen, welches er auch angenommen, aber etliche Gülden davon behalten, deß* 121 wegen er dann, aaiT der Herren Geistlichen inständiges Anhalten, wieder in verhafil gebracht worden. In seinem Hauß fanden sich Brieffe, Salben, Wnrtzel und dergleichen, welche ihn nach allen ünibständen der Zauberey verdächtig machten, daß man ihn auch an die peinliche Frag wurffe, and doch nicht zn bekennen zwingen konte. Einer unter den Herren Schöpffen sagte, er solte den Speichel auß dem Munde speyen, weil er sähe, daß er die Lippen gleichsam verschloBsen hatte. So bald er solches gethan, hat er alles bekennt, und was er mit dem Satan gehandelt hatte, auß- gesagt. Als er einsten in die Verhör gehen sollen, und einen Abtritt zu nehmen begehret, hat ihn ein koJdsckwartzer eottigter Hund zn einem Fenster auffgehoben, und als er vermeint, der böse Geist solte ihn darvon fähren, hat er ihn herab in den Stadtgraben fallen machen, von dar er wieder herau£P geholet werden müssen. Nach deme sich nun befunden, daß dieser Beschwerer viel ver- hext, gelähmt,, bezaubert und umb das Geld, mit seiner Beschwe* mng betrogen, ist er zum Tode verurtheilt worden, daß er erst- lich enthaubtet, hernach aber verbrennet werden solte, mit allem aeinem Zaubergeräth, wie er folget. Als er nun außgefÜhret wor- den, hat er wenig gebettet, und ohne Andacht, sondern vielmehr geschertzet und deß Henckers gespottet, vielleicht verhoffend, der Satan dem er gedienet, werde ihn in solcher Noth erretten. Auff dem Richtplatz aber ist ihm alles Hertz entfallen, hat zu zagen nnd zn zittern angefangen, und ist mit Judas Reue dahin ge- Btorben, wie ich Selbsten gesehen, und damahls gemercket habe. Weh dem, der Gott nicht vertraut. Sich auff seinen Feind verlast, Wann er seine Falschheit schaut, Denckt er nicht was er gewest. Er gibt ihm der Höllen-Cron, Als verdienten Sünden-Lohn. Die Sage enthält merere Züge die oft bei änlichen Sagen vor- kommen, schreibt mir August Stöber: Irre ich nicht, so ist der Befel der Schöffen an den Zauberer „den Speichel aus dem Munde zu speyen^ altrömisch. Das Speien kommt auch sonst im Volksglauben bei uns vor: Der Speiohel einer Hexe auf die Haut bringt für deujeuigen den or trifft bösen Ausschlag. Speit man aus wenn eine Hexe Einem mit bösem Auge anschaut oder Einem sonst zu schaden sucht, so ist der Zauber gebrochen. Speit einem ein Jude auf die Kleidung, so entstet daraus ein Loch. Wenn, in Mülhausen, ein Knabe (auch Mädchen sollen es früher getan haben, aber seltener) einem andern etwas beteuert, für war erklärt oder verspricht, so sagt lezterer zu jenem: „Sag' ja! und spei'I'' Unter Eindorn gilt dise Bekräftigung des Ausgesagten so vil als bei Männern das Erenwort. Vgl. Simrock Mythol. N. A. 466. JWolf Beiträge H 371 usw Quelle : Der Abeutheuerlicbe Giücks-Kopf, welcher in Hundert und 122 aohtEohen beschriebenen Aberffläubischen Zetteln bestehet, womit die wahnwitzige Welt sich bereichern, und ihre Wolfart erkündigen oder bevestigen wil. Aber, wie falsch und betriegerisch, solche Plutonische Karte sey, lehret allhier in der Widerlegung, außfuhrlich, nützlich und orgetzlich, M. Johannes Prsetorius, Zetlingä-Paleeo-Marcbita, P. L. C. Gedruckt im Jahr, 1669. . Der grosse Schau-Platz jämmerlicher Mord-Geschichte, bestehend in CG traurigen Bogebenheiten; mit vielen merckwürdigen Erzehlongen, neu -üblichen Gedichten, Lehrreichen Sprüchen, scharf-sinnigen, artigen, Schcrtz-Fragcn uad Antworten, etc. Verdolmetscht; und mit einem Bericht von den Sinnbildern, wie auch hundert Exempeln derselben, als einer neuen Zugabe, auß den berühmtten Authoribus, durch ein Mit-Glied der Hochlöblichen Frachtbringenden Gesellschafft. Zum sech- stenmal gedruckt. Hsmburg, bey Johann Naumann, Buchhändler. Im Jahr MDCLXXVIII. 14 Ein Donauwerder Zauberer Im Jahre 1 644 den 1 7 Brachmonats ist za Thonawert Georg Gebhard, ein Maurer und Beck, seines Alters 38 Jahr hiogerichtet worden, welcher mit einer Wagenwinden, die er von einem laeren Wagen entfrembdet, zu stehlen angefangen; hernach solches Handwerok fortgetrieben, Kirchen- vnd AUmosen-Stöck ange- brochen, und andere Diebställ mehr begangen; sonderlich aber 28. Personen ermordet; vnd noch 18. Personen, dieselbe auch vmbiubringen auff dem Fuß nachgangen. Femer hat er 110 ver^ heyraht: vnd vnverheyrathe Weibs-Personen beschlaffen, vnnd da- runder mehr, als den halben Theil, auch ein Mägdlein, bey 14. Jahren alt, genothzwuugen ; auch aller Orten, wo er nur Gelegen- heit ersehen können, nicht allein mit allerley Vieh, ohne Maß vnd Zahl, sondern auch mit dem Teuffei selbst, zum öfftem, sich fleischlich vermischet, vnnd zu thun gehabt; deme er sich auch, gegen darlegung Gelds, zu drey unterschiedenen mahlen, mit Leib vnd Seel ergeben vnd verschrieben; Dem Ynholdenwesen beyge- pflichtet; sein eygen vud anderer Leute Vieh verkrümmet, vnd durch Zauberey, hingerichtet: Wayd vnd Wasser vergifftet^ seine vergifile Salben an die Efihbaren gestrichen, über die Hundert raysende Personen vnnd Soldaten mit Gifft und Zauberey hinge- richtet, deren einer jhn einsroals gezwungen, die vergifte Suppen auch mit sucssen, davon sie beyde erkrancket; doch durch Hülff eines Mithndats, so der Soldat bey sich gehabt, wider zu recht kommen; vnd welches das allergottslästerligste, hat er heilige Ho- stien zum fünfltonmahl, auß dem Mund, mit sich auff die Vnholden- Plütz gonommeu, vnd damit^ auß deß Tenffels Anstiffien schröck- lieh umbgtingen; wie nach Längs, in dem zu Augsburg getmckten Bericht hioYon zuleei^n ist M. Zeiler Handbuch 1 Teil Ulm I66:v S. 548 ff 123 15 Von Dr. Faust Ein Zettel mit Blut geschrieben, macht bey dem Orufio l. 0. n. 3J2. anch einen sonderb'chen Verdacht, ans Ursach, weil ein berühmter Schwartz- Künstler Fatistus mit seinem Blnt seine Handsohrifft solle geschrieben haben. Ob ein solcher Kerl iemals in der Welt gewesen, ist noch zweiffelbafiPt, ohngeachtet man in den Baoh-Laden ein gantz abgeschmacktes Buch von seinem Leben sidiet, und dann und wann Klein-Städtische Gomödianten diese miferable pie^ von Fauftens Leben, auf zusammen gesetzten Bret- tern über alte Tonnen, so sie Theatra zu nennen pflegen, noch su prmsenHren^ die garstige Gewohnheit haben. Dieses ist gewiß, da& die Herren Wittenberger, und in fpecie der Herr 2). Neumann in einer besonderen difputation de VUa D. Fausti, diesen Kerl Ton ihrem Pamaffo längst verbannet, und es vor eine halbe mjurie aufnehmen, wenn man sagt, daß an dem Ort, wo Cathedra Lutheri ist, auch einst 2). Faust mit seinem Mephiftophüe und dem Fa- miüo Wagner sich aufgehalten. Ob man aber mit besserm Recht diesen Kerl den Schwaben, und in fpecie Würtenbergern aufdringe, darum darff man sich nicht sonderlich bekümmern, weil es einem gleich viel gelten kan. Indessen wird derjenige nicht groß irren, der davor hält, daß niemals ein J9. Faust mit solchen Künsten in der Welt gewesen, und wenn der Autor seiner Lebens-Be- achreibung nicht auf allen Blättern seine Einfalt bezeiget, könte man davor halten, er hätte die inteniion gehabt, die man dem Frantzdsischen Atäori des Tractät^ens: le ConUe de Gäbalis sonst soschreibet, daß er einer subtilen Satyre sich bedienen, oder einen Negromantischen Roman schreiben wollen. Indessen würde solche Schedula mit Blut, weil es auf Papier tunckel zu lesen, nicht vieles prcbiren, sondern leicht falliren können. Herr P. Bierling hat die artige Gedancken, daß die gantze Fabel von Fauften ursprünglich von dem ersten Buchdrucker, Joh, Fauften, welcher ein rechter Säwartz- Künstler in bono fenfu, charaderes typorum ai/ro cokre tinaens geweseo, von einem lustigen Kopffe erdacht sey, in ^frrhomfino niftorico. p. 161. Quelle: Jaoobi Brannemanni, Icti, Assessoris des Königlichen Preu- ßischen Scabinats in Pommern und Land-Syndici daselbst, Discoure von betrüglichen Kennzeichen der Zauberey, worinnen viel abergläubische Meinangen freymüthig untersuchet und verworffen, wie auch Carbzovii, Berlichü, Crusii, und anderer, so wohl Protestant- als Päbstiscber Ic- iorum, mißliche und leichtgläubige Lehr-Sätze von der Zauberey er- wogen, zugleich Herrn Jo. Joach. Weidneri, Theol. D. und P. zu Ro- stock etc. Gegensätze widnr diesen Discours kurtz und bescheidentlich beantwortet werden. Nebst einer Historischen Anleitung von dem Zu- stande des Hezen-Processes vor und nach der Reformation bis auf ietzige Zeiten und nöthigen Registern. Halle, bei Johann Ernst Frit- sehen. 1727. 8. 108 ff. Th. Ackertnanna Faust-Catalog 1880 Nr. 69. 124 Gleiches Gelichters von einfältigen ludünis ist bey Eüinffcm in seiner Hexen- Koppel cap. 10. wenn unter Zauberer gerechnet werden, welche mit unterschiedlichen metaUis, mineralibus und Steinen mit cor- gento vivo und fülphure etc. umgehen, und Magische Werke verüben, und ist Braudtens Commentarius darüber, als einem an sich närrischen Indido, gar überflüssig bey Oldekop, p. 392, ABirlinger 2 Besegnungen, Aberglauben, Volksheilmittel 1 Das Podagram oder den Fluß zu vertreiben. So sprich: jetzt wird man bald läuten mit den Glocken, Podagra oder FluA, ich will dich heraus locken, daß du verdorrest wie der Tod im Grab und nicht wieder kommen bis man mich legt Ins Grab ; dazu vorhelfe mir Gott der Vater, Gott der Sohn, Gott der heilige Geist. Bei jedem der drei höchsten Namen muß man mit der Hand über den Fuß herunterfaren und wenn es an beiden Füßen ist, so muß man es dreimal über beide sprechen; ist es ein Floß, so muß man hinauswärts faren. 2 Dafi einen kein Hund oder Wolf hei fit. Sprich also: Es geschähe an einem Freitag, daß Gott der Herr austrieben, er ritt wohl über ein weites Feld, er bat wohl Seckel noch Geld, er hat nichts als seine fünf Wunden, behüte uns Gott vor WöIf und Hunden, er gab sanct Peter den Schlüssel und beschließt den Wolf und Hunden den Rüssel. Im Namen ff f. 3 Vor den Wehetag oder fallende Sucht der Menschen. Nimm Hasenleber zu kleinen Stücken zerschnitten, an einem Spieß wohl geröstet, hernach in Würfel zu Pulver gestoßen, darunter thu ein Loth weißen Zucker, ein Loth Ingwer, ein Loth Nägelen (Gewürznelken), alles zu Pulver gemacht und behalten. Gib einem dergleichen Kranken nur Vs Loth und nicht mehr auf einem Brod zu eßen oder zu trinken ist noch beßer ; so geht der Zustand von ihm ohne alle Wehetage. 4 Kunst wider den Krampf EDOAE ^ f VEOAEPIBEOAEV f dieses so lange angehängt, bis der Krampf weg ist. 5 Für den Flug. Flug ich suche dich mit Gk>tt dem Vatter, Flug ich suche dich mit Gott dem söhn, Flug ich suche dich mit Gott dem heil. Geist, ich treibe dich weg auf der Stelle. 6 Wen einer kräzig ist, brade einen schwaraen schnegen (Schnecke) mit dem saft, schmiere dich damit. 7 Bunzel. Nimm Waßer von den Weise Lien (Lilien?) und wasch das angesicht. 8 Wann die Kinder Wurme haben, gib nüchtern gelbe Rüben zu essen. 1) Adonai? 125 9 Eine gute Stimme isu machen: nehm Finchel-Wasser, und trink davon Abens und Morgens 1 Loth. 10 Vor die Roß. Von den Hasselstauden nehm die Zapfen, unter das Futer zu fntern. 11 Wenn sich eme Kuh bläht. Nimm drei Haar von einer Frauen Scham und gib sie der Kuh ein. 12 Wenn sich ein Pferd nicht will beschlagen lassen, Kas- per hebe dich f Melcher binde dich f Baldas strecke dich ff f. 13 Wider die Müchdiebe, Nimm Hasenpappele und lege sie unter die Thüren dadurch das Vieh aus und eingeht, so wird man dir keine Milch stehlen. 14 Das ein Vieh gleich kan verkauft werden. So bald du 68 auf den Markt bringest, gehe hinaus suche einen Amaisen Iwuffen der in den dennenen (Tannen-) Wäldern zu vinden ist; suche darinnen, so Wirst du in der Mitten eine schwarze kugel finden damit bestreiche und bereube es damit. 15 Beim Einstellen neuen Viehs, Wenn man auf dem Markt ein Par Ochsen gekauft hat, so mu£ der geringere zuerst in den Stall, weil man glaubt^ er gedeihe dann besser; auch wird ein Stecken quer über den Eingang gelegt, so daß er über disen hinwegschreiten muß. 16 Lamgehen des Viehs, Wenn ein Stück Vieh in einen Nagel tritt und hinkt, so werden drei senkrechte Striche und durch dise drei Querstriche an die Stalltüre gemacht und dann der ausgezogene Nagel in den Mittelpunkt geschlagen. Das Hinken läßt hierauf nach. 17. Beim Entwönen eines Jungtiers, Wird ein Sangkalb von dem Muttertier abgebunden, so geschiht diß mittags, w&- rend es zwelf Ur schlägt, mit den Worten: Kälble, tu di von deiner Amm, Darfst net jammere, bleibst bei deim Stamm. Zuweilen spricht man dabei auch die drei heiligen Namen. 18 Zu ersehen^ ob eine J. ist, Birenn (brenn) Muterkraut, und laß das Pulver riehen, ist sie J. (Jungfrau), so wird sie niesen. 19 Eine schwangere Frau ein Zeichen was sie JuU, Nimm frich (frisch) Wasser in eine schisei und laß ein tropffen Milch aus den brüsten. Trägt sie ein K: (Knaben), so schwimmet es, ist es ein Mägdlein, so fäli es. 20 Todes-Ängeichen, Findet man auf der Straße eine tote Schwalbe, so soll sich in einem Hause diser Straße bald ein To- desfall ereignen ^). Karl Doli 1) Nr. 1 — 5. 11 — 18. Aufzeichnung, bei einer Haussuchung, in Simroozheim entdeckt; Nr. 6 — 9. 10. 14. 18. 19 alte Handschrift von Unterhaugstett bei Calw, 15 — 17 mündlich aus Stammheim, Nro. 20 mündlich aus Calw. 126 Ich (uge ans der WünBchelrute Math. Wülens Nürnb. 1694 noch einige aach in Süddeutsohland da and dort bekannte Aberglanbena- säze bei. 21 Mag. Boyle führet anch an nnterscbiedliohen Orten seiner Schriften an, daß, als er einen ganzen Sommer mit aimlichen Bhit- stürtziingen angegriffen worden nud, sich vieler Mittel wiewohl ohne Nutzen gebrauchet, umb solchen Verlust des Geblütes zu stillen, doch endlich seinen Zweck erlanget, als er den üfoß, der in einem Todten- Kopf gewachsen^ darauf geUgeU S. 208. 22 Heilung des Zipperkins Zu Grimms Mythol.« III 504 No. XLIY Dieser Dr. med. Johannes Kumelius Pharamundus saget Robert Flud, nähme die N&gel von Füssen und das Haar von den Sohenckeln solcher ziprianers und steckte solches in eine Eiche, darein er ein Loch biß auf den Kern hineingebohret und nachdem er solch Loch mit einem Keil von eben dem Holz wieder vermachet, schmierete er hernach Kuhmist darüber; wenn sich non die Kranckheit innerhalb 3 Monaten nidit wieder einfand, schlösse er daher, daß die Eiche die Krankheit nun- mehr sehr genug an sich gezogen. Philosophia Mosaica lib. 2. membr. 2 fol. 120 sect 2. 28 Hieronymns Cardanus behauptet de Subtil. 1. 17 daß es ver- mittelst der Antipathie geschehe, daß, wenn man einen WcUfs-Sehwam im StaUl aufhänget, das Eindmeh nicfU fret^, S. 60. 24 Aber es ist von Herzen zu bedauern, daß bei yilen diser Leutblein (Scharpf-Richter, Henckers-Knechten, Kercker- oud Eisen-Meistern, Schörganfen, Gerichtsdienem u. 8. w.) offt mehr Laster als Tugenden im Schwung. Ich will nichts sagen von Gottesl&stem, nichts von Schlemmereycn, nichts von der Unlauter- keit, sondern allein von allerhand verhottenen Künstlein und Teuf- fdS'Werh, mit welchen sie der üebelthäiem, Jaunem^ Strafien- Baubem, Schelmen und Dieben habhaft eu werden^ selbige an der Stell vestmachen, sich selbt Schuß- und Stichfrei halten und was dergleichen mehr seyn mag. Dise sollen ein für allemal wissen, daß es eine Todsünd sey, mithin so lang weder recht beichten oder anders Sacrament würdig empfangen können, biß dergleichen Höllen-Bossen verworfen und unterlassen werden und gewiß der ewigen Verdammnuß zueilen, sofern sie nicht darvon aUassen. Forderist werden alihier ermahnet die Scharpf- nnd Na(^richier^ welche ungescheut denjenigen, so etwas verlohren oder ihnen ent- fremdet worden und mithin von ihnen zu wissen begehren, wer der Dieb seye, unverhollen durch weiß nicht was für ein verbot- tenes tenfflisches Grifflein den Thäter offenbaren? Eine Sacfa, so niemahl ohne grosse, ja insgemein mehreren Todsünden zugehen kau: dann erstlich ist gewiß und unfehlbar, daß auf solclie Weiß den Dieb oder Thäter zu erfahren^ daß der Handt^ ohne Zothnta deß Teufels, der solchen offen bahret, nicht hergeh^a möge; ge- staltsam Gott bey sothamer Beschaffenheit der Sach einem der* gleichen gottlosen Scharpfrichter den Menschen, den man bq wissen und zu erkennen verlanget, nicht offeubahret und einfolglich ist dises eine Todsünd. Widerumb geschiht es oft, daß der TaaM als ein Vater der Lügen, damit er nur mehr sdmvAhre 127 venmacben kann, einem solchen Scharpfnchter oder wer aus diesen Leathlein es immer sein mag den Falschen und Unschuldigen anzeiget, welcher den Diebstal oder anderes, um was man fQr witzig nachfragt, solle begangen haben, was fQr Sünden ent- springen nicht hierauß? was für Zorn, Räch, Mordthaten, Ver- leumbdungen, falsche Urtheil und Feindschaften? u. s. w. Eben das ist zu sagen von Allerhand Arzneymitteln, von Kräuteren, Beinlein und was nur sein mng, so dises Völcklein fQr unter- Bchidliche Kranckheiten verkaufet und ausgibst, welche Artzeneyen manches mal bey weitem kein natürliche Kraft haben, sothane Uebel zu heilen; wann sie dannoch als dann eine haben, so kann sie von Niemand änderst als von dem Teuffei herkommen dann ▼on Gott gewißlich nicht; weilen er dergleichen Zauber- Bossen äasserist hasset, u. s. w. Das von der Welt Verachtete Bey Gott angenehme Yölklein: Das ist unterschidliche Geschichten von Allerhand heiligen Gerichts- Dienem, Schörganteu u. s. w. v. P. Jacob Schmid, S. J. 2. Auflage 4^. Aagsb. u. Würzb. Martin Yeith 1752 : An den Leser. ABirlinger 25 Aus Moscherosch (Hftllen- Kinder Sechstes Wunderliches vnd Warhaffbiges Gefichte Philanders von Sittewalt S. 385 f.) : Von dar gieng ich, die Segenfprecher^ ChriftaUen-feherf Aber^gläfUnfche^ welche io dem erften grad der Uexerey vnd Zau- berey begriffen, zu befchawen : bey denen alle die jenige zn finden waren, welche Kranckheiten, wunden vnd andere zust&nde der M&nTchen vnnd Viehs durch gewiffe Segen vnd Wort^ durch Bu- offen^ Charakteres^ Zedulen vnnd Aberglauben curiieten vnd hey- leten, welche alle lebendig in dem Fewer vnd der Lohe saCfen. Diefe And, sprach ein Teuffei, die jenige, welche das Albare ein- fältige Volck zu allerhand Aberglauben treiben. Es find die aller Verdammtefte M&nfchen der Welt. Vnd ob fie fchon zu weylen einem von feiner Noth helffen, fo ift doch gewiß, daß Ce allemahl einen andern damit behencken, der vnschuldiger ift, vnd es weniger ▼erdienet hat als der Erfte: Vnnd gleichwol find deren nit viel die vber fie klagen wollen oder dörffen : dan, wird einem geholffen? fo ift er froh, vnd bezahlet fie redlich, nur daß er jhrer abkomme ; wird jhm aber nicht geholfen? fo muß er fich f&rchten, wan er was fiige, daß es &rgor mit jhm gehe. Alfo, fie thun was fie wollen, fo muß der patient fich lassen wehe vnd wol fein. Fragt man, was fie vor Mittel gebrauchen? fo fprechen fie: es feyen Heilige gute Wort, oder Buchstaben; welche fie etwan von einem Juden oder alten Gabelhuren erlernet, dann diefes ift der rechte vrfprung jhrer groffen heimlichkeit. Vber das ift nichts N&rrifches anzu- hftren, als wann fie erzehlen, wie fie diefe vnd jene Cur vnd Prob gethan haben : wie diefem das Aug außgefbochen vnnd in der Haod gelegen feye, welches fie widerumb eingefetzet, daß er bef fer geselle als vorhin. Wie jener durch das Hirn geschoffen, durch die Leber geftochen, da^ Eingeweyd hab im Hut getragen, vnd 128 fie jhne alfo widemmb reftituiret daß man auch das Wundmahl nicht wol kftnne finden. Aber wan man fraget wo es gefchehen? fo ift es etwan bey 200 Meilen wegs von dannen, da der Tropff felbflb niemalen gewefen. Wann es geschehen? fo ift der gnte Tropff bereits vor mehr als zehen Jahren geftorben. Alfo kennen Jfie jhre fchalckheit beweifen. Die emfthaffte Zunfit war diefes ver- weiß gar nit zufriden, vnd h&tten den Teuffel in jhrem difcurs gern LAgen ftraffen wollen, wann £ie nicht ärgeres gefftrchtet h&tten. Einer aber, den folcher Schimpff fehr verdroß, vnd der vor diefero auff der Erden vor einen verrtkhmten Storger vnd Aber- glanbifchen Segenfprecher gehalten worden, ftande auff: vnd im Werck zuerweifen, was vortrefflicher EAnfte vnd Probatum oft er gelernet habe, fprach: Vnd mit aller diefer löblichen verfamblung thue ich dar, daß meine wifrenfehafft nit betriegerey feye. Dann ifts nicht war (in dem er eine feiner Nachb&nrin hervor raffte): Wann ein Weib jhre Hochzeit-Schuhe verbrochen, fo ift es ein vnfehlbares anzeigen, daß fie von jhrem Mann muß gefchlagen werden? Ifts nicht wahr: Wan ein Weib anß der Eindbeth gehet, vnd nicht newe Schuh an hat, fo muß hernach das Kind, wann es gehen lernet, gef&hrlich fallen? Wann ein Viech böfe Augen hat, man hencke jhm ein fchnur mit W Artlein an, es wird helffen im namen der H. Ottilia; Wer Erbfen oder Bonen iffet, vnd felbige Woch dergleichen fpeyfe feet, dem gerahten fie nicht ^). Wer ein Gew&chs am Leib hat, der wafche fich mit frifchero waffer, welches in der Bach geholt worden, in wehrender Zeit, daß man einem zur Begräbnuß leutet. Wer ein new Meffer kaufft, foll den erften biffen, den er damit fchneydet, einem Hund zueffen geben, fo verleurt er das Meffer nit, etc. In dem diefer noch mehr herrliche Kunitftücklein her er- zehlen wolte, ließ jhm der Teuffel auch ein Probatum eft weifen, nemlich : daß alle Aberglaubifche vnd Segenfprecher, als des Teuf- fels Leybeygene Leute, Ewig mAffen verdampt werden. W^Creceliuß 26 Für Heaenwerk oder allerley Zauberey der Weyher. Henck ein Meerzwibel vber die fürnemsten thür des Hauses, so mag kein Mensch in demselben Hauß verzaubert werden. Deß- gleichen auch so dieser Meerzwibel zu anderen kreutern gepflanzet wirt, so behütet er dieselbigen vor allem bösen Luft. Kunstbuch des Wolerfamen Herrn Alexii Pedemontani von man- cherley nutzlichen und bewerten Sekreten. Der ander Theil Yertutscht durch Doctor Hanß Jacob Wecker, Stattartzet zu Colmar. Basel 1605 S. 68. 1) S. Alemannia lY S. 273: Aberglaube L 129 27 Also soll ein rechter Christ lieher tansendmahl sterben, dann durch anzoläßige Mittel, verbottene Segen und Aberglauben oder auch Zauherey gesund werden: Weit derohalben mit solchen Arzneyen und bösen Künsten hinweg, dann indem sie das Ansehen haben, als hallen sie den Leib, vergiften und ermorden sie die Seel usw. P. Rupert Ludwig Eraiftzeltlein. Gebetbuch Augsb. 1685. 8. 68. 28 Ein Teufel gestet ein: daß das Weibervolk wegen Geil- heit und Unzucht, wegen Hexereien und Aberglauben in großer Anzal ewig verdammt werde. Pistorii Predigten 17. Jhd. Diliogen (Joannes Junior in Scala Coeli). 29 Für den Siraal vnd Vngewitter. Wohin man hencket eine Löwin haut oder Crocodil haut, oder ein haut von einem Meerkalb: dahin schlecht das Wetter nicht. Deßgleichen auch schlecht das Wetter nicht hin, wo Lorbeerbäume oder Feigenbäume gepflanzet stehn. Alem. III 133. Ebenda. 30 Am 5. Mai 1685 trägt der Prediger in das Sulzer Ebe- register ein : es trage, wärend seiner Amtsfürung, schon zum drit- tenmale sich zu, daß Hagelwetter entstehen wenn bei einer Hoch- zeit der Bräutigam widerlich das Kränzchen trage. ABirlinger 3 Von Selbstmördern I Major Carl von Boltes Leichnam ausgegraben, um Hagel- sehlag abzuweren 1818 Quelle: Totenbuch der Pfarrei Ersingen und etliche Akten- stücke der Pfarr-Registratur. „Carl von Bolte, Kön. Preußischer Major, pensioniert, in Ulm lebend, cath. Gönf., verheiratet mit Marianna geb. Tlappa von Oe- pfingen, alt 48, verlor am 13. Januar 1818 Abends um 4 Uhr auf der Jagd im Ersinger Holz durch einen Schuß das Leben und wurde am folgenden Tage Abends 3 Uhr auf dem Gottes- acker in Ersingen feyerlich und unter zahlseichem Leichen-Conduct beerdigt, nachdem zuvor in der Zehntscheuer in einer Kammer, die noch „Boltes Kämmerle** heißt, an ihm eine Section vorge- nommen worden war.^ Der Verdacht eines Selbstmords scheint nicht unbegründet gewesen zu sein. Da nun aber nach einem alten biß in unsere Zeit sich er- streckenden weit verbreiteten Aberglauben eine Gemeinde, auf deren Gottesacker ein Selbstmörder begraben ligt, von Ilagelschlag Blrlinger, AlemumlA VIII 2 ^ 130 heimgesucht werden soll, graben 7 Männer, damnter der Orts- vorstand und der Bürgermeister, um Hagelschlag von der Ge- meinde abzuwenden, in der nächsten Nacht den Leichnam in aller Stille wider aus, steckten in, nachdem sie in vorher zerstückelt hatten, in einen Sack, schleppten in zum Dorf hinaus und warfen in in die nah vorüberfließende Donau. Erst nach einem halben Jare warf die Donau den Leichnam auf bairischem Gebiete ans Land. Da die 7 Spediteure pfiffiger Weise einen mit dem Namen und Wonort des Eigentümers be- zeichneten Sack sich auserwält hatten, so wüsten die bairischen Behörden doch gleich, wohin sie sich zu wenden hatten, nemlich an die Wirtemb. Regierung des Jaxt- und Donau-Kreises. Dise ließ vermöge Decrets dd 19. August 1818 durch das Oberamt Ehingen den Pfarrer M. Gellarius zu Ersingen (damals 64 Jare alt) zur Aeußerung auffordern, warum er von dem Ausgraben des auf dem Ersinger Gottesacker begraben gewesenen Leichnams des in der Nähe des Orts verunglückten Majors von Bolte keine Notiz genommen habe, da sich dise Geschichte doch unter seinen Augen zugetragen habe. Etliche Tage nach Empfang diser Aufforderung 8. Sept. berichtet M. Gellarius ans Oberamt: 1) Konnte ich mich unmöglich überzeugen, daß es irgend einem meiner Pfarrangehörigen auch nur in den Sinn kommen könnte, geschweige, daß einer fähig sein sollte, eine solche Tat zu begen, welche ganz den Grundsäzen der Vernunft und der Religion entgegenstet, die ich inen in meinen öffentlichen Vor- trägen beizubringen und einzuschärfen beflissen bin. Um so gro- ßer war meine Verwunderung und Erstaunen, als ich hörte, daß 7 Männer aus hiesiger Gemeinde wegen Ausgrabens des Migors von Bolte, wovon mir nicht das Geringste bekannt war, in Arrest gekommen seien. Wäre ein solches Vorhaben vor — oder nach der Tat zu meiner Erkenntnis gekommen, so würde es von mir 2) gewiß abgewendet oder sicher nach aufhabenden Pflichten angezeigt worden sein. Auch die Ausfürung der Tat blib mir gänzlich verborgen und konnte nicht zu meiner Kenntnis gelangen, da sie in der Nacht geschehen und die Localität meines Schlaf- zimmers von dem Orte des Vergehens zu ser entfernt ist, als daft ich was davon hätte hören und die Tat hätte abändern können. Auch dem Dekanatamt gegenüber hatte sich Gellarius su verantworten. Dekan Volz schrib dd 18. Nov. 1818 folgendes an in: „Euer Hochehrwürden erhalten hier die mir mitgetheilte Beantwortung der Fragen wieder, welche in der famosen von Bol- teischen Geschichte an Sie gemacht worden waren. Ich gestehe Ihnen, daß mich Ihr Stillschweigen über diese Sache so sehr ver- wnnderte, als ich Sie bedauerte, daß so etwas in Ihrer Gemeinde geschehen. Durch die Nachricht, welche ich davon in einer 2ieitang lese, daß man alles auf Aberglauben, wie es auch wirklich war. 1dl schreibe, bemhigte ich mich wieder in etwas. Sie werden es Sich nun, wie ich Dicht zweifle, doppelt zur Pflicht machen und jede Gelegenheit ergreifen, so wohl auf der Kanzel als in der Katechese und besonders in der Schule diesem und allen Arten von Aber- glauben entgegen zu arbeiten und die Leute zu belehren, daß Gott 1000 Arten habe, die Genügsamkeit der Menschen mit dem, das da ist, zu prüfen, und sie, die so gern alles ihrer eignen Betrieb- samkeit und Fleiß allein zuschreiben, durch Frost, Hagel usw aufmerksam zu machen, daß £r es seye, der sein Gedeihen darzu geben und es erhalten müsse, wenn es uns bleiben solle, und — daß der Mensch nicht Gottes Willen machen könne, sondern sich demselben unterwerfen müsse. Was haben sie jetzt davon, als Schande von den Katholiken, vor deren Augen sie so schlecht.e Beweise von dem Dank für das mehrere Licht, das sie von der Reformation haben könnten und sollten, gegeben haben. Doch wird vielleicht dieser Vorfall ein Mittel in der Hand Gottes, daß Ihre Lehren, Ermahnungen und Warnungen bei Ihren Gemeinde- gliedern mehr £ingang gewinnen. Wenigstens wünsche ich es, und dann ist nichts so schlimm, das nicht auch seinen Nutzen hat. Mich damit u. s. w. Biberach, den 18. Nov. 1818 Dekan Volz Unter den Katholiken der Umgebung machte dise Geschichte, als sie bekannt wurde, böses Blut, weil sie eben anfänglich glaub- ten, Bolte sei ausgegraben worden, weil er ein Katholik gewesen. Auch an Hon und Spot feite es nicht auf Seiten der Katholiken. Die Ersinger musten es sich, wenn sie in kath. Orte kamen, ge- fallen lassen, daß man sie Boltes-Mezger nannte. Daß nicht Haß gegen die andre Konfession, sondern jener Aberglaube es war, was seine Ausgrabung veranlaßte, scheint sich bei der Untersuchung klar herausgestellt zu haben. Sonst hätte nicht das K. Oberamt Ehingen am 24. Dec. 1818 in Gemäßheit eines allerhöchsten Rescripts des K. Kriminalgerichtshofes für den Jazi- und Donaukreis zu Ellwangen dd 15. Dec. das Pfarr-Amt ersuchen müssen, daß^dasselbe bei einer schicklichen Gelegenheit über die Ausgrabung des Msjor von Bolteschen Leichnams auf dem Kirchof zu Ersingen ausfürlich zu der Gemeinde spreche ond dem bei diser Handlung zum Grunde gelegenen Aberglauben sa vertilgen suche. Jene 7 hatten ire Torheit schwer zu büßen und auf sie läßt sich wol anwenden: Incidit in Scyllam, qui vult vitare Charybdim. Ersingen bei Ulm Seuffer 132 n Unrahen in Zainingen ^) wegen Beerdigung eines Selbstmörders im Jare 1736. Copia einer darauf bezüglichen Ordre des Herzogs Carl Alexander an den Obersten von Nostiz dd. 1 Nov. 1736 Quelle : Aktenfasoikel in der ZaiDinger Pfarr-Registratur, über- schriben : „ Bettelbubiana. ^ In der Mitte Augusts 1736 erbenkte sich ein , ausländischer Bettelbub' ^ io Jerg Bechlens Haus in Zainingen. Der ^dißfalls eingelofiPene oberamtlicbe Bescheid'' lautete, der Leichnam desselben solle durch den Scharfrichter auf dem Kirchhof zu Zainingen begraben werden, w&rend doch das Jar zuvor Jobs Roeßlin, Oberschultheiß von Zainingen, der sich am 25. April 1735 in seiner Tochter Haus in Auingen an einer Dachlatte er- henkt hatte, sogleich durch den Eleemeister von Münsingen in einenf Sack in das Hardt auf den Auinger Zehnten hinausgeföhrt und allda begraben worden war. Als nun am 20. August 1736 der Scharfrichter von Mün- singen die Beerdigung des Bettelbuben auf dem Kirchhof vomemen wollte, widersezten sich troz der Warnung des gemeinschaftlichen Amts 16 Einwoner des Orts, darunter 4 mit „Qewöhr' bewaffnet, und nötigten den Scharfrichter, den Leichnam in einem Sack in den Wald gegen Ennabeuren binauszufüren und in einem Hau, welcher noch heute „Bettelbubenhau'' heißt, zu verscharren. Die Hauptschuld an diser Widersezlichkeit trug wol der alte, weit verbreitete und noch heute nicht ganz ausgestorbene Aberglaube, daß eine Gemeinde, auf deren Gottesacker ein Selbst- mörder begraben lige, neun Jare lang von Hagelschlag heim- gesucht werde. Schon am 24. Aug. erstatteten der Specialis zu Urach Mr. Christoph Matthias Lang und der Vogt ebendaselbst Philipp Anton Georgii an die Fürstliche Kanzlei in Stuttgart Bericht, wie sich ein Bettelbub in Zainingen selbsten erhenkt und auf was insolente und sträfliche Weise sich die Commun hiebe! bezeiget habe. Die Hochfürstl. Kanzlei (Roischach, Frommann) rescribirte unterm 3. Sept.: ohnerachtet der Bub den mit ihme eigenmächtig vorgenohmenen modum sepulturse secundum summum juris rigorem endlichen wohl verdienet haben mag, so habt Ihr jedoch besagter Gemeinde ihr hiebei geäusertes pflichtlose und ohnbottmäsige Be- ginnen und daß, wann sie wieder die von dem Oberamt anbefohlne 1) Auf der schwäbischen Alb, OA Urach. Begräbnuß erhebliche Klagen vonBubringen gehabt, sie solche nicht bei Unserer Fürstl. Kanzlei angebracht, aa£P das nachdrücklichste zu verweisen, und ihr, in specie aber denenjenigcn, welche sich bei publication des von Unserem fürstl. Gonsistorio ohnlängst er- lassenen Fürstlichen Befehls so liederlich auffgeführet haben, ernst- lich zu injangiren, daß sie sich, so lieb ihnen seye, Unsre Fürstl. Ungnade und die allerempfindlichste Strafen zu vermeyden, hinfuhro ^^en ihre geist- und weltliche Obrigkeit bottmäsiger und beschay- dener alß bißanhero aufführen sollen, wiedrigenfalß Wir Unß ge- mfisiget sehen würden, sie ihrer habituirten Ohnbottmäsigkeit halber mit nachdrücklichster Strafe ohnfehlbar anznseheni wie wir dann auch obiger Excesse halber Unß die Justiz und dem Ver- brechen gemäse Bestrafung expresse hiemit vorbehalten und Euch Gnädigst auffgegeben haben wollen, sowohl erst besagte Haupt- moiuSy alß auch ins besondere, waß wieder den Pfarrer Kfunien zu Zainingen von einigen Bürgern und Innewohnern daselbst boshaffber Weise theils würklich unternohmen, theils anbetrohet worden, gründlich und unpartheyisch, jedoch kürzlich und in genau mög- lichstem Costen zu untersuchen, hauptsächlich aber auf die Räd- lens- und Anführer zu refiectiren und den Erfund bald thunlichst zu Unserem Fürstl. Regl. Rath zu berichten. Da Wir übrigens Euch hiemit verweisen, daß Ihr diesen Casum wegen des erhenkten Bettelbnben nicht sogleich unterthänigst einberichte, den Scharf- richter wieder die Ordnung nuff den Kirchhof gelassen und in Eurem Bericht die Hauptumstände wegen der zwischen dem Bettel- bnben und einiger heillosen Dürnen loci des morgens vorher vor- gegangener Liederlichkeiten nicht behörig bemerkt habt. Daran be- schichet Unser Will vndWir verbleiben Euch in Gnaden gewogen.'' Die in Folge dises Rescripts vorgenommene Untersuchung scheint etwas zu gelinde gewesen zu sein und darum auch nicht die Schuld der einzelnen Excedenten ermittelt zu haben. Ja leztere wurden nur noch frecher, der Unfug immer ärger. Dem Pfarrer wurde das Flachsland, dem Schultheißen und den Richtern das Kraut ruiniert ; der Backofen beschädigt, Fenster ein^ geworfen usw. Einer bot dem Pfarrer Troz mit einer Pistole, („gegen dem Pfarrer Pistohlbravade.") Fast hätte der unruhige Flecken Execution bekommen. Herzog Carl Alexander, welcher damals auf der Festung Neuffen sich aufhielt, hatte dd 1. Nov. 1736 dem Oberst von Nostiz vom Infisuiterie-Regiment „ Erbprinz '^ in Urach schon die Ordre zukommen lassen^ er soDe bedürfenden Falls auf Anmelden des Vogts sogleich 50 Mann abgeben. Es kam aber nicht so weit, da der grobe Unfng aufhörte. Aber ganz ruhig wars deswegen doch noch nicht geworden. Die Beklagten traten nun als Kläger gegen iren Pfarrer M. Jo- hann Jacob Kuon, einen eifrigen, unerschrockenen Verkündiger des Evangeliums, auf. 134 Drei Abgeordnete, Springer, ein verkommener Scholmeisiers- 8on , Blochinger und Schepper reichten gegen Knon bei der Hochfürstl. Kanzlei im Namen von etlich und vierzig Burgom ein von einem Koncipisten Namens Nea verfaßtes Memoriale ein, in welchem sie teils am eine nochmalige Untersuchnng, teils um Abname (Versezung) ires Pfarrers Euon, teils om Saooession des Vicarii Ludwig von Hengen ansuchten. Kuon wurde darin verdächtigt, er halte heimliche Zusammenkünfte, rede wider die Obrigkeit und gebrauche Ausdrücke, welche Aergernis und Zwie- spalt bei seinen Zuhörern erregen. Er habe z. B. einmal gewünscht, der Ort möchte abbrennen, und gesagt: ich bin gekommen, daß ich ein Feuer anzünde auf Erden; was wollte ich lieber, denn es brennete schon (Ev. Luc. 12, 49). Auf diso Anklagen hin ließ Carl Alexander dd 2. Nov. 1 736 dem Vogt Georgii aufgeben, den Pfarrer Kuon, die Pfarrerin und gewesene Pfamnagd Blochinger sogleich wegzunemen und ins Arbeitshaus nacher Ludwigsburg zu bringen , sämtliche £S£fecten aber behörig zu obsigniren, die Kinder aber wegen irer Versor- gung zu denen Freunden ad interim in die Kost zu tun. Neuffen 2. 9bri8 1736. Carl Alexander mp. Es stellte sich jedoch bald heraus, daß die Angaben im me- moriale falsa narrata waren, so daß schon am 26. Nov. 1736 dem Vogt Oeorgii der Auftrag erteilt wurde, zu verfügen, daß des Pfarrers zu Zainingen obsignirte Efifetti sogleich resignirt, zugleich aber auch durch einen dahin abgeschickten Scribenten die in des Philipp Springers Haus befindlichen Litteralien, besonders ein in einer Lade ligen sollender Briff von dem Pater ^ zu Gondershoffen aufgesucht und wol verwart zur gn. nidergesezten FürstL Com- mission eingeliefPert werden solle. Diser Befehl zur Resignierung etc. war in Zainingen prasent 28. Octobris Abends nach 4 Ur. Am 13. April 1737 wird dem Specialis und dem Vogt auf- gegeben, die Sache noch einmal gründlich zu untersuchen, beson- ders aber das Augenmerk dahin zu nemen^ ob und was es mit disen angeblichen Deputationibus vor eine Bewandsame habe und ob nicht villeicht Pfarrvicarius Ludwig die Hand im Spile habe, und dann gründliche Relation una cum protocollo zum Fürstl. Regierungs-Rat einzuschicken. Diß geschah am 8. Juni 1787. Am 5. Febr. 1738 erfolgte hierauf die Hochfürstliche Reso- lution, nach welcher die unruhigen Bauern zusammen an Straff- und andern Costen 488 fl. 51 Tlr. 3 hl. zu bezalen hatten. Die höchsten 3 Strafen wurden den Rädlensfürem angesezt. 60, 68, 73. Für die 2^1ungsunfahigen musten die Kameraden eintreten. Noch im Anfange des Jares 1740 reichten Elinzelne wider- 135 holte Bitten um Nachlaß der andiktierteo Strafen und Unkosten ein, aber one Erfolg. «Wir wissen, heißt es in einem herzoglichen Rescript vom 25. Febr. 1740, weder an denen Strafen, als welche die Suppli- canten nur allzuwohl verdienet haben, als auch an denen Unkosten nichts nachzusehen, wollen aber gleichwolen gnädigst geschehen lassen, daß die Strafen in leidentlichen Fristen zerschlagen und nach und nach von denen Debenten eingezogen werden. Einer der ärmsten darf nach einem herzogl. Erlasse vom 22. Dec. 1741 die Strafe nach und nach abverdienen. Cöpia. Das Original ist in der Registratur Zainingen. A Monsieur Monsieur de Nostiz Colonel de mon Regiment dlnfanterie, de Prince Hereditaire de Wirttberg ä Urac. Wohl Eklelgebohmer Besonders lieber Herr Obrist Nachdeme zu vermuthen stehet, daß in dem Flecken Zai- niugen sich ein vnd andere Unruhe hervorthun möchte, als ist meine ordre hiermit, der Herr Obrist wolle bedürffenden Falls auf Anmelden des Vogts Oeorgii sogleich 50 Mann abgeben, vmb sich deren bedienen zu können. Uebrigens mit estime beharrend des HeiTu Obristen Neuffen, den 1. Nov. 1736. Wohlaffectionirter Carl Alezander Ders. Bruchstück einer prosaischen Historienbibel Merzdorf (Die deutschen Historienbibeln des Mittelalters. Stuttgart, 1870) beschreibt S. 64 unter dem Zeichen E die Ber- liner Handschrift einer profaifchen Historienbibel^ welche der Fa- milie ^0 herr Jesu Christ vogt*' angehört. Die Handschrift ist nicht vollständig (vgl. die genaueren Angaben darüber bei Merz- dorf). Doch mögen sich weitere Reste derselben noch auffinden lassen. Wenigstens gehörte das Bruchstück einer solchen Historien- bibel, welches Herr Job. von Lohr in Barmen besizt und mir gütigst zur Benuzung überließ, one Zweifel ursprünglich zu der Berliner Handschrift. Es umfaßt die dort feienden Blätter clix-clxviij. Ich teile daraus den Anfang des Propheten Ezechiel mit, und zwar in einem sich Zeile für Zeile buchstäblich dem Original anschlies- senden Abdruck. Da Merzdorf die Hss. (in Hamburg) und U (in Wien) als die nächst verwanten bezeichnet, so habe ich mir ans der ersteren die abweichenden Lesarten verschafft und füge sie hier bei. Herr Dr. Walther hatte die Güte, mit gewonter Zuvorkommenheit und Genauigkeit die Vergleichung für mich vor- znnemen, welche die Angaben Merzdorfs vollständig bestätigt. Die Bearbeitung in @ weicht von der vorligenden nur in unbedeutenden Wortvertauschungen ab; die sonstigen Verschidenheiten beziehen 136 sich auf Schreibung und Dialekt, doch habe ich auch dise nach den sorgfaltigen Angaben Waltbers aufgenommen, weil uns damit zugleich von der Schreib- und Mundart der Hamburger Hs. eine Probe vorgefürt wird *). [Fol. 159 a 1. Col.] § dy weiffagung eeechiels des prophetv Ezechiel der weiffag^) bnfi Tun von priefterlichem gef lecht wart in babilon gefürt mit dem e^unig ioachim vnd mit dem danieln vnd mit den drein 5 chinden vnd was pey dem pach thobar vnd hueb an zu weiffagenn an dem funffben iar der yenkchrms ®) in ainer femlichen fach wann dy iuden dy mit im gefangen waren dy hetten gelefen in ieremie briefiP das ir venk- 10 chnns folt weren fubentzig iar vnd waintten das ir ellendt als lang weren folt vnd mArmulatten ^) wider got vnd fprachen Er het fy mit falfchait von ierufalem pracht wann er het durch des weiffagen mund gefprochn 15 das all dy die zu ierufalem pliben mueften fterbf vnd dy fich feinem diener dem chxinig nabuchodonofor ergeben dy pliben in ßcherhait Nu wer das ding vmb gangen wann all dy die zu ierufalem peliben waren dy weren 20 in dem get^ang ^) aber fy weren pefwert mit groffem dinft vnd gev&nkc/»enus dar- vmb weiffagt ezechiel des ierusalem zu Varianten von 0. 2 Bufy. priefterlichn — 3 geflächte ward, gefüert — 5 chindn. Thabor so aiicJi unten — 6- ze weiffagn. jare — 7 vankchnüss (so immer), famlichn — 8 Judn. gevangen warn, dy feiU — 9 hettn. prieflF. ier — 10 fubintzk. waintn — 11 eilend, fcholt — 12 murmltn (ftrich über den lezten buchst,) fprachn. biet — 13 sew. valfchait. wan — 14 biet, weiffagen Jeremie mund — 15 alle die dy. pelibm (so immer) — 16 fberbm. die. Eunig — 17 ergäben — 18 Nw war. vmbgegangen wann alle die — 19 dy. warn dy warn — 20 getwang. warn pefwärt — 21 groffm. gevänknüs — 1) Die Sprache weist auf Baiem oder auf ein bairisohes Grens- gebiet, Augsburg. Die lautlichen Beweise sind im Drucke kenntlich gemacht, d. H. 2) ahd. wizago, wizego, Profet, zu wizen. 8) Gefangenschaft, Gefängnis. 4) ahd. murmulon, murmuron; für murmuloten, in den balrisch- angsb. Denkm. noch spät erhaltene Form. 5) mhd. getwanc, gedwanc: Bedrängnis, Not, £lend. 137 ftdrt wArd vnd der tempel wArt von dem fewr zu gen vnd das all dy die in der ftat 25 peliben wArden verderbt vor banger vnd dy vor der ftat dy wurden verderbt mit de fwert aber dy man mit gewalt vieng dy [Fol. 159 a 2. Col.] waren in fw&rer v&nkc/tnus vnd dinft aber dy die Ach williglichen geben betten in dy v&nkc^nuB nach des weiffagen ieremie wort dy waren in frid vnd in ainem freyen dinft 5 vnd das im got gewalt gab czu Ikgen vnd czu reden vnd das got das ver roocht vnd des czaigt er im ain pild aines menTchen vnd aines lew&n ^) vnd aines adler vnd aines c/»elbletns Mit den vir tiem dy wir- 10 diger waren dann anndre tier Do verftund er alle creator wann der menfch ift vber alle [creatnr] tier Der adler ift ain chuniQ vber alles geflagel Der lewb vber das wild Der ochs vber das vich Damach Tab er 15 vnter den tieren ain rad in dem anndem do mit fo gab er zu erc^ennen Das der vier elementn laufiP in gottes gewalt ftet dar vber fah er den himel der was geferbt als ain faphir vnd ob dem himel was ain geftalt 20 aines trones Ob dem tron was ain ange- ficht ains menfehen Damach redt got mit im vnd fprach Des menfehen chiudi Ich fent dich czu dem yolkch von ifrahel wann fy fein erherttent vnd wider prAch- 25 ig ^) ob fy dich villeicht hören vnd wider 23 ftort wurd. templ wurd — 24 zergen. die dy — 25 belibm wurdn. von hung' — 26 wurdn — 1 warn — 2 die die. willichlich gegebm hiettn — 3 woiTfagn — 4 warn — 5 zefagn — 6 zereden — 7 ains menTchn — 8 ains lewen vnd ains adler — 9 ains chälb- leins* vier tyern die wierdigs — 10 warn dan andrew. da ver- stuend — 11 wan — 12 alle tyer — 13 vber das gcfügl der lew. gewild — 14 achs. fahe — 15 vnder (so immer) den tyern. andern da — 16 mit gab. erkennen, vir — 17 dementen vmb- lauff in gotes — 18 himl. geuerbt — 10 fafir. himl — 20 ains throns. thron, gefiht — 21 aines menfchn — 22 menfchn chind — 23 yfrahel (so immer) — 24 wan — 25 hörn — 1) Echte bairische Form, mhd. lewe. 2) widerbrüchic: mbd. widerbrühtic, ungehorsam, widnrsezlich. Sahst widerbruht stf. 188 eueren vnd das fy gewar werden das ich in amem weiffagen gefandt hab Darnach wart dem weiffagen ain hant gefandt dar innen was ain puech verfloffen das was 30 aaffen vnd innen gefchriben vnd dy ge- fchrifft was clag vnd wort vnd fag .... Ifs das pnech wann meine wort hab ich dir ein geben Darnach gieng der weiflag eze- 36 chiel czu dem Yolkch von ifrahel dy in der v&nkc^nos waren pey dem pach thobar czu ainem fchober ^) mit newen traid vnd faXs mitten vnter fy vnd nam ain groffn cziegel f&r in vnd fchraib den tag zu ie- 40 ruialem an dy cziegel vnd wy fy j>elegt ^) was vnd dy veften vnd dy heuTer dy vmb [Fol. 159 b 1. Col.] dy ftat lagen vnd nam ain eyfnein pfan- nen fftr fich das fy in nicht gefehen moch- ten noch er fy vnd fpraoh alfo hat got sein antlucz pedekc^ vor der fbat ierublem 5 das er fy nicht feh wann fy pelegt wür- den von den veintten es waren zu ierufa- lem auch uil von den zehen geflechten dy man von ifrahel nennt vnd geflohen wa- ren czu dem geflecht von iuda vnd von den 10 redt got mit dem weiflagen Menfbhen chind Nym waicz gerften vnd ^n vnd lins vnd hirs vnd wikchea vnd mach da von ain äfchereins prot vnd dekch es vor iren 26 ehem. werdn — 27 ainen weiffagn gefant — 28 weif- fagn. hawt gefant — 29 inne. verflofen. was feU — 30 aufh; gefchribm — 31 f. klag, die ausgeladenen worte ImUm: fage do fprach got zu dem weiffagn yXs etc. — 33 wan. han ich — 34 em gebm. gie — 36 warn — 37 newem getraid — 38 enmittn vnder sew — 39 ziegl vor in vnd befchraib — 40 den ziegl. wie fy welegt — 41 hewfer — 159 b 1 lagn — eyn eyneine phannen — 2 gefehn — 4 antlicz bedeckcht — 5 das er fey icht fech wan fy welegt wurd — 6 veinden. warn — 7 geslachtn — 8 nant vnd geflohn warn — 9 geflacht, dem — 10 weiffagn menfchn — 11 vnd gerften — 12 hiers — 13 ein äfchreins. iem — 1) Haufen, aoervus. 2) belagert, eingeschloßen. 139 äugen mit menfcheu mist vnd es alfo (led 15 vnd do 'dem weiffagen des menTchen mist wider cz&m was Do erlaubt im got das er des Aschen mift n&m ynd redt mit dem Yolkch von ifrahel vnd fpracli alfo wert ir ewr vngefaubertz prot effen vnter dem 20 diet do ich each ver&orffen wirt Damach fp- rach aber got ozu dem weifiagen Nym ain fcharlach ^) vnd fchier dein haupt vnd deinen part vnd des drittail deins hars pren vnt* iren äugen vnd das annder drittail zehak- 25 ch mit dem fwert vnd das drittail zeftrew vnter dem veint wann alfo fpricht der herr zu der ftat ierufalem Dein drittail wirt des hungers fterben vnd mit dem tod Das ander drittail verderbt in dem ftreit 30 aber das drittail wirt ich zer/trewen etc. von der offung des weiffagen ezechidis d Amaoh hueb got den weiffagen ezechiel czwifchen himel vnd erd'n vnd f Art in in ainem fcbein hincz ') 35 der ftat ierufalem Do fah er an dem ein- gang des t^rs das do ftund gegen dem winter tail des himels Das abtgot baal Do er in dy ftat gieng do fah er all abt- gdtter des volkc^ von ifrahel dy waren czu ainem cArais gemalet vnd fah das [Fol. 259 b 2. Col.] f ibenczig der altherren ') Do ftnnden vnd der priefter ieromas mit in vnd ain yedlicher het ain rauch vas in der hant vnd der rauch gieng in dem rauch vas auff Do gieng er menfchn {dise äbweichung werde ich von hier ab nickt mer 'zeichnen) mift das man es — 17 er d' afchn — 19 ewer vn- kwberts — 20 ew vewerffen (wierd am rand) — 22 fcher d. bt — 23 das d. des hars — 24 iern. ander (so immer), zu — znftrew — 26 vnder dein veind wan — 28 wiert. fterbm — verdirbt — 30 das dritt dr, wird ich zefbrewn — 31 ÖflT- g des weiffSägn Danielis — 33 hyml — 34 füert — 35 ingang 36 fluend — 37 windertail d. himls d. abgot — 38 gie. alle . — 259 b II. 1 fübentzig. da ftuendn — 2 Jeremias. ein blicher — 3 ein. fas — 4 gie von den rauchuaffen. gie — 1) mbd. Bcharsahs, Schermesser rallum, rasoriom. 2) biß. 2) a) Patriai'chen. b) Anherren. 140 5 furpas durch ain t&r Do ÜEbh er daz dy fraw adonidem clagt Darnach fah er dreiffig man ften czwifchen deo Altern vnd dem fagrar ^) vnd dy cAerttn iren rukch an den tempel vnd anpetten gegen dem auffgang der fan- 10 nen Do fprach got Sichft du was dy tun ift es ain ciain dingÄ; das fy tan mein ozoren wirt vber fy ergen vnd mein aog in nicht vertrachten etc. von dem czaichen Thaw das got gab 15 d chomen fechs mann da her dy betten nafs der verderbnos in iren henttn vnter den was ain man in leynetn claidern vnd trueg ain fchreib zeug an feiner feytten Czu dem fprach got 6ee 20 durch dy fbat vnd dy mann dy do waynen vnd clagen dy czaichen mit ainem thaw zaichen an irem hiren Sy maeg^ das vn- pi\d das dy tunt nicht geleiden Do fprach got zu den fechs mannen Oet durch 25 dy ftat nach dem vnd an wem ir das zaichn nicht vindt den verderbt vnd fchont nye- mancz vnd do fy durch dy ftat giengn vnd fingen das volkch nyder Do rufiPb der weif- fag wee wee wee herr will du all dy ver- 30 derben dy j^eliben fein von deiner vankc/inus ' hincz babilon Do fprach got zu dem der mit leyneim claidt was FAll dein haut mitt prinunden *) cholen vnd fchAtt fy vber dy ftat Do nam der geift den weiffiign eze- 35 chielem vnd fArt in wider in caldeam Do fagt er dem yoXkch das in babilon gefArt was alles das das im got geoffent het etc. 5 ein. das. frawe — 6 klagt, mannen — 7 dem altar — 8 cherten jern rukke — 9 funne — 10 fiechftu. die — 11 tuen, ein klain ding, tuen — 12 zom — 15 chamen. mannen — 16 vas. iem — 17 hendn — 18 leinein chlaidern — 19 feittn — 20 ftatt. mannen, da wainen — 21 chlagn — iern hiem. mügen — 23 die tuent — 24 Geet — 26 vindet dy. nyemands — 28 fluegn. nider. rüeift — 29 we ee wee wee herre wildu alle — 30 welibm. der fflnkchnAs — 31 hincz feit. Wabilon — 32 leinein geklaidet. fAlle. mit — 33 fchüt — 35 füerte — 36 gen Babilon gefuert — 37 ein das feit, in got geoffent het — 1) mhd. fageraere, fagrer, 1) Sakristei, 2) der Ort wo das Aller* heiligste aufbewart wird, aus mittellat. saorarium. 2) ßair. Form des partic. praes. 141 Das fich eeechiel der toeiffag erczaigt d Arnach erczaigt fich ezechiel der 40 weiffag vor dem volkc^ von ifrahel [Fol. 160 a 1. CoL] vnd vor inda als er fie wonung verrann- dein wolt vnd er traeg pej dem tag alles fein haus gerAft fader vnd do es abend wart vnd durch grueb er dy want vnd fein diener 5 truegen in dorch dy lukcften aas mit pfiPen antlacz das er nichte gefah Do fragt in das volkc^ von ifrahel vnd fprach was taft du vnd was mainft da Do ant&art er vnd fp- rach Der flag wirt gen vber dy die czu ie- 10 rafalem i^eliben [waren] fein Ich hab dy ma- ur durch graben vnd das man fy aus für vnd das gefchiecht J^ey vinfter nacht So wirt man fy gefangen in babilon Mren das fy da Iterben vnd iernfalem Mrpas nicht fehenn etc. ^) 38 erczaigte — 39 erczagt — Fol. 160 a 1 verwandln — 3 haws- gerüfte. ahmt ward — 4 do statt vnd — 6 antlicz. nichts — 7 vnd fprach feit, tueftu — 8 mainefbu. antwurt — 9 wiert. die dy zu Irhn — 10 pelibm fein Ich han — 11 mawer durchgrabm. füer — 12 gefchieht — 13 geuangen jn Babiloniam füeren — 14 fehen — Elberfeld Wilhelm Grecelius Was sind Historienbibeln? Ich glaube einem Teile meiner Leser die kurze Hinweisung auf einen nicht unwichtigen altdeut- schen Litteraturzweig geben zu müssen. Neben Uebersezungen der ganzen Bibel oder einzelner Teile derselben (besonders der Psalmen und der Evangelien) in den einzelnen Landessprachen wurden im Mittelalter auch freiere poetische oder prosaische Bearbeitungen einzelner biblischer Bücher und der geschichtlichen Bestandteile der Bibel verfaßt, welch leztere schon im Mittelalter den Namen „historien* tragen, daher im Laufe der Zeit „ Historienbibel ** ent- ataod. In den 21 Handschriften, die Merzdorf aufiPürt, findet sich die prosaisehe Bearbeitung der Geschichte des AT, der Dialekt kt oberrheinisch alemannisch und schwäbisch; 9 weitere Hand- 1) Erst von Fol. 159 a Col. 1 Z. 18 ab ist auch die Zoilenabtoi- genau befolgt. WC 142 Schriften enthalten eine hin und wider gekürzte Prosa-Aoflörang der Weltkronik des Rudolf von Ems. Uneigentlich tragen die sog. Paraphrasen oder Auszüge einiger biblischer Bücher disen Namen ; fälschlich sogar geradezu werden die Handschriften, die eine auf- gelöste Kaiserkronik oder die Weltkronik des R. v. Ems oder die sog. Armenbibeln enthalten, Hisiorienhibeln genannt. Die wich- tigste Historienbibel I fußt auf der Vulgata, zieht teils aus, über- sezt teils das geschichtliche Material des Pentateuch (die Genesis und den Anfang der Exodus fast vollständig, bei den andern Bü- chern manches abgekürzt), der Bücher Josue, der Richter (Ruth mit einigen Zeilen abgemacht), Samuels und der Könige (in der Geschichte der Könige von Israel und Juda ist viles weggelassen), des Buches Daniel, der Bücher Judith, Tobias, Job und Esther. Dann folgt noch einiges aus der Geschichte der Makkabäer (ein Auszug aus Comestor) und am Schluße der Bericht über König Ozias nach 2 Chron. 26, 16 £P. Von den poetischen Stücken werden vollständig mitgeteilt Gen. 49 (mit Erläuterungen ans Comestor), Exod. 15, 1. Sam. 2, 2. Samuel 1, 21 (Psalm 17) und 23 Ps. 5 i. Stücke aus dem Prediger, und den Reden des Buches Job. Ferner kommen gereimte Minnelieder, die sich an Verse des hohen Liedes anschließen. Die zalreichen in den biblischen Bericht eingeschobenen kleinern Znsäze — teils Erläuterungen teils sagenhafte Zutaten, sind gröstenteils aus Comestor entnommen, one daß diser genannt würde. Bei einigen diser Zusäze wird irgend eine Autorität citiert, ser oft Josephus, mitunter Walafrid Sirabns, Philo, Augustinus. Die meisten aus Comestor oder anders woher entnommenen Zusäze sind in die Erzälungen verflochten, one daß irgendwie angedeutet würde, daß sie nicht aus der Bibel stammen, wärend bei Comestor durchgängig das biblische und das nicht biblische Material ausdrücklich unters chiden wird. Dasselbe gilt von den größern Zusäzen, welche der biblischen Geschichte beige- gefügt sind. Vergl. Reusch in s. Theolog. Litteraturblatt 1871, 6. Jrgg. Nr. 17. (Jeher die Sprache der verschidenen Hand- schriften sih meine Rec. des Mensdorfschen Buches. Ebenda. ABirlinger Zur Wortforschung XIII*) 1 Gund. In dem alemannischen Gebiete von Oberstdorf gegen das Walsertal und Vorarlberg hin begegnet häufig das Wort €hind für kleinere Hochtaleinschnitte, Bergwisen^ muldenartig. Als Greme- berge des Marktes kenne ich JRoiliengundsspiee^ Hochgundsspize; 1) Alem. VU 189 flf. 143 Bmgersgwiddlpe, die OünÜealpe gehören ins Trettagebiet. Der Weiler Chmdsoy^ Vordere WarmatsgundaUpe^ Warmatsgunäbach, Hintere Warmatsgundalpe, der Weiler Gundshachj Griesgunddlpe ligen im Stillachgebiete; der Spütegundskopf, Griesgundkopf, Alp- gundkopfy Boasgundkopf im Breitachgebiot. Im hohen Gunde^ Gimdslochj KÜhgund, WeUsergund^ Wildegundsköpfe, Spätengunds- eckj im Birkertsgündle, Gündlesiieg nws Back weist ein nr- Inmdliches Ound als Qunbet 1059 auf: Gemeinen Ganbetj Mon. BoiCi ^) Foerstem. ON 676 weiß es nicht anterzubringen. Es ist in der Tat keltisch-romanisches cumbeta, Hochtälchen, deroin. von keltisch- romanischen camba, Hochtal. Angelsächsisches cumb m. Kufe, heißt (Andere längnen diß) auch das Tal, Terrainsenknng Leo Wb. 573, 66 ff. Da Gange-Garoba: Hispanis Oomba est caryatura, Vasco- nibas locos declivis et propensas, qui in vallem desinit. Anglo- Saxonilms etiam comb est yallis montibns andiqae obsita, qaem- admodnm veteribas Britannis ktmi. Alvens navis heißt da eben- fMs comba, was ofPenbar der ranldenartige nnterste Sohiffsteil, der Bmxch sein maß and somit eins ist mit anserm cumba. Eine Stelle, die Da Gange ans der Charta vetos bei Perardus in Bnrgandicis p. 116 mittält, paßt ganz für die oben angefürten Oertlichkeiten ; sie lautet: et in circnm yolvitnr per rnpes, infra qaas comba per- maxima tendens ad cursaro Sasionis et per ipsum carsum pergit iisqne ad terram, ande flaant olle. AngefÜrt sind ON Altacomba in Sabandia, et Combtümga in Ck>n8orannis, Monasteria sen Abba- tiae, die iren Namen erhalten hätten qaod in altis, profandis et longis vallibas exstructae sint. Im Englischen bezeichnet comb in Ortsnamen eine Niderang zu Füßen oder in der Umgebung Ton Hfigeln. Um das an keltischen Ueberbleibseln reiche Bath hemm gibt es merere Dörfer von diser Benennung und Lage. So yonktar Gombe, Gombe Hay, Charlcombe. In Deyonshire und Gomwallis findet sich eine ganze Reihe yon Ortsnamen, welche auf Goom, Coome, Coombe ausgehen. In Wallis selbst bestehen Tile Ortsnamen, welche mit Cum (lies kum) anfangen, so Gwm Bjchan, ein in einem tiefen grasreichen Tale gelegenen See. Im Irischen ist cumer ein Tal oder Flußbet, cum stet für cumb und dises ist identisch mit keltisch, cam für camb, krumm, altgallisch cambOy in Gambodanum, Gambolechi. Dises camb wird am besten mit (nuMfißig zusammengestellt. Im Litauischen ist Kambas Winkel, Kumpas krumm. Diez Romanisches Wb. 4. Ausg. S. 104 ff. bringt Du Ganges Belegstellen, entscheidet sich aber nicht be- sflglich des Ursprunges unseres ser interessanten Wortes. Nach Cnrthis^ 529 hält Joh. Schmidt kup (kump) für identisch mit kamp in gr. Kafin-x-Wy wozu zu yergl. goth. hup-s, hüfte (gebogene) Sansc. cnp-ti-s, (villeicht) Schulter. Zu xdfin- 1) Ztschr. d. bist. Va. für Schwaben 1880 S. 4. Oberd. Flurn. 94. 144 T-(ci, nrspr. beugen, krümmen, übertr. (y. d. Rennban entlent) wenden y umlenken, einlenken, Fart wechseln findet sich die arische Wurzel kap- (kamp-) undulieren, auf and nidergen; dazu sten, auf griech. Gebiet: xafin-vXo'^ xofin-ifiO'^ gebogen xafin- vAAci;, krümmen — xotfiu'^, trillern; Vani^ek vergleicht noch: xifin-fi, Spannenraupe, die sich durch Krümmungen fortscimellt, und YÜe andere, sowie Kovqhog (levis), leicht, ursp. biegsam. Im Lat. stet hierzu camb-io, -ire (Appuleius) wechseln; ital. camb-io, -iare, dasselbe; daraus franz. ohang-er, dass. und ans diesem engl, to change, dass. 2 Muckenfetter. Nach den Aulendorfer Maigeboten von 1573 wird verboten „das Sanct Joannis oder das Muggenfeur, item das fnnkchen oder Scheiben schlagen am ersten Sonntag in der fasten, da beiderlay geschlechts zusammenkommen.^ Unser Sinkenfuir ist wol aus Singichienfeuer ') entstanden, da lezterer Ausdruck in unseren Urkunden oft vorkommt und so- mit auch landbräuchlich gewesen sein muß. — Das Muggenfeuer kann mit dem Johann von Nepomuk, der schwäbisch allerdings Mugg heißti nicht wol zusammenhängen, da Fastenzeit und andere Umstände dagegen sprechen. Es wird deutlich inmier JohanrnS" oder Muggenfeuer genannt, das nicht im Mai, wo St. Mackentag ist, sondern zur Sommersonnenwendezeit gebrannt wird. Auch heißt das Volk nur dises Feuer das Muckenfeuer, keines im Jäü. Es ist nicht einzusehen, woher St. Nepomuk zu einem Feuer kommen soU, denn erstens ist in seiner Legende eher vom Wasser als vom Feuer die Rede und zweitens hat er beim schwäbischen Volke nie sonderlich vil gegolten, so vil er auch von oben herab protegiert ward; überall stet er an den Brücken and Bninnen, — früher war St. Nikolaus Wasserheiliger — aus" der jesaitischen Reactionszeit her, aber ich sehe und lese nirgends von einem Ein- fluß desselben auf die Volksgebräuche. In der altern Zeit heißt er St. Ne£f „dem die Spazen in den Hintern bauen, ^ ein Sprich- wort, das wider nicht dafür spricht, daß er Landheiliger werden konnte. Oder das andere: St. Nepomuk hat sein Weib im Bett verdrückt! Wir müßen, mit Paracelsus zu reden: baß in die hend speiben vnd aber vmb den barohand lauffen! Es muß eine andere und bessere Erklärung gesucht werden. Freilieh sollte vor Allem erhoben werden können, seit wann diser Ausdruck Muckenfeuer vorkommt, in welcher Verbreitung und in welchen Beenden ganz besonders. Es scheint mir zimlich lokal zu sein, ich finde in nur in Wolfeggisch' Watäseeisch- und Ätdendorfischen' Kömgseggischen Folweiverbotefi, Sollte habsburgisch-wenzelscher Einfluß durch die 1) Vgl. Volkstümliches aus Schwaben II 97 ff. Aus Schwaben II 116 ff. 2) Alem. Sprache S. 35 ahd. sunagaht zu vermuten, got. -gahts zu gaggan, gahta. 145 „Käner" der Hänser Waldbnrg and Königsegg Dach Schwaben her- eingeloitet, wirklich so vile Macht besessen haben, um für den Täofer den Nepomnk zn substitaieren ? Ich zweifle ser 1 denn wenn die Herrschaften fortwärend gegen dise Feaer einschreiten, so können sie nicht die Urheber der Feuerfreude und ires Namens sein, eben so wenig auch iren Geistlichen gestattet haben, auf eine verpönte Volkssitte namengebend einzuwirken. Die Macken sind überhaupt ein schwieriges Kapitel. Muckenratwh kenne ich wol, d. i. den Rauch, den man in einem mit brennenden Holen und Kräutern gefüllten erenen Hafen erzeugt, uro die Rosse vor Ungezifer zu scLüzen, diser Hafen wird an die Wagendeichselnase gehängt. Ob nun irgendwo das Ungezifer des Sommers: Mücken, Schnacken, Bremen und Hornüsse in irgend einem Bezog zu einem reinigenden Feuer gestanden haben, weiß ich nicht, es war meine Mühe in diser Hinsicht, um wider mit Paracels zu reden, gleich als die Merzenbeder, ist das eine für mucken, das ander für fliegen, das dritt für hornnssen! Gar zu künstlich wäre die Erklärung, nach der das Mucken(feuer) aus — Jucken entstanden wäre, ob- gleich diß eine wesentliche Eigenheit desselben ist, denn die vordere Anklebung des m wäre nicht minder schwierig zu deuten, als die Ausstossung des j. Oder war es Anlenung an ein anderes, be- kanntes, gewönliches Muckenfeuer ^)? ABirlinger Unsere Flussnamen Eine Vergleichung unserer alten Flußnamen mit den Namen cler Flüße des alten Galliens, Britanniens, Spaniens und Italiens fürt zu der überraschenden Warnemung, daß sie alle nicht nur in iretn Geföge, sondern häufig in irem ganzen Wortlaut genau über- einstimmen. Es unterligt keinem Zweifel mer, daß dise Fluß- «lamen, mit nur wenigen und meist jüngeren Ausnamen, aus einem einfachen Wortstamme, der in der Regel ein Verbalstamm isty und aus einer ein- oder mersilbigen Endung bestehen, welche lestere durchweg nichts anderes denn eine Derivationsendung dar- stellt. Die Stämme widerholen sich selbstredend nicht so häufig 'ivie die Endungen, da die Zal der lezteren eine zimlich beschränkte tat. Die Derivation ist bald eine rein vokalische, bald eine rein IconsonantischOy bald eine gemischte. Leztere entsprechend dem latinokeltischen Sprachgeiste in welschen Landen häufiger, als in fleotschen, wo sie verschwinden muste, wenn sie da war. Die vo- Icalische Ableitung geschiht mit a, i, u. Die consonantische knüpft «n die Laute : 1, ro, n, r, s, v, c und d (t) an. Die verbindenden lokale der konsonantischen Derivationselemente schwanken fast 1) Die alem. Oertlichkeitcn im Rheintale: Miiggensturm ON, die dasse M. in Breiaach, e. Flur bei KenziDgen (1341) u. s. w. werde ich gelegentlich behandeln. Birllnser, AlemMini« VIII 2 ^^ 146 willkürlich durch die ganze Vokalleiter hindurch, selbst in ein and demselben Namen. Sie sind für die Beurteilung des Derivations- glides von unwesentlicher Bedeutung, der Konsonant hat allein Wert. Daher kommt es, daß man z. B. die Endung des alten Namens der Weser urkundlich mit allen Vokalen, aber nur mit ein und demselben Konsonanten gebildet, vorfindet. Dem Stamme WiS' hängt also bald »rira (Wis-ara), bald -era (Wis-era), bald -ora (Wis-ora), bald -«ra (Wis-ura)an. Vgl. Förstemann ONB p. 1500. So findet man nebeneinander An-asis (Ens), An-esis, An- tsa. F. a. a. 0. p. 78. Apola neben Apeda, Visttlla neben Visttila. F. a. a. 0. p. 85 u. dergl. mer. Die Flußnamen, welche nur aus einem Stamme und einer Gennsendung bestehen, sind in der Minderzal. Ungefär ebenso vile schieben zwischen den Stamm und die Genusendung einen ableitenden Vokal ein. Beispile fQr die erste Art sind die deut- schen: Gosa, Hasa, Emma, Ira, Laca, Lerna, Lia, Bada u. s. w. F. a. a. 0. Die welschen: Ginca, Blesa, Aura, Auva, Morta, Tala, Guda, Brava u. s. w. Beispile iiir die zweite Art sind die deutschen: Gunt-i-a, Leg-i-a, Branc-i-a, Wich-i-a u. 8 f. Die welschen: Arsia, Blasia, Brigia, Gosia u. s. w. Man findet auch Beispile, wo die Endung des Flußnamens in den Urkunden ver- schiden angegeben wird. So heißt die Oichten bald Gg-ata, bald Gg-ina F. 1103; die Weser bald Wis-era, bald Wis-ula, bald Wis-urgis. Die franz. Boutonne bald Vult-unna, bald Vult-urnus. Valpsius p. 125. 188. Merkwürdig ist auch die Namenänlichkeit benachbarter oder ineinander rinnender Flüße. So z. B. Mosa mit Mosella, Nersa mit irem Nebenflusse Nerschina, San:i mit irem Nebenflüsse Sen- snna, Matra mit Matrona, Ändria mit irem Nebenflusse Ändrisins u. s. w. Was nun die Derivation im Besonderen anbetrift, so findet sich die vokalische in Deutschland zimlich selten, fast nur die mit i. Die Form Saroa für das ältere Saravus (Saar) zeigt ein o, das aber ist nur ein getrübtes a. Um so häufiger trift man die konsonantische. Nachstehend folgen die am häufigsten vor- kommenden Typen mit entsprechenden Beispilen aus deutschem und latinokeltischem, kurz gesagt, welschem Gebiet. 1 Derivation mit L Deutsche Beispiele Welsclw Beispiele Isc-al-a (Ischl). Pa-al-a (Italien). Ang-el-a (Angel). Ris-el-a (Frank, j. Rille). Aqu-il-a (Eichel). Aqu-il-a (Aiglette, Frank.). Ap-ol-a (Appelbach). Sic-ol-a (Siole, Frank.), ür-ul-a (Ursel). Bers-ul-a (Italien). 147 In einzelnen Namen ist 1 verdoppelt. Die Konsonantenyer- dopplung kommt in keltischen Namen am häufigsten yor. "Wir finden unter den Flnßnamen Mos-alla T. P. neben Mosella, Timella, Urtella, Hnrsilla, auf deutschem Gebiet. Andella, Nigella, Gusilla, Frisella u. dgl. auf welschem. 2 Derivation mit M Deutsche B Met-am-a (Metmen). Zus-em-a (Zusam). Dreis-im-a (Dreisam). Welsche B Trig-is-am-um (Traisen). An-em-o (Italien). Mediox-im-UB (Gallien). Ses-om-ir-is (Gallien). 3 Ableitung mit JV Deutsche B Brig-an-a (Brigach). Oam-en-a (Anmenan). Alb-in-a (Alben). 8tru-on-a (Stryne). Sitt-ir-un-a (Sitter). Welsche B Brad-an-um (Ital.). To-en-a (Le Temois). Ax-in-a (Aisne). Ab-on-a (Gall.). Rnst-un-nm (Ital.). Mit KonsonantenverdoppluDg, in Deutschland: War-inn-a (Wern), Vach-onn-a (Fecht); in Gallien Rot-onn-a, in Italien Lic- enn-a, Unterarten, Nach der Formel RN: Welsche B At-em-us (Ital.). Vult-urn-us (Gallien u. Italien). Deutsche B Wah-arn-a (Werre). üt-ern-a (Otter). Stib-im-e (Stever). Nit-orn-e (Nidder). Die meisten welschen Namen diser Sippe enden auf -ern. In andern welschen Eigennamen kommen jedoch die andern Vokale yor rn auch yor. So z. B. am in den gall. PN Agarna, Segiar nus. In den ON Bernarnum, Libarnum. Dann im in den PN Jayirnus, Logirnus. Nur das ans urn getrübte om konnte ich noch nicht finden. 4 Ableitungen mit R Deutsche B Apr-ar-ia (Baiem). Bib-er-a (Biber). Sey-ir-a (Zeyer). Od-or-a (Oder). Smutt-nr-a (Schmntter). Welsche B Is-ar-a (Isere). Bey-er-o (Beyron). Ag-ir-is (Ital.). Clot-or-is (Ital.). Les-ur-a (Lezere). 148 5 AbleitnDgen mit J Detdsche B WeUdie B Alc-ei-a (Alzei). Ar-ei-a (Ari^e). 6 Ableitung mit F Deutsche B Welsche B Sar-ay-us (Saar). Mat-ay-a (Ital.). An-av-a (Frankr.). Die frühwelschen Ableitungen aus B, wie die sp&twelschen mit -p-, sowie die deutschen mit -p- und -f-, -ff-, sind als Verhär- tungen des alten ableitenden -v- zu betrachten. In irer jezigen Gestalt weicht dise Derivation unter allen allein von den welschen Endungen ab. Wir stellen daher einander gegenüber, als Deutsche B Welsche B Ar-1-ap-e (Erlaff). Or-ob-r-is (Orbe). Ol-aff-a (ülfa). (= * Ar-av-r-is). Her-if-a Herpfe). Bebr-op-ic-us (Pardessns 2,300). Hurn-uff-a (Horloff). (= * Bebr-av-ic-us). (= * Arn-ava). Mars-np-ia (Marsoupe). (= * Mars-nv-ia). Die welschen Flußnamen zeigen zuweilen, wie hier, eine weitere Anschiftung von Derivationssilben. Solche Derivationsgliderungen gehen indes niemals über die Drei zal hinaus. Sie kommen in deutschen Flußnamen nicht vor. Wol nur, weil sie in den wel- schen Namen spätromanischer Zusaz sind, wie one Zweifel in Be- bropicus, Lig-er-ic-in-us u. dgl. An ganz alten welschen Flußnamen habe ich sie bis jezt nicht beobachten können. Leztere sind gleich denen auf deutschem Gebiet, sofern sie eine Derivation zeigen, in der Endung nur ein- oder zweigliderig. 7 Ableitungen mit 8 Dise sind neben denen mit LNR in allen Ländern die hier in Frage kommen, gleichmäßig stark vertreten. Detdscfte B Welsche B Id-As-a (Itz). Nan-as-a (Spanien). An-es-us (Ens). Brint-es ia (Ital.). Fil-i8-a (Fils). Andr-is-ius (Indroia). Ch;il-u8-u8 (Trave). Lut-os-a (Loze). Car-us-ns (Frankr.) 149 VerdoppeluDg des S Deutsche B • Welsche B NiirisB-a (Nette). Am-at-iss-a (Amasse). Alz-iss-a (Alz). Dumn-iss-us (Gallien). Bib-er-ussa (ßibersch). Lov-iss-a (Gallien). Und-oss-a (Unditz). In anderen Eigennamen feit die Endang -oss-, -uss- den latinokeltischen Ländern nicht. Ich erinnere an Voluniossus, Gla- mossus, Sebossus, Colussa, Gangusso, Gintussa, Gatussa, Janus- sias a. s. w. Für ss stet in diserlei Namen nicht selten x, daher Bonoxus neben Bonossus, daher auch der gall. Fluß Med-i- oz-im-us als ein Med-i-oss-im-us zu betrachten ist. 8 Hier wäre die Ableitung mit B einzuschalten ; da ich aber sowol das deriyierende B, wie P für ein ursprüngliches V halte, ist dise Ableitung unter Nr. 6 aufgefürt worden. 9 Ableitung mit D In den deutschen Flußnamen entspricht dem latinokeltischen i. e. vordeutschen d ein t. Das d hat sich nur ausnams weise erhalten. Gewdnlich gieng es in t über. Ip-ad-a (irgendwo in Westfalen). Gel-ad-ius (Spanien). Ack-eda (Acht). To-ed-us (Le Toue). Og-et-a (Gichten). Auf-id-us (Italien). Sem-it-a (Sempt). Andere alte Ableitungen mit T sind anders anzusehen. Ks sind Deminutiyendungen. So z. B. Blav-ut-us (Blav-ette), Drag- ut-as (Dragot). Dises welsche Diminutivsuffix ist offenbar keltischer Herkunft, da es an keltischen Namen zuerst auftaucht. Erst als -Utas, uttus, dann vom 7. Jhd. an als ot^ et^ so bei Le Blant (Inscriptions chretiennes de la Gaule) schon eine Julianeta (Nr. 569). So finden sich bei Matile (p. 204. 441. ff.) Namen wie Perrot (Peterotus) jacotot, Johannot u. s. w. neben weiblichen auf -ette. Hieher die altfranzösische Albeta (Laurette). 10 Unterabteilung. Ableitung mit NT Sie findet sich ser häufig vor. In den deutschen Flußnamen ist sie jezt in NZ verschoben. Deutsche B Welsche B Prem-ant-ia (Prims, Prinz). Am-ant-ia (Amance). Casp-enz-e (Gersprinz). Liqu-ent-ia (Livenza). Pag-inz-a (Pegnitz). Vis-or-ont-ia (Veserance). ^l-is-ont-ia (Elsenz). Bac-unt-ins (Italien). Zi-unz-a (Scheinz.) Urm-uut-io (Gallien). 150 11 Ableitungen mit GC Da dise nur in späterer Zeit vorkommen und an dem Bei- spil der Aude, alt Ättakos, im Mittelalter At-ag-a sichtbar am Tage ligt, daß sie aus der älteren Ableitung auf C herrorgegangen ist, werden hier die Ableitungen mit 6 rund zusammengeworfen. Die mit 6 sind in deutschen und welschen Landen gleich selten. Die auf G aber zimlich häufig. Deuisehe B Welsche B 8tro-ag-a (Strogen). At-ag-a (Aude). Sal-ic-a (Selke). Rub-ic-o (Ital.). Mat-uch-a (Mattig); Ob-oc-a (Irland), neben Mat-ich-a. 12 Unterarten a) Ableitung mit NC Deutsches B Welsdies B Dip-anh-a (irgendwo in Niderl.). Briv-anc-ia (Frankr.). Stat diser findet sich die ältere Ableitung mit NT (autia) vil häufiger. b) Ableitung mit HC Deutsches und welsches Beispil zugleich ist: Der Is-arc-us (Eisak). Ein weiteres welsches der franz. Aeg- irc-ius. Aus Deutschland ist noch zu nennen die Wim-arc-a (der Bach von Wiegersen). Hieher gehört auch die Vis^urg'is (Weser), denn org urg ist = orc urc. Daher die PN Dool-org-us, His-org-ia, Crist- org-ius, die Ortsnamen Bud-org-is, Nam-urc-um, Ten-urc-io, Bic- urg-ium, Tulis-urg-ium, Cas-urg-is u. s. w. Eine eminent keltische Ableitungssilbe. Der älteste Name der Weser, Vis-urg-is ist also keltisch. Bezüglich des Stammes Vis- folgen die Nachweise weiter unten. c) Ableitung mit SC Möglich, daß einige auf ss daher zälen, da z. B. der Liscus nebenher auch Lissus und Lixus heißt. Vgl. Revue celtique II p. 444 ff. Hier nenne ich als Beispil die deutsch - romanische ürti' asc-a (Urnesch). Der Name ist genau gebildet vrie Lod-asc-o (Ludesch im Vorarlberg), dessen Name offenbar vom Lutzbach, alt Luda, Loda herkommt, au dem es ligt. Dise Ableitungen sind verhältnismäßig jung, d. h. romanisch. Vgl. Calauc-asca (Bach). 151 n Vergleichung der Stämme r>ie meisteu mit einem Vokal anhebenden Stämme der Fluß- namen, sowol alle deutsche, wie welsche, laßen sich auf sechs re- dacieren, die eigentlich schon Wurzeln sind, auf ig. av gehen, ad gehen, af schnell gehen, ar (al) eilen, ac schnell sein nnd is (treiben, jagen). Auch in den konsonantisch anlautenden stecken änliche Ur- begriffe, die des Eilens, Laufens, Wugens, Rinnens, Fließens, des Naßseins, dann des Tosens, Rauschens, des Hell- oder Dunkelseins. Nominalstämme konnte ich nirgends erkennen, denn auch die von 2ieaß und Glück auf Nomina zuröckgefilrten Flußnamen wie Lech, Brigach gehen auf Verbalwurzeln zurück. Lech^ alt Lic-us z. B. auf rik (lik) fließen! Vgl. Lic-enna. Liqu-ent-ia u. s. w. Unsere vokalisch anlautenden Flußnamenst&mme sind fast durchweg Synonyma für: WasscTy Flußj Bach^ also Appellativa. Sie sind nur durch Derivationsendungen variiert. In disem Betref äneln dise Stammgebilde den romanischen Vervilialtigungen durch zalreiche Kosesuffixe. Nemen wir etwa casa (Haus, Hütte) als ein solches romanisches Beispil. Daraus wird, wie die romanischen Flurnamen dartun: cas-ino, cas-ura, cas-ella, cas-etta, cas-ett-azza, cas-accio, cas-nr-azza u. s. w. In änlicher Weise vervilföltigen sich unsere Flußnamenstämme, freilich mit anderwertigen Sufßxen. Nemen wir als Beispil den Stamm At, Da finden wir At-esia, At-ernus, At-agis, At-urrus. Oder den Stamm Is-, Wir finden: Is-ara, Is-arcus, Is-arvus, Is-ex, Is-rus, Is-ona, Is-ola u. s. w. A Vokalisch anlautende Stämme 1 Stamm AV Wie wir au dem beglaubigten Beispile von Abona aus älterem Avona sehen, verdichtet sich v zu b. Vgl. Stokes in Kuhn, Beitr. z. vgl. Sprachf. VI p. 229. Dises b aber wird in späterer Zeit, zumal in deutschem Munde noch härter, zu p^ änlich wie altes savanum, sabanum zu ahd. sapan, Pavia zu Papia wird u. dgl. Noch später wird das p in Deutschland zu f, £Py (zumal in der Derivationsendung -apa) weiter geschoben. Aber auch im Stamm wird altes P zu deutschem F. So z. B.' Pachina zu Fecht. Das mag wol auch der Grund sein, warum wir in Deutschland zu allen anderen konsonantisch anlautenden Fluß- namen welsche Gorrelate trefifen, nur nicht zu denen die mit F anlantefi. Sezen wir aber dafür P, in einigen Fällen V, das auch zuweilen in F übergieng, dann löst sich das Rätsel. Der Stamm Av ist zugleich die Wurzel av (gehen, fließen). Schon in den ältesten Zeiten kommt er auch in der nasalierten Form als Anib^ am^ an vor. Daher skr. a-m-bu (Wasser): gr. o-fi-ß-Qoc, (Regen), lat. fm6er (Regen), das gall. ambe (rivo), intermnbes (inter rivos). Endlichers gall. Glossen), irisch amh^ am (Wasser), neben ir. an (Wasser), entsprechend dem altgall. an-am (pal u dem), dem ir. an- adi (Waschung) u. s. w. 152 Nichtgenäseltes skr. av^atn heißt Lauf, Fluß, ablira-m Wolke, kymr. av-on Fluß, irisches dbh Fluß, ahd. aw-a Wasser u. s. w. In den deutschen Flußnamen erscheint unser Stamm Av in der Form Ah^ Ap^ Amb, Am^ An und in deren ungelauteten Formen : Eh^ Emb^ Em, En u. s. w. Ih, Imb, Im, In u. s. w. Äb-d-a (Ablach) entspricht genau dem irischen abh'aiü (Wasser, Bach). Im Stamme ist sie gleich der britischen und gallischen Ab-ona, früher Av-ona, der bretonischen Av-a^ dem Av-ario (L'Averou), der Av-era (Aurette) u. s. w. Um das Suffix 'ic vermert erscheint die Abela wider in der lothrin- gischen Ab-el-ic-a, Hieher zält auch unsere AbenSj im 2. Jhd. Ab-uB-in-a, später in Ab-unsna cormmpiert. Im ersten Deri- vationsglide gleicht sie der tirolischen Lad-usa , welcher in Niderdeutschland eine Lada zur Seite stet. Femer dem nord- deutschen Chal-usus, der in seinem Stamme neben dem gallischen Fluße Gal-us, neben dem süditalischen Cal-or stet. Lezterer ist sogar seine wörtliche Widerholung. Hieher gehören auch unsere zalreichen mit Eber, Ebr- anhebenden Flußnamen, Ebrach, Eberach y Eberbach u. s. w. Es ist nichts anderes, als altes Av-era, umgelautet Ev-era^ Ebera, Das aber hat mit irisch, eabar (Schlamm) ebensowenig zu schafifen, wie mit dem gal- lischen Ebur^ in Eburodunum u. s. w., denn das leztere ist ein Personenname (Eburo). Vgl. Steiner Nr. 592. Ebra ist ein reines Appellativ und heißt Wasser, Aach, daher auch die Häufigkeit dises Namens. Es ist genau gebildet wie Nec-era, Ed-era u. dgl. Flußnamen; d. h. das r ist ein ableitendes, zur Endung gehö- rendes. Die harte Form Ap findet sich schon im alten Flußnamen Apo an der untern Donau T. P., dann in der alten, baierischen Ap-r-aria F. 88, in der Ap-tda^ jezt Appelbach. F. Apraria ist zunächst aus apr und der Endung -aria zusammengesezt. Jenes npr aber kommt aus av^ so gut wie das griech. aq^^oq (Schaum) oder das skr. abhr'am (Wasser). Es sind das nur Variationen desselben Themas. Als umgelautete Form zält hieher auch die Ocker, alt Ovocra d. i. Ov-oc-r-a = A v-ac-r-a. Ov-oc- ist genau Hasselbe Derivat wie die altirische Ob-oc-a, Ov-oc-r-a ist derselbe Flußname, nur um ein ableitendes r vermert. Zu der Form Anü) gehörten unsere Flüsse: Ammer, Amper, alt Ambra F. Disem Amb-r-a entspricht buchstäblich der altbri- tannische Fluß Amb-yr, Am-ir (Liber Landavens. p. 155. 191). Aber auch der italische ümbro. Gleichwie die Umbrier in der Urzeit Ambrones hießen, muß der Umbro früher Äwibro geheißen haben. Ob nun der Volksname Ambrones vom Flusse oder wie andere wollen von einem Gorrelat zu skr. ambhrna (gewaltig, schrecklich) abzuleiten sei, ist für unsern Zweck gleichgriltig. Hie- her zält noch die Anib-l^-ava (Ambleve). Die Form Am finden wir in unserer Ems widerholt, Am-as-iaSy dann in der Okm,^ alt Am-ana. Der loztern entspricht die oberitalische Um-ana T. P. 153 Ob die Aumenau, alt Ournena hieber zu stellen sei, lasse ich un- entscbideD, da es auf älteres ara-ana zurückfQrt. Aenlich stet Aux-unnus ueben Ax-ona. Der Stamm Am steckt auch im alten Namen der JSem Eme, in der schweizer Emmen, wie im düringischen Emsbachy alt Im-ese, was nur aus Am-asa umgelautet ist. Ebenso in den französischen Seitenstücken Äm-aniia (Amance) und Atn^at- iss-a (L'Amasse). Zu der Form An zält Yor allem die Ens^ alt An-^-us, Femer der nassauische Gelbach, alt An-ara, gebildet wie Av-ara. Ebenso die Enirift alt An-atr-afa d. i. An-at-r-ava. Ir vergleicht sich fdr Stamm und erstes Suftix der italische An-at'is^ bezüglich der zwei lezten Derivationsglider der bretonische Is-arV'US = Is- ar-av-us. Die Klimax ist also An, An-at-, An-atr- Anatr-ava. Der Stamm An findet sich im alten Namen der Guadiana, nämlich in An-ciSj Afia, Guadi ist nur ein arabischer Zusaz; ouadi heißt Bach, das ganze somit Bach =Bach, änlich wie villeicht der eine and andere deutsche Kar-badi ein Bach = bach sein wird. Vgl. den gall. Fluß Car-us und das ir. car Bach. In Italien zält hie- her der An-emo^ in seiner Endung ein Seitenstück zur schwäbischen Znsam, alt Zus-ema, dann die An-ava^ die gallische An-is-ol-a (Anille). Auch die Enz dürfte in dise Sippe gehören. Wir haben jedoch keinen alten Beleg. Das z dises Namens stammt aus frühe- rem t, wie bei der Elz, welche einst Alantia hieß. So könnte Enz eine An-antia, oder was mir freilich warscheinlicher ist, eine Am-antia gewesen sein, da m häufig zu n wird. 2 Stamm Ak^ villeicht gehört auch der Stamm Ag hieher, denn wenn der gall. Ac-utus ein Agout, der Attacus eine Adaga werden konnte, so konnte eine alte Ac-ara auch zu Ag-ara werden. Ich ziehe deshalb disen Stamm Ag gleich hier herein. Wie alle vokalisch anlau- tenden Stämme lautet auch Ac in Ec, Ic u. s. w. um. lilit Ak finden wir in Deutschland die Agger^ alt Ack-ara, dann den halbdeutschen AcC''U88a=hAch, Vgl. Und-ussa. Die Acht^ alt Ak-eda. Vgl. Ip-ada. Die Axe, alt Ac-ars-e. Das ist ein Seitenstück zu Wim-arc-a, Is- arc-us. Das c ward z und schlüßlich ein s, wie im Ortsnamen Mal-ans, der früher Mal-anzes und noch früher Mal-anc-is lautete. Vgl. Lusarca (Lusarche). Axe muß eine Zeit lang Acarze gelautet haben, dann fiel die erste Derivation -ar aus und es blib Akse. Die schwäbische Echatz, alt Achaza zält im Stamme hieher. Ire Endung -aza ist one Zweifel aus -antia enstanden, wie Costez aas Gonstantia, Pregatz aus Brigantia. Den Ausfal des n vor t findet man schon früh. So heißt der Elisanzgau von Alisontia (= Alisantia) schon im 8. Jhd. nebenher Elsezgowe, Cod. Laur. nr. 2612. Unsere Form Echaza darf daher für das 10. Jhd. nicht befremden. Echatz ist also= * Acantia. Hieherziehe ich nun aach die merfach vorkommenden Bachnamen EgeVt alt Agira, Agara and Ogra. F. Stamm Ag^ wie ich glaube aus Ac-, also Ag-ara, Ac-ara. Disen stet ein altitalischer Ag'iris zur Seite (Plin. 3, 5, 1 1). 154 Bann der Äg-nio (Aa) in Frankr. Vales. 7. 470. Hieher gehört die Äg-er am Attersee, die Aisf^ alt Ag-ast-a, Dises cista ist deutsche Umformung aus älterm assa, asa. Das siht man deutlich am Namen Jagst, Jag-ista, neben Jagis Jag-ese. Ich zäle auch die Eider hieher, denn alt heißt sie EgidörOj was identisch sein kann mit dem alten Namen der böhmischen Eger, mit Egidre neben Egire. F. 14. Das d ist dann nur Flickkonsonant, heryorgemfen durch die Lautfolge g-r. Aenlich sagt der schwäbische Bauer stat Egge Egde, Als nun das g sich dem j näherte, nachdem a in e umgelautet hatte, war egid, eigd in den Gaumen gelegt So konnte Eider werden. Von dora = Tor kann keine Rede sein. Jener Urkundenschreiber hätte eben so gut Egidira für Egidora schreiben können, wie ein anderer Wisira schrib, wo es einem dritten beliebte Wisora zu schreiben. Will man aber das alles nicht gelten lassen und g in Egidora als ein ursprüngliches fest halten, dann ist abzuteilen Eg-id-ora. Das Suffix id ist dann das- selbe wie in Auf-id-us, Sord-id-a (neben einem Sord-us), Trev-id-us (neben Treb-ia) u. s. w. ; -ora aber dasselbe Suffix, wie in Les-ora, Od-ora u. dgl. Ein Eg-id-ora mit zwei Derivatioussilben ist na- türlich ebensogut möglich wie An-is-ol-a, Arm-en-it-a, Gar-ent-on-a n. andere mit zweiglidriger Derivation versehene Flußnamen. Als welsches Beispil zum Stamme Ag füre ich noch den gallischen Egirtms an, = "^ Ag-arc-ius. Ebenfalls in umgelauteter Form erscheint unsere Gichten^ alt Og-ata, Gg-eta. Dises Og- ist das- selbe Gg- wie in der böhmischen Og-ra = Gg-era, dise aber heißt auch Ag-ara, somit stet Ggata für Ag-ata, Ag-ada. Diser Name ist also ursprünglich, identisch mit dem der Ächtj alt Ak-eda. Vgl. Ip-ada. Möglicherweise gehört auch die Schweizer Jonen Jana hieher. Wenigstens ist eine französische Jona aus Ig-ona und dise aus noch älterem Ic-auna hervorgegangen. Die Schweizer Jonen hieß früher Johanna. Ir h dürfte aus älterem c oder ch hervorge- gangen sein. Jocanna stünde zu Ic-anna, wie Jogauna zu Ic-aona. Johanna kann aber auch aus Eucannu, ('*'Aucanna) entstanden sein, wie eine andere franz. Jog-una, die nebenbei Eucania, aber auch Joduna, Odana und selbst Idonea (jezt Huigne) hieß. Wie sich hier Jod zu Id verhält, so mag dort Joe- zu Ic- sten. Eine dritte und vierte franz. Jona,, Jonia, Junna, (la Rivi^re d'ElssoDe; la Juine) hieß einst Ex-ona. 3 Stamm Ad. Wurzel ad (gen). Vgl. skr. advaiws d. schnelle, gnech. adsq Füße, kymnsches adu^ addu gen. Daher der Flußname Adua, Adda. Hieher zäle ich dleAdenau^ einst Ad-en-oua. Diedeutsche Endung oua kann aus einfachem -a- entstanden sein, wie nach- weislich in der Aumenau (Gumena) s. o. oder aus einer Ableitung mit V, wie in Don-au aus Dan-uv-ius (von dan reißend, stark ir. dana). Als umgelautete Form gehört hieher die Eder, im 1. Jhd. Ad-r-an-a. Vgl. dazu den Ad-r-iis (L'Arroux), welcher denselben Stamm Adr- bietet. Diser findet sich wol auch in Ad-f'ia, Adr 155 verbält sich zu Ad genau wie Abr- zu Ab (Av) s. o. Diser Stamm Adr ist in Wasseruamen überaus häufig. In Analogie mit den übrigen Ableitungen von Wasseruamenstämmen kanu dises adr- nicht wol identisch sein mit dem oskischen oder = lat. ater (dun- kel, schwarz), wie im Pers. N Aadeiriis, Aadirans u. dgl. (Vgl. Mommsen, U. J. Dial. p. 241. 244). Unser Stamm Äd lautet in Urk. des 8. — 10. Jhd. auch Äth. So z. B. heißt die Eder um jene Zeit nicht mer Adr-ana, sondern lÜhr-ina oder höchstens noch Ed-ema. Sih F. a. a. 0. Wir müßen deshalb den Stamm Ät, der sich mit dem Stamme Äd vilfach durchkreuzt, gleich hier abhandeln. Unserer Eder entspricht genau eine franz. Ed-era (j. L'Uiere) Vales. 185. Zum Stamme Ai^ Ättj rechne ich unsere schwäbische Eite bei Ettenhausen^ den Ettenbach (zur Glatt), sowie Eppach, das älter Epbach, noch älter EUebach hieß. Bach ist hier nur ein deutscher Zusaz, wie in Ac- cussa-bach. Im Umlaut kommt diser selbe Flußname wider in Frankreich vor als Etta^ jezt Epte. Val. 255, dann in der Form lUa neben einem andern Bache Itio^ Ittona, was = Ett-ona ist, Yales. 72. Umgelautet ist der alte l^ame Äeth^eya (L^Autie)Pardes8us 2, 340. Das stimmt schon zu unserem Äetema, Etema, Ettema (= Et-ern-a, älter At-em-a) die Eyter. F. 1622. Das aber ist identisch mit dem klassischen Ai-em'iJtö. Alle Etter-<, Eiter -^ Eyter-bäche gehören unter den Stamm At. Die Form Aeth^ Aet ist umgelautet, die Form Eit aber umgedeutet^ verdeutscht, weil der Deutsche an Eiter (virus) dachte. Die schwarzwälder Eitrach gab dem EttrahuntcU den Namen, sie hieß also im 8. Jhd. noch richtiger Ettraha, d. i. Ettr-a, At-r-a. Diser Stamm Atr findet sich auch wider in den trakischen Flußn. *j4&Q-vqy ^//r-o^^v-i/g, im franz. Af'Urrus (Adour), im armorischen Bach Atr, (Morice, ä l'histoire de Bretagne p. 800) u. s. w. Von Eiter = Brennessel, oder irischem eithre Lachs, oder eiiheal Wachholder u. s. w. ist nicht entfernt die Rede, weder dem Sinne noch der äußern Form nach. Der Stamm At findet sich, wie schon weiter oben angefürt ward, in einer größeren Zal welscher Flußnamen wie At-es-ia, (Athesis) Etsch; Attaga^ früher ^rraxo^, ^ATomoq b. Stephan v. Byzanz, (Aude) auch Atax genannt u. s. w. 4 Ich reihe hier die Stämme And und Ant an, welche meines Erachtens nur genäselte Formen von Ad und At sind, än- lich wie Ving für Vig in Ving-enna neben Yigenna Greg. Turon. Vgl. Vales. 127. 114; wie Saug neben Sag- in Sangoiia neben Sagona (Saone) Pardessus 2, 174. 137 u. dgl. Von deutschen Flußnamen gehören in die Sippe die Endert, And-r-id-a. F. 70; der An-den-bach im Elsaß 9. Jhd.; die Andlau ebendort, alt Ant- il-aha F. ; die baierische Ant'al''ang'a. F. 67. Die Andlau ist ein Seitenstück zur gall. Audelle, alt And-el-eius, Desjardins, 66ogr. d. 1. Gaule rora. II. p. 219. Aus vordeutschem And ward deutsches Ant, aus vordeutschem -anCf deutsches -ang. Jene An- 156 talanga muß daher aus Andelaiicus hervorgegaDgen sein. Dise Endung am findet sich in den gall. Flüssen Dur-anc-ius, Briv- anc-ia, Pal-anc-ia u. s. w. Die Endung ist eminent keltisch. Ich erinnere an Namen wie Moc-i-anc-us, Magiancns, Berancius, Bei- lanco, Avonancius, Ozmancius, (Mens) Ka^tovdyxuq, später Cirvencus, jezt Zirvank im Salzhurgischen u. s. w. Daher zälen die galli- schen Flüsse -4w(^-r-ia (Indre) Val. 22; Änd-r-is-ius (Indrois) Val. 22 und unsere Innerste, im 11. Jhd. Ent-r-ist-a, das ist umgelautet aus älterem * Ant-r-iss-a. Vgl. die Bibersch, auch Biber^^ alfc^ Bib-er-u88-a, die Jagst, alt Jag-ese. — • Ferner gehört hieher die Entisse, alt Antisna, gebildet wie Abunsna, d. h. aus älterem Ant- is-in-a zusammengezogen. In Frankreich gehören die umgelauteten Ind-is Val. 252, Ind-ella Val. 252 hieher. Der ersteren entspricht unsere Inde, alt Ind-a ganz genau. 5 Stamm Al^ aus der Wurzel ar (eilen). Hieher sind zo stellen unsere Flüsse 1% wie der gleichnamige alte Ort A^-ai-a, an der Elsäßer 111, klar legt. Die Ele^ im 8. Jhd. Al-antia, später Elnz, jezt Elz. Die Alpe früher Al-apa F. 36, gebildet wie Arl- ape d. i. aus noch älterem Al-ava. Die Aller, im 8. Jhd. Al-ara^ neben El-era F. 36. Hiher gehört der Al-er-hach F. 46. Die List, denn sie hieß einst Elisa, El-is-on d. i. Al-is-on-a. F. 63. Sie hat nur den Anlaut verloren. Die Alsenz^ im 4. Jhd. 'Al-is-ont-ia. Die Alster, alt Al-st-r-a d. i. * Al-iss-er-a. Disen stehen gegou- über die welschen Al-s-a Plin. III. = Al-is-a. Die Al-e-a b. Lyon Pertz Mon. Germ. 5, 370. Die franz. Al-na, El-na, der Al-an-iOj jezt Alamion, Val. 185, die Äl-es-m-antia Polypt. Irmin. p. 347, die Al-isna Pardessus 2, 84, der brittische Al-aun-os (Ptolem.). In El umgelautet erscheint unser Stamm wider in der ECkr alt El-era, im Eilerbach, alt El-era F. In II umgelautet in der Il- menau, alt El-m-an-au F. 1622, denn mit Aumenau, alt Oumena verglichen, erscheint dise als altes * Al-m-an-a = Al-am-an-a, wie die Um Ilmena auf Almana d. i. Al-am-an-a zurückfürt, wenn hier nicht etwa m aus h entstanden ist, wie in der etrurischen Alma, die auch Alba hieß oder wie in mons CenwMnos ans Ce- bennoä i. e. Cevenna, = kynir. kefyn (kebin) Bergrücken. Sicher gehört aber die Elster hieher, alt Ell-est-r-a, denn das ist uinge- lautetes * Al-iss-er-a. Französische Seitenstücke sind die Ella (L'Ille) Val. 187. Der El-aver (L'Alier) Val. 185, die Eaune, alt Alna Val. 117. Der Elaver ist unsere Iller, denn er heißt im frühesten Mittelalter Hileris, Helerius. Alerius Val. 186. Zu disem Stamme gehört auch die Il-ach, alt Il-aha und endlich die vilen Eller und Ellerbäche, die wol selten genug mit der Erle^ alira zu tun haben werden. Dazu sind dise Namen vil zu alt. Sie sind nur umgedeutet, wie die österreichische Erlaff die ja schon in der römischen Zeit Arlape hieß, als noch Kelten in jener Gegend saßen. 6 Stamm Alb, Wie schon angedeutet wurde, ist Alb in einzelnen Fällen zu Alm geworden. Man vergleicht hier in der Regel das lat. cUbus (weiß), es ist aber villeicht consequenter ein älteres ar-i^a, al'Va dahinter za suchen. Alba könnte sich zu einem älteren * Al-aba yerhalten wie der Flußn. SaUus (La Sault) zum Flußn. Sal-at-us Val. 223. Ich begnüge mich auf dise Möglich- keiten aufmerksam zu machen, da solche Zusammensezungen dem Geffige der übrigen Flußnaroenstäroroe besser entsprechen, d. h. gleich einer Reihe von Flußnamen aus zweifellosen Verbalstaromen, mit dem bestimmten Begrif gehen^ fließen, direkt zurückzufüren wären. Diser Stamm Alh ist in den Flußnamen aller deutschen und welschen Länder vertreten. Wir haben die Elbe, alt Albis, die Alb im Schwarzwald, nach welchem Flusse ein Albegow benannt war, zwei Alben im Salzburgischen, welche alt Alb-ana hießen. F. 48. In Tirol gibt es Bäche Albur, Albeier, Alltceier sichtlich aus älterem Alb-ura, gebildet wie der Flußn. Plessur, alt Plass- ura, wie Les-ura u. s. w. In der Schweiz eine Atb^ula, in Italien eine Alb-in-ia T. P. In Frankreich merere Alba Val. 8. 190 neben Alb-üla (Aubette) Val. 482. Alb-antia (Aubance) Val. 93 und eine Alb-eta L'Aurette. Mabillon ssec. II. p. 122. 7 Stamm AU Aid Hieher gehören die OUe, alt Ald-ena F. 1599! Die Aleei, früher Alcia (= Altia), dann die französische Alceiaj hieß früher Alt-ei-a (j. Autie) Val. 14. Ferner zält hieher die baierische Ahj im 9. Jhd. Alz-eia, Das ist wider = Alt-eia. Das t wurde zu z wie in £lz Alantia, wie in Elsenz Alisantia u. s. w. Die schwarz- Wälder Elia ist nichts anderes als eine umgelautete * Alt-a oder * Alt-eia. Mit einem ableitenden -r- erscheint der Stamm Alt im Flußn. Alt-r-us, j. Autre. Mabillon. Dipl. 384. 8 Stamm Ar. Er ist villeicht, aber als der ältere, mit dem Stamme AI identisch. Hieher gehören die Aar, alt Ar^ar-is Mon. Germ. VI. 456. Sonst bedeutet Ar-ar-is die Saone. Ferner die Ahr bei Bonn, alt Ära; die Ohre (zur Elbe) bald Ära, bald Ora, bald Horaha ge- schriben. F. 89. Die düringische Ohre, Die salzburger Arl, Arla d. i. Ar-il-a. Dagegen hieß die waldecker Ahr ehedem Ad-r-inaj gehört somit unter den Stamm Ad. F. 89. Die Orla ist identisch mit * Arla, wie die Ogra mit Agra (Eger). Der Ohrenbach, alt Aranbach F. 91 ist nichts anderes denn altes Ar-an-a mit deut- schem Zusaz. Ich rechne auch die Arlape, Erlafif, hieher, denn das ist = Ar-il-ape, * Ar-il-av-us, wie Arl = Arila. Das derivierende 1 folgt eben nur dem Stamm unmittelbar, wie in Amblava = Amb-1-ava. Von der Erle kann hier keine Rede sein, da der Fluß schon in vor- deatscher Zeit so hieß. Es werden aber auch manche andere Erl- backe aus älterem Ar-la = Ar-il-a hervorgegangen sein. Unser a/r aber ist die skr. Wurzel ar (se movere, Ire, gehen, eilen) daher send« aurva (schnell), was sich im Namen der Erve in Frankr., 158 alt Arva wörtlich widerholt. Dises selbe Element enthält der italische Ar-nuSj gebildet wie Ae-nus (Inn, diser aus der Wurzel t (geben), gesteigert ai, daher Ai-nos, wie Moe-nus (Main) aus der Wurzel mi, gesteigert moi gehen; oder wie Re^us (Rhein) aus der Wurzel ri fließen. Vgl. Glück ,,Renos, Moinos^ u. 8. w. p. 5. Die luxemburgische ErenSy alt Ar-enza d. i. Arantia, die Erfft^ alt Am-ape, ist genau gebildet wie Arl-ape, es ist älteres Ar-in-av-us, sie enthält vor der Endung -av (ap) denselben Stamm, wie der italische Amus oder wie die deutsche Haren^ alt Arn F. ' 117 oder wie der ligurische Arn-ine, Der Stamm Ar zeigt sich ferner im franz. Aro-enis (L'Aron) Pardessus 1, 215, in der Ar- ona (Aronde) Val. 481 ; in der Ar-ola Val. 365, im Ar-aur-is Val. 35, in der Ar-em (Ariege) Val. 26 u. s. w. Ein gall. Arno hat schon früher in Emo umgelautet. An im lag Emo-durum. Vales. 189. Als üf mag Ar wider erscheinen in Uray ürtda (die Erl), in Urbia früher Orobris (Orb) wie ja die Oma früher auch Arna hieß. Val. 540. Zu diser vergleicht sich die fränkische Ohm b. Oehringen, alt Oorana, was freilich auf 6, beziehungsweise ä im Anlaut schließen läßt. Allein der kurze Wurzelvokal kann auch lang werden. 9 Stanira Arg, Are Ich wage keine Deutung dises Stammes, vermute aber, daß er in ar-c zu zerlegen sein wird. Ich glaube nicht, daß an arg weiß anzuknüpfen ist, so nahe das ligt. Wir haben am Bodensee eine Argen, alt Arcuna, Arguna F., eine Arga in der Schweiz, v. Mohr, Cod. Dipl. Raetio. I. p. 131., eine Argen im Brcgenzer Wald, eine Ergers, alt Arg-enza d. i. Argantia im Elsaß, den Arrenbach, alt Argenbag. Der Form Are entspricht der französische Are-us (Arche) zur Rhone. Val. 255; der weichen Form Arg die franz. Flüsse Arg-ent-eus (Arg- ence) Val. 199; die Arg-efit-illa (krenieWe) Vita, Sti Deodati 1, 6; der ArgerUodubltis, Argentoduprus Mabill. 516. 504, mit dem spätkeltischen Znsaz duprus, dublus = altem dubr (Bach). Hieher gehören auch der südfranzösische fons Orgus Val. 893, der ital. Fluß Orea, alt Orgus, so gut wie Ogra zu Agra, Olna zu Alna u. s. w. 10 Stamm Ard Hier ist aufzufüren die Ard, alt Ardaha, Erdehe. F. 95. Sie stimmt wörtlich mit dem gall. Ardmis (jezt Ardre) Val. 38. über- ein. Ebenso stimmt sie auch mit der gall. Ardeir-a (Ardi^re). Val. 48., die auch in der umgelauteten Form Erdra Val. 20 erscheint. 11 Stamm Arb, Arv FA'pe, im 1. Jhd. Arb-al-o. F. Arbalo ist auf Arv-al-o zu- rückzufüren, wie Ab-ona in Avona urkundlich zurückget. E^ ist derselbe Stamm wie in der französischen Arva, die ohen in Ar-va zerlegt ward. Vgl. den Fluß Aräbo (Raab), an dem die Erav- 159 isci woDten. Doch scheinen dise Stämme mit der Konsonanten- gmppe Ib, Iv, rv a. s. w. am anlautenden Vokal frühzeitig selb- ständige Begriffe oder Wörter geworden zu sein. Hieher ziehe ich auch die Orbj Orbaha F. 1106 am Spessart, ein Seitenstück zur französischen Or&, alt Orobris. (Obris). Val. 389 und zur schweizer Urbia. Vgl. noch ürbia (L'Orge). Val. 624. Orobris ist aber höchst warscheinlich = Arabris, Ar-avr-is. Vgl. Zeuß, Gr. celtic. p. 789. Das erste SufBx mit r vermert, wie in An-atr- (sih oben unter An) neben An-at-. Die Urfe in Hessen. 12 Stamm Arm Hieher unsere Erms^ Armissa, Arm-is-ia. Ob der erste Teil von Ärum-hiki F. 1604 daher zu zälen, ist fraglich. Sicher aber gehören in die Sippe die italische Arm-ent-i-a T. P. und der französische HarmefUio^ Urm-ent-io jezt L'Armancon, Armencon. Val 94. 246. • 13 Stamm Alm Vgl. Alb Die AlmCf Almina. F? 65. Diser findet sich wider in der ligurischen Alma. Itin. Anton. 14 Stamm Am s. Ar 15 Stamm Asc Diser Stamm hat unter den vokalisch anlautenden allein keine welschen Seitenstücke. Daraus schließe ich, daß dises sc nicht ursprünglich, sondern aus vordeutschem x umgebildet sei, in- dem hier an das anklingende deutsche (isk Esche angeknüpft wurde, wie beim Stamm Arl an arila Erle. Eine Umdeutung aus vorge- fundenem Osh ist indes auch nicht unmöglich, Osc^ Isc^ Usc ist ein in Flußnamen h&ufig vorkommender Stamm. Wir finden auf der T. P. Escus, Oescus, Oesca, in Britannien Isca, Usca^ jezt Uiake (ein Fluß), es ist das irische uisce (Wasser) Wurzel ud feaoht sein, ud-ce, us-ce. Hier wäre zu nennen die Aschaffy Asc- ala, was nun entweder älteres * Ax-ava sein kann, vgl. Ax*ona, Anz-ona, aber auch Eschenz^ alt Exsientia oder * Osc-ava, * Usc- aya. Vgl. franz. Essone aus Ax-ona, zu dem die Iss-ona und der Iss-ohei'US verwandt scheinen. Val. 257. 477. Jedesfalls gehört die Aiach hieher, denn sie heißt früher Eisca^ genau wie die bri- taonische Uiske früher auch lautete. Sih Zeuß. Gr. celt. p. 117. Za lezterer zält auch die gall. üsoara, Osc-ara (Ousche) Val. 34. and unsere IsM, alt Isc-ala. Ebenso die Hisscar in Belgien F. 742y was = altem Isc-ara ist. Dises unorganische H findet sich namentlich häufig in niderdeutschen Flußnamen z. B. in der Hase^ alt Aaa, Assa, neben Hasa F., in der Hesper, alt Haspa deren H ebenso unorganisch ist wie das in Hedera für £d-era, in Havela für Avela, in Hanava für Anava, in Hemus für Emus u. s. f. 16 Stamm As Zunächst kommt in Betracht die skr. Wz. ish (treiben, jagen). VgL ad. ishara reißend, stark. Ausser den eben genannten Asa, Aapa, die möglicherweise aber auch deutsch sind, erscheint diser 160 Stamm nur in der Form /5-, so aber in zalreichen Flnßnamen, Ich nenne die Yssel, alt Is-el-a, die Isen, alt Is-an-a, die Isefuwh, alt Is-ana, die Isar^ alt Is-ara. Leztere stimmt buchstäblich mit zwei französischen Isara überein, von denen die eine jezt Isere, die andere Oise heißt. VgL Val. 255. Hieher gehört der bretonisohe Is^artms Val. 254, welcher dem rätischen Is-arcus (Eisak) corre- spondiert. Ich nenne noch den Is'r-us (L'Arroux) Val. 64, den italischen Is-ex T. P. Daß eine Reihe von Eisenachen und Eisen- backen ältere Is-ana sein werden, brauche ich nicht mer besonders hervorzuheben, nachdem die Uebereinstimnmng so viler unserer Flnßnamen mit vordeutschen, beziehungsweise keltischen dargetan ist. B Konsonantische Stämme. Die konsonantischen Stämme zeigen sich, wenn man* den Vokal mit a, den Konsonanten mit b bezeichnet, nach den For- meln ba, bab, babb zusammengesezt, wogegen wir in der ersten Abteilung Stämme nach den Formeln ab und abb zu betrachten hatten. Eine zimliche Zal der Stämme babb ist als ein Compositum aus bab + b zu erkennen, bei andern stet das nur zn vermuten, d.. h. in inen ist die Formel babb ein Wort für sich, ein selb- ständiger Begrif, nicht ein so lockeres Gefüge wie bab + b, das aus einem Begriffe bab und einem terminalen Derivationsglide b bestet. Zur ersten Gattung zäle ich z. B. den Stamm Vult-, zn lezterer den Stamm Balc = Bal-c-, = * Bal-ic-a, wie Selke aus älterem, urkundl. Sal-ic-a gebildet ist. Die mit F anlautenden deutschen Flußnamen werde ich in der Aufzälung übergen, dm die Untersuchung über die Entstehungsart derselben noch lange nicht abgeschlossen ist. Ich will hier nur die stark begründete Vermutung aussprechen, daß ein Teil auf Stämme zurückfürt, welche mit P anlauteten^ so z. B. die Fecht auf einen Stamm Fac- (Pachina), so höchst waischeinlich die vilen Bäche FüSj VÜ8 auf einen Stamm Pal-f wie er in den welschen Flüssen Fal-Oj i\i- al-a Pal'US u. s. w. vorligt. Ein anderer Teil dürfte auf Stämme zurückgehen, die mit V anlauteten. Die Umwandlung des anlau- tenden V in F ist im Spätlatein, zumal auf Inschriften gar nicht selten, im Alt-Irischen aber z. B. schon ganz consequent durchge- fürt. Wir können nun nicht wissen, welche Veränderungen diserlei Namen in der vordeutschen Zeit erlitten haben nnd wie vil von disen das Werk der Umwandlungskraft unserer alten Sprache ist, um so weniger als die Eigennamen bezüglich der Laut^^eseze vogel- frei dasten, indem sie früh vom Verständnisse und dem Sprach- leben der ursprünglichen Erzeuger losgelöst, das einemal in irer alten Form beharrten, das anderemal in die Lautverschiebung hineingezogen, den Lautgesezen derer weiter gefolgt sind, die die lezten Herren eines Landes bliben. Man darf daher nicht von den einzelnen Namen aus urteilen, sondern nach dem Ergebnisse der Gesammtübersicht. 161 StanixD Beb, Bib, Bev-, Biv- Von deutschen Flußnamen sind vor allem die zalreicben Biberbäche und Btberachen hieber zu zälen, welchen ebenso vile gallische dises Klanges antworten. Schon diso Tatsache sollte den alten Glauben, als handle es sich hier durchweg um den Biber (castor) einigermaßen wankend machen, aber dazu kommt noch, daß auffallenderweise nur diser eine Tiername in deutschen wie welschen Flußnamen vorkäme und daß es neben den mit -r- ab- geleiteten Flußnamen des Stammes Bib-, auch solche gibt, welche dises ableitende r- nicht haben, wie zB. eine schweizerische Biber, welche ehedem Bib-i-ena hieß. Desjardins, Geogr. d. 1. Gaule I p. 130. Da Biber = skr. ba-bhrus und Mius = gr. ^(»vv-o^, lat. fur-vus^ deutschem brü-n ist, so kann ja in Bibiena = Biber in keinem Falle von dem bi-br (dem Braunen) die Rede sein. Es wiire auch noch zu untersuchen, in wie weit die mit. bevium und beveritia (Mülbach) selbständige, nicht etwa aus einem anderen Worte wie bacius (Bach) umgewandelte Wörter sind und ob sie nicht irersüits auf unseren Stamm beo, biv zurückfüren. Was biß jezt darüber gesagt ward, get nicht über Vermutungen hinaus. 1 Deutsche Flüße dises Stammes: Bib-er-ussa die Biberst in der Schweiz; Biv^er-an, Bev-er-eti die westl. Bevor; Biv-ern-a, die Bevor, Nfl. der Oste ; Biev-er-a die Bevor b. Burtscheid ; Bib' er-aha in der Saargegend; Bib-er-aha die Bibra; Biv-er-e der Beverbach, Nfl. der Leine; Bib-er-a die Pebrach in ßaiern o. s. w. Diso Namen gleichen genau den gallischen: Bevera, Beverou, Mabill. 253; Bev-er-iSy Bievre, Val. 83; Fluviolus Beb-rus Mabill. 384; -Brf^r-oiwia Fontes. Bolland 1. Juli 51. Bebr-op-ic-us^ Pardessus II 300. Der Stamm Bth, Biv steckt wol auch im Flußnamen Bionva Val. 72. 603, weniger warscheinlich im Biaurus Val. 48, da diser auch als Viaurus vorkommt und dis an Vi-enna, d. h. an ein aus- gefallenes g, stat V erinnert. Es ist nicht vorständlich, wie der eitle Tiemame Biber zugleich Flußname sein soll, wie diß Bevera, Bevero, Bivera^ unsere Biber u. s. w. sein müsten, denn die Gc- nosendung -o, -a, ändert ja an der Sache nichts, das ist ja keiiu^ Ableitung. Warum gibt es denn nirgends einen Bach: Hecht, Karpfe, Aesche u. s. w. ? Und das sind Tiernamen, die doch von rechts wegen eben so vil auf ßachbenennungen Anspruch haben, als der Biber. Femer, warum soll gerade nur in diseni einen Flußnamen die Endung -ero, -era nicht ableitende Silln^ sein, wol aber in allen anderen auf -er endigende FlußnamonV In Eder, Weser u. s. w.? Man kann doch wol die Otter, Fluß und Tier, nicht als Seitenstück entgegenhalten, wo der Fluß Ottrr ehedem Uterna, d. i. Ut-ern-a geheißen, genau gebildet wie Ed- em-a, Aternus. Angesichts all diser Tatsachen und auch ange- sichts des weiteren Umstandcs, daß in keinem einzigen alton Flußnamen ein Norainalstamm mit Sicherheit nachgowiHon werden kann, behaupte ich also, Biber, Bevero meine vicht da« Blrlinger. Alemannia VIII 2 ^^ 162 Tier Biber, sondern sei ein , anderes Wort und zwar ein Appel- lati vnm, wol ein Synonym ffir Wasser, beziehungsweise Quelle, da die Dea Bibr-acte eine Quellengöttin war und ir Name in Bezug zu irem Wonsize stehen muß. Was sollte eine Biber- göttin? Es soll nicht geleugnet sein, daß einzelne deutsche Bäche vom Biber den Namen herhaben können, so g^t wie die Foren = Gruppen =, Grundel = u. s. w. Bäche nach der Forelle, den Groppen, der Grundel benannt sind, aber die vor- deutschen Namen Bev-ero, Bev-era, Bib-era enthalten seinen Namen nicht. Für jeden einzelnen Biberbach läßt sich freilich das Alter und die Nationalität des Namens nicht festsezen, das ist indessen für die Zwecke diser Arbeit auch gar nicht nötig. Wenn Fib-r- in dem italischen Flußnamen Fib-r-inus identisch mit unserem Biv-r- ist, dann müßen wir jedesfalls eine mit bh anlant-ende ig. Wurzel für unsern Stamm aufsuchen. Stamm, Bac, Bog Fluß Bachinha (Oesterreich) F. 162. Ob das als Baeb- incha oder Bacb-ina aufzufassen sei, will ich unerörtert lassen, jedesfalls hängt am Stamme Bach- ein fremdes Suffix, womit die Deutschheit des Stammes Bach hinfallig wird. Dises Bach- ist = Bac-, derselbe Stamm, der sich im italischen Flußn. Bac-^nt-iu^s findet (Plinius lib. III) wie villeicht in unserer Focht, alt Pat^ina^ Pardessns II. p. 406. Stamm Bad, Bod (Päd, Pat) Wie der oberitalische Fad-us im Stamme identisch mit Bod- incus ist, denn lezteres ist die ligurische d. i. keltische Form des Stammes, [vgl. D'Arbois de Jubainville „Liguses ou Ligures* Revue archeolog. 1875 XXX p. 309 ff.], so ist auch unsere i\ic2-r-a derselben Herkunft wie die mcrfach vorkommenden Bäche Bode^ alt Bada Förstem. 164. Boda, Bada steckt auch in der schwä- bischen Botttcar bei Großbottwar, denn Bottwar selbst ist zunächst der Name des Städtchens und der lautete alt Bodibura d. i. die Häuser an der Boda, wie Blaburron, die Häuser an der Blau. In die Sippe gehört ferner die bairische FfätteTy alt Pheterach F., indem hier älteres p zu pf verschoben ward. Der Stamm gleicht dem härteren ital. Flußnamen Bat-um, BcU-inutn. Ob dises bat = bod griech. ßud-vq^ kymr. bodi (in die Tiefe sinken) u. s. w. sei, lasse ich dahingestellt. Die Urform mag aber * Pad-ara gelautet haben. Ist dise Anname richtig, und stichhaltige Gegengründe dürften schwerlich vorzubringen sein, dann haben auch unsere schwäbischen Federachen und Federbäche eine Heimat, dann gehen auch sie auf altes Pad-ara zurück. Hier hat sich das anlautende P eben nur in F verwandelt, wie in der Fecht aus Pachina. Stamm Bei, JPel Die Schwarz Wälder Bäche Belüf alt Pelahrt, und Bdnowa bei St. Trudbert gehören hieher. F. 198. Lezterer entspricht wörtlich dem gall. Belnaius (Beaune) Val. 116, genau wie die elsäß. 163 Andelowa dem gall. Andeleine. Bein- ist = Bel-in-, das Urwort lautete also * Bel-in-ei-us. Als Bah erscheiDt der Stamm im gall. Fl. Balisa Val. 313. Stamm Bil Er ist villeicht mit dem vorigen identisch. Hieher gehört die BiUCy alt Bilen-a nnd die fr&nkisohe BiMer Bil-ern-a. Wenn Bevero =- Bivero ist, woran man nicht wol wird zweifeln können, dann ist anch Bei = Bil, dann aber gehören auch die gall. Bd-ca {he Bec) Polypt. Irm. p. 62 and Bel-cha (La Bauche) Pardessus 11. pag. 152 hieher, denn das ist = * Bel-ic-a, Bel-ich-a. E und I wechseln in keltischen Namen häufig, daher zB. Vesnntio und Yisuntio u. s. w. gleichwertig zu nemen sind. Stamm Bar, Ber Hier nenne ich die beiden Schwarzwälder Behra^ älter Ber und Berr geschriben, die Bahr^ Nfl. der Streu, alt Baraha F. 182, bei Sebastian Münster Barr genannt. Diser Stamm findet sich wider in den gall. Flußn. Barrus Mabill. 884; Berre Mon. Germ. I, 292, auch Birra Val. 85; Barus Val. 16; J?ar-aw-io Val. 385. Es ist wol identisch mit irisch hior (= bir) Wasser und armorisch hera fließen, wie mit nord. hara Woge. Hieher gehört anch die baierisehe Far^ Parr^ alt Parra, sowie der rätische Flnß Pyrrhus, KoDSonantenverdoppluDgen sind in keltischen Wörtern häufig zu finden. Sie ändern aber nichts am Sinne des Wortes. Stamm BarSy Birs Ich nenne von deutschen Flußn. Birs-a F. 244. Birsich, j. Busichbach b. Basel; die Birznig j. Bissenitz in Holstein, die wol älteres * Birs-inicus sein wird. Als welsches Gegenstück er- scheint die oberitalische Bers-uHn T. P. Ob der Stamm Bres wie in Bresela (jezt Vimine) nur eine Umstellung von Bers oder ein selbständiger Stamm sei, will ich hier nicht untersuchen. Doch vgl. Stamm Trad, Tard. Stamm Bas, Bes Die Biese, alt Bese F. 212 stimmt genau mit der gall. Bes-wa (ßaize) Val. 34. 83. Stamm Blas, Bles Hier haben wir die Pleis, alt Bleisa F. 251 , und die Blies, alt Blesa F. ebend. Vgl. dazu Fi. Blesis (La Blaise) bei Dreux. Gn^rard. 812. Val. 588. Blasia Fl. Polypt. Irm. p. 137. nota. Blesa ebendort p. 76. u. s. w. Stamm Bonj Bun Die Bina ßoninaha F. 276. Die Baumachj alt Bunaha. Diser Stamm widerholt sich in der gall. Bon-cia, jezt Bonnette, Val. 131. Stamm Blav Der schwäbischen Blau^ die allerdings einen hübschen blauen •Ul 4ea Blautopf für iren Namen ins Feld füren kann, was in- m^n Albquellkesseln eben so eigen ist, entspricht hoch- 164 stens eine Rot, nie aber eine Schwarz oder TFe//l. Nun ist aber der Flaßnarae Rotj wie wir weiter unten seben werden, Yordeutscb, demzufolge wird es aucb die Blau sein, so gut wie ire Nachbarin die Naii, sih Stamm Nav, Ir entspricht der oberitalische Plav-is und der armorische Blav-ittus, Cartular. Redonens. bei Goursson, Hist. des Bretons I. p. 367. Der südgall. Ortsname BUwutum, mit Blava hängt wol auch mit einem gleichlautenden Bachnamen zusammen. Stamm Bord Die Bordau Burdine F. stimmt mit der südfranzösischen Burda. Val. 87. Stamm Breg^ Brig^ keinenfalls == kelt. hriga (Berg). Hier sind zu nennen die Schwarzwälder Brigach, alt Brigana F. 291 und die Brege. Dann die Bregenzer Ach, früher Bregene^ also Brig-antia genannt. Inen entspricht eine gallische Briga (La Breche) Mabillon. 337. Brigia (La Braye) Val. 97; der Brig-ulus^ später Saucanna. Plutarch, ed. Reiske, 10, 729 ff. Stamm Brad^ Brat Uieher ziehe ich die Flüsse Brettach und Breitach. Wie altes At-y £t-ema zu Etrach, Eitrach wurde, so altes * Brai-a zu Bret- tach, Breitach. Disen entspricht der italische Brad-anum Int Ant. Warscheinlich gehört auch die bad. Britznach, alt BritzinR hieher. Urform wäre * Brad-ana. Zum Stamme Bran, dem die gall. Branüa (La Branle) an- gehört, könnte möglicherweise unsere Brenz, alt Brancia ange- hören, als ältere Branantia. Die Form Brancia erinnert indessen an den franz. Flußn. Drancia, diser aber ist Kürzung aus älterem Durancius, Durantius. So müste man eine alte Form * Bnrantia für Brenz voraussezen. Sicher ist nur, daß Brenz ein vordeutscher Name ist. Wie ser sich alte Formen ändern können, sehen wir an der iVimw, Prümm, einer Form, die, wie wir aus Ausonius Mosell. wissen, aus älterem Pron-ea entstanden ist. Zu disem Stamm Pron-, Prun- dürfte die Brunn, alt Bruna zälen. F. 305. Stamm Brusc Die Elsäßer Breusch, Brusca. F. 308 entspricht dem gall. Brusco (Brusson) Mabillon 317. Stamm BriVf möglicherweise identisch mit Brig, wie gall. briva und mit. briga (Brücke), was aber mit unserem Stamme nichts zu tun hat. Hieher warscheinlich der Braubach alt Bria- bach F. 309, aus älterem * Briva. In Gallien eine BrW'Ontia. Baluz n. p. 1216. Die mit C K G anhebenden Flußnamen m&ßen mit einander besprochen werden, da die meisten deutschen FlußnameSy weldie mit G oder K anfangen, soweit de nftmlioh Tordeotseber Herkunll sind, auf ein anlautendes alt^ MB. ■ D$hmt cKs bare Unordnung in der Air V 165 Stamm Cal Hieher gehört die baier ische Kels, nach welcher der alte Chelasgowe F. 870 benannt ist und mit der meines Erachtens auch das altvindelikische Celeusum zusammenhängt. Der Fluß hätte dann Cel-cus-us geheißen ; das ist identisch mit dem niderdeutschen XuX-ova-og^ (jezt Trave), den Ptolemäus nennt. Villeicht gehört aach die SchmalkcUden daher. Smal ist deutscher^ differenzierender Zasaz, Calda das Hauptwort. Wäre das = Kdit^aha^ woran man zweifeln darf, dann käme es nicht in Betracht. Ist aber Galda aas älterem CdUa entstanden, dann stet die Sache anders. Daß 11 und Id einander nahe stehen, ersehen wir aus den Formen Smaraldus, Smarallas (Smaragd); an der jungen Form Goncorcial- dum aus älterem Con-corc-allum. Vales. Cküla^ Callus ist ein keltischer Flußname. s. Val. 16. Par- dessus II 165. I 202. Callus ist identisch mit Galus. Diser Stamm CcU erscheint wider im süditalischen CcUor (Galoris = Ca- losis), im Südfranz. Caharo^^ Calarona u. s. w. Stamm CaJb, Gelb Hieher unser Kälhaha F. 347. Dann der Keidershach, alt KeWlrhach, und falsch Kelbirisbach. Solche falsche Genitive in Fluß- uud Ortnamen sind nicht selten. Sih Wiebeisbach unter dem Stamme Ved. So ist licganeshurc ein falscher Genitiv; die burc am Flusse Regen, so unser schwäbisches WeihungszeU an der Weihung u. s. w. In einem vordeutschen Flußnamen findet sich der Stamm als iTe^^-tö Vales. 141: die Kyll. Die Lesart i^e/^is ist falsch, es muß hier Gelbis heißen. Warscheinlich ligt disem Stamme die Wurzel Cal zu Grunde, so daß Ealbis als urspr. Kalv-is zu betrachten sein wird, mit ableitendem v. Stamm KU, Kel ist mit Gal identisch und damit der jüngere Name der Kyll, nämlich Küa, CJigla, 10. Jhd. F. 875. Der Cd- {id'^ius in Spanien enthält denselben Stamm. Warscheinlich ist auch der Stamm Caltt Galt, Gdt, den wir mit der Schmalkalden schon berürten, in die Sippe zu 8ezen. Ich nenne die CluUdhowa F. 346, die in Analogie mit Andlau, Andeleius auf ein älteres *Galdeia schließen läßt. Dann die Gel- tenaha^ jezt Geltnach F. 547, den Geltbach, F. 570, zu welchen io nicht umgelauteter Form die Galthera (Ecoillon) Mon. Germ. I 527 und die Galla (La Jalle) Val. 88, leztere wol in der ein- fachen Form, zu stellen sind. Ob indessen die Konsonantengruppe It, ld| hier aus 11 hervorgegangen oder t ein Wurzelterminativ ist) lasse ich dahingestellt. Stamm Cam, Seine Kelticität wird von Niemand ange- Ohampa In Baiern F. 351, die Chamba in Oesterreioh i* der die keltischen ^AdQußaimiLinoi saßen, wörtlich die ▼on kelt. adrab = ad- trab, trab habitatio, Wonsiz. 166 Hieher gehören auch die andern Bäche Cliam^ Champ, ebenso die Kamladi, 13. Jhd. Cambloh, welche möglicherweise * Cam- bilocus, warscheiolicher aber aus * Cauibila umgedeutscht ist. Zu- sammengesezte altkeltische Flußnamen sind Ausnamen, doch vor- handen. Sih mein „Oberdeutsches Flurnamenbuch" unter Limmat. Stamm Cain, Com Von deutscheu Bachnamen sind hieher zu zälen Cheinbach^ einer in Baden, einer in Baiern F. 869. Mit disen stiiinmt der gall. Caenus (La Touloubre) Desjardins 2 , 66, das komische caeiirit^ Bach, wörtlich Frisch-bach, denn das körn, caeü, cain be- deutet recens, es ist das gr. xaivog und unser s-chön. Stamm Cand, Cant, wol zu vgl. die skr. Wz. cud reinigeKii läutern Hieher ziehe ich die Gand bei Gandersheim, dann die nicl^at erweichten Kander, Kandel (Bäche in der Schweiz und ßadecB.^ die schwäbischen Bäche Kanzach; in umgelauteter Form die Kü^9^' zeUj alt Quintana Schmeller I 1267. Leztere verhält sich zu ält^«3- rem Cint-ana, wie die arraorische Quantia zu älterem Can<^ii> (j. Canche) Val. 461. Ferner zäle ich hieher die merfach vorkommenden Bäche KtTi- zig, Kinzich, alt Kinzicha F. 877. Sie sind wol aus Gant-ic-a nmg'e- lautet; ire t oder d zu z verschoben. Dem Stamme Cand gehört die gall. Candida (Cande) Val. 8 an, welche nicht notwendig =^ lat. Candida sein muß. Vg]. die Sordida Val. 372 neben dem Sordus Desjard. 2, 133; den Rapidvs^ V. 369 (Ravidus) neben BaviiiSj im Cartul. eccl. Rav. (vom lezteru die Stadt Raveuna), daueben die Flüße Trev-idus , Turb-ida, neben diser eine Turha^ Ves-idia, Viridis u. s. w. Will man aber Einzich nicht als aus * Gantica umgelautet betrachten, und einen eigenen Stamm Cinc aufstellen, so stimmte die spanische Cinca. Stamm Car Vgl. irisch car Bach Carahach Karbach Nfl. des Main und sonst noch vile Kar- buche. Es werden einige wol auch deutscher Herkunft sein. Diser Stamm findet sich aber auch im gall. Car-is (Le Cher) Val. 1 27 ; im Car-ant-on-us (Gharente) Val. 125; in der Careniotm (La Cha- reutone) Val. 470, im belgischen Chares Val. 145 u. s. w. Un- sere wirtemb. Kersch, Kers änelt am meisten dem Flußn. Caf^usias Pardessus 2, 500. Wir kennen für die Kersch nur eine alte Form Kerse, villeicht aus * Garisus wie Ense (Ens) in Ensewald aus altem Anisus F. 78. Der Fluß Kemo F. 360 scheint aus * Car-no gebildet zu sein, wie der Arno aus Ar- und dem ableitenden fi- (us). Villeicht gehören anch die mer&oh vorkommenden Bache 6rcra, Ger hieher. Wörtlich stimmen sie mit dem Bache Oera ia der Auvergne Val. 47. D^' iwrtiohom O wixd. be- obachtet man ja niob<^ »n-K. fiL ^ den Flußn. Qlan and 167 Stamm Cis Unsere Geisa änelt der gall. Cisa (Coussod) Val. 524, allein Cisa ist warscheinlicli aus Cuaa umgelautet. Vgl. La CoisCj im 10. Jhd. Cosia. Revue celtique 2, 400. Stamm Cus (Gus) Hieher gehört die zalreiche Familie der Bäche Gose, Gos, GosbacJi^ Gussefibach, Kussenhach, Kussach, Kussenach u. s. w. Ebenso zalreich sind ire gallischen Seitenstücke. Als ostkeltischen Repräsentanten nenne ich den Nfl. der Donau Cusus Tacit. annal. 2, 63. (Die Wog?); dann den aisius Nfl. des Po. T. P.; die franz. Cosa (Le Cousin), die Casia (La Coise), die Cos-antia (Cousance), die Ctts^illa (Choisille) u. s. w. Vgl. Rev. celt. a. a. 0. Vales. 524. Stamm CtiU Hieher gehört unsere Gollach und die franz. Geal, alt Gid- lus. Mon. Germ. V. 579. Stamm Clan Vgl. kymr. glan rein, lauter, neben der Be- deutung ripa (Bach). Es ist nicht nötig die vilen Bäche Glan aufzuzälen. Eine vordeutschö Clanis in Steicimark nennt Strabo, eine Glanis in den Ardennen Pardessus 2, 146, eine Clanis in Italien heißt Chiana. Um Salzburg wird eine Glanicle genannt F. 584, ofienbar = Glanicula. Stamm Clas Hieher der Glasenhach bei Salzburg, wo ein Ort Glasa ge- nannt wird. F. 584. Daher wol auch Glasipach. Das gallische Gegenstück ist die Clasia (Claise) Val. 283. Stamm Clat, Clot Die Bäche Glatt, Glöt, Glattbach, Glotter sind in Deutsch- land zimlich zalreich zu finden. Inen correspoudieren der italische Clotoris T. P., die Clat-erna j. Quaderna, Itin. Ant., die irische Clota^ genannt in Fiaccs Hymnen, die kymrische Cloia (Wales) Vgl. Beitrag, z. vgl. Sprachf. VIll. 314. Clo kommt aus der Wg. du (kru) reinigen, läutern. Vgl. gr. xAt5-§w, altlat. clu-ere, goth. hlutrs; ahd. hlütar; nhd. lauter. Stamm Crand Die Grande b. St. Goar, 9. Jhd. h\^ 657. Diser entspricht der Orandis in den Vogesen Pardessus 2, 120. Stamm Cunt Ob unsere Günz, in der röm. Zeit Guntia sicher hieher gehört, mag zweifelhaft sein. Aber zu diser Form stimmt die Zingel im Ebftßt ehedem Ganz-inus, Pard. 2, 342. Wie in der vorausgehenden Gruppe von Flußnamenstämmen lO-K O), ist auch in der nachfolgenden eine Scheidung der mit >d Z anlautenden nicht dui'chzufüreu. Taby Tav mitaehen Flußnamen rechne ich hieher die Zd^er, aller- IX Jhd. Zabernach (gowe) F., allein angesichts der 168 handgreiflichen Undeutschheit des Stammes Zah, ligt ja nichts näher als den Stamm l^ab vorauszusezeu. Wie das lat. Taberuae T. F. zu Zabern ward, so muß ein alter Flußn. * Tab*era Zaber werden. Der Stamm ligt auch in der Tat vor in der belgischen Tdbuda F. 1355, gebildet wie Eb-udae (insulae), Ab-ud-itts, Sa- muda u. andere kelt. Eigennamen. Ferner im italischen Tab-e (Tavo) Mon. Germ. IX. 612, im britannischen Toß-ioq, Ptolem. u. s. w. Stamm Dub (Tub) Duv^ Dov Hieher zälen die Tauber^ Tubera bei Geogr. Rav. 4, 24 noch richtig Dubra = Dub-r-a (Dub-er-a). Ir wörtliches Seiten- stück ist der irische Dob-ur, Bolland. Juni 2, 207 ; und das kym- rische dwfr (= dub-r) Wasser, Bach, daher der kymrische Bach cam-dubr =- Erummbach, der gall. Ärgentodvbrus s. Stamm Arg. One ableitendes -r- erscheint der Stamm im gall. Flußn. Dubis bei Cäsar, später BuV'ius (z. B. Mabill. Act. SS. 2, 425), jezt Doubs. Unter disen Stamm reiht sich wol auch die Tmeste ein, bei F. 1422 als Tuistina aufgefürt. Die Endung ina kann mög- licherweise deutsche Anschiftung sein. Der Stamm iHtb^ deutsch Tub, Tuw hat aber jedesfalls ein Suffix aus vordeutscher Zeit, wir nemen der einmal vorligenden Form entsprechend zwei an, iss-in-a also * Duv-iss-ina. Ueber st und ss ist oben gesprochen worden. Stamm Tad, Ted, Tid, Tod, Tud Auf deutschem Gebiete erscheinen der westf. Drilbach, alt Thi- dela F.' 1439. Sein Stamm findet sich wider im dalmatischen Ted'Cmius Plin. 3, 140. Nicht umgelautet aber im spanischen Tad'er Plin. 3, 4. In weiterer Umformung zu Tod- erscheint er in der österreichischen Tod-icha F. 1405, dem italischen Tiid-er T. F. Stamm Tag Die bairische Alz hieß früher Taga Schmeller I 595, daran Taga-Jiartinga (Tacherting). Ir entsprechen die spanischen Tagus (Tajo), und Tagonius (Tajuna). Vgl. Cuno, Vorgesch. Roma I 71. Als eine Nebenform erscheint der Stamm T%ig im Bacho Tug-il-us^ Döllbuch b. Fulda F.^ 1485, welchem der italische Tog-is-on-us entspricht, denn so ist nach dem Princip der Fluß- namenbildungen abzuteilen und nicht Togi-sonus. Das ist eine Bildung wie Car-ant-on-us, woraus man auch nicht Caran-tonus machen darf. Tog-us , Togisus , Togisonus lautet die Klimax. Villeicht ist Digena, ein holländ. Bach, F. 418 auch aus älterem Tug-ina entstanden. Stamm Tal Dal Hieher gehört die baierische * Tala, denn so muß die Dob- lach geheißen haben, wenn sie gleich im 11. Jhd. schon Dolaba hieß F.^ 473, da an ir das alte Tala-mazinga ligt, aus dem der t Both gar einen Personennamen Talamazzo, einen der auf der ^ ***t Disor Tala correspondirt ein gleich- 169 Damigor Bach bei Calais. Vales 116. Femer eine Walliser Tala, an der einst die DalUerni gowont. Vgl. Cuno a. a. 0. In die Sippe gehört vill. der Stamm Teil Eine Schweizer Tclla heißt jezt Zil. DesjardiuB 1, 130. Von einer nun verschollenen Telia hat die Doli bei Meran ireti Namen her. Vgl. Steub, zur rhät. Ethnolog. p. 121 u. 209. Eine gal- lische Telia gab dem pagus TeUau den Namen. Mabillou saec. 111. 2, 464. Lezteres ist jung gallische Form für Tellava. Mit Teil, Tel identisch ist der Stamm TU Diser gehört die Dyhle Thilia, Tilia an. F. 1370 und Val. 554. Auch die Österreich. Tul^,^ alt Tull-ina F. 1413 gehört in die Sippe. Tala, Tita, Tula verhalten sich zu einander wie Tader, Tedanius und Tuder. Wenn der tirol. Ziller eine *Tillera vorausgieng, gehört sie daher, wenn eine Sillera zu SU s. d. Vgl. Zorn alt Soma. Stamm Tale (Tolc), wol = tal-c, talic- Hieher gehört die Detchatm, Dalke bei Paderborn F. 415. und die gallische Tolca (Touque) Val. 577. Stamm Tal-v, Tahh, Tol-v, Tul-h, Tuhv, Tulb Von deutschen Flüßen nenne ich die tiroler Talfer, alt Tala- Vi-ma Steub n. a. 0. p. 209. Diser correspondiert die gallische Tolv-er-a (Touvre) Val. 557. Erstere ist = Tal-av-ern-a, leztere = Tol-av-er-a. (zu Tal-avera, wie Dolaha = Tala). Hieher gehört auch die lauenburgische Dehenau^ alt Delvunda F. 415 = Tal-v- und-a, eine Zusammensezung wie die gallische Ar-und-a Val. 255 und die älteren ßac-unt-ius, Orra-unt-io u. s. w. Dises nnda 'kann nun altes unta^ Delvenau also = * Dalavunta sein, es kann aber auch aus una ent-standen sein, wir wie bei der Arunda gewiß vrissen, dann sie hieß noch früher Arona, Aruna. Delvenau kann sohin auch aus Tal-av-on-a entstanden sein und das ist mir das warscheinlichere. — Zum Stamme Tulh gehört die Tülha im pag. Salagewe und one Zweifel auch Tolbiacumy Tulbiacum, das von einem gleichnamigen Wasser den Namen herhaben muß, änlich wie Lader näc(h)um (Lierneuz) von der Letherna (== Lad-ern-a), jezt Lienne F. 888. Stamm Tin, Thm Hicher die villeicht. baiertsche Zenn^ alt Cinna. F. Ir Seiten- stück wäre die italische Timm T. P. doch vgl. unten. Stamm Dur^ germ. Tur Die schweizerische Thur heißt alt Dura F. 446. JovQoq ein alter vindelikischer oder norischer Fluß F. ibid. Disen entsprechen der fr. Dorhis (Dore) Val. 185, der spanische Burius (Duero) Cnno p. 71, der gall. iJuranius (Dordogne) Val. 179 u. s. w. Stamm Dus, Tus Die Dussel alt Tussale F. Mit disem Namen ist der bri- tannische Toia-oßtg (Ptol.) verwandt. Der Stamm Dust, Tust scheint mir mit disem identisch zu 170 sein. Jedesfalls gehören die ital. Tist'Ua T. P., der gall. Dust- r^is Val. 557 in die Nähe. Stamm Trwj (Drag) F. 431 Wz. trcuf laufen? Dreisam f alt Dreisima F. ist offenbar aus Trag-is-am-a verkürzt, wie der österr. Bach Traisen alt Treisima, zur röm. Zeit Tngisanium, F. 1409, was aber an der Hand der Inschrift bei Orelli Nr. 1131 (Trngisa) in Tragisamum zu verbessern ist, jedesfalls auf dise Form zurück- fürt. Hicher gehört auch der fuldaische Treisbach F. 431. Stamm Trad, umgestellt Tard Die Dralcnach, Trehtna, Dratohaha F. 1383. Die entspre- chenden welschen Flußuamen bieten die Form Tard. So zB. die gall. Tard-a Val. 127, Tarduera (Tardou^re) Val. 125. Dise Umstellung zeigt sich auch in anderen Flußnamen z. B. der Flofi Tarbe heißt bald Tarba, Turba, bald Travia Val. 84, was zum folgenden Stamm Tarh^ Tarv; Trav, Trev ^=^ Dra-v hinüberfürt Leztere Form ist aber wol allein die echte, alte aus der Wurzel dru laufen, die wol auch in unserem triefen steckt. Vgl. gäl. drabh = drav, mache laufen, mache flüßig, Valso drava die Lau- fende, Fließende. Hieher die Drau, Dravus, die Trave Travena, die Drän Tre- wina. Hier = dra-va, Ableitung mit v. Dagegen in Drone^ Drona, Traun Tmna (Druna) = dru-na, Ableitung mit d, wie in Ae-nus. Moe-nus, Ar-nus u. s. w. Auch der Traubenbach, alt Drubenaha F. 426 kann hieher gehören, als alte * Dru-v-en-a, ebenso die Tru- alba F. 1410, aber dann wol als Compositum wie Navi-lubio, Lindi-magus u. s. w. = '*' Druv-alba. In dise Sippe gehören die gall. Druna (Drome) Val. 177; der Dro-tus (Drot) Val. 223 die Druentia (Durance) Plin. 2, 1, 31 u. s. w. Umgelautet findet sich unser Stamm wider in der Trier bei Trier, im 10. Jhd. Triera, aber nach dem Fingerzeig des alten Volksnamens 2Vcv-fr-i, wol einstmals *Trev-ir-a, welche Form der gall. Trev-id-us Val. 560 in jedem Falle entspricht, auch wenn dises Trev nicht für Drev, Drav stehen sollte. Ist für dise zwei Flüsse ein alter Stiimm Trav anzusezen, dann ist hier wol an dieW^urzel tar über etwas hinüberlaufen, anzuknüpfen, dann wäre trav = tarv = tar-?. Vgl. diserlei Umstellungen des -r- oben. Anlautendes H Die in Deutschland zu findenden Flußnamen vordeutscher Her- kunft, welche hieher gehören, besizen durchweg ein unorganisches H gleich dem gall. Hormentio, dem ital. Hadra, Herninum u. dgl. Sie gehören mit anderen Worten unter die schon abgehandelten vokalisch anlautenden Flußnamen. Mit L anlautende Namen Stamm Lab, Lat\ (Leb) Hieher gehören die Labara, Lapara F. 885 Laber, deren es in Baiern drei gibt, dann die merfach vorkommenden Bäche Ltberachi 171 von denen der eine oder andere deutsch sein könnte. Vgl. leher (juncus). Die £lsäßcr Lcbrnhn, Le2)raha (Lievre) wird wol vor- deutsch sein. Bei den Flußuameu dises Stammes hat man bißher an kelt. lahar (loquax) gedacht, der latUe Bach, allein -ara ist dasselbe Suffix wie in Ag-ara, Edera u. s. w. und muß daher anders aufgefaßt werden. Es ist nicht die Wurzel lapy Jac^ (loqui, sprechen), welche hier stockt, sondern lav nezen. Disen selben Stamm Lah finden wir in der ligurischen Lah-on-ia T. P.; dann im italischen Lavinius^ im Labrus, der nasaliert Lantbfo heißt. Ich z&le als nasalierte Formen auch unsere Lämmer j alt Lam-er F. 893, die Lamma (Lamme) F. 16., dann die Lamizona des Geogr. Rav. 7, 17, die Za/ma, Laimaha F. 891 hieher, als mut- maßliche ältere Lam-a, Lam-era, noch ältere Labera, Lab-a, änlich wie Alma = Alba, Gema, Gemmena = ceb-na sind. Die Form Laim ist nur Umdeutschung. Umgelautet erscheint Lamh im Flußnamen Lemphia^ Lempha, Lemp F. 912 = La-m-v-ia, Lambia. Umgelautet aus * Lama ist auch die spanische LAmaea, Lima i. e. Livaea. In die Sippe zäle ich noch die Lume F. 956. Vgl. die franz. Ijum-na Pard. 2, 204 = Luvina. Hieher die tirol. I^oferj Luver, Lovernadega = Luv-ern-atica; nämlich aqua u. dgl. Dach- namen mer. Stamm Lac Der Xec'A;, Lacia, Lockia F. 886. Möglicherweise auch die Medetmlacha und Kamlaeh 13. Jhd. Gamloch, vgl. oben, dann die Fliiße Lauehert, alt JjOiwha in Hohenzollern, die IjOiicJuilia b. Ootha F. 953, welchen der kymrische Lochor = alten Lac-ar ent- spricht. Das a, o muß ein langes sein. Stamm Lic Wol aus der Wurzel lik (rik) fließen Der baierische XecÄ, Licus. Die italische lAc-cnna T. P. Licius in Südfrankr. Pard. 2, 61. Stamm Lag, JjOfj Er ist wol aus Lac hervorgegangen Die Lahn, Logannha F. 946. Die Lauer s, alt Lag-hekl F. 888. Die Leine, alt Lagina F. cbendort; die schwäbische Laugna^ alt Lagna. Vgl. LagnisfonSy Pard. 2, 115. Stamm Lcg^ Lig Die Jjgs Legia F. 910. Diser ist in Gallien stark vertreten. Lig-er (Loire), Legrus (Le Loir) Val. 276. auch Ijigerua Val. 134. Ligerinus (Loir et) Val. 278. Legia (Legie) Val. 271 u. s. w. Vgl. noch Lier = Liger. Stamm Jjad^ Lat Lade F. 887. Der Ladmuharh in Tirol F. 868. Disen ent- spricht der italische Latis T. P. Umgelautet in JjCitcbach, alt Leatunia F. 910 in der belg. Jjoetia (Le Lesse) Val. 260, deren t bald in ein d, bald in g überget, daher der Fluß bald Lidus, bald Legia geschriben ward. Vgl. Lcdum (Loir) Guerard. Ch. 403. Leda, Lida, Lidericus neben Ligericus Val. 134. 276. — Ledus (Le Les) Val. 276, welcher nebenher Lesius, Listus heißt. 172 Ob die Lauterna (Lezert) Val. 266 hielier als älteres Laterna oder zu Liä zu stellen sei, müßeu weitere Uutersuchungen entscheideD. V illeicht ist dises au = av, Laut = Lav-at, wie der Fluß Latts = Lav-U8. 8. Stamm Lav. Stamm Lind. Vgl. kymr. It/nn = lind (Wasser, See) Hieher gehören die Namen: Lindbachj Limpachj denn die Linde hat keine besonderen Beziehungen znm Wasser. Die Lenne Linderinus F. 927. Die Limmat Lindimacus F. 927. Leztere ist wol = Lindi-macus aufzufassen, wie die Nctimagen Novi-, Nu- maga = Navi-maca ; Und wie nav bedeuten ßach. Ganz so ist der alte spanische Navihibio (j. Nava) zusanimengesezt; änlich wie die Limmat oder der britannische Flußname Linn- Livan (im alten Nennius) d. i. Lind-Leman(us). Macus scheint mir latüer zu be- deuten. Vgl. altirisch mac (purus). Lindimagus = Lauterbach. Stamm Lint. Vgl. gäl. lianty Bach Die Linz, von welcher der Linzgau den Namen herhat. Baumann, Gaugrafschaften pag. 49. Stamm Lar Die Lohr, alt Lara F. 903. Die Laralia (Seeland) F. 903. Der Lardenbach unweit Fulda, alt Larhach F. 905. Erst seit dem 11. Jhd. Lardenbach. Der Lohrbach bei Speier alt Lar- hoch F. 905. Disen antwortet die gallische Lar-ona Pard. 2, 185, der ital. Lacus Larius (Gardasce), die gallische Larga (Lierge) = Lar-ig-a Val. 274 wie Murga = Muraga u. s. w. Die Elaaßer Lorfalia^ woselbst auch eine altgall. Larga TP zu suchen ist, gehört gleichfalls hieher. Lorfa(ha) wird wol = älterem Lar-ava sein, wenn nicht etwa Lar-v- für Lar-g- stet, wie Bavacum (Bavay) für das ältere Bagacum Val. 73 also Lorfa = Larga ist. In die Nähe scheint mir der Stamm Lur zu gehören, deutsch Liur^ I/wr mit der Laurach, alt Liuraha F. 942, es sei dann, daß Liur aus älterem Ltr hervorgieng, was mir zweifelhaft scheint. In disera Falle wäre die gall. Liriu Plin. 3, 4, der Lirizimts Val. 482 u. s. w. zu vergleichen. Dises lir lebt in den jungkel tischen Sprachen noch als kymr. llgr (Fluß). Die Lehre, Lerna F. 914 ist wol = altem * Lar-in-a. — Stamm Les, Lis Die Lieser ^ alt Lesura F. 914. Lesora (Lozöre) Hieher fons Lisola Pard. 2, 374 und die franz. I^is-onne (zur Charente). Es schließt sich an die Leiser, LyBura F. 962. Stamm Lnb, Luv. Vgl. kymr. llyf (inundatio) Die deutschen Flußnamen Liubisaha, Liubasa Loisach ; Liu- hilunaha Leiblach. Liupilinaha Lebenauer Bach, LeibCy Lippach u. s. w. sind alle fremder Herkunft. Dises m ist aus älterem u hervorgegangen, das h aus v. Die Formen sind also * Luv-is-a, * Luv-il-a, * Luv-il-in-a, * Luva u. s. w. Disen entsprechen die alten Namen der Quellbäche der Laihachy nämlich Lubia, [MalOy BeHka-] Lüblansa, welche nur slawisiert sind, denn dem Stamm 173 Mal' werden wir weiter nnten in Rätien nnd Gallien eben so oft, wie dem Stamme Lub- begegnen; nur das Wörtlein Belica (weiße) ist slawisch. Dise Namen waren wie die andern Flußn. des Landes als Gurk (KoQxogag), Sau, Drau^ u. dgl. lange im Lande, ehe ein Slawe den VuVs darein gesezt. Vgl. die franz. Louain, alt Ltma, Mone Germ. 1, 526, Lavissa Val. ^57. In Lublanza (= Luvan- tia) ist wol ein falsches 1 wie in der Scaplanza Scheflenz. Stamm Lup^ villeicht aus dem vorigen hervorgegangen. Die' Lippe, alt Luppia F. 958 Lupbach, Lauppach^ Luppe n. s. w. Vgl. die gall. lAnpa (La Louve, zur Seine) Val. 308; Lupa (La Lonpe) zur Autura. Yal. 16; den Loupus (Le Loup) Val. 308. lAipa (Loing) Pard. 1, 55 u. s. w. Vgl. die Tyroler Bäche Lofer lAwer, Luvera = Luv-er-a. Steub a. a. 0. 192. Die LÜhe^ alt Lia F. 915 hat in der Mitte ein g und v ▼erloren. Villeicht auch ein d. Sie ist also entweder aus Liga, Liva oder Lida gekürzt. Vgl. die franz. Loa Val. 257 zur Form; zum ganzen Wort die Leva, Nfl. der Scaldis, Val. 507. Stamm Lut, deutsch Liut, wie Lub, deutsch Liub. Hieher Liuttenach F. 934; der Lautenbach Liuten-bach und wol auch der Liederbach F. 920, als ältere * Lut-ena, und * Lut-er-a. Der Stamm Lut findet sich wider in der gall. Ltd-osa (Loze) Val. 12, im vorarlbergischen Lutzbach, an welchem, wie oben Itehon angeffirt Lttdesch, ult Lodasco Hgt. Der Bach muß also IJuda, Loda, noch früher Luta gelautet haben. Ein anderer gleichnamiger Bach ebenf. in Tirol. Vgl. Steub a. a. 0, 191. 192. Mit M anlautende Stämme 1 Mad^ Med, Wz. mad fließen Die Madelf an ir Madelungen und Madalahaha F.' 1072; der Medbach alt Madibach ib. 965; Medibach F. 1020, Molk- back Meditichha F. 1010. vill. auch ilf er/e-biki ib. 102 und Mi du- fidli ibid. Disen entsprechen die gall. Flüsse Mcd-anta Polypt. Inn. p. 266; Mcdu-ana (La Mayne) Val. 328; der Medi-ox-imus (Miossan) Val. 377; Föns Mcidlai Guerard. Ch. 97; der italisclio Meduacus T. F. und der gall. Mid-orkts (Midou) Val. 272. 2 Mat, Met, Möglicherweise identisch mit den vorigen, doch warscheinlicher die Wurzel mat (schließen). Die Mattig alt Mat-ucha F. 1002; Fluß Mafh-l-wf/e ib. Die Moder, alt Mai-ra ib; der Maz-in-bach in (')sterr. ib. 1008; der Schwarzwälder Mczz-in-bach Maz-pach ib. 1009. Vgl. Wegen Verschiebung des t in z MedcUchn neben Mczcliche ibid. 1011. (Die Molk). Vergleichungsstücke sind die italische Mai-ara T. F. die belg. Mat-ern-a Val. 72 die gall. Maf-r-mui (Marne) Val. 32H. Umgelautet der italischn Mef-aur-fis Flin. In der Endung gleicht diser dem gall. Ar-aur-is, Vi-aur-tiSj Pi-aur-us u. s. w. 174 Die deutschen FlnßnameD, welche mit Miß-, MUjs-^ Mist- anheben, reihen sich als lautverschobene Met-, Mit- hier an. Die Meissau Missaha F. 1033, die österr. Myst-^r-io-a F. 1065. Als Mot erscheint unser Stamm in der Mede alt Mota F. 1048. 3 Stamm M(ü^ Mel, möglicherweise desselben Ursprnngrg mit dem folgenden. Der Mehlenbach in Baden, alt Mel-ana F. 1013. Der Melen- back b. Bonn, alt Mdan-bach F. 1013; die MeUa b. Gent F.* 1084. Die Möhlin in Baden, alt Mel-da (= Mel-id-a) F.« 1084. Die Melach^ alt Melaca, Malaca. Vgl. Steub a. a. 0. 194. Die Vorarlberger Mdanka^ die Veltliner Malura u. s. w. Vergleiche zu disem Stamm die gall. Flüße Mal-atm-at Mal- ona (La Malene), Mal-va (La Mauve) Bolland. Juni 1, 300; MalvantiS (Le Malvan), die Mal-av-ene b. Hyeres Revue celt. 2, 441, die Mal-dr-a (Maudre) Val. 313; Mal-v^tum {La Mauvette) Rev. celt. a. a. 0. Mel-in-a F&rd, 2, 328; Mel-b-od-ius {=hLa\'V' od-ius) daran Melbodium, der Fluß Maubeuge Pard. 2, 118 u. s. w. Als Mü, Muly erscheint der Stamm in unserer Mile^ alt Mil-ize F.« 1099; in der Mil-da, Mulde F. 1027, in Miltaha und Multbach, F. 1027, mit verschobenem t in Mllsibach F. 1028 Milmisrhy alt Milzisa P. 1028. Der Stamm Milt = Mil-t get auf Mal zurück, wie der Stamm Malv, Melb = Mal-v. Hieher noch die MaiUachy alt Mulah F. 1050, die Lothringer Md-in-aun-a Pard. 2, 470. 4 Stamm Mar, Mer, Mor, Mur Da die mit mar- anhebenden deutschen Flußnamen von denen, deren mar = deutschem mark ist, nicht unterschiden werden können, übergehe ich sie hier, und gehe gleich auf die Formen Mor Mur über. Hieher zäle ich die Muhr Muora, die Mürz alt Muoriza, die merfach vorkommenden Murg, alt Mur-ga (= Mur-ig-a, Mur-ac-a), die Speirer heißt bald Merga, bald Murga^ Pard. 2, 167 u. 2, 461. Die Mure Murra, die Meurthe Mur-tha^ die March^ Mar- gus. Zur Meurthe, Mor-ta, Mur-ta, fließet Aie Mort-ana Val. 360. Eine gall. Mor-ga Val. 329 (in Arvernis). Die Renelle hieß früher Marrona Val. 482, die ital. Orca Morgus Plin. 3, 16. Der mösische Mar-gus T. P. und die etrurische Mar-fa T. P. enthalten gleich- falls unsem Stamm, wol auch der franz. Mar-dr^tus Val. 163. Ebenso der Mar-one Pard. 1, 38, der Mar-l-ionis Pard. 1, 40, so wie der Mar-s-us Pard. 2, 229 mit der benachbarten Marsnpia (um Verdun) Pard. 2, 278. Die gall. Mora Pard. 1, 89. Aus der Wurzel mar haben sich die Stämme Marl und MarSt umgelautet Morf, Muri, MorSy Murs als selbständige Wörter entwickelt. Zum leztern wäre Beispils halber fons Mar- sorsa Pard. 2, 10 zu vergleichen. 175 Stamm Mo. Wurzel mi (gehen) Der Main Moi-nns. Vgl. Glück a. a. 0. Stamm Mas, Mos Die Maas^ Mosel^ Musel u. dgl., alt Masa, Mosa, Mos^ella a. 8. w. Daher auch der Mossaubach alt Mos-aha F. 1044. In amgelauteter Form finden sich Miso und Misiu T. P. in Italien. Stamm Mind, Mund Die EMshwäbische Mindel hat als Seitenstück einen italischen Mindo T. P. und eine spanische Munda, woran Mundo-briga (Mnndego). Hieher gehört wol auch die schwarzw. Schön-münzach als alte * Mnnta, früher * Munda. Anhang. Stamm Mac^ Moc, Muc. Wz. muc wie im lat. muc-os, slaw. mok^ (naß). Ich rechne unsere merfach vorkommenden Bäche Much, Manch, Muchel daher. Der franz. Morin ist als alte Mtw-ra YbI^ 364, ein Seitenstück, ebenso die ligurische Maora T. P. Ob die gall. Flüße Mag-n-ens Pard. 2, 158; Mag-n-eur-ia ib. 2, 29 and Maia ib. 2, 280 denselben Stamm enthalten, laße ich dahin- gestellt. Betrachtet man aber die Formen Sicola neben Sigola, Secauna neben Segauna, Seina, die für ein und denselben Fluß vorkommen, dann erscheint das wenigstens nicht unmöglich. Stamm Näbf Nav^ NiVj Nov Vgl. kymr. nov Bach Die JVaa5 Naba, die N(^e Nava F. 1066; NabalktF. 1068. Nablis vgl. den Nabelgowe, dann die Nau bei Ulm. In einigen Gegenden Baierns heißt man jeden Bach Nah, Schmeller I 1712. Hieher die britannischen Novios^ Nabios, Nabaios Ptol. 2, 6, 4. 2, 3, 1 n. 8. w. Die ital. Novaria T. P. der spanische Noehis und Naviluhio Vgl. Cuno a. a. 0. 71. Fluviolus Naon Val. 142. Nivtis Val. 262. Niv-er (Nieure) Val. 383. An disem Niviodunum. Hieher gehört die oberschwäbische Nibel, als alter * Niv-il-us oder Nivila', urkund- lich Nibul-, Nibal-, Nihil F. Stamm Nag, Nac, Wurzel nap^ nac (naß sein) Zur ersten Form zälen merere Nagelbiiche, dann die Nagold, alt Nagalta neben Nagala. Das It ist wol aus 11 entstanden. Vgl. Senkel unter Stamm Sic. Bei F. 1609. Eine Nackala F.« 1139. Hieher gehört der schwäb. Neckar^ alt Nicer, später Noccnra und der Schweiz. Neckar = Nic-er = Nac-ar-. Stamm Nad^ Nat, Nid, Nit. Vgl. skr. nad tönen nadi Fluß Die Nidda, alt Nit-ig-is^ Nida F. die Nidder ir Nebenfluß, alt Nit-om-a. Ein Verhältnis wie zwischen Nersa und Nersina, Andria und Andrisius u. s. w. Die Niedy von welcher der Nitach-gowe F. den Namen hat. Die Nethe, alt Nitha F. 1078. Eine Nit er u. s. w. und NiHssa (Nette) F. 1082. Leztcre stimmt zu dem italischen Naiiso Plin. 3, 126. Eine Neta heißt nebenher auch Nuta Val. 266 u. 20. 176 Pard. 2, 349. Mit ableitendem -r- vermert ist das die Nut-r-a (Noere) Val. 125. Mit verschobenem t (also mit z) erscheint unser Stamm wider in der Netze, in der Nesse, Nazaha F. 1142, und wol auch in den meisten Nesselbächen. Flieher auch der Nof- nr-bag F. 1099. Stamm Nar; Nars. Wui-zel sna (fließen, schwimmen) Hieher die allerdings noch nicht sicher bezeugte Neri bei Nierstein F.* 1142. Die Nicrs, Ncr-sa mit irem Nebenfluß Ner- schina (= Nar-s-in-a). Die Nor-aha F. 1092. Von welschen Namen gehören daher der unteritalische JVar, der umbrische Nar sowie der gall. Nar-ho, gebildet wie Arr-ab^ (Raab), der nicht phönikischer oder griechische!- Herkunft ist, wie behauptet wird, denn die Flußnamen sind älter, als die frag- lichen Kolonien und von den Phönikiern und Griechen übernommen, so gut wie die amerikanischen Snsquehanna, Missisippi u. dgl. von den Bleichgesichtern übernommen sind. Die NsQ-ova im Can- tabrerland u. s. w. Stamm Nas^ Nes, Nis, Warscheinlich aus der Wz. nad s. o. Nicsey Nisa F. 1080. Nisdenbach mit unorg. d wie Lardenbach aus Larbach s. Stamm Lar. Mit R anlautende Namen Stamm Rad, Rat Ratinpah, Merere F. 1141. Die Rodach, Radaha F. 1146. Rednitz Redantia F. 1146, Rad-biki ebend. 1147. Rfdel Raotula F. 1155; Rota, Rotahn, eine große Zal. Der Stamm Rat erscheint zu Reez verschoben in Rezzipnh, daran Rezzistat F. Ein Roto- magus an der Rota in Gallien, später Roto-bcccus. Val. Hieher die gall. Rade Pard. 1 40. Die Rot-Ofina (Le Retourne) Polypt Remig. 10, 8, die merfach vorkommenden Rod-anus, die Rhone, ein Bach bei Paris Val. 163, ein Rotanos auf Corsika. Stamm RaCy Rag mit den umgelauteten Formen Der Regen, Reg-ina F. 1166; der Rcgittbach F. 1107; die Rega bei Regenwalde, in der Nähe des Ptolem. ^Povyiov\ der RJieivbach, Rigenbach F.* 1247. Zu disen stimmt der ital. Rlg- onus T. P. Als härtere Formen stelle ich hier auch die Ricchina F. 1174 u. die Rivhara ib. 1179 ein. Es werden wol auch ver- schidene Ricken-, Riehen-, Reichenbächc daher zälen. Die Wurzel diser Namenstämme wird ri gehen, fließen sein, dieselben die in Rc-fitis Rhein, in Rin-aha b. Fulda u. dgl. Flußnamen vorkommt Das Wurzeldeterminativum ist bald c, bald s, bald ^, bald f. Daher auch der Stamm Ris, Rns Die Reifß, alt Rusa, Riusa F. 1188, die schwäbische Riß, alt Russa, n. dgl. Eine gall. Riissa bei Carpentoracte Val. 130; einen Rusavo, Risano, früher Formio in OberitÄl. nennt der Geoffr. Rav.; die gall. Risn (La Rize) Val. 26; die Risela (Rille) Val. 177 479. In Res'hcuns Val« 97 scheint der erste Teil ancli hieher zu gehören. Stamm Biv, Ruv Hieher gehört die Rahr^ allerdings nur als Rura überlifert. F. 1204, allein wie der Name anzusehen sei, lert die Ruwer b. Trier, die einBt Ruvera F.* 1274, Ruhera Pard. 2, 22 hieß. Damit haben wir den Vergleichungspunkt mit dem Rub-icOf dem Ruh- r^c-at-us (L'lobregat in Spanien), mit der Rivual^ha (Le Coalonge) Pard. 1,76 gewonnen. In der nicht umgelaateten Form erscheint der Stamm Rav im italischen Ravius Gartnlar. eccles. Ravenn.; im hibern. Ravios Ptol. ; im gall. nnd rätischen Rapidus^ ersterer Val. 360, lezterer Mohr, Cod. Dipl. R»t. Anhang Der Stamm Rac erscheint in nasilierter Form in der badischen Rench^ welcher der gall. Rinctus (Rance) Val. 12 antwortet. Doch vgl. den Stamm Ri und die Rinha, Graff. III 747. Mit S anlautende Stämme Stamm Sabj Sav^ Sev^ Siv Die österr. Sähnkh Sabinicha F. 1205, die franz. Sambre, alt SäbriSy der ital. Safo T. P., die brit. Sabrina bei Nennins genannt, der ital. Säbatus T. P.; die Sau^ alt Savus. Die franz. Sava zur Garonne, La Seve^ die engl. Sow ( Warwickshire) u. s. w. Vgl. skr. savara (Wasser) ahd. sou (Saft) slaw. sou-nati (aus- gießen). Wurzel SU (eflfundere). Vgl. Rev. celt. 2, 439. Umgelautet ist unser Stamm in der Seeve, alt Sev-ena F. 1325, in der Zeyer^ alt Sev-ir-a = * Sav-ar-a. Stamm Scab. Meines Erachtens ist dises Sc aus S hervor- gegangen, wie in Scalaha, jezt wider in der alten Form Sola F. 1230 oder in der gall. Scola, früher Sala Val. 529. Daher rechne ich die ScheflenZy alt Scaplanza F., was ich für älteres '''Sav-antia mit eingeschobenem 1 halte. Möglich bleibt indessen * Sav-al-antia. Vgl. die Al-es-m-antia, wo sogar zwei Derivations- glider vor die Endung -antia eingeschoben sind. Aber schon oben bei der LaUanza habe ich den Verdacht ausgesprochen, daß mir dises 1 als späterer Einschnb vorkomme. Vgl. unter Vis. Femer rechne ich hieher den Bach Scebhasa F. 1136 und die Schupf, alt Sciffa F. 1240, deren ff derselben Herkunft ist, wie das in Erlaff, Aschaff u. s. w., d. i. zunächst aus einem p und diaes aus noch älterem v. Ich meine also das sei Sav-, Scav, Scap-, Scep , Sdff-. Vgl. Sevara später Separa, Sepparis Val. 400. 526. Stamm Sac, Sec] Sag, Seg^ (Sig) Wz. sek gehen Die Sippachf aM Sicbach F. 1257. Die Sieg Siga Sigina F. 1264. Die merfachen Sechta^ eine baierische heißt alt Schtin- aha F. 1250. Das t kann unorganisch sein, wie in der Fecht, alt Pachina, also die Urform * Secina lauten. Hieher gehört wol auch die nassauische Seina, die wol wie die franz. Seine aus Birlinger, Alemannia Vm 2 \^ t78 * Segaua verkürzt iat. Von wolsctien Seitcnstacken nenoe ich die eben gedachte Seqti-ann, später Segnnn, die Sicia, Sie-era {La Cisae) Val. 570; dea Siffos, die Sig-onna, die Sitfa Nfl. der Gn- ronne, die Siega Pard. 2, '211; die Sie-nulii (Siole) Val. 524, dm apaniaehen Sic-oris Vita Lndowici Pii c 35, den Sig-mas, Sig- manos in Ariuitanien, den Sesomins, Sesmarits (Le Semoy) Väl. 533, wsB aus * SegiBomiris verkürzt ist. Das wirft ein Streif- licht auf die Städtenamen Segeeamo und Segesamunclo , (lestere» eia Deminntiv), so daß wir es hier möglicherweise mit Bnchnameii zu tan haben, wie in vilen gsll. Ortsnaaien z. B. Blavia, Glanum, Larga u. s. w. — Fielet Rev. celt. 3, m hat den Flußnamen Sig- selbst in Mauritanien Dachgewisen, waa allerdiaga ein ethno- logisches Rfitsel ist, es sei denn, daß in der Urzeit hüben und drtlben an den Säulen des Herkules ein und diselbe Rasse hauste, wie diaelbe Fauna und Flura einal vorhanden war. Stamm Sine ^ Sic, wie Sangona ^= Sogona (Saäne). CardcBsus II 137. 174. Hieher die SmJcel, alt Sinckalta F. 1267. In der Endung gleicht sie der Nagnlta. An neueres Flußnamen finden wir dises t bei der Schweizer laelt, dem franz. Hüraalt, alt Aranris und mereren anderen franz. Flußnaraen. Der älteste mir bekannte franz. Flnftname auf -Id ist der Crodoldtis (1012) Le Cron bei Paris. Val. 1R3. Er scheint aic.h Credo, Credo, (Crnon) an welchem Craon fridier Credonium, Crodoniuoi ligt, zu verhalten, wie Mos-ella zu Mosa. Die Form fürt zunüehst auf -allua oder -ollus zurück. Vgl. aber das Beiipil mit Concorcailnm, -aldam. Vnl. 1 52. Es gilit nach Fälle, wri Id aua Ic hervorgegangen ist z. B. Conaldum aus älterem Conol- Val. .555. Stnuim Snm, Sem, Sim, Siim. Er ist wie daa Beispil der Sanihre klar legt, genäselt und das m iat wie so oft in alten I V oder h heiTorgegangcn, Sabris, Sambra. Vgl. Sab- nites, Samnites ; ab und amb unter dem Stam Ab. Av. Sla^Snla. 7m lezterer stimmt die Schwarzwälder Scholhrck. Scheide ist älteres * Sal-ad-is. Den Formen Solms (Sulzmissa, -raiBan, =^ Sult-ni-issa, gebildet wie Ses-om-ir-is, aleo = • Sult-om-ifisa). SiiUri. Siilm, änelt die gall. SrilmaffMftria Pard. 2, 16, wol =^ Salmiinaria und vill. älteres * Saltmanaria ^ 9alt-am-an-nr-ia. Der Stamm Salt kommt in Gallien vor. Vgl. ausser der zweirelhaften SiaU, die auch Snl.i heißt, den Snitns (Sanx) Val. 323. Die Selz alt Saletio, gleicht dem unter Sal ge- nannten Sal-iit-us. Eine Ableitung mit d ligt in der SiUfla vor (Saude). Val. ;i23. Die Salm heißt schon büi Auson 36ö &J- mona. Sie kann natürlich aucb one das oben durch Analogieschluß vermutete t, direkt aus dem Stamme Sal hervorgegangen sein, wie die Sal-m-aaa (Vgl. Stamm Sim). Stamm Sual. Diser scheint mir aus Snl hervorgegangen za sein, Sual kann sich zu Sal verhalten, wie ahd, sueatav zu slaw. sestra oder wie scbwähisches Zwecke zu Zeckt. Dann würde die Sualbn daher gehören. Schwerlich Su-alba wie Tru-albo. Stamm SciU, ScuU. ViUeicht aus Sil, Sul gebildet, wie Scalt, Scal-d auB Sal-t. Die Srhütack im Schwarzwald. Sie orirmert an die gall. SctiU-cmift, welche Stockes in Kuhns Zeit. z. Vgl. Sprachf, VI 229 allerdings zu ir. scaltaini (ich spalte) vergleicht, indeni er disen Namen zum Flnßnamen Rod-anus hält, den er aus der Wurzel yad (rod) graijen, herleitet. Stamm Si'nnt, Sciiwl, Seond Die Sihmtdrn alt Scunt-ra F. und die Srhmter, alt Srtml-0 F. 1247. Die von Grimm gegebene Erklärung halte ich ßr nif riohtig. Vgl. gall. Scri«d-o (Kschandon) Val. 272. Schgtmdliv (Bach in Tirol) ;=■ Scand-ularia, gebildet wie Sahnaiinria (aqua) v. *Scnnd-ul-a. Jungwolsche nncbnamen »wA häufig die Adjektivfurin des ursprünglichen i''lul^ namens. Vgl. Calnncasca, IrfiTernadegSi Wmnckeii = ' San- neana u. s. w. 181 Zu dem deutschen Stamme Scut, welchen die beiden Schüt- ter Soutara, die Schied Scutticho F. 1249 und wol auch un- sere Schwab. Schüssen und Schoteach, alt Scuzna angehören, kenne ich keine welschen Seitenstücke. Aber ir Gefüge stimmt doch mit dem der welschen Flußnamen überein. * Scut-ara , * Scut-ina, Scut-ic-o. Vgl. den vorigen, vill. nur genäselten Stamm scu-n-t. Bei einer Reihe anderer Flußnamen, die mit Sl, Sn und Sm anheben, ist das Gefüge wol den übrigen deutschen Flußn. gleich, aber die Stämme haben keine welschen Seitenstücke. Hier muß irgend eine Kürzung oder der Hinzutrit eines anlautenden S die Ursache der Discrepanz sein. Es wäre z. B. möglich, daß Slieraffa, Slieraha u. dgl. erst in der deutschen Zeit ein S bekommen haben, was ja vor Liquidis gar nicht selten vorkommt, so daß dann der alte Stamm Lir vorläge, wie in Xim, was wie oben schon gesagt ward, ein keltisches Wort für Fluß ist. Ebenso wäre das Aus- fallen eines Vokals zwischen S und der folgenden Liquida möglich, wie er in rätisch-deutschen Namen oft vorkommt, z. B. der Bach Schlatein hieß Selatunnus, was der gall. Salatus ist, nur um ein Derivationsglid auf -nn vermert. Könnten unsere Schliechem, Schmie u. dgl. nicht solche Bildungen sein? *Selicha, Semica oder dgl.? Der Ton muste eben bei dem Ausfall des Wurzelvokals auf die Derivationssilbe vorrücken. Die Tiroler Scfüum- und Schlim- bäche sezen jedesfalls älteres Sal-urna, Salerna voraus. Diso schwinge Sippe will ich also hier übergehen. Vgl. Schluderns = ^ Salatnrnis vom dortigen Bach zubenannt. Ich möchte hier nur noch einige Bemerkungen anfügen. Spira die Speier erinnert an den niderrhein. Bach Sparen, an dem Spir- nerisveld lag F.' 1363. Man bat lat. spira (krumm, Brezel) da- hinter gesucht, was jedoch ser unwarscheinlich ist, da wir sonst nirgends specißsch lateinischen Flußnamen begegnen. Die mir be- kannten lat. klingenden, wie der ital. Frigide, die gall. und rät. Rapidus, Sordida. Viridis, Longa, Argentarius, Gutta (die unserer Watach, Guta, änlich klingt), der griech. klingende gall. Cyaneus u. 8. w. haben aber bei näherer Betrachtung ein älteres Gefüge, sie sind nur lateinisch, resp. griechisch aufgepuzt. Alle alten Flußnamen haben ein ureuropäisches sogen, indogermanisches Gepräge, weshalb sich eine zimliche Anzal von Namen in Thracien, Griechenland, ja selbst in Indien widerholt. Wir können darum auch nicht behaup- ten^ daß unsere alten Flußnamen nur keltisch seien , wir können nur sagen, daß die meisten unserer Flußnamenetärome in notorischem Keltengebiet sich wid erholen und eine merkliche Anzal derselben Etyma darstelle, die sich als Appellative für Wasser, Fluß, Bach, Meer oder dgl. in diser Sprache, z. T. biß heute erhalten haben. Wir können daraus nur den Schluß ziehen, daß die specifisch germanische Ortsnamengebung eine beträchtlich jüngere sei und daß unsere Altvordern eine große Zal von Namen, hauptsächlich Flußnamen, von iren Besizvorfaren übernommen haben, daß die 192 GermaDen hucIi im mUtlHren uiiU uürdlichen I )eiiUcLlaud aicltt Id eino Einöde eiDgowaiidei't, soiideru frühere Desiiter des Landes verdräagt haben müsBeii. Ob sich weiter Im Oateji specifisch ger- manische Naineoreste erhalten habee, mößen allerdings mühevolle Spezialuntersuchungen ilartun. Sicheriich iet manchuB nur elaviische ZustusuDg, was im GrundetuL-k auderasprachiger Herknnft sein wird. Mit V, W anhebende Stämme Stamm Vac, Vic. Vag, Vig Hieber aale ich die Viihalis, Waal V. und die Werre, Wa- harna F. 145T. Erstere ala ursprüngliche Vachalia, leztere als Wach-arn-a (= erna, wie At-em-us). Im Umlaute erscheint der Stamm in der Elsäßer Wichia F. 1511, im Wkkibaih F. ili. JJisen entsprieht der ital, Vico Cod. Trad. eocl. Ravenn. p, 26; der Victtus T. P. Vkinotiia (Vilaine) Val. 602. In der Urform die Lusitan. Fff'twt (Vouga) Cuno 71. — Als Vag, Veg erscheint der Stamm in der gall. Vey-cris Val. 72, Stamm Vail, Ved. Wk. j«? naß sein Vcilu Wiete F. 1492. Wediaa-hach (Wiehelsbach) F. ib. Die Weiler mit der Wcdereiba, F. 1S18. Die VevM, alt Vül-r-us P. 1521; der Wiedhiu-H, alt Wida P. 1512. Der VFirfeiefincA Weil- baeb F. IflSO. Vgl. hiezu den Vid-assm {Vyi.); die gall. Vedin F. 570, Vidula {La Vfile) Val. 603, neben Vitula, wie Vilr-urlns (Bidourle) Val. 141. Die hibern. Vid->M, die britann. Ovidtja bei Ptolem. Ich zäle auch unsere Wtn, alt W^ifu F. 150T daher, als alte * Ved-av-a. Zweifelhaft sind aber Vuidus Oder F. 1507 und Weita/iu, obschon das alte a in ei iibergehen könnt«. Vgl. At-ern-us, Eterna und Ettraha neben Eitraha, Viiidrua wird jedoch für Viv-adr-us stehen. Vgl. Fluviue 17t'e in Flandern F.« lOSI, ia welche Gruppe die Wuj'fter gehören kann, alt Wippera. Vgl. wegen dos pp die Sepparis ^ Savara unter Sav. Stamm Vim, Vom Die Wümme, V!Bmms,V. 1495. WimarcaF. 1.^38; die gall. Virniiia (Vime)Val. 609. Italisch Vom-mium F\ia., desseti o(u) sich üu i(e) verbült, wie in Rutupa zu Ritupa oder in Bodoniam zu Redoiiium (jezt Redon) Stamm Viir, Ver, Vir, Vtir Die Wolira, Vara F. 1480. die Wem und Werre alt Wa- F. ibid. die Wernih alt Warinza. Die Wers Werlsalia (^ Var-isa). Disen entRpricht die gall. Varinna im pagas TeUsa F. a. a. 0, Der südgall. Vnnts Plin. 3. .'i; die Vanisn zum Pu T. P; die Vera, auch Vira Val. 98 (Ve). Der gall. Var-Wio oder Varatvm Pard. 2, 10. Disen reiht sieb an die Varcinm Val. 16 =Var-ac-inn-8. In Unlieber Weise wird der Stamm Wtin», Virm in Vur-m-, Vir-m- gespalten werden müßen, daher unsere Warmetiau, Warmanou F* 1.151:), jazt Aue, sohin nur noch dif r erfaslten, änlich wie im ratiscben Ortsnamen ItUichcH aoi 183 altem Ag-ant-um; ag (coUis), d. i. zunächst von ^«/-un^ica (civitas), eine Bildang, die sich in franz. Ortsnamen oft widerholt. Ferner ziile ich hieher die Wurm F. 15.54, die Wirrnma Wurm F. 16. Das erste Element Vir fanden wir ohen im Flußn. Vir-a. Ob das dem einfachen Stamme folgende m ursprünglich oder aus n oder Y(b) umgedeutet ist, lasse ich dahin gestellt. Ich vermute aber ans n und vergleiche die gall. Vemela indem ich nicht an- neme, daß hier gall. vem Erle vorlige, wie in Vernodubrum (Er- lenbach). Ich vermute also einen Urstamm Varn für Wirm. Stamm Vis, Ves Die Weser, alt Vis-urg-is, jünger Vis-ula und Vis-ar-a. F. 1499. Zu disem Stamme gehört auch die von Hebel besungene Wiese und wol auch die österr. Wisc^ F.* 1623; dann die Wieslauf Wisilaffa F. 1554, deren Endung der Erlafif, früher Er- lauf (Arlapa) gleicht. Das 1 ist mir verdächtig, wie in Schefflenz und Lublinza, doch kann es altes Suffix sein. "^ Vis-il-av-us. Vil- leicht ist es älteres n affa, deutscher Zusaz und der Stamm * Visina. Allein ein deutsches affa .ist selbst problematisch. Weitera Bachnamensammlungen werden wol einmal AuÜBchluß geben. Im Allgemeinen ist die Endung affa als Suffix zu be- trachten, das get deutlich aus dem vordeutschen Arlapa hervor, villeicht auch aus dem Mailänder Bach VaUabia Fumagalli Cod. 8ant. Ambroe. p. 55 neben der ein Bach Yebra, Vepra vorkommt. Uebrigens sind dort 3 Bäche bei einander mit ganz änlichen Namen. Vgl. noch oben unter den Ableitungsformeln. Zu unserm Stamme gehört die gall. Visrona (= Vis-ir-on-a) F. 1559. Visorontia Greg. Tut. H. f. c. 36. Visnonia etwa Visronia?) Coursson a. a. 0. 1, 403. Die beiden Visera (La V^ere und Haut-Vez^re) Val. 614. Die italische Ves-id-i-a, T. P. Stamm ViUp Die eine und andere Wolfach, der alte Wölpach bei Ochsen- hansen, sonst freilich auch Woltpach. 11. Jhd., jezt Goldbach, könnten daher zälen. Eine rätische Vtdpis, Vulpera nennt Mohr; ein gallischer Viüpis T. P. unweit des Varus. Stamm Vtdt Die Lenndach, alt Yultdraca Val. 64 enthält denselben Stamm wie die gall. Vultunna Val. 125, die auch Vulturnus heißt Val. 188, jezt Bautonne. Das ist der ital. Volturnus, Möglich, daß diser Stamm auch in der Fulda steckt. Vultra- verhält sich zu Vult-, wie die Flu. Notr-a, Vedr-a Isrus zu den Fln. : Nota, Veda, u. s. w. — Nachlese In der Schweiz findet sich ein Bach Wigeren, VgL die gall. Vigera (la Voire) 588. Zu der Wiener Wien (Vienna) stim- men d. gall. Vienna, (Vigenna, Vingenna^ Vicenna, Vincenna). Alle Formen kommen für ein und denselben Fluß vor, merere für ein- zelne derselben. Die meisten heißen jezt Vienne oder Vingenne. Ein Bach bei Sindelfingen heißt die Schmpp; diser entspricht La Suippe, alt Supia, Sopia, Soppia. Val. 539. Ist der Name unserer IBi Schwipp ftUer vordeutecli, wie der vilur anilero kann auch die merfach vorkommende Sau z (OA Biberach) ein nltes Sani d. i. WusBer ae; Auch die Lotie halte ich für vordeiitach. Wem hat, wia die Ldn in röm. Zeit hiefi, ao ist das Inna, als der ital. und brit&nii. Fluß Lt eiod Lav-us, Stamm Lav-, wie im Lav kleineD Bäche, so B. bei Aepfiiigeu Sih Stamm Sav. 3ie Luna geheißen I wenig; der Moud Lob bedeutet. Uite Laber, i aber * Luv-na, Luvaan, Lunna und wol nur dem Int, Luna angeglichen. Auch der Kocher iat nicht deutsch. Alt hei&t er Coch-ana F. Der Cliuchililach gehört wol auch daher. Ka ist eine Frage, ob das Cb, C uraprüaglich ist, da die Eichel auch ab Co'iuila vorkommt F. 88, wärend sie eine Aquil» ist. Einem Stamm Coc bin ich in welschen Flußnamen bißher nicht begegnet. Doch klingt der etruriache Floßn. Caec-inn an. Die Östr. Uurk, alt K6gx-og-aQ, enthält denselVteii Stamin mit dem nnter italischen Carc-ines, die Krems, alt Chreniiao, mit der ital. C'remera. Ob das =^ Car-am-is-a, Car-am-era aat'sufaBseo sei, ist fraglich; wäre dem ao, dauD glichen die Namen dem ga'l. Caramius Psrd. 2, 488. — Mit der scbwäb. Kupfer künnte der ital. Caffarus identiach sein, wenn man eine hliufig eintretende Trübung von a in u und Ueber- gang einea älteren fT in pf gelten läßt, haben wir ja such slufT □eben alupf u. dgl. Der Graubündener SeeiZ, alt Scdes (Mohr Cod. D.) entspricht die gall. Seda Val. 116 u. eine fed-atia Val. 16. Dio baierische Valdepp, kann eine alt« * Valtahia sein, denn die Mai- länder Veltahift heißt jazt auch Vecchebbia. Der Bnch No/la bei Feldkirch ist offenbar * Novilus. Vgl. oben den Stamm Nav. Dio arlberger Roaanna stimmt zum ital. Ruaauo a. Stamm Rie. Un- sere Werlfii^k alt Virdo bei Venaot. Foi'tuualus hat die gallischen Virdo (Verden) Val. 177 unä Tertus Foua Pard. 476 zur Seile. In der alten DucliDnia sollen nach Dr. Roth mererere Bäche WanHC genannt, vorkommen, man heiße dort überhaupt jeden Bach Wanne. Dna veratet mau wol, wenn man in den alten merowiugischen Ur- kunden list: (Jar 5bS) cum piscatoria, que appellatur i-antia (Iiei Paria) que noatrie foreatia est. Pardusa. 1, 117 und noch öfter. Winina ist fixhivasser. Vgl. den seh w ab. Bach I'tschcnt b. Waldsee = piacatio, wie Vochenz aua Fokatia (Kuchen). Jar 1196 Flumen Fersrka (Schweiz) Geschieh tsfrd, der V Orte VIII 15G. Diu Verse, Nfl. der Ems. Das stimmt zur ital. Verea, wie ein Neben- fluß des Fo heißt, denn welschea V wird in der Regel romauiscb- deutsches F; Z aber Seh. z. B. Garza: Garsch. Nun hieß aber dise Verza einat Var-usa, T. P.. aohin wird wol auch Ferscha aus Varus» kommen. Dio Schweizer hoiverz erinnert stnrk an den Tiroler Baub Lovernadega bei Lover im Ncruaberg, an den Bach Luver bei Obia- die Lofer an der baierisch-tiroliachen Grenze, also an den Fluß namenstamm Iaio. — Lowerz kann nun seiu Luvertin» ■eil. aqua, wie Lo verna-dega =; Luvernatica ao. aqua iit. Vgl. äquale Logerluia bei Mals J. 13StJ, Mohr C. D. Rh. 4, 104. f 185 a. g stehen im Romanischen oft für einander, wie z. B. Blat;ien8i8 j. le Bhii^uez; caput certnnum: Sacerge; Gat;ea j. Ga^ia u. s. w. Ich glaube nicht daß logertina == Taquetina ist, wie Steub will, sondern ein Adj. y. Lovers, wie Mamertinus aus Mamers. Welsche Bache haben oft Adjektivform so Scandularia, Galancasca u. s. w. Es ist das Adjektiv aus dem ursprünglichen Flnßnamen Lovera, Soandola, Galanca und immer aqua zu ergänzen. Ich habe nur in groben Strichen widergegeben, was bei feinerer Zeichnung überzeugender ins Auge springen müste, aber dise Striche dürften doch das deutlich gemacht haben, was ich eingangs dises Aufsazes behauptete. Meine reichhaltige Sammlung von Flußnamen könnte wol mer Belege, aber im Großen und Ganzen kein anderes Resultat lifern. Deber die Richtigstellung ein- zelner Stämme ist nicht das lezte Woi*t gesprochen. Ehingen a. D Dr.MRBuck Urbar von Beuron i) Anfang 14. Jhd. Hecfuntpraedia (bona) possesionesCanonicorufnPreposifure itiBurre. vffen dem Honberge ee Herbrismler*) o Virich uffen dem Honberg buwet einen hof, da hftrt in: in dem esche gen Liiprantzwiler ') ze Tobelftige ^) daz nider laut, lit zwischant Wingarter ^) gut. das ober laut, lit zwischant Sen- gebers *) acker vnd Wingarter. an wisan ain jucbart vnd ain acker am hof. vnd ain acker, dez sint zwo juchart, lit derbi. bi dem wasserstal anderhalb juchart, züchet an die Strasse, zen geran zwo juchart. zem fürte '') gen baidebremen ain laut, in braithaidach ain juchart. gen Sürfach ^) in haidach ain acker. in dem esche gen Huweuhaldun drie juchart, ligent ob dem ftige. vor Ttobel ^) flige lit ain acker. zem niderne molberböme lit Öoh ain laut, zem obern molberböme lit öch ein laut, vor chos holcze vffen benczen berge ain acker, ftoffet an Senbers acker. ze Halmen '^) huse ain juchart, ßoffet an KöUin. ob Haimen huse aber ain lant, lit zwi- schent Wingarter gute, vf benczen berge ain acker, zvhet vber die Strasse, zem stocke ain acker, vod ain lant, lit bi dem ftocke. in dem esche vffen haldun ain jucbart, stosset an den hof. der ander hofacker, des ist anderhalb juchart, ftosset an die Strasse, der nider dornacker, des sint zwo juch., des obern dorn ackers ist anderhalb juch., * vnd ain lant vffen haldun, ftosset (Ib) an den weg.'ain acker vnder haldun, ist ain juch., ain acker ob Wielancz 1) Sih Alem. VI 181 ff. 2) Warscheinlich im Ravensbjargor und Ilmenaeer Gebiete, abgog. 3) Alem. VI 17 ff. 4) Alem. VI 159. 5) Bei Ravensburg. 6) Senojeler wird es heißen müssen. 7) Alem. II 240. 8) Siessen Ob A Ravensburg, sih ahd. Sioza Augsb. W 387 ff. 9) Inn- tobel und Einhalden, Ravensb. 10) Erinnerung an den Namen der Heldensage. Grimm DH 2. Aufl. Register 416 ff. 186 wise. Kein uberu buclie ain jucli. awiBL-haiit lieu bödierD sin liint zu dem nideme buch ain laut, zetu aiderne buch sehzeheii furlic. ze buch tem etige itiii juch. zeni ergeller ain juub. ze EAltabrUDOeu ain juch. dirre vorgescriben hof giltet jdrgelicb aht scbiU. Coetentzer phenuinge vod git ze vogtreht zwea Hchefib! babern Ratiensparger roes. dise nachgeschribeiie wisa boreiit in den Bulben hof. ze a Colbrunnen ain halben mans cnat. viid ain büude, obern tiinlin sin wisHeuhe. zeui loche, ze der boscbahtun wiae Ut ain, an dem weg, lit öch ain wis- I der betwüu I baldiiiduo Liiprehtzw. lit Öch ze Lüprehzv vDdern tünneli lit öch s Öch ain wiaflecbe. vtider tlecbe. ob der SjMcberinnni gul öch ain wiaäeche. ain trittail, viid danne an der betwise ain mans tnut. : bünde öch ain wiefiecbe. ze Wielant viieaa ain maoa mat. ohös holcz lit vf dri tobel bnlduii, rtoffet au der berren holcz von WJd- garten. vnd ain holcz, lit vf stoobabs balilun. Uee sunt in jiofsessiones in Siggenkorb '|. Pa lit ain bolcx, haiBset Weczzela halde; du Kiiliet abe von chös holcz au die obunin röti, zo aiin böme, haisset der tdnneler, vnd von der marke übero weg in daa banholcz, vnd vooi biinholcz in Mätzeluu müli, vnd von MäczeluB müJi in Wielantz wisa, vnd von Wielauon wiflsn heruf gen (2a) Gerolcz aigen, vnd von Gerolcz aigcn ob den laimeu bin vnez in den Moabach. was zwischnnt disen marchen lit, das h<^ret alles gen Siggeukorbe. vnd nin brAl, des aint nun tnamieit roat, baisaet Siggenkorbs brül, lit bi Hnscnwiler ^). gant i&i^elich von disem vorgeacribenen hof vierzehen Schillinge ziiis Costentxer phenninge vud git ze vogtreht TiiDf achefibl haberu Rauens- purger mes. Bec sunt possessiones in Hüteenlmldun *). ain acker lit xer zdbnn, sind drie juah. an den btiiideo vor der haldnn drie jach, in dem obern esche vier juch., ligent hinder dem huae. iu dem ni- dem esche zwo jncb. Iu der oberun rfiti drie jucbnrt, der aint dar zwai tail vuser vnd da« drittail der berren von Wingarten. von dem hof gant i&rgelich zwen Schillinge Costenczer ze zins. (2b) //»; sunt /tosHessiones m BeczzeniiUi. in dem esche ob dem gevelle lit aia gebraite, der sint aehs juchart, ziihet von aiuem bache zfi dem andern, vnd ain lant lit vf dem gevelle, vnd ain JBchart lit an der kürczi, vnd ain gebraite ob Liechteiiegge vf der ftaige; der sint fünf juchart, vnd ain juchart vor dem walde, vnd nin juchart zem ftocke, ftosaet an den andern bach, vnd ain acker zer b&chun, des ist anderbalb juchart. vnd ain juchart üt dishalb dem andern bache. ain juchart lit in dem walde an dem gemain- merche. in dem esche ob der egge ligcn acht juchart. zu dem wisber böme ain sätelle. in dem esche gen Krumbach *) drie juchart, ligent an 1) Korb bei Fronhofen, Ritveuah.? 2) OA Ravensburg. 3) Eio- balden, noch im Lö. aec. Hünfaaldea (Baiimann). 4) Bei Deggenhaasen, PfnUendorf. 187 dem bWÜ ^), siosseni an die rossa. vor sehaldun ob der kürtzi aiji juchart. ain juchart stoffet an das müseli an den weg. vnd ain jiichart zühet vf die haldun. vnd ain gebraite darvnder, der sint drie juchart, ftossent an die erla. vnd drie jachart zer swingrube. des nidem vfg&nden ackere iTb ain juchart. ain acker vor sehal- dun, des ist öch ain juchart. vnd an der kiirizi zwo jachart. Tnd an dem obem vfg&nden acker ain juch. ain hof acker, ain halb jachart. vnd darander öch ain halb jachart. vnd ain acker, lit in der clösen. die wisa des brAls sint zwai mans mat vnd an den wisan zwai mans mat vnd zwen wiseflecken zem wisber bome. vnd zer Xleinwis ain wisflecke. vnd die gewalczami höret allü wider in den hof, was ze dem dorfe ist. (3 a) B^ Bis^). des sint drizehen juchart. vnd ziehent von Aeblins holcz an Ybacher esche, vnd ain holcz haisset Bot Biser* hcicjs, vnd zuhet von des maiers esche von Ybach vf die haldun an rficzen tobel, vnd von ruczentobel an Möczelin müli, vnd git dritzehen Schillinge Gostenczer zins, vnd ze vogt reht zehen viertel habem. vnd ain brAl lit vnder Ybach, des sint sehs manne mat, haisset Bot Biser brAl. In Boshasela. ain wise bi der balligen hos von Tlmense, vnd ftoffet anderhalb an den bach. vnd ain wbflecke ennent dem backe in phözzach ^) gen Aehenböge ^). vffen dem letten ain juch., lit vnder der von Salmanswiler acker. vnd ain juchart lit am buhs, ob des von Hornstain acker. vnd me danne ain halbü juchart, lit vor dem mose vnder Ylmensewer acker. (3b) Hec sunt possessiones inFridelinsiMer ^). ainen hof buwet dv schedelerin. da hftrt in ainem esche gen dem vftgelsange, der widun acker, des sind zwo juchart. an der haldun ain laut, lit vnder hagenowes acker. vnder ene ain laut an der haldan ob der Dyepoltzhaimer acker. ain lant lit vnder Wingarter acker. vnder dolun ain lant, flösset an Crüczlinger acker. ain lant lit ob Hage- nöwe, ftosset vffen Wingarter acker. vnd ain lant, haisset dii kürtzi, ftofTet vffen Dyepoltzwiler. ain lant lit vnder vqsere vrown acker. ain lant lit äffen staige. vnd ain laot, haisset der dornacker, lit ze Happenwiler. vnd ze dem gerüten acker ain lant. so man dis alles ze samen gescleht, so sint sin süben juchart. in dem esche gen Capelle ain lant, lit bi Hagenowes garten, des rietackers sint swo juchart, lit zwischant Dyepoltzhaimer acker. zer holtz affal- trnn *) zwo juchart. huiden am berge zwo juchart. dis wirt alles •ehs jochart. in dem esche gen Frunnöwe: ze Bainhartz loche drie jachart. am clusener lit ain lant, ob dem espan ain lant. z& dem anwander ain juchart. im erlach zwo juchart. dis wirt öch sdben jachart. ze Hagenen (4 a) lit öch ain lant. ze tiiffen wise 1) Alem. VIII 8. 2) Rothreis bei üeberlingen. 3) Alem. VI 156. 4) Echbeck bei Heiligenberg wie Boshasel. 5) Abgeg. Salemer Urkdd. Lage unbekannt. 6) Alem. VI 38, i VU 92. 188 Bin mans mat. vnd martiiiB böme ain bleizli. ze ror wise aio bleczli. in dem oiderne riet ains halben mans mat. in dem obem riet öch ains halben mans mat. in mose öch zwai bleczlin. ob G&n wise öch ain blecsdi. ze tobein zwai bleczli, an der gemainun wise ain bleczli. vnd an den wisan, die do haissent die gemainde, da hant wir das vierdentail an. in des &mdewise ain bletz. ain holcz lit im erlat, vnd ain jnchart lit vnder des abbtz holtz yon Wingarten. ain lant lit vf haldnn, vnd in gampannun ^) ain jnchart aokers. ze tdbeln ain jnchart, vnd ain lant lit in der hüttnn nebent Cruczlinger gat. von dem hof gant i&rg^lich zins vier Schillinge Costenczer. (4 b) Hec sunt possessiones quas häbemus in Gaigenheim ^), In herren hof von Bürra. in dem esche vor dem aicholz zwo juchart, lig^nt zwischant des wanners ackern, vnd ain lant, lit in dem wiger zwischant Gaighains ackern, vnd ain lant^ lit ob Grftmlichs bünde. vnd ain lant, flösset an der vröwan gut von Honen, vf den haidan me danne ain juch. itosset an die her ftrasse. dis wirt alles sehs jnchart. in dem esche gen Bebenwiler ain jnchart, flbosset an das wiler ze Gaighain. vod ain jnchart, zühet ob dem wiler hin, lit vnder G&nselins aoker. vnd ob Genselins acker zwo jnchart. ain jnchart ackers, ist nun holtz, lit ob der viselun. in dem esche vor der viselun lit ain acker, des sint zwo juch. ftossent an die herstrasse. vnd flösset an die herstrasse ainhalb. vnd ain juchart lit vnder der herftrasse, flösset an Genselins g&t vnd anderhalb an die herstrasse. ain juchart lit ob vnseran wisen. vnd ain juchart ob der grossen aiche, lit öch ob vnsem wisen. ain laut, ftosset an die flraffe, die durch Gaighain gat. ain lant hört gen FrnnÖwe an vnser vröwen, des ist das drittail vnser. ze Gaighain drü manne mat wisen. in viselun tobel in dem bache zwai manne mat wisan, vnd gilt i&rgelich vier Schillinge CoCtenczer zins. (5 a) Hec sunt possessiones quas hahemus in Juntufiberge '). in den maierhof der herran von Bürra, den Herman der maier buwet. in dem esche vor dem buche lit ain gebrait, der sind vierzehen juchart, flösset an das buch, drie juch. stossent ain halb an hagenne wise vnd anderhalb an das buch, ain juchart haisset du kürtzi, flösset an hagenne wise ; vnder hagenne wise ain halb juchart vnd ob der wabnchun, ze lingen ^) stat, lit öch ain halb j. in dem esche vor der lindun hinus ain gebraite, der sint vier j. flossent an die lindun. an dem krumben acker vier j. vnd zwo j. an dem steinacker; drie j. ligent ob den herweg ackern, vnd an dem loch acker drie j. in dem esche hinder der kilchun lit ain gebraite, der sint sehs j. hinder der gebraitun lit ain acker, des sint aht j. vnd drie j. flossent an der hailigen acker. vnd ain bröl lit ze egelun rüti, 1) Wenn es nicht zu gamper, gampen = Abhang (Hundersingen b. Riedl.) fi^ehört, so dürfte es romanisch sein. 2) OA. Ravensburg, Filial von Kappel. 3) Judentenberg. 4) linken. 189 des sint vier luans mat, vnd der Walkun rüti ains mans mat. in hagenne wisa zwaier (5 b) manne mat. vnd in der gnrgelnn ains mans mat. vnd hinder der kilchun ains mans mat. dis höret alles in den bof. In des boltzmanns leben, das bawet Hainrich der Gaisser, b6ret in ain hns vnd ain schüre vnd ain garte vnd ein böngarte. vnd in dem esche hinder der kilcban lit ain aoker, des sint drie j. vnd in entzinchaldun ain j. vndenan. vnd ain j. ob dem zil. vnd ain j. hinder der kilcban. vnd vier j. an dem rossen bAhel. in dem esche vor der lindun ain j. lit an der baldun. vnd an den braiten acker drie j. vnd an der loch egerdnn zwo j. in dem esche vor bfich, in der Walknnrüti, drie j. vnd ob dem herweg drie j. vnd vier mans mat in egelnn rüti. vnd ains mans mat in der Walknn rtiti. vnd ain bletzli lit hinder der kilcban. vnd in dem kämmen (krummen) mose Öob ain bletzli. vnd der selbe Hainrich der Graysser bawet ain leben, haisset das öde leben, da (6 a) hftret in: ain hofstat vnd ain bünde. vnd in dem esche hinder der kilcban zwo j. ligent an der haldan. vnd in entzlins haldan ain j. vnd ain j. vf dem rossen bAhel. vnd zwo j. ob dem böngarten. in dem esche vor der lindun ain j. lit ob dem scbdnler. vnd ain j. hinder der bünde. vnd ain j. hinder dem braiten acker. in dem esche vor b&che drie j. ligent ob dem herweg. ain j. in der Walkan rüti. vnd wisa vier manne mat in dem brül ze egelun rüti. vnd ains m&nns mat in Walkun rüti. vnd ain halb manns mat bi dem spic- zigen böme. vnd ain wiseli bi dem schftnler. Hermann der Genseier bawet ain bof, da hftrt in : ain bus vnd ain schüre vnd ain garte, vnd in dem esche hinder der kilcban ain acker, des sint drie j. ligent ob dem zil. vnd im scl&tte ^) öch drie j. in dem esche vor bfiche zwo j. ob dem scl&tte vnd ob der hagen wisa drie j. in dem esche vor der lindun ain j. lit ob dem herweg. vnd vor der ge- braitun ain j. vnd vor der gurgelun zwo j. vnd drier manne mat wisa in dem riet, vnd ain halb manns mat im scl&tte. Taig rftscbe bawet ain gut, da hftrt in ain bus vnd ain garte, vnd in dem esche hinder der kilchun ain acker, sint zwo j. ligent vf dem rossabAhel. vnd in entzlins haldun zwo j. ain j. an brnnnen acker. vnd vffen dem stümberge zwelf j. vnd wisa, drier manne mat, ligent in der snötnn. vnd ain mans mat vf dem boyan, (6 b) ain mans mat an der niderun wise, vnd zwai mans mat vffen dem, stürnberg an der obrun wise. vnd dis gut ist vmbzogen mit marken von dem winterböme vncz an ftorren egerdun, vnd von stormn egerdun vncz der m<, vnd von der m<e vncz vber den krummen acker, vnd von dem krummen acker vncz an den fuhseller vnd von dem fuhseller vff den rossa bAhel, vnd von dem rossabAhel vncz an den Dürrer weg, vnd denne den weg abe vncz an bürcbelin knippen acker, vnd von knippen acker vndenan in entzlins haldun 1) Alem. Vi 10 ff. 190 rnd von entzlios hatdon alles die ftras vfber vacz im sclStl«. da lit Ain marohe, vnd von scl&tte tdcz hin an münchmaigers bäohe, vnd von münchmaigers liDche vncz zu der swingrübe, vnd von der switigrabe vncz an BJlligiin stettcr bäcb, vnd von afiJigiia stetter bäcb vncz in Walkiin nlti, von Walkun TütJ vber die wa- bäch zä dem Ackerlin, vnd von dem äckerlin vncz xa dem negen- den ') böme vf dem atürnberge, von dem negenden böme vncz zfi dem krummen mose. von dem krummen niose vncz herwider vmbe zem Winter Lome, (7 a) Hec sunt possessitmes, quas habemus in Wal^trtiti *), quas colli Berhioidus der Settner. da zu Lftrt oin hus vnd sin garte, vnd in dem esche vf dem Spechtzharde lit aiti acker, des sint zwo j. ligent ob dem rängcller, vnd zwo j. ligent ob dem Selnboner. in dem esnlie zu den haldan, ob dem bfingarten, lit nin tant, dea ist me danne ain halp j. vnd ain j. lit zu dem müselin " " ' lit vnder dem Selnboner, in dem j. ob dem Selnljouer. vnd ain last lant lit vnder der leben vrAwn acker. halbii j. ob dem Selnli vorderen eache. zen haldi stoaset an den brßl. vnd ain j. lit vffen dem berge, ob dem Sengeller. vnd i lit vf dem berge, haisget der böngai-te. Späterer Eintrag: et vnum pratum iacet in Zell im riet vnd tin krautgai't lit 7« Pfullendorf vor Gepaen tor. EbenfallB: item vff ebnid ig j. hinnan au der gebraiten ftoil die hioder anwant vff den museenliacb vnd i j. da ftrckent die drig vordi'igen vff. item viT raenozenborg HI j in Tiera ij j. ligent vff dem hooligarüt. item i j. an etromen ßfebraitcn der aiiwander — — , in Aa vndren znbenwis in dem egel(BGwe) ij wislilctzli aint mansmad. item V j. in dem grübli an der hohen egerden aint halb der hoiren von Bürre. {7 b) Hec sunt posseasiones, qttas Itabanus in Wessingai^). in dem hof, den der grawe häwet. in dem eacbe vf dem ebnit lit ain acker, den ist drittehalb j. zuhet ob Wernhers dea groasan acker hin. ain balb j, lit bi dem vBsern br&l. ain j. lit vf dem bl&ling, ftoseet an den grosse]!, vnd vnder dem blälinge ain j, lit ob werndi'üt acker. vnd zwo j. in der ftwe. ain j. lit ob finem acker, vnd ain j. darunder. vnd ain egerde lit im langen rain, der siut zwo j. in dem esche, im viera, ain acker. ob Bertal sint zwo j- ligent vnder hAmerlins acker vfien egge, drie j. an der atraese. vnder der strosBe im vier» zwo j. an zübun wise oin j. ob zübnn 1 egerde, der ist ain j. in dem escbe gen lohs wise, vnder dem her weg wasen ze lohs wise, vnd ai j. ob der hindrun lobs wise, miiBRenbach. vnd ain j. lil kilwiger. vnd ain bolcz lit glltt«r. vffen loimen tal drü darob ain j. vnd ain J., zühet vf den u j. lit zwischant den lohs wiaan. aio stoaset vir claus gat. ain j. lit vf dem i, a.n Bieinger ftige. ain j. baisset der ze Wiler, des ist ain j. mana mat, vtid gat die Strasse entzwi- I) neigenden. S) Kleiner Ort BA ITiillendorf, Baden. 3) Holien- J 191 schant hin, an Sifrides wis ain mans mat. in den gründen, in langen raiD, ain mans mat, flösset an vnser egerdan yffen lohs wis. aln mans mat stosset an sant Peters gfit vff Zimmerer wisan, ain mans mat flösset an bogensohützen. (8 a) Hec sunt possessiones, quas habemtia in Dormetingen *). in dem hof der berren von Burra. in dem escbe zwiscbant dorferne iit ain gebraite nebent bregels wise bi engen gassun, der sint süben j. vnd ain bofstätteli Iit derbi, stosset vf die selbon gebraitnn. vnder bregeln wise ain halb j. vnd ain halb j. an lohs haldun, Tor des lachers acker. vnd zwo j. an lohs haldun ob staini brnn- nen. tnd ain j. haisset der hagge, trette vf lohs haldnn. ain halb j. vf staini. brunnen, trette öoh vf lohs haldan. vnd ain häldeli, des sint zwo j. stosset vf staini brunnen. zwo j. an lütloloz haldan zu dem widelin. vnd ain sätelle Iit vndeuan an lütelolcz haldan. vnd ain halb j. haisset die bogen, ob katczzen ftaige, bi dem bache. vnd ain j. ze ysen lewe, Iit vnder des lebarten acker. vnd ain j. Iit ob der ebni, tret vf des bAheln acker. ain j. ze hofstetten. ob aichbrunnen in dem esche gen Franntal Iit ain acker, haisset bön- halde, der sint zehen j. vnd ain j. ob Kaltabrannen, vnd ain acker haisset der kramme acker, ob widi brannen, des sint vier j. vnd ain j. vf swertznn, nit nisiloh. vnd zwo j. hinder aicha, ain j. haiBset ftige. vnd ain j. haisset ze velan. vnd drie j. in brngge an der haldan. vnd ain j. obnan im bnigge, stosset an den vndern weg. in dem esche gen Schönenberg vm Sclichinan ^) Iit ain acker am Sch6nenberger weg, haisset der brait acker, sint dri j. vnd zwo j. vf hasilohs haldun, vnd anderhalb j. ob der kürtzan hasi- lochs haldan. vnd fünf j. an ketten haldan, vnd ain j. bei Scli- chinan, stosset an die herstrasse. ain (8 b) j. ob der mägda bnin- Deo, vnd ain halb j. zem engen vndern weg. drie j. am hebsacker. %in j. vnder haselochs haldun, haisset du grub; ain j. im tuffan 9ultz, vnd ain sÄtelle öch in tüffunsultz vnd ain halb j. ze bürste ain sätelle. ob der brach vnder aioh, im rain. vnd ain wis iit liinder der braiten stadan, sint zwai mans mat. vnd ain wis bi vron lachan, sint dri mans mat. vnd ain mans mat vor dem harde, liaisset du lüsse. vnd ain lüsseli, Iit in dem harde, das ist gemain latit bregeln. vnd ain wiseflecke obenan in dem harde, vor der ^nesen wis. vnd ain mans mans mat im widi brannun, vnd ain lialb mans mat hinder den brAln zem engen vndern weg, vnd an Icetten haldun ains halben mans mat, vnd ain brAl öch ains hal- len mans mat, vnd ains halben mans mat hinder tagens harde, ^nd ain wisflecke in Waltriches wisan, vnd ains halben mans mat in loren kamer, vnd ain wiseli in spachbrugge ^). Späterer Eintrag: in Wessingen ain wisblecz Iit hinder laczen «chnr waz gemainmerk gäben die gepuren vmb daz — wisli gelt VI hlr. 1) OA Spaichingen Wirtemberg. 2) OA. Rotweil. Alem. I 161 (oben) YIII 16. 3) Alem. VUI 8 ff. 192 (9a) See sunt pnssessiones, qiias luihemus in Hossingen '). hain wir ain hofetal ze hus, ze schüre, ze garten, vnd in dein eache zem alten weg, lit ain acker oh der von Tierberg acker, vnd ain Inudeli ob Gornnxj-s von Rotwil acker. dirre zwaier sinl drie j. vor lercbun bol ain j. ob (ob des) dem brunnen acker, cntzwiachant dem inüran. ain halb j. in der hindrun sclnht. ain j. lit vnder Geriiage van Rotwil. vf dem vordoro raettelbol, ain j. lit ob Gcrung von Rotwil. in dem esche, der da baieaet bibilis. bo gaasun, ligeut drje j. vnder dem wege. im brAl nin halb j. baiaset das ländeli. Schwman acker sint zwo j. vud vor ratz riet ain j. lit vnder des von Dürnwangen acker. an berch weg oben an ainj. stosset an des langen egerdun. vf dem bühselin i J. ob dem bmn- nen. in dem eRcbe ob dein burgtal lit ain j. zem Valien tor vnd oh dem burgtal öch ain j. etoeael. tin den von Lübertingen. vnd ain j. atoBset vf die münchaldun, in der vorderun scluht. ainj. lit ob dem langen, zwo j. Iiaissent du halde, im pdrich tal. »übent an ragen bämli. vnd aiii halb j. zem bart weg, vnd ain j. an scbäbeln, Hgent vnder dem langen, im bi'äl ains mans mat, lit vnder der liailigen wis. vnd in wangeii ains raans mnt bi des haeen wia. in dem harde zen gernn zwai mane mat, bi Gerunxga wie von Rotwil. (9b) Hcc sunt po/isessionei' ijuai htibemiis in Tieringen'). ain gMeli buwet der Dürer, da liiVt in, ain j. ackers, lit an «ler aichhaldun, stosset an vnser vröwcn. hinder lorn ain j. stoseent an des loch, vnd ain landeti lit ob gehuy, Aoaaent an ßpntzen von Elsna. vnd ain j. ze tore, vnd ain mansmat im torant. vnd ain holcz lit in tobel hinder dem rorf, vnd ain lAndeli lit in VA- tenuelt, nebent dem zäbon. vad ain halb j, ob kurtzeii Ttaige, lit ob Bentzen dem Rot«n. Afiusen. ain acker lit in rfidern, ob dem sei! dervor, vnd die egerda darob, binvf i hArent alle gen Bi'irra an das cloeter, vnd ain ucker ob der schlipfi, BtoBset an die selben egerda. Zepfcbain *). ain gfit, hai«set der Kobelinun g&t, ift der herren von ßiirran. da boret zö : hii« vnd hoF vnd ain garte, vnd in das- selbe g&t. in dem eache ob dem lo lit ain acker, aint zwo j. (tosaet an der müncli acker. vnd in hitliatal zwo j. etoasent vflen Stainmar hirnlina acker. vfTen dem bühel, ob erllbruunen, ain j. in dem esdie vor aichiberg, an Llachan, zwo j. vnder Dietrich des Bwadern acker vnd vffen brache zwo J. ligent ob der hailigen acker. in dem esche an Icngiuelt drie j. lYoaaent vf Aicbshains acker. vnd zwo j. ob grosholtz, ftoasent (10a) vf Aichahaina an- wanda. vnd zwai raans inat in Icngiuelt, !i|j;ent bi Uetinti kindc wise. vnd ain halbs mana mat ob groRholt7,, I^oaset an Albreht den banwnrtcn. in Cb'ibelins hübwiäe ain mans mal, lit au Aicbahains d an blnchan »in mans mat, lit vnder Dietrich des SwaJtrn 1 wege, P& Balingen. S) DA Rotweil. 193 acker. vnd ain holz, haisset Eftbelins bAhel, sint me danne drie j. vnd in schlaitran zwo j. holz, stossent an den Maier von Gelstorf ^). ynd vor B&chen6we ain halb j. von disem gät git drithalb roalter kernen, ain halb viertal aier vnd zwai hünre. so ist danne des gates getailt ain hofstat vnd ain garte vnd in dem esche vor Aichiberg drie j. stossent vf die münchmaier. vnd der lange acker an blachan, ift ain j. lit ob Volins sünne wisen. vnd ain j. haisset du ciain halde vor Aichiberg, flösset vf Volins kinde acker. in dem esche ob dem 16(h) drie j. ftossent vf der balligen acker von Nünchilch ') vnd in Hlttiftal zwo j. Itossent vffen Steinmar himlins acker. vnd ob erlibmnnen anderhalb j. trettent vffen Wolfs acker von Schertzingen^). vnd der ger in erlibmnnen, ift öch ander- lialb j. trettent vf Bentzen den ftaiger. in dem esche au lengiuelt vor grosholtz drie j. ligent nebent WeckenXlains acker. vnd an lengiaelt ain j. tret vffen Aichsbain. ob grosholcz ain vierdental, fkosset öch vf Aichshaims acker. vnd an lengiuelt zweier manne mat, ftossent an der balligen wise. ob dem 16 ains halben mans mat. in Hittistal ains halben mans mat vnd in erlibrnnnen ains halben mans mat, nebent der spitteler wise. vnd vf Westerberg ains halben mans mat, lit an Volins kinden. in tüfen wise ains halben mans mat, vnd drie j. holz in schlattran, ftossent an Bentzen von staige. vnd vffen bühel drie j. an Appen den Swader; dis g&t giltet öch drittehalb malter kernen Rotwiler mes, ain halb viertel aier und zwai hAnre. Alter Randeintrag: im Grosselfingen ain gät, ist gemain der frowen von Stetten vnd der herren ze Barren, primo i j. uf ebnit hor- bach vnd i j. in miuheld vnd i j. vff ftaina vnd ain wis in dem brfil ift nit woll ain mans mad. Hec sunt possessiones, quas habemtis in Stainhouen ^). des Rüden hof, der da ilt der herren von Bürra. höret dar in ain hus, ain schüre, vnd ain garte, vnd vf demselben g&te het Wernher W&heli ain hus. git da uon vier Schillinge i&rgelichs zinses, vnd Gftntzen W&helins swager sun zwene Schillinge, vnd Alber, der gosseler sehs Schillinge, vnd der Ritter drie Schillinge, vnd Haintz der Stainherre, vier Schillinge, vnd Walther Schöwe zwene Schil- linge, vnd in das selbe g&t, in dem esche gen Lütistal, lit ain j. vffen &ht wisan ob Stribels acker, vnd sehs j. ligent (IIa) im vr- lAtzan^), vnd ze eschiloch zwene bürste, der sint zwo j. ligent nebent dem wege vor Aicha; zwo j. stossent an das mesen leben, vnd ain j. in hanga tret in das böngärteli vnd vf Wessinger velt. ain .acker ob dem mösenbach, sint drie j. vnd vor Gr&tze ain j. die buwet Fricke Zerre sclos. in dem müsbach zwo j. trettent an den weg, da man gat gen Hllchingen. vnd ain laut, lit vor Aicha, 1) bei RotweiL 2) Neukirch OA Rotweil. 3) OA Spaichingen, Heaberg. 4) Hohenzollern Alem. VI 37. 5) Späterer Eintrag, i j. ob lutenstal in dem gnind ftrcck au den wep^ gen ahtwis, gat an dem holz- wog i j. ii j. (treck vff pfaffenbalden vff dem haitelberg. in dem gprund i j. i anwand Itreck an holzwcg. i j. ze obran wisan usw. Birlinger, Alemannia VllI 3 13 194 I des ist aiD halbu j. in dem eschß ^en Tsgeruelt lit ain j. hinder eauliiloch, ftoaset vf die wisfl, »nd nin juch. in WakratzhaldDo, stoBBet an den weg gen Grosbeluingen. vnd ain j. lit in (iroBao- loinger ') bnn, ift ain egerde, lit vnder dpi' lantatraase. der lange morgen ob dem kurtKglende ift. ain j. vnd drie j. au dem her- wege, vnd gat der wege entzwisoheiit. an dem Hietitige zwai lender, der ift baider ain ,|. ligcnt da man gat gen Grosselaiugen. an dem hageo ain j. an Wernher WAbelin. in riet zwo j. haiaaent an der Rfiti *). in dem esthe in der Öwe vier j. vnd an der hal- dun drie j. atosaent an den herweg. in berne brnnnen drie j. vnd darob an tüniie baldun ain j. am Stainhouer ftig ain j. vffen Htaina zwo j. vnd an der miilatat ain j. vor lang (Hb) wis vf. ain küon bürst ain j. in Engsclatter ban vf staina ain j. vnd ain wiae, haisaet die grosse wcse, vnd ain clainü wis in der gassnn. BiDt Kwaier manne mnt. vf Snitza aina ballten m. mat. vf lang wiea drier manne mat. in müaenbacb ains maus mat. vnd ain wisllecke hinder den BtÖckeii, vnd ain wiailecke vf menitenwise, vnd aina vf wida, vnd aina in aapa. der vieran sint zwaier manne mat. vnd in boira se Bisingen aina mana mat. vnd ain liolz, üt hinder holn acker, sint zwelf juch. ob den ftaigan ain ger bi den rftsaern; von diseni hof git man das diittail vnd ane *) ain driesig Schilling hallcr, vier hAnre vnd ain viartal aier. Hcc sunt possessiones quiis habemws in Winterungen '), in den hof, der da haiaaet Bürer hof, hOret in: ain hua, ain schüre vnd nin garte, aint zwo j. in dem esche hinder bCmen vber den berg zer hailigen wiae. zwo j. ligent vnder dem pfonder, vnd ain riet, zwo j. ob dem pfender. vber den berg aiu j, vnder des von Ilornstain acker. zn dem hagen vier j. üch vnder dem von Iloni- atain. zoSpAhelins raiu iv/o). ob Ebeilina RanUa acker. in Hartliuser tal (12a) ain j. vnder Eberlina Rantza acker. in Hartbuser tal an der aitton vier j. hinder der kalchgrüb drie j. vnd nn dem crütx wege zwo j. ftoasent vf die selben, im stockach kwo j. vnd hin ab baa vier j. baissent daa brait äckerli. in dem eache iu lengen uolt ain j. am kalchof, vnd drie j. vnder dem herweg, vnd vor der ftaige vier j. vnd diahalb des ftigee ain j. in bettuntal drie j. zwUchant des grafen bof. vor dem ban dnu j. zuo der ewin- griibe awo j, in buseherg ain j. zem hagen, in walgerstal vier j, in ijwurguntal obenan ain j. vnd vndenan an BAntzingcr ') riet drie j, zer blattnn drie j, in dem esche hinder der lere in bet' tuntal ainj. ob dea grafen hof. ob der hcrstraase swo j. ain l&ndeK bi des burea aker, zo agelsturren brnnnen ain j. vnd zwo j. haj»- aent die kürtzi, rtosaent vf die gern, vnd ain acker, haisset die 1) HohenüGllorn. Alom. VI IS. 2) niorüii spftterer Eintr^: it«ni ij j. ligont ob dem lierwci; trottend vfl' N. ifl. vcrgi^klaieM vmli den lütNolfbiin iiaw. ain öckerli Üt in EngRIatter ban neben Rftwiia acker 8) iL (k. Sft. RvliDRen. 5} Alem. VI T. 195 wida, aint vier j. ynd ob den widan beruf bas zwo j. zem laimacker vier j. mit dem anwander. ob den wisan zwo j. an dem bnnger- berge vier j. vnd zen dablochem zwo j. vnd ob dem ang(er) ain wise, haisset man die vordmn wise, (ist) vnd ain mans mat, haiaset dewise, vnd ain wie in den velwan, haisset dfl riet wise, sint (12 b) zwaier manne mat. vnd der brAl sint zwai manne mat. ain wise vf bihiran, sint fünf manne mat, vf stainkart zehen maone mat, vf ern b&ch zwai manne mat, vf Zimmerer berge im Ricke f&nf manne mat, vnd das f&dermal zwai manne mat, zen griben sehs manne mat, zem obem dieth wege ') fünf manne mat. im Bützzer') uelt drie j. Hec 9uM possessiones qms hdbemus in Starcßda "). des junge- liDges hof der da ist der berran von Burra. da stant vf zwai hüser, ain schüre, ain garte vnd ain wise Jttosset an das hus, sint biuanget mit ainem zune. vnd ains mans mat lit enhalb der Strasse^ haisset der werde, vnd ain halb mans mat, haisset die anlcze vnd du nider wise, sint drie manne mat. vnd vf hduelt zwai manne mat. vnd der ober borg, sint anderhalb mans mat. das ander des selben berges sint acker, holcz, egerda. vnd derselbe berg h^^ret alle sament gen Burra. vnd in dem esche in vnczwant ligent acht j. vnd in den acht j. ligent drü äckerli, sint Martins. ▼oder enche drie j. vnder Abenberg drie j. am stainach im tdfen- tal zwo j. am ettenberge fünf j. vnd ain acker im wagrain, in Borlendinger ^) banne, in dem esche an der haldun, am hus der hof acker, sint vier j. an lainbach drie j. der gere vnd der (13 a) aichach sint öoh drie j. in dem esche in der sulcze: des ackers zer brugge sint drie j. vf der hinderun h6chi zwo j. im occuntal zwo j. ob der vinstrun telli ain j. an &henberg ain j. vnd ob buehhaldun ain acker. vnder ueltstaige ain halb j. vnd vf ebene t alo j. vf huser velde, vf snaite ob vnczwant ain egerde, vf snaite ob züppental zwo j. vnd an halde haisset branthalde, ze Ghiller ^) bi der oberun müli, der mülacker, giltet zwene schefiPel vesan ^). In Winterlingen: item die schrokkin hat geben i gütli durch (um) der seien willen, darin hört i j. bi dem zil an (toka. item i j. bi dem holder, item i j. hinder der ler bi der bollinden vnd i gart bi götzschis hus im gental, dz ifb gelühen vmb V ß vnd ij hünr. In KiOertal: item vonVolrich von sehan hüb gut Xß järlich vnd Ü hunr i qoart. aiger. Item die müli ze Starczlan i IIb. h. iig hünr i quart. aiger. item wenn si verkofft wart, so git fi ain zins ze hantlon. Item in Dietrishofen (dahin) hört ij j. ligend im boschen, ftost an die widem vfT, i j. vfTder lialden an zwain bleczlin, Ilossent vff vnser fröwen äker ze D. vnd i j. vff der brannen ander rtoflst vif valder hoff usw. In Ehingen "*) : item dez Röten gart ftost ainhalb an sant Martis hoffstati, hat c&nrat er schnider vnd lan (?) der Ciincz iecz ze mal inn 1) Alem. VIII 7. 2) Bitz bei Ehingen. 8) Ilohenzollem Alem. VI 4 fr. 4) Hohenzollem. Alem. VI 9. 6) Hohenzollern. Alem. VI SO. G) 13 b spätere Eintrage. 7) OA Balingen. vni) rtoat anderthalb an richgem vnd Ttost bei1<end oder tot, der sol ze weglösi als vil geben, als er von m houe zins git. 4) Später: bi dem ^rawen ftain. 5) IlohenzoUern Alem. VI 140. G) Später: item ain halb j. an rossberg ftaig, item in Dürnnental ij. item au waseu vnderm herweg ij. 202 steltzer ij j. iieiu am vfgenda akker in duronental, dez if t ain j. item in der Bützi vmb den brunnen ij j. item in der Bützi ain gart^ da mau sechs viertai Iianfsameu sayget. item in dem klaineu gäss- lin ain gart, da man ain halbes viertai s&yget. item ain hofstätli ob dem garten vnder Schalksburg, item esch im h&wtal ^) : die man nempt Storczmans bald ijj. item ennend dem wasser in dem osch vor ftygen i j. (22 a) item ain hofstätli vor brönhalden. die wisan, die dar zn hörent: ze ötringen vmb den brunnen ennend dem wasser vnd dirrhalp zwai m. m. an drin enden, dero lit ain blezli in der klainen gassen, vnd aius vnder Scbalksburg, daz drii vmb den brunnen ze ötringen. item vf dem berg in dem riet ain m. m. Item Will Fügin hat ain wis, haisset der ger vnder der mit- len wis. item vor dem wald in der altach ain wis (22 b). ^) Stoaifidorf. ze dem Nydern Swahidorf^). primo, der houe, den man nempt ze dem vallenta), den die f taiger buwent. ain gart vnd zwai maus m. wisan, die daran ftossent. item in dem escb gen gehöh vnd in dem loch ze espan zwo j. ftossent an der von Schafhusen äkker. item an dem hurst i j. ftosset vndnan an der von Schafhusen äkker vnd obnan an Gänslin. it^m vnder dem hoben rain zwo j. item vor trenki i j. ftosset vndenan an die von Riet- husen vnd obnan an Peter n. item in dem loch i j. ftosset vndnan an G&nslins akker. item hinder berg ii j. anwandent an des Brugg- nars akker. item gen aspan in dem escb zwo j. ftossent ainbalb vf Gänslin. item ain hürstli an dem selben akker, dez ist ain halbü j. item ain hörftli, dez ist ain halbü j. ftosset vf den vor- f t^r. item ain ländli, lit zwlschent dero von Riethuaen vnd dei Schfilers akker. item ze dem braiten birböm ijj. ftossent obnan an Gänslin. item ze dem braiten b. ij j. ftossent an daz gemainmerk. (23 a) in dem esch gen kilwisan: ain j. hinder der wis. item in erlan i j. ftosset an den Oehsncr. item vor dikki i j. ftosset an Mauzen, item ze kilwisan in j. ftosset an widan. item in den wi- dan i j. item ain anwanderli ob BAringer weg, ift ain halbü j. vnd ftosset an den weg vor dikki. item ain hürstli, lit an den hÄrsten. item in dem graben ij. ftosset an Gäuslin. Die wisan die zu dem selben gut h5rent. primo: die wis in erlan vnd die wis Schützenhouen zwai m. m. item in straif drü m. m. ' holcz vnd veld, dero wisan lit enhainu in brach, daz vor- goscriben gut f tat ze dem drittail vnd gilt järklich viij ß. Koften- czer vnd fünfzig ayger vnd git ain scheffel kernen ze vogtreht vnd j ß hl. ze frisching. 1) Also heutiges „Uefental" Schreibersündc. 2) Später: item ain wis in vrental ui m. m. die der St6ngel otwenn hat. primo an * akkar» ift ain j. hört mit in die lehon. item du küchi- üi der kuobin, gilt in ß. hat der Güntzel. 3) Bei 203 (23 b) Dphiniin halbes. il«m in aspaa ain wiali, stosaet un Grundollen '). item ze küwisati *) vier wiab't vor den akkurn. item in dem »chluch ain wiali, bArt halbea gen Mülingen. zeu dem vorgea. gut git man jftrklich nn ain Schilling, ain pbnnt Koftenezer vnd sAbenuzig ayger. item le vogtreeht n achöß'el kernen MiMhaimer meaa vnd dri ß hl se friauhingon. item^J nin akkei* l>i Holtzhain vor der häb, Itoaset an den weg nebend Manticeii akker vnd des müllars akker. ain zebendü ill zo dem nyderu Swaindorf von den nahgescribnan akkorn : ßents der etaiger liawet aiiij. in erla, vnd ain j. vf li&ran *). item Voli in dem houe zwo j. in erla. item Hana kilcbenaldsael ain j. in erla. item atubi'itters nianlehen ain J. in erla. itom dez aelben güts in pbeller ^) ain j. item der knüph ") akker ain j. lit ao der alaig. item der Oei:haner hat ain j. in dem Mälgraben. item orinent dem riet zwo j. buwet Hans kilchenaliiaael. der sehend von den vorgen. ükern IiArt vna halbe an item ') zwo pilndeu in dem daiHT, ftrekt die ain an die ftaig, b5rt in nüUirigor gut-, die ander daran an- wnndat vfT anander, (26 a) [Zum Suhlusa von „Schwandorl" aei hier ein porg. Streifen 15 aec. der eingelegt, gefügt: vtf hagosfald^) im oatih. item ain j. v ff rüffeln, anwandet vff klain eSnrat. item ij j. vS liageafelil. item ain ländliu an hol, ftreekt über Lübertinger weg. za letten. item ain j, vnder latten, ftreckt vIV klain c&nrat hin vß wert, itera ij j, ligind vor kallenberg by der aetzy. *) item ain j. 1) Vgl. dou FN Grutiil. di^n ON Grundesheim. 3) Kircbwiaan. 3) Späler i) horach (palua)? vgl. aspaci = aspach b) PHtle, Pfalwerk. auch Ort wo Kobstecketi [remacbt wtertlun. ü) F'N Genit Plur. V?L oben KuSphiuuu. 7) Von hier ati dem 15. Jbd. uu gehöre"'''' ''■''•'• BlFNHag. 9) Krautland; Ho])fen-. Hebland. I FS P-"* Flarnamen, ätuttg. 1880. 2. Familie anamen. 205 lyt an der münchftaig. item ain j. lyt an der ober praitten im toi, lyt vff berg. item zwai j. in der vnder braiten, ligen am werden abbin, item iij j. vnder ftierß hüßlin.] item *) dis nacbge- sobriben gftt des Haincz scbnider von Stockach, dem gotzbus ze Bürren geben bat der amman. In des ammams gflt, in dem escb binder dem vallntor ij j. ligend ob O&bellbns'), z& dem buckb'gen böm, baist akker mans hürst. item ain j. vor dikki, ist bolcz worden, item in dem escb zu dem hobenrain i j. lit zo dem bobenrain, vnd ain j. an dem espan vnd dem bobenrain. item ain j. an den vfifgenden boben bürsten, item aio j. gen bocb vsbin, in erlan. in dem escb gegen Volkenswiler i j. vf berg an boUerftig. item ij. am kmmmen acker. item ij. vor aliscben. item ij j. bi der tannen. am langen weg^) vor abseben ij. vnd ain l&ndli, ift ain santel. item ain wis z& dem rekkelturren ^) binder berg, ift ain mans mad, b6rt staigerinnan dez halbtail. item ain mans mad in trenki gen geböch wert, item ain bofstatt bin- der g&bell bus in ettem.^) item ain bletz im dorf ift ain mans mad. item in dez frigen gAt i j. an der boben ftaig in dem escb gen Volkenswiler wert, item vnd ain wis baist frigen wis. item vnd ain äkkerli darob, anwandat vff die wis. item ain gart im dorff, lit vnder bugen bus bi der frigen brunnen. item dez ammanns gfit ze Boll ij mans mad ligend ze bSch an den wisen ze Boll, an Bentzen maigers wiß, die in den boff b&rend. item ij manns mad * ligent zA dem junkbolcz. item von den zwai gAtlin gat vogtreht von dem boff iij quart. roggen vnd i mod. babern vnd ij qaart veßan vnd mj ß den. gen Scbafbnsen item XII ß den. ze stur. item ij qaart. roggen von dem wisli, daz man embdat, ift am dritten iar der ftaigerinun. item i mans mad in trenki, hftret vier- dal den von Sob&fbusen zfi. ain gAtli baist scb — *) bringers gut Fossessidms monasterii sitae in BicJMin.'') [Hec sunt bona Sita in Bucbain que reddunt decimam Custodi Ecclesie in Barren. Nota qaod Curia dicta Wekenstain^fit reddit decimam. in totam in agrif siue in pratis. Item possessio quondam dicti Wolfilinger soluit decimam in totam. Item der Fndericbun gut foluit per totum in pratis et in agris. Item Curtile dicti Krefbrunnen in totum excepto rufo agro, qaod reddit fanoto Gallo duos manipulos, alia pars eiusdem cedit, Gaftodi. et vna an wand for bol reddit decimam caftro dicto Kallenberg. •) Item des Lfiders gfit reddit in totum excepto agro dicto ftet- InAnen. et vna filtel in ftock (sie) rtocacb. •j lY Gleichfidls 16. Jhd. 2) FN Gaebel. 3) Vgl. Wcglanger. »Ider. 6) Zaun. 6) Scbab? 7) Der folgende Text aus n^e des 14. Jbds. auf einem beigeleprtcn Pcrg. Blatte, äusserst iriben. 9) Bei Friedingen a. D. 206 Item des WAgtlinf g&t reddit decimam in toium exeepto agro in ftockaich ibi media pars cedit cuftodi alia pars cedit maiori de- cime item vna &ie\ reddit decimam maiori decime. Nota quod in dem Efche gen dem krüz item ager for salan Bolait decimam, item zwai lander dicte Folmarinun item for Riet- hain ain iandeli predicte Folmarinun item der swerckakker for Riet- hain item ager predicte Folmarinun for henla item ager dicti Lüpolts for henla item ager dicti Gronen zc dem holdem reddit terciam partem decime. item zilandes akker zedem holdem reddit terciam partem. item Br&gen Iandeli bi dem Cr uze. item ain Iandeli Räfen dez majers. item in Lihs ain Iandeli R&fen dez maiers. item der mengoßinon Iandeli. item Bnmans Iandeli. item Folmarinü Iandeli. item ager lüpoldi reddit mediam partem cuflodie cetera pars fanoto flephano. item ze der brantftat ain laut vir (vif Abkürz. v. Dlrich) dez maiers. Item in dem esche ze ftockach. item ager anshelnii vnder der fern reddit mediam pailem decime cuftodi. item ager Lüpoldi for boU reddit mediam partem cetera fanoto ftephano. item fol- marinü lant media pars alia fancto ftephano. item in liah ager Ra. villici media parf. Item ager dicte Gepun cedit ex toto cnftodi item der karrerinü Iandeli in stokach. item Kbei'lins Iandeli. item £berlins Iandeli. item ager Ru. villici. item der zilandinü lant; vn- * der dem (!) mvron. it«m ain anw&ndeli vnder den mvron^ item Her- manni dicti filfelink in Getental ain lant. item Brdgen lant in Ge- tental. item dez karrers anw&ndeli for Graftaicha. item se den binzen der karrerinv lant. item def bumans akker ze ffcetbrunnen terciam pars decime. item der k/^chinü akker qaondam. H. dicti de Ehingen, item Hoßinges akker ze dem bongarten media pars cedit cuftodi. item Rufen dez maiers lant retro Ecclesiam item ager vffen Riffelun eiusdem villici. item ain Iandeli vffen Riffelun eins- dem villici. Item in dem Esche vnder hofon contra Grindelb&ch item der zimmermanninv akker bi dem mvlftigc foluit decimam predicto Cuftodi item P]berlins maiers lant bi dem w^. item aspsings akker foluit vnum manipulum. alia pars cedit decime maiori. item ager Rad dicti villici vf dem borgweg vnz e dem birbom. item ager Ru dicti villici ob dem zil dat vnum manipulum fancto ftephano ce- tera pars decime cedit cuftodi. item ze engengaßen vnum ager. so- Init decimam predicto cuftodi. item in Girs haldan Tnnm.juger quondam 11. dicti de Ehingen foluit decimam ex toto predicto co* ftodi Nota quod Curtile indor kilchwife foluit decimam predicto cuftodi.] (BI. 26 b) Virich der herr buwet ain gut, da hArt in mj. akkers, die ligent in den 16hem vnd ain lant im budental ^), vnd 1) PN Endo. . I ..t 207 ain laut vnder hofa^ der ist ain j. vnd ob kekbrunnen ij j. vnd hinder Bemhartz hos ain j. vnd i j. bi dem weg, die ftoßet vnder den weg gen. h. schür vnd gen haltun i j. die (tosset an den brAI Tnd an dem talhaimer weg iijj. die b'gent an ainem ftnk. item ain lant bi dem büfdom *). item ain lant z& dem holdem, dez ift ain j. item bi den graben i j. die ftoeset an talhaimer w^. item vor bei uij. item vf fmnstetten ijj. die ligent an ainem ftnk. item vor lüielbftch ijj. die wisan, die in dazgnt hdrent: ain berg, hainet dez herren berg ^, lit vf dem snellenberg '). item am wisli, lit bi dez bron hns. item bi kekbmnnen ain wisli. daz gut, daz da bnwet C&nrat der mezger: den dürren akker vor salhun, dez sint dri j. item ain lant bi hossinges *) tal, dez ift ain halbü j. item hinder dem böngarten ain lant, vnd ain lant zn den binsan, der ift ain j. item bi der kalkgrnb i j. item vor hol i j. item vor lützelbidi ain egerd, der ist zwo j. item ob der madun i j. item, vnder dem holdem ze kekbrnnnen ij. item in ftaichun ain halbu j. item in bndental an dem bAhel i j. item in holns ^) rain i j. item in nellen ^) riet ain wis. der ift ain mans mad. (27 a) Eis Cresbmnn bnwet ain giit, da börent in zwo j. die ligent. ob bn- dental, item z& dem riet ain j. vnd aber bi dem riet i j. die ftosset an die mesmerinnn. item ob holcz drie l&nder, der sint zwo j. item vnder hofa, ain lant, vnd ains bi der schraigen ^) vnd bi dem acherer ain lant, der ift ain j. item vnder hofa zwen akker, dero lit aine bi dem granen, der sint zwo j. item ze böngarten i lant vnd ain lant ze stettbrnnnen, der ift ain j. item ze saiten ^) rüti zwai länder vnd ain lant an der brantstat, der ift ain j. item an dem talhaimer weg ligent drü länder, der ift ij. item zu gra- ban ain j. vnd za henlach ain lant, vnd ain lant in lihs, der ift ain j. item vf bol ewai länder, vnd in der graob ain lant, der ift ain j. item vf fmnstetten ijj. item ain lant in Rengers tal. die wisan, die in daz g^t h^rent: in riethan *) ligent v mans mad. item ain bleczli in engen gassen. item daz hos, vnd zwen garten, vnd die hofraiti mit an ^^) ander, die akker, die da bnwet Hainz der ziroberman: ain j. lit ob dem rain in ftokka. item ob albar- tal ^^) i j. item ain lant ob Hainzen Rufen, daz lit in ftokka. item vor lützelbfich ain halbü j. item hindnan an bol ain j. item an bol, zwischent Ebcrlins des Scherers akker, lit ain lant. vnd ob dem crücz lit ain lant. item ob der ftrass ain j. item iij. — — AusMüglich. Spaterer Eintrag des 1 5. Jhds. item in Rufen *-) des maiger gfit. vnder hofen, ob dem bninnen, vf der herinnn '^). 1) Haffenbattenstrauoh. 2) vgl. oben Vir. herr. 3) FN Schnell. •• Q« SdmelTenberg. 4) FN. vgl. in disem Urb. hossingen gut, hos- ifaMr W^. 5) FN Holi. 6) FN Neil. 7) Eiufridi^ung. 8) PN i^BMhaim? od. Rieden? 10) ein. 11) woitor anten Alberstal. 9 Biklolf. 13) Wol FN ncr im fem. nn fler Volrichen lant, akker der Snlninswiler hflrt, bi der Bchri- gen '), an aim hIosb \i\ der witen geapikiaten buch, vf der münch gut ze Grindolbuch. ob krottenUI. bi der grossen ach. ennat dan lütten, vf der llc^clLi. freu eokengaBs") (die nmyt ni&n), vfk5ch1in*), lit iiobent appon gut an dem zil. esch gen bruoiian, gea brunnAB, gen jettental *), gen krüz vffliiii. Tlf viftlun. oh dem zu. ftrass, die gen ftokan gut. geu wi;tental in getteotal ^). der haiigen okkflr. brantfltait. hättenspiz "J. vf Wilflingers akker. lant daz der rafaaa- aer '') haut wisan : an bachtal gaisen. die holz wiaan. tHlhaimer hard. dez jungen wis. die Ißcharin *), an brögenbrthel "), borst- wis '"). im hard gen Nüwabu&en, dez gi-afen wis. ara langen mg. in inarktat ob dem schäfTer weg. vfdem volkenberg. ") BummerliB gBt. (ib dem hrunnerweg. ob acht weg. vf der hessinuu aUier. *' iSndli. Iiaist die ftainung. ennet dem c gut. die baidü guter hett der bapst " an wolfagrSb. zwüechat der liailigen i nun ") grund. zä dem bild. dee schönes lant '*). an bol, Tor twl a. f. w. wisnn in salcben ""), ze hai'r l^mchr (Orenio). 9) FN Preep. 10) od. brach. II) FN Volk. 12) FN. 13) Frau Jung. 14) Schorer? 16) = sdnhnhi, wie hasoln = liami- lahi, der iichninbare Plural — an = iin '= ach. 10) Vgl. den KN Barais, unten den Dat. BarisBen. 17) PN Aito. 18) FN Aulrtr. IS) sih oben. 20) Tgl. (Jatlorsoher. 21) FN Vil. 22) FN l.ot? Oder lateu (virgulta) ? 33} Hatten bnttenBtraiioh. 24) b. o. 25) FN Hill 209 ^hnra. ') gea der Idlchen tnJuir. an der haiigen lrti)t abhnr. im Intscli Winkel an köchlinn. bi dem ftninin crücz. wis an dem trfifT. Je?: schorers laut, in rtocken. an Analinlms hof. an bAriesen. ^) den lohern. 7M der röten erd. rötaker. an Mßliifiimer llig, an i iiletz in den boachan. bi dem spitz^'&rtli (die wia bi iböm ist verschlaichl) ob aiilbertal. 1 diß Bind die gflter ze Ilnchen, die gen Büren ecken' m aa dem ersten die widum. die zeheadat, alle kurcz gen Biirreo vnd hört an die kircben gen Buchen, vnd la^^^t gen Bürreo. item Anßhalms hoff, den dt'n die gAtzin \lgarhat vnd senhendfit gen Biirren, klain vnd groß u. s. w. gro/^md klain lanlgarh da man gen kekbrnnnen abhin gant u. e. w. b) Jn Tutmnringen.^) 15. eeo. akkermanna gät. esch an atental, an Aubrehten dem hasen. an landoltz nkker. ■sung. an den bünden. an dem obern weg. an der ge- hsgnn. [i sanid vf dem liagen]. am Balinger weg. ze hülai goltal.l bolder akke: \ winterlal. nm hach lit 1. dez gaebern bsldun. an dem bard. die a , hölczli in der hegguu, , hartgorten. am achSppo; vf liregeln') haldi hiigeu der 11 gaeber. *) an sant frenun. ') in der wannnn. an der riaun. iwet ") wia vf mettenburg. vf der lang lur. ob bÖstaig. der laut an den widiikker. des I. vff girs perg. [item in akker. bnrg. gebrilc nkker. bindet 1 goltal i j. vir giriperg an Uainczlin, klarun abhi (utel ze ftig züht vnder der rifun vse u. a. w.] iu den wjV^n^). in dem esch z& den afielturren hinnas. brngg- bruggen wisen. ain aaiitel lit an gaiabol. in der ' ftninigun. an der herren wis. vffden hüraten. schaltz- J ') ^^^ ftainbfihel. z5 dem flekken. holcz ob dem 1 gebröcbt äkkerli. zB dem hungaböm. der hMzgun '*) iwanger besenakkcr. ob dem lAuh. der roggakker. vff hftllin ") von zilnhusen. die binder vria. ftöfllera [il. an dez von achalzIturgB wie. an des measingera |rAsaen, an der acbSnun baldcn. in burgatal. an des vcbental '^). an den ftrenglan "). im gigental. ■ Vogt von Röaenfeld genannt. ^eulan. au hebaack '*). gut von Bürren da Horhspoch an vnczwang '^). an die flelli. ob starczler ftaig. ■eben. 2) s. o. 3) Dantmergon. 4) PN vgl. det 5) 8t. Verena. 6) nmd. 7) j. FN Pregel. 6) ÜA ,1 PN Vgl, ON Henningen. 10) PN Hazioha. U) PN Uche Dnke oder PN Ocho. 13) nicbl selten. H) böm. lö) oben VDOZwant. IUI* Till n 14 J 210 wisan in der schlipfi. in der ess- oder esohwis. die bmg. hanfgart, an gaisslis gassin. vf schnait. vf voser fröwen wis. yff h^feld. ob H&ehinger ftaig. vf des Wächters wis von Jangingen, ob Idller^ staig '). an eczlan '). tüffental. an dez Baders akker. im kener '} a. s. w. Hanstein, böngärt^n. vor der ftülmenhns. bi der hülwe. vor rise. katzenftaig. an den ebinger weg. zi dem hegelin. ob metszen- ftain. vor betmor ^). an dem hossinger weg. ze ranft. neben dem Frigen. bi dem crücze ze ramft. gen harthaimer weg. vnder den becken ^). vor sohirmeloch. an gettenwiler ftig. an Nosplinger weg. vor den birken, vor vohenloch *). vor dem bfich. in barmen, vnder dem rain vnd der wislinen ''). bi der aieh. vor bAlwang. schwenninger weg. ain anwanderlin, lit ze Tatiehbrunnen. ze rfin- dern. zwischent dem tolinger vnd herman von estetten. ob elen- tal ^). an elenterweg. elenter tor. an den mAlhaimer w^. gen haimenhalden. in sehend! '). in liasenscbwang. in aspa. zer lierti. hinder Hartmannsberg, an dem rieifleggen. in ramloch, hioder dez rieders büchli. hinder dem bicb. die rüti. nebent dem letsscbe ^®) vor Ris *'). Liptingen. bi der rossen, an Sant Bläsis gilt, an dem grand. rnbakker. moswis. in dem Ratzenberg ^'). in dem tdrkeltal. holcz- brunnen. in dem tandinger loch, vnder dem ftain. engentallin. vnder bol. rnbakker. in brnnnan holcz. gen odenftetten. ftokwis. an dem jangholcz gegen NAwenhusen. ob dem wiler. an den obem äkker. in dem esch gegen sangenwerd. ob den Ifthem. ftainbAhel. Kölbingen '^). bi dem sdacz werd *^). an dem grossen akker. (die ober santel vnd die vnder sautel), an wanczenloch i^). im im bichholcz. vor dem alten holcz. bi der berenftaig. zfi dem bfli^- lin. an obra madan. an haßer velde. ze der hüffelturn **). in vol- kental. an hennenberg. zwischent wolffental. an dem eggenftige. bi flachtlis hus ^''). vor sytun vnd vff sytan. hinderm hagen. an Mülhaimer weg. hinder hoch, gwinkelin. ob schwainstaig. an fal- zenberg ^^). vf höhberg. in dem berental zwischen bykenbrunnen vnd beren. Anf einem Pap. Blatte Beilage: an dem binßberg vff h^wberg. in Katzental, Item der frawen g^t in Beren '') item ain hofstat, gelegen vor der braiten. in dem esoh vnder ftickli die gebraite, ift uij j. 1) kilchwiler staig. 2) PN Etzel? 3) canalis, Rinne. 4) = be- tabur? (Kapel1e> 6) wol FN. 6) Fuchsloh, — Holz. 7) weibl. PN 8) Elenttal. 9) ? schwendi. 10) Vgl. FN Let^he. 1 1) Vgl. oben Rotris. 12) PN Razso. 18) Vgl. PN Eolbo. 14) slattea werd. 15) PN Wanso. 16) 8. oben. 17) FN? 18) vgl. PN Sälzli. 19) ? Beeratal, Hohen- sollem. 211 der ger ist i j. item vff dem berg mj j. zfi den graben, item i j. obna am kazental. item ob ottotal ^) ij j. in Ion ')• ob dem akker der gen Beran hftrt. item ij j. vor ghay vnder wacken rain ^) (kolstütt, sp&ter). item iij j. vff kadolcz bfihel. item i j. obna dran, dar vff Ttrekend des haßers äkker ; item iij j. an wagrain. — In dem Tndei*n esch. vnderm zil. bi byckenbrunnen. vor sendrich ^). vor ofner Itaig. in Walters gi^t. ob tiiffental vnder schwenninger ftaig. am rietmorgen. mAligut. an schweughalden ^). in der itaig bi dem bmnnen. ob waldftaig. ob der risi an der wasserschaffen, an den Itranglen di öw obna dran, bi der obren brugg. hol. ban- halden. bi der rossen vnderm tngstain *). in ottenlachen. ain mans mai haist Itrangel. vnder lUckli. an ramenftain ''). am hoffakker. vnderm grund. vff dem berg vor henhart ^). ftetter wege ze Hosen, an dem bungerberg gen Kolbingen. i ganz feld an dera madan. ob wagen rain. in teilen, in anental. an dem anger hinder der birwis. ob tdffental. ob des bl&men akker. hemen akker. ze mora. ze mnra vnderm birböm. im spiz an Ensingshaimer. ftyg. an keri^). an Sant Johanns akker. ob der alten ftaig. gen der linden wert, vnder dem fürt, in wisblez in wigisow. die zünni hinder der kilchen. am boU. genswis. lüzenwis. bi der vndern linden ain hanfgarten, in hdhart. an elwiz garten ^^). in solgen '^). im traben holz vnder der b&pstinun Xtrenglnn. in bflnden. in der frowen akker, in bergftaig. an Ramsstain, an Inkken. vff der fro- wen akker von Fridenwiler. katzentäli. vor gehay. am kadolzbdhel. svrusehent braitwis vnd Cfintzen von egg. hinder dem Dietbart. ob dem ^genweg. an swenchenhalden ^'). der von schiltegg '^) akker. da Hans Swenger *^) vfsizt gntental. hinder bannen, ob barg, vnder dem birbcma. ob klinglaton ^^). die bergwisan. im trA- benhol sendrid **) im widmartal. In Ffidirtgen "). büwet hainz der Biber, ze bmnnwäg. bi dem birbom. ftost vf den j&ger ^®). ze birkiloch. an Tüfellis akker. see fort ab. i brachjnchart in brunnwäg. vff krapffenlant '*). vnder ▼ohenrain zfi habsgrfib ^) in horan. ze salachen. daz bündli. ze Inbris '^) böm. in Itetten. ob dem ftaiggelin ^). ob Wildenvelz ge- braiten. an dem wfir *'). des gftsslers lant. gen braitenfart. ob hagenftaig. vnder den birkan. ob dem walhen '^) lendli ze wangen. ob Tegervelderftaig. in der lüzlerftaig. grünt bi dez artzats I) vffl. oben ottental u. unten ottenlachen. PN Ott. 2) lohen? 3) wacke Feldstein. 4) unten weniger gut sendrid, wol ein PN. 6) vgl. unten Schwenchenhalden. FN Schwenk. 6) Tuffstein. 7) Ist auch FN 8) vgl. unten h6bart. 9) Wasserdamm. 10) vgl. helbizberg (unten). 11) in volutabria, Wälzlachen. 12) vgl. 16. 13) PN. 14) an der Schilt- ach. 16) s klingenahun. 16) s. o. Sendnch. 17) OA Tuttlingen. 18) FN 19) FN Krapfo. 20) habichtsgrub vgl. obexf habsUl und habs- bom. 21) Lanbfallbaum. 22) vgl. unten vEggelin. 23) Wer am Wasser. 24) FN Walch (welscher). 212 I I I criicz. an Tuffelis') grund. vnder dem götalheria^) werd. vf wilden velcz wia, za dem haiigen liriinnen, I» Miil/iai»^). an der ertwis. buwet Kberli mulfitach *). ob des Wa.nners hnldei). ze farch. obnan an der wanserBcliafien. in illen- tal ^). ennot dem rik. in der altun Ftat. grabachaid. Apfielböm. vor böchhalde bi dem garten, haisat von alter pfawenzngeU *) sklier oder daz Juden fikkerli. ain wislin in der zell. Nendingen '). des rorgenwisers gfttli. in der obcrn lachen, ain blecz vnder der halden. i mona mnd in bettmöw. bi dem Gebier, bi dem velwen *). in vraental, i blez in hasla. in der widmen, vff braitwis. an berkatzweg °). an dem bflggeller "*). i egerd aü den lain gr&ben. vff grieas. na bitdiftnig. nb wigerwng gen. die lang anwand. von teilen vffliio. vff kiiehen. der von Rfitwil ftkker. äkkevli an dem gern, nebent dem hfttzger "). i brachjuchRrt in humeirtal '^) nebent dem hire "). der grund vnder kelen. Etningen. in graben vff der wis. bi dem ") tugftain vnder Bentzen des widmers akker. ob dem ftig. da man gen schsnke-ii- berg gaut. i wia lit in hngen '^). Ber Hof Mennhigen bi MejikircJt. hus, hof, garten an der 1er '°). each ob dem dairff, an dem dairff. an der vor wald akker. flachsäkker. borgbof. der lang akker. vff der raigliß ") balden. vf der von Werdenberg gut. an der von Lnicz '^) gät. zh dem hage\. vf Sant Marien Magdalenen gnt von Laicz. ach mitten bacb. nn becbers hilrst. zwiaclient den begern. vf miner fioweri von Laicz gut. in der rtainrennen. vff dem nAinlifill, vfi' dem engen rain. nebent dem brfil an den widenhürften. vnd«i- dem loren '^) nÜ. der krum akker am riet, in der wannen, vniier dem hochen rain. an den [tigäkkem. in der engincu *") i maus mnd. vor der lederb oaen "). i mans mnd vff dem ried. vff der vnselden ''-}. i mana mad in dem Rötelberg. in lorenwiaen. an lorwis ^'}. W&lalitufett*'). in dem escb in bigenhusen. an den krummen Akkern (trett baydentlialb vff der) hailigen äkker, in melman **). each in kilchrtig, an dem aluendweg. ?.e hiilleri. wülflinger w«g. . ob vcggenhuaertal. zu dem gaißloch, an der hindern wis. vff dem kelnhof, vff hehaack '*). i bleczli ob lächbach. an henler vabin. vff bribarg. im brand, an widerachlag "). in ziehen. l) FN. 2} herinwert = herwärts. 3) OA Tuttlingen. 4) vgl. den FN MaidbeUcb in Ulm. Gelätsch aus coUacoio. 5) FN lUe. 6) FN. 7) OA Tuttlingen. 8) volwen? 9) Porchgeri? 10) FH Hftokler. 11) PN, Etwa gar von hatz(e)gen {ructaro)? häachenvKl. statzgen stottern. 12) lliimmel, Bremiie? 18) FN 14) TuffsteiD? 15) = hagonaoh, Dornge- strüppe. 16) = Inri? 17) raigli FN IS) b. Sigmaringen s. u. 19} FW Lor. vgl. lureuwisen. 20) Schliidit. 21) häntiträr Klar N. 23) üuseld iit auch FN. 23) Vorm wie oben FuokholU = Fankcnhoh cii FN Flink. 24) Wcllcndingen OA Ratweil. 25) FN 26) FN 27) Damm, Grd- werk. Vgl. jedoch den FN Vedöl ' " 213 Irrendorf ^). in der stellinen, ob dem bild. an dem sch&n bAcbel. im batzenacker. esch in rin. hinder der kilcben. vff dem Bcblond. vfiP dem kazenftig. vff Wassenegg. im bügen '). im zwers- acker. helbizberg^). im gern, vor bard. peters gem. vff dem hardweg. am roesenacker. in der scblucht. z& den roten wegen, im braitlo. Tff berenftaig. esch vor aichen. am wiglanger (sie!) krummen acker. vff reißbalden. rosswerlis *) acker. innerwert des \6\h stellenen wis. im bard. die langen egerdt. dnrlerin ^). am esel *). tmbenholcz. in teilen, grfibaoker. in sulga. scbweninger ftig. Schelmen wasen. bi dem birenböm. in vmrsental. am setzeweg. am h&weg. vff reich- listal. an bonstetter ftig. hilleroß '') gmnt. die brawin ®). Womdarf. am Biettinger weg. hinder der kilcben. am letten. an dem grund. tüffental. mefikilcherweg. des hailigen g&t. kalten- berg. scbwaindorfer weg. esch im gerental. am zil. MAlhaimer weg. gen NAwenhnsenwert. kelbriel ^). am wasen. das groain merkt, am knrzglend. eholzwis *^) nsw. Im hoff ze Hainstetten ^^). bi der bülwe. ob der linden, an der elentaler **) weg. vor Riße. an dem hatzenftig. katzenftiger weg. an dem ebinger weg. zft den hegelin. da man gen Mestetten gaut. ob '') metzenftain. betmar ^^). an dem hossinger weg ^^). by dem crAcz ze ranfft. hartheimer weg. vor schirmeloch. gettenwiler '*). tal vor hamersberg '^). an nusplinger weg. vor den birken vor vo- henloch. vor dem IsSch. in barmen, vnder dem rain. vnder dem Bchelmigen zil. vor bfilwang. ob dem ftelzer ^®). in haßenschwang. hinder birkenbalden. In Harthain, vf der Mangeltinen bofges&ss. ze basel. eppen- aker ^*). Nnsplinger wert, klingenberg. an vnser frowen wis ze tigeshain. herftr&ß. BoHt^) circa Sigmeringen. item ain gAtli, ift gelegen ze BoU, der graßakker, den man nempt den hangenden morgen vnd herwidervmb ob dem acker ain lendlin gen Laitz wert vnd ain lendlin hinder ackermanns büß. ain acker nebent dem kaltenbacb. item ain wis im tal. item ain vierdentail ainer wis in dem kalten bach vnd hinder denen von waldmadan. in dem hochen aspan. item hans can von Bolt haut enpfangen daz gfttli ze Holt sin leb- tag vnd gilt j&rlich YIII ß hlr. für alle ding. Tieringen (Sih oben.) an der aich hcüden. hinder lorn. daz loch, ob gehay. zft taire ^'). ob kurczen Itaig. katzenftaig, in titel- feld *'). an den gewanden. in tondern. in tobel. in rüdern. ob dem schlipff. vf der blaichen 1) OA Tuttlingen Pap. Blätter eingeheftet 15. Jhd. 2) piugo Beugung. 3) s. o. elwizgarten. 4) ross-werli? Werinher. 6) FN. 6) Entw. FN oder = hesel. vgl. Eselwald, alt Hoselwald. 7) Hiltirat? 8) PN weibl. 9) brül an der kelun? 10) e-holtz. 11) Krähenhein- •ftetten. 12) s. o. 13) Frau Metza. 14) s. o. 15) b. o. 16) s. o. 17) Hamer FN 18) Warsch. Ackername. Ackor- mit Stelz kommt oft vor. 1«) PN Eppo. 20) Pault. Vgl. Bolt, Bolten = St. Hippolit im ElsaBS. ) Tor. 22) tutilfeld, Mosrorfeld? 214 Grossdfingen. ob bolchbnmnon. ob holz, an den zilaten ^) bömen. zu den ft^kken. tüffenweg. ze langen akker. ob den bfiwen. ob erlan. vfif dem ftainigen bol. ob dem griesenbol. vnder bollen- ftain. bi dem winterböm. in wasserval. diebäkker. za dem ftorren '). ob dem sülcher. an dem wasen za den hoptan '). vfiP hellrigels *) akker. ob wachenwis. bi rechbrunnen. vf bisinger borg, vfif den grimmen ^). vnder aichiloch. ze lengwis. vfif den hocken ^rerdan. vf der vordem wang. vff Benz swainboltz akker. vor bficb. grA- bünd ^). in dem rangendinger tal. ob ftainhokbmnnen. ob der tunk. In Lutlmgen"^). des box hof. vf ebenbiirt. hinder taleoa- wauk ^). ob talenswanker zil. vfif der hohen wis. hinder aichen- Itain. vnder dem r&ber. vnder hebsaxs böm. vnder dem widenakker. bi henken ®) bdm. vnder houan. ob dem ftettbach. vnder dem 8ch5nbuhel. bi des schellers velwen. in aichen. in dem melböm. boxbrfil. bi dem fteglin. in rietwise. an dem gemainmerkt. vnder klnnshalden ^^). vfif dem hard an schopffloch. vor b&loch. an den holder &kkern. ob dem reggelturren. vnder dem narren '^). hinder liphains wis. in dem alten egelsee. vfif dem v&ggellin ''). v£f den haJdwisan. an selwisen. vnder hagen. in der vherdren ^'). an Sant Johannsen. am bruggbach. ob dem böngai-ten. an der kilchhalden. in laimental, vfif den vfifgenden akker. zwischat den ftaigen. ob dem hailbrannen an hainhelli ^^). ob dez narren grünt, in gacben- tal. ob dem wolfifböm. sinsental '^). vnder dem schriber. kiiwis. meßwis. In Frumam. vf dietenPtaig. vf kol. vf endinger berg. vnder lochen, ob dem afissen brunnen. vfif dem hard. hinder langenftain. Wkchingen, an S. Uolrichs hofstat. an der IVain gassen. esch gen telkouen '®). in blachen. an trogsteig. an dem alma *^). vnder dem tan. vf lüczelhalb. auf dem hairn ^^). vf mugenbfihel '*). vnder Goßhaimer tan. in dem byberbach an der waiblinen wit. die ver- grabene^^) wis. der nättrerinen ^ ^) wis. an wengen. an hagelfteins ^) wis. an die außgassen ^^). an dem werd. an vnser frowen. (wisen zu Pruck). ABirlinger 1) grenzstäDdigeu. 2) wol der PN Storr. S) Kopfstücke. Schwer- lich der FN Hopt. 4) FN 6) FN? 6) doch wol = grabbünd. 7) OA Balingen. 8) vgl. Tälinsfurt bei Tübingen. 9) FN 10) PN 11) FN 12) vgl. oben staiggelin. 13) FN Dherder, j. Anerter (eigentlichst Maulwurf, talpa). 14) hainheli oder hain-helli? 15) FN Sins. 16) TaHn- üboven? 17) Uffm Alma, häufig. 18) Hom. 19) vgl. Muginekke. 20) umgrabene. 21) FN 22) Dortherum gab es auch FN Uagelstein. 23) Trieb-gasse. 215 Noch einmal dio AlemaimeQ. Herrn Professor J. Meyers Artikel über Alamanoi veranlaßt mich an disem Ort einigen Bedenken Aasdruck zu leiben. 1 Es war mir von jeber auffallig, warum man keine Belege dafür auftreiben kann, daß sieb sowol die Alamannen selbst, als auch die übrigen deutschen Stämme dises Namens bedient haben, warum diser Volksname, der doch bei den alten Schriftstellern ond in alten Aktenstücken so häufig vorkommt, dessen sich der Kanzleistil, zumal der kirchliche biß ins späte Mittelalter bediente, in keinem einheimischen Eigennamen, sowol Personen- als Orts- namen erhalten hat, wo wir doch unter den Personen-, wie Orts- namen allen echten Stammnamen wie Franco, Snabo, Peigiri, Thu- ring usw häufig begegnen. Der Alman im Verbrüderungsbuch von St. Peter, im Codex Lauresh. und im Chron. Mont. Casin. ist nicht beweiskräftig, wie Stark in seinen keltischen Studien (Schriften der Wiener Akademie der Wissenschaften Bd. 61. 62 u. s. w.) bezüglich der gedachten Quellen dargetan hat. Das scheint dafQr zu sprechen, daß der Name Alamanni kein volkstümlicher, villeicht nicht einmal ein einheimischer war. Wären die Alamanni ein kleiner Stamm ge- wesen, wie die Heruler u. a., der nach kurzer Blüte in einem anderen aufgegangen, dann wäre der Abmangel an gleichklingenden Namennachzüglem nicht so befremdlich. Oder hätten sie iren Namen mit der Einwanderung in ein anderes Land abgelegt, und nnd damit einen anderen Namen erbalten wie etwa die Mai*ko- mannen, die aus Böhmen den Bojernamen mitbrachten, und als Baiern fortleben, dann wäre es gleichfalls begreiflich. Aber von derartigem ist ja in der Geschichte der Alamanni nichts bekannt. Im Gegenteil wissen wir, daß das alamannische Volk sich selbst je nnd je Schwaben genannt hat, daß der Name Alamanni nur bei den romanischen Völkern üblich war und in erweitertem Sinne biß auf disen Tag fortlebt. Es wird heutzutage Niemand geben, der Lust hat den Beweis anzutreten, Walafnd Strabus Theorie von dem Zwillingsstamme der Schwaben und Alamaunen fuße auf einer geschichtlichen Tatsache. Waren aber Alamanni und Schwaben ein und dasselbe Volk, dann ist nicht zu begreifen, wie ein Volk gleichzeitig zwei verschidene Namen selbst gefürt haben sollte. So etwas stünde in der Geschichte naturwüchsiger Völker einzig da. Daß ein Volk zwei und noch mer Namen trägt, kommt zwar heute noch vor, ich erinnere nur an die Albanesen, aber es ist immer nur ein Name, den sich ein Volk selbst gibt. Die Alba- nesen nennen sich Skipetaren. Es wird also auch hieraus war- flcheinlicb, daß einer der beiden Namen unseres Stammes fremd ist^ der Name Schwaben wird es wol nicht sein. Vom Himmel gefallen ist der Name Alamanni allerdings nicht. 21B 2 Ob uuii der Nnmo Älamantii gleicli ursprünglich 80 uJer A Iah mim Dl gelautet habe, will ich nicht untersuchen, weil ich fürchte, koiae durchsch lagen de d Oi'ünde für das eine oder andere vorbringen zu künuen, Ich möchte hier uur meiau Zweifel da- rüber äußern, daQ der Name Alamanni in einer Beziehung zu dem got. in allaiin alamannaro stehe, d. h. änlicher Uein Hauptbedenken ist dai den alten deutschen Stiimmen i kommen, wie „AllmeuBoli' würe'/ Geschichte diser Stämme und den Iiaupt. Die Völker tragen noiuin Keielmungen, Wie BcU ein Naturvolk gleich einen ao abstrakten Namen cb meine das widerstreite der jeseze der Nnmenbildung über- propria, nicht appelUüve Be- Alamanni muß daher einen cuDcreten Sinn gehabt haben. Man ündet ja auch nirgends einen italischen oder keltlBchen Stamm, der etwa lauta, totilim was un- geftr auch „universitas" bedeutete, geheißen hätte. Und wenn sich die Semnonen von iren Nachbarn als Btatsrechtlichu Einbtil als eine univeisitns durch die Bezeichnung irea Stntsweaens all „ftlamannida" nnteracheidec wollten, wie konnte sich dann der ein^felne Semnone Alaman, „AllmenEcb" nennen? Das ist meines Dafürhaltens nicht wol möglich. Ein so abstrakter Begrif wie Almau sezt vorauB, daß die Alamanni oder wenigstens iru Nach- liarn, die inen den Nanieu aufgebatst haben könnten, eines StAU- g^riilcK fühig gewesen wären. Daß sie aber eines solchen GelUles unfähig waren, lert die Geschichte. Ich verweise in disem fietref iiuf Kaufmanns Geschichte der Deutschen. Wir haben ja biß weit ins Mittelalter herab nur ganz concrete Hamen. Wie concret bt z, B. der Name Marcomanni, Grenzmauuen, auwol im ersten als zweiten Teil? Ist der erste Teil des Namens ein coucreter Begrif, «o muß es wol auch der zweite sein. Mir wenigstens aind noch keine Namen aufgestoßen, deren einer Teil einen abstracten, und deren anderer Teil einen concreten Begrif darstellt. Ich meine daher das Element Ala- in Alamanui aei nicht mit dem ala in dem got. alamannam zusammeuziistellen. 3 Ebenso große Bedenken liege ich gegen eine Vergleichnng des Volksnamena Alamanni mit unserem Flurnamen Allmand. Die von Grimm nufgestellle Form *alRnianntda= Allmand ist meines Wissens nirgends nachzuweisen, im Gegenteil stimmen die fibcr- liferten alten Formen des Wortes „Allmand" gar nicht dium. Alle alten Formen dises Appellativs gehen auf ein Tema mein sn- rück, das meines Erachtens eher mit lat. conmoin-is aus der Wurzal mt zu vergleichen ist. Leider gehen die Belege nicht über das 12. Jarhundert zurück. Ich nenne aus Schäpliins Alsatia 252 (anno 1126) in Silva publica q. v. nlmeiäe dicitur. Ebendort I, 203 [a. 1133) Almeida. Dise Formen, die villeicht mangelhaa ge- lesen sind, entscheiden allerdings nichts. Deutlicher sind schon folgende. A. 1148: cum pnscuis, silvis, aqnis et aliis almeinäis. bei Haltaus 19, Meingwelde (aano 1174) b. Kehiein, Samml. 40. 217 Hier feit die Partikel alj und mein bat denÜich den Sinn von ge* oaein. Jar 1170 fnndns vulg. almeinde ib. 1. Anno 1186 terram. mmnere • . . communtbus tisibus q. v. almeine dicnnt. Kebr. a. a. 0. Anno 1230 (ümenda (Maulbronn) Wirt. Urkb. 3, 263. A. 1238 Almeine (Maolbronn) ib. 3, 419. — Anno 1240 communitas Al- meinde^ a. 1291 Algemenda (Ulm). Jäger Gesch. v. U. p. 722. Hier ist wenigstens so vil deutlicb, daß der Schreiber an „allen gemen^ dachte. Anno 1318 Alman (Pfohren) Ffirstenb. Urkb. 2, 63. Anno 1370 Ahnängdinan (Muri) Mone, Zeiisch. f. 6. d. OR. 20y 473. Die an man anklingenden Formen sind sichtbarlich ^e jüngeren« Aber auch die Synonyma sprechen fär Al-meinde, nicht fär Al-mannede, So z. B. a. 1050 silva Kemain Mon. Boic. XYIII 382. — 11. Jhd. (rimein-merchi (Allerheiligen - Schaffh.) Arch. f. Schwz. Gesch. 7,270. Anno 1207 compascuum i. e. teutonice oZ- meinda vel gemein-weida. Mone a. a. 0. 1, 112. Anno 1293 pra- tom dictum Gemeinde (L&lenwang) Mone a. a. 0. 3, 251 u. s. w. Andere mit oM- anhebende Flurnamen sind zum Teil anderer Herkunft, wie z. B. Allelo (1420) b. Rosna (Habstal. Urb.) oder Allgrent neben dem das richtigere Altgereut vorkommt. 4 Des weitern glaube ich, daß zwischen alamannida und dem Ortsnamen Allmendingen kein Zusammenhang bestehe, denn die Formen Alahmuntinga, Alhmuntinga neben Alamuntinga (Förstemann NB p. 41) leren ^m ja deutlich. Dises All- ist altes alach. Ob das aber nur Gebäude bedeuten kann, ist doch wol fraglich. Aläh kann ein Gebäude bezeichnen, muß es aber nicht in jedem FaU, denn wenn man auf die Wurzel des Wortes, auf ark einschließen, zurückget, läßt sich doch wol nur so vil feststellen, daß ark, alk, alh, mit Trennungsvokal alah, eben nur etwas Ein- geschlossenes, Abgefridigtes bezeichnet, was aber ebenso gut einen ami&anten Gdtterhain, als ein von Holz oder Steinen gezimmertes Gebäude meinen kann. Was Grimm über die Synonyma harne, forst, alah, wih und s. w. in seiner Mythologie si^ will ich nicht widerholen: aber mir scheint, daß das in Ortsnamen, sowol in WoDorts-, als besonders auch in Waldnamen vil vorkommende alah nicht bloß Gebäude bezeichnet habe. Es gibt eine ganz respek- table Zal von niemals bewont gewesenen Waldbergen die Ahlen- berg oder Ahlen schlechtweg heißen. Und merkwürdigerweise auffallend vile darunter mit germanischen Grabhügeln. Für die AufBusung des Sinnes von alah^ dich scheint mir auch das nicht unwichtig zu sein, daß St. Willibald in einem Schreiben an den Pi^i den Flußnamen Alchmuna (Altmühl) mit „heiliger Fluß" widergab. (F. X. Meyer, Monographie des L. G. Rittenburg p. 151). Wie hier das Wort akh, das die Deutschen für ir deut- •obee alah ansahen, ob wol es vordeutsch ist, in alt verwandelt ward, so taten unsere Altvordern genau dasselbe im Ortsnamen Oreß-ott-dorf bei scbwäb. Hall. Das hieß i. J. 853 Alahdorf. 218 Wirt. Ukb. 1. 11. 115, später Alechdedeutet. Allbach bei Eß- lingon hieß a. 483 Alachhach Wirt. Urkb. a. a. 0. Ättdorf b. BöWingeD a. 1204 -d/cMw/' Wirt Urkb. 3, 482. So gibt ee noch merere. Dieeni Alach verdunken unsere Ahlm Ahlenbage i Namen, denn das von Petters (Germania XVII. 101) angerürt« Ahle =^ pruuati jiadus, ist ein bei nns unbekanntes Wort. Dieer Baum hieß bei una von jelier Heise, abd. heha, Hehbeerhuum. Ehenheerenbuum. Ich will nor einige bieber gehörige Nnraen neonen. Den Ahloiberif (geeproclieii Alabearg) bei Muttengweiler OA Biberach. den bei Anlendorf UA Waldsee, b. Hagnaufurt OA Waldsee, bei Indelbatiaen OA Münaingen, einen im Kovier Nattheim, den Allaiberif b, Loffingen bad. Seekreis, der ein alter Hexenberg ieU Ein Wald Ahlen fiodet sieb bei Mundingen OA Kbingen, danebeu diu Toimibuch und der Wnld „LaiidyerKlit," eine uralte WalsUt. Diae Trilogie hat iren gnten hiatortscfaen Grund. Ein Dorf Ahltu im OA Riedlingeu. Die Sttidt Aalen dagegen mit dem Hache Aal halte ich für vordeiitsch, denn dort stund das schwäbische Atjoi- leia der Peut. Tafel. Der Bachnamc ist aber nach Analogie mit anderen äoliuben Fiilleo der älteie. Es ist Aiiuila, wie die Aigliitt« liei Lnon hieß und von ir ist der Stadtname Aquileia deririerl, wie Pompejua von Pompiie. Die Ahlenberge habe ich eeineneit selbst besichtigt. Man findet nirgends Spuren von Gebäuden, weder Koleo, noch Scherben, noch vil weniger Mauerwerk. Irer häbscben Form nach waren aie zu „hl. Bergen oder hl, Hainen* wie geschaffen. 5 Ich will nun, um auf die Alamanni zurückzukoinin«D. nicht verhelen, wie binterdenklich mich das gimzliche Feien einer Form Alacmnnni oder Alabinnnni gemacht hat, als ich Dr. BaU' manns Aneicht über disen Namen gelesen hatte, allein icb erwog des weitern, daß sind, die una den Namen sezt, Alamanni komme vo Form, welche vi II ei cht ein sofort beibehalten worden J. 214 über in seinem Dulletii wie Alabai ■h»t eben nur Rümer und Griechen iberlifert haben, daß ja, den Kall ge- Alilimnnni her, die erste betjueme Sigesbei'icht unter die Quirlten warf, Bein kann. Wie leicht konnte der in Altvordern triumphierende Kaiser Caracalla in Anlenung an so mundgerechte Völkernamen Alamannis statt Alachmannis ge- sprochen haben? Es ist ja bekannt^ wie ser sich die römische Zunge Hti'äuhte, Barbaronnamen richtig au sku sprechen. Yerhelt doch selbst der Encyctopädiat Plinins nicht, wie es im citra fastJdinm gebe, so schauderhafte Nam«u uur aufzuschreiben. Stand die Form Alamanni einmal fest, war sie in den Eanzloisül aufge- nommen, Bo war sie aucii gegen alle Nobenbuler gefeit. Von den 219 Griechen, die den Namen merfach ser übel l)ehandelt haben, kann um 80 weniger eine Entscheidung unserer Frage erwartet werden, als sie in der Regel römische Vorlagen ausschriben, wenn sie über röm. Ereignisse berichteten. Wir können aus dem Feien einer Form Alacmanni keinen falls den Beweis füren, daß sie nie- mals existiert, oder existiert haben konnte. Es würde schließlich nur auf den Nachweis ankommen, ob der Kellaut hinter ala schon damals so deutlich gesprochen ward, wie in der althochdeutschen Zeit oder ob derselbe damals so schwach tönte, daß in die Römer überhören konnten. Aber wer will uns hierüber Aufschluß geben? MRBuck Aus ungedruekten Papieren JPHebels *) II Hebel hat sich bekanntlich auch in Gedichten in hochdeut- scher Sprache vei*sucht. Neben Stamm buch versen Rätseln und gereimten Episteln waren es Epigramme, die zu den frühesten Er- zeugnissen der Hebclschen Muse gehörten, die Veranlassung dazu bildete, wie Hebel selbst an seinen Freund Hitzig schreibt (Becker Festgabe S. 87) der Xenienkampf Schillers und Goethes, n^on den Schiller-Goetheschen Xeuien, schreibt er an Hitzig, kenne ich etwa ein hundert ans Recensionen, was wol der Ausstich sein wird. Dank für die eurigen. Sie haben mich lieblich umgaugelt. Schick mir der lustigen Kinder merere .... Zum Dank für die ersten und zum Haftgeld für die folgenden teile ich einige Epigramme mit, die ich kürzlich einem Freund zu einer Sammlung beigetragen habe. Sie nemen sich freilich neben Xenien aus wie die Tochter des Stadtschreibers von Schwäbisch Gemünd gegen einer jungen schalkhaften Athenerin. ^ Siben diser Epigramme an poetischem Wert gering zum Teile trivial sind in den Ausgaben der Hcbelschen Werke gedruckt. Allein der Freund, dem er damit einen Beitrag SU einer Sammlung geben wollte, war er selbst, denn in den uns Torligenden Papiren findet sich eine kleine Sammlung von Reim- eprflehen, die von Hebels Hand geschriben, offenbar in jener Zeit, viUeiGht schon früher angelegt wurde. Es folgen zun&chst 19 nummerierte Stücke, darunter einzelne TOD Lessing, Goethe, von andern sind die Verfasser nicht ge- aeont. Einige Proben hieraus: An den Verfasser eines Heldengedichts. Der Held litt vil an allen Ort und Enden Doch nirgends mor als unter deinen Händen. .1) Sih & 86—92. 220 Grabschrift auf dea Verfasser des Wochenblattes „die Frau.' Da unten ligt ein Mann gar schlau. Der schrieb ein Wochenblatt: die Frau. Und wer das Blatt gelesen hat, Der war der guten Frau so satt, Als ob sie war sein' eigne Frau. Als der Kurfürst von Mainz bei seinem Einzug, nach der Widereroberung der Stadt, von 20 Mezgeru gezogen wurde: Von einer Eselin getragen Ritt Cristus einst in Salem ein. Sein deutscher Oberknecht mag etwas schwerer sein. Denn 20 Esel zogen seinen Wagen. Dann folgen 14 Sinngedichte one Zal und one Angabe des Verfassers, einzelne noch mit den Korrekturen des Konzepts von Hebels Hand. Davon sind 6 in seinen Werken veröffentlicht: Rüde donandus, Undank, Herzensanligen, am Grabe eines Kapu- ziners, am Grabe eines Ghirnrgus, Krankenbesuch, einzelne teilweise von dem uns vorligenden Texte abweichend. Wir geben die fol- genden, die nach unserer Meinung Hebel anzugehören scheinen: Auf den Tod des Fürsten C. in Mozambiqne Wer wollte nicht noch todt Bei seinen Freunden sein? Scharrt doch den lieben Herrn Zu seinen Hunden ein. Bei Exekution zweier Mörder. Ein Fremder: Welche verbrecherische Lust lifert dise deo Raben? Ein Bürger: Kleinigkeiten ! Sie haben dem Stadtant ins Handwerk gepfuscht. An Fähndrich W. Damit der Unhold Sausewind Es nicht von dannen heben kann, Schnallt man dem lieben MutterÜnd Zur Vorstang einen Degen an. An denselben. Geh nun, mein Pfippchen, geh nun und blick Um dich! der Degen bleibt sonst zurück. Heiduk und Tod. He da, Bauer' wohin mit der Sem? Bin der Tod — zum gnAdigen Herr«i! Wmu» Erlaubt w&r; Ist er imA Iiiflp? «— Linker Hand, wf • = 221 Eudemius: Eudemius, was ist ein Thron? Eine fliegende Brück auf dem Acheron. An einen Proseliten. Der Mann mit seinem Hirtenstab Nahm dir die Decke Moses ab Schnaps hängt er die zweite um Und nennt sie Evangelium. Nürnberg und B — • Eine alte Sitte Nürnberg hat: S' hängt keinen Dieb, es hab ihn denn: Doch unser weiser Magistrat Hat keinen Dieb, er häng ihn denn. Eine neue Anregung zur schriftstellerischen Verwendung der hochdeutschen Sprache und damit auch zum Dichten in diser Sprache gab die Beteiligung am badischen Landkalender seit 1803 und seit dessen Uebernarae im Jare 1807. Die Poesie gieng im, wie er einmal sagt leichter wie Prosa. „Wenn er in Prosa schreiben wolle, berichtet Giehne (Studien über Hebel Cotta*8che, VierteljahrsschrifbJ so müsse er immer bei Nacht aufbleiben, denn in der Tageshitze gerinne ihm alles augenblicklich in Verse und Reime. ^ So erschinen im Jargange 1807 die beiden besten hochdeutschen Gedichte, die wir von Hebel haben. Das Sommer- lied: Blaue Berge und das Abendlied, wenn man aus dem Wirts- haus get: Jezt schwingen wir den Hut. Im Jare 1809 beim Auf- stande der Tiroler muste die badische Garde und die Husaren auf französischer Seite gegen denselben ausziehen. Der schon erwänte Adjunkt des Hausfreundes, Legationsrat Koelle, der unmittelbar vorher mit Hebel näher bekannt geworden war, erwänt (Hebelaus- gabe 1843 CXVI): er sei auf den Gedanken gekommen, den Truppen ein fliegendes Blat mit Soldatenliedern nachzusenden, er habe dabei von den 4 abgedruckten Liedern, das Lager- und Dragonerlied, Hebel die zwei andern verfasst. Uhlands „Ich hatt einen Kame- raden'* kam 8U spät. Dise beiden Gedichte sind das Grenadierlied und Musketier- lied: Wohlauf, wohlauf die Fahnen wehn, und „Steh ich im Feld, mein ist die Welt*\ Sie reihen sich in Volkstümlichkeit und Kraft deo beiden soeben genannten Gedichten an. lo den hinterlassenen Papiren findet sich ein Heft mit 4 Kriegs- IBo ^ n, mit der Ueberschrift „Gedichte von Hebel ; die Handschrift t auMwm noch innen, die der Gedichte von Hebel. Das erste «fc: 222 Auf Brfider auf — die Trommel schallt Die Fahne weht empor. Hört — Vater Freystedt commandirt Der Held dem Ruhm und Dank gebflhrt Schön tönte in unser Ohr. Das zweite ist das Lied eines badenschen Grenadiers beim Ausmarscb : Ich bin ein deutscher Grenadier Dem Muth im Busen glüht, Und singe voller Freude hier Mein erstes Kriegerlied. Das dritte ist an die Rekruten die zu dem „hochfürstlicben Badenschen Militär ans dem Oberland^' abgiengen: Was schauert Ihr, o Jünglinge Beim Wort: Soldat? Beseelt euch nicht der hohe Muth Den sonst im heissen Herzensblut Der Deutsche hat. Das vierte ist an die „Kaiserliche Hohenzollersohe Kürassier bei ihrem Enimarsch ins Oberland" gerichtet. Willkomm, Willkomm, Ihr Kürassier In meinem Vaterland Willkommen sag ich, ehrfurchtsvoll Und biete wio ein Deutscher soll Euch meine deutsche Hand. Der Situation nach gehören die Gedichte, die Karl Friedrich öfter nennen, in die neunziger Jare des vorigen Jarhnnderts in die Kämpfe der verbündeten Fürsten gegen das republikanische Frank- reich. Wir zweifeln daran, dass sie von Hebel sind, da sie den Stempel des Hebeischen Geistes zu wenig an sich tragen; obwol man zugeben kann, dass diso Erstlingsprodukte, wenn sie im angehörten, selbstverständlich nicht die Kraft und Volkstümlich- keit der spätem Lieder in sich tragen können. Allein sie sind, und darunter namentlich das vierte, karakteristisoh ftir die Stim- mung, die damals herrschte. So führ euch denn die Tapferkeit Hinüber übern Rhein! Wo windige Franzosen stehn Die weis gepudert, modisch schön Uns zu vernichten dräun. Ein Volk das rasend jedoR Recht, Das Heiligste verletzt 228 Und seines Königs Thron entweibt, Und jede Pflicht der Menschlichkeit Weit, weit zurückgesetzt. Ein Volk, das in dem Freiheits-Wahn So tief herantersinkt, Das Fürsten mordet und mit Wuth Sich selber würgt und Bmderblut Wie frisches Wasser trinkt. Dringt tapfer, eisern, fürchterlich In ihre Fronte ein, Packt sie, wie man Franzosen packt Dass ihnen jeder Knochen knackt Bis sie wie Hasen schrein. Die Menschenfreundlichkeit und Gefälligkeit Hebels gab Ver- anlassung zur Entstehung einer Anzal Gedichte, bei Taufen, Hoch- zeiten, geselligen Festlichkeiten. Einige Proben diser Gelegen- heitspoesie in hochdeutscher Sprache finden sich abgedruckt in den Ausgaben seiner Werke. Unter andern hatte er widerholt die Freundlichkeit, dem Karlsruher Wochenblatträger einen Neujarswunsch zur Verteilung an die Abonnenten zu verfassen. Zwei solcher Gedichte vom Jare 1812 und 1815 sind in seinen Werken abgedruckt. In den vorligenden Papiren findet sich, von Hebels Hand, das Koncept eines noch ungedruckten Poems aus änlicher Veranlassung, das wir zum Schlüsse diser Abteilung noch zum Abdrucke bringen wollen. Neujahrslied. Das alte Jahr hats schlau gemacht, Fort ists bei Nebel und bei Nacht; Zum grossen Glück fllr fern und nah War auf der Stell ein andres da. Es schlich dahin und sprach kein Wort; Was trägt's im schweren Bündel fort? frag nicht! Todtenbeine viel Und Leiden ohne Maass und Ziel! Doch trägts auch brav in Bündel fort Undeutsches Werk, undeutsches Wort, Und manchen blutigen Vertrag, Der nicht bestehn mag heut zu Tag. Beschaut, begrüsst von jung nnd alt. Geheimnissvoll das neue wallt Und hat von grünem Saffian Gar einen netten Schnapsaok an. 224 Was findet in dem Scbnapsack sich? Ihr Herrn, das Qberfragt ihr mich! Es hängt ein goldnes Schlösslein dran Kein Schlossermeister es öffnen kann. Doch gehts mir nach Gebet und Sinn Ist Deutschlands naher Friede drinn Und Glück and Freud f&r alle Welt Besonders wer das Blftttlein hält. Darnach dürfte der Glückwunsch zum Neujahr 1816 ge- dichtet sein. Karlsruhe Georg Längin Zu Schillers Wallenetein ») III Lager 9 : Da erwischten sie einen Bauer eben, Der falsche Würfel thät bei sich haben. Vgl. Fischart Garg. 1590 S. 370: Und wer alsdann die Diebsdaumen abschnitt, der hett gewiss glückhaft Würffei. — Sagt mir, was meint er mit dem Qöchelhahn Den der Feldherr nicht krähen hören kann? Vgl. Garg. S. 378; Weil Hanenfedern groß Krafit geben demnach die Letcen die Hanen scheuten. Die Fabel bei Achilles Tatius (Alem. VII 80) findet sich fast gleichlautend bei dem griechischen Fabeldichter Babrius 2. Samml. Fab. 41 ; allerdings hat die Kritik diso 2. Samml. angefochten, allein der Kern ist alt und echt, nur nicht frei von späteren Interpola- tionen. Ferner gehört hierher die äsopische Fabel (ed. Halm) No. 323. Eine Anspilung darauf findet sich in einem Roman des Byzantiners Constantin Manasses (12. Jarh.) IV 61: aif ix(f)oß(oai Xiovvag dXsKiogwptjüviai. Endlich Plinius Hist. Nat. X 98 bei der Beschreibung der Häne: itaque terrori sunt etiam leonibus fera- rum generosissimis (doch wird der Schrei des Hans nicht aus- drücklich hervorgehoben). Mitteilung von Prof. Bergk. Lager 9: Kann die Katzen nicht hören mauen Dazu kann ich aus einer der lezten Passionsauffiirungen in Lauingen anmerken, dass der Heiland am Kreuze, als ein Feind von im eine Kaze unter dem Mantel in den Schwanz zwickte und dise aus Schmerz weithin hörbar maute, laut aufschrie: launt mi r&! launt mi r&! Er konnte wie Wallenstein keiner Kaze Ge- schrei hören. 1) Alem. Vn 111 fi". Vni 29 fl". 235 Denn seine Machi isCs^ die sein Herz verfährt. Vgl. Moria Stuart III 3: Die Macht verführte nUch usw. Piccolomini I 3: den Feldherm hatten wir noch nicht gesehen den aüvermögenden^ in seinem Lager. — Und wälzt die grössere Hälfle seiner Schuld usw. Vgl. Kabale und Liebe V 8 Ferdinand: Feierlich fcäle ich dir hier die grösste grässlichste Hälfte eu. Vgl. Don Garlos: I 9. des Geistes beste Hälfte^ M&nner- kraft habe ich usw. Lager 5 Erster Jäger: und die Feder vertauscht mit der Kugd- hüchse. Vgl. dazu Fischart Oargantua 1590 No. 343: dann die von der Feder geben gute Fechter und schir- men mit Federklingen ynnd Lemmerkengeln manchen anß dem Land. — 7 Zweiter Jäger : Einer Dirne schön Gesicht ^) Muss allgemein sein^ toie's Sannenlic?U\ Vgl. Garg. 116: weil vnter guten Freunden all ding foU gemayn fein, wie der Lufit vnnd der Sonnenschein. (Es ist von Piatons Lacedemonisch Gartenbrüderischer Weibergemeinschaft die Rede.) Die Vergleichung mit der Allgemeinheit des Sonn^iUchts begegnet in der Jungfrau V. Orleans öfters. « — Wachtmeister: Doch meine Verdienste die blieben im StiUen, vgl. Kabale und Liebe III 2 HofiEoarschall : aber wer — das Strumpfband zuerst erblickte, belehnt sich in der Stille und schweigt. Piccolomini IV 6 Tiefenbach: Die Beine aber tvöUen nicht mehr tragen. Vgl. Garg. 187: Ach die beyn wöUen nicht meh tragen; die Sonn will jren schein versagen usw. S. 312: Je sterker wein, je sohwecher bein. — Sie lernt es ihrer Schwieger ab. Noch heute allge- mein schwäbisch und alemannisch üblich. Boxherger, Wallenstein 148, sagt irrtümlich : es wäre im vorigen Jarhunderte noch gebräuchlich gewesen« Flschart im Ebeznchtbüchl. 1597 gebraucht es oft. — II 6 Illo : Der ist mit Leib und Seele dein, seitdem du Die Fharobank ihm wieder aufgerichtet. Vgl. Kabale und Liebe IV 1 Kammerdiener: Der gnädige Herr sitzen oben am Pharotisch, 1) „Ein Frantzoß liebet Frauenzimmer das hurtig and geschwind ist, und wohl tantzeu kann. Einem Spanier gefallt eine anmuthige Ge- stalt und die fein verliebt ansiehet. Ein Italiener ergötzet sich an einem Mägdlein, die ein wenig rasch ist, blöde, und die sich ein wenifi^ weigert; aber ein Teatschcr will gerne eine frische und tolle Hummel haben." Nen-entdeckte Geheimnisse v. d. Schönheit der Damen usw. Leipzig 1704. S. 251. BlrUngar, Alemumi» VIII S 15 &28 I'iccolomini I 4. Die Zelte fallen, weiter rückt die Horde Vgl. Teil I 2: die wilden Horden ihrer Kriegsmacht. Dos Wort hl Bclimi im \1 . Jlid. in Deutscliland nachweisbar. alrer erst seit dem Kude des vorigen Jlids. so reciit hochdeiiteoli uiiigebürgert. RuBBiuch opdö (Üb ordi) ^ Tat^renstamm ; epäter übertragen = vilköpfige Menge. Der alte Mongolo-KalmückiBcbe (oder OcrotJBche) Strafcodex, lierauegegeben vom o. Prof. Th. fi. Leonto witsch, Odessa 1879 (russiscb) enthält die von den ,Horden- fürsten" 1040 verabredefen liest immun gen usw. zur Fürunp der Uordc. Mitteilung meines Freundes und Lerers Prof. Dr. Aug. Boltz. — 1 2 Octavio: dürft er nicht keck reden auch Vgl. Lager 6 Erster JKger: Das Wort ist frei BSigt der General. — — Questenberg: Ganz unbegreiflich ists, daß er, den Feind nicht merkt . An seiner Seite. Vgl. den Teufel spürt dos Völckhen nie, in Auerbachs Keller. Wenn Max I 4 sagt: Ja so sind sie! Schreckt Sie alles gleich was eine Tiefe hat Ist ihnen nirgends wohl nls tt'o's recht fladt ist fio fallt mir die Schilderung des Publikums im Vorspil au( dem Theater im Faust ein, das nur leichtes Rngoiit wünscht, desgleichen die Sohilderei der platten Bursche in Aucrbai;he Keller, Bei dem Versenken in PlutÄrohs Leklilre schreibt Seh. an Lotte (Seh. n. Lotte 124): er finde sich über diese pliille Generalioti num Zeit- genoasen einer besseren kraftvolleren Menscheuart erhoben. — II 1 Narretiaposxcn gebraucht Schiller auch in Kabale und Liebe III 2. Don Carlos 11 12: Kitiderpossen. WalleaetuinsTodlV II (vgl. BoxbergusWallenalein, Einleitung VII): Es fuUea sich mir alle Räume dieses Hauses Mit bleichen hohlen Geislcrbildem an usw. Vgl. Kabale und Liebe III 5: Hat unspie Seele nur einuftl Eutsetzen genug in sich getrunken, so wird das Aug in jedem Winkel Clespensler sehen. V 1 : ich bin darum d-och nicht einsam. Wenns so rochl schwars wird um mich herum, hab ich meine besten ISesnekc. Piccol. I 4 Max: da rufen sie den Geist an in der Noth, Und griiuel ihnen gleich wenn er sicit zeigt. Hier kann Faust, der Geister beschwört nnd Im aa vite kamen, Rübezal und Goethes Zauberlerling angezogen werden. Wallensteins Tod IV 3 fr. Bürgermeister: Wir xngens auf den Türken. Vgl. Nene Sammlung merkwürdiger Geschichten von unterir* diachen Schützen, Höhlen usw. v. CEI-'. Breßlau und Leipzig 17&6 S. 22 Von nnheimlichen Schlügen in der Nacht: Unsere Haus- Wirthin, die gleichfalls zu Bette lag, wollte es auf ihren ToA 227 ziehen, — In dem Bncbe: Lustiges and Ernstbaftiges Gespräch. Anderer Theil. Halle 1688 S. 453 stet: „Und wenn ein Comete dem Türkischen Beich Untergang bedeutete, so bedeutete es zu- gleich dem Haus Oesterreich gutes Glück ! Piccol. U 7: Erspare^ Sie's, uns ans dem ZeUungsblatt zu melden, was wir schaudernd selbst erlebt. Vgl. Kabale und Liebe III 6 : Haben sie Tielleicht noch eine Zeitung'i Don Carlos 15: — und die grosse Zeitung. Vor Ihres Vaters Ohren bringen usw. — n 2: Wenn ZeUungshläUer uns das Neueste Vom Hofe zu Aranjuez erzählten! — II 4: Den allgemeinen Fahrweg der Gedanken betrete Deine Zeitung nicht. — — III 6: Sehr übel für Sie und Ihre ZeUu/ngen. — IV 15: So ist sie wahr die ausserordentliche Z^ung, die schon den ganzen Hof erfdllt? Der Name ,j2jeitung" beginnt in gedruckten Berichten a. 1505. Aber erst in den zwanziger und dreißiger Jaren häufen sich die- selben und reichen noch in die Zeit hinein, in der periodische Hefte die Flugblätter zu ersezen suchen. A 1566 wachs mit der Türkengefar die Zal der Zeitungen. Straßburger und Baseler Drucker gaben damals zum ersten Male v. 1 — 8 numerierte Blätter heraus, deren Nachdrücke rasch folgten. Von 1591 an begegnen uns die Ausdrücke Relationes historicae, Mess-Relationen usw. Weller die ersten Deutschen Zeitungen CXI Publikation des Stnttg. Litt. V. 1872 Vorrede. Die Bedeutung von heute, die Schiller oben vilfach an- ticipiert, ist schon für Wochen-, Mouatblätter zu Anfang des 17. Jhds. üblich. Da von solchen die Rede nur sein kann mit der Ein- fürung der Post, so ist der einfache Scbluss : als die Post grössere Ausdeuung annam, können auch nur die Zeitungen und zwar vor- erst die wöchentlichen aufgekommen sein. Von den Postmeistern wurde aus eitel Gewinnsucht die sog. geschribene Ordinarizeitung gehalten, die gegen Erlegung von Geld „communicierei'^ ward. Das hielt sich nicht lange, weil die Redakteure der übrigen Zeit- ungen sich den Inhalt gleicherweise vom Postmeister verschafften und in des folgenden Tages in iren Blättern brachten. Unmittel- bar vor und nach dem Dreissigjärigen Kriege namen die Besucher der Frankfurter und Leipziger Messen die Briefe mit und wirkten auch für die Verbreitung der Ordinarizeitungen. Ausser inen gal- ten die Universitätsboten als Briefbeforderer. Gewisse Nationen hielten für ire angehörigen Studenten mit nicht geringen Kosten dieselben. Wärend des grossen Krieges war man auf Privatboten überhaupt angewisen. „Sobald aber, sagt ein Bericht, nach der Hand Teutschland hinder das Arcanum der Posten kommen, wie dabey einem grossen Herrn seine führende Correspondenz Fremde 228 gleichsam bezahlen müssen, so ist auch das hin- und herschreiben von Neuen Zeitungen angegangen/' — ,,So ist man naeh der Hand, da durch die wöchentliche Posten eine avise aus Pariß in acht Tagen durch ganz Teutschland ohne einige Unkosten laofien können, in den correspondenzen fleissiger worden usw.*' Ueber schlechte Re- dakteure, über absichtliche Irreleitung des Publikums von Seite der Regierungen vermittelst Zeitungen wird schon früh geklagt. Die Leipziger Zeitungen waren Ende des 17. Jhds. am besten re- digiert, sie hatten als Gensor einen dortigen Professor. Das Avi- senausschreiben war schon damals in Blüte. Die besten Zeitungen für Polen kamen aus Breslau, für Böhmen aus Dresden, für Un- garn aus Wien, für Italien ans Augsburg, für Frankreich aus Straßburg, für die Niderlande aus Frankfurt und Köln, für Spanien aus Hamburg, ebendaher für England und Dänemark, für Schwe- den aus Stettin; aas Königsberg und Danzig erhielt man die bes- ten Livländischen und moskowitischen Zeitungen. Die Redak- teure liefen schon damals in den gen. grossen Städten durch die Gasthäuser und holten Neuigkeiten. Gegen Ende des 17. Jhds. und schon nach dem Dreissigjärigen Kriege galten die französi- schen und kölnischen Zeitungen über Ludwigs XIV Kriege als die luverlässigsten. Die Hamburger Gazetten galten als die vollkom- mensten, die sprachlich zierlichsten waren die Leipziger. Die Frankfurter ¥raren ser reell; die Kölnischen und NÄrnbergischen oft unzuverlässig. Eis seien noch die Kölnischen lat. geschribenen Zeitungen der dortigen Patres erwänt. — Nun zu Wallenstein. Unmittelbar vordem Kriege (1623) ward die Einrichtung getroffen, dass die Ordinaripost zweimal wöchentlich die grösseren Städte Böhmens berürte. Das genügte aber für die Kriegszeit nicht Wallenstein, berichtet Hallwich XXXIII ff., verstand es, vom Cen- tmm seines jeweiligen Hauptquartiers aus, wie mit dem Hofe» so mit allen seinen Unterfeldherm an der äussersten Peripherie seines grossen Operationaieldes eine Verbindung herzustellen, deren Rasch- li«it und Präoision geradezu staunenerregend scheint. Seine Cou- rier« legten den Weg von Prag nach Wien regelmässig in drei Tagen lorück und bracht«» ebenso regelmässig in zweimal vier- undiwaniig Standen seine Ordonanien von Prag nach Neisae; in be^'Miders dringenden Fällen noch raadier. Eine Depesche von $chw«idniz nach Wien braochte nicht ganz zwei Tage. Das sest tjkhtig« Reiter und praktisdie Einriditnngeii voraus. Sein Fdd- |H\slin«ist«r beaog monatlich 160 fl. Die Trompeiery welche den iVmrierdiensl vmahen« l^ldeten eine formlidie Zonlt oder Zeche mit AulWne von Lerjaogen« Ein Ritt von Pmg nach der Lausis Kmcht^ 4i\ naeh Schl««ien 55. nach Saiwaben 200 fl. dn. Die |U\unptiKKhik R«KLt^l)ung wui W an die Heene and die von den Heeren an in wiur nur R<$r^L /.ur A*tJxy$fW fTtirftryii^'Aii'A^V ir«iü/eNji N«x 16 S. 263 fil einen Beitrag 229 gelifert, woraus erbellt, dass W nicbt nur Stndent in A son- dern auch ganz der wilde Student gewesen, wie in uns der Dichter treffend geschildert. Die Karzersage anlangend, meint U. richtig: die Sage umkleidet das Leben grosser und hervorragender Men- schen gern mit vilerlei abenteuerlichen Historien; dass sich dem gleich einem Meteor am deutschen Himmel emporsteigenden Fried- länder derartige Anekdoten, lustige und schaurige, an die Fersen heften musten, ist daher selbstverständlich. Der nahezu „erschla- gene Famulus*^ ,,nach dem Hunde nennt sichs bis diesen Tag'^ be- ruht auf historischen Quellen. Stubenarrest, nicht Karzer, war Ws. Strafe. Die Namengebung nach dem Hunde ist unhistorisch. Ur- sprünglich fürte der (oder gewönlicher das) Karzer den Namen Stumpfe!, vom ersten Bewoner Gabriel Stnmpflein, der 1576 in ein- weihte; nachher hiess er Bärenkasten, Hundsloch und kurz weg Hund, wie er zu Schillers Zeit noch genannt ward. Warschein- lich schon bei Lebzeiten des Friedländers hat sich die Sage des Märleins von der seltsamen Karzertaufe bemächtigt; denn Wagen- seil siht sich 1687 veranlasst, dasselbe in der fünften seiner ,,Exercitationes sex varii argumenti'' zu widerlegen. Im Lager wird der Name WäUonen, Piccol. I 5 der der Croten genannt. Da meine Mitteilungen Bruchstücke eines um- fassenden Commentars zu Schs. Wallenstein sind, so gebe ich meinen Lesern auch Auskunft darüber. Ausserhalb Holland heissen die Niderländer Flamänder, Vlamen, Vlämen im Gegensaze zu den französ, WäUonen. Soweit die Geschichte get, gab es nördlich der Ardennen stets zwei Sprachen und zwei Volksstämme, der ger- manische der Bataver und Frisen und der gallische oder keltische der Belgier. Lezterer Nachkommen sind die WcUlonen mit irer Ursprache^ die weder das Germanische noch das Französische be- deutend beeinflusste. „Wallonisch^' ist also kein verdorbenes fran- zösisch, obwol es seit der Burgunder Herschaft mit diser Sprache versezt ist, noch weniger verdorbenes Deutsch, hat vilmer die meiste Aenlichkeit mit dem Welsch mancher Schweizerkantone und dem Rumänischen. Das Wallonische herschte seit mereren Jarhun- derten in Namur, Lüttich, Hennegau, WLuxenburg, NCampa- gne, erlangte aber keine litterarische Ausbildung. Verschmelzung troz naher Zusammenwonung fand nie stat. Zieht man von Dün- kirchen eine Linie, welche S von Tournai (Doornik) auf Ath und von dort nördlich auf Tongern läuft, so teilt man ungeför das bel- gische Gebiet nach der Sprache der Einwoner ein. Doch gibt es nördlich von diser Linie wallonische, wie SO vläroische Sprachinseln. N von diser Linie sprechen etwa 2^1% Mill. vlämisch, S etwa IV2 Mill. wallonisch, der Rest c. V2 Mill. französisch. Vgl. Ausland 1873 No. 12. Altenburgs Versuch einer Darstellung der Wallo- nischen Mundart nach ihren wichtigsten Lautverhältnissen I Teil. Eupener Programm 1880. Der Name Goten hat bei Schiller Aufname finden können, I wo er der altem Sprache auclt liiiisichllicb dar VölkercnmoD Rech- nang tragen will: ich nanne hier noch hispanisch, Hibernieii, Bübeim, usw. was Ooxberger Schilters W 111 94 schau hervorhob. Golh- laiid heiast beute 1) der südlichste Teil Schwedens, ehemalige Provins; 2) eine grosse, zu Schweden gehörige lusel im baltischen Meere. VuD der Südspize Schwedens also benennen poetisch und archaü- tiach gewisfle Denkmäler der Qsscbicbto und Litteratur die Schwe- den Goten. Ton der Südoetküat« quer über das Land, nahe biß an die Westkäate und biß an den Weneraee, 2U beiden Seiten dea Wettersees, wonten die Gauten, der leztere See schied sie in swei Abteilungen, eine östliche und eine westliclie. Dise Ganten, ai^els. Qeäten, altnord. Gautar sind gvundverschiden von deu Goten, die von NO bernb ire Wanderungen nach der Krim, dem Hivmus, Itftlien, Spanien machten und bekunntUch Gutoues, Gotones früher faiessen. Die Insel Gothlaud mag aber zu inen geboren. Die Ablaata u und au trennen beide Völkernanjen also scharf. Der Verfasser des Artikels „Gothen" in Ersch und Grubers Allgcm. £. Teil Tu S. 297 meint: entweder »ind beide aus einem busondem gemeinsameti Stamme entsprossen und zwar schon zur iieit des deutschen Ur- volkes oder der eine gotische Volksstamm hat sich erst sputer, etwa als der eine Teil aus seioen baltischen Sizen nach dem S ab- zog, gespalten und dann nam bei einem jeden Teile die gemeiu- same Sprache ire besondere Entwicklung zum Gotischen und Nor- dische □ usw. Die VoUcsetymulogie hat schon frühe Goten an Gdiiten nu^elent und apäter als die Güten längst uuterge^angeo waren, lebte ir Name für die Gauteii fort. Ist die Grammatik noch so reich an Sprochänlichkeiteu beider Völker — sie sind nicht £ines Stammes. Aber mir ücbeiut heiliges Ursprunges sind beider Namen: die vom Aufgange der Sonne herkommen, die GlÄn- zenden; die Gautoo können selbst einen Gutteruamen als den irigen aufweisen. — Die Gauten sind die ulteren, die Schweden die apä- tersQ Einwanderer. Das get aber schon über uuHem Commentar hinaus. Da wir einmal bei dem alten wurmstichigen Namen „go- tisch" sind, so sei noch angefürt. was mau Alles unter demselben verstand etwa vor 100 und noch mer Jaren. Goethe in deu Blättern von deutscher ArL und Kunst (Hamburg 1773] S. 127 fr. gibt es also: uater die Rubrik Gothiach, gleich dem Artikel eines Wörter- buchs, häufte ich olle synonymische Mißverständnisse, die mir von unbestimmtem, ungeordnetem, unnatürlichem, zusammengestoppel- tem, anfgellicktem, überhidenem, jemals duruh den Kopf gezogen waren. Nicht gescheidter als ein Volk, dns die ganze fremde Welt barbarisch nennt, hieß alles gnthinck v/aa nicht in mein System pnaste, von dem gedrechselten, bunten Puppen- und Bilderwerk an, womit unsere bürgerlichen Edelleute ire Häuser schmücken, bis KU den ernsten Hestcn der ülteren deutschen Baukunst, über dia ich, auf Anlass einiger abonth euer lieben Schnörkel, iu den allge- meiuen Uesnug stimmte: „ganz von Zierrat erdrückt!" Reicbens- 2S1 berger in der Katbol. Zeitsch. für Wissenschaft und Kunst I Jargg. 2 Bd. S. 73: ^Genug die neue Zeit brach ein, die Glorie des deutschen Volkes ging zu Grabe; auch seine Baukunst, die man fortan schimpf- und spottweise altfränkisch, roh, ungeschickt, vorachtungsWürdig d. h. gothisch benannte.^ An CrOtken, Gothlandy Schweden oben anknüpfend will ich die Piccol. II 7 genannten y^Scheeren^ nennen. Die unzäligen Felseneilande, teils nackt, teils bewaldet, meist unbekannt und anbewont, umgebend die Küsten Gothlands,/ heißen Skären, Daniel, Handbuch der Geographie IP S. 754 sagt, größere Gestade-Inseln und auf diser Strecke (Küstenzug v. Polarkreise noch etwa 60 m SSW) selten, aber dafür sezt eich der im Norden des Polarkreises begonnene Zug der Skären, Schären (skera, zerschneiden) fort, der mit einzelnen Unterbrechungen ganz Skandinavien umgibt. Tau- sende von größeren und kleineren Granit-Eilanden ziehen sich die Küste entlang, aber keineswegs in regelmäßiger Lage nebeneinander, sondern in buntester Mannigfaltigkeit dicht und dünne hingesäet, wie vom Zufall dahingeworfen. Höher und nidriger ragen dise Felsen überall rund und glatt aus den Fluten hervor. Die Wasser irren in Strömungen, die sich nach allen Seiten aufgehalten sehen und durch schmale Engen sich den Ausweg suchen müssen, in disem Felsenlabyrinthe umher. Dises langweilige regellose Felsen- chaos hat aber auch seine reizenden Partien. Denn es tauchen unter einer Menge kaier Felsenrundungen streckenweise häufig genug angeneme Hügel hervor, deren frisches Grün und lieb- licher Baumschlag mit den öden Felsenscheiteln irer Nachbarn einen anmutigen Gegensaz bildet. Das Vorkommen des Namens Schären an der Donau habe ich Alem. II 78 — 80 ausfürlich nach- gewisen und mit vilen Belegen sichergestellt. Auf den Vorläufer van Schülers WaUenstem^ ^Frülan- äu8^ von Nie. Vernulaeus, machte mich Herr Oberbibliothekar Prof. Dr. Jakob Bemays hier aufmerksam. Prof. GreceUus unter- nam es mit Benüzung des Göttlingschen Programms folgendes herauszuheben. Welchen Umfang in Deutschland die lateinische Dramendich- tung wärend des 16. Jarh. gewann, ergibt sich schon aus der Menge von Verfassern solcher Werke. S. Gödeke Grundriß § 113. Mit dem 17. Jarh. nimmt bei uns die Bedeutung diser Gat- tung der Litteratur rasch ab, dagegen erhält sie sich länger in den Niderlandeu und in England. Eine eigentümliche Erschei- nung nun bieten gerade in jener s^tem Zeit die Dramen von Nicolaus VernnlsBus (eigentl. Vernulz), auf welche schon Göttling in einem Programme der Universität Jona (zum Prorektoratsantrit 1862) aufmerksam gemacht hat, in einer Abhandlung: De Nicoiao Vernulaeo Schilleri antecessore in tragoediis Viraginis Aurelianensis et Wallenstenii. Vernulaeus war geb. zu Rupelmondo am 10. April 1588y ecbielt seine philosophische und theologische Bildung zu 232 i Trier, Köln nnd Löwen, wurde IfinS Lerer der Rhetorik nm Col- lege du Pore in Löwen, llill IVoleHaor der Eloquenz an der Ar- tistenfakultät daselbst und später nuch Königl. Ilistorio^rftph. Er Bt«rb 6. Jan. 1649. Bereita 1610 ließ er in Köln eine Ut. Tra- goedie anter dem Titel Filii exUium erscheinen. Darauf folgten ifwischen 1630—1635 z weif Dramen, welche sämtlich geachicht- liche Stoffe, z. T. aus der niderlöndischen und der deutschen Ge- schichte behandeln. Zwei derselben beziehen sich sogiit auf Er- eignisse aus der Zeit des Vf., die Gorramienaes aezen die Vprfol- gnng der Katholiken nach der Einnanie von Gorkum (1572) in Szene, und der Fritlimdus erechin bereils lti35, ein Jar nach der Ermordung Wallensteins. Eine GeBftintntansgabe der historiflchen Dramen kam siben Jare nach des VerfasBers Tode 1656 nnter folgendem Titel heraus: inooi.*! j vernvi,«! | Uistoriographi Regij, & Caefarei, [ Publici Eloqaentise Profefforia | lotamii, ) ti^oobdia I IM uttOB TOMoa DiBTBiEDT.K, | KDiTio II. | Priore alii gibt Göttling in dem oben genannten Programm, mit Beziehung auf Sebillers Jungfrau von Orleans und Wallenetein, er macht nuch auf eine gewisse Aenlichkeit in ein;telnen Reden, namentlich des ersteren Stückes, aufmerksam. In Bezug auf die dramatiscbc Behandlung des Stufies hl(^t sich nicht die geringste Verwandt- schaft nachweisen. Von einer organischen Gliderung und dramatä- sehen Entwickelnng der Handlung, von einer eingehenderen, indivi- duellen Karakterschilderung der Personen sind bei Vernuliens kaam die Anfänge zu entdecken. Daher ist zu erklären das Zurück- treten des lebhafteren Zwiegespräches, das Yorwigen längerer Monologe mit rhetorischer Eiposition der Absichten nnd Stira* mungen der Personen. Zu disen Monologen haben wir nemliuL auch die Unterredungen ; ' ' den überall eingestreuten allegorischen erscheint z. B. im Kritlandus, wie auch i indelnden Personen und Figuren au rechnen. So Indern Stücken desselben Verfassers, der (irreis als Vertreter der Besonnenheit und Weislieit. J 283 im gegenüber Laigus (^oAioc), der Parasit, der Wallenstein zu dem beabsichtigten Abfalle anstachelt. Wenn also der 1. Akt des Fritlandus nur aus Gesprächen zwischen Wallenstein und einer dieer beiden Personen oder beiden zusammen bestet so kann hier kaum von einem dramatischen Dialoge die Rede sein: es sind solche Ssenen eigentlich nicht vil mer, als Monologe der einen Person, welche iren Entschluß ausspricht, und die Gründe för oder wider erwägt. Das leztere geschiht, um einigen dramatischen Gehalt hineinsnbringen, eben unter der Form eines Gesprächs mit jenen allegorischen Figuren. In derselben Weise wie mit Wallenstein Qoterhalten sich Laigus und Senex auch untereinander, sowie mit Piocolomini, Butler und den übrigen Personen des Stückes. Hierzu kommen noch als weitere allegorische Figuren, die aber nicht so unmittelbar in den Dialog eingreifen, der Genius Austriacus und Oermania, endlich ein Chor, am Schluße der 4 ersten Akte; von den lezteren handelt der erste „de ambitione, superbia et vanitate bominis", der zweite „de invicta Austriacorum fortuna*', der dritte „de constanti fide^, der vierte, bei dem auch der Genius Austriacus und Germania beteiligt sind, klagt über das drohende Unglück, aiellt aber den Sig des Rechtes und die Bestrafung des Frevlers in Aussicht. Wie der erste Akt durch eine längere Rede des Genius Austriacus in lamben eingeleitet war, so schließt der fünfte und lezte mit einem jambischen Wechselgespräch zwischen demselben und der Germania, welches den Sturz Wallensteins und den Tri- umph der Kaiserlichen Sache verherlicht, mit dem Refrain Fril' UmäCy nunc, ubi nunc iaces? und Caesar, triumpMy iam licet. Ans disen Angaben über die Anlage des Stückes get schon BUr Genüge hervor, wie wenig Annng der Verfasser von drama- tischer Kunst hat. Der Gang der Handlung ist folgender: Wallenstein spricht in einem Monologe oder Gespräche mit Laigus und dem Greise seinen Entschluß aus, das Kaiserhaus zu stürzen und die Verfas- sung Deutschlands umzugestalten; im 2. Akt teilt er denselben Tersky, Kinsky, lUo und Neumann mit: Hier hilfb nur Eins: der Kaiser mit dem ganzen Stamm Muß sterben, Oestreichs Herscherhaus in seinem Blut Muß büßen für des Vaterlands Ruin, es darf Kein Sproß mer bleiben, der den Unglücksstamm erneut. Demselben Loß verfällt des Baiern Wankelmut. Dann wird aufs neu des Glaubens Freiheit anfersten, Den Luther lerte, den der Väter frommer Sinn Zu Augsburg einst bekannte. Jeder, der verbannt Die Heimat fliehen muste, wird in Hab und Gut Von neuem eingesezt. Für mich verlang ich bloß Die Krone Böhmens und den Erzhut Oesterreichs. Die genannten Offiziere stimmen bei. Im 3. Akt erschemt 234 auch Piccolomini : von den andern zur Teilname am Abfalle auf- gefordert, entschließt er sich Zustimmung zu heucheln und den Kaiser vor der Gefar zu warnen. Im 4. Akte wird Piccolomini abgesendet, um im Ehrzhensog- tum und Steiermark die Sache zu leiten. Wallenstein erfart, daß er vom Kaiser geächtet sei, daß Gallos und Piccolomini sich dem Kaiser angeschlossen haben und g^en in heranrücken und daß die Soldaten zalreich sich von im abwenden. Er beschließt, nach Eger zu ziehen, und dort mit Bernhard von Weimar sich zu ver- einigen. Ebendahin fordert er auch den erst jezt herzugekommenen Butler auf seine Soldaten zu füren. Er verspricht im daför reichen Lon : — Tu mihi fidus mane, Constansqne semper, praemium certum feres, Arces et aurum, quicquid optabis, dabo. Wallenstein bemerkt Butlers Bedenken : — Monte quid dubia tremis? Jener erwidert: Jurata mens est Caesari, addixi fidem, Fidem duobus vir probus nunquam dabit. Sim Über et mox alteri addicam fidem. Wallenstein: Tu liber esto, tempus haud patitur moras, Me seqnere, et Aogram militem addncas taum, Te cras videbo. Hiermit get W ab. Butler will aber dem Kaiser nicht untreu werden und deutet schon jezt an, daß or durch eine küne Tat dessen Sache vertei- digen wolle: Hibernus in me est anirous, et fidus Deo, Servabo dictam Caesari semper fidem. Venale non est pectus hoc auro meum, Nee illud Arces, integrum aut regnum potest Unquam movere. Sit fides constans mea, Aurum ipse et arces proditor fraenet suas. Hoc suspicabar; testor hunc Coeli diem. Suspecta oobis ista Fritlandi fuit Arabitio semper. Aliquid audendum est semel, Totam una causam fortis absolvet manus. Sequamur illum, sie jubet, non sie volet. Der 5. Akt spilt in Eger. Wallenstein findet dort Butler, Gordon und Lesly und glaubt irer Treue versichert zu sein. Dise vereinigen sich zur Ermordung des Feldherm und seiner Anhänger. Zu dem Ende ladet Butler die lezteren zu einem Gelage ein, wä- reiid de0seii äe craKlrd«! mrdto: 285 Led. Cadavera uno cancta jungantur loco. Sic proditores Caesaris tnndeii] cadunt. Arx clausa maneat, ne quis erumpat foras So schließt die 6. Szene, die 7 leitet der Genius Austriacus mit den Worten ein: Nondnm peractum est, unicura restat caput, Dux ipse, et isto capite sublato salus Tandem redibit. Hierzu erteilt Butler seinen Iren die nötigen Befeie: — Gesta res, nondum tarnen Peracta res est. Pergite, Hibemi mei, Quaesita summum gloria expectat decus. Mactandus est Dux; munus Ebroxi hoc tuum, Sit ergo, penetra, qu& licet, totam Domuro, Irmmpe in Aedes, quisquis obstabit, cadat. Irrumpe in ipsum cuncta disrumpens thorum. Seu somnus illi forsitan sensus liget Seu non quiescat, sterne. Nos nostris Domum Glaudemus armis; tempore utendum est cito. Dum nullus urbem strepitus armorum ciet. Sie erbrechen die Türe und dringen ein. Ebroxius (Deveroux) vollfürt die Tat: lacet ecce porta. Proditor prodi foras ; En ipse. Tune Caesarem occides tuuni? Tu Rex Bohemus! Proditor terram indue; Haec te bipennis mortnum Regem facit. lacet, peractum est. Enge, vicisti tuum lam Caesar hostem, Dexterä Hibemi jacet Qui fata ferro Caesari optabat suo. Butler: Satis est, suprema gloria Ebroxi est tua; Aliis in Arce jüngere hoc corpus decet. Sprache und Vers sind fließend und sorgfältig gefeilt. Die aasgehobenen Proben geben davon hinreichend Zeugnis. Die Ge- siminng des Verfassers stet natürlich ganz auf der Seite des Kaiser- hauses, dessen Historiograph er ist, hier um so raer, da es die Saehe der römisch-katholischen Kirche vertrit, deren Verherlichung auch ein gproßer Teil der übrigen Stücke gewidmet ist. ABirlinger Fiseharlstudien I la Kiacluirtst uJien dos Freiherm Karl Hartwig Gregor von Meuschiir.h mit eiacr Skizze seiner literarischen BesLrebungen LeraiiagegL-ben von Dr. Ciimillus Weiideler. Halle a. 8. Max Kiemeyor. 1879. 2 Bll. 334 S. gr. 8. Ib Briefwechsel des Freiherm Karl Hartwig Gregor von Mcuscbach mit Jiikoh und Wilhelm Grimm. Nebet einleitenden Demerkungen über den Terker des Sainiii- lers mit gelerteu Freunden, Anmerkungen uod einem Anhaijg von der Berufung der Brüder Grimm nach Berlin, Herausgegeben von Dr. Camillus Wendehr. Mit einem Bildnias in Lichtdruck, Heilbronn. Verlag vou Gebr. Heiiuiuger 1880. CXXIV u. 42« S. gr. 8. In disen beiden Werken erhalten wir zum erstenmal eine auBfürtiche Skizze vom Leben und den litterari sehen Bestrebungen, sowie vom litterni'iacben Verkero des Hen-n v. Meusebacb, de« einat vilgenannteu und wegen seiner Wunderlichkeiten und Liuinen vilfaeb angefochtenen und doch auch wider verteidigten ßibliomanen und F'ischBrtkenners, dessen Büchersammlung in die Königl. Biblio- thek in Berlin übergieng und dort (nebst der von Heyae) die deutsche Litteratur des 16. u. 17. Jarh. zu einer, anderwürts kaum erreichten Vollständigkeit ergünztc. Daß das ganze nicht in em Werk zusammengefaßt ist, bat seinen Grund in dem Um- stände, daß das erste Werk bereits abgesclilosseu war, als die Korrespondenz mit den Gebrüdern Grimm und anderes Material erst zugänglich ward. Bekanntlich hatte Meiisebach die reichste Sammlung an Werken Fischarts. Wie er dazu gelangte, wie or nach allen Seiten seine Füler ausstreckte, wie ältere und jüngere litterarische Freuode im behiiriich waren, das ersehen nir aus den obigen Werken. Frei- lich lief sein Interesse an Fischart und sein Sammeleifer zanäohit anf eine Fiifnirfttdlniime hinaus, wie sie Vitraar einmal treffend karakterisiert bat. Kr hatte eine Herausgabe der Schriften Fi- scharts, entweder aller oder wenigstens der wichtigsten, ins Auge gefaßt und suheute nichts mer, als sich „den Markt verderben' ■/,a lassen. Und doch kam er, bei aller Fülle des Materials, die im KU Gebote stand, nicht daan, auch nur einen nennenswerten An- fang zu machen. Anch in dis«r Hinsicht zeigt er nur ein Geschick zum SaiiiLueln, niclit zum Verarbeiten und Gestalten des Stolfes. So bieten denn die hint.erl.iBsenen TiBchartstudien, welche im erstell der obigen Werke abgedruckt sind, wenig Brauchbares für unsere Zeit, zumal die bibliographischen Notizen inzwischen durch voll- ständigere Veraeichnisse überholt wurden. Wertvoll sind die ein- gMtnatan ErgSnzaiigea , Berichtigungen und sonstigen Matiun 237 des* Herausgebers, der sich bereits durch verschidene Leistungen auf disem Gebiete als tüchtigen Fisch artkenner bewärt hat. Nicht veröffentlicht sind die Anmerkungen zu Gargantua, welche Meuse- bacb zurückgelassen hat: dise will Herr Wendeler in der von im vorbereiteten kommentierten Ausgabe des Gargantua zum Abdruck bringen. Wir werden also erst nach dem Erscheinen derselben beurteilen können, wievil hierin Meusebach zu Stande gebracht hat. Von besonderem Interesse ist die Schilderung des Yerkers, in welchem Meusebach mit den bedeutendsten Litterarhiftorikern, Bibliothekaren und Germaniften seiner Zeit stand. Hierfür bietet das zweite der obigen Werke das meiste Material. Es gibt uns nicht nur die Korrespondenz mit Jakob und Wilhelm Grimm , sondern auch ausfürliche Nachrichten über den Verker mit Zeone, Halling, Lachmann, MHaupt, Förstemann, W Wacker- nagel und Hofbiann von Fallersleben. Schon die Nennung diser Namen genügt, um zu zeigen, daß uns hier ein Stück ans der Geschichte der gefmani tischen Wiffenschaft vorgefürt wird, und zwar in irer besten Zeit, ich möchte sagen in der Zeit der ersten Liebe: der trauliche persönliche u. briefliche Verker unter einer Reibe von Männern, von dem Gründer und Altmeister der Wissen- schaft an biß zu jüngeren z. T. weniger bedeutenden Gelerten oder Dilettanten herab, trit uns lebhaft vor Augen, und innerhalb dises Kreises lassen wir uns auch die seltsamen, aber harmlosen Wunderlichkeiten Meusebachs mit seinem Fischartorden, seinen Klebbriefen d. h. von ausgeschnittenen Stellen von Zeitungen und Annoncen zusammengeklebten Briefen usw. gefallen. Perlen in der Sammlung sind die Briefe der beiden Grimm und dankenswert ist der Aufsaz über ire Berufung nach Berlin. Der Herausgeber hat mit großer Sorgfalt die persönlichen und sonstigen Verhältnisse, die in den Briefen berürt werden, in kurzen Anmerkungen erläu- tert, überhaupt alles getan, was das Verständnis derselben er- leichtert. 2 Kleine Beiträge zur Literatur Fischarts vom Oberlerer Bückheü. (Im Programme der Fürstl. Realschule zu Sondershausen 1880). 4« Der erste Beitrag beschreibt „eine von Vilmar nicht gekannte Ausgabe des Bienenkorbs. ** Soweit sich nach dem mitgeteilten entnemen läßt, ist es eine (undatierte) Ausgabe, welche der von Vilmar (zur Literatur Johann Fischarts, 2. Aufl. S. 8) unter dem Buchstaben F biBSchribenen Ausgabe, die nach im die erste un- datierte ist, vorausgehen muß. Sie teilt mit F auf Bl. A iij a den Druckfeler Crabonen (für Crahronen wie G wider richtig hat), ferner S. 224 a VngR6mischten (welches später noch G und H haben); dagegen gibt sie 147a richtig Ersfaunung (F hat den Druckfeier Erstaftung, woraus G Erstarrung macht) und 210a eigenen (F und G falsch einigen). Danach wäre also F nicht die erste undatiert« A«s( ir jedeBfalls voraus. Im xv/eitan Beiträge lä&t Hr. R. die unter einem HobacIiDit ^BildnuBs dos Erwirdigen Herrn M. Oy riaci Spanien berge, Seines Alters im öüi. Jar. Auno 15S2 " ' ■ - ■ die er als von Fiacliart herrürend Vary in Berlin erworben hat. Sie and der Herausgeber sucht nach ) acharta Leben und Wirke zuweisen, daß sie F i möchte. I Herrn ROckbeit beachribene get ilien Reime abdrucken, Kataloge von S. Cal- aieh aer nnbedentend dritten Ueitra^^o ,Fi- besonders auf religiösem Gebiete" nach' Jar 1582 kaum so geachriben haben Kessemeicr: Der mm und kleinere Zugaben. Ein Literatur JcHiaitn l''ischarts. 25 schule von C. W. üebbe zu Drei Auf S. 16 weist Herr K Binonkorb, Gatalogus Catalogo- Beitrag zur Chnrakterietik und ä. 4" (im 8. Programm der Real- ien 1877). daß die bei Kura aufgefürle angebliche Ausgabe des Fiachart'achen Biiwnkorbcs von 1576 disera gar nicht angehört, soiidern ein Exemplar der vor Fisohart ei'schinenen Ueberaezung iat. Ferner beachreilit derselbe S, 17 ff. eine undatierte Ausgabe des Bivetikofbes, die in einem Bande mit der eingepressten Jarea- zal 1617 sich zu Bremen findet. Ea ist, truz der Zweifel, die Herr Ü ausapricbt, keine andere als die von Vilmar unter F be- echribene. Die Abweichungea (im Titel „Platimniea* atat „Platt- immeu" bei Vilmar, udiI der Zeüenachluß in der 15. Zeile hinter der ersten Silbe von „Mentzerk leiten," den Vilnmr nicht angibt) finden aich gerade so auch in meinem Exemplare der Ausgabe F und ich habe darauf z. T. schon in der Alemannia VI S. 127 aufmerksam gemacht. Ebcnsu atet in meinem Exemplare auf BI. 272b daa Komma hinter „Licet", das bei Vilmar feit. Diser be- zeichnet außerdem in den Worten am Ende des Registers nicht den Zeileiischluß bintor Expbciunt, den daa Bremer Exemplar und das mein ige hat. Herr K macht aueh auf ein in Bremen befindliches Ksent- plar des CaliUogns Catahjgorum aufmerksam, welcbea auf den beiden lezten Seiten zaireiche, wenn auch nnweaenttiche Abwei- ohangen von den bißlier bekannten Exemplaren aufweist ; ea muß wol wärend des Drnckea der Sas diaea Blattes erneut sein. Die Vorrede und die Kwei lezten Seiten (dise mit Gegenüberstellung das Textes aus den andern Exemplaren in Berlin, Wien nnil Darm- stadt) werden uhgedruükt. Am Schluaae gibt Herr li noch einige Nachtrüge und Ver- besserungen zu den Anmerkungen von Heinrich Kurz, namentlich zu der auch aonat achon hier and dort beaprochenen Bemerknng KU „Dominici Leben" V. 1606, wo Kurz die armen Oergeseiier ■ einem Zweig des Frau ziskaneror Jena macht. i S. Jiominiei I^e» m der Aufgabe von H. Eum. Tseiier an wr*. In J 239 Titel l&ßt H. Kurz (in der Einleitung S. XXXV u. im Abdrucke selbst auf S. 121) in Z. 7 eu trehen drucken, das Original bat mürehen. Femer finden sich in der Dedication folgende Abweichungen. In der Ueberschrift (S. 123 bei Kurz) stet im Original Weilnad, bei Kurz Weilnnd — — erlbsunge, — — besserungCt 0. eigne, 0. etcrem, 0. mu$i 0. seyd^ 0. Menschen, * 0. Wenny 0. Gottslesterlichy 0. Shrifft, 0. hindersichy 0. selhSj 0. jarn, 0. Soh 0. fotirdestUy 0. nenst, 0. SchcUcksnary 0. vnuerschampij 0. Euangdij 0. JacohsbrudeTy 0. herkomen, 0. arbeit, 0. gibt, 0. vielleicht, 0. euflicken, 0. euh^en, 0. niA5, Da Kurz selbst die Druokfeler des Originals, die er bessert, in den Lesarten angibt, so hätte er z. B. auch Z. 186 bosseu st. hosBen anmerken müssen. In der Randglosse zu Y 54 steht im Original Johan, eben- so na Y 89 und 92. Ausserdem ist in den Randglossen zu V 104 fiP., Y 138 ff. und Y 169 ff. die Zeileneinteilung nicht genau dieselbe wie im Original, welche leztere Kurz sonst mit peinlicher Genauig- keit einzuhalten bestrebt ist. und um auch die kleinsten Versehen zu berüren, so stet bei Kurz Y 7, 20, 97, 262, 291 und S. 132 Z. 8 ein ü statt ö. Alle dise Abweichungen finden sich auf HS. der Ausgabe TOn Kurz, und bei der genauen Uebereinstimmung des mir vorligen- den Exemplares mit dem von Kurz benuzten, auch in Bezug auf die Dmokfeler, möchten nur wenige dar obigen Abweichungen auf V. 13 V. 24 V. 27 V. 62 V. 61 V. 67 s. 83 8. 84 S. 84 8. 89 S. 118 8. 122 8. 148 8. 171 a 178 8. 232 8. 234 8. 265 8. 276 8. 278 8. 279 8. 285 S. 285 8. 307 8. 312 K. erlf>sung K. besserung K. eigen K. ewren K. muß K. sdd K. mensdien K. Wann K. GrotsUsterlich K. Schrifft K. hinder sieh K. selbst K. jaren K. Soll K. wtirdest du K. nennst K. Schalekstinrr K. unuerschimpt K. Euangclium K. Jakobsbruder K. herkommen K. Arbeit K. giebt K. vieleicht K. ßu flicken K. eu hX^en K. mAes. 240 klcioere Sozänderuiig wärend des Dnickoa ^turiickiiti füren eeio. Ich habe alter in meiner ZusammenateHuiig nicht das Kleinste unbe- rört gelassen, damit andere, uelchon Kxemplare des Werkes zar Hand sind, eine genane Veigleichuag anstellen können, ob wirk- lich hier und da Aeriderniig noch waiend des Drucks sLatgefan- doii haben. In den li'ortBezungen, welche die Ungenaiiigkeitcu des Eur>' sehen Abdrucks verzeichnen, werde ich tiiedii evitondi causa nur dasjenige bemerken, was in den Text aufKanenien ist. In den Anni. ku der Dedicfttiou (S. 280) fragt Kurz: .Warum F den Franciskaner Büswolf nennt, kann ich nicht erklären'. leh denke, das ist ducb ser einlach. In V 1 ff. sagt ja V deatlich : Uieher, dn Soheltman Frater ^aB, tlie schickt man dir ein Spi^el- glas, darin dich wol besehen magst. Was du in deiner Kntteu trägst, Vnd ims jr Möiuh fTir Wolff/leisch deckt.' V 136 ist KU lesen Fitr der, der Sinn ist: wievile Sekten nnd Rotten sich für Franziskaner ausgeben (sich verkaaran vor der Itegel Fruncisci). WCrecelius Straßburg geacbribt nach einer Abschri Benecke eingesehen wunderbare Horii", im Bade", die EachenLurg ind als Htrassburger Uandschriften in Hamburg Zwei Strassburgisclie Hnndschriften der Hamburger Stadt- bibliothek heschriabeu von Dr. 0. H. F. Wtilthcr, Se- cretnir der Stadtbibliothek. Hamburg, 18^0. Gedruckt bei Th. G. Meisaner. 2 Uli. 27 S. 2 Tafeln 4". Die erste diaer Handachrifteu ist 1451 von einem Jordan in inthält den Pardval (von Lachmann LSL-hing lienuzt], den Wigalois (von ertJoä bezeichnet), drei Gedichte „das uiiderLare Mantel" und »der König ' Beiträgen 1802 herausgab, und eine Anzal hiatorischer Stücke, mit denen uns Herr W be- kannt macht. Die iezteren sind: 1} ein Brief dea Sultans Abul Naer von Aegypten an den Großmeister der Rliodiser Ititter v. 142(); 2) ein Brief dea Sultans Salmanser (von dem Herausgeber mit Recht als Phantaaieatück bezeichnet: der Sultan verteidigt sich gegen das GeiUcht, daß in Babilon der Antichrist geboren sei)^ 3) Ordnung dea Einzugs voci K. Friedrich IV. in Rom (z. T. nacü einer Hb. von BenedictheuGrn hei Pez Script, rer. Anstx. II) 4) Geschichte der Jungfrau von Orleans und 5) Friedensartikel zw. Biscliof Johann v. Lattich und der Stadt L. 1408. Nr. 1, 4 u. villeiclit Ti stehen nach deu Untersuchnngen Herrn Dr. Wa in Beziehang zu der Kronik von Eberhard Windeck oder sind tül- weisu dorther entlent. reap. nica gcmeinachartlicher Quelle geBchepfL Interessant fiir Sfrnßlmrg ist ein Eintrag am Schluß, deu ich in «fwan baiBerer Urthographie hier mitteile: Nota qnod hio Argen- Sttlier qae fnit tutor dieti Wische qui fuit hip mar 241 giflter civitatis et fuit filia domini Wilhelmi de Paruia 1312 in inense maii genuit v ygel et unum animal quod dicebatur ein offenreff et ista sex animalia vivebant et predicta mnlier aliqnamdin sapervixit sed de bis animalibns creatus moriebatnr 1412 circa festum Johannis baptiste. Die zweite Hs. enthält einen lat.-dentscben Vocabularios ex quo von 1 437 (die Vorrede, Einrichtung und einzelne Artikel ganz gleich mit dem Druck von 1472, doch ist die Hs. ausftürlicher in lat. Umschreibungen nnd Realienerklärung, auch hat sie mer Ar- tikel; sie kommt in diser Hinsicht mer überein mit dem Nürn- berger Druck des Catholicon Ton 1486 u. dem Baseler Breviloquus Ton 1482), femer ein alphabetisches lat.-deut8ches Glossar juristi- scher Aasdrücke und ein desgl. Pflanzen Verzeichnis. Am Schluß des Vocabulars stet: Explicit vocabularius scriptus per me Er- hardum Günther de Argentina, tunc temporis studens in Phortz- heim, Reportatus a Burcardo de f^linga, tunc temporis existens cantor in Phortzheim. Et finitus est dominica proxima post festum Jacobi apostoli desero infra horam quartam et quintam Anno do- mini [14]37. Da sich nun im Voc. zwei Hände unterscheiden lassen, so nimmt Herr Dr. W an, daß der gröste Teil desselben von Erhard Günther, das andere von Burcardus von Esslingen herrürt; in dem leztern scheint sich auch eine mer auf den Osten hinwei- sende Mundart geltend zu machen. Außer den genannten Stücken enthält die Hs. 11 Straßburger Verkaufs- und Schenkungsurkunden, lateinisch mit deutscher Uebersezung, von denen eine von der Hand des Erhard Günther gesohriben zu sein scheint (Nicolaus dictus Günther, filius qnondam Güntheri de Berstette et Trütelina eins uxor legitima filia Johannis dicti Pfettesheim institoris civis Ar- gmitinensis verkaufen 2 Pfund Straßburger Pfennig Zinsen an Ru- dolfus Apothecarius civis Argentinensis, filius quondam Mathei pbisici Argentinensis). Nach der warscheinlichen Anname des Herrn Dr. W sind die Urkunden von einem oder mereren Juristen als Muster kopiert und mit Uebersezung versehen. WCrecelius. Hausinschriften in Schwaben Gebäude, namentlich Wonhäuser und deren innere Räume, mit treffenden Sprüchen und Inschriften zu bezeichnen, denselben auf diae Weise ire geistige Weihe zu geben, ist sicherlich eine achdne,*von Gemüt und Sammlung zeugende Sitte. Es spigolt sich in solchen Aufschriften die Grandstimmung der Erbauer und Be- woner; sie drücken den Lokalitäten und damit dem Leben in den- selben die Spur, den Stempel des Geistes auf, welchem jene ent- flossen sind und werden so gewissermassen selbst zu Penaten, zu onsicbtbaren Schuzgeistem , in deren Obhut Baus und Familie befolen sind. Und wie oft mögen solche Sprüche nicht Dritten, die TOD uogeför die Zeichen erblicken, Anregung, Ermunterung, Trost Blrlinger, Alemannl* VUI 3 '^^ 242 spenden! Freilich dominiert manchmal nehen dem Erhabenen auch Mutwill und Schalkheit, neben dem HauBgott der Kobold. Wer wollte sich darüber wundern? Verschmähte und verschmäht doch audi das Christentum nicht, neben Heiligen und Engeln auch profanen Gestalten und Zerrbildern selbst in seinen Kirchen ein bescheidenes Pläzchen zu gönnen. Insbesondere war es „die gute alte Zeit**, zu deren Privilegien dise so sinnige Art, Gebäude zu schmücken, gehörte. Aber nicht nur einzelne Gebäude und Lokalitäten hatten ire Weihesprüche; nicht selten besassen auch ganze Gemeinwesen und Ortschaften solche Wal- oder Warsprüche. Wir können uns nicht versagen, als Beleg hiefür den schönen Walspruch, wel- chen die Stadt Calw irem berümten Johann Valentin Andrea ver- dankt, hier einzuschalten. Derselbe stammt aus dem Jar 1680 und lautet: So lang Calw ert die Göttlich weid Und hört der Obrigkeit Bescheid, Handelt redlich und treibt Arbeit Erhelt Frieden und Einigkeit Be wäret Hauszucht und Reinigkeit Ist wol vergnügt mit Massigkeit Nimbt sich der Armut an allzeit Und bleibt bei alter Tracht und Kleid So lang hat Calw Glück, Ehr und Frewd Gott geh, dass ihr der keins erleid! Leider ist die schöne Sitte der Hausinschriften in Abgang gekommen und sind die Gebäude, an oder in welchen dergleichen Inschriften noch zu finden sind, eben nicht ser zalreich. Eine um die andere, fallen die lezteren der allesvertilgenden 2ieit, dem modernen Uebergeschmack und dem gedankenlosen Pinsel des Tun- chers zum Opfer ') und an Ersaz ist in unserii nüchternen Tagen onehin nicht mer zu denken. Wer, der ein Haus baut, näme sich heute noch Zeit, auf einen passenden Weihespruch zu sinnen ? Wer glaubt noch an die Macht einer kräftigen Sentenz, die jenem als Symbolum an die Stirn geschriben werden könnte? Verhältnis- mässig zalreich sind diselben noch im Schwarzwald, wo die höl- zernen Wand- und Deckenvertäfelungen nicht so rasch und allge- mein im Verschwinden begriffen sind, wie im offenen Lande. Die vorkommenden Inschriften enthalten meist Segenswünsche, weise Mannngen u. dergl., vorwigend gereimt, zuweilen \Ä Prosa, oft anch bloße Bibelsprüche. Häufig stösst man auch, wie gesagt, 1) So sind z. B. in dem durch die Schlacht von 1388 bekannten DölTinpfon in den Gibelfcldem zalreicbc, mit Reliefiimramung ver- sehene Medaillons sichtbar, deren jedes dereinst seinen Spruch enthielt, die nun aber, mit nur Einer Ausname, blendend weiss übertüncht sind. 243 aaf Sctierz und Hamor, namentlich im Innern der Wonungen, wo Türen und Getafer manchmal mit den ergözlichstcn Reimen und Neckereien verziert sind. Eine besondere Gattnng von Wandin- schriften sind die sogenannten OfenkachelspHiche, hauptsächlich auf dem Schwarzwald vorkommend. Ofenkacheln nennt man die vom Hafner aus gebranntem Ton gefertigten und glasierten Plättchen, womit die Feuerwand zur Fcsthaltung der Wärme rings^ um belegt wird und welche zu mererer Ergetzlichkeit in der Regel mer oder weniger primitiv bemalt und mit allerlei, zuweilen recht kecken und derben Sprüchen versehen sind. Inschriften an den Aussenseiten von Gebäuden ^) 1 Oott allein die Ehr Und sonst keine mehr. Erbaut anno 1748. (Simmozheim, Kirche). 2 An dieser Stätte Herr Hör deines Knechtes Flehe, Auch aller derer Bitt, Die in dein Havs eingehe. 1748. (Ebendaselbst). 3 lieber Mensch, du solt im einergau Ein Paternoster uf die mess hie lau ach Gott, ist unserer sogar vergessen mit almusen und mit messen Ach lieber Freund komm, wend uns nur mit Gellet und Almusen aus dem fegfur MCCCCLXVn. (Ditzingen, Kirche-). 4 Gott! Laß dieses Haus wie Obed Edoms seyn, Und führ uns nach dem Tod zum Hauß des Friedens ein! n Sam. VI, 12. Esa. XXXII, 18. M. Gottfried Jahn. 1715. (Lprch, Pfarrhaus). 5 Gott bleib mit seiner Engelwacht In diesem Hause tag und nacht. 1825. (Schöckingen). 6 Herr wach für dieses Haus, Dazu die Engel sende, 1) Inschriften in Derkenpfronn und Oherhaugstett s. Alemannia VI, 89. 176. 2) über dem Eingang zum Gruftgcwelbe. ^44 \3t*«* ^ biet ^** . itt b»««'*' »..,«« Job»«»«* °^ \4 Qtettff VnA ^^''''''"'' ^4 ff VrA ve«^- t?.ket **" 245 Da wir Ewig solten Sein Bauhen wir gar Wenig Ein. 1658. (Untertürkheim, Haus Nr. 2). 15 Mensch Bedenck, Betracht dein Endt, Hoffnung des Lebens auf Christum Wendt. 1591. (Zaberfeld). 16 Ist Gott Mit Vns Wer Mag Wider Vns Sein. 1726. (Thamm). 17 Veracht mich nicht noch die Meinigen, Betracht nur dich und die Deinigen, Schau auf dich und nicht auf mich, Thu ich unrecht, so hüt du dich, So bleibst auch wer du bist. Viel hassen zwar mich, Sind aber ärger als ich Und alle die mich hassen Müssen mich doch zufrieden lassen. Viel thun mich beneiden. Aber wenig die mich bekleiden. Wären der Neider noch so yiel, so geschieht doch was Gott haben will. (Neuenbürg, Haus Nr. 139). 18 Es wünsch mir einer was er will So geh ihm ßott zweimal so viel. (Hochdorf bei Horb). 19 Ich fliehe meine Hasser Gleich wie das Regenwasser. (Gechingen). 20 An Gottes Segen Ist Alles gelegen. Job. Conr. Mohr, 1724. (Simmozheira). 21 Behüt uns Herr vor theurer Zeit, Vor Maurer und vor Zimmerleut '). (Daselbst). 1) Jezt übcrtÜDcbt. 246 22 Der Weinstock und die Trauben Die freuen mich so sehr. Die kann mir niemand rauben Gott giebt ja mebr und mehr. Jakob Friedrich Ruff, 1878. (Rohracker >). 23 Bei dieser Hand Hab den Verstand Dass du der Freiung seist verwandt. 1575. (EUwangen, Schloss *), 24 Der Wirtschaftsschild des ehemaligen Gasthauses zur Sonne (Reichspost) in Ncuweiler bei Calw trügt die Jarszal 1765 und den Reim: Hier Kert ein, bey der Son ist guter Wein. Inschriften im Innern von Wongebäuden ^) 1 Bei Schultheiß Pfrommer über der Stubentür. Jesu, segne dieses Haus Was da gehet ein und aus. 2 Daselbst, im Schlafzimmer: Ich schlafe, wache du, Ich schlaf in Jesu Namen, Sprich du zu meiner Ruh, Ein kräftig Ja und Amen, Und also stell ich dich Zum Wächter über mich. 3 Daselbst, an der Schlafkammer: Ich lebe und weiß nicht wie lang, Ich muß sterben und weiß nicht wann, Drum mach (ich) mich zum Tod geschickt Und denk in allen Dingen Würd ich in Eile hingerückt 1) Neben einer hochgezogenen Kammerz. 2; Die Inschrift findet sich am ersten Arkaden pfeiler des innem SeUofihoft, darüber ist eine Hand gomalt. 8) Iniolirifien in Deckenpfronn Alom. VI 89; in Hofstott und •^ 174; in Ober- und Unterhaugstett VI 175 176, 247 Wie würd es mir gelingen? Wie könnt ich jetzt zu Grabe gehn? Wie könnt ich jetzt vor Gott bestehn? Dann wird mein Tod zum Leben. 4 Daselbst, an der Küchentor: Diß Haus ist mein und doch nicht mein, Und nach mir kommt ein andrer drein, Ist auch nicht sein '). (Würzbach). 5 Wer guter Meinung tritt herein, Der soll mir Gottwillkommen seyn, Wer aber anderf kommt zu mir, Der bleib nur draufen vor der Thür. 1815. (Speßhardt). 6 Bei Georg Volz, mit der Jarszal 1806, an der Stuben- Leite unsre Tritt und Schritte Und erhöre unsre Bitte Und befbrtre nach der Zeit Uns zur seeigen Ewigkeit. 7 Daselbst, über der Kammertür: Ihr Engel kommt, deckt meinen Ort Mit eurer Flügel Wacht, Ich schlafe schon, doch noch ein Wort: Mein Jesu, gute Nacht. 8 Daselbst, über der Küchentür: Mein Jesu sprich den Segen Auf allen meinen Wegen Und stecke selbst das Ziel So wird das Werk vollführet Wie mir zu thun gebühret Und deine Ehr es haben will. (Oberhaugstett ^). 1] Der gleiche Spruch kommt auch anderwärts vor, wenn auch lig variierend, z. B. in Aicbelberg Haus Nr. 10. — Bloße Bibelstellen i nicht mitgeteilt. 2) An der Scitenwand unter dem Plafond sind außerdem die ichen Spruch vorse wie bei Süßer in Deckenpfronn, Alem. VI, 89. 3) Weitere Inschriften in Oberhaugstett, 8. Alem. VI, 175. 176. 248 9 Id der Stube des Johann Merkle, Haus Nr. 5 fast ver- wischt, mit dem Beisaz: Sebastian Knsterer u. Katharina seine Hausfrau 1717 >). So du willst gehen zu dem Essen, Den lieben Gott thu nicht vergessen, Weil er dir giebet Speis und Trank, So sag ihm darum Lob und Dank. 10 Wenn Einer hat gesunden Leib Und dazu ein schönes Weib, Tausend Thaler baares Geld, Der ist glückselig auf der Welt. 11 Heft dein Herz nicht an Eitelkeit, Weil darauf folgt die Ewigkeit. 12 Gott lieben macht selig, Wein trinken macht fröhlich, Drum liebe Gott und trinke Wein, So kannst du selig und fröhlich sein. (Monakam). 13 Der Engel starke Wacht Hält mich in guter Acht. (Alzenberg). 14 Im Hause des Adam Wurster, Nr. 10: Meinen Ausgang segne Gott Meinen Eingang gleichermaßen, Segne auch mein täglich Brod Segne all mein Thun und Lassen Segne mich mit selgem Sterben Und mach mich zum Himmelserben ^). 15. Mit dem Herrn wird das Haus gebaut Und mit Verstand erhalten. (Aichelberg). 16 Bei Martin Hanselmann: Liebe, Einigkeit und Friede Ist des Hauses schönste Zierde. (Zwerenberg). 1) Daselbst findet sich auch der in Alcm. IV S. 274 mitgeteilte Sprach. 2) Die erste Hälfte dises Verses auch in Alzenberg. 249 17 Im Haase des Bäckers und Schenkwirts Faßnacht: Ich gehe aus oder ein, So steht der Tod da und wartet mein. 18 So ist es in der ganzen Welt, Die besten Zerleiten haben kein Gelt Und trinken gern guten branntenwein, Das ist dem wirt die größte pein. (Zwerenberg). 19 In der vormaligen Reichspost , Sonnenwirtshaus, Gebäude ^r. 37, im obem Stock ^): Daß Hauß stet unter der Sonnen, Wer kein Geld hat, der zehr beim brennen. 20 Daselbst in der untern Stube, über der ThCLr: An Gottes Segen Ist Alles gelegen. 21 Ebendort, an einem Unterzugbalken: David und Salamon waren grose sindor sie haben schöne Weyber lieb, Zeugten auch viele Kinder, Da sie kämmen ins Alter, machte der eine sprich und der andere psalter. 1765. (Neuwciler). 22 Im llause von Martin Seeger, Nr. 38: Mit Gott thu alles fangen an, So wirst du glück und Seegen han, Menschenfleiß gar nicht gelingt. Wo Gott nicht seinen Seegen bringt. 23 Von Gott kommt alles was wir haben, der gibt einem jeden seine Gaben, Doch einem wenig dem andern mehr Wohl dem, der's braucht zu Gottes Ehr. 24 In Jesu leb ich hier, in Jesu schlaf ich ein. In Jesu soll auch dort mein ewigs Leben sein. (Neumreiler *). 1) Der Ofenstein tra|:t die Jareszal 1090. 2) Die Inschrift im Kronenwirtshaus des zur Gemeinde Neuweiler ehörigen Weilers Uofstctt ist in Alem. IV S. 274 mitgeteilt. 250 25 Im Bäcker Schwarz'schen Hause, beigefügt: 1816 Sebastian Mühlmann und seine Ehefrau Anna Maria: Alles ist an Gottes Segen Und an seiner Gnad gelegen. 26 Wenn mein Herz bedenkt Was mir Gott geschenkt, An des Geistes Pfand so muß mein Leben Ihm zum Ruhm sich geben Weil ich Gnade fand. Lob sei allezeit Deiner Herrlichkeit Für dein göttlich Pfand Das ich nach dem Sterben Darf in Cristo erben In dem Vaterland. (Sommenhardt). 27 Im HirschwirtshauSy über der Nebentüre: Ich bitte euch ir liebe Leut Seid so gut und zahlet gleich, Es ist nicht möglich aufzuschreiben, Wir wollen gute Freunde bleiben. (Schmieh). In der Wirtsstube von Friedrich Stoll vulgo Mezgerhannes (ausser einigen Bibelstellen) : Neben dem Ofen ist's auch noch in der Stube. 29 (Am Schwenkkessel): Ich wasche meine Hände Herr Jesu wasche mich von allen meinen Sünden. 30 Sei willkommen ums Geld mein Gast Der Herr behüte deinen Ausgang, wenn du mich bezahlet hast. 31 (Igelsloch). Bei Michael Schwämmle, außer Bibelstellen, 1861 (dabei gemalte Blumen) : Mensch lebe fromm und gut. 32 Das Blumen malen ist gemein. Den Geruch dazu geben kann Gott allein. / 251 33 Liebe im Herzen, Liebe im Arm, Das eine macht selig, das andre macht warm. 34 Auf Berge und in Gründen Ist keine Jungfer mehr zu finden. 35 Hinter dem Ofen und in der HöU Ist alier böser Weiber ir stell. 36 Ich bin der Schreiner aus Parieß Was mir nicht geräth fehlt doch gewiß. Diese Stube hat gefertigt J. Georg Volz Schreinermeister in Ober-Beichenbach. (Unterkollbach). 37 Bei ßalthas Süßer, Haus Nr. 109, war in der Stube zu lesen : 28 Agnes Ghristina, Hast du mich lieb so wie ich dich, So ist die Liebe ständiglich. 38 Es sind 24 Herfen auf Erden, Dadurch muß die ganze Welt regieret werden, Sie essen kein Brod und trinken kein Wein Und müssen doch auf Erden sein. (Deckenpfronn '). 39 Ueber der Kellertür des vormaligen Adlerwirtshauses, Nr. 75, in Stein gehauen: Hie herein Der Wirit hat ein gut Wein. 1625. 40 Im gleichen Haus, an einer Zimmertür: In Gottes Nahmen geh ich aus Der Herr Regier mein gantzes Hauß. Die Haußfrau und die Kinder mein Laß dir, Herr befohlen sein Behüt mich auch vor sünd, Laster und schand Hilff daß ich meine sach wohl führe aus Und [bring mich allzeit gut?] *) nach Haus, 1) Weitere Inschriften in DeckcDpfronn, Alem. VI, 89. 2) Verwischt. 252 41 Daselbst in der Stubeokammer, am Getäfer: Ist Lesen Siehst lesen Das deutlich vor Nicht Nicht ein Augen Eanst ^). (Stammheim). 42 Im Woozimmer der Müle, jezt übermalt: Auf will ich von Sünden stehn Und zu meinem Vater gehn, Seele, Seele, es ist Zeit^ Tod ist nah und Ewigkeit. (Osteisheim). Ofenkachelsprttche '). 1) In Schmieh 1 Ein Pfenning von Gott beschert ist besser verbaut als verzehrt 2 Verachte nicht das liebe brot es ist gut in hungere noth. 3 aus erde und mit Verstand Macht der hafner allerhand. 4 Lieber jung und ledig gestorben Als mit weih und kind verdorben. 5 Behüte Gott in disem haus Wer da gehet ein und aus. 6 Die Welt ist ein sandberg nur, Da muß man nichts als kämpfen nur. 7 Alles, alles baret sich ich allein bleib überig. 8 Unser magt ist gar zu stolz sie kann kochen ohne holz. 1) Diso Vexierinschrift will gelesen sein: Ist das nicht ein deut- lich Lesen, Siehst vor Augen, kannst nicht lesen. 2) Alemannia IV S. 244, VI S. 88. Die einseinen Sprüche wider- holen sich an verschidenen Orten. Selbstredend werden, um Wider- holungen zu vermeiden, nicht nur bei Schmieh und Emborfr, sondern überhaupt die in Band IV und VI mitgeteilten nicht berücksichtigt. Die Werkstatten, woraus die Kacheln hervorfifiengen, sind soweit es möglich war, genau angegeben. Bei disem Anlaß ist zu VI, 244 zu berichtigen, daß die dort erwäuten Plättchen nicht ausschließlich von Neubalach ■ind (die fragliche Hafuerfamilie heißt Röder), sondern vorzugsweise h von Dompert in Simmozheim. 253 9 Auf eine Wurst bekommt mau Durst. 10 Wer mein sträuschen haben will, Der muß haben der thaler viel. 11 Spielmann laß dich hören ich danz mit einem hären, Spielmann spiel doch auf Der bar ist schon im lauf. 12 Gott ist der rechte arzt und rath Er hülft gewiß früh und spat. 13 Im Himmel da ist gut wonen. Da gibt es ewige lebenskronen. 14 Drei rossen auf einem stihl magt kann wandern wann sie will. 15 Die weit ist mir einst weil entleidt, möcht lieber in die ewigkeit. 16 Ich bin des lebens einmal satt Und trag mein weih bis in die stadt. 17 Böse Weiber und böses Geld findet man in der ganzen Welt. 18 Ich will geschwind nach strassburg ') laufen und mein böses Weib verkaufen. 19 Junge Mädchen und altes geld liebt man in der ganzen weit. 20 Zwei Herzen mit liebe verbunden vertreiben viel traurige Stunden. 21 Der schmid sagt, hätt ich gnug eisen und Kohl, so wollt ich mich nähren recht wohl; Der Schuster sagt, hätt ich gnug leder und pech, so wollt ich mich besser nähren als der; Der heck sagt, hätt ich gnug mehl und getraid, so wollt ich mich besser nähren als diese beid; Der wirth sagt, hätt ich gnug wein und bier, und war zoll, akzis, holz, lichter und umgeld frei, so wollt ich mich besser nähren als all diese drei. 22 Gottes lieb und treu Ist alle Morgen neu. 1) Anderwärts Variante: Frankfurt 254 23 Ich bin der Maon, der sagen kann, eine alte Jnngfer kriegt kein Mann ^). 2 In Würzbach 24 Arbeit macht des Lebens Lauf Noch einmal so munter, Froher geht die Sonne auf, Froher geht sie unter. 25 An Gottes gut Ich mich vergnüg. 26 Fleiß und Kunst Gibt Brot und Gunst. 27 Bist du ein Armer vor der Tür, so komm herein und iß mit mir. 28 Mit dem grünen Feierkleide schmückt sich wieder die Natur und mein kleines liebes feines Räderhaus verschönt die Flur. Gott sei Dank, nun bin ich wieder, Feme vom Geräusch der Welt leb verborgen ohne Sorgen Einsam hier im freien Feld. Um mich her in Freuden weidet Meiner lieben Schäfchen Schaaren Junge schmeicheln, Lecken, streicheln Traulich sanft auf meinem Arm. Alle hören meine Stimme, Kennen sie und lieben mich, Meinen Willen Zu erfüllen Eifern alle unter sich. 1) Nr. 1 biß IG im Hause des Michael Rentsohler (Veltesbauer), Nr. 17 hiü 21 im Uirschwirtshau«, Nr. 22 und 23 im Rapp*schen Hause, woselbst auf einem Ofentäfelchcn stet: „Diese Bl&ttlein hat gemacht Johann Georf? Dompert Ilafnermeister in Simmozheim in dem trockenen Jahrgang 1842.<< 255 Ein getrenes Hündlein wedelt Mir zu Füßen auf and ab, • Tanzt und hupfet, Kreucht und schlüpfet, Gaugelt um den Schäferstab ^). 29 Die Bäcker sind die besten Leut, sie können die Menschen laben, Machen sie das Brod auch noch so klein, So muß man es doch haben. 30 Ich bleib dunkel wenns auch helle ist, Bin im Winter warm Und im Sommer kalt, und was in mir wallt, vexjagt dir den Harm. 31 Ich bin arm ich muß mich hucken, wenn es Blick regnet, ste ich drucken. 32 Ich brauche keine Kaz im Haus Die Magd maust ans mein ganzes Haus. 33 Wenn ich meinen Praten schmeck Ich mein Messer nicht einsteck. 34 Jungfern sollen wie die schneckep Immer stets zu Hause stecken. 35 Drei Rosen auf einem Stengel Laß dich küssen mein lieber Engel. 3G Mein Miidchen vor allen Hat mir am besten gefallen. 37 Ich habe fröhliche Gedanken Ich darf mit keinem Weibe zankeu. 38 Unser Marile ist so fidele Wenn sie drei Batzen hat macht sie kafele. 39 Gerauchter Speck und Sauerkraut Füllt manchem Schelmen seine Haut. 40 Hast du Arbeit, frisch daran, Fleiß und Kunst liebt jedermann. 41 Brauch deinen Kopf, so stosst du niemals an, und keiner ist's der dich betrügen kann. 1) Diso Verse, und darunter eine große Schafherde, verbreiten ich über fünf Ofenkacheln. 256 42 Meine Sonn wird mir aufgehen Wann ich dich werd wiedrum sehen. 43 Ich lieh was fein ist Wanns schon nicht mein ist, Und auch nicht werden kann, hah ich doch meine Freud daran. 44 Eine harte Nuß, ein stumpfer Zahn, ein junges Weih, ein alter Mann, zusammen sich nicht reimet wohl, ein jedes seins gleichen nehmen soll. 45 Ein altes Weih, ein höses Weih Hat mir der Herr gegeheu, Nimms Weih von mir, nimms Kreuz von mir, so kann ich fröhlich lehen. 46 Der Gaffee ist mein halbes Leben Der kann mir meine Kräfte geben. 47 Vil saufen wenig zahlen Ist aller lumpen brauch sie pflegen nur 2u prahlen bis angefallt der Bauch. 48 Wer sein Herz ans Eitle hängt, Hat am Ende keinen Schatz, Wer in Gottes Licht eindringt, findet in dem Himmel Platz. 49 Gott gibt mehr an einem Tag, Als ein Kaiserthum ') vermag. 50 Wir alle sind Brüder, wir alle sind gleich. Der Reiche lebt von des Armen seim Schweiß. 51 Der Bauer ist ein Ehrenmann, Denn er bebaut das Feld, Wer einen Bauern spotten kann, ist mir ein schlechter Held. 52 Er pflügt und drischt und Bauemschweiß Erhält den ganzen Staat, Was hilft Gelehrsamkeit und Fleiß, Wenn man nicht Bauern hat! 1) In Osteisheim: Kaiser thun. 257 53 Der Mensch färt hin aus diser Welt Gleichwie die Blamen auf dem Feld. 54 Wir leben so dahin und denken nicht daran, Daß jeder Augenblick der lezte werden kann ^). 3) In Emberg 55 Unter Gottes allmacht schütz Biet ich jedem Feinde tratz. 56 Gott mit ans So gnüget ans. 57 Gib acht aufs Feuer and aufs Licht, Denk nicht, eii;i Funke schadet nicht Ein Funke Feur auch noch so klein Der äschert städt und dörfer ein. 58 Besiehe du zuvor dein Bild eh du andere richten wüt, bist du noch selbst vor dir nicht rein, so kannst du auch nicht richter sein, du hast genug fär dich zu thun, mein Freund, lass fremde Fehler ruhn. 59 Lass den betrüger immerhin Im Dunkeln seine that vollziehn, so kommt sie doch ans Licht. Der Krug geht ja, wie man wohl spricht so laug zum Brunnen bis ei- bricht. 60 Wenn der Wirth die Zeche macht. Und die Wirthin freundlich lacht, so wird der gast ganz muthig gemacht. 61 Jungfemmilch und schneckenblut ist für alle schaden gut. 62 Lieben, Freien, Hochzeit machen Das sind 3 recht schöne Sachen. 1) Nro. 24 biß 80 im Hause Nro. 4, Schaltheiss Pfrommer, was zwei Täfelchen bekunden mit der Inschrift: „Joh. Georg Pfrommer Bürger and Baner in Würzbach 1839** und „seine Hausfrau Elisabetha Katarina 1889". Nro. 81 biß 89 bei Michael Rentschier, Haus Nro. 6; auf einem weiteren Plättchen stet: „Diese Blättchen hat gemacht Bern- hard Dompert in Simmozheim. Nro. 40 bis 47 bei Adam Lutz, Haus- nummer 7 („Michael Lutz Bürger und Bauer in Würzbach und seine Ehefrau Walburga, Latzin, 1848"); Nro. 48 biß 54 in Martin Wurs- ters Haus. Birliogtr, AlemannU vm 8 H 258 68 Halt, Fuhrmann, halt, zeig mir den Weg nach Calw. 64 Ich sohlaohte E&lberi stier und Rinder Und steche schwein und liebe Kinder. 65 Glück und Unglftck Ist alle Morgen mein Frühstück. 66 Hein lieber Frennd, was ist wohl besser thnt man davon so wird es grösser, thut man dazu, so wird es kleiner, ich wette £ast, s erreth dis keiner*). '67 Es ist eine feine Magd im Hans, Kehrt alle 4 Wochen die stube aas. 68 da liebe Jaliane, gib mir deine tolibane*). 4) In Eberspiel 69 Wenn du willst waschen die H&nden dein, so bedencke ob dein Herts sey rein. 70 Heyenbleimen und rossen bieder verünttem das Aprillen wetter. 71 Alles was da dost aaf erden das lass du dir zam besten werden. 72 Dom die stechen, esslen brünen, Wer mang alle Jungfern künoi. 73 Auf den bergen and in den gründen da ist kein warre lieb zu finden. 74 Lieb da mich allein oder las gar sein. 75 Füsch du bey tag und fang du fögel bey nacht. 1811. 76 mensch, bedencke was du dust, bedencke das da sterben most. ') 1) Daranter stet: >a BifthaeL aa barg nie^ (rückwirto gafeam: ein graben). 2) Nro 65 bis 68 ki •• Umm. Bas den Kanan des Haasbesistfs irp« «nHifc 1088. Tlaoh dem ganzen Maohw» *l' . 8) Im HaosB i* i 269 5) In Aliaiberg 77 Alleo Menachoi redit eq Umn, ni eine koiiBt, die Niemaiid kum. 78 Das Krens wShr nicht sn schwer Wenn nnr das bdSe Weib nicht w&hr. 79 ffier ligt mein Weib, Gott sei gedankt so lang sie gelebt hat sie gennkt ach lieber, befter gdi Ton hier sie steht sonst aof und nnkt nnt dir. 6) In Nenweiler 80 Anf der weit kdn besser ding Als siese milch nnd weisbrot drin. 81 Kein gröfire Frend aof Erden ist als wan der Schneider anf dem bock ntat. *) 7) In Alihengstett 82 Die Kleider mäßen tragen sein, es kommen sonst die schaben drein. 83 Ich achte meine Hasser gleichwie das R^^wasser das von den Dächern flenst nnd ob sie mich gleich neiden, so müssen sie doch leiden, Dass Gott mein Helfer seL 84 Ich reise viele hundert Meil Und habe niehts als Karren feil. 85 Unsere Magd am Wasserstdn Hat ein paar versohissne Bein. 86 Mein schas ist krdtenweis hat kmmme Glieder, Geht bncklicht ans dem Hans Kommt kropfig wieder.*) 8) In Stammheim 87 Nicht alles geht ans Herzensgnmd was schön nnd lieblich redt der Mund. '^ in Martin Seegert Haus, Nro. 88, aus der Töpferwerksiätte w in Neubulaoh Btammend. Als Jarssal ist 1787 beigeschriben. Bei Jdcob Flick; die Platiohen stammen aus Simmozheim. 260 88 Liebe Gott nnd die Gerechtigkeit so bleibt dein Nahm in ewigkeit. 89 Aas der Erd und mit der Hand macht der Hafner allerhand.') 9) In Osteisheim 90 Leb vernünftig Denk ans künftig 91 Zu Gott hin Steht mein Sinn. 92 Wer nicht trandt Hat selber eine bösse Haudt. 93 Lieber ich allein oder seliger sein. 94 EHi ich Hess meinen schätz Liess ichs Leben auf dem blatz. 95 Das ist al Zeit mein verlangen Hirschen mit zwey faß zu fangen. 96 Ich geh mich gefangen Die Freiheit ist hin Sie ist mein verlangen Dienstwillig ich ben. 97 Ich steh aaf meinem Pfosten Sollt es gleich mein Leben kosten 98 Mein Mann der sanft als wie eine Kuh Und ich lieg hier in meiner Rah Der fürt sich immerfort so auf Er ist oft minder minsch als sau. 99 Es trugen zween anf einem stecken den grossen wundertrauben her Weil einer sich nich dürft erkecken die last möcht etwa sein zu schwer. Herr Jesu, du bist groß und hoch vil grösser als der Himmel noch. 100 Man hat den Trauben hergetragen , Aus meines Jesu Vaterland 1) Im Hause Nro. 88, dem Andreas Rohm gehörig; di^' sind die gleichen wie die in Haus Nro. 91 in Ostelsheii^ her one Zweifel aus Holzgerlingen. 261 Dort hat der Rebstock aoageBchlageo Die Wurzel hai genannt. Weil dieser Rebstock aus der Schooß Der reinen Jungfrau(en) entspross 101 Christum lieben ist besser dann aUes Wissen*). 10) In Ottenbronn 102 In dem Frühling deiner Jahre Nicht mit bösen lenten bare. 103 Glücklich und dem Fürst-en werth ist der sich mit Arbeit nährt, froh und reich durch gnügsamkeit thut er nur was Gott gebeut. 104 Lieben in der Still Ist mein Will. 105 Wenn dein Herz ist als wie das mein so soll die lieb beständig sein. 106 Alles was die Jungfern haben Das gefallt den Jungen knaben. 107 Ich will beim mondenschein Kommen vor dein Fensterlein. 108 Heute nacht bei diesem grosen Regen Bin ich bei meinem schätz gelegen, 109 Kennt ich schwemmen wie ein schwan kräen wie ein gogelhan karesiren wie ein spaz War ich aller mädchen schaz. 110 Knecht gib acht unsre Magd hurt alle Nacht. 111 Drei Hasen und drei obren hat keiner keine verlohren ^. 1) Nro. 90 biß 94 bei Jakob Friedrich Oehring, Gebäude Nro. 36 • ein Plättchen enthält die Urkunde: „Bei dieser arbeit war bauHerr Georg Simmon Gering meister haffner Georg Heinrich Widmann 1780** Npa, 96 biß 101 bei Jakob Walz Wittwe, Hans Nro. 91, wo auf einem •"«i^ben ist: „Diese Blättlen hat Johann Peter Weiw und >>orodea m Osteisheim machen lasten bei Joh. Kaspar ^ Holzgerhngen. anno domini Christi 1803 ** ri Hasen so gruppiert, dam die Kdpfe im Dreieck ligon. 262 112 Bei Arbeit singt die Lerch uns zu Die Nachtigall bei sieeer ruh« Gemacht in Simmozheim 1826 *). 11) In Unterhaugstett 113 An Gottes Segen Ist alles gelehgen. 1737. 114 Wer bauen will auf die Strassen and gassen oder Etwas will machen lassen, Der muBs die lend nur schwätzen lassen. 115 Heiner frau ihr foder Deil Ist mir am viel geld nicht feil. 116 Ich bin ein Vogel allerding mach alle Müh and Arbeit ring. 12) In Unterreichenbach 117 Raf Gott in allen Nöthen an Der wird gewiß bei dir stan. 118 Wer Gott vertraat hat wohl gebaut. 1 1 9 Demuth Ist zu aUen Dingen gut. 120 Alles vergeht, Tugend besteth. 121 Ist einer alt an Jahren so hat er viel erfahren. 122 Wer in mein Müll herein geth und im sein sinn auf stehlen steth der bleib lieber draußen, Ich Johann Georg Bohnenberger hab eine Katz kau s^ber mausen*). 13) In Neuenbttrger Amtsorten') 123 Ich bin ein Husar im weiten Feld, Ich blas dem König um sein Geld. 1) Im Haase Nro. 5; die Feaerwand ist jedoch sur Zeit aasge» " fe. Aof einem der T&felchen stet: .Hermann Bärser Jahr 1797.« : des Hafoers Sohöttle in Calw. 263 124 Rosen und Violen will ich im Garten holen. 125 Das Blümlein mein, Das Körhlein dein. 126 Bescheidenheit Das schönste Kleid ^). 127 Frühling du bist freudenToll« Deine Blumen riechen wohl. 128 Jnngfem wollt ihr Rosen brechen? Gebt acht, dass euch die Dorn nicht stechen. 129 Jungfern lasst mich nicht so sitsen, Kauft auch was Yon meinen Spitasen. 130 Die Schüssel ist aus Erd gemacht, Wenn sie zerbricht, der Hafner lacht*). Stuttgart KDoll lieber die Schwaben und Alemannen II Vom Allgäu und den Allgäuem 1 Unmittelbar vor des dreißigj&rigen Krieges Ausbruch entbrannte der religiöse Kampf zwischen Jesuiten und Protestanten in hizigster Weise. Alle Schmähschriften zu Anfang der Refor- mation lebten üppig wider auf, nur daß die Jesuiten jezt die Rolle der Römischen auf sich genommen hatten. Ein rüstiger wundergelerter Doctor Georg jZeämann, protest. Pfarrer begegnet uns im Kemptischen. Er schrib eine Apologia oder Verantwor- tung seines Anno 1625 gedruckten Wunderspiegels oder völlige Abfertigung deß grundlosen, Lästerlichen, Liederlichen Geschwätzes, welches beede Jesuiten Elias Graf in seinem genannten Kemptischen Wunderthier, Teutsch: Vnnd der Author deß Vnbidermännischen Agonistici, Lateinisch: wider die Zehen Wunderpredigen, durch 1) Ausserdem die meisten der in Chr. v. Schmid's Erzälung: die Ostereier, Kap. 4, aafgefiirten Reime. 2) Weitere Sprüche, welche aber nichts Neues enthalten, finden sich in Dachtel bei Calw, im Hauso dos Waldmeisters G. Eisenhardt; die betreffenden Plattcben sind gefertigt von Hafner Schmid in Holz- gerlingen. 1786. 8) Vgl. I Artikel Alem. I 88 ff. 264 offenen Truck failgebotten usw. Getruckt zu Kempten liey Cbriatoff Krauseu 1627 4". Drei Jare früher ließ genannter Dr. n.iniUch auagehen: Newer Wanderapiegel oder zehen Wunder: vnd WaUiurts Betha Predigen: Dariiin zuvordrist insgemein die Hauptlebr von WuDderzeicIien gründlich erklärt: DaraufT ein aiiHfürlich Examen uder Mustei-ung der Päbatischen Wunder in drey Hauptpunkten angestellt: t'Qrtera in epecie von der verschinen Jars entstandenen Newen Walfart zu der geuannten Guten ßetha Grab und Brunnen gen Beutin im Heistergäu vnci dero Wundern gehandelt vnd der Grewel der Verwüstung klilrlich dargethan usw. Anno 1624. 4". In der erstgenannten Schrift von 1627 wird das Algäus und seiner Bewoner verschidenemale Erwänung getan. Die leztern rattssen sich in der Hize dee Streites von Ji^suitenseite — wenn von den protestanti selten Eemptern die Rede — und von ZeSman — weniis rümischen Bauern gilt — nebst Lobes nucb Auelalle ob irer Grobheit gefnllcn laßen. S. 102 beißt es: „Wie spöttlioh zeucht er (der Jeauite] die ^cbweden und andere gegen Mitternacht gelegne streitbare Völker ilurcb die Bach? Wie scliaudlich bat er die Alg("ncer insgemein, dero ein gruser Hauff J. F. G. deß Herren Bischofs zu Augsburg, Lands untertbanen sein, insonderbeit aber hiesige Bürger durch seine spitzige Lästersücbel gezogen, als ob die nampük'he Älgi'ncer laulcr wilde, fiehisihe, steinichle l.eulh, lauter Narren, Slein-Hlöek, vnd meine liebe Zuhörer lauter Ilauren- knöpf weren. Deßwegen er mir faat in allen Blättern vnd offt in einem Blat zwei oder dreininl die Alpes oder das Gahürg fiirwirft vnd mich pastorera, Praeconem, Buocinatorem et Theologum Alpi- iiura, Bubalpinum, Nepotera Lutheri in AlpiboB mstioantem, Honii- nem Alpinuin, Alpicolaro, Aipiuni iaquilinum, proletariuin ab Al- pibus Magistrum, Alpium colouum, inter grues Alpinaa pugnaci- orem, Alpium accolam, Hostem Alpinum, Stentorem Alpinuni, deu Biirgiachen oder vndarbürgiachen Predikanten uaw. Ja zunj (iftem Alpes ipaaa das Gebürg selbs nennet. Die Bürger aber diaer vc- alten des H. lieicha Stadt Kempten titulirt er Älpinos rusticos, die Alyi'misi:he Bimreti, rusticos meoa, meine Bawren, Alpinro in- digenas, Inwoner des Gebürgs, plebem inter Alpium rnpes dura- tam, Fecem sellulariam et Alfiium pullastroa, ein grobs FCfelvöUf- lein so zwischen den Felaim des Gebürga verhürtet vnnd in den Warckstiitten, sonderlich den Weberdunken sich aufbelt, .;kw^c Bürg- halten, vnd was der Schandnamen mer sein, darmit diser Eaanitiscbie WidhopfF so vil hundert ehrliche Leuth lieachmeißt, welche ich jaen hiemit samt vnd sonders auff seinen MistliauffeD widerumb heimbscbicke." „Nun bin ich, färt Zeämann S. 311 fort, zwar meiner Ankunft nach kein Ällijßwer noch Alpinus, sonder vber Bhein in der Farstlichen Pfaltzgnivischen Stadt Uornbach (so in , die 40 Meil von hinnen gelegen) von erlichen Eltern geboren vnd liab die meiste Zeit meiuea Lebens nicht iu .-llißui, vil weniger ad caulaa (wie der Agon lästert), aaob nicht vifi der.AgOD auffin Schnei- 265 derstnel, sonder bey den Schneien in Sachsen vnd zn Langingen zu- gebracht. Ich hab mich aber deß Algöwe vnd diser Stadt^ da so wol als anders wo, erliche vnd verstendige, teils diensthaftere Leuth 2a finden, ¥rie auch meiner hiesigen Pfarrsteil nicht zu schämen. Es solte aber der hoch vermessene Thraso billich Hochgedacht Irer Fürstlichen Gnaden, als seines gnädigen Herrn, dessen Brot er isset, wie auch znvoidrist deß Hochlöblichsten Hauß Oesterreich verschonet, vnd die Alpes, so zum guten teil Irer HochfürsUichen Durchlaucht vnnd F. Gbaden zugehören, nicht so grob vnd unsauber angezogen hahenj sonderlich, weil auch sein Gesellschaft solcher Alpen vnd deren teils darinn begriffenen, teils rings herumb li- genden vnnd Höchstgedachten Hauß Oesterreich, wie auch dem Bistumb Augspurg, dem Fürstlichen Stifit Kempten vnnd andern deß H. Reichs Grafen vnnd Herren zugehörigen ansehenlichen Herr- schaften nicht wenig zugemessen hat. Wenn die Alpes nicht weren, wie vil würde jnen, den Jesuitem, an jrem Futer, als Fleisch Schmalz vnd dergleichen abgehen; will jetzo des Feder- wiltbrets so jnen merfeltig auß dem Gebürg zukompt (weil sies besser als ich vnd meins gleichen bezalen können) geschweigen. Die Älgöwische Bawren (die jres Verstands vnd Sitten halber vor andern, die mit Lätzen reverenter zu melden, auffziehen vnd dem Agoni bekandt.er sein möchten, den mm haben) kommen in meine Predigen nicht, sonder gehen für vnser Kirch fürüber, weil sie nicht der Stadt, sonder Hochgedachtem Fürstlichem Stifilb Kempten zugehören. Es ist aber kein Wunder, daß der Agon, wie ein andere Saw, die Algöwer also anrüsselt, dieweil er viler f&rtrefflichen Leuth, die der Päbstischen Religion zugetan, nicht verschont." Beigefügt seien noch folgende Stellen: ,0b dadurch die gute Betha von im exculpirt seie, oder nii, will ich einen groben Älgöwischen Bawren erkennen lassen.'' 8« 107. „Daß in diser Gegend — welche ich in meiner Dedica- toria nicht des Lands, sonder deren wider mich von vilen groben Leuthen ausgegoßenen vngehewren rauhen Lugen halb, eine rauhe Landsart genannt — vü Bawren finden, welchen N. diso oder jene Legende ehe einboren köne als mir, gib ich gern zu und muß darauß mit Händen greifen usw." Von einer Allgänerin wird gelegentlich ein Vergleich ge- nommen wie zB. folgende Stelle besagt: „Und weil jr Jesuiten an der dialektischen Form ein größere Frewd habt, als ein Allgöwisch Mägdlein an seinem Wifling oder Jnppen, so wollest mich nnbe- Mhwert berichten" 175. 2 Es gedenkt auch Fischart im Gargantua (Ausgabe 1590 ff.) der AUgäuer. 8. 44 heißt es zB. Vnd inn was Land ziehen nicht ^^geiner, Kaufflent, Studenten, Becken, Käroetfeger, Handwercks- IWD, AUgäuische Maurer, Schnitter, Elsessische Betler usw. tfmi in Schwaben ist die Auswanderung der Ueuberger Maurer wäi'ontl (lea Somniera, so daß der Volkawiz von inen sagt, sie bücken sich bei der Rüclckunft nicht um einen Sechser auf den Dodeu, wärend sie im Früjare sich um vil Geringfügigeres Mähe de« Aulhebeus gehen würden. Die Weißputzer des Gaißentule, die Steinhuuer von Wurmlingeci nnd WendelBbeim sind wegen irer Sommer Wanderung bekaaot. — S. 81 nuckt Fischart die A. mit einrr bekannten Schwabengescbichte : Wie ea dann kündbar ?on jenem Alffetcet-, der auff dem Kirschenbaum Kefer für Kriechen (Pfiaumenart) aß: sie hoissen ja Kroichon, sie kroichen wider anher." S. 343 sind ailgnuiacho Teller genanutr Eb ist die gröat« Narrheit die man erdencken rang, wan ainer Icompt vnd sagt: Ich hab im Thurnier oder Scharmützel zehen Rennsper erprocfaen, ein Sutireiner könds anch thnn, es iat auch ein handel für Schreiaer; in der Faßuacht brechen di« Fischer auch Eolbenatangen im SchifTthurnier, es ist als wann einer vermeint groß Fisch mit zufan- gen, wann er etlioh AlltfituisrJie Deller kan nach einander auff eim Finger oder an der Stirnen zerschlagen oder zwischen jedem Finger mit eim Deller Fun? Nuß auETquetschen : Diß ist ÄfTenwork." S. 357 hören wir von Privatliebbabereien gewisser Leute von Stand, daK „jener Alff/iuisch Vogt (Schultheiß) bricht Hanff, oder spinnt, CuriuB delbt Rüben, andere weben usw. Worauf diae Anapilung get weiß ich nicht. Die AUgäHiacben Körbe treffen wir S. 636 daa vom Kloaterbaa handelt: Zwischen jedem Thurn waren drey hundert 12 schritt weile; jeder Thurn von 6 gebinen vnd ge- wolhen, die Keller mit begriff. Daa zweit war gewelbt, wie ein handhab an eim Älgiluiscken /törblin. ABirlinger 3 l^urgaitcr Uuizehi im AUgäu Feigen. „Der Weinmonat wirt lAfftig sein, mit kalte regen auff den Bergen, Schnee, in den Seen vil wasaer, es werden in der kleinen Statt Basel mehr Burger mit bauß sitzen, dann in der gantzen statt Wietüspach, im Thar- g9uw werden nit vil GrnDütiipIfel noch Pomerantzen wachaeii, aber vil Bieron, welche nach dem sie in dem baciiofen gedert, werden aie den tiummen Bieren ') verlieren, viul Jiufzlen genennt werden, sie werden auch auffkaufft, vnd in das Ai(/iitvi gefM, dtiseibs werden sie ffir Feigen gessen." [Vergl. Wer dürre gosotne bim gnag möcht haben, sie dienen /ür fei/geti vnd dewen seer inn blBden lewten. Augsb. Kuchomariaterey Änfg. 16. aec, (Heinrich Btayner, Drucker).] 1) Vgl. damit die «nnnrtioAoj'ontJnJif des Job. Nas von 1566: [Weinmonat] Im laud kh Francfcen wirdt kein fliegen mehr sein, aber Buß taygon hyrnen werden sie B5bemisch feygen machen. Daß Sas die Practica von 1565 bemizte, sagt er selhal in der Vorrede, wo er, nachdem von dem Betrug der Astrologi geaprechen ist, folgendermaßen fortfärt: DerobHlbco auch ich von meinem Herrn Schwager Joanien Wcyermann, der aihcu faulen küust ein Maiator vnd Doctor, vnderrioht genommen, vnd pcrsuadiert worden, mich aiiloher vnioSLchtigon kunat in enlsuhlaheii, such aller liUf^enhSchlein vnd Prautiken der Stamgncker abzutbnn etc. 267 Aas: Prmeiksi^ Aofi dm 1565. Jar — Dareh Johamiem Weyerman, der üben fmalen KAnsten ein Meister. Am Schluß: Gotruckt zu Chil- lion, bey Meister Hans Selteng^it, in der Wachtituben gleich bey der wachtkamem. Mit Priuilegium aufi die zw6iff Monat nit nach zutrucken, bey straff Tnd peen zw5lS' thonnen H^irling, etc. 1565. Es wäre daokenwert, wenn cQe Terwandten Praktiken ans der Schweiz, welche, wie die yorligende, der satirischen Gattung angehören, einmal bibliographisch sosammengestellt vrürden. Die BiUioiheken der Schweis werden derselben gewiß noch eine grö- ßere Zal enthalten. WGreoelins Litteratur 1. Von Nah und Fem. Festgabe für Herrn Carl Fried- rich Wehrmann bei der Feier seines fünfimdetcaneigjährigen Jur bOäums als Staatsarchivar der freien Stadt Lübeck 1879 Juli 22, Hamburg. Druck von Äug. Meyer dt Dieckmann 24 S. 8^ In diser Beglflckwünschnngsschrift der Herrn Dr. K. Kopp- mann, 0. Rüdiger nnd Chr. Walther in Hamburg ist der 4. Aof- saz: „Vom Strassbnrger Münster von Karl Koppmann* yon In- teresse för unser Gebiet. Derselbe bringt das von einem Umschlag gelöste Bruchstück eines Necrologium capituli Argentinensis aus der 2. H&lfte des 14. Jarhonderts zum Abdruck. Es um^t die Tage Yom 17. Mai — 1. Juni. Zum 17. Mai wird n. a. das Anniver- sarium EHnhardi procuratoris fabrice, zum 18. das des Canonicus Stephanus de Geroltzeck, zum 20. das des Canonicus Conradus de Hohenfelß, zum 1. Juni der Tod des prepositus Gebehardus de Friburgo yerzeichnet. Bei dem lezten Namen weist der Heraus- geber auf Closener Städtechroniken S. 1 38 hin, wonach der dumpro- best Gebehart von Friburg 1337 an sant Peternellen dag starb. Yon Straßennamen') aus Straßburg kommen vor 1) de domo zu der Kofingen am holtzmerckt 2) de domibus zu dem yon Richenowe inter pellifices 3) in vihegasse retro domum dictam zum Stier 4) de areis in burggasse 5) de bonis in judengasse '). Von dem übrigen Inhalt hebe ich noch heraus den Aufsaz des Herrn Dr. Walther über den bekannten Spruch im Lübecker Ratskeller: Mannich man lade syngbet. Wen men em de brut bringet. Weste he wat men em brochte, Dat he wol wenen mochte. 1575 1) In den Straßborger Gassen- und Häusemamen im Mittelalter Straßburg 1871 (Alem. I 163 ff. 255 ff.) feit zu der Kofingen ; es müste denn das am Holzmarkte gelegene Hospitium olim zu dem Keffich nunc zn Truwen sein S. 81 : in der 2. Hälfte des 14. Jhds. ist der alte Name noch üblich gewesen nnd die Stelle v. 1499 (Straßennamen 1. c.) kann ich arhaistiaoh falsch vridergegeben haben. AB 2) HoUmerkt S. 80. Zu dem von Richenowe möchte ich Buotwtoe S. 132 stellen, ich halte lezteres für verderbt. Rissowoe begegnen S. 90. 189. 154. Inter peüificeSy bi den Kürsener Louben S. 107. Viluigasse 8. 188: Kleine Y. Große Y. in der Krantenau. Zu dem Stier S. 101. Bmggasse S. 51. Judengasse 8. 88. AB Herr W. weist nscb, iIusb derselbe auf Kngland zurückfiirt, Er findet sicti dort in der Oxforder IIa. der Proverbs of king Al- fred, und üwar in folgender Gestalt: Monymon eingetli, that wif hora bryngetb; wiate he hwnt de brwuhte, wepen he myhte. Etwas erweitert haben in die Proverba of Hending (H. Jarh.]: Moni raon syngeth, is jonge wyf; wepen he mohte wlien he hom bringeth wyBte wat he broht«, er bis lyf syth: WCreeeliuH quot Hendying. 2. Die (frei Zdgen. (Dinjürigcs Ostcrprogromm der Kan- loiiSSchule hl Frnucnfelit von Professor Joh. Mei/er.) Eine urkundliche Daretolluug dee Dreizelgenbaues ist nicht allein für die Geschichte des Landliaues, sondern nach und g&nE vornemlich für unsere Kulturgeschichte von fand a mental er Bedeu- tuug. Man hat bißher im Grosaen und Ganzen seitens der Ge- achichtsachreibung auf dise Verhüllnisae nicht die gebüreudc Rück- sicht geuoinmeu. Im Mittelalter drehte sich die Haupt^orgc jedes Gemeinwesena — groBsere Handelsatädte nusgenoninien — uro den Feldbau und, was dnniit im engsten Züsiimmeiihange stand, um die richtige Handhabung von Wunn und Weide. Es ist erstaunlich, welcli ein wunderbares Wirtschaftssystem die Erforung der Jai- bunderte ausgeklügelt hatte, ein System, das, was Solidität und relative Sicherheit vor dem wirtschaftlichen Untergang des Ein- zelnen anbetrifft, einzig dnatet. Ein tieferes Eingehen in diae alten Zustände hat heut;iutage mer als nur ein historisches In- teresse, denn wir können nicht nur eine zu Ungunsten unserer ser- farenen Verhältnisse ausfallende Vergleichung über Einet und Jest anstellen, sondern auch aus der Vorgeschichte unserer Gegenwart am deutlichsten erkennen, wo wir am weitesten von einer war- baft menHchlichen Wirtschaft aligekomnien sind. Wir können anch, WAS den Landhau inshesoudera anbelangt, in Erfaruug bringen, dass manches, was wir heutzutage Fortsclirit nentian, Ton den Alten aus triftigen Gründen als Raub, on uns selbst, an dem Nächsten und den Nachkommenden betrachtet und aufs tiefet« ver- abscheut wurde. Der Landbaubetrib unserer Altvordern war keineswegs jene inferiore Kinrichtung, auf die der Meister Vor- wärts von heute mit Verachtung herunterblickt. Das Feldsystem und alles was dnim und dran hängt war. wie gesagt, das Kind langer Erfaruog und ein bewärtes Palliativ gegen allgemeine sociale Verarmung. Auf dem Feldsystem als Fundament aller Wirtechaft rute das ganae öffentliche und häusliche Leben dea dritten Stan- des, der iiu Mittekltcr noch mer als heule die ungeheure Merheit des Volkes bildete. One genaue Kenntnis desselben ist daher selbstredend ein richtiges Vefständnis der socialen Verbältniaae des Mittelalters unmöglich. 269 Herr Professor Meyer hat mit glücklicher Hand die Warze! herausgehoben, aus welcher die Blätter, Stengel und Blüten des alten wirtschaftlichen Organismus herausgewachsen sind. Er hat mit diser Monographie den Grund für eine pragmatische Darstellung des alten Feldbaus gelegt, wie sie der Höhe der historischen For- schung der Gegenwart entspricht. Der Philologus muss dem Phi- losophns und Historicus die Hände reichen, zumal in einem so sohwirigen Gebiet, wie das in der besprochenen Arbeit behandelte ist. Ein richtiges Verständnis der yilen alten Termini ist one tüchtige philologische Vorbildung nicht möglich und man braucht nur die einschlägige Litteratur durchzublättern, um sich von der Warheit der Behauptung zu überzeugen. Von der älteren zu schweigen, so muss es rund herausgesagt werden, dass auch die neuere und neueste von zum Teil monströsen Misverständnissen wimmelt. Es frommt jeder Geschichtsschreibung und dem Publi- cum, an das sie sich wendet, noch mer, wenn der Quellenapparat in treuer Reichhaltigkeit zur Verfügung gestellt wird. Wir sind da nicht genötigt, die Dinge immer nur so zu sehen, wie sie sich im Kopfe des Autors spiegeln, wir vermögen sie mit den eigenen Augen zu sehen und sind im Stande zu kontrollieren in wie weit uns der Schriftsteller den objectiven Tatbestand treu übermittelte. Dise Vorzüge kommen der Meyerschen Arbeit zu. Sie hat sich zum Vorwurf genommen zu untersuchen: 1) wie das Feldsystem der drei Zeigen eingerichtet gewesen; 2) welche Vorbereitung es in älterer und neuerer Zeit gehabt; 3) wie alt es sei und wo- durch es erschüttert worden. Am Kopf des ersten Abschnitts wird eine Zusammenstellung von Belegen für das Wort „Zeige" gegeben. Ir folgt eine etymologische Erörterung, welche uns ser bemerkenswert zu sein scheint. Derlei sprachliche Untersuchungen widerholen sich bei allen landwirtschaftlichen Terminis. Wie schwer sie zu erklären sind, beweisen die bezüglichen Arbeiten Jakob Grimms, Schmellers, Birlingers, Förstemanns u. A. Des weitem spricht dann Meyer über die Namen und den Bau der einzelnen Feldfrüchte. Im dritten Paragraphen kommen die drei Zeigen in specie an die Reihe. Der vierte handelt von den beiden Eschzelgen (Satfeldem). Der ftlnfte von der Brachzeige. Der sechste von der Art der Feldbestellung, der sibente behandelt das ruhende Feld, die Egert oder Driesch. Wir erfaren da von einem wesentlichen Unterschid zwischen Brache und Egert, den der Städter in der Regel nicht kennt. Der achte endlich behandelt die Umzäunung der Flur. Sämtliche Paragraphen sind mit ser vilen, nahezu erschepfenden Belegen aus Urkunden, Weistümern u. s. w. bedacht. Der zweite Hauptabschnit verbreitet sich über das Dreizelgensystem bei den Griechen, Römern, Kelten, Germanen und Slawen. Der dritte behandelt dann noch Alter und Dauer des Dreizelgenbaues bei den Deutschen. Wir haben eine ausfür- liche Inhaltsangabe um deswillen fßr angezeigt gehalten, weil der 270 EchnfTe, I Les6r nicht allein ein Bild fou dem Gang der Meyerschen Ab* handlung gewinneo eoU, sondern niicli die Lugt, das Programin selbst zu lesen, lu der HolTnung, daf^ derjeidge Teil unserer Leser, der sich für dise Arbeit interessiert, dieselbe aelbst rd- interlflasen wir über die in der Abhandlung gegebenen len, zum Teil neuen Etymologien weitläufiger eu refe- rieren. Auf einige kleine Ungenauigkeiten, wie e. B, p. 45 wo etegen, stAgleu, stiglen, wenigstens scheinbar summarisch erklärt wird, wiirend sich die Erklärung nur auf das leate Wort be- ziehen kann, oder daß p. 31 hutr.o mit „Pfandwisch* gegeben wird, was doch seine Bedenken hat, legen wir kein Gewicht. För irrig halten wir die Zusammenstellung der Ortsnamen Donaa- eachingen, Wntüschingen, Bergdsc hingen, Eschikon u. s. w. mit dem Wort Ksch (aratura). Diaem Esch-ingen ligt ein Personen- uame Asko, Eeko zu Grunde. Vgl. die bezeugten Asc-ar: Esk- ere; Äso-rih: Kski-rih. Hier ist osk, esk die Esche, der Sper- Bchaft. Das entspricht einerseits der PerBonennamenbildung unserer Altvordern, andererseits der Bildung der Ortsnamen auf 'ingen. Es ist keine Frage, es gibt Ortsnamen auf -ingen, deren Batipt kein Porsoneiinume ist, wir erinnern an Trossingen am Trossel- bach, au Groningen ou der Grona, an Emering au der Ammer u. s. w., aber sie sind doch in der ungeheuren Minderbett und was hier entscheidend ist, eigentliche Fluruamea sind biß jezt in ON. auf -lugen noch nicht nachgewisen worden. So lang schwerwigende Analogien feien, muß die gemeine Regel Recht behalten. 1)6 lettun se erist nskim acritan. Zum Schluß noch eine Bemerkung über das Wort „Espan", Es mag seine RichUg- keit haben, daß in einigen Gegenden der Espan im Esch ligt, aber in anderen, wie zB in Oherechwaben, ist das nicht der Fall- liier ligt der Espan, oft sind es 2, auf einer Markung, niemals im Esch, sondern stets auf der ÄUmanJ, die ehedem Gemeinweide war und ser oft im Wisentnl, im Ried bgt, wiirend sich die Flur auf der Hochebene befindet. Htiufig ligt der Espan unmittelbar yor dem Oorfe oder der Stadt. Wir glauben dass Schmcller das lichtige getroä'en hat mit Eß-bann, Weidebaan, Weidegehege. Unsere Urkunden bieten stets nur Eßpach, Eßpan, nie- mals Eschpan usw. Erst im 17. Jbdt. taucht leztere Form auf. Wäre das s geKischt worden, so hätten unsere Alten sicher Eschpan gescliriben. Umgekert schriben sie nie Eß-hai, sondern Escbhai, Deweis dafür daß hier der Esch, die Flur gemeint war. Eß-bann enthält also dasselbe Wort wie Eßsaw, Eßswin (Mastschwein). Das e muß lang auagesprochen worden sein, da man einerseits Eeßsaw findet, andererseits für Espan Aispen findet, wie ehe (Ehe, Geaez) Bchwäbisch aih lautet, wie ein vom Wurm angefressener Apfel bei uns wurmeßi^ neben wurmaißig heißt. Freilich gibt es zu lezte- rem auch die Formen wurmmüisig und wiiimmäsig aus mäs (ma- cula)^ aber du dürfte spätere Umdeutung sein. Die Form dee 271 erateren klingt ¥rie karäsig neben karaisig (steinig), diß eines der wenigen schwäbischen Wörter, die im Verdacht stehen, keltischer Herkunft za sein. Vgl. c4r (mpes). Ehingen aD MRBuck Kleine Beiträge 1 Zu Buechmanns Geflügelte^ Worten 12. Auflage 1680. Dise seit Jaresfrist wider notwendig gewordene neae Auflage ist reichlich vermert. Ich empfele das vortreffliche Werk allen Le- sern der Alemannia. EjS ist ein Schaz für jeden Gebildeten, dessen er nicht missen darf. Wer in noch nicht hat schaffe in an: er wird mir Dank vrissen. Kein Kulturrolk der Erde besizt ein solches anf der Höhe der Zeit stehendes Nationalwerk. Ich füge einiges wenige bei. 8. 103 lis Martin Zeülers stat Zäüers. S. 64 lis Staber^ nicht Staberle (lezte Zeile). S. 186 nach Adam Biese in München und anderwärts : nach Adam dem Biesen, humoristisch. S. 364 nicht ein Student in Bonn, sondern der Universitatsrichter hieß Salomon. S. 452: Freue dich 1. Seele n. s. w. sih Fischart Garg. S. 160: „Ich muß knrtzumb die Ochssendärm außfegen, die ich diesen Morgen hab angezogen, Duck dich Sed ee kompt ein Fkderegen: den wird dir das Höllisch Fewr wol legen. '^ Der Verfasser wäre also vorläufig gefunden. S. 306: bei Oelegenheit als Yon einer kranken Person lebendige Wurme kamen, sagt von Lindern Venus-Spiegel 3. Aufl. Strab. 1743. S. 606: Experte crede Buperio Diserwegen ich auch wol mit Wahrheitsgrund sprechen kann Non audita loquor tantum, mi credite,. vidi His oculis, tetigi non dubitante manu. ABirlinger 2 Practica von Nas, Zamcke (Sebastian Brants Narren- schiff 8. GXV) beschreibt die Ausgabe der Hasen Jagt (1629), die auf S. 81 — 88 einen „Appendix. Ein kurtze, doch gewisse Practiok auff alle künfftige Jiüir gerichtet'* hat. Dise leztere ist em Auszug aus der Practica Practicarum des Johannes Nas und zwar ans der älteren Quartausgabe (yon 1566), die sich auf dem Titel als awiaarQoXoyoTfQa^ bezeichnet. Aus diser ist entnommen das erste Kapitel „Vom Anfang diefer Jahr, vom Eingang der vier gezeyt, deß Frühlings, Sommers, Herbfts und Winters'^ so* dann vom zweiten Kapitel nur die Ueberschrift „Von den regie- renden Planeten difer Jahr, alsdann fein Boßheit, vnd Fraw Irr- thumb, laut diefer nachfolgenden Reymen'*. Die Reime sind in folgender Weise verkürzt: Mars Haderkatz mein Namen iXt, Boßheit ich üb zu aller frift. Wie mich mein Weib abrichten thet, Hoffart vnd Vnzucht vnten fleht, Frag, warnmbs fo übel zugeht. I k Eb ist also alle HiDweiauiig auf die kirchlichen StreitigkeiIeD daraus entfernt; aus deiDSelLeti Grunde muBte auch der übrige Teil dieea Kapitels wegbleiben. Es folgt dne dritt« Kapitel von Nas Practica „V*"" den zwolff Monaten, vnJ von Eingang der Sonnen in die zwÖlff Zeichen, vnd jhrer eygenUichen Würckuag'". Der Alldruck achließt sich biß auf die orthographischen Abwei- chungen, soweit ich in vergücben habe, ganau an die 1. Ausgabe der Practica an und enthält nicht die /usiüte, welche Naa in der Kweitea Ausgabe gemacht hat WCreceliiu. 3 Zttm Uü7Kllcifi Von Bretten. Vgl. Grimm D. Sagen Nr. 95. Ernat Ueier Sagen aus Schwaben 8, 357. Wockenugel Ges. Schriften I, Anhang, A. 1728 traktierte in Straßburg «ich in einer bäsen Krankheit der Mühl-Arzt „und den Schaden für nichte geachtet , hiedurch alter eine Gangi ienam erhalten und folglich sein I'atrimouiuni zum grossei) Verlust seiner und seiner Maitreeaen auropfem müssen, so aber wieder hei guten Leibes- Kräfl'ten, doch aber ao zu reden als das Hundln'm von Bretten, allhier sich befindet und seine Verrichtungen treulich und wohl besser als der fürm-hmbste Eunuchus oder Beschnittene präatiret." V. Lindern VeauH-Spiegel 3. Aufl. Btra&bnrg 1743 S. 270. AB 4 Zu ^lenianiiid VIII. S. 77: Joh. Georg Grofi und Jn- harn' Groß sind nicht identisch, aondern Brüder. Johann Georg, geb. 28. März 1581, wurde IB98 stud. theol., 1604 Pfarrer su St. Margaretha, 1607 au St. Eliaahetha. 1611 zu St. Peter biß an Hein Lebensende (8. Febr. 1S30). Von HilO au war er auch außerordentlicher „Professor locorum commiinium et conlroverai- aruin theologicamm.'' Von 1611 biß lt)22 ließ er zalreicbe thool. Tractate erscheinen, auch vile Predigten. Vgl. Atheune Baurioae (Basil. 1778) S. 84. — Johann G)-ofi. Pfr. zu S. Leonhard, war nie Professor, machte sicli aber durch folgende »wei Pnblicationen bekannt, die nicbt one Verdienst aiud: I) Urliis BasiL epHaphia et inscriptiones, omnium templorum, curiae, academ. et aliarum aediuro public, (ßaail., Joh. Jac. Genatb, 1622, 8»); 2) KurUc Basaler Clironick oder Summarischer Begriff allei' denkwürdigeo Sachen u. s. w. (Hasel, Joh. Jac. Genatb, 1624. 8°). Joh. Groß starb 1629 im Alter von 46 Jaren (laut seinem Epitaph). Basel LSieber Vadian auf dem Index ') In einem Edicte Karls V vom J. 1540 ßr die Niderlkude wird außer anderen Piichern auch verboten : Epitone topogi'aphino Vadiani; in dem von den Loweuer Theologen angefeiligten und von Karl V im J. 1550 pnhlicierten Indes stet Jonchimus Vadi- l) Vgl. Alam. II 50 if. Anink^. wo üher «ein Üben die notwen- digsten Daten gegeben sind. 278 uma mit vier BikcheriL — In dem ftReBten itaKeniiidiep Index, dem 1549 Ton dem päpetÜchoi NnncinB dell» Cum so Venedig 1549 pnblicierteo, stet Vadians Epitome 8. coDectio looomm nnd an einer anderen Stelle Gommentaria Yadiani in Pomponinm Me- lam, in quibos improbetor abstinentia camiom, deleetns dbonun et sanctomm reÜqoiamm Teneratio. In swei 1554 an Mailand nnd Venedig TerOffentÜchten Indiees stet nnr Pomponins Mela cnm Joachimo Vadiano. In einer Streitschrift gegen den Index Gasu macbte Vergerio daraof anfinerksam, dass die Aphorismi des Vadianns jü eher verdient hätten aof den Index geseit sa wefden. — In dem ersten Römischen Index, dem Paols IV von 1559 nnd darnach in allen Römischen Indioes stet Joachimos Vadianns in der erstmi Classe, d. h. nnter den Schriftstellern, von denen alle Bücher Ober religiöee O^ensULnde unbedingt verboten, alle andern nur dann, wenn sie von dem Bischof nnd Inqnintor gut gebeissen sind, gestattet werden. — In dem 1571 ersdiinenen belgischen Index expnrgatorins werden 8 Stellen angegeben, die ex Vadiano (dem Gommentar zn Pomponins Mela) tollenda snnt. — AnsfÜrlich handelt über Vadianns der spanische index von Sotomayer von 1649: sechs theologische Schriften werden unbedingt verboten, die geschicht- lichen, medicinischen, poetischen und philologischen Werke frei- gegeben; nur muß auf dem Titelblaite beigeschriben ¥rerden: der Autor sei verdammt, dises Buch aber gestattet; von dem Gommentar zu Pomponius Mela wird eine Reihe von Stellen an- gegeben, die zn streichen sind (das Verzeichnis füllt mer als eine Foliospalte); auch in den Briefen an Job. Faber und Rudolf Agricola sollen ein par Stellen gestrichen werden. HReusch Volks- und Standesneckeroien 1 Von den Schweizern Ein Frantzösischer Gesandter hatte in der Schweitz einen Arzt fordern lassen, ihn bei seiner Kranck- heit zu gebranchen ; als er ihn aber angesehen, hat er ihn erkannt, daß er vor dessen sein Schmid in Pariß gewesen. Fragte ihn deß wegen, wie er so bald zu der Wissenschaft kommen? Er ant- wortete: Ich heüe die Schweiteer wie die Pferde mit grober Arts- netff euch aber ordne ich, was man bei den schwachen Klüppern gebrauchet. Mit welchem Aufzug der Gesandte vor lieb nehmen muste. D. Henrici Casparis Abelii lang-gewünschter Medicinischer Gc- wisaens-Spiegel. Franckf. a. M. 1720. S. 2^. Entnommen aus dem Buche : Der grosse Schau-Platz jämmerlicher Mordgcachicbte Hamburg 1678 (6. Aufl.) S. 730 ff. 2 Zerbi ein venetianischer Medicus von großem Rufe zu BiHteffBr, AUwnamiU VUI 8 18 274 I Sriodür BnsBtt nach Constnntjnopel güinfen (iuüot „den Kiankcn so Bafgeacb wollen, nls wenn er ihcy SclHßdleer in dem Leihe gehabf." Ebenda S. U7- 3 Ein SrJiiceitecr sagte Jener, habe bo breite Worter, daß mau darauff kugeln könnte. Der );roßo Scliauplatz jnmmcrl. Mordg'aachjcbte usw. S. T33. 4 Schwiüie» Wehe jenen Predigern, die eich eher ab stumme Ilundo, dann Löwen auf der Kanzel zeigen, die nur predigen um KU gefallotj, um sich zu Doctoren zu predigen ; die durch die affektirto, nonnenmaßtge Art ihres Vortrags der Sünde den Kinn Htroicheln und die aicli dea Fredigtjimtcs anmaßen, eine Zeil lang den i/roßen Jlmuise» atis Schicnlcn eu spiele». Predigt au die (THRdig'un Uerree KloBterschaflner und ehrwürdig^ PmeiiratorcB aufgesetzt von ciDiiin warmen Ft-oiied seiner Mithrüdct' F. llumaniia Menachcnlicb aiiB der l)crühmteD GeBcIlscIiaft der Wahr- heitsmartjrer. In dieaein Jahr. KoüttelbauBCn liey Judas Eniebohrer und JajimiuB Leerbauch, ziiin uiiKoachmalCülen Stockliach. B° 78 SS. (zw- 1770—80, Paa()uili). 5 Als UeiT F'eldmurBchall Harn in Schwaben kam, ließ er durch seinen Äbgeurdneteu bei N. wner namhaften Slfult für I0,0')0 Mann Brot fordei-u, damit er gut Regiment halten kunnto. Als BolcheB im Rnth abgeluaen wurde, sagte einer von den Ratha- berren: Rehütc Gott lO.ÜÜO Mann! Wo wollen wir 10,000 LüGTet nehmen, daß sie alle zugleich Suppen eaaen können t Der große Schauiilatz jammerlichoT Mordgeschichte uaw. S. 727. fi Saclisen Der Proeurator wirft sich mit der AuthoritSt eines GroßmognU auf einen Stuhl bin, fällt skh wie ein sik/isischcr Fuhrmann eine PfeifFe nicht mit Knaster, durch dessen Schärfe seine kostbare Gosche schaden leiden und gar zum Gähnmanl werden möchte, S. 74. gib N. 4 oben. Vgl. Alom. IV 353, a docli diese gute Windmacher bedenclcen sollte ii wie die neckim E(Fendt oder [lerren-A erste in der Türke; sobr schlechte Helden sind, folglich in nnsern Ländern gar nicht« bedeuten würden, wo sie je xa uns künien. Doch dieser neue Name ist was besonders usw." Entlaufene Apotheker. Bitterkraut 297; ich kenne einen solchen nichtswUrdigcti Apothek«r- Gesellen nnd verlegenen alten Glatzkopf, der in dem Lande hin und wieder in einem zerlumpten Kloidlein nnd einer SAuborn Parucken, als wann die Ratzen darein genistet hütt«r, herum-schlenkei't, ein gewissenloser Vogel, unge- schickter Ksul, und versoffener nasser Bruder ist, auch wegen dieses seines schwünucrisclien Lebens von keinem rechtschaffenen Apotheker auf und in Dienste genommen wird; sondern dieser Zeit einen fanlentzen Pilgram nbgielwt und unter dem Vorwand, diu heilige Ocrter zu besuchen, die Wirtha-Häuser und Pforr-Ilöfe floilVig nbgartet, die Leute durch sein wnschbaftes Haul betrieget, durch hin- und wieder Stümpeln erworbenes Brandewein Geldloin geschwind per Wechsel, auf Wein-Hausen und Krug-Leiten über- nachtet." Aßirlinger Volkstum] icb es IX 1 Die JoBgfer ?on Zasamarsbansen Andr. Brunncri Annal. Boicarum I II III Monachii lfi26— 37 erzält folgende Gesehtchte, die Martin Zeillers Kpistolinche Schntz- Kammer ed. Zach. Hermann, Ulm 1700 S. 358 ff bringt. Eine Junj^frau immens Hildegund bat aus llat ires Vaters, der ins hl. Lanil ziehen wollte, sieb wie eine Mannsperson gekleidet und Josef genannt. ,,Ala der Vatter bey dem Mcer-Haren Ptolemaidis ge- storben, ist sie gteicbwol auf Jerusalem kommen und hat daselbst bey einem Jahr gewohnet , von dannen sie wieder herauft in Teutschland und nach Cöln gelangt und von einem Domherrn daselbst aufgenommen worden ist-, wegen dessen sie in Italia her- nach gezogen: da dann nicht weit von Augsburg, in oineni lloLs steh ein Dieb zu ihr gesellet, welcher, da er gesehen, daß ihm die Bürger zu Zurmarshausen, welche er beraubt hatte, nachstel- leten, seine Raubdoschen dieser Jungfrauen oder dem verkleidten and vormeynton Joseph anvertrauet und befohlen, seiner nu warten. Kr nlwr, der Dieb, sich soweit er gokunt, ins Holz hinein gemocht hat. Da nun die Nachjagenden zum Joseph ndor der Juugfrauen kommen und den Raub bey ihr gefunden, hat. man sie gleiob 277 iodt haben und keine Entschuldigung annehmen wollen; biß ein Priester, deme sie sich o£fenbart, ihre Erledigung gesucht und sie ihre Unschuld weil auch der Dieb, den man endlich bekommen, alles geleugnet hatte, mit einem glühenden Busen, so de unverletzt in die Hand genommen, erwiesen hat; der Dieb aber, dessen Hände das Feuer nicht leiden konnten, gehenckt worden ist, den seine Befreundte heruntergezogen ^und begraben und an seine Statt die Jungfrau, so sie auf dem Weg erdappt, aufgehenckt haben, welche aber lebendig geblieben und durch ein sonderbares Wunder- werk, so der Autor allhie am 523 blat erzehlet, davon und nach Verona gekommen ist und sich folgends in das Manns- Closter Schönaw in Ober-Teutschland begeben, in welchem sie fast zwey Jahr lang gelebt, letztlich vor ihrem Todt dem Beichtvater ihren Lebens-Lauf erzehlet, aber noch damahls ihre Person mit Fleiß verschwi^en, biß der Todt endlich, daß sie eine Weibsperson ge- wesen, entdecket hat/' AB 2 Die Kotelbarbel Der Schultheiß Keck in Aichhalden erzählt Folgendes: Die Koselbarbel oder Koselbai*mel , wie das Volk spricht, trib ir Wesen in Oberweiler und auf den dortigen, gegen Simmersfeld zu ligenden Feldern. Außerhalb der Felder ligt ein Wald, das Kosteich genannt, in welchem biß vor drei Jaren in unmittelbarer Nähe der Felder und hart am Wege eine alte hole Buche stand. In diser Buche hatte die Koselbarbel, wie allgemein behauptet wird, iren Aufenthalt und noch vor we- nigen Jaren ging zur Nachtzeit Niemand gerne dort vorüber, weil die G^end zu unsicher war. Von disem Baume aus begab sich die Koselbarbel Abends über die Felder gegen Oberweiler herein, wobei sie unter mereren Güterwegen vornemlich zwei walte, ganz besonders gern aber den Simmersfelder Weg bevor- zugte. Oft kam sie auch kreuz und quer über die Felder. Kam sie zur Herbstzeit des Weges, so machte sie vilfach an einem Haberfelde Halt und streifte Haber von den Halmen, worauf sie dann iren Weg fortsezte, entweder quer über das Gefilde biß zur Ortstafel von Aichhalden, weiter herein kam sie nie, oder biß nach Oberweiler hinein, wo sie sich in der Regel auf einen gewissen Brunnen oder auch auf einen Zaun niderließ. Kam Jemand des Wegs, so gieng sie gewönlich weiter. Man sah übrigens stets nur ein Lichtlein, keine bestimmte Gestalt. In den Adventszeiten sah man sie oft in Gesellschaft viler anderer Geister, welche mit- unter, hurtig auf einander zu und in die Höhe füren, weswegen man warscheinlich die Straße von Oberweiler nach Aichhalden noch heutigen Tages die Heergasse nennt (?). Leute, welche Nachts vom einen Ort nach dem andern giengen, verin-ten gewön- lich; es kam vor, daß solche die ganze Nacht über auf den Ober- weiler Feldern umherirrten, biß in Aichhalden die Frühglocke 278 l&atete, dann erst fiuiden sie sich wider znrecht. Seit 30 oder 40 Jaren bat man von der Sache wenig mer gehört; doch kam ee hie und da vor, daß der eine oder der andere die Koselbarbel bestimmt gesehen haben wollte. Sovil ist sicher, daß man in Aichhalden vor dem Namen des Gespenstes noch heatigen Tages Granen empfindet. KDoU 3 Das Habamie lad St Liib * Vor alten Zeiten lebte in der Pfarrei Waldburg em frommer Schafer, der von Gott die Gnade erlangt hatte, allerhand Krank- heiten auf wunderbare Weise heilen zu können. Unter den Krank- heiten waren es besonders diejenigen Kinderkrankheiten, gegen welche die gelerten Aerzte nach der Volksmeinnng nichts ver- mögen, als da sind Unierwadisensein (rhachitjs) , Heregesperr (chronische Entzündungsprozesse der Lunge, des Lungenfells und der Herzumhüllungen), englische KraukJteU (rhachitis), schweres Zanen, Gichter (Convulsionen) und s. w. Als er starb ward er aussen an der Südseite des Chors der Kirche von Waldburg (auf dem Kirchhof) bestattet. Da wallten Kranke von weitum um sein Grab, hoben etwas Erde auf, trugen die heim und legten sie den kranken Kindern unter das Kopfkissen. Wider andere opferten im Kinderschlozer. Als ich im Jare 1872 sein Grab bräuchte, fand ich aussen am Chor zu ebener Erde eine kleine Mauernische, in welcher das hölzerne Bild eines Schafers stand. Es war etwa eine starke Elle hoch, hatte Aenlichkeit mit dem Bilde des hl. Hirten Wenddin, nur daß es ein wenig modemer stylisiert war. Das Bild war eine Schnizerei aus dem Ende des vorigen Jarhnnderts. Auf dem Haupte saß ein runder Hut, in der Linken hielt der Selige eine Schäferschippe, an seiner Seite hieng eine Hirtentasche. Auf dem Hut, den Schultern, den Armeo, auf der Tasche, auf seinen Füllen lag eine Menge landesüblicher Schlozer von weißen Leinwandlappen mit getrocknetem und gestolSenem Weißbrot ge- füllt. Ob auch Zucker darin war, weiß ich nicht. Der Name UiibfhU lebt als Familiennamen fort sowohl in der Pfarrei als in der weitem Umgegend. 1329 dictus Häbnit zu Flockenbach OA Tettnang. Weissenauer Rodel p. 397. (Donaueach. Arcb.) 1684. Der Uabnit von Baienfurt, Landwaibelamtsrechnung der Landvogtei 0. Schwaben (Aulendorf Arch.). Uahniit jest seßhidit zu Schlier OA Ravensburg, Waltenweiler OA Tettnang und in andern Orten der OA Ravensburg und Tettnang. Er ist dort seit dem 14. Jarhun- dert nachzuweisen. In welche Zeit unser seliges Habnittle zu sezen sei, konnte ich nicht erfareu. Aber es scheint, daß der hi- storische Habnit nicht vil über 150 Jare zurückreiche. Er erfreut sich noch heute eines großen Rufes und wird aus einem Umkreise von 10 Stunden besucht. Nur ein lebendiger Schneider zu Buchau am Federsoe macht im Konkurrenz. Disem wenden sich die Leute einer eben so großen Regiunkel zu. Leztere stößt gen 279 Süden an das Gebiet des Habnittle. Aber der Selige wird den Schneider überdauern, denn discr heilt nur durch „Sempertie,*' jener aber durch seine vilmögende Fürbitte im Himmel. Das „Habnittle^' ist ein Bauernheiliger wie das „Bänerle von Ennen- tach** der selige Luib oder Luiberttts. Der war in Fulgenstadt bei Saulgau haushäblich und überaus fromm. Jeden Abend nach ge- taner Arbeit gieng er noch drithalb Stunden weit in die Kirche von Ennentach bei Mengen, um zu beten. Wenn er kam, erleuch- teten Engel die Kirche und öffneten im die Türe. Eines Abends gieng er seinen gewonten Gang gen Ennentach. Da war die Oster- ach stark angeschwollen, das Bäuerle riß daher eine Stange aus dem nahen Hag und sezte mit irer Hilfe über den Bach. Wie er gegen die Kirche zuget, fallt es im gleich auf, daß sie nicht er- leuchtet ist und als er an der Türe stand, blib dise verschlossen. Er sann hin und her, was doch die Ursache diser Ungnade sein möchte. Da fallt im die Stange ein, die er einem andern Eigen- tümer aus dem Hag gerissen. Eilends macht er sich auf den Weg und get, natürlich bei dunkler Nacht eine volle Stunde weit zurück um die Stange an iren Ploz zu stecken. Er muste daher 3 mal durch die Osterach waden, einmal um die Stange an iren Ort zu bringen, dann um abermals nach Ennentach zu wallen und endlich zum drittenmal, um hineinzukommen. Als er ganz durch- näßt in Ennentach ankam, brannten die Kirchenlichter wider und sprang die Türe wider von selbst auf. Nicht lange darnach kam er wider gegen Mitternacht hin nach Hause, und „gab^* wie das Sitte ist, seinen zwei Ochsen ,,über Nacht'*. Da hörte er den einen zum andern sagen: Do, Oinh6an, was tuast du moan? Der einhornige Ochse erwidert seinem Gesellen Zweihorn: „ho! eüsa Beürli ge Jennadaa füra!" Nun wüste das Bänerlein, daß seine Stunde gekommen. Flugs ließ er den Pfarrer bitten, um sich für die Ewigkeit vorzubereiten. Gegen Morgen starb er. Seinem lezten Willen entsprechend legte man den Sarg auf den Wagen und ließ die Ochsen gehen, wohin sie wollten. Die klugen Ochsen wendeten sich aber Ennentach zu und bliben mit dem Leichnam vor der Seitentüre der dortigen Kirche stehen, da wo unser frommes Bänerlein einzutreten pflag. Der wurde auch unweit diser Türe in der Kirche bestattet. Heute noch ist sein Grab vorhanden. Eine eiserne Klappe über seiner Gruft deutet die Oefifnung an, durch welche Fußleidende ir krankes Glid in die Gruft hinabzustr ecken pflegen. Denn das selige Bäuerle von En- nentach erwarb um seiner vilen Betgänge willen von Gott die Gnade, für und für ein treffenlicher Heiliger für Fußleidende zu sein. Ob sein Name Luib mit dem in jener Gegend vorkommenden Familiennamen Luib zusammenhängt, konnte ich nicht ergründen. Ich kenne nur um 1640 einen Basti Luib von Aulendorf. — Ein anderer heiligmäßiger Bauer lebte vor etwa 150 Jaren zu Dietel- hofen. Er war gebürtig aus Obermarchtal. Disem diente mein -T» I ^H ileaeti ^^b habun, ^M Gesell Urgro&vater mtttterlicherseit« als Meoebub. Sie ackerten auf einem WDTsel reich CD Holzackor. Anstat wie andere Bauern zu fluchen, wenn Wnrzeln kamen, betete er für die annen Seelen. Döslich riß der I'flugring. Ein gcwünlicher Bauer „hätte jezt alle Heilige vom Himmel lieninter geflucht." Niclit bü iineor geduldiges Uäner- lein. Mit einem ergebenen Seufzer befal er dem Henebaben ausnupannen. Aber sih eine arme Seele streckte da einen uenen gaten Pflugring aus dem Traufbusch. Der Itub holte in nnd das Feld konnte nun vollends bestellt werden. — (Beide nach münd- lichen Berichten, lezterer von meiner Mutter.) RBuck an einen St, Habis, von dem die Bollandisten z. 1 6. März cp. '2 bei'ichten. Jlabis der Curetcnkonig sei der erste gewesen, der die Ochsen iu den I'flug gespannt und ackern gelernt. „Disor Habis, so ein Bastardt oder unehliches Kiud war, ist von seinem Vater, mit Namen Garguris, weilen er sich biUicb einer solchen Schandthat gcschämet, allerlej Iiübensgcfahre exponiert worden, a1>er allezeit wunderbarlicherwciG erhalten. Kndlicb sollte das Mtier solchen Schandlleck obwascheu, mil Vfiirfmehiinj/ fies ttnsichvidigen Kindes, welches aber unter su vielen Geschöpfen, so dem Bastardten verschont, nit das grausamste sein sollt«, snmablen es die hineingeworfene Geburt wideruni an das Gestadt heraus^ geben. Bald heniach wa^ verhaoiden ein Wild-Stück, welches dem Kind die Milch geben und aus seinem Euter saugen laßen. Durch diso Nahrung und Bojwohnung der wilden Säug-Amuiun ist es also I>ehend und Hulmell worden, daß es den Wildstückcn am Laufen nichts nachgeben nud lange Zeit ant«r ganz Heerd Hirschen Biihcl und Berg, Wälder und Wüstco durchwandoi t. Letzlich aber an einem Strick gofaugcii, ist es dem König vereint worden. Welches auß den eingebrannten Zeichen an dem Leib erkennt usw.'' Sollte dise Hittuitung für St. JlalmU, den Kinderh eiligen, nicht ganz su- treffen, so ligen doch Anhaltspunkte vor, die auch zur Genoveva- legende beigozogen werden köuuen. Vgl. Tbaumalographia Theriotrophei Sacri. Bas ist: Wunder- bcEchreibung des Heiligen Thiergarten — durch Matthänm Brändl, Pfarrherrn und Seelsorgern zu Stettin. Äuggb. 1692. 16". LlebesttQberei : ReatelkaQpfea 1 Vielfältig aber begibt es sich, daß durch FnaciiiatiüneH Ito- zuuborung, als Nestel knüpfen, Segeusprochore}', Schloßeinachräiickon und andere dergleichen DiebsgrilTe mehr Personen (zeiigungs) un- rihig gemacht werden. Von welchen allen hin und wieder bey denen Obsei'vatoribns, welche l'audectas nicdico legales verfasset Eneuipla genug sich einfluden und wie der Satan und 'Heu gerne sich apühreii lassen, wo es unzüchtig hergehet, also J 281 läßt er auch seine Tflcke nicht darbey allerley Gauckelpossen auszuüben und versuchet wie er den Menschen stürzen könne, be- sonderlich aber ist er beschäftiget eine IJindernufi zu machen durch ein Fascinum in Licbessacheti, da die eine oder die andere Person an ihrer Mannheit geschwächet, oder wohl gar derselbigeu beraubet wird, wie solches nachstehende Historie bezeuget: Ein robuster, hinckender, an allen seinen Gliedern sonst wohl besetzter Bauer, seines Alters 41 Jahr, hatte sich in unserer Straß- burgischen Gegend mit einer Dirne seines Orts versprochen, sie ehelich zu heurathen und mit ihr christlich zu hausen, einsmahlen aber überkam er ab ir einen Widerwillen, also daß er sie femer-- hin keineswegs sehen noch dulden konnte, schenckte derohalben seine Liebe einer andern, in einem andern nahgelegenen Dorff: Was geschah? Sobald er zu seiner Liebste sich verfügte, da er doch in Abwesenheit ihrer für Liebe kaum zu verbleiben wüste, bekam einen EIckel ab ir, daß er nicht das minderste mit ihr reden, noch sonsten scherzen konnte, es wurde im dabey angst und bang, alß er auch genöthigt sich befand, Abschied von ihr zu nemen, sobald er aber wieder zu Hause war, entzündete sich bey ihm das Liebesfener von neuem wieder und flammete gewaltig seiner Lieb- sten neue Caressen zu machen, welches ihn auch so quälete, biß er sich resolvirte, abermahlen seine Visite zu prästieren, da ihn als- dann abermahlen vorige Fatalitaeten unter Augen kamen. Dieser arme ßuhler nun, als er sowol geistliche als leibliche Mittel zu Rath gezogen, verharrete in diesem betrübten Zustande, biß endlich seine erste Liebste in eine Ehe getreten; worauf ihm alle diese Be- gebenheiten verschwunden und er sich vermögend befand, sein Vorhaben mit der zweiten zu vollziehen, welche er nachdem ge- henrathet und an sich noch an seiner Mannheit nicht das geringste mehr verspüret, sondern nach der Hand Kinder mit ihr zu seinem höchsten Vergnügen gezeuget. — Ob aber k Fascino von einer Zauberkunst solches entstanden, ist schwer zu beweisen, sonst hält man dieses Zeichen vor infallibel usw. Von Lindorn, Venus-Spiegel 8. Aufl. Straßburg 1748 S. 168—170. Dazu Alem. U 136 ff. Fischart-Bodinus Magorum demomania 1586. 218. 2 Solte es aber seyn, daß dieser beschwerliche Affectos (de impotentia coeundi) ab incantatione oder dem Bezaubern her- rühre, wie dann hievon gantze volumina der gelehrten Welt aufge- gezeichnet, hinterlassen sind, da alle andere remedia, welche gegen diesen affectum sonsten mit gutem Nutzen gebraucht werden, keine Würckung erweisen wollen, so ist denn nöthig, daß man solche Arzneyen gebrauche die wider die Incantationes dienen usw. Ob was von dem Verzaubern zu halten und ob man jemanden dadurch die Mannheit benehmen könne? solte man billigermassen derer vielen erzehlten Exempeln haben, welche hin- und wieder von denen be- rümtesten und zugleich glaubwürdigsten Auetoribus beschriben 282 I sind, in keinen Zwoifiel setzen, doch aber kommen viel dergieicben Hietorien für, die grußes Iledeoukeu verui'saoben. wie os hat ge- aubeben künntju, was man aufgezeichnet findet. Dem sey wie ihm wolle, iiucli glaulie ein jedci' wiis tr ujag, so versicbere icb bei meinen Ehre», daß nachstehender Cnaus nnter meiner Praxi sich wahrhalTtig1)egehen; nenilich in Anno 171!) kam ein Baur aus dem Thal, jenscit des Rheins boyni Welschen Bad oder PetorsbruuncD genandt, xn mir. mich befragend, wie ihme doch möchte gebolffeo worden, er war |^'oI\ und von starker Constitution (wie daselbst luehrentbeils die Dauern erwachsen) und in seinen besten Jahren, klagte aber wie er an seinem Leibe und Gliedern tiiglich abnehme und er auch keine Kräfite mehr zum Licbeswerk bätte, da er doch sonsten feurigen tcmperament« scye und in dieser Profession vor- mablcn keiner der geringsten gewesen wiLre, dabey bekannte er auch zugleich, daß, so oft ei* bey seiner Frau zugegen, sie ihme üuserat verhaßt., im Gogentheil aber, so er von ihr entfernet aey, angenehm wäre, und obgleich er der ebelioben Pflicht und Schul- digkeit gemäß, hißweilen, aber selten, mer aus Trieb seiner Natur, als mit Willen proestauda präittirte, so wolte deonocb nicht das geringste (|uoad conceptionem würken, und erfolgen, sondern er bliebe beständig ohne Kinder-Segen. Kinamableo aus grosser Un- lust und durch die eingeachlnckteu Geister kräfftigen Weins, machte er mit einer Dirne seines gleichen caressen, um zu erfahren, ob die Unfruchtbarkeit von ihme oder seiner Frauen dependirte, welche alsobald so viel gewürckt hatten, daß nach VerlaufT drey viertel Jaren die Früchten davon in dia Wiegen üelen, dieser darüber sehr bestüi-zet und besonderlich über die seltsame Begebenheit seines Eheweibs ganz außer sich selhsten gesetzet zumahlen er, wenn er bey ihr war, sie nicht leiden konntu, in deren Abwesenheit aber also forthin Brunst leiden inuste, befragte sieb dieserwegeu bey seinen Herren Geistlichen Capuciner ordens, wie diesem Zufall an widerstehen sey, die ihme denn dos eiferige Gebett zu Gott uner- müdet zu verrichten nnbefoblen und nach der Hand Behurige von Gott und der Obrigkeit hiezn gesetzte Medicos, aber keine Uuholdeu, noob andere unerfahrnu Landärzte, Scbindor und Schinderagenossen, zu conaulireu, beydes verrichtete er mit grüster Devotion, er be- tete und ließ licteri, er bediente sich Rnths bey den lümehmstan Doctoribus hiesiger Stadt, als auch anderer Orten, aber alles ver- gebena, die Kranukheit nahm von Tag zu Tag Überhand, die Me- lanchoUu kuni darjiu, und der Patient wurde sehr ungedultig, ont- kräfilct und noch mer unvermögend, da er doch in Speiß und l'ranck noch irgendwo an einem nndei'n Gut einigen Mangel hatte, verfiel demnach auf die Gedancken, er müste verhexet sein, inBOn- derheit wenn er überlegle, daß, wenn er ruhen und rasten wolte, er gemüBsiget würde, seiner urdinairen Wohuuug gegenüber, anf einer von im erbauten Ilen-Bühne, sein Lager zu schlagen, räumte deuinaub aeiu Bauß, wo er nur dacht«, daß etwas verborgen aeyn 288 könntei in allen Ecken und Enden aus, schlag das Getäffei ab den Wänden, brach die Dielen des Bodens anf, visitierte die Thür- Sch wellen, oben und unten, kante aber nicht das geringste finden, indessen, bliebe er in einem, war er bey seiner Frauen (welche eine ehrliche und von allen Leuten beliebte Matronin war), so konte er sie nicht dnlten, es war ihm angst, und muste ausser seinem eigenen Hause, auf der schon genannten Heu-Bühne Ruhe suchen, allwo er ohne Hindernuß bey seiner Frauen verbleiben konte. In diesem elenden Znstand verblieb er viele Monat, ohneracht er, die besten remedia so wider die fascinationes von denen herr- lichsten Auctoribus beeeichnet waren, durch meine and andrer Medicorum ordre, in aller Form und richtigen Ordnung nebst aller hierzu gehörigen Diät gebrauchet hatte, biß endlich eine un- vermuhtete in dessen Behausung eingetretene Baurenfrau guten Ge- rüchts ihme beditten, er möchte die Betten und deren Stätte visi- tieren, villeicht dörfto die Boßheit entdeckt werden, indeme sie o£fiermahlen von ihrem Vatter selig ein und die andere Historie hette erzehlen können, welches er auch in Anwesenheit etlicher seiner Geistlichen und anderer guten Freunden, wiewohl mit gröster Furcht praestirte und nach genauem untersuchen endlichen des Maleficii sich vergewisserte, indem er in allen 4 Ecken oder so zu reden Zipflen des Unterbetts, Kugeln von Federn, so zier- lich eine auf die andere formiert, daß wenn auch der wei- seste Künstler dergleichen verfertigen solte , nicht capable gewesen wäre , solches zu prastieren , gefunden hätte. Der Mann sehr erfreuet, brachte sie für seine geistliche Herrn Pa- tres, einige davon aber zeigte er mir, mich befragende, was mich ob dieser Sache dünkte. Seine Herren Geistliche bejaheten, es seye Zauberey und befahlen ihme keine von solchen Kugeln zu verschenken, sondern solche ihnen wieder zuzustellen als die nebst dem kräftigen Gebett, selbige dem Vulcano aufiPopfem weiten, in Hoffnung stehende, daß dieses Uebel hierdurch völlig und unge- zweifelt weichen würde. Ea wurde demnach hiezu ein besonderer Tag erwählet, auch der Ort wo dieses vollzogen werden solle, be- nennet, nach vollbrachtem Gottesdienste gienge der Patient mit einigen seiner guten Freunde nnd Anverwandten, wie auch denen Herren Patribus auf einen daselbst nahgelegenen, doch ziemlich hohen Berg, richteten einen Haufen Holz zu, brannten solchen an, warfen nach verrichtetem Gebett zu Gott in vollem Feuer eine Kugel nach der andern hinein, was geschah? es war ein sehr schöner zu- gleich auch heißer Sommertag, nichts desto weniger, so oft ein Kugel das Feuer schmeckete, so verspürte man ein solch platzen und brausen, daß man sich darob fürchtete und kam gleich darauf nach dem Einwurf aller Kugeln ein so horrends Ungewitter mit saramt einem hefftigen Blitzen nnd Knallen, als auch darauf erfolg- tem ungemein starckem Platz-Regen, daß sich niemant erretten kunte, diesem Benetzen zu entfliehen. Auf diese seltsame Begeben- 384 i böit und uacli guuiidigUim Sturm- unil Uegunwettor, so eine kavze Zeit gtülaurct, verfügLä sich ilur in furcliton Btulieuite Bauer nebst Beinen Anvurwaodteü und Herren lieietlichen wieder iiiicher Uause, bcgnb tticli zu seiner ELfranen »uf vorlier guselieheneB eiferiges Gebet zu Gutt !ü die Kulm, kante Helbige von Stund an wol leiden, liebte sie und zeugte init ihr einen Knaben — uuil habe iuh ilergleiebea verwundernngs würdige Kugel in meinen Händen gehabt, aueli zu der Zeit öffteru mit dem Hauer gesprocbcn. Von Lindern, VenuaMpiegel ötraftb. 1743 S. 195 ff. 6 AbergUnbeQ tdid SegeDsprecheo und AnhengieltelD 1 Oft stümpelt auch sogar die Spinn- und Nilherin Die Kinds- und Küchenmagd: Wer wird auch dio uicht kennen? I>io wegen ihrer Cur heißt Segen- Sprecher in. Von solohüiu, iuBgomein i^ottlonem und aberglaublHeheni An- Bprsclieu etlicher alter Gabd- Fahrerinnen und leiolilainniger Segen- Syreciter innen wollen wir nur einige Exeaipcl liiuher ButEun. Denn also gedeucket Gubat (cas: 38} einer gottvergeeaeiien alten Vettel, wolelie, z. E, wider die Oolic, Darmreisaen oder Mutlerwehe, vor der damit behafteten PerBon, ganz andächtig sich stellend, nieder und auf die Knie fiel und hierauf dieHou gottlosen ansprecheriacliea Segen daher umrinolte: So wahr Christus dei^leiuhen Scfameraen usw. gelitten hat, bd gewiß und wahr werde auch dir hiermit davun geholfen! Nachgehende plauderte die verdaujmto Hexe 5 VfttcruuBer usw. Feiner bei Gobat wider den Wurm am Finger: Oott der Vater fähret gen Äcker; Er ackert gar wacker, Er oukert droy Wurm aus; einer war weiß, der andere sehwars, der dritte rolli: liier liegen alle Wünne todt. Im Namen Gottes des Vaters uhw. Oder erHclirückticIien VernieBaenheit uiid nllsu- großen liliudheit! ludeme aicb dio Menschen nieht entblöden, den Namen Guttes alaa unerhört und unverantwortlich zu mißbrancbonl Etliche stillen auch dos allzustarke Bluten so wohl aus den Wunden, als uns der Nasen usw. dureh folgenden Segen : Soc nun! Soc nun! oder auch durch die Krautwelsche Worte: Choral, Ohara, Saritti, Conllrma, Coosunu, Imaholite. Nouh ein anderer schviuer Segeu-Sprucb wider «las Bluten ist dieser : Jesus, Jesoa, Jeans ward verloren. JeBU!<, Jesus, Jesus ward winler Funden; alao verstehe dir NN diß dein Blut und heile dir deine Wunden! Im Namen Oottes nsw. S. 43 ff. liehr au v. Iiiuderu, den Ver- faßer des Venus Spiegels 3. Autl. Straßburg 1743 in < tuag. 285 Von Weibern schweig ich jetst und allen alten Vetteln So in der ganzen Welt, wie Staub, zerstreuet sind. Die s/trmpf/ft oft nnd viel mit ihren Anheng- Zettein usw. Zu diesen Zeilen 6. H. Behrs in s. Gluckwünschnngs-Oedichte an von Lindem, Sirafib. 1743 bemerkt der Verf. »Von solcherley Anheng-Zettelnj welche bald erschröckliche und gottloee Sachen bald aber eitel Narrens-posaen in sich halten vide Bitterkrant (Wehmuthige Klag-Thrftnen der löbl. höchst-bekränsten Artzney- knnst) p. 415. Nur einiger zu gedencken: So bekam jener wegen seinen bösen Aagen, folgendes Zettelgen anzuhencken: Die Raben hacken dir die Augen ans und der Teufel scheifie dir in die Löcher *). Ein anderer bekäme (fäir das Fieber folgenden Anheng- Zettel: Hole dich der Teufel mit deines Gleichen! Eines andern Fieberzettels gedenket Heumins in welchem folgende Worte zu lesen sind: Diabolus tibi rumpat oollnm! Wieder Andere hincken wider das Fieber das Wort Abracadabra oder Abrocultabra, wie eine Pyramide geschrieben, an den Halß. Und Pater Gobat, in Farrag. Gas. Snperstit. Gas XL p. 1016 gedencket folgender Fieberzettel: meine Alte! Nimm für das Kalte! Hilfls dir nit, so schadts dir nit: Schlieff in Beltz so friert dich nit. Dieses ist gut für das Kalte! Et cas. X p. 752: Eine magere Speiß ist im Mertzen selten feißt: Es weiß es der Herr Jesus Ghrist wie dieses ein schlechtes Fressen ist Ein anderer Anheng-Zettel fclr das Fieber hieße also: Die Alte hat das Kalte; hol der Teufel die Alte, so vergeht ihr das Kalte! wieder die verrückte Glieder und Bein-Brüche rflhmt M. Gato de re rustica op. IX p. 160 folgendes: Matas, Dannatas, Daries, Dardaries est Araries. Wieder die wüthige Hnnds-Bisse schreiben einige folgendes nnd geben es auch zu eßen: Xax, Pax, Max, Dens, Adimax oder aber Irioni, Rhiciori, Eslera, Rhader, Fere. Gaspar & Rejis Quaest 22. p. m. 234 ge- dencket auch folgender Roth welscher und Zigeunischer Diebs- Wör- ter, mit welchen gleichwol der Schwarze Käsperlein öfters sein Spiel hat: Haut, haut, baut, Ista, pista, fista, Damiano, Danaustra, Oder: Haut, Haut, Haut, Istagis, Tursis, Ilrdannahon, Damistra. Wie auch: Has, has, Nachas, Bela, Bela, Ge, Ge. Einer jungen Frau, welche in ihrer Ehe mit allzuvielen Kindern gleich belästigt wurde, gab man, um inskünftige dawider sicher zu sein, folgendes ansahängen : Lege dich nicht zum Mann, so wirst du nicht schwan- ger! Und siehe! Es that gut. Bitterkrant pag. 424. Ebenda ') Vgl Alem. 111 58. 264. 286 6 Hediotnlsolier Aberglaaben Quelle : Adriaoi h Mynsicbt Medicinisch-Chymische Schatz- und Rüst-Eammer, das ist £iue sonderbahro Art und Weiß wie man die außerlesensto und geheimste Arzney-Mittel wider allerley Kranckheiten und Zustände des menschlichen Leibs — verfertigen soll Anfangs von dem Authore in lat. Sprache geschrieben. Anjetzo aber denen, so das Latein nicht genugsam verstehen, zu gefallen, mit sonderbarem Fleiß in unsere teutsche Muttersprach übersetzt und mit etlichen nützlichen Registern versehen von einem eiferigen Liebhaber der edlen Medicin. Stuttgart, in Verlegung J. Gottfried Zubrodts Bnchh. a. 1636 >). 1 Bezoarticum solare ist ein gar geheimes und kr&ftigea Mittel wider — Mercurius sublimatus — Katzenbirn, Toxica oder Pfeil-Gift, Zauber- und Liebes- Tränck. SO, Auch Tartarus Emeticos hilft gegen Lieb- und Gifttränken 20. ebenso wenn einem durch Zauber Haar, Nägel. Elufen, Lumpen in den Leib gekommen. 80. 2 Das ElcndS'Uorn ist beinahe gleicher Kräften (wie das Hirschhorn) eine edle Herzstärkung, eine heimliche Artzney in bösen giftigen Fiebern und vielen andern Kranckheiten und gleicher weiß wie das craninm oder Hirnschaal des Mensclien in der fal- lenden Sucht, Scbleg, Schwindel usw. ein fürtreCQiches Mittel. 123. 3 Ihinck'Eseli aselli, millipedae wasch in Malvasier, thns in ein wohlbeschlossen Glaß, überziehe das gantze Glaß mit einem Brodt-Teig und stells in ein Backofen, daß sie austrücknen. Wann solches geschehen, so geuß wieder so viel Malvasier darein, ab sie mögen einschlucken und laß wieder austrücknen, wie zuvor und solches wiederhole zum drittenmale sofort — pulverisiers und behalts zum Gebrauch (?) 125. 4 Ein Recept : lebendige Krebse im Juni „Wann Sonn und Mond im Krebs gehet** mit Schelwurz Kraut und Blumen usw. geben ein Augenwasser „von diesem muß man dem Patienten 1.2. oder mehr Tropfen in den Augen fallen lassen, oder die bresthafte 1) In der Vorrede stet eine Ent^schuldigung, die mir so wiohtig ist, daß ich sie herseze: „Wann dann an allen alten berühmten Medicia solches nicht zu tadeln, sondern hoch zu loben, daß sie aoff ihre Land- schafften lind Innwohner derselben, als die Griechen auff die BeschaiTen- heit deß Griechenlands und derselben Leut, die Araber ihres Landes und Leut; die Spanier, Welsche, Frantzosen, und andere auch auff der Ihrigen, in Verordnung und Vorschroibanp der Gesundheitsmittel, 6ei8- sige Aufsicht getragen haben: wer wollte dann mich darin schelten, oder nur vor übel ausdeuten, daß ich mich auch nach unserer Land- schaft Gelegenheit und nach unsern Mittemäcbtischen Orthen, und Innwohnern deß Untern-Sacbsenlandes und Balthischen Meeres idiioM und richte" usw. 287 Augen mit einer Feder von einer schwarzen Hennen bestreichen usw. 377. Auch bei der Brandsalbe 622. 5 Aqua castitatis oder Wasser der Keuschheit; darumb die- weilen es die Krafft hat bey Mönchen, Pfaffen, Nonnen, Wittfranen und dergleichen Lenthen, welche K. halten wollen den hitzigen und fruchtbringenden Saamen dergestalten zu dämpfen und zu unterdrucken, daß daher alle geile und unbändige Leuth, so sich dieses Wassers bedienen, ohne Gefahr ihrer Gesundheit leichtlich gezähmet und keusch gemacht werden. 403. 6 Empl^sfrum faetidum, Diß Pflaster ist ein sonderbahres und gleichsam göttlich Mittel und experiment u^dcr aUerhand Verzatiberungen, dann, wann es mitten auf die Gegend des Ilert* zens, da man die Schmertzen angreiffen muß, gelegt wird, so ver- treibt es auf der Stett nicht die ßezaul)erung an sich, selbst, son- dern auch alle Phantastereien, betrtigliche Einbildungen und Be- schwöhruugen, ohn einige Aberglauben (d. h. gar keinen A.) 650. 7 Caiaplasma de nido hirundinis. In bösen und gefahr- lichen Hals-Geschwulsten soll dieser Ueberschlag gebraucht und öftei's warmlecht über den Hals gelegt werden, dann es ist ein secretum und bewehrtes Mittel dafür: die Uwndsdreck aber sollen gesammelt werden von einem Hund, zu der Zeit, wann die Sonn im Löwen ist und der Hund soll eingesperrt und mit Beinern von Kälbern oder andcrm Vieh, dem verheilet ist, gespeiset und ihm nicht viel Bronnen wasser zu trincken gegeben werden. Der Eoth so in den ersten 3 Tagen gesammlct wird, ist nicht tauge- lich und soll hin weggeworfen werden, den übrigen aber sammle und hebe auf." 8 Gegen Leute die dem Verf. vorwerfen er handle im Ein- verständnis mit einem spirit. farailiaris entgegnet er in der Schlußrede: „Aber hie ist leichtlich abzunehmen, was diese lose Leut für einen familiärem oder geheimen spiritum andeuten wol- len, nemblich denjenigen teufelischen Geist, der sich leichtfertigen und Gottesvergessenen Menschen, so seinen heimlichen Eingebungen nachhängen, etwann zu Dienst ergibt; bald in Crpställenj bald in Bmgj bald in andern Oerfher ein Zeit lang einschliessen, kaoffen und verkauffen, hin und wiederschicken läßt mit höchster Gefahr Leibes und der Seelen. — Auß welchem schändlichen und ver- ächtlichen Fall dann hernach dieses erfolget daß was endlich vor ein Zustand oder geföhrliche Kranckheit obhanden man solche, wie es die Erfahrung bezeuget mit Sigillis^ Amuletis^ Characteri- bus, Aberglmiben, Scgensprcchereyen^ cabalistischen Figuren^ Be- eatiberungen und andern Tenffels-Künsilein will curiret und ge- heilet haben." 288 7 Allerlei Aberglauben Fjin ftrtlirhes Jäfjer'Kitnststffcl'iciu, Man nimmt einen Nagel oder wenigstens dessen Spitzen, worniit des annen Sünders Kopf auf dem Uad ist angenagelt worden nnd lasset bei einem Büch- sensclimid ein Gesichte nnd voinen ein Korn davon machen, im Zeichen wann der Schütz regirct darzn in Martis Stunde. Ist es in der Küble abgeschwcisset worden, so }>ekommt man ein Rohr, alles Federwild gewiß dannit durch den Flals zu schießi'n. Wann man aber diese liüchse nach der Scheibe darnnt zu schicssen gebrauchen will oder sonst nach einem harichten Wild, so wird sie in Grund verderbet und kan mau nimmer nicht accurat das Federwild mehr mit der Kngel durch den llalß treffen. Des Natürlichen Zauberbuchs 1 Theil. Nürnberg? Anfg. 18. Jhd. S. 39. Aenlich in (iriisses Jägerbrevier 1857 S. 105. No. 58. Was S. 106 No. 00 von Ilaushan stet, findet sich in unserer Quelle S. 630 fT. beßer. /;/ einer (^irmpaffHir zu rrrafhoi, wehhe Persancn gute l'Vrmide odd' Feinde seffft. Ninnn eine Geyer-Zunge, binde sie hinder die lincke Fußsohlen, auf daß die blosse Haut es empfinde. In die rechte Hand eine Eisenkraut- Wurzel, weiche frühe an einem Sonntag vor der Sonnen- Aufgang ausgngrabon worden, gleichfalls in der IMarts- Stunde. Degieb dich damit in eine Compagnie vieler Leute und verbleibe daselbst eine lange Weile, so wirst du gewahr werden, daß alle deine Feinde davongehen und dich allein werden sitzen lassen. S. 30 ff. Ein Pferd vernafjehK Bemühe dich, daß du, wo nicht ein ganzes Iluf- Prisen findest, doch wenigstens (jin Stück davon, in welchem noch drei Nägel stecken, hebe diese Nägel fleißig auf, und siehe daß du hierzu «»inen Nagel aus einem Sarg bekommest, darinnen schon ein Mensch verwesen; welches geschehen kann, wann etwa der Todtcn-Gräber ein Grab üfinet und solchen Nagel mit heraus wirft. Diese 4 Nägel schlag zusannnen mitten in den Iluftritt eines Pferdes das du hinckend haben willst in die Erde und laß sie darinnen stecken; So wird es alsbald mit demjenigen Ileine, damit es das Huf in die Erde getreten, wie vernagelt und lahm werden, auch so lange verbleil)en, biß du die Nägel wieder- um aus der Erden zeuchst, so höret es auf zu hincken und ist wiederum wie zuvor. S. 124 (F. ABirlinger üeber Verzaubern der Rosse Alem. V 58, 2. S. 25 Z. in lis iiidi(7.s st. indieus. — S. VA Z. 11 v. u. lis A'iA'o- demm st. Nicnhius. — S. T.O lis \{\m st. IHr)',». — S. 7() Z. 1« v. o. lis rrrmiarhnt st. rcryuisi^en. — S. 115 bis Z. 12 SomnuMdiardt st. Son- nenhardt. — S. 110 lis Z. 3. Aii^orhofcr st. Angersofor. — Zu S. 141: In der Note ist. zu Icson ,,r?/V ZrilafahtenntHj des Orifjivitls^* statt div Z. jettrs. Es sollti^ dio Not«' S. i:J5 Z. S v. u. hintor don Wort.on in einem sich Zeile für Zeile huelistnitlieh drm Original nnsrhliessendeu Ah- driicl: boipi'fü««t: dannif htzorr n'\c.h jn) es. — S*. l(>ft /. 2 v. i;. lis />m7- hach «t. Jhillhmh. S. 210 lis Uonstc/^^u st. Ilrmstpiu. ünlvcrHitritR-IJnclulnu'korci von C.irl (ioorci in Bonn. 1. 1 B 0OE^/«O> anLuu p (0 o> O) «o t-l TH I E «-• < J in Jl 1 ^ ' A ! ^M j ^^Hi^^^^H^k^^^i ■ ^H