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Drei elsässi- sehe Dörfer WCrecelius 127—128 Melchior Sebizias sen. ein Strassbnrger Stadtarzt des XVI Jarhanderts CWeudeler 178—199 Sehweiz Das Stadtbach von Schaffhaasen JMeyer 228—283 Rechtsrheinisches Land and Schwaben Sebastian Franck von Donaawerd II FWeinkauff 49—86 Josaa Ulsheiniers Reisen nach America and Beschreibung des Landes WCrecelius 90—126 Sprüche und Inschriften ABirlinger KDoll.... 87--89 176— 178 Alte gute Sprüche WCrecelius ABirlinger 158—161 Yolkstümlichesi Sagen, Aberglauben EDoll ABirlinger 161—178 Sittengeschichtliehes ABirlinger 284—288 Das grofze Rottweiler Herrenschiefzen anno 155S vonLien- hart Flexel , 201—228 Zur Wortforschung ABirlinger 42—48 Die HohenzoUerischen Orts-, Flur- und Waldnamen Der- selbe 1—42 129—158 Mundus vult decipi F Weinkau ff 48—49 Zur Alemannia WCrecelius 199—201 Die Hohenzollerischen Orts-, Flur- und Waldnamen *) (Fortsezung) 5 Lanchert ^) Loucha: an der Loucha lit ein vischenz. Habsb. ürb. 283. 1300. an der Loucha ligent zwo vischenze 290. ein wise ze Lachen bei Veringenstadt 260. Von PfeiflFer dazu gestellt. Die Burg Schil- tow an der Lochat gelegen 1355. Donauesch. A. Lachach 1392. Zoll. Zt. 3, 19. Löchat: daz wasser der Löchat ze Affelstetten von dem brunnen und von der bürg ab und ab biß gen Ysenkofen daz burgstal. 1400. Donauesch. A. (Riezler), Veringen an der Löchat 1464. Oberrh. Zt. 20, 267. ünz in die Lochatt und die Lochatt ab unz gen Veringen in die staig und aber die Lochatt ab unz gen Issikofen u. s. w. Grenzbeschreibung MH No. 890. Das Lagerb. der Herrschaft Jungnau im Donauesch. Archive v. 1536: Lauchett, BütelaucheU. Die AUlachwise (ebenda) wird so wenig als >ze Lachen« im Habsb. U. hiehergehören. Locharty Lauchari Zimmr. Kronik II 44. IV 219. Ein Loiich^iha (Alem. II 66) ist aus dem 11 sec. für Elsass belegt; 14. sec. Löchach; ein Louchiringa, badisch. Grenzort gegen die Schweiz hin, bei Schaff hausen , ist belegt 844. 870; in Louchiringen 1240. — Mir sind drei Erklärungsversuche bekannt. Dr. Bück: loch, 1) Alem. I 268 ff. II 78 ff. MH = Monamenta Hohenbergica. MZ = Mon. Zollerana. Wü = wirtemb. ürkdb. 2) Ursprung auf der Höhe von Willmandingen, unterhalb Mel- chingen erhalten die Quellen neuen Zufluss^ vereinigt mit dem Er- pfingerbacb Ane-^ Aus-, und Brechloch, die auch schon Lauchert heissen. Von dieser irer Vereinigung (Stetten) ab ist der Name L. unbestritten, sie get über Herschwag. Hausen, Mariaberg, Brunnen, Gammertingen, Sigmaringei*dorf in die Donau. Lauoherttal, OK gehört dazu. Birlinger, Alemaxmia VI 1 1 lanch = Wald, Lochach = Waldfluss. Schmid, schwäb. Wb. 346 ff. stellt Lech, Lauchart za elsäss. Laach, Langna (Barg- an) = Wasser, Wasserlauf u. s. w. Die landläufigste Erklärung ist die mit „wildem Lauch'', der ser häufig hier vorkommen soll. Johler, Gesch. v. Ilohenz. Wir haben die älteste Form als die beste und auch richtigste zu nemen und die bietet das gemeine a, aha^ ach = Wasser. Die zweite hat t hinzugefügt, um im Sprechen das a oder ach zu retten und dem Langwat (Langen- enslingen u. s. w.) nachzubilden. Bei Balingen 1341, Mengen 1409: bi dem Langwat, zem Langwat 1344, bei Mördingen 1419 nach- weisbar. Vrgl. Mone, Urgesch. I 224. Ein ach, a ist mit wat, z. waden, volksetymologisch zusammengebracht worden. In der jüng- sten Schreibung der Zim. Kr. ist vollends r als Schärfung einge- fügt. Weil der Schwabe kein r vor t spricht, sondern es auslässt : wäta, g&tä, warten, Garten, so hat leicht ein Schreiber, der sich des Hochdeutschen befleissen wollte im 16. sec. die böse Form anbringen können, wie ja das Volk in solchen Fällen gleich zwei und mer „r'' hören lässt, man denke nur an das „ferrrtig'^ auf der Eisenbau, das die Schaffner rufen; es kommt sie schwer an das mundartliche fUtig zu missen, darum sind sie nimis justi. Wir haben zwar ein Grundwort -hart, Wald, das in der Senkung -ert wird, allein das passt nicht. Das Grundwort = Wasser, fiiessendes Wasser, nicht stehendes, ist gesichert. Lottch-, Loch-, Lauch wird das volkstümlich gesprochene altd. löh, löhhj Wald sein. An althochd. lauh, louch, altnord. laukr, angels. leac = allium, Lauch zu denken get nicht an. Wol aber kann das Wur- zelwort davon uns Deut geben: luhhan, altnord. lüka, angels. lü- can schliessen, noch 16. Jhd. vom Wasser üblich, dessen Strömung plözlich durch enge Durchgangspunkte scheinbar gehemmt ist. Der L. ist das eigen. Allein das einfachste und nächstligende ist Idh = Wald anzunemen. — Kann man auch nicht recht einsehen, warum gerade dieses Fltisschen „Waldfluss" heisst; so ligen solche Namenbildungen gar fern ab von unserer Zeit und unsern Gewon- heiten und Ansichten, beruhen auf einer Bodenbeschaffenheit, die längst Wandlungen unterworfen war. — Aber eines möchte ich noch hier betonen: die L. trägt den Earakter eines Grenzfiüss- chens : sie bildete die Ostgrenze des alten Scherragaues. Die Sud- grenze des alten Scherragaues lief jenseits der Donau zwischen Tuttlingen und Sigmaringen (dieses jenseits gelegen) ; die westliche von der Donau an die Quellen des Neckars und diesem entlang bis zur Einmündung der Schlichem ; die östliche an der Lauchert, der Vehla, und von da zur Starzel bei Hausen; die nördliche vom lezten Orte über Tanheim, Engstlatt, Dautmergen an die Mündung der Schlichem in den Neckar. Vgl. Schmid, der hl. Meinrad 1874. S. 45. Der Ursprung der L. auf der Höhe von Willmandingen — also ganz in der Nähe des Dreifürstensteines, der uralten Grenze wirtembergischen , fürstembergischen und zollerischen Gebietes: dürfte da nicht an ZoA, lähh -^ erinnert werden, das alem. und schwäbisch als Latich, L<$ch ^) — sogar fränkisch als L6ch nnzälige- mal belegbar auftritt? Gerade auch hohenzollerische ältere Schrift- stücke haben Lauchen, Louchen, Lauchb5m, Lauchsteine. loh füge beispielsweise aus dem Jungnauer Lagerbuch v. 1536 (von Riezler für mich excerpiert) die Inneringer Flurnamen an : uff dem Lauch, uff dem Louchy die Lauchhalden u. s. w. Ich lasse meinen Lesern die Wal zwischen Waldfluss und Grenzfluss. 6 Ablach^), ABdelsbaeh Ahlach heisst ein Ort und eiD Flüsschen dabei; urkundlich müssen beide zusammengenommen werden. Heinricus de ÄhilacJi 1202. Oberrh. Zt. 28, 171. Äbelach, Lib. Dec. 1275. Johannes de Ahelach 1292. Mone Zt. 14, 202 ff. Äbalach 1263 Urkd. im Fürstl. Archive. B. Ahela, Ahelach, Habsb. U. 278. Das Volk spricht Abla (-w) und z* Aebla, Aebbla^ lezteres stet zu äbbe, äbe, abbin, hinab, was über PfuUendorf, Markdorf, das Salemertal hin gesprochen wird. Die Ableitung hat entweder von Ablo^ die Kose- form von Adalbert auszugen (Bück), wie der Nebenbach Andels- bach auf Andolf zurückfürt oder es ist aben, altd. Zeitwort, im partic. Subst. „Abend" noch hochdeutsch, hereinzuziehen, die üeber- sezung wäre: das abwärtsfliessende Wasser d. h. entgegengesezt z. B. der grossen Ach, die iren Zufluss dem Rheine gibt. Dann müste die älteste recht wol angende Form Abenaba (ze der aben- den aha) geheissen haben. Am sichersten jedoch die von Bück schon genannte Ableitung. AndelsbacJis Ursprung : Ilmensee b. Pfullendorf urkdl. Andolf s- bach. Mone Zt. II 76. Zno Hüsen an dem Andelspach 1459. Zoll. Zt. I 32. Ein Hof am Andelsbach heisst ebenso: Andoltespach 1266. Lichtschlag Progr. 1869—70. S. 3. Davon der Name des badischen Weilers Andelsbach, Vrgl. den Flurn. und ON bei üej)erlingen „Andilsowe" 1239 II 91, die ON Andelfingen (im Lib. Dec. 102. 104. 168. 2 1 8) in Wirtemb. u. Schweiz. Zu Grunde ligt der PN Andolf und Andolt (walt). Vrgl. auch: ein wise die in Appenbach gelegen 1340. M. Z. I 290 ebenfalls ein Pers. Name als Bestimmungswort. 7 Kyach, Eiach In Ermanglung von urknndl. Stellen sind wir auf solche än- lich lautender Wasser und deren Täler angewisen. B. citiert 1148 Yach aus Mone Zeitsch. I 97. Es ist die Schwarzwälder Eyach oder Yach, welche, oberhalb Wildbad aus dem wilden See ent- 1) Ob. A. Sigmaringen. 2) Sieb viele Belege unten bei den Flur- und Waldnamen. springend, nach kurzem Lauf sich in die Enz ergiesst. Fera, Yach, Ybental bei St. Peter im Schwarzwalde Mono 20, 485. 21, 108 ad 1407 gehören hieher? Eine Haigerlocher Perg. Urkunde volkstümlicher sprachL Abfassung v. 1518 bietet Ycfie: da der brunnen in die Ychen gat — da der bau dero von Wildorf ist — enet der Ychen ; uff Bonow enet der Ychen. Nach einer Stelle b. B. V. 1402 heisst es bloss Ahe. Es sind 4 Erklärungen möglich. Die erste lent an iwe, Eibe taxus, an: Eibental, Eibenwasser. Die zweite an der alten Pers. N. Jw;, Iv\ (ON 928) luuenes dal, vallis 967. 1067 östl. von Weissenburg. Ivoningewe, ebend. Ivandorp? bei Magdeburg 965. Iwenhach 11 sec. Die dritte Deutung er- innert an Äu, Om, Owe (lat. Augia), deren Nebenform ey auch alemannisch, nicht bloss nordisch sein kann. Vrgl. Heu: Hau; Gäu : Gau. Ich nenne Eyholz, Eymatt, Eyschacheu; Eythal, das argauische Dörfchen in der Eyen, die Mäder ON S. 32 anfürt. Warscheinlich auch Eyen bei Beuggen 1239. Mone 12, 292. Hart an der Zoll, wirtemb. Grenze bei Ehingen lag ,,Eystetten*' 1139 Wü. II 10, 198, welche» heute „Aistetten** gesprochen wird, Flur mit einer Kapelle und wenigen Häusern. Möglich, weil am Wasser, dass der 0. N. hieher gehört. Vrgl. DW I 598. 601. III 77. Stalder I 339. Schmid, schwäb. Wb. 151: Ei, alter Name für Wasser. B. meint es könnte ey geradezu aus „Ah*^ kommen wie Aichstetten aus Achstetten. Dazu kämen Buochai, Raderai, die urkdl. Buochach, Raderach heissen. ^, ei kann nie von a kommen. 8 Fehla Die Forstgrenzbeschrbg. MH 890 : gen Burlawdingen und die Yelg ab unz gen Nufifran. Ein Aktenstück 16. sec. Stuttg. Arch. sagt, dass in dem Distrikt von Erzingen zur Feig der hohenzoUe- rische und von Veringen biss zur Donau der Sigmaringische Forst lige. MH 920. Die Ableitung von Felwa, Felewaha, Feibenwasser ist deutlich. B fürt v. 1420 eine Felbenwiss, einen Fehlenhau, ein Fehlental, eine Fehlenwis bei Dettingen auf. an der feien, im Elsass Mone Zt. I 448. Fellbach bei Stuttg. die „Feldbach" in der Schweiz, am Untersee bei Constanz gehören hieher. Ein Felr ben ad salices bei Ravensburg, am "weidenreichen Thurufer bei Frauenfeld. Sieh Schott 12b. Wechsel des tv: g ist mundartlich; misverstandenes — weh, wah ward g. Meine alem. Sprache S. 114: blü^el: blüu;el. hou^en: houwen. no^en: nau;en (Schilf). Weinhold alem. Gram. § 216. Das Volk sagt: F'eälä wie Fealba, Leabar. 9 StaneP) StareüaW, sec. Mone Zt. 9, 210. B. Praedia in Steinhoven et Starzlm 1253. MZ I 179. 1308 I 264. die vischenze an der 1) Auch Ortsname Ob. A. Hechingen, wo die St. entspringt. Starzel von dem stege ze Bietenhusen nnz an daz woer ze Büringen 1336. MH 371. Entweder ligt dem Ortsnamen ein weiblicher durch- aus annembarer Kosename Starzela^ das wie Razela (Zt. a. a. 0.), Dativ sing. Starzelun hat zu Grunde oder wir haben es noch mit dem Appellativ zu tun: Starzel ist alemannisch = zu Tag ligende Wurzel, abgebrochene oder Luftwurzeln von Gebüsch^ Bäu- men. Starzelaha oder -ahi? Jenes ist Wasser, Ursprung an Star- zeln, dieses haufenweise ligende Wurzeln, Strünke, Stöcke. Eigen- tümlich von jeher ist lezteres dem Starzel Ursprung gewesen. Das Volk spricht: St^zel*). I Die Ortsnamen auf -ingen Benzingen Billafingen Bingen Bisingen Blättringen Burladingen Dettingen Dettlingen Empfingen (Langen) Enslingen Filsingen Fischingeux Gammertingen Gauselfiogen Grosselfingen Hechingen Hedingen Hermentingen Hettingen Inneringen Jangingen Eaiseringen * Megingen Melchingen * Merioldingen Owingen Bangendingen Ringingen Buelfingen Salmendingen Sickingen. Sigmaringen, Dorf * Sindelfingen Stortzingen Trillfingen Trochtelfiugen Veringen, Dorf u. Stadt Wessi ngen Wilflingen Zielfingen Ein altdeutsches 'inCy -ing, -ung ehemals in der vorgeschicht- lichen Zeit ein Substantiv? erscheint nahezu bei allen deutschen Völkerschaften mit der Bedeutung des Abstammens, Zugehörens, Zusammengehörens, an Namen belebter und unbelebter Wesen oder Körper angehängt, sogar an Zeitabschnitte : Hörn, Januar, Hornung, Februar, der Son des Hörn ; hari, heri althochd. harinc, der im Heere zieht, gefangen wird : der Hering. Vrgl. DGramm. 2, 349 ff. In der got. Bibel feit -iggs, wie es damals heissen müste, aber Ammian, Jomandes u. a. teilen die Goten am Pontus in Greu- tungi und Tervingi, d. h. in Steppen- und Baumlandbewoner ein, was nur unser patronymisches -ing ist. Kaspar Zeuss, die Deutschen und die Nachbarstämme 406 ff. Vrgl. Ulin^us, got. bei Cassiodor stat Wiliggs. F. Dietrich, üeber die Aussprache des Gotischen S. 79. Also schon damals spilt die Lage, Bodenbeschaffenheit mit her- ein, was für unsere Ortsnamen ser wichtig ist. Da jedoch die meisten Zusammensezungen mit Personennamen in unserem 6e- 1) lieber Schmiche, Berau. s. w. sieh bei den betreffenden Ortsnamen, über andere Wasser, Bäche sieh Flurnamen unten. 6 biete begegnen, so lenken wir nusere Aufmerksamkeit darauf. An einem Personennamen bedeutet -ine, -ing, -nng Abstammung : Bero, Bär, Birilo (wie Attila) der liebe B. Koseform; Biri- linc Son des Bären, aber aucb Höriger des B. Schuzbefoh- lener des B. (Bück) ; wollte man die Wonstat der Birilinge bezeichnen, so konnte der Nominativ, Genetiv, Dativ und Accus, plur. gewält werden, der Dativ mit dem bestimmenden der Vorzeit so echt eigenen genau bezeichnenden za den, ze den, da ze den Birilin- gum, -un ^) ; mit dem Ende der sog. althochd. Zeit rettet sich nur mer der Dativ hinüber ins Mittelalter, selbst die übrigen Casus er- scheinen dann in Dativ-Form. Diesem Zuge folgen viele Ortsnamen, die früher ganz abstehen nach Buchstab und Bedeutung : Pfitzingen bei Mergentheim aus Phus>sech, -ach^) u. s. w. Oehringen ans Ohm (Orana 795, Flüsschen) Ohmberg. Kreuzungen bei Kon- stanz aus da ze dem Crucilin, einem Kirchlein mit echtem Kreuz- partikel u. s. w. — Umgekert ward aus Tautmaringen (wirtemb.) Dautmergen, als ob der 2. Teil -Maria geheissen hätte. Ingen trifiPt man weitaus am häufigsten in alemannischem Gebiete , aber auch die Franken, Düringe, die Mitteldeutschen haben es abwech- selnd mit -ungen, wozu die Form sunufatarungos im Hildebrants- liede zu vergleichen (Alem. I, 266 Anm.). Die Baiern lieben die gestuzte Form -ing^ weil sie ingen, ing^n auszusprechen schwer ankam. Die bair. Urkunden kennen in der ältesten Zeit das -ing nicht, sie haben -ingen, -ingun, gleich wie die niederrh. Urkd. kein -rat st. rode; Benrat heisst noch Bemhardesrode. An Schwab, augsb. Grenzstationen wie um Gmünd hört man sogar -eg, 'QQg: Mögglegg st. Mögglingen. Ein -igen st. ingen in der Schweiz hat Albert Schott fälschlich angenommen: igen ist aus -inghofen entstanden. Dagegen hat Hebel das -igen st. -ingen z. B. Chlei - Hünigen , Wiese V 261 (Klein -Hüningen); Riedli- gers Tochter; Hauigen, Theurigen, was zu seinem Früehlig, Spött- lig, Nahrig, Ordnig, Gattig zu stellen ist. Dass so gesprochen worden ist bezeugt B,iedlicken 1562. Oberrh. Zt. 29, 338. 343. Die alem. schwäbische Aussprache ist -enga, 'engo^ selten a: Trossa. Vrgl. DGramm. H 349 ff. HI 682 ff. Albert Schott : Ueber den Ursprung der deutschen Ortsnamen zunächst um Stutt- gart. Progr. Stuttg. 1843. S. 28 ff. H. Meyer, die Ortsnamen des Kantons Zürich S. 138 ff. Mein Schwäbisch- Augsb. Wörterb. 253 ff. Bacmeister, Alem. Wanderungen S. 29. 30. 108. 117. 1) Birlingen, Dorf bei Horb. Man sagt aber nicht Karolinger, Merovinger, Capetinger, sondern Karolingc u. s. w. Es gab keine Ortschaft des Namens, ebenso wenig ein Land. Auch Lotheringer ist unrichtig, sowie Thüringer. 2) Das kelt. -acum, altiriscb -ach, -ech, altkymrisch -auc, -iauc entspricht unserm -ingen vollständig, aber die Zeit des Mittelalters hatte davon keine Anung. 123. Dr. Bück, Mitthlgg. des Vereins für Geschichte und Alter^ thumskunde in HohenzoUern YII 24 ff. Arnold, Wanderungen der deutschen Stämme 1875 S. 163 ff. Prof. J. Braudstetter, Blätter aus der kathol. Schweiz 1869 ff. R. Henning, lieber die Sanct- gallischen Sprachdenkmäler. Strassb. 1874. 1 Benzingen H. de Benzingen 1252. Zoll. Zt. 3, 45. Bentzingen^ de, Scolaris. Lib. Dec. 45. 87. Ebenso Habsb. Urb. 262. Also „zu den Hänsern des Benz, Benzo'*. Wie Wezel aus Wernher, so ist Benz aus Bernhart zur Koseform geworden. Der zweiten Ablei- tung aus dem althochd. Pers. N. Pauzo, Penzo {Penzo St. Gall. ÜB. 3, 13: 933. 965 S. 27 Lichtschlag Progr. 1869-70: 1314) der in den baier. Panciuga, Penzing, Pancingen, Paenzingen und im alem. Benzeshusa (788), Benzhausen bei Freiburg i. B. sich er- halten, dürfte wol der Vorzug gegeben werden. Vgl. Förstemann ON 2. Aufl. 204. 2 BUlaflngen') JPilölfinga, Püolfingen 970. Wirtemb. ürk. B. I 411 (B») predium in Büolvingen c. 1255. Zoll. Zt. 3, 48. Die badi- schen und wirtemb. Bilafingen sind gleiches Ursprunges. Auf der Markung Laupheim (Wirtemb.) sind Spuren eines alten Schlosses in Bihlefingen, an Stelle des alten Wirtshauses zum Schwanen, Burg der Herrn von Griesingen: Burg und Dorf a. 1129 Pilölvingen Ob. A. Beschreibg. S. 136. Der badische Ort bei üeberlingen urkdi. ebenso 13. Jhd. Foerstem. ON 253. Der bei Pforzheim urkdl. Bilvigen. 126. . . schon Büfingen, Oberrh. Zt. 25, 332. Heimat der wirtemb. Familie Bilfinger, von Grimm DW falsch erklärt, des- selben Stammes. 998 wird eine Villa Bilolveshtisa im Gau „Vilves gewi*'*) erwänt, was Billenhausen a. d. Eamlach, AUgäu, sei. Schweiz. Anzeiger f. Gesch. u. A. 1871 S. 132. Alle heissen „zu den, bei den Häusern, dem Heim der Nachkommen des Pilolf d. h. Pil-wolf." Das Lib. Viv. v. Pfäffers: PUigart, mUruth, BüefriL B : Bellwolf. Forst.- weist richtiger auf den alten Weid- mannsnamen, altdeutsch, Bü hin = das Zustandebringen des Wil- des; also ürdeutsch hier: der Wolfjäger. Sollte nicht der Stamm hil^ pil ahd. in bil&rn, gingivae erhalten, zur Aufklärung die- 1) Ob. A. Gammertingen ; früher zur Zollern -Sigm, Herschaft Haigerloch gehörig. Hist. Topogr. Lex. v. Schwaben. 2) Ob. A. Sigmaringen. 3) B bez. Dr. Bück. 4) Ist der alte Alpgau, der zweite alemannische des Namens, aus dem Algau, Algau ward. Der andere noch heute sog. Alpgau ligt an der nördl. Schweizergrenze zwischen dem Feldberg, dem Schwarz- wald, der Wutach und dem Rhein. Die Vierteljahrshefte für wirtemb. Gesch. 1878 S. 21 uemen noch das f Billizhausen bei Betzgenrieth (Ob. A. Göppingen) an. 8 nen? — Vgl. Pil Graff 3, 331 fiP. Die nord. Mythologie kennt einen „BiP^, Son des Mondes und der Erde. 3 Bingen % Bnningen De Buningen I2b 4, Zoll Zt. 3, 48. Remh&rdns de Buningen 1257. Freib. Diöc. A. 3, 33. Salem, ürk. Ferner noch ebenda I 104. 105. 165 : Guonrat de Buningen, Büningen, Habsb. Urbar. Vgl. Buninga für das marburgische Binningen. Dümge, Bad. Re- gesten S. 91 ad 978. ON haben Buninga, Buningin, Bunninga, Bunningheim, Bunuincheim, für den gleichen Namen anderwärts. Zu Grunde ligt der gesicherte altd. Bunno, Bunninc, Buno, Buninc, Puno, Puninc u. s. w. PN 292. B ; „Bunigin Necrol. Zwif. b. Hess 235. Der Name fürt zu Botnit , Botnant." Zoll. Zt. 7, 28. Im Kanton Zürich gehört Bünishofen, urkdl. Bunis-, Bunnishovin, Ba- inishovin hieher. Meyer ON 129a. — Das Volk spricht nicht Bingen sondern Bin -gen. — Vrgl. Schott, Stuttg. ON S. 29 No. 165. A. 1336 kommt; südl. v. Hohenzollern z. Hause, ein Pfaffe Hain- rieh „Bunno" vor. Oberrh. Zt. 25, 418. 1389 ebenfalls ein Pf. Johann „Bunninger^^ 22, 424. 4 Btsingen^) In Pisingen neben: in Uossingun, Hahhingun und Toromuo- tingun in pago qui vocatur Perithilin pära. Neugart 8. sec. Sta- lin I 291 in Bisinga im Neckargau. Pisinga. Cod. Lauresh. 8. sec. Bisinger marca, ebend. neben Bissinger m. ^) 13. sec, Walgerus de Bisingen 1269. M. Hohenb. 54. 56. 57. 14. sec. Bisingin, -en (Nomin.) 1342. MZ 294. 1379 (372). 1393 (427). Bi- singen das dorf 1397 (444). Büesenhan, daz dorf, 1386. Zoll. Zt. 10, 4 (öfter). 15. sec. Biszingen 1417. M. Z. 571. Bysingen 1417. (569) u. s. w. AJso „zu dem Heim, den Häusern des Nach- kommen oder Leute des Biso, Byso, Piso d. h. des im Sturme des Nordwinds farenden, 'des stürmisch und hizig Davonlaufenden, Wü- tenden *)." Dieser ON ist in Deutschland ser verbreitet, nur mund- artlich schattiert geschriben und gesprochen. Sieh ON^) 273. 274. Albert Schott legt für Bissingen a. d. Enz den altd. Pers.N. Busso, Bosso zu Grunde und belegt es mit Bussinga, Bussingen aus dem cod. Hirsaug. (991). Der Familienname Bisinger, Bissinger findet sich in und um Rottenburg a. N. häufig. 1) Ob. A. Sigmaringen. 2) Ob. A. Hechingen. 3) Der veraltete hohenzoll. Historiker Johler will ad 763 ein Poasingen gefunden haben! S. 88. 4) Unser alem. bisen ahd. bison kennt auch der Niederrhein. 5) ON bedeutet von da ab die 2. Aufl. von Foerstemanns , Orts-' namen ; PN dessen Personennamen. 9 6 BiattringenO Blätteringen, daz dorf 1 355. Donanesch. Archiv. Blättringen^ das wiler 1367 Zoll. Zt. 5, 6. Im Jungnauer Lagerb. 1536 (Do- nauesch.) heisst eine Inneringer Flnr: im Bletiringertal. Wie Wurmheri, Antheri Wurineringen, Wurmlingen, Entringen abgab, so müssen wir ein Blathari, Blatheri ansezen : Blatheringa, oder ze den Blatheringun, >en: zu den Häusern des Blathari, was nach B gerne Balthari sein kann wie Breht und Berht. Also: ,,der tapfere im Heere.^* Allein es gab einen altdeutschen Wortstamm JBlad, das ein Bladharingaheim bildete, belegt ad 1069 als Bla- dringhem (Blaringhem im französ. Flandern). Wohin anders ge- hören die vielen Belege des Cod. Lauresh. 8. sec. Blatmarisheim, -marca? Offenbar hieher, also haben wir eine uralte Wonstätte in unserm Zollerisch. Bl. zu suchen. Vgl. ON 279. 6 Barladingen^) Burdlddingen cod. Lauresh. 8. sec. No. 3275 , ligt in der Surchinger marc&\ ebend. curiae dictae des J^ttr^^e^fn^^^guot 1311. MHohenb. 222. Also eines Mannes aus Burladingen ist gedacht, doerfer Burladingen (Acc. pl.) 1356 ebend. 330. unsern tailJSwr- ladingen 1386 No. 402. 1402. No. 470. 1408 No. 510. — 1417 Mon. Zoll. 1 570. Oben-h. Zt. 28, 177. Burlawdingen, GTenzhe- Bchreibg. 14 — 15. sec. MHohenb. 890. Burlendingen, Zimm. Kr. II 214. Also: „zu dem Heim der Nachkommen des Bnrdleit.'^ Nemen wir den althochd. belegten Pers. N Burdo (Burth) an, so müste die älteste Form einem unumstösslichen Geseze der damali- ligen Zusammensezung mit konsonantisch abbeugenden Namen ge- mäss Burdenleidingen heissen. B berichtet mir: ,^Burdleid kann zusammengesezt sein wie Crotleid, Wolfleit. Burdileid wäre der Gepäckfeind. Es gibt im Ahd. ein Adj. burdahafter = infestus GrafiP III 163, was bei einem umziehenden Eriegervolke ge- wiss nichts Unerhörtes ist, ob der gute Mann nun Gepäck (Plunder) an sich reisst oder von sich wirft." Ich lege dem Burd ganz sicher das Zeitwort heran, tragen zu Grunde, das ein Ablaut- subst. solcher Form abgeben kann, wie nemen, Nunft, kennen Kunst rinnen Runst; das Adj. leit bleibt und so hätten wir vielleicht an Mundiburd; protectio urspr. zu denken. Oder darf an ahd. leit- jan, leitan^ leita, leito, Fürerschaft anzeigend erinnert werden? Burdleit = Fürer des Trostes? Der mittellat. Name burdo für Maulesel „das Tier das den Sack zur Müle trägt", höfisch und Burdegala, ON seien noch hier genannt. 1) Ob. A. Gammertingen. 2) Ob. A. Hechingen. Wasserscheide zwischen Rhein u. Donau. 10 7 Dattlngan, DettUngaiiO B fürt V. 1082 Tcddiiigen aus dem Wirtemb. U. II 408 an. Die MoD. Hohenb. Tetüngen 11^68. No. 52. Tetingen 1274 No. 69 ad 1300. Toetingen 1284 No. 97. Bettingen 1290. Ferner erwänt: No. 213. 238. 266. 375. 277. 278. 296. 338. 342. 400. Da es viele Ortsnamen solcher Schreibimg gibt, so gelten die älte- sten Formen derselben auch für unsern zur Aufhellung. ON Ta- tingen 1100 (bair.). Tetingas 839. Tettingas 886. Tetinga 876 heisst Ober- und Unterdettingen bei Biberach. Zu Grunde Hgt der Pers. N. Tatto, Tato, Tetto oder Tatti, Tetti. Tedi mit der Kose- form Tetilo; Tatilo. Also: ,,Zu, bei den Hänsern der Nachkom- men TatoB.^' Dettingen bei Klingnau in der Schweiz lautet 1239: Totingen. Mone Zt. 12, 292. Detlikon (Zürich) : Tatti nchova 741. 853. Dathüsen 776. 961. Tatinsee 816. Dattenberg, Dattenhub, Tatenschwand (Schweiz). Tatenried (Elsass). Tettnang = Wang des Tato (Wirtemb.). Dettenried Tatinried 1282. (Schweiz) u. s. w. Bettungen, Tetilingen, Teiilingun 1082. W. ü. II 406. B. miles de Tetelingen 1246. M. Höh. 32. Zoll. Zt. 3, 42. Menloch von Thethelingen 1298 No. 170 M. H. BettUngen 1303 No. 197. Tket- telingen 1308 No. 199. 213. Tettelingen 1317 No. 256. Tethe- lingen 1349 No. 470. Tedlingen u. s. w. In e. lat. Urkd. 1266 M. Z. I 206: curia in TetUngen* Lib. Dec. 50. 52; ebenso Stese- lin yon Betlingen 1437. Diöc. Arch. II 332. Erklärung sieh unter „Dettingen.'^ Im J. 1322 ist ein Berthold von Tetelingen Richter in Horb. Oberrh. Zt. 20, 120. 8 Empfingen >) In pago Aletnannorum, in Amphinger marca. Cod. Lauresh. No. 3261. 3262. 3263. 8. sec. Emphingen? Mlloh. IVa 791. a. 1246 ebend. 32. an dem dor£fe ze Emphingen 1341 No. 43. Ein zweites Empfingen lag bei Jungnan, östlich, erwähnt 1588 in einem Kaufbriefe. Sigra. Archiv (Lichtschlag). Es ligt ein Pers. N Ämpho^ Ämphinc zu Grunde. B erklärt es aus Aginfrid. — Vrgl. ON 75. Uebersezung wie bisher^). 9 Enslingen, Langenenslingen ^ Zwischen 925 — 35 vertautscht der hl. Bischof Eonrad von Konstanz seine weifischen Güter gegen Ensüingen, Hess, Mon. 1) Ob. A. Haigerloch. Ober- und Unterdettingen, aber ganz ver- bunden. 2) Ob. A. Haigerloch. „Der wichtigste und älteste Name der Herrschaft Wehrstein ist Empfingen, für welchen Ort wir die Spuren des frühesten Rechtszustandes Deutschlands finden, denn wir finden E. als selbständigen Gau." Eugen Schnell. 3) ON schreibt unrichtig Impfingen. 4) Ob. A. Sigmaringen. 11 Guelf. pars hiat. p. 9. EnscUngen^ Ensilingen Gesch. v. Hohenb.. S. 413. Die Acta S. Petri in Augia, Oberrh. Zt. 29 8. 26. 29: JBnseiiw^e». 13. sec. — 1266. 1269. MoneZt. 3, 79. 83. Diöc.Arch. 4, 22. Habsb. ürb. 267. Zoll. Ztsch. 5, 72 ad 1306. Einslingm, ebend. 1869 — 70 S. 7. ÄensUngen 1369 Habstaler ürkd. von Mone Zt. 6, 413 falscblicb für einen zergangenen Ort bei Gammer- tingen gehalten. Die Belege bilden wie bei Dettingen, Dettlingen (und Thenzelingen 1283 Mone Zt. 10, 106) keinen Unterschied von sprachlichem Werte. Die Bestimm angs -Adjektive Lang — in Langenenslingen, Langenbrnnnen b. Beuron, Langendenzlingen bei Freibarg erklären sich von selbst beim Anblicke genannter Orte. Vrgl. Hohenzollern, Hohentwil, Hohenstaufen u. s. w. Die Ablei- tung ist von einer Koseform des Pers. N. Ans, Ansilo, also das Gehöft der Ansilinge d. h. Leute, Nachkommen des Ansilo, was B aus Anno, Anilo und Eniso mit Enisilo ableiten möchte. Vrgl. ON 91—96. — Ensheim b. Strassburg : Ansulfishaim 768. 777. Anslechiswilare bei St. Gallen 11 sec. jezt Andweil. Ansolvinga bei Engen: Anseifingen u. s. w. Ans -=■ Gott; daher Ansen, Äsen; dann Pers. N. Sieh unter Ensisheimy desselben Stammes. 9 Filsfngen, Yilsingen ^) In Kelteswis (?) et Filisninga — et alia Filisninga (Ober- und Unter-Fflsingen , langer Ort) 793. 27. März. Wartmann, St. Gall. ürk. B 1126 ff. Neugart Cod. D No. 120. 812 Wartm. I 223. Neug. No. 194. Zw. 842—872: ad villam Filisininga'^Krim, II 397. Neug. I No. 484. Vrgl. in suo comitatu, qui dicitur Scherra, in loco qui yocaXxxr Füisininga. Wartm. II 199 ff. Neug. No. 483. Vilsilingen, Vüselin^en 1275. Lib. Dec. Diöc. Archiv I 45. Vüs- lingen Habs. ürb. 1313. S. 283. Eine Donauesch. ürk. 1420: Vilslingen, 16. sec. Füsingen. Die einfachste Erklärung wird sein : Felsenbewoner. Althochd. Felis m. und Feiisa, -es, dat. pl. Felisom, -on. Graff III 497; ebenda: Filisining, n. pr. hieher? Das wirtemb. Flüsschen „Fils" erklärt das DW 3, 1500 als „zwi- schen Felsen fliessendes Wasser.^^ Als Hauptort des Scherragaues, d. h. des zackichten steinichten rechtsufrigen Landes an der Do- nau kaum anders zu nemen. Wir hätten also hier keinen Per- sonennamen wie bissher, woran -ingen angehängt ward. Donau- eschingen hat seinen Namen von einem Ascinc d. h. einem Colo- nisten, der an Eschen sich anbaute; warum sollte es nicht auch einen Filisinc, der an Felsen sich niederlässt geben? Bück, Zoll. 1) Ob. A. Sigmaringen. Vrgl. Lichtschlags vortreffliches He- dinger Progr. v. 1872: Beiträge zur Hohenzoll. Ortsgesohichte 1—3. Tilsingen ist altertümliche Schreibung, wie Veste, Frevel u. a. w. V. hatte eine, der ersten Kirchen in der Gegend. Die älteste nachweis* bare in Bangendingen. Ueber i vgl. Fildem, auf den, unten. 12 Zt. 7, 25 sagt: ,, zuweilen hieng man -ing an den Namen eines Flusses, so dass z. B. der Anwcmer der Orn Orning (Oebring), der der Trossa (jezt Trösselbach) Trossing, der Anwoner der Grona Gröning hiess, woher die jezigen Ortmiamen Oehringen, Trossingen, Groningen kommen. Ganz änlich verhält es sich bei den Ortsnamen auf -artty -arun z. B. die Kaudara an dem Berge Kando (Kauderu), das Geländ Wengereu in der Schweiz auf der Reussebene (Wang), ferner vrgl. den alten Plur. in: viri Moh- hingara bei Roth, Beiträge .u. s. w. was nicht im entferntesten eine keltische Amtswürde bezeichnet. So ist Pflummern, Phluma- rin und drgl. zu nemen.*' Wollte man einen alten Pers. Namen in den Filisininga suchen , müste filu - sigisi geteilt werden. Die Goten Sisifridus u. Sisebut b. Procop (7. sec), Sisemand Sisebald müsten herhalten und für den ersten Teil die Filomar, Filimot, Filudanch — allein das sind gesuchte Heraufholungen, gegen die unsern „Felsbewoner'' glänzend den Sig davontragen. 10 FisGlilDgen Fiskingas^ Fisgincas, Vishingun^ Fiskinga 8. 9. 10. Jhd. ze Vischinan 14. Jhd. Mon. Höh. 889. Ein Pers. N. Fiskin ligt zu Grunde, dem die vielen anderweitigen Fischingen, selbst Fischental im Züricher Kanton, iren Ursprung verdanken. Die späte Form des 14.sec. hat kein Verständnis mer für den uralten Eigennamen, der natürlich allererst appellativisch war = einer der am Fisch- wasser sich anbaut, und flektiert nach beliebter Weise im nachhöfi- schen Zeitpunkt noch voll : vischinan wie vestinan u. s. w. — üeber die ältesten deutschen ON dieser Art ON 556 AT. 11 Gammertingen Gamertinga 1082. W. ü. 2, 397. B. Adalb. de Gamertingen 1101. Zoll. Zt. 2, 18; ebenso Lib. Dec. 84. Mon. Z. 1394. 437. Gamartingen Habsb. ürb. 262. de Monte Gamertigen 1255. Mon. Z. I 181. Die gewönliche Schreibung Gamertingen haben auch die Lehensreverse vom 15. Jhd. ab. Es gab noch ein Dorf G. Es seien „etliche heuser vor der stadt G. die etwan ein dorf gewesen.'* Zoll. Zt. 4, 23 Anm. Die Urkunde 1311 ebenda spricht von G. Stadt und Dorf. Die Schreibung Gamertt^en anlangend, so ver- gleiche Veri^en = Veringen, Rüte%en = -ingen Mon. Z. S. 227; sie ist grammatisch hier wertlos. Sieh übrigens oben Einleitung. An tigen, digen = gedigene (sieh m. Anmerkg. zu Weist. VI ; Weiler) zu denken, ist unzulässig; zu Grunde ligt der altd. Pers. Name, hinreichend verbürgt, Gamarit Cod. Lauresh. No. 2895 : Donatio Gamarit in Cimbren. Ego in Dei nomine Gamarit dono ad S. Na- zarium u. s. w. in pago Wingartheiba in Villa Zimbren u. s. w. 1) Ob. A. Haigerloch. 13 Also : „Heimat des Oamarit und seiner Angehörigen." B erinnert (Zoll. Zt. 7, 27) an die Pers. N. Gumarit, Fridirit, Hadtritt, Ri- carid u. s. w. Ghiraarid kann sich eines hohen Alters rümen, ich will nur an die spätgotischen Frigerid, Suerid, Rumoridas, Litha- rM, Frninarith, Dument, Recar^d erinnern; das -rid, aus frü- herem -red entspricht dem -wer aus -mör (alem. mar : Yadomä- rius). Vrgl. Dietrich , über die Aussprache des Gotischen S. 4i. 68 ff. Es bleibt noch Garn, Gama übrig, das in vielen südd. Ortsnamen auftaucht und v. ON 609 zu Gaman, teilweise zu gam- bar, kambar, streuuus und gambra, tributum (altsächs.) gestellt wird. Vrgl. Gamelo, den Helden im Walthariusliede. — Im Mel- chinger Fleckenbüchl. kommt ein ^fiamersteig^^ vor. Sollte Gromer- schwang, an der Donau, Wirtemb., denselben Stamm bewaren? 12 (raaselfingen In pago Alemannorum, in Burichinger marca — in Ganc- gingun et Gcnusolfingun. Cod. Laur. No. 3275. 8. sec. in Gossöt- vingen 1298. Mon. Z. I 242. Goeselvingen , Lib. Dec. 84. -olf ist wolf; Gatts- f Ganz- gehört zu dem uralten deutschen Per- sonennamen G6z, Eoz, got. Gaul ags. Geat, der vom Sone Wuotans entlent zu sein scheint. Vrgl. Gozesowa, Goazesbrunn, Gozzes- puhel, Cozesheim Cdzzinheim; sieh ON. s. v. Ein Gdzolvesbah, Gozolfesheim ebenda. Die St. Galler Urkunden : Gausulf um. R. Hen- ning dazu S. 110. 118. Das wirtemb. Urkdb. I verzeichnet Goz- bert, K6zbertu8, Ganzbert (10, 39, 78 u. s. w.), Gdzhelm, G6z- mär (289), G6zwin (308, 400), Gozzoloh (31), Gdzboldishoven Götzvcld u. 8. w. alle gehören wärscheinlich hieher. Auf dem Heuberge ligt ein uralter Ort : Gaossa volkstüml. gesprochen, das offenbar Cozesheim gelautet haben muss. Altes au wird bekannt- lich vor Zungenlauten 6, mundartlich auch ao wie heute, somit wäre Gauselfingen der localen Aussprache nachgeschrieben, die auch graoss, laoss, braot (Brot), staoss, der Stoss u. s. w. sagt, Ueber Göz sieh MüUenhoff in Haupts Zeitsch. 7, 530. Lauchert, Rotweiler Mundart S. 12. Wir würden also übersezen: zu dem Heim der Angehörigen des Gaussolf, d. h. des göttlichen Wolfes. Genau hieran reiht sich 13 Grosselflngen >) Grozelvingen 11. sec. Trad. Fuld. ed. Dronke, ze Gi'ossel" vingen 1337. Mon. Z. I (288). 1342. (294) 1344 (302). 1362 (340) ferner No. 372. 461. 466, 477. 512. Ebenso die Zimmeri- 1) Ob. A. Hechingen. 2) Ob. A. Hechingen. , Jm Fürstentham Zollerhechingen^' Histor. stat. topogr. Lexicon v. Schwaben I 629. Aach im Riess ligt ein Ort gleiches Namens. 14 sehe Eronik. ON 670 sagen : „er sezt einen Personennamen 6ro- zolf voraus und dieser kommt von Grozo/' Hier ist o kurz, darum vom Volke auch nicht Oraosselfingen gesprochen wird. 14 Hechingen Hahingm 786. W. ürk. 1, 34. B. Hahhinga, Hachinga 7S9 im Hattensuntare, einem Untergau der Bertholdsbär. Vom 13. sec. ab: Hächingen 1266 und oft in Mon. Z. 15. sec. uff sin tail zollr und Hächingen 1417. uff die müli zu Hächingen a. a. 0. Hä- chingen diu stat 1416. M. Z. No. 566. die wayd, zwing und bann zu Niderhächingen (so ist zu lesen) 1413. No. 546. Fast formel- haft stets: ze Zollr und 0e Hächingen 1416. Hächingen^ die stat und das bürgeliu, oft 1419. 1420. Schmid, Belagerung der Burg Hohenzollern S. 97. Auch : das Sloss Hechingen 1420, ebend. die alten stat ze H. 1421 S. 106. Zu Grunde ligt der ser verbreitete altd. Pers. N. Haifiho, Hacho näher denn Hago, Hako, Haeco bei Neug. ad 759. 787. 791. 793. 727. — 813 und 819 ist ebenda ein Heccho belegt. Ich ziehe vorerst andere Ortsnaraenformen des- selben Ursprunges aus nicht zollerischen Gebieten an. Hahing 866. Roth, Beitr. I 15. Hahhinga 1060. Mon. Boica 6, 163. Hahhingas 850. Meichelb. 689. Hachinga ebend. Ferner Mon. B. ad 1011. 1030. 1060: Haching, Hächingen, Hächingen 1052. Von der Koseform Hahhilo kommt Hachelingun jezt Hechlingen bei Nördlingen. Alle die angezogenen Stellen mit Ausname lezterer gehören dem alten Baiern an. Der Name Hahho lässt sich zu einem Ablautverbum -Stamm hehan, hah, hah behau stellen, der ungefär personare bedeutet, wozu das alem. heo, hea von Glocken, Geschüzen, Stimmen der Menschen gebraucht, stet; verwandt mit jehan, jah. hehera (*haihra, got.) der Häher, Schreier hat seinen Namen daher. Eine weitere Ableitung wäre etwa von hähan, was dann den ei*8ten Bewoner ausdrückte, der sein Gehöft an den Abhang baute. Stimmten die bairischen Hahhing örtlich wie in unserm Hechingen, so könnte man einen sicheren Schluss ziehen. 15 Hedingen, Hattingen') Hedingen ist urkundl. Form (Zoll. Zt. 1, 3 ff.), gehört zum Pers. N. Hado ; wird mit hellem „e" gesprochen, wärend Uettingen Hätinga lautet, ahd. hadu, Kampf, Krieg, vgl. Hadewic, Hedwig und = bellator, nom. propr. Ein Hedingen im Kanton Zürich belegt 998. Vrgl. änl. Namen ON 764 ff. Ein anderes in Baden belegt 1297, Oberrh. Zt. 29, 150 (Hödingen?); der ON Hedelfingen get wol 1) Ob. A. Sigmaringen; Ob. A. Gammertingen; Hedingen Vorort V. Sigmaringen. 15 wol auf Hadwolf zurück. Im Kanton Zürich Ist ein gleiches Ue- dingen. Meyer 0. 139a. Hettingeny Hetingen, Hatüngin 1288. 1289. Zoll. Zt. 4, 3. Haettingen, Lih. Dec. 84. Hatingen 1208 W.U. II 367. Die Zitnmerische Eronik I 44: Hettingen. Es giht noch merere H. Hattingen b. Engen, one Umlaut. Alle weisen iren Ursprung auf Hatto, Haddo, Hatho, Hato, Hetto zurück, welche Namen nicht nur alem. sondern hessisch-fränkisch vielgebraucht vorkommen. Die Hattenhüsen sind in Baiern, Franken, Binneudeutschland früh nach- weisbar. In Alemannien „Hattenhuntare**. St. Meinrad wird nach der Reichenau gebracht ad Hettonem Augiae Abbatem et fra- truelem sunm. Schmid St. Meinrad 53. Das Necrolog. v. R. weist viele Namen ,, Hatto" auf. Ein Graf Hatto vom Sülicligau sieh 20. Vrgl das Zürich. HettUngen b. Meyer ON. 139a, von Hettilo gebildet. 16 Hennentingen ^) So im Lib. Dec. Andere urkundliche Formen sten mir nicht zu Gebot. Vergleichen wir das Schweiz. Hermetschwyl (Brem- garten), das im Lib. Dec. 190 Hermuotswile lautet und dazu das oberschwäb. Sulmendingen urk. Sunimuatingen , Gntmadingen urk. Guotmuatingen , Diöc. Arch. 1, 26 neben Guotmendingen , einer zweiten Form, so sezen wir richtig ein Herimuatingen, -ingun an; das WU I 9, 117 bringt Herimuot, Herimuat. Möglich dass ein Herimunt oder -d wie in Heremuntinchovun (851), jezt Her- roikon a. d. Glatt (Zürich) anzusezen ist. Neugart 379. Das Habsb. Urb. 281 nennt einen Cuonrat von Hermtingen, Obiges „ Hermen tsch Weiler ** im Aargau wird im 16. Jhd. noch Hermatvdler geschriben. Oberrhein. Zt. 25 S. 191. 17 Inneringen *) In Inaringen 1295, Riedlinger Urk. Zoll Zt. 4, 11. Capella in Ineringen Lib. Dec. '1^03. Ineringen 1322. Oberrh. Zt. 22, 419. Ebenso 1332 Donauesch. U. Inneringen 1355 ebenda, ze Inneringen 1334. Zoll. Zt. I 67. ON 918 hat ein Inheringun 930, bair. Es kann lautlich nur ein alter Name Inhari -eri ange- sezt werden, was aber von Einheri, dem alem. gut bezeugten mythi- schen Ausdrucke streng geschieden werden muss, wenn man nicht bei gänzlicher Vergessenheit jenes ehemals volksthümlichen Einheri auf volksetymologifichem Wege nachhelfen will. 18 Jangingen ^) Jungingen 11^6. Chron. Jsn. (Hess) 283. 1209. 1215 ebend. (Würdtwein). Lib. Dec. 94. MHohenb. 1264 (46.) 1336 (375); — / 1) Ob. A. Gammertingen. 2) Ob. A. Gammertingen. 8) Ob. A. Hechingen. 16 1842. 1349 a. a. w. 1421 Zoll. Zt. I, 6. Ganss gleich lauten die urkdl. Belege für J. bei Ulm. M. Boica 29, 198. Im wirtemb. Urkdb. I 280 stet sogar ein Beleg v. 1075; immer dieselbe Form. Die zweite Form ist Jungental: domus hospitalis im J. 1275. Lib. Dec. 83. — Ich halte lezteres für später. Der Deutschherren. Sitte war, iren Niederlassungen häufig -tal anzahängen; und so wird es aus dem alten volkstümlichen Jungingen verändert worden , sein, als der Deutschherrnorden sich hier einffirte. Der Pers. N. Jtmgo in Ortsnamen begegnet in JuDgmannes wilare (St. Gallen) bei Neugart ad 907. In Faldaer Urkdd. trifft man Jungo öfter, wie Jungmann, Juncram, bei Neugart öfters belegt 826. 827 u. s. w. Sieh übrigens noch unten bei Jungnau. 19 Kalseringen ^) Daz dorf ze Kaisseringen 1312 Mod. Höh. I No. 230. unser dorf ze Kayseringen 1342 No. 428. Mit den Namen Eaiserstul, Kaisersberg, Kaiserslautern, Kaiserstrassen, Kaiserwaldau hat unser ON nichts zu tun. Vor dem 11. Jhd. kommen jene ^usammen- sezungen nicht vor. Aber dass schon frühe Münch, Bischof, Graf, Herzog, König, Markgraf als Bestandteile von Ortsnamen auftreten ist bekannt und so wirds ahd. Cheisar, Eeisar, got. Kaisar auch ergangen sein; es sei denn dass nach B (Zoll Zt. 7, 29) ein Kaiso^ Kaisheri darin zu suchen wäre. Es könnte aber auch an einen Findling erinnert werden. Ist gar in Folge frühzeitigen Misver- ständnisses die erste Lautverschiebung stehen geblieben änlich wie in unserm Geschlechtsnamen Kieselbert und Kiesel, wo die falsche Analogie sich an Kieselstein anklammerte, wie es beim Ortsnamen Kisslegg geschah? 20 *Megingen>) *Merioldingen') In Megingen et in Merioldingen — in Burichinger marca. 772 Cod. Laur. No. 3275. Mayngen 1356. Lichtschlag Progr. May gingen daz wilar, daz zu dem vorgenanten dorf Burladingen gehoeret 1386. Lichtgchlag. Burl. und Maigingen 1402. Ders. Mayingen 1408 u. s. w. Es gehört zu altem Pers. N. Mag^ MagOy welcher ON 1035 vielfach belegt ist. Maginger marca. Cod. Laur. 8 sec. Maghingas (wie Wehingen : Wahingas) Neug. 786. Megingen Cod. Laur. Maingas, Mainga u. s. w. Einzelne kelti- sche mag- können sich da und dort unbeachtet in unsere Zeit herein für fliessende Wasser gerettet haben. Die Belege des Mittelalters für das zollerisch -benachbarte wirtemb. Mengen sind überreich. Vrgl. ferner unter den ON Magenhuch. B zieht den 1) Ob. A. Gammertingen. 2) Abgegangener Ort bei Burladingen. 3) Abgeg. Ort bei Stetten unter Höllstein. 17 Flur N. Magensteg bei Hechingen 1402 MZ Nö. 185 liieher; hält auch Maginhart' für das nrspr. Wort. Die Aussprache des wirtemb. M. ist Mäh -ingen^ worin altes -ag noch merkbar, wie der alte Hof Malgin bei Denkingen „im Malaien" heute noch heisst. Meine Alem. Sprache 113. Merioldingen sieh die Stelle oben. In comitatu Erkenberti in Buringen et Erphinga, MericHdinga et Mutil- stat 778. Cod. Laur. Es ist nur mer der Flurname Mertingen übrig geblieben. Lichtschlag verdanken wir den Nachweis für Zollern, da bisher Möbringen Ob. A. Tübingen dafür galt. Meriold ist M3ri -wald, altd. Pers. N. Maerolt S. Gall. ÜB. Dazu R. Hen- ning 111. Meroldus oft im Lib. Yiv. Pfaffers. 21 MelcUngen Mulichmgen 772 Cod. Laur. No. 3275 soll nach Nengart Dioec. Const. M. sein. Melchingen 1275 Lib. Dec. Scriptor de MelcUngen 1297. Zoll. Zt. 4, 12. Burkart von Maelchingen 1318. MoneZt. 19,101. Die yesti ze MS^lckingen 14:02, Donauesch.Arch. Soll jene erste Form auf den Gewärsmann Neugart hin zutreffen, so wäre ein Mulo^ Midicho als PN aufzustellen, den ich, wenn er nicht zu'ahd. mül m. Maulesel oder zu mulcho, mulchilo, der Melker von melchan, wie butilo von bieten, jubere gehört, nicht enträtseln kann. Im Melchi, die Melcha in Obwalden heisst urkdl. Merchiy Merchtdl. Argovia II 10. Bacmeister, Germ. Kleinig- keiten 36a; fürt aus Hessen y. 1235 einen Conrad Müchelingus auf und aus Uri v. 1283 einen MUchlinus. Dürfte an ahd. nüühy mälah Tasche, der Sack, Brotsack erinnert werden? — Vgl. das Zürich. Mulchlingen b. Meyer ON 139b. 22 Owtngen^ Owingm 1082 Wü 2, 405; ebenso 1139. 1179, Vorrede zum Wü IX. In Owingm 1254 MH 38 : 1300. 182 : 1303. 1314. 1335. Mon.' Z. 1344. 302. 1349: höfe zu 0. 1362. Ze obern Owingen 1392. Lichtschlag Haiger locher Urkdd. Cramer, Geschichte 30. Obige Form im Lib. Dec. und Zimm. Kronik. Oberno&ingen 1436. Lichtschlag a. a. 0. Das Volk spricht Ao- binga wie^ es auch Aubinger, Aobinger, Aobingerberg für zwei Rangendinger Oertlichkeiten gebraucht. Alte Leute sagten Hirschaob, Niedernaob, Imnaob. Wie die Flurnamen später beweisen, bedarf es keines grössern Wassers, es kann ein Feld wo ehemals Wasser durchfloss Äu heissen, und der welcher daran wonte sowie seine Söne konnten Ouwinge beissen, ze den Ouwingen = das Gehöft, wie 1) Ob. A. Gammertingen. 2) Ob. A. Hechingen. Es gab einst ein Unter- und Oberowingen, jenes »zergiengc und nur noch eine Kapelle zeigt den Plaz an. Dieses ist das heutige 0. Blrlinger, Aleittannia VI 1 2 18 Oehringen an der Orn; ze den Orningen, den Männern an der Om; der Erzvater braucht nicht Ouwo geheissen zu haben. VrgL oben, wo auch Groningen die Anwonerhäuser an der Grrona be- deutet. Es gab übrigens einen altd. PN Ouw). Lib. Yiv. PföfiPers. 28 Rangandingen ') Bangodinga^ Bangadingas 795. St. Galler ÜB No. 139. Mon. flohenb. Eangendingen 1291. (127. 128) 1300 (182): Stor- ker de Bangendingen. IS66 (S7l) Bangadingen. 1338(394). 1362 (563). 1368 (603) u. s. w. Mon. Zoll. I, 1322 (269): zeBanga- dingen. 1300 (243): Bangeldingen. 1397 (446): yon Bangendingen. 1411 (528) Bangadingen daz dorf. 1417 (568) Bangendingen u.^. w. Lichtscblags Haigerlocher Urkdd. 1392: Bangadingen. Aus diesem urkundlichen Bestände kann Range»idingen als hochdeutsche, Banga- dingen als dialektische oder archaistische Form angesehen werden. Beide zeigen alte consonantische Deklination, wenn man die älteste übersieht. Dieser Zwispalt, der bedenklich ist, könnte mit Wesso- brunn, Beromünster, Altomünster = Wessenbrunn u. s. w. gelöst werden. An „ding^' Gerichtsstätte zu denken verbietet der älteste Beleg. Wir müssen uns also an ein Compositum aus Ranc-, Ranco-, und an ein -ad, -od, oder -ard, -art halten, -od, -ot müste in der Bedeutung von „Gut, Siz^^ uot, uod, uad lauten, also fällt diese An- name weg. Sollte an ein altes Ranghart« Renchard appelliert wer- den dürfen? Ich glaube nicht. Wenn wir von Ranc, Kampf auch absehen und zu dem alem. Rando (Randodingen Graff II 531), was sprachlich verantwortet werden kann, greifen, so bleibt immer das hemmende „d^^ vor -ingen sten? Oder sollte zulezt zur Volks- etymologie Zuflucht stattfinden dürfen, die nach unzäligen Vor- gängen des 9. 10. Jhds. das Wort nicht mer verstand und -ding statt -ing .nam: zu dem Gerichtsplaze des Rango oder Rando ? 24 RfngiDgan anf der Seher >) Bingvngen stehende urkdl. Form im 13. 14. 15. Jhd. Lib. Dec. Acta S. Petri in Augia: Dietericus miles de R. 13. Jhd. Oberrh. Zt. 29, 47 (Baumann). Mon. Hohenb. 1292 (129). 1315 (247). 1398 (789). Mon. Z. 1342. 1345. 1384. 1386. 1402 (294. 305. 370. 400. 470). Derselbe ON im wirtemb. Ob. A. Blau- beuren 1071 : Binginga, wozu Ringinheim, Ringesheim, Rinkilinga, Ringilinpach ; Ringilendorf u. s. w. in ON kommen. Der altd. Pers. N. Rincho, Ringilo, Hringwolf u. s. w. gehört hieher und 1) Ob. A. Hechingen. Uralter Markt. 2) Ob. A. Gammertingen. Von der Stammburg der v. R. be- nannt, die dort stand. Mone Zeitsch. 3, 326. An der Ablach. 19 gei auf die Paozerringe wie die Gompos. mit Ort and Bant auf Schwert und Schilt. Das Lib. Viv. v. Pf&fiTerB S. 90 Sp. 1 : Bindw. Ring für Gerichtsplaz, Marktplaz kann nicht in Betracht kommen und auch kein daraus entnommenes Einging, weil das alemannisch unbekannt ist. — Vgl. Ringenhüsen Oberrh. Zt. 28, 164. Zwei Höfe bei Hasenweiler hiessen Binchenhausen a. 1183: Binchenhüsin. 25 RaelilngenO JRuotölfingen 1300. B. Euolmngen Lib. Dec. Vgl. Budoh üngen 1306. Ol^errh. Zt. 27, 476. Der Pers. N. Hruodolf, Hrua- dolf, also das Heim des Rudolf mit den Seinigen. PN 744. (lupus gloriosus). Die ON 8. sec. bringen ein anderes Hrodolfinga, Bu- dolfingen bei Trullikon (Zürich); andere Formen dafür Buadol- vinga 858. Büodolfingun 1089 u. s. w. Bemerkenswert ist dass die Schreibung unseres zoll. ON dialektisch ist; alter Doppellaut uo, ue ist dem neuhochd. allgemeinen ü nicht gewichen. 26 Salmandingen ^ Salbeningen 1245 Mone Zt. 3, 127. SSJberingen 1275 Lib. Dec. Didc. A. I 83. SaXbadingm 1339 Mon. Höh. 404. 1347. 1355. ZoU. Zt. 8, 9. Aus dem Donauesch. Archive teilt mirBiez- 1er mit: SMadingen^ daz dorf. — Elsbet von Salmadi/ngenl^^l. die Burg Salbadingen und das dorf SaXbadingen 1394. SaHmen- dingen 1586. 1587. 1594. Die Stelle des Lib. Dec; scheint un- echt. Solbad' Salmend' scheint auf einen PN Sal- munt (sieh Her* mentingen), Beschirmer des Heimwesens hinzuweisen. B. SaUver- erklärt sich aus ahd. solo, sakiio^ niger, ater, fiiscus. Ora£P VI 183. Ueber Wechsel von m und b im Inlaute sieh meine Alem. Sprache S. 101. 27 SigmarliigeB Castellum, quod dicitur Sigimaringin 1077. Petershauser Chron. üssermann Prodr. I 336. In castro Sigimaringen St. Gall. Chr. Perz Mon. II 156. Ludowicus de Sigetnaringen 1183. Mon. H. 4. Wü. n 232. Ludewicus comes de Sigematingen 1185. M. Höh. 6. G. de Sigimaringen 1216 (23). Sigmaringen, bürg und stat 1325 (301). Im Salemitischen Schenkungsbuche (Mone 3, 97) stet ad 1273: Nobilis dominus comes de Helfenstain qui domnus dominii in Sigemaeringin tunc temporis visns fuit. 1272 schreibt Ulrich von Montfort: Ulricus Del gratia comes in Sigmeringen, Stalin II ^92. Die Beiträge Lochers zur Geschichte der Stadt S. (Zoll. Zt. 1, 37 ff.) bringen eine Sammlung urkdl. Stellen des 13. 1) Ob. A. Sigmaringon. 2) Ob. A. Gammertingen. 20 Jhds.) 2 des 12. Jhds., die nichts von den obenangefürten Abwei- chendes bieten. Nur der Codex Hirsaug. hat zweimal Simeringen ^) ; eine Urkd. von 1391 (MZ I 421) Symaringen^ wie später oft volks- tümlich gemäss heutiger Aussprache zu lesen ist. Die Marktver- zeichnisse der Konstanzer Schreibkalender des 17. Jhds., Seb. Bürster und andere schreiben nur das von inen für hochdeutsch gehaltene Simmeringen. Wenn vom 13. Jhd. ab noch -aringen vorkömmt, so ist das vne die heutige offizielle' Schreibung archaistisch. Der Name Sigimslr erscheint noch vielfach in altern deutschen Orts- und Flurnamen. Yrgl. ON1B34: Sigimareshüsun, Sigmareshüsir (bair.). Arnold, Wand. 409: captura Sigimareshüson 915\ 960. Dronke 2, 808. 328 : Sigimar . u. s. w. Der Leser findet ebenda noch mer Belege. Die Salem. Regesten ad 1288 (Mone Z. 3, 286) füren possessiones in Sigimars rüti, sowie Pfennige, die geschriben sind von SigmeringeUj auf. Die Mon. Z. 1355 kennen ein Sigmarsveit I 328. Heute noch die alte Form als Zaisenweiler (Lindau) Flur- name: Sigmarsjsell, Da das feste Haus oder die Burg Sigm. auf römische, mindestens aber auf fränkische Zeit zurückget, so wird der Anherr von Burg und Heimat Sigmar geheissen haben, ein Name der schon im 1. Jhd. n. Chr. in der fürstlichen Familie bei den Cheruskern vorkam. Sieh übrigens Foerstem. PN 1096. Man kann sämmtlichen deutschen Völkerschaften die Composita mit Sig (sign, Sieg) zuschreiben, ja sie sind überall reichlich ausgebildet. Der Gote hatte sigis, sigislaun, sigisa, sigisi. Reiner Stamm: Sige- ricus (und Singericus)» Sigisarus, Sigimeres. Dietrich 74. m^r, mar, lezteres oberd. heisst berümt. Hpt. Zt. 7, 528. Wie Veringen in Stadt und Dorf, Altensteig in Burg, Stadt und Dorf (1355. MZ I 328), Stühlingen in Stadt und Dorf, so teilt sich S. auch in S. die Stadt und Sigmaringendorf. Im 14. sec. schenkt ein Folkwin dem Kloster Hedingen ein Gut S. dem dorf Zoll. Zt. 1, 25. 1453 kommt ein Kirchherr zuo S. dem dorf vor. Ebend. 24. Ernstingers Raisbuch : Simeringen ain dorf; S. ain statth S. 68. Der Curiosität halber sei auch der Ableitung „Siegesrosse- stadt" gedacht, welche die wirtemb. Jarbb. 1836 S. 188 brach- ten und die leider später nochmal aufgewärmt ward. 28 Sickingen') In SiUngen 1193. Wü H 482. 454. Es gab einen PN Ä^cco, Sicko^ Koseform von Sibert, Sigefrid, Sigerich, Sigmar (Stark 19. 20). Vgl. St. Galler ürkdb. 3 , 27 : Sihho. Lib. Viv. v. Pfäffers : Sicco S. 30 Sp. 2. Sicdlin^ ebenda. Die Mon. Blidenst. ed. Will haben 1) Das Tal des Simmersbachs, Nebenwassers der Acher (Baden), heisst 1285 und 1291 Yallis . Sigemaresbach. Seb. Münster schreibt Simringen. 2) Ob. A. Hechingen. 21 einen presbyter SiggOy welcher Name heute in Wirtemb. beson- ders im obern alem. Lande Familienname ist. Die ON 1332: SiggingahSm 967 ; hSm ist niederd., bei „Blättringen"» haben wir es auch in einem erhaltenen flanderischen Namen gesehen. Ebenda 1332 sind aus oberd. Urkundensammlungen Sikkinga, Siegingas, Siggenheim, Sikilingin u. s. w. belegt, also ein gewön* lieber Pers. N. in Compositis: „zu dem Heim der Nachkommen des Sicko, Siggo/' 29 i'Slndelfingen ') Sindelfingen 12. sec. Ob. A. Beschreibg. y. Riedlingen 52. Sindelvingen 1326 Zoll. Zt. 4, 34. 1364^Zwiefalt. Urkunde. Arch. Stuttg. (Lichtschlag) Habsb. Urb. ze Sindelvingen. Ueberrest ist noch der Flurn. „Indelfingen*', den Lichtschk^ aus Urkdd. des Stuttg. Archiyes belegt. 1587: ein Acker zu Jungnow zu Indeh fingen. 1599: Yndelfingen. Erinnert mich an ad cUvum Jgrenstein vel Sigrenstein , Grenzfels bei Schelklingen -Weiler. Ob. A. ■ Be- schrbg. y. Blaubeuren S. 203. Ein Zusaz zur Urkunde y. 1599 yom Jare 1606 nennt einen Acker zu Sindelfingen in derselben Ge- markung. 1606: Kaufbrief um Aecker zu Inde^ingen. Der altd. li^ame Sindolf, Sindwolf, St. Galler ÜB 3, 21: 950, ligt zu Grunde. Vrgl. Sindolt (Sindwalt) im Nibel. Liede. Den gleichen Namen hat das uralte Schwab. Kloster Sindelfingen urkd. Sindolphingen^ Sin- delphingen, Sindelyingen u. s. w. Yrgl. Schott, Stuttg. ON No. 200. 30 Stoningen ^ Storjüinga 843. WU I 127. Storzi/ngin 1178 ebend. II 188. B. Praedium in iS^mn^en 1160. MZ I 26. Ein dorf genant iS'^r- gingen, gelegen in der Schmyechen. Donauesch. Arch. 1403 Riezler. Im 16. sec. noch Storcingen, Oberrh. Zt. 25, 204. Ein PN Storzo, der heute häufig als Familienname^auftritt, ligt zu Grunde, urspr. sonst „Strunk^' bedeutend (torso). Storzilo wird auch yorhanden gewesen sein; Storzeln sind kleine Strünke, womit der alem. Hof- name „Storzeln^* bei Engen erklärt sein dürfte. B yerweist auf Stiuri, Stori, Storizo zu Stör, gross. Zoll. Zt. 7, 29. — z ist Zei- chen der Abkürzung: Struz aus Strutolf. Sollte auch in Storz eine Verkürzung anzunemen sein? 31 TrUlflngen') Truhelfingen 1293. Zoll. Zt. 8, 77. Truhelvingen Lib. Dec. Guriam Cunradi yilHci in Trukelfi^en 1291 MH 127. 128. 1304 1) Abgegangener Ort bei Jungnau Ob. A. Sigmaringen. 2^ Ob. A. Gammertin^ 3) Ob. A. Haigerloch. 2) Ob. A. Gammertingen. ON 1483 schreibt falsch Störzingen. 22 (201). 1305. Mon. Z. 168: Truhelvingm. 1319 .Trielfingen, unser flecken. 1319 vrgl. 1328. M. Höh. 314. 1368 Trohelfingen Wü 11 414. Vrgl. Lichtschlag, Haigerl. Urkdd. 1392. Eine Grenz- beschreibg. perg. v. 1518 schreibt noch Trühelfingen, Truhil- olf, Truhil-wolf; der Stamm ist Trüh- wie in Truhsaeze für Truht- saeze, ilo ist Koseform. Oder sollte trug, triugan? zu Gmnde ligen und Trugwolf ^ wie heute ein Flurname zu Kanzach b. Ried- lingen lautet, die hochdeutsche Wiedergabe sein? Laut Graff gibt es (V 254) auch ein druh = pedica, compes, Fussfessel. Allein u ist lang, woraus ein Treulflingen oder Treilfingen geworden wäre. 32 TrochtelfingaiiO Truhtolfingen, TruhtOfuingen 1161. WU II 137. 187. Nos- trum Vasallum dict. de Truchtelvingen 1297. MH 165. TrMtel- vingen^ Lib. Dec. 83. Trochtelfingen, die stat 1310. MH I 189. Trech^vingen 1256 ebend. S. 414. Die Aufzeichnung hohenb. Lehen MH No. 889 wie heute. MZ 1309 (253): ze Truktolvingen, 1370. 1403 (481) u. s. w. Das wirtemb. Trnchtelflngen spilt mit herein, ist gleiches Stammes. Schon Stalin I 274 leitet die ON von Druchtolf (vergl. Droctulf S. 174 ebend.) ab. Die Druhtmar, Dructulf, Tructolf^ Truhtolf, Truohdolf, Trohtolf u. s. w. bei Förstem. PN 351 ff. Dahin gehören die ON Truhtolfesheim 8. sec. Trutolfesheim 8. sec. Truhdolvesheimero marca 8. sec. Trüht stet zu got. draühts, Herhaufe, Volkshaufe. Tmht-olf Yolks- wolf, Held. ^ 33 Veringen, Dorf and Stadt ^) Faringer marca in pago Alamanniae 772. Cod. Laur. No. 3299. BeVeringen 1054. Veringin 1134. 1142. 1150. 1160. 1170, wo schon eine Nebenform Vehringen stet? 1272: comes de altun Vergen^ Zoll. Zt. 4, 64. Ebenda Bd. 2 sten alle Belege. Zwischen 1270 und 1280 wird Alten- und Neuenveringen genannt, Zoll. Zt. 2, 18 (wie Altkrenkingen, burgstal schon 1861). Was Faringer marca anlangt, so kann sie ebensogut oder noch eher auf Vöhringen bei Sulz passen, denn dort war eine Kreuzung römischer Strassen und ser frühe eine Culturstätte. Eine Reihe von Sagen deuten hier auf deutsche Mythologie, auf eine bedeutende Vergangenheit hin. In der bekannten Alpirsbacher Schenkungsurkunde (MZ 1) stet es auch schon verzeichnet. Beide Ortsnamen sind offenbar gleiches 1) Ob. A. Ganimertingen. 2) Ob. A. Gammertingen. tHier umfliesst die Lauchert in grossem Bogen die steinigten Wurzeln eines kühnen Felsen vor Sprunges, auf dessen breitem Rücken sich noch stolz und trotzig die weitläufigen Trümmer alter Mauerreste erheben: es sind die Ruinen der Burg Veringen. c 23 Ursprunges and weisen' auf den germanisch ser üblichen Fara, Edlen hin z. B. Farabert, Faregar, Faraborc, f. Faregildis, Fara- mot, Faramunt u. s. w. Die burgandischen Faramanni gehd];en dazu, sowie das latinisierte Farones, was mit altem bara, p&ra (Gau), wie einer unserer ersten Historiker falschlich angab, durch- ans nichts zu tan hat. Die Heimat des Far, Faro ist Faringen, später Feringen. Vergl. Pföring, unterhalb Ingolstadt, Föring bei München. ON belegen: Feringa, Feringas (820), Veringa 910. Pheringa , Veringun u. s. w. Ob bei den bair. Namen nicht * an yar, far, Uebergangsstellen an Flüssen, Volksfurten zu de>nken ist? Sciffunge. scifQnge heisst ja altdeutsch Gelegenheit zum Ueberfaren, neben Menge v. Seh. Bei Riedlingen an der Donau, der Dieten- burg gegenüber, unterhalb des, jezigen Bauhofes lag Neuveringen, warscheinlich zu var gehörig. 34 Wessingen üuassingun 786 WU I 34. Wessingen 1362 Mon. Z./I 340. Ganz so 1284 M. Hohenb. 97. 1373 MZ 366. 1393 (426).* 1411 (528). 1417 (571). Vrgl. die ON 1561 Wassinberch. oesterr. Ober- halb Ludwigstal bei Tuttlingen ligen die kaum noch erkennbaren Burgreste der „Wasserburg'^; bei Honstetten im Hegau die Ruine gleiches Namens, urkdl. Wassin-^ Wassenburc. Beide kommen vom PN Wasso, wovon „Wessingen'^ benannt ist. Eib altes Stück Volks- etymologie : Anlenung an Wasser. Der PN Wasso ligt zu Grunde, der sich heute als Geschlechtsname Wctöser noch erhielt, woher der Weiler „Wassers^* bei Wolfegg (ellipt. Genetiv). B fand auch einen „Wass^^ und „Wässerle". Also: „zu dem Heim der Ange- hörigen Wasso's". 35 Wilflingen') Apud viUulam WlveUngen, Notitia fund. S. Georgii. Mono Zt. 9, 219. VoluoUngen 1139 Wü II, 10. B. Burcart von Wlt4e- lingen 1285. Oberrh. Zt. 29, 143. De WulveUngen 1294. Zoll. Zt. 4y 9* pratum situm im Wülflingaer winchel. Die ältesten Formen müssen Wulvilinga u. s. w. gelautet haben wie für das Zürich. Wülflingen (Meyer ON 141) und der Pers. N. Wulfilo (sieh Vulfila) ligt beiden zu Grunde. Die Schweizer haben den Familiennamen „Wölfli^^ heute noch. Die „Wülfinge'^ kennt die deutsche Heldensage. — Vergl. Oberrh. Zt. 28, 106. 115. 36 Zlelflngen^) In Zielfingen, ze Zielfingen, Habsb.'' Urbar 283. 300. Zieh vmgen 1292. Etwa wie Ruelfingen^ans Rudolf, so Zielfingen ans 1) Ob. A. Hechingen. 2) Ob. A. Hechingen. 3) Zu Buelfingen, Ob. A. Sigmaringen. 24 Zierolf oder von Zto-wolf, W. des Kriegsgottes Ziu, der alem. in „Zistig" fortlebt. Der ON Zillhausen bei Balingen heisst 1130 Uzilishusin, Bertboldi Zwifalt. Chron. Perz Mon. 6. X 116; sollte ein Usfüolvingä, — as dagewesen sein? Es gab im Schwarzwald noch im 16. Jhd. einen Familiennamen Ze^ssoZ/*: Zeis-, Zisolvingen? Vgl. Oberrh. Zt. 23, 191. Wir haben aus dem bisherigen Materiale folgende altdeutsche Personennamen erkannt: Benzo, Benz. Pilolf, Bilolf. Piso, Bisso. Blathari. Bunno. Burt-, Burdleit. Tato, Tatto, Tatilo, Teto. Ampho. Ans, Ansilo. Filiso. Fiskin, Fisco. Gamarit. Gozzolf. Groz- zolf. Haho, Hahho, Hacho. Hadu, Hado. Hatto, Hetto. Hari- munt oder -mnat. Inhari. lungo. Eaiso, Kaishari. Mag, Mago. Meriold, Meriwalt. Mulicho oder Malchp. Owo. Rango, Rando oder Ranco? Hruodolf. Salmunt, Salmuat, Salbodo? Sigimar. Sicco, Sicko. Sindolf. Storzo, Storizo. Trüholf, Truhtolf. Fara. Wasso. Wulfilo. Zierolf, Zeisolf, Ziolf. Einige davon sind Eose- formqp wie jedesmal angegeben ist. Der Umlaut des alten a ist überall vollzogen. Unbestimmtes a ist vielfach an die Stelle der alten Wurzelvokale oder Doppellaute des zweiten oder Grund- wortes getreten, seine Aussprache ward verhochdeutscht in „en^^: Hermentingen , Salraendingen , Salmbndingen, Bangadingen und Rangendingen, o wich dem e: Trochtelfingen, Gauselfingen, Ruel- fingen; -hari dem er, r. A^ en st. altem ai: Burladingen. a in Sig- maringen ist archaistisch, die Aussprache ist correkt. i st. ie ist desgleichen archaistisch, kann aber gut besten bleiben. Veraltet ist die FormOwingen st. Auingen; ebenso au in Gauselfingen statt ö. Mundartlich ist i: TriDfingen, st. Trul&ngen; Trochtelfingen statt Tri^htelfingen, wie das wirtemb. T. es noch hat. un ausge^ fallen in Bengen st. Bt^ningen, Be^nningen. Consonanten vertauscht: s st. S0 in Gau^elfingen; altertümlich: Filsingen st. Filsingen. Verdoppelung: mm als Zeichen der Kürze oder blosse Schreibung in Gammertingen ; das Volk spricht nur m und dent a: Gamer- dinga. Die urkdl. Stellen haben bis in's 16. Jhd. m, nicht aber mm. Altes d und t strenge geschiden in Hee^ingen und HeMngen. Ausfall: Burladingen st. Burdlaidingen, Ruelfingen. Verdoppelung in Blättringen. 11 in Bi^^afingen und Tri^Zfingen. Wechsel von m und b in Salmandingen und Sal&endingen. — Die Declination ist in den einleitenden Worten oben angedeutet worden. Die alten drei Casus sind erhalten in -ingä, -ingas, -ingum, -inguu. So ent- sprechen unsere -ingas genau denen im übrigen Alemannien im 8. 9. sec, wie im Elsass von 728—777 die Alongas, Bochildingas, Faginulvincas, Erpoldingas, Teuringas u. s. w. und in der Schweiz die Grachingas, Matzingas, Sveiningas u. s. w. bezeugen. Mit dem Ende des 9. Jhds. sterben diese Endungen in Alemannien und Baiern aus, in Mitteldeutschland dauern sie noch ein Jarhundert länger. Kuhn, Zeitsch. 14, 116. 165 S. (Förstemann) Weinhold, 25 alem. Gr. 450. Der Nom. pl. in -ingä erlischt gegen Ende des 12. sec. Disen (Dach Weinhold Dat. sing.) überwuchern die -^ingas am das vierfache; sie werden im 11. sec. schon seltener, hören aber nicht ganz auf. Geographisch ist das ini^a-Gebiet ein viel grösse- res denn das in^os-Gebiet. Zum Dativ vergl. was in der Einlei- tung gesagt ist. II Die Ortsnamen auf -heim Got. häims^ ahd. haim, heim, niederd. kern, kern, woraus verkürzt em, in der Schriftsprache -um (vrgl. Bochum, Derkum) ward. Nach dem Geseze der Lautverschiebung gehört Heim zur Sanskr. Wurzel 9I ligen, ^ayana, gayya Lager, griech. xstfiai^ xoi" TTj^ Hoif4,do)^ lat. quies, civis wozu sowol haims als heiva und hveila got. gehört. Dieselbe Bedeutung muss man dem deutschen Ablautverbum hi, hei, hai beilegen (wozu heiva), so dass Heim, Lager, Wonstätte bedeutet mit dem Bildungszusaze m. In Ver- bindung mit dieser Verbalwurzel muss auch Men (coire) hircUen, hUleh, Mwisk u. s. w. sten; verMen^ Excesse machen. — Die ge- wönliche Zusammenstellung des haim-s mit xcifi?; ist durchaus noch nicht so sicher als man glaubt. Man wird finden, dass die ON -heim nur grössere Nieder- lassungen anzeigen; sie finden sich an Völkerstrassen , in früh dichter bevölkerten Ländern besonders im alten fränkisch-römisch- keltischen Gebiete. HohenzoUern weist nur wenige Beispile auf. Elsass, überhaupt das Reintal ser viele, nicht minder Wiritemberg. Das alem. Volk spricht hoam, ho^m, hoim, schwächt es oft zu ä, a, d ab, was neuhochd. Schreiber zu -en machten: Goren, Tha- len, Weilen, vom Norddeutschen Gora, Thala, Weila gesprochen, wärend das franz. en die richtige Ausprache bietet. Ensisheim Gorheim Lausheim Thalheim, Thanheim Weilheim 1 Ensisheim Apud villulam Ensingesheim 1095 (in pago Serrarum, Scherra- gau) Not. fund. S. Georgii 12. sec. Mone Z. 9, 218; wo ein Flur- name Oberenholz daselbst genannt wird. Vrgl. Schmid's St. Mein- i^ 65. Das elsässische Ensisheim heisst 788 Efnghisehem, marca, 1) Zu Berenthal, Ob. A. Sigmaringen. 26 gehört also nicht dazu. Zu Grunde ligt der PN Änso, Änsinc, Aus der Koseform Ansilo ist Enseliogen hervorgegangen; s. oben. 2 fiorheim') Ze Qorheim Habsb, ü. 274. Gorhain, Gorhayny Annivers. Monialium 1350. Donauesch. Archiv, ze Gorhain 1422. Zoll. Zt. I 69. Gen Gohren, Forstgrenzbeschreibung MH. 890. Der ON Gomhofen kann nicht beigezogen werden , urkdl. Gailenhoven, aber Gohren bei Tettnang, alt Garha, Gorhain; Gorgenstadt bei Ellwangen (ze der goregun stat). Die niederd. ON Goor bei De- venter, Avergoor, Watergoor, Hamgoor, Vitgoor, Saint-Jans Goor, Witegoor helfen erklären; EilianWb. goor = palus limus^^ lutnm, coenum. HofiPmann, Gloss. Balg. 15. 35. Altd. gör = Mist, Dünger, Schlamm. Abi. Verb, garen, gegoren. Das Volk spricht GaorOy also langes 6. „Der Gaoremerbach*^ die Lage stimmt mit der Be- deutung des altd. Namens. B deutet Gorheim auch als Heim, das in der Nähe einer Sumpflache gegründet worden. Goringen bei Ravensburg 1155 WU 2, 88 (B) gehört zu einem Pers. N. Vergl. ON 651. Bacmeister (Nachlass) Wirtemb. Jarbb. 1875 S. 19. Buok, Zoll. Zt. 5, 108. 7, 23. Graff, Sprachschaz 4, 236 sezt kurzes a an , d. h. er lässt es wie bei para unentschieden. Ein althochd. G6r, GdringS, got. gaurs? traurig, arm (gärac) mittelloss stet ebend. 237. Ich weiss aber damit nichts anzu- fangen. 3 Lausheim ') Lüeheim 1266. Mone Zt. 3, 79. Actum ad Lushain 1294. ebend.; ebenso Lib. Dec. 188. Vrgl. Lüshaimes wise ; ain wise des von Lushain ze Underachun 1300. MH No. 184. Das ba- dische Lushain (Bonndorf), desselben Ursprungs urkdl. Lüzheim 821. 849. 855 (St. Galler ürkdb.), 946 bei Neugart ON 1031. — Im alem. und schwäbischen Gebiete (sieh mein Augsb. Wb. s. V. ) begegnen viele Flurnamen mit Luss - gebildet : Lusse, z. B. Merishansen; Lüsseli, ebenda. Lussgraben, Luss, Durlacher Barbierordnung 1536 Mone 12, 172. Das Alemannische hat wie ä in elate, Schlatt, so ü beibehalten und dem Hochdeutschen gegen- über es durch Kürzung gerettet. Aber an der consonantischen Abbeugung zeigt sich der Pferdefuss. Die Lüss- sind ebenso 1) Nahe bei Sigmaringen. 2) Zu Magenbach Ob. A. Sigmaringen. »Kleines Dorf im Um- fang der Grafschaft Sigmaringen zum Reichsstift Salmannsweil, in die Herrschaft Ostrach und Pfarre Magenbuch gehörend. Oesterreich hatte hier das Besteuerungsrecht, c Stat. Topogr. Lex. v. Schwaben II 34. 27 häufig und operieren wir mit diesen. Lüsacker, Lüswise, Beg«* ginger Flurn. (Stand Schaffhausen). Daher die vielen Lansbühl, Laostanne, Lansrain, Lansweier, Laashaldertal, Lauswise n. s. w. sieh m. Wörterbüchlein z. Volkst. 57. Ich erinnerte an mittel- hochd. lüz = Versteck, ahd. lüeen^ im Hinterhalte ligen, sich ver- stecken. Also wäre Lausheim, ein verborgener Ort wie M&chen, Manchen, Müchenheim zu ahd. mühheo latro, griech. fivw^ fiv- X,6g gehörend. Sollte das verderbte Via Lacina in der Lex Rip. 80 T. 34 T nicht in LtJcina zu bessern sein? Dann gehört es dem althochd. Sprachschaze an? 4 Thalheim, Thaaheim ') Die unzälbaren Balaheimy TalaJieimj TalaJiüsen, Dälähoven u. 8. w. sind aus der ältesten Zeit ON 445 ff. belegt. Unser ON hatte natürlich keine andere Form, obgleich mir kein Beleg zu Gebote stet. Ser alt wie T. ist Thanheim = Heim im Walde, vom altd. tan (Nibel. Gudrun); eine andere Form ist tanna, abies, wovon auch Ortsn. abgeleitet worden sind. Graff 5, 429. 5 WeUheim') Wenn wir von dem uralten ON uralte Belege hätten, könn- ten sie kaum anders lauten, als die für die zallosen W anderwärts: WUhaimj WUeheim, WUheitner marca ON 1602. Eine mundartlich geschribene Urk. v. 1^62 hat WUhan, Im zoll. ON Weildorf steckt dasselbe Wort, wärend in Killer ein tvüar verborgen ist, das sich weit häufiger in Zoll. ON zeigt als das simple „Wil^^ Wir haben also zwei Wörter Wil und Wilare, lezteres hat änliche Bedeutung wie -/»ein», -hattsen, -hofen und ist darum wie -ingm mit Per- sonennamen zusammengesezt. Das erstere muss mit 'heim^ 'darf auftreten, kann tdso nicht die Bedeutung des Wüar haben, ausser man nimmt Volksetymologie an, wie Waldförster, Hartwald, Salzsaline u. s. w. Da aber die Ortsnamen mit -heim einen Häusercomplex andeuten, kann Weil, Wil nicht ein einzelnes Haus bedeuten, wie' die Herausgeber der Züricher Ortsnamen meinen. Die alten Städte- und Dorfnamen mit Weü als Grrundwort Rot- weil, Fetter weil sind auch zu beachten. In der althochd. und mhd. Zeit trifft das überall zu, wärend wilare wie heute so damals nie eine Stadt oder Dorf bezeichnet, wol aber ein Land- haus, Gehöft. Villa heisst auch im mittelalterl. Latein nur Ort- schaft, Stadt. Weigand H 1075. Auffallend ist nur, dass „Weil" meist ausstarb und dem Weiler^ Wilare Plaz machte. Die alem. Gründungen im Frankenlande bis Jülich Aachen weisen nur Weiler auf. Mit dem 13. sec. kommt wieder ein Dativ Wilen von Wil 1) Ob. A. Heohingen, Sigmaringen. 2) Ob. A. Heohingen. 28 vor. Die Herkunft ans dem lat. yilla, villare scheint troz aller RettangsTersuche unzweifelhaft zu sein, aber die Einbürgerang geschah so gründlich, dass man gar nicht mer an fremde Abkunft dachte, sowenig als der ersamc Bonner Bürger sein „Filla^' für fremd hält. Ja mancher Deutsche gründete erst ein „Weiler". So yermachte, wie Mone Zt. 19, 327 anfürt, a. 718 ein gewisser Ghro- doin dem Stifte Weissenburg bei Adolfsweiler im Sargau villare sunm, quod ipse de novo aedificavU cum mansis, aedificiis, manci- piis ibidem commanentibus, campis, pascuis, silvis, aquis, farinariis (molendinis), peculiis (pecudibus) utriusque sexus, mobilibus et immobilibus. Also vollständiges Landgut. Im Linzgau schenkte 786 ein gewisser Chnuz seiner Tochter ein Hofgütlein von 10 Jauch- erten in Chnuzelwilare, welcher Weiler also warscheinlich von im oder einem seiner gleichnamigen Vorfaren angelegt worden ist. Wartmann I 99. Reihen wir hier gleich an in Die Ortsnamen auf -weiler Weiler Weildorf Bernweiler *Büzelin8weiler Esseratsweiler Ettisweiler Hippetsweiler Killer Levertsweiler Rengertsweiler ' Riedetsweiler Selgetsweiler Siberatsweiler Tafertsweiler Walpertsweiler 1 «Weiler, BechtoldsweUer, Weildorf ') Heinrich von Wiler, Habsb. ü. 281. In der Burgfriedur- kunde des Zoller 1402, MZ 1 466: bis gen Wüer; uf den wiger (Weier) ze WUer 1417 ebend. 568. Gramer 30. Willdorof, Wildorof 882 als Ort der grossen Berchtoldsbär. Wildorf IIQ^: habilitantes in castello Berge prope TFifZ(?or/. Mone Zt. I 67. Dieselbe Form 1237 MH 29. 1260. (40. 41) 1274: in Villa W. (69). 1299. 1300. 1350. Haigerlocher Urkdd. (Licht- schlag). 1398. Zoll. Zt. 8, 72 u. s. w. Ebenso Lib. Quart. 1324. Freib. Diöc. A. IV 16. Auch die übrigen deutschen gleichlautenden Ortsnamen bei Ueberlingen, Teisendorf (Salzburg) u. s. w. heissen nach den Mon, Boic. Neug. WU Wildorf, WiKndorf 786. 798. 849 u. s. w. 1) Bei Hechingen. Haigerloch. 29 2 Bernweiler') Possessiones in Bernmlaer 1262. Lichtschlag Prgr. 1869 — 70 S. 1. Hagen von Bemtvyler 1497 . Mone 11, 234. Im Kolmari- schen begegnet ein Bernwiler, urkdl. Berniswiler Mone 14, 11. 1308: Bernwiler, Habsb. ü. 278 Berwiler, heute Berrweiler. An- dere ON sind Bernanch, Bernegg, Bernaa, Bemhaosen (Stuttg.), die aber verschiden abgeleitet werden müssen. Vrgl. Fers. N. Be- rinc, Bernunc oder geradezu Bemo, der in Rotweil und Villingen uralter Familienname war. Bemerfeld, Bernerhalden, Burgstall Bern u. s. w. in Rotweil sieh m. Alem. Sprache 200. Hagen» Bern riecht beinahe nach der Heldensage, die g^ar mitgespielt hat wenig- stens bezüglich des Namens Hagen? B «MzeUnsweiler, BtttzeUweller?^ In einer Urkunde vom 14. Mai 1287: de bono videlicet JßA- eelinsmler bei Wald. Sollte es als Flurname dort noch fortleben, wie Jndelfiogen Sindelviogen? Zu Grunde ligt der Fers. N. Buzo, Buzili; FN 291; 942. 952 sind änliche ON Boziwila, Boswile, Buzwillare belegt. Ob sie dazu gehören? Oder dürfte JSuocelins- wiler vorgeschlagen werden? Ein Fers. N. Ruocelin in Roths Bei- tragen I 18. Sieh unten „Riedetsweiler". 4 Esseratsweller^) Escerichesmler Wü I 347. Essrichswüer 1275. Lib. Dec. Im vorigen Jarhundert noch gesprochen Essertschweiler. Das Lib. Viventium v. Ffaffers hat einen Fers. N. EsMrich. St. Gall. ÜB 3, 21 : Esherkhc, 950. 957. ON 134 verzeichnen Assiberg, Essi- berg, Essiberich, Assiki. 5 EttisweUer') In loco qui dicitur Oihelineswüare* Notit. fund. Georgii. Mone 9, 210. Das Habsb. Urb. Ettisweiler. B verzeichnet ein Oetis- wiler. Es gibt eine Ahzal altdeutscher Fers. N. Das Lib. Viven- tium V. Ffaffers: Othelold. Das St. Gall. ÜB 3, 23: Uotilo. Dip Ortschaftsnamen Edinga, Ettingen, Etinheim, Edinhusen, Ettin- hova gehören zum Stamme Ed, wir haben es mit Otilin (zu' odal, nodal; athal) zu tun. Otilinwilare, Oetwil bei Grüningen. Zürich. ON 162 9. sec. bei Neug. 854. 877. Oialesviler, Osweiler 1) Bei Habstal Ob. A. Sigmaringen, a. 1266 aus dem Besiz von Salem käuflich in den v. Habstal. Wirt. Jhrbb. 1825 S. 429. 2) Bei Wald? Ob. A. Sigmaringen. 3^ Hohenfels. 4) Bei Hausen am Andelsbach Ob. A. Sigmaringen. 30 bei Raffach, Elsass 728. Odalrichischirchin 11 sec. ON 1180. Ob Ettlinsweiler bei Wangen (AUgän) und Eglinsweiler bei Oehringen beigezogen werden dürfen? Ich glaube kaum. 6 Hippatsweiler ') Hüteholdismlaer c. 1209. Wü 3, 483. Ein Hüt^UhUd^. St. Gall. ÜB 3, 39. Also Pers. N. 7 KUler') mtt KlUertal kilUr, Kilwar (!) MZ I 366. 342. 470. 517. 522 a. 1377. 1393. 1402. hof zu Küler 1409. 1414. Die Aufzeichnung hohetib. Lehen No. 890 MH: Külerial. Ebenso die Zimmerische Er. II 211. Die Bedeutung des Namens erhellt aus den von Lib. Dec. 83 {KUchivilar beigeschriben Kilmler) und Lib. Quart. Diöc. Archiv ' IV 16 (Küwiler) überlieferten Formen, welche sich auf denselben Ort beziehen. Elsässisches Kirweiler Kirihmlari, KiUhmlari. ON haben Chirihcowilare 742. Kirwüare 855. Der alem. Wechsel von r : l ist zu bekannt; viele Belege sten in m. Alem. Sprache S. 89 ff. Weinhold, alem. Gramm. S. 62. Sieh unten * Kirch- berg. Es gab aber auch einen altd. Kericho^ Pers. N. im Lib. Viv. V. Pfäffers. Die Orts- und Flurnamen Killental (Augsburg), Killingen (Ellwangen), Killenberg, Killen weiher. Killenholz bei Buggensegel gehören nicht hieher. — Das Hist. Topogrr Lexicon .V. Schwaben 1791: Kükn, 8 LoTertsweller ^) Pleb. de Laiffinswüar 1228 WU 3, 280. Laifinswilar 12ßB. ecclesia in Laifimoilere 1273. Rector eccl. in Laifinsmlere 1282. Lamphirswilarf Laenphirsmlery Landfridsmler^ Lanßnstoüer^ Lin- finsmler 1273. Lemstviler 1290. Laephinswüler 1290f Eugen Schnell I 94. — Lib. Dec. 106: Lefensmler, Laifiswiler Habsb. Urb. 278. Von diesen Belegen gen die mit m, n auf Lemp&iedsweil6r. ^ Ein Pers. N. Laif, Leif der früh untergieng, vielleicht in Laibolf WÜ I 785 (Neugart) wiederkerend, war vorhanden im Cod. Lau- resh. ON. Das Liber Viventium v. Pfäffers kennt einen monachus Leifi 8. 9. sec. Bei.Dümg^, bad. Begesten 63 kommt 1194 ein Popo comes de Loyphe? vor. In der Notitia fund. S. Oeorgii Mone 9, 220 stet ein Louf et frater ejus Egololf. Noch spät treffen wir einen „Loifin", „Länfin^' im Schwarzwalde. Gehört es hieher? 1) Bei Wald. 2) Ob. A. Hechingen. Für Freadenweiler, Gaisweiler habe ich keine Belege, sie müssen einfach Wiler gelautet haben. 8) Ob. A. Sigmaringen. 81 9 Bengarts Weiler Biggersmler 1268^ Bigeraunkrn. s.w. Zoll. Zt. 3, 51: 1800. BeingerstvUer, Habsb. U. 278. Wir haben einen P. N. Eihearitts (S. Gall. Urkandenb. 760). Eiehger^ alem. nasaliert später ^ge- sprochen. Das Lib. Vivent. v. Pfaffers: Eihker, Eichpreht. 10 Biedetsweiler*) Euoidinswüer 12dl. Zoll. Zt. 3, 30. 4, 7. Ze EüceUnschwüer^ öfter 1401. Mone 11, 218. Za Omnde ligt, wie oben angedeutet, der Pers. N. Euogelin, Euocelin^ ^Eucilo. St. Gall. ÜB 3, 23: Euoiso 957. Euocüi 976. S. 30. PN 719. Vrgl. ON: Ruozinlachan 11. sec. Raocelinerode 11. sec. (Fulda). BiweeUnstoüre Cod. LtLur, 3668. (Ritzweiler, Baden.) 11 Selgetsweiler und Slberatswetter Selgensmler 1460 (Schnell). Ein alter Name Salacho, Sali- cho ligt zu Grunde. Das Lib. Viv. v. Pfaffers hat einen Salacho. Die Mon. Blidenst. Sälicho, Salucho. Sollte es Saku^hifmoüare geheissen haben? wie Sälchinmunstere ON 1283. Siberatsweüer heisst im Liber Deo. a. 1275; Sigöbrechtsmlery aus einem gewön- lichen altd. Namen bestehend. 12 Tafertsweiler^) TagebreJUesuilare 1194. Oberrh. Zt. 28, 167. TagebrechtS' foüaer 1268 Zoll. Zt. 3, 59. Praedium in villa Tagbrehtstoüaer 1259 Zoll. Zt. 8, 19. Tabrehiswilaer 1246; ebend. 8, 18. Vrgl. Mone I 76. 337. IT 81. 93 ff. III 69. 72. 82. 88. 458 u. s. w. Im St. Gallischen ÜB II 357 stet schon ad 909 ein Tagebräes- wilare*? Die ON 440 bringen dasselbe Tagebreteswilare mit den Worten „der Form nach passt freilich besser Tafertsweüer bei Ostrach". Das neudeutsche f ist aus b versezt. Vrgl. m. Al^m. Sprache S. 144. Tabertshausen in Baiern heisst 11. sec. auch Tagbrechtshusen u. s. w. Habertsweiler bei> Salem heisst 1169 : Hadebrehtistoüaere. Oberrh. Zt. 28, 143. Das Lib. Viventium v. PfUffers hat Tagobert^ Tagebrecht, 13 Walpertsweiler^) Waldrammesunlare^ quod prius vocabatur WicUprehteswi' lare. 850. Neug. 335. In Wälprehtswilare 1169, oberrh. Zt. 1) Ob. A. Sigmaringen. 2) Ob. A. Sigmaringen. 3) Ob. A. Sigmaringen. Lindau. 4) Ob. A. Sigmaringen. 6) Ob. A. Sigmaringen. 32 28, 142. WaUrammanswüer 1325, Mone 10, 45d. 460. Lib. Dec. 24 ebenso; Waltramsmler, Lib. Qnart. Diöc. A. 4, 46. Der erste Besizer hiess Waltprecht, Walprecht; der zweite Waltram (braban^ Babe) Waldrabe. Bei Nengart stet aucb ein Waldrammesperc. Sieb mer ON. Ein presb. JJualpertuB 758. St. Gall. U. Im Lib. Viventium v. Pfäffers: TJvMdram, In diesen Ortsnamen allen ist der erst^ Teil Pers. N. mit Aasname von Killer, Der zweite Teil ist überall der Dativ Singalar. lY Die Ortsnamen auf -hausen Althochdentscb hüs^ plur. dat. hüsum^ hüsom, hüson^ hüsin^ hüsen. Wenn man im Alemannischen nod Schwäbischen sagt 'haf4Sf also im Sing., so ligt ein ganz neuer Ortsname vor; wie in nnsern Anssichts-, Belustigungspunkten : das Jägerhaus, Schiess- haus, Vogelhaus n. s. w. Dazu gehören die Wirtshäuser, Oeco- nomiegebäude, einzeln vom Dorf abstehedd : Neuhaus, Zollhaus. Vrgl. auch Arnold S. 390 ff. Stet das plur. -häuser, -häu- sern, so ist der ON ebenfalls neu. Alt ist -hüsen, -hausen, der Dativ plur., der selbst den im 8. sec. noch häufig vorkommen- den Nom. 'htmr verdrängte. In der Mark, im Bergischen, in Westfalen hat in den lezten 50 Jahren altes „-hüsen, -hausen'^ oft dem -haus Flaz machen müssen, wie das -ingen in Baiem dem -ing; ist in Urkunden und dem Volksmunde da auch zu 'Sen herabgesunken. „Hausen" kann allein sten oder ein Bestim- mungswort bei sich haben ; als erster Teil der Gömposition kommt es selten, in unserem zoUerischen Gebiete gar nicht vor. Das Best. Wort kann Personenname oder beliebiges Appellativ sein. Hausen Bietenhausen Gunzenhausen Harthausen, Feldhausen 1 Hauen ^) Das sigm, Hausen lautet im Lib. Dec, 106 einfach wieder Hüsen und öfter urkdl. Das hechingische auch: de ffiiscw 1228. MH28. Cun- rad de Hüsen 1246. 1328 ff. Vgl in loco Hüsen 1262 beim Wilden- stein auf der Scher. Mone 3, 71, Auch z. Neckarhausen fürt B aus dem Wü H 402: Hüsun, 1082 an. So lauteten die urkundl. Belege für Hausen (Donaueschingen), wie für H. bei Messkirch, im Tale der Donau (oben 1262), an der Fils, bei Riedlingen, bei Spaichingen, Die neuhochd. Zeit brauchte lange bis sie die -hausen st. -hüsen hergestellt hatte. Selbst im mittlem Dentscb- 1) Am Andelsbach. Ob. A. Sigmaringen. Hechingen. 33 land erscheinen in der Mitte des 16. aec. noch -hnsen. Die Baiem haben schon im 11. 12. sec. ati, ob von Anfang an? * Vom heutigen -haos'n ist schwer auf ein altd. bair. -hüsen zu schliessen. 2 Bletenhansan Betenhüsen 1246 MH 32. ze Bietenhüsen 1804 (201); 1305 ebenso. 1308 wieder Betenhüsen (213). 1310. 1811. 1836. 1368 u. s. w. zue Biettenhausen 1381 (667); Bietenhüsen 1382; Lib. Dec. Lib. Quart, ebenso, ze Bitenhüsen 1392 Haigerl. U. (Lichjt- schlag). Der yolkstümlichen Aussm^ache und einem Teile der Ur- kunden gemäss müssen wir altes Biet ansezen ; da üe = ie alem. ist, so läge Buten-, Buotenhuson, Puotenhusen nahe, wie denn auch die Ortsnamen Bietingen bei Messkirch und Bietigheim Buo- tingen 1266 (Mone 2, 80), Buötinheim lauten oder bair. Bü- dinifeld, Püttinveld bei Eichstädt-Ingolstadt. Der Pers. N. Puoto kommt vor. PN 289. Die andere Ableitung legt den Pers. N. Beto (aus Badhari) zu Grunde. B. Der*) Lib. Viv. v. Pfäffers fürt wieder- holt den Pers. N. Pato auf, mit Umlaut Petto Bl. 33, 41a. Petten- husen (Bettenhausen, Sulz) St. Galler ÜB 8^ 34 : 1014. 1022. 8 finnzenhaiisen^) Possessiones in Gunzmhüsen 1200 Wü II 337 ; ebenso 1285 Schnell I 84. Mone Zt. 3, 233. Habsb. Urb. Gunzenhüsen 249. Ein Gunzenhof war einst bei Veringen, Weiler oder Flecken. Die übrigen nicht zollern^schen ON haben dieselben urk. Formen. Das WU zu 828 verzeichnet ein Grunzenhüsir u. s. w. Vgl. das alem. benachb. Guntzikofen 1268 Mone 8, 82. Die Verwechslung des G und C in Gunzo und Cunzo (Kuonrat) ist uralt. PN 812. Gramm. III 690—692. Hier ligt der PN Gunzo, Koseform v. Gunthari zu Grunde. Der bekannteste G. ist der Herzog in d. Vita S. Galli und als bekannteste alte Oertlichkeit mit diesem .Namen zusammen- gesezt gilt das Gunzenle. Sieh Pfeiffer Germ. I 88 ff. 4 Harthansen, Feldhansen ^) Harthüsen Habsb. U 268 ad 1303. Lib. Dec. ze Harihüsen uff der Scherr 1300. Hornsteiü. Urk. Zoll. Zt. 4, 65. den balligen ze Inneringen und ihre Höfe zu Harthüsen uff der Scherr, Zoll. Zt. 4, 66. (Vgl. Stetten super scherra 1283 MH No. 93.) Zu hart, VV^ald, vrgl. Hart, ON. So lauten auch die übrigen schwäb. und alem. Orte: Harthüsen: praedium, possessiones in H. 1258. 1260. 1) Ob. A. Haigerloch. *) „Das" in Bog. 1. 2 zu tilgen. 2) Weiler zu Ostrach gehörig. 3) Ob. A. Gammertingen ; es gibt 2 Harthausßn, 1 auf der Scheer, 2 bei Feldhausen oder „auf den Fildern." Johler S. 217. Birlinger, Alemannia VI 1 3 84 1263. Veldhusen = Haiueii anf dem Feld. 10. sec. Neag. No. 389. B. 1581 Veldthausen. Ueber FUdem^ Feld in Flurnamen sieh nnten. Vgl. anch Lützdfdd unten. y Die Ortsnamen auf -hof, -hofen, -hoYen Altbochdentscb, iDÜtelhochdeutsch hof^ dat. sing, hova^ hove; dat. pl. hofen, hoven^ acc. hova, Graff IV 828 ff. Die vollen For- men hovun^ hofun sind jezt auch vilfach belegt. Die ON 812 weisen es Süddentscbland, Baiern, vor allem der Scbweiz zn; nnn bat aber Arnold, Wanderungen 166 und 366 nacbgewisen, dass Mittel- u. Niederdeutscbland regen Anteil an dieser Namenbildung baben. Das Rbeintal ganz besonders erfreut sieb deren. Wie -ingen^ so weist -hcfen auf alemanniscbe Spuren oder Gründung bin, gleicbyiel ob Jübcb, Aachen, Westfalen, ob niderfränkiscbe, mittellränkiscbe, sacbsiscbe Bevölkerung beute wie vordem da war und ist. Diese Tatsache aufgeklärt zu baben, wie Weiler, -ingen, -bofen ins fremde nicht alem. Land kamen, ist Verdienst Arnolds. Also nur der Plural „Hofen^' ist alt, der Singular neu; lezterer bezeichnet jezt. grössere oder kleinere Höfe im Gegensaze zu Städten, Dörfern, Flecken. Diese können aber Ueberreste alter 'hofen sein; die Eriegszeit, Krankheiten haben verheerend gewaltet und da ist manchmal ein später erbauter Hof auf alter Statte erstan- den, wo vielleicht nur noch eine Flur auf frühere grössere Anside- langen hinweist. In unserem zoUeriscben Gebiete Hessen sich villeicbt änliche Fälle constatierenj). Die „-bof* im Singular und die „-höfe*^ im nomin. plur., also jung nach irer Bildung sind, nenne ich zuerst. Brühlhof bekam sein „bof^ erst später, wärend Brühl alt ist; ebenso der Heimhur gerhof. Buch- und Haidtmeshof sind die Wald- und Haidhöfe, nicht aber „ Heidenhöfe '^ Inneringen. Waldhof <, Kaiseringen. Liisthof Eettenacker. Birkhof, Neufra. Haidenhoff Diessen. Oberhof, Glatt. Seehof Haigerloch. Schmeien" höfe. ScUenhofy Trillfingen. Bürglehof Jungingen. Steighof ^ Beuron. Nonnenhof, Laiz. Junghof ^ Magenbuch. Nickhof, Dietfurt, Sigm. Buffenhofen bei Dietershofen. JPaulterhof Hausemerhof. Die aus grossen Fronhöfen erwachsenen Ortschaften endigen gewönlicb auf 'hofen, 'hoven und enthalten den Namen des ersten Hofbe- sizers. Die Scbweiz und das rechte Rheinland nördlich vom Boden- see, östlich von den Scbwai*zwaldhöben haben auch -inghovay 'inghoven gehabt, die in der Scbweiz zu 'ikon geworden sind. Unser Gebiet weist wenige auf. Viele sind längst „zergangen" und in Vergessenheit geraten. Bader in Mone's Zeitsch. 19, 327 nennt in Baden Innighofen, alt Onincbova; Muttigbofen: Muo- 1) Eine 3eihe „Hofhamen^* unten bei den Flnm. Als altbekann- tes Wirtshaus ist „'s Höfle" im Killertale zu nennen. 35 tinchova; Leidighofen: LaidolfiDchova; Billighofen : Billinchova; Weichenhofen : Yaheinchoya. — Zuerst seien hier drei Hofnamen genannt, denen sich die Hof en anschliessen. Paalterhof Diepoltshof a. Eünemanshof Brenzkofen (Brentzkon) Dietershofen Hitzkofen Jettkofen * Inzigkofen Isikofen (Einsikofen) Steinhofen Zweckhofen ' 1 Paalterhof. Fürstliche Domaine, Rest eines Dorfes ,,Solf\ Solt daz dorf 1366. Habsb.ü. 273: ze FoU. — In BoU 1385. 1392. 1399. 1416. 1417. 1418. 1423: Bold dm Weiler, 1432 B. das Dorf. Vrgl. Zoll. Zt. 7, 43. 45. 48. 16. Jarhd. Solt mit dem Weinheiligen St. Urban als Eirchenpatron. Lichtschlag Progr. 1872. 5. Der Bauer auf dem Fault erhof hiess 15. Jarhd. BoUerer, wozu Bück (Zoll. Zt.^ß, 67) die Familie Bolter in Mengen in Beziehung bringt. Es wird da an 8t, Polten in Oesterreich und IHUt in Oberelsass er- innert, so dass der Kirchenheilige St. Hippolyt zu Grunde gelegt werden müste. Es gab einen altd. BoU, aus Balthari, §ieh 6ol- tringen bei Tübingen. 2 «Diepoltshof und Kflnemanshof In einer salemischen Urkunde von 1278 bei Mone Zt. 4, 248 werden diese 2 Höfe bei Ostrach genannt! de possessionibus curia dicta Diepolzhove, curia dicta Künemanshove et molendino dicto diu Obermiuli sitis in Ostrach cum agris, contiguis sive sparsis — bi der Aiche. Derselben Bildung sind die alem. Diepolzhofen Ob. A. Leutkirch, Diepolz b. Stiefenhofen, AUgaü ; a. 1 287 kommt in einer salem: Urkunde ein JDiepolzwüer vor, das hart an der zoll. Grenze oder in Zollern selbst gelegen haben muss. Diese ON gehören zum altd. Pers. N. Theudobald, Teutbold (fränkisch), Tietbald, Biet- pold (alem.), wie die im 9. Jhd. vorkommenden Thiotpoldesowa (Diepoldsau am Rhein), Thiotoboldeshtisun, Tietpoldispurch, vom got. thiuda, Volk und balth, kün, tapfer, geschwind ; ahd. diot, diet und bald, halt. Künemanshove zu altd. chuni in Cbfinibert, Chuni- bald, Chunfrid, Chuonrat; man bedarf keiner Erklärung. 3 «Brenxkofen, Brentxkon^) Reinvrido de BreneeTcouen 1262. Veringer Urkd. Lichtschlag Progr. V. Hedingen 1869 — 70 S. 1. bi der stat ze Sigmeringen, ze Brenzkoven und ze Hedingen ligent acker Habsb. Urb. 272. ze Brentzkon 244; beides echt schweizerisch. Brenz- aus Brantinges, 1) Bei Ostrach; nicht mer vorhanden? 2) Abgeg. Ort bei Sigmaringem 36 . - zu der Heimat der Familie B. Der wirtemb. Flnss-Name Brem hat damit nichts zu tun. Der Brenzkofer Berg hat den Namen der ,,zergaDgenen'' Ortschaft noch bewart. 4 Dietershofen ^) Decanos de Dietershoven 1265 Zoll. Zt. 3, 84. Tieterskoven Lib. Dec. 24. plebanus in Dietershoven 1278 Diöz. Archiv 3, 39. Dietelshoven Habsb. ürb. 278. — Vrgl. Dietersweiler Ob. A. Freu- denstadt: Dietrichswyler 1496. 1497. Mone Zt. 17, 456. gen DietheHsswyler 1518. Ebend. 18, 366. Dietrich der bekannte ur- alte Name aus der deutschen Heldenzeit ligt zu Grunde. Die älteste Form ist zu entnemen aus ThiotricheshüSf Dietershausen, Fuldaische Urkd. 815. WU I 408 u. s. w. 5 Hitshofen*) Ze HitgJcoven, Habsb. ü. 264. Hizzinkaven 300. 301. Hitz- Jcovers hof 2bO. Hiddingeshofen, Hittingeshofen? Der Lib. Yiv. hat einen HÜio. 6 Jettkofen'') In Uäifikofen 1298 Mone Zt. 3, 250. in ÜtiJcoven 1279, ebend. S. 92. ze Utkoven lit ein vischenz 281. ze üetkoven 270. — Ober- und Unterjettingen Ob. A. Herrenberg: Uotinga WÜ a. 806. Die augsb. schwäb. Jedesheim, Jettingen sind urkdl. Utesheim, Uetingen 1207. 1311. Vgl. Augsb. Wb. 245b. Dagegen Jetten- hausen bei Tettnang heisst Getenhüsen 1294 Mone 3, 245, wie alem. Genner: Jänner; altd. gener: jener; gerlich : järlicb ; gdmer: j6mer, Jammer, desiderium. Meine Alem. Sprache S. 112. — üotinc = Son des Uoto ; -hoven =■ bei, in dem Gehöfte des Uotinc. Der Liber Viv. hat den Pers. N. ütOy Uoto oft. Ueber die damit zusammen- gesezten ON sieh ON 1498 ff. Vrgl. Enzkofen, wo ein Grafengut zum zoll. Habstal gehörte: Enzechofen 1281 bei Mone 6, 410, aus Änzinckovun, Yrgl. Büzikofen 129b. BiuzeJcofen 1282 Mone Zt. 3, 226. Ellmkofen 1 338. U 96. Ul 228. Älzhoven 1288 UI 236 ff. 7 Insigkofen«) Untzikoven Habsb. Urb. 274. Inzkofen b. Schweinersdorf (Mos- burg): üncinhoven 11. sec. — Die Ableitung von einem Unto, •ine, Untingeshofen. Der Lib. Viv. v. Pf. hat einen Hunzo^ was besser passt. 1) Ob. A. Sigmaringen, früher Wald. 2) Ob. A. Sigmaringen. 3) Filial von Ostrach. 4) Ob. A. Hechingen. 37 8 Islkofon, Unsikaftn >) Isenkofen 12 sec. ex. SalgerI149. Lichtschlag. 1264 kommt' Isenburg vor, Reste der Burg v. J. noch heute sichthar. MZ I 199. Ysehkofen 13154. Hohenh. Grenzheschreihimg. Gen Ysstf- hoffen usser dem Burgstall (Weckenetein) : gen Tsigkofen in den Fnrth, asser dem Fürth zu Tsikofdn gen Egelfingen in die Kirchen 1468. Lichtschlag. BIbs gen Ysenkofen daz burgstall 1400 Donau- eschinger Archiv. Riezler. Spät: Acker zu Ei^ssenJchouen 1587. Schnell. Lichtschlag. Man wollte schon ein urkdl. Illikofen sub- stituieren, sieh Schmid, Hohenb. Gesch. S. 413, allein es scheint unrichtig. Vgl. übrigens ein Illnawe (molendinum) 1052 Mone I 89. Der Pers. N. Is-, lainc in vielen ON sieh ON 924 fF. Yso, St. Gall. ÜB 3, 7 : 926. Isilinga, Isinghem, Isolvinga, Isininga, Isin- harteshüsen u. s. w. Isinburg, Isinwurta, Isenleiba u. s. w. Vgl. unten Ortsnamen auf Burg: Isenburg. Der Lib. Viv. Iso, Ysinhret 9 Steinhofen ') Stainhofen 1253 MZ I No. 179. Zimerli pleb. de Stainhofen 1269 MH 56; ebenso 1284 (97). 1308 (214). 1317 (261). 1368 u. s. w. auf dem gericht ze Stainhoven 1392. Haigerlocher Urk. Lichtschlng. Die Belege über „ Stein '^ sieh unten. Die durchbrochenen Muschelkalkfelsen daselbst schufen den Namen. Das Bestimmungswort kann Subst. oder Adjektiv sein. Bei lezte- rem erkennt man meist die consonantische Abbeugung:- Steinen- bVonn: ze dem stainigun brunnin. Nicht selten ist unvermutet im heutigen Subst. ein altes Adj. verborgen. Das Appenzeller Stein- brücken: Steinigun Brucco. Neugart 373. Ganz so könnte es bei unserm ON sein: ze den stainigen hovun, hoven. 10 Zweckhofen ^) Urspr. Weckhoven 1254. 1257 Wirtemb. Jrbb. 1825 S.}426. ze Zweckhofen, Habsb. U. 278. Bück in Zoll. Zt. 5, 69. lieber Wecke, Weckenstein u, ö. w. sieh unten. VI Die Ortsnamen auf -stetten Gotisch statlis^ gen. stadis, m. altsächs. stad, altfris. stedy ahd. stat, stete, stetin = Stätte, Stelle, Raum, Gegend. Im Alt- deutschen bald für Ortschaft üblich, die über andern im Range stet. Weigand. Es war also ursprünglich eine Stelle, worauf ein Gehöfte mit nötigem Räume erstand; daraus entwickelte sich wie 1) Zwischen Jungnau und Hornstein. Johler 188. 2) Ob. A. Sigmaringen. 8) Abgeg. Ort zwischen Rosna und Mengen. 38 bei Hans, Hof^-ing ein Complex von Hansem nnd Gehöften, nnd es konnte sich später noser Begriff Stadt anter den Namen flüch- ten. Wie bissher, ist der dativ sing, stati,^ steti nnd pL stetin^ stetten in nnsem ON vertreten; das Bestifhmangswort braacht nicht immer ein Pers. N. zn sein. Arnold 9^ weist anch die -stetten im hessischen nnd fränkischen Gebiete den Alemannen zu, wie die -ingen, -weiler, -hoven. Back Zoll. Zeit. 7, 22 bemerkt, dass diese ON aaf der Alb am dichtesten sich beisammen finden, was for die zollerischen Orte vortrefflich passt. Das St. Galler Urkdb. bringt 752 Ältstadi, Ältstati, Stetten bei Meersborg. WU I 4: Nortstati 760 itordstetten bei Horb. Wü I 6: Hohunsteti, Wa- lohsteii, Erfstetin n. s. w. So müssen ansere zoU. ON also aach gelautet haben. Der üebergang des dat. sing, in den dat. plnr. scheint sich bei manchen -stati erst im Mittelalter vollzogen zu haben. Stetten (Affelstetten) Dilstetten (Titstetten) Fronstetten^ (Pfronsietten) Henstetten Rohestetten ' 1 Statten ') «Affelstetten Die Belege bieten keineswegs Anlass zu besondem Bemer- kungen. — Etwas südlich von dem „zergangenen*^ A. lag die Burg der Herren von Affelstetten Zoll. Zt. 4, 21. Oberrhein. Zt 22, 419 ff. Hermann v. Affelstetten 1326 Zoll. Zt. 4, 33. Affelstetten, daz dorf 1^66. A. daz wiler 1367 Zoll. Z. 5, 6. daz wasser der Loa- chat ze Affelstetten^ von dem brunnen und von der bürg ab u. s. w. Donauesch. Archiv 1400. Vrgl. Hedinger Progr. von Lichtschlag 1872 S. 16. Der erste Teil des Namens lent schliesst sich an das be- kannte abd. apholtra, Apfelbaum an. Die ältesten Belege in ON lassen -a, -aha, "back, -heim, -loch, -toang, -perch als Grundwort erkennen, sieh ON 99 ff. Wir haben hier noch das einfache Wort Aphal, Aphol one Zusammensezung mit -tra, -tre = Holz (abd. drin, vergl. tree), welches z. B. in Hollunder steckt. Mit Affolder sind ge- bildet die Namen zweier Höfe bei Pfullendorf (später Weiler) Af holder- berg od. schlecht Afterberg, urkdl. Afaltirberc, M.Z. 1, 331. AlsFlurn. lebt Affelstetten fort; ich werde nochmal unten darauf zurückkommen. 2 ^Dilstetten, Titstetten Im Lib. Dec. 103 : Titstetten, das st. Titstetten zu lesen sei. Titstetten jezt Wallfartskirche bei Veringen, einst Pfarrkirche für abgeg. Orte Hocbdorf, Glashart, Titstetten, Gunzenhof und Veringer- feld. Zoll. Zt. 3, 46. ürkd. 1249. Stuttg. Archiv. H. de Titsteten 1262 Lichtschlag Progr. 1869—70. Bitstetten 1438 Zoll Zt. 5, 3a. aBei Hechingen a. unter Holstein. Ersteres stets mit dem Beisaze: ohenzollern oder im Gnadental, oder bei Heohingen genannt; lezteres sieh Holnstein. 2) Zwischen Jangnau und Veringendorf. 39 Habsb. ü. 260. B. zieht iüi paemlos, nanas, wie in Titisee znr Erklärung mit .heran? Ein PN f. Tita bei Graff V 381. 3 Fronstetten, Pfrokstetten ^) Frunsteti 817. 842 WU I 122 (Nengart 303). FrunsteUen, Lib. Dec. 43. 45. Da nicht weit davon Stetten am Ealtenmarkt (Baden) *ligt, so könnte das FruiP- eine Unterscheidung von jenem eben so alten anzeigen. B. macht schon darauf aufmerksam, dass alle Fronstetten auf der Alb ligen. Zu vroDo, frono, fiscaUs re- gius publicus, wozu die mitteld. Fronhausen bei Marburg und bei Battenberg (Frdnenhüsen 1107, Fronhüsen 13. 14. sec), Vröne- hüsen bei Wildungen (Arnold 414) gehören, wird vorerst die ein- zige Zuflucht sein. An phruma^ pruma, prunum anznlenen, könnte, vergleichen wir Affelstetten, erlaubt sein. Graff 3, 648 fragt auch, ol) bei diesen Ortsnamen an frum (unser fromm) oder phruma ge- dacht werden dürfe ? Das adjectiv frum (Ablaut zu fram) in seiner frühen Bedeutung = primum, vorderst, zuerst heranzuziehen gäbe allerdings einen Sinn, aber es wäre ein Findling. Daoipf = /'alem. vielfach: Sumj^/bren = Süd/bren. 4 Henstetten^)« Rnhestotten ^) Honstetin 1270 MZ I No. 210. Zoll. Zt. 10, 54. Vergl. Hoenstetten (Baden, Engen). Es kann zu hd, hoch gehören: „ze den hohen stetten'' oder soll es HainMetten gelautet haben wie Hondingen Haindingen (Donanesch.) ? Lib. Dec. Vgl. Hennenstem unten s. v. Hunnenstein. — Buschriedt soll ehedem nach Schnell, Zoll. Zt. 8, 50 MtihesteUen geheissen haben. VII Die Ortsnamen auf -dorf *) Got. thaürp^ Bauland, Feld; althd. dorf^ thorf, thorph; die niederd. Sprachfamilien haben torp, ihorp^ dorp^ ihrop u. s. w. Zu Grunde ligt die Bedeutung einer Anzal Hänser, bewonter Nieder- lassung; lat. „tnrba'S griech. ^^tvQßri^\ die nach dem Lautverschie- bungsgeseze einen Haufen, Gedränge, Lärm bedeuten. Die da- von gebildeten ON sind ser zalreich und ser alt. Vrgl. ON 1264 ff. Das Bestimmungswort ist in unserem zollerischen Gebiete vorher- sehend ein Pers. N. Einige wie Oberndorf, Weildorf, f Hochdorf 1) Ob. A. Gammertingen. 2) Bei Bittelbronn. 8) Bei Sigmaringen. 4) „Ein besonders den mitteldeutschen Stämmen, Franken, Hessen, Düringen geläufiges Element der Namenbildung, das in Süddeutsch- land viel seltener begegnet." Arnold 372. 40 bilden die Aasname. „Weildorf'* ist schon oben behandelt ; „Hoch- dorf ^ bei Yeringen ist abgegangen, Hermannsdorf erst seit 1804; wir kennen Veringendorf nnd Veringenstadt, Sigmaringendorf wie Villingen und Villingendorf. Es bleiben also noch Eschendorf Höfendorf Liggersdorf Minderedorf Obemdorf 1 EsohondorfO Osterndorf 1183 Wü 2, 233. 1195. Schnell, in loco qui dicitur Ostemdorf 1219 Zoll. Zt. 8, 15. Ostimdarf 1239. Stalin 2, 49^. B. Wir haben hier die erweiterte Form y. 68t, die östan oder ostar lautet. Erstere einfache findet sich im zoll, abgeg. „Ostheim" (sieh Baldenstein) ; die erweiterte in „Ostrach*^ Die Bedeutung kann dem Leser nicht zweifelhaft sein. Mit Wasser, Wald, Wisen, Ortschaften zusammengesezt bezeichnen die 0, wie Westerwald, Westheim, Westerwise die Abendseite, die gegen Osten ligende Besizung. Es bedarf aber nicht immer einer ent- sprechenden Gegenbezeichnung. Da die Wasser „Ach^' in dieser Gegend sich um Rhein oder Donau streiten, wird eine „Osteraha*' leicht erklärlich sein. Sieh übrigens unten beim ON „Ostrach". Heute spricht das Volk Aisckadorf; sti seh wechseln schwäbisch und alemannisch gerne , besonders da wo jezt unverständlich ge- wordene Wörter gesprochen werden sollen. So schreibt der churer Prediger P. Arpagaus 17. sec. zwi^c^es st. zvfistes. vrgl. gei^c^lich, bö^cMich in meiner Alem. Sprache 133; die Nibel. Bruchstücke Wackernagels ebenso. Obwol die ON „Eschingen^^ nie „ai" in der Volkssprache aufweisen, so schrieb doch ein Geometer oder Schrei- ber Eschendorf als ob es an ,, Esche" anznlenen wäre. Der Um- laut von aoster^ wie es mundartlich statt ösier heist, ist aister^ wie in Aisterberg (Tübingen, Riedlingen); denselben bewirkte ein fol- gendes mIi^'S dfts wieder aus „ar^^ entstand. „Ze demo ostarun dorfe'' müste es althochd. heissen. 2 HOfendorf«) Hebindorf 1098 MZ I 1099. WU I 254. 315. Heuindorf 1101 I 328. H^endorf 1368 MH 603. 889. Haigerlocher Urkdd. 1392 Lichtschlag. Ze Hefendorf 1401 MZ I 464. 1468. Diöc. Arch. I 50. Es ligt eine alte Form Habindorf, Havindorf, Hebin- dorf zu Grunde ; der Pers. N. Habino, Habo, der aus Neugart be- 1) Bei Ostrach. Das geogr. stat. topogr. Lexicon v. Schwaben (1791, Ulm): „Eschendorf, ehmals Ostemdorf im Gebiet des Stifts Sal- mansweil» im Amt and Pfarrei Ostrach." 2) Ob. A. Haigerloch. 41 kannt ist, zeigt sich noch in Habinolf, Hebenok PN 573 ff. und in den Ortsnamen Hevingen (Höfingen bei Leonberg) 1279 Mone Zt. 3, 341. 1290. 2, 255. HeUnchova (Hefighofen bei Tettnang) Hebinchova (Hefenhofen, Constanz). Hebenshausen b. Witzenhansen (Hessen, Arnold 401), ^Habaningen ebend. Happenweiler, ebend. Die Schreibang „ö" st. „e" ist so falsch wie in Löffel, er^dtzen. Den Umlaut e scheint auch der uralte Name „Hefentar^ wie der südl. Teil von Strassberg heisst, zu haben ; denn wäre Hof darin verwendet, so hiesse es „Talhofen". Es ist übrigens nicht das einzige „He- fental^' in Hohenzolleift. Sieh unten Flurn. 8' Liggendorf') lAuterestoref 970 Wü I 411. Luigartzdorf Lib. Dec. 150. 152. Lügersdorf, Linzgauer Statuten 14. sec. Diöc. A. IT 195. Lüggerndorf ^ in den fürten 1460. Schnell. Luckersdorf, Zimmer. Kr. Ill 79. Leygersdorff^ Stockacher Capitelbericht 16. sec. Oberrh. Zt. 25, 203. Die Uiform muss Liutegeresdoff geheissen haben ; vrgl. „Luttegaringa'^ 886 (constanzisches Liggeringen) neben „Liute- gerihga'^ Dümge bad. Regesten 78. Ebenda „Liutegaringa". Urk. Otto's I. Später allg. Liggeringen. Zum üebergange von ig in gg sieh meine Alem. Sprache S. 127. Grimm, über einige Fälle der Attraktion (1857) Kl. Schriften IH 317 ff., wo lupper bei Nithart für liutp&ri; Dippurg, Druokint f. Dietburg, Trutkind stet. In Böhmer Cod. Francf. 224: 235 Walppode f. Waltpode. Gleiches in dem St. Gall. ÜB : Wurmmaringas, Muattram statt Wurmharingas, Muathram, u. s. w. Der Frauenname Liutgart, z. B. die bekannte L. v. Wittichen, wird Ln^^art, Lü^^i, LucJcli; das Gorheimer Annivers. 1350 hat: Ciaren und Lüggen la; Frip- ^^erg, Friedberg, Calend. Aulendorf. 15. sec. Lupprister, Lukkirch u. s. w. — Der Pers. N. Liudeger ist aus den Nibelungen be- kannt. 4 Wndersdorf^) Muneißesdorf als königliche Villa 883. Neug. 537. Vrgl. Muneihrdorf Si%, ON 1056. Munehresdorf9, sec. ebend. 1055 ff. Münersdorff^ Linzgauer Stat. Diöc. A. a. a. 0. Munersdorf Lib. Dec. 152. Mundersdorf 1460. Schnell. Allda die Eylismüle d. h. Eckartsmüle. Der alte Pers. N. Muniheri, wenn nicht Munderich (Arnold 405), scheint zu Grunde zu ligen, wozu auch die Stelle 9. sec. Munehrsdarf Diöc. A. III 407 rät. Laut Staigers Rei- chenau S. 107 wird Mindersdorf schon in den hl. Blut- und Kreuz- partikellegenden von dort genannt 9. sec. Ein Walthanus von 1) Ob. A. Sigmaringen. 2) Ob. A. Sigmaringen. 42 Eybnrg und g. Gattin Saanahilda kofnmen auf der EUise dahin. — Ein Mindersbach begegoet im Ob. A. Nagold a. 1295 „Munde- lersbach'' MH 155; ebenso 1313; ze Mondlerspach 1317. 5 OberndorfO Die Constanzer Urkunde v. 970 WU I 411 (Nachtrag) fürt auf: in locis Hoberendorf^ Hakelinbach, Pilolfingen, Liuterestoref. Die St. -Gallischen Obarindorf gehören hieher. lieber alem. h- Vorschläge sieh meine alem. Sprache 116. 117, wo ich Hegingas, Helingas, Hebingen, Hasnmwang und eine grosse Zal Appell, mit unorganischen h anfurte. Dazu kommt noch Heburinga (Ebringen) in Prisgavia Neug. GXX. ABirlinger , (Fortsezung folgt) Zur Wortforschung") X 1 Znr altdeutschen Eflchenspraehe. Bekanntlich spi- len in unsern mittelhochd. Gedichten die Krapfen eine Rolle, man erinnere sich z. B. nur des Parzival und Meier Helm- brecht. Ich habe darum die ausfürlichste „Erapfenschilderei*^ einem Drucke des 15. sec. Koehenmeisterey 8. 32 Bl. o. 0. und J. für die Alem. entnommen. Da das dem Ex. beigebundene „Si- bille Wissag Heidelberg zur Schleyerülen a. 1492 gedruckt v. Heynrico Enoblochzern^^ gleiche Lettern hat, so dürften wir Jar und Druckort bestimmen können. Der Kampf der neuhochdeutschen Laute mit den alten findet durchaus statt. Neben den alten I in bllbet, f^gen, wyss, w^nber^ viys (Weise), spissKn, stucklln, w^n, teigMn, muossUn, steyblln, negl^n, pfenl^, kommen vor weigsel (Weichsel), müslein, küchlein, scheiblet (rund), Eys we^ss n. s. w. Neben dem ü in bt^h (Bauch), \LYUt stet strauben, säur, haubt neben heupt; statt ^, ü: plti^en (bleuen pliuwan) u. s. w. s für neu- hochd. seh in ^malz, neben ^c^malz, ^chweiss. Die mitteld. mund- artlichen st. u und ü, uo sind noch allgemein: kochenmeisterei, schn(7ppen, ront^ anrdren, bldmen, dorre (dürr) birn. Das un- sichere Schreiben der alten Bildungen -iht, -eht, -aht, -et an Adj. breitlicht, längh'cht neben lenglet, kugelecht, scheiblet, zuckerat, rosat, löcheret u. s. w. a §13 Krapfen^). Von k. Item so du guot krapfen backen wilt von öpfeln vnd von birn, so acht, das sie vor wol und schon 1) Bei Wald. Oben S. 29 lis Änm. 8 Achberg st. Hohenfels. 2) Alem. V 286 ff. 8) Vgl. mein alem. Büchlein von guter Speise. Sitzungsber. der 43 gebraten seyn ; die tbu in einen morsser, schlacli ein ey oder zwey darein vnd wenig salz nnd warcz, das stoss gar wol und fiil es in die krapfen, — wiltu ander krapfen machen von eyem, so magsta wol peterling vnd meilant oder ander gute krenter hacken darein thun ynd mit eynem rohen ey verkneten, gewurczt, gesalzen vnd ein füllen. § 14 Item man mag krapfen füllen mit der füll als man gestürzt eyer fült vnd als man Öpfel fült und hüner. Aber eyn yede fleischfiäl oder fischfüll die muss vor recht vnd wol gesotten sein, ess seyen waltfogel oder milz, langen, lebern oder solich cleyn zasetz wol gehackt, den wol gestossen in eynen morsser, wie dan der zusatz ist von eyern, von birn, der kalbskopf vnd von eintrag peterlein vnd ander wolschm eckende krenter, der man ye ein wenig nympt zu einer füll nur von des geschmacks wegen oder man mag sein geraten zu cleyner füll, dan on das so man füll macht an gebraten haner vnd tauben oder waz von fleisch ist, do muss man die guten kreuter zu haben, auch wachholterber, enyss, kümmel vnd fenchel gestossen vnd mit der füll getemperiert mit rohen eyern schon vntereinander kneten und ein gefüllt vnd wol gebacken. § 1 5 Zu machen ein krapfen teick. Item send honig yn wein als vil du wilt und nym auch ein weyte schusseln und zwir den wein mit weissem mel als ein müsslein ; schlach ein eyrtottern, der rot sey in ein ander schüssel vnd auch ein wenig saffran; das zutreib wol mit dem gemachten honig wein vnd thu es in den gezwirten teik; temperir es auch wol vnd würf ye ein steublein mels darzu in die schusseln als lang biss du ein litigen teig ge- macht, dan so bereit ein sauber tuch vod zeuch den teig daruff mit einem welholz zu massen dünne vnd schneid die form gross oder dein als du die haben wilt nach yeder füll oder was teig man mit hefel oder byer oder hopfwasser macht; die muss man alle lassen uffgen und darnach aber einkneten mit läem wasser oder mit ^nem gesotten honigwein, da wyss dich nach zu richten. § 16 Item cleyn krapfen^ die man fült den herren mit fischlebem wolgestossen, mit wenig gutem gerieben leckuchen, so haben sie würz genug. Also fogellebern, hünerlebern, glich also wol gehackt vnd gestossen mit einem eyrtotter vnd gerieben leckuchen daran und füll sie ein. § 17 Item was yngereusch von fischen ist als rogen, darm und die fischhaubt, so man die beyn daruss thut ganz und gar vnd daz alles stosst mit eym eyertotter vnd fischbrü vor abge- macht vnd wenig leckuchen darunter gerieben, ist ein gut fisch- füll in die krapfen, also schön gebacken. k. b. Akademie, München, 4. Nov. 1866 S. 197 ff. 202. Ein Bach von guter Speise 1844. Stuttg. Litt. V. S. 20. 44 § 18 Item von hüner oder fogelmagen der kramatvogel ynd ander fogel, so mag man nemen die köpf, kregen, derm, fass and magen. daz back gar dein, stoss in einem morsser, send hart eyer, hack peterling oder andere gute kreuter, das tha alles in den morsser, stoss es wol und würcz es abe und salz es; tbu e^ in ein schusseln, knyt ein rohes ey daran nnd die krapfen mit und alles warm fürgetragen. Also mag man kalbshim bereiten und ein füllen vor wol gesoten. § 19 Wiltu krapfen backen von überbeliben hünern oder wiltbret gebraten oder gesoten, so es nur nit schmeckt; daz hack dein und schlach eyer in ein schusseln und gehackten peterling; würf das gehak darein, würz und salz es ab; temperier es wol, daz es nit zu dünne sey mit gesotem honigweyn vnd leckuchen darein gerieben, so helt es sich bey einander und let sich einfüllen, die krapfen sein schier gebacken, daz sichstu an der brunen wol, so du sie ussnimpst. merk auch, daz man alle krapfen mit zucker mag besehen, so man die erbern lüten fürtreit. So ist es selten ein krapft so man ein wenig welscher weinbeer darein hackt on peterling und on kraut, sie weren dester besser. Also hastu den teik vnd krapfen füll, ob du die mass recht kanst treffen, so bistu ein guter koch, d iij b flF. b Bieber schwänz , stm. cauda fibri: in dem ersten teil lernet es wie man fastenspeisen bereiten sol von mancherley fischen und auch hieber schwenzen etc. zu sieden, braten, gebacken u. s. w. Vorrede. Item bieberschwenz vnd der fisch wie sie genannt syntt gut gebraten vnd yngber darauff gestrewet warm fürgetragen. Aber wiltu die sieden, so ist gut ein pfefiferlein darüber gemacht oder ein zyßenleyn mit leck&chen abgesezt, darauf pfeffer wolgestossen gestrawet. b j a. item fisch und krebs und bieberschwenz sein vil besser gesotten mit gutem wein, dan mit wasser oder byer oder eytel essig. e iiij b. Im 16. sec. verschwinden sie von vornemen Tischen. e Schnabel: item ein fremd gebackes heisst Schnabel, diija. Nym weiss brot, schneid die rinden davon; daruss mach dünne schnitten, die leg uff ein bret, schneid die rinden als teller, nym öpfiel, die schneid zu halben fierteiln vnd röst sie, darnach hack sie dein, salz und würz sie was würz du hast oder yngber, vermisch mit safi^an, hack, daz durch ein schlach wol geklopft eyer darein, dazu knyt durch ein. So die füll hast bereit, so streich sie uf ein schnyden und deck ein ander darüber, daz die unter schnyte gar nahe zu der obern reiche, d iij a. d Holbraten m : item wiltu ein holbraten oder genant einen rechbraten in der fasten machen, a j a u. oft. Nym feygen, wynber, erwelle sie in gutem wein, hack sie klein, sehe mel daryn, vermisch es wol, mach es ab mit salz und mit würzen; netz die hende in einem teigwasser, schlag die feigen vmb einen spiss als ein hölbraten mit nassen henden vnd truck in 45 wol an, lege yen zu dem feaer. So er nun gebraten ist, so schneid in nach der leng anff an beiden Seiten am spiss, mach hübsche Stack daranss und bestecke sie mit mandelkem, vergalt oder geferbt vnd gib es dar. Da magst zacker daru£f sehen oder frisch yngwer. Den braten begeasst man anch mit milch schmalz. Item ein hoWräten mach von kalbfleisch. c iiij a. item fisch- braten mach gleicherweyss nahent als den holbraten, c iiij b. schlag das amb den spiess als den holbrcUen. a. a. 0. e LappenkfleUein: item ein ander weise heist lappen- hüchelein on peterling ynd« wein vor geseyt. mach ein starken teik mit eyem vnd wen das dritteil milch, zeuch in vff eyn bret and zeach in mit einem weiholz vss weissem mel nit za dün oder za dick in die lenge and schmal, mach läppen dartiss, an den orten schon gezyndelt oder vom als die eychenbleter oder lyndenbleter was form da wilt. wilta braan so lass wol backen oder gel, so mach den teik mit saffran zatrieben in wein oder milch graon von peterling safiEt oder was graon ferb blae von kornblomen. die leppischen küchlein synt gat vss allen salssen za essen für ein gäbratens etc. c j a. aas demselben leppiscfien teig mag man er- haben kächelein machen, e j a. Item ein fleischtarten mach den teig als vor oder als den leppischen teige. e ij a. f Enöflein, knSpflein: lungenkAchlein, holbraten, knöpflein oder knödlein von fleisch a. s. w. Vorrede des Bachs. Nym kalbfleisch oder wiltpret oder ander fleisch, dz da bre- tig sey als da man knöpflin asmacht, solch fleisch daz neulich ge- schlagen etc. c ij a. and wie man di^ Jcnöpflein macht also mach das auch wol bescheidene küchlein, c üj b. item weir gät knöpflin von fleisch wil machen etc. c iiij a. g ErOSSeyer: item wiltu krosseyer machen, nym eyer, brich sie an der spitzen hübscblich uf, thu würcz und salz darein, rar es mit einem hölczlein gar wol unter ein, doch so wer zymetblüd die allerbest würz darein oder wol gestossen zimetrinden oder muscatblüed. solch zymlich würcz and ander sol man nemen zu dissen eyem und mach das löchleyn oben mit einer clar zfi vnd Sturz darunter. Also magstu sie braten yn einem schmalz oder in heisser eschen, daz sie kein anrüre. d j b. ll Abmäelieil, bereiten : hotzeln die recht schön abgemacht a iüjb. mach es abe mit gäten warczen b j b. Syed junge . huener — mach die ab mit enwenig speklyn and salz, b iij a. mach es mit würzen und saffran ab. b iij a. mach ein pfefferlin schön abgemacht, c j a. mach die brü mit safran ab. c j a. abgemacht mit hoflichen siten. ciiij b. mach es mit schwarzen warczen cib. ciiijb. mit eym eyer totter und fischbrü vor abge- macht, d iiij b. ist es vor nit eibgemacht mit wurczen und mit salz, so mach es dann ab. a iij b. brotpfeffer — ruckenbrot darin ge- rert — abgemacht mit salz and lauter yngber nur mit wein und mit essig. b j a. AB 46 ' 2 Der Leib heisst Falk. In der sonst so trefflichen J^ub- gäbe Freidanka (mit kritisch-exegetischen Anmerkungen. Berlin 1877) von Frane Sandvofi ist eine wunderliche Emendation vor- ' geschlagen. Wie in Freidanks Spruch 31, 13: der werlt ist niht m^re, wan Ifp gnot und ^re statt lip man lesen soll liep, so wird der alte Spruch Der Leib heisst Falk umgeändert in: der lib (d. i. lieh) heizet valck, denn ,der Falk ist ein Symbol des 6eliebten\ Es genügt gegen diese Verböserung des Spruchs auf die Deberlieferung zurückzugen. Proyerbia commun. (kölnisch) N. 714: Datz iijff heyscht valck Uulgns sie fatur quod corpus valco vocatur. Tunnicius 1010: Dat lyb h«t falke, Qui semel extinctus, praesens sihi vita negatur. Seb. Franck Sprichw. I 17h: Das lehen ist lieh ^), Der leih ists haupt gfit (I 159). II 1 : die weit helt den leih für das haupt g&t. Und so erklärt es auch ausdrücklich Geiler von Eaisersherg in Ädelphi Margarita facetiarum 1508. Scommata N. 34. In eos qui dicere solent: Der lyh ist das haupt gut. luxta illud Ouidij: Vt corpus redimas fer. pa. et ig. Falsum est prouerhium ' hoc et diabolicum : siquidem Anima non corpus est capitale Christo teste: Nolite timere eos qui oc, corpus etc. Item quid proderit homini si uniuersum etc. Anime vero sue etc. non dicit corporis sui. Porro dominus ad Sathan. Omnia sint in potestate tua: animam autem eins serua. Item da mihi animas : cetera tolle tibi: neque Ouidius contradicit: Siqui- dem solum addo, ut animam redimas corpus interire et pati fer- rum et ignem patiaris. Dass der Sinn des Spruchs ist: corpus vivum in honore mortnum in dedecore, erhellt klar aus demselben Geüer (citiert bei Eiselein S. 159): So lang der Falke lebt, tragt man ihn uf Händen, und die Henn gat uf dep Mist; so aber der Falke tot ist, kommt er uf den Mist, und die Henn uf den Tisch'). FWeinkauff 1) So fangt Christoph Schorers aus Memmingen Buch an — „Bedenke wie man sich nächst göttlicher Hülff yor dem Schlag oder Gewalt Gottes versehen und bewahren solle u. s. w.'^ Ulm 1662. kl. 8. hei Balthesar Kühnen. 8. 1. 2. Auflage, 2) Vrgl. Alemannia HI 129. 130 wo ausfürliche Nachweise zu lesen sind. Hu n bei Eiselein ist in Henn zu bessern. AB 47 3 RunpAlscheid, Scheit- und Spottname fftr eine Fraa: „Aber wenn bemacher von dem alten Sey-Lustig keine Oelzweiglein folgen wollen, so siebet der jonge Scbnantzhahn scbeel, wird dem Bumpelscheid feind und liesse die Alte dem Tode gerne abfolgen, hätte sie gleich güldene Schuh/* Rottmann, Rituale Nuptientium oder Beschreibung der Hoch- zeitgebräuche u. 8. w. 1715. 232 ff. 4 Eckern-Dauss aus dem altem deutschen Kartenspiel, feit in dieser Compos. im DW. ,,Sitzt da der Alte nicht gleich wie das Eckern-Dauss? Was Belial, bin ich ein matter Ehe-Liebster? Das Lortschen leid ich . nicht, so unterm Tisch geschiht : Bin ich so gar labeth?^*' Rottmann 250. Yrgl. übrigens •DW II 853 (Dauss ahd. dOs, die Zal 2), III 24 (schellendaus und ekerober). 5 L&tzerBeltz. In Fischarts erster Ausgabe „DerFlöhhaz (1573) ed. Wendeler, Halle 1877", V. 400 heisst es: Schaw einer zfi wie 's Glück sich weltzt Ein alt Weib helt ein UUzen BbUb Am Grompelmarkt, nach jrem prauch u. s. w. Ich vergleiche dazu Seh. Bürsters Schwedischen Krieg (Alem. III 267) S. 288: einen buzenman so in einem leeen hüe und schellen hemmblauffende etc. Ein Wortspil mit „Pelz'' und alten Weibern, ebend; S. 16. Wir haben jedenfalls an eine Vermum- mung oder gar an Hexerei zu denken. Vgl. den Augsburger HexenpeU in m. Wb. 229 ff. Den Kampf der Neuzeit mit der altern, oder vielmer des Neuhochd. mit dem Volkstümlichen ersiebt man aus Weihen : tri- ben35. Hünerhauss: vertruss 53 neben Hünerhauss: au8sl35. auff: schlaff 549. hin: sein 559. hin: schweio 599. freunden: binden 755. geschwachen 225 ist sonst = geschwinden, übel werden. V. 882 schlage ich Schrägen st. Taller vor; es ist das Ge- stell für Marktgegenstände. Wie der Deminutiv -plur. thücMach 567 dahineinkömmt, ist mir unklar, sonst haben in nur augsb. Denk- mäler; warscheinlich fränk. -lieh? zu häublen 1282 vrgl. Alem. I 103. 6 Kerze. In unsem Wörterbüchern feit das Wort Kerze als ärztliches Instrument, bougie. Im vorigen Jarhd. noch üblicher Fachausdruck. A. 1796 erschien in Giessen Job. Friedr. Theoph. Haegers Geschichte der Kerzen und ihres Gebrauchs in der Wund- arzneikunde. Uebersezung der Cereolorum historia. Man unter- schied Scharps Kerzen^ Falcks Kerzen u. s. w. J. F. Henkels An- leitung zum Chirurg. Verbände ed. Dieffenbach Wien 1880 ge- braucht den deutschen Namen neben bougies ebenfalls. S. 266 ff. 7 Krötcnstein im DW s. v. dazu sei bemerkt, dass der ver- meintlich im Kopfe oder auf der Kröte überhaupt gewachsene kostbare zu allerlei Zauberei gebrauchte, gesuchte Stein in einem Abkurungs-Inventar a. 1553 von Kreuztal vorkömmt. Neben zwei güldenen Ringlen, einem Klainetle am Halse, einem Jägerhömle 48 erscbeint auch ein eingefasster Krottenstein, Krotte = Eröte, alem. schwäb. Es ist aber aucb Tcrote eine Krankheit Alem. V 149 ; denn der Stein soll dagegen sein. In Mercks (Ulm) Castellum kommt er zweimal vor 777b = Batracbites, 979 = Chelonitis, f. In Forer-Gesner's tierbeb. 1563 BL 169b: Den Krottenstein halt man gmeinlich dafür, dass er wachse und gefunden werde in dem köpf einer Erotten, ist doch ein betrug und falsch. Dann von wegen seiner färb vnd gestalt, auch kn^, wider alle gift ange- strichen , hat er seinen nammen ; ist seiner art ein edelgestein, gantz hart und schöner krefften nit allein wider das gift, sondern auch für etliche kranckheiten. AB Mundus vult decipi Für diesen bekannten Spruch ist die erste gedruckte Quelle noch nicht nachgewiesen. Büchmann, Geflügelte Worte, citiert nach Dr. Garms in Soest eine Stelle aus Paracelsus: die Welt wil betrogen sein: darumb muss die Arznei mit solchen Buben besetzt wer- den, von denen die Welt betrogen werde. Wand er, Sprich w.-Lex., bringt eine Stelle bei aus Fisch- art: ,Kurtzau8 Mundus vult decipi, ergo sey bschiss jr Recipe^, und aus Zincgref (1591 — 1635) von Heidelberg, 1626 Land- schreiber zu Creuznach oder vielmer dem Fortsezer Job. Leonh. Weidner (aus Ottersheim in der Pfalz, Rector in Heidelberg) Amsterd. 1653 IV 231: ,Als der Cardinal Caraffa, der päpst- liche Gesandte in Frankreich einzog vnd das Volck hefiftig zulief vnd vor ihm niederfiel, sprach er oft lachend : ^Die weil das Yolck betrogen seyn wil, so sey es betrogen.^ J. B. Schuppius (1610 — 1661) kennt das Sprichwort gleich- falls. Bei im heisst es in dem Tractat ,von der Einbildung oder vorgefassten eingebildeten Meinungen der Menschen^: , Warum? Darum: Mundus vult decipi opinionibus; die Welt wil betrogen sein, der Holländer aber, die Werlet wil beloft sin^ Diese gewissenlose Nuzanwendung ,ergo decipiatur* hat schon früher ein Mönch gemacht, wie Seb. Franck erzält, der für Zinkgref und Weidner vielfach Quelle war. Durch Francks Schrif- ten ht der Spruch besonders verbreitet worden. £r findet sich schon in den Paradoxa 1534 N. 236 (247): Mundus vult decipi. Die Welt wil betrogen sein. Mundus regitur opinionibus. Die Welt würt mit eittel Wahn regiert. Wer hat alle stifi^ vnd cldster bawen? Wer hat sie mit so reichlicher prouision versehen? Falscher wahn der gaistlichait. Die weit wil betrogen vnd belogen sein, vnd nur mit wahn grifft 49 ynd regiert werden, wie jhener H 6 n c h sagt, vod fAr sein Thema h&tt, MuDdufi Yult decipiy Dammb bin ich hie, dem man zu lohn alle s&ck vol stiess. Sprichwörter II 28a: Vnd erfindt sich leyder diss vn- ser vorfaren Sprichwörter, das heylig Eaangelium sein: Mundus vult decipi. Die weit wil betrogen sein. Mandns regitur opinionibas. Herr iederman regiert der wohn, Lug vnd trag, ist der weit wag vnd pflfig. Darnach beurteilt Franck auch die um Dogma, ^ Liturgie und Ceremonien sich verkezernden und den Kern und Geist des Christen- tums vergessenden Kirchengesellschaften, CJbrönik 1531 Bl. 464a: Darumbist der thorechten weit glaub, die man ymmer zu an beivcken m&ss leeren gehen, vnd wie einem kinde regel für- ETDhreiben, was es zu einer yeden zeit sol vnd mfiss thän, nymmer der christlich frey gla u b, sunder ein lautter orden, Bapstumb, Judenthumb, gsatz, alt Testament, Vnd in summa knechtschaffb vnd nit kindschaft — — . Aber man machs wie man wöU, so mfiss die weit ein Bapstumb haben, dann sye weisst sunst nit wa auss, oder was sye th&n soll. FWeinkauff Sebastian Franck von Donauwerd Nachlese zu Bd. Y S. 136 A. Horawitz, Caspar Bruschius. Prag und Wien 1874. S. 36 fg. (Verhältnis zum ,Verleger* Franck). S. 150 (Melanch- thon's Studentenwitz über Franck*s Geschichtswerke). F. Weinkauff in der «Deutschen Biographie\ Bd. 7. Leip- zig 1878. H. Merz in Herzog's Real-£ncyclopädie, neue und umgear- beitete Auflage. Der Name Franck. SchluBS Ein Dichter, Herm. Franck der Binder, wird von Weller im Repertorium No. 580 erwänt, mit Verweisung auf Wackemagers Kirchenlied 1841 No. 54, wo nichts davon stet. Das ist ein schonn lied von der weit lauff, vnd dem schweren, vnd von denen die gott lesteren. Infi schilerß thon. o. 0. u. J. (c. 1510, nach Weiler Annal II 342 c. 1530). Es beginnt: Wenn ich ann sich der weite lauff Das alle snnd so gar haut kein straff, Yn jungen vnd in alten. Vgl. Gödeke, Grundr. S. 234. BirUnger, Alemaimia VI 1 4 M Ein seitgenösBischer Gelerter ist Magister Fabian Franek, der erste deutsche Orthograph, über den Frans Weber in der Zeltschrift für Geschichte und Altertbnm Schlesiens (Breslau 186B) gehandelt hat. Der Aufsaß ist auch in besonderem Abdruck erschienen. Teutscher Sprach Art ynd Eygenschafft. Orthographia, Ge- racht Buchstäbig Teutsch zuschreiben. New Gantalei, iete bräu- chiger, gerechter Practick. Formliche Missiuen vnd Schrififten, an iede Personen rechtmessig zustellen, auffs kürtzat begriffen. M. Fa* bian Frangk. Franckfurt am Meyn, Chr. Egenolph ^) 1531. 4^. Eine neue Ausgabe des Büchleins zeigte 1872 Fidelis Butsch Sohn in Augsburg an, Catalog LXXXV No. 575: F. Franek» ain Cantzley vnd Titelbüchlein darinnen gelernt wird wie man Sendbriefe formlich schreiben, Orthographia Teutsch lernet etc. Augsp. H. Steyner 1532. 12<^. Von dem Convertiten M. Caspar Franek von Ortrandt in Meissen (1543 — 84) ,gewesnen Ho£^rediger in der Grafschafßt Hag' (in Baiem) erschien eine Rechtfertigung seiner Gonversion zur 1) Christian Egenolph ausHadamar am Westerwald war, abge- sehen von der knrzen Wirksamkeit des Beatus Mumer 1509 — 12, der ersteBuchdrucker Frankfurts. Falkenstein, Gesch. der Bachdracker- kunst S. 203 meldet von Egeuolph, er sei 1513 nach Frankfurt gekom- men ; weil die Inschrift auf dem Eckstein seines Hauses am Eommarkt angebe (?): Ab invecta huic arbi a se primo Typogfraphia a® XIII, Domum hanc Christianus Egenolphus Hadamarien. extrui F. a® Dni MDLXIII. Das Jar XUI beziet sich auf E's Aufenthalt in Frankfurt und statt MDLXin muss entschieden gelesen werden MDXLIIL Im Jare 1530 ist er von Strassburg übergesiedelt, wie sich aus Lersner's Frank- furter Chronik 1. Buch 2. Cap. 39 ergibt, denn das Epitaphium, das auf seinem Leichenstein auf St. Peters Kirchhof gestanden, lautete: Hie jaceo Egnolphus Christi de nomine dictus Hacqne Chalcographus primns in Urbe fui. Obii[t] Christianus Egnolphus Hadamarius Anno Dm. 1555 aeta- tis suae 58, ab invecta vero a se primo in hanc Urbem l^ographia Anno 25. Civis defuncti Memoriae aet. Margreta Uxor Et Liberi Superstites M. P. C. — . Frankfurt, das ,Kaufhaus der Deutschen' (Franck's Germ. 369a : da ist die gross mess Teutscher nation ; Chron. 20 : das edel gewerbhauss, ' darin Teutsch vnd welsch kauffleut zwey mal im jar zusammen kummen von allen landen; der Meyn scheydet hohe vnd nidere Teütschen) war lange Zeit auch der Hauptmessplaz des Buchhandels ; die Fastenmess begann 24 Tage vor Ostern nnd dauerte 20 Tage; die Herbstmesse am 8. Sept. and dauerte 15 Tage; d&e erste Messkatalog erschien daselbst 1564, der lezte 1749; die erste eigentliche Zeitung erschien daselbst 1615, die Ober -Postamts -Zeitung, vergl. 6. Schwetschke, ausgewählte Schriften 1866 II 123 fg. (S. 102 fg. Leip- zig Hauptbüchermarkt, ein Verdienst der Jesuiten) und Codex nundi- narius Germaniae literatae bisecularis. Mess-Jahrböcher des deutschen Buchhafidels vom Erscheinen des ersten Mess-Eataloges bis zur Grün- dung des ersten Buchhändler -Verdns, 1564—1764. fol. 1850. 51 römiBclMn Kirche, lagolstatt 1668, ein (nach S. Franok gearbei- teter) Catalogos haereticorom etc. lUneft Friedrich Franck von Nördlingen verzeichnet H. Crasias ia seiner schwäbischen Chronik als eingeschrieben bei der Tübinger Universität 1577. Ale Buchdrucker lebte in Rom, am Ende des 16. Jarhun- derts Encharitis Silber alias Franck, der 1491 Senoca de qua- tnor virtntibus, Plinins de viris illostribus n. A. druckte; vergl. Schweiger's Bibliographie und Haines Repertorium. Viele Volks- lieder druckte um 1550 «Matheus' Franck in Augsburg. In Basel druckte 1567 Bartholomäus Franck, warscheinlich ein Son ansers Sebastian. (Ich verdanke diese Nachricht dem gelerten Rector Dr. Jacob Franck in Edenkoben, Bayrische Rhein-Pfalz.) Hundert Jare später begegnet uns ein Sab. Franck als ßyifknasialinspector in Schleusingen. Von im: MeduUa angelica. Schleusingen 1638. Rosarium Animae d. i. Neues Davidisches Rosengärtlein einer andächtigen Gott -liebenden Seel.' Coburg 1653. Nach Weller Aanal. 2, 101. Andere Männer des Namens ,Franck' in der Allgemeinen Deutschen Biographie, herausgegeben von Freih. v. Lilien- croB und Prof. Wegeier, Bd. 7. II Abschnitt. Der Lateinschüler Die Schulen in Werd, Nördlingen, Augsburg Auf die Frage : Welche Schulen hat Franck in seiner Jugend besucht? lässt sich leider nur mit Vermutungen antworten. Nimmt man nun auch als das Warscheinlichste an, dass er in seiner Vater- stadt den ersten Unterricht empfangen, so feien uns wieder ge- nauere Nachrichten über die in Werd vorhandenen Leranstalten. Eönigsdorfer will I 79 etc. aus urkundlichen Angaben schliessen, dass schon im Jare 1227 eine öffentliche Lateinschule im Beaedictinerkloster zum Heil. Kreuz bestanden. Es heisst nemlich in einem Werder Kaufbrief (vergl. Steichele) aus dem Jare 1227, dass der Käufer ,und alle seine Erben alle Jare sollen geben zu einem rechten Zins an dem h. Tag zu Ostern, zu Pfingsten und zu Weihnachten dem Abte ein Viertel Weins, jedem Mönche, der Priester oder Diakon ist, ein Maass, jedem Schüler, der Mönch ist, und auch jedem Laienbruder eine halbe Maass besten Neckarweins, der zu Werd öfifentlich feil ist'. Der Ausdruck ,jedem Schüler der Mönch ist^ beweist keines- wegs was Königsdorfer glaubt, die Unterscheidung von andern hier Latein lernenden Schülern, die keine Mönche waren; er erinnert uni au die hier vorhanden gewesenen yTogaten^ d. i. im Kloster 82 dtudierende Chorknaben, die zwar mit dem Ordenskleide ttnd einer angemessenen Pfründe begabt, aber durch keine Profession gebun- den, noch immer die Freiheit hatten, sich jedem beliebigen Stande zu widmen. Auch ans der Stiftung des Stadt -Ammanns Sibotto um 1330, wornach am Sterbetag des Stifters dieSehüler so ^Pfrün- 'den und Kappen (caputia) anhabenS einen Semmel erhalten sollen, lässt sich nur auf die erwänten ,Togaten^ oder auf ,N o v i z e n* von Heilig-Ereuz schliessen. Nach Steichele S. 826 stet durch urkundliche Erwänungen fest, dass Werd schon im 13. Jarhundert eine Schule und einen Schulmeister hatte. So erscheint vom 18. Juni 1275 bis zum 29. April 1294 wiederholt in Urkunden Reinhardus rector sco- larium und doctor Scolari um in Werde (Urkk. in München, s. Mon. Boic. 33a, 171. R. B. 4, 561), Hainricus de Pvl, doctor scolarium in Werde, in Urkunden vom 12. März 1307 'und als ,Hainrich von Powl, schvlmaister ze Werde' am 16. Okt. 1318 (Urkk. der Stadt, in Donauwerd, und von Heilig-Ereuz, in Waller- stein). Der Schulmeister hatte (nach Steichele) bis in das 16. Jar- hundert mit einem Cantor und mit seinen Schülern die Pfarrkirche alle Sonn- und Werktage nach altem Herkommen zu versehen. Wir hätten demnach eine Pf arr schule oder Stadtschule an- zunemen, wie sie für die Bedürfnisse eines kleinen Städtchens wol hinreichte. Hatte es doch selbst in den ersten sechs Jaren des 17. Jarhunderts nur 900 und einige Bürger (vergl. Wolf, Gesch. Max. des Erst. Bd. 2, S. 346, Anm. * Urkunde). Die Schüler lernten in solcher Schule ausser der Uebung im Lesen und Schrei- ben der Muttersprache und der Abfassung deutscher Briefe unter Anleitung des , Schulmeisters* auch ,durch den Cantor' soviel Mu- sik und Kenntnis des lateinischen ABC, dass sie bei den vielen gottesdienstlichen Verrichtungen und Begehungen, an welchen in der Regel die ganze Schule Teil zu nemen hatte, die Kirchenlieder singen konnten. Der Religionsunterricht bestand in dem Einprägen des Vaterunsers, des apostolischen Glaubensbekenntnisses und des englischen Grusses. Mag unser Sebastian in dem reichen Kloster zum Heil. Kreuz nicht blos einen Namensvetter, sondern einen wirklichen Verwandten besessen haben (vergl. Alem. Bd. V S. 146); eine öffentliche La- teinschule kann im Anfang des 16. Jarhunderts nicht bestanden haben. Die Werder Benedictiner trieben keine humanistischen Studien, sonst wüssten wir Namen ven Gelerten, wie sie vom Benedictinerkloster in Augsburg vorhanden sind. Königsdorfer würde diesen Rum des Klosters nicht verschwiegen haben, wenn dazu irgend ein urkundlicher oder litterarischer Anhalt vorgelegen. ,Wer die Güter dieser Welt besizt, dem ist das Höhere Trug und Wan*: und nun gar Unterricht um Gottes oder der Menschheit willen! Das Kloster mit seinem Grundbesiz und Einkommen war kein Asyl und keine Arena für Studien, sondern eine grossariige 53 Wirtschaftseinrichtung. Wie reich dasselbe scbon frühzeitig war, zeigt nns ein aus dem 18. Jarhnndert stammendes Hebe-Register ^). Zu den Mangoldischen Stiftungen — die alten Herren der Burg zn Werd, des Manegoldsteins,' war endie Gründer des Klosters — waren im Laufe der Zeit manche andere hinzugekommen, so dass dem Kloster viele Höfe, Hofstätten und Maierhöfe, Sdlden, Lehen, Fisch wasser, Viehweiden, Waldungen, Wiesmaden, Aecker, Küchen-, Obst- und Weingärten weit und breit in der Umgegend gehörten und mancherlei Oefölle, Renten und Gülten, Grund-, Haus- nnd Bodenzinsen in und bei Werd nicht bloss ein hübsches Jares- einkommen sicherten, sondern auch (schon seit 1236) auf gewisse Festtage (anniversaria) besondere Pietanzen (consolationes) von Wein, Brod und Speisen geboten werden konnten. Die Frömmigkeit der Gläubigen hatte diesen Reichtum begründet durch die vielen stattlichen , Sedgeräte' ^) d. h. durch Schenkungen, Vermächtnisse und Stiftungen für Seelmessen, Jartage und dergl., sie erhielt und merte in auch durch reichliche Almosen und Opfer, die den beiden wundertätigen Reliquien, dem Partikel des h. Kreuzes und dem h. Dorn der Krone Christi dargebracht wurden. Auch, bei den vielen Festtagen, durch eifrigen Ankauf der grossen sogenannten ,Kreuzkäse'^), deren das Kloster auf seinen 7 Maierhöfen oder Schwaigen ^), mit 7 verschiedenen eingedrückten Kreuzeszeichen, wol über 2000 Stück alljärlich fabrizierte, gegen jede Goncurrenz und Nachamung geschözt durch die Privilegien der Kaiser und der Baiernherzöge. KöBigsdorfer klagt, dass seit 1346 dem Kloster nichts mer von Edlen noch Niedem geschenkt worden sei. Es hatte es in der Tat nicht nötig. Unter dem Abt Bartholomäus 1486—1517 waren nicht bloss reichlich Mittel vorhanden Kirche und Kloster künstlerisch auszuschmücken^) und einen Schaz gedruckter Bücher 1) Diesen rotalus redituum hat Steicbele veröffentlicht im Archiv f. Gesch. des Bisth. Augsburg 1859 2, 416 — 32, summarisch in desselben Bisth. Augsb. S. 842—43. 2) legatum ad pias causas, pi*o remedio animae, vorgl. Schmelier- Frommann. In Deutschland waren die Seelgeräte wie alle Kirchengüter steuerfrei und so die Steuerlast auf die Bürger abgewälzt. In den Schweizer ürkantonen zwang man die Klöster zur Steuer, troz aller Frömmigkeit siegte der wirtschaftliche Sinn des Volkes (,Keia Geld, kein Schweizer*). Vergl. Kppp's Urkunden. 3) Birlinger, Augsb. Wb. 292b ff. 4) Schwaig, vaccaria = Viehhof in gras- und waldreicher Um- gebung, an Bergen gelegen, unter einem villicus, Meier. Daher soll das Wort Schwager ursprünglich Schwaiger, =: Postillion stammen. 5) Ueber den Zustand der alten Klosterkirche belert uns eine Reclame in der Kölner Volkszeitung No. 51 vom 21. Februar 1878 (Pius IX war eben gestorben am 7. Februar): , Donauwörth, den 14. Februar 1878. Ein Denkmal für Pius IX. Ein hier zusammengesetztes Gomite zur Restaurirung der 54 anznschaffen, es war bei seinem Tode eine Barschaft von über 12000 Gulden vorhanden. Dass solche reiche Mönche über den haushälterischen Sinn des Abtes murrten und guten, gesunden Trunk und reichliche Bewirtung verlangten, auch vom Papst die Erlaubnis an einigen Tagen Fleisch essen zu dürfen sich erwirk- ten, wird wol überliefert, aber nichts von iren Studien oder gar einer Lateinschule. Franck spottet in 'seiner Chronik über dem Benediotiner-Orden Bl. 466ay welchem Benedictus ,den brauch des weins der zä vil, Sünden raitzet abschlug vnd in der regel verbott, aber yets haben sein ordensleut mit seiner regel dispensiert, dann die v&ttw moch- ten des weins nit geradten, vnd betten nyemant mer m&gen in den orden überkuromen, also wer S. Benedicten erb erbloß/ Der Zweifel, ob Franck eine lateinische Schule besucht habe stammt aus den Spöttereien Schelhom^s, Adelungs und K. am Ende*s, die in Franck's Schriften eine auffallende Unkenntnis der Wallfahrtskirche Heilig -Kreuz in Donauwörth wendet sich in einem Aufruf au alle Freunde des Kreuzes, der uns der Beachtung aller Ka- tholiken werth erscheint. Es wird nämlich der Vorschlag gemacht, jene schon vom Untergange bedrohte Kirche und achthunderljährige Wall- fahrt durch milde Beiträge zu erhalten und würdig zu restanriren; und zwar zur Ehre des heiligen Kreuzes und insbesondere zur Sühne der demselben in unserer Zeit häufig zugefügten Beleidigungen. Und das soll geschehen zum Andenken an Plus IX. und soll auf diese Weise ein Denkmal für Pius, das , Kreuz vom Kreuze' werden. Näheres theilt der Director des Cassianeums (Chr. L. Auer) gern mit*. Seb. Frauck weiss noch nichts von des Malachias (Freund des h. Bernhard) ^Prophezeiungen künftiger Päpste* (darnach war Pius als Crux de cruce, der jezige als Lumen in coelo ang^edeutet), weil diese Partie der im 17. Jarhund. besonders beliebten Devisen-Spielerei noch nicht erfunden war. Zuerst wurden sie vom Benedictiner A. Wion in seinem Lignum vitae Venedig 1595 herausgegeben. In des Benedictiners O. Schre- ger, Studiosus jovialis Augsb. 1773 sten diese »Symbola prophetica* S. 179 — 194. Der Jesuit Cl. Fr. Menestrier (Les prophet. de S. Malachie Par. 1689. 4.) erwies sie als einen in die Classe der bei den Papstwalen ge- wönlichen Quodlibets und Pasquinaden gehörenden Betrug. Vergl. Pierre Le Brun (1661 — 1729 Oratorianer), Histoire critique des prsr tiques superstitieuses , Ronen 1702, vermert Amsterd. 1783, auch ital. Mantua, 1745 con licenza de' superiori: FV 22 — 38 Confutazione delle Profezie di San Malachia sopra i Papi. Mabillon hielt den ersten Herausgeber auch für den Verfasser. Die Unechtheit ist neuer- dings 1857 glänzend nachgewiesen von G. Weingarten, vergl. die Lit. in Hase's Kirchengeschichte 10. Ausg. 1877 S. 479. Nach der Köln. Volksztg. No. 52 hat Cardinal de Angelis, der Busenfreund Pius' IX., 1861 die Aeusserung getan: ,Ich glaube nicht an diese Dinge, der Papst auch nicht*; in No. 66 wird auf das 1872 erschienene Werkchen von P. van der Moore: La faussete de soi-disant propheties d'Orval, de Saint Malachie et de Blois verwiesen und erklärt: ,Die Mehnal dieser ,zukunftverkündenden Aussprüche' ist lächerlich, und die Deutung eine durchaus geschraubte'. * I 55 Uteiniscben ^raehe entdeckt zu haben glaubten, und aus den Zugeständnissen Wald's, Erbkam's und Bischofs, seine Jugend- bildung sei eine dürftige gewesen, wobei Bischof in seiner trefflichen mit Liebe und Begeisterung geschriebenen Schrift gerade umsonier die naturwüchsige Entwicklung des genialen Geistes betont. Mit Becht haben dagegen Dethloff, A. Hase und Feldner aus Franck'a vielseitiger und staunenswerten Belesenheit auf eine keineswegs dürftige und yemachlässigte Jugendbildung geschlossen und jüngst hat Latendorf die Verdächtigungen und Vorwürfe gründlich zurück- gewiesen. Es muss ,ein Mann der zalreiche Schriften aus dem La- tein mit genialer Sicherheit oder Leichtigkeit übersezt und selbst ein längeres Schreiben an Campanus in dieser Sprache verfasst hat' (vgl. auch die im deutschen Brief Alemannia III 1 eingeschobenen lateinischen Säze) der lateinischen Sprache doch wol mächtig ge- wesen sein« Dass Franck zu seinen academischen Studien in Heidelberg, die wir im folgenden Abschnitt besprechen wer- den, sich die nötigen sprachlichen Vorkenntnisse in einer Latein- schule erworben haben muss, ist selbstverständlich: die Frage ist nur, wo? F. selbst, bemerkt Bischof, schlägt in seinen Schriften fast nirgends klänge der Erinnerung an frühere Zeiten an. ,Nur ein- mal erwänt er in einer Widmung seinen Vetter Michael Franck in Nördlingen*. F. litt nicht an der waren Widmungswut seiner Zeit- genossen.' Wem er eine Schrift dediciert, der muss seinem dank- baren Herzen durch WolwoUen und Treue besonders nahe getreten sein. Nur dreimal hat F. Widmungen geschrieben: als Pfarrer in Justenfelden widmete er seinem hohen Oönner, der in zu schriftstellerischer Tätigkeit ermunterte, dem Amtmann von Golm- burg und markgräflich-brandenburgischen Rat Wolfgang von Hessberg (schon 1530 auf dem Augsburger Reichstag verstorben) das Büchlein vom Laster der Trunkenheit, als Schriftsteller in Strassburg seinem Vatersbruder Michael Franck, Bürger und Wirt in Nördlingen, die Uebersezung von Beroaldus Streitrede über Wein, Weib, Würfel, und zulezt die Sammlung seiner Sprichwörter als armer Verbannter von Basel aus ,seinem sondern lieben und guten freund und patron, in der not erwiesen und an aller prob bestanden dem erbarn fürnemen und achtbaren Christof fer Vt- man, Burger auf St. Annen Berg^ ^) in Meissen, dem Gemahl der be- 1) Als Franck mit Weib und Kindern seine Zuflucht nach der Schweiz nam, mit drei jungen Sönen (der älteste 7 Jar) und ein Par kleiner Töchterlein (Alem. IV 1, 29), war das jüngste Kind, Christof fer genannt, erst kurz vorher, den 15. Mai 1539 in Ulm geboren. One Zweifel war Ghristoffer Utman Pate des Kindes. Der Festtag des h. Christophonis, des romantischen Riesen unter den 14 Nothelfern, fällt auf den 25, Juli.' 66 rümten Barbara, der Erfinderin der noch jezt allda blühenden und berümten Spizenklöppelei. Die VennutuDg liegt nahe, dass, wie ja bis zum heutigen Tage gerade Ohdm und Ne£Pe ser oft nach altdeutscher Sitte (Tacitus, Oermania 20) in besonders gemütlicher Beziehung stehen, so auch damals der Nördlinger Ohm frühzeitig das keimende Talent des kleinen Sebastian erkannt, gestüzt und geschüzt und sich des strebsamen und wissbegierigen Knaben hülf- reich angenommen. Die gröste Warscheinlichkeit spricht für die Anname, dass Franck in dieser schwäbischen Reichsstadt im Rießgau, rings Yon ^der Grafschaft Oettingen umgeben, die Lateinschule besucht > habe. Ob F's Vater, der in der Widmung als bei seinem Bruder in Nördlingen lebend erwänt, schon frühe (etwa nach dem Tode seiner Frau) seinen Wonsiz von Werd nach Nördlingen verlegt hi^t oder erst in Folge der reformatorischen Bewegung von dorthin überge- siedelt ist, lässt sich nicht entscheiden. In dem Wirtshause dieses Oheims mag der junge Sebastian durch die Gäste, zumal durchreisende Kaufleute, farende Geiger und Gaukler (wie Paul Wüst, vergl. Alemannia IV 2) und ,fromme^ Landsknechte gar mancherlei über Länder und Leute vernommen und . besonders häufig die Klagen über Bedrückungen, Mishand- lungen, Steuererpressungen und Kriegsbrandschazungen des ge- meinen Volkes mitangehört haben. Andererseits mag in jener auf allen Gebieten regsamen Zeit, wo durch den ritterlichen Max I und die bei aller Gelegenheit Kaiser und Reich feiernden Huma- nisten die nationale und deutsche Gesinnung erweckt und gepflegt wurde, auch schon frühe bei F. die in seinen Schriften überall hervortretende Liebe zu seiner Vaterstadt Werd wie zum ,grossen deutschen Vaterland' durch Erzälungen aus der Geschichte Schwa- bens (welches noch bis ans Ende des vorigen Jarhunderts ,das Reich' hiess) und seiner Heldenkaiser rege geworden ^ und seine Wissbegier in den ,neuen Zeitungen' (Flugschriften) sowol über Kriegsgeschichten als die jüngst entdeckten Länder, welche die Ein- bildungskraft abenteuerlich ausmalte, frühzeitig Stoff und Narung gefunden haben. So wurde sein wissenschaftlicher Trieb wie seine moralische Gesinnung gefördert. Dass er das ,Laster der Trunkenheit' und das Luderleben der ,verderblichen Landsknechte' (eine zugleich mit den ,Franzosen' einreissende Plage, Chronik Bl. 217a) aus eigener Anschauung schildert, zeigen seine Schriften. Es ist natürlich, dass bei im, der in der harten Schule der Not und Armut gross geworden, sich frühe ein fester, stolzer Charakter, mit starker satirischer Ader entwickeln muste. Wer auf seine Kindheit und Jugend nicht als auf ein sorgloses, von Mutterliebe gehütetes Pa- radies zurückblicken kann, in dessen Werken wird man wenig Humor und Heiterkeit spüren können. Ausser Nördlingen an der Eger könnte vielleicht die benach- 57 bsrte Reichsstadt Augsburg am Lech noch in Frage kommen. Dort wonte der reiche Donau werder Patrizier Jörg Regel: er hatte sich schon 1491 das augsburger Bürgerrecht erworben und läset sich wenigstens später als Patron und Gönner F's (wie Hetzer^s) urkundlich nachweisen. Er hatte sich in seiner Vater- stadt 1503 durch einen prächtigen Tabernakel oder ,Saoraments- oder Hergott* Häuschen' verewigt, das er in der Pfarrkirche in seinem und seiner Hausfrau Namen ef richten Hess (Steichele S. 772). Wenn es auch zweifelhaft ist, ob F. als Knabe oder erst als Priester bei Regel eingefürt wurde: der Zutritt zu einem reichen, vomemen und gebildeten Hause muste in jedesfalls zu feineren Sitten und gewälterer Aasdrucksweise veranlassen und erziehen. Auch später finden wir F. iu vielfacher freundlicher Beziehung' zu Räten Kaiserlicher Majestät und zu adlichen Herren. Oegen den Augsburger Schulbesuch spricht freilich entschie- den das Verhältnis F^s zu seinem Landsmann, dem Humanisten und Theologen Andreas AI th am er aus Brenz, bei Gundelfingen an der Donau, wenn man F's Vorrede zur verdeutschten ,Diallage Althameri^ oder Vereinigung scheinbar einander widersprechender Bibelstellen 1528 genauer betrachtet. F. müste nngefär zu glei- cher Zeit wie A. eine der Lateinschulen besucht haben. Althamer war 6 Jare lang zu Augsburg, wo er den Unterricht seines Vetters Dr. Job. Gursaner genoss; am 8. Mai 1518 ist sein Name in der Tübinger Matrikel eingeschrieben: Andreas Althamer Ghindel- fingen. dt 6 ß; von 1519 — 21 studirte er in Leipzig Poesie und Historie; am 18. Okt. 1525 ist er im Wittenberger Album als A. Alth. de G. eingetragen. Die berürte Vorrede verrät nichts von einer besondern freundschaftlichen Regung, die auf frühere Schulkameradschaft hinwiese : es ist darin nur die höfliche amt- liche Beziehung eines jungem und niedern Geistlichen zu seinem hohem Amtsbruder und ,Lerer* zu entdecken. In Augsburg bestanden damals ausser der Domschule (deren Domscholaster um 1505 Bernhard Adelmann von Adelmannsfelden war, der Freund Reuchlins wie Wilibald Pirckheymer's und Con- rad Peutinger's) und der Stiftsschule zu St. Moritz noch drei Klosters chulen, die zu St. Ulrich (wo bei den Benedictinem Veit Bild e^), 1508 als Mönch eingetreten, ein Schüler des Poeten Jakob Locher Philomnsus in Ingolstadt und des Arztes Nicolaus PoU in Innsbruck, und Otmar Nachtigall oder Luscinius aus Strassburg lerten), die zu St. Georg und die zum Heil. Kreuz. Ausserdem gab es seit dem Anfang des 16. Jarhunderts auch Privatschulen zur Unterweisung in der lateinischen Sprache und in den freien Künsten: so um 1500 Hans Mader (durch oin Rats- 1) Leider ist dieser Augsburger Gelerte in der trefflichen ,A11- gemeinen deutschen Biographie' Bd. U mit Stillschweigen übergangen. 58 deeret von 1506 stenerfrei id seiner Barschaft und {arenden Habe ,dieweil er die Knaben in der gramraatica und humanitatis arte lernet'), Konrad Epp, Meister Paul und seit 1513 Johann Ke* ning oder Pinicianus, der Günstling Peutinger's, ein poeta laa<- reatus, auf seinem Grabstein gerümt als ,Literaturae politioris et disciplinae puerilis institutorS Vergl. Julius Hans, Beiträge zur Geschichte des Augsburger Schulwesens, in der Zeitschrift des Historischen Vereins für Schwabefi und Neuburg II 1. Augs- burg 1875. Die Nördlinger Lateinschule Ueber Nördlingens Schulwesen hat der gelerte und fleissige Nördlinger Rector DEBeyschlag in mereren Schulprogrammen gehandelt: , Schulgeschichte der Reichsstadt NördlingenS 1793 fg. Da Nördlingens Vorbild in Schulsachen die Reichsstadt Nürnberg an der Pegnitz war, so müste eine eingehende Behandlung auch die vier damals an diesem Size des Reichsregimentes blühenden ,lateinische Schulen^ zu St. Sobald, zu St. Lorenz, beim Neuen Spital und im Schottenkloster (Benedictiner) bei St. Egidien in Be- tracht und Vergleich ziehen, mit Benuzung der genauen und urkund" liehen ' Nachrichten , die Rector JWHeerwagen veröffentlicht hat in den Schulprogrammen: ,Zur Geschichte der Nürnberger Gelehrtenschulen, Nürnberg 1860^ und ,Drei Aktenstücke aus den Jahren 1485, 1575 und 1622', Nürnberg 1862. Wir wollen jedoch die Betrachtung, wie damals die Schul Verfassung, der Unterricht und die Disciplin im Einzelnen beschaffen waren, uns für das grössere Werk über Sebastian Franck vorbehalten und nur einige wenige Punkte berüren, um zum Schlüsse von den ,christliohen Heiden' zu reden, die von entscheidender Wichtigkeit far seiBe Gästesentwioklung waren. Nördlingens ^) Bürgerschaft war schon zu Ende des 15. Jar* 1) Der Name der Stadt lautet (nach Steiohele IH 931) Ursprünge lieh Nordilinga, Nordilingin = bei denen des Nordilo; später (auch lat.) Nordelingen, Nördelingen, Nördlingen, Nördeling; bei Franck Nördling, Nordling, Nörling, Norling. In Althamers Commentar zu Ta- citns' Germania Namb. 1586 p. 268 Nordlingiacum. Das älteste Stadt- siegel hatte mit dem Adler die Umschrift: S. Burgensium in Nordi- lingen. Ueber die lächerliche Ableitung des Namens NeroUnga von Tiberius Nero^ bei den alten Chronisten, vergl. J. F. Schöpperlin*8 kleine histor. Schriften. Nördl. 1787 I 87. Ursprünglich königliches Hofgat, Dinghof, wurde von König Arnulf die curtis Nordilinga in pago Retiensi constituta (im Rieß) 898 an das Bistum Regensburg geschenkt (an S. Petrus und den pretiosus Christi martyr Emmeramus oder Hei- meram); es hatte damals schon zwei Kirchen, eeclesiae binae decima- tae^ aus dem Besiz von Regensburg gelangte es wieder zum Beleb M bondefts ,daroh Handel und' Gewerbaamkeit gegen 20000 Seelen stark geworden^ (Beysohlftg 1 S. 22). Besonders beachtenswert ist die alte Beziehung der reichen und strebsamen Handelsstadt mit Italien. Schon frühe hatten sich LoDibarden in Nördlingen niedergelassen. Unmittelbar von Y e n e d i g beaogen die Handelsherren die Gewürze und Spezereien, sowie an- dere Kaufmannschaft. Die bedeutendsten waren die Protzer, Patriaier (burgenses), deren Name schon seit 1850 nachweisbar ist (Beyschl^ V 13) und das ,erbare Geschlecht der Müller': der Bürgermeister Heinrich Müller trieb ausser den italienischen Waren aach mit andern Artikeln einen grossartigen Handel, besonders mit Brillen; wird doch berichtet, dass 1459 im auf der Strasse von Raubrittern 16000 Augengläser weggenommen wurden^ die er von Strassburg hatte kommen lassen (Beyschlag II 18). Diese Be- ziehung zu Venedig, dem Mittelpunkte aller gelerten Bestrebungen Italiens, seit Aldus Manutius 1494 seine Druckerpresse dort a«%eschlagen (vergl. J. Schuck , Aldus Manutius und seine Zeit- genossen in Italien und Deutschland, Berlin 1862), muste auch dem Aufschwung wissenschaftlicher Studien und den Lerem der Lateinschulen in Schwaben zu Gute kommen. Schulbehörde. Lerer-Personal Wärend des Mittelalters^) fürte im Norden Deutschlands die Oberaufsicht über die Dom-, Stifts- oder Elosterschule meist der vom Bischof gewälte Scholastikus (auch Domscholaster, Didascalus, in Italien Magniscola genannt), der einen tauglichen Gelerten ^um rector scholae ernannte oder mietete und dem- selben die Auswal passender Lerer überliess; der Scholastikus be- anspruchte selbst über die in den grossem Handelsstädten ent- stehenden Lese- und Schreibschulen (, Dudesche Scrifscolen'), wie über die von Priestern und Laien gepflegten Winkel- und Klippschulen das Recht der Bestätigung und Gontrole. Im Süden Deutschlands übte in der Regel schon frühe der Magistrat unter Friedrich II. (1216—88). Ursprünglich auf dem St. Emmeram's (oder Heimbrands) Berge gelegen, wurde es durch eine grosse Brunst 1238 (die Häuser waren meist von Holz gebaut) zerstört und die neue Stadt unten am Fasse des Berges angeleg^t. Vergl. die Beschreibung der schönen Ries -Ebene, des Yolkscharacters und der Sitten in der Bavaria 2, 852 — 75: Zur Ethnographie des Rieses, von dem auch als Erzäler und Novellisten bekannten Melchior Meyr aus Eringen bei Wallerstein. Weng und Huth, das Ries. Nördl. 1836. J. Müller, Merk- würdigkeiten der Stadt NördHugen. Nördl. 1829. 4^. 1) F. E. Ruhkopf, Gesch. des Schul- und Erziehungs- Wesens in Deutschland, 1. Th. Bremen 1794. H. Heppe, das Schulwesen des Mittel- alters und dessen Reform im 16. Jahrh. Marburg 1860. 60 in den zalreichen Reichsstädten das Patronatsrecht ; er walte oder vielmer dingte auf eine bestimmte Zeit sich selbst den Bector für seine ,Sta dt schale^, nachdem derselbe seine Befähigung durch einen ,Actus^ (Probelection) dargetan, stellte demselben eine «Paktverschreibung^ (Instruction für den Schul- und Kirchen- dienst) mit einem ,Z et teT (Schulordnung) aus, mit Vorbehalt einer bei im stehenden yierteljärigen Kündigung und betraute bestimmte Personen mit der Inspection. InNördlingen hatten dieKirehen- pröbste oder Pfleger von St. Jörgen dieses Amt, den Rector aus dem Heiligen zu salariren, mit Zuziehung Sachverständiger, insbe* sondere des Stadt Schreibers die erforderlichen Schulordnungen abzufassen, die Examina abzuhalten und für die Visitationen zu sorgen. Die älteste Paktverschreibung ist die noch vorhandene des Meisters Andreas Burlibey vom Jare 1415; vom Jare 1443-^ 99 sind deren 11 vorhanden. Die älteste geschriebene Ordnung der ,1ateinischen Schule^ betitelt ,da8 o£Pthun der Schul zu Nörd- lingen' stammt aus dem Jare 1499 und ist von dem gelerten Stadt* Schreiber Peter Tünzel entworfen, die 2te von 1505 und die 3te nach der (von Nürnberg) ^gesandten Schulordnung' von 1512 vom Stadtschreiber Sebald Lauter, die 4te ,durch Georgen Mair (aus Donauwerd) Stadtschreiber (1513 — 33) zu Nördlingen ge- macht Ao 1521*, dem eifrigen Gönner und Beförderer der Re- formation ^). Nach eineifi Gutachten der KirchenprÖbste war 1499 ,auch hier wie in Nürnberg ein erbrer briester dazu verordnet, der auf die Schul sein Aufmerken hätte*, und zwar der Kaplan unserer lieben Frauen Altars sollte jede Woche oder wenns ihn freyte*) in die Schul gehn und aufmerken, ob allem fleissig nachgegangen würde'. • 1) Die Stelle eioes jStadtschreibers*, wozu nur ein wissenschaftlich gebildeter Jurist genommen wurde, war damals in den Reichstädten eine der wichtigsten und einflussreichsten, unter den Nördlinger Stadt- schreibern ist am berümtesten Ulrich Tengler, der Frennd Seb. Brant's und Jacob Locher's, der Verfasser des Layenspiegels, welcher, nach dem Tode des Job. Gäsel, eines Licentiaten der geistl. Rechte, von 1480 — 85 dies Amt inne hatte und als Landvogt der bair. Herr- schaft Höchstett etwa 1510 starb. Ueber die Bedeutung dieses 1509 in Augsburg gedruckten Rechtsbuches vergleiche Panzer, Annalen S. 308, Eichhorn's Deutsche Staats- und Rechtsgesoh. 1819 III 336 und Walter's Deutsche Rechtsgeschichte § 355. In Gödeke*s Elf Bücher deutscher Dichtung I 15 sind die »Layenspiegels sprüch* abgedruckt; andere Lieder erwänt dessen Grundris S. 145. Brant's ,richterlich Clagspiegel* Strassb. 1516 ist ganz aus Tengler entnommen. Teng- ler hatte weil Augsburg damals sich des Rumes erfreute^ dass dort die reinste Sprache geredet werde, in diesem Dialect sein Werk geschrieben. Vgl. Schelhorn, Beitr. 2, St. S. 117. 2) d. h. im beliebte. 61 Der Yorsteber einer solchen Jateinischen Schule' hiess reotor soholariiim oder pueromm, auch doctor pnerorum, ,Regierer der Kinder*, meist ^Ma^gister' oder «Schulmaister^ Es war im vom Rate ganz überlassen, für seine Schule sich nach geeigneten Lerkräften umzusehen ; er konnte dieselben nach eigenem Ermessen berufen wie entlassen^ indem er als selbstverständicb bester Lerer 8OW0I ein Urteil über deren Befähigung als auch den Ergeiz haben mäste eine treffliche Schule zu regieren und sich den Beifall und die Anerkennung sowol des Rates als der Eltern zu erwerben. Weil er diese ,Gehülfen' oder ,6e seilen' sich mietete und dingte, so hiessen sie ,locati'. In* Nördlingen nannte man sie auch ,Stam- paales'^) und seit 1512 wie in Nürnberg ,collaboratore8^ Mithelfer'; die zwei obersten Lerer waren der ,cantor' und der ,provisor* ,Verweser' (der spätere ,Conrector*). Der Rector muste sich auf einer Universität (in Deutschland bot sich Heidelberg seit 1346, Wien 1365, Cöln 1388, Erfurt 1392, Leipzig 1409, Basel 1460, Ingolstadt 1372, Tübingen 1477) den Magistertitel erworben haben, er muste ein , voller' oder ,ganzer Maister der 7 freien Künste' sein ; durch diese academische Wurde-war der Schulmeister, gleich dem Adel, ratsfahig in der Reichsstadt. Der Cantor wie der Provisor, der yObergesell' muste Baccalarius (Baccalaureus) oder halber Meister, die übrigen Locaten als ,Unterge seilen' konnten Vierte Is-Meist er oder Baccalariandi sein. Zu den unteren Lerstellen Hessen sich wol auch ,Bachanten'^) oder ,farende Schüler^ verwenden, 1) Rahkopf S. 105 will das Wort von stampus, -i d. h. nota (Du Gange) ableiten, wovon stampualis, sowie von ritus (-ns) ritualis gebil- det wäre (wobei nur das u in stampaalis aufijällt), ein Lerer der mit den ersten Elementen, mit den Buchstaben a. s. f. sich beschäftige. Er will es in Yerbindung bringen mit dorn ital. stampare nelP animo. Also etwa ,Einpaaker* ? Ich habe bis jezt über die Herleitung und ur- sprüngliche Bedeutung des Wortes mich nirgends Rats erholen können. Inr Italienischen ist stampa = Druck, stampatore = Buchdrucker. 2) Die Ableitung des Wortes baccalarius ist ser zweifelhaft, vergl. Du Gange ed. Henschel I 525. Der ,Bachantt ist ein angehen- der Student, in der Mitte stehend zwischen den Schüzen, den unter- sten Schülern (ABG-Schüz, tiro, gowönlich erklärt =s Schuzbefolner, Pflegling) und den eigentlichen Studenten, vergl. Grimm's Wb. Ueber diese von Schule zu Schule ziehenden ^scolares vagantes' oder (bachari :s vagari) bachantes, vergl. Ruhkopf S. 125 fg. üeber ,die Vaganten oder Goliarden* (in Frankreich und England, auch in Süddeutschland) und ire Lieder vergl. Giesebrechts herrliche Aufsäze in der Braunschweiger Monatsschrift 1858, Heft Januar und April. Die Kirche hatte Gründe gegen diese ,clerici ribaldi, maxime qui goliardi nuncupantur' sich zu erklären. Eine misratene Blumenlese irer Lieder erschien jüngst als ,Garmina olericorum. Studentenlieder des Mittel- alters' Heilbronn 1876, vergl. meine Recension in der Jenaer L. Z. 1876 No« 50. Zu empfelen ist die eben (von R. Peiper in Breslau) edirte Sammlang ,Gaudeamns! Garmina vagornm selecta^ Leipz. Teubner 1877. cU der ganze Unterricht im Wesentlichen anf Abhören des Aub- wendiggelemten oder Verbessern des feierhaft Gesprochenen oder Qesehriebenen hinauslief. Schalklassen. Ler gegenstände Die Schule in Nördlingen hatte nach dem Lefplan von 1512 in diesem Jar mag etwa unser ,Basti' auf die Anstalt gekommen gein — vier Klassen oder Coetus, bisher ,Letzgen' d. h. lectiones, jezt nach Nürnbergs Vorbild jCirkel* genannt, später ,8essionen^ Die Schüler (clerici, clericuli im MA) hiessen nach den Klassen* lermitteln die Tabulisten (in Buchstabier und in Legist ä, Le- sende unterschieden), die Donatisten, die Catonisten und die Alexand^isten*). Auch die in der Alemannia III mitgeteilte Schulordnung von Crailsheim 1480 (den Herren von Hohenlohe ge- hörig, bei Ansbach in Franken) nennt die obern Klassen nach den Grammatiken: Donatistae, Regulistae, Casualistae = AlexaI^• dristen. In Ulm waren (nach Beyschlag S. 30) zu -Absalon Grü- ners Zeit 5 Lectionen: erste Lection des Provisors In Logika, andere Lection Parvuli, dritte Lection regularum, vierte Lection prime Partis, fttnfte Lection doctrinalis genannt. Im Norden Deutschlands waren die Klassen geteilt nach der Fibel (verderbt aus biblia = liber literarum elementariarum vergl. Grimm's WB.), dem Donat, der Regel und dem Alexander. Die Tabulisten lernten ,in der Taffei* buchstabieren und lesen und zwar die Tischgebete, das Benedieite und das Gratias, sodann das Pater noster oder die Oratio dominica, das Ave Maria oder die Salutatio angelica beatae M., das Credo oder Symbolnm apostolorum, das Confiteor oder die Beichtformel*) und den Gisio- janus, den Kirchenkalender ^). 1) VergL Jacobi Henriohmanni institutiones grammaticae 1506 am Ende der Vorrede: Tabalista, Donatista, Catonista, Alexandrista barbara vocabula barbarissimus docet nebulo, nemlich der Verfaaser des Schulbuchs, cui barbarus titulus: Es tu scholaris? 2) In Crailsheim gebrauchte man, wol bei den obern Schülern, das bekannte ^eniteas cito', einen in Hexametern abgefassten B^cbt- Spiegel; der vollständige Titel lautet: Peniteas cito libellus iste nuncupatur. Tractans oompendiose de penitentia et eins circumstantiis ; ac vit^m peccatis depravatam emen- dare cupientibos multum utilis et necessarius. s. 1. a. 4^, 3) Es war wichtig und richtig der Jugend frühe diesen aus 24 latein. Hexametern bestehenden Kalender (eine Erfindung des 10. oder ll.Jarhunds.) einzuprägen, weil alle Data in Briefen, Akten und Urkun- den des Mittelalters nach den Heiligennamen angegeben wurden. Dem Januar waren die Verse gewidmet: 68 In den folgenden Klassen war es anf die vollständige ^Latini- sierong^ des Schülers abgesehen. Deutsch zu sprechen war durch- aas verpcmt, es sei denn, dass der Schüler um den lateinischen Ausdmck fär ein deutsches Wort fragen muste. Ueberall galt dieser Grundsaz, der z. B. in der Memminger Schulordnung also lautet: Ante omnia pnero matema lingna interdicatur : sit autem latinus semper: quodsi legem hanc transgressus fuerit, vapulet. Eine änliche Bestimmung in der Crailsheimer Schulordnung a. a. O. S. 237. Eine ^Lateinschule' war in jener Zeit etwas ganz andres als heutzutage, wenn a potiori fit denominatio. Damals wurde, abgesehen von der Uebung in der Musik^ einzig und allein Latein gelert. Es gab noch keinen Untemcht in der Geschichte und Geographie, in der Mathematik und Physik, im Griechischen und Hebräischen oder gar in der deutschen Muttersprache. Erst mit dem Siege der Reformation erweiterte und vertiefte sich wenigstens der sprachliche Unterricht. Cisio lanus £pi sibi vendicat Oc. Feli. Mar. An. Prisca Fab. Ag. Vincent. Pau. Pol. Gar. nobile lumen. Die Namen der unbeweglichen Feste sind verstümmelt, Cisio s cireamcisio, £pi = Epiphania, Pau = Pauli conversio. Die Zal der ersten Silbe im Namen des Festes zeigt den Monatstag an, auf den dieses Fest fallt, z. B. im Epi ist £ die 6. Silbe des Distichon und be- zeichnet den 6. Januar. Die übrigen Silben bezeichnen den Monats- tag eines jeden Festes und die nächsten Tage vor und nach einem Feste. Siehe Ruhkopf ^. 140. Der erste deutsche Cisiojanus erschien Nürnberg 1470. Yergl. Zapf, Augsburger Buchdruck I 8 etc. Andere Ausgaben Serapeum IX 3&, XIY 145 fg.; der Cisiojanus schlecht er- neuert von Melanchthon XIX 200; Bamberger Wandkalender seit 1481 lY 257 fg. Ueber den mittelalterlichen Kalender vergl. Chr. Gottlob Haltaos, Calendarium medii aevi praecipue Germauicum Leipzig 1729 8^, deutsch Erlangen 1794 4^, über die christl. Zeitrechnung L. Ideler, Handbuch der math. und techn. Chronologie. Berlin 1826 II 318 fg. 373 fg. üeber das £[alenderwesen vergl. Harless, die Literatur der ersten 100 Jahre nach der Erfind, der Typogr. 1840 S. 66 fg. Yon Astronomen verfasst waren im Anfang des 16. Jarhund. berümt der ,Ealendariu6 teutsch Maister Joannis Eüngspergers' (Regiomon- tanus, Müller aus Königsberg in Franken) Augsb. 1514, 1518 und ,Der Newe gross Römisch Caleuder', aus dem Latein, von dem ,Meyster der Astronomey vnd Mathematic Johann St6ffler von Justingen, der Loblichen Yniversitet Tübiifgen Ordinarius^, gedruckt und mit Vorrede versehen von Jacob Köbel, Statschreyber zu Oppenheym. Oppenh. 1518, 1522. Dieser vielseitig fleissige Schriftsteller hatte auch selbst Kalender verfasst und herausgegeben: Kalender vnd Wegweiser der zeit vnd der land, o. 0. u. J., Folioblatt mit Köbels Wappen, darüber: JacobEöbell; Kalender. New geordent, mitt vieln vnderweisungen der Himmelischen Leüff, der Zeit, der Christlichen Gesatze, Auch kurtz« wilig (Gereympt) vnnd lustig mit Exempeln vnd figuren. Oppenh. o. J. (1512) 4^ Yergl J. B. Trenkle, Zur altern süddeutschen Calender- künde in der Alemannia Y 235—259. 64 Rechnen Da Sebastian Franck in der Werder Stadtschale auBser dem Lesen ^) und Schreiben aach das Rechnen gelernt haben wird, welches im beim Betreiben seines Qewerbes und Geschäftes (als Seifensieder, Hausierer, Buchdrucker und Buchhändler) später Yon Nuzen war, so lont es sich auch einen Blick auf die alten Rechenbücher zu werfen. Das älteste deutsche Rechenbuch ist von Ulr. Wagner, Rechenmeister zu Nürnberg 1482 u. o. (vergl. Serapeum YIII 128). Damals, in Francks Jugendzeit, ist wol in Werd nach einem andern Hülfsbuch unterrichtet worden: Behennd vnd hüpsch Rechnung vff allen kauffmanschaften. Leip- zig, Kachelofen 1489; Pfortzheim, Thomas Anßhelm 1500. Der Verfasser war Job. Widman von Eger (Widmung datiert Leip- zig 1489), ,der artznei Doctor Job. Wy dm an, genant Möichinger' (Weller's Repertorium No. 659); andere Ausgaben sind Pforzheim, Thomas Anßhelpn 1508; Augsburg, G. Stayner 1526; im Serapeum S. 15t7 wird auf ,Drobisch's lerreiche Abhandlung über die Leipziger Ausgabe von Widmans Werk* verwiesen. Das erste Rechenbuch des 16. Jarbunderts für Schule und Haus hat Oppenheim's Stadtschreiber Jacob Eöbel abge- fasst : Eynn Newe geordent Rechenbü-chlein vf den linien mit Rechenpfennigen^) den Jungen angenden zu heüslichem ge- brauch vnd handeln leichtlich zu lernen, mit figuren vnd exem- peln; dem Dietrichen fernerer von Wormbs genant von Dal- burgk gewidmet, Oppenheim 1514. 4^. 1) Mit welchem Lebensjare besuchten die Kinder die Schule? Da- rüber findet sich eine interessante Notiz in Wittwer's (Prior zu St. Ulrich in Augsburg, 1512) Catalogus Abbatum (gedruckt in Steichele's Archiv III), welche J. Hans, Augsb. Schulwesen S. 22 mitteilt, ,au8 der hervorget, dass schon damals die 7 — Sjärigen Knaben, die zum erstenmal die Schule betreten sollten, nur durch Zuckerpläzchen und andere Lock- mittel [Lebkuchen mit Buchstaben darauf oder Namen] bewogen wer- den konnten, an dem verhassten Orte auszuhalten^ Auf solchen Schal- anfang beziehen sich die Sprichwörter bei Franck I Ib. Supremis labijs gustare. Er hat ein mal eim schfilme'yster ein guten mor- gen geben. Ein auffheben thun, oder das erst schülrecht thun. Er hat 8 Buchstaben vff einem lebkuchen gessen. Er hat ein \)fLch durch einn neber (= Borer) loch jj^esehen. Aufheben' Ä praeludium, beginnen (ein Fechterausdruck vergl. Grimm's Wb.J, Franck's Spriohw. vorrede 4a zu diesem meinem schülrecht hab ich euch für mein aufheben zum richter und griesswertel erweit. Schul- recht thun (nach Wand er Sprichw.-L.) = Zeugniss seiner Bildung geben. 2) Der Holzschnitt auf dem Titelblatt von Köbels Büchlein zeigt zwei Personen, die nach Rechenpfennigen, bei Böschenstein zwei Frauen, die auf einer schwarzen Tafel nach Zalen rechnen. — 66- Er schrieb auch die erste deutsche Schal-Geometrie: Von yrsprung der teilung, Maß vnd Messung des Ertrichs, der Ecker, Wyngarten, Krautgai*ten vnd anderer Vejder^ in was form ynd gestalt die seind, vnd wie man die nach warer khunst Messen vnd Rechen solle, mit Begelen, Exempeln vnd figuren. Oppenheim 1522. 4^ Kurz darauf erschien A. Dürer's Vnderweysung der messung, mit dem zirckel vnn richtscheyt/ in Linien, ebnen vnnd gantzen corporen, Nürnberg 1525 und 1538, Wilibald Pirckheimer gewid- met, lateiniech von Joach. Gamerar ins als Alberti Dureri cla- rissimi pictoris et geometrae Institutionum geometricarum Kbri IV c. fig. Lutet. 1532 fol. Pirckheimers Schüzling, Joh. Gochlaeus aus Wendelstein bei Nürnberg, hatte als Lerer an St. Lorenz (1510 — 14) schon Rudi- roenta Geometriae Nor. 1512 4^ herausgegeben, vergl. über in C. Otto: Joh. Gochl&us, der Humanist, Breslau 1874. Eöbels Rechenbüchlein erschien auch in Augsburg 1514, 1518, 1520 und zwar mit der Ergänzung von ,Joh. Böschen- steyn von Esslingen priester' : Ain New geordnet Rechenbüchleiu mit den zyf fern l) Inhal- tent die siben Species^) Algorithmi^) mit sampt der Regel de try, vnd sechs regeln der prüch, vnd der regel Fusti*) mit vil andern guten fragen den kindern zum anfang nutzbarlich. 4^. 1) Bei Franck Sprich w. II 47b findet sich ,ziffer* noch in der Grandbedeutung: ,Ein mensch wie ein ziffer. Ist er nicht nütz, so erfüllt er doch zal.* Sprich w. n 48: die allein in eim ding die zal er^ füllen vnd mehren, für sich selbs nicht seind noch gelten, als der Ziffer 0. cifra, cifera, zifra, auch cifrum mittellat. (aus dem Arab.) = Null (zero), figura nihili; res, homo nihili = altfranz. chiffre; dann auch ciphrae = characteres occulti, schriftliche Geheimzeichen; (ur- sprüngl. chinesische, sogen. ,a rabische' Z alz eichen). Vergl. Du GaDge* und Diez Wb. 2. A. 1 127. 447. In Betreff der biblischen Zeitrechnung meint Franck Ghron. 9b: dz etwa ein nulla in oder auss die ziffer ge- setzt ist worden, das bald ein grosse summ macht. 2) Die ,sieben Spezies' sind in A. Riesen's Rechenbuch 1522: ,Numerim, Addirn, Subtrahirn, Duplirn, Medirn, Multiplicirn, Dividirn*, später fürt er noch die ,Progre8sio' an. Auch das älteste von einem Deutschen verfasste Rechenbuch, das Opus algorisroi o. 0. 1492, von Georg von Peuerbach (im Lande ob der Ens, f 1461) enthält 8 Operationen; nemlich Numeratio, Additio, Subtractio, Mediatio, Du- pktio, Multiplicatio, Divisio, Progressio. Widmans Rechenbuch 1489 enthält sogar noch als 9. Operation: ,Radicem extrahiren'. Das von Grammateus 1518 hat 5: Numeratio, Additio, Multiplicatio. Subtractio, Divisio (erklärt Duplatio und Mediatio für nichts anders als Mult. und Div. durch 2), und diese 5 galten lange Zeit; in Aisted heissen die ,4 Species': additio, subductio, mult., div. 3) Algorithmus, Algorismus, Algarismus, arab. (al = der, ttQi&fiog) im Mittelalter = arithmetica, ars numerandi; algorista = abacista. 4) Die regula fusti, die in alten Rechenbüchern vorkommt, ist Blrlioger, Alomannia VI 1 5 66 > Bald wurde jedoch Köbels Bach verdrängt durch das sprich- wörtlich berümt gewordene ,Adam Riesen (Risen, Rysen) Rechenbuch^ das sich von def Reformationszeit bis in die Mitte des 18. Jarhunderts in Gebrauch erhielt. A. Riese Von StefTelstein (bei Bamberg), geb. 1489, war 1522 ,Rechenmeyster zu ErfiPordt', 1525 ,vff sant Annabergk^ woselbst er als Bergbeamter 1559 starb. Die Ausgabe .Erfurt 1525 8^ (ein kleineres Werk war ebendas. 1522 erschienen ^ Serapeum S. 156) ist Vrban Osan Amts- verweser auf S. Annaberg gewidmet. Dass diese ,Rechnang au ff der linihen — in massen man es pflegt tzu lern in allen rechenschulen gruntlich begriffen anno 1518^ schon erschienen, zeigt der Titel, vergl. Weller's Repertorium No. 3628 ; eine 2te Erfurter Ausgabe 1525 bei Panzer Annal. S. 420: ,Rechenung auf der linihen vnd federn in zal, mass vnd gewicht auff allerley handierung^; Augsburg 1528 (H. Steyner) bei Zapf Augsb. Buchdr. II 183; Erfurt 1533: ^übersehen und gemehretS vergiß Heyse's Bücherschatz 1854 No. 303. Im Serapeum a. a. 0. S. 157: Ein Gerechent Büchlein auf den Schöffel, Eimer und Pfundtgewicht zu ehren einem Erbaren Weisen Rath auf San et Annensbergk durch Adam Riesen 1533; Leipzig 1536. Zu gleicher Zeit mit dem 1, Werke von Riese war von Heinr. Schrey- ber oder Grammateus von Er£Purdt, der sieben freyen kdnste maister (zu Wien), 1518 zu Nürnberg ein ,new Rechenbuohlin ^ erschienen, woraus zu lernen war ,nach der gemainen regel Detre, welschen pract^c^ regeln falsi ^) vnd etlichen regeln Gosse ^) mancherlay — Rechnung auff kauffmanschafft', auch die proportion der kunst des gesangs im diatonischen gesohlecht auß zutaylen monochor* dum, orgelpfeyffen vnd ander jnstrument auß der erfindung nicht mit der regula falsi (vergl. Aisted p. 825) etwa zu verwechseln. Fusti heisst bei den Kaufleuten alles dasjenige, was an einer Ware unrein ist oder nicht gut, als Holz, Packleinen etc. (also = Brutto); auch wird es von zerbrochenen oder beschädigten Waren gesagt; daher ,regala fusti* = diejenige Rechnung, welche lert, wie man das, was unter den eingekauften Waaren nicht gut, zerbrochen u. s. w. ist, von dem guten unterscheiden und von beiden den Preis berechnen soll (= Bruttorechnung). 1) Ueber regula falsi und die davon verschieden regula coeci, zekis, virginum oder potatorum vergl. Klügel's Mathem. Wb. IV 268 fg. A. Riese: , Regula falsi. Ist ein Regel, das man durch zwu falschen zaln, die man der auffgab nach examinirt, die rechte zahl haben mag^ 2) ,Cos8, Regel Goss* hiess bei den deutschen Arithmetikern lange Zeit die Algebra. Die Italiener^ welche dieselbe in Europa ein- fürten, hatten sie regola oder arte de ia cosa genannt; cosa, res ist bei den alten ital. Algebraisten, was wir ,Wurzel einer Gleichung* nennen. In Joh. H. Alstedii Encyclopaedia, Herborn 1630 fol., ist pag. 803 — 864 die alte ,Arithmetica' dargestellt, worauf pag. 865 — 874 ,GoB8ae libri III de fictis numeris arguentibus veros' folgen. 67 • Pythagore^, sodann ,biiiechha]ten durch das ZornaP), Kaps vnd Bchuldbuch^, endlich «Visier zumachen durch den quadrat ynd tri- angel mit vil andern lustigen stücken der Geometrey^ vergl, die Ausgabe bei Weller No. 1114; eine astronomische Schrift yon im Nürnberg 1522 No. 2094. Yon den Concnrrenten des ,Eiesen^ im 16. Jarhundert seien noch zwei erwänt: Künstliche Rechenung mit der Zyffern ynd Pfennigen, Auf allerley handtthierung durch M. Johann Brandt synen schulern vbung und nutzung gemacht im Jar 1532 (Buch- druckerzeichen). Gedruckt zu Collen in der Burgerstraß durch Euchariom Hyrtzhorny klein 8^, wie alle diese Eechenbücher. Rechenbuch auff dea Linien und mit Zi£fern sampt allerley Yortheylen, frag weise , . . durch Simon Jacob von Eoburgk 1599. Dass neben der Reichsstadt Nürnberg, ,welche mer Mathe- matiker hervorgebracht hat, als mancher grössere Staat', auch die Reichsstadt Ulm das in Leipzig und Wittenberg übliche Spnch wort: Ulmenses sunt mathematici (besonders seit dem trefflichen Lerer der Arithmetik und ,Cossisten' d.h. Kenner der Algebra, Michael Stiefel aus Esslingen, 1486 — 1567, vergl. über sein Leben und Schriften Stroh el. Neue Beiträge 1790 I 1) rechtfer- tigte, hat Prof. Ofterdinger nachgewiesen im Ulmer Schulpro- gramra 1867. Sehreiben. Briefsehreiben Auch dem Sohreibunterricht der Volksschule sei noch ein kurzes Wort gewidmet. Neben der Volksschule, in der man das Schreibea und Lesen lernte, gab es auch farende Schrei bierer. W Wattenbach hat in seineni ,Schriftwesen des Mittelalters' 1875, gegen Ende des Buchs uns zwei interessante Ankündigungen aus dem Ende des 15. Jarhunderts und zwar in Latein und daneben in deutscher Sprache mitgeteilt, worin solche . Schreiblerer dem gvossen Publikum, Jung und Alt ire Dienste anbieten. Zu Anfang des 16. Jarhunderts erschien in Zürich bei Christ. Froschauer ein ganz in Holzschnitt ausgefürtes S.chön- schreibebuch in qu. 4^ — ein Blatt zeigt die Schreibstube mit demKünstler — von Urb. Wyss, Modus docendi pueroe tum latine tum germanice scrib^re. Item brevis et dilucida insti- tutio, qua pueri ad veram orthographium lat. ling. etc* Nürn- bergs Schreiber waren durch zierliche Schrift und besonders Fraktur berümt und in fürstlichen Ganzleien gesucht. Sie waren die Scbreibmeister Deutschlands und Vorbilder in ganz Deutsch- land. Albrecht Dürer hat das Verdienst, über die Proportionen der Buchstaben (besonders der lateinischen Versalbuchstaben) Studien 1) Diumale = Journal; capsa it. cassa, frz. caisse. 6Ö I begonnen und angeregt zu haben. Der Nürnberger Mathematiker HansNeudörffer (1497 — 1568) liess zuerst nicht bloss deutsche und lateinische SchönschreibeTof Schriften in Holz schneiden, son- dern er Terfasste auch die erste deutsche Schreibekunst: ,Cin gute Ordnung — Zierlich schreybens 1538. Nulla dies sine linea'; (sein Schüler Gundelfinger hatte den Walspruch: Nil Penna, , sed Usus) ; es erhielt sich die Kunst der Kalh'graphie in der Fa- milie ; noch der Urenkel Hans Neudör£Per war berümt als »Rechen- meister und Modi st' (Schönschreiber). Franck klagt in der Vor- rede der lezten oder Augsburger Ausgabe der Türkenchronik (H. Stainer 1530) über seine ,böse geschrifft'^); der Leser mag sich an zwei Facsimiles, die ich später geben werde, darüber selbst eine Ansicht bilden. Ausser dem Schönschreiben; welches damals noch one Vorlege- blätter nach dem Muster der Lererhand geübt wurde, hat Franck noch eine Kunst gelernt (welche erst die Volksschule unserer Tage wieder einfürt), die des Briefschreibens, wobei die Kenntnis und Sicherheit der gebürenden Titulaturen von grosser Wichtigkeit war. Schon 1474 druckte man ,Formularien' zu Sendbriefen und Anf- säzen aller Art^); vergl. in Panzers Annalen die vielen Ausgaben dieses Buchs von einem unbekannten Verfasser. Mit dem Jar 1493 erschienen zugleich zwei neue derartige Briefsteller und Titel- bücher: von Friedrich Riedrer ,von Mülhusen in Hegow^, der ,Spiegel der waren Rhetorik. Vß M. Tullio C. [Albertano von Brixen] vnd andern getütscht: mit Irn glidern dfiger reden Sand- briefen, vnd formen menicher contract, seltzam, Regulierts Tutschs vnd nutzbar exempliert, mit fugen v£P göttlich vnd keiserlich schrifiPt vnd rechte gegründ^* (Friburg in Brißgow 1493 fol.) der Universität und dem Rate gewidmet; neue Ausgabe Mainz 1508; Strassbnrg 1509, 1517 fol. ; das andere von Heinrich Geissler (Oessler) von Freiburg, ,Schüler der kaiserlichen Rechten': New practicirt rethoric vnd briefformulary des adels stetten vnd l&ndem etc. Strassburg 1493 fol.; hierauf als: For- mulari vnd tütsch rethorica. Strassburg 1502. Augsburg 1507. Strassburg 1511, 1514, 1515, 1519. Für die Jugend gab es ein nach Gessler gearbeitetes Gantz- leybüchlein: Wie man schriben sol eim jeden in was würden Stadt oder Wesens er ist, geistlich vnd weltlich kurtz begriffen. Strasburg 1) »vormals ist sie auch getruckt, aber an vil orten, weiss nicht ob es meyner bösen geschrifft oder meins abwesens, das ich nit selbs im truok nit corrigirt hab, oder des vnfleiss vnd hinlessigkeit des trackers schuld ist, nit also fleyssig vnd an vil orten gefälscht ausa- gangen. Yedoch werden dise f&l, on nachthayl sein, das sich ein fieissi- ger Leser, leichtlich darein waisst zu schicken.' 2) L. Rockinger, Mittelalterliche Briefsteller und Formelbücher. München 1861 4^ u. Quellen und Erörterungen YII 47 fg. Serapeum VI 313 fg. 69 1513, 1515, 1520, 1522; Augsburg 1514, 1515, 1516, 1519; von A. Mauricins Brei j nie überarbeitet (^weiss nicht von wem gemacht* , sagt er; anscheinend in Heidelberg verfasst) als Ein kurtz For- mular vnd Cantzley bAohlin, Augsburg H. Steyner 1528, 1530, 1535; Wittenberg 1548. Das Buchlein zerfallt in zwei Teile, der erste gibt ,alle auff vnd vberschrifften der Episteln vnd Missiuen, mit jren Salutation, Petition vnd Conclusion, der zweite die Formulare zu Vollmacht, Schuldschein, Quitantz (Quittung), Zeugniss, Kaufbrief, Testament, Heiratsbrief (Ehevertrag), Tagzedel (Gerichtsvorladung), Urfehde etc.* - Noch in der mir vorliegenden Ausgabe 1535 sten zuerst die Titulaturen des geistlichen Standes, vom Papst, Gardi- nalen etc. herunter bis zu Mönch und Nonne, dann des welt- lichen Standes, Kaiser, Rom. König bis ,Bnrger oder Hand- wercksman' und ^DorfT'. Die Einleitung enthält einige interessante kulturhistorische Notizen. Auf die Frage: ,wie vatter vnd m&tter sich halten sollen, gegen jren kindem die Geystlich werden*, heisst es : ,Vatter vnd mutter des nydersten grades, tautzen jhre töchter inn Klö- stern biß sie Priorin werden, außgeschayden Edelleüt tautzen jhre töchter biß sie Eptissin werden*. ,Item eynem Juden oder vnchristen sol kein Christ schreyben weder grfiß, dienste, noch leybs oder guts, sonndern mag man jm gmeynlichen anfang der Missiue machen. Als nymm diß Exempel. Wolt Got das dein blintheyt erleuchtet wer im rechten glauben.* ,Item der Christ soll inn seinen geschrifften kein Juden jrtzen, angesehen, das^ aller Adel vnder jnen aussgereijt ist.' ,A11 ander glauben mag man eben dessgleychen halten, aussgenommen die Edeln vndder Sarazener, Siruen^) etc. mag man mit gezymm jrtzen.* Doch von dieser kleinen Abschweifung auf die Werder Volks- schule zurück zu der Nördlinger Lateinschule! Lateinische Schulbücher^) und Aufgaben In der Nördlinger Lateinschule war für die Anfänger, denen der Gebrauch der Muttersprache (vplgare Alemannicum) 1) Franck, Germ. 379b Boßna vnd Seruia, Sirf en (Serben). 2) Sammelwerk (vergl. Bey schlag 111 7) : Teztas AlexandriPrima pars, in forma ä litterato viro Torrentino quibusdam mutatis, rescisis, aut additis fideliter est emendata. Secunda denique pars ejusdem in priore forma, attameu ciroamspectius castigata. Donatus minor cui addita est in fine conjagatio quorundam anomalorum seu irrega- larium verborum. Locutio exemplaris prepositionum tarn aecusativo quam ablativo servientiam qiiod ad patrem vocare 8olent> Eegula 70 Da1(.ärlich noch gestattet werden masste, noch kein Hiilfsbuch nötig; es geäügte wenn sie täglich einige Bachstaben, später etliche Worte lateinisch und deutsch ,auf hilzene täfelin' (one Ueberzug) ,mit der feder^ geschrieben dem Lerer zur Correctur vorzeigten; es worden inen ,beyweilen die Buchstaben gezeugt vnnd die andern Buchstaben yerhept (= verbessert ), vmb das sy ' zu volkome- nerer kenntniss der Buchstaben geübt wurden^; in Nürnberg schrieben die Schüler ,in wachs (tafeln) oder auf papir\ der Locat hatte die Schrift zu ,cancelliren (= die Schrift durchstreichen) oder vnderstreichen vnd die knaben zu Formierung gutter Buch- staben vnd Schriften anzuleyten^ Für die folgenden Klassen benuzte man zu Schreib- und Memorier-Uebungen die Sprüche Salomonis nach der Vulgata oder Sentenzen aus den Ethica oder Moralia (Disticha) des Dionysius Cato oder Alanus, stets mit prosaischer oder gereimter Verdeutschung. Der nachobersten Klasse wurde auch ,Latein fürgegeben, Ettlich vers oder pross ex Esopo, ex Lactancio, ex Boecio de dis- Gipiina Scolarium, ex Alano u. s. w. nach Ansehen des Schul- meisterst Die Etymologie d. h. Elementar- Grammatik wurde nach dem Donatus minor s. Partes orationis quot sunt? und den Ee- gulae grammaticales , oder auch nach der Prima pars (Alexandri) eingeübt, die Syntax nach der Pars secunda, die Pronunciation d. h. Metrik nach der Pars tertia Alexander^s ,ynd anderer Autor vnd lerer^ Diese Schulbücher verdienen, weil sie heutzutage wenig be- kannt sind, eine genauere Betrachtung. Was zunächst die Grammatiken betrifft, so waren in Nördlingen der ,Donatus' und der ,Allexander^ (so gewönlich geschrieben) noch in voller Herrschaft, wärend an vielen andern Orten neuere und bequemere Grammatiken (von Paul Nia vis d. h. Schneevogel, Bern. Perger in Wien, ülr. Ebrard v. Neuburg, ^Cochläus, Aventin, Henrichmann, Brassic^anus, Pinicia- nus etc.) eingefürt waren. Der sprichwörtlich berümte Grammatiker Aelius Donatus war 354 Lerer des h. Hieronymus gewesen. Der Schulausgaben des Mancinelli (Antonius Mancinelli Yeliternus, Grammatiker u. Philolog in Venedig, f nach 1500). Poetae pars Remigii regulae interserta. Regulae grammaticales minores pro pueris. Triginta sex c o n- structiones. Regimina. Localis ordinatio constractibiliam. Cato teutonice expositus. Am Ende: Acta in imperiali civitateVindelioorum Augusta expensa Syluani Otmar, apud coenobium beate Ursulae eis Lichum residentis. 4°. 16 Bogen, lieber die frühesten Wörterbücher (Vocabularias, später Dictionariam, Lexicon) vergl. Gesner's Thesaurus, Praefatio; Dieffenbach'-s Glossarium, Einleitung: Weiler im Serapeum XXII. XXIII. 71 Donatus minor odev etimologisatus oder pro paerulis gab es seit der Erfindung des Buchdrucks eine unzäliche Menge, oft dabei auch der kurze Commentar des Remigius (Benedictiner zu St. Germain in Auxerre im 9. Jarhundert), bald als , Remigius que pars^, bald als ,cum Remigii grammatici optimi et yetustissimi expositione lucida et fertili^; auch mit Ueberseznng: ebenso wie es einen ,Donatus cum interpretatione gallica ubi omnia verba ad verbum gallice interpretantur, pueris utilissimus' gab; desgleichen einen lateinisch- deutschen. Der Titel lautet: Pdie teil der red wieuil seint acht artes orationis quot sunt octo^). Ausser Donat war der berümteste Grammatiker des Mittel- alters der Franciskaner Magister Alexander de Villa Dei (Dole in der Bretagne), der zur Verdrängung der Grammatik des Maxi- mianus (Grammaticus , Versificator qui in Academia Paris, prae- legi pueris solebat, vizit ante an. 1200, nach Du Gange VI 1409) zur Zeit Friedrichs II. besonders nach Priscian ein Lerbuch in leoninischen Versen abgefasst hatte, das also anhebt: Scribere clericiilis paro Doctrinale noveliis Pluraque doctorum sociabo scripta meorum; lamque legent pueri pro nugis Maximiaoi etc. Dieses ,Doctrinale puerorum' ward seit Erfindung des Buchdrucks häufig erläutert und mit diesen Glossen herausgegeben, am berüm testen ist der Commentar des Hieronymiten Job. van Sinthen (Synthis) in Deventer, des Lorers des Desid. £t*asmus; Deventer 1488 u. ö. v Zu den Memorier-Uebungen benuzte man besonders die Verse des Gato, des Aesopus oder Alanus oder die Schriften des christlichen Cicero Lactantius und die Pseudo-Boethische/Schnft: De disciplina Scholarium (sie ist von einem Schüler des Alber- tus Magnus, dem naturkundigen Thomas Brabantinus (aus Brabant) oder Cantipratanus (Canonicus in Cantimpre), Dominikaner und Prof. in Löwen (1201 — 63) verfasst, von Thomas Aquinas com- mentirt). 1) Nach der Angabe des gelerten Antiquars Heinr. Lempertz in Köln zuerst bei Günther Zainer zu Aagsburg vor 1480 gedruckt, mit schönen grossen Holzschnitt-Initialen. Vergl. H. Lempertz' Söhne Ca- talog, die deutsche Litteratur 1877 No. 54, 86; der Text in fetter Schrift, der deutsche kleiner darüber. Interessant ist das Bestreben, die lat. termini zu verdeutschen, z. B. nomen der nam, pronomen der fdrnam, verbum das wort, adverbium das zu wort, participinm die teilnemung, coujunctio die zemenfügung, praepositio dye fdrsetzung, interjectio dye vnderwerfung, nominativas der nenner, genit. der ge- berer, dat. der geber, acc. der sager, voc. der ruffer, abl. der ahne- mer, pluraliter merlich, gerandia die vbertrager, supina die geneigten, coniunct. in zu fügender weiß, optat. in wünschender weifz. infin. in vqgeenderter weiß. Ueber eine Aasgabe von J. Schäfler in Ulm 1497 berichtet Zapf, Bachdruckergeschichte Schwabens Ulm 1791 S. 114. . 72 Die Fabeln V) desAesop waren nicht bloss in der metrischen Form, in welche sie der Erzbischof Hildebert von Tours (f 1139) gegossen hatte, in den Schulen bekannt und beliebt, sie waren auch dem deutschen Volk zugänglich geworden durch die Uebersezung Yon Heinrich Steinhöwel, dem auch als Ghronikenschreiber be- rümten Stadt- Arzt von Ulm. Die erste Ausgabe des Textes war Phrigj Aesopi philosophi moralitas e greco in latinum traducta Rom 1473 4^; als Aesopus moralisatus (in Distichen) cum bono commento seit 1489 4^; mit Holzschnitten und Sab. Brants Fabeln Esopi appologi sive mythologi t. quibusd. carminum et fabular. addi- tionibus Seb. Brant Basel 1501 fol. Steinhöwel hatte seine lateinisch -deutsche mit Holzschnitten verzierte Ausgabe bei Job. Zeiner in Ulm (der schon 1473 die ,tätsche Gronica^ gedruckt) schon vor 1480 erscheinen lassen und zwar Aesops Fabeln ,yß latein' (nemlich des Remicius und Romulus) ^schlecht vnd ver^ stentlich getütschet', beigefügt ,auch etlich ander fabeln als Avianii auch Doligami, Adelfonsi (d. h. des Petrus Alfonsi) vnd etlicher Schimpffreden Pogii (facetiae des Poggio), auch die histori Sigesmunde der tochter des färsten Tancredi vnd des jAnglings Gwiscardi^ ; vermert mit Seb. Brants Fabeln und Exem- peln Strasburg 15 OS fol. (Gödeke § 114, 4 fügt der Ausgabe ein? bei). Freiburg im Breisgau 1535. 4^ u. ö. Der Cistercienser Alanus ab Insulis (aus Lille oder Ryssel in Flandern, gest. 1203 in England) hatte Sprichwörter und Sitten- Sprüche in elegischem Versmass geschrieben, welche als Doctri- nale altum oder liber parabolarum metrice conscriptus, auch als Proverbia nicht bloss frühe gedruckt und commentirt, son- dern auch am Ende des 15. Jarhunderts ins Deutsche und ins Französische übertragen wurden. Die Sprüche des Diopysius Cato ,de moribus ad filium' aus dem 3. oder 4. Jarhundert waren seit Karl dem Grossen ein beliebtes Schulbuch, von dem es frühe angelsächsische t^araphrasen, wie englische , französische und deutsche Bearbeitungen (als ,Meister Catos Rath^ gab, vergl. Schlosser, Vincenz von Beauvais S. 181 und Zarncke, der deutsche Cato. Sebastian Brant hatte, nachdem er die Thesmophagia (Phagifacetus) Basel 1490 und den (in Leooinen abgefassten) Facetus Basel 1496 lateinisch und deutsch herausgegeben, auch 1) Ueber die Fabel -Ldtteratar vergl. Oesterlen, Steinhöwcls Aesop. Pabl. 117 des Liter. Vereins 1874. Das moralische Interesse neben der kriegerischen Neigung unserer Vorfaren zeigt sich deutlich in der Auswal der alten Sohrifistellen, welche man zuerst und schon ser frühe verdeutschte, nemlich: Aesop, Boethins, Vegez und Frontin. Es wäre eine interessante Aufgabe, nach diesem schon von Degen berürten Ge- sichtspunkte die Aufeinanderfolge der Uebersezungen aus dem Lat. und Griech. im Zusammenhang mit der deutschen Gulturgeschichte zu be- trachten. 73 den Cato Sirassburg 1501 ^etütschetS worauf er den Moretus Gonstanz 1506 folgen liess; der Facetus wie der Moretos ,docen8 mores luvenum, in supplementum illoirum, qui a Gathone erant omissi'. Bas kleine Büchlein des Gate war mit einer die ganze Pflichtenlere umfassenden Erklärung von Philippus de Bergamo oder Pergamo (13S0) als ,Speculum regiminis, alias Gatho moralisatus' Augsburg 1475 f. und als ^Cato moralis'simus' cum elegaotissimo commento eines Mönchs zu Glairraux Robertus de Euromodio d. h. mit weitläufigem Gommentar erschienen; für die Schulen ,pro pueris^ genügte ein Gato cum glosa et mogalisa- tione. Eine philologische Ausgabe verdanken wir dem humanisti- schen Banbrecher Erasmus von Rotterdam : 1514 in London er- schienen, bot sie zu den ,disticha moralia titulo Gatonis' und den ,Mirai Publiani' nicht bloss kurze ,scholia', sie erweiterte auch den Gesichtskreis der Jugend durch Aufhame der Apophthegmata oder illustres sententiae Septem Graeciae sapientum (lateinisch von Eras- masy mit den Versen des Ausonius), denen Erasmus eine ,institutio hominis christiani* in Hexametern beigefugt hat; eine mit ^Isocratis paraenesis ad Demonicum Rndolpho Agricola interprete' vermerte Ausgabe besoigte Mart. Dorpius, Strassburg 1515. Es erhielten sich ,Gato, P. Sjrus und die griechischen Weisen^ als drei- sprachiges Schulbuch (in griechicher Uebersezung von Jos. Scaliger, in deutscher von Mart. Opitz) bis in das 18. Jarhnndert hinein. Die neueste kritische Ausgabe von ,Gatoni8 philosophi liber^ ist von Ferdinand Hauthal, Berlin 1870. Die oberste Klasse hatte nach der Nürnberger Schulord- nung in der lezten Nachmittagstunde eine ,nicht allein nützlich, snnder auch lustig und lieblich' Lection. So las man auch in Nördlingen seit 1499 ,6inen Poeten^ denTerentius, den ,6oecius de consolatione philosophie^ ^) und, wenigstens in den Jaren 1502 — 12, den ^Virgllius oder derglei- chen^ (also etwa die Poesien des Garmeliten Joh. Baptista Man- tuanns (tl516), von Ascensius, Murrho undSeb. Brant commen- tirt; u. s. w.). In Ulm tractirte damals Absalon Grüninger den Virgilius, Plautus, Terentius und den christlichen Dichter Sedulius. In Nürnberg beschränkte man sich auf die Leetüre des Aesopus oder Avianus und Terentius; doch war für die besonders fleissigen und fähigen Schüler noch ,ein sunder Actus in arte humanitatis' in Aussicht gestellt; die Privatlectionen dieser Selecta, welche im Winter früh Morgens, im Sommer nach der Vesper gehalten wurden, erstreckten sich auf leichte Episteln 1) Die Editio prinoeps erschien lat. et in alemannica lingua c. expos. Thomae de A'quino Nürnberg 1473 fol. u. ö. Deutsch, Nürnberg 1473 f. u. ö.; diese aas dem 11. Jarh. stammende althoch- deutsche üebersezung der 5 Bücher de cons. ph. hat Graff mit Gom- mentar neu herausgegeben. Berlin 1837 8\ 74 des Aeneas Sylvias (poeta laureatus imperialisque secret.^ als Papst Plus IL; flpistolae familiäres 1478 bei Job. Eoelfaoeff de lubeok, Coloniae incola), des Gasparinas (f 1431, Scbüler des Jobannes von Ravenna, berümt als Erklärer und Nacbamer Ciceros) und Anderer (darunter besonders Franc. Pbilelfus, Filelfo, f 1481, Scbüler des Gasparinus; seine Episteln in Venedig, Basel, Strass- burg, üeventer etc. gedruckt) oder ,sunst icbzit ander s\ In Nördlingen batte man in der Scbulordnung von 1512 für die oberste Klasse die ^Epistolas Enee Silvy oder der- gleigben* empfolen und den Virgil wegfallen lassen; man er- klärte ansdrückliob' ,der Scbulmeister soll die bohen poeten meiden vnnd den boben Scbulen empfeblen^ Logik. Disputationen In der obersten Klasse war, wenn das Doctrinale Alexandri vollständig absolvirt d. b. auswendig gelernt worden, eine Lection für die Logik bestimmt, wobei man als Lerbucb den ,Parvulu8 logicae' oder ,Petrus Hispanus' zu Grunde legte. Dieses aus Psellus gescböpfte und viel commentirte Gompendium wird nacb einer bestrittenen Ueberlieferung dem in Lissabon gebornen Domini- kaner Petrus, der als Papst Jobannes XXI 1277 gestorben, ge- wönlicb zugescbrieben ; zuerst als ,Summulae logicales^ Köln 1487 4P erscbienen; aucb die ,Parva logicalia'. In der Nördlinger Schule war jedocb der Text mer als das Comment ins Auge gefasst und es genügte, wenn die Scbüler die ,prinzipien vnd regel' begriffen batten und in den Disputirübungen die erlernten logiseben Künste bandbaben konnten. Diese Disputirübungen fielen, nacb der Ordnung von 1512, die wir in unserer Darstellung zu Grunde legen, auf Samstag Nacbmittag (früber auf Freitag Nacbmittag) und zwar wurde ,solcber Actus alle acht tag, vierzebn tag oder drey Wocben an- gefarlicb verlangt^ Diese Uebungen wurden in Nördlingen scbon seit 1499 gebalten (vgl. Beyscblag II 29); wärend sie in der Nürnberger Scbulordnung nicht erwänt werden, finden sie sich -in einer Ulm er Scbulordnung aus diesen Zeiten als ,was news das vor nit gesin sunder zu gut den scbüler vffgesetzt vnnd geordnet durch den jetzigen mgrum. Und geschah sollch Dispuiatz alle ganz Wochen jj vnd jjj malen im Sommer nach der schule vnd werte unz funfen im gegensin des magister der jetz da^ jetz dort u£P merkte' . Man disputirte in drei Abteilungen. ,An einem Ort arguirten die Logici in Logica vnnd physica wider die questiones vnnd sophismata den respondentibus des tags davor bevolben, der president war der Provisor. An einem an- dern Ort disputirten die mittleren scbüler in Grammatica, der 75 President war der Cantor oder ein Locat. Am dritten Ort dis- putirten die jungen und iebent sich mit latein und verslein, was jeder konnte, der president war ein Locat^ So Beyschlag ,aus handschriftlichen Nachrichten^ Musik. Solmisation • Neben dem Latein als dem wesentlichen Unterrichtsgegen- stand wurde mit Eifer der Gesang gepflegt; denn bei dem Kirchen- dienst und dea vielen klerikalen Verrichtungen hatte in der Begel die ganze Schule mitzuwirken. Für die Uebung im Gesang, im ,cantus figuratus' waren be- sondere Stunden angesezt. Der Unterricht steigerte sich nach dem Alter und der Fähigkeit der Schüler, damit sie mit der Zeit mu- sicam usualem als wol als ,artiflcialem^ begriffen, auch ,cantum in mensurisS indem , die Eltesten zu dem Gradual, die andern zu den Antiffonen, zur Intonirung der Psalmen und zum Singen der Ymnen und dergleichen Versiculiren und Benediciren^ angehalten wurden. Zu Anfang des Unterrichts, des Morgens wie des Mittags Hess der Schulmeister ,die gewönlichen Lobgesang Veni creator spiritus, Veni sancte (Ave Maria) oder andere singend Beim Weggang aus der Schule sang man Morgens nach dem ,Gisiojanus yegliches monaths seinen Mensem\ also ein Distichon (dessen Silbenzal jedes- mal die Zal der Monatstage wiedergab) und beschloss mit einem Ave Maria. Des Mittags beschloss man gewönlich die Schule damit, dass ,der Asinus und Lupus (darüber später) verhört' wurde. Nach diesem ,Rügammt^ liess der Magister ,ainen knaben der wol gestimpt war öffentlich ausrufen: Tollite res vestras, latina proferte cras mane ad scolas/ Darnach stimmte man den ,psal- mum de profundis an jeglichen tag der wochen nach seinem Tonum, primum, secundum etc/ Die gebräuchlichsten Lieder, cantus und cantilenae, waren meist den Schulbüchern beigedruckt; so findet sich in der von Job. Pinicianus (Eening) zusammengestellten Epitoma Gramma- ticae una cum praeceptis moralibus, Augsburg^) 1513 4^ ^m 1) Augsburg war eine besonders eifrige Pfiegstätte der Musik. Von Bedeutung sind zwei daselbst bei Erhard Oeglin erschienene Werke, nemlich: Melopoiae sive Harmoniae tetracenticae super XXII genera canninum heroicoram Elegiacorum Lyricorum et ecdesiasticorum hym- norum per Petrum Tritouium et alios doctos sodalitatis litterariae nostrae musicos secundum naturas et tempora syllabarum et pedum compositae et regulato ductu Gonradi Celtis 1507 fol. mit Noten; die 22 Yersarien an Liedern des Horaz und dos Geltes illustrirt; siehe« das Genauere bei Zapffir26. Stella Musicae luvenibus artisque ejus- dem Novellis vera propter principia inde nanciscenda edit& F. Y. 76 Schluss eine kleine Liedersammlung für Schule und Kirche. Die (davon verschiedenen) Hymnen waren nach Beyschlag III 11 auch besonders gesammelt und zum Gebrauch der Schvlen mit Sprach- und Sachanmerkungen versehen. Neben dem lateinischen bymna- rium und sequentiale (Sammlung von Sequenzen und Prosen) finden sich schon am Ende des 15. Jarhunderts auch Ueberseznngen yer^L "bber ,die siben zyten etc.' (horae canonicae) um 1470 und ,ettlich tewtsch ymni' Heidelberg 1494 4^ Oödeke's Grundriss S. 147 und Panzer Annalen S. 211 und Zusaze S. 76. Altdeutsches Liederbuch, Volkslieder der Deutschen nach Wort und Weise aus dem 12. bis zum 17. Jarhundert von F. M. Böhme. , Leipzig, Breit- kopf und Härtel 1877. Die Uebung im Gesang^ geschah nach der vom Benedictiner Guido von Arezzo (11. Jarhundert) eingefürten Tonleiter, deren 6 Töne er mit ut^ re, mi, fa^ sol^ la bezeichnete: die nnsem dia- tonischen Tönen c, d, e, f, g, a entsprechen; zu dem Hexachord oder Reihe von 6 Tönen kam später zur Ausfüllung der Octave (für unser h) noch die Silbe si. Die Benennung dieser -Uebung in der Tonleiter oder ,Sol- misation' (Du Gange: solmifacio = cantandi per notulas ratio;, solficare, solvisare = musicales notulas canere; ital. solfa = scala) wie der Tonsilben- ist hergenommen von den Anfangssilben der Halbverse einer an Johannes den Täufer, als Schuzpatron der Sänger, gegen Heiserkeit gerichteten Hymne: Ut queant laxis i^esonare fibris it(ira gestorum l^amuli tuorum Seihe polluti LcAAi reatum iSiancte Johannes. Es gab auch noch zwei Denkverse für die Schüler: 1 Cur adhibes tristi numeros cantumque labori? TJt i^elevet itfiserum l^atum /S'oZitosque Iksbores. 2 Corde Deum et fidibus gemituque alto benedicam» Ut re mi /aciat so^vere Zabra sihi. Die clericale Solmisation, das Sol mi und Xa, deutete der Volka* wiz, der sich gern die Fremdwörter in seiner Weise verdeutscht, freilich etwas anders aus. Franck, Sprichwörter II 46a : Also klingen der betlerglocken, S. Yalentini, Anthoni etc. botschaft, ein tertz von einander gestimpty Sol sol, mir mir, Sol sol, mir mir. Franck kannte von Werd aus Benedictiner und Teutsch- herren^); iuNördlingen lernte er ausser den Bar f Asser n(FraQ- (Frater Vitus) Bild, 1508. Gleichfalls mit Noten. Von Cochlaus , erschien zu gleicher Zeit: De musica actiua. Colon. 1507 und Tetra^ chordum musicae. Nor. 1512 4® u. ö. 1) Ueber diesen von scäner ersten Einsezung weit abgekom- /■ 77 • ciskanern), Garmeliten und Beginen oder ,Seel- und Bet- schwestern^ auch die Antoniter kennen , Fratres domus S. An- tonii ordinis S. Augnsti Viennensis dioecesis (im Delphinat); dessen ,Baleyer^ (qnaestionarius, Almosensammler) noch 1520 in Tätig- keit war. Ghron. 46ßa: diser äffen orden tregt nur ein schwartz kleyd, daranff ein blaw creutz, betlen fast, haben ein bruderschafft, darein wer gelt hat geschriben wirt, tröwen dei^ leüten mit S. Anthonias feür, vnd die sach mit jrem genßbein dahin bracht, das man jn gut schwein an vil enden mostet, damit efye jren Gott den bauch m6sten, wolan vnd vnser durch die faust lachen, das wir Teütschen also Narren seind, vnd vns also* lassen &ffen. Diser orden ist den Teütschen der sye bciteüscht hat, wolbekant. Weltbuch 129b: S. Valentins bräderschafft — . Sant Anthonius bruderschafft braucht ein ander finantz,^ der henckt glöcklin etlichen Schweinen in die oren, lasst sy in der statt gehen das sy die gmein erziehe in sant Anthonius eer, wer yhn gebe so werde er jr yihe vor allem vnglück behftten. Wann nun die Schwein feysst werden, so essens die lieben pfaffen mit jren lieben frewlin vmb sant Anthonius willen. £r hat auch in der kirchen eyn trometer, mit zweyen glocken ein tertz von eynander lautend, damit er den armen thoren, die allweg gern hören leü- ten^ her z& lockt. Die gl^klein lauten wie ettlich außlegen, Heller Pfenning, Gib mir mangel du. Mit disen schellen glöcklet er für ynd für yn eyn klang ymb den anderen. Sprichw. II 50a: Gelt her, klingen die glocken, wann schon der pfaff todt ist. Lamh tomb, ist des wolffs vesperglock. Der pfaffen Datum ist nur nemen, ynd jr Register Sol mir, Ich sol, gehört den bäum zu. Daher der schwanck fleußt, dass man spricht gmeynglich in eim pfarrthurn hangen drei glocken^ die erst vnd kleinest anzogen vnd geleut, spricht: gem (= geh ihm) wein, gem wein, gem wein (bair.). Die ander gröber so man die Nonn glocken nent, spricht: wer zalts, wer zalts, wer zalts. Zoletzst lent man die groß Sturmglocken die brummt: Baurn, baurn, bäum etc. (VergL Wander s. v. Elosterglocke, welcher die Urquelle übersehen hat.) ' Der Partekenschüze^) i Seb. Franck ist, wie der Brief vom Jare 1539 (Alemannia IV S. 29) zeigt, in Not und Armut aufgewachsen; auch auf menen Orden der Hospitalbrüder hat Franck Chron* 472b — 475b einen langen anklagenden Ar^kel, and zwar nach dem Bericht eines Ordensmannes selber, verfasst: ,der Adel hat die armen auss dem spital sanct Marie vertrnngen', ,die burger herauss gebissen', ,sie wer- den nimmer brflder sunder Teutsch herren vnd Bitter brüder genentS » 1) partecaasportio; Stück Brot. ,Partekenheng8t' = ein um Brot 78 der Nördünger Schale hat er sich wol mühsam and kfimmerHch durchschlagen müssen. Dass er den Gegensas von Armut nnd Reichtum, die beiderseitigen Oefaren, Schäden und Schattenseiten in langer Erfiirung gründlich erkannt, zeigen seine Schriften an vielen Stellen, die Chronik 1531, das Weltbach 1534, die Para- doxa 1534, das verschlossen Buch 1539 und insbesondere die Sammlung der Sprichwörter 1541, ein Gedankenschaz aus dem eigenen Leben und dem Munde des Volks für das Leben und eigene Verhalten. Mit besonderer Liebe preist er den Segen der ,fr^lichen armut\ das Glück der harten Schule des Lebens filr die Entwicklung von Geist, Gemüt und Xiharakter, wenn -das Menschen- hers einen edlen Kern hat. Wie Freidank singt: ,Frftlich armfit ist richheit ane gut', so rümt auch Franck den Spruch Epicor's Chronik Bl.'93a ,ein frftlich armfit ist ein erbar ding^ und Spr. I 116b: Armut ist ein ehrlich fröhlich ding^). Armut ist nit armut, sie sei dann frftlich. I 37b: Armfit vnd hunger hat vil gelerter junger. 1 39a: Armfit studiert, Reichtumb jubiliert. Die armnt ist aller künst stiefifmfitter. Er seat den Reichen die ,weder gatzen noch eyer legen k&nden* (I 159by 11 113b, lö8a) g^enüber ,die sinnreich selig armfit' als ,der reichtumb^) zung, handt, aug vnd ffiß'. ,Di8e &mpter muß ir der arm lahm Plutus vpit gelt^) abkauffen vnd durch einn tausch der armfit jr gab mit seiner vergleichen. Damit geschichts dz sie (die Armen) dadurch weiss (werden) vnd die müssigen vnuersfichten polstersieohen sesael sitzende reichen nicht leren (= nihil discunt) dann zwen sehenckel vber ein pferd schlagen, im bret spüen oder dar stfiben, wein- krausen hAten^), vnd mord vber das arm vnsohuldig, ghen singender Currendeschüler, ,Partekenliebe' =s eine eigennüzige L^ ,Par- tekenfresser' als BezeichnuDg des Mäusekönigs bei Rollenhagen. Vergl. Birlingers Wörterbüchl. z. Volkst. 1862 S. 16: partemsknaben, vom Rufe an den Hausem: partem, spartem! „'s padW Ulm. 1) Aesopus moral. 12 extr. Paupertas si leta venit tnÜssima rea est. Glaadian. de rapt. Pros. 831: ingeniosa vias panlatim ezploret egea- tas utque artes pariat soUertia, nutriat usos! 2) Bei F. weiblich: die reichtumb kann weder gatzen noch eyer legen, II 113 auch als Merzal: Rechte reichtumb kamen nie Tmb,1 117b: Reichtumb seind doli vnd thom, 1 159b : Reichtumb haben Adlers ledern, sie lassen sich nit bannen. 3) Franck hat in Erasmi Adagioram opus, Basel 1533 p. 167 die Stelle vom ,blinden' Plutus aus Aristopbanes, vom ^blinden u. Uonen' aus Lucians Timon gelesen; was er vom Yerhältnis des Reichtums zur Armut sagty weiss er offimbar aus eigener Lectore von Aristopbanes' Plutus (v. 619 i7«vi«: Ilo^ev ovy t^eig ^(gananug; X^fivlogi (ir^ao- ^c^' a^v^ov J^ov), der griechisch 1517 in Hagenau von PeL Mosellan und 1528 ebendss. mit Säiolien von MelanchUkon ediii worden und griech.-laL von Thomas Yenatorius in Nürnberg bca Petrejus 1531 erschienen war. 4) Die Krause, mhd. kruse, das crosefin eine Art (Deck^) Kmg, 79 banß geladen podagram, schreien, ja kaum sonil witz haben dz sie jr rent, zinß ynd gült wissen zn verrechnen, sonder diß den Schreibern, vogten vnd amptleuten befelhen^ ,Man sihet, dass fast allein die armen studieren, nit auß sonderer andacht vnd lieb, sonder aoß höchster not, damit sie sich selbs anß dem bettel in ehr vnd wirde setzen. Daher seind die hangerigen darren Schwaben, vnd die nüchtern Itali vnd Saraceni so sub- til vnd hohe künstler in allerley künsten, vnd nit die vollen matten, wein vnd bierzapfifen. Ein voller banch zeucht vnd studiert nicht gern'. ,Die armfit vnd not treibt den menschen alles zu wagen, erfaren, lernen, Aben\ ,Diem5nchvnd geystlichen seind wanderbarlich meister (als die all gmeyi^lich von niderem stand, armer leut kind vnd bachanten, die all jr jugent partecken geschossen) in dem stuck gewesen, dar- durch zu &bten, bischo£Pen, prelaten worden, vnd nahend mehr dann den halb teil der weit an sich zogen^ I 37b: Arm vnd gescheid. Gehe an aller Fürsten hoff, sich vff allen hohen schulen vnd cantzlen, such an allen r&ten, B&ch hin vnd her, wer beredt, weiss vnd giert sey. Benefieien und Stipendien der Armen Betrachten wir die Unterstüzungen, welche sich in Nörd- lingen damals einem armen Schüler boten. Das Schulgeld war inen Erlassen. Für den Lebensunterhalt konnte durch Teilname ain Kirehendienst und durch Uebe]:name privaten Unterrichts ge- sorgt werden. Die armen Schüler hatten nach dem Sprichwort ,pauperes ad montem' die täglichen Yigilien in der Bergkirche zu St. £mmeran oder Heimbrand mit zu versehen und zwei oder drei von inen sich mit einem Locaten an jedem Freitag frühe dort ein- zufinden, wofür sie eine Suppe oder jeglicher einen Heller erhiel- ten. Auch halfen einige als Ministranten des Pfarrers in der Haupt- kirche und im Spital. Diese ,des Pfarrers Schüler' waren natür^ lieh in den Stiftungen nicht übergangren^). Der Bector hatte nach Weigand gekürzt aas dem mittellat. cracibolas, dann crasibalas ^ Becher, urspr. in Kreuzes form. Diese Ableitung wird in Grimm's Wörterbuch verworfen. 1) Beyschlag I 25: So werden 1393 des Pfarrers- Schülern zu St. Jörgen zwen Schilling, 1411 drei Pfennige und 1424 zwei Pfennige ver* schafft. Den Pfarrschülern im Spital verschaffte Ursula Gernandin 1443 jedem drei Heller, und Heinrich Müller alter Burgermeister 1463 jedem drei Pfennige. Die Pfarrschüler za St. Jörgen waren nach Pfarrer Jörg Bappolds iGiordnung jederzeit zwei, die von im mit Speise und Trank erhiäten wurden. 80 ausserdem Ton dem Bnrsgeld für den Chorgesang nnter die ge- sammten armen Schüler auf Martini 6 Pfund , auf Nativitatis 4 Pfund Heller zu Terteilen. Bector der Schule war Meister Joh. Zilger seit 1505 — 16, worauf Meister Bastian Schid im im Amte folgte, der dem Kat so wol gefiel, dass er 1519 im und seinen Kindern das Bürgerrecht schenkte. Dass. Zilger kein Schulmeister ,yon Gottes Gnaden', son- dern jfaul und gewinnsüchtig war, zeigen die ManuDgen des Rates, so schon 1 505 : ,der Schulmeister soll stattlich Locaten halten vnd den Befehl thun Vleis furzu wenden'. 1506: ,er soll den Knaben von den Vigilien ihr gepürend gellt, das er ihnen bisher nit hab folgen lassen, angedeihen lassend Wenn auch das Unterrichts- monopol des Bectors durch einen Batsverlass 1512 bekräftigt und dem ,Maister Sebastian, Schreiber', der eine deutsche Schule für Schreiben und Rechnen hielt, die Concurrenz gelegt und der Privat- unterricht in Latein und Musik verboten wurde, so muste doch 1514 der Rat im wieder entbieten lassen: ,da8s er sich hinfüro der Schulordnung bas den bisher bevleiß auch nit mer arme Knaben hielt, denn im die Ordnung zuließ'. Die erlaubte Zal aus- wärtiger, armer Schüler sollte nemlich nicht 40 überschreiten. Der Vorteil des Rectors von irer verstärkten Anzal bestand, nach Beyschlags Vermutung II 21, one Zweifel (?) wol in der Einname des Currentgesangs^), von dem sie, die kein Qaartalgeld dem Rector zu zalen hatten, dem Rector etwas al|geben mussten. Der Rector hatte ein gutes Mittel , . sein Jareseinkommen (d. h. ,Sold aus der Stadtlade', dazu Quartal- oder Schulgeld und Anteil an dem Bursgelde^) beträchtlich zu steigern, indem er fremde, auswärtige Schüler in Pension nam. Es lässt sich vermuten, dass ausser diesen reichen Kostgängern' und Pensionären, die beim Rector wonten, auch wol arme Schüler, die im besonders empfolen 1) Ob auch in Süddeutschland der Carrentgesang üblich gewesen, Lab ich nicht erforschen können. Die Litteratur über die selb dem Anfang des 14. Jarhund. aufgekommene Sitte, dass ein Verein armer Knaben vor den Türen fromme Lieder sang und sich so durch milde Gäben die Mittel zum Studium erwarb (wie Luther von sich bekennt: ,Ich bin auch ein solcher Partekenhengst gewesen und habe das Brot für den Häusern genommen^ oder, mit Mathesius za reden, ,sein Panem propter Deum geschryen') war mir leider nicht zugänglich. Dr. Wilisch, oratio de prima Currendae et chori symphoniaci institu- tione, Dresden 1735 8^. Chr. G. Stemler, Abh^ a. d. Kircheng. v. d. Gurrende u. denen Currendanern. Leipz. 1765 8°. Schaarschmidt, Gesch. d. Gurrende. Leipz. 1807. 2) Bursgeld (das Wort ist bei Beysohlag nicht erklärt» feit auch in Grirom's Wb.) war das Einkommen aus den Fundationen oder Stif- tungen. Die Schulordnung bestimmte dass ausser dem Stadtpfarrer auch der Rector als yBursgeselle^ zu der Bursrechnung solle berufen werden und dabei sein und ,zttgleich ain purssner soll helfen welen^ Beyschlag II 17. ' 81 waren oder gute Talente yerrieten, in seiner Schulwonnng eine Zelle und an seinem Tisch einen Plaz erhielten; sie konnten ja zugleich als Hülfslerer für die ersten Anfanger verwandt werden. Erwänt auch erst die 4. Nördlinger Schulordnung ausser den öffentlichen Lerern die ,Junkmaister\ so hat doch gewiss auch hier, wie in Nürnherg schon 1485, die Sitte bestanden, dass reiche Leute er- wachsene Schüler in Kost und Herberge nameb, um ire Kinder sowol zu Hause zu unterrichten und das in der Schule Gelernte zu ^resümieren' (repetieren), als auch dieselben in die öffentlich» Schule wie zur Kirche zu begleiten und dort nach der Bestimmung des Schulmeisters mitzuhelfen. Ausdrücklich verpflichtet die Nürnlb erger Schulordnung von 1485 (Heerwagen S. 10) den , Pädagogen', d. h. den Junk- meister : ,Im Kor, procession vnd in der schal, so er mit ge- schefften seiner herrsch aft nicht verhindert ist, hilff vnd beystand zu thun.' In Ulm hiessen sie ,S ehr eiber', welche gleichfalls die Dienste der Locaten auf der untersten Klasse versahen, wie .,die Ordnung der Lection und Lere der Schul hie zu Ulm' (etwa aus dem Jar 1520 vergl. W. Kapff, Zur Geschichte des Ulmer Gym- nasiums. Programm 1858 S. 3) beweist: ,damach lasst der pro- *visor vß. Denn so behört ein jeder schriber die jungen so im besunder befolhen sindt, welche d,&n nit schriber haben denen sie insonderheit bevolhen sind gond haim' (Beyschlag H 13 aus hand- schriftlichen Nachrichten). Auch kann es in jenen Zeiten nicht an . gutherzigen Klerikern (wie sie sich ja noch heutzutage finden) ge- feit haben, welche das aufstrebende Talent armer lernbegieriger Knaben auf Empfelung von Freunden oder Verwandten unter- stüzten, zumal wenn sie den geistlichen Stand ergreifen woll- ten, für welchen in Nördlingen, wie uns Beyschlag berichtet, schon ,1428 fünfzen Kaplaneien da waren ,^ die bald auf 20 erhöht wurden. Denke man sich hiezu noch 6 Gesellen des Stadtpfarrers, seinen Schreiber und Frühmesser, und die Kapläne zu St. Haim- brand, zu St. Wolfgang, St. Leonhard und neben einigen andern Kapellen und im Spital, den Stadt und Spital und die Land- pfarrer mit iren Kaplänen', so hat man eine beträchtliche Anzal von Geistlichen, die ir stattliches Auskommen hatten. Denn nicht bloss einzelne Gläubige hatten durch kirchliche und milde Stif- tungen ir eignes und irer Familien Seelenheil sicher zu stellen gesucht, auch ganze Gesellschaften, ganze Innungen, Gilden und Zünfte (an Zal und Ansehen am bedeutendsten die der L oder er oder Wollenweber), zumal als diese seit der Mitte des 15. Jar- hunderts Anteil am Stadtregimente hatten, ,Jartage' gestiftet, die des Abends mit einer gesungenen ,Vigil' und des Morgens mit einer ,Seelenmess' oder Hochamt bei brennenden Kerzen (welche die ,Kerzenmeister^ aus den Handwerksbussen zu einem be- stimmten Gewichte Wachs in die Kirche lieferten) feierlich begangen wurden. Blrllsger, Alemannis VI 1 ^ 82 Der BeannsO* ^^^ christlichen Heiden Wenn Hagen III 316 den ^Humanismas' unsers Franck rümt and meint 9 dass Franck nicht nur fast alle damals bekannten Alten aus iren eigenen Schriften kennen gelernt, sondern auch den 'Humanisten seiner Zeit (Erasmus, Pirckheimer, Hütten, Reachlin n. a.) bedeutende Aufmerksamkeit geschenkt, so bedarf die erste 'Behauptung einer grossen Einschränkung, die zweite fordert den Hinweis auf «die Bedeutung und den Einflnss der italienischen Humanisten für Deutschland, insbesondere für Heidelberg. Die Lateinschule halte im von den eigentlichen ,Ela8sikern', an die man heutzutage denkt, wie wir sahen, wenig geboten; ob und wie das Klosterstudium in Heidelbe^rg die Kenntnis der antiken Litteratur und Caltur förderte, wird aus dem folgen- den Abschnitt erhellen. Wer damals die Hochschule, Studium uniTcrsale oder generale, academia, gymnasium oder auch universitas') besuchen wollte, bedurfte noch keiner 1) Beanus ist unser ,Abitnrient' oder auch ,Fuchs' d. h. ange- hender, eben immatriculirter Student, von bejaune = bec-jaune = Gelb- schnabel; die Ausdeutung als Acrostichon: Beanus Est Animal Nesci- ens Yitam Studiosoram ist eine wizige Definition nach mittelalterlicher Weise. Die ^Fachstaufe' der Studenten ist ein schwaches Nachbild der rohen ,Depositio comuum'' oder Beania, die, wie aus Gregor von Na- zianz erhellt, schon auf der Universität Athen stattfand und von Justi- nian wie von der Synode im TruUus zu Constantinopel, Canon 71 verboten war. Vgl. in Zarnckes Deutsche Universitäten im Mittelalter das Ma- nuale Scolarium c. 2 und die Note S. 227. In Dieffenbachs Glossar, wird beanus erläutert i. e. lecator [Bube, Ruffianer], gall. i. scho- lasticas trivialis, ethrusc. i. barbarus, banausus, ain bean, bachant, schelm, grobianus, grober esel; ochß, puffel, tulpel. Der Beanus (nach der Deposition pennalis, von pennale, Feder bücbse) galt als ,pecu8 campi, cui ut rite ad publicas lectiones praepararetur, cornua depo- nenda essent. Die bei der Deposition benazten Instrumente werden in folgenden Denkversen aufgezält: Serra, dolabra, bidens, dens, clava, novacula, pecten, Cum terebra comus, cum lima malleus, incus Rastraque cum rostris, cum furca et forcipe forpex. Für die Depositions-Geremonien war selbst Luther, der für sie ein latein. Lied gedichtet; vergl. Andr. Wilh. Gramer fünf kleine Schriften 1832 und Meyer Studentica Leipz. 1857 S. 48. Hautz, Heidelberg 1 85, gibt eine reiche Litteratur darüber an. In Grimms WÖrterb. ist die Stu- dentenbezeichnung ,Fuchs' vom weidmannischen ,einen Fuchs prellen' hergeleitet, richtiger ist es dieselbe als eine Gorruption von Feix, Feux zu betrachten mit Karl Seifart, Altdeutscher Studentenspiegel Bremen 1866 S. 48; vergl. auch Grimm über die Grundbedeutung von ,Fächs* und ,Feix*. In den Acten der Kölner Artistenfacultät finden sich Bestimmungen gegen die rohen »tribulationes et vexationes novi- ciorum apud Renum' d. h. unfreiwillige Bäder und Taufen. 2) universitas ursprünglich ss commune = Gemeine, also civium 83 ,Matllritäts*Prüfung^ Es genügte, dass man die nötigen sprach- lichen Vorkenntnisse auf einer ^Lateinschule erworben hatte, um den in lateinischer Sprache gehaltenen Vorlesungen der Professoren und Docenten folgen zu können; denn Parac eis us' Vorgang die Wissenschaft in deutscher Sprache vorzu- tragen fand keine Nachfolge ; erst der grosse Bekämpfer des Aber- glaubens, des Schlendrians und der Vorurteile, Christian Tho- masius (aus Leipzig, geb. 1655, gest. 1728), Lerer in Halle sei^ 1690, brachte die Muttersprache als wichtiges und würdiges Werk- zeug des Unterrichts und der Wissenschaft zur verdienten Ere. Was Franck als Gewinn und Errungenschaft von der Latein- schule mitbrachte, war ausser der Gewandtheit im Latein -Lesen und -Sprechen eine gute Anzal Sentenzen^ Sittensprüche und Lebens- regeln, an denen sein jugendliches Gemüt die erste geistige Narung und fönenden Stoff zum Nachdenken gefunden. Auf den Knaben müssen frühe besonders vier Sprüche den gewaltigsten Eindruck gemacht haben, weil sie in allen Werken des Mannes oft wiederkeren. Vor allem gefiel im die Aufforderung zur Kritik, die Manung Catos: Quod vile est charum, quod chamm vile putato wornach der Zweifel an dem Urteil des Pöbels und an den sogenannten ^ausgemachten Warheiten^ als sittliche Pflicht hinge- stellt, der unerschütterlichem Mut des Selbstdenkens (sapere aude! ermuntert und ermutigt Horaz) verlangt, die Selbständigkeit des Urteils one Rücksicht auf die Masse oder den Hass und Hon Andersdenkender, ja der Troz gegen ,diese taube hündische seüwi- sche wellt' (Weltbuch Bl. 155a) geradezu als christlich gefordert wird. Die Chronik 1531 Bl. 111b — 112a rümt ,des frummen Cato evangelische Lehre* : was er von Glaube, Liebe, Gott, Unsterblichkeit und ewigem 'Leben sage, seien christliche Worte von einem Heiden gesprochen: Gatö stimme mit Christo, Jesaia und Pythagora. Wie jener Spruch Catos sich negativ gegen die äussere Au- torität und Tradition kert, so gab gleich der erste Spruch des 1. Buchs positiv die Quelle und den Prüfstein der Re- ligion an: Si Dens est animus, nobis ut carmina dicunt, Hie tibi praecipue sit pnra mente colendns. Franck sah in im ein Zeugnis von der Göttlichkeit des yGemütes' d. h« des Menschengeistes, ein testimonium animae natnraliter christianae (TertuUian, Apolog. 1, 7); bei den Stadtgemeinde; dann auch Studiengenossenschaft, Gollegium, Corpora- tion ; der universitas magistrorum stand die universitas scolarium gegen- über; die Beziehung auf die Qesammtheit der Wissenschaften ist modern. 84 t^tiilosophen und Poeten der Heiden, Wie bei den Aposteln Christi und den Kirchen-, Vätern* schien im im Grande derselbe Gottes- begriff zu sein. Gott ist nicht nur ,das unsichtbare selbständige Gut', sondern auch die weltdurchdringende Kraft, die ,in allen allenthalb und doch nindert (nirgend)^ die ,in, ob (über), unter, ausser allen Dingen ist^ ,wie aller Dinge Wesen, also auch ir Leben und BewegungS wie Paulus aus Arato citiert : in im leben, weben vnd seind wir, wir seind seiner Art; daher die ,Heiden' so gut wie die , Väter' ain mächtig Zeugnis geben der ^Untödtlicheit der Seelen^ Gott hat seinen , Gegenschein d. i. sein Ebenbild in uns gepflanzt als einen Spiegel, auf dass wir ihn doch im selben er- sehen, wie er sich dann selbst darin ersieht'; daher das ,S ebnen nach >der rechten Erkenntnus Gottes, durch die Erregung des Eben- bildes — und Sohnes Gottes in uns, welcher von Anbeginn in den Herzen, auch der glaubigen Heiden, im Geheimnuii ver- borgen, gewirkt hat/ Leitet Cicero das Wort religio als , Ge- wissenhaftigkeit , scheue Aengstlichkeit' von relegere, Lac tanz als ,Verbindlichkeit, Gebundensein' von religare, so fasst Franck die Religion tiefer als Hingabe an das Ewige, als Anhänge lichkeit an Gott, als Ergebung in Gott, welche die Selbst- verleugnung (abnegatio sui) voraussezt und die Nachfolge Christi fordert, in welcher der Mensch sich durch ,Kreuz, Trübsal, Not und Leiden' von dem Ungöttlichen befreit und scheidet, indem er im Denken den Eigensinn und Dünkel,* im Herzen den Eigenwillen und Eigennuz verbannt ; dass wir alle ,vanitet, finsternuß vnd irr- thum zurück werffen, vnd dargegen Gott erkennen, dienen, vnd dem zeytlichen leben widersagen, vnd vns der gerechtigkait er- geben, zum dienst Gottes, auss dem wir geporen werden, zu allem gutten , daher auch religio das man Gottsdienst verteutscht (so definiert die Summa von Thomas Aquinas 2a 2ae qü. 81 religio = cultus Dei)^), aber aygentlich ein Vergebung^) deüt, da der mensch nit mer sein selbst ist, sondern ainem andern ergeben, also 1) Die Religion der Alten war wesentlich deiai6ai/iov^a (Furcht vor den Schrecken und Wundern der Natur, Cic. Nat. D. 2, 5 sq. Sext. Empir. 9, 24; primus in erbe deos fecit timor Petron. fragm. 22, 1. Stat. Theb. 8, 661) = religio quae in meta et ceremonia deorum est (Cic. de invent. 2, 22, 66), quae superioris cuiusdam naturae (quam di- vinam vocant) curam ceremoniamque afiPert (2, 58, 161). Sp r i ch w. II 148. 2) Bei Franck ist »Vergebung* = (freiwillige) Hingabe. Vergl. Grimms Wb.: ^ergeben = der sich gefangen und zu eigen gab; eigentlich in des Herrn Gewalt und Macht gegeben, (ursprünglich) starker als hörig und gehorsam^ Die Stelle, auf welche sich Franck bezieht, in Lactant. Instit. 4, 28 apparet nullam aliam spem vitae homini esse propositam nisi ut abiectis vanitatibus et errore miserabili Deum cognoscat et Deo serviat; nisi huic temporali renun- tiet vitae ac se rudimentis iustitiae ad cultum verae religionis in- stituat: hac enim conditione gignimur, ut generanti nos Deo iusta et debita obsequia praebeamus, hunc solum noverimus, hunc sequamur. 85 die Christen Gott/ Damach behauptete Franck später gestüzt auf die ,Zeugnu8s der hailigen schrifft, der Haydeh, alten lerern vnd v&ttern' dass ,6ott das ainig ain, vnd höchstes gut, sein alraechtigs, wars^ lebendigs wort — , Christus, der New mensch, vnn des weybs Som, neben der schlangen somen, in aller men- schen hertz sey, Aber ssur soligkait nit gnug, wir seyen dann auch widerurob in Got, Christo, vnd seinem Reich, wie sy in vnng. Item das wort, Christus, der new mensch, werde dann in vnns wie empfunden vnd empfangen, also geboren, gewißt, gelesen, gebraucht, vnn angelegt^ Zu solchen freien und künen Anschauungen hatten sich in dem Manne die beiden Sentenzen aus der Schulzeit entwickelt. Aus ir stammten auch die Sprüche: ,Nerao sibi nascitur' (Sprich w. II Ö7a) und ,Homo homini deus^ Das Eind eines reichsstädti- schen Gemeinwesens musste als ^wov nohnxov leicht zu der Gesinnung kommen, welche (Pseudo-) Piatos Brief an Archytas (Cic. Fin. 2, 14, 45) ausspricht: homo non sibi se soli natum meminerit, sed patriae, sed suis, ut perexigua pars ipsi relinqua- tur, oder kürzer: non nobis solum nati sumus (OfiP. 1, 7, 5). In dieser Gesinnung wurzelte Francks Schriftstellerei, wie er in sei- nem Germaniae chronicon 1538 Bl. 296a sagt : ,der leser neme mein dienst vnd fleiss für gut an, so bin ich zait vnd rewet mich die arbeit nit, dann weil kein mensch jm selbs geporen sein sol, sonder ie einer dem andern leben sol, hab ich mit dissem dem gmeynen nutz w611en dienen, vnd ja an den baw dess gmeynen nutz disse meine stain wollen tragen, wer mehr hat vnd baß kan, der geh mehr vnd thu baß\ Ebenso im Weltb. 1534 Bl. 163b: damit ich mir selbs nit alleyn leb vnd geboren sey. Sprichw. II 57: Nemo sibi nascitur Der bäum tregt jm selbs kein ftpffel Das schaf tregt jm selbs kein wolle Niemand sol jm selbs leben. Die Sprichwörter wollen, dass wie der bäum, vnd alle crea- turen, zu dienst des Sechsten erschaffen, jr selbs allein nit nütz sei, sonder nach art der lieb anderen. Also ist alle tugent auff den nechsten gericht, vor Got jr selbs gröster Ion, vor der weit jr selbs gröster schad, dann nach art der lieb, so sich selbs nit suchet, verzert sich in diensten der lieb, scherpfft Hoc vinculo pietatis obstricti Deo et religati sumus, unde ipsa reli- ^o nomen accepit, non, ut Cicero interpretatns est. a relegendo (Nat. Deor. 2, 28). Franck folgt der Definition des Marsilius Ficinus (Plato, Florenz 1483 — 84: Argumentum in Euthyphronem vel de sancto) r nos ipsos relegendo religantes Deo religiös! sumus und Augustins Retract. 1, 13 uni Deo religantes animas nostras, unde religio dicta creditur. 86 vnd verzert alle ding, geht dmnder hin vnd kompt vmb jr leben, glück vnd heyl aufiP erd, nur dass sie vor Bot lebe ewig. Franck, welcher in seinem Lebensgange wol den ,Lon der Welt' zn erfaren hatte and den Sprach ,Homo homini lupas' (Plaat. Asin. 2, 4, 88) genug bestätigt fand, gibt Sprichw. II 15a zu: ,Ein mensch ist des andern wolff, Teafifel, oder hagel worden', fügt aber hinzu: ,Es solt ein mensch des andern gott sein'. In der Chronik Bl. 93a malt er den Sprach Epikurs bei Wal- therBurley ,sati8 magnum alter alten theatrum sumus' mit den schönen Worten aus : ,einer sol des andern faß^trit^), tantz- hauß, pallast, oder rosengart sein'. FWeinkauff Nachtrag zu Seite 64, Anmerkung 1 Schulrecht. Franck, Weltbuch Bl. 177a: In mitte dises Tempels (Salomonis) ist ein felß rings vmbgättert mit eisinen g&tter, zu dem kein Sarracen sich nähet, sunder von weitem an- bett, wann sy gleich von ferren landen anzubetten wallend käm- men. — — Item sy glauben das auff disen stein Christus Jesus nach xl tagen seiner gehurt geopffert, vnd vson Simeon in sein arm entpfangen worden. Item Jesus hat xij iärig, als er vnwisssend seiner matter, zu Hierusalem blib, auff disem felsen gelert, vnd sein erst schalrecht thon, darumb sy dann mit grosser reue- rentz dise statt eeren, mer dann die vermeynten Christen das Sa- crament des altars. FWeinkauff 1) Bedeutet entweder vestigiam = wegzeigender Fusstapfen, oder gradus = Stufe, Staffel, um emporsteigen, oder acabellum =b Fussbank, Schemel, um darauf ruhen zu können. Der Spruch: av&QOi- nog av&Qcinov daifjLoviov (=: ^£oc, denn erst im neuen Testament ist es = böser Geist) steht in Michael Apostolius (1453 aus Constantinopel fluchtig) Paroemiae, Cent. 11153. Plinius N. H. 2, 5 definiert: Dens est mortali mortalem iuvare et haec ad aeternam gloriam via. Symmachus Epp. 9, 114: Beete Cae eil in 3 [Statins] comicus (f 168 v.Chr., Menan- ders Nachamer) Homo, inquit, homini deus est, si suum offi- cium sciat. Die hochmütige Bemerkung Epikurs in einem Brief an einen Gesinnungsgenossen und Philosophen (Seneca Epp. 7 fin.): Haec ego non multis, sed tibi: satis enim magnum alter alteri theatrum (= Publikum) sumus, hat Franck in menschenfreundlichem Sinne umge- wandelt. 87 . Sprüche und Inschriften 1 Wie aber das glück einem die Augeo zaschleasst, also thuot UDglück die Augen auf. Willing 46b ^). Ein gstelt wasser, wie lauter es ja seye, wirt es gleich faul; aber das seinen Lauf hat, je mehr es über sand und stein feilt und "strauchlet, je schneller, herter und besser es ist: also wirt ein frommer mensch ausserhalb dem creutz liederlicher und fau- ler u. s. w. S. 47a. Wann schon ein messer glatt ist, vnd aber nicht branobt wirt, so setzt sich der rost wider ' darein, frissts gar hinweg vnd verderbt es. Je mehr man es braucht, ob es schon darob etwas verschlissen, wirt es mit hinzu desto glantzer. Also wann schon einer ein gute art an jm hat vnd durch wider Wertigkeit nit geübt wirt, verrostet und verfaulet er gar u. s. w. 47a. Wie wir sehen, dass jm der Adel that. Wann die Edling mit einander scharff rennen wollen, so üben sie sich etliche tage vorhin und vorauss am Abend, ehe es am Morgen den ernst gilt^ drauif mit den stangeo, sie bereiten den platz und richten den gaul ab und sehen ob sie zaumrecht seien oder nit : alles von dess- wegen, damit sie am morgen desto bass bestehen mögen. Also wann man ein kurzweilig Schauspiel, Gomedi oder Tragödi halten will, so übet man sich viel und lange Zeit zuvor, jeder überspricht seine sprüch zuvor oft und dick, damit er nit zu spott werde: und an diesen Sachen allen ist doch nit ein geringes gelegen, noch keret man den fleiss an. Wie viel mehr bedarf sie der Christ, dass er sich auf den Tod rüste u. s. w. S. 66b. Die (welche ungern von den irdischen Dingen ablassen) thund gleich wie die jungen Kind die zahlpfenning mehr dann güldin lieben und behalten. 67b. Also (wie beim Glauben die Werke von selbst kommen) — gleich alss wann einer ein art hat zu dem Bildhauwen so bricht die art an jm auss, dz er nichts liebers thut, dann jmmerzu Bcbnitzlen u. s. w. 81a. Und kompt das gemein Sprichwort daher; dass man gmein- lich sagt: wer one vortheil lebt der ist des Teufels. S. 98a. Und geht dem fleisch und sündlichem Adam eben wie dem grünen saftigen holtz, wann es brünnen soll, so sperrt vnd wert es sich, es raucht vnd dempft, und wil nienen dran: wann es aber 1) Vierzehen Predigten von gewisser Bewarung vnd artzney wider allen schrecken, gefar vnd schaden — durch Johann Willing, Churfürstl. Hofifprediger. Gedruckt zu Heidelberg durch Joann Mayer 1664. 88 ▼orhin wol erdorret üt, mlwdann brinnt nod flackert es geschwind dahin o. s. w. 99a. Wie der Pfiiw, ao er die federn ansieht, hoffotig wirt, so- bald er d'fness beschanet die federen niderlässt» also lasst der MeuBch Ton der hoffart ab, wann er sein end betrachtet. 100b. Die Liebe ist Metz Unruw« wie man sagt, sie geht nimmer mössig. 106b. Man spricht sonst gmeinüch, die seit fore mis alle hindurch. Das ist nichts. Mit der zeit £unen wir zwar all darvon, aber die zeit ist nit der rechte fnmiann. 107a. AB 2 Ofenkachelsprache aus Deckenpfiroim Aus der Hafinerwerkstätte von Boder in Neubolach hervorgegangen Vor Drachen uns bewahre Crott Und trage uns in aller Noth. Geduldig ist das Lammelein, Das Licht gibt einen hellen Schein. Gebratne Hasen sind nicht bös, Der Hanmier gibt gar harte Stöss. Glück und Glas — Wie bald bricht das! Ein Affe gar possierlich ist. Zumal wenn er vom Apfel frisst. Der Dachs im Loche beisst den Hand, Soldaten macht der Degen kund. Das Fleisch der Granse schmecket wohl, Die Gabel es zerlegen solL Der Jude arme Lente schind% Das Jägerhom im Walde klingt. Die schlaue Katze frisst die Maus, Der Kamm herunter bringt die Laus. Stolze Frauen — Gleichen diesen Pfauen. Kamele tragen grosse Last, Ein Kränzlein ziert den Hochzeitsgast. Der Raben Lied ist grab grab grab, Vom Rettich man den Koth schabt ab. Der Vogelsteller früh aufsteht, Er fragt nicht, ob die Uhr recht geht. Xanthippe war eine arge Hur, X mal X macht hundert nur. 1) VergL Alem. IV 244 ff. 89 Sechs Tage hat der Herr sein Werk getrieben, Er geb' uns seine- Roh : die Glock ist sieben. . Die Glock ist acht: geh'ebtes Herz, betrachte Wie Noah dort erhalten ward selb achte. Die Glocke schlaget aus : es heisset nenne ; Macht Haus und Hof und auch die Herzen reine. Ihr Seelen hört, der Zeiger steht auf zehen, Die ruhen nur, die sich nach Ruhe sehnen. Wenn die Hasen nicht mehr können laufen Und die Hasen [Gänse?] nicht mehr können saufen Und die grossen Herren haben kein Geld, So steht es übel in der ganzen Welt. Verstumme toller Thor, ihr Gottesleugner schweigt, Weil sich der Schöpfer selbst in den Geschöpfen zeigt. Es zittei*t Ost und West voll Angst und voll Bemühen, Weil fürchterliche Heer* den Erdkreis überziehen. 3 Inschriften an und in Häusern in Deckenpfronn An Häusern: Gottes Gnady gesunder Leib, Ein warmes Bett, ein. frommes Weib, Ein gut Gewissen, viel bares Geld, Das ist das beste in der Welt. Allzeit traurig ist beschwerlich. Allzeit fröhlich ist gefährlich. Allzeit redlich, das ist ehrlich. Friesartig am Enopf des Wandgetäfers aller 4 Wände in einer Wonstube in Deckenpfronn (Mezger Süsser) stet: Sei fromm, gerecht und treu, geduldig und verschwiegen, Fleuch Wollust, Müssiggang und HofPart, Zank und Lügen^ Trau, aber schau doch wem, halt was du hast zu Kath, Ersuche deinen Gott um Segen früh und spat. Gib gern den Dürftigen, entschlag dich vieler (eitler?) Sorgen, Was du auch heut kannst thun, verspare nicht auf morgen. Nimm weiser Leute Lehr und Warnung dankbar an, Yergiss auch dessen nicht, der dir was Guts gethan. Halt treue Freunde werth, lass falsche Herzen fahren, Gedenke, dass du wirst vergehen mit den Jahren Und trachte desto mehr, und zwar zu dieser Frist, Nach dem was ewig währt, nach dem was droben ist. Calw KDoll 90 Josua Ulsheimers Reisen naeh America und BeschreibuDg des Landes Andreas Josua Ulsheimer ^) (Ulßheimer, ülßhaimer), Son eines Geistlichen in Gerstetten im Wirtembergischen Amte Heidenbeim, erlernte in Ulm die Chirargio, macbte darauf als Feldcbirurg bei schwäbischen Regimentern 1596 und 97 die Feldzüge gegen die Türken in Ungarn mit, reiste 1598 mit einem Jüngern Bruder nach Italien und trat in Liyomo als Wundarzt bei den Grossher- zoglichen Truppen ein, aber schon Anfang 1599 begab er sich auf ein Friesisches Schiff und machte auf diesem eine Fart durch das Mittelländische Meer über Zante, Greta nach dem Atlantischen Ocean und Holland. Alsdann für er auf Holländischen Schiffen viermal nach Central- und Süd-America (1599—1603), 1603—4 auf einem Schiffe der Genuesischen Coropagnie nach Guinea, trat im December auf einem Schiffe der Holländisch^ Ostindischen Gom- pagnie ein und machte eine Fart nach Ostindien mit, von welcher er im Oktober 1609 nach Amsterdam zurückkerte. Ulsheimers Reisen auf Niederländischen Schiffen fallen in die Zeit, als Philipp 11. nach der Eroberung Portugals den Handel der abgefallenen Staten zu vernichten und inen den indischen Markt zu verlegen bemüht war. Interessant ist es, in den Berichten ulsheimers zu verfolgen, wie trozdem die künen Seefarer ire altgewonten Handelswege ver- folgten und sich selbst aus den Golonien des feindlichen Landes und deren Machtbereich nicht ganz verdrängen Hessen, ferner wie dieselben stets darauf gerüstet sein musten, selbst gegen eine Uebermacht den Kampf aufzunemen. ülsh. entschloss sich 1609 in der Heimat eine Stelle zu suchen, und begab sic^ zunächst zu seinem Bruder Sebastian, der damals deutscher Schulmeister zu Schorndorf war, von da nach wenig Tagen zu einem jüngeren Bruder Johann Cornelius, Forstkneoht auf Grafeneck. Auf des lezteren Rat vermalte er sich mit Anna Hosch, der Tochter des früheren Forstknechts auf Grafeneck Johann Hosch und liess sich 1) Prof. Hartmann berichtet, dass der Name Ulsheimer in den Gerstetter Eirchenbü ehern nicht vorhanden sei; dieselben fangen erst a. 1607 an. Ich aber ßnde in meinen Büchern, dass Jakob Ulshei- mer (Ultzamer) von Münsingen a. 1566 Stadtpfarrer inHornberg war. Jakob U. von Hornberg ist 1568 CoUaborator in Maj-kgröningen, 1571 zweiter Diaconus in Schorndorf, noch nachweisbar bis 1608 ff. Das Bach „Sammlung aller Magisterpromotionen welche zu Tübingen von Anno 1477 — 1755 geschehen u. s. w. von Johann Nicol. StoU, Stuttg. 1756'^ fürt 3 Ulsheimer aus dem 17. und 18. Jarh. auf, zwei aus Feibach- Canstatt, beim dritten ist die Heimat nicht angegeben. Die Taufnamen sind Alezander Friedrich, Johann Georg, Johann Jakob. AB 91 1610 in Tübingen als Wundarzt nieder, lieber seine weiteren Schicksale ist mir nichts bekannt. Er beschrieb seine Reisen and die Länder, welche er be- sucht hatte, wie es scheint, um 1622; diese Jareszal findet sich wenigstens am Schlüsse desjenigen Exemplars, das aus dem Nach- lasse des früheren Conrectors Holthausen zu Schwelm in den Be- siz der Bibliothek der höheren Bürgerschule daselbst übergangen ist. Dasselbe ist nach der Unterschrift am Schlüsse „Sebastian UlCheimer Schuolmaister, vnd Gerichtschreiber zuo Wintterbach Anno IC, 622^ von dem Bruder des Verfassers, der 1609 noch Schulmeister zu Schorndorf war, niedergeschrieben. Ob noch ein weiteres Exemplar des ^Bayss-BuQches^ vorhanden ist, konte ich nicht ermitteln. Ich lasse im folgenden den ersten Teil des Bayss-Buoches mit der Beschreibung von Amenca abdrucken. Die Orthographie habe ich hier und da etwas vereinfacht und ausgeglichen, one jedoch nach völliger Eonsequenz zu streben; nur habe ich in Be- zug auf die Anwendung von v u sowie von j i unseren Schreib- gebrauch eingefürt: die Handschrift verwendet regelmässig v am Anfang und u in der Mitte für Konsonant und Vokal, dagegen zeigt sich bei j und i bereits Schwanken, sie hat jst und ist neben einander. Aayfs Buoch Warhaffte^ vnd Gründliche Beschreibung^ was Andrea fsJosiM Ulfheimer jetziger eeitt BaMerer vnd Wundartzt zuo Tübingen vff 10 vnderschidlichen Baysen vff seinem Handtwerckh nach auß- gestandnen Lehrjahren: Älß in Vngern, Ämericam Septentrionälem oder genandt Brasiliam, jnn Guineam Ostindien vnd auff Goa ver- ficht. Auch was er daselbsten tvunderbares gesehen vnd außge- standen. Das Erste Capittel van Ulßheimers Bayß in Hungern, Erstlich so bin ich Andreas Josua ülßheimer^ von Marckht Gerstetten Haydenhaimer herrschafft gebürttig, im achzehenden jähr meines alters, alß ich nach volbrachten Lehrjahren in die drey jähr auf der wund-artzney gewandert und einen sondern lust zu raißen hette, Anno Christi 1596^), da eben herr Oberster von Merspurg ein schwäbisch Begiment kriegsknecht in Ungern fuehrte, von Augspurg aus, und nach Laugingen gezogen, daselbst hab ich mich sampt andere die sich under genant Regiment gethon, und under hauptman Joachim Berchtolden von Both auf die Tho* naw begeben, und seind also in Gottes Nahmen mit einander nacher Wien in Österreich gefahren. Von danen seind wier auf 1) Dieser Feldzng stet ausfürlich beBchrieben in Burkhard Stiokels Tagebuch ed. Eausler in den wirtemb. Jarbb. 1866 S. 386 ff. AB 92 Ungerischen Altenburg^) gezogen, da wier zusammen khommen, aber unß nit lang gesaamet. sondern uff Wäptzen und von danen weiter uf Hartwäng (welches wier nngevahr den 18. tag nach der belegerung mit einem stürm, der nahendt in die 8 stundt lang gewehrt, gegen abendt eingenommen und erobert, darinen auch außerhalb etlicher fümemmer Weibs und Manßpersonen fast alles, auch schwangere und seügende weiber wie nicht weniger die kin- der nidergehawen und geschlagen, also weder jung noch alts ver- schonet haben). Von dißem solt man aber weitter auf Erlaw^) gezogen sein, in meinung selbige Vestung zu entsetzen. Es hat aber der Türckh solche Vestung, ehe wtier dahinkhommen, und nach dem die Christen darinen (wie man gesagt) über die 50 Stürm außgestanden, erobert, und ist darauf unß entgegen gezogen, wier haben in aber in einer veldtschlacht, angesehen der Türckhische Kayßer selber im läger geweßen, in die flucht geschlagen, alß er sich aber wider umbgewendet, und die unßern, so gar girig auf das Beütten geweßen, in keiner rechten Ordnung mehr geweßt, hat er unß (wie wohl dannocht der Türckhen noch vilmehr umb- khommen) schier gar uf das haupt geschlagen, also das wier alles verlaßen und unß allein mit der flucht salvieren mießen, da dan der krieg selbigen jahrs biß auf das künffüge eingestelt worden. Folgt der cmder Zug. Alß wier nun in Anno 596 .unß aus bemalter flucht zu Ungerischen Hamburg wider gesamlet, und unß daselbsten abgedanckht worden, bin ich dem Wirtemberger landt und Marckht Gerstetten im Haidenheimer Ampt alß meiner heimet zugezogen, von danen ich mich wider umben gesellenweiße nacher Ulm zu meinem lehrmeister begeben, aber nicht gebliben. Dann so bald der winter fürüber gweßt, hat man gleich umb Faßnacht Anno 1597 wider umbgeschlagen ^) und wider den Erbfeind den Türckhen Knecht geworben, da ich mich abermal under vorigen Obersten Johann Friderich von Mörapurg under des Schwäbischen Kraißes geworbene Regiment schreiben lafßen, und seind wier in der Fasten bey Grintzhurg gemustert worden, wie wier auch von danen äuß, und ich under meinem vorigen Hauptman, Joachim Berchtolden, uff der Tonaw biß in Ungern gefahren, da wier zeit- lich zu Alienburg und Wißelburg in das aufgerichte Läger khom- men, seind aber erst im Monat lulio, alß kurtz zuvor Ertzhertzog/ Maximilianus, verordneter General oder Veldobrister, zu Ungeri- schen Altenburg angelanget, von danen aufgebrochen, und mit gantzem häufen oder beer auf Papa gezogen, welche statt wier bald nach der belägerung mit stürmender handt erobert und ein- 1) Ungarisch Altenburg an der Leitha in der Gespanschaft Wieselburg. Hartwäng ist Hatvan östlich von Waitzen. 2) Erlau an der Erlaa in der Hevesch-Szolnoker Gespanschaft. 8) Die Werbetrommel rüren, ad arma vocare tympano Frisch 11 191.b. Im Kinderreim v. Schwedenkrieg „der Kaiser schlagt um u. s. w." AB 93 geDomiuen^ und schind darvor mein Hanptman and der Rießwnrm (aber nit tödtlich) gescboßen worden. Die Vestung haben die Wallonen (in dem weil die Türckhen mit den unßern freyen nnd. sichern abzugs halber tractiert) erstigen nnd darinen übel gehau* ßet, die Türckhen aber hat man abziehen lafßen. Nach solchem seind wier uff Bab geruckht in meinung (wie etliche sagten) ein Gonfoy abzuschlagen, Etliche aber wolten, es were angesehen, die yestnng, dieweil sie übel proviantiert, desto leichter zn erobern, ist aber dieweil man daselbsten nit geringen widerstandt befunden (inmaßen aldar schier ein Hertzog von Man^ taa von den Türckhen gefangen worden were, wan ihne nicht herr Colonitsch entsetzet und geretet hete) der keines geschehen, derowegen man wider aufgebrochen nach Gomora ^) von danen auf Grran, und weil der Türckh äin anschlag gemacht, von Gran auch nf Waatgen geruckht, da wier oberhalb der statt ein läger ge- schlagen, und ist etlichmal mit dem Feind scharmitziert worden, weil aber, ob man ime wol eine schlacht angebotten, er demnach dieselben nicht lifern wollen sondern sein abzug genommen, also haben wier unß auch auß dem Feld, und nacher Freßhurg^ und Hamburg^) begeben, da dem Volckh abgedanckht worden. Das ander Capittel von ülßheimers Baiß in ItaUam, Da nun unß also abgedanckht worden, hab ich mich selbi- gen winter über zu Wien in der statt ufgehalten bey einem Maister der wundartzney, in volgendenl früeling aber hab ich mir fürge- nommen, umb mehrere erlernung der wundartzney weiters und in Italiam zu raißen, bin demnach umb Faßnacht in Anno 1598 von Wien uff Augspurg zu meinem vorigen maister Johann Unäer' singem gezogen, bey ihme etliche tag verharet, in miteist hab ich meinem lieben Yatter nun mehr in Gott ruohendt Magistro lacoho Ulßheimemt Pfarherr zu Marckht Gerstetten Haidenhaimer Amptz, mein vorhaben durch ein schreiben zuerkennen geben, der zwahr darin consentirt, beneben aber mich zuvor zu sich nacher hauß gefordert. Alß ich nun heimkam und über etliche tag wider vort wellen, hat er mir meinen Bruoder lohannem ComeUum ülßheimem (der damalß von der Rechenschuellen zur schreiberey gezogen worden uild anietzo dem durchleuchtigen hochgebomen meinem G. F. und herm lohann Friderichm Herteogen zu Württemberg und Teckh, Graven zu Mimpelgartt und herrn zu Haydenhaim etc.^) für einen Rayßigen Schulthaißen zu Haupperspron Schomdorffer Amptz dienet) zugeben, ine (weil wier einen Vetter zu Florentz an des Großhertzogen hoff baten) mit mir in Italiam zu fiehren, umb das er etwas erfahren und lernen soll. 1) Eomom am Ostende von Gross-Schütt. 2) Westl. v. Pressburg a. d. Donau. 8) Johann Friedrich, ältester Son und seit 1608 Nachfol- ger des Herzogs Friedrichs I. von Wirtemberg, genannt der Friedfertige. Demnach zogen wüer im Nahmen Gottes mit einander auf gut glückh dahin, and erstlich uff Äugspurg, von danen aaßlnsprukhj und fürter durch Tirol auf TrentOj von danen auf Bieterichsbem, und von da auß ferner auf Ferrara. Zwischen Verona aber und Ferrara ist unß in ein Italianischen Fleckhen (deßen Nam zwar, weil ich der sprach noch unerfahren war, nicht mehr wißendt, aber nahe bej Ifola de lafcala gelegen) folgender boß (Streich) begegnet. lo dem fleckhen saß ein fraw in einem kromladen, die sprechen wüer (und weil wier noch nicht welsch konten) uf gut teutsch umb ein zehrpfennig an, waß sie ihr eingebildet kan ich liicht wißen, sie huob ein jämerlich Mordgeschrey an und rüeffet ihrem Man, der kam zue hand mit bloßer wehr über unß gelof- fen. Weil wier nun frembd und der sprach unkundig, auch zam widerstand zu wenig waren, gaben wüer zuverhüetung größerer gevahr verßengelt. Nichts desto weniger ist unß der Man alß biß für das dorff hinauß nach gelo£fen, derohalben wier unß zur gegen- wehr gestellet. Nun aber lif vil volckhs mit dem Man hernach, und alß sie unß still stehen sehen, und ihrer andtwortten sahen, hielten sie den Man und fragten in erst, trarumb es zu thun Were, der gab für wie seine fraw ime geclagt, das wier ihren zu Unehren begert und unzucht zugemutet betten, daran sie unß doch gantz unrecht gethon. Dißes fürgeben hielt uns einer (der under inen zugelojSen und Teütsch kundt) für, demselben sagten wier das es nit wahr, und wier so hoch springendt nicht, sondern mat: mied: und hungerig seyen, auch für solche arbeit lieber eßen weiten, gestaltsam wie wier sie deß wegen umb ein steür angesprochen heten, zeigten also die warheit an, da ward darauß ein groß ge- lechter und anß solcher schimpff (Scherz) umb sovil zum besten, das unß etliche vermegenliche des zageloffnen volckhs einen zim- lichen zehrpfennig 'gesteüret. Von Ferrara zogen wier weiter gegen Bononien^), under- wegen aber nit weit von Ferrara kamen wier abendts gar spatt') auf einen hoff, da legt man uns in ein scheüren auf das bew, deßen waren wier so fro, das wier nicht nach eßen (welches wier ohne das noch nicht recht fordern kondten) fragten, über diß hat die einöde, und der nechst erzehlter schimpff, welcher unß noch new wäre, bey unß sovil verursacht, das wüer den leüten uf dem hoff nit trawten, sondern zogen die laitern, daran wier uf das hew gestigen, zu unß hinauf. Alß wier schier einschlaffen wol- ten, kam einer von dem gesund, der rüeffet, wier meinten, sie wurden unß plündern wollen, ließen unß derowegen nicht hören. Alß er aber vort rüeffet, wier auch sovil merckhten, daß er von Eßen und Trinckhen sagte, kroch ich allgemach herfür, da hatte er einen kruog mit wein und einen zimlichen (grossen) Newge- bachnen kuochen. 1) Bologna. 2) Wird beute noch so gesprochen. AB 95 Das bracht er unß, deß waren wier fro, ließen die laiter wider hinab, und nach dem wier solches verzert, schliefen wier die nacht sicher durch, Morgens begerten wier solches zu bezahlen, so wolten sie aber von unß nichts neraen, deßen wier wohl zu- iriden waren, sagten dero wegen danckh, und zogen weiter auf Banonien und Florentz zu. Daselbsthin khommen wir im Monat Inlio und kherten ein bey unßerm Vetter, meines Vatters Schwester Sohn Constantino Kruogern, auch im hertzogthumb Würtemberg gebürtig, der war des Großhertzogen daselbsten Trabandt, bey selbigem hielten wier unß vierzehen tag auf, und wurden durch sein zuthun von dem' Großhertzogen beede, und ich beneben alß ein Balbierer und Wund- artzat under den Soldaten, oder zum Veldtscherer in die besatzung nach lAvomo verordnet und angenehmen. Da ich nun Etlich Monat zu Livorno also in besatzung gelegen, mochte ich nicht länger alda auf der Bemhaut ligen, sondern trachtete nach an- dere gelegenheit weiter zu raißen. Derowegen alß in Weyennachten selbiges jahrs 1598 ein schuf aus Früeßlandt (darauf es an einem Balbierer und Wund- artzt manglete) dahin khommen, hab ich von dem Capitanj da- selbsten meinen abschid begertt, der mir zu mehrer befürdernng meiner wohlfart gern ertheilet worden. Das drite CapUtel von Ändreae Josuae Ulfiheimers Ersten Meerfart in Etliche Instdas Maris Mediterranei und nach Hol- landt, Alß ich nun anfangs des 1599. jahrs zue schiff gangen, und wier Morgens von land fahren wolten, hat sich in der Nacht ein gi'oßen lermen in und umb Livorno auch bey unß in den schiffen erhaben. Wie sich derselbige erhebt, kan ich hie zuerzehlen, weil mein Bruoder und ein Essel daran schuldig war, nicht nnder- lafßen. Mein Bruoder Cornelius, der zu Florentz von dem Grroßen- hertzogen neben mir zu einem Guardiknecht • gen Livorno verord- net war, versähe eben selbige nacht uff einem wähl die schült- wacht. Alß er nun etwas in der nehe umb sich höret rauschen, schnaufen und schnarchen, aber wegen der Fenstere nichts sehen kondte, fragt er nach der Loßung, aber es wardt im kein andt- wortt, und ließ doch das schnarchen und rauschen nit nach. Weil er nun etlichmal der Loßung begert, ime^ aber gar kein andt- wortt wardt, und er nichts desto mender je lenger je mehr rau- schen und schnaufen höret, vermeinet er, es were ein feind endthal- ben (jenseits), gab derohalben fewr, dem volgten die andere schult" wechter. Da wardt allenthalben in gantz Livorno wie auch in dem porto in den schifen und in derselben gegendt Lermen, man schoß allenthalben, und lieff zu den großen stuckhen auf dem Mer. Alß man aber .den feindt, den mein Bruoder gehört hate, fleißig snochte, da wardt es ein Essel, der gieng uf dem wähl graßen, und 96 nit fern von dem ortt da mein Brnoder schiltwacht hielte. Dero- wegen er von stund an eingezogen worden, und weil es bey der Galleen verbotten, das keiner bey nacht unnötig schießen solte, hete er unzweifel (wie es ime dan getrewt worden), wan er ein Italianer geweßt were, auf die Galleen mießen, weil er ab^^ ein Teütscher geweßt, von dem Großhertzogen selbsten in Sonderheit angenommen, und dahin verordnet worden, hat man es an den Großhertzogen nacher Florentz berichtet, welcher mein Bruoder nit allein absolviert, und deßwegen das er ein fürsichtiger Teütscher Soldat gehandlet habe, gelobt und gerüehmt, sondern auch noch darzu gehn Florentz in sein Guardi genommen. Deß Morgens se- gelt wüer (unwißendt was «solcher Lermen bedüten oder wie er endtstandten) in Gottes Nahmen vort, und hab ich wie mein Bruo- der Cornelius an solchem Lermen schuldig geweßt, und wie ime dariber ergangen, erst von einem Balbierer in der Insel Zante über etlich zeit hernach erfahren. Alhie muoß ich erzehlen, wie bemelter mein Brnoder wide- rumb in das löbliche Hertzogthumb Württemberg sein Vatter- iandt, und zu densten khommen, und ist also geschehen. Alß in Anno 601 hernach der Durchleüchtig und Hoehge- borne Fürst, und Herr, Herr Friderich hertzog zu Württemberg und Teckh^ Grave zu Mimpelgart und Herr zu Haydenhaim etc. ^) bey dem Jubeljahr zu Rom geweßen, und im widerkheren auch nach Florentz kommen, Daselbst Ihro f: D: des krauts Hüener' derm^) genant begerth, welches mein Bruoder (weil die Italianer ^ 1) Herzog Friedrich I. von Wirtemberg 1593—1608. 2} Hünerdarm werden zwei verschiedene Pflanzen genannt, nemlich Anagallis arvensis (Gauchheil) und Alsine media. Meist ver- Btet man die leztere darunter. So z. B. schon Bock, welcher in seinem Eräuterbuch (neue Ausgabe durch M. Sebiz, Strassburg 1630) S. 304 f. folgende Beschreibung davon gibt: „Ob wol Hüners erb oder Hüner- darm dem Gauchheil mit den Blättlein etwas ähnlich stehet, so ist es doch ein sonders. Diss aller gemeinst Eräutlein findet man vber Jahr in allen Kraut vnd Weingärten, vnd je feisster die äckervnd Wein- gärten, je feisster vnd freudiger auch grüner vnd safftiger das Kraut auö dem Grund sich lagert vnd fladert. Seine Wurtzeln seind aUer ding zasecht, als dünne Härlein. Die stengelein rund, safftig, weich, vnd durch auss safftig, gewinnet kleine weisse Blümlein, zwischen den Burtzelechten blättlein auff beiden seitten der stengelein, darauss wer- den kleine beschlossene gefesslein, nicht grösser, dann der Meerhirsen, darinn findt man sehr kleinen gälfarben samen, kleiner dann der SchÖl- wurtz, der feilt auss, ist vber Jahr in allen gebawten Gärten zu finden, grün, gleich wie die Creutzwurtz. Am geschmak wie andere Koch- kräutter, zu allem Yihe dienstlich, vnd insonderheit zu den Distel- fincken, die haben jhre kurtzweil darmit." Ueber die äusserliche An- wendung des Krautes sagt Bock S. 306: „Das Kraut Safft vnd Wasser mögen (wie der Burgel vnd Mawrpfeffer) zu allen hitzigen Wunden vnd Schäden erwöhlet werden, damit gewaschen, bestrichen, oder aufiT- gelegt." dl tat gewust was daß seye) überkommeD, derowegen Ihr f: D: (&}& sie uf gnädiges erfragen underthönig beandtworttet worden, das er nit allein ein Teütscher sonder auch ein Württemberger sey) ihme gnädige vertröstnng geben, das da er in Ihro f: D: Landen khomme gewiße denst geben wolle. Welches da mein Bruoder ins landt kommen und deßwegen bey Ihrer f : D : sich underthönig angemeldet, geschehen, Er gleich Ihr f: D: Trabandt, und vom selbigen zu andern densten bedacht worden, auch heutigs tags (wie oben im andern Capitel gemeldet) daß Baißigen Schnlthaißen Ampt zue Hauppersprun Schomdorffer Amptz yersihet;. Nun kome ich wider uf mein Erste Meerfart, in deren ich erstlich' von Livorno auf Porto Ferfara khomen , welches ein kleine insul, ungeyahr ein tagraiß von Livorno gelegen ist, dari- nen hat es zwei Castell, und wechßet sonsten kein holtz darinen alß Kosmerin, welche sie wie wier unßere Tannen, Forchen oder ander holtz ^ brennen» Alß nun das getraidt welches man dahin füehret abgeladen worden, seind wier über drey tag von danen auf Corsicam kommen, weil wier aber in selbiger insul nichts zn- schafen gefunden haben, sondern allein wegen Contrari winds in ein halfen gelofen, und geanckhert, weiter seind wier aber auch #egen ungewiters uf SiciUam khommen, seind aber nit ans land gefahren, sondern allein übernacht . vor Messian ^) auf der Rehe ^) ' gelegen. ' Von danen seind wier auf die insul Zante gesegelt, und mit hartem wind dahin khommen, ist eine insul wie ein Greytz for- mierty dahero die Zante das ist Sancte oder heilig haißet. Da- rinen ligt nur ein Stat auch Zante genant, aber oben daran ein sehr hohes CastelL In der insul hab ich den Ersten Straußvogel gesehen. Alß wier nun daselbsten in die 3 wochen lai^g verharet, und kleine weinberlen oder Rosinlin (welche wie bej unß unßre trauben wachßen) und wan man sie verfüeren Will in feßer ein- getreten werden, auch etliche Brauten wein geladen baten, seind wier von danen weiter uff Candiam gefahren. Die inwohner dißer insul gebrauchen sich Griechischer Sprach, die Hauptstat darinen ^ haißt auch Ccmdia. Ungevahr ein Teütsche meilwegs darvon gegen unß hero ligt ein überaus hoher borg, zu oberst auf dem spitz des bergs ist ein Gapeil oder kleines Kürchlein zue Sanct JPavH genant. Dahin fahren die inwohner zu wahlfarten, wan es lang nit regendt, und bereden sich selber, es regne gewiß gleich oder her- nach bald; in dißer Capell hat es ein starckhe Brunquell, welches wol für ein wunderwerckh zu achten ist und gehalten würt, in 1) Messina. 2) Ulsheimer gebraucht die im durch seinen Aufenthalt auf hol- ländischen Schiffen geläufige neuniederländische Form Bee für Ehe de. Birlinger, Alemannia VI 2 7 maßen di6e insul kein gifFtiget Thier leidet, nngefahr ein viertel stund von besagtem hohen berg entsprengt nnden an einem an- dern berg auß dem felßen herauß ein wasser, welches gleich nicht über zehen schrit lang von dem ursprang sich gleich außbraitet, das es siben starckher mühlen zu nechst an einander treibt. Da wier in dißer insul sonsten auch Greta genant bey siben Wochen lang verharet und deß kestlichen Muscatellers toeins so darinen wechßet geladen, seind wier von danen umb-ostem in be- sagtem 1599 Jahrs wider hinweg zwischen Affrica und Europa auf dem Mari Mediterraneo und alß wier zwischen Barbarien und Hispanien durch khommen auf dem Atlantischen Meer nacher Hol'^ landt gesegelt, und dahin per Cantabricum und Britannicum Ocea- num umb Pfingstenzeit erstlicb zu Deael und darnach zu Ambster' dam glückhlich angelanget, alda ich selbigen mals nit mehr alß vier wochenlang verhüben. Bas viertte Capütel von TJlfzheimers andere Meerfart in Westindiam oder Ämericam septentrionalem. Umb S. Johannis Baptistae in Anno 1599 sein von Amster- dam zwej Schiff nacher Westindiam gefahren, dariber war Ad- miral Cornelius Hanßen von Amsterdam, sein Tochterman aber war Vice- Admiral, auff selbige begab ich mich, alß ein wundartzt, fuehren also in Gottes nammen in die Dexel^ ist ein kleine insol uff achzehen meil von Amsterdam, alda wier des winds erw,artet haben. Alß wier auß bemelter Dexel segleteo, seind wier mit einem Sturm nacher Engellandt geworffen worden, und auff Fleymme kommen, alda wier acht tag gelegen seind. Da wier von danen schifeten khommen wier erstlich auff groß Canarien und draffen alda ein Spanisch schiff an, das haben wier geblindert, und eim Barfüesser Münch, den wier darauf gefunden, die obren abge- schniten, darumb das er ein hoUendisch Psalmenbüechlen bey sich hatte, und wir vermeinten und darfür hielten, es bete einer von deigenigen Hellender, welche von den Spaniern kurtz zuvor er- schlagen waren worden, zugehört, dan sie baten unelangst zuvor ein hollendisch schif gebundert, und damit einen gantzen tag zu- gebracht, welchen tag der Münch pompen hat mjeßen. Von groß Canarien seind wier uff Isla de SalV^) gekhommen, daselbst haben wier vil gaißen gefangen, dan es hat in derselben insuU vil wilde Gaißen, aber keine . Menschen, und khommen die Spanier järlich hiniber dieselben zujagen, wie auch so wohl die Bolländer alß Spanier vil Saltz, daß von dem Meerwaißer durch die Sonn daselbsten gekochet würdt, darauß fiehren. Weitter kamen wier von dannen gen St, Lago ^), vermeinten 1) Isola de Sal (Salzinsel), eine der Inseln des grünen Vorgebirges. 2) So Hb., es ist San Jag o, die gröste der Inseln des grünen Vor- gebirges. dsselbsten ein gaete beut zu bekhommen, aber es feblete uns, schifften derowegen fortb, und nalynen unßem Cura auff Ame- ricam. In America kämmen wier erstlich und ungevarlicb zwen Monat, nachdem wier zu Amsterdam abgefahren, in ein gegendt oder Refier Weya^oka^) genant, gedachten darinen frisch waßer zu finden» war aber vergebens, dann wier richteten da nichts anß, als das wier kaufften etlich Tabacka Papagayen Flantines^) (ist ein herliche Frucht, in Guinea pennannes genant werden) JPomercmteen und Cassave welches ihr Brott ist. Von W^Bjaboka seind wier weiter in andere Eefier Caiena ^) genant kommen, haben auch kein frisch waßer gefunden und nit mehr alß in Weyaboka außgerich- tet, weder das^) wier einen wilden man von den inwohnern (dan sie gehen alle nackhendt darinen und seind Leütfresser) mit unß hinweg geführt haben, darbej ist zu merckhen, das er selbs zu uns in das schif gangen, und ob wüer ime wol gedeutet, er solt ans land gehen, wier weiten vortseglen, bete er doch nicht von unß wellen, sondern gedeüt, er welle mit uns ziehen. Ueber etlich zeit da wier anfiengen, mit ein ander ein wenig verstehen, und ine fragten waß. er thun welle bey uns, gab er, uns zuverstehen, er wolte truhen voll meßer ängel maultrumen spiegel und dero* gleichen hallen^), vermeinte er derfiTte solche Sachen nur auf der Erden wie die Stein zusammentragen, alß er ungefähr 8 wochen zu Amsterdam geweßt ist er gestorben. Von Caiena seind wier die gantze kust längs gesegelt, und an der insul La Trinidad ankhommen, daselbst sein wier in großer gefahr geweßt, dan weil unß das schif wol bey drey stund uff dem Sandt gestanden, ver- meinten wier nit änderst, alß wier wurden daselbsten verloren, da aber die flut wider khommen, haben wier es mit anckhern wider abgewendet, giengen demnach ans land und bliben alda einen tag und eine nacht, haben aber nichts gehandelt, weder etlich Pfund paw de farda^) (ist ein hart holtz) und falsa periV) gekhauffty sondern seind vortgesegelt auf La de Margarita, da 1) Hafen und Fluss Oyapok, jezt die Grenze zwischen Cayenne und Brasilien. 2) Unten Cap. 6 Bladinas, Gap. 8. Blandinas, Gap. 10 Blati- nes. Es sind die Früchte von Musa Paradisiaca L., engl, plantain-tree; sie haben die Gestalt einer Gurke, werden bis za einem Fass lang und bis 3 Zoll dick. Man bereitet sie in der mannigfachsten Weise zu, durch Braten, Trocknen, Backen u. s. w. Ein noch weicheres und süsse- res Fleisch haben die Bananen, die Früchte von Musa Sapientum L. 3) Gayenne. 4) weder das s. v. a. ausser dass. 5) hallen holen. Uebrigens ist das a nicht sicher. 6) Weiter unten paul de santa genannt. Vgl. S. 111. 7) Wurzel von Smilax Sarsaparilla L. (ans spanisch zarzaparrilla), welche vielfach gegen die venerischen Krankheiten angewendet wurde. lÖO wier das schiff an anckher gelegt. An dißer insnl welche die Spanier inen haben weiten wi^r Perlin ^) kanffen« aber die Spanier wolt«n nit an Port^). Derowegen wier einen schaß oder drej in die statt gethon, and wider vortgesegelt seind. Alß wier nun wider von danen inHollandt schifften, und noch ein schiff zu nnfi khommen war, haben wier bey den flamischen insulen^) Schiff- bruch gellten, und unßer schiff verlaßen mießen, inmaßen auch wier mit größerer mieh und gefahr von den andern salviert wor- , den, und endtlich in Seelandt aber mit wenigem profit und ver- lorner Reiß 3vider ankhommen seind umb Liechtmeß in Anno 1600, nach dem wier über die acht Monat auß gewest waren. Baß Finft Capittel von ülfeheimers drüen meerfart in West Indiam oder Americam Septentrionalem, Nach dißer voUendter Raiße in Anno 1600 haben die Kauff- leüt meinem Admiral wider ein schiff mit allerlay Kauffmannschafift; und waß die Noturfft erfordert außgereißet, alß mit Korinsier^) Rapier Dolchen Carpiner^) hollendisch fein Leinwat Spiegel ge* strickhte Strempf gefeindt wnllen tuoch hollandisch Käeß Fisch- ängel Ehamen^) Messine Beckhen Maultrumen und dergleichen Narrenwerckh mit solchen in Americam zu fahren und damit zu traffigiren. Uff selbige schiff bin ich zum andermal zum Wund- artzet auffgenommen worden. Da es nun nach noturfft versehen war giengen wier bemelten 1600 jahrs zwischen Ostern und Pfing- sten zu schiff, und sägelten von Amsterdam nach Dexel, vonDexel nach Engellandt, alda wier wegen Oontrari winds zu Falnumthe oder Fälmuie einlauffen mießen, alß wier vier tag daselbsten still gelegen, haben wier unß wider auf das Meer gemacht und seind mit gutem vorspudf^)^ wie es die Hellender zu nennen pflegen, daß ist mit gutem Glückh oder wind nach Westindien gesegelt, darinen wier erstlich zu Trinidad ankhommen,. aber gleich nach La MargarUa angelendet; da wier zwen tag gelegen aber nichts gehandelt haben. 1) Perlen. 2) Bord. ^ S) An einer späteren Stelle des Rayss-Buoches heisst es von den Flamischen Insnien „welche auf die 40 grad von der Equinoctiali gegen uns beer oberhalb der Insulen Ganarien ligen"; es sind die Azoren. König Alfons Y. von Portugal überliess die Inseln seiner Yaterssch wester Isabella, der Gemalin des Herzogs Philipp des Guten von Burgund, auf Lebenszeit. Damals siedelten sich viele aus Flan- dern dort an, weshalb man die Inseln die Flami sehen oder Flan- drischen nannte. Azoren heissen sie von den Habichten (portug. azor), welche auf inen zalreich vertreten sind. 4) Kann auch Karinsier gelesen werden. 5) Karabiner. 6) Kamme. 7) Glück, Wolfart, sieh vurspoit, Köln. Chr. HI 617 14, Birl. Wb. dazu 985. Hör. Belg. U 184b. Wederspoet, das Gegenteil. AB 101 / Von danen seind wier weitter auff Grumina und Gotta^X ge- segelt, alda wier einen tag zehen oder zwelf mit den Spaniarten umb Berlin Taback und Salsa parill gehandelt haben. Alß wier nun weiter schiffen khommen wier uff Craco und S, Jago, dan wier auch nichts alß Perlen Taback und Salsa perill gekaufft haben. Weiter seind wier von danen auff La de Domingo^) zuge- segelt, und alda in ein beschloßenen haffen eingeloffen, haben auch alda mit den Spaniarten (die doch nit öffentlich mit unß handien derffen) in zehen Monat lang gehandelt und das Schiff mit heuten geladen, in dißer insul haben wier alltag frisch wilbrett doch nur schwarzes oder Schweinen , wie auch Kindflaisch sovil wier be- dörfft'en an bortt gekrieget, dan es gibt darinen sehr vil wilde Schwein, und wilde Pferdt, in Suma was Yictualien anbelangt seind alle wol zu bekhommen alß Cassaven Blandinas Pomerantzen Le- monien Ziterouen und vil andere wunderbarliche Früchten. Nach dem wier nun also in die zehen 'Monat lang neben andern acht Seelandischen auch Amsterdam- und Roterdamischen Schifen alda gelegen, haben wier under unß ein Admiralschafft aufgericht. Das schiff von Inckhaußen ist unßer Admiral und daß unßer Vice* Admiral gewest. Indem hat sich begeben, das ein spanische Armada von zehen großen schifen, welche allezeit das Silber auß Nova Spania pflegen abzuhollen^ für unßere port gekhommen und über- ffidlen begertt, welches wier gewahr worden. Derowegen unß auch zu seglen fertig gemacht, und zum Streit gerist haben, und also mit vollem Seglen auß dem hafen geloffän, in meinung inen zu endtfliehen, aber vergebens, dan wier miten under der Spaniarten schiff geraten seind, und mit inen auß groben geschützen und Musquetten schuß gefert gehalten haben, und hat entlich der Hispanisch Ad" miral den unßern an bortt gelegt, da sie starckh zusammen schar* mitziert haben, inmaßen under solchem unßer Admiral dem spani- schen binden in die Pulverkammer geschoßen, darvon in einem augenblickh beede schiff gehn himel geflogen sein, den Spanischen Admiral wie auch sonsten Etliche von unsern volckh haben wier wider lebendig auß dem wasser gefischet. Alß die Spanier solches gesehen, haben sie nach einander anfangen außzureißen, weil sie vermeint unßer Admiral habe das schiff gern in den brandt ge- steckhet, deß wegen sie kein schiff mer an die port legen dörfften, und waren zumal wier unßerstheils dessen auch fro, und schiffeten nnßers wegs vort auff Hollandt. Der gefangene Spanisch Admiral sagte, er wolte nicht dar- nach fragen daß er das schiff verloren, wan er nur nicht von solchen jung buoben were gefangen worden. In der heimfart haben wier bey der insuU Barmitta^) (welche 1) üeber Gotta vgl. Nachtrag. 2) Domnigo Hs. 3) Bermudas-Inseln. 102 die HoUender BermuetteSy die Spanier aber La de diäbolo nennen, daminb das allzeit daselbst Sturm und Ungewitter ist) 32 Grad von der Linea Aequinoctialj gegen Norden oder Mitemacht ge- legen, ist eine große Fortuna^) aufiPgestanden , aber Gott bat uns außgebolfien, das wier im finffzebenden Monat nacb dem wier za Amsterdam außgefabrem, und benantlich umb Jobannis Baptist^e in Anno 1601. daselbsten glückblicb wider ankbommen sein. Das Sechste Capittel von Ulßheimers vierten Meerfart und letster in Ämericam Septentrionälem, , Drey wocben nacb solcber beimkunfiPt ist wider ein schiff zu Mitelburg in Seelandt gelegen und Gapitan Joan Gertjaen von Amsterdam in Westindiam und Ämericam Septentrionälem zu scbifen fertig gewest, darauf icb abermal zum Wundartzet bestelt worden bin. Seind also mit einander (dan es segelt nocb ein Scblff von Flüeßigen*) mit uns) im jabr 1601 im Monat Julio nngefabr umb Margretba tag von Mitelburg in Gottes Nabmen ab und auf West- indiam gesegelt. Auf der Raiße' seind wier von Engellandts Ende in einem Sturm von einander geworfiPen worden, des andern tags bernacb baben wier ein spaniscbe Armada von secbs scbifen so anß Irlandt kommen angetroffen. Ir Admiral war oberbalb des winds, die andern finff scbiff underbalb winds von uns, die kendten dero wegen zu uns nicbt kommen, sobald aber Admiral unßer ge- wabr worden ist er auf uns gesegelt, haben demnach wier mit ime Schützgefert halten mießen. Alß er unß nun an bortt legen wolt, da schoß ime unßer Bixenmaister underbalbs wassers, das er anfing sinckben, und daselbst von unß laßen mießte. Scbifen demnach wier vort auf Westindiam und Ämericam Septentrionälem. Die erste insuU oder das erst landt, daß wier in Ämericam Septen- trionälem gesehen, ist Trinidad gewest. Wier baben aber daselbst nit gelandet, sondern sein auf La de Granada ein kleine insull und daran bin aufiP die insul Dominico gesegelt, darinen seind wilde nackhende Leütfresser, die haben uns, dieweil wier ein tag und ein nacht daselbsten verbareten, allerlay Frucbt und Bomerantzen Gitronen Lemonen ^) Bladnias und dergleichen umb Yisch - Engel, Kern, Maultrumen und dergleichen Sachen zu kauffen geben. Von danen seind wier kbommen auf La de Margariia, Da seind wier wider drey tag gelegen, weil aber die Spanier nit an bortt wolten, mit unß zu tractieren, baben wier außerhalb das wier etliche Visch gefangen, alda nichts verrichten könden, seind demnach uffP(9nfa£ar^6^)gescbiffet, alda wier unßer ander scbiff, welches vor Engellandt von uns kbommen, widerumb angetroffen, und haben das schiff müt Saltz geladen, dan auf hundert und 1) Birl. Augsb. Wb. s. v. 2) Ylisaingen ebenso wie Middelburg in Seeland. 3) Leonen Hs. 4) Unten Puntalerey und Po n 1 11 arfie genannt. Vgl. Nachtrag. 103 sechzig schaocb weit von dem Meer ligt ein Saltzpfannen , die ist nngevahr eine Teütsche meil wegs groß, und eines knies tieff mit Wasser, darunder ligt das Saltz, wie dickh eiß, man findet auch keinen grundt, sondern ist lauter Saltz, und muoß es gleich wie das eyß mit gewalt> brechen, darnach füehret man es mit schiebkaren zun schiffen, ungevahrlich drey hundert schrit von und neben dießer weißen Saltzpfannen gegen aufgang der Sonnen am Meer ligen noch 2. rote aber nit mehr weder ungefähr den driten- theil so groß Saltzpfanen, darinen gibt es rot Saltz, das wechßet nüt wie das weyße, ist auch nit so hart, sondern ligt also truckhen da und ist gerärig*), wirdt auch etwan zum wunder in andere länder gefiehret. In dieser insuU haben wier auch etliche kleine hirschlen wie die Rechbeckhlin (deren es sehr vil darinen hat) ge- fangen, und ich selbst hab darin ein Thier gefangen, welches wier ein Indianischen Fmhs^) genent, dan es sihet wie ein Fuchß, allein das er ein langen glaten geschupton and harten zugespitzten schwantz hat, und woran es sich mit demselben helt, kan es nit wol mehr darvon gebracht werden. Dißes thier hat zehen jungen im bauch, die krochen und schlupfften dem alten zu einem loch im bauch in die vier wochen lang auß und ein, biß sie große halber nit mehr auß und ein kommen kundten. Diße jungen haben wier mit unß nach Amersterdam gebracht, das Alt haben wir vom Bchif verlohren. Nach dem also das schiff geladen gewest, haben wier unß selbst wider nach hoimet gelandet und zu La de Porto Rico^) angesegelt, und (wie es die Hellender zu nennen pfleget) ein dockt oder zug mit dem Yolckh an das landt gethun. Darinen wier das dorff abgeloffen, in selbigem aber nichts dan ungefähr vier last Ingwer und 300 heuten sampt einem überaus heßlichen weih ge- funden, welches die sorg hate, wier wurden sie mit uns nehmen, bat derohalben uffs höchst darfur, welches pitten sie gar wol endt- beren het könden, dan wan sie une das^) khommen were het man sie ihrer abschewlichen stalt halber meines erachtens über bortt geworfen, aber den Ingwer sampt den heuten haben wüer in das schiff geladen, und seind damit vort gefahren nach Hollandt. Alß wier aber under Engellandt herschifften, kämmen wier in ein großen Sturm, derowegen wier zu Fleifmuie^) einlauffen musten. Daselbst lagen wier uff die drey tag still, und erfrischet unß, des wirdts tochter, bey dem ich daselbsten zur herberg gelegen, war ein sehen frawenbild. Die that sich sehr freündt- 1) Zu mhd. reren 1, herabfliessen, tröpfeln 2, abbröckeln, rinnen von Sand, Erde, Vgl. Alem. IV 203. AB 2) Beutelratte. 8) La.de porta Bio Hs. 4) one dass. 5) Plymouth. 104 liehen gegen mir zu, und bat mich, ich solte sie mit mir in Hol- landt nemmen, derselben sagte ich zu, daß wan ich wider komme sie mit mir nemmen wolte ^ j. Ich bin aber biß dato nit mehr da- hin kommen. Von dannen seind wier voUendt auf Hollandt geseglet, und in Anno 1602 im Mertzen ungefährlich Anschelmj tag also acht Monat nach unßerer außfart zu Amsterdam glückhlich wol und mit frewden widerumb ankhommen, und zu landt ganzen. Bas Sibende Oapittel von Andrea Josua ÜJ/sheimer Fünffter Meerfart und Erster Maiße in Ämericam Meridhnalem, sonder- lich in BrasiUen* Ungefähr vier wochen nach solcher widerkunfft ist wider ein schiff zu Amsterdam under Capitan Jacob Gurtjsen auch yon Am- sterdam in Brasilien zu fahren zugerist worden, darauf ich mich auch alß ein Wundartzet- begeben, und seind wier in Anno 1602 gleich nach Ostern von Amsterdam abgesegelt und zuerst in Por- tuga]l zu Portuport ^) ankommen. Daselbst hat man das volckh, den halben theil, wider haim und zaruckh geschickht, dargegen hat man unß Portugeßer in das schiff gesetzt, dan wier durfften nit sagen, das unßer schiff ein hoUendisch seye. Da wier also außgereist, und das schiff geladen gewest, seind wier auf die Canarischen insull zugesegelt und zu La Madera ankommen, da wir Canarischen wein geladen. Von danen seind wier vort auf Brasilien gefahren, und zu Pernabuco oder Pherna- baca angelanget, alda wier ungevehr sechs Monat lang gelegen, und schif mit zuckher geladen haben. Nach dem wier das schif geladen hatten, haben wier unsern Guts auf Portugal und heimwerts genommen, und seind zu Muris in Qallicien ankommen, da wier in drey tag, in dem wier da ge- legen, hat es ein erdbidem gehabt, das unß der wein aus den Gießern gesprungen oder gesprützt ist, und sagten die inwohner es komme solches erdbidem alle siben jähr. Von danen haben wier wider mießen zuruckh nach Portoport seglen, dan wier waren zu hoch kommen, sondern seind in Anno 1603 eben um Faßnacht zu Flißingen in Seeland ankommen, und nit gar ein jähr außge- west, mit solchem hab ich meine Westindische und sovil Septen- trionali alß Meridionali Americanische Raißen in Brasiliam unge- varlich bei 12 graden über den Equinoctialem gegen Süden oder Mitagswarts volbracht geendet und auf geben, hab mich demnach von Flüßingen nacher Amsterdam gemacht, da ich voUendt den überigen winter und nachvolgenden Früeling über biß auf den Mayen verblieben. Ehe dan nun ich in Ostindiam raiße, muoß ich vor etwas gemeinen bericht thun, von der Westindianer Landts- 1) Eine echt volkstümliche schwäbische Vertröstung. AB 2) Oporto. 105 recht, Keligion, Siten und gebreüchen und handthierung ic, und zwar erstlich von der Septentrional Americaner. Beschreibung Äniericanischer Landschafften und Instden da- rin Ulßhaimer geraisst ist. Das Ächte CappiMel von Art und Fmchiharkheit der Septevdrional Americanischen Landen auch Rc' ligim Siten gebreüchen und handthierung derselben Inwohner. America SeptentrioncUiSj der Andere theil Westindiae, gegeir mitteroacht gelegen, ist ein groß landt, hat vil Insulen und Be- fieretij ligt uns gögen dem Nidergang, den Gruinesern aber gegen AnfiFgang, tag '^ und nacht ist in denen ländern, in den ich gewest (und die Nove Francie Virginse und selbigen Americanischen Landt- schafften gegen mitag ligen, sich auch ungevahr uff die 20 gradus von dem Equinoctiali Girculö erstreckhen^ doch aber den tropicum Cancri bey vier graden nit erraichen) fast mer gleich. Dan der tag in Solstitio aestiuali daselbsten über 13 stund, wie auch Winterszeiten über dem Tropico Cancri umb das Solstitium hyemale die nacht über 13 stund, nicht lang. Waß aber nahe bey dem Equinoctiali ligt, da ist tag und nacht einander gleich, ligt also die Septentrional Americanische LandRefier, sovil ich darinen .ge- weßt bin, zwischen dem Equinoctiali und Tropico Cancri oder bei 4 graden darunder, und hat ein guten Lufft. Die Inwohner derselben länder^) seind ein grob wild und ungeheür auch Barbarisch volckh. Sie betten fümemlich den Mon an, demselben zu Ehren machen sie ein bildtnüs von Meß ^), blech oder kupffer in gestalt eines halben Monß^), solchen halben Mon setzen sie auf ein Cälbassa^). Aber darauf steckhen sie ein feder. Vor selbigem verrichten sie ihren vermeinten. Gottesdienst mit singen rollen springen und zupffen. Sie gehn gantz nackhet, allein die Männer bedeckhen ihre Manligkeit mit einem spitzigen Tegu- ment^), welches sie Calbassa neuen, das ist ein gemocht schier wie ein kurbis, das binden sie mit einem schnierlen®) umb den leib. Aber die weiber gehen gantz Muotter nachendt^), ir zierd ist lang har®). Wan sie die Mäner ziehren mießen, so machen sie hüet von Fapagen oder andere scheuen alß^) flamende Vögel- federn, von den fögel Flamiges ^^) genant, dan scheue federn seind 1) Es, sind dies die Kariben, deren Reste noch jezt auf Trinidad Qüd in Guyana wonen. 2) Mefs, Mofa und Mosch, schwäbisch = Messing. 3) Mondes. 4) Hs. Cabassa. Spanisch Calabaza der Flaschenkürbis und die daraus gefertigten Gefässe. 5) Hs. Regument. 6) Schnürlein. 7) Hier das strenghochdeutsche ch, wie ahd. nachot. 8) Hs. harr. 9) als s. V. a. also, gerade so. 10) Flamingos. 106 in selbigen landen ihr bester schätz. Diße hüet setzen sie auf die köpff. Fernei^ haben sie heltzlen^)^ welche hol! sein, darein steckhen sie Papageyen federn ^ steckhen nachgehendts selbige heltzlein sampt den federn durch die Ohren und durch die Naßen. So haben sie auch in der undern Lefftzen ein Loch^ darin steckhen sie ein Blawen stein, oder ein heltzlein, und das ist ihr geschmuckh, wie auch glefiene Corällen, auch andere Narren Werckh. Sie pflegen auch mit und zur Zierd kleine halbe Mon, welche sie irem Abgott dem Mon zu ehren von Meß kupfier sturtz*) oder plech machen, an Ohren Naßen und Lefftzen zu henckhen, mit dem sie zu gleich den Mon verehren, und sich schmuckhen. Sie haben einen König under inen und zwar schier in ieden dorff einer, dem geben sie aber nichts, frohnen im auch nit, dau alle arbeit und dienst mießen die gefangne und Leibaigne ver- richten. Allein dienen oder seind sie im vilmehr gehorsam im kriegen, und solcher könig von seinen underthanen keinen andern vortheil, weder ^) daß er zu bevehlen, und ungevarlich wie bei unß ein Schulthaiß in einem dorf zu gebieten hat. Was Essen anbelangt, das haben sie alle^ gemein, ire haüfier seind gleich wie bey unß in jahrmärckhten die kromhöten^), auf .der einen selten seind sie offen, auf der andern aber gar zu, sel- bige bawen sie aneinander, in vier zilen^) gegen einander über, also daß allwegen zwischen Etlichen heüßern ein viereckhender Hoff oder platz verbleibet, and auf der einen seiten oder zilen laßen sie zwischen zwayen heüßern einen eingang. In solchen heüßern haben sie nichts alß Flitschbögen^) und drei oder vier heffen'^), welche sie selber machen. Endtlich haben sie auch in Iren heüßern an zweyen stotzen^) hangen ihre ^moA^^) oder Beth^ sonsten findet man nit bald bey inen etwas, den sie behalten nichts übemächtigSy gleich wie die Gappuziner Minch. Die heüßer seindt von Riedt, die Bet oder Amaka aber von Bast oder Baumwolen, schier wie ein netz gemacht, dieselben henckhen sie an zwen stotzen, und hangen oder ligen also drinen, und ist für war gar gut darinen schlaffen, des nachts macheu sie ein fewr darunder, darzu brauchen sie holtz, das gloschet*®) wie 1) Hölzlein. 2) Ofenrorblech, Blech schlechthin. AB 3) weder statt als nach dem Comparativ schon bei Luther, später in der Schriftsprache aufgegeben; aber noch schweizerisch und schwäbisch im Yolksmunde. 4) Eramhütten^ Verkaufsbuden. 5) Zil und Aberzil sind correspondir ende Markenzeichen, Steine, Punkte. AB _ 6) Flitzbogen, zusammengesezt mit mhd. vliz (Streitbogen). 7) Häfen, Töpfe. 8) Pflöcke, Baumstrücke, bildlich von starken Beinen. AB 9) Span, hamaca oder amaca s. v. a. Hängematte, 10) glosten =^ glühen unter der Asohe. AB 107 kollen^), und gebet die gantze nacht nit aus. Dißes geliger') haißen sie, wie gemeldet worden, Amaka. Sie pflantzen nichts alß Ga^save^^j das ist ein wartzel, darvon machen sie ihr Broti, Wer aber die wurtzel rohe und unberaitet ißet^ der muß darvon sterben. Wan sie es aber beraiten, so gehen sie Yolgender gestalt mit umb. Erstlich schellen^) sie die wartzel, dan sie ist dickh und zimlich lang ; darnach reiben sie die wurtzel auf einem Stein zimlich klein, und thun sie in ein zimlich lang instrument von hast geflochten, truckhen^) also den safft wol auß der genbnen wurtzel, Alß dan neromen sie ein braiten stein, den legen sie auff ein fewr, und die geribne wurtzel darauf, biß sie wol dir^) wirt, darnach machen sie kuochen drauß, die seind sehen und weiß, ein gar gut Brott, welches ich vil lieber alß unßer Brott gießen hab, sie eßen es auch zu der Cost ahn ge- bachen^) ist nit unlieblich. An etlichen orten machen sie ein Tranckh aus einem ZuckherRiet ®) oder aus Honig. Und ist ihr andere Speiß mehrertheils schneckhen vom Meer, ostem^), wie auch von Perlen Muotter, dan die perlen ligen in einer scheÖen ***), welche Schelfen ein lebendiges gewechß ist, und sich fast mit den ostem vergleichen, ist ein herlich gut eßen. Der gemeine Man und pefel ^^) bey ihnen isset auch herige ^^) grüne schandtliche BauppeUy deren es gar vil gibt, aber der mehrertheils under inen seind Menschen freßer. Nach dem Gassave ziehen sie den Tdbackh und pflantzen in, weil sie selber gar vil brauchen, heüffig, und fast eben auf die weyße, wie man hie die Setzling ziehet, sie versetzen in auch und sprintzen^^) in (salva reverentia) mit alten Urin. Wan nur die Bletter groß gnuog sein, so brechen sie dieselben ab, deren ^^) sie am luflt, machen sie ferrer auf Rollen, und was sie nit brauchen, das Verhandtieren sie gegen den ankommenden Eauffleuten, ist fast der gemeinsten waren eine ihrer handlhierung. 1) Kohlen. 2) Geliger Lager. S) Die Wurzel der Manjoc- oder Cassave-Staude (Manihot) hat einen giftigen Saft, welcher aas der geschälten ausgepresst wird, worauf der Teig zu Brot verbacken wird. Vgl. Lery Histoire S. 116 ff. 4) Bch&len. 5) drücken. 6) dürr. 7) angebacken. 8) Hb. zuckRieht. 9) Austern. 10) Schelfe, ahd. scheliva s. *v. a. Schote (Schale). 11) Pöbel. 12) harige. 18) sprinzen s=: sprenzen, sprengen. % 14) dörren. 108 Dieselbe ihr handthierung ist erstlich, das sie bemelten Täbachhi auch Efzende Frucht, MBlandinas^), BattatcLS^)^ Fomerant^en, Le- monen^ Citeronen, und dergleichen, wie nit weniger Papageyen Fergir ien ^) Meerkatzen^ und solche sachen gegen den unßern, die hinein- kommen, umb Fischängel, Maultrumen, Rollen, Messer, Pfeiffen, Spie- gel, und Linwat^) etc. vertauschen. Und gilt inen eben gleich es seyen solche New oder , Alt, so haben sie solche gern. Außerhalb dißes haben sie nichts zuhandlen, alß wie sie gar gewise schützen seind, mit flitschbögen^ gewild schießen, und fischen, Dan es gibt an denen ortten sehr iril fisch von allerlei gatung, b\b Schnockhen% die seind ungefährlich einer Ellen lang, sonsten gformiert wie ein hecht, aber grien ^) an der färb, und haben Schnäbel, Item Bersick'^) die werden von 6 biß ungevahr 12 pfund schwer, und groß, Item ein andere gatung, die neuen sie Fesce di porca^) das ist SatO' fisch, dan wan sie gefangen werden, so grunßen sie wie ein Saw, seind in der große wie ein höring, wan sie uß dem waßer khommen, so machen sie sich selbst zu einer Kugel, alß het man sie also aufgeblaßen, das man auch damit köglen kundte. Item Mochen ist ein braiter fisch mit einem langen Schwantz. Schwertfisch^), die haben vornen in kopff hinanß einen langen schnabel, der sihet wie ein schwert, ist scharpff und zackhet wie ein sogen '^), dißer 1) Blandinas, nach einer andern Stelle sind dies die Ba- nanen. S. oben auf S. 99. 2) Hs. Baccatas. Gemeint sind die süssschmeckenden Wurzel- kuollen von Convolvulus Batatas. 3) Pergiten eine Art kleiner Papageien mit keilförmig abge- stampftem Schwänze (Conarus). Der Name stammt aus dem spanischen perico periquito (kleiner Papagei). DiePerikiten zeichnen sich durch ir buntes Gefieder aus und gehören fast ausschliesslich dem östlichen Südamerica an. Sie werden von den Indianern häufig gesamt und schon seit langer Zeit nach Europa eingefürt. 4) Leinwand. 5) Schnok ist niederdeutsch der Hecht. Gemeint ist wol der in allen europäischen Meeren und auch weiter verbreitete Grün- knochen (Betone vulgaris), der auf der Oberseite bläulichgrün ge- färbt ist und zu den Hornhechten gehört, die sich durch einen langen Schnabel auszeichnen. Ulsheimer entnam den Ausdruck aus dem Niederländischen s n o e k. 6) Grün. 7) Bersich = Barsch. Gemeint ist wol der Seebarsch.(Labrax lupus). 8) Hs. Besehe di poca. Es ist wol eine Art der Eu gelfische (Gymnodontes), von denen sich merere wie Luftbälle aufblasen können. Eine derselben wird auf den Antillen zur Belustigung gefangen. Yergl. Brehm lUustr. Tierleben V S. 752. Das Grunzen wird durch das Aus- treiben der Luft bewirkt. 9) Es ist möglich, dass Ulsheimer den Schwertfisch (Xiphias gladius) und den Sägefisch (Pristis antiquorum) hier zusammenmengt; beide sollen den Wal angreifen. 10) Säge. 109 fisch würt so tückh^) alß ein Ochß, und etlicb Ellen lang, er kan einen Walfisch überweltjgen. Andere mer dergleichen fisch fanget man hin und her im Meer, sonderlich wan man für die Kanarischen Insulen kernet. Da gibt es fliegende fisch ^ in der große wie ein höring *), haben vier fligel^), die seheir wie fleder- mans fligel. .Dißer gibt es sovil, das sie ofPt unzehlich und mer alß ein Taußend zumal aus dem wasser fliegen, sonderlich bey nacht, wan sie sich etwa stoßen,' haufenweiß in die schif fallen^), sonderlich wan sie von fischen, die inen feind seind^ g^jstgt werden, nämlich von denen die genandt werden Bonites'^), die seind unge- fähr 3 oder 4 schuo laug und flaischächtig ^), fast so tickh'^) alß lang, ein Eldler guter fisch, aber bei weitem nit so gut als Dorades ®), Item von denen, die da heißen AJbacorc^^), ist fast wie die Bo- nites, allein etwas weißers, dan die Boniten sind schwartz geschupet und nit so flaischig. Item die Borades, auff Teutsch Qoldfisch^^\ ungevahr 5 oder 6 schuch lang, zimlich tickh. Wen sie gefangen werden, überkommen sie neünerley färben so fort an, 'und halt ich aigentlich darfür, das in allen wassern kein besser fisch alß 1) dick. 2) Vgl. Brehm Tierleben V S. 625 (1859): „In der Gestalt haben die Hochflieger (Exocoeti), abgesehen von der ßeflossung, mit dem Hering wirklich eine gewisse Aenlichkeit, und der Name fliegender Hering ist also nicht übel gewält.*' 8) Es sind hierunter die Brustflossen und Bauchflossen zu ver- stehen. Erstere sind zugespizt und ire Länge beträgt etwa zwei Drit- tel, ire Breite ein Drittel der gesammten Leibeslänge. Die Bauch- flossen sind unterhalb der Brustflossen eingelenkt. Weniger hervor- tretend beim Fliegen sind die Rücken- und die Afterflosse. Vergl. Brehm Tierleben V. S. 625 (1859). 4) Vgl. Brehm Tierleben V S. 627 (1859): „So sorgsam und ge- schickt die Hochflieger bei Tage einem Schiffe ausweichen, so oft fallen sie des Nachts an Bord desselben, in der Regel wol angezogen durch das Licht der SchiffslatemeU.*' 5) Die Bonite (Thynnns pelamys), eine Gattung des Tunfisches, ist bekannt als ein Hauptifeind der fliegenden Fische. 6) fleischig. .7) dick. 8) Das Fleisch der Bonite soll trocken und keineswegs schmack- haft sein, zuweilen selbst giftige Eigenschaften entwickeln. 9) Albacora ist der spanische Name einer Art von Boniten. 10) Doradof heissen die zu einer den Makrelen verwandten Gat- tung gehörenden Coryphaenae wegen irer glänzenden Färbung, ins- besondere Goryphaena hippurns (die Goldmakrele). Auch sie gehört zu den Feinden der fliegenden Fische. „Aus dem Wasser gezogen und auf das Deck gebracht, ändern sie die Farben in andere, ebenso schöne um ; der glühende Purpur und das Goldgelb gehen in ein glän- zendes Silberfarb über, auf welchem oben die ursprünglichen Purpur- und Goldtöne spielen. Die Veränderlichkeit der Färbung wärt eine geraume Zeit fort, nimmt nach und nach an Stärke ab und verblasst endhch in ein düsteres Ledergrau." Bennett. 110 die dorades (welche ein überaus köstlich herlich nnd delicat essen) zu finden sejr^). Die inwohner dißer landen nemen vil Weibery doch ist die erste die recht, die ander seind alle Goncubinen. Aber in Waya- boka nnd Caiena hat ein jeder nur ein Weib, und seind keusche leüt, die sich lieber uml4)ringen ließen^ ehe sie mit einem frembden znschaffen heten. Und wie es ein Barbarisch abgöttisch und heid- niß volckh ist, also ist es der zauberey und zauberischen TeüffeU" fceßen gar sehr ergeben, in maßen sie [mit] dem Teüffeln (die leibhafftig zu inen kommen, und sie Ingange^) nennen) reden und dantzen. Ja sie saufifen mit dem Teü£feln Tabackh, und wan sie seiner begehren, so ist einer undei» inen gleichsam alß ihre Priester, der fordert den Teufel mit sonderbaren darzu gemachten Bollen. Dieße Leüt laßen sich nit leibaigen machen, beneben aber stellen sie sich alß weren sie gantz einfeltig und. simpel. Und wan man einem ein klaidt gibt, doch nur leinin, so dienet ein • solcher einem ein gantz jähr darumb. Aber man dar£f sie nit fast schelten, sondern muoß inen nur gute wortt geben, dan sie laßen sich nit zwingen, und wan man sie zwingen will so freßen sie EIrden oder gifft, das sie sterben. Wan inen jemandt stirbet so heilen und weinen sie über in. Aber nit lang sondern werffen in bald hinaus, irgend in ein Moras^), alß dan sitzen sie noch ein Zeitlang täglich zusammen seine thatten zu erzehlen, und in voUendt zu beweinen , ■ und diß Manier, die ich bißhero erzehlt, und in dißem Cappitel beschriben habe, ist von Wayaboka an biß auf die Puntalerey und auf S. Domingo^) und Gracus. Das Meüni Oapittel In tcass für Instden^ Refieren^ Küsten und Landen Americae SeptentrionaliSy da die Hüllender hand- thieren derffen^ die ich in meinen Beifzen gesehen^ und wafz bey denselben wunderbares zu merckhen sey. Erstlich ist Wayaboka ein Refier ungevahrlich 6 grad von der Equinoctiali Linea. Darnach Oaiena^) auch ein Refier, unge- fähr 8 grad von der Equinoctiali Linia gelegen. Darauf komet 1) Das Fleisch der Goryphaena wird ser geschäzt, namentlich das die Flossen umgebende Stück. 2) Von den Sotokaden erzält Maximilian Prinz zu Wied (Reise nach Brasilien II S. 68 f.): „Sie fürchten schwarze böse Geister oder Teufel, die sie Janchon nennen. — Man kann diese Teufel mit dem Ayjsrnan oder Anhanga der Tupinambas für gleichbedeutend halten.^' — H. Stades Reise nach Brasilien (herausgegeben von E. Klüpfel, Stuttg. 1859) S. 173: „Sie gehn auch nit gern die naoht auß iren hüt- ten, ires bebufes zuthun, one fewr, so sehr förchten sie sich für dem Teuffei, welchen sie In gange nennen, und inen offtmals sehen.'' 3) Morast, Schlamm. 4) Hs. Domnigo. 5) Cayenne. I 111 f La^) oder Issla^ wie die Spanier oder Portugeßer nennen, auch reden zu pflegen die Insula de Trinidad j ungefähr 11 grad von der Equinoctiali, ist ein kleine insul, hat nur ein dorff darauf, darinen wohnen nicht vil Wilde oder Americaner, sonder nur Banditen, das seind Spanier, die in die Insul von wegen ihrer üheldat gebanet worden. Sie ist nichts sonders fruchtbar, allein . gibt es darinen vil des holtz, Paul de santa^) genant. Dißer folget Oranada^) auch ein insull, bei 10^2 graden von der Equi- noctiali ^ ist nit groß, würdt von wilden bewohnt. Nicht weit darvon ligt Tortago^)^ auch ein insul, 12 grad von der Equinoctiali Linea, wird auch von wilden bewohnt, und gibt vil Schiltkrotten darinen. Item La de Margarita^y ungevahr 11 grad von Equinoctiali Girculo, wirdt von Spaniern bewohnt, ist ein zimlich große bergechte insull, darinen hat es ein große flscherey von Perlen, dfther sie auch den Nammen hat, dann Margarita heißet ein Perlen. Die Spanier darinen haben sclaven oder Leibaigene, die seind vast alle schwfiurtz, und werden auß Angola®) und Brasilen dahin gebracht. Wan man nun Perlen darin fischen will, so nimpt ein Spanier in die 20 oder 30 solcher Leibaigener knecht, mit den fert^) er in die kleine schiflen, welche sie herta^) neuen, an die ortt, da sie wißen da es vil Perlen hat, und haben die sclaven fischernetzlen angebunden, wie ein handtwerckhsman sein schurtzfell vomen herab hengen hat, oder wie ein weih ihren vorderschurtz vor ihr hatt^ mit selbigen schürtzlen dunckhen sie sich ins wasser und fahren hinunder biß auf den grund, daselbsten raspeln sie die Berlen- Muotter sampt den Schelfen oder ostem also gantz in die netzlein zusammen, und bringen sie also gantz herauf, sie derfen®)*ofit schier ein viertelstund underm waßer bleiben. Wan sie also die Ostern oder Muierlen^^) herauf bringen, so thun sie nachgehendts 1) La eine Abkürzung aas Isla, wie sieUlsh. ans der flüchtigen Aussprache des Volkes vemam. 2) Vgl. Cap. 4: Pau de aanta. Es ist span. palo santo, portug. pao santo« das bekannte Franzosen- oder Fockenholz (Guaja- cum, lignnm indicnm s. sanctum, Palus sanctiis), welches früher ein ser gebräuchliches Arzneimittel war, besonders bei Ausschlägen aller Art. Üebrigens hat auch das als Tischlerholz benazte Palisanderholz (laCaranda brasiliana) seinen Namen von palo santo. 8) Grenada (12o N. B.). 4) Tortuga, westlich von Margarita. 5) Margarita, wie an dieser Stelle richtig in der Hs. stet, ander- wärts meist Margareta. 6) Hs. Anogla. 7) föhrt. 8) Vielleicht verschrieben für barco (spanisch « Barke, Kahn). 9) dürfen. 10) Im älteren nhd. Perlinmutter oder Berlinmutter d. h. Muschel) welche Perlen hervorbringt. Es wird nemlich die Muschel als die Mutter betrachtet, welche die Perlen erzeugt. Vgl. engl, mouther of pearle. 112 die Spanier auf ^) und finden die Perlen in den Behelfen, die seind nit änderst za eßen dann ostem. Ferer ist La Bominico^) bey 14 graden von Equinoctionalj. Die wirt nun von wilden Menschen^ irefiern bewohnt, und gibt nichts besonders drinen. Also gibt es auf festem landt etlich fümemme ort, da die Hollendischen pflegen anzulanden und zu laden, alß da seind PorUilarfie^), da wohnet Niemandts überal, dan es gibt keine fruchten da, alß Indianisch feigen, und seind daselbst die Saitepfannen ^ darvon droben im Sechsten Capitei meidung thop worden ist. Item Grumina^) ein kleines Stättlein, von den Spaniern bewont, daselbst handelt man auch mit Perlen und Tabaka, dan der gute und beste Tabakha komet daselbsten her. Ferer ist daselbst ein dorf, welches auch die Spanier inen haben. Item Cracus^) ein Spanisch Stattlein, da wirt auch mit Perlein, Salsa peril und gutem Tabaka gehandelt, aber alles gegen den Hollendern heimlich ohnwißend der Justitien oder Obrigkeit, und solches allenthalben so die Spanier wohnen. Alle diße ortt ligen ungevahrltch 10. 11. und 12 graden von dem Equinoctiali Oirculo, und gibt allerlay seltzamme Vögel darinen, alß Meer oder Kropf genß, die haißen also, weil sie so große Kröpff haben, das einer ein Waßeraimer voll oder bei Finff Wirtem- berger maß darein faßen kendten, Item grawe weiße und schwartze Baiger j deren ich manchen tag über die dreyßig geschoßen hab, seind aber nit so groß als die hieländische. So gibt es auch da- rinen Papagayen, und andere MeerVögeL Ferer so haben auch die Hellender in die insul Cübo oder Cvbaco^) ungefar 13 grad von dem Fquinoctiali. Es wohnet gleichwol Niemandt darinen, sintenmal nichts sonders drinen wechßet, sonder allerdings wild ist. Es haben sie aber die Spanier inen, und die beste berlen- fischer daselbst. Es ist nicht das groß Cuba bei Nova Spania, darinen ich geweßt bin, sondern eine kleine insull zu nechst bei La Margarita gelesen. Also in^) die insull S, Lago^) bei 11 graden bey Equinoctiali, eine große scheue fruchtbare insul, wirdt von den Spaniern be- wohnet, gibt darinen für die Eauffleut färnemlich Perlen Tabakh Salsa perill. Deßgleichen ist La Forto Bico^) bey 19 graden dem Equi- 1) auf tun = öfnen. 2) Dominica (15'// N. B.). 3) Oben Puntalerey, welcher Ort gemeint sei; darüb. s. Nachtrag. 4) Gumana. 5) Gemeint ist Carla co, östlich von Gumana, an der Spize des Golfes von Gariaco. S. oben S. 101 : Graco. 6) Gubagaa, eine kleine Insel zwischen Margarita u. dem Festland. 7) Erganze: die Holländer handeln. 8) Wenn hier nicht ein Verschreiben statt Tabago vorliegt, ist die Insel nicht aufzufinden. Ebenso oben S. 101, wo B. Jago stet. 9) Hs. La porta Rico. 113 » noctiali gelegen, ein zimliche insal, hat ein stattliche veatang drinen, ist Spanisch, und reich von Zackhec Ingwer und andere deren gleichen sachen, sie hat auch vil vich aher wild alß Eüe Ochßen Roß etc. Dahero giht es vil heüt darinen. Dißer insol ist auch ein, S. Domingo genant, ungefähr 18 gradns von. den Equinoctiali gelegen, gehört den Spaniern zu, ist ein große insul, und hat etliche statt auch derfer. Sie giht vil Zuckher, und weil es vil wild vich da hatt, alß Ochßen Eüe Roß dergleichen, die heufig gefangen werden, so finden die kaufleut auch vil heuten daselhsten, sie laufet voller wilden schwein und hund, wie dan die inwohner seihige wilde Schwein mit solchen wilden hunden fangen. Die Ochßen jagen sie auch zu Pferdt, und durchrennen sie mit sondern Spießen, oder wer£fen denselhen Mantel oder sonsten derengleichen etwas auf den kopfif, hiß sie solches wider ahwerffen oder schütlen, so hawen sie inen hinden ihre spanadern oder hindern fuoß ah, das sie fallen mießen. Die wilden Roß fangen sie, machens zam und hrauchens zu ihren geschefiFten. Endtlich so hat diße Insul auch yill Corcötüj die man auch heiffig fanget, wie dan wir einesmals in einer nacht mit dem netz 12 Orocodil gefangen hahen, deren der greste und lengst 18 schuo lang geweßt, die andern aher 6 oder zehen schuo lang seind. Dißes seind die Insell Refieren und Ortten in Westindia oder America Septentrionali, darinen ich ffeweßt, und die Hollender schiffen, sie handien gleichwoU in mer Ort, weil aher ich in seihige nicht geweßt, so kan ich.darvon nichts schreihen. Das zehende CappiUel Von Ort Siten und Manier^ auch Frticht- harkeit der Brasilianer in MeridionaU America gelegen^ die Kust von Brasilien genandt. Brasüen oder Bresilen ligt auch in America, aher nit in vorigem, sondern in MeridionaU America, und von zehen hiß auf 17 graden sudwerts der Linise Equinoctialis oder jenseits üher den Girculum Equinoctialem. Der lengste tag und lengste nacht kom- men auf 13 stunden, ist sonst mehrertheilß gleich. Die Spanier oder Portugeßen hewohnen das hest in dißer Landschafft, die üher hundert Teütscher Meil langwerts ist, dan sie sich in sihen gradus lang oder mehr erstreckht, nu macht yeder gradus 15 Teütscher meü, daher notwendig folgen muoß, das diß Landschafft üher die hundert meil wegs gegen Süden oder Mitag sich erstreckht. Ich hin in zweyen hauptsteten (an dem Meer gelegen) gewest, nämlich zu Fhemctboca oder Pernabmo^) und zu Baia Eeäl^). Es hat darinen sehr reiche Kaufleut. Dan weil [man] gar vil Schwartze oder Moren von Angola^) uß Africa dahin zuverkaufen 1) Femamhnco oder Pemamhnco. 2) Bahia. Hs. Daia. 8) Hs. Anogla. Birliager, Alemannl» VI a ° 114 fuahret, gibt es große Menschen Merckht, und wer vil solcher Schwartzen oder Sclaven hat, der ist reich bei inen, nnd solches darumb dieweil die Portugeßen oder Spanier daselbsten gantz nichts schaffen, noch arbeiten^ sondern die Schwartzen sie erhalten mießen. Dan ein yeder Mor oder Schwartzer muß seinem Herrn teglich ein genantes gelt bringen, undlifern, er nemme es auch gleich wo er welle ; ye nach dem einer starckh oder qualificiert ist, nach dism muß er seinem Herrn auch lifern, und benantlich einer ein Real de Otto ^) (ist so vil alß ein Eönigischer oder Pilipstaller ; acht Beal ein Pilipstaller; hinc real de otto^), Hollander sprechen, ein Stuckh von achten), etwan halb so vil, auch etwan nur 2 oder 3 Destum minder oder mer, und ist ein Destum sovil als anderhalben Beal. Bringt aber er sein genants gelt nicht, so wirdt seiner übel gewartet, und grewlich geschlagen. Dißer schwartzen Weiber nnd Töchtern tragen waßer holtz und dergleichen, und versehen irem Herren alles haußgescheffU Demnach mießen noch über diß alles, solche Sclaven so wol Weib und Kind alß auch sich selber er- halten, und ernehren, dan inen ihre Herrn das wenigst nit geben. Es kennen solcher starckhen Schwartzen, wan sie wollen, in einem tag wol drey oder vier dalier verdienen. Dan wan die Portugeßen über feldt wollen, so laßen sie sich in einer Amaka oder in einem Indianischen bet tragen. Nun tragen ire zwen einen an einem holtz, daß gleichwol dickh, so leicht aber ist es alß wan es nur ein steckh^) were. Denen gibt man von einer meil ein taler zu tragen. Deßgleichen geh|en die Portugeßer weiber, so nur wenig eines stattlichen herkomens oder weßens sein, nir- gendt hin für das hauß, man muß sie tragen, eß sey gleich in die kirchen gastungen oder wo sie auch sonsten hin oder aus der Steten hin wellen. Waß aber daß geborne Landvolckh anbelangt, das ist ein Barbarisch volckh), ßie geben gantz nackhendt wie die Septentrionalischen. Americaner, allein verschneiden die Brasilen ihre haut, gleichwie man bei uns die wames verschneidet mit zugen^), sonsten seind sie mit heüßer und anderem manier fast in allem den Indianern in Septentrionali America (von welchen im vorgehend ten achten Capitel gehandlet worden) gleich und ehnlich. Allein wan Ire weiber eines kindts nider kommen, so helt sich > desselbs weibs man Mndsbeterisch, und das weih wartet sein, wie einer kindtbeterin. Dan er henckhet seine Amakam oder bet in die zwey manß hoch an zwen bäum auff, darine leget sich der 1) Es. cyto; Pezzo d*otto oder Real d'otto ist der Peso, welcher den Wert von 8 Reales hat und ungeför einem Speciesthaler (die Phi- lippsthaler sind die mit dem Bilde Philipps II. von Spanien gepräg- ten) entspricht. Pezzo d'otto bedeutet „Stück von achten". 2) Hs. real de oyte de otto. 3) Stecken, Prügel. 4) Sieh die Landsknechtskleidung. AB I 115 Ganch, nnd sein weib die ktündbetereii gibt ime eu eßen^ and wartet seiner gleich alß wan er das kind gehabt, die *Amakham. laßt er alle tag eines schnchß lang under sich, biß er endtlich anf den boden komet, da halten ede einen dantz. Es khomet das gantz dorf zusamen, seind Instig and singen, der ein sitzet hie in einem Hiickh ^) oder JBigel, der ander dort, nnd singen also einander zu, in Samma es gehet alles närisch bey inen zu. Sie vergraben ihre Todten auch nicht, sonder werfen in irgendt in ein Moraß, darin laßen sies liegen, gleichwie die in SeptentrionaH America, allein das die Brasilianer, nach dem sie die todten in das Moraß geworfen^ zusammen heulen, welches sie drey Monat lang treibeten, in sol- chen drey Monaten komet der verstorbenen freündtschafft ') alle tag zu sammen und heulen wie die hund, und erzehlen darbei seine ihatten, sprechend : Hey, wie ist er nun ein dapffer Held geweßen ! Wie hat er nun der feind sovil erschlagen! wie hat er nun diß oder jenes sowoll gekent etc. Sie seind Religion und des Regi- ments halber gantz ungleich, dan etlich seind dem König aus Hispania underthönig, die haben nit könig, sonder Caritaner^) oder Aufseher , die werden inen von den Portugeßern , aber doch auß inen den Americanern verordnet, und fürgesetzt, und diße seind« Römisch Catholisch, aber gar böß, dan sie noch gar vil von haid- nischen abergläubischen weßen behalten, und treiben. Sie seind auch vil holdseeliger und leütseeliger alß die andern, und ob sie wol den Portugeßern underthönig so seind sie doch nit slaven noch derselben leibaigen , sondern frey volckh , die sich nit leibaigen machen laßen, und seind änderst nit underthon, weder wir unßerer Herschafit und Obersten. Die andern aber, die den Spaniern nit unterthon seind, seind nit allein der Siten halb vil Barbarisch, und wildere, sfbdern seind hoch blinde haiden, und Menschenfreßer. Sie haben ir aignen König, wie die in Septentrionali America, und kriegen wider die Portu- geßer wie auch wider die jenigen Brasilianer, die den Portugeßen zugethon seind. Noch ein Gattung von leüten hab ich daselbsten gesehen, deren es doch umb Brasilien nicht vil gibt, sondern merer theil gefangen, von Bio de Id plata, so beßer gegen mittag werts hinein gelegen ist, dahin gebracht werden. Dieselben seind schneweißf stenckhen übel, und seind gemeinlich drey schuch höher alß andere leüt. Die Portugeßer fiehren einen steten krieg wider sie, und haben weil wier drinen geweßen zwen gefangen, sie seind gantz nackhend und haben keine heüßer, sondern lauffen in die weldt wie das vich, und nehren sich vom Raub, sie freßen das flaisch roh, auch fisch und andere speißen wie die hund, sie wollen auch 1) huggen, niederkauem, hück, f. der Winkel. AB 2) VerwandtschafL 3) Garilaner? Span. Carl an Inhaber eines Gerichtsbezirkes. 116 nit reden, sondern geben einander ihr begehren mit pfeifen zn ver- stehen. Ihre Knei^ seind wie Hom, sie haben auch kein ander wehr alß die flitschbögen, damit sie gar gewiß schießen könden. Sonsten hat Brasilen einen guten gesunden lufft^ wie auch gut gesund wasser^ aber zn Pernabuco muß man es kaufen, die weil sie es ungevahr ein viertel Meil wegs oder ein wenig weiter dahin füehren mießen. Die fruchten anbelangt, hat man obs den Überfluß, von allerley, als Blatin^) Baconas^) Lemonen Citeronen Pomerawtzen und der gleichen , wie man dan auch zu Phernabuco und Bayia Real^ da ich geweßt, und ich gehört, auch in andern ortten^Bra- silae, dahin nit kommen bin, allerhandt sachen, es sey von getraid, von Oel, so darinen auch heufig wechßet (es ist aber gelb, und wirdt von den Bäumen, daran es wachßet, öle de pälm genenet), den^) von Buter^ flaisch, und was deß menschen noturft erfordert, gar wol über kommen kan. Aber der Wein wachßet nit dariuen, sondern wirdt aus der Canarischen Insul dahin überflißig gefüehret. Es geh wol guten wein drinen, aber der König aus Hispanien laßet solches nicht zu, • besorget y wen sie auch den wein und also alle noturft selber heten, sie etwan rebellieren und einen aignen König aufwerfen mechten. Dem Gubernatori ists zugelaßen, das er zum lust ein wenig ziehen und plantzen darf, wie auch andern, aber weiter nit, alß das sie nur die trauben haben und essen, die werden sehr groß sehen, an der färb, wie hie zu land die Tramener, die beer langlecht und so groß als ein welsch nuß, seind honig sieß, und kestlich gut. Aber keltern und wein machen derfen sie nit, weder allein wie gemeldet der Gubemator ein wenig zum lust. Deßgleichen wachßet auch kein getraid drinen, und solches wegen der Ahmaißen^ deren es sovil darinen gibt, also das sie das körn nit auf kommen laßen. Sie bekommen aber deßen sehr 1) Alemannisch, sieh Alemannia I 265. AB 2) Sieh oben S. 99 Anm. 2. 8) Hs. Bacouas. Vgl. Sechster Theil der Orientalischen Indien, Warhafftige Historische Beschreibang deß Gewaltigen Goldreichen König- reichs Guinea tc. Aiiß Niederländischer Yerzeichnuß, in Hochteutscher Sprache beschrieben durch M. Gotthardt Arthas von Dantzig — an Tag geben, darch Johann Theodor vnd Johann Israel von Bry, Gebrüder (Gedruckt zu Franckfurt am Mayn, In Verlegung Wil- helm Fitzers, Anno MDCXXX). Dort werden auf S. 72 unter den Früchten Guineas , aufgefürt Indianische Feygen und es heisst von inen: „Die Indianische Feygen werden fast gantz Indien durch ge- führet, vnd ist die beste vnd nützlichste Frucht, so die Indianer haben neben den Cocquos. Sie haben an einem jeden Ort, da sie wachsen, jhren besondem Namen, In Guinea werden sie genannt Banana, die Brasilianer nennen sie Pacona, vnd den Baum Paguoaer. In Malauar aber heissen sie Patau/^ 4) denn = dann, femer. \ 117 vil, so vil sie wellen, auß der Landtschafffc Peru, auch in Meri- dionali America, aber gegen niedergang^) und dem Maylendischen Meer zu gelegen, derhalben füehret man es in barkhen in die Landtschafft Brasilien. Endtlich wechßet auch der Zuckher haufenweiß in Brasilien, und hat hin und her vil'Zuckhermühlen, darin wie der Zuckher ^), auch zu uns herauß verhandtiert wirdt, berait werde, will ich in volgendem Capitel beschreiben. Das8 Äüffte Oapittel Von Zuckher wie der selb wachse und verfertiget werde, Au^h von etlichen Thieren^ die es darinen gibt, und von wirm^), den die leut drinen bekommen, der gefährlich aufzuziehen ist, und wie es mit der Chirurgia, Medicamentis und Kranckheiten eine andere beschaffenheit weder bei uns die wir diß- seits Equinoctial Circuli wohnen. Es muß der Zttckher drey jähr haben biß er zeitig wurdt. Erstlich setzet man in uf volgende Mani<&r: Man nemet 2 Zuckher riedt^), die vil Augen, die legt man an einander (doch umbgekhert, also das die spitz von einander gekhei*t werden) in die Erden und deckhet sie zu, so wechsts in einem jähr ungevahr eines knies hoch, man muß sie vleißig pflantzen, das kein unkraut darbei wachße. Deß andern jahrs, so bekhommen sie Rohr ungevahr eines manß lang, deß driten jähr wirt es gantz reif, sihet hipsch brin- gelb^), ist zimlich dickh, hat ein Marckh wie Holder, das ist gar safiftig und sieß, ein üeberauß lieblich Eßen. Wan es also zeitig weren, so hawet man das Kied ab, und füehret es in die Zuckher- mühlen. Daselbst hat es ein Rad, das hat gerings umher vil eüßerene Zän, under welche man das Zuckherriedt strewet, so wirdt es darunder verknitscht, und laufft der Safft in einer Rinen in ein groß hiltzeren geschürt). Alß dan dregt man es in einen großen Kessel, und schit es immer von einem Eeßel in den andern so lang biß es wol einsiedet, und ein dickher Sirop wirdt, der sihet allerdings gantz schwartz. Nach dißem schitet man den Sirop in die Form, darinen die Zuckerhüet, wie man sie zu unß bringt, formiert werden. Alßdan ist er recht. Ich bin selber 4 wochen lang in einer solchen Zuckhermühlen gewest, darinen ich des Mühlers tochter einen schenckhel abge- schniten. Dan sie von Pitris (das ist zu Teutsch Wurm, deren es den vil gibt, wie hernach gesagt wirdt) einen unheilsammen schaden hate. Man brauchet aber auch vil Eschen zu dem Zuckher, daß man die Zuckerhüet mit bestrewet, und mießen alwegen bei 400 Schwartzen oder Sclaven in einer Zuckhermühlen sein. 1) Hs. mindergang. 2) Ergänze: welcher. 3) Würmern. 4) Bor. 5) braungelb, hier an ,,brinnen*' angelent. AB 6) Geschirr, 118 Es haben aber die Brasilier neben difien herlichen gaben Gottes auch ihre Plagen , dan es gibt Schlangen^) darinen, die seind biß in die 10 oder 12 ClafiFter lang, und so dickh alß ein Man in der mite, die freßen Menschen und Vieh. Wan diße Schlangen gern einen Menschen beten , so stehen sie irgendt an einen Weg, an einen Baum gantz ufrecht. So nun ein Mensch ihrer nicht achtet, und fürüber gehet, so fallen sie auf in, und klengen^) oder wenden sich umb den Menschen herumb, daß er weder arm noch hendt regen kan, Alßdan stechen sie den Menschen iren schwantz, der ist gleichwie ein verborgen scher, in das Funda- ment, oder unden in leib, und schneiden in also auf, biß er stirbt. Wan er todt ist, so freßen sie in. Sie haben aber kein gi£Et bei inen, und wan die Indianer eine solche schlangen oder thier spiren, so manet man in zwey oder drey derffer auff, die mießen darauf streifen. Wan sie dieselb nun antrefen, so schlagen sies zu todt, oder erschießens mit flitschbögen ,. darnach eßen sie dieselb mit einander und seind gar lustig darbey. Ich bin selbst einmal darbei gewest, und hab ein helfen eßen, sie haben ein herlich gut weyß flaisch, wie die höner. Selbige schlang ist noch jung, und über sechs oder siben Glaffter nit lang gewest, die Haut hab ich mit mir nacher Amsterdam gebracht, da sie in^) einer Apothek zur gülden dust genant in der warmen gaßen oder Straßen hanget. Mer hat es ein vierfüeßig hörig thier drinen, daß heißet man laiart^) das ist auf Teütsch fauU. Dan es hate einen gantzen tag zu Schafen biß es ungevahr einer ziemlichen Stuben oder 12 sehnt lang gehet, es frißet nichts sondern lebet vom lufPt^), es ist in der große ungevar wie ein Fuchs, ist graw von färb, Wan man es an einen Baum henckhet, so henget es drey oder vier 1) Bei der Beschreibung der Biesonschlangen Brasiliens haben wir wol zanächst an die Abgottschlange (Boa constrictor) und ire näheren Verwandten zu denken, da diese nicht giftig sind und von den Indianern und Negern gegessen werden. Freilich ist die Anname, dass diese Schlangen auch Menschen angriffen und auffrässen, unbegründet; doch laufen Erzälungen der Art auch noch heute um und werden ge- glaubt, so dass man es ülßheimer nicht zu ser verübeln darf, wenn er es gleichfalls berichtet, üebri gens hat der leztere in seine Mitteilungen offenbar manches aufgenommen, was sich auf die äusserst giftige, in Guyana und Brasilien verbreitete Lachesis rhombeata bezieht. Diese, welche zu den stummen Klapperschlangen gehört, trägt am Ende des Schwanzes vier bis fünf zugespizte Schuppen und einen Dorn, und man hat hier und da angenommen, dass sie mit demselben verwunde. 2) s= klenken, schlingen, flechten, vgl. Lexer u. d. W. 3) in feit Hs. 4) Span. pg. lerdo langsam träge dumm. 5) Auch Oviedo, der zuerst in seiner Naturgeschichte Indiens (primera parte de la historiä natural y general de las Indias, Sevilla 1535) das Faultier beschreibt, meint es lebe von Luft : es war dies, wie er mitteilt, die gewönliche Anname der Brasilianer. 119 tag ehe es wider herunder feit, Es sihet heßlich und iiat einen kopff wie ein MerJorott. Mer haben sie in Brasilien ein Plag oder sucht, daß ist der Wurm ^)f welche sie an Zehen bekhommen, solche Wirm seind rund, in der große wie ein erbis. Wan man sie herauß ziehen will, ist gevahr darbei, und muß man behutsam mit umbgehen, dan wan sie abbrechen und nicht gleich mit rechten Medicamenten vorhanden weret, so muß man einweder das glid oder zehen abschneiden, dan man komet etwan gar umb das glid. Hie ist zu observieren, das, wan man über die Equinoctialem lineam komet, man die Artzney und Medicamenta gantz änderst weder hiewerts oder bei uns ge* braucht, und adtribieren muoß. Dan ein Hauptwunden, und was oberhalb der Knie ist, dan kan man leichtlich curieren, aber under- halb der Knie ist bey inen schwerlich zu artzney eu, und zu hailen. Und was bey unß den patienten verhotten, das gibt man dort den- selben. Zum Exempel so geben sie iren kranckhen Schweinen flaisch, daß ist für sie das gesundest flaisch, also das ire kindt- betteren das Schweinen flaisch (dan die Portugeßen halten orden- liche kindbet) die gantze kindbeterzeit durch essen. Hingegen ist Hiener flaisch iren kranckhen giffb, und derowegen denselben ver- botten, wan icli iemand darinen in der Cur gehabt, so hab ich inen lautter Schweinen flaisch verordnet. Es zweifelt mir aber nit, Es wurde mancher Artzet oder Chirurgi, wan sie dißes leßen selten (sonderlich' die sich umb die Natur nit vil verstehen, und nit wißen was der underschaid der länder, der kreütter, des luflts, item was die Influentia von den Astris und Corporibns Caelestibus, und änderst bey Medicina und Gbirurgia vermögen) für erdicht halten und verspotten, aber ich weiß, und kan es bezeugen, das es war sey, dann ich hab es Selbsten inen worden^), erfahren, und probiert, und wirdt ein ver- stendiger gelehrter und ein vleißiger Naturkindiger Medicus oder Ghirurgus, wan er dißen sachen recht und ohne widerigen Aflect nachdenckhet, die Ursachen solcher ungleichen Curen, und Artzneyen, ime wol einbilden könen. — Bey dißem Capitel ist zuo merckhen, das die Portugeßen oder Spanier in Brasilien ein steten Krieg wider 1) Es ist dies der Sandfloh (Bbynchoprion penetrans), der in America vom 29<* s. B. bis zum SO^ n. B. vorkommt. Das befruchtete Weibchen bort sich in die Haut warmblütiger Tiere und der Menschen, und zwar bei den lezteren namentlich unter die Nägel der Füsse und schwillt dort bis zur Grösse einer Erbse. Bei unpassender Behandlung der Wunde entstehen häufig böse Eiterungen, und der leicht eintretende Brand kann dazu nötigen die Zehen abzunemen. Vgl. Brehms Tierleben IX S. 487 f. (2. Ausg. 1877). Ob der von Ulsheimer dem Tiere beige- legte Name Pitris einer der in Amerika gebräuchlichen ist (als solche werden Gichao, Jiger und Bicho angefürt), wage ich nicht zu ent- scheiden. Die Literatur bei A. Hirsch Handb. d. hist.-geogr. Pathol. 1 541. 2) ich habe (= ich bin) es inne worden, habe es erfaren. 120 die schwartzen oder sclaven, welche inen hinweg gelofen sein, faehren. Dan die schwartzen einen berg eingenommen haben, Ton welchem sie die Portugeßen nit treiben kennen, und thnnd diße Schwartzen im land umher großen schaden, in dem sie vii menschen vnd yich hinweg treiben. Das Ztoelfft& und disses ErsterUlieUs^ Leiste Capüel Von einem Wunderhaum in der Insül Oi>mora, Wan man in Brasilen von Portugal anß schifet, so komet man in die Canarias insulas, darinen ladet man wein, den man in Brasilien füeret. Hey dißen Insulen ligt eine die haißet ärO- mara^). Darinen hat es kein ander Reiß waßer, alß von dem 1) Die richtige Namensform ist 6 o m e r a. üebrigens befand sich der oben beschriebene Baum auf Ferro. Vgl. L. v. Buch, Physicalische Beschreibung der Ganarischen Inseln S. 112: „Es hat ehedem auf der Insel Ferro ein grosser Baum gestanden, ein Tilbaupi, Laurus foeteus, dessen breite fleischige Blätter weit umher einen dichten Schatten ver- breiteten. Alle Tage, zwei oder drei Stunden nach Sonnenaufgang, flengen die Blätter dieses Baumes an zu träufeln, wie ein Regen fielen die Tropfen von Blatt zu Blatt und sammelten sich unten zur laufen- * den Quelle. Die Einwoner der Insel, die nicht quellenreich ist, kamen im Laufe des Tages, dies reine Himmelswasser zu holen und kerten am Abend mit vollen Krügen zurück. Der Baum ward für heilig ge- halten, ein Wunder der Welt. Ein eigener Aufseher, von den Ein- wonern angestellt, sorgte für die reinliche Aufsammlung des Wassers in Cisternen, und ordnete die Austeilung an die wasserholenden Men- schen. — Dieser woltätige Baum stand noch 1689, östlich etwas über dem Städtchen Valverde. Der P. Galindo hat in gesehen und be- schrieben. Er stand noch lange nachher, aber durch Alter der Menge seiner Blätter beraubt, verlor sich die Wirkung. Das Bedürfnis nötigte die Bewoner neue Quellen aufzusuchen, und jezt ist das Wunder ver- gessen. — Reisende aber, die bei den Ganarischen Inseln vorüber, dem neuentdeckten Amerika zueilten, vergassen, ungeachtet der Menge und Grösse der Eindrücke, die dort ire Einbildungskraft erfüllten, den Baum von Ferro nicht, und er ward überall in Europa berümt." Eine Beschreibung dieses Baumes findet sich z. B. im Neundten Theil Orientalischer Indien — durch M. Gotthard Arthus von Dantzig (Gedruckt zu Franckfurt, durch Matth. Beckern, in Verlegung lohannis Theodori de Bry, Im Jahr 1612). Ich seze sie der Vergleichung wegen her (sie stehet S. 4): „Von der Insel Gomera kamen sie an die Insel Elferro, auff 4 Meilen von derselben gelegen, welches auch ein sehr schöne und fruchtbare Insel ist. Auff dieser Insel ist ein gross Wunder- werck Gottes zu sehen, dann es stehet mitten auff dieser Insel ein grosser dicker Baum, welcher für vnd für, bey Tag vnd Nacht, durchs gantze Jahr, mit einer dicken Wolcken bedeckt ist, darvon dann die Bletter stettigs mit Wasser trieffen, darumb dann die Inwohner viel Geschirr darvnter setzen, vnd daran hencken, in welche sie das Wasser samb- len vnd fangen, damit sie es zu jhrer vnd jhres Viehes Notturft zu gebrauchen haben, weil sonst auff der gantzen Insel kein süß Wasser mehr als dieses, so jhnen Gott durch diesen Baum bescheret, zu finden ist." Am Schluss des Bandes ist auch eine Abbildung des Baomes gegeben. Schon in der Reisebesohreibung von Linschotanas (Na- 121 ort, da ich hineinkommen nngevahr anf ein halbstund, ist ein hocher berg, auf dem selbigen stehet ein sehr hocher Baum^ der breitet sich unden weit aus, und kan einer die Bletter mit der handt erraichen. Oben an dißem Baum helt sich stetigs ein wolck- hen (das man underweilen den spitz des Baumes nit siebet, weder wan sich einer buckht) etwas ernideriget. Dißer Baum trieffet ohne underlaß auß der wolckhen von gutem Wasser. Das faßen die inwohner in geschir, die sie undersetzen. Zu ihrem gebrauch' heben sies auf. ' Welches wundergeschenckh Gottes ich in beschrei- bung meiner Americanischen Raißen und deroselben länder zum beschluß nit hab verschweigen wollen. Ob Ulsheimer gedruckte Reisebeschreibungen zu der seinigen mit benuzt hat, deren es damals (1622) schon eine ganze Reihe, auch in holländischer und deutscher Sprache, gab, kann ich weder verneinen noch behaupten. Jedesfalls bringi^ seine Darstellung * durch ire gleichbleibende Frische und ungekünstelte Einfach- heit auf den Leser den Eindruck hervor, als ob der Verfasser nicht nur bei der Erzälung der Begebenheiten, die im auf den Reisen zustiessen, sondern auch bei der Schilderung von Land und Volk aus eigener Beobachtung schöpfe oder wenigstens nur solches mitteile, was er in der Fremde erzälen gehört. Wie er schon wärend der Reisen darauf bedacht war, alles bemerkenswerte schriftlich aufzuzeichnen, erfaren wir von im selbst, wenn er an einer Stelle seiner Reise nach Guinea erzält: er habe allzeit Papir und Schreibblei bei sich gehabt, daß, wann er etwan etwas son- derlich oder selzams gesehen, er das selbige verzeichnen oder reißen könte. Von Beschreibungen Südamericas aus dem 16. Jarhundert habe ich drei verglichen. Die Indianische Historia von Niclaus Federmann dem jüngeren aus Ulm (F. war 1529 nach Venezuela gegangen, um fär die Welser das von Karl V. als Pfand fär ein vigatio ac Itinerarium lohannis Hugonis Linscotani. Hagae-Gomitis 1599) geschieht desselben Baumes Erwänung (S. 112): In Ferri insula res admiratione digna supra omnia orbis miranda notatur. Maxima haec inter illas Septem insulas in adusto ac arido solo nullas aquae venas habet, praeterquam circa littus maris, ubi aquae aliquid reperi- tur. — Ceterum Dei singulari munere erga mortales ac pecora arborem habet, cujus species ignota est, nulla similitudine cum aliis cognitis arboribns. Foliis longis est, arctis ac perpetuo virentibus nuRa immu- tatione. Hanc semper nubecula circundat et tegit, eadem specie ac forma immutabili. Ex hao in folia adsiduus humor cadit, qui limpi- dissimo deinceps liquore in cupas distillat, ab incolis circa arborem constitutas, tanta copia ut non tantum bominibus, verum et armentis pecorique abunde sufficiat. Nemo miraculi huius aut fontem aut cau- sam reoensere potest. 132 Anlehen übernommene Land zu besezen ; die Reisebesclireibang erschien 1557 zu Hagenau, neuabgedmckt in der Bibliothek des litterarischen Vereins in Stuttgart Band XLYII) berürt nur den westlichen Teil der Terra firma, welchen Ulsheimer nicht besucht hat, und bietet keine Vergleichspunkte mit dessen Reisewerk dar. Auf Brasilien beziehen sich die Warkafftig Historia und Beschrei- bung einer Landtschafft der wilden nacketen grimmigen Menschen- 'fresser Leuthen in der newen Welt America gelegen Ton Hans Stade von Homberg aus Hessen (die Reise fand 1549 statt, die Beschreibung erschien 1556 zu Frankfurt am Main, wieder abge* druckt in dem XLVII. Bande der Bibliothek des litterarischen Vereins in Stuttgart), und die Histoire d^un voyage fait en la terre du Bresil, autrement dite Amerique von Jean de Lery^ natif de la Margelle, terre de sainct Sene, au Duch6 de Bourgongne (Lery wurde 1556 mit 13 andern Geistlichen von Calvin nach Brasilien abgesendet, wo im Jare vorher ein französischer Edel- Tüann Villegagnon mit ünterstüzung des Admirals Gaspard de Coligny eine Colonie angelegt hatte, welche den verfolgten Refor- mierten Frankreichs eine Zufluchtsstätte bieten sollte; die vielge- lesene und oft aufgelegte Reisebeschreibung erschien zuerst 1578 in Ronen, ich benuzte eine Genfer Ausgabe von 1594). Stade be- suchte auf seiner ersten Reise Pemambuco (Prannenbucke), das Schif blieb aber nur kurze Zeit dort; bei seinem zweiten längeren Aufenthalt in Brasilien lernte er nur die südlichen Gegenden Bra- siliens kennen und befand sich lange in der Gefangenschaft der Tuppin Inhas, deren Landes- und Volkesart er ser eingehend be- schreibt. In denselben Gegenden, am Rio de Janeiro^), lag auch das Fort Coligny, wo Lery, wie es scheint, mit demselben Stamm verkerte: er nennt sie Tououpinambaults. Obgleich Ulsheimer nicht soweit nach Süden gelangte (er ist hier nicht über Bahia hinausgekommen), so stimmt seine Beschreibung von Brasilien vielfach zu dem, was Stade und L6ry erzälen; indes scheint er deren Reisewerke nicht gekannt zu haben. Zur Vergleichung mit Ulsheimers Angaben teile ich einige Stellen aus den lezteren mit: I. Ulsh. Cap. X S. 114: Sie gehen gantz nackhendt — allein verschneiden ih^e heut. Dazu vgl. Stade II, 8 (S. 174, Stuttg. Ausg.): sie gehen alle nacket, jung und alt — und sie verstellen sich selbst mit vermalen. Lery S, 96: tant hommes, femmes qu^enfans — demeurent et vont coustumierement aussi nuds qu'ils sortent du ventre de leurs meres. S. 99: Au surplus, nos Bresiliens se bigarrent souuent le corps de diuerses peintures et couleurs. 1) riuiere d' eau salee, nommee Ganabara par les sauuages, et par les Portugals Gen eure: paroeque, comme on dit, ils la descouari- rent le premier iour de lanuier, qu' ils nomment ainsi. Lery p. 53. 123 II. ülsh. erzält S. 114, wie die Männer, wenn ire Wei- ber niederkommen, sich „kindsbetterisch^ hielten und von densel- ben bedienen Hessen. Lery S. 264 flp. berichtet, die Weiber arbeiteten weit mer als die Männer, und sezten dies auch wärepd der Schwangerschaft und gleich nach der Niederkunft fort: la mere au surplus ne de- tnearant ordinairement qu'un iour ou deux en la couche, prenant ^ pais apres son petit enfant pendu ä son col, dans une escharpe de cotton faite expres pour cela, s'en ira au iardin, ou k quelques antres affaires. in. Die Beschreibung der Beerdigung, wie sie Ulsh. S. 115 gibt, weicht 'wesentlich von den Angaben Lerys ab. Nach diesem (S. 302 f.) wurden die Leichname, nachdem die Totenklage etwa einen halben Tag gedauert, in ein rundes, tiefes Loch verscharrt „les bras et les iambes liez h, Tentour*', man hüllte den Toten auch wol in seine Hängematte und gab im Schmuck an Hals- bändern, Federn u. dgl. mit ins Grab. lY. TJlsK S. 115: „seind noch blinde haiden und Menschen- fresser*. Die Weise wie sie die gefangenen Feinde schlachten und verzeren, beschreiben ausfürlich Stade II 28 S. 188 fiP. Lery S. 211 ff. V. Vlsh, S. 115: „sie haben ihr aignen könig" und S. 106: „vnd zwar schier in leden dorff einer, dem geben sie aber nichts, frobnen im auch nit" u. s. w. Stadel. \11: Sie haben sonderlich kein regiment oder recht, ein iede hütte hat einen obersten, der ist ir König. Lery S. 196: Bresiliens n^ayans rois ni princes obeissent aux vieillards. VL CTsÄ, S. 116: „getraid*'. Hierunter ist wol der jlfaw zu verstehen, vgl. Lery S. 120 f. Vn. UUh, S. 116 : „ole de palm*'. Lery S. 161 f. berichtet von einem aus Baumfrüchten gewonnenen Oel, welches zu Heil- zwecken verwendet wird: „une huile rougeastre et espesse faite d'un fruict qu^ils nomment Couroq. lequel est presque comme une chastagne en Tescorce.'^ " VIII. Ulsh. S. 118 handelt vom Faultier, Darüber berichtet Liry S. 145 f.: Le plus gros que les sauuages appellent Hay est de la grandeur d'un gros chien barbet, et a la face ainsi que la Guenon, approchante de celle de Thomme, le ventre pendant comme celuy d'une truye pleine de cochons, le poil gris enfume ainsi que laine de mouton noir, la queue fort courte, les iambes velues comme Celles d^un Ours, et les griffes fort longues. * Et quoy que qaand il est par les bois 11 soit fort farouche, tant y a qu'estant prins il n'est pas mal* aise ä appriuoiser. — Mais au demeurant — f ay entendu — que iamais homme, ni par les cbamps, ni ^ 124 la maison ne vid manger cest animal : tellement qu'aacans estiment qu'il vit du vent. IX. UlBh. S. 119: handelt von der Plage der Würmer, die sich in die Füsse einboren. Davon, spricht Stade II, 31 S. 192: „Es hat Würmlein, sein wie flöhe, doch kleiner, heyssen A^tm auf der Wilden sprach, bieselbigen kriechen einem in die füsse, und es jucket einem nur inwendig, wann sie hineinkriechen, die fressen sich ins fleisch hinein, das man es sonderlich nicht fulet. Wann man es nicht gewar wirt und sie als bald herauß langt, hecket es einen klumpen niesse, so rund wie ein erbis. Wann maus dann gewar wird und herauß langt, bleibt ein löchlin im fleisch, so groß wie ein erbis.'^ Lery S. 160: „Les sauuages sont aussi persecutez en leurs personnes d^une autre petite verminette qu'ils nomment Ton: laquelle se trouuant parmi la terre, n'est pas du commencement si grosse qu'une petite puce, mais neantmoins 'se flchant, nommement sous les ongles des pieds et des mains, ou tont soudain, ainsi qu^un ciron, eile y engendre une demanjaison, si on n'est bien* soigneux de la tirer, se fourrant tousiours plus auant, eile deuiendra dans peu de temps aussi grosse qu'un petit poix, tellement qu^on ne la pourra arracher qu^auec grand dou- Jeur." X. TJlsh. beschreibt Cap. VIII S. 109 die fliegenden Fische änlich wie Liry S. 22 : il est de forme assez semblable au hären, toutesfois un peu plus long et plus rond, a des petis barbillons sous la gorge, les aisles comme celles d'une Chauuesouris, et pres- que aussi longues que tout le corps: et est de fort bon goust et sauoureux h manger. Auch davon berichtet L^ry, dass sie bis- weilen in die Schiffe hineinfallen: aussi estant souuent aduenu que quelques uns s'ahurtans contre les roats de nos navires tomboyent dedans, nous les prenions ainsi aisement k la main. Diß erzält auch der Burger und Wundartzt Samuel Braun zu Basel, dessen Reisewerk (Anhang der Beschreibung deß Königreichs Congo) in Frankfurt bei Job. Theod. de Bry Seeligen gemeinen Erben 1625 in fol. herauskam; vgl. S. 3: „Eins aber kan ich nit vnvermeldet lassen: nemlich, als wir auff 8 grad bey Norden, der Aequinoctial- linien, kommen : sind viel fliegende Fisch, so groß und grosser als ein H&ring, mit solcher menge ins Schiff geflogen, daß es schier vngl&ublich ist, wann man es nie gesehen vnd erfahren.*' XL- ülsh, Cap. VIII S. 109 handelt von den BonUen. Vergl. damit Lery S. 23 f.: la Bonite, qui est des meil- leurs ä manger qui se puissent trouuer, est presques de la fa^on de nos carpes communes: toutesfois eile est sans escaille, et en ay veu en fort grand nombre, lesquelles Tespace d'enuiron six sepmaines* en nostre voyage ne bougerent gueres d alentour de nos vaisseaux, lesquels il est vrai-semblable qu^elles suiuent ainsi ä cause du bret et godron dont ils sont frotez. Im 9. Teil der Orientalischen Indien (Frankf. bei J. Th. de Bry 1612) heisst es 125 von inen: diese seind von Oestalt und Farbe gleich den Ellerschen, doch yiel grösser gemeiniglich 2 oder 3pfündig, und haben einen kmmmen Schwantz in Gestalt eines halben Mons, and längs dem Schwantz hinaaff einer Hand breit auf dem Racken and anter dem ßauch h^ben sie kleine krumme Flossfedern, in der Ordnang fein nach einander gesetzt, ist aber sonst ein ziemlich guter Fisch zu essen (S. 7). XII. TJlsh, a. a. 0. sagt von der Älbacora: ist fast wie die Bonites, allein etwas weißers, dan die Boniten sind 'schwartz ge- Bchupet, und nit so flaisschig. Lh'p bemerkt S. 24: Quant aux Albacores, combien qu'elles soyent assez semblables aux Bonites, si est-ce neantmoins qu'en ayant veu et'mang^ ma part de tel- las qui auoyent pres de cinq pieds de long et aussi grosses que le Corps d^un homme, on peut dire qn'il n^y a point de comparai- 8on de Tune k Tautre, quant k la grandeur. Au surplus parce que ce poisson albacore n^est nullement visqueux, ainsi au contraire s^es- mie et a la chaire aussi friable que la truite, mesme n'a qu'une arreste en tout le corps, et bien peu de tripailles, il le faut mettre au rang de» meilleurs poissons de la mer. Von inen berichtet der 9. Teil der Orientalischen Indien : diese seind von Gestalt den Benitos gantz gleich, aber sie seind wol noch eins so groß, auch wol grösser. Sie springen oftmals wol umb eines' Manns hoch auß dem Wasser den fliegenden Fischen nach — sonst ist es auch ein gut Essen umb die Albocores. XIII. Das Lob, welches Ulsh. S. 109 den Borados erteilt, gibt inen auch Lery S. 25: La Dorade — quant h. la figure ap- procbe aucunement du saumon: neantmoins eile differe en cela, qa*elle est comme enfoncee sur le dos. Mais au reste pour en auoir tast^, ie tien que ce poisson n^est pas seulement encor meil- leur que tous les sus mentionnez, mais que aussi, ni en eau salee ni en eau douce, il ne s'en trouuera point de plus delicat. Von inen berichtet der 9. Teil der Orientalischen Indien: ist ein schö- ner langer geschlachter Fisch, fast den Barben bei uns gleich, sie seynd schön blau über den Leib, und haben einen weißgelben Schwantz und gelbe Floßfedern, seynd auch sehr gut zu essen, and eines lieblichen Geschmacks. XIV. Von der wundersamen Einbildung der Indianer, dass der Teufel leibhaftig mit inen verkere (s. TJlsh. S. 110), berichtet lAry S. 234: Aygnan^ ainsi nomment-ils le diable en leur langage, auec lequel, disent-ils, elles sont incessamment tor- mentees. Sur quoi faut noter, que ces pauures gens durant leur vie S9nt aussi tellement affligez de ce malin esprit (lequel autre- roent ils nomment Kaagerre) que comme i^ay veu plusieur fois, mesme ainsi qu'ils parloyent ä nous, se sentans tormentez, et cri- ans tout soudain comme enragez, ils disoyent, Helas defendez- nous d^Aygnan qui nous bat: voire disoyent qu'ils le voyoyent visiblement, tantost en guise de beste on d^oiseau, ou d^antre 126 forme estrange. Der Name Ktmgerre bezeicbnet warscheinlich die Rassel (vgl. IJlsh, S. 110), mit welcher sie den Teufel beschwören oder in der sie in wooend denken. Stade S. 183 nennt dieselbe Tammardka und beschreibt sie folgendermassen : Sie glauben an ein ding, das wechst wie ein kürbs, ist so groß wie ein halb maß düppen, ist inwendig hoel, stecken ein stecklin dardurch, schneiden ein löchlin dar ein, wie ein mundt, und thun kleine steinlein darein, das es rasselt, rasseln darmit wann sie singen und tantzen. Mit diesen Rasseln scheinen die von Vlsh, erwänten Priester grossen Betrug verübt zu haben; ausfürlich handelt von den lezteren Stade a. a. 0. und Liry S. 240 f. Dieser nennt sie Caraibes, woraus wir schliessen dürfen, dass sie in Brasilien nicht einheimisch waren, sondern von den Eariben herkamen. Nachtrag Zu S. 101 Note 1. Gumina ist Cumana^ die schon im 16. Jarh. von den Spaniern angelegte Handelsstadt an der Küste des Staates Venezuela. Vgl. S. 112 Note 4. Gotta ist warscheinlich San Christoval de los Cumanagotos (benannt nach dem Indianer- stamm der Cumanagoten). Dieser Ort, 1588 gegründet und fast nur von Eingebornen bewont, die von den Salzwerken bei Apai- cuare hierher gezogen waren, ist seit 1671 mit der 1637 zwei Meilen davon angelegten spanischen Stadt Nueva Barcelona ver- einigt: beide sind an einer dritten Baustelle in der Nahe zusam- men gebaut worden und füren jezt den Namen Neu- Barcelona. Vgl. Humboldts Reisen in die Aequinoctial- Gegenden von Süd- america IV S: 369. Zu S. 102 Note 4 und S. 112 Note 3. Der Name ist ent- stellt aus Punta l'Araya, wie das Salzwerk an der Spize des Vor- gebirges Araya hiess. Ueber den Handel der Holländer daselbst vgl. Humboldt a. a. 0. I S. 257: „Da das Vorgebirge Araya da- mals keine ständige Bevölkerung hatte, machten sich die Holländer den natürlichen Reichtum des Landes zu Nutze, den sie für ein Genieingut aller Nationen ansahen. Im Jar 1605 schickte der Madrider Hof bewafnete Farzeuge nach Punta Araya, mit dem Befel, daselbst auf Station zu liegen und die Holländer mit Ge- walt zu vertreiben. Diese füren nichts desto weniger fort, heim- lich Salz zu holen, bis man im Jar 1622 bei den Salzwerken ein Fort errichtete, das unter dem Namen Castillo de Santiago odep Real Fuerza de Araya berümt geworden ist''. WCrecelius 127 Zir BiUiagrafpliie FisdiartsO. Hatthäns Zell. 9ni thhmntht Dftrfer 1 In die 8Q genauen Beschreibungen, welche Vilmar (Zur Literatur Johann Fischarts, Frankfurt a. M. 1865) von den Ausgaben des Bienenkorbs gegeben hat, haben sich — namentlich in den Titeln — merfach Druckfeier eiageschlibhen. So kommt es, dass nicht selten in antiquarischen Katalogen Ausgaben als von Vilmar nicht Ter- zeichnete ausgeboten werden^ weil sie in Kleinigkeiten von den An- gaben bei Vilmar abweichen, wärend nur ein Versehen in desiezte* ren Beschreibung vorligt. Am meisten begegnet dies bei der ersten undatierten Ausgabe (F bei Vilmar), wie z. B. neuerdings in dem 183. Antiquarischen Katalog von F. Steinkopf S. 31, wo es von einer Ausgabe des Bienenkorbs heisst: „Von Vilmar nicht beschrie- bene Ausg. Unterscheidet sich von dessen 8. Ausgabe (der 1. un- datierten) im Titel durch: Immenschwarms , und durch das Zeilen- ende in Men- | tzerkletten — im Schlüsse durch ein Komma nach Licet. Sonst harmoniren beide Ausg. mit einander." Die erste angebliche Abweichung beruht auf einem Irrtum: Vilmar lässt im Titel allerdings „Imenschwarms'^ drucken, weil für m keine Type zu Gebot stand, bemerkt aber in der Anmerkung, dass ein dop- peltes m durch den Strich bezeichnet sei. Das Zeilenende in „Men- I tzerkletten" aber, sowie das Komma hinter „Licet", findet sich wirklich in dex Ausgabe F, und est ist beides nur aus Ver- sehen bei Vilmar nicht gesezt. Ja es muss noch ein drittes Ver- sehen daselbst constatiert werden: in den Worten am Schluss des Registers ist auch das Zeilende hinter „Expliciunt", nicht angegeben. 2 Matthäus Zell der erste elsässische Reformator und evangelische Pfarrer in Strassburg von A. Erichson, Direktor des theologischen Studienstifts St. Wilhelm. Strassburg, Druck von J. H. Ed. Heitz, Schlauchgasse 5. 1878. — 66 S. kl. S». Als am 21. Sept. 1877 die Gedächtnisfeier des 400 Jahre früher ge- bomen Strassburger Reformators Matthäus Zell im Elsass begangen wurde, sind nicht nur in vielen Stadt- und Landkirchen Gedächtnis- reden auf den ersten evangelischen Prediger am Münster zu Strass- burg gehalten und ist im protestantischen Betsal seines Geburts- orts Kaisersberg eine Gedenktafel errichtet worden, sondern es er- schienen auch mehrere Lebensskizzen desselben (z. B. von Reuss im Progres religieux 1877 Nr. 37 f.). Eine solche hat jezt Herr Direktor Erichson als besondere Schrift herausgegeben. Wir empfehlen diese mit warmer Teilname abgefasste^ und echt po- puläre Darstellung des Lebens und der Wirksamkeit jenes edlen und kindlich frommen und dabei doch so festen und entschiedenen Zeugen der ersten Reformationszeit, und sind überzeugt, dass sie Niemand one Befriedigung aus der Hand legen wird. 3 Aus dar kirchlichen Vergangenheit der drei elsässi- 1) Vrgl. Alem. HI 262 ff. 128 sehen Dörfer Berstett, Olwisheim und Eckwersheim von Friedrich Bresch, ^farrer in Mühlbach. Strassburg, Druck von J. H. Ed. Heitz, Schlauchgaase 5. 1878. —' 105 S. kl. S^. Preis 0,60 M. Der Vorgang des Herrn Pfarrer A. Erichson, welcher 1872 eine Geschichte seiner' früheren Gemeinde Hürtig- heim herausgab (s. Alemannia III S. 95), hat jezt in obiger Schrift, soviel Rf. weiss, die berste Nachfolge gefunden. Herr Pfarrer Bresch fürt uns auf Grund der Kirchenbücher die Geschichte der drei evangelischen Landgemeinden Berstett, Olwisheim und Eckwersheim vor, von denen die beiden ersten den Freiherrn- von Berstett und den von Dettlingen teils als bischöfliches Lehen teils als Freilehen gehörten, das lezte 1570 aus dem Besiz der Grafen von Leiningen -Westerburg in den der Grafen von Hanau- Lichtenberg übergieng. Der Verf. hat die Notizen der Kirchenbücher nicht etwa unvermittelt nebeneinandergestellt und so abdrucken lassen: er hat es verstanden, durch Benuzung der in jenen Orten üblichen Kirchenordnungen (für Berstett war es die Strassburger^ für Eckwersheim die Hanauische), sowie durch stetes Hinweisen auf die kirchlichen und politischen Verhältnisse des ganzen Landes, die einzelnen, abgerissenen Notizen zu einem lebensvollen Bilde der kirchlichen und sittlichen Zustände jener Gemeinden zu verarbeiten. Von der Reichhaltigkeit des Inhalts zeugen schon die Deberschriften der Kapitel : I. Einleitendes. IL Der Gottesdienst und die Predigt. Katechismuspredigten. Jugendunterricht. Kirchengesang (wir er- faren hier z. B., dass der Gesang der Gemeinde erst 1665 in Olwis- heim eingefürt wurde). III. Taufe und Nottaufe. IV. Confirmation, Abei\dmal, Trauung, Leichenbegängnisse. V. Von der Ernennung der Pfarrer. VI. Vom Kirchenbesuch, von der Sittlichkeit, vom Aber-^ glauben. VII. Die Bürgerordnung von Berstett. VIII. Von der Kirchen- zucht. IX. Pfarrhaus, Gemeinde, Schloss und Kirche in irem Verhält- nis zu einander. X. Allerlei Kriegsnöte. XI. Etwas vom Bettler- wesen in früheren Zeiten. XII. Beziehungen zur katholischen Kirche. Wünschenswert wäre bei solchen Spezialarbeiten eine series pastorum beizugeben, welche ja nur^wenige Seiten in Anspruch nimmt und viel- fache Aufschlüsse über Persönlichkeiten geben kann. Der Vrf. hat auch Einzelnes über die Herrn von Berstett aus den Kirchenbüchern mitge- teilt (die Familie ist noch in Baden ansässig) : nach diesen Angaben wird die geschichtliche Notiz über dieselbe im genealogischen Taschen- buch der freiherrlichen Häuser auf das Jar 1 849 (Gotha) in einem Punkte berichtigt. Es würde sich überhaupt empfehlen, bei solchen Nachfor- schungen in älteren Kirchenbüchern sämmtliche Nachrichten über ad- liche Familien auszuziehen und bekannt zu machen; dasleztere braucht nicht gerade in der geschichtlichen Darstellung der Gemeinden zu ge- schehen, wenn nicht die Familie von wesentlicher Bedeutung für eine solche ist: der passendste Ort sind historische Zeitschriften oder solche, welche speziell die genealogischen Studien behandeln, wie der in Ber- lin erscheinende deutsche Herold. WCrecelius 129 Die Hobenzollerischen Orts-, Flur- und Waldnamen Nachlese zu Bd. VI S 1—42 Affelstetten: Aßolierenberch 1216 Zoll. Zt. 2, 45. AffaUirherc Monel, 331. Die beiden Höfe 1363: Affelterherg Zoll. Zt. 4, 64. * Aickhoffen wird im Jungnauer Lagerb. als Ortschaft bei Jnngnau, Inzkofen u. s. w. genannt. Am Aickhoferstig , Flum. bei Inzkofen. Aickbofer Flurnamen sind: die Tegernaw, underm Bützacb, ufif Rippartshalden, underm Tigel, im Rigelacker (römisch?), binden ufif der Thonaw, im Boltertal u. s. w. Billafingen: Büölvingen 1214 Mone Zt. 2 78. Jakob Frisch- lin in seiner Beschreibung Wirtembergs, handschriftlich, gebraucht die Formen -ing st. Angen oft: Göpping, Markgröning. Bingen: apud Bueningin 1265 Zoll. Zt. 3, 4. 1405. 1409. 1427: ze Bünigen Zoll. Zt. 3, 21. 4, 66. Zwiachen 1410—37 er- scbeint ein Püngen mit österr. Schreibung p = b. Sieh unter „Bötelschiess". 1490: Bingen Zoll. Zt. 3, 30. Warscheinlich deuten die Bingener Flurnamen: in Bündorf an der hofifstatt 1363 Zoll. Zt. 4, 65; zu Steit.en 1456. 3, 11, alte zergangene Wonstät- ten an. Benningen b. Ludwigsburg : Bunnenlcein^ Bunnenkaim von Banno PN 1244 Mone Zt. 2 481. 3 125. Birkhof auf der Höhe bei Harthausen auf der Schcer, im Lehensbrief von 1508, Zoll. Zt. IV 24: „Hettingen, schloß und. stettlen, Hermetingen das Dorf — samt den höfen genant Bürkhen^\ Die Stat. Gap. Trochtelf. Gonstantiae 1737 S. 65 nennen in auch. Blättringen vgl. Bladüteshäm ON 1185 Oberrh. Zt. 30, 84; wo auch Tatingen, Wilare, Maingen stet. Brenzkofen: possessiones — que quondara (Hedingen, villa) pertinuerunt dicte Moetschiesserin in Branzkou^n 1304 Zoll. Zt. 9, 88. Zehnden ob Sigmar ingen gelegen den man nempt BrenZ' hfer zenhanden 1405. Zoll. Zt. 9, 93. Dilsietten, Titsietten: TUtstetten 1349. 1356. 1374. Zoll. Zt. 3, 41. In einer Donauesch. Urkd. 1420: Titistetten, Detäsietten Zoll. Zt. 5, 26. Düsietten lidS. Flurnamen in Inneringen: Diethenhal' den, im Dittenlewlin^ in TUiwang^ im Tütenlöhlin. Jungnauer Lagerb. 1536 Donauesch. Beim Didesiain, Aickhof. Flurname, ebenda. Emphingen bei Jungnau: Aemphingen daz dorf 1355. Do- nauesch. U. Archiv. EnsUngen: zu Langen EnssUngin schon 1426. 1437. 1455. Zoll. Zt. 2, 79. 93. 9, 95. Feldhcmsen: Velthüsen, Harthüsen, Ittenhüsen (wirtb.) 1407 Zoll. Zt. 5, 27. Birlisger, Alenuumla VI 3 9 130 VeringeHj Dorf: die müli ze Veringen in dem darf 1355 Donauesch. Archiv. Vorhof. Die Yerkaafsurknnde der Herrschaft Jungnan 1367 Zoll. Zt. by 6 erwänt: lungnow die barg vnd den Vorhof ^ Schil- tow die barg mit dem Vorhof. Es sind Ansidelangen im Schaze, in den Vorwerken der Bargen , die nachher als selbständige Nider- lassangen galten. Dadarch sanken die benachbarten Dörfer zu Weilern heranter and zergiengen zam Teile ganz. Gorheim: in Gorhan 1304. Zoll. Zt. 9, 89. Hausen^ Neckarhausen: molendinator de ITi^^en 1228 Zoll. Zt. 10, 52. Za Hüsen an dem Näher 1379. 9, 8. Hippetsiveiler. Ze Hüpoltswüer 1367. Zoll. Zt. 5, 5. Der erste 1150 auftretende Isenburg (sih unten) heisst Hütebold. Zoll. Zt. 10, 33. mUipoU von Werstein, Abt v. St. Gallen 1271—1279. S. 45. — Ferner kommt H. vor 1246. 1249. 1270. 1279. 1284. 1288. 1291. 1298. 1309. 1327. Hilteboldus miniater de Eeitingen 1275 Zoll. Zt. 3, 67. HUekofen, Hiczkoffen 1395 Zoll. Zt. 3, 20. Hicßkouen 1427 Zoll. Zt. 4, 66, wie 1405 Zt. 3, 21. Ineikofen bald Inisighoven, Inzigkofen bald Inzikofen geschri- ben. Das Volk spricht Inzkofen. Urkundlich YnzTchoven^ spater Inzkofen. Schnell I 4. Daselbst stet noch : Für die Schreibart In- zighofen spricht die Ableitung von „Einziger Hof^ was der Verf. selbst nicht mer anerkennen wird. Junghof j auch Sandhäu^U genannt, an der Grenze gegen PfuUendorf neben der Straße von dort nach Ostrach. Der Name von seiner Erneuerung 1577 durch Abt Stefan Jung von Salem. Den zweiten Namen erhielt er von dem benachbarten Sandstein- brach. Schnell I 86. Killer» Die Zusammensezung von -hofen mit Kirche auch im alem. Küchoven ON Kirchhöfen 1159 Oberrh. Zt. 30, 80. Melchingen: Malichingen, McUechingen 1040 — 1100 Zwifalter Gründungsbericht FÜB I No. 7 S. 27. Burchardus de Melchingen No. 436 ebenda. Maelchingen 1417 Zoll. Zt. 9, 94. Eingingen: 'Eingengen 1345. Donauesch. U. So spricht man heute. PauUerhof: in Bdt 1304 Zoll. Zt. 9, 89. Der Boltersbach b. Tübingen schon urkdl. Boltersbach 1191. Stetten bei Hechingen: unam huobam ad Stetin^ unam ad Ingistal 1040 — 1100, Bericht über die Gründung des Klosters Zwifalten. Fürstenb. ÜB. S. 26. In villa Stetin? vor 1211. Zoll. Zt. 2, 42. Tafertsweüer : de Tagebrehtesunlare 1200 Konstz. Urk. Zoll. Zt. 9, 84. 131 VTII Beuron Beuren Zimmern Cappel Zell Ahd. Bür, Zimbar, lat. Capella, Cella Beuron Beuren * Waldbeuren Zimmern Cappel Zell 1 Benroft') Beareii') In Ihirron 850 WU I 137. In coenobio Pussen-Puron 877 Mone Zt. 17, 85. Dise Doppelform kommt in einem spätem Berichte, worin al€e Traditionen aufgefrischt und Rechtsverhält- nisse nacbgewisen werden sollen nocbmal vor Mone Zt. 6^ 414:. qaondam Pussen-Biron^ nunc ÄUburon nuncnpatnr. 17. Jhd. — Bürran 1149 Oberrb. Zt. 30, 79. de Burron 1159 S. 81. Burm 1157 Wü II 111. Burron 1160. 132. B. 1200 Zoll. Zt. 9, 84. 1265, ebenda 8, 84. In Buorren, in Bürron Lib. Dec. 43. 45. In Biurron 1251 Mfl No. 35. in Buren 1296 Zoll. Zt. 9, 86. Burron Habsb. U. 286. Die MZ: in Burron 1253. 179. 180. ze Buron 1303. 247. !^ Burron 1305. 248. ze Burren 249. Burron 1306. 250. Buren 251. Gen Burran 1340. 291. Bürren 1348. 310. 1349. 313. Bürran 1372. 364. Oberhalb Burren dem closter 1391. 421. An des bropsts von Büren wingarten, in Sipplingen 1421. Zoll. Zt. 1 6. Ebenso lauten die Belege für Beuren bei Hecbingen: In Purrom 786 Wü I 34. Bumm juxta Sclata 1134 MZ I 15 u. 8. w. H. de Buren Schmid HB Gesch. u. s. w. — Im 17. Jhd. kommt die latinisierte Form Monasterium Beurense vor, Mone Zt. 7, 404. Die alte Benennung Pussen hat mit dem mons suevns dem „Bussen*^ nichts zu tun. Zoll. Zt. 2 13 Anm. Die Anhöhe süd- lich vom Ursprünge de^ Fils heißt der Bussen; die mittlere Höhe des Bergzugs zwischen Tübingen und dem Wurmlinger Berg der Bufibudcd; der geala Kreida&ti^a bei Rottenburg a. N., südöst- lich Hechingen zu, gehört hieher. Alle gehören wider zum hochd. Basen =: Brust, Erhöhung; jedoch ligt in den alemannischen Busen der Begrif der „ Hochebene *^ Burren ist Hügel bes. im freieti Felde; darüber mer bei den Flurnamen. Vgl. mein Wörterbüchlein zum Volkst. 32. Nun erklärt sich unser Bussen: Beuron lag einst auf der Höhe, da wo oben „Altburon" oder die ,,Alt8tätte^^ ist. Nach seiner Verlegung ins enge Donautal fiel Füssen, Bussen von selbst 1) OA Sigmaringen. 2) OA Hecbingen. Auf der Reichenau gab es ein B euren er Schlößchen. Bischof Johannes YII von Eonstanz kaufte es für die Benroner Ghorherrn von den Grafen von Königsegg. Staigers Reichenan 53. id2 weg und erhielt sich wie gesagt nur in aafgefrischten Urkunden und Rechtsansprüchen. — Die Bedeutung von Beuron, Beuren oder wie man ehemals auch sagte „Elosterbeuren*^' ist bekannt = habitatio, mansio, bür (Sih im Hildebrantsliede: prüt in bure^ Weib daheim) ; altnord. byr, neuhochd. noch in Vogelbauer und in Altbaiern: auf den Bauepn = auf dem Lande ^ den Ortschaften. (München). Arnold 364: „Bei den Baiem, Schwaben, Sachsen and Frisen zimlich häufig." Was Baiern anlangt , so dürfte sich nur die Prov. Schwaben deren besonders rümen dürfen, ich kenne Bem- beuren, 2 Beuren, Beyern, Ottobeuren, Ettenbenren, Kaufbeuren, lUerbeuren, Eleinbeuren, Elosterbeuren, Nassenbeuren, Oberbeuren, Salabeuren: die meisten im alemannischen Gebiete. Im Wirtem- bergischen nenne ich Blatibeuren, Beuren bei Hundersingen, uralt u. s. w. Zeiller in der Oerterbeschreibung des Schwabenlandes, im Ghronicon Parvum Sueviae Ulm 1653 S. 478 zält die ^^vnder- schiedliche Ort dises Nahmens in Schwaben*' auf. — Was die Grammatik der oft schlecht überliferten und noch schlechter ab- geschribenen Formen oben anlangt, so fallt das heutige -on auf; es ist schriftsprachlich, nicht volkstümlich und jedesfalls an das urkundliche -on angelent ; vgl. Benediktobeuren, Wess{>bruni|, Alto- münster, was scheinbar alte Formen sein sollen, durch falsche Schriftsprache eingefürt. Der Umlaut des alten ü, iu in eu, ey^) sezt ein altes huri^ büria vorauf, was ON zajreich nachgewisen ist. Manche Formen könnten auch an ein althochd. bü, büwe^, pl. büwir ze den buwirun erinnern mit -ir wie in kelbir, lempir, rindir, lonbir, allein die ältesten Belege zeigen, daß an Außfall des w nicht zu denken ist. Es heißt also Beuren „zu den bewonten Stätten, Häusern". Vgl. ON 366 ff. Die deutschen Ortsnamen 1863 S. 85. Weigand im Archiv für hess. Gesch. 7, 253 denkt an mhd, bür, Bauer. 2 «Waldbevren'') In Waltbürrun 1280 Mone Zt. 3, 92. Decima in WaUbiuron 1279 ebenda. Güter in Wältpiuron videlicet montem seu feu- dum castri dicti Waltpurch 1283 S. 229. Wälibürron Lib. Dec. 107. Eberh. miles de Burre^) 1230 Zoll. Zt. 3, 27. a. 1241—42 bei Schenkungen oft genannt. Es ist W Beuren Wonsiz am Walde oder auf urbargemachten Feldern, die in der Landessprache noch insgesamt zum Gebiete „Wald** gerechnet wurden. Vgl. Rade vorm Walde, Elosterwald u. s. w. 1) Die alem. Formen der Schweiz und Niderdeutschland haben ü und ü behalten. 2) BA PfuUendorf, badisch. Einst Edelsiz und Hofgüter beim Kloster Wald^ jedesfalls viel älter als lezteres, gehörte aber ehedem dazu. 3) Oder sollte Burrau gemeint sein? sih Burg au. 133 3 Zimmern ^) In Horgetmmberen prope claustrum Kirchperg 1267 MH. Gescb. V. H. 438. ze Horgenzimmern 1317 MH 256. Zymern 1392. 1) OA Haigerlocb. — Die ziramrische Kronik I 9 ff. bemerkt über die Entstehung der Ortschaften des Namens, der natürlich von den Cimbern kommen muss, folgendes: „So Hessen sich (v. d. Cim- bern) der mererthail derselben am Schwarzwald aller nechst am Ur- sprung des Negkers nider, welche Art und Gegne der Zeit noch ganz ainWildtnus, uuerbawen und ohne alle mentschliche Wonung war. Da* mit aber Frid und Ainigkait dester beharrlicher under inen belil^e, tauten sie sich in zwen Haufen oder Rotten , also das der obgemelt Negker sie underschaiden und sin jeder thail mit den Seinen die aine Seiten des Wassers inhaben und mit seinem Thail besitzen sollte. Fiengen darauf an zu räumen und zu seubern, auch Schloss, Statt, Flecken undWonungen zu bauen, welche alle nach inen Zimbern ge- nant wurden. Es ligt noch auf dem ainen Thail ain Dorf in ainem Tal, Rottenzimbern geheissen von wegen der ainen Rott, die sich von dem zimbrischen der ^nden nidergelassen. Es ist zu wissen, dass ainest vor vil Jahren und so lang das solchs schier ausser Mentschen Gedechtnus kommen und gar wenigen noch bewisst, unferr von Lei- dringen (Sulz) ein Dorf gest>anden, hat Eleinenzimbern geheissen, so auch wie die ander Zimbern von den alten überblibenen Gimbris erbauet und seinen Namen bekommen hat. Das ist in nachvolgender Zeit, villeucht durch Krieg oder Landsterbendt also abgangen, das da- von nichts mehr, dan der blos Nam übe rb üben, sein jez lautere Weldt und Waiden.« S 11 : „Auf derselben Seiten des Negkers gegen dem Schwarz- wald findt man noch mer Dörfer und Flecken Zimbern geheissen, so von den alten Gimbris erbawen worden, deren etliche umb Länge willen der Zeit disen Namen verloren und von iren Inhabern oder Be- sitzern andere empfangen. Doch etliche derselben haben den Namen als nämlich Walt zimbern, das man jetzund nempt des Spittals- zimbern." „Item Hohen- oder Marschalkzimbern. DisesSchlos und Dorf hat aigentlich auch seinen Namen von wegen ains Ampt- raanns der Freiherschaft Zimbern, den man sonst nennet Marescallum oder Majorem Salae.« „Item Antian-Zimbem, so jez und bei unsern Zeiten Herrenzimbern genanndt wurdt.« „Desgleichen ain ander Dorf, gegen dem herüber, Zimbern im Lechie (Löchle) genannt; dieweil es in ainem andern Tal wie in einem Loch, gelegen, ob deren jetlichem vor Zeiten ain Schloss ge- standen, baide Zimbern gehaissen. Mer derselbigen Art under sich ab jezt in der Herrschaft Haigerloch ligt, aber ain Dorf Ha il ige n- zimbern, dieweil daselbs gar ain fürnemer Tempel in der Eer der Abgöttin Diana gestanden u. s. w. demnach aber volgends über vil hundert Jar das Landt in christenlichem Glauben gevestnet und be- stättiget, ward gedachter Tempel, als noch ain gemeiner^ Leumbd (Sage) auch wol glaublich in die erst christenlich Kirchen derselben enden verwendet. So ligt auch noch heutigs Tags allernechst under dem Schloss Zollern ain Dörflin Zimbern genanL'^ Endlich meint der Verfasser der Eronik S 14: „Welches aber 134 Liobtschlag Haigerloch. Urkdd. : Gesaez ze Zimmern^) 1340. 1402 u. s. w. MZ I 291. Ich habe in meiner Alem. Sprache S. 33 gesagt: „Die eben- falls entschiden deutschen Ortsnamen Zimmern — denn der Deutsche haute im Gegensaz £um JRömer mit Holz — finden sich in einem Haufen beisammen am obern Nekar — ; an der fränkisch alemanni- schen Grenze kehren sie wider". Der Gote hat timrjan für bauen, hat v(idc(jtis = Wand aus Flechtwerk für Mauer; der Römer Stein- mauern, daher althochdeutsch müra^ muri (Dat. mürom, müron) den Römern abgelauscht ist, wie Bacmeister sagt. Jedesfalls haben die Ortsnamen Zimmern ein hohes Alter, und der erste Erbauer scheint reformatorisch zu Werk gegangen zu sein, weil sich dqr Gegensaz zum bisherigen im Namen erhielt. Merkwürdig ist dann auch das heutige urkundlich oft ge- nannte ,,Hochmauern^^ (Rotweil) in der Nachbarschaft der dentschlsn Zimmern, Was die got. Sprache besagt, bestätigt auch die alt- hochdeutsche : zimharjan = aedificare, struere (hüs), zimbaron ebenso, besonders über einem „fundamentum" anbauen. Förstemann ON 1586 zält alle Belege vor 1100 auf: sie sind häufig; die Anname, dass zimhar dahinterstecke gilt im bloss für richtig in Bezug auf drei Zimmern. Ein uraltes ,^ Zimmerbuch''' Gimberbuch, jezt nur noch Waldname, war in der Nähe von Aglishart OA Urach; ebenso alt ist Zimbra (Bettringen oder bei Aalen: Benzenzimmern?) 839. Wirtb. Vierteljarschrift I 62. Vgl. Zimmershausen b. Battenberg (Cymershüsen 1328), Zimmersrode u. Cimbarheim in Elsenzgau. Arnold 413.. 4 GappeP) Capelle Lib. Dec. 24. Lib. Quart. 1324. 46. YgldieCapella in Ineringen Lib. Dec, die Capeila in der Notitia fund. St. Georgii bei Mone 9, 224; diss ist auch die ursprüngliche Form für unsem Weiler. Im Bistum Constanz, auf alem. Grund und Boden sind unzäliche kleine und grosse Nider lassungen des Namens Gapelle, am Küpfelfelsen, am Hochfirst bei Neustadt Lib. Dec. Gapella; Gapelle in der Baar böi Villingen, Ravensburg, Riedlingen (Eappel) ; Kap- pel am Rheine bei Ettenheim, unter Windeck bei Bübl, unter Ro- under disen Zimbern allen der ersten Herschaft rechte Wonung, Sitz und Haimat gewesen, kan man grundtlich nit wissen." . 1) OA Hechingen mit Zoller. Martin Zeiller 680: „Zimmern ein Nonnenkloster in der Grafschaft Oettingen Gistertzer Ordens u. s. w. Es ist auch ein Zimmern im Schwarzwald, zwischen Schramberg und Dornhan gelegen, so etwan ein vornehmes Schloss und Stammhaus der nun abgestorbenen Grafien v. Z. gewesen u. s. w." 2) OA Sigmaringen; Filiale vom Pfarrdorfe Walpertsweiler. 135 deck bei Achern. Einzelne oft vorkommende Capellen in Hohen* zollern sind : Burgcapell vulgarizata Capdle (Trochtelfingen), Her- mensteincapelle^ HeydcapeUe (zwischen Trochtelfingen und Gross- engstingen). Statuta Trochtelf. Capituli mit der Beschreibung: sacel- lam noviter erectum auff dem Stattacker BMar. Virg. Masshalder- bnoch vnlgarizatum kornenbühl perantiquum sacellum S. Annae sa- crum cui adstructum est gurgustiolura ab Eremicola jam habitatum. Ebenda. Sih mer bei den Flurnamen. Die Plural -Dat. Kapel- len: Ealdenkapellen , Brunscapellen 10. 11. Jarhd. ON haben die Franken, die Alemannen lieben den Singular. Im frühem Mittel- alter bildeten sich in Gegenden zerstreuter Höfe bei einzelnen Kapellen allmählich Ansidlungen, welche unter Beibehaltung des ursprünglichen Namens später zu Weilern und Dörfern Heran- wuchsen. Oberrh. Zt. 23, 404. 5 *ZeUO Zell das Dorf, auch Zelle ^ Mariazell lag auf der Markung BolL „Zu Zell, ynder dem ZellerhÖrnle unfer dem bruderhaus hatten, die Schenken von Staufenberg ihren Sitz; bei nnsern Zei- ten (1564?) ist Zell mir ein Mrchle und ain bruderhaus und würt ZellerhÖrnle genannt." Zimm. Kr. In der Zoll. Burgfridurkunde stet noch Semdach, Bolle, ZeWe, Wyler. Die Müly ze Zell, türamer IT. 30. 32. Zell: Kloster oder Einsidlerwonung und Münster, welch lezteres nie so volkstümlich geworden und weit seltener zu Ortsnamen sich erhoben hat. Vrgl. auch A. Schott No. 256. tFralt sind Mein- radescella (Einsiedeln), Manegoldescella, Adalungicella, Ratoltes- cella, Hattocella (Reichenau, später Oberzell), meist nach dem ersten Abt benannt. Auffallend häufig finden sich die Ortsnamen Zell beisammen um Schrobenhausen, Aichach, Friedberg (Baiern) und im Allgäu. Bei Schrobenhausen : Alberzell, Authenzell, Finken- zell, Hörzell, Martinszell. Allgäu : Zell, Ägathazell, BieÄzell, Krug- zell, Rauchenzell, Sigmarszell. Aichach: Frankenzell, Griessbekker- zell, Hochenzell, Rapperszell, Wildpertszell u. s. w. Altbaiern hat am meisten ON Zell. Kißlegg hieß bis 1420 ZeU im Amt; die be- nachbarte deutsche Burg vom Pers. N. Kisil- und -egg^ -eck ab- zuleiten, nicht keltisch. Vgl. Weigand a. a. 0. S. 248. IX Berg Burg Stein Fels Schiess Eck Egg Die urdeutschen Berg und Burg dürfen in den Ortsnamen nicht immer im Sinne neuhochdeutscher Schriftsprache genommen werden. Berg braucht keine Höhe, Berg und Burg keine hoch- 1) Abgeg. Ort hei Hecfaingen. 136 gelegene Berg- oder Felsenbefestigung zu sein. Ursprünglich ge- hören die Wörter dem Verbalstamme birg, got. bairgan, altd. ber- gen an ; das Subst. vom Infinitiv oder Präsens gebildet drückt die Bestimmung aus: also Berg eine Stelle die bestimmt ist zu ber- gen zu schüzen ; halsberc mittelhochd. Rüstung die Hals und Ober- körper decken soll; herberge, Plaz, der das Heer decken soll, Graben, Hütten, Dämme neben den Militärstrassen u. s. w. Burg Subst. vom Prät. Plur. gebildet, drückt den Erfolg des Bergens aus, der Plaz ist der geborgene, befestigte, worin ein für allemal Sicherheit, Schuz ist. Got. baürgs, die, mit Mauern umschlossener Ort, Stadt; ahd. puruc^ purac, pure, mittelhochd. burc, gen. bürge; daher Burger, Burgenses = Einwoner solcher Pläze, Städte. Die Ortsnamen mit Berg gebildet bezeichnen darum oft kaum be- merkbar höher ligende Niderlassungen. Einer der berümtest^n alemannischen Berge ist der Heiligenberg, dessen Eigenname nr- kundl. stets Berg, ze Berge lautet 1163' Mone Zt. 1, 67. Heut« heissen in Meersburg Berge und Moos die städtischen Almend- stücke, eigentlich nur die trocken und kaum erhöht ligenden Par- zellen ; änlich stet es mit den „Heubergen'\ die doch wol nur aus- gestockte, zu Feld und Weide umgeschaffene Gegenden bezeichnen, wobei der heutige Stand nicht in die Wagschale fällt. Sih Alem. 11 81 ff. J5er^ = Weinberg, selbst wenn keine Erhöhung zu sehen, möge auch noch genannt sein. Bodensee. Wenn man übrigens be- denkt, welche eminente Bedeutung Höhen, grösser oder kleiner, in mythischer wie strategischer Beziehung in . der Heiden- und Völker- wanderungszeit gehabt, werden die vielen Ortsnamen älteres Datums manchmal unschwer Licht in Bezug auf ire Entstehung bekommen. Dativische Plurale „Bergen'' kennt Alemannien picht, wol Nider- deutschland. Sih Arnold 330. Der fränkische Wechsel von Berg und Burg: Babenberg, Nürnberg u. s. w. ist alemannisch nicht üblich. Der Uebergang ist leicht erklärlich; doch gehören Nider- lassungen mit „Burg'* meist einer spätem Zeit an, da die Be- festigung auf der die Umgegend beherschenden Höhe oft den Na- men an die sich später entwickelnde Ortschaft abgab. Der alte Dativ Singul. und Plural von burc bürge, hat sich in Neuenbürg und in fränkischen ON erhalten. Schmeller * I 275. Bürgle one daß irgend eine Erhöhung da wäre, begegnet auf der Reichen- au , wo der Pfalzbezirk so hiess , der nordwestliche Teil auf Niederzell. Da in jeder Burg im Sinne der mittelalter- lichen Zeit ein Turm wesentlich war — der aber muste von Stein sein, — so gieng der Name Stein^) oft geradezu auf die ganze Burg über, was um so leichter geschehen konnte, als noch im späten Mittelalter die „Stainhüser" selten waren und man sorgfältig in den Urkunden sie aufzufüren pflegte. So- 1) Albert Schott No. 280. 137 dann heisst aber jeder Fels^ jede Felswand gleicfavil ob mit einer Burg verseben oder nicbt jJSiein^'^ z. B. Gregor auf dem Steine. Man wird also die ON auf — stein richtig erklären, wenn man einen urspr. Turm oder eine Burg voraussezt. Ist aber Stein Be- stimmungswort, so gen Namen bloss auf steinichtes Erdreich, sib unten Stainhülben, ausgenommen Stainhaus. Auf dem Heu- berge begegnet ,)Stein** für Felsvorsprung öfter: Beilstein, Bern- hardsstein (Königsheim), Firstenstein (Weilheim). Endlich sei noch bemerkt, dass zwischen Stein, Burg. Stainhns, festes Hus oft wenig oder gar nicht unterschiden ward, wie Schreckenstein in seinem Hieronymus Roth v. Sehr. S. 67 richtig anfürt. Es lasst sowenig sich scheiden, als bei dem formelhaften Ausrufe des churpfalzi- schen Hofpredigers Willing (Lorbach): allein Gottes Wort ist die rechte Burg, Schlos«, Feste. Vierzehen Predigten 1564 Heidel- berg. S. 102b. — Da Fels keiner Erklärung bedarf, bleibt noch — schieß übrig, das zerstreut alemannisch und schwäbisch in Orts- und Flurnamen begegnet. Es bedeutet eine steil emporschießende Fläche, wie Gibel am Hause u. s. w. Nun kann die Felswand dem festen Haus darauf, oder lezteres der erstem mit den Namen gelihen haben. Gewönlich erklärt man es mit ,,jede Längener- streckung, sei es Hecke, Damm, Weg, Grundstück, Bach." (Leo. Schott.) Ich bleibe bei der urspr. Bedeutung, die unser neuhochd. „schießen" noch bietet. Das Synonymum Schrecken'f^j&m^ einst ein Bui'gstal im Helfensteinischen, gehört dazu. Arnoldsberg Bräulenberg Habsberg *Hohenberg, ^Frauensberg ♦Kircbberg Laiterberg *Stauffenberg Straßberg 1 Anioldsberg ^) Predium dictum an Ärnoltesberch 1277 Mone Zt. 3, 91. Schnell Zt. I 68 fif. 71 fif. Possessiones in Amolzherch 1288 Mone 1, 79. Die vöstinn Ärnöltsperg 1495 Schnell I 72. Im benach- barten Gebiete begegnen: Ämolzhofe ze Oberahüsen 1390 MZ I 418. Predium dictum MsA^ter Amoldesguot apud civitatem Messe- kilch 1361 Mone 3, 71. ,Arnoltinen schuopos^ Habsb. U. 281, ein zoUerisches Grundstück. Die ältesten Belege in den ON: Ar- noltisowa, Amoldi villa u. s. w. Der altd. Name Arnoald, Arnold, Arnolt = Ar-, Adlerwal^. Die Gegend um Aichach und Schroben- hausen hat Amberg, Arnhofen, zweimal; Arnoldsmühle, Arnsried. Dahin gehören die augsb. schwäbischen Aretsried, Ariesried, Ar- lisberg, die urkundlich Arnoltesriet, Arnoltesberc heissen. 1) OA Sigmaringen. Eine vormalige Barg, deren Andenken noch in der häaügen Bezeichnung „Schlößle'' »lebt, nun aber ein Hof zu Ostrach und Spök' gehörend ist. Schnell I 67 fif. 138 2 Bräilenberg» Priorberg ') U£P Priolberg 1370 Mone 15, 378. Schnell I 114. Im Kempti- schen ist sin ON Priors. Vgl. Gruol, TrieZ, BrioZ, Briolin. Alem. Sprache 93. 3 *Hab8berg, Habsbnrg') Habechisperc 1164 Wü II 148. 1187 ebenda 249. ze Habs- bürg bi Enslingen 1391 MZ I 421. 1303 OA Beschrbg. v. Ried- lingen S. 161. Gehört die Stelle castrum in Hapsperg ME^ 153 zu 1295 hieher? Die von Hapsberg sollen schon 1108 auf dem Bergkegel über dem Warm tal (Warntal, Wäntel, ^arintal v.Waro B) gehaust haben. Diöc. A. II 100. Alemannisches Gebiet, ob nördlich oder südlich , hat den Anspruch auf die ältest-en Nider- laßungen des Namens. Habechisburc , Habihtesburc, Habspnrch, Habechesberge sih ON; mer unter Habdal. Ein Landvogt von Baden weiler im 16. Jhd. hieß der Habsberger. BBaader Sag. 1851 S. 27 fif. Ein Hans Hermann von Hapsberg f 1584. Bei St.Bla8ieD ist der Habsberg, Ueber mitteld. ON Arnold 443. 4 '«'Hohe&berg, ^Fraaensberg^) Heinr. et Hugo de Hohenberg, neben Rud. von Hertenstein (bei Hornstein) 1295 Mone 1 80. Hohenbergy das wiler ürk. 1355. Donauesch. 1367. Zoll. Zt. 5, 6. Im Öingener Perg. Rotel 1494 stet ein Höhinberg verzeichnet. Die Erklärung ist unschwer. FraiAensberg 1367 Zoll. Zt. 5, 6. Frowelsperg daz wiler 1355 Donauesch. ürkd. Vgl. auch Lichtschlag Progr. 1869—70. S. 16. Die Form Frowelsperg kann Deminut. Frowelinesperc^ aber auch ein Pers. N. sein. — Andere alte Stellen scheinen zu sein : am Aliens- berg, Flurn. Inzkofen 1536. Uf des heiser s berg^ Inueringen 1536. 5 *Klrchberg') E. de Chilicberg 1142 MZ I 12. Hartmannus de Chüchperc 1160. Kirchberg 1170, ebenda. Kylperch 1246 MH 32. 1244 Zoll. Zt. 8, 69. Kilperg 1253. Kilchperg 1258. 1260 und oft. Auf der 1) Va St. von Dettingen, altes Paaliner-Eremitenpriorat. 2) Hof, abgegangene Burg bei Langenenslingen mit Warm tal. Der Habsberg teilt sich in 3 besondere Berge, dieStubenhalde sigm., den Burgberg mit steilem Abhänge und den Scblossberg, einen steilen Kegel, der vom Gebirge getrennt ist und auf seiner ser beschränkten Spize das Schloss Habsburg trug. Das Tor, wo der Burgweg von dem Hab 8 borg her in das Dorf Langenenslingen einmündete heisst im dortigen alten Seelbuch burktor. 3) Abgeg. Orte bei Veringen. 4) Wirtemb. ehmals zoUerisch und herrschaftlich haigerlochisch. Zoll. Zt. 8, 80. 139 vogtey ze Küperg 1392. Lichtschlag. Dass wir noch echt aleman- nisches L^nd hier vorausfezen müßen, sowie bei Küchberg nächst Tübingen ist klar. Vgl. meine Alem. Sprache S. 90 fif. und oben Küch' Kirch" Kihoüer, Die ON Kirchberg sind ser zalreich in Alemannien und Schwaben. 6 ''Laiterberg ') Leitcrberg 1243 Wirtemb. Jarbb. 1830 S. 137 Burcardns de Laiierherch 1273. 1278. 1284. Mone 3, 479. Castrum in Lai- ierberch 1294. Scolaris de LaUirherg 1275 Diöc. A. 3, 37 (aus ' einer PfuUendorfer Spitalurkunde). Ortolf decanus de Crüchen- wise de Laiterhurg 1243 (im Sigel) Zoll. Zt. 246. Leiterher g Habsb. ü. 277. Laiierberc Schnell I 71 S. 87. — Ein Laiterburg oder Leiterberg finde ich im Kemptischen, bei Lichtenfels im Bam- bergis^chen ist ein Leitetbach^ Leitershofen bei Göggingen (Schwa- ben) u. s. w. Die Scheidung des alten ai von iu, eu^) bei unserm I^amen ist zu deutlich: wir haben kein liuthari, sondern ein lai- tiiari anzusezen, wovon der erste Teil auch den datiyisch. Kose- namen Laitz. erklärt. Laithari Leitheri, Leiter ist ein gut be- zeugter altd. PN. 7 *Staiiffe&berg') Diecz von Stouffenberg , das hüs ze Stouffenberg 1362 MZ 338. Hans Schenk von Stouffenberg 1409. 520. ze Stouffenberg in der vesti, ebenda. Stoffenberg 1387 Zoll. Zt. 8, 81. Da die festen Häuser dises Namens in Alemannien häufiger sind, so müßen wir die ältesten Belege für jene auch für uns in Anspruch nemen: Stot4finberc 9, Jhd, nordöstl. vonOfifenburg; de caBtro Stou" pha Mone 9, 212. Stouphin, SiöpMn, ebend. 30, 120 (1283) und Stophanberch 854 bei Schlettstadt, Elsaß. Stovf ahd. rupes, saxum, Fels^ Felsberg darf nicht von stouf, stouphy stöf = calix, cyathus, Kelch, Becher getrennt werden ^), sowenig als Kopf, caput von Kopf, Küchengeschirr, Krug oder Kogel von cucuUus. Auch Stouphilinj Hohenstöffeln 1241 gehört hieher. Der herum teste Berg des Namens ist der Staufenberg^)\ auch Gaildorfer Waldn. Berg bei Egeshelm, Heuberg; Ruine beim Hohentwiel , wo wir dem Hohenstöffeln begegnen (Hegau). Bei Nusplingen ist 1) Abgeg. Burg OA Sigmaringen, bei Krauchenwies, die Trümmer noch sichtbar. 2) Der Herausg. der Spitalurkunden im Diöc. A. 3, 38 kennt disen grossen Unterschid nicht. 3) ehemalige Barg, jezt Hofname. 4) Bück: Becherberg. Zoll. Zt. 119. JGrimm Ged. d. MA S. 5. 5) Der Zimmerische Kronist sagt die Schenken v. St. seien die frühesten adelichen Besizer von Hohenzollem gewesen. Die Zollem seien einst deren Hirten gewesen, habe ein alter Staufenberger immer gesagt« 140 ein Staufenfels, zasammenhangend mit dem Egesheimer Statur fenberg? Uöber Staufenberg in Hessen Weigand a.a.O. S. 288. 8 Strassberg *) In loGO qui vocatar Bure et in pago qni vocatur Scerra 843 St. Gall. U II 6 fif. Purch 1005. Burg 1275. 1324. Lichtschlag Progr. 1872 S. 7. 8. Burk^) Lib. Dec. 45. Das 15. 16. Jhd. BurCj Burg, Purg, Das anter dem Felsschloße angesidelte Dorf hieß Strassberg, und war das Burgdorf, beide villeicht erst im 13. Jhd. entstanden, wärend die uralte Pfarrei Burg mit St. Ye- renakirche, der alem. Heiligin, abwärts der Sohmeihen eine eigene Gemeinde bildete, bis endlich Burg und Bargdorf unter dem gemeinsamen Namen fortlebten. Strazberg 1334 MH 356. Strctös- herg, die bürg and statt 1345 ebenda 440. Homines et predia in Strassberg 1253 MZ 179; Ryschach ze Sirassberg 1391 No. 421. Straussberg 1404 (der pfarrkiZchen und dem gotteshuse Sant Verenen ze St.).* St. Verenen Gotzhüs ze Burg^ im Straussberger Ban 1405. zuo Burg bi Strassberg, za Strassberg und zu Burg 1423. Lichtschlag S. 10. — Es war also im untern Teile Straß- bergs, wo die Kirche stet, in uralter Zeit eine andere Be- festigung, die spurlos verschwunden ist; Hefental ist ein Teil jener alten Niderlassung. „Straßberg'* ist leicht zu erklären; die Straße nach Veringen, Sigmaringen, die alte römische Straße be- strich den neuern Bestandteil des Dorfes. Die ON mit „Straße** gebildet sind häufig; z.B. Strass bei Tettnang, Strasse 11 80. Strass- weiler zergangener Ort bei Langenau. Strässaheim bei Heidelberg, urkdl. Ich fand wiederholt auffallende Uebereinstimmung der Orte römischer Cultur und des deutschen Namens Straße d. h. Hoch- straße, Steinweg gegenüber dem Enüppelweg, Holzdamm. 9 Achberg») Heinricus de Ächberg 1239 Zoll. Zt. 3, 39. Burgau *Hainburg (Heimburgerhof, Homburg). ^Isenburg ^Schalksburg 10 Bargav^), *Baraa^) Güter zu Burgun 1355. 1366 und öfter Zoll. Zt. 4, 46. 7, 65 ff. Hof ze Burgun, ze Burgen ebenda. Bei Schnell I 76: 1303. 1) OA Sigmaringen? Bisher CA Gammertingen. 2) Man wollte den Birkenhof (die höfe genant Bürken 1608 Zoll. Zt. 4, 24) und Hefele Einfürung des Christentums sogar Beuren bei Riedlingen darunter vermuten. Auch Schmid Gesch. v. Hohenb. sezt hinter Bure regelmässig mit ? Beuron. Die Verenakirchen sind alle ser alt. 3) Bei Lindau, Enclave. 4) Halb zolleriscby halb wirtembergisch, OA Riedlingen. 6) Ein alter Burgstal bei Wald. 141 1366. Das -au ist iißu, anlioh wie ans altem Snligon, Sanlgftt« ge- worden ist, w&rend derVolksmuiid die echten Formen bewart hat. Burg^ das alte Pfarrdorf, nrkdl. Bure sieh oben bei Straasberg. loh füge bei: Burau oder Burren^ Burre 1230 Zoll. Zt. 3, 37. B. Bonnm apud Aichach dictum Burraer guot 1274 Monel,77. Die BurraumMe^ bei Wald, ist ein Ueberrest. Bei der BurraumMe Flum. bei Wald. 11 *Habibirg, leimbnrgerhof N. des Hainburg ist 1344 MZ I 302. Unsers lieben Vettern säligen von Zolr von Hainburg gnant 1362 ebend. I 340. JTain- bürg die bürg, ebenda. Haimburg, die die zollre innehant, Anf- Zeichnung hohenberg. Lehen MH 889. Die Formen Heimbnrg, Hofnbnrg haben nach bekanntem Geseze vor b, p, pf n zu m gemacht. Altes ai in ddr Wurzelsilbe stet fest, und dises ai kann aus o^ entstanden sein. Damit wäre die Herkunft von HaganOj "Elagino^ dem allbeliebten Namen der deutschen Heldensage, oder dem schon im Waltharinsliede damit zusammengebrachten hagan^ Dorui erklärlich. Die ON bringen übrigens uralte Belege mit Hain' so dass villeicht an eine alte Form fernab von hagan gedacht werdoi muss. An -haim ist kaum « zu denken, ebensowenig an jenes alem. Schwab. Gesez womach alte d, uo als ai vor den Liquiden auf- treten. Ich vergleiche auch die Namen Heinbahc, de, in der Al- pirsbaoher Urkunde von 1095. 1098 MZ. Vgl. Mone Anzeiger y 306 ff. Ferner Heineburg zwischen Binzwangen-Hundersingen und bei Upflamör, wovon der Waldname Hainebürgle; Heinrainj uralt bei Egesheim. 12 *l8e&biirg>) Hugo de Isenburg .1237; Isenburch 1246. Tsinburdt 1249 Wü II 416. Isenburch 1274 ürkdb. der Pfalzgrafen von Tubingen No. 46. Stnibe von Isetiburg 1313. Zoll. Zt X 51 ff. Ein PN Iso ligt zu Grunde; an Eisen, fsin adj. kann nicht gedacht wer- den. Vrgl. oben „I8ikofen*^ Ich füge hier noch Burgnamen, die weiter keine Ortsnamen abgegeben haben, bei: * Tannenburg bei Weildorf. * Alteburg bei Veringendorf, der *Apfelstetten gegenüber. Oft genannt wird Burg zu Haigerloch, Bürgle zu Hechingen, Burg und Stainhüs zu Steinhülben^ Bürglehof in Jungingen; Yorhof 1) OA Hechingen. ,yWo die Eyach zwischen Balingen und Haiger- loch in ein enges Wisentbai sich eindrangt, ligen rechts oben die Trüm- mer des alten Schlosses Homburg, des Sitzes einer frühem Herrschaft des Namens/* Zoll. Zt. 8, 89. Zur Gesch. der Hainburg sih Gramer 41. 42. 2) Bei Betra; 1525 zerstört; Graben, Turmreste, Mauerwerk noch erkennbar. 142 (der Burg) in Jnngnan, vgL Oberrh. Zt. 21, 419. Sih fibrigens mer bei den „Flurnamen.^* Vor den Burgksteckm, Inneringer Florn. 1536. In Orenburg, Flur, Unterschmeien, ebenda; im Burg- still beim steg, ebenda. Betraer Burgstal, Burgweg, Haigerloch. 13 *S€halluibirgO ScJuützburg 1266 MZ I 206. Uf der bürg ze Schalgshurg 1349 ebenda No. 316. ze Schalksburg 1369 No. 349. Schdlceburg 1370 No. 354. Castnim Schalkeburg 1376 No. 368. 1394 und 1395: Schdlzburg. Schalksburg ist des Fr. von Zolre 1826. Zoll. Zt. 4, 83. Zum Vergleich mögen noch das ehedem helfensteini- sehe Schdlkstetten und Schdlchiäberg 1226 MH dienen; die Belege sind zalreich. Aus der althochd. Zeit haben wir ein Österreich. Scalcoburg 863 und aus derselben Zeit ein Scalcobrunnon ON: Scalcaburg, Scalcheshausen , Scalchaswinchil n. s. w. Got. skalks, servus im Gegensaze zum höhern Diener, zum Minister andbahts. Vgl. Graff 6, 480 ff. Förstemann in Kuhns Zeitschr. 15, 165. Der Wechsel von t, z, s, k hat nichts Störendes; was richtig abr geschriben ist, kann die alemannische Grammatik verantworten. *BaldeD8tein ^Höllenstein, Holstein Hornsteia ^HunDenstein ♦Lichtenstein *Wekken8tein •Werstein u. s. w. 14 *Baldeii8telii') Urkundlich schon 1. Hälfte 12. Jhd. 1329 Zoll. Zt. 4, 35. Als Flurname westlich von laneringen auf dem Veringerfeld er- halten. Eine Anzal ON sind in der ältesten Zeit vom PN Baldo gebildet: Baldingen, Baidanheim ON 198 ff. Vgl. Duos invenio fuisse pagos Bäldetistein alterum prope ,,Wfmpsheini" et alterum prope „Ineringam^^ in Alpibus. Sulger I 276. Hae duäe villae Bäldenstein et Ostheim inter Jungingam et Ineringam alpestres pagos olim sitae bellorum motibus extinctae sunt. 1 81. irrt, sih Lichtschlag Progr. 13. Johler 209. 1) Bei Balingen. Jezt wirtembergisch, einst ein wichtiger zolleri- scher Besiz, wenigstens von 1266 an. 2) Zergangene Ortschaft bei Veringen, Flurname. „Bekanntlich sind weitaus die meisten mittelalterlichen Burgen unserer Gaue, welche den Namen Stein — selbständig oder in Zusammensezung mit einem andern Worte — tragen, nachweisbar römischen Ursprungs. leh er- innere nur an den Stein zu Ortenberg, zu Diersberg, zu Rheinfelden und zu Baden im Aargau: an Eberstein, Ist ein, Falkenstein. Der Germane nur mit Holz und Lehm zu bauen gewönt, konnte die eisen- festen Römertürme nicht einfacher und treffender bezeichnen.'' Oberrh. Zt. 23. 143 15 «HöUeiisteiii, Holstein ^) - Hodnstein 1279. 1300 MH P 416. Anshelm von Hoelnstain 1386 Zoll. Zt. 8, 3. nie HöUtain 1300 MZ I 243. Hölmtain die barg 1412 589. Heute wie schon die Stat< Capit. Trochtelf. 1737 haben ^^Holstein". Man findet disen Namen allenthalben. Am Zu- sammeofiuße der Blau und Lauter erhoben sieh die alten Burgen Klingenstein und Hellensiein. Ein H. bei Stetten am kalten Markt. Holstein, Flurn. Mülheiraer (Tuttlingen) Urbar hs. BU 80. Höll- wald, Höllental, Höllacker u. s. w. sieh unter Flamamen. Im FÜB 1040—1100: Adelb. de HoUnstein S. 27 bei Urach? Zur Erklärung teilt mir Bück mit: Vgl. auch hellenten berch, der widerhallende Berg und Hellenstein in Baiern, das Heiligenstein hieß, wie in den Mon. Boic. Hellibrunna und Heilicprunno. Sieh MZ I 185. 188 wo Hellunstein und Heligenstein zu lesen ist. Ueber Hellenstein und Heistein sih Wackernagels Fischart in Basel 1870 S. 33. Avnold 480: Hellstein bei Wächtersbach, Hei- lenstain 1380 zu belli clarus oder hella, baratrum? Ich halte zwei Erklärungen für passend: hau, steil, absch^ssig rupes prae- rupta und hellen, klingen, widerhallen. 16 Hornstein') Hornst^in, Hornestein, Hornestavn, Horenstein, Harinstein, Stalin, wirtb. Geschichte II 596. Ebenso in den MH No. 79 u. s. w. Man findet stets Hornsteiner Turm und Feste Bittel* schieß getrennt genannt; ebenso 1380 ein oberes und ein unteres Haus der Burg. Zur Erklärung diene 1 hurnia, hurn, was in hurnigeln, Schauer mit Regen- und Schnee, wie ich früher in der Alemannia (s. v. Hornnng) ausfürte, bedeutet kalen Wetterfelsen, wie die schwedischen Scheren; dann aber kann Hörn 2 jünger sein und von der zweizackigen Gestalt gerade bei unserer Burg zutreffend benannt sein, ich erinnere an Hom bei den alten Be- festigungen; 3 heisst jeder vorspringende Berg oder Hügel, Aus- läufer in die Ebene in Nordalemannien noch Hom. Sogar in mei- ner Heimat ist zwischen Wurmlingeu und Pfaffingen das Hörn, Weinberghalden. Ich ziehe das Zellerhorn dazu, das bekanntlich beim Zollerberg ligt. ^Ferner Hornstein, westliche Seite des Bel- eben Scheitel, der Urgebirge in der SW Ecke Deutschlands. Vgl. Ittners gesammelte Schriften III 326. Hornenberg, alter ortenani- scher Weiler. Hornberg im Schwarzwald. Horningen, alter Name für Herrlingen. OA Blaubeuren. Die obige einfachste Erklärung möchte ich vorziehen. Daß aber auch grosse Vorsicht in der Deutung innezuhjalten ist, ersiht man aus dem ON Horningen, der zum PN Uro, Uren, gen. Urino und Uringosteti zurückweist. Neug. 968. 1) Stetten bei Hechingen. 2) OA Sigmaringen, an der Lauchert« 144 17 muneiftefi') Eine Kapelle des hl. Nioolans auf dem Hunnenstein bei Trochtelfingen wird in einem Indolgenzbriefe von 1322 erwSnt. Beiträge zur Beleuchtung der altem Geschichte der zoll. Lande. SigmariDgen 1863 S. 61. Die Stat. Gapit. Trochtelf. 1737 schrei- ben capella Hennenstein. Hun = Bergrücken? daher die ^ilen Tolksetyroolog. Hundsrncken. Vgl. die altd. Belege des dunkeln Wortes bei Graff IV 960. 18 «Lfohteiurteii*) Swenger von lAechtenstain 1326. Zoll. Zt. 4, 33. Eberh. von lAehtenstain 1340. üolrich v. L. 1392. 1293. 1418. —MZ I 461. 477. 512. 522. 531. 555. 561. 579. 583. MH No. 771. Neufra under Licktenstain 1405 Zoll. Zt. 5, 26. Iph erinnere an die un- zälichen Lichtensteiny -eck, -egg, -herg, -fels; obenan stet der bekannte Lichtenstein mit seiner Romantik (von Hauff). Zwischen Leinsletten und Bettenhausen rechts über dem engen Waldtale der Glatt ligen die Ruinen von Lichtenfds, von Fritz dem Oeünger als „altes zerbrochenes Schlössle angetreten als werlich hergerich- tet worden.^' Bei Harthausen -Oberndorf ist das alte Lichteneck, jezt restauriert; JJüechtenberg, Flurn. bei Salem. Seb. Bürst«r 185. lAchtnau^ Hechinger Flurn. £s ist aus althochd. liohti,^ hell, klar, weithin scheinend gebildet; daneben deutet es auch T>ft nur ent- waldete Kulturstätte an, was im fränkischen Lar ligt. 19 *Wekkenstelii') Burchardus de Wekkenstein 1230 Zo)l. Zt. 3, 37 und oft. Das Wü III hat Wekenstein^ Weckenstein ^ Wekkinsteinj S. 270. 445. 457. 458. 425 u. s. w. Eine Grenzbeschreibung 1460 (Schnell 165 ff.): ußer dem stain bei Burkwyler den rechten weg för das lindlein die Schmihen daselbs uf gen Wekenstain in das bnrgstal (jezt Wald bei Oberschmeien). Da die bissherlgen Zusammen- sezungen mit -stein keine Personennamen (Baldo?) ergeben, sondern auf Lage und Bodenbeschaffenheit hindeuten, gerade wie in Volme- stein (Einfluß der Volme in die Ruhr) und vilen sächsischen Beispilen so haben wir uns an ahd. wekki, weggi =■ Keil oder an das faktitive wecken zu halten ; ersteres würde die Eigenschaft des Berges anzeigen, lezteres, änlich wie schrecken in Schreckenstein, das aufschießende, emporragende Felsschloß bezeichnen, aber immer 1) Bei Trochtelfingen. 2) Bei Neufra, A Hechingen, zergangene Barg ; die Trümmer von Vorder- und Hinterlichtenstein noch sichtbar. 3) Zwischen Oberschmeien und Storzingen, Ruinen noch sicht- bar. In dem Durcheinander der Teck-Sagen kommt immer und im- mer wieder ein „Weck" als urspr. Name vor (Jacob Frischlin, wirtb. Beschrbg.)- ^ 145 nur in Bezug auf die Umgebung der Landschaft, so dass es ge- radezu aufftlllt. wenn ganz unbedeutende Felskuppen zu derartigen Namen gelangten. Vgl. oben Zweckhofen, Ich verweise auf Weggenr ioL bei Bottenburg, auf Wekkesberg, zergang. Oertlichkeit bei Her- renalb 1148 Mone Zt. 1, 97. WU II 50: ad montem Wekkesberg, ulterius a Wekkesberg, £i^ Walther von Weckenriet 1291. Schmid Pfalzgr. S. 302 (Asberg). 20 «Werstein') Hugo de Werstein 1101 MZ I 2. Wü I 329. MilesdeWcr- stdn 1228 Wü HI 228. 1237. 1246. 1249. 1270. 1273. 1279. 1284. 1288. 1291. 1298 u. s. w. MH. de Werstain 1277 Mone 3, 326. De Gretun von W. 1386 MZ I 403. 1406,^ Zoll. Zt. 10, 176. Wertestin (?) MZ I 206 u. s. w. Das altdeutsche warjaUj werren und merren heißt abhalten, abweren wie heute neuhochd., hrusUperi propugnaculum, halBweri, gAtoer u. s. w. also ein Syno- njmam von Le/se, le/sen: Landwer = Lezi, Lezinen, alem. (vgl. sum^ heri lezidtm im Merseb. Zauberspruch), wärend Landwer angels. vär, septum, sepimentum, wie Stattwer (Schmeller IV 180) auch bairisch gilt. Unser Werstein heisst oft „vesti" und als solche muß sie eine bedeutendere Rolle als Grenzpunkt u. s. w. gespilt haben. Vgl. mein Augsb. Wb. 314b. Wer ist aber auch ein Damm zum Abschlagen des Waßers, die Oertlichkeit stimmt also : Schloß, Burg am Wer. — Ich nenne hier noch Burgen, jezt Burgställe, über deren ehmalige Inhaber vgl. die Zusammenstellung Schnells Zoll. Zt. 7, 41 ff. Kreidenstein, Beuron. Bartelstein 1237 Wü III 397 auf einem Felsen über dem linken Ufer der Donau dem Schloss Scheer gegenüber. Suppenstein bei Hedingen. Falkenstein bei Thiergarten, erst in neuerer Zeit zollerisch. Hertenstein bei Jungnau, zu hart, herti, a. 1449. Im Hertensteiner Riedt 1536 Jungnauer Lager- bach, wise zu Hertenstäin, ebenda. Der Haufenstein Wald zwischen Strassberg- Kaiseringen, wol hüvenstain Eulenstein, wie Eulenberg ja häufig vorkommt. Der Kachetstein^ Burgstal bei Yeringendorf. Der Bingelstein^ Eiller. Der Bösselstein^ Langenenslingen. Historisch wichtig ist ^esc Binderstein beim Zoller. Wartstein W^fi MZ I 36. Akenstein 1123 MZ I 10. Haugenstein bei Dettlingen. Von der jezt badischen Burg Quitenstein kommt in Zollern der Gutensteiner Stig vor 1536 Jungnauer Lagerb. Zu Steinh&Jben, Steinhofen sih das Grundwort. Sih mer bei den Flur- und Waldnamen. Ich er- innere hier an die urkundlichen Steinhätiser in Hohenzöllem. Das 1) OA Haigerloch. „Auf der äußersten Kuppe eines rechts über dem Neckartal und dem Dorfe Fischingen steil aufsteigenden Berg- rückens, gerade da, wo sich eine tiefe Schlucht nordostwärts zieht, erheben sich ansehnliche Reste terassenformig übereinander aufsteigen- der von runden Türmen überragter Ring^iauern einer Burg, welche schon am Ende des XI Jhds. bestand." Zoll. Zt. 10, 81. Birlinger, ATemaiiTiia VI 2 10 ' 146 Gorh. Moitaar. 1350 Bl. 4b: wis gelegen by dem stainhAs ge- nempt des Jungen wis gent den ClÖsnemun ze Laytz n. s. w. Eigra- tümlicherweise hieß das Schloss in Erancbenwies Wctsserhaas. 21 Holieiifols'), LichtenfeU«) Nach Eiseleins Angabe 1148 der erste urkundliche Nachweis, Oesch. d. Stadt Konstanz S. 252. Burch. de Hohenvelsi 1291 Barack in den Schriften des Vereins f. Gesch. des Bodensees 2. Heft (1870). Ebenda z. 1212. 1216. 1222 u. s. w. Hohenfds 1222, de Honvda 1223, de Hohenvelsi 1256 Zoll. Zt. 3, 49; der Minnesinger Burcatd ▼. H. 1226. 1285. Oberrh. Zt. 29, 143. Mone n 486. 1263. 1270—1292. Barack S. 73. Vgl. Vilsingen. — Im Annivers. von Neidingen kommt eine Familie (Banzigtal) Felsberg, Velsehberg vor, die jedesfalls von einer Oertlichkeit iren Namen hat. Felsen heisst auch ein furstenb. Wald im Tiergarten. — Lieh- tenveh, Berth. von, 1298 Furstenb. ürkdb. I No. 650. — Wü- dent?e2s = Wildenstein oft in zoll. Urkunden. Der Blaufels, her- wärts gegen Sigmaringen am rechten Ufer der Donan, mit der schönen Lindenallee einen Teil der fürstl. Anlagen bildend^ sollte einst zu einer Klause auf dem BleueLstein oder Bleufelsen dienen; doch die Frauen ließen sich in Inzighofen nieder. Sage. 1354 Schnell I 5. Bittelschiess Mottschiess Schemegg 22a Bittelschiess') B. de BütdscMess 1087 Mone Anz. V VI 305 ff. Bertoldus de Buielsdez^ Notit. Fund. S. Georgii Mone 9, 207. Butilschiee 1216 MZ I 92. Bert, de Butelshiz 1223 Mone 1, 76. Biutelsehiez 1265 Mone Zt. 3^ 78. Hugo de Buttelschiess 1267. Stalin II 501. Butilschies 1266 Lichtschag Progr. 1869—70 S. 3. Büttelschiez Lib. Dec. I 106—108. 153. III 75. Püttelschiess 1423 Zoll. Zt. 1, 9. In einer homsteinischen Urkd. 1460 kommt merkwürdigerweise auch ein Wald- oder Feldname Schissbuch vor. Zoll. Zt. 3, 28. Der Belege ließen sich noch vile bringen. Die Erklärung des Bestimmungswortes sih BiUelbronn. Das Wort -schieß ist oben kurz erörtert; es bedarf nur noch der Nachweise für die gegebene Erklärung. Bei Pforzheim ist der berüchtigte Wald Hagenschieß, Oberrh. Ztsch. 20, 19. 25, 116^). Im augsb. Schwaben gibt es 1) An der badischen Grenze OA Sigmaringen. 2) Efamaliges Schloß auf jezt sigpciar. Boden. OA Sulz , wirtemb. 3) OA Sigmaringen. — Ruine bei Hornstoin, hat dem Bittelschießer »Tälec den Namen gegeben. 4) „Pforzheim ligt am Hagenschieß und den Grenzen des Craichgows." Zeiller, Oerterbeschr. S. 342. „Auf dea südlichen Bergen 147 ^^ Sehkßm, Roggenbarg; alte Einöden Schießen und Schießer. ^^ Stottgartischen: Äichschieß, Schott No. 225. ON 1319 Beri- m^ 8. Jhd. Richeneshies 9. Jhd. Sciotz 896 Sp.l312. Im Alt- bochd. gibt es ein sdo/s^äot. scioze, frons, fronte ßraff VI 562. Im Mittelhochd. ist schieß (BMZamcke II ^ 174a) von den 2 flach- breit sich zuspizenden Hörnern der Bischofsmüze gebraucht. Für die breit ansteigende Gibelfläche des Hanses zalreich belegt bei Schmeller II ' 478 = Gibelseite als Gegensaz der Dachseite. Das Wort hat sich vorhersehend in angsborgischen Schriftwerken er- halten. Es kommt vokalische und consonantische Abbeu^ngs- form Schießer und schießen vor. Ich habe in meinem Augsb. Wh. 394 ff. vile Nachweise beigebracht, denen ich hier noch einige beifuge. Das Augsb. Malefizbüchlein hat bei 1672, 1699, 1717: scMeßer\ ebenso die Schwab-Mühlhansener Pfarrkronik v. 1762, handschriftlich. Der älteste ang^b. Beleg ist aus dem Manuale 14. 15. Jhd. hs. und beugt consonantisch ab. Wir bemerken, daß io Urkunden, die auch Oesterreich angen, Puttelschieß stet 1330 Zt 3, 18 wie bei jPetra; p ist im Anlaute den Österreich. Urkdd. eigen. Dieselbe U hat auch i^rchtold. Da die Schreibung von da ab üblicher wird, gewinnt es den Anschein, als ob man es für hochdeutscher, feinerhielt. Auch ein Österreich. JRt«n^en= Bungen, Bmgen erscheint 1410 — 37. 22b ■ottschiess') Moteschieß 1420 Habsb. U 56. In Baiern begegnet ein Moz- zinga 911 ON 1118. B verweist auf die heute noch vorkommen- den Geschlechtsnamen Mott, Motz und ein mutmassliches Muoto. In Memmingen gibt es Motz. Ich möchte Jfu^je^, itft^^Adr^, Motzen- hart, Motzhart anfüren, was das ausgb. Stadtrecht mit mussenson, Schelte (Hurenson) gibt, es ist echt schwäbisch-augsburgisch. Mozarts Yater war ein geborner Augsburger. — In Salmansweiler Regesten zu 1279 erscheinen der Motler hove; curiam Mottelarii Mone Zt. 3, 92; sollten dise Namen nicht in Zusammenhang mit motz gebracht werden können? 23 Schemegg^) Urkundliche Belege sten mir nicht zu (Gebote. Schertibach im OA Freudenstadt heisst urkdl. in Scerben: sollte eine Anwen- dung auf Schernegg stattfinden dürfen? Sih Zoll. Zt 10, 33. Echj Egg gilt für Bergvorsprünge, namentlich wenn sie talauf und ligt der Hagensohieß ein großer bedeutender Wald, der in immer hohem waldigten Gebirgen bis in den Schwarzwald fortfürt." Bollers Pforzheim 1811. S. 58. 1) OA Sigmaringen.. 2) OA Sigmaringen. 148 ab weit kenntlich sind; sodann gehört in manchen Gegenden die Sattelf orm daza, wenn der Vorsprang durch eine halsartige Ein- buchtung kenntlich ist. Das alem. Gebiet, sowie das tyrolische, haben unzäliche alte Namen einst oder jezt noch bewonter Orte Honegg, Jungingen; Langeneck, Wald, Jungnau. Prescheneck in der Ortenau , Zoll. Florn. an der Grenze bei Schloßhaoflen. Stahlegg bei Löffingen, zerfallene Bi^rg im Wuetachtal. Frundeck, an der Einmündung des Eyach — in das Nekartal. Zoll. Zt. 8, 53. Tanneck (1123 Taneiko?), BoAndorf. Wildeck bei Rotweil. Brand- egg b. Dornhan. Fritscheneck, ortemb. Hof. Lichteneck oft. AUe PN -egger in Niederdeutschland stammen aus Süddeutschland. Die fränk. PN sind Dative Plur. Nideggen. Die Sonderegger, Honegger in Bonn sind Eingewanderte (Baiern?). X Tal Au Wis Wang Ahd. täl got. altnord. dal, nd. daal wird schon im 8. Jhd. zur Bildung von Ortsnamen verwendet. Wenn ein oft merere Mei- len langes Gebiet eines kleinen Waßers einen Ortsnamen davon trägt, wärend doch noch andere bewonte Stätten vorhanden, so ist das ein Zeugnis für das hohe Alter des Ortes. Oefters sind an uralte Ortsnamen jüngere „Ta^^ angehängt worden. Bildet Tal das Bestimmungswort, dann ist der Name ser alt; bildet er das Grundwort, so kann er mit dem Mitjtealter erst entstanden sein, wiewol die althochd. Zeit deren schon aufweist , oder wir haben ganz neue Bildungen vor uns, die oft nicht älter sind als unsere Judennamen. So ist Friedrichs^a^ (1801) bei Bell, Ea.rlBtal bei Haigerloch, auch Lauchert^if nicht anders und nicht älter zu deu- ten als die Philipstal b. Yach, Wilhelmstal bei Cassel, früher Ameliental, jenes 1686, dises c. 1750 (Arnold 444) gegründet. Ge- wisse Orden liebten iren Niderlaßungen Namen mit Tal gebil- det zu geben, sih Jungingen oben, Engeltal in Hallwangen, Freu- denstadt, Lewental. JGrimm in Haupts Ztsch. 2, 254 sagt daßelbe V. Aue: „es scheinen sich die christlichen Kirchen gerne solche Pläze auf Ät^e ausgewält zu haben." Geiler von Eaisersberg: aber sy seind gern an der ebnen> uff weitem feld, bey den Aussen der Wasser u. s. w. Die vallis umbrosa, .clara vallis sind bekannt. Die Urkunden kennen kaum das tonlose -el, -1 aus Tal, wärend das Bestimmungswort den Hochton an sich gerißen hat, sondern schreiben stets voll. Wäntel, Warmtal und Huntel bei Trillfingen er- innern an Lontel, Lontal (Lonsee). Brunntel heißt das Blanken- steintälchen bei Münsingen. Burtel, Burgtal bei Stockach : Burch- tal 1280. Bachtel, Bachtal erinnert an das mitteld. Hachtel, Ha- bichtstal b. Arnold 44L Foerstem. ON 1863 S 53. — Thalhem haben wir unter „heim^' aufgenommen, die vilen Flum. sih un- ten; es bleiben uns nur Berentalj Hdbsixd^ Warntai. — Dem 149 „^f«" sind wir schon zweimal begegnet unter Eyach und Omngen. Ahd. awa, owa, ouwa got. ahva, lat. aqua; ursprünglich fließen- des Waßer wie ^^Achf -4", jezt nur mer bewäßerten Wisengrund andeutend. Der Geograph Büsching gebraucht noch Aue = kleiner Flnß. Im Hannoverischen und Lippe'schen ist der Flußname Au noch vilfach verbreitet. Ehmals hießen Inseln, Halbinseln gerne „Auen": Reichenau, Lindau, Ufnau. Die Flurn. bringen vile Be-" lege. Der ON sind es wie bei Tal wenige: Imnau^ Jungnau^ BoseU' aUj Schiltau. Die zwei ON Niedernai«, Ohemau bei Rottenburg a. N. nenne ich, weil sie dem Hartmann von Aue den Namen ge- geben. Üeber dise alem. ON sih Scbmid, des Minnesängers Hart- mann von Aue Stand u. s. w. 1875 S. 78 ff. Die Schreibung' V. Ow, welche das reichsireiherrlicbe Geschlecht auf Wachendoif fürt ist wie Owingen (oben) arhaistisch. — ON mit Wise gebildet ahd. wisa sind nicht besonders häufig ; sie tragen als Bestimmungs- wort wol nur Eigennamen. Zollerisch sind Igdstvis, Krauchen- wis zu nennen. Wangen sind Orte auf Ebenen, Feldern, in flachen Talgründen, besonders waren es urspr. schöne grüne Waldwisen- gründe mit iren Niderlaßungen. Im Holland wird himilriki, gr6ni godes wang genannt, das Himmelreich die grüne Gottesaue; heb- benes wang, pratum coeleste, der epische Ausdruck für die Wo- nung der Seligen. Wir finden in unserm Gebiete vier ON: Wanden, Deutwang, Otterswang^ Weiliwang-, die verkürzte Form ^ang oder -nang (Schott No. 31) kommt in zoll. ON nicht, villeicht in Flurn. vor; Hedingen besaß in Sipplingen Weinberge, die Sippati^ =^ wang hießen. 800. 849: Seppenwanc. 965: Seppinanch. Neng. 139. 823: 754. Zu -nang vergl. RohrnangON 1296: JRarwanc; Baufnang bei Salem 1267: Buwenanc, Gisenanc^ abgeg. Ort, worauf Ludwigs- burg stet. Flurnamen gibt es vile, sih unten. Berental Habstal Warmtal Imnau Jungnau Rosenau ♦Schiltau Igelswis Erauchenwis Wangen Deutwang Otterswang " Weihwang 1 Berental r Es gibt zwei Flüßchen Beer, Ber, die 6bere und die untere ; jene entspringt bei Goßheim (sih oben S. 13 No. 12), der Ur- sprung heißt Berbronnen, die untere bei Thieringen unter dem Lochen; sie vereinigen sich unter Nusplingen und die vereinigte Ber mündet oberhalb Fridingen in die Donau. Das Volk spricht Bärä; die Ortschaft heißt Beeratal sowie das Tal; geschriben jezt Bären- und Berental. „Du zwai tal, die man da nemmet 1) OA Sigmaringen. 150 Smyehental vnd Beruntcü'' 1334 MH No. 356. Ebenda No. 215 1308 . erscheint ein B das aber im Schwarzwalde ligen muß. Kloster Reutin. Als älteste Form des Namens will man Seroa von 1092 anfüren ,,8ita in comitata montium qni vocantor serrae^* also im Scherragan, wo das St. Blasische Berowa 1178 Mone Zt. 22, 332 nicht ligen konnte. Es kann also nnr zwischen Beuron und Beerental entschiden werden; da sogar die schlechte Schrei- bung Parma für ersteres (Mone Zt. 9, 212) überlifert ist, warum sollte nicht auch ein Beroa möglich sein? Unser ON Berental hat mit bSro, Bär villeicht nichts zu tun, ist höchstens als Stück Volks- etymologie aufzufaßen. Ber ist ein uraltes Wort für „Waßer'S es braucht aber deswegen nicht keltisch zu sein. Die Paar ist ein Nebenfluß der Donau bei Ingolstadt, Barbeck ein solcher der Stör, Holstein; Bahr, Nebenfluß der Streu; die Behre bei Ilefeld am südlichen Abhänge des Harzes sih ON 206 ff. Ber get neben Brig und Breg (Donauursprung), neben Prim (bei Rotweil) sprach- lich her und ist ein Zeugnis für den Synonymareichtum der Fluß- und Bächenamen der altdeutschen Zeit. Will man noch einen Versuch mit &er, &6ier^) == Eber, Wildschwein machen so bedarÜB des Bären wider nicht, sowenig als Wolfach mit Wolf in Ver- bindung gebracht zu werden, braucht. Der Eber muste mit seinem andern ebenso gut altdeutschen Namen oftmals volksetymologisch dem „Bären^^ weichen, der bei uns allerdings noch spät vorkömmt. In „Vorderschmyhen'^ kennt das Jungnauer Lagerb. 1536 eine Bärhälde, was nichts ist als Eberhalde oder Waideplaz für Schweine überhaupt. Im Wehinger Pfarrurbar kommt Behrenbach und Behrenwis vor; die Bärengasse wird von einem Wirtshause be- nannt sein. Bei Unterwaldbach ist ebenfalls ein BärenkU. 17. sec. (Horb.) So kann z. B. Berowa schon den Gesezen der Namen- bildung und der Deklination gemäß nicht von bero^ ursus kom- men; die schwachen Subst. zeigen alten Genitiv wie Gunzenld, Gun- zenhüsen, Bernbühl. Endlich mache ich noch auf ein altes bero, höre, sackartiges Fischernez aufmerksam, alem. heute „der berren^', welches man aus lat. griech. pera ableiten will; sollte nicht deutscher Ursprung nachweisbar sein? — Die ON kennen ein Berenbach, Berenbronnen 967. 1067. 1108, Ein jüngeres Berenbach bei Frauenalb Oberrh. Zt. 23, 299. 2 Habstal') Possessiones in Habstäl 1259 Mone 6, 406. Apud HabskU 1280 S. 410. In Häbestal 1281 ebend. Die fröwen von Häbestal 1) A. 1524 stritten Sigmaringen und der Truchseß um eine Grenz - marke bei Granheim und Ursendorf, wobei es im Berichte heißt, daß der Truchseß in der von Werdenberg Vorst Beeren uitd swin wol hetzen, fahen oder darnach straiffen dürfe, als im Walde Glashart etc. Bück, Bussen S. 16. Sih Alem. IV 155 ff. 2) OA Sigmaringen; einst berümtes Domixucanerkloster. 151 1282 B 411. 1287 ebenso. Von Hapstale 1313 S 412. 1352. 1369. Von Habchsial 1371 Mone 11, 83 £f. stoßt obnan an Häbch- sUOer wingarlen, ebenda S 84. 1386. 1390. 1401 u. s. w. Hab- Skail4:b7. Lib. Dec. 105—107: Habstal. Eine rohe Sehreibung 16. Jhd. Hapstall 1531. Oberrh. Zt. 26, 121. Diso ON sind wie Falhe-^ Qeier-^ Habe- Znsaiiimensezangen häufig zu treffen; heute und ehmals schon als Flurname, sogar als Flurname nur noch erhalten, vgl. Häbseggy Häbsecke ein Holz bei Mistelbronn (Baden) Oberrh. Zt. 25, 410. Arnold 442 1 Häbichthal zwischen Bantenhansen und Brauenfaansen, urkdl. Habiehttü 1363. Hahich' taylj Hachtel bei Boyneburg; Hachtail 15. seo. S 443. Die älte- sten Namen, längst üblich Tor Grründnng unseres Klosters, sih ON: Habechesdal 1059. Habechental 1012. Habuchodal 786. Habuchotal 779 u. 8. w. Ahd. habuch, hapach, habech, hapoh; mittelhochd. habech, alem. heppich und happs. Botweil. Denkmäler ; (Gb*afi \ IV 754 fiP.) mittellat. capus, Falke. Das lat. accipiter get zurück auf Sansk. oqu schnell und pat fliegen, Lexer HW 1 1130. Es kann nun wol bei andern ON ein Name Habecho, nicht aber bei Häbstal zu Grunde gelegt werden ; außer man nimmt an, daß schon vor dem 13. sec. ein Gehöift da bestanden hat, deßen Erbauer oder Erneuerer Habicho, Habucho hieß. 3 Warntal') Warntal Habsb. ü. 266: ze W. 11t ein hof u. b. w. Wam- tdl git von einem garten ebenda 267. Vgl. Johler Gesch. v. Hohen- zollern S. 187. Diöc. A I 104 Anmkg. Bei Villingen ist ein Burg- stal am östlichen Abhänge des Magdalenenberges zwischen den Tälern der Brigach und des Wiseltales Warenberg und Warentäl: Warniberch 1336. , Der Pers. Name Warino, Ware, lat. im Wü öfter üuarinus. Vrgl. B in der Zoll. Zt. 6, 76. — Die übrigen hohenzoll. Oertlichkeiten Sigental, Ittental, Ezental, Schanunental (Semb-Sambedental), Husertal u. s. w. sih bei den Flurn. Bemerkt sei noch, dass Beuron, wie das badische Hausen unterhalb urkund- lich mit demBeisaze im Tal stet MZ I 247. 421 (1303 ff.). lieber Jnngen^a2 1275 Lib. Dec. sieh Jungingen oben. 4 Inmaa *) Inmenouwa 1082 WU II 392. Ymenow 1368 MH 603. Im- n6w 1383, 683. Ymnow 1392 Lichtschlag, Haigerlocher Urkdd. 1) OA Sigmaringen, bei Langenenslingen. W ist ein enges Alb- tal im OA Riedlingen, an dessen Ende der Schloßberg und der Hof Warmtal ligen. Es bildet einen Haaptstamm des Bibertales und er- weitert sich gegen Langenenslingen hinab. Der wirtemb. Hof W bil- det mit dem zu Sigm. gehörigen Hofe gleiches Namens einen Weiler, in dem eine genaue Landesgrenze unmöglich ist. 2) OA Haigerloch. 152 YnmatD 1436, ebenda, in Innsbrnck aasgestellte U. daher bair. aw st. alem. ow. Ulrich von Ymmenowe, Orenzbeschrbg. MH No. 889, — Vgl. Immenhaasen ^ auf dem Westabhange der Alb; Im- menried im Allgäu; Immenrode, abgegangen, in der Nähe von Canstatt. Alte ON : Imminga, Imminperc, Emmincbovnm, Imming- husun, Emmanriet u.s. w. Förstemann ON 881 ff. Immen wilare ' FUB I No. 6 S. 11. 7, 23. Ein alter Gewandname: Immenflun Mone Zt. 1, 74. Der bekannte PN Immo 852 St. Trudberter Urk. Oberrh. Zt. 30, 77; ab Immone 1170 ebend. S. 82. Ymmo, presb. FUB I No. 15; von Irminfrid, ist Koseform; aber auch einige alte Irmino sind zu Immo geworden (Abel). Ich erinnere noch an althd. Imp^ das zu Immi ward und Bienenan übersezt wird, was anderwärts mit Zeidlaren gegeben wird. — Wie oft ein Irnm- entstanden, ersieht man aus Immenstal st. Wimarthai b. Freiburg FUB I 371. — Bei GeisHngen (Wirtb.) ist Immenburc zu Emerhuch geworden. Wirtb. Vierteljarsschrift I 61 (1878). 9 5 Jmignaa^) Jungnow^ die bürg Jungnow, die bürg Schiltow an der Lochat gelegen 1355. Donauesch. Archiv. 1459, — 1569 Donau- esching. Archiv. Zimmr. Er. Es kann zu dem PN Jungo gestellt werden, sih Jungingen oder die Epitheta in Junghölzer z. B. bei Heuchlingen 1143 WU II 28, JiMn^wisen (Allgäu), junge Gärten, Lindauer Urb. 15. 16. sec. = große Wisen müßen beigezogen wer- den. Ueber den Junghof bei Ostrach sih oben. 6 Roma') B de Bosenow 1223 Zoll. Zt. 3, 35. Mone Zt. 1, 76. Thal- hain sive Rosenowe Lib. Dec. 105 Ebo de Mosenowe (Habstal) 1278 Mone 4, 248. 1278 auch bei Schnell S 87. 1295. 1297 Zoll. Zt. 4, 10. Mone 1, 80. Rudiger von Bosenau Mone 2, ], 70 ff. Schmid Pfalzgrafen v. Tüb. 140. Ferner 1315 MH 190. 1330 S. 319: JRösenowe, Dem Urbar des Klosters Habstal entnimmt B. Bossnow 1420 und berichtet mir: In der Nähe war ein Bach Rosenbach und da andere benachbarte Bäche z. B. der Störenbach neben dem Störenberg zum Mannesnamen Stör gehört (Sterones), so wird Rosenbach und Rosenau zum Mannsnamen Ros, Roos ge- hören, der dort und in Mengen ui-kundlich häufig vorkommt (seit 600 Jaren) und in Bolstern w^ Umgegend heute noch fortlebt/' Bekanntlich gibt es auch eine wirtemb. Theologen- und Gelerten- familie des Namens. Uebrigens sind die Rosenegg^), Roseck, Rosen- feld, Rosenberge (3 alte Schlößer in der Schweiz) zalreich, und 1) OA Sigmaringen. 2) OA Sigmaringen. 3) Rosenegge 1275 Mone Zt. 1, 77. 153 als Flurname erscheint auch der Rosengarten der Heldensage; — Uhland : „R* nannte man in verschiedenen Gegenden Deutschlands bepflanzte Versammlungspläze zu volksmässiger Festeslust.^^ Vgl. Bacmeister Alem. Wanderungen S 101. Hugo Elard Meyer macht eigens Studien hierüber. Wenn die urkdl. Form Bomenowe 1330 richtig, so müsten wir als Grundlage altes rdzen, woher Flachs- röße kommt, annemen, wozu auch das in Act. S. Petri (Baumann) unerklärte Harrozze = Flaohsröße gehört. Die Schreibung Bosna ist mundartlich wie Gauselfingen. 7 *8ohtttai') ShiUawe 1251 Zoll. Zt. 2, 95. Lichtschlag 'Progr. 1869—70 S 1 ff. Zoll. Zt. 3, 12. 44 ff. 1316. 1335. 1367; Schiltow, die bürg 1355 Donauesching. Archiv. Hofstatt under der SchiUtaw, ebenda, Lagerbuch 1536; jezt wird die Schreibung Schütau immer allgemeiner; Burg mit dem bekannten Yorhof. 1385. Schütau die Veste 1418. 1420. Burgstal Seh, 1423. Das Wort „Schild" be- deutet heute im Alemannischen eine Sternbroifarm, „Bazenschild". Sollte die Bergbildung oder die Yeste darauf von irem stem- artigen Bau den Namen haben ? Bei Tuttlingen ist die Höhe Schildrain, zwischen Seitingen und Hausen (Spaichingen) der Bergvorsprung Schüd^ der einst römisch -fränkische mit dem Kon- zenberg correspondierende Warte war? B. sagt richtig, es bedeute „Wanne^', wannenartige Ansteigung, Höhe, was schwäbisch-augsb. Schlau, Schlao ist Das paßt für alle Oertlichkeiten des Nameni^^ die mir bekannt sind. B. fürt noch Schiltegg b. Schramberg, Schiltbiuron , Marchtaler Eronik, Schiitenberg (Schülzburg im Lautertale) an. Zoll. Zt. 5^ 105. Ueber die vilen zoUerischen Wannental, -berg sih Flurnamen. — Ich erwäne hier des Sa- mens SchtUung 1290. 1298 Amtmann zu Scheer, Vogt von Sig- maringen (Zpll. Zt. 4, 18) 1306 S. 18. 19. 1305. 1310. 1303. Eß waren österreichische Verwalter, die disen Namen trugen. Vgl. die Familiennamen von Waffen entlent, nach uralter Sitte, Pott PN S 656 ff. 8 Igelswles') Ketteswis? sih oben „Filsingen**, warscheinlich Ingolteswis, Engelswis Lichtschlag Progr. 1872 S 1. Igelswies 1257. 1265 Zoll. Zt. 1, 53. Bona sita Igelswise MH 84 a. 1279. Fürsteftb. Urkdb. I No. 534. Vgl. Igelsberg, wirtemb. Freudenstadt; Igel- stniot bei Mergentheim^ Igelschlatt (1285) bei Bonndorf, Baden; 1) OA Sigmaringen; auf einer felsigen Anhöhe im jezigen Dorfe Jungnau, geringe üeberreste, heute Schiltaoh vom Volke genannt. 2) CA Sigmaringen. „An der Ablach in der Grafschaft Sigma- ringen.^^ Bist, topogr. Lexicon von Schwaben 1791. 154 Igelbaob u. 8. w. Der erste ON lautet urkundlich Irvngesherc 1247, Schmid Pfalzgrafen S. 139. WU II 403, in der berümten Reichen- bacher Scbenkungsnrkunde: cella quae vocatur Iringe^erc^ mons joxta Iringesberg u. s. w. Das zweite fränkische Wort heißt 1054 WU I 272 Igilistruoth, Igelheim bei Speier und Igelbach lauten ügnlenheim 11. Jhd. Ugelenbach 1257 Mone Zt. 1, 242. So spi- len also die altdeutschen Namen Irinc, Ugilo, Hugilo /Hugilind, Hugileuba, Hugiwolf), die Neugart kennt, herein; jedoch beim zoUeriscben ON muß entweder ahd. igil, der Igel oder ein PN diser Form zu Grunde ligen. Das oben angef&rte zoUerisch nachbarliche badische Ingelswies urkdl. Ingolteswis ist nach der Zimmerisch. Er. II 841 „vor vilen Jahren ein mechtigs und guots dorf gewesen.*^ B. schreibt mir hiezu: die ON auf -wis sind meines Erachtens alle von Pers. N. bestimmt; Erauchenwis, Engclswis, Igelswis, um so eher, als sich die Familiennamen Krauchy Engel, Igel noch lebend vorfinden und zwar gerade in der Nähe diser Orte; sie sind ser zähe in irem Verbleiben nach bestimmten Gegenden. Eben dort begegnet man häufig Vornamen, die nun Zunamen geworden sind: Bück, der Beller Hundersingen ; Bück, der Lenger, Zoll. Zt. 4, 73. 9 Kravchenwles ^) Orä^^tntm 1202 Salem. Urk. Ortolfus de^uecA^mme 1216, Urkd. von Wald 1242 Zoll. Zt. 2, 46. Krüchenwis 1272 Schnell 8 88. B. de Krüchenms 1281 Mone Zt. 6, 411. Piscaria in Krüchenwise 1294 Mone 3, 479. In Chrvchenwise 1295 Licht- , schlag Progr. 1869—70 S 6. Cruchenwis Lib. Dec. 106—108 neben Kruchemoys 1355. Habsb. U. 277, 299 (v. Kaisers Rotel) ebenso. Oberrh. Zt. 28, 71. Vgl. Erauchtal im Bernerland, das aber Crechtal im Lib. Dec. 177 und Grochtal schon 1181 Mone 13, 170 lautet, gehört nicht hieher. Die althochd. Zeit bietet ON Grukinga (800), Ghruchunperk, Chruchinperk 8. sec. u. s. w. Da- mit kommen wir der Erklärung sowenig nahe als mit dem ulmi- schen Erukental, jezt Ruhetal. Es gibt ein Ablautverb kruch, kriuch, krauch und davon krauchen, alem. umbiegen, sich wen- den, sich drehen bei Stalder II 126; ebenda ist auch das Subst. Krauch^) verzeichnet = Erümmung , sowie im Idioticon Bernense, Frommann Zt. II 483b. Es ist sovil als Ellbogen, Rank: Wisen- wonort, der von den Erümmungen der Ablach oder von der 1) OA Sigmaringen. Im bistor. topogr. Lexicon v. Schwaben: Erauchen wiesen (ebenso bei Büsching VIII 1342) „mit einem Schloße, welches der Herr Fürst von Sigmaringen des Sommers bewohnt.^' I 976. 2) Im Mhd. bei Nicol. v. Straßburg kommt ein krüche so Sehoßel vor (Myst. I 305): reht als der ein klein krüoheli mähte an eine groze k rücken. Altsäeha. cruka. 165 Ellbogenform der alten Reichsstraße seinen Namen ka>t. R möchte beim PN Krauch, Kruch bleiben. Bemerken will ich noch, daß die Zimmerische Er. bald Krauchen- bald Krtechenwis gebraucht. Einen alten Flurnamen, der auf halbkreisförmige Lage deutet, haben wir in Oirggunwise 1275 Mone 1, 77. 10 «Wangen') Adilh. de Wangen — in possessionibus suis in Wangen apud Ostra 1262 Mone 3, 71. 323. In Wangm apud Ostrach 129Q 3, 483. Wir werden doch, bei den spätem Namensbildungen nur mer an wang = pratum denken dürfen. Bei den älteren, die biß ins 8. 9. Jhd. hinaufreichen, muß das allgemeinere campus an- gesezt werden. Förstem. 1863 S 281 nennt als Heimat zwei große Landschaften im S der Donau. Die erste stellt ein Viereck dar, dessen Ecken durch Sigmaringen, Donauwerd, München und die Lechquelle gebildet werden. Aus disen Grenzen, in denen sicher über 100 wang ligen, schreiten dise Namen in vil dünnerer Grup- pierung nur in den bad. Oberrheinkreis, deutsche Schweiz, kaum ins Elsaß'. 11 Deitwaigen, Deitwaig') Thudewanch 1275 Lib. Dec. Tüdewanehy ebenda S 152. Ze Tudwangeny hof 1392. Tudwang, Stat. des Cpts. Linzgau, Diöc. A II 193 ff. Es gibt im Althochd. einen Stamm duth, dut^ dvd^ der kleinere und größere Waßer bedeutet ON 500. An Tiut- wanc, Dietwang ist kaum zu denken, wiewol es am nächsten läge, ein Titeto, Teui- anzunemen. B bezeichnet die Deutenau bei Sigm. als von Teito herkommend, fürt aber gleich ahd. tutücholbo ^), Moskolbe, typha, Deutenkolbe, Deutelkolbe an. Im AUgäu ligt ein Ort Deutelmoos; an der Donau bei Ertingen ist eine Deutenau. So hätten wir den Namen Tutt , Tuttili = mamillae. Das könnte auch mit der Stelle Tyten Ow im Gorheimer Mortuar 1350 für das sigm. Deutenau in Einklang gebracht werden. Ich vergleiche hier noch Thutinhüsen, Thutenhüsen, Tuchtenhusen 1284 Mone Zt. 3, 231; Tiuhtinhüsen 1257 Dichtenhansen, bad. Ueiligenberg. 1) BA Pfullendorf, ehedem eingepfarrt zu Oslrach. Wangen bei Salem ist schon 1187 belegt. Mone Zt. 1, 328. 2) CA Sigmaringen, einst CA Wald, jezt Filiale von Mindersdorf. 8) Der flämisch-hochdeutsche Name ist Dense (zu dinsen? auf- gedunsen?); sonst heißt er noch Rorkolben, Narrenkolben, Bulster, Knebel, Knospe, Bürste, Pinsel u. s. w. Hermann Graßmann, deutsche Fflanzennamen, Stettin 1870 No. 657 S. 217. Dieffenb. Gloss. 518a: ließknospen, lieschdodden; Nov Gl. 365: herba in aqua (typha) dudel- kolbe nasoitur. 156 12 Ottenwaig ^) Pratum in Ottinswangh, bei Wald -1260 Mone Zt. 6, 407. 0. bei Waldsee soll Otölveswam heißen Mone 1 337. Zum PN Ottino, Othelin sih oben S. 29: Ettisweiler. — Weihwang — davon stet mir keine urkundliche Form zur Hand. XI Althochd. huliwa, lacuna, iiligo, sordes limi vel aquae; lacha, Pfüze; far, var, üeberfarstelle, Päre Steinhilben Rotenlaohen Neufra [Mindersdorf] 1 Stelnhllbeii') Ad Stainhulewey Acta S. Petri in Augia Oberrh. Zt. 29, 45. StainJiul, Stainhulwe, Stainhüll 1244. 1289 Wü II. Dietricus et Diemo de Stainhulwe 1290. MH No. 122. 1297 ebenso. BeStain- ÄwZt;el301 MH 192. Stainhidve ISSS, ¥6tz\ger von Steinhülw 13A9 No. 470. J353 No. 5041 1379. 1387. Ze Stainhulwen, -huelwen 1388 Zoll. Zt. 8, 3. Ze Stainhulm 1386 S. 4. Hans von Stain- MJb 1394 S. 6. Die von ^Siamhuli (so zu lesen stat Stammhuli), der von Stainhüll Annivers. v. Maria-Hof bei Neidingen ed. Fick- 1er II, 19. 20. Auberlin von StainhiUl 1418 MZ No. 587. Daher Hühüer, Albrecbt 1338 MH No. 398. Die einst weitverzweigte Familie des Namens erscheint in einzelnen Mitglidem als die Pfüzer, Pfiziger, Pfutz, sogar von Pfüz Zoll. Zt. 8, 1, was nur die Uebersezung von Hülwer ist. In meiner Heimat Wurmlingen waren die Steinhilber wol bekannt und begütert, daher Pfuzental, eine Flur^ jezt Feisental den Namen hat. — Hiezu gehören die ebenso alten ON TiufenJiulutoe 1152 Mone Zt. 1, 338; auf der schwäbi- schen Alb, (Ehinger OA Beschrbg. 129) heute Tiefenhülen. Der Weiler Onhülben OA Riedlingen urkdl. ze Hohenhuluwe 1287 MZ No. 227, (Die OA Beschrbg. Honhilb, Honhilbe, Honhulewin.). Berghülen OA Blaubeuren urkdl. Berchulwa Barkülen (sie). OA Beschrb. 140. Flur- und Waldnamen sind auf der Alb, auf dem Heuberge zalreich. Sih unten b. d. Flurnamen. Hüht Sülhe^ Hith gehört der schwäbischen Alb an = Zisterne, Dorfbrunnen, be- sonders zur Viehtränke. Münsinger OA Beschrbg. 59. Ich habe in meinem Wörterbüchlein z. .Volkst. S. 45 und in meinem Augsb. Wb. 237 über das verkannte Wort gesprochen, huliwa Graff IV 881 ff. Mhd. Wb. I 680b. Lexer 1382. Das einfache hol, hui mit der Bildungssilbe w, wa ist anzusezen. Was die Grammatik be- trifft, so kennen wir b =: w aus Ao&ingen: Owingen^ Tü&ingen: 1) OA Sigmaringen. 2) OA Gammertingeu. 167 Tufringen u. s. w. Alem. Sprache 140. Das Afisimilations-u: hultewe ist neben ebono, hungorogon u. s. w. zn stellen. Die amtliche Schrei- bung Steinhilben ist der Mundart gemäß; vgl. Gatfselfingen st. Goßelfingen. Bezüglich der Geographie des Wortes hat es sich, wie schon gesagt, auf der Alb am häufigsten erhalten ; im Mittel- alter war das Wort allgemein, wie wir aus unzäligen Stellen, ganz besonders ans dem Vridauc es wißen. « 2 Roteiüaeliaii ^) CariA Botinlachi 1266 Mone Zt. 6, 408. Burcart von Roten- lachun 1325 ebend. 10, 459, 461. Botenlachen Zimm. Kr. IV 107. Das Bestimmungswort ist rot = ruber und jede Anlenung an roden, was fränkisch, ausgeschloßen, da nur Beta- sten dürfte. Mit „rot*^ bezeichnete der Germane altrömische Nider laßungen wie in Bot- weil, Botenmünster, mit römischen Ziegeleien, also wo Ziegelerde, Lern ist, das kann rot heißen. Die zweite hier zutreffende Er- klärung get auf die Botwasser zurück, die im Schwarzwald oft vorkommen. Wer kennt nicht die Boatlachen beinahe im ganzen Augsb. Bistumsgebiete? Die älteste Botlache bringt wol Dümge, Bad. Begesten S. 6. a. 926 lat. ad rubrum volutabrum, ein alter ON neben Stoufinberc, Seleberc. Daher gehört die Botmurg^ der alte römische Bothrtmnen bei Eieslau; die bair. u. schwäbischen Namen Bottach^ Botach, Botmos u. s. w. sind zallos. Daß das althochd. lacha schon frühe zu und Fl. Namen genommen ward, ist selbstverständlich. Ein abgegangener Ort Lachen war bei Je- singen Schmid Pfalzgrafen 131. Apud Lachtm 1289. Praedium ad Lachen 1219 bei Tettnang. Wie an der alten Murg vile Flurn. wie Morlache, Durrlache, Scheidlache u. s. w. so anderwärts auch. Bisweilen könnte Zweifel obwalten, ob die urkundlichen Stellen 14hha, 14hhi, lache oder unser L. meinen: der Volksmund ent- scheidet, da jenes 6, ao, dises nur ä in der Aussprache hat. Volkstümliche Schriftstücke überheben den unorientierten Leser alsbald des Zweifels, was bei aha und ahi schwieriger sein dürfte. 3 Heifra') Nünfron Lib. Dec. 84. Gen. Nuffran MH 890. In Ermange- lung älterer Belege ziehen wir die gleichnamigen ON Neufrach (Salemertal), Neufra (Biedlingen) und Neufra bei Botweil mit Iren ältesten Nachweisen zu Bäte. In salem. Urkdd. de NiuferonW^^^ Mone 1, 323. 1283: de Mvron, ebend. 3, 230. Die Formen« zwi- schen 1171 bis 1299 sind Nivurun, Niuron, Nufron, Nüfren, Ni- fren. Ganz so lauten die Stellen für die beiden „Neufern" an der Aitrach, wo die Straße von Leipferdingen nach Blumberg fürt, 1) OA Sigmaringen. 2) OA Gammertingen. 158 Bargstall nnd das sdiwei^erkohe a. d. Thur, oberhalb Staiaixiheim. ^Nifern*' an der £nz heißt im God. Hinrang. Nieueren, Im 16. Jhd. erscheint Nieffem Mone 2, 217. Aus der sog. ahd. Zeit ergeben sich für bair. elsäß. Schweiz, fränkische Gebiete die ON Niufaren, Ninferen, Niwora(!), Niwifaron, Niwivara, Niuvara n. s. w. Cod. Laur. 8ih ON. Graff II 574 legt wie ON richtig fiir, var zu Grunde. Wenn dises Gmndwort so ser seine Betonung and gar sein Verständnis eingebüßt hat, so unterlag es nur einem all- gem. Geseze. Uebrigens betent das Volk doch sein altes a ge- hörig, macht sogar -acA daraus (Riedlingen), aber auch nur das alemannische; die fränkisch- alemannische Gegend Altwirtembergs gab a in var, far dem nasalen en (franz. en) zum Opfer. Wenn Orte des Namens („zu der neuen Färe) nicht an Waßern direkt ligen, sondern sogar auf der Höhe, so hat doch urspr. der Ort seinen Namen vom Tale herauf angenommen, wie gerade bei un- serm zollerischeo Neufra. Das bist, topogr. Lexieon v. Schwaben sagt von unserm. N. „Ehemals hieß der Ort Neuferon und wird von den Einwohnern bäurisch Niufra ausgesprochen.*' [4 HiidersdMrf] Mindersdorf S. 41 £P. Saanahilt kam aus dem Linzgau, will über Zurzach nach Reichenau : cumque jam in villa, Muneheresdorf nuncupata, proximam monasterio mansionem habuisset. Vom hl. Blut in Reichenau, Mone Quellens. I 74a. Waitz bei Pertz Mon. bist. Germ. 6, 146 ff. Neugart God. Dipl. I 489: Muneresdorf. Gallus Oheims Chronik von Reichenau (ed. Barack) 56, 10 : Myn- nersdorf; 82, 2: Münderstorjf ; 94, 9 ebenso. — Von andern zoUerischen ON hat die vorgenannte Eronik noch folgende: Bur^ chingen oder Burladingen uff der Schär, Eingingen uff der Schär, Fischina (Fischingen), Bmphvngen, Weibdingen (Wilflingen), Trieh- tölfingen (Trillfingen oder Trochtelfingen S. 19). Laitterherg S. 484. Hermandtingen 47, 22. Ohemdorff 73, 17. Zu Liggeringen (unter Ligger sdorf S. 41, 3) vgl. die Formen Lügaringen, Lüggeringen, Lütgeringen, Lutteringen (Radolfzell). Zu EttistceUer Tgl. (Hte- lingeu 55, 6: Ettlingen. Otelinisstette? Nekrolog. Annalen von St. Blasien 1077 Mone Quellens. III 615a. ABirlinger Alte gute Sprftche Mir brueder faeren ain hirten orden, Zue Wein trincken sein mir geboren. Der Suntag ist deß montags brueder, r-- 159 Am Afftermontag^) ligen mir in Inoder, Ao der Mitwoch Idnden wir nichts schaffieD, Am Donderstag thuen wir nichts dan gaflEen, Der Freitag will ain besonders han, Mit yrlab am samptag wollen wir in das päd gan^). Also hatt die wachen an ende. Das VDS gott der herr ain faß wein sende Darzu guett semlen vnd wecken. Wirt laß dich das nit erschrecken. Du darfst an mir nit schmalen^ Gib mir dein teschen, ich khan dich freilich wol zalen. All voll khainer 1er, Wirt trag meer her! Gling glang glorian, ich han mein gelt yerthon! Han ich nit ain pfenning meer darinne ! Es muest ain Beiche penrin sein die mir gnueg thet gewinnen. 1539. Handschriftlich am ScMufie eines Drucks von Charion (Be- detänufi vnn Offenbarung warer hündischer Influxion des hocher- famen Magistri Johannis Charionis Buetikaymensis) in meinem Besiee. WCrecelius ' Ein harte Nuß ein stumpfer Zahn, * ' Ein junges Weib ein alter Mann Zusammen sich nicht reimen wol, Seins gleichen ein jeder nehmen soll. Turpe senex miles, turpe senilis amor,' Est in canitie ridiculosa Venus. luglans dura dens corrosus, Nova nupta sponsus rugosus. Friedr, JuL Bottmann, Bituale Nuptientium oder Beschrei- bung der Hochzeitgd>räuche^ welche unter den bekanntestenVölkern üblich sind u, s, w. Bremen 1715 8. 236, Oar zu jung und gar zu alt Verdirbt den Ehstand mannig^alt. Ebenda 261, Wenn du wiH das Mägdlein hau. So schau zuvor die Mutter an; 1) Schwäbisch^aiigsb. Wb. v. Birlinger 20a. Zwei Wochenreime zur Vergleiohang ebenda 484a. 2) Vgl. alte gute Sohw&nke ed. Keller. 2. A. S. 88, 9. 160 Ist dieselb von guten Sitten So magst du am die Tochter bitten. Ebenda 263. Ich halte meine Frau, sagte jener vor dem Richter, wie ein ander seinen sameten Pelz. Wenn der' nicht zum längsten über den dritten Tag ausgeklopfet wird, so kommen gar bald die Mot- ten hinein und wird er gar verdorben. Ebenda 274. AB 6 Auf der breiten Klinge einer deutschen Hellebarde, die im National-Mnsenm zu Florenz aufbewart wird, stet: Auf der einen Seite: Gaissen bin ich genant, Kayser Maximilianus wol bekant, Da in sin underthan fangen hant — ; Zu Brück in Flandern das geschach — Ich Hess mich brauchen zu der sach, Mit mir gar manchen man erstach. H. H. M. Auf der andern Seite: Nero ain arge Bosserwicht der Unglick vil hat angericht, fünf jar hat er gantz wol regiert, gantz grausam drauf tirannisiert, Beschlief sein mueter also alt, Hess aufschneiden sie alsobald, damit er sech sein legerstat, sein Schwester er geschwechet hat, Greif frawen und jungfrawen dran, und Hess verschneiden ainen man, aus im wolt machen er ain weih, gross schand ,er mit den knaben dreib. Und sein zuchtmaister Senecam, der in hat gelert mit zucht und schäm, den hat er zwungen mit gewalt, er solt im selbe erwölen halt, welches todes er lieber sterben wolt: hier war kein anders dann er solt sich genzlich des versehen thon. Der gut alt man gedacht: ey non! und hat gar bald ain fund erdacht: ain wasserbad ward im gemacht, darin setzet er sich behend, 161 liez adem schlagen an ^em end und da das leben am zerlesten war, fnor sanft hin zu der alten schar. Lies fischen mit güldinen garn, da burbnrseiden sohnier in warn, * er lies anzinden Rom die stat zu Sechen, wies gebrannen hat die grossen stat Droiver, verbrent das man weder ort noch blatz mer kent, da sie vor zelten je det stahn. Yil solcher last hat Nero gefochten an, drom ist im worden auch sin lan. Nach einer Abschrift des Herrn Baumeister FLuthmer. Vgl. was die Mirabilia urbis Romae von Nero erzälen: „Der sechst cayser ze Rome Nero der poß bAtrich wurd cayser, regiret xiiij iar, jm was kain boßhait zu groß, er ließ sein m&tter aafP schnei- den, das er mocht gesehen wo er gelegen were vnd ließ Senica sein sch&lmayster totten vmb das er in der iugent gestrauft hett, ynd er was der erst cayser der die cristen darchechtet vnd die zwen sant Peter vnd sant Paul legt er all marter an vnd uil an- der hailgen, vnd er zündet Rome an mit für an xij enden willig- lich, das er non dem grossen ftr frbd hette. Die RAmer wolten in dar vmb ertdtt haben, do entran er in in ain wald, do er sach das man suchet, do stach er sich zetod.^* Nach einer Handschrift diser 1500 in Rom gedruckten Uebersezung, in meinem Besize. WCrecelius Yolkstümliclies , Sagen , Aberglauben ^) III 1 Quell sage von Teinach. Bei Verfolgung der Färte des Wildes kam ein Jäger bis auf die Talsole an eine dicht um- wachsene Stelle, an die er noch nie gekommen war. Da sah er zu seiner Ueberraschung unweit von dem Rande des Baches einen Wasserstrudel emporquellen, an welchem einige Hirsch^ badeten. Das war die mineralische Quelle, welche später so manchem Kran- ken zur Gesundheit, manchem Gesunden zur Verjüngung half) und welche bis auf den heutigen Tag die Hirschquelle heißt. (Mündlich.) 1) Alem. V 261 ff. Oben 8 89 Z 26 lis Kopf statt K«opf. 2) Eine Quellinschrift in Teinach lautet: Aegrotos sano, sanos reereo. Vgl. die Sage von Wildbad. Birlinger, Alemannia VI 2 1 1 162 2 DerSchäfersfelsen im Teinachtale. Bei dem Brück- eben an der Walkmüle im Teinachial, wo die Neabulacher Steige beginnt, tritt zwiscben der Straße und dem Ufer des Teinacbbaches auf einem Wi^engrande ein scbwarzgrauer Sandsteinfelsen zu Tag, unter welcbem ein verwunschener Schäfer begraben ligen soll. (Mündlich.) 3 Mutesheer bei Den nj acht. Zwischen Dennjächt und Unterreichenbach wird die im Nagoldtale hinziehende Straße zur Linken von einem ziemlich hohen Raine begrenzt. Derselbe ist alljärlich schön begrast bis auf einen kreisförmigen Ring von etwa einem Meter Breite, welche Stelle beinahe ganz kal und abgestan- den bleibt. Hier läßt sich, wie die Sage get, das Mutesheer nie- der; denn die Stelle ist einer seiner Tanzpläze. (Mündlich.) 4 Der Geist in der Sonntagshütt. In der wildroman- tischen und abgelegenen Schlucht des Monbachtales (Grenze zwi- schen Baden und Wirteroberg bei Liebenzell) stand auf der badi- schen Seite eine bewonte Hütte an der Berghalde, deren Trümmer noch jezt vorhanden sind. Iren Namen hatte sie von einem Be- sizer, Sonntag. In diser Hütte hauste ein Elopfgeist, der aller- hand Schabernak trieb, das Vieh im Stalle losband, Türen auf und zuschlug, so daß die Leute vor im keine Ruhe hatten und schließ- lich sich gezwungen sahen, die Hütte zu verlaßen. Diser Klopf- geist soll ein früherer Hirschwirt in Liebenzell gewesen sein, der im eigenen Hause habe gehen müßen. Ein Geisterbanner habe denselben aber in einem Sack in das verlaßene Monbachtal hin- ausgetragen und in jene Hütte gebannt. Andere haben bei dem Elopfgeist auch an einen verstorbenen Holzdieb, den Strickerhannesie, gedacht und sprechen, wenn sie von dem Spuk reden, kurzweg vom Strickerhannesie. (Mündlich von Dennjächt.) 5 Sage von Monakam. Der Ort Monakam, der jezt auf einer Hochfläche ligt, soll früher am Talabhang in der Rich- tung gegen Neuhausen gelegen sein, auf der Flur Weileräcker, auch „im Garten" genannt. Im Schwedenkrieg wurde der Ort aber zerstört und später auf der jezigen Stelle erbaut. Auf den Weileräckern stieß einst ein Bauer beim Pflügen auf einen metalle- nen Eeßel, der einen großen Schaz enthielt. In der ersten Ueber- raschung stieß er nun einen Fluch aus, worauf sofort der Kessel in die Erde versank, die sich aufgetan hatte und über demselben sich wieder verschloß. Auf diser Stelle hat man zu verschidenen Malen, hauptsächlich zur Adventszeit, ein großes Feuer gesehen. (Mündlich von Monakam.) 6 Der Geist von Wekershausen, Hinter Unter- haugstett, am Rande der Hochebene, links von der nach Lieben- zeil fürenden Straße stand ein abgegangener Wonort Wekershausen. Dort get ein Geist, welchen merere Leute als eine hohe Flamme, halb so hoch als ein Haus, schweben gesehen haben. Die Erschei- 163 nang hat nicht selten auch Leute, obwol sie mit der Oertlichkeit ganz wol vertraut waren, irre gefürt, indem sie die „Fackel*', welche erst vor inen hergieng, plözlicb auf ganz anderer Stelle sahen. (Mündlich von Ottenbronn und Unterhaugstett.) .7 Geister beim Gaisburger Seh 1 oß unweit Holz- bronn. Auf der Holderwise bei Holzbronn, nahe dem Wald, am Fußweg zu den Ruinen des Gaisburger Schloßes, hat man Nachts zu verschidenen Zeiten stets zwei oder drei gegen einander wan- delnde Lichter gesehen. In den fünfziger Jaren geschah es ein- mal, daß zwei Holzfrevler, Brüder, zu später Stunde noch in dem anstoßenden Walde waren. Auf einmal kam ein großer Hund her- an, für dem einen der Brüder zwischen die Beine und trug in troz aller Versuche, sich frei zu machen, und troz allem Hilferufen rittlings eine weite Strecke, der Schloßruine zu. Die Holzbronner versichern auf das Bestimmteste, die Lichter und der Hund seien keine natürliche^ Erscheinungen, sondern Geister von dem Gais- burger Schloße. * (Mündlich.) 8 Der Wetterableiter vor Altburg, unweit des Ortes Altburg bei €alw, erhebt sich auf der früheren Pfarrwise, hart am Wege, ein kleiner Hügel, auf welchem früher ein Gartenhäus- chen gestanden; dasselbe soll vom Pfarrer Bohnenberger erbaut worden sein, einem Manne, welcher im Rufe stand, übernatürliche Künste betriben zu haben, namentlich soll er auch im Stande ge- wesen sein, ein Wetter in einem Kochkessel zu bannen. Von dem Hügel, auf welchem das Gartenhäuschen stand, get nun im Orte die allgemeine Sage, derselbe sei für den Ort ein Blizableiter, sei ein Wetter bis dahin vorgeschritten, so komme es nimmer weiter. Tatsache ist, daß Altburg äußerst selten unter Blizschlag und Ge- witterschaden zu leiden hatte. (Mündlich.) 9 Lichter bei Altburg. Bei Altburg hat man an der Stelle, wo früher das jezt abgebrochene Schloß stand, öfters, und besonders in der Adventszeit Lichter wandeln sehen. (Mündlich.) 10 Der Altar in Monakam. In der Kirche zu Monakam stet ein geschnizter Altar mit Flügeln, der um 1802 von der in dem Kirchhofe gestandenen ursprünglichen Kirche in die jezige Kirche übertragen wurde und zu welchem in früheren Zeiten aus dem Schloß Liebeneck und Umgegend regelmäßige Wallfarten ge- schahen. Auch sollen an diseu Altarschrein bedeutende Rechte in den nahen Herrschaftswstldungen geknüpft gewesen sein, wes- wegen die Weilderstädter denselben gern an sich gebracht hätten, indem sie sich erboten, sovil Kronentaler dafür zu bezalen, als man brauche, um den Weg von Weilderstadt bis zur Kirche in Monakam, einen an den andern gereit, damit zu belegen. Aus dem Handel sei aber deshalb nichts geworden, weil die Bilder des Altarschreins stets wieder von selbst nach Monakam auf ire alte Stelle zurückkerten. (Mündlich.) 164 11 Spuk beim Maierhof in Ottenbronn. Bei dem Maierhof außerhalb des vormals Hirsauischen Klosterorts Otten- bronn (auch Ottenbronner Hof genannt) auf der Flur Birkenäcker 'soll früher eine Stadt gestanden sein, wie man denn auch beim Pflügen daselbst „lauter Ziegel^ findet. Ueber dise Aecker hat man schon oft, namentlich in der Adventzeit, ein Licht hin wan- deln sehen, das sich von den äußersten Häusern vom Ort weg in der Richtung gegen Hirsau bewegte, und das bald langsam gieng, bald stillstand, und bald „schnell wie das Wetter" weiterlief. Der Schultheiß Rentschier selbst hat das Licht oft vom Fenster aus be- obachtet. Auf derselben Stelle ist auch schon ein kopfloser Reiter auf einem Schimmel gesehen worden, der jedoch in umgekerter Richtung, von außen gegen das Dorf her, sich bewegte und in der Nähe des Dorfes verschwand. (Mündlich.) 12 Hund als Begleiter. Im Sommer 1839 für die Frau des frühern Schultheißen mit iren zwei Kindern, worunter der £r- zäler dises, der jezige Schultheiß Ziegler, von Gechingen nach Wild- bad. Es war früh Morgens um 3 Ur. Nicht weit von Gechingen fürt der Weg an einem Eichwald vorbei. Da behauptete die Frau auf einmal, sie müßen von dem richtigen Wege abgekommen sein, auch laufe ein mächtig großer Hund neben dem Wagen her. Troz aller Gegenversicherungen des Furmanns und der Kinder, welche den Weg wol kannten und auch von einem Hund nichts sahen, blieb sie doch fest auf irer Behauptung. Als man aber die Grenze der Markung erreichte, war der Spuk wie abgeschnitten, auch hat weder vorher noch nachher Jemand von einer Erscheinung etwas bemerkt. (Mündlich von Gechingen.) 18 Der Feuersch läger. In dem Hanse des Ratsschrei- bers Mayer in Deckenpfronn bei Calw get ein Geist um. Derselbe läßt sich, so oft eine bauliche Veränderung- in dem Hause ge- troffen wird, im Keller vernemen, wo er ein Geräusch macht, wie wenn Jemand Feuer schlage. Bei der lezten Bauveränderung im Jar 1836 habe Mayer, wie er selbst bezeugt, das Feuerschlagen ganz deutlich vernommen und dem Unsichtbaren zugerufen : „schlag du Feuer solang du witt!" Es soll Einer sein, der in ^en Kriegs- zeiten um das Leben kam. (Mündlich.) 14 Der Untergänger. Auf der Flur Bremet, Markung Deckenpfronn, get der Geist eines Untergängers. Er soll schon merfach mit einer Kreuzscheibe dort gesehen worden sein. (Mündlich.) 15 Brücke nicht geheuer.* Unterhalb Speßhardt auf dem Wege zwischen Calw und Zavelstein, fürt ein hölzerner Steg über den Bach, bei welchem Nachts Vorübergehende schon Orfeigen von unsichtbarer Hand erhalten haben. (Mündlich.) 16 Geist vor Althengstett. Zwei Männer von Alt- hengstett giengen Nachts einmal die Hirsauer Steige hinauf nach Hause. Oben am Ende der Steige, als sie in eifrigem Gespräch begriflen waren, huschte eine Gestalt, die einen Schein wie ein 165 Licht von sich gab, talaufwärts in der Richtung gegen den Ort Althengstett mit denl Ausruf: Au weh! schnell an inen vorüber, worauf sie den Weg in aller Stille fortsezten. Auf den Wisen, in der Nähe des Orts haben die Leute um Advent schon Lichter gehen sehen. (Mündlich.) • 17 Der lange Mann. Als eine Frau Nachts auf dem Fußweg von Hornberg nach Aichhalden heim gieng, sah sie einen langen Mann neben dem Wege stehen. Sie überlegte, ob sie zu- rück oder iren Weg fgrtsezen solle, dachte aber, er wird dir nichts tun und gieng weiter. Der Lange sei ein Stück, weit mit ir, habe sich dann verbeugt und sei verschwunden. (Mündlich.) 18 Der Eochlöffelbub. Im Walde zwischen Aichhalden und Zwerenberg get ein Geist, der Nachts den Leuten schon in Gestalt eines Hirsches begegnete. Ein Mann von Aichhalden wurde einmal hart von im bedrängt, indem er von der Straße ab in den Wald hinein genötigt wurde, wo in der Geist gegen eine Tanne zu drücken suchte. Als der Mann sein Meßer aus der Seiten- tasche hervorziehen wollte, habe er es nicht herausgebracht. Zu- lezt sei der Geist von im abgestanden und in dem Dickicht ver- schwunden. Als er naq^ einigen Tagen den Vorfall dem Förster im nahen Hofstett erzälte, erwiderte im diser: „Das wiße er wol, dasselbe sei im an jener Stelle auch schon paßirt'\ Der Hirsch soll der Eochlöffelbub sein, ein Hansirer, der sich dort an einer Tanne erhängt hatte. In der Nähe von jenem Plaze, etwas wald- einwärts, findet sich noch ein verschütteter Keller^). (Mündlich von Aichhalden.) 19 Der Sticke 1. In Enztal bei Wildbad lebte ein armer Mann, ein Familienvater Namens Stickel. Er klagte seine Not dem Schultheiß und bat um Unterstüzung. Diser wis in ab und küm- merte sich nicht um in, Stickel schleppte sich weiter, ist aber unter- wegs verhungert und wurde auf dem höchsten Punkt der Straße gegen Simmersfeld todt gefunden. So oft nun der Schultheiß dise Stelle paßirte, bekam er von unsichtbarer Hand immer Orfeigen, gleichy^ ob er allein gieng oder andere mit im waren. Im leztern Fall wurden auch seine Begleiter mit Schlägen traktirt. Eis heißt, das tue der Stickel. Tatsache ist, daß der Schultheiß die Stelle meidet und oft einen großen Umweg nicht scheut, um dem Stickel auszuweichen. (Mündlich von Aichhalden.) 20 Der Nonnen wagsch im mel. In Dennjächt get die Sage, an der Nagold oberlialb dises Ortes streife der Nonnenwag- schimme]. Als vor 40 — 50 Jaren ein Mann aus Dennjächt Namens Gengenbach von dem badischen Orte Neuhansen heimkerte, sah er 1) Die CA Beschr. vermutet, derselbe rüre von einem Beguinen- hause her; übrigens ist der Sage nach in der Gegend einmal eine kleine Stadt gestanden. 166 den Schimmel aus dem Nagoldwer, dem sogenannten Nonnenwag heraussteigen. Das Pferd kam hinter im her und war im mit den Vorderfüßen fai^t schon im Nacken. In seiner Angst lief der Mann davon, sezte an einer seichten Stelle über die Nagold und rannte nach Hause, \to er in Folge des ausgestandenen Schreckens acht Tage krank darniderlag. (Mündlich von Dennjächt.) 21a Die Wandelbilder in der Kirche zu Aichhal- den. In diser alten Wallfartskirche standen bis Ende der 1860r Jare drei halblebensgroße hölzerne Bilder, die früher vergoldet waren : eine Maria, einen Biächof und einen Klostergeistlichen vor- stellend. Von disen Bildern sagte man, sie haben aus der Kirche nicht entfernt werden können; wenn man sie fortnam, standen sie am andern Morgen wider auf irer Stelle. Die Kirche selbst zeigt die gleiche Bauart w^ie die alten Kirchen in Belsen und Kent- heim. Aus Acten des OA Calw, und müadlich. 21b Kirche nicht geheuer. In derselben Kirche (zu Aichhalden) hörte man früher zur Nachtzeit öfters ein Gepolter, wie wenn Kegel gespilt würde. Wenn die Kegel fielen, hörte man es rufen: vier, fünf, all um! (Mündlich von Aichhalden.) 22 Erdmännlein in Aichhalden. In das Hirschwirts- haus in Aichhalden bei Calw sind früher immer zwei Erdmännlein gekommen, die das Brod gebacken^ auch auf dem Acker gearbei- tet haben. Da ließ inen der Wirt einmal neue Kleider machen, worauf sie sagten, jezt seien sie bezalt. Und kamen von da an nicht wider. (Mündlich.) 23 Die Glocke zu Simmersfeld. Im sogenannten Hardt bei Oberweiler wülte ein Schwein eine Glocke zu Tag. Als sie in Bewegung gesezt wurde, habe sie immer getan : Susanna, Glockastanga, z' Simmersfeld do muß i hanga. Und so kam die Glocke nach Simmersfeld, wo sie noch hängt. (Mündlich von Aichhalden.) 24 Glauben an alte Rechte. Die Bewoner der vormals Hirsauischen Klosterorte Agenbach, Ottenbronn, Oberkollbach und Oberreichenbach leben der festen Ueberzeugung», daß dise Gemein- den von Klosterzeiten her bedeutende Rechte an die umligenden Staatswaldungen besizen, welche inen vom Staate, dem Rechts- nachfolger des Klosters, vorenthalten werden. In disem Glauben wurden sie früher von Forstbeamten bestärkt, welche sich im gleichen Sinn äußerten. In Ottenbronn habe ein Förster einst ge- sagt: „wenn sie wüßten, wie reich sie wären, dann könnten sie alle mit silbernen Pflügen faren.*' Auf die gleiche Färte wurden auch Rechtskundige gefüit, welche sich darüber beklagten, daß inen Nachforschungen in den Staats-Finanzarchiven nicht ermög- licht werden. (Mündlich.) KDoll 167 25 Der Schaitengeist. Auf der Yöhringer Almand Schalten ging Tor Alters ein Geist als Licht. Der Schneider Zeller hat mir erzält, er sei einmal als Lerbub mit seinem Meister Nachts vom Kundenhaus heimgegangen, als unweit der Rötenmüle zwischen Vöhringen und Bergfeld 'der Schaitengeist in Crestalt einer lichterloh brinoenden Erbsenbuschel gegen sie herabrollte. Disem Geiste verdankt übrigens ein leibhaftiger geborner Yöh- ringer seinen Spiznamen: er heißt Schaitengeist. Georg Schmid, so heißt der Mann, er lebt heute noch, wußte daß Yöhringer Mädchen in die Rötenmüle mit Kunkel und Spinnrad gegangen und die wollte er beim Heimgehen recht in Angst jagen oder ,, furchtig* ^ machen. Er holte eine Kolrabe ganz ans, machte Mund, Augen, Nase, Oren darein und tat ein Licht hinein, sprang und gaukelte damit herum, um den Mädchen den Schaitengeist vorzumachen; die Rötenmüle ligt gegenüber von Schalten. Doch es gieug im schlecht^ denn er war auf einmal so verblendet, daß er nicht wußte wo auß und an. Da ist noch vollends das Licht ausgegangen und er wäre gerne heim gewesen, fand aber weder Weg noch Steg mer. Aber was jezt ? Er rief und schrie so arg er konnte, man solle in holen und den Weg zeigen, ja er bi^ch noch gar in Weinen aus. Man kam nicht; warscheinlich merktens die in der Müle und wollten den Geist büßen laßen oder sie hör- tens nicht. Kurz, es dauerte noch eine Weile bis man in holte und so den Schaitengeist erlöste ; der dismal sich selbst gefurch- tet und vor Furcht den Weg verloren. Fragt der Leser in Yöh- ringen nach dem Schaitengeist, so weiß es Jedermann. Mündlich. Martin Binder. 26 Der Geist im Wördgäßle. Unterhalb Yöhringen, wo man den Fußweg von Bergfeld an der Rötenmüle vorbei nach Yöhringen get, im sogenannten Wördgäßle soll auch öfters ein Geist gesehen und gespürt worden sein und zwar ebenfalls als Licht oder als Mauer, vor der die Leute des Weges kommend ge- radezu sten bleiben musten. Ein Mann erzälte meinem Yater oft, er sei vor 40 Jaren an einem Abend zur Winterzeit vom Malen aus der Rötenmüle so gegen 7 oder 8 Ur heimgegangen. Unter- halb von Wördgäßle sei es im gewesen, als scheine im der Mond glänzend vorn auf seine Lederkappe. Ein Par Schritte weiter und er hatte schon den Fußweg verloren, noch ein Stück weiter und er stand vor einer Mauer oder einer langen und hohen Scheiter- beug. Da habe er daran herumgegriffen und sei endlich zu einem Hanse gekommen, und das war die Ziegelhütte die unterhalb Yöh- ringen an der Straße nach Bergfeld ligt. Er dachte nun auf der Straße vollends heim zu laufen. Aber schon nach wenigen Schrit- .ten stand der Mann in einem eingemauerten Loch mit fußtiefem Waßer. Er hatte gleich die Schuhe voll. Da suchte er an den Wänden hinaufzusteigen, weil er nicht herausfinden konnte. Das war aber das Brechloch, in dem zum Herbst die Weiber Feuer 168 machen, den Hanf zum Brechen oben drüber legen nm in zu dörren. Er gieng nun weiter, sah Lichter und trachtete inen zu, kam aber immer weiter davon weg. Er gelangte in ein Wisen- täle, darin ein Wäßerlein floß, dann den Berg auf und den Berg ab, durch Waßer abwechselnd, fiel wider zu Boden mer als hundert- mal. Endlich nach langem Umherirren hörte er den Wächter in Vöhringen 12 Dr rufen und merkte, daß er eine halbe Stande oberhalb Vöhringen bei Sigmarswangen sich befinde. Jezt konnte er ungehindert heimgehen. Das war ein böser neckischer Geist das! Mündlich. Martin Binder. 27 Der Kastenknecht im Beinerhäusle. In dem Beinerhäusle oder Kasten nahe bei derVöhringer Kirche, das man vor etwa 24 Jaren abgebrochen hat, trieb der verstorbene Kasten- knecht als Geist sein Unwesen : er rumorte mit Simmeri und Streichholz fürchtig ! Er hat keine Ruhe, weil er bei Lebzeiten beim Meßen des Getraides Betrug übte. Mündlich. Martin Binder. 28 Das geistende Feldgericht. Auf dem sogenannten Beggen unweit Vöhringen gegen Sulz sollen früher öfters Geister in Gestalten von Feldrichtern gesehen worden sein. Sie maßen die Felder mit feurigen Meßruten, schlugen dabei manchmal auf ein- ander loß, daß das Feuer herausfur. Sie müßen das zur Strafe tun, weil sie bei Lebzeiten ungerecht handelten und für den und jenen Partei namen bei Vermeßung der Grenzmarken. Mündlich. Martin Binder. 29 Der Binsfeldergeist. An der Straße von Vöhringen nach Wittershausen zu, auch rechts gegen Oppen und links dem Wittershauser Berg und Bochinger Rieth zu sol früher, und bis in die neuere Zeit ein Geist gewandelt haben, meist one Kopf und kolschwarz und wie mit einem Talar an. Er kam vor ungefär 20 Jaren zu einem Lumpensammler, welcher Nachts von Vöhringen nach Oberndorf gieng, aus dem nahen Walde an dem die Straße vorbeifürt, heraus in Gestalt eines Jägers mit seinem Hunde, es habe ein Feuer aus seiner Brust und Augenhölen hervorgeleuchtet, worauf der Lumpensammler so erschrocken, daß er gesprungen sei wie ein Ros, one zu wißen wohin, endlich sei er ganz hungrig und entkräftet in einem Dorfe angekommen, wo er gefragt habe vor einem Hause wo er die Leute geweckt hatte und sein Aben- teuer erzält und erfiir, daß es Wittershausen war, an dem er eine Stunde zuvor vorbei war. Man ließ in ein und machte im eine Milchsuppe, er blieb über Nacht und ging Morgens weiter; die Leute haben zu im gesagt, es sei dis schon Mereren so ergangen. Derselbe Lumpensammler hatte es meinem Vetter erzält. Münd- lich. Martin Binder. 30 Die Hexenjagd. So allgemein der Glaube an Hexerei ist, so allgemein ist es auch die Sage, daß sich Hexen in Tiere, besonders in Hasen, aber auch in Wölfe und Füchse verwandeln können. 169 Id dem Pfarrdorfe Gültlingen, Wildberger Oberamts, einem Orte von 874 Einwoner, ereignete sich im Jai'e 1773 eine Ge- schichte, deren gerichtlichen Verlauf man noch jezt mit allen Nebenomständen, in dem Eirchenconvents- Protokolle des Orts von genanntem Jare nachlesen kann. • Ein Bürgersson desselben, der in Herzoglichen Dinsten unter den Husaren stund, und damals in Urlaub im Dorfe sich aufhielt, kam öfters zu einem Becker des Orts, dem er gegenüber wonte, um sich die Zeit zu verkürzen. Einst, — es war am hellen Tage! — als er mit einigen Andern bei dem Becker war, sah diser einen Fuchs hinter dem Elause seines Nachbars heranschleichen, zeigte in seinen Gästen und bezejugte, daß er das Luder, das schon einige Tage umher- schleiche, gerne schießen möchte, wenn es nur den Bauern zu schießen erlaubt wäre. Um dis Verbot (das, das Wildem zu verhüten gegeben wurde) habe er, sagte der Husar, sich nicht vil zu bekümmern, ließ sich eine Flinte geben, schlug auf den Fuchs an, und verwundete in an den hintern Füßen. Der Fuchs schweißte und sprang nicht nach dem freien Felde, wie man hätte erwarten sollen, sondern in das Dorf, und von dem Becker und Husar verfolgt, durch eine Hauptstraße des- selben, und endlich in ein Haus. Sih, sagte der Husar, als er mit dem Becker in das Haus nachgeeilt kam, hier — unten an der Treppe die auf die Stube in der zweiten Etage fürte, — ligt Schweiß, hier muß er hinauf sein ! und gleich darauf: „Bruder, hilf mir, ich bin erblindet!^* Wirklich, er war beim Hinsehen auf das Blut blind geworden; sein Gefarte fürte in ans Freie, weil er dachte, es sei im nur vom Springen übel, und als' es nicht half, die Treppe hinauf vor die Türe des Stübchens, in welchem sie Jemand ächzen hörten. Die Bewonerin desselben, ein gegen 70 Jare altes Weib, war längst im Rufe eine Hexe zu sein, und so war denn der Einfall des Beckers ganz natürlich, daß sie sich in einen Fuchs verwan- delt und blutige Wunden davon getragen habe. Dem allgemeineil Wane zu Folge, daß eine Hexe den ange- richteten Schaden wider heben müße, wenn man sie also bitte, hieß er den Husar die Aechzende dreimal um Gottes Willen bitten, im sein Gesicht' wider zu geben ! — Er bekam auch auf der Stelle wider den Gebrauch seiner Augen , wiewol ser geschwächt, und kränkelte von da an so ser, daß er zum Dinst unfähig wurde. Dise Hexenjagd aber wurde nicht nur im ganzen Dorfe das all- gemeine Gerede, sondern auch kirchenconventlich untersucht und der Bericht nebst Abschrift des Protokolles an die höchste Be- hörde eingeschickt, die, anstat die Sache zu prüfen, sie, weil es jezt so Mode war, verlachte und auf sich beruhen ließ. 170 Herr Pfarrer B. der bald darauf (1774) einige Zeit Vicar in disem Dorfe war und nicht nur das Protokoll selbst las, sondern auch der Sache noch weiter nachfragte, erzälte mir dise Geschichte (1799 d. Sol. 20. Oct.) und versicherte mir, daß im der Barbirer selbst teuer versichert habe, er .hätte dem beräch tigten Weibe die Posten ausgraben müßen, die sie bei jenem Schuße in den Hintern bekam. Auch sah er die seit jener Affäre hinkende Hexe, weil ire Tochter Magd im Pfarrhause war, fast täglich und den von jenem Tage an kränkelnden Husar nicht weniger mit eigenen Augen. Aufzeichnung von 1799. 31 Behexte Kinder. Vor zwei Jaren war ein Mädchen in Mößingen, welches auf einmal großes 'Aufsehen erregte, und vor vilen Zuschauern nicht nur Nadeln, Stücke von Schnallen und dgl. mit Haren umwunden von sich brach, sondern auch die seltsam- sten Bewegungen im Bette machte. Unter anderm brach es ein Stück eines Milchtopfes von sich, der wenige Tage vorher zer- brochen worden war. Dises Sfück war weggekommen, one daß man wußte wohin, und paßte genau in die Lücke des Topfes, war auch so groß, das die physische Unmöglichkeit es zu verschlucken und wider wegzubrechen am Tage lag. Wenn man so eben das Betttuch wider in Ordnung übers Bett gelegt hatte und nur einen Augenblick es an den Enden festzuhalten vergaß, im Nu wars wider dem Mädchen fest um den Leib gewunden und blieb genau angepaßt, auch wenn eS; wie häufig geschah, die größten Sprünge im Bette machte und sogar aus demselben und mit der Fertigkeit einer Kaze unter der nideren Bettlade hin und her durchsprang. Die bekümmerten Eltern suchten Anfangs Hilfe bei dem bestellten und geschickten Arzte der Amtsstadt, endlich aber mit dessen Gencmigung, wo sie sie zu finden wußten und fanden sie bei dem Kuhhirten des Orts, einem vormaligen Schäfer, der ein Mann von mer als gewönlichen Kenntnissen in Hinsicht auf Zauberei^ Bibel- und Tierarzneikunde ist, wie ich aus einem Gespräche mit demselben selbst bezeugen kann, und wie er auch dis schon früher hinlänglich bewisen hat. fir bewirkte in wenigen Wochen durch innerliche und äußer- liche Mittel die völlige Genesung des über 10 Jare alten Mäd- chens, one daß Rückfälle kamen, stet in einem großen Rufe, den er aber nicht zu vergrößern sucht, und gehört unstreitig unter die beßere Klasse der Beschwörer. 1800 den 17. April wurde ein Mädchen von etwa 13 Jaren nach Tübingen ins Ciinikum eingelifert und der genauen Aufsicht einiger med. Gandidaten übergeben. Dasselbe brachte man aus un-* gefär 3 Stund von Tübingen ligenden und nach Weil im Schönbuch eingepfarrten Dorfe Breitenstein, wo es seit etwa 3 Wochen vil Auf- sehen erregt hatte. Das Mädchen brach Fezen von Windeln, Haften, Glassplitter, zusamniengekaute Leinwand, in welcher Stein- chen waren, und sogar Stricknadeln und Nägel von sich, und als dis nach einiger Zeit aufhörte, so kamen aus dem unteren Fuße 171 dergleichen Sibensachen heraus. Alle waren mit Haren umwun- den, und wurden zum Teile am hellen Tage weggebrocben. Unter den vilen Leuten, die Zeugen dayon waren, war auch der hell- denkende Schullerer von Schönaich, einem benachbarten Orte, der am hellen Tage das allein auf der Bank sizende Mädchen neben anderen Dingen einen großen Lappen, an dem es beinahe erstickte, wegbrechen sah. Mein Freund med. Cand. P. gieng von Tübingen nach Breitenstein und fand das. Mädchen bleich, die Augen etwas verstellt, aber an dem Fuße, aus dem jene Dinge gekommen sein Rollen, nur kleine rote Narben. Weil der Zulauf groß wurde und man immer doch Betrug ante, so wurde die Sache von dem Herrn Pfarrer zu Weil an das Oberamt Lustnau berichtet und auf dessen Veranstaltung das Mäd- chen obschon wider den Willen der Seinigen nach Tübingen ab- gelifert. Nach der lezteren Angabe bekam es dise Krankheit vor etwa 3 Wochen, nachdem des Nachts einst eine seltsame Gestalt in die Stube, in der merere Personen schliefen, gedrungen und et- liche Male über des Mädchens Bett hin und her gehüpft war. Aufzeichnung von 1800. 32 Das behexte Pferd. Ein Bauer in M. trieb vor eini- gen Jaren seine Pferde zur Tränke. Eine mutige Fole unter den- selben machte mutwillige Sprünge und zupfte unter anderem auch ein gerade vorübergehendes unbescholtenes Weib an iren Kleidern. Dis Weib freute sich über das mutwillige Pferdchen, werte es freundlich mit der Hand ab, sagte einige unverdächtige Worte da- zu und wurde in der nämlichen viertel Stunde noch eine schreck- liche Hexe. Denn kaum war die Fole wider zu Stalle, so fieng sie an an fürchterlichen Schmerzen und der one baldige Hilfe so oft tödlichen Darmgicht zu leiden und sich erschrecklich umherzu- werfen. Was war nun natürlicher, als daß sie von jenem Weibe beschrien war. Eilend ließ der Eigentümer den öfter genannten Kuhhirten von der Waide holen, der auch kam, aber nach einigen Untersuchungen den Leuten die Nichtigkeit und Sündlichkeit ires Verdachts vorstellte und erklärte, das junge Pferd habe sich durch mutwillige Sprünge und schnelles Saufen die Gedärme verrenkt und erkältet. Mit einem widerholten Clistire und sanftem Reiben des dicken Leibes bewirkte er innerhalb einer Stunde auch wirk- lich die Genesung des vermeintlich behexten Tieres, besigte einen kindlichen Aberglauben und rettete die Ere eines Unschuldigen. 33 Mittel Mörder zu erkennen. 1510 am Dinstage in der Fasten kam Job. Albußer zu Sulzberg durch eine nicht ser große Stichwunde über dem Knie ums Leben. Gerade 4 Wochen darauf brachten seine Brüder und Freuudo zwei Vogelsteller von Kelenberg als seine Mörder vor das Landgericht zu Kämpten. Als die Beschuldigten die Tat leugneten , erfolgte der richterliche Sprach, daß sie sich mit einem Eide reinigen und dabei zwei 172 Finger, mit weißer Wolle dazwischeo, auf die Wunde des Ermor- deten legen mußten. Der erste tat dies, one daß die darauf aufmerksamen Ricbter eine Veränderung an der Wunde bemerken konnten; aber als der andere scbwur, fing sie vor einer Menge Zuschauer an rot zu werden und Blut floß aufs neue aus ir über den Fuß. Die Ricb- ter verurteilten deswegen den zulezt Schwörenden als Mörder und er wurde an öffentlicher Straße, neben dein "Landgerichtshaus und Tempel^ hingerichtet. (Wie Crusius Tb. II seiner Kronik S. 171 aus einem Manuscr. dise Geschichte erzält.) 34 Spanisches Trünklein. Als 1621 die Spaniscbe Armee in der Pfalz den Meister spilete, muste auch dise Abtey (Hert) und die davon berrürenden Bedinten mit in das Spil. Unter andern namen die Soldaten nicht allein dem fürstabteyischen Rent- meister Theun (Christoph) alle seine Haabseligkeit , sondern sie rißen im auch den Mund auf und scbütteten im einen weißen Trank in den Hals, von welchem er alsobald ganz onmächtig und an allen Glidern lam zur Erden fil, daß er auch weder Hand nocb Fuß mer regen kunte. Sein libes Weib nam sieb seiner an und trug in davon. Als ir nun geraten wurde, daß sie den elenden Mann in die Schweizerischen Bäder füren sollte, hat sie in auf irem Rücken über Berg und Tal, über Waßer und Flüße, in allerlei Gefärlichkeiten 172 Teutsche Meilwegs getragen. Erasmi Francisci Lust-Schau-Bühne part. 2 Vers. 5 1031. Daraus Rott- mann 342 ff. AB 1 Ein sehr rares geheimnus — ein sehr gutes gedächtnus den kindern einzupflanzen, daß sie bis in ihr alter alle wort so sie hören behalten können. Einem kind, knab oder töchterlein von 3 — 4 Jahren alt, wan es zu bekommen ist von einem jungen fromen und keuschen ledigen geistlichen der schon gepredigt bat, wann er hat ader gelassen von dem waßer. so sich um das blut umhersezt genehmen unj mit einem reinen feinen weissen läplein oder tüchlein benezt dem kind darmit den köpf auf dem wirbel gewaschen und trochnen laßen, so ist geschehen, getreulich be- schriben und zu Gutem hinderlaßen von Hans Conrad von Wyl. PfuUendorf. Rec. Bach für Lak etc. Gießen 17. sec. 2 Gegen Nasenbluten hilft : Deschlekraut, Adlerstein, Caruiol, Muß abTodtenköpfen oder von Bandstöcken unter die Uochsen binden etc. Ein nutzlicher Bericht und Regiment, wie zu diesen gefährlichen Sterbensläuffen vor der Pestilenz — zu verfahren sei u. s. w. gestellt durch Joannem Schleherum Dr. phil. et medic. Phys. Constantiensem. Constanz 1611 S. 102. AB 173 3 Wie man sich der so genanten SANCTI HÜBERTI Schlüs- seln, oder Eisenen Hörnlein, so durch absonderliche Gebetter gesegnet, und .dann an die Wunderbahre Stohl des H. HUBERTI angerühret werden, gebrauchen muß. So bald als man muthmaßen kao, daß ein Vieh von einem anderen Wütenden gebißen, oder sonsten angesteckt worden, muß das Hörnlein des Schlüßels glAend gemacht, und jauf die Wund, oder wan dieses nichi füglich geschehen kan, auf die Stirn biß ins lebhafFte Fleisch getrucket werden. Gleich darauf, und am selbi- gen Tag fanget man f&r das gebrente Vieh, eine fAnf- oder nenn- t&gige Andacht an, zwischen welcher man ihm täglich ein wenig gesegnetes Brod, oder Haber, von einen Priester zu Ehren des H. Huberti, vor allen andern Eßen geben muß. Man bettet dar- bey alle Tag fftnf oder nenn Vatter unser und Ave Maria, zu Ehren Gottes, seiner Glorwürdigen Mutter, und des H. Huberti. Es ist nicht vonnöthen für jedes Vieh, eine absonderliche f&nf- oder neuntSgige Andacht zu halten, wann man mehr als eins am selbigen Tag mit dem SchlAßel brennet; es ist aber rathsam, das beschädigte Viehe in währenden fünf oder neun Tagen einge- spart zu halten, auf daß sich das Gifl't durch zu viele Bewegung und Erhitzung des Viehes nicht ausbreite. Und je ehender man das beschädigte Viehe brennen kan, je beßer ist es. Man kan auch aus Vorsichtigkeit das gesunde Vieh mit dem SchlAßel auf der Stirn brennen, und die Andacht verrichten, wie sie hier oben vorgeschrieben stehet, und alsdann ist es nicht nftthig das Viehe einzusperen. Die Erafft und WArckung dieses obgenenten Mittels ist durch die tägliche Erfahrnuß gnugsam kundbahr; und wann es ja ge- schehen solte, daß unangesehen dieses Mittels, das gebrennte Vieh die rasende Sucht bekäme: so siebet man allzeit, daß es ruhig und ohne Wüthen verrecket, und andern keinen Schaden zufflget. Es wäre aber ein Mißbrauch deren gesegneten SchlAsselen, wann man Menschen; oder Holtz, oder etwas anders damit bren- nen thäte; indeme sie nur allein für das Viehe gesegnet seynd. Sie verliehren aber den Segen nicht, wie etliche es aus Irrthumb meynen, wan mann sie auf die Erden fallen ließ, oder mit blosen Händen angreifit. Zum Beschluß ermahnet man, daß wider allen rasenden Zu- fall^ kein beßeres Mittel zu finden seye, als daß wann man sich bey Zeiten in die Bruderschaft des H. Huberti einschreiben laßet; und nach Belieben und Andacht einen jährlichen Zinß fAr sich, und sein Vieh, Gott und diesen Heiligen zu Ehren versprichet, wie es in vielen Oerthern schon längstens gebräuchlich ist.. Von Herrn Baron Hans von Ow auf Wachendorf mir mitge- teilt, der auch in seinem Archive einen solchen Schlüßel aufbe- wart. Sih „Aus Schwaben" I 106. — A. 1682 rechtfertigt sich 174 Jos. Margaretha von Bernsaw gegen die Bauern (Herrschaft Har- denberg), daß sie einen Brief vorwis, in dem Pastor Offermann von ir den Hubertusschlüßel erbat, weil ein toller Hand seine Schweine gebißen habe. Picks Monatsschrift 3, 597. Dahin ge- hört wol auch das „Wurmschneiden und Schürfein*' an Hunden aus derselben Herrschaft von 1743 nachgewisen. Ebend. S. 598. AB 4 Aberglauben. Vom Rathausglöckchen in dem Dorfe SommenharSt bei Calw sagt man, wenn es traurig läute , habe -es immer etwas zu bedeuten, in der Regel stirbt bald darauf Jemand. Im Jar 1877 hat es den ganzen Herbst über „immer so arg traurig getan.*' Jezt weiß man, sagten die Leute, was es bedeutet hat: das hat den großen Brand am 3. November angezeigt. Aus dem Mund der alten Hirschwirtin in S. Wenn bei einem Brande ein Kamin nicht einfallen will, so brennt es im Orte bald wider. Calw. 'Wenn am Neujarstage eineWeibsperson zuerst das Haus be- tritt, um gutes Neujar zu wünschen, das bedeutet Unglück. Unterhaugstett. Begegnet Einem beim Gang auf einen Markt zuerst eine Frauensperson, so hat man keinen guten Markt. Daselbst. Get man auf eine Unternemung ans und begegnet Einem zu- erst ein altes Weib, so ist es keine gute Vorbedeutung. Auch darf der erste Kunde in einem neu eröffneten Laden kein altes Weib sein, wenn man in Geschäfte Glück haben will. Stuttgart. Begegnen einem auf dem Weg Schafe^ so bringt es Gluck; Schweine zeigen Misgeschiek an. Stuttgart. Wenn der Braut am Hochzeitstag der Schleier zerreißt, so bedeutet es eine unglückliche Ehe. Stuttgart. Wird in einer Gesellschaft eine Butterballe aufgestellt, aber nicht angeschnitten , so ist das schlimme Vorbedeutung. Bei Weinsberg. Wird ein Verstorbner vom Lager genommen, so darf er sich in keinem Spiegel spiegeln, sonst folgt ein zweiter Todesfall nach. Man muß daher zuerst die Spiegel verhängen. Stuttgart. Nach einem Todesfall soll man Blumentöpfe verstellen, auch Vogelkäfige verhängen, die Pflanzen und Vögel sterben sonst ab ^). Stuttgart. In dem Leinen^ in welchem Jemand begraben wird, darf kein Name eingenät sein. Daselbst. Wenn man Toten von einem Kranken in den Sarg etwas 1) Im Oldenburgischen werden beim Tod des Bienen vaters, der den Bienen angezeigt wird, die Stöcke etwas umgesezt und man meint, wenn das nicht geschehe, werden die Bienen nicht gedeihen, sondern krank werden und absterben. (Lpz. 111. Z. 1876, Nr. 1734 S. 249.) 175 mitgibt, so nüzt das in manchen Fällen. Legt man von einem Bettpißer einen verunreinigten Lappen in den Sarg, so hilft das gegen das Uebel; ebenso wßnn der Kranke in ein Grab pißt. Stattgart. Fällt Einem im Traum ein Zan aus, so stirbt Jemand aus der Freundschaft. Daselbst. Bienen. Nach der Meinung des Volks in Schwaben ist es dem Gedeihen der Bienen förderlich, wenn man sie das erstemal an St. Gertrudstag (17. März) j^ausstellt^' und es wird vor diser Ausstellung der Bienenkorb mit „Dreifaltigkeitswaßer^^ besprengt und auf das Bodenbrett vor das Flugloch „Dreifaltigkeitssalz^* gelegt. Der sogenannte Standimmen, d. h. derjenige Bienenschwarm, welcher zulezt geschwärmt hat, darf auch weder getötet noch verkauft werden, bis man einen neuen hat, denn sonst gi^nge mit im alles Glück in der Bienenzucht verloren; und erst dann, wenn diser neue „geschöpft^' ist, kann man den alten unbedenklich veräußern. In Schwaben heißen die Bienen auch Herrgotts- oder Marien- vögel *). KDoll 5 Allerlei Aberglauben. Auf den Alpen Wirtem- bergs herrscht die Meinung, die Kühe, die bald kalben sollen, müße man an einem Sonntage zu melken aufhören, weil sie sonst bei Nacht und nicht bei Tage, welches sicherer und bequemer ist, kalben. Wer an einem gewißen Sonntage, an dem in jedem Hause wo möglich Küchlein gebacken werden, zuerst ^u Nacht ißt, der kann seine Aecker zuerst schneiden. Diser Aberglaube veranlaßt in einigen Alpdörfern ungereimt frühe Abendmalzeiten an jenem Sonntage. ^ ' Manche Weiber in der Steinlach sind der festen Meinung, wenn man ein Hun, um junge auszubrüten, wärend des Zusammen- läutens mit den Glocken der Kirche auf die Eier seze, so bekomme man nur 3 Hauen unter der Brutzucht. Der Zufall begünstigte zuweilen schon den albernen Wan und der Pöbel bemerkt es vil beßer wenn ein Aberglaube ein einiges Mal zutrifft, als wenn 99 Mann gegen seinen anererbten Unsinn zeugen. A 1799. AB 1 Hausinschriften in Oberhaugstett Auf Deckengetäfer in Haus No. 51 des GStepper: Um ein gemaltes Auge her: Das Aug der Herrn Sieht nah und fern. 1) III. Ztg. 1876, No. 1734, S 249. I I 176 Ueber der Stabentür am Getäfer: Der ist ein wackrer Mann Der vf die Zukunft schaut Und immer fleißig ist Und seinem Gott vertraut Ein gutes Herz vf diser Erd Ist all der Ehre werth. Am Hause des Gemeindepflegers Boller No. 22: Nur unter Gottes Schutz und Segen Kann man beglückt und sicher # leben ' Besonders da auch Gottes Hand . . Ein Haus bewahrt vor Fluth und Brand. Und lebt man auch nach seinem Wort, So ist man glücklich hier und dort, Und gehts einmal zur Welt hinauß Kommt man zu Gottes Himmelshaus. 2 Zimmer-Sprüche in Unterhaugstett In der Stube des David Rexei* ^) : Sag nicht Alles was du weisst, Thu nicht Alles was man dich heisst, Glaube nicht Alles was du hörst. Richte nicht Alles was du siehst. Das Haus ist mein und doch nicht mein, Nach mir kpmmt ein Andrer drein, Ist auch nicht sein. Jakob Custerer und seine Hausfrau Anna Maria, In einem andern Hanse stet: . Wer ein Christ sein will, Der bedenke doch: Wie edel die Zeit, Wie nötbig die Busse, Wie kurz das Leben, Wie gerecht das Urtheil, Wie schröcklich das Gericht, Wie lange die Ewigkeit. 3 Buchsegen In dem alten Kaufbuche der Gemeinde Osteisheim bei Calw vom Jare 1671 finden sich auf dem ersten und zweiten Blatte fol- gende Weihesprüche von der Hand des Schulmeisters eingetragen: 1) Jezt verwischt. 177 Erstes Blatt: Joabs Graoß vnd Judas Euß Seind worden New, Nur Gaotte Wort. Vnnd falsche Trew! Lach Mich an^ Ynnd Gib Mich Hin, Daß ist Jetzundt der gantzen Welt Sihn: Wann der Mund sprücht: Gott griesse Dich — So gedenckht das Hertz: Luog biete Dich. Dann Aller Welt Fleiß, Sihn Vnnd Muoth, Ist Gerücht Nur vff das Zeitliche Gnoth, Vnnd Wenn sie solches Alles erwerben, So Legen sie sich Nider vnnd sterben. Hoff, Glaub Vnnd Traw, Vöst Auff Christum Baw: Daß Ist die Kunst: Ohn welches sonst AUer Welt — Rath Zu scheittem gath. Wer diß stuckh Hat, Würdt ohne spoth ' Tragen Dar Von Der Ehren Cron. In der Ecke rechts ist bemerkt: Hannß Bünttel | der Zeit Schuolmaister | In die 31 Jahre in | Osteltzheim geweßen | Meines Alters — 83 Jahr | Wenig Vnnd Böß. Zweite Seite: Osteltzheim. | Anno 1671. | Diß Buoch Ist Von Vnnß | Hanns Fenchel. Der Zeit Schultheiß. | Jacob Görling. Vnd Jacob Hoff- mayern. | Alß Weillandt Verordnete Burgermaister | Für gemainen Fleckhen, erkaufiPt, vnnd | Angefangen Worden nmb 1 R. Wür Fangen Jetz an ein Newes Jahr — Gott behüet vor schand,,vor gefahr, Vor Eriegsgewalt, Feür Vnnd Wassers Noth, Vor Pestilentz. Eranckhait, Vnd geehen Todt, Vnnd geh Vnnß frid. Vnnd Einigkaitt. Behiett für auß Vor Allem Laidl Fangen diß Newe Buoch Im Friden An. Zu Welchem Ende Wür es erkanffet han. Daß es die Waarhait recht Bezeugen soll, Daß Man es wol Vnd Lautter versthen wol Wie Man im Eauffen Vnnd Verkanff. Verhalten soll Nach der Weltt Laufil Blrllngw, Alamannt» VI 2 12 178 Wie Hoch ein Ghiott in welchem Preiß Ymb Paar Göltt Zihl auch gleücher Weiß. Wie es gehandelt. Vnnd geschehen, Kan Mans in dißem Buoch ersehen, Ynnd der Obrigkeit recht Kundbar Machen Ynd geht fein rüchtig zu In Allen Sachen. Ganz dieselben Sprüche, jedoch mit zeitgemäß veränderter Orthographie, eröffnen das Eaufbuch von 1716. Nur ist hier den Sprüchen auf der ersten Seite noch die ernste Manung vorange- stellt: Mensch Sih um, Sih vor, Sih Neben dich behend, Schau was du thust so bedenck, bedenck das End, Bedenck, bedenck, die Ewigkeit, Die Himmels Freud, und Höllen layd, ' Dich Stündlich zu dem Tod Beraitt. * Wiederum in der Ecke unten rechts auf dieser Seite stet von der gleichen Hand: Jacob Fellnagel | der Zeit Schuhlmaister und Gerichtsschreiber. lieber dem ersten Geschäftseintrag ist zu lesen: Alles mit Gott und nichts ohn ihn. Calw KDoU Melebior Sebizins sen. ein Strassbnrger Stadterzt des XVI Jarhnnderts Fischarts Beziehungen zu gelerten Aerzten seiner Nachbar- schaft und seine Belesenheit in der medicinischen Litteratur jener Zeit ^) haben es verschuldet, daß der „Humorist und Jurist dazu^^ bei den Gelerten Straßburgs widerholt für einen Jünger des Ae- sculap gegolten, ja daß er als Mediciner auftrat, als im die mo- derne historische Dichtung zum ersten Male die zweifelhafte Ere einer Berücksichtigung zu Teil werden ließ. Michael Schützens (»Toxites«) Onomastica duo, die Fischart completierte und mit einer lateinisch geschribenen Einleitung ver- sah, veranlaßten 0. Spindler zu diser Anname, wie eine der sein Quellenstudium attestiierenden Anmerkungen zum „Blümlein Wunder- hold** (Straßburg, Levrault 1824) verrät. Ueber die Person dises eifrigen Paracelsisten und seine litterarische Verbindung mit unserm Poeten habe ich im Archi? 1) DerGargantua bietet an einer Stelle ein Rattennest von über dreissig Namen einander bekämpfender medichiischer Autoritäten. 179 für Litteratargeschichte (VI 604 fiP. 506) gehandelt und bei diaer Oe* legenheit auch Fischarts Anteilname an der Herausgabe mediciniBch- alchymistischer Tractate aufgedeckt, die der Nürnberger Stadtarzt Heinrich Wölf% ein Bruder des bekanntern Philologen Hierony- mus'), auf seinen yilen Studienreisen in Frankreich gesanunelt und nach Strafiburg durch Yermittelung des Tozites an Jobin ge- schickt hatte. Hier möchte ich die Aufmerksamkeit auf einen andern ge- lerten Arzt lenken, den der untememende Buchdrucker und Ver- leger zusammen mit seinem auch sonst fiust ausschließlich fOr sei- nen Verlag arbeitenden Schwager zur Herstellung einer großen landwirtschaftlichen Encyclopädie benuzte, um damit änKche Unter- nehmungen Straßbarger ') und Frankfurter Verlagsfirmen zu über- bieten. Ich meine den Uebersezer von des Carolas Stephanus (C%artes Estienne) PRAEDIVM | RVSTICVM, lum Stephanum Typographü Regium. LVTETIAE, I ApudCaro- M.' D. Llffl. 8 (in Berlin = 1) A. a. 0. VI, 501 ff.; vgl. dazn VH, 450 Anm. 2) A. a. 0. VI, 501 Anm. Veith, Bibliotheca Augostana VU, 153 ff. 8) Das Werk des Begründers der Agronomie in Europa, die Buralium commodorum Libri XII des Petrus de Creeeentiie (f 1300 als Advocat in Bologna), gedruckt zuerst 1471, sowie die Quellen deßelben, die Scriptores rei rusticae der Römer und die auf Befei des Kaisers Conttantinus VI (? vgl. A. Baumstark in A. Paolys Real -Encyclopädie III, 760 und besonders Valentin Rose, Aristoteles pseudepigraphus. Lips. 1863 S. 268 ff.) von einem Gassianas Bassus scholasticas gesammelten rscaTiovucä wurden gerade von Straßbarg aus dem Deutschen Landmanne zagänglich gemacht. 1493 erschien die erste deutsche Uebersezung des Petrtis de Orescentiis zu Straßburg bei Ren. Beck und daran schloß sich im folgenden Jarhandert eine ganze Reihe von Drucken : Graesse, Tresor II, 299. Wir haben davon „Straßbarg, Job. Schott 1518", „Straßburg, Hans Enoblouch 1531** und den „Newen Feldt nnd Ackerbaw, Frankf. a. M Sigmuod Feyerabend 1583*' (C. Becker, Jobst Amman. Lpz. 1854 S. 128 Nr. 38; Naumanns Archiv II, 68), der es von 12 auf 15 Bücher ge- bracht hat, sowie deßen Reproduction „Lazari Zetzners*' von 1602, welche auch Fischarts „Artliches Lob** enthält. Vgl. Passavant, P. Gr. III, 467 ff. — „Gedruckt zu Straßborg bei Wendel Rihel 1538** erschien auch in Fol. (= an Nu 7821a in Berlin) „DAs Ackerwerck | Lucii GolumeUe vnd BaHadij | . . . Verteutschet | Durch Michael Herren, lieb- habem der | freien künsten vnd artznei** — denselben, welcher auch den „Feldbaw . . . von dem Keyser Constantino den Uli jnn Griechi- scher spraach beschriben** (Graesse Tresor III, 58) verdolmetscht hat: vgl. nachher. Das systematischste Buch jener Zeit sind die von Fischart oft angezogenen REI | RVSTICAE LIBRI QVA- 1 TVOR . . . . | Auctore D. D. Gonrado HereebiMshio larisconsulto | . . . COLONIAE] Apud lo- annem Birckmannum, | . . . 1570 u. 8 (=ss Ov 1546. 8 in Berlin); vgl.G. Fraas, Geschichte der Landbaur und Forstwissenschaft. München 1865 S. 59 ff., der freilich ebenso wie Langetbal in seiner Geschichte der teatschen Landwirthschaft, Jena 1847 ff., wenig eingehende und zuvor- läßige Studien über die alten Feldbaubücher gemacht hat. 180 Ov 1420. 8), das nachher deßen Schwigerson Jean Libaut^) ver- YoUständigt hatte — den weitgereisten und besonders lange Zeit in Frankreich gewesenen Straßbnrger Stadtarzt Melchior Sehiz oder Sebisch. lieber die Beteiligung dises Mannes wie Fischarts an den zuerst 1579 erschinenen Sihen^), seit 1587: Fünffzehen Büchern vom Feldbaw^ auf deren Bibliographie und Verhältnis ich nächstens an anderm Orte zurück zu kommen habe, spricht sich B. Johin im einen „Lectori*' des erweiterten Buchs, und zwar meines Wißens zuerst in der Ausgabe von 1587 Bl. "^ 3a aus. „Dem Guthertzigen Leser, neben erbietung angenemer Dienst, von wegen deß Bachtruckers zu vernemmen. 1) S. Brunet, Manuel H^ S. 1074: „L'AGRICÜLTÜRE et Mai- son rustiqae de Charles Estienne . . . plus un bref recueil de la chasse et de la faueonnerie. Paris, Jaques du Puits, 1564 in 4." Rep. 1565 2mal, 1570 „augmente par Jean Libaut . . . de la chaäse da loup et de la faueonnerie"; 1578, 1583, 1586; 1589 zusammen mit „La Chasse du loup; par Jean de Ciamorgan", und „La fabrique de la jauge^ ou dia- pason"; 1591 u. s. w. In Berlin haben wir nur die allerdings für Fischart hauptsächlich in Betracht kommende Ausgabe von 1583 (= Ov 1438. 4) und drei andere von 1598, 1622 und 1625. — üeber sonstige medicinische Schriften Jean Libauts s. Brunet a. a. 0. III^, S. 1073. 2) Außer dem noch zu erwänenden Buche des Marius verlegte und druckte Jobin noch ein Jar nach der ersten Pablication der Se- bizischen Encyclopädie sowol die „Siben Bücher | Von dem Feld» | bau vnd Ackerwerck . • . | Etwan durch . . . | Herren Africum dementem von Padua, | inn Welscher Sprach beschriben . . . | Nun aber durch JSieremiam Martium he» \ stellten Doctorn der Artznei zu Augspurg . , . I . . . Herren Hansen Fuckem, Herren | zu Kirchberg vnd Weißen- hom . . . I . . . vnd gemeynem Yatterland, | auch menniglich, Hoch vnd Niderstands zu gutem inn | gemeyne Teutsche Sprach gebracht . . • | Gedruckt zu Straßburg, bei Bernhart Jobin. | . . . M. D. LXXX." (Wid- mung datiert vom „15. Martii 1580", Bl. B la — Pp 8a == 296 bezeich- nete BU. Text) als auch „GEODAISIA, | Das ist: | Von gewißer vn bewährter Feldmessung, eyn | gründlicher bericht : wie nämlich, boy« | de^ aller Felder grosse zu messen vnd abzurech« | neu: auch allerley erforderte platze, von an« | dem Feldern, inn gewissem Messe, auß vnd abzuthey« | len, oder auch dieselbige an zu messen seie. | Durch Johann Conraten von Ulm, Predi« | gern jn Schaffhausen am Bhein, auffs neu | zugericht vnd demonstrirt. | (Holzschnitt) | Deut. 27. Cap. | .... | Zu Straßburg, bei B. Jobin 1580" (Widmung des Verfassers vom „25. tag Januarij . . . 1680" an „Herren Schulmeyster vnd Provisorn, Loth Stimmern** u. s. w., Bl. A 5a--b: „Innhalt", Bl. A 6a— F 6b: Text). Beide in Berlin = Vr 9690. 8. Endlich scheinen auch „XII Bücher | Von dem Feld« | bau .... Durch ... I Herrn Fetern von Creecentiis, weiland .... be- schriben I .... in gemein Teutsch | gebracht, Durch einen . . . Artzney Doctorn. ) . . . . | Gedruckt eu Straßbnrg, bei Bernhard Jobin. 1586 | fol." bei im noch erschinen zu sein, wenigstens haben wir in Berlin vor Ov 1114 fol. ein so lautendes Titelblatt. 181 GLeicb wie vorl&ngst der anßkommen Frantz^sisch Meyerhof, nicht einsmals von einem allein ist aller gestalt so weitleufftag, inn massen er nun vor Augen, entworffen, aufifgebawet vnd erwei- tert worden. Sonder nach dem Carölus Stephanus Anno 1559 (L 1554) erstlich ein gut Fundament darzu gelegt gehabt vnd darüber Tods verfaren, hat hernachgehends sein Tochtermann, Herr Doctor Carl (1. Job.) lAbält dasselbig vngefarlich vor 23 Jaren angefangen forter zu setzen, vnnd ein stattlichen Baw darauff durch vnderschiedliche Mehrungen zu f&hren. Darzu dann etliche seiner Landsleut auch zeug verschafft, als vnder andern die so be- nantlich P. Äyraü^ Anton Langmer, Johan von Camorgan^)^ Herr von Sctant (1. Saane), etc. Zu ebener massen ist auch diser Teutsche Feldbaw nicht einsmals durch einen allein odöt zwen gegenwertiger außführlicher gestalt herfärgebracht worden, Sonder — damit wegen Naturbe- scheidener danckbarkeit nieman seiner gehabten mühe halben ver- geßlich dahinden stände — haben bald erstmals mit vnd neben dem Hochgelehrten Herrn D. Melchior Seibzio (1. 8elnzio\ so ein gut theyl des Frantehsischen vnvermehrten Exemplars erstes Tracks de Anno 1577, verteiUscht, auch jhre müh, fleiß vnd arbeit in er- kl&rung, Verbesserung, Vermehrung vnd voUfdhrung desselbigen vn- der ändern darbe! angewendt die gleichsfalls hochgelehrten Herrn D. Georgius Marius^\ Ghurf&rstlicher Pfalz Leibartzt, mit ^seinen ParaUpomenis (!) Horttdanicis vnd sonsten mitgetheylten Animad- versionem (!), deßgleichen D. Joh, Fischart, welcher heids ein theyl gedoMen ersten TrucMmchs^ auß bitt gemeUes Herrn Sebieii^ vnnd da/im ferrner alle hernach vom angeregten Garölo lAbalto in folgenden TrAcken, vnd besonder im leisten de Anno 1583 beige- thane Vermehrungen hat an jhre ,gebtLrende stellen verteutscht ein- gebracht^ vnd auch sonsten^ was es der Teutsehen Landsart zum gem^esten gewußt^ aufi mancherley seinen CoUectaneis vnnd Obser- 1) Vgl. S. 180, 1. „La chasse du lonp'* erschien zuerst 1576: Brunet II ^ S. 77. „Wolffsjagt. I JOhansen vonn Clamor« | gan . . . . | Inn wel- cher begrieffen und dar« | thon ist, daß Wolffs Natur vnd Eygenschafft ... I In Jägerisch Teatsch erst von I^ewem verfertigt" s. 1. et a. findet sich als Jobinscher Druck hinter „New Jägerbuch: | Jacoben von Fo«| uilloux ... I Erst frisch von newem ... in gut Weydmännisch | Teutsch . . . Vertirt. | . . . | Getruckt zu Straßburg, Durch Bernhart Jobin. Anno 1590." (= Ov 1487a. fol.) Die üebersezung beider Bücher ist von Joh. Wolff, „Pfaltz vnnd Marggrefischem Raht zu Mundeisheim." 2) Im Jare vorher war bei Jobin erschinen: „PABALIFOMENA ET MAR- I GINALIA HORTÜLANICA, | Das ist | Gartenkunst zum Feld I buch angehörig . . • | trewlich beschriben. | . . . | Durch | . . . Georgium Ma- | rium, genandt Mayem von Würtzburg, Weiland Hes« | sischen, Dann Ghurf urstlichen , Pfaltzgraffen, Ludwigs Se« | iigster ge- dächtnaß, Leib Artzt zu Heidelberg. | Getruckt zu Straßburg, bei Bern- hart I Jobin I M. D. LXXXVI | ..." in fbl., ein Blatt Vorrede und 22 Seiten Text. In Berlin an Ov 1114 fol. 183 uatianen hievan ordehUch beigesetgt, vnnd gleichsam aufi dem Bauren- hof zu weilig einen bekömmlichen Landsitz gemacht. Wie er dann noch toeUere ausserlesene zum Feldhatv nötige stuck zu anderer gelegenkeit y wann er gedachten Herrn lAbalt (inn maßen er ver* tröstung gethan) seine Beuidirte AgricuUuram wird sehen Latine an tag bringen, auß seinem vorhabenden Feldbawrechi vnd Landsitzgerechtigkeit wird k&nnen Communideren , , , ^^ Sebiz selbst motiviert seinen nach unserer heutigen Auffaßung doch etwas zweifelhaften Beruf zur Herausgabe eines landwirt- schaftlichen Lerbuchs mit folgenden Worten an „Herrn Ludwigen, Pfaltzgraffen bei Rein, des Heyligen Rftmischen Reichs Ertz Truck- seß (1) ynd Churf{irsten, Hertzogen inn Baiern'* Bl. ):( 4a: ,,. . . inn betrachtung der förderung . . . gemeynes nutzes vnd erwe- gtmg der verwandschafft der Ägricültur zu meiner facuUet der Artznei, vnd meim sonderen Inst der pfiantzung allerhand Sim- plicien, (hab ich) nicht vmmgehen wollen noch sollen, dise . . . Bflcher vom Feldbau vnd Meyerhof von . . . Oarolo Stephano vnd Johanne Liebalto, Ärtzenei Doctorn, . . . vnserm gemeynem Vatter- land zu sonderem nutz vnd vortheyl inns Teutsch zu vertieren". Gewidmet habe er das Buch dem Kurfürsten, dieweil er „wargenommen, daß vor der zeit gleichförmiges Buch vom Feld' bau Constantini vertiert • • • Herren Ott Heynrichen . . . E. Ch. »G. Herrn Vettern vnd Vorfahren ist zugeschriben'^ „Datum inn Straßburg den letzen Martii. Anno 1579. Mei* ehior Sebizius^ der Ärtzenei Doctor zu Straßburg.'' Ueber Lehensumstande dises Mannes orientieren Christian Wilhelm Eestner, Medicinisches Gelehrten -Lezicon (Jena 1740) 8. 776 und Ch. G. Jöcher IV (1751) S. 460 ff., lezterer nach An- gaben des Jüngern Sebiz in dem mir nicht erreichbaren Appar. (vel Append.?) chronolog. ad Schnddii concion. secular. Heinrich Kurz, J. Fischarts sämmtliche Dichtungen III, 471, ist das komi- sche Mißverständnis paßiert, daß er den Enkel oder gar Urenkel mit dem Großvater verwechselte und den angeblichen Zeitgenoßen Fischarts erst 1664 geboren werden und 1704 sterben läßt. Vgl. auch Biographie medicale, Paris. C. L. F. Panckoucke Editeur 1825 II, 188. Melchior Sebiz oder Sebisch wurde 1539 zu Falkenberg im 1) Der bei Graesse Tresor UI, 53 erwänte Druck von 1545 ligt mir nicht vor, wol aber andere von 1554. 4., 1556. 4., 1561 8., 1566. 8. — sammtlioh von Samuel Emmel in Straßburg gedruckt, und einer 8. a. „Getruckt zu Straßburg, durch | Theodosium Rihel'', alle mit der hier von Sebiz erwänten Widmung an „Herrn Ottheinrichen", unter welcher sich als Herausgeber und Besserer der Herrschen Ueberseznng Luä/ujig Babus 2>. nennt. Datiert ist die Vorrede von 1551. üeber Rabe s. Archiv f. Literaturgeschichte VII, 446. Ludwig ist der Vater des Apostaten Joh. Jacob j^bus, der durch Fischarts Nachtraben be- rüchtigt wurde. 183 Herzogtam Oppeln geboren — wie es scheint ans adelicbem Ge- schlechte — , studierte 1561 zu Leipzig und gieng noch in demsel* ben Jare nach Straßburg. 1563 war er jedoch schon wider in Paris, widmete sich hier der Medicin wärend er solange auf Franz Hotomanns Yeranlaßung juristische Studien betriben, zog dann nach Lyon, Montpellier und wurde endlich nach yilfältigen Reisen in Frankreich und Italien zuerst in Hagenau, endlich in Strafiburg als Stadtarzt angestellt. Erst am 19. Juni 1625 ist er 66 Jare alt gestorben. Im Verhältnis zu seinem ungleich productiyeren Sone hat der ältere Sebiz nur wenige medicinische Schriften hinterlaßen. Kestner macht auf einige Titel derselben in der Bibliotheca Rivi- niana (Lipsiae 1727, 8) aufmerksam — anscheinend gehört im dort auch noch die S. 363 unter Nr. 3969 angefurte Abhandlung „De Dysenteria. Arg. 1593. 4" — ; aber neben den schon be- sprochenen „XV Büchern vom Feldbau" und der noch zu erwä- nenden Üebersezung einer Schrift des Fr. Rousset ist doch eigeht- Hch hier nur noch seine vermerte Ausgabe von Hieronymus Bocks Kräuterbuch zu nennen. Die Heffnung in und Fischart ebenfalls in dem, wie es scheint, den Litteratoren bis jezt unbekannten Büchlein: „WarhafFte | Beschreibung deß E« | delen Krauts Nicotianse, von den Physicis | Sana Sancta, von den Hisponis Tabaco, vnd von I vns Teutschen Taback genennet: Was es für Kräfite vnd | Würckungen in sich habe, wie es erstlichen auß Florida in Portu- gal, I hemacher in Franckreich, Hispanien^ Holland, endlichen auch in I vnser Teutschland kommen, vnd nunmehr an etlichen | Orten hauffenwdß gepflantzet wird. | Erstlichen von Carole Stephano vnd Johanne | Libaldo in Frantzösischer, hemacher aber von Melchiore | SebUio Medic. Doct. vnd Joanne Fischardo J. V. D. in | vnsere Teutsche Sprach an Tag gegeben. | Jetznnder aber vffs newe wide- rumb zusammen ge« | tragen, durchsehen, . vnd auß der gnugsamen Erfahss | ning vermehret vnd verbessert: | Durch einen Liebhaber der Medicinischen | Kräuter; | (Kupferstich) | Gedinickt im Jahr M. DG. XLm.'^ I (10 Bll in 40 mit Gustoden und Signaturen, in Berlin) — wider zu finden, was zwar keine irrige, aber doch nicht in dem Sinne zutreffend, als ob hier die spätere Ausgabe einer von Sebiz und Fischart gemeinschaftlich publicierten „Tabaksschrift" vorläge. Vilmer ist das Ganze nur die wenig verändernde Reproduction eines Gapitels aus den Büchern vom Feldbau, und zwar des 74. aus dem dritten Buch der Ausgabe von 1587 S. 323 ff. mit der Ueberschrift: „JE^ kurtzer vnd einfaltiger hericht von dem Kraut Nicotiana oder Fetum dem Mknnlin^^^). 1) Eine Bibliographie der Tabakslitteratar , die aber nicht auf Vollständigkeit Ansprach macht, veröffentlichte Wiüiam Bragge in SheMeldy vgl. da^u 0. Verlage in J» Petaholdts Neuem Anzeiger für 184 I Die Aasgaben des Bockschen Eräuterbaohs — der ans Hei- desbach im Odenwalde stammende Botaniker Hieronymus Tragus, wie er sich nannte, starb 1554 zu Hombach — verzeichnet 6. A. Fritzel im Thesaurus Literaturae Botanicae (Lipsiae 1872. 4) S. 30b: in Berlin ist die Merzal derselben vorhanden, nur leider nicht die von 1577, welche warscheinlich zuerst die Sebizische Textre- daction enthält. Der Titel der zweiten^) lautet: „Ereütterbuch, Darin vnderscheidt Nam« | men vnd Wurckung der Ereutter, Stau den, Hecken vnnd Beumen, sampt jhren Früchten, so inn | Teutschen Landen wachsen, auch der selben eigentlicher vnnd wolgegrAndter | Gebrauch inn der Artzney . . . . | Item von den vier Elementen, zamen vnd wilden Thie» | ren, auch V&glen vnd Fischen, . Milch, E&ß, Butter« Honig, Wachß | . . . . | Alles durch H. Hieronymum Bock . . . beschriben. | Jetzund auffs new mit allem fleiß vbersehen, vnnd mit vüen nützlichen Experimenten | gebessert vnd gemehrei. Auch wie man die Ereuter zu rechter Zeit samlen vnd Distillieren soll. I Durch den Hochgelehrten MELCHIOREM SEBIZIVM Sile- sium, I Der Artzney Doctorn z& Straßburg. | . . . . | Gedruckt zu Straßburg, | durch Josiam Rihel. | ^' Am Ende: „ . . . Straßburg, durch I Josiam Rihel. | M. D. LXXX. | I Augustj. | '^ Die „Vorred '^ an Straßburger Gönner „Herren Arbogast Rechburgem Stettmeystern, Herren Johann Carl Lorchern alt Ammej^ \ stem, vnd Herren Fridrichen von Gottesheym Dreyzeh- nem, der | allhieigen Academy Scholarchen^', datiert von hier „den 14. Augusti 1577", ist weniger durch das instructiv, was der Herausgeber von sich berichtet, als durch die Schilderung der Affcermedicin und Quacksalberei jener Tage. Da diso Zeitschrift auch die Eulturgeschichte der alemanni- schen Landstriche mit in iren Bereich zieht, so werden einige Aus- züge viUeicht nicht unerwünscht sein. Für mich sind diso Zorn- Bibliographie 1875 S. 132 ff. Interessante Studien über die Geschichte des Tabaks in Blums Grenzboten 85. Jahrg. (1876) II S. 321 ff. 878 ff. 401 ff. Ausser dem dort S. 827 angezogenen Buch von Fairholt (1876) wäre C. C. Antz, Tabaci Historia. Berol. 1886, Tiedemanns Geschichte des Tabaks, Frankf. a. M. 1854 und G. A. Henric, Du täbac: son his- toire etc. Paris 1864 zu nennen. Die älteste Schrift über Tabak ist in Ber- lin „DE HERBA | PANACEA, | QVAM ALU TABACVM, | ALU PETVM, AYT I Nicotianam vocant, breuis | Commentariolus. | Quo admirandse ac prorsus diuinse huius | Periianee stirpis facultates et vsus ex | plicantur. | Ab AEgidio Euerardo Antuerpiano, | Philiatro inordinem redactus | . . . I ANTVERPIAE, | Apud loannem Bellerum. | M. D. LXXXVII. | " 12». Ueber T. in iler deutschen Litteratur s. Weimar. Jahrb. II, 248. 1) Dise Ausgabe besizt die kgl. Bibliothek in zwei Exemplaren = Lw 24, 204. foT. und Lw 24, 204a. Von den spätem mit dem Texte Sebizens : „Jetzund zum Andern mal, auffs new . . . vbersehen. Strassb. Jos. Rihel 1587*' fol. 1595. 1680. — Der andere medicinische Freund Fischarts edierte ebenfalls ein fremdes Eräuterbuch, wie ich imArch. f. LG. VI, 504 Anm. bereits erwänt habe, das des Barth. Garrichter. 185 ausbrüche eines zünftigen Mediciners auch dämm nicht one In- teresse, weil sie ernsthaft das illustrieren, was Fischari an einzelnen Stellen des Gargantua and der Practic humoristisch behandelt hat 1). „Das aber dise edle Gabe Gottes (die Medicin) zu diser vn- ser letsten zeit so gar inn Ynwerdt, Mißbrauch md Ynordnung kommen vnnd gerhat en, ist leider von hertzen zu erbarmen, dann da finden sich, nicht allein vnder dem schlechten yngelehrtenVolck, sonder auch bey denen die etwas studiert haben, so yil vnuer- scbampter, heiloser Leut, welche ob sie schon dise kunst nicht gelehrnet, . . . haben (sie doch) etliche Recepta ynd Ordnungen der Artzten inn den Apotecken oder sonst auff gesamlet ynd abge- stolen^ von den selben jhnen ein Buch, gleichsam einem Bettler- rock, zu samen geflicket, mit einem »probatum est« signieret — damit yberreden sie sich vnnd andere Leut, sie setzen der Artmey Grofimtitter, thun sich großer Kunst auß, wissen inn jrem sinn alle Eranckheiten zu curieren, halten auch jhre vermeinte Eftnst vber die maßen heimlich, so sie doch hierinnen weniger gelehret als ein Rhu im Psalter .... [Bl. a 3a] Dises alles vngeachtet, fahren solche Eelber&rtzet zu, schmucken jre vnwissenheit mit glatten schmeichelworten, vnd inn dem sie andere gelehrte Leute verunglimpffen, machen sie jhrer sach ein färblein, merken fein fleissig auff des Erancken vnnd der seinen anmut vnnd willen . . ., wissen also den Mantel nach dem Windt zu richten . . . Damit sie aber dem selben stinckenden Fleisch auch ein gel- beis Brfllein machen, erdencken sie wunderbarliche weise^ wie dises oder jhenes Eraut mit sonderen Geremonien, Item inn disem oder jhenem Planeten müsse gesamlet werden: dises am Freytag, das ander am Sonntag, dise wartzel mAß vnbeschreien mit Silber, die ander mit Gold oder Eupfler außgraben werden, Eine vbersich, die ander vndersich etc., vnd machen hiemit den erfahrnen Medi- eis jhre Artzney durch sollich gauckelwerck verdechtig. Diser vnd der gleichen fantasterey ist so vil, das es alles zfi beschreiben mir vnmüglich. Wann sie nfin jhr köstlich Pludermuß gekocht, manglet jhnen gemeinlich diß noch darzu, das sie nit wissen, wie vil sie dem Erancken zu inal geben sollen .... Also beschicht bißweilen, das solliche Eelber vnd Winckelärtzet manchen dem Todt zu Hauß schicken. An dem ist aber noch nicht genug ... Es müssen auch die Medici von jhrent wegen inn gefahr, spott vnnd nach- 1) Auf eine andere Schilderang der Quacksalberei in Marx Man- golds Markschiff habe ich in der Zeitschr. f. D. Altertum XXI, 448 Anm. 2 hingewisen: Weller, Neue Originalpoesieen Fisoharts S. 76 ff. 186 ttieil gesetzet werden, dieweil solliche Eulen jren Meußkai^t auch ynder den Pfeffer mischen . . . fahren sie zu, probieren heimlicher weiß auch hieneben jhre kAnstlein, daher . • . der Medicns an seiner Cur jrr gemacht würt. Will geschweigen das sie auß einer Kranckheit zwo oder drey machen ,. . . Vnd damit sie jhre b6se stuck desto besser bemendtlen vnd verdecken mögen, seind sie die ersten die dem Medico die schuldt geben . . . Solche mißbreuch aber . . . fflren nicht allein die groben vnnd vn- golehrten Esel, die Eelberärtzet, die endtwedeirs znuor verlauffene Huren vnnd Buben gewesen, oder aber da sie ehrliche Handthie- ^u^S) gewerb vnnd Handtwerck ge« [a 3b] triben, die selbigen nachmals des eilenden Pfennings vnd des schandlichen müssiggangs halben verlaßen . . . Sondern auch etliche selbst gewachsene Me- dici, welche kaum die Gh*ammatic, ich geschweig die andere not- wendige artes gelehrnet haben . • . An solchen Gesellen ist aber noch zu wenig, es muß auch der TeufiPel vnnd seine glidmassen hierzu das beste thun . . . Dann da mischen sich auch mit ein die heilosen von Gott verworffene Juden, die Hexepmeister, Teuffei beschwerer, Wachsgiesserin, Segen- sprecherin, vnnd was des gleichen vngeziffer ist, vnd vom leidigen Teuffel seinen vrsprung hat. Disen laufft man hauffenweiß zu . . . Solliche . . . Leut werden für halbe Götter gehalten, man tregt jbnen Gelt bey der schwere jhres gefallens zu, dieweil dieselben Teuffelsbeschwörer, auß anschawnng des Wassers oder Harns, nicht allein von der Eranckheit, sonder auch vom Namen, Stand, Ver- mögen vnnd allerley gelegenheit vnbekandter Person . . . bericht geben können. Derselben arth vnd eigenschafft ist, das sie jeder- man dahin weisen, das jhre Eranckheiten . . . von disem oder jhe- nem alten Weib, so sie verzaubert habe, herkomme .... Deßgleichen th&n dise auch, ^so die Eranckheiten der Men- schen vnnd des Vihes mit Segen, Ereutzen, Gharactem vnnd andern der gleichen Narrenwerck heilen wollen. Geben für wie dise Eranck- heit von disem oder jhenem Heiligen herkomme, erdichten den Eranckheiten seltzame Namen, die weder sie noch andere Leut verstehn, als Leschdropffen, Bbß beschrey, Pfipffen vnnd der- gleichen, wie es jbn zu Nacht getrewmet hat . . . Letzlich kommen auch mit jren Rückkörben daher gelauffen die Landtfarer, Wurm» [a 4a] samen vnd Theriack schreier, welche den mehrer theil Hencker, Schinder oder sonst leichtfertige Leute seind, die betriegen öffentlich die Welt, also das maus greiffen m&ß, schreyen ein Salb oder Artzney für alle Presten auß. Für allen dingen so rhümen sie jhr Menschenschmaltz . . . Vnd demnach sie etwann jemands vmb ein genandte besoldung zu heilen vnd curiren angenommen vnd durch list das gelt zum theil von den Leuten zu wegen bracht, faren sie daruon, lassen sich den Erancken mit Diebs Schmaltz schmieren, so lang jhn gelust. Das ist ja eine dolle vnsinnige blindtheit ... 1 187 Es will sich dooh hienföro Mann vnd Weib . * . Artzneyeii eingießen vnnd einschütten (lassen), die auch die strecksten . . . Feldtgurren nicht möchten ertragen 1 . . . Wie sich aber solliche frefipenliche, vermessene Leut verbren- nen vnnd schandtlich anlaufiPen, das erfahren die armen Erancken! . . . Die Hohe vnd weitberümpte Schule vnnd Yninersitet zu Montpelier (ist) hoch zu preisen vnd loben, das sie solliche K&lber vnd Winckelartzet, so bald man jhr gewar würt, laßt gefencklich einziehen . . • Nachmals aber durch den Nachrichter außfÜiren, anff einem hundt dürren Rendigen vnd Schebigen Esel also setzen, das sie das angesicht gegen ^em hinderntheil kehren vnd den Esel beim sohwantz halten müssen . . • /' Von sich sagt Sebiz nur, daß er auf Yeranlaßung des Buch- truckers Josias Rihel „seines guten Freundes" die neue Heraus- gabe des Bockschen Werkes übernommen habe. „Er hat mich fleißig vnd freundtlich ersucht vnd gebetten, das ich dem gemei- nen Nutz vnd jhme zum besten die Experimenta der Ereutter, so ich zum theil von meinen lieben Praeceptorn inn Franckreich, Italien vnd Teutschland gesehen vnd erfahren, zum theil auß den bewertesten . . • Scribenten znsamen getragen vnnd gelesen, mit- theilen wolte, Die selben dem Bocken ein zu verleiben vnnd anzu- hencken, wie wol ich . . . diser zeit nit willens gewesen, etwas vnder meinem Namen inn truck kommen zu lassen." Er habe je- doch „nichts eingebracht", das er nicht „endtweders von seinen Praeceptoren gesehen, zfim theil selbst erfahren oder bey den er- fahmesten Ärzten warha£ftig befunden." Eine ausfürliche Lebensgeschichte dises Mannes in etwa 17Q0 lateinischen Hexametern verfaßte nach dem Tode deßelben Samuel GloncTy ein gebomer Straßburger und Lerer der Poesie und lateini- schen Sprache am dortigen Gymnasium von 1622 — 1642: s. A. G. Strobels Histoire du Gymnase protestant de Strasbourg 1838 S. 155 ff. Ein Exemplar diser Schrift, deren Existenz mir zuerst aus Oettingers Bibliotheca Biographica bekannt wurde, fand sich in Dresden und ich konnte daßelbe hier durch die Güte des Herrn Hofrats und Oberbibliothekars E. Förstemann mit Muße benuzen. Wenn sich aber schon Herr von Meusebach, wie ich kürzlich einem ' ebenfalls in Dresden befindlichen Briefe deßelben entnemen konnte, ^nach diser Vita, obwol vergebens bemüte, weil er in ir Aufschlüße über Fischart und deßen Beziehungen zu Sebiz vermu- tete, 80 bestätigte sich dise Ho&ung leider nicht. An mancherlei Gründen für jene Anname feite es ja nicht: außer der gemeinsamen Arbeit an den Büchern vom Feldbau will ich hier nur hervorheben, daß einmal Sebiz höchst warscheinlich durch seine Frau mit der Familie des bekannten Chronisten Bernhart Herzog und damit auch zu Fischart in Verwantschaft kam, und 188 daß andererseits Samuel Gloner ser wol. näheres von dem lange Zeit m Straßburg lebenden Juristen Fischart wißen konnte. Wie sein College Mathias Bemegger^) den „vir festivissimi ingenii Joannes Fischardus dictus Menzer ICtus^' kannte und seinem Binenkorbe warme Lobsprüche spendete — sih die Stelle bei E. Weller: Neue Originalpoesieen Fischarts S. 22 — , ebenso gedenkt Gloner seiner ausdrücklich in der „Vorrede" zu den „Novae | SACRORVM BIBLIORVM | figurse versibus Latinis et Ger- | ma- nicis expositde: | Das ist, | Newe Biblische Figu^ | ren mit Latini- schen vnd Teut"" | sehen versen außgelegt, | Dem gemeinen Mann vnd der I lieben Jugendt zur anreitzung wahrer | Gottseligkeit, vnd an- deren Christlichen | Tugendten an tag gegeben, | Durch | M. SAMV- ELEM GLONE- | rvm Poetam Laureatura. | Straßburg, | Getruckt bey Christoff von der Heyden. | M. DC. XXV." | in 8« und nimmt sogar den größten Teil von Fischarts Vorwort zu den „Neue{n) Künste* I liche(n) Figuren Biblischer Historien, grüntlich von | To- bia Stimmer | gerissen . . . | Anno M. D. LXXVL | ^' (Kurz II, 275 ff.), jedoch nach der Ausgabe von 1590*) herüber: „ . . . Hab ich in gegenwertigem Bibelbüchlein nichts bessers oder bequemers auff die bahn bringen können, als was der hoch' gelehrte vnd verständige E.err Johann Fischa/rt^ genant Mentzer^ heyder Rechten Doctor, in deß Tobiae Stimmers Bibelbüchlin, so in Anno 1590. hie zu Straßburg durch Bernhard Jobin ^) (wie- wol bey weitem nicht so vollkommen) gedruckt worden, zu einer Praefation oder vielmehr wolgefaßten vnd würdigen Commendation vorangesetzt. Das lautet von Wort zu Wort also . . . ." Und zum Schluß : Bl. a 7a: „So weit Herr Johan Fischart". Der Titel der anscheinend ser seltenen Lobschrift auf Melchior Sebiz lautet (Biogr. erud. D. 1236. 4): 1) Ueber disen s. Strobel a. a. 0. S. 150 und die A. D. B. 11^ 412 ff. Gloners Biblische Figuren von 1625 ent}ialten auch von im ein empfelendes Gedicht in Distichen. 2) Die Biblischen Figuren Fischarts und Gloners sind durchaus nicht identisch, wie man z. B. nach dem Verzeichnis von Büchern . . aus der Freihr. v. Meusebachschen Bibliothek I (Berlin 1855) S. 81 Nr. 1659 annemen könnte. Die Holzschnitte des Leztern sind der Mer- zal nach von Christ. Maurer, einem Schüler T. Stimmers, nicht von disem selbst wie dort, femer sind die lateinischen und die deutschen Verse hier von Gloner. Zu Stimmers Figuren hatte Fischart erklärende deutsche Reime geliefert und dise dann „nachmaln^^ für die spätem Ausgaben, noch nicht für die erste, durch M. Paidus CmsiiAS „der Kirchen zu S. Wilhelm in Strassburg Diaconus" in lateinische Hexa- meter bringen lassen. 3) In Berlin vorhanden = Bh 5571. 8. 189 TITA Nobilißimi et Excellentißiini Viriy DN. MELCHIORIS SEBIZII SILE8II, MEDICIN^ DOCTORIS, ARCHIATRI ET PROFESSORIS ARGENTORATENSIS clarissimi Versu Heroico descripia per M. SAMUELEM GLONERÜM Argent. Poetam Laareatum, In celebemm& ACADEMIA ARGENT0RATEN8I, ANNO CHRISTI NATI 16 26. ARGENTORATI, Typis RIHELIANIS. ANNO M. DC. XXVI. in 49^ Rückseite leer; auf dem folgenden ):( 3 bezeichneten Blatte die von phrasenreicher Dankbarkeit und Servilismus überfließende Widmung Gloners an den Jüngern Melchior Sebiz, ,,Med. Doctori et Professori Argentoratensi clarissimo, Physico Urbis fldelissimo; Fautori et Patrone suo magno plurimuraque observando'', vom 19. lunij 1626 ,,quo die ante annum charissimus PARENS Tnus ex hac lacrymarum valle ad coelestem gloriam transvectus est." Zur Charakteristik des sich am Schluße mit Homer, Virgil und Horaz in eine Linie stellenden Verfaßers diene das Urteil des- selben über den altern Sebiz: ,,8i quisquam in Academia prseclare est versatus, si qms- quam et de literis et de tota civitate ita est meritas ut superiorem habuerit neminem, parjßs admodum paucos; si quisquam omnem vim et potestatem mortis evasit amplissimse famae celebritate, si quisquam gloriain suam seternitati consecravit: certe is est PARENS TUUS, in quo hoc propemodum erat minimum, quod in viris alio- quin magnis summum!'' Nach diser stilistischen Gewaltprobe des Straßburger Gelegen- heitsdichters — er muß yile änliche specimina eruditatis ans Licht der Welt befordert haben, denn in seinem Schriftenverzeichnis nennt Strobel auch einen „Elenchus eorum ad quos unquam mea carmina scripsi. 1639" — wird man es mir hofiPentlich verzeihen, wenn ich bei den nachfolgenden Mitteilungen aus den 44 Quart- seiten einnemenden Versen nur die Stellen hierher seze, welche einiges Interesse in Anspruch nemen können. 190 Bebisu Ampla jacet regio, ad Septem ponrecta tnones, Eriffit hsßc fama capnt et se immiscet Olympo; Dives opnm froctaqne potens atqne nbere gleba, Foeta viris pariter Talidis pariterque peritis, Nobilibus olara ingeniis^ quascunque per artes Ire libet, nee non Btudiis asperrima belli — Slesidos appellant oras tractumqne coloni. Objectu laterum gemini alta mole minantur In coelum hinc atqoe hinc montes et sidera lambant odera fluvina Vertice ; tum mediam pellncidus Odera terram Mordet aquis, fractseque boant in margine voces. Amplus conspicitur iricas tellure sab ista, Faiekenberga FÄLCONUM indigenis olim de MONTE vocatus, Pingue solom densisqne babitata mapalia tectis Qui tenet et latas segetes et ovilia malta. Heic qnondam sedeg et prsedia lata colebat Spectatam vallisqae atqne altis turribus arcem GeorginB Sebi^iw Clams avis proavisque atavisque GEORGIVS iUe, nie mei gemtor, versa qnem canto, SEdIZI etc. [3] . . . . Quattuor hie duxit social! lege maritas, E quibus est auctus numerosa prole, beati Ut natis octo numerum superarit Hiobi. De quarum (reliquas cansa bonitatis omitto) (^tharina Ooiccu Qrdine tertia erat CATHARINA OCICGIA, felix tertia nxor, mater j x x • •!_ • Sebisij iNon ortu modo^ quod stantes in curnbas aureis Migores longo numeraverat ordine; felix Sed quoque virtutum donis illustribus; ornant Qu8ß matronarum decus, interque sethera ponunt. ^rtSwnbeJ^^M' ^^ Natum genuere suum, quo tempore QÜINTÜ8 1639 CÄB0LÜ8 Imperium viginti rexerat annis etc. [6] . . . . Quippe diu lüde in patrio non substitit, altum SedJBEIG^ prius, hinc NISSiE, tum nohileBBESLJE Palladium subiit, miris progressibus auctus Hart. HeivigiuB Ingenii, HELVIGIO et claris doctoribns usus. Niuen. praecept. ^ ' Sebis^ .... Namque ubi firmavit recto vestigia gressu [8] MELCHIOR et sensit tingi lanugine malas, Impatiens torpere domi pultem inter et ollas, Grober agit secum, patrios qua linguere posset Sorte lares et regna soli lustrare remoti Et yarias populorum urbes et discere ritns etc. [10] .... Urbs antiqua fuit (Mysi tenuere coloni) M co^ert^ifi^ LIPSIA, foeta viris, vario pulcherrima onlto, 191 Merco potens anroqtie, tmprimis decUta Mosis. Haue pede non segni coDtendens MELCHIOR ibat Tempore qao Imperii prooeres, exosa Papatam Foedera^ Numburgi coierunt ad vada Salse, Falsa Tridentmi damnantes sacra synedri etc* [11] • . • • Qua simul ui Yenit, Tetemm de more reoepto Gorniia deposuit, orebris dein paseibas altum Visit Athensenm et magnos audiyit in illo Auditdooentemio- Maroosqne Crassosqne et fcetos arte Gatones — uchhm^^e- rj,^ ^^^^ imprimis CAMERARI maxime, tota Gnjua et elogio et meritis Germania claret etc. • • •' • Sed jam oessit hiems tepidis splrantibns anris^ [12] Verqae novom snbiit Yariisqne^ coloribus agros Pinxit et herbaram et flonun decoravit amore: Oestiit en itemm Mysonim linqaere tractus MELGHIOR et lastrare alio sab sole jacentes. Andierat forsan magnnm et memorabile nomen, Flnviomm pater et magnamm rector aqaarom Allalt irrigao qaam mnrmare Rhenus, et Elli Piscosi Brascffiqae vagas pellabitur amnis, AR6ENT0RATI; veteres hao voce Treboci Indigitant orbem. banc ergo petit alite curso, Tempore Oallornm oblatas qao samsit habenas, Gftroitu coronaiar Soeptra, thronam circamqae capat sablime coronam ' Argentor. vMe CAROL VS armipotens rex atqae hoc nomine NON U8, descriptio Cujas abi primom yicinas appulit oras, Miratur longum qoingentis passibus illic ' Et longum supra quingentos mille bicomis Sublicium Rheni pontem: altis moenia yallis Fossasque obstantes et propagnacula bello. Ingens miratur templum et mirabile yisa Et turrem, qusB summa inter capat sethera condit Qaseque toreumatibns pictisque iocisa columnis Tota patet lud et leni est perflabilis aura, Et oono insignis gale» et testudine circum Quadruplici septa et nullo violabilis ictu. lam pingues miratur agros campumque feracem, Ubertatem amplam segetum Bacchique liquorem — lam merces et opes et multa negotia vulgi, lamque forum canosque patres sanctumque senatum, Robur et armatas adversa in prselia Yires Nee non et cultam et fidei pia symbola verae. todi£i%iiS^u. ^^^^ Lyceum augustum, ingens, quod 8TÜRMIÜS alto •träte Exoitat ingeuio, eloquii pater indjrtus ille, Qui solios LatisB manet et facandia linga» 192 Et decas et pretium antiqui Ciceronis ab sbvo. v*j^^3^oun. Qain et ERYTHR^ÜM naturaß arcana docentem, Heriinai ' Et DASYPODIDM monstrantem sacra Mathesis, HERLINUM et maltos miratar in ordine patres. Heic, HOTOMANNE, toi subüt cosnacula tecti FnnciBCTu Hoto- luDxitque hospitio deztras, Genitoris amicum ^"^^ AgnoYit Teterem et grata considit in sßde. [13] Salve, ait, o salve interpres clarissime Iuris Unice nunc rector stndioram HOTOMANNE meorum ! nie salatantem vnlta snscepit amico Et mensam dedit et castis accommoda Mnsis Tecta, nee oranti qaicquam SBgrä fronte negavit etc. • • • • LanrentiiiB Tup- Imbibit EunomisB fontes legumqne bonarum, pini iji^ facilem monstrante viam, pater inclyte TUPPI. Accidit hinc autem Gallornm ut abiret in oras Hospes et Alsaticia prorsns valediceret arvis, Qoippe Senatoren! res in sua regna vocavit. Unde novom hospitium SEBIZIÜS ire coactos Hiero^rmi MASSARII intravit (qnis enim non nomina novit?) Mu^oezuM ntitiu Sommi tecta viri, nee vel Thalete minoris Vel Goo sene vel Gelso vel Apolline prisco. Tot tantisque viris toto celeberrima mundo Glamit Argyrope, variis qui laudibus astra Gompleront ratilamqne domum* qui Solis atramqne, Occiduasque piagas ortasque rnbentis Eoi. Martinns Bucerus iji^gQs^Q^QmQ ecqals enim poterit nescire BUGERÜM, ^°^- MiJb!^^^* MARBAGHIOS nescire et sancti nomina PAPPI, loh. TauJGrer Et prssmatura TAUFRERUM morte peremptum, lufltiui Meyenis MEIERÜM, GODGFREDÜM et magn» lucis Dionys.^Godof.ae. -. OBREGHTÜM lo. öuiBtherinB GÜINTHERIÜMQÜE, übiorum olim de gente Andemacna « , profectum, ^^Suuyt^''^' ^^^^ HAÜNREÜTERI meritanim encomia laudum ? Qnique vices bis sex Rectoris snstnlit annos Meich. lun. lüNIADEN, pietate gravem linguaqne disertumi Mulcentem dictis animos et corda regentem: Ut qui conspexere virum, mox anribus olli Astiterint arrecti omnes biberintqae lepores Verborum et mirum suadse felicis honorem?? Glaret adhuc eadem — Superum sit gratia regi! — Qui gestaut coelum Musarum, Atiantibus, alis: Thom. Weg. Gerne mihi siquidemWEOELINUM, oerne Themistam oasp-BitocA. BITSGHIÜM et Hippocratem SALTZMANNÜM lo. Budolph. ^^ . . Saitam. ceme, vel ipsum Os similem nomenque humerosque et cuncta Parenti Meioh. BebisiiiB, [14] Gerne SEBIZIADEN| medici gTQgis incrementom. 193 BJärtsSir E* RIXINGERÜM AGERIÜMQÜE: interque nepotes Nio. Ager. TuUi iUustre decus multoqne idiomate doctum, Imperium qaamvis notum intra extraque, quid inquam Imperium ? notum inmio extrema ad littora Thulae — MatthiM Bernegg. BERNEGGERUM, animique tamen frontisque modestum! lianrentius Gerne duoB fratros, montosa VALESIA nomen ^om*. Wam^eri,' QuGis dedit — hunc miris vincentem cantibus Orphea Ute Eth. piof. hie jQqi;i£^Q^QiQ angelicosque sonosy de moribus illum rim. Scribentem; atqne aÜos quibus est Academia felix. Fortunata domus tarn clarse patria gentis Argyropel vix ulla tuis urbs audeat astris Se conferre, omnem complesti lucibus orbem! Ergo ubi contenditGallorumHOTOMANNUSad oras, Interea fido Rectore SEBIZIUS orbos Linquitnr incertnsque sui, quibus artibus aures Atque animum daret, ambiguo conamine pendit etc. koBpitis Lortata tamen inetar Numinis ubu« sebiz.medioinajm Liquit inexhausti tractare Tolumina Iuris Sclre potestates herbar um -usumque medendi Maluit et' variis didicit succurrere morbis etc. [15] .... lamque ubi trita fuit bis frugibus area et annus Tertius accessit, novum iter meditatur et illud sebis. Lntetiam Felici tandem cursu SEBIZIUS urget; Ad Gallos etenim, qua magna LUTETIA floret Urbs orbi slmilis, toto celeberrima mundo, Ivit et optatos jussit salvere penates etc. abit 1663 BirltDger, Alemannia YI 3 Quid memorem turbam obstantem gressumque morantem? Quid monumenta loci? quid celsa palatia Regis? Quid rerum cumulos et opes, quse diyite cornu Per plateas passim spectantur? nomina tantum Magnornm attingam paucis nonnuUa virorum. Heic SACROBÜSCUS vixit, vixere BUD^US, LOMBARDUS RAMUSQUE et CARPENTARIUS, auroque AURATUS meHor, C0MINEU8, LAMBINUS et artis Pseonin» DURETUS honor, GUILLONIÜS acer Atque SALINAOUS nee non TURNEBUS et ipse RONSARDUS patrio excellens idiomate vates. Quos magna de parte sibi contraxit amicos MELCHIOR et dulcis vitsB ornamenta, quibuscum [16] Tota ssepe die meditando exercuit Loras. 13 194 Ex tarnen hig RAMO yixit conjanctior usu, Namqae Viro luTenem insig^i virtnte yalentem STURMIUS, Argyrope colamen sublime, fideli Hubert. Luigaetni CommeBdabat (enim dignus fuit ille) Gamena. GaiL^LegattS* S«d neque LANGÜETÜM taceam , qui Saxonis ori« ^bi«. auMt Ambr. Migsns ab Ensiferi Gallorum vixit in aola, Regina. Nec regis Ghirargnin ingenti laude PAREUM, Qneis simnl ao MELIOR jncundo innotuit usn: Herum anctns monitis medica perrexit in arte. Atque iterum mesBor flavas bis legit aristas Et bis calcatis maduit vindemitor nvis, 'dminm ^^ LÜGDÜNÜM insignem porrectis arcibus urbem — Quam Rhodanns yelox, Araris quam tardior ambit,— loh. Banbinns Bo- Appulit et maffuo BAUHINO ^) in tecta yocanti tonicus historiam „** ..,. j _. ** j ,.. . ..• i,. herbarnm coUigit. Hospitu dextram dedit et conatibus altis ^* ^^titoT^***** ^^^^ ^^^7 varias quando coutexeret herbas. Quod cum perfecisset opus felicibus astris lacob Daiecham- Teque, DALECHAMPI, medicorum nobile sidus, piu8 PUnlj choli- a ^, . t»,. . j 4. . - ' astes, medious, bo- Audisset Flinium doctis exponere verbis, ^^"^^^^^^B^^^^'^'Rursam iter instanrat vehiturque feroce caballo sebu. libit Mon- Usque PÜELLARÜM loca quae de MONTE notentur : tem Pessulanum ^^* , 1 t> •» k t vuigo Mompeiiier. Qua simul ex alto randata Academia colle, Imprimis numero Medicorum' atque ordine felix. ^"^"bSS?" ^°'*' Namque ibi lOÜBERTÜS docuit, docuere SAPORTA, ▲ntonins »Sporte FENENUS, SALOMOQUE et RONDELLETIUS, Fenenns * lac, saiomo omnes ^'^"dlS'et^**"" ^^^^ Apolline» decus indelebile nati. Tot tantosque yiros magno sectatus amore Noster erat MELIOR (vel tanto nomine dignus), Inque diem inque diem doctrinam dotibus auxit etc. • • • • Sedulus occepit tentare animantia ferro [17] Et docta resecare manu, membra omnia carne Nudare et nexas compage resolyere fibras etc. • • • • ' Sed ÜBiciles habuit tomicis in rebus Acbates bSmSS^^sector Q'" *«c*»Ki ostendere viam: CABROLLIÜS alter, Anthonin. ohai- Alter CHALMET^US erat, famed agmine fortes, Ambo feüces et docti bis laudibns ambo etc. [19] Monstrum borrendum, immane, infando nomine Papa Belliger in €rallos jam tum rigida arma movebat. Ipse tenebatur cinctus MONS PESSULUS atro Obsidio et circum buno stabant denso agmine türm» etc. * 1) üeber Johann, den Son des altem Jobann und Bruder des be- rümten Kaspar Bauhinns s. Ersch und Gruber I, 8 S. 189. 195 Qaem quo ferrato serraret Marie, potenti Prosidio armavit loDgisque oohoridbus arbem: Hob qnoqne miles erai SEBIZIUS inter, aheno Thorace indntus clypeoqne annatus et hasta eto^ [20] .... Interea — nam non animo decreyerat omnem ißtatem diure Marti et se subdacere Masis *— • • . • Argyropen rediit stadiisqae addictns inhsesit. Ne tarnen ignoret regum quid agatur in aulis, Discedens petiit NANGAEI moenia castri, Ma^fica viyit qua dax Lotharingius aula, Imperat et firmas regni moderatnr habenas etc. [21] .... ^^^ berg^**^^ Ergo Palatinam tendit non segnis in nrbem. Qua gelidi viret ad Nicri fundata fluentum MYRTETUM, et Glariis fert otia grata Camenis; Utqne magis Medioa clareret Apollinis arte Med. Heideib. lUnm lUum insignem profiteri audivit ERASTDM, Oantatum terris famaque sub »thera yectum. Tertio redit 1669 Post iterum Argyropen, et ab hac patria arva ireversus MELCHIOR, adventu charos hilarayit amicos etc. .... p At non^lnm pectos satiaTit amore videndi eu Hattb. Beb. Terrarum popnlos : Italas properat ad oras ! Bwg?Äateo [22] Cui sese adjunxit comitem MATTH^ÜS^ et idan itoi. petit Artis erat medicse cultor, SEBIZIUS idem, Principis et quondam Archiater Breg^nsis in aula etc. • • • ♦ Quid medioos dicam, queis se bis conjunzit in oris? Hier. Hero. MERGURIALEM et AQUA quem de PENDENTE Yocabant mer. Fabr. FABRIGIUM, Ulustrem STEPHANELLUM, altumque BS^Pat!* PATERNÜM Nicola. NiooUnui Et NICOLINUM • aliosque patres liliosque Galenos? [23] Gsesaris interea Romani agitante Monarch» Oom. Bpirae ba- Auspicio Imperü proceres coiere Senatu biuis70a.Hax.n.]|y[iigiiimli]iOy Nemetum in tractu qua SPIRA rigatur Rheni abenntis aqua, cursum illuc protinus urget Visendi studio MELIOR, jamque appulit oris Alsaticis jamque Argyropen illabitur urbem Ante celebratad quam yenit pergama Spirse. Hanc autem ingressus yidit longo agmine facto Dis genitos, Septem summo jurata Monarchse Numina, primates Aqnilseqne biverticis alas Augustosqne duoes missosqü^ ex urbibus amplis, 196 Imperii heroes, quin diyi CsoBaris' ora iEMYLII MAGNIy terrarnm pace regentis Glimata et infracto moderantis tramite mundam. däSKuäb?oi?^Hiß ^^°*« *®"^^* ^^^^^^ munere Divas: IX. OaU. et AnnsAmbse nupseruDt magnis qusß regibas isto ^^' nSpt J""^* Tempore, nam Gallo ELISABE, Domino ANNA Pyren». At quia jam famam nitidis eztenderat astris seb. aaiioQs iit MELCHIOR, ELISABJB sabito pervenit ad aures : oai. EUsabethae Ad sese ergo vimm Yocat et compe^at amico AUoquio, nt magnse Reginse assistct^et aola. Lutei. abit. üle rogantem audit sequiturque fluentis ad amnem Seqaaose, et Asclepi partes indastrins andet. Hinc autem venia dimissns rite *rogata, insp. iit Yitae et Additus inspeotor pradenti mente duobus %t Matthaei Log/ Fratribns, antiquo LOOIORUM stemmate natis, ^^il^kureulm"™ Q«» jacet.ad Ligerim validis AÜRELIA portis Ivit, ibique nnum ferme duravit in annum. His tarnen in patriam felici sidere versis, Reyert. Montem Miles ubi quondam faerat migravit in arbem, eMaannm -^^ übrosque sQos, quoB liqnerat ante, petitom. Gietera prsetereo, qusB regna SEBIZIUS ivit. • • • • Namqae omnes qnos Rhenus obit, qnos Savns et Ister Et Nicer et Moenus, Scaldis, Lysa, Vistula et Albis, Intravit popnlos, ssevi qua Pamnonis ora, Bojommque jacet tractns, vivontque Bomssi etc. [24] .... , Ecce Machaoniis decedere noloit arvis, Sed lanrum gerere et sammnm medicas artis' hoDorem. Seb. Talent, so Nam vetns ad Rhodani fundata VALENTIA ripas con er GonspicitoT, qucndam Latus habitata colonis, Nunc Gallis exculta, et opimo fertilis agro Musarnmque domusj toto celeberrima mundo. Hanc, ut ApoUinenm capiti mereatur honorem, Ingreditur votique bilari fit pectore compos. Namque ubi solennis pomposo Academia ritu Seb. Talent. Med. Gouvenit, uuanimi DOCTOREM voce salutat etc. Doot. crea. Oancel. pq ^i loh. Monlncio 26. M«>J • ▲ugneti 1571 Aimuit Aonidum chorus et MONLÜGIÜS ipse Qui Phoebi vice prseses erat rectorque Senatus. At rursum in patriam meditatur vertere cursam. . • • • Qua(m) simul ac tetigit salvo pedeMELGHIOR^ annia GrandibuB effoetos fatali lege parentes Sublatos yidet, et lacrymis humectat ocellos Et patris et matris Ingubri carmine manes [26] Plofat et ad mcestos lapides saspiria libat. 197 Neo mora: qnod charis erat äle parentibtis orbos, « • • • ' ARGENI^INAM igitnr repetit, loca commoda vitao Unica, ubi maltos Pylades fideiqne probatae Pirithoos notseque habuit pietatis Orestas, Viyere quos inter votis tentabat et ansis; Immo sibi castam sodali lege maiitam lungere, nam Septem annonim jam Instra peregit etc. • • • « [27] NoD^procul binc igitnr sommo moderante Monarcba Foeminei matrona cbori non infima, morum Exemplar pietatis amans castique pudoris, s?wz» uxorem du- jyit in amplexus teneros ESTHERA SEBIZL am loh. Hiigii. Qnse pnus HERZOGIO nierat vidaata manto, alFgerioSiSiiJ Prognata HÜGIADUM celebri de sangaine, neptis TiduMn lohjn/ GEIGERI, qui Consul erat clarissimus urbis Herteo^. 1674 • • j x i. -x «i. l Argyropse, ommgenis dotata nitonbus uxor etc. [28] ... . Acre Viri ingeninm curamqae HA6EN0A fidelem Aadiit et felicem operam; quapropter in urbem Hunc Yocat et meritis donisque feracibus äuget. Post iterum Argyropen sancto suadente Senatu Tendit, et heic tandem fiza statione moratur, Sebis. Archiater Douec ad extremum vitsß cunctantis agonem : etiam^Profemo?. Archiater primum optatns, Medid inde Professor 1686 Dogmatis unanimi Totorum fine creatus, Inde Dncnm Medicus Comitumqne; nee nnius inde Ordinis est faetns felici sorte Macbaon etc. [29] .... Quid referam Itbros medica guos scripsit^) in arte, Dogmata Pseonii gravia enodata Galeni, Herbarnm et fruticum vires florumque yigorem ' Et lapidum intemam virtutem aptamque medendi Doctrinam et matris resecandi e viscere foetum? Quid ruris cültum? quid agrorum debita dicam Officio^ agricoUs studio eaercenda fideli? Onmia qme doctis hunc vidimus edere lihris Inque voluminibus, lingua donare paiema: 1) Bandglosse: y,Sebiziu8 JSieron^i Tragi herbarium auzit — YII. libro8 Bcripsit de Agricultura — Fr, Boussetum fie partu Csesareo in vemaculam transtulit.'* Vgl. Haeser, Geschichte der Medicin I ' S. 519 Anm. 5. Das Berliner Exemplar der Sebizischen Uebersezung v. 1583 var leider vor der Hand unau^ndbar. Dass der ältere Sebiz Schriften über Galen herausgab, ist mir nicht bekannt; auch Hoffmanns Bibl. Lexicon U weiss nur Ton seinem Sone. 198 Tanta fiiit pietas illi sab pectore, natum Ut minime esse sibi, ast aliis natnm esse putaret; Neo Bua proveheret sed publica commoda, more Non pigri fosBoris opes qni fodit in agro Gommissas, sed qui vaqos aptavit ad usus Bestitaitqne suo pingui cum foBnere regi! Interea Conjax non ona prole {farentem Fecit: enim ondecies folgente paerpera parta Decubnit, toties juvit Luoina labores. • • • • Filia prima fiiit, fnit ultima filia, nati Has inter venere noyem — res mira relatu! etc. [30] .... Atque aliqui rerum didicere negotia^ magnis Principibus seryire aliqui, servire Senatui: Unicus, et nomen qui gestat et ora Parentis, MELCHIOR in medica excellit clarissimus arte etc. • • • • Sebia oanoniouB fit Quid dicam excelflos quibus est subvectus honores? oouegy Thomani Nunc iUum sacrf annumerant CoUegia THOM^, Nunc sibi solenni RECTOBEM Academia ritu Eligit et sceptri augustis dignatur habenis. ^S^enf^au^tlT* I^»^*ö potestatcm Divo nunc C«jare npstro DivoiFerd. H. Palladio, ille subit cana gravitate DECANI Munia, Pseonii conoedens prsamia montis. Longa senectutis quid dicam stamina, raris Visa yiris, vegetumque animum neo tempore * - ' V- -■ firactum? etc. Sebizij aetas 86.] L^^ I • • • • annornm. Tu tamen baud unis e millibus une SEBIZI, Tam vegeta in seras duxisti tempora messes, Lustra decem septemque absolvens stamine lustra etc. .... Qnis tamen ignarus Tivit Tacunsque malorum? [35] Quis caret serumnis? com dici nemb beatos Ante obitum possit supremaque fhnera. vastos Sicnt enim tangunt radiata tonitma.montes, Nimbus agros, segetes und» rapiuntque bidentes, Estque nihil certum iatactoB tutumque salutis, Atra ubi tempestas exturbat nubibns aequor: Sic nemo humano yivit de sanguine cretus, Qui non innumeris fortunae obnoxius ins Yivat et expectet momentis omnibus atras Fatorum diras, infestae nescius horse. Talis enim feriit simul atro corda SEBIZI Sidere tempestas: ssevo mors invida rictu Aocedens rapuit mediam de pectore partem 199 ESTHEBAM, vit» sociam leotique jugalis! etc. [37] . . • . lam gravibus fessns curia tremulaqae senecta Grandffivus genitor tardum sab pectore sangaen Sensit, hebescentes vires gressnsqae labantes etc. [40] .... Nee leti instantis pnnctnm ignoravit, acu quod Et Teluti digito nnmerabat et ostendebat: Mirom et inaaditum facta! conolavia signans lam cruce, se saper hsec nosquam signacola dixit Egressuram, anima patriis nisi plaadat in arvis Ante Denmqne thronam miretar et astra regentem. ^*iuS* W26' ^^^™*» ®* aonorum satnr exspiravit ßt alta Spe nisas Domini mentem concredidit alnis, Nee sensit daros ezangui in corpore motus etc« Steglitz bei Berlin. GamillasWendeler Zur Alemannia (Bd. VI S 66.) Das in Nürnberg 1518 von Sehr eyber oder Grammatens (Rechenmeister in Wien) herausgegebene Rechen- büchlein ist wol 1532 daselbst in einer neuen Ausgabe erschinen. Ich besize nämlich ein Rechenbuch (leider one Titel) ,,6etruckt zu Nürenberg bey Johan Pretreio (so!), im jar nach der gehurt Christi M. D. XXXII.^' Allem Anschein nach ist es eine zweite (oder dritte etc.) Ausgabe des von Schreyber: so ist z. B. die Vor- rede, von welcher mein Exemplar noch den Schluß hat, datirt „Geben zu Wie ü am 26. Jun^, Als man zalt nach Christi geburt 1526"; auch sind 5 Speoies (Numerirn, addirn oder summim, sub- trahim, multiplicim und dividiren) angenommen, wie bei Schrey- ber — von dupliren und medijren heißt es E iij: „Dupliren heist zwifeltigen, ist nichts anders dail ein zal mit 2 multipliciren. Medijren heist halb machen oder halbiren, ist nichts anders, dafi ein zal in 2 abteilen. Dieweil nun diso zwo species (so sie dar- for gehalten werden sollen) im multipliciren vnd dinidiren genug- sam begriffen, hab ich jhr mit fleiß geffchwigen, wiewol man beim halbiren, von mehrer füdemus wegen, etlicher maß andere wort brauchen mag, als beim diuidiren.*' Von den anderen Rechnungs- arten enthält das Buch allerdings nur noch die Regula detri und die „Practica oder Wellisch Rechnung'*; aber der Vf. erklärt in der Vorrede, daß er die weiteren Rechnungen später als zweiten Teil neu bearbeitet herausgeben wolle,' wenn der erste Beifall finde: nDann so ich danckparkeit empfinde, wird ich geursacht den hin- derstelligen teil meins offb gemelten b&chs die Cofs inhaltend, widerumb herfür zu ziehen. Den selbigen an orten, wo es von 200 nftten ist, nit allein endern vn oorrigim, sonder auch mit sichtigk- licher demonstration, einem yeden verstendig, auch mit vorhin vn- erhörten künsten gespickt, ench allen auf ein nenes mit zn teilen/^ (Bd. VI S 68.) Weinkanff fürt nnter den Anleitungen zum Briefschreiben auf „New practicirt rethoric vnd brie£Fbrmulary des adels stetten vnd ländern", die von Heinrich Geißler von Freiburg verfaßt und zuerst in Straßburg 1493 in fol. erschinen sei. Die neueren AuGfgaben sollen von 1502 an, imter dem Titel „Formu- lari vnd tAtsch rethorica" herausgekommen sein. Ich besize ein Werk (fol.) mit dem Titel ,,FOrmulare. vnd Tutsch rethorica'^ Am Schluß: ,,Volendet nach der geburt Christi vnsers herre als man zalt M. GGGC. xcij. ior. G. bist von S.^' Also schon 1492 kamen die Formulari und Tutsch rethorica her- aus. Es bedarf sonach einer genaueren Untersuchung, ob zwei Werke des gleichen Titels erschinen oder ob die seit 1502 herausge- kommenen ein selbständiges Werk außer Zusammenhang mit dem Geißlerschen sind^). (Bd. VI S 68.) Schon aus dem Anfange des 15. Jarh. be- sizen wir einen lateinisch-deutschen Briefsteller, wie es scheint von einem Zugehörigen der Universität Erfuii, der aus Süddeutsch- land stammte, verfaßt. Er findet sich in einer Handschrift der Bibliothek zu München (Glm. 7676) und ist von Dr. WSchum (Ein Thüringisch-Bairischer Briefsteller des XV Jarhunderts u. s. w. Halle, 1875) herausgegeben. Die ersten Briefe in disem sind „de filio ad patrem ut sub- veniat sibi in suo studio" und „responsum a patre ad filium.^' Ich besize handschrifblich Briefe änliches Inhalts (gleichfalls lateinisch und deutsch) aus dem Ende des 15. Jarh.; sie sind für die Schule zu Butzbach (zwischen Gießen und Frankfurt) abgefaßt und tragen fast alle die Unterschrift „ex Buczbach, 1488". Es sind 5 Briefe „de filio ad patrem'* (der Inhalt dreht sich um Geld- unterstüzung), dann folgt ein Brief von Aeneas Silvius an seinen Neffen Antonius mit deutscher Uebersezung, am Schluße stehen zwei kurze Briefe one Uebersezung „de socio ad socium'^ und „epistola presens iucunda que retrograde amicabilis antrograde vero hostilis est." Da ich die Mitteilung besonders meinem Freunde Weinkauff (aus Kreuznach) zulieb mache, so gebe ich als Probe einen Brief aus meiner Sammlung, dessen Verfaßer bei der Beise nach Butz- bach in der Nähe von Kreuznach jämmerlich durch Räuber aus- geplündert ward. Er lautet: „Johannes Alzencia. Myn dynst allezyt bereyt. Vor dieser zyt, gar lieber vatter, dyr hab geschribbenn gar frolich schrifft. Nu gydt vnd zwingt vnglick ich dyr truerlich schribenn muß Szo ich zu lest hat entphangenn die ij guldenn zcu Alzencz vnd hat 1) Bd. VI S 112 Zeile 17 von unten lis gelegen statt gelesen. 201 gedacht widder geyn Bnpzbaob mit mynen gesellenn vnd znhant qwamen wyr geyn Graczenach mit eyn ander, nit enweiß wie vns daß vngluck engegenn wehet, vß vnuersehenn sachenn kommen iij rauber, ymbgebenn vns Tnd beranbenn yns. deß habben ich nit verlöre alleyn die ij galdenn Sonder myn ander gerede irnd bacher. Adder doch wie dem allenn, jch waß ßo fro dz ich mit dem libe da von quam vnd deß fran dich anch mit myr. Vnd sende mjr myt diesem ander zemng Szal ich anderß zaw Buczbach blybenn. Gebben aß- Buczbach jndem 12 tag deß monatz Julij/^ WCrecelius Das grofze Rottweiler HerrenscMefzen anno 1558 Yon Lienhart ^lexeP) Die ordeliche heschreibung des großen herren schießen^ des gehalten worden ist in der hochheruemten statt JRottwell als ain glitt vnnd statt des heiligen Beichs^ wie alle sach ergangen ist vom anfang hiß zum endt in ain Reimen verfast durch lAenn- hartt Flexel als ordelich heschriben, wie hernach uolgt: 1558 jar. Hörtt Ir herren^ firawen und mann, Die göttlich Triualtigkaitt Rueff ich ann, Maria, die hymlisch kynygin, Das mir verleich gnadt, witz vnnd synn, ^ Ob ich mitt ehren mocht bestaun Gegenn ainem Wolgebornnen Mann^ Auch gegen ainem Ersameu Rath, Wann das gedieht sy baitt angadt. Wie ir wertt hörn in meim gedieht 10 Also wartt ich das unnder rieht : Was gschechen ist vor alten zeitten Da ich das hörtt, wolt ich nitt beittenn, Dann ich wolt haben ain rechten grundt. ' Wartt mir getzaigt zu dißer stundt Ja gar ain altes, schönnes buch, Ich laß darin vnnd habs gesuecht — Ain Buch von aynner alten statt, Was sy ir Tag erstrittenn hatt 1) Papierhandfichrift 23 BU. Text, 32 BU. Wappen, Fanen, 4«. Rottweiler Gymnasialbibliothek, mitgeteilt von Prof. Dr. Johannes Ott daselbst; Abschrift von meinem Zuhörer H. von Collen, cand. phil., der die sämtlichen FleseVschen Schüzenfestbeschreibungen einer sprachlich und litterarhistorisch eingehenden Untersuchung unterzieht und seiner Zeit veröfientlichen wird. Ygl. ühland Schriften 5, 299» ff. 299 ff. Yerzeichnis der Elädenischen Bibliothek, deutsche Litt. u. alt. Drucke, Berlin 1868 S. 18. Gedruckt sind das Wormser und Wie- ner Schießen. 202 Die ligt am Neoker inn aipem Tall, 2.0 Da trueg sieh zae groß Krieg ann Zall Mitt mortten, rauben Tond mit prandt, Das ihett denn framen herren anndt; Dann großen Krieg honnt sy erlitten, Gar mänlich vnd gar kegckhlich gstritten> Das lüessan sy den lieben Gott walten, Forcbdant (d') statt mochdans nitt erhaltenn, Da sy bordant von soUicber Nott, Pbendt suecbdant sy ain annders Ortt Ain scbönnen Berg hooh anßerkorenn. 30 Die herren haben zusamen gschworenn, Bey ein annder laßen leub, ehr vnd gntt. Wie man zu Eipllicher handlang thntt, Vnnd habent Gott gar woll verdrantt, Ain statt an£f ainen Berg gebautt, Rottwell am Neckher ist sy genandt. Die statt ist weitt und fer erkandt Unnd ist ain alte bemembte statt, Wann sy also denn namen hatt, Ligt auff aim berg gar fest vnnd stedt^ 40 Ain tiefiPer grabn ryngweis drum gedt, Denn selbenn hab ich woll beschaudt, Kain graben honnt sy nie gebaudt, Das hab ich inn der Cronickh glessen, Die greben seint all vor geweßonn, Dartzue gar manigs tieffes Tall, Hynaus mochdans schießen vberall. Das kam den feunden zu kaynem frumen, Kain leger dorfft darffier nitt kumben. Noch hett ain Ersamer Bath kain rue, 50 Trey vorstett baudans auch dartzue, Sy honnt sy allenthalb woll bewardt Vnnd kaynen kosten gar nitt gspardt, Das ichs auch kuertzlich hie bedeitt, Darmitt erhieltans lanndt vnd leudt. So merckhant weider^ was ich sag: Die alt statt stedt noch aufiP dissen tag Ganz unverhörtt vnnd vntzerstördt. Das hatt ain lannge zeitt gewertt, Vnnd ich in Sachen auch nitt lieg, 60 Da erhueb sich erst ain neuer krieg. Den selben will ich recht ertzöUen: Ain Bömyschen kynig thett man erwöUen: Kynnig Com*adt aus dem Schwaben landt. 208 Daa tbett aim hdrbsog vonn Sachsen anndt, Lothary was der Name seia. So hörtt, ir günstigen herren mein: Dammb hneb sich groß stirmen nnd streitten, Ynnd ist gescheohen zu dissen zeittenn, Da man hatt zölt anlliff hundert jar 70 Vnnd sechs vnnd dreißig, das ist war. So hörant dasselbigea hörtzogs synn, Er sagt im ab, zng vber inn Mitt höres Erafft, wolt in vertreiben, « Inn seinem lanndt wolt er nitt pleibenn, Er zng mitt grosser macht vnnd gwalt. Das erfner der edel kynig halt, Macht sy halt anff zng wider inn« So hörant des frumen kynigs synn. Dann es was im vmb lanndt vnd lendt, 30 Dammb wolt er Inegen bey gnetter zeitt, Wo er inn aynner fest mocht pleibenn, Ehnndt denn vonn Sachsen anch vertreiben. Wie woU er muest fliechen ans seim lanndt. Kam anff ain schloß, ist mir bekanndt, Gein Hochenbnrg inn das £ftste haus, Daselbs wolt er sich weren drans. Lothary dem was also gach. Er zng dem kynig schnell hyndennach Mitt aynnem sollichen großen gwalt, 90 Das erfofir der herr im schloß gar balt. Kam zn dem kynig vnnd zaigt ims ann. Er sprach: ach lieber, wie mues ich thain, Das ich vor sollichem gwalt mocht pleiben. Der mich will ans dem Reich vertreiben. Der Oraff der hörtt von sollicher Nott, Er zaigt dem kynig ain annders Ortt. Er sprach: so fliechant schnell vnd baltj Ziecht inn ain statt vor dem schwartzwalt, Vnnd das es gschech inn schneller eyll, 100 Die selbig statt die haist Rottweyll Vnnd ligt ann aynnem festen Ortt. Alls halt der kynig das anch erhörtt, Er zng zn inn in fluchtiger eyll. Da kamen die herren vonn Rottweyll, Endpfiengant den kynig vnnd sein höer, Sy erbudant im vill zucht vnnd ehr. Eaagt inne sein nott, die er da hett, Vnnd wie inn der vonn Sachsenn thett, Er zug im nach, wolt inn veriagen, 110 Vnnd thett inn all sein kumer klagenn, 204 Oott wolt er alle ding lann waltenn, Ob inn Bottwell nicht mocht wbalten Vor Bollichem gwalt vnnd übermatt. Da sagtans im zne leib, ebr Tod gatt, Bey im zu gnessen vond zu sterben, Sy woldant preiß vnnd ebr erwerbenn Ynnd im ancb fristen sein leib vnnd gutt. Das nam za bertzen das Edel platt, Zag inn die statt aoff ir zasagenn. 120 Lotbary tbett das leger scblagenn Woll füer Rottwell, die bernembte statt, Die sieb gar ebrlicb gebaltenn batt. Er lag darvor ain lannge zeitt. Ayns mals baeb sieb ain großer streidt, Die berren bieldant ainen Ratb Ynnd macbdant ain lermen in der statt. Die feindt die bördant von sollichen sacben, Wie halt thain sy ir Ornnng machenn, . Wann inn kam gar ain großer grauss. 130 Die bürger fiellant zur statt bynauß Vnnd kament inn ain tieffes tall, Das was des feundts großer ynfall. -Die sacb die mocbt nitt werden weger, Vnnd fiellant im bynden in das leger, Sy stacbent darnydert vnnd scbluegantzutott, Da hörtt man jamer vnnd große nott. Man Sachs hamyscb gein bymel aufspringen, Aynn Läufig tbett auff den andern tryngen, Der kynig wolt auch nitt lenger beitten, 140 Fiell aus der statt aufP ainer anndern seitten, Alls halt er sollicben scharmytzell hörtt. Er fiell ins leger ann aim andern ortt Vnnd griff den feundt gar dapfer ann. Gott gab im glückh, das er sig gwann, Vnnd alls ichs warlich jetzundt melt, So gwung er die schlacht vnnd bhielt das feit. Dann Lothary abtzoch, darnach balt starb. Kynig Gonradt das kayserdumb erwarb, Er wartt gekrönt vnnd auch erwölt, 150 Wie ich die handlung hab ertzölt. Er batt die krön mitt ehren gefiertt, Vnnd funftzechen jar batt er geregiertt, Hett nachmals auch vill sig vnd glickh, WiewoU inn babst Innocenti dickh Gar offt zu hynderen batt vnderstanden, Hatt auch von haiden das heillig lannde Mitt gwalt abtrungen vnnd vil erschlagen. 206 Jetzt will ich eiioh von Rottwell gagenn, Was sy mitt ehren honnt erwarbenn, 160 Daramb seint ir gar yill gestarbenn. Faer die ehrlich ynnd ritterliche thatt Oar ehrlich der Eayser begäbet hatt, Wies ainem Kayser gaäntz woU gebiertt, Vnnd wie sy in hont in statt gefiertt : Von sollicher schlacht vnnd ritterliche thatt, Kayserlioh hoffgericht frey in geschenckhet batt, Dartzue inn der gstalt es conformyrdt, Mitt brüeff vnnd sigel ganntz weil trackhdiertt, Das ewig kain Eayser noch jemandt seit 170 Rottwell soUichs hofipgericht beraaben wolt, Bey inn solts pleiben zu ewiger zeitt. .Der kayser auch nitt lenger peitt, Alls er inn hett die i handlnng ertzölt^ Ain framen Graffen hatt er erwölt» Der solts Reichs Oberister hofirichter sein, Die ürttall all fleißig scbreibenn ein. Denn selben Ora£Fen will ich nennen, Das Rdmysch Reich thuett inn erkennen, Graff Wilhalm von Soltz ist er genandt, 180 Lanndtgraff im Cleggaw gantz woU erkandt. Das nam sein gnadt gar guettig ann, Doch so wolt ers ainlain nitt thann, Ob er das kriht mocht nitt verwalten, So wolt er inn setzen ain Statthalter. Das zaigt inn sein gnadt im treuisten ann, Unnd satzt inn ain wolgebornnen mann, Gra£P Oswalt von Nellenbarg ist er gnandt, Ain herr zu Ghenngen ganntz woU erkanndt. Vom Adel ist er wolgeborenn, 190 Dammb hatt man inn außerkoren. Das er des Reichs hofirichter solt sein, Vnnd allen gewalt gab man im ein Vonn wegen kayserliche majestatt, Ders hofigericht zu Rottwell verornett hat, Mitt schuldes, vrtallsprecher woU besetzt. Damach schanckht er inn zu der letzt, Das solt der statt zu guettem kumen, Ain schwartzen Adler, hab ich vemumen, Der staindt inn aynnem guldin feit 200 Vnndt alls ich die warhaitt jetzundt melty Noch thett er ains Raths bedenckhenn, Sein hörbaucken lies er inn schenckhen, Mitt pussi^unen, trumetten, wie sy(s) gebiertt, Vnnd die er inn dem feit hatt geflerrt. I 206 Das thatt er inn aas gnaden sohenokhen, Ir Heb ynnd treu wolt er ged«mokhenn, Unnd wolt ir gnediger Kayser sein. Dammb gab er inn die freihait ein, Das sy bey allen irenn tagenn 210 Des Eaysers hörbaooken düerffont schlagen, Vnnd dartzne plaßen ain mnndett, Wies ann ains fuersten hoff zue gett. Also honnt sy ir freihaitt erwarbenn, Dammb seint ir gar vill gesiarbenn, Sy honts erfochten mitt dem schwerdt, Ynnd was ann Kayser honnt begerdt, Das hatt er in geben ganntz willigkleioh Alls aynnem glidt des Römyschen Reichs« Jetzt will ich vonnder Torredt lann, — 220 Ain annders mues ich fachenn ann. Darbey da will ichs lassenn pleibenn, Anfachen yonn dem schießenn schreibenn. Gott will ich alle ding Ion waltenn, Ynnd wer im Reich hatt schießen kalten WoU mitt der pyx, thne ich bedeittenn. Ynnd ist geschechen zu dissen zeittenn, Da man zalt danßent fanffhnndertt jar Und acht ynnd fünfftzig, das ist war, WoU nach der gebuertt herr Jesns Christ, 230. Der fner vnns alle gestorbenn ist. Hatt vnns erwarben das ewig lebenn, Das will er vnns allesamet gebenn! ' Will sein vnnser Barmhertziger Gott, Ja wann wir haltenn sein gebott, Darin sollen mir haben kain verdrießen. Ich wart zu Weinfeldt ob aim schießen, Da kam ain schitz ynnd zaigt mir ann, Er sprach: ich will dich wißen lann, Unnd nymbt du meinen wortten war, 240 Yill schitzenbrieff seint kumen dar Yonn Rottwell, der festen Reichstatt, Die ain berüembten namen hatt, Die Bürger seindt darin weitt erkanndt Inn tentschen vnd inn wellischenn lanndt, Da wiertt ain schießen anßerwölt; Die handlung hatt er mir alle ertzölt, Das ich geh meinen wortten krafft, Man schribs schonn inn die Aidtgnosschafft Alb iren lieben treuen Aidgnoßenn, 207 250 Sy seint inti auch ganntz woll erschoßenn. ' Ayns mala betten sy ain großen krieg, Da machdans fridt, das ich nitt lieg. Die brüeff schickht man an alle ortt, leb wartt gar fro, da icb das bortt. Sagt mi*, es wnertt in knertzer zeitt Die bofi{K>tten muestant reitten weitt, Man Bcbickbt sieb weitt vnnd fer ins lanndt, Die stett die seint mir woll bekanndt. BrüefP kamen fuer manygs fnersten bauß, 260 Die botten die nebten es fleißig anß, Dann sy bonnt sieb gar knertz bedacbt, Die brüefi* ann alle ortt gebracht, Inn fnersten stett vnnd irem gleich; Man scbickbts ancb in das Römisch Reich Alls iren Nachbanrn vnnd günstigen herren Das ritterspill tbnett sich teglich mehreno, Dann niemants soll dasselbig verdrießen, Mann schrib der ritterscbafft vonn dem schießen Vnnd ancb dem bochgelobtenn Adell, 270 Derselbig solt lebenn ann allen datten, . Geistlich vnnd weltlich soll mans verkynden, Vnnd wo man schitzen wist zn fynden, Solt man vonn soUichem schießenn' sagenn. Die schitzen daranff bemeffenn vnnd ladenn Oein Rottwell inn die bemembte statt, Die sich gar woll gebaltenn hatt, Wie sieb inn Sachen ganntz woll gebiertt Vnnd wie die schitzenn bonnt snpliciertt' Ann ainen Ersamen weisen Rath, 280 Unnd sagant denn herren vonn der Tath, Sy badens alls ir gnedig herren, Daß man inn bnelff die gselschafft mehren, Ir weishait wolt das nitt verdrießen, Vnnd inn ans gnadn vergunen ain schießenn. Ain Rath thett sich inn gnaden bedenckhenn, Wolt inn fünfftzig gnldin dartzue schenckben, Das legt man inn auff also bar, Aynn Ersamer Rath gabs willig dar, Doch solt dasselbig das best peleibenn, 290 Wie es dann statt inn irem ausschreiben; Den das hatt ancb ain Rath bedacht. Das man inn edlicb krentz hatt braht, Anff dem schießen thett man ins schenckben, Der selben thonn sy treulich bedenckhenn. Darmitt hatt man ain Rath verehrtt. Das bab ich vonn denn schätzen kertt^ 208 Hatts gmainer statt zu ehren gethonn, Dammb honnt sis nitt verdorrenn lonn, Habenn darumb das schießena gemacht, 300 Honnt alle sach gar woll bedracht, Das diße gselschafft wertt gemertt, Darumb honnt sy allen fleiß ftnkertt. Ain Ersamer Rath hett wenyg me, Unnd acht Yom Rath gab man dartzue, Dennselben gab man allen gewalt, Ynnd das sy gienngen vnnd thettans halt, Sy soUant alle sach woll bewarenn ^ Vnnd kainen kosten gar nit sparen, Das es kemb gemayner statt zu gutt. 310 Des war denn herren gantz woll zu mutt Unnd auch ains Ersamen weisen Rath, ' Der sollichs schießen gehalten hatt. Burgermaister was ain weiser ma&n; Er zaigt inn die sach gar treulich ann, Unnd das sy soldant han gutt fleiß, Das man erwürb lob, ehr vnnd preiß. Denn Burgermayster will ich nennen, Ain gantze gemain thutt inn erkennen, Herr Hanns Conradt Hettinger ist er gnandt, 320 Dasselbig jar was er im ambt« Sein ambt versechen Ynnd woll geregiertt. Mann hatt die herren auff zilstatt gflertt. Die zierckhelt man ab vnnd tailtans aus Zu negst woll bey der schitzen haus, Da solten die Tüecher ynnd kramer faill bann. Noch weider will ich euch zaigenn ann. Zu aller negst woll nebenn inn Da hett man faill vil mesch imd zynn: Was ainer khundt da erdennckhenn, 330 Fanndt manzu kauffen vnnd nitt zu schenckhen. Darbey thett man vill küertzweill treibenn, Vnnd wöUicher nitt dabaimbt wolt pleibenn, Der da wolt volgenn seinem synn, Er gieng hynaus nam geldt zu im, Fanndt man zu kuertzwellen Tond zu spillen. Solt ainer lieber dahaimbt sein pliben! Dan wöllicher hatt sein gelt verloren, Der hatt das schießen woll halb verschworen ; Es weren mann oder auch frawen, 340 Zu allen Sachen wolt man schauenn, Darmitt das man nichts thett vergeßen. Hennt stenndt abgsehridt vnnd fleißig gmeßen, Dann es ist ordenlich zue ganngenn, 209 Ynnd wo die Scheiben sollen hanngenn, Die solche schießen honnt geregiertt, Ynnd die man hatt auff zilstatt gfiertt, . Die will ich all mitt namen nennen, f Die schitzen werdens weil erkennenn: Herr Hanns Prenißen was der erst erwölt, 350 Herr Johan Hilbrand Mögcker hab ich zölt, Herr Conradt Spretter ist der tritt genandt, Herr Hanns Baier der viertt gante woU erkandt ; Denn fünfiPben herren denn thue ich nennen, Die schitzen die werent inn auch kennen, Herr Jacob WölfEin ist der name sein; Ain ambt gaben im die herren ein, Das sag ich euch ann alles gefer, Das er solt sein der Baumayster Aynner gmayn statt ynnd Ek'samen Rath: 360 Das ambt er also endpfanngen hatt. Herr Qeorg Schuller ich nenen soll, Herr Caspar Dettinger den ken ich woll, Herr Martin Gultin ist der acht genandt; Jetzt habt ir die Raths herren allesandt. Wie ich ain jeden hab ertzöltt, Die hatt ain Ersamer Rath erwöltt. Das woldant die herren ainlain nitt thainn, Man solt dartzue nemen von der gmaynn Ynnd auch vonn schitzenn außerkorenn, 370 Die gmainer statt seint globt vnd geschworen. Ich will dieselben mit namen pschreibenn, Ynnd kaynner soll mir dahynnden pleibenn, Das sag ich euch bey meiner pflicht. Unnd die das Schießens waren berioht; Der Erst der ist mir woll bekanndt, Hanns Andres Bayr ist er gnandt; Denn anderen will ich auch nennen, Thoma Pfister thuett man woll erkenen; Oabriel Mutzhas haist der tritt frey; 380 Den viertten hab ich auch darbey, Balthasar Span was er gehayßenn, Mitt denn schitzen thett er gselschafit leysten. Der fünfft der ist Hans Jeger genandt. Der sechst ist mir gar woll bekanndt, Caspar Mangel ist der name sein. Der sibent haist Jörg Zeller, aUs ich mayn. Der schitzen namen hab ich ertzölt. Die man zum schießenn hat erwöltt. Sy muestant auch mitt den herren gon 390 Ynnd inn gar treulich zaigen ann, Birlinger, Alflmaiml» VI 8 14 Was anff dem schießen babent gsecbenn, Die warbaitt soltant sy veriecbenn. Das bannt die framen scbitzen getban Ynnd das denn berren getzaiget ann. Da bett ain gantzer Ratb kain me, Dem berren Banmaister spracb man zue, Das er ankertt alla sein fleiß, So wolt man gebenn lob, ebr vnnd preis; Alls im die berren bonnt ancb verdraatt, 400 Das scbießen batt er gar scbönn gebantt Yonn Zellen, scbenckbitten vnd aucb stenden. Das fynndt man nitt ann allen endenn, AUs icbs ZU Bofctwell bab gesecbenn, Das kann icb mitt der warbaitt jecbenn. Unnd da icb bortt yonn soUicbem scbießen, Des wegs tbett micb gar nicbt verdrießen; leb macbt micb anff vnnd zug dabin, Gbein Rottwell da staindt mir mein sin; leb kam dabin in kaertzen tagenn. 410 Dauon da miies icb eucb recbt sagenn. Man erbutt mir da vill zacbt ynnd ebr. Die scbitzen sprachen: wo zeugst dn ber? Icb knmb von Weinfeit ab dem scbießen Ynnd boff, das wertt mir woU ersprießenn, leb bab dann kertt viU gaetter mer, Darumb so bin icb zogenn ber. Sy scbickbdant micb zu ainem mann. Mein bandlnng die solt icb im zaigen ann. Denn selbenn will icb mitt namen nenen, 420 Ain Ratb der wiertt inn woU erkennen, Conradt Keller ist er genandt. Icb sagt im die bandlnng allesandt. Da bett er gar ain knertzenn synn, Er gienng vnnd nam nocb ain za im, Tboma Pfister den tbue icb nennen, Die scbitzen tbain sy baitt woU kennen, Die zwen die warent bebentt beraidt Ynnd füerdant micb zu der oberigkaitt) Der vber das scbießenn der oberist solt sein, 430 Mitt im nocb sunst ain berr gar fein. Ain Ersamer Ratb gab in den gwalt, Ynnd was sy scbueffant das gscbacb gar halt. H^T Prenißen was der erst erwölt,. Denn andern bab icb nitt ertzölt, Herr üilbrant Mögcker ist er gnandt. 211 Jetzt habt ir die Rathsherren albaitt sandt, Vnnd alls ichs warlicb knertz bedeitt, So warens Terstendig, dapffer leadt; Dann Jederman honte kalten woU, 440 Seitt ich die warhaitt redenn soll. Sy gabent mir ain gaetten beschaidt Vnnd schanckhdant mir ain neues klaidt Yonn laader Lyndisoh Rott Tnod weiß, Das macht man mir mitt allem fleiß. Ir pritzenmaister der solt ich sein, Das Silber ausschreyen vnnd samblen ein, Alls ichs zu Weinfeit hab gethonn. Jetzt will ich euch weitter zaigen ann; ' Vnnd was ich zu Rottwell hab gesechen, 450 Das kann ich mitt der warhaitt jechenn, Vnnd was sy hatt zu der sach gebiertt, Man hatt mich aufF die zilstett gfiertt, Vnnd zaiget mir alle handlnng frey. Da. sach ich gar ain schönnes gebey, Von dem da mues ich euch recht sagenn, Vnnd siben zeldt hatt man au£FgBchlagenn, Sy waren gar groß vnnd dartzue fein, Die zeit gab man denn schitzen ein^ Darin da soltans wischen vnd laden; 460 Doch das kainer zeit geschech kain schaden, Sy stondant schoen vnnd woU bedrachtt, Ryngs weis hatt man dammb schranckhen gmacht Vonn feynner zier, will ich euch sagenn. Die schitzen honnt ir wapen angschlagenn, Ain jedliche statt die thuett sich nennen, Darbey khundt man die zeit erkennen Vnnd wem die selbigen kerdant zue; Dann ich hett warlich wenyg rue, Man fuertt mich hynein aufif denn schiesplann. 470 Vier schönner. stenndt sach ich da stann, Sy waren so sehönn vnnd woll gebaudt, Das ichs vonn hertzen hab gemen geschaudt, Als samb sy soldant stann jar vnnd tag. So merckhant weider, was ich sag, Vnnd alls ichs warlich jetzund melt. So sach ich staon inn weidem feit Trey schwartze hidlach ann alle sorgenn, Darhyndertt hount sy ziller verborgenn, Dann wans die sohiteen hordant klyngen, 480 So thettans dapffer fuerher spryngenn Vnnd zaigant dem schitzen seinen schus; Ja was daib nitt vonn hertzen ain lust ! n 212 Da thett ich weider faerbas gann, Ain lannge schenckhitten sach ioh aach stann, Der selben khundt ich nitt vergeßen, Ich hab die bitten selbs abgmeßenn. Die was auch woU vonn dem anfanng fünff vnnd neuntzig gemayner schridt lang, Vnnd alls ichs warlich jetzt bedeitt, 490 So was sy gnetter schridt acht weitt. Das hatt herr Baamaister gar woU bedracbt, Ynnden vnnd oben zway benslach gmacht. Daruon da mues ich weider sagenn, Mocht ainer das waßer darin abschlagenn Vnnd was denn aynßen gelegenhait was. Ach, lieben herren, wie gfelt euch das? Wie es dann kertt zu sollichen saohenn. Man lies auch inn schenckhitten machen, Oar lannge Tisch vnnd darfüer benckh, 500 Dartzue hett bitten schönn vmbhenckh, Vnnd was ich sag ist nitt. erlogenn, Tisch waren bedeckht vnnd vbertzogen: Wenn ain weit die sonn vertreiben, Das er am Jisch nit khundt peleibenn, Vnnd sy hynein schin auff disch vnd penckh, So zoch man fiier die schönnen vmbhenckb, Die waren gelb, gruen, rott vnd weiß. Es was zuekricbt mit allem fleiß, Dan ich habs ordenlich beschaudt. 510 Ain neues scbieshauß honnt sy gebaudt, Dasselbig hauß hett vnnden zwo thier, Vnnd jederman muest gann darfuer, Es werent man oder auch frawenn. Ich muest das scbieshauß recht beschauen, Das ich inn sachen auch nitt lieg, So hetts ain hoche lannge stieg; Ich gieng hinauff, kam inn ain sali. Tisch waren bedeckht darin vber all, Dasselbig das kann ich woll ermeßenn, 520 Mann gab den leuden trinckhen vnd eßenn Dann jedermans was fröllich vnnd landt Zwo schönner stuben hab ich beschaudt Die ain die kertt denn herren zue, Inn der andern stubn was gar kain rue, Mitt eßen vnnd trincken huelt mans in pflicht. Es was als ordenlich zue kricht, Dann da wartt niemant gar betrogen, Vmbhenckh hatt man fuer fenster zogenn; Die herren honnts aUs woll bedracbt, 213 530 Gar schönne gleßer in fenster gmacbt, Sy warent geschmölizt nach künstlichem synD, Ynnd schönne wapen die stainden darynn, Dan ich sach mich gar eben vmb, Darmitt ich ann die kuchel komb. Der selben kundt man nitt geratten, Darin thett man siedenn vnnd pratten, Wolt ainer eßen sas er ann disch, Man trueg im her vonn fleisch vnd fisch, Der koch thett niemants da vergeßenn, 540 Umbs gelt gab er aim jedlichem zu eßen, Darmitt hatt er o£Pt ain erschreckht. Die tisch die waren alsam bedeckht, Der seint gwest inn ainer sumen Zwen vnnd zwaintzig, hab ich vemamen. Haaß hett vnnden ain schönnen tenneu. Denn keller will ich jetzundt nennen, Der was versechenn mitt aller nott, Darin da schanckht man wein vnd prott, Das redt ich auff mein letzte hynfartt, 550 Vnnd zwen herren honnts kellers gwartt, Die hab ich vor im sprach genendt, Ich hönn die herren baitt woll kendt. Da' staindt heraus an offner sanen So gar ain hüpscher' schönner prunen, Oder den man nent ain roh^kasten, Der selbig gfiell mir zum aller basten, So schoen vnd woll was er gemacht. Ain seltzsamen possen hatt man bedracht, Der was fuerwar ganntz außerwölt, 560 Ain mändlin hatt man daranff gestölt, Des was gantz haryg vmb sein mauU Vnnd staindt damitten auff der sauU, Daraus das waßer inn kastenn gadt; Das mändlin trueg an solliche wadt: Ain lanngen Rockh, was Rott vnd weiß, Zwen spitzig stiffel mitt allem fleiß, Die Baurn hatt es offt erschreckht, Hetts harnysch vber den Rockh an glegt Vnnd trueg ain fannen inn der hanndt, 570 Das thett dem Yolckh gar mechtig anndt, Trueg auff ain praitten eißnen hudt; Das mändlin macht offt ain gutten mutt Alls ich die sach thue hie bedeittenn, So khundts woll reden mit den leuden. Es was ain arge faige handt, Ynnd ruefft den Baurn auch vber laudt, n 214 So hetten dan die leadt kain nie v Vnnd liefifant alle dem mändlin zue, Es hett ain lanngen dickhenn partt, 580 Ynnd wen das mändlin reden wartt, So spib es waßer aoß seim mnndt; Das mändlin anch woU synngen khundt, Wie es dann kertt zu sollichen sachenn So fienng das Volckh gar laudt an zu lachen ; Das thett das mändlin hartt verdrießenn, Mitt waßer thetts zoip Baum schießenn. So wolt dan niemant bey im pleibenn, Also thett es sein zeitt vertreibenn. Man füertt mich weitter anff den plann, 590 Ain schönne schenckhitten sach ich da stann, Da khundt man gan darin ein vnd aoß: Hett manyger ofift ain sollichs haoß, ilr erhielt sich drin woU jar vnd tag. So merckhant weider, was ich sag, Dann ich sach mich gar obenn vmb, Darmitt ich an die Goltschmidt khumb. Dauon da mues ich euch recht sagenn, Ain große bitten thett man aufschlagen, Die selbig gab man dem gol^dl^schmidt ein, 600 Darundertt solt ain handwerckh sein, Vnnd was ich sag, ist nitt erlogenn, Mitt deppich was sy vbertzogenn, Dartzue wünsch ich im gluckh ynd haiU, Dasselbs solt man honn silber faill, Vill hundertt gülden was kram wertt, Yonn manigem man hab ich das kertt, Wellicher nitt seins schießes wolt wartten, Der mocht dasselbs woU Spillen vnd kartten, Vonn Silber macht man lauder gwynn, 610 Der ain^verluers der annder truegs hynn. Da thett ich auch weider fuerbas gann, Ain schönne pritzstatt sach ich da stann, Darob thett man straffen mitt dem schwerdt, Vnnd das den schitzen datzue kerdt, Darmitt gab man im ains fuer kerben, Manyger maint er müest gar sterben; Dann ob der werckhstatt was gar kain rue. Dem bannen werffen sach ich zue. Der bann der macht offt manygem hayß, 620 Mitt schranckhen macht man drumb ain ^ayß, Daran staindt der weit ain große zall, Hynden vnnd fomnen auch vberall, Es ist offt glecherlich zue gangen, 215 Darbey sacb man die gwyngeter hangen, Es was feiü zuekricht vber die maß, leb gienng scblecbts bynden vber die straß, Sacb icb beraos bangen ain weißen fann, Es stadndt ain seltzsame sackbpfeuffen drann, Er steckbet berauß woU bey dem tacb, 630 Daselbs fanndt icb trey bainilicb gmacb, Das batt der Baumayster aucb gebaudt^ leb bab dasselbert aucb bescbandt; Denn niemant kann das vberig sein, Darumb bab icbs gescbribenn ein. Denn alle ding was woll versecbenn, Das kann icb mitt der warbaitt jecben. l^as icb beym scbießen gesecben bann, Das will icb eucb trenlicb zaigenn ann; Darbey da will icbs laßen pleibenn, 640 Anfacbenn Tonn dem scbießen scbreibenn, Ja wann dasselbig batt angefangenn, Ynnd wies daranff aucb ist zne gangenn, Da wertt ir börn ain zicbtig wesenn, leb bab denn braeff ancb selbert glessenn; Da icb denn selben bmeff verlaß, Darin fanndt icb gescbribenn daß: Mitt zicbtigen wortten vnnd scbönen sitten Tbett man .die berm vnnd scbitzenn bitten, Ynnd das ir kainer wolt auspleibenn, 650 Wolt sieb ricbten nacb dem ausscbreiben, Darmitt das niemants bab kain klag. Am sambstag nacb Verena tag, Der selbig was vor der Qnottember, Denn tritten tag des monats September, Da solt ain scbitz ann der berberg sein, Ynnd sibentzecben patzen legen ein, Dasselbig solt sein lauder grob gelt; Wie es im scbitzenbrieff was gemelt, Ynnd acbtzecben scbns soll ainer tbonn, 660 Wellicber vill traff dem gab man zlonn Gelt vnnd seckbel vnnd ain fann, Darmitt solt er sein kricbt byndann Inn trey vnuersertt scbwebat schreiben; Nocb ains tbett man im brüeff ausscbreibenn. Das tbett offt manygem scbitzen anntt, Oleicb wan er gann wölt an den stanndt, Darmitt das niemants wnertt bedrogenn, Ain ainseudin Erbel batt er antzogenn, 216 Die warent dailt weiß vnnd aaoh rott, 670 Alle geferlichkaitt man da verbott, • Wiewols kain scbitzen dorSt Yerdrießen, Yiind^inn dem Erbel muest er scbießenn, Allerley fordaill soll verbottenn sein; Die scbitzen faryrdt man fleißig ein, Alls balt ain scbitz inn statt ist kumen, Ynnd die berren bonnt das vernumen, So ist der ganngen ders batt gfurirdt Ynnd batt die scbitzen in berberg gfierdt, Damacb soll zamen kumen ain Batb, 680 Alls balt man am sontag von kircben gadt, Dann man wolt ziecben aufif den scbieß plann. Was baben die berren yonn Rottwell tbann? Sy zugant bynauß mit großer ebr, Ain gantzer Ratb der gienng yorber; Da mues icb vonn ir freibaitt sagen, Des kaisers börbaucken thett man scblagen, Mitt pußaunen plüeßant die trumetter, Das batt man kertt gar weitt ynnd fer, Darmitts der kayser batt begaubt 690 Ynnd inn aucb soUicbe freibaitt erlaubt; ^ Ynnd das iob sag ist nitt erlogenn, Die scbitzen seint aaff berren zogenn; Dann da was kainer ebr zuuyll, Die selben bettant ain annders spill, Dasselbig was pfeuffen ynd tmmblen. Darnacb seint scbitzen all zamen kamen WoU aaff den yerorntten scbiesplann. So börtt was baben die berren getbonn, Seitt iob die warbaitt redenn soll: 700 Endpfiengant die scbitzen ebrlicb vnnd woU, Ynnd der die Redt batt da getbonn, Der Burgermayster tbett neben im stonn, Auch desgleicben ain Ersamer Ratb, Der soUicbe endpfacbung veromett batt; Der selbig berr ist mir woU bekandt, Doctor Jobann Spretter ist er gnandt, Denn scbitzenbrieff tbett er ertzöUenn, Das sy sollant Neuner erwöUenn, Secbs von dem frembten vnnd trey von inn ; 710 So merckbant aucb weider meinen synn, Das mues icb denn scbitzen veriecbenn, Gar balt vnnd bebenndt was das gescbecbenn, Det brueff solt pleiben bey seiner krafft, Zwen Neuner gab die Aidtgenosscbafft^ Yonn Frey ynnd Reicbstett die wellent ain. F I 217 HauBs Ton Oesterreich gab ain, alls ich main, Yonn Char vimd föersten soll ainer sein, Prelatten ynnd Graffen gaben ain, Ynnd Rottwell die statt die geb die trey, 720 So habt ir die Neuner alsam frey. Ynnd das der brueff soll han sein krafft. So haist der Nenner anß der Aidtgnosschafft Caspar Gniper von Zürch das Oberist ortt. Denn anndem ich auch nennen hortt, JunckherrChristofP Waltkircherist er gnandt, Ain barger Schaffhanßen woU erkanndt, Michel kogman Ton Strasburg was erwölt, Stett vom Reich honnt inn Aier gestölt, Hans Wemner vonn Yilling desgeleich, 730 Der was vom hauß vonn Oesterreich, Lorentz Rueff von Sultz ich neuen soll, Er was vonn füersten, ich kenn in woU, Ynud das die wall hab auch sein kra&t, So was der sechst vonn der Ritterschafft, Hanns Jacob Sumhaußer vonn Meryng Der wartt erwölt mitt dem geding, Das geschach fuerwar inn schneller eyll; Da kamen die herren vonn Rottweyll^ Die honnt auch ir trey neuner erwölt 740 Unnd habens den annderen fuer gestölt, Herr Hanns Prenißen ist der erst genandl, Ain herr des Raths gar woll erkanndt, Gabriel Mutzhaß haist der annder frey^ Thoma Pfister der tritt stondt auch darbey. Wie ich ain jedlichenn hab genandt, Also seint Neuner ganntz woll erkandt, I Das schießen honnt sy gehandelt woll, I Dammb ichs auch billich preißen soll, Wie sich in Sachen ganntz woll gebiertt, 750 Ynnd wie man Neuner in bitten hatt gfiertt^ Darmitt man thett die schitzen ergetzenn, Ynnd alle Embter wolt man psetzenn, Wer ir Buchhalter da solt sein, I Ynnd die schitzen auch schreiben ein, Es wer inns silber oder in gwynn. Die Neuner saßen nebenn im. Denn selben Schreiber denn will ich nennen, Ain ganntze Gselschaffb thuett in erkennen, Herr Johann Noppis ist er genandt, 760 Ain Notaryus zu Rottwell woll erkandt; Das sag ich euch ann alles gefer, Dann er ist auch Cantzelley Schreiber^ 218 Er hatt sych kalten ehrlich vnnd woll, Seudt ich die warhaitt redenn soll; Inn dem pachhalter maes ich veriechenii^ Dann er hatt gar nichts vhersechen, Was zwen oder trey hont snnst aus kricht, NDas'Tersach er allein bey meiner pflicht. Meine herren die honnt sich bedacht, 770 Das ich mein sinn honn mitt mir bracht, Ir weishaitt thett sich bedenckhenn, Ain neues klaidt wolt man im schenckhen, Das war fuerwar auch rott vnd weiß, Er solt ankeren allen sein fleiß, Vnnd solt ain treuer ziller sein. Das bandt man denn anndem alsamb ein. Am Montag fieng man zu schießen ann, Ain jedlicher hatt geren das best gethonn, Die Neuner honnt es woll bedracht, 780 Vnnd haben mir sechs loß gemacht. Die stett vom Reich die schußent ann; Was haben die herren vonn Rottwell thann ? Denn alle sach thons woll bedenckhenn. All vmbgeng ließans neu Scheiben henckhen, Die trueg man hynaus mit pfeuffen vnd trumblen. Als halt die Neuner seint zamen kumen; Ain Ersamer Rath hatt sich bedacht, Alls halt der erst ymbgang was verpracht, Da thett ain Rath des Schießens gedenckhen, 790 Vnnd woldant den schitzen gar ehrlich schencken Ain fueder wein rott vnnd auch weiß. Man richtett zue vier faß mitt fleiß — Was ich jetzt redt, ist nitt erlogenn, — Fun£f starckher roß honnt daran zogenn, Wolt man den schitzen ir hertz auffweckhenn, Zwen seudin fannen darau£f steckhenn, Ain steckht man fornen, den andern binden, Vnnd allenn diennem solt man verkynnden, Sy sollant dem fueder weynn vor gann, 800 Vnnd auch der statt färb legenn ann, Wie sich zu sollichen ehrenn gebiertt Vnnd hatt das auff die zilstatt gfiertt. Ja was das nitt ain große ehr! Mitt pußaunen, hörbaucken zug man vorher, Hynaus zu den schitzen da was in gaoh, Ain ganntzer Rath gieng.hynden hernach. Denn wein hatt man preßendiertt, 219 Tnnd hatt inn fuer die schiizen gefiertt Von wegen der schitzen ynd gemayner statt. 810 Dootor Johann Spretter die Endpfaohang thatt, So hörant küertzlich meinen synn Ain ganntzer Rath staindt neben im, Er sagt denn schitzen auch von der thatt Yonn wegen ains Ersamen weisen Rath, Er hies sy all Gottwilligkhumb sein Ynnd sprach: Ir günstigen herren mein, Ain Erwarer Rath ladt euch hoch endpfachen, Das solt ir euch laßenn nitt versmachen, Ynnd danckhen euch der großen ehr, 820 Das ir so weitt seitt zogenn her, Das wellent meine herren bedencken, Thonn euch hiemitt verehrnvnnd schenckhenn Ain fneder wein, kess vnnd auch prott, Große ehr man inn daselbs erbott, Dann sy went euch kain freudt nitt wören, Die schenckh solt ir mitt lieb vertzörenn Ynnd haben aynnen guttenn mutt, Mitt meinen herren nemen vergutt. Sy sagant denn herren groß lob vnd danckh, 830 Sprachent, sy woldant ir lebelannckh Tonn sollicher ehr vnnd fraindtschaffl; sagen, Wo man sy thett vom schießenn fragenn, Ymb die ehr die man inn hatt thann, Ir Oberigkaitt dahaimb treulich zaigen ann Yonn sollicher ehr vnnd füerstlicher schenckh. Sy saßant nydert auff stiell vnnd penckh Ynnd hettant gar ain guetten mutt Mitt meinen herren nemen vergutt. Noch ains hett ich euch schier vergeßenn, 840 Die herren seint zun schitzen gseßenn; Ain Ersamer Rath hett wenyg rue, Sy sprachen der loblichen Aidtgnosscha£Ri zue, Sy sollant frisch vnnd fröllich sein. Man schanckht den schitzen gar dapffer ein, Desgleichen den stetten vom heiUigen Reich, Eynigklich vnnd fuersten stett desselbenn gleich Sy sollans ein annder dapffer pryngen; Mir was gar woll mitt (Üssen dyimgen, Eerdant den gleßem das vnnder vber sich, 850 Das was fuerwar ain spill fuer mich, Ich hetts angnumen jar vnnd tag, Yonn niemant hab ich kertt kain klag. Das mag ich reden bey meim lebenn. Dann kainer soll ftier zöch nichts gebenn, 220 Ain jedlioher kan das woll gedenckhenii; Den schitzen thett man alsamb schenckhen. So merckhant weider, was ich sag, Die schenckh die weret auch funff tag, Die Aidtgnoßen hont sich bedacht, 860 Ain jediichs Ortt sein spill gebracht, Darmitt da macht man'freudt vnd matt, Wie man bey sollicher gselschafft thutt, Das kan ain jedlicher woll gedenckhen, Alls offt man thett den schitzen schenckhen; So Ues man plassen am mnndett, Wies ann ains füersten ho£f zue ghett, Das kam den herren zu guettem frumen. Den Tonn Villing was ir spill auch kumen, Das kertt dem hauß von Osterreich zue; B70 Die stett yom Reich hettant auch kain me. Denn sy honnt sich gar kuertz bedacht Vnnd honnt ain spill zuwegen bracht, Sy muestant all denn schitzen hoffieren, Ain jedlicher solt sein kunst probierenn. Da solliche freudt was alls verbracht Honnt die schitzen ain annders erdacht Vnnd fiengen darnach zu tantzen ann, Sach man gar manygen stoltzen mann Gar fröllich tantzen vnnd auch spryngen, 880 Mir was auch woll mitt dissen dyngen. Nach dem tantz hettant junckhfrawen verlangen Ea ist gar richtigklich zue ganngenn, Denn alle freudt hatt man erdacht, Biß man das schießen zum endt hett bracht; Denn wöUicher gwang der lebt im saus, Damach trueg man die fannen heraus, Man was versechen mitt allem fleiß, Die fanen warent rott vnnd weiß, Ja was das nitt ain große ehr! 890 Mitt der hörbauckhen zug man vorher, Das hatt das Volckh im hertzen erfreidt. Die knaben wassent inn weiß beklaidt, Mitt kostlichen kleinadern schön putzt vnd ziertt Darnach hatt mans anff zilstatt gfiertt, Thett man den schitzen ir gmüedt aufiPweckhen, Die fenlach lies man fuer sich steckhenn. Darnach honnt herren noch ains bedacht, Zwölff schönner junckfrawen hatt man bracht, Die waren gar schönn geschmückht vnd ziertt, 900 Alls wen mans zu aim tantz hatt gfiertt, Die selben machdant das schießen erst gantz, 221 Die Eltist traeg auff ain Ehren krt^itz, Yono Golt was er schönngestickht ynd ziertt, Noch hatt man ain klaynne junckhfraw gfiertt, . Die war mir warlich nitt bekanndt, Ain silberen pecher traegs in der hanndt. Der selbich war zechen goldin werdt. Ich habs vom Goldtschmidt selbs gehördt, Vnnd ain schieß krantz auch damebenn 910 Thett man aim schitzen von Esling gebenn, Danitt Pfister thuett er sich nennen, Sein Namen thuett man woU erkennen, Das hatt er warlich woll genoßenn. Er hatt trey schus ins schwartz geschoßen. Denn knaben was hynaus zun schitzen gach, Die junckhfrawen zugen in hynden nach, Dan da was kaynner ehren zuuill; Damach da kam ain annders spül, Pfea£fen vnnd trumblen thuett maus neuen, 920 Die schitzen thonn es woll erkennenn, Das Spill das hett gar wenyg rue, Es keirtt denn herren vonn Rottwell zue; Von großer zier da mues ich sagenn, Ain feldt fannen hatt man hynaus tragen, Ja wie man inn aim feit hatt gfiertt,' Vnnd der das schießenn hatt getziertt, Der Fendrich was ain kratter mann, Vnnd lauder Rott das trueg er ann, Vonn seudin vnnd samett was er klaidt, 930 Es hatt ain inn seim hertzen erfreidt, So gar woll staindt im ann sein Wadt, Auff inn da gienng ain Eftamer Rath, Unnd was das nitt ain große ehr! Aim Rath trueg man das fendlin vorher, Es was ganntz gelb von lauder dammascht, Der Fendrich hett gar wenyg rast, Das fendlin was gmacht von hochem synn, Ain schwartzer Adler staindt auch darin, Vnnd unnser fraw woll an der seitten; 940 Es ist geschechen vor lanngen zeitten, Das sich ain bürger hatt bedacht Vnnd hatt das Fendlin vonnRpm herausbracht, Ain Babst der thett Rottwell gedenckhen, Darümb lies er inn das panner schenckhen, Das hatt man dem schießen zu ehren getragen ; Jetzt will ich euch vom Besten sagenn, Unnd wer dasselbig gewungenn hatt, Der was von Zürch woll aus der statt, 222 Hanns Pfeninger ist er genandt, 950 Unnd ist denn schitzen gar woll erkandt, Er hatt es gwungen gantz ritterlich, Darumb ich im das lob vergich, So gar ain schönnen großen fann, Da stainden woll fanfftzig gnldin ann Mitt schilt vnnd wapen schön poßenyrdt, Unnd das denn fannen hatt getzierdt, Das annder fynndt man auch geschriben, Dasselbig ist zn Rottwell plibenn, Thoma Pfister ist der name sein, 960 So hörtt, ir günstigen herren mein, Das annder er ehrlich gwungen hatt; Darnach faer zue ain Ersamer Bath Dann si honnt sich gar kuertz bedacht Unnd habent die junckhfraw füer schitzen braht Mitt schönner Reuerentz ynd ehren Rue£Ft man den herren vnd schitzen von Beren, Sy sollant zun herren fnerher gann. Das haben sy mitt willen gethonn, Ain ganntzer Rath thett sich bedenckhenn, 970 Der statt von Beren thett man schenckhen Denn schönnen wolgemachten krantz, ' Mitt der junckhfraw thett er ain tantz, Sy satzt im denn krantz woll an£F sein haubt, Er hatt die Junckhfraw ehrlich begaubt, Junckherr Hanns Herbott ist der name sein, Er danckhet denn gar zichtig vnnd fein^ Das thett er vonn wegen seiner herren, Unnd inn gar geren pryngen gein Beren. Nun welleir^mir laßenn von dissen dyngen, 980 Der Neuner fannen thett man pryngen, Die beruefft man hynein in die schreibhitt Nach schießes gwonhaitt brauch vnnd sitt, Alls ich die sach vernumen hab. Man danckhet inn ehrlich vnd fleißig ab Vmb iren treulichen beistanndt Vnnd gaben in fannen in die hanndt, Sy soUans fueren mitt in von hynen, So wiertt man sechen vnnd werden innen, Wer die Neuner zu Rottwell seindt gwessen, 990 Die wiertt man hyndennacher lessenn, Ich wills all ordenlich einschreiben, Vnnd nichts soll mir dahynden pleibenn, Das mag' ich reden bey meim lebenn, Aim jedlichem thett man ain Taller geben; Darnach hatt sich ain Rath bedacht 22S Vnd hatt den Neanern zwaintsig graldin bracht: Das schenckh wir euch zu aynner zerang, Darinitt ir halt herwider khnmbt ! Ich mag das mitt der warheitt jechenn, 1000 Das ich kain größere ehr hab gesechenn, All man den Neanern hatt gethonn. Sy danckhten in vnd zngen damonn, Damach da lies man schlagen ymb, Ain jedlicher schitz halt znher kumb, Dem wolt man da sein fanen geben, Vnnd sein bargelt das lag'darnebenn, Des was eingmacht mitt allem fleiß, Die seckhel wassent rott vnd weiß; Da zug man in der Ornnng ein, 1010 Ain jedlicher schitz gar hüpsch vnd fein Mitt seinem fannen, den er hatt gwongen, Seint ir all gwest inn ainer sumen Zway handertt vnnd achtzechen attserwölt, Die hatt man aas dem Bach getzölt, Ich wils mitt namen all einschreiben, Vnnd kainer soll mir dahynden pleibenn, Man zug in statt mitt großen ehren, Vonn hertzen solts ainer gemen hdrenn, Ich will jetzt von dem fendrich sagenn, 1020 Ir schitznmaister hatt selbert tragenn, Also hatt maus zum endt gebracht, Ain Ersamer Rath hatt sich bedacht, Das alle ding was ehrlich zue ganngenn; Ann spillenden hatt man angefangen, Wer freudt vnnd mutt hatt kynden machen. Wie es dann kertt zu soUichenn sachenn, Der selben thett ain Eath bedennckhenn, Woldant inne neue klaider schenckhenn Vonn lauder lyndisch Rott vnnd weiß, 1030 Das schanckht man inn mitt allem fleiß. Es thettans die herren gar gern vnd myldt, Darmitt hatt man im willen erfylt. Mein spruch den will ich halt b^chließen, Damach haelt man ain Nachschießenn, Das fuegt mir woU vnd was mir ebenn, Zechen guldin wolt man beuor gebenn, Es solts best sein inn dem Nachschießen; Ir herren vnnd lats euch nitt verdrießen, Vnnd das Best gewungen hatt, 1040 Der ist vonn Zürch woll aus der statt, Hanns Lochmann ist der name sein, So hörtt, in günstigen herren mein, 224 Das Nachflohießen habt ir auch verniimen, Das baitte beste gein Züroh seint kumen, Es khombt der statt zn guettem framen Die besten honnts gar ehrlich gwongen. Aynner sach kann ich auch nitt endberen, Ich will ein schreiben all Raths herren, Die zu dißer zeitt honnt geregiertt 1050 Unnd solliches schießen honnt gefiertt, Zu aynner gedechtnus solts in frumen Vnnd iren geschlechtem, die nacher kumen, Dann wiertt man solliches schießen verkynden, Iber hundertt jar so mag maus fynden^ Mitt schilt vnnd wapen will ichs beschreiben Vnnd kain statt soll mir dahynden pleiben ; Ir herrn, ich will euch gebetten bann, Ob ich der sach het zuwenyg thann, Ir wolt mirs nitt zum argen meßen, 1060 Wen ich darin hett was vergeßenn, So wolt ich die herren all bitten lonn, Sy woltant mir nichts verübell honn, Gar kuertz hab ich die sach betracht; Denn sprach hab ich zu ehren gemacht Aim Ersamen Rath vnnd gemayner statte Die sich gar ehrlich gehaltenn hatt. Dann alle sach was gar woU betracht. Liennhartt Flexel hatt den sprach gmacht, Der füersten vnnd herren dienner ist 1070 Vnnd der statt Rottwell zu diser frist, Vonn Augspurg da thuett er sich nennen. Die schitzen thain in woU kennen Auch aus der loblichen aydtgnosscha£ft, Darmitt gib ich mein wortten krafPfc, Also hatt mein gedieht ain endt, Gott alle sach zum besten wendt ! Hernach wiHgm die edl^n fmnd ehmuestefiy füersichiigen, Ersamen^ hochweisen herren vnnd Eaths personen inn der beruemb- ten sUxtt BoUweUn die tsu diser eeitt honnt geregiertt^ da sölchs herren schießen gehaHten worden ist, aU mit namen pschriben, wie hernach völgt. Herren Vrtalsprecher: H. Hanns Conradt Hettinger, Burger- mayster; H. Matheys Vischer^ schuldes; Hanns Prenyssen der alt, Johann Hilbrandt Mögckher, Gonratus Spretter, Martin Guldio, Caspar Dettinger, Michel Hörtzog, Hanns Bayr, Lorentz Hengst, Jacob Wölfflin, Jörg Schuller, Erhartt Dornhann. 226 Von frey vnd reichstetten : Michel Eogman vonn Strasburg 17 patzn. — Von dem hauß von Österreich: Hanns Werner von Villing 17 patzn. — Der loblichen Aidtgnosschafffc ire zwen erweit Neuner: Caspar Gniper vonn Zürch 17 patzn. Junckherr Gristoff Waltkircher vonn Scha£fhaussen 17 patzn. — Von der statt Rott- well: Thoma Pfister 17 patzn. — Die 4 ritterfannen : Hanns Jocham von Augspurg der best 3 fl. — Der 2. Bastionn Müller von Reudlilkgen' 2 fl. — Der 3. Cyriacus Hörn vonn Studgardt 1 fl. 30 kr. — Der 4. Hanns Pogner venu Mengen 1 fl. 30 kr. — Der weidist fann: Claus Hoffman von Rottenburg an der Tauber 1 fl. — Der ehrn Erantz ist gescheiickt worden der statt Beren. Auflgesetzt Junckherr Hanns Herpott. — Der schieß krantz: Die maisten schus ins schwartz Dauitt Pfister von Eslingen 10 fl. Das Best 50 fl. — Das Best hatt gewangen: Hanns Pfenynger von Zürch 50 fl. mit 18 schus. — Das 2. Thoma Pfister vonn Rott- well 25 fl. 17 schus. — Das 3. Junckherr Balthasar Vixlin von Pmckh 20 fl. 17 schus. — Das 4. Caspar Gniper vonn Zürch 16 fl. 17 schus. — Das 5. Claus Burgin vonn Lucernn 14 fl. 17 schus. — Das 6. Hanns Pflster vonn Eslingen 12 fl. 17 schus. Das 7. Claus Hoffman von Rottenburg an der Tauber 11 fl. 16 schus. Das 8. Hanns Hensler vonn Zürch 10 fl. 16 schus. — Das 9. Jörg Mairer vonn Eringenn 9 fl. 16 schus. — Das 10. Thoman Gillig vonn Augspurg 8 fl. 16 schus. — Das 11. Bastian Gilig von Weinsperg 8 fl. 16 schus. — Das 12. Bartlin Hug vonn Zürch 7 fl. 16 schus. — Das 13. Hanns Lochman vonn Zürch 7 fl. 16 schus. — Das 14. Conrat Renger vonn Schaffhaußenn 6 fl. 15 schus. — Das 15. Dauitt Pfister vonn Eslingen 6 fl. 15 schus. — Das 16. Hanns Hartman vonn Zürch 6 fl. 15 schus. — Das 17. Jörg Haup- man von Augspurg 5 fl. 15 schus. — Das 18. Moritz Maraadorffer von Augspurg 5 fl. 14 schus. — Das 19. Hanns Schmidt von Es- lingen 4 fl; 45 kr. 14 schus. — Das 20. Jacob Figlin vonn Zürch 4 fl. 30 kr. 14 schus. — Das 21. Veitin Mayr vonn Zürch 4 fl. 15 kr. 14 schus. — Das 22. Jacob Bachoffen von Zürch 3 fl. 45 kr. 14 schus. — Das 23. Heynrich Leibenstein vonn Zürch 3 fl. 30 kr. 14 schus. — Das 24. Jacob Hackh von Schwebischen- hall 3 fl. 15 kr. 14 schus. — Das 25. Erhart Rieb vonn Zürch 3 fl. 15 kr. 13 schus. — Das 26. Hanns krueg vonn Zürch 3 fl. 13 schus. — Das 27. Hanns Baur von Eringenn 3 fl. 13 schus. — Das 28. Conrat Keller vonn Rottwell 2 fl. 45 kr. 13 schus. — Das 29. Hanns Gelff vonn Schiedstatt 2 fl. 30 kr. 13 schus. — Das 30. Vrich Statz vonn Zürch 2 ^. 30 kr. 12 schus. — Das 31. Vlin Suetter von Zürch 2 fl. 15 kr. 12 schus. — • Das 32. Petter Fieslin vonn Zürch 2fl. 15 kr. 12 schus. — Das 33. Junck- herr Jacob Hab vonn Zürch 2 fl. 15 kr. 12 schus. — Das 34. Hanns Martin Bair von Schaff haußen 2 fl. 12 schus. — Das 35. Hanns Stendlin von Ulm 2 fl. 12 schus. — Das 36. Balthasar Eysner von Londaw 1 fl. 45 kr. 12 schus. — Das 37. Conrat Birlinger, Alemannia VI 3 15 286 Dentzler vonn Zürch 1 fl. 45 kr. 12 schus. — Das 38. HaiuiB Plattner von Bern 1 fl. 30 kr. 11 schos. . — Das 39. Andreas Hörttenstain vonn Zürch 1 fl. 15 kr. 11 schuß. Johan Noppis Notarins vnnd Cantzeleij Schreiber zu Rottwell 9 fl. — Der pritaen fann: Jacob Hupschlin von Mengen 1 fl. Liennhart Flexal Pritan- maister 9 fl. Veltan Flexel Ziller 5 fl. — Die hochberuembt Reich- statt Augsburg : Liennhart Bruner, Jörg Haupmann, Christoff Hoff- mair, Moritz Mamadorffer, Hanns Jocham und Thoma Gillig alle von Augspurg. — Die hochberuembt Reichstatt Schledtstatt: Hanns • Rieß, Hanns Gelff und Christman Klaw^ alle von Schledtstatt. — Die Reichstatt Ylm : Hans Negelin, Jörg Balckhamer, Hanns Steudt- lin, JörgMöslanng und Hanns Mair, alle von Vlm. — Die Reich- statt Memingen: Jacob Fries und Jacob Baor von Memyngen. — Die Reichstatt Eslingen: Hanns Pfister, Daoitt Pfister und Hanns Schmidt, alle von Eslingen. -— Die Reichstatt Gmündt : Christoff Gullin, Jacob Reißer, Steffan Bentz und Hanns Feiner, alle von Gmündt.' — Die Reichstatt Reudtlingen : Jacob Gegkeller, BasUonn Müller, Jörg Bechtolt und Hanns Lyngckh, alle von Reudtlingen. — Die Reichstatt Schwebischenhall: Jacob Hagckh von schwebi- schen Hall. Rom. Kay. vnnd Eyn. May. Erblender ire gsande schitzen: Das viertt Loß. — Die statt Villingen am schwartzwalt hatt geben ain Neuner von wegen der Erblender: Hanns Wernner ein erwölter Neuner, Stoffel Rebman,' Thebus Wernner, Petter Müller, Hanns Jeger, Stoffel Psetzer, Hanns Hayre, Hanns Schlei- cher, Melichor Schleicher und Matheis Neidinger, alle von Villingen. — Die statt Freiburg: Thoman Stadler von Freyburg. — Die statt Rottenburg am Necker : Stoffel Walckher und Vrich Wachen- dorffer von Rottenburg. — Die statt Mengen: Hanns Bc^ner und Jacob Hupschlin von Mengen. — Die statt Schömberg: Bastionn Wuerer, .Urich Straub, Balthasar Hengst und Bastlin Braun, alle von Schönberg. ^Petter Laur, Hanns Wernherr. Hanns Schaber, Hanns Pfeiffer und Stoffel Yogi, alle von Obemdorff. Jacob Scherrer und Jacob Glut von Horb. — Das hochberuembt Fuerstndum Wuerden- berg hatt geben ain Neuner von wegen aller fuerstenn. Das sechst Loß. — Die statt Studtgardt: Cyriacus Hom von Studtgartt. — Die statt Sultz hatt geben ain Neuner : Lorentz Rueff ein erwölter Neuner, Paulin Vngmach, Glauß Eatz, Gonrat Hoffinaister, Ann- dreas Mueße, Claus Rueff und Hanns Langjar, alle von Sultz. — Die statt Ehingen: Claus Gretter, Balthaß Müller, Hanns Geng- ckhinger, Martin Gengckhinger , Blaßin Eintzelman und Jacob Scheppo, alle von Ehingen. Hanns Wesler und Gregorius Schrenckh von Alberspach. — Die statt Roßenfeldt: Hanns Erueg, Haynrich Negelin, Jacob Pfeiffer, Burckh Zymerman und Anthony Müller, alle von Roßenfeldt. — Die statt Herrenberg: Enndris Rueg, Enndris Weber, Enndris Roßer und Jacob Rudthartt, alle von Herrenberg. — Die statt Tornstetten: Hanns Gretzinger und Hanns Mauder von Tornstetten, Matheis Zymerman von PfuUingen, Hanns Ej^yser 227 Tonn Gerspach, Liennhart Knecht yon Benfelten. — Die statt Ballmgen: Balthaß Geradt, Nysy Morer, Hanns Schreiher, Hanns Frey und Jacoh Flam, alle Ton Ballingen. — Die statt Tuttlingen: Jacob Zop£P, MittlmüUer; Benedict Thenna und Jheronymns SchwartZy alle von Tudtlingen. — Die statt Calw : Jacob Vngmach von Calw. — Die statt Weinsperg: Bastionn Ziegler von Weins- perg, Benedict Brechlin vonn Langenstain. — Das hochberuembt Fnerstndnm Margrafschaüt von Baden Ire gsande schitzen. Die statt Baden: Hanns Bachman von Baden. — Die statt Meringen hatt geben ain Neuner von wegen der prelatten vnnd Ritterschaft : * Das fünfit Loos : Hanns Jacob Snmhanßer von Mering ein erwölter Neuner, Jörg Ferr von Meryngen. — Die prelatur Weingartten: Petter Bändel vonn Weingarten. — Hernach uolgen die stett auß der Aidtgnosschafft, die haben gebn ZWenn Neuner. — Das ann- derLoß. Die statt Zürch das Oberist Ortt hatt geben ain Neuner: Caspar Gniper vonn Zürch ein erwölter Neuner, Junckherr Jacob Hab, Petter Fieslin, Hanns Pfenynger, Vfich Statz, Erhart Rieb, Anndreas Hörttenstain, Hanns Lochman, Hanns Hensler, Jacob Bacboffer^ Bartlin Haug, Conrat Dentzler, Hanns Hartman, Lipus Lang, Jacob Figlin, Vlin Sueder, Rudolff Mair, Felix Eemblin, Hanns Eynig, Liennhart Mair, Conrat Sulger, Welim Mair, Ulin Weiß, Hainrich Leibenstain und Michel Mair, alle von Zürch. — Die statt Bern das ander Ortt der Aidtgnosschaft : Junckherr Hanns Herbott hatt man aufPgesetzt den Ehren Erantz, Hanns Plattner, Hanns Tegckhler und Martin Koller, alle von Beren. — Die statt ^ Schaffhaußen ain Ort hatt geben ain Neuner: Junckherr Christoff Waltkircher ein erwölter Neuner, Conrat Renger, Martin Koch, Felix Lyndemair, Bern Beckh, Hanns Martin Bair, Melichor Ram- sauer, Hanns Mueg und Caspar Spließ, alle von Schaffhaußen. — Die statt Glariß ain Ortt der Aidtgnosschafft : Jacob Gerber und Jacob Schuller von Glariß. — Die statt Lucem ain Ortt der Aidt- gnosschafft: Claus Bürgin, Jacob Poßzartt, Hanns Schedler, Hanns Vngerfinger, Joß Moßer und Joß vonn Steg, alle von Lucem. — Die statt Baden im Ergaw: Hanns Reischer und Vatt Vberlinger vonn Baden, Hanns Knitzelman und Hanns Landolt von Prem- gartten. — Die statt Bruckh im Ergaw : Junckherr Balthasar Vix- lin von Bruckh. — Die statt Mülhaußen: Michl Irig, Marx An- ckhenfesle, Bastion Weber, Michel Jeger und Davitt Syngenberg, alle von Mülhaußen, Hanns Senblin vonn Lauffenberg, Jacob Schrei* her vonn Gewiller. — Die hochberuembt statt Rottwell ain glits Reichs mitt sambt ir Burgerschafft vnnd schitzen die geschoßen haben wie hernach volgt : Das Tritt Loß. Herr Hanns Brenyßen, ain erwölter Neuner, Gabriell Mutzhaß, ein erwölter Neuner, Thoma Pfister, ein ei^wölter Neuner. Theis Stuellinger, Thebus Hueber, Christan Sichler, Thonny Pletter, Hanns Erlin, Lorentz Krattwoll, Balthasar Sponn, Martin Haller, Hanns Göbel, Martin Groma, Enn- dris Bair, Wendel Brenißen, Hanns Hartman, Conrat Keller, Hanns n I 228 Bynder, Martin Göbel, Martin Hör, Hanns Jacob, Clauß Vogler, Hanns Herlin, Jörg Reißer, Hanns Falhaber, Hanns Frey der Jung, Gregorius Springer, Bastion Bair, Wolff Arnolt, Paullin Eellin, Conrat Haeber, Bastionn Egaxtemair, Rudoiff Frantz, Jacob Het- zinger, Paulin Teufelsperger, Hanns Holtzlin, Steffan Bynder, Bastion Negelin, Jacob, Gnedig, Petter Mair, Petter Bentz und Hanns Eißenbach, alle von Rottwell. — Die Reichstatt Weißenburg: Con- rat Morfelt von Weißenburg. — Die Reicbstatt Rottenburg an den Tauber: Glauß HofiPman von Rottenburg. — Die Reicbstatt Lan- •daw: Dierpolt Eysner, Balthaß Eysner und Lorentz Ziern, alle von Landaw. — Die Reichstatt Neuenbürg: Dauitt Zynckb vonn Neuenburg. — Die Reichstatt Geislingen: Veitt Scheffolt vonn Geislingen, Paulin Baynner von Stauffen, Remygius Mair von Costantz. Das Stadtbncli yon Scbaffbausen Schluß Byschach aduocatus. Wir der Rät zu Schaffhusen haben vns ainbelleklich erkendt vif vnser ayde vnd 6re durch vnser Statt vnd armer vnd Rtcher in vnser Statt nutz vnd fromen vmb dise nachgeschribnen stak in 5 der wis vnd mainung als dieselben stuk begriffent. Zem ersten. Weiher nv hinnenthin vnser vogt wirt, daz der die drißig phunt die Im von jerlicher Stflr genallent Ingewinaen vnd nemen von der Resta'ncie derselben Stflr, als daz vor langer zit sitt vnd gewont ist gewesen es sy denn daz man Im die willeklich von der StAr 10 gebe. Vnd wenn man nit StAr git So sol man im ouch nicht geben. Wer aber daz man dehains j&rs zwo stAran geben wurd So sol man Im doch nit me geben denn von ainer stAr. Vnd dez gelich wer daz man dehains j&rs stAr entlehenti S6 sol man im ouch nicht dauon geben. Item vnd vmb daz Insigel sol nu hin- 15nenthin nieman 'me geben denn ainen Schilling phenning vnser müns er sy burger oder gast. Item vnd von der burger vnd ge- " sten wegen die in ainer klag begriffen sind als vil der ist, sol der Richter nit me nemen denn j ß ^ unser müns. Item vnd vmb daz gericht schriber ampt haben wir vns erkent daz das nyeman 20verphenden sol in dehain wys. Wenn wir ouch vßziehen oder Raisen mAßin So sol denn der vogt ouch ye mit vns vßziehen vnd Raisen als daz von alter her komen ist. Vmb den nachrichter sol der vogt die gesetzt halten die da- 25 uor in disem b&ch geschriben st&t. Der vogt sol ouch daz burgkrecht by vns haben In gelycher 229 wis Tod mit den gedingen als daz hr. hainrich von Randegg vnser vordriger vogt gehalten hett. Dem ist also. Wenn er von der vogty stat daz er denn jerlich von dez Burgkrechtz wegen richten vnd geben soi dry goldin vnd wenn er denn fürbas nit burger wil sin So sol er denn geben xviij guldin vnd nit me vnd mag denn 5 ledklich von hinnen varen kn allen abzog. Actum quarta ante Georij' Anno ac. cccc. decimo. (fol. XXXIII.) Der Snider Ordnung vnd Satzung die si hal- ten söllent Wir der vogt vnd R&t ze Schafihusen veriehen 2C. Wan da- 10 her vil vnd dik für vns brächt ist Wie das die Snyder daselbs* ze SchafiPhusen mit irem 16n arm vnd Rieh gräßlich vbergriffen vnd beschätzet habend, als euch das kuntÜch ist, vnd wan etlich Stett sölichen vbergriffen vnd beschatzungen begegnet vnd Ordnung vnd gesatzt gemacht band, darnmb daz iederman. ain gelichs ge- 15 scheh : haben wir vns ouch durch gemainen nutzz vnd fromen armer vnd Richer der vorbenempten vnser statt ainhelleklich erkendt vff vnser ayd, daz die Maister Snyder hantwerks nv hinnenthin die Ordnung vnd stuk halten vnd ouch by der Satzung beliben sol- lend in der wis'^ vnd mainung als hienach geschriben stUt doch 20 mit sölichen fftrworten daz sich nv hinnenthin dehain Snyder der in vnser Statt kompt nit setzen noch sin hantwerk triben sol in kainwis, er hab denn vorhin burgkrecht enphangen vnd hab dar- zn sinen hamasch, der im denn gebotten wirt, in aht tagen den nehsten nach dem als er daz burgkrecht enphahet bi sinem ayd 25 an all geuerd. Die mugend^ouch denn Stubenrecht vnd gesellschaft kouffen ob si wellend. Werner aber dieselben Ordnung nit hielte es w&r an ainem stuk oder mS der sol vß vnser Statt gin vnd nit me darin komen denn mit des Rats willen vnd vrlob vnd ist dis die Ordnung vnd Satzung der Snyder. 30 Item zem ersten von zwain Siechten hosen vngefötert vnd an läppen iij >^ Costenzer. GefAtert Hn läppen iiij ^. Gefütert vnd mit läppen hindenan vnd vornen vj ^. Item von ainem siechten knöpfflochten anligenden h&ß vn- geffttert j ß .<|. Gefütert vnz an den gArtel xvj ^ vnd gar ge- 35 fAtert xviij ^. Item von ainer siechten knöpfflochten Juppen jL ^. Von ainer vnknöpfflochten ganzen Juppen viij ^ vnd dez gelich von ains mannes rok ouch. Item von ainem gef&terten gantzen hSiS vnknöpflet j ß ^»^0 Item von ainem Siechten ainnaltnen mantel vff daz knü vn- gefAtert viij ^. Vnd von ainem zwiuelten mit ainem goller xviij ^tf vnd von ainem siechten kurtzen mantel gef&tert x ^. Item von ainem langen mantel fflr daz knü zwifalt ij ß ^ vnd von ainem ainvalten xvj ^. 45 Item von ainem siechten vnderwambasch iiij ß ^ vdd von ainem obern anligenden Schdpen iiij ß ^. 230 » ^ Item von ainer obern tapphart Juppen viij ^ vnd Ton ainem barchattlin j ß pfenning. Item von ainer schlechten ainfaltnen kappen iij ^ zwifalt v ^ vnd vff halben weg gef&tert iiij pfening. 5 Item von ainem sakröklin vngefAtert j ß gefütert xvj ^ vnd von ainem tapharttin vngef&tert gevocht xviij ^ Gefütert ij ß ^. Item von ainem langen tapphart vff den fuß vngefAtert iij ß Gefütert iiij ß ^. Item von ainem gantzen sakschopen iij ß ^ vnd von ainem lOknöpfleten iij ß üij ^. Item von ainem fröwenRok mit glenken vnd mit ainer brysi iij ß vnd von ainem schlechten an gelenk vnd an brisinen xviij ^. Item von ainem schlechten fröwen mantel mit ainem goller ij ß vnd ka goller xviij ^. vmb die engen gefalten mentel vnd vmb die 15 grosen vnd witen fröwen Bock ist nit Satzung. Item von ainer fröwen gefalten kittel rok iij ß vnd von ainem schlechten fröwen tapphart mit ainem goller ij ß ^, Item von ainer fröwen barchat- mit gelenken vnd mit brysinen an Ermel xvj ^ vnd mit Ermein ij ß ^. 20 Item von zwain witen fröwen Ermein iiij ^ vnd von zwain engen vj ^. Item vmb die großen kappen vnd zederlocht zerhöwen ge- wand ist kain ban^ Item ainem. sniderknecht der ainem in sinem hüs werket vnd 25 im sin gwand vsrichten kan, sol man geben des tags viij ^ vnd ainem knaben vj ^. Item Weiher Saider daz hantwerk tribt der mag wol wullin gewant vail haben vnd mag ouch daz hantwerk darzu triben. Actum an mentag vor sant Hylarientag Anno zc. cccc. viiij. 80 By dem erkennen der vorgeschribnen Ordnung sind gewesen dez Bäts ainer vnd drißig. (fol. XXXIV.) Mischach aduocato preaide. Johannes Waybel hett vff disen tag für B&t brächt wie daz er vormals ain gemächt vnd Ordnung oder ain gemaind geton hab 35 gen sins suns seligen kinden, darinn er im selb behalten hab daz er widerrüeffen mindern oder m§ren möcht Vnd wiß nit anders denn daz darumb ain brief geben sy des aber nieman veriehen well, darumb hett er dis alles offenlich widerruft also ob daz wer daz hienäch dehain brief funden wurden die dis sach antwurtin daz 40 die vernicht vnd craftlos sollen sin. Dis ist erkendt In dis Buch zeschriben. Actum quinta post Othmari Anno dm. Millesimo cccc. decimo. Bis hett im Hans NutzH vor Bat geöffnet. Nachtschdch. 45 Wir haben vns aiuhelleklich erkendt durch g&tz frids willen wer nv hinnenthin den andern an dem sinen nachtz oder tags schädiget oder sin vih vff yeman tribt^ es sy vff dem veld oder 231 in garten es sy man oder frow, vmb söliohen nachtschach sol ain yeglicher dem kleger veruallen sin ze richten ain halb mark sil- bern Tnd der Statt j U hlr. vnser werschafb kn gnlUi. Weiher aber daz tags tset, der ist der Statt verfallen j ^ vnd dem kleger j % hlr. als dik daz bescbiht. Wer onch daz, yemans kind sölichenö schaden t&ten, die w&rind semlicher biß vnd pSn ouch verfallen vnd weit man ouch die zu iren v&ttern vnd mAtem snchen vnd nemen. Erkanten wir vns aber daz die geschieht als6 w&r daz «i fftrbas ze straffen wären, darvmb haben wir Vns denne z& er- kennen. Actum quinta pöst Marie Magdalene Anno ccccxvj. 10 Kürsenner von der haitzi wegen* Burgermaister vnd Raut der Statt Schaufhusen habent ain- barlich vns (die Fortsezung feit). Wir der Burgermaister vnd Rat zu Schaufhusen haben ge- setzt durch gfitz frids willen wä ain burger den andern ersticht 15 daz den yederman heben sol by dem ayd. w4 aber ain gast ain burger schlecht odei* sticht sol den gast yederman heben by dem aid. Actum quinta post Epiphanyaz dm. Anno dm. ccccxxvij. (fol. XXXV, ) Wir der Burgermaister groß vnd klain R&t zu SchaufiThüsen haben vns ainhellich erkent vnd gesetzt wa ain 20 burger den andern erstichet das den yederman haben sol by sinem aid. Desgltch wa ain gast ain burger schlecht oder stiebet, sol ouch menglich den gast heben by dem aid vnd sol ouch dis ge- satzt alle jär allen vnsem bürgern vnd bywonern in den aid ge- geben werden zehalten Actum quinta post Epiphanyaz dm. Anno 2C.^5 xxvij. Bas niemcm Tcain samnung hie machen sol an vrlöb ains burgermaisters vnd ains Bätes, Wir. der burgermaister vnd Rät zu Schaufhusen klain vnd groß sind ainhelklich vberain komen vnd band geordnet vnd ge-30 setzet durch vnser gemainen statt nutz er ynd fromen vnd gutz frides willen richer vnd armer, daz dehain vnser burger noch by- woner er sye riche oder arm alt oder Jung dehainerlay red noch sach mit nieman antragen noch anuahen sol noch kain samnung noch berflffung der ztinfften vnd ouch kain gelübt versprechen noch 35 buntnAsse mit nieman tun sol. In dehain wise haimlich noch offen- lieb vmb waz sach daz were dardurch ainem Burgermaister vnd Mt vnd gemainer Statt Schad kumber vnd vnfrüntschafft aid miß- hellung komen oder vfferstan möchte In dehain wise. welher es aber darüber tete Ir wSre ainer oder m^re haimlich oder offenlich 40 oder es seh Äff getan werden, von dem daz fürkeme vnd kuntlich wurde den oder die sol vnd wil man straffen an Iren üben vnd gAtern nach ains Rats erkantnAsse Wer ouch das yeman solich red oder antragen als vor stät von yeman h6rte oder vernSm von wem das were, das sol ain yeglicher ko. verziehen ainem Burgermaister 45 oder sinem Statthalter färbringen bij sinem aid sd er gesworn hat Es sol ouch dis gesetzt zu halten allen vnsem bürgern vnd by- 232 wonern alle järe in den aid geben werden. Actam an Mittwochen nach Agnetis Anno dm. Millesimo cccc. xxj^ Nota: dis nachgeschribnen sond an gericht noch Bat niemer mer komm an toülen vnd gunst vnd willen Burgermaisters vnd Bdtz* 5 Wilhelm Earrer. Jeckli Earrer. Hainrich lib. Negilli sutor. Erhart Seifinger. Jung hofwiser. Hennsli Süter. Jos Biderb. Bar- kart frik. Alt £schinger. ^Enich. Rickenbach. Gübli. Spor. Hensli Balinger. Roschacher. Strobel. Stainegger. Rudi Balinger. fröwen- uelder. G&nrat Swertfurber. Ali zimberman. Balduff. Wißwiler. 10 zünduff. Rösch hubensmid. Hans Murer floffer. Clewi Mürer. Jeckli Sporer. Sdß. Held. Hanns von wil. Jung fmid von Mellingen. Hennsli Rorer. Fürsin ars. Lentzinger. Yselli. Haintz Nagler. Wid- men Canrat Brunner. Rusch. Meynow. Giezberg. Binder im Saltz- hof. Jos Snettzer. Schillig meßersmid. Hans Bran. Hennsli zim- 15 bermä. Senfli. Clewi schillig. Canrat Keßler. Clewi trdgmacher. Kastler. Das man hinnenthin nieman kainen frevel sol zxk uerdie- nen geben. Wir der Burgermeister vnd Rät zu Schauffhusen haben ge- 20 setzt durch gutes frides willen das man hinfür nieman dehainen freuel noch vntzuht Sol zu uerdienen Geben, er sy burger oder gast denn daz ain Rät menglich nach siner erkanntnüß vmb ^.i^t- zuht straffen sol nach ieglicher sach gelegenhait. Actum an dvnrs- tag nach Agnetis Anno M. ccccxxj. 25 (fol. XXXVI.) Von dem kornmarkt vnd toie sich die p fragner halten sond. Wir der Burgermaister Groß vnd Ciain Rät habend, vns ain- helleclich erkant durch gemainer statt nutz willen das nyeman, er sye Burger ald gast^ dehain körn köffen sol Es sye den vor in 30antwederm kornhüse nider gesetzt. Wir haben öch gesetzt das hinfdr dehain pfragner er sye burger ald lantzman nützit köffen sol Ee denn das man die glocken gelüt hat. nach dem vnd man die glocken gelötet so mu- gend denn die pfragner wol köffen. 35 Wir haben öch gesetzt war das dehain pfragner er wer burger ald gast nach dem vnd man die Glocken gelütett hätt vtzit köfft hett wil das vnser burger ainer haben vmb das geltt als es der pfragner köfft hett vnd in sinem huse bruchen sd sol im es der pfragner volgen vnd werden laßen äne alles widerwort. 40 Wir haben öch gesetzt das ain yeglicher vnser burger vor der Glocken E denne das man si gelütett hat wol köffen mag wes er in sinem hüse bedarff vnd das er darin bruchen wil. Wir haben och gesetzt das dehain pfister vnser burger de- hainen kernen machen sol vnd den enweg füren vnd anderswä 45 verköffen. Wir habend öch gesetzt das dehain pfragner er sye burger oder gast nyena vff das land riten sol körn ze köffen vnd kerne- 233 nen (so!) darvß ze machen. Sy mugend wol nach dem vnd man die glocken gelAtett in vnsern kornhösern körn kö£fen vnd kernen daruß machen vnd den anderswä hinfflren. Doch so sond si da-^ non zollen zu gliche wise als ander vnser barger zoUent von dem mel das man in malt, doch so sol kain pfragner mer köffen denn 5 zwen malter. Vnd vber dise stak alli so haben wir ze baß gesetzt wer der wer, der der Stack dehains AberfAr ald breche der beßert ze baß vnser ge- mainen statt als dik er das tAti fär yegliches mä,l ain pfand haller ane gnad. 10 Bargermaister vnd Rät haben vns aber ainhelleclich erkant das man dise gesatzten hinfAr halten sol by der obgeschribnen b&ß vnd das man die glocken nit er lAten sol den so die glock ainlffi schlecht. Actam qainta post exaltaüonem Gracis Anno dm. M. cccc. xxviij. 15 Es sol öch kainer phister mSr köffen an offnen marckttagen denn fünff Malter vesen by der obgeschribnen p^n. Vnd by der selben pen sol kain phister vnser barger en- hain br6tt vßer vnser Statt vff das land f&eren. Actam at sapra. 20 War oach daz die frömden fltzit köffen daz sol man vnsern bürgern laßen ob sy es wend, band es aber die vnsern nit ze be- zalen so sond es vnser Statt rechner köffen vnd an aim andern zinstag wideramb an den markt setzen vnd kain körn laßen hinnen ze gend Aberal. 25 Ordntmg der Metzger wie si sich halten sond. Wir der Bargermaister vnd Rat za Schaffhasen haben vns ainhelleclich erkent vff den aid das die Metzger hinnenthin dehain Rind viertailen noch höwen sond noch zerliden, die sehöwer haben es denn vor gesehen. 30 Die schower habend öch denne gewalt das si denne. haißend geben ain pfand Rindflaisch vmb vier haller ob es als gat ist vnd darnach zway pfand vmb siben haller oder ain pfand vmb dry haller als es denn gat ist oder ij pfand vmb fünff oder ain pfand vmb zwSn halier ald ob es also bftse w&r gentzlich haißen dannen 35 ton vnd öch von yedem Rindhafftigen höpt ain lid höwen. Item si sond öch za kainem Rindflaisch nit wegen noch höwen weder lunggen lebern herz noch miltz kainen Schlobräten noch Raggbräten daraß höwen kain alt schSffin höppter nit wegen noch höwen noch kainerlay ander höpter denne recht! milch- 40 lenber höpter. Sy sond Öch die tümling am Stack (übergeschr. sond si ganz abhöwen) laßen beschaidenlich das er nit zegroß sye vngeaärlich. Item ain pfund sch&ffins vnd kastrim sond si geben vmb vier haller vnd nit dArer vnd sond öch enkain höpt dartzu wegen 45 by der baß. Ain pfand kalbflaisch sond si geben als das vntz her geben ist. 234 Swinin br&ten ain pfand vmb ,vier haller. Item hammen ain pfand sond si geben vmb dry haller. Sy sond machen dry wärst die ain pftind tAgend vnd sond darin nüt hacken in kain wis denn swinin br4ten vnd sond si 5 geben vmb sechs haller vnd nit hoeher. Item si sond öch kain swin höwen Ee das es die seh Ö wer haißend. Bückis sond si geben zway pfund vmb fünff haller, st&t an den schöwern. 10 Sy sond geben altbock ain pfund vmb dry haller. Item was öch die schöwer schetzen das sond si also hÖwen als es gesetzt ist vnd nit selb saltzen. Den kiigen sond si kain vter abhowen vnd das flaiscb lafien beliben als es von alter herkomen ist vnd an im selbs .... 15 Die Ruggen sond si vs den swin nemen. Sy sond die Bottertentz fürbas nit mer z& dem brunnen schütten sunder si sond die tragen zfi dem Bin in ain grab. Weiher aber vber der stuck dehaines t&ti der sol ain pfund haUer vnser müntz ze baß geben als dik das beschicht vnd wil 20 man die baß nemen als ander fräfflen. (fol. XXXYII.) Der zunfftmaister vnd die sechs sond rügen by den aiden so si gesworn band pfinnig flaisch vnd ander boss geuorlich flaisch. Ton des dbzugs wegen. 25 Wir der Burgermaister groß vnd klain Rät haben vns ain- helleclich erkent vff vnser aid darch vnser gemainen Statt Nutzes vnd fromen willen was knaben ald tochtern hinfur für vnser Statt beraten werden es sye zu der gaistlichait in Gloester, zfi dem Sa- crament der hailigen Ee ald sust inander weg vnd an ander statt 30 das die sölich gut damit si vßgestärt vnd beraten werdent ver- anzalen sond nach vnser Statt recht herkomen sitt vnd gewonhait. Actum dominica Exaudi Anno it. xxvij. Wie vü häbern ainem Burgermaister Jerlichs zugehoert wardb er gät vnd wer in git. 35 Item von dem closter aller hailigen git man jSrlichs ij Mal- ter habern. Item fün£Ptzehen viertail habern gend die Mayer von Widla. Item Olavs Cromer genant hildbrant git drü viertail. Item hanns Menlich git ain Mutt habern zway j4r vnd an 40 dem dritten jar so git in der fries am hornberg vnd gät vß dem winzürnen ampt. Burler hirt sol den Mutt habern all weg ij jar vnd der fries am dritten jär als der fries das dem Burler vor Burgermaister vnd Rät vormals anbehept hat vnd sol ouch der köffbrieff den 45 der Burler von dem ISn hat dem friesen dehainen schaden bringen. (Ordnung). Wir der Burgermaister vnd Baut Gros vnd klain z& Schauf- 286 büsen haben vns ainhelcklich erkennt vff vnser ayde durch 6e- « mainer Statt onch Richer vnd Armer nuttz vnd 3re vnd frommens willen Das dis nachgeschriben stuck Ordnungen vnd gesatzzen hin- fftr in unser Statt gehalten werden sond vngeuorlich. Item des Ersten das die Edlen der geselschafft vff der Obern 5 Stuben hinMr jSrlichs vßer ir gesellschafft vier erber mannen die sy denn vff ir ayden vnd vff ir ere gemainer statt die nutzlichi- sten vnd Srlichosten sin beduncken In den klainen Raut kiesen wellen vnd settzen sond. Vnd zu den vieren dry in den großen Raut Als6 das si in dem großen Raute nit mSr haben sond denn 10 siben. In maußen als ander zunfften ungeüorlich vnd sond yettzo vff pfingsten schierost ckomen So man den Raut endren vnd von nAwem besettzen wirdet, anheben Vnd das dannenthin iSrlichs tun &ne allermengliches lintrftg vnd Widerrede vnd ouch &n geuerd. Zu dem andern als wir ettwas zites bar ainen obrosten 15 zunfftmaister gesettzt vnd erwellet vnd dem gewalt gegeben band den andern zunfftmaistem vmb gemainer Statt Sachen vnd ge- schefften znsamen zegebieten vnd sich darumb mit inen zu be- sprechen vnd zu vnderreden vnd solichs alldenn an ainen geseßenn Raut zebringen K. Das da solichs gantz vnd gar vernicht tod20 vnd absin vnd hinfür nit' mer beschechen sol vngeuorlich. Tzn dem dritten s6 ist ouch vnser gewonhait gewesen jSr- lichs vier haimlicher zu settzen das sol ouch gantz ab sin vnd hinfür nit mer beschechen. Kind vßer der Statt beraten. 25 Ttzft dem vierten s6 haben wir gesetzett vnd geordnott Weihe vnser burger ald burgerin Si syen rieh oder arm iri kind knaben oder tochttren hinfür für vnd vßerthalb vnser Statt beraten Es syg zu der gaistlichaitt ald dem Sacrament der balligen Ee das der oder die von solichem gut so si iren kinden also gend vnd zu 30 fügend vnd damit si soliche iri kind vßberätend vnser gemainen Statt zu abzug noch anzal nichtzit vberal geben noch darumb ze t&nd pflichtig sin sond weder wenig noch vil kains wegs arglist vnd geuerd hierinn gantz hindan gesündertt. (Zus. Bestät moim- tags den 5. tag Homungs Ao. 1543). " 35 Anzal vnd abzug. Ttzft dem fünften So haben wir geordnet vnd gesettzt Wei- her vnser bürgere ald, burgerin Rieh oder arm sich vßer vnserm bufgrecht vnd sin gut vßer vnsern sturen ziehen vnd settzen wil das der oder die vnser gemainen Statt von allem irem gut ligen» 40 dem vnd varendem den sechtzehenden pfenning vnser werung nach anzal zu abzug geben sond vnd vnser gemainen Statt von anzals vnd abzugs wegen den vollen vnd gantz vsrichtung getan haben äne all widerred vnd geuerd. - Abzug d& ain gemahel vor dem andern abg^t. 45 Ttzft dem sechsten ob sich in künffügen zitten yeman frem- der mit dem Sacrament .der balligen Ee harin zu vns in vnser 236 Statt frömdotte vnd sieb gefügte das der gemahel ains abgieng vnd sieb das ander widerumb binweg zn einen fründen ziehen wölte das sol mit solicbem gfit So es sinem gemahel zabraucht haut vnd das es von sinenl gemahel angeuallen ist vnd das es nutzet vnd 5 mit im hinwegziehen wil in dem obgeschriben anzal stüre vnd da- uon den sächtzehenden pfenning zu abzug geben vnser gemainen Statt vngeuorlich vnd ane all Intrag. Das kain ainiger den andern vbersagen sol. Ttzu dem Sibenden* vnd zu dem lettsten S6 haben wir vns lOerkennett das hinfür kain ainiger er syg des Rautes oder nit den andern vmb gros Sachen die ainem sin dre lib oder gut berürren vbersagen sol Sunder wenne solich Sachen für ainen Ravt ge- wachsend S6 sol man ainen für Baut beschicken vnd in vmb so- lichs ansprechen vnd in der zusprach wisen als recht ist vnd sust 15 kain kuntschafft vber nyeman verharren kains wegs. Vnd v£f das alles So habend wir vns furo ainhellenclich er- kennt das wir. dis obgeschriben stuck Ordnungen vnd gesattzten gemainlich nach dero dehains insunders weder mindren noch mSren vnd die ouch gemainlich noch sunderlich nit vernichten noch ab- 20 tun sond denn mit gunst willen vnd wißenn der obgemelten ge- sellschafft der Edlen vfiP der Obern stiiben 4ne all beßsuird vnd geuerd. Item vnd sind dis obgeschriben gesattztten Ordnungen vnd stuck gesetzt vnd gemacht vnd habend wir vns dero In obgeroel- 25 ter wise erkennt vfiF Mittwochen nechste vor sant Hylaryentag Nach Cristi gepurt Thüsend vierhundert vnd darnach in dem ainen vnd dnßigisten Jarenn. Wir der Burgermaister vnd Rate zu Schaufhusen haben vns ainhellclich erkent wa ainem vnserm burger ichtzit verstoln wirt 30 Es sye Barschafft oder ander gut vnd der dieb ergriffen vnd das gut hinder im funden wirt Das man denn doßelb verstoln gut dem vnsern widerumb geben vnd die Statt den dieb v£f iren cob- ten hencken sol. War aber das ainem gast Ichtzit verstoln vnd der dieb by 35 vns ergriffen vnd der diebstal hinder im funden wurd So sol man den dieb von dem verstoln gut als verr das gelangen mag er- hencken. Ob des guts aber nit also vil war daz man deQ hencker dauon möcht vßgerichten S6' sol die Statt das vbrig dargeben. War aber ichtzit vbrigs daz sol man dem gast widerumb geben. 40 Actum in anno xxxij. Weiher den cmdern anfallet Wir der Burgermaister vnd Raut zu Schavfifhusen haben vns ainhellenklich Erkent w&r der ist der den andern in vnser Statt anfallet Es sye von recht oder ander sachen wegen vnd dar vmb 45 rechtes begert das man sölich zu dem Rechten heben sol vnd ob es von recht wegen war das denne der Cleger sinen aucht brief ofienlich z5gen sol vnd ob der Cleger zu dem ächter clagen ¥ril i 237 als vmb geltachnld daz denne der Gleger ainem burgermaister by sfner trAwe In aides wise* loben ynd verhaißen sol dem Rechten n&chzukomen nach aines R&tes erkanttnüße. w&re es aber sach daz es üb vnd leben beräeren vnd antreffen wurde das danne der Gle- ger das Recht darvinb vertroesten sol ouch nach Erkanttnftße aines 5 Burgermaisters oder Rautes vnd ob ainer semlich trostung nit ge- haben mag das man sy denne beyd zu dem Rechten Ingefanknüße behalten sol. Des voffte aid. Ir werdent schweren dis Yar vogt zu sind bis das jr anders 10 gewandelt werden ynd in dem j&r 's6 dik das z& schulden kombt zu sitzen vber das bl&t zu richten vnd darinn ain gemainer Rich- ter zu sind vnd ob vff vch mit gltcher vrtail etwas fiel darinn zu volgen das uch dann das beßer vnd gerechter bedunkt sin och das ir über die fräfflen richtent so sich dann in disem j&r ver- 1 5 löffen werden oder yetz verlofifen haben vnd all monat ainist rich- ten oder sd dik daz not wurd 6n geuerd vßgenomen was die ere oder den friden berArt das ist dem rant behalten. (fol. XXXIX.) Ben ayd der gemaind zu Sehaufhusen, Dem hailigen Roemischen rieh vnd diser gemainen Statt Be-20 svnder trüwe vnd worhait vnd gemainer Statt nutz Sre vnd fro- men zft fürdem vnd iren schadöil vnd vnSre zu wenden vnd zu warnen ouch dem Burgermaister vnd dem raut gehorsam zu sin ainander vor schedelichen dingen zu warnen vnd allen vnfriden zwdschent ainander niderzfilegen vnd ^n stillen als verre vnd üwer 25 jeglicher dftz vermag ouch die Zun£ftmaister vnd die Sechs 86 uch danne gemainer Statt Aller nätzlichest vnd erlichest sin bedunken zft wollen one alle geuerde. Lieben herren dis sol man uch ouch hie vorlesen werdent ir ouch in den ayd nemmen zu halten: 30 Wir der Burgermaister groß vnd ciain raut zft Schaufhusen Haben vns ainhelleclich bekant vnd gesetzt wä och ain burger den andern erstichet das den sol yedarman haben by sinem ayd Deßglych wd ain gast ainen burger Schlecht oder sticht Sol ouch mengclich den gast haben by dem ayd. 35 Wir haben ouch furo gesetzt vnd sint des ainhelleclich ains worden durch vnser gemainen Statt nutz %re vnd frommen vnd In sunder durch gfttz fridens willen Richer vnd armer das dehain vnser burger noch bywoner er sige arm oder rieh alt oder Jung dehainerlaye rede noch sach mit nyeman antragen noch anfohen40 sol vnd ouch kain Samenung noch berüfpung der zünfiften noch geselleschaften noch kain gelübde gegen nieman noch von dehai- nerlay sache wegen versprechen vnd ouch kain pöntniße mit nie- man antragen noch tftn sol noch sust nützit anders fümemen In dehain wise haimlich noch offenlich von was Sachen wegen das wer 45 dadurch ainem Burgermaister vnd raut vnd gemainer Statt Schauf- husen Schad mange] kunber vnfrüntschafit oder missehellung wachsen 288 kommen oder vfiPerstön möoht In dehain wfse Welicher es aber darftber t&te für wor ainer oder mer haimlich oder offenlich oder es schaffe geton werden von dem das fürkeme vnd knntlich wurde den oder die sol ynd wil man strau£fen an iren liben vnd g&ten 5 noch ains rautz erkantniße. Wer oach das yeman solicher ge- lAbde red oder antragens als vor st&t von Jeman horte oder Ter- n&me von wem das wer das sol ain jeglicher zu stnnt vnd öne alles verziehen ainem Bargermaister oder sinem Statthalter fdr- bringen vnd zu wißen tun by sinem ayde so er gesworen hani/ 10 Es sond ouch dise gesetzte halten alle vnsere bnrger vnd by wo- nern vnd dis alle jare in den ayd geben werden. Actum quarta post agnetis Anno dm. M« cccc. xxx primo. Wir hant vns ouch furbaßer ainhelleclich bekent wer es das dehain vnser burger oder die yns zu versprechen sont wer oder 15 weihe die wären ainer oder mer besunder zft dehainen andern vnsern burgern oder denen sd vns zugehoeren vnd z& versprechende stont Atzit zu sprechen betten oder gewunnen warnmb oder von was Sache wegen das wer nfttz vsgenomen S6 sich in dem zit des Bnrgrechtes verlouffen het darumb sol sich menglich vnd ain jeg- 20 lieber insunders - von dem andern hie zu Schauffhüsen vor ainem Burgermaister vnd raut rechts benAgen laußen oder an den enden dahin sü es danne wisent vnd Bust dehain ander recht noch ge- richt gegeneinander nit s&chen noch fürnemen by den ayden s6 ir hie sw^ren werden'. 25 Ouch haben wir gesetzt vnd vns ainhelleclich bekant weli- cher burger ouch sin burgrecht vfiPgeben wil der sol ea vffgeben vor ainem Burgermaister vnd raut hie zu SchaufiPhüsen vnd sol ouch danne sweren ainen ayd liplich zu got vnd den balligen obe er zu dehainen vnsern burgern vtzit zu sprechende habe w&rumb 30 das sye das sich in dem zit sins burgrechts verlouffen haut das er die dammb hie zu Schauffhüsen vor ainem Burgermaister vnd raut oder dem gericht mit dem rechten rechtuertigen sol oder an den enden dahin sü es danne wisent vnd kain ander recht noch gericht by dem selben ayd wider die vnsern nit fürnemen sol vnd 35 obe ain solicher zu gemainer statt ützit zu sprechen hette warumb das w&r das sich in der zit sins burgrechts verlouffen hett da- rumb sol sich ain ieglicher rechts ben&gen laußen vor ainem Schulthaißen vnd raut zu dießenhouen vnd sust kain ander recht noch gericht gaistllchs noch weltlichs by dem selben aide wider 40 vnser gemainer statt nit suchen noch fürnemen in kainen weg vnd das ouch ain ieglicher danne der statt iren abzug geben sol von allem dem so er haut vnd sol ouch danne ain solicher alles das so er in der statt vnd in iren gerichten haut noch dem vnd er das burgrecht vffgeben haut verstüren vnd verwachen als ander 45 vnser burger welicher aber das nit t&n wolt der sol alles das so er haut verkouffen In Järs frist nach dem vnd er das burgreeht vffgeben haut Vnd sol ouch danne furo kain Hüßrouchin in vnser 239 statt haben danne daA er an ainem offenen wnrt eßen ynd zeren sol. ^ Wie ainr An bürgrecM vffgit. Du wurst sweren obe da z& dehainen ynsem burgern oder borgerin vt zä sprechen habest, wammb das sige das sich in dem 5 zit dins Bargrechts yerlouffen haut das du die hie zu Schaufifhüsen darumb vor ainem Burgermaister vnd raut mit dem rechten recht- uertigen solt oder an den enden dahin sA es danne wisent vnd kain ander recht noch gericht by demselben ayde wider die vn- sern nit fArhemen sollest vnd obe du zu gemainer statt vtzitlO za sprechen bettest warumb das wer so sich auch in dem zit dSnes Burgrechts verlouffen hat darumb solt du dich rechts benagen laußen vor ainem Schnlthaißen vnd raut zu dießenhouen vnd sust kain ander recht noch gericht gaistlichs noch weltliches by dem selben dtnem ayde wider vnser gemainen statt mit suchen noch 15 fAmemen In kainen weg vnd das du der statt iren abzug geben solt von allem dem ad du haust vnd was du in der statt vnd in iren gerichten haust das du das verstAren vnd verwachen solt Als ander vnser Bürger obe du aber nit das zu tunde maintest So soltu alles das so du haust verkouffen In jars frist dem n&chsten20 vnd solt euch dann kain hüsroüche in vnser statt nit haben danne das du an' ainem offenen wurt zeren solt (Zusaz : Dominica Exandi Lquarto: So ist dorch groß vnd Glain Bat versetzt vnd erkennt welher hinfüro sin burgrecht vffgibt daz der den aid tun sol wie vor stät vnd sol euch dann zu ewigen ziten mit kainem geding25 noch vmb ain genamset gelt zu Schaffhüsen sitzen dann so ain sollioher darnach hie sitzen wolt so sol er daz burgrecht ön fur- wort an sich nemen vnd daz wider sweren nach diß buchs Inhalt). Van der hantwerck vnd dienenden knechten wegen. 30 Lieben frtint ir werden sweren diser statt Schauff hüsen trAwe vnd worhait der Statt vnd vnser burger ere nutz vnd frommen zu fördern vnd iren schaden zu warnende vnd Burgermaister vnd raut gehorsam zfi sinde also lange denne ir alle vnd ieglicher hie wonend sind vnd euch allen vnfride zwüschen den (fol. XL) vnsem 35 nider zi legen vnd zft stillen. Betten oder gewunnen euch Awer dehainer wer der wer In der selben zit als lang vnd danne Awer ieglicher hie dienend wonend oder mit wesen sint mit dem Burger«- maister r&ten oder der statt oder iren burgern oder den iren vnd mit namen den denen ir ietzo dienent oder fArbaßer dienen 40 werden vtzit z& Schauffen oder zfi sprechen wftr vmb oder von was Sache das wäre oder zft denen s6 vnsem bürgern zfigehoeren vnd zu versprechen stond das ir darvmb vnd Awer ieglicher In- sunnders mit rechten namen recht geben vnd nemen sond vnd Ach darumb des rechten laußen benAgen vor ainem Burgermaister 45 vnd raut hie zu Schauffhüsen oder vor diser Statt gericht oder an dem ende dahin sü es danne wisend vnd sust dehain ander 240 recht noch gaistlichs noch weltliche wider vnser gemain statt dehain vnsern burger noch die iren nit suchen noch förnenien in kainen weg öne alle geuerde. Der ayd des der da$ karnmeß Inne hat 5 Item da warst sweren ain gemain vnderkoüffer vnd knecht zu sinde dem gast als dem barger vnd mit dem meße menglichem ain glichs zu tun auch dem gast als dem burger dem armen als dem riehen ouch kainen gewerb noch pfragen zu triben die vn- sern markten schaden bringen mAgen In dehain wise vnd das du 10 niemans renner sin solt In kouffen noch verkon£fea noch kainen renner nit setzen solt. Du solt ouch mit nieman gemain hän noch ainen furo nit schirmen danne den andern vnd mit namen wanne du vail gdt wißest das den vnsern z&zefAgen ainem als an dem andern vnd darinne mit dem Ion niemant zu statten weder 15 durch 'miet durch gäbe noch durch deheiner hande sache willen danne darinne menglichem glich vnd gemainlich z& sind alles dne alle geuerde. Den ayd den die loüffer Sweren sollen. Der Statt nutze ere vnd frommen zu fördern vnd iren scha- 20 den zu wenden vnd was Sachen dir enpholen werden das du die one verziehen nach dinem aller besten vermögen volle enden vnd Semlich brieff s6 dir v£fgeben werden zu antwurten an die ende als dir danne das empholen würt gemainlich äne alle hinderniße vnd .das du dich darinne nit sümen noch varen laußest weder ge-' 25 seilen fröwen win spil noch deheiner hande Sachen wie man die benemben mag ouch in den Sachen verswigen zu sin vnd dehain ander sach vff dich zu nemen noch nieman nüd in der statt louf- fen zu werben das dich an dem loufiP hindren noch irren möge danne als verre als &wer ainer der antwurt warten mftß obe 30 er dazwüschen ainem vnserm burger ainen dienst getan möchte sei ime nit verbotten sin alles 6n alle geuerde. Des ricMers ayd. Der richter sol swSren das gericht von gemainer statt wegen vfiP dis iar zu besitzen vnd ain glicher richter z& sin dem armen 35 als dem richin dem burger vnd dem gast nach diser statt gewon- hait vnd recht niemant zu liebe noch zu leide noch durch kains vrtails willen vnd ouch kain miet noch Schenkung zu nemen fräffe- linen zu rügen vnd das nit zfi iaußen durch fründe durch vigentschafft durch nit durch haß noch durch dehainer band ander 40 Sache willen one alle geuerde. Burgermaisters ayd. Item ir werdent sweren dem balligen römischen rfch ouch mit namen vnd besunder diser gemainen statt Schauffhnsen trdw vnd worhait vnd gemainer statt nutz ere vnd fromen zu fördern 45 vnd schaden zu wenden die vnsern vor schädelichen dingen zfi warnen vnd allen vnfriden zwüschen den vnsern niderzftlegen vnd zQgestillen nach Awerm vermögen ouch witwen vnd waisen z& schir» 241 « men vnd ain gemainer richter zu sinde dem armen vnd dem riehen vnd das nit zu laoßen durch fründtschafft duroh vientschafifi durch nid durch haß noch durch kainerley ander sach "i^illen vngeu&r- lieh euch alle haimlich Sachen zu verswigen die im raut oder vßerthalb des rautz geworben werden dehain rautmiet noch sehen- 5 kungen zu nemen vnd des hochwürdigen vnsers gnedigen herren des appts vnd des gotzhus in der richin ouw als von des dorflfs slaithains wegen das ynserm spittal zugehcert ain trager zu sin noch der briefif darüber geben Inne halt. Ciain raid. 10 Item ir werdent sweren dem hailigen rftmischen rieh vnd deßglichen ynser gemainen statt Schauffhusen trftwe vnd worhait vnd der selben vnser gemainen statt nutz Sre vnd fromen zu für- dern vnd schaden zu wenden dem burgermaister vnd raut gehor- sam zu sind vnd recht zu sprechen als verre sich danne Awer 1 5 ieglicher des verstaut vnd euch dem armen zu richten als dem riehen vnd das nit zu laußen durch früntschafft durch vientschafiPt durch nid durch haß noch durch kaynerlay ander sach danne luter- lich one alle arglist vnd < geuerde euch an dem raut zu bliben vntz daz der andrest besetzet vnd gewandelt wurt die wile vnd ir hie 20 burger vnd seßhaft sint alle haimliche Sachen zu verswigen die Im raut oder vßerthalb rautz gehandelt vnd geworben werdent (fol. XLI.) dehain rätmiet noch Schenkung zu nemen vnd in den Sachen dartzu danne ieglicher gegeben vnd erkosen wurt sin bestes zu tuude vnd gehorsam zu sinde vngeuorlich die vnsern vor scha- 25 delichen dingen zii warnen vnd allen vnfrid zwüschen den vnsern nider zu legen vnd zu gestillen als verre danne Awer ieglicher ver- mag vnd alle fräuelen zu rügen one alle geuerde das swer ich. Wie der große raid Sweren soL Item ir werdent sweren dem hailigen römischen rieh vnd 30 vnser gemainen statt Schauffhüsen trüw vnd warhait vnd zu hal- ten wes sich danne der Burgermaister vnd raut erkennen vnd ob sich fügte das man Sachen in dem großen raut berechtigen wurde das danne üwer ieglicher das recht spreche Als verre er sich des verstände dem armen als dem richin vnd das nit zu laußen weder 35 durch früntschafift durch vientschafiPt durch nid durch haß noch durch kainerlay ander sach danne lüter one alle arglist vnd ge- u&rd vnd an dem großen rate zu bliben vntz das der gewandelt vnd'^anderß besetzt wurt die wile ieglicher hie burger vnd seß- hafift ist alle haimelich sachen zu verswigen die in großem raut 40 gehandelt vnd geworben werden dehain rätmiet noch schenckung zu nemen vnd wartzu ieglicher in großem raut geordenet wurt das er darinne sin Jbestes tage vngeu4rlich die vnsern vor schade- lichen dingen zu warnen vnd allen vnfrid zwiischen den vnsern niderzulegen vnd zu stillen Als verre danne ieglicher vermag vnd 45 ouch alle &auelen zu rügen on alle geuerde. Birlisger, Alemannia VI 3 16 242 Der richter. Der richter sol sweren sin bestes zu tunde zu richten dem armen als dem richin vnd ouch kain miet noch Schenkung zu ne- men vnd fräuelen zu rügen vnd das nit zu laußen durch frünt- 5scha£% durch vientschafft durch nid durch haß noch durch kai- nerlay ander sach willen. Den richtem. Die richter suUent sweren zft richten in den Sachen So für sü komen vnd brocht' werden dem armen als dem riehen vnd das 10 recht zu sprechen als verre sich Awer ieglicher verst4t vnd das nit zu laußen weder durch früntschafft durch vientschafft durch nit' durch haß noch durch kainerlay ander sach willen danne luter- lich one alle geuerde kain miet noch schenckung zu nemen Alle fräueln zu tilgen vnd richter zu sind vntz ander richter gesetzt 15 werden. Qerichtschriher . Der Schriber sol sweren des gerichts zu warten vnd das mit sin selbs libe zu besitzen oder mit ainem andern mit dem er versorgt sie vnd alle vrtailen gegen armen vnd riehen zu ver- 20schriben Als verre das ie notdurfftig wnrt äne alle geuerde vnd ouch kain miet noch schenckung zu nemen vnd alle freuelen zu rAgen. ' Bautehnechte. Vnserm aller gnedigosten herren dem römischen künige vnd 25 dem hailigen römischen rieh vnd gemainer statt Schanffhüsen trAwe vnd w&rheit vnd gemainer statt nutz ere vnd frpmen zu fürdern vnd schaden zu wenden Dem Burgermaister vnd raut ge- horsam zu sinde die vnsem vor allen schedelichen dingen zu war- nend vnd allen vnfrid zwüschen den vnsern niderzulegen vnd zu 30 stillen als verre Awer ieglicher mag vnd alle fräuelen zu rögen Das wil ich halten vnd alle heimliche Sachen zu verswigen es sige im raut oder vßerthalb des rautz. Wächter ayd {die in der statt vmb gänt), Vnserm herren dem künige vnd dem hailigen römischen rieh 35trAwe vnd worhait vnd deßglich gemainer statt vnd der Statt nutz vnd fromen zu fürdern vnd schaden zu wenden dem Burger- maister vnd raut gehorsam zu sind die vnsern vor schädelicben dingen zu warnen vnd (fol. XLII) Allen vnfrideh zwüschen den vnsern nider zu legen Als verre danne ieglicher mag. Alle haim- 40 lieh Sachen zu verswigen es sige ime raut oder vßerthalb des rautz alle fräuelen zu rügen ir horentz oder su werdent üch ge- seit vnd vmb zu gönd zu Sumerzit vnd zu 'Winterzit der nacht funff statt vnd die gange zu halten noch des Buchs wisung dne alle geuerde als danne harnoch geschriben st6t. 45 Item ir send üch zu Sumerzit vnd zu winterzit So man das für lütet vff das rauthüs besamelen vnd gä.n vnd die vier so an die gaßen zu wachende gehoerent SoUent zu stunt vs gän vnd 243 dannentliin alle stunden So die glock siecht rAffen vnd verkvnden Tnd sont oach alle standen zu den toren gän zu besehen obe die besloßen sien oder nit vntz zu mittemacht danne 86 sond die sel- ben viere Ingon vnd die andern gesellen wecken die ouch danne \8gkn sollen Als vor beschaiden stat vnd das Awer dehainer inÖ kain hüs nit g6n sol es tAte danne rechte not es wer von für oder ander sache wegen vnd das ir uch nit tailen sont vnd wartzu Ach die rautzknehte berAffen Dar inne sont ir in gehorsam sin Als obe Ach ain Burgerm^iister selbs berAffte vnd das dehainer nit abe der wacht gon sol vntz das man das ander zaichen zu der tag- 10 meß l&tet vnd welicher des andern es sige in der stuben oder an der wacht ain stund irret oder darob der sol darvmb angeben vad geräget werden vnd weliche vff den turnen nit entsprechent Sont vmb iren nachtlon komen sin vnd das ir ainander darumb by den ayden rögen vnd angeben sond Es sol ouch enkainer abe 15 der wachte sin one ains Burgermaisters vrlob, er habe ainen knecht oder nit vnd das ir nieman vs noch in laußent Ir bringen es danne vor an ainen Burgermaister vnd das zw^ne des rautz daby sien wenn ir ieman vs oder in lAnd. Wächter ayd vif den turnen, 20 Item ir werdent sweren vff zu gon so man das aue maria zu nacht lAtet vnd .alle stunden wo zwSne by ainander sint zu entsprechen by den ayden vnd wä ainer allain wachet ouch by dem ayde alle stunden zu entsprechen vngeuarlich vnd nit abzu- gon vntz das man vnsern herren zu der tagemeß gehebt vnd obe 25 man nit tagemeß hat vntz das man das aue maria fruo gelütet. • Weci^fel Item das nieman kainen guldin kouffen noch verkouffen sol danne an der statt gesWornem wächffel vnd wer ainen guldin ver- kouffen wil dem sol der wechseler darumb geben ß 30 haller wer aber guldin kouffen wil dem sol der wechseler ainen guldin geben vmb ß vnd ij haller es sol ouch sust nie- mant weder golt. silber noch müntze in vnser statt niendart ver- kouffen danne das man daz an den Wechsel tragen vnd es da ver- kouffen sol. Doch so mögen die goltsmit wol kouffen des sd 35 sü zu irem hantwerk ndtdurfftig sint vnd das sü selbs verwürcken wend one all geuerde. Soldener. Item ir werdent sweren der Statt vnd den burgern zu die- nen ain jor mit uwer selbs libe mit hengst vnd mit harnst wider 40 allermengelich vnd in dem der statt nutz ere vnd fromen zu für- dern Iren schaden vnd vnere zu wenden vnd zu warnen nach allem öwerm vermügen vngeuarlich. Item wer ouch obe &ch in dem zil oder wie lange ir hie dienent oder wonhafft w&rent vt widerfüre von ieman der vns45 oder den vnsern oder der statt zugehorte oder zu versprechende , stunde es w&r lenger oder nit oder obe ir zu gemainer statt zu 244 Sprechen gewannen warumb oder von was sache wegen das w&r das ir üch danunb ains rechten hie zu Schaufhusen oder aber liins ratz sprach benAgen laußen vnd sust not vnfrüntlichs für- nemen noch dehains wägs dartzu tügen noch kain ander recht 5 suchen in kainerlay wege. Item wer ouch das in dem zil me in näment danne man üch schuldig wurde das ir das bekerent wenn das zil ys sige oder aber das mit ains ratz willen vber werdent. Item wer ouch das üch hengst oder harnst In der statt 10 dienst abegieng das ir üch danne dafür laußen benügen In der m6ße als man üch das schetzen wurt. • Item vnd obe ir dehainen angriff t&ten das ir danne mit nomen vnd mit gefangnen den raten gehorsam sigend. Item wenne ir mit jemant ritent das sont ir in üwerm costen 15 tan es wer danne daz ir ainem ainen knecht verweseten. (fol. XLIII.) Zu welker zunfft Ounrat ziegler gehören soh Wir der Burgerm aister Groß vnd klain r&t haben vns ain- hellclich erkent vnd zem Rechten gesprochen von des wegen Als der koufluten zunfft vnd der Cromer zunfft yetwedri maint das 20 ir der Ersam Cunrat ziegler zugehören vnd dienstbar sin sölt Vnd als der selb Cunrat ziegler vff die zit als sich die zunfft angehebt band vnd gemacht worden sind by den koufflüten vnd in der- selben koufflüten zunfft Als im die sin vatter selig koufft hat mit sinem lib begriffen ist Das er ouch denn nü hinnethin by den- 25 selben koafQüten vnd in ir zunfft sin vnd beliben sol Doch von des gewerbs wegen der Cromery Das er daramb mit der zunfft ob si des nit enberen wölten vberkomen mag In darumb zutund «Als denn der zunfft sitt vnd gewonhait ist an all geuärd. Actum dominica proxima ante festum Pentecostes Anno domini M cccc. 80 XXX. iij. Von der wegen die taüreben büwen vfid nit in der Bebldt z%mlft sind. Wir der Burgermaister Groß vnd klain rät haben vns vff den obgeschriben Suntag Erkent vnd zem Rechten gesprochen 35 von der Reblüt zanfft wegen die sich swärlich clegt band das vil vnd manigerlay lüt hie zu Schaufhüsen Reben buwen die nit ir aigen syen die sie ouch nit erköfft noch zu erblehen haben die in ir zunfft nit gehören Inen ouch nit dienstbar noch dehain fronuastengelt vntzher geben haben Das alle die so reben zu ge- 40mainden vnd vmb den tail büwen vnd die^ nit in der zunfft sind nü hinnenhin der Reblüt zunfft fronuasten gelt geben süUen kn all widerred. Von Cunrat vdlen wegen vnd der pfister. Wir der Burgermaister Groß vnd klain r&t haben vns vff 45 den vorbenempten nächsten Suntag vor pfingsten Anno domini M. cccc« xxxiij Aber erkent vnd in der gütlichait gesprochen zwüschen der pfister zunfft vnd Cunraten vellen dem müller Als si des vns 245 zu baidersit getrnwt band Als s$ im zugesprocben band wie das er ir Stabenrecbt vnd ztinfftrecbt erkbafift bab vmb zwölff galdin ynd in die verirrst oucb vier guldin bezalt bab In zu wisen Inen die acbt guldin oucb zu bekeren als er von dem Müliwerck ge- laußen bab Dem ist also das er der zunfft geben sol vier galdin 5 als er denn mit der zunfift vberkomet ynd wenn das bescbicbt das er denn stubenrecbt by in baben sol vnd nit zunfftrecbt wol ob er widerumb zu dem mülwerck griffen wölt oder ward das er wol tan mag das er denn der zunfft die andern vier galdin damit denn die ^wolff guldin bezalt werden sond oucb geben vnd bezaln aolIO vnd denn damit zunfftrecbt baben &ne geuärd. IHe ordenung in den rata eu gönde. Item wanne man den raut bütet an ain pfunt welicher danne nit in dem raut ist so man des Ersten froge tut der git j ß baller. 15 Item s6 man an ain marck bütei welicber danne nach der Ersten frage kompt der git ij ß. Item wenne man aber zu vnziten in den raut lAtet So sont die rate alle kommen by den ayden weler aber nit k&me den sol vnd mag ain raut strauffen nacb deme vnd danne ainen rät be- 20 dunckt das billicb sye es sige danne das sieb ainer entslaben müge des ainen raut benagt. Item welicbem in den raut gebotten wurt by dem ayde kompt er nit vor e das die erste frage bescbeben ist der git za büß V ß vnd sol ain Burgermaister darumb pfenden vnd die bus 25 von menglicbem nemen one alle geuerde. Die beßerungen gebörend armen lAten vnd den sieoben vff der staige. Man sol binnanbin zwürent zu des Cristes meße lAten vnd nocb der meße in den rät gon. Wan man za vnser frowen meß verlAtet bat s6 sol der knecbt 30 anfaben In den rät Mten ij zaicben bis daz man zu vnserm bem Mtet vnd daz drit zaicben als lang bis die meß vskompt welber da nit im rät ist s6 vsgelAtet ist der beßert in mäßen obstat vnd welber In den rät kompt vnd baimlicb ön vrk)b darvß gat der muß vnläßlicb zwifaltige büß geben. 35 Wie man ainen burger enphohen soh 'Item ir werden sweren der Statt Scbaffbusen nutz ere vnd fromen zu fürdern vnd scbaden zu wenden ainem Burgermaister vnd raut geborsam zu sin das Burgrecbt zu balten Es sige danne das ucb des ein raut oder der mSrtail erlauße die vnsem vor 40 scbedelicben dingen zu warnen vnd allen vnfriden zwüscben den vnsem nider zu legen als värre ir mögen vnd zu balten was an- der vnser barger balten von stftre abezuges anzal vnd ander sacbe wegen Jtem ij guldin zu geben in Acbt tageh vnd alle alte st6ße sint Acb vßgesetzt vnd alle fränelen zu rügen vnd by dem ayd45 das ir kains weltlicben maus aigen sigent niemans vnuerrecbt- noter amptman nocb nacbiagender vogtman vnd das ir oucb flubt- 246 • sami nit versworen verbürget noch vertröstet haben vnd w&r obe ir daz Bargrecht vffgeben weiten oder obe ir des erlaaßen wur- den Aid obe es Ach abe gesagt wurde oder obe ir &ch von hinnan schi- ben 4ne des rautz vrlöb wie oder vmb was sache So hie vßge- 5 loußen das war hetten ir danne zu dehaineu vnsern burgern ainem oder mer besunder oder zu gemainer statt icht zu sprechen das sich in dem zit ftwers burgrechts ergangen het warvmb oder von was Sache wegen das wer darumb sont ir danne recht suchen vor- dren vnd nemen vor ainem Burgermaister raut oder gericht gen lOSchaufhüsen oder dahin sü Ach danne wisentvnd kain ander recht noch gericht gaistlichs noch weltlichs wider vns noch die vnsern nit suchen noch für nemen In dehain wise one alle geuerde vnd das Burgrecht x jär ze haltend vnd daby zu belybend x j&r vnd ob jr daz Burgrecht vflpgeben wölten daz sollen ir tun mit üwer 15 selbs Hb vnd nit In geschrifft. (fol. XLIIII.) Ben vahterlon (ist also besunder wie harnach staut vff fritag nach Crucis Exaltationem Anno M, cccc* Ixjx.) Currifex Sol zu vahten nemen als harnach geschriben statt. Item von .aim halbsümigen amen viij h. Item von vier vier- 20 teiligen amen vj hlr. Item von aim viertalkübel iiij hlr. Item von aim Copff ij hlr. Item von der maß ij hlr. Item von der halbenmaß ij hlr. Item die nagel sol yederman selbs haben oder Insonders bezalen. Vom kornmeff. 25 Item von aim vierttal vj hlr. Item von aim halben viertel iiij hlr. Item von aim vierling ij hlr. (Auf einem angehefteten Bl.) || Des vkhters Ion was er von yeghlichem geschirre nemen sol. Item von ainem Savmen ain Schilling haller ane die Nagel 30 Vnd gitt er die Nagel dar s6 sol man im von ainem Nagel ain pfening gen. Item von ainem viertel kübel vier haller ane Nagel. Item von ainem viertel acht haller. Item von ainem halben viertel vnd von ainem vierling yegk- 35 liebem vier haller. Item von ainem kopff von ainer Mauß vnd von ainer halben Mauß ouch yegklichem vier haller. || Wir der Burgermaister groß vnd Ciain Raut habend vns vmb gemainer Statt 6r vnd nutzes willen erkennt geordnet vnd gesetzt 40 daz hinfür kain vnser Burger noch Bürgerin niemand kain ligend gut weder versetzen noch zekouffen geben sol er sag denn vor vnd laß aigentlich in die brieff setzen vnd schriben was vormals ab den gütern gaut darvmb daz in sölichem nieman betrogen werde Weiher das aber vberfert vnd nit endut vnd sich das kuntlich 45 erfint es sye frow oder man der sol voruß vnd vorab dem den er betrogen bat slnen schaden ablegen vnd dartzu der stat die 247 großen .baß das sind Ixxx Vi hlr. z& geben verfallen sin vnd yff stund by dem glid so er darumb schweren wirt vier mil wegs von der Stat Schafbüsen gon vnd der niemer neber komen bis daz er dem cleger vnd der Statt gnug getan baut. Deßglicben wenn ainem vor Baut oder gericht erkennt wirt 5 daz er ainen mit pfannd oder pfeningen nacb der Stat recbt vß- ricbten sol, es syen Burger oder gest frowen oder man git er jm denn pfand die andern lüten vor stond vnd er das versebwigt So sol er der Stat x V> hlr. verfallen sin vnd aber vier mil wegs von der Stat gon vnd der nit neber komen er bab denn dem cleger 1 vnd der Statt gn&g get6n wie vor staat. Welcher euch den anndern es syen frowen oder man vor ge- richt mit recht so uerr erfordert daz man im zehuß vnd zebof richten sol dem sol der Bichter pfand geben vnd mag jm darumb B}ü Schloß vfftfin es sye denn daz ainer schweren mag zu gottl5 vnd den hailigen daz er weder ligende noch varende pfand hab die sin syen vnd welber den aid als6 tut der sol by demselben aid vßer der Statt vnd den gerichten gon vnd ain Monath nit darin komen er hab denn dem Cleger gnug geton Wenn oucb der Monat verruckt s6 sol dem Cleger furo sin recbt behalten sin vnd 20 wer des ain vßclagbrieff begert den sol im der Bichter geben vnd vmb daz jnsigel zwen pfening vnd der Schriber vmb den brieff vier pfening nemen. Es sol oucb der Bichter daz gelt vmb das jnsigel jn die büchs stoßen. Oucb sol nieman hinfAr kain büß jn vnsern gerichten gelegen 25 niendert annders vertigen denn vor vnsers herren des Apts Schult- haißen vnd ainem Bnrgermaister vnd .Baut nach Innbalt des vbertrags zwüschent dem Gotzhuß vnd der Statt. Wer aber das darüber tut die selben vertigungen vnd brieff sollen kain crafft haben. ^30 Wir der Bnrgermaister vnd Bat ' zu Schaff hüsen haben ge- ordnet vnd gesetzt wenn ain person in vnser statt hinfAr mit tod abgät es sye man oder wib des nS.chgenden vnd nechsten frund es sye der Eeman oder die ewirtin jr kind oder geschwistergit das abgangen nit mainan zu erben s6 sollen die 86 also nit Erben 35 sin wollen mit des abgangen gutz nützit handien noch damit en- drung tun sonder jnerthalb der Sibend für ainen Burgermaister vnd Bat kommen vnd sagen das Si nit Erben sin wollen vnd sich des abgangnen Erbs mit geschwornem ayd wie das von ainem Burgermaister vnd Bat erkent wirdt vßeren vnd entschlahen wo 40 aber das nit geschieht s6 sollen danethin dieselben nachgenden fründ für des abgangnen Erben gezelt vnd Erkent werden. Actum vff frytag nach Sant Mathistag Anno M. cccc Ix octauo. Der Thorbeschlieffer aid. Sy sond sweren die schlüßel jn iren husern zu besorgen vnd 45 zu beschließen das nyeman darüber komen mög denn si vnd die thor zu Bechter zit durch sich selbs vnd nyemans andern vff vnd 248 k ZU zutun Es wäre dann das jr ainer yngeuarlich von der Statt wölte So sol er die schlüßel ainem Burgermaister bringen der sol die ainem andern befelhen Insonders so sollen sy die thor nacht z nit u£ftan ain Burgermaister haiße vnd schaffe es dann vnd wenn 5 man nachtz zu jnn schigkt die thor yff zu thnn BÖ sond sy vßer den hAsern nit gän es syen dann der Wächter zwSn by Inn die mit jm gangen by zu den thoren ynd wenn sy zu den thoren kommen ^ so sond sy die thor nitt vfftun Es syen denn der Räten BwSn vnd die nachpüren dabj. 10 (fol. XLV.) Vmb äbzüg so man in die Statt erbet Wir der Burgermaister gros ynd Ciain rät haben vns erkent ynd ainhelleclich gesetzt wer hinfür in ynser Statt erbet vnd das Erbe vs vnser Statt zühet das der oder die von solichem erbe ligendem oder varenden^ gut das su In vnserer statt geerbt betten 15 vnd vs vnser Statt zühen wolten ie den Sechsten pfennig zu ab- zugk geben sollen äne mindrung. Actum feria Sexta ante Laurencij Anno K. xxxjx. Das jm todbett nyeman nüteit vergeben noch verschaffen möge. Item yfS den obgeschribnen frltag haben wir vns onch er- 20 kennt vnd furo gesetzt das nieman in vnser statt es sien man oder wib Jung oder alt tme- tottbette nieman nützit hingeben ver- ordnen noch verschaffen sollen noch mögen weder priestern noch layen an gotzhnß fründen > noch anderswä hin Vnd was hiervmb als6 beschäch vergeben verordnet oder verschafft wurd das sol 25 kain krafft noch macht nit haben kains wegsWol mag ain ieglich mensch Im tottbette ain siecht selegered besetzen doch den Schuld- nern den er schuldig ist in alle weg vnschadlich. Das vif hailig tag nit mJer marght sol sin. Vff den vorgemerckten fritag haben wir vns 'ouch erkennt 30 vnd ainhelleclich gesetzt das nieman in vnser statt Got zu lob vnd siner muter magt marien vnd allen hailigen zu eren Alß bißhar ynser klainer j armer ckt vff Sant Bartholomeustag Jerlichs vnd onch sust wuchenmerckt etwenne vff hailige tage gehalten gewesen ist das wir da den selben vnsern klainen Jarmerckt alweg vff den 35 nechsten zinstag vor sant Bartholomeustag haben vnd halten wellen vnd sol hinf&r in ynser Statt dehain wuchenmarkt mer gebalten werden vff kainen h6chzitlichen noch zwölffbotten tag Es sollen ouch ynser burger vff solich hochzitlich tage Als obe stat Ire ge- demer beschießen haben vnd nit vffthnn (zus.: desglichen die 40kornmeßer das koufhus ouch. Es wäre dann das ainer vngeuar- lieh körn brächt vnd vmb dÜß verstundung nit wißte den mag Er das wol darinnen ynd biß zum nächsten margkt gehalten laußen vnd wer dawider täti verfelt zu baß ain pfund hlr. äne gnäd diß Stundung ist durch groß vnd ciain Rät ernüwert vff palay. 45 Anno M. cccc. Ixxjmo. Jtebltd 0unfft Ordnung. Wir der Burgermaister vnd Rät zu Schauffhüsen habent vns 249 ainhelleclich erkennt vfP mentag n&cbst nach Sant Bonifaoias tag Anno domini M. ccccxxxx. Das all die ad hie hi vn6 seßhafft sint oder Mrbaßer hie bt vns seßhafil werdent die sich mit dem reb- werck begont ynd nützit anders triben vnd kain zunfft an in haben Die sollen mit lib vnd gfit in der Beblüte znnfft gehören vnd kain 5 ander zunfft an sich nemen. Item vff den obgenanten m^ndag S6 habent wir vns ouch er- kennt das alle die sd in unser statt in zwingen und bennen sitzen so sich rebwercks begont vnd n&tzit anders tribent vnd yetzint in anderen zun£Pten sint Die sollent den ReblAten ir fronuasten gelt 10 geben vnd aber damit in der zun£ft bliben d& si yetzint inn sint Weliche ouch tailreben büwen vnd in andern zunfften sint die söUent das fronuasten gelt ouch geben. Weliche aber in andern zun£Ften sint vnd aigen reben haben oder erblehen vnd die büwent Die sollent kain fronuasten gelt den rebldten verbunden sin zi 15 geben. Item vnd wer ouch ain ander hantwergk vnd gewerb kan vnd das tribt der mag in den reben sniden vnd anders tun vmb tagelon oder verding vnd ist darumb das fronvasten gelt nit schuldig zu geben. 20 Item vff den dgerdrten mentag habent wir vns ouch erkennt Das alle vßwendige vnd frömde lAte mögent hie vmb Ion in den reben sniden vnd all ander werck tun vnd sint darumb den reb- l&ten nAtzit verbunden zu tund vnd sollent die reblAte ouch bi inen wercken vnd si nit schuhen. 25 Item damit habent wir vns ouch erkennt das wir dise Ord- nung minren vnd merren mögen Als vns dann aUzit ndtdurfftig bedunckt. Vff mentag nach confessionis pauli Anno :c. Inono haut sich ain groß vnd ciain raut nach verhörung der vorgeschribnen ge- 30 satzt vnd der ReblAt zunfftbrieff zwüschent den reblAten vnd den Cromem von Mercken SAchlers wegen zum rechten erkennt vnd gesprochen daz derselb Merck Söchler by den Crom er n In ir znnfft sin vnd bliben sol. Vff denselben tag band sich groß vnd Ciain r&t erkennt von 35 der Gerwer vnd Clewi Rüchen wegen daz die Gerwer by Irem zunfftbrieff bliben sond vnd sol der Ruch hinfnr kain geschnitten leder mer verkouffen Es sye in oder vßerthalb der statt wol mag er ain halb Totzen leder vnd iij hAt samenthafft mittenander ver- kouffen. 40 (fol. XL VI.) Der ßnner Ordnung. Wir der Burgermaister vnd rät zu Schaffhusen haben vns ainhelklich erkennt daz die sinner all monat in all kelr von hAs ze hAs vnd ouch dazwüschen alle xiiij. tag in der wirt hAser S6 das nottnrfftig ist gän sollen vnd besehen wie es vmb schtog Mrin45 tringkwin vnd niderlegung ain gestalt hab vnd vns darinn getrA- lich versehen das vns gelang solichs b6 vns werden sol Wer ouch 250 win Bcbengken wil der nit ainen winscbengken h&t dem sollen die. sinner bald oder ainer den win baylen vor sol er den win nit vff tun vnd wenn ainer den win abslabeu wil S6 sol er ainen sinner dartzu nemen der den win aber bayle Es sol oucb nyeman kai- 5 nen tringkwin an stecben die sinner haben es dann vor besehen geschetzet ynd in geschrifift genomen. Wenn ouch yemant ain schengkvas angestichet ynd gebaylet vnd ain kopff wins dams kombt S6 sol ain ieglicher denselben angestochnen win gantz ver- schengken vnd nit mer verschlahen ouch kainen tringkwin darus 10 nemen noch darinn behaben Sunder den selben win mit der maß vsmeßen vnd vertzoUen. Wenn ouch ain schengkwin yskombt So sol das vaß darnach in acht tagen die nächsten an die sunne ge- lait werden ainen iere denn redlich vnd yngeu&riich Sachen also ob ain yaß verlait were das man es nit harus bringen möcht oder 15 der sachen glich an geuerd. Wer ouch das nit hielte den wil der BS.t 8trS.ffen nach des Rclts erkanntniße. Die sinner sollen ouch daruff iagen -das sölichs beschähe vnd rügen ob yeman hiewider sin wölt vnd ouch dem was si dis Ordnung bindet getr&lich nach- gon. Darumb wellen wir ainem sinner dez iärs fünff pfund haller 20 geben das si dem dester bas nachgangen mögen. Dise Ordnung haben pStter yon Costenz genaht nüpperli vnd anthoni Sattler die vff dis zit sinner sind geswom ze halten das ouch all ir nach- komen sweren sollen. Actum feria quinta post iacobi Anno domini M. cccc xxxx. Zus. Die sinner söUent aigenlichen in ir Rodel 25schriben y£F wöllichen tag sy ainem win den er schenken wil bat- gelent oder er in vff tut. Item Berhtoit wagen vnd Claus Strus die sinner haben dise ordenunge geswom ze halten vff Mittwoch nach invocauit Anno 2C. xliiij. \ 30 Item Die sinner soUent nemen von ainem söm von ainem gast ainen pfening vnd ainem burger von ainem söm ainen haller ze sinnön. Des vähters lön was er von ieglkhem geschirre nemen sol. Item von ainem amen ain schiling haller §.ne die nagel vnd 35 git er die nagel dar so sol man im von ainem nagel ain dn. gelten. Item von ainem viertel kübel vier hlr. ane nagel. Item von ainem viertail acht haller. Item von ainem halben viertal vnd von ainem vierling ieglichem vier haller. Item von ainem kopff ^von ainer maß vnd von ainer halben maß ouch ieglichem vier haller. Staut 40hieuor (fol. 44 pag. 246). Wir der Burgermaister groß vnd klainerBät habend vns vff mSntag nach dem haiigen pfingsttag Anno domini mccccxxxxj mo^ ainhelliklich erkennt Das vff denselben tag so man ainen Burger- maister wellt vnd ain gemaind sweren sol als dann herkomen sitt 45 vnd gewonhait ist Das dann vff denselben tag kain ander sachen weder von der zunfft noch von niemant anders wegen nit fürge- tragen noch fürgenomen werden sol In kain weg denn das man 251 allain der walung vnd den ayden ze tfind naohgän soll Es wftre dann ynser gemainen statt ding. Item vff den vorgemelten tag ist ouch erkennt Das hinfür nit zw^n brüder In vnserm r&t noch an vnserra gericht sin sollen. Item es sol onch nieman In rät noch an das gericht geweltS noch gesetzt werden der nit ßlich geboren ist von vatter vnd mater. Vrnb ainen richter. Wir der Burgermaister Groß vnd klain R&t haben ainhellec- lich gesetzt Das wir hinfür Jerlichs zu der zit so wir alle vnsre 1 empter besetzen Ainen richter von nüwem och wellen vnd setzen sollen. Als dann ainen obern oder vndem Burgermaister. Actum feria quinta post festum pentecostes Anno domini M. cccc. zxxx primo. Zus. 4och so mag man den vordrigen wider wellen. Man sol alle jar ainen richter endren glich als ainen Burgermaister. 15 Fräfel Wir der Burgermaister Groß vnd klain R4te haben gesetzt Weiher oder' weliche hinfüro mittenander fräflend Weiher tail den daz redlich an den andern bringt der sol baid fräfiinen geben. Actum dominica ^ante Galli Anno 2C. ccccxlj. 20 Stettgelt. Vff den obgeschriben Suntag vor galli haben wir'öch ge- setzt daz hinfür alle die die dez richs straß brechend Si standen in den gaßen ald vor den hüsern oder haben vail vff den laden vß- genomen in den gädmern die sollen daz gelt von den stetten der 25 statt geben vnd den zollern ir zöUe. (fol. XLVII.) Rechner. Man mag vßer dem gr6ßen vnd clainen rS.t Rechner wollen wer dartzn nütz vnd gut ist vff mittwuch nach corporis Christi Ixto ist erkennt daz die rechner hinfüro der statt Jirs nü ain rech- 30 nung tun sollen. Wir der Burgermaister vnd Rät zu Schafhüsen Bekennen offenbar Als die vesten hainrich vlrich vnd caspar von fulach vf hüt mSntag Inpfingfirtagen Anno 2C. xligto als ander vnser burger gesworen band K. daß inn solicher aid an dem brief der richtung 35 vnd vbertrag z wisch ent vns vnd Inen vor ziten gescheen dehainen schaden sunder In an dem selben brief vnvergriffen sin sol vn- geuarlich. Actum secunda infra octavas pentbecostes anno pre- notato Des selben glichen wie dick sy hinfür sweren sollen In die aid an den rihtungsbriefen zwüschen der statt vnd Inen bescheen40 vnschädlichen sin. Wir der Burgermaister groß vnd klain Rät zu Schafhüsen haben gesetzt vnd erkant welher gast hinfür vt In vnser statt erbt der sol vf stund den abzng von solichem gut richten Er welle » sich denn gantz har In dartzu ziehen. Actum ipsa die beate45 Margarete Anno :c. xl sexto. Yff pfingstmSntag Anno :c. Ixjxmo haut ,sich ain groß raut 252 erkent welfaem Eman hinfür yßerthalb der Ee ain kind alder der Eebruch suBt offen wirt den sol man weder an Raut oder geriebt wellen doch das vergangen sol bin sin. Man sol oucb weltlicber berren aigenlüt nitt in die R&t oder geriebt wellen. 5 Nota wie man ainen procurator Bestdlt vff das gaistlich gerkht zu Costente. Vff niittwocb vor vnsers berren fronlicbams tag So sind min berren mit bansen Spannern yberkommen das er procurator sol sin g&n Costentz vff das gaistlicb geriebt. 10 Item des Ersten. (Das Uebrige feblt.) Den Un in die reben. Item ainem knecbt von der vaßnacbt vntz zu berbst zu wercken sumerwerck sol man geben xiiij ^ darzu zway mal zu eßen zu nacbt nicbtz vnd kainen win. 15 Item xvj ^ zu stdßen. Item zu wintterwerk von sant verenentag vntz zu berbst sol man ainem knebt geben viiij ^ zu eßen ij mal zu nacbt nicbtz, kain whi (zus. von berpst biß zur vaßnacbt). Item ainer frowen zu sumer werck viij jf zu eßen ij mal 20 kain win. Item ainer frowen zu winterwerk vij ^ zu eßen zway mal vnd kain win. Es sol oucb niemand sinem rebman -win in die reben geben. Das alles ist verbotten an j fl blr. 25 Synner Henßli spoHr Egglinger jurauerunt. Ir werdent sweren dis Jar das synner ambt zu verseben vnd trüwlicb zu warten dem armen als dem rieben oucb ainem Bur- germaister vnd Raut geborsam zu sind vnd dise nacbgescbriben stuck zu balten vnd die zu verseben daz vns gelang das vns dann 30 zugeb5rt vnd werden sol zol vnd niderlegung oucb den zol alwucb vff das Raut Huß am Sambstag anzugeben vnd kain scbenkwin zu scbetzen laßen w4 das an si kombt sunder alwegen synnen vnd die faß so an die synne komen trAwlicb zu synnen vnd von ainem söm zu nemen vom gast ain pfening vnd vom burger 35 ain baller bi ainem balben sÖm aber vnder ainem balben som git nüt. Won oucb ainer win ufftut der nit ain winscbenkin bat da sond Ir ain gegen baigel nemen vnd wann ain kopff win vß dem vaß kombt so sol ainer den win bi der maß vsmeßen vnd nit daruß trinckwin macben vnd wann ain win vßkombt so sol dar- 40nacb ain vaß in acbt tagen an die synne komen vnd gelait wer- den vnd ob aber ainer oder mer sollicbs mit geuerden verzieben vnd die vaß im kelr bebeben wolt die sond ir sucben vnd wH ucb daz versait wurd das ainem Burgermaister vnd Raut anzu- « geben vnd zu rügen. 45 (fol. XL VIII.) Gemainer aitgenoßen hotten, Züricb Bern Lucern Switz Zug vnd das vßer ampt so zu Zug gebort vnd glarus sind vff Sant Nicomoedis tag liüj zu Scbaff- 358 husen gewesen vnd ainer ainung Ingangen vnd ist die geswom nach der brieff sage doch als die ainung xxv Jar wist da haben gemainer aitgenoßen hotten mit vollem gewalt verfürwortet vnd bedingt daz die aid vnd verschribung kainen nit lennger binden noch berören sol dann alle die wjl ainer zu Schaff husen burger 5 oder seshaft ist. Vmb huß eins. Wer zu huß ist wan der ußziehen wil ist er bi haß zins schuldig da sol er pfand geben die des drittails beßer sigen dann er schuldig ist vnd die pfand mag er verkouffen wann Im das 10 eben ist vnd darff die nit verrechtvertigotten Actum 2a post Ul- rici Anno 2C. liiij. Wolt er die pfand nit geben s6 mag si der beheben des das hus ist. Von der Sttd wegen jn der kilchen sani Johanns. Ist geordnet Das die hinfür fallen sollen den nechsten Erben 15 vnd vnder geschwistergiten kuaben für tochtem vnd wo nitt erben sind so sollen die der kilchen verfallen sin £s sol ouch hinfur die stül nyemans verlihen verkouffen vergeben verschaffen noch vermachen sonder die der kilchen fallen laußen. Ernüwert fritag vor katherinen Anno M. cccc. Ixxx quarto. 20t Der Metzger Ordnung geordnet und gesetzt vff sant Clemens tag Anno domini M. cccc- loctauo. Item so sond die Metziger kain hopt Es syen ochsen oder kügen zerliden noch zerhowen die schower haben es denn vor ge- sehen vnd geschetzt. 25 Vnd wenn das die schower gesehen so sond si das best Rindflaisch schetzen vnd haißen geben ain pfunt vmb vier haller ob es des wert ist dar nach zway pfiint vmb Siben haller ain pfunt vmb dry haller zway pfunt vmb fünf haller oder ain pfunt vmb zwen haller ald ob es also boes were so mögend si das gantzSO haißen enweg tun. Item si sond yegelich Rindhafftig hopt halb ho wen. Item si sond nit darunter howen noch wegen kain hopt hertz lunggen noch geliber denn si sond das sunnderbar verkouffen vnd nieman noeten die vorgeschribnen stuck oder annders zu dem 35 flaisch zu nemen. Item vnd wie die schower das flaisch schetzend alsd sond sie es ouch geben vnd nit türer vnd das nit In selber saltzen. Item si sond ouch die Schlöbraten noch Rugkbraten nit daruß nemen. 40 Item die Tümling sond si gantz abhowen vnd den kügen die yter nit. Ealbfiaisch. Item ain pfunt kalbflaisch das best vmb iiij haller vnd dar- ' nach vmb dry oder nach dem vnd es ist. 45 Schwiniflaisch. Item ain pfunt Schwininbraten vmb sechs haller vnd sond 254 Dütssit dartzu wegen noch howen weder krumppan RAßel hanman noch Schulteren vnd die Rugken daruß nemen. Item hanman krumppan oren Grens vnd als jn geschlecht Bond si gehen ain pfunt vmh iüj hlr. vnd send die schuch darah 5 höwen. Item si sond machen dry würst die ain pfunt tügen ynd sond die gehen ymh Tj hlr. vnd nützit darin hagken denn Schwini hräten. Item si sond euch kain schwin howen es hahend denn vor 10 die schower gesehen vnd gehaißen. Item ain pfunt scheffi vnd Castrim flaisch sond si gehen vmh iüj hlr. vnd sond euch kain hopt dartzu höwen denn rechti Milchlemer höpter. Item si sond gehen ain pfunt Böcki vnd Gaifß flaisch vmh iij hlr. 15 Si sond euch kain flaisch erhlausen noch kain nieren weder an Rindern lemmern kelhern noch kitzin annders machen noch nützit darin stoßen denn die laußen blihen als die an In selbs sind. Item si sond ouch ludäßig pflnnig flaisch vnd stigend pfar- ren nienan annders denn vff den pflnnbangken (fol. XLVIIII) 20verkoufl^en vnd das nit annders geben denn wie In das von den Schowem geschetzt wird. Item 81 sollend kainen Ban vnder in selbs nit haben noch kain Schätzung vff kainerlay flaischs nit setzen Es syen Rinder kAgen kelber lemmer vnd annder flaisch. 25 Item ain Saitentarm ainer elin lang der Sechs würst git vmh ain haller. Item 81 sond die Botertentz nit zu dem Brunnen schütten sunder die tragen zu dem Rin In ain grub. Weiher der obgeschribnen stuck dehains vberfert der git ze Schuß ain pfunt haller als dick ers tut. 11 (Zusatz.) Item was flaisch am Sambstag geschlagen wir- det das sol man am gutemtag ain pfund ains hallers näher gen vnd was flaisch am zistag geschlagen wirdet das sol man am donstag ain pfund ains hallers n&her gen vnd waß am donstag 35 geschlagen wirdet das sol man am Sambstag ouch ains hallers näher geben by der vorgeschribnen büß. Insonders so sollen die Metzger den Schowem gehorsam sin vnd sy dehains wegs mißhandeln oder jnn vnwort geben denn welher das täti der wurde darumb gestraufft vmh ain hoßher büß 40 nach gestalt der sach vnd erkanntnuß ains Rautz. Diß Ordnung ist ernüwert durch groß vnd ciain Rät vff donstag nach Letare anno :c. Ixxij®. || Vff sannt Mauritien tag Anno domini M. cccc. Iviiij band sich groß vnd ciain Rät erkennt Weiher sich har zu vns In vnser 45 Statt ziehen wil der da nit ain hantwercks man ist vnd kainen gewerb tribt Er sye Edel od-er vnedel gaistlich oder weltlich wil da ain -clainen Raut bedungken' daz der gemainer Statt nutzlich 255 vnd Brüchen sye 86 mögend si den der stür halb mit ainem ge- ding vff uemen vnd bar In ziehen laußen saß sol er tringkwin vnd Mülizol geben vnd dartzu h&ten vnd wachen ab annder burger vnd wenn der nit me by vns sin wil so mag der 6n allen abzug widervmb von vns ziehen. 5 Deßglichen ob sich werbend oder hantwerckslüt zu vns ziehen weitend die mögend si euch vff nemen vnd In ob si wellent ' das Burgrecht schengken vnd sollend sölich werbend vnd hant- wercklüt der Stat Stür Mülizol Tringkwin vnd annder vffsetz ouch Raisen h&ten vnd wachen als annder Burger vngeuärlich vnd vmb 10 ain yegeliche zunfft vnd stubenrecht darii^ sich ainer verpflichten wil nit mer denn Sechs Kinsch guldin geben vnd die betzaln zu den ziten als hernach staut des ersten ain guldin bar vnd dan- nenthin all frönfasten ain halben guldin bis si betzalen vnd da- rumb tr6stung geben wie von alter harkomen ist. 15 Es sol ouch ain yeglicher ^lieber son, als vil als ain vatter Sün verlaut, sins vatters zunfft vnd Stubenrecht von sinem vatter erben doch s6 sol der eltest son an sins vatters schilt st6n vnd darnach die Jüngern ye der eltest sinen schilt vor vnd die yüngern nachmachen laußen. Vnd söllent sölich elich Sün all die wil si20 jn ainer cost sind nit m§ denn mit ainer person jn die zunfft dienen vnd kain fronfasten gelt geben sy haben wiber oder nit diewil sy ain muß vnd brott Eßen. Es mag ouch der eltest son Er sye gaistlich oder weltlich dem jungem sins vatters schilt geben vnd In an sin statt st6n25 lavßen. Vnd dieselben so als6 hinfür zu Burger genomen vnd em- pfangen werden die söllent ouch den frygen zug haben. Welche aber bisher burger gewesen sind die söllent bliben by der Satzung wie das der Statt buch Innhalt. 30 (fol. L.) Anno Ixxij^ vff Montag In pfingsten hant ain großer vnd ciain er raut versetzt das hinfilr weder vischer pflster schnt- der noch ander antwergk noch geselschafft hiufür an dehainen enden dehainen Mayen haben noch suchen sollen doch die keßler mögen iren tag suchen vnd haben doch so staut es an ainem Raut 35 das zubelonen zu mindern vnd zu meren. , «. Anno :c. Ixviijvo Vff donstag vor sandt Othmars tag haben groß vnd ciain raut gesetzt vnd versetzt Das nieman ab sinem er hieben Es syen wingarten ägker oder wisen jerlich zins Es sye an pfei^nigen win oder körn kne des lehenherren gunst wißen vnd 40 willen versetzen oder verkouffen solle noch mög aber vmb ain louffend schuld mag ainer sin erblehen wol versetzen vnd zu pfand geben dem leben herren an sinen rechten vnschädlich vnd^wer hin- für hier Inn anders tsete, ist zu büß verfallen j march silbers dne gnad vnd vmb die versatzungen so bisher geschehen sind sol 45 geschehen was recht ist. 256 Der metzger Ordnung geordnet und gesetzt vffSandt Michels tag Anno domini Ixx ßecundo. Nachdem vnd luin herren Bargermaister Groß vnd ciain Rät angesehen vnd geordnet hand daß man das flaisch bi dem großen 5 pfund das da halt vnd halten sol viertzig lot wegen vnd ver- kouffen solle S6 haben si den metzgern diß Ordnung wie harnach staut vmb gemains nutzes willen geordnet vnd gesetzt dem ist also. Des ersten so sollen die metzger kain hopi vech es syen ochffen oder kAgen zerliden noch zerhoweu die schower haben es 10 denn vorgesehen vnd geschätzt. Vnd wenn die schower das gesehen so sond si das aller best rindfiaisch schätzen vnd haißen geben ain pfund vmb fünf haller ob es des wert ist darnach zway pfund vmb Nun haller ain pfund vmb vier haller zway pfund vmb siben haller ain pfund vmb dry 15 haller oder zway pfund vmb fünf haller vnd ob es so swach wer s6 mögen si das gantz haißen enweg tan. Defglichen das schmäl vech es syen k&gen oder anders sollen si schetzen vnd haißen geben ain pfund des besten vmb vier haller darnach zway pfund vmb siben haller ain pfund vmb 20 dry haller zway pfund vmb fünf haller oder ain pfund vmb zwen haller ob es des wert ist vnd ob es des nit wert were sd mögen st das ouch haißen enweg tun. Item sie sollen ain Jeglich rindhafftig hopt halb howen vnd mit namen so sond si die halb tail oder vierling samend vormit- 25 tag nit enweg geben damit vnd der gemaind nit flaisch breste. Item 81 sollen weder lungen noch geliber wegen denn das si das sunderlichen verkoufiPen m5gen vnd niemans nöten das zu dem flaisch zu nemen es sig Im denn eben Aber hopt vnd hertz mö- gen si wol wegen doch sollen si von den höptem die schüdelen SOkinbaggen vnd zen schlahen. Item vnd wie die Schower das flaisch schetzen also sond si ouch das geben vnd nit türer ouch das Inn selbs nit saltzen bi den aiden so Ir ieglicher ainem Burgermaister vnd Raut ge- sworn haut. 35 Vnd wenn Ir ainer selbs flaisch vail haut so sol er in sin hüs von kainem andern flaisch koufi^en sunder an sinem flaisch ain benügen haben. Item si sond die Schl5brauten vnd ruggbrauten nit vfnemen. Item die tümling sond si gantz abhowen vnd den kAgen die 40vter nit. (fol. LI.) kalbflaisch. Item ain pfund kalbflaisch des besten sollen si geben vmb vier haller vnd darnach vmb dry oder nach dem vnd es ist vnd die schower das schetzen. 45 Swiniflaisch. Item ain pfund Swini brauten sollen si geben vmb sechs fl57 baller vnd sond nützit dartzfi 'wegen noch howen weder knunpan rAsei hamman noch schulteren ynd die ruggen daroß nemen. Item hammao krumpan oren grens vnd als ingeschlächt sond si geben ain pfund vmb fEUif hallei' vnd sond die schach darab howen. 5 Item si sond machen dry würst die ain pfand tftgen vnd sond die geben vmb sechs haller vnd nützit darin hagken denn Swini brauten vnd die term wol sShaben vnd snber machen. ' Item Si sollen euch kain swin howen es haben denn vor die schower ud si von ir zunft dartzfi geben gesehen vnd gehaißenlO die selben schower sollen ouch die gesehen alles bf den aiden so Si geswom band. Item si sollen geben ain pfand Gastrim vnd seh&fi flaisch das vnder ainem jar alt ist ain pfund vmb fünf haUer vnd das darob vnd elter ist ain pfund vmb vier haller oder wie das von 15 den Bchowem geschätzt wirdet vnd sond kain hopt dartzu ho^en denn rechtr milch lemer höpter. Eis sollen ouch die rechten milch lemmer kainen ban haben. Item ain pfund bogkis vnd gaißi flaisch sollen si geben vmb vier haller. 20 Si sollen ouch kain flaisch erblasen noch kain nieren weder an Rindern lemmem kelbem noch kitzin anders machen oder nichts darin stoßen denn die laßen beliben als die an Inn selbs sind. Item si Bohd ludäßig flaisch pflnig flaisch vnd stig pfarren niendert anders denn vff dem pfinnbangk verkoufien vnd das geben 25 wie Inn das von den schowem geschetzt wirdet. Item si sollen dehain Schätzung vff dehainerlay flaisch nit setzen es syen rinder kügen kelber lemer oder anders vnd inson- ders vnder inen selbs kainen ban haben denn das jr jeglicher metzgen möge was wenn vnd wie vil Er well von den andern vn- 30 gehindert alles bi den aiden so Jerlichs ain gemaind zu pfingsten swert die da all haimlich antr&g oder gelüpt :c. verbieten. Item ain saiten darm der sechß würst git sollen Si geben vmb ain haller. Item si sollen die botertentz nit zfi dem brnnnen schütten 35 sunder die tragen hinab zfi dem Rin. Und welher der obgeschribnen stugk dehains überfert der git ze bfiß ain pfund haller so digk ers tut 6n gnUd doch vßgenomen die stugk die an den aid verbotten sind darumb behalten Inn min herren ain strauf als sich das zu sölichem gepürt. 40 Insonders so sollen si den schowern gehorsam sin vnd si de- hains wegs mißhandeln oder Inn vnwort geben denn welher das t&t der wurde darumb gestrauffc nach erkantnuß ains Rautz. Es haben ouch min herren Inn selbs mittnamen hier Inn be- dingt vnd vorbehalten Ir oberkait das so obstaut zu mindern vnd 45 EU meren nach dem vnd si bedungkt das gemainer Statt nutz vnd Er zu sind. BirllBger, Alemannift VI 8 X7 258 II (Zusatz.) Es sol kain mets^er bie In vnser Statt nocb lo zwayen mil wegs darumb kain bufin trib scbwin der eye groß oder klain vff den pfragen koaffen nocb yerkonüen noch daran weder tail nocb gemain baben Sy wellen dann die metzger oder in ir 5 büser bruchen war das Überfert verfalt zu pän j marcb silbers K. || (fol. LH.) Min berren Bnrgermaister groß vnd ciain R&t baben von des gewicbtz wegen geordnet vnd gesetzt das man bt dem großen pfund das da b^t vnd baben sol viertzig lot dise nacbgescbribnen stugk wegen söl mittnamen smaltz vnscblit flaiscb flO Schmer Swini smaltz keß ziger bartz vnd ruhen stabel wercb vnd bamff vud Sail. So dann bi d^m clainen pfund genant das pfeffer pfdnd das da baut vnd haben sol zway vnd drißig lot sol man wegen alle vasten spis als cel winber Rdsinli vtgen mandel Saffra vnd alle löspetzery desglycben wachß Item alles Isen oder stahel zin bly knpffer möff vedren Roeti die die b&tmacher brüchen woU kriden gletti vnd aland. Darumb so gebieten si das m anglich sine gewicht als6 re- formieren vnd machen laßen sol vnd bi Jeglichem pfund wegen die 20 koufm anschafft vnd stugk wie das vor gelütert staut vnd wer das überfür der ward darumb gestrauft nach erkantnuß ains Rautz. Actum Michabelis Anno :c. Ixx secundo. Als min berren groß vnd ciain Raut vmb gemains nutzes willen angesehen haben das groß pfund vnd die Ordnung des 25 flaischkoufhalb wie die zu Costenz ist in der gestalt das miner berren mainung ist man solle vnd mög das flaiscb hie als wo! als zu Costentz haben Darumb sich der Metzger halb ain vnwill er- wachiTen vnd die Statt vnd gemaind etwas zitz äne flaiscb ge- wesen ist sich ouch die Metzger s6 harnach stand gemainlich vnd 30 antregenlich vffer der Statt gewichen sind Daramb min berren groß vud ciain R&t in mainung gewesen sind Si von Ir zunft zunftrecht vnd zunftbüs zu strauffen vnd Si in ander zünft zu tailen ouch Ir Jeglichen der den vfgang get6n haut vmb Ixxx Hb. hlr. Won Si aber min gnediger herre von lünow ouch vnaer 35aidgnoßen von Zürich lutzern Switz zug vnd glaruß vnd vnser fründen von Ueberlingen Stain vnd Diefenhouen erber Rautzbotten gebetten vnd erbetten sind von der strauf der zunft halb zu stdn vnd die Metzger als ander zünft mit vorbebaltnuß der oberkait zu mindern vnd zu meren als das all zunftbrief wisen vnd vmb 40 die übrigen strauf sd baben sich die Metzger in gnftd miner berren ergeben in boffnung das Si die finden vnd der obgenanten berren vnd hotten bett genieffen sollen Si sollen ouch in die Ordnung so min herren In geben haben oder fürbas geben werden gon die halten vnd die Statt versehen nach Irem aller besten vermögen 45 Irs libs vnd gutz vnd vff daz sd haben die obgenanten Metzger all gesworn von Nüwen dingen den aid 86 Jerlichs ain gemaind swert vnd dartzn den obgemelten vn willen vnd sach vnd was sich 259 darlnn gemacht yod verloffen baut gen minen herren Ir gemainen Statt vnd allen den Iren Insonders denen 86 in der sach gehan- diert haben nit ^u änden zu melden zu &fren zu rechen mit Worten wergken R&ten getäten haimlich noch offenlich in kain weg sonder sol damit die sach aller parthyen halb hiemit gesihitS gericht vnd geschlicht sfn. Actum vf Sonntag vor Sandt Martis tag anno M. cccc Ixxij. Vnder tädinger min herre von Rinow von Zürich Can- rat von Chom Stattschriber von Lutzem Lndwig Ruß von Switz köchli Segkelmaister von Zug amman Schnid von Glarus vogtlO Tschudi von Stain hanns laitzer von Diefenhouen Virich Mayer von Ueberlingen lienhart Winterfelg Burgermaister vnd Waln- fra^igk. (foK LIII.) Hanns Egk ij march. Hainrich vischli j march. Hanns butsch j march. alrich Ciain j march. Cftnrat von Eich 15 j march. Hartmann von Eich ij guld. Cläwi Werli ij guld. Cunrat zaber ij guld. Cläwi Hiltprand ij guld. Hanns Rinneli ij guld. Lorentz halbtüfel ij guld. Peter Spon ij guld. Marti andres ij guld. Hainrich mergkli jung ij guld. Hanns Holtzhain ij guld. Tanneg- ker ij guld. Jung' Hanns Egk ij guld. Hanns Spar ij guld. Cun-20 rat ruscher ij guld. alrich hug ij guld. Diß b&ffen Allen Si geben in monatz frirt oder für die Statt (zühen) vnd nit darin (komen) biß die bezalt wirdet oder mit mi- ner herren willen. Actum ij poft Epiphanie Anno Ixxiij. ^ Der meteger Ordnung geordnet vnd gesetzt vff Mentag vor 25 Sandt Vrenen tag Anno 2C. Ixx quarto. Nachdem vnd min herren Burgermaister groß vnd Ciain R&t angesehen vnd geordnet band das man das flaisch bi dem großen pfund das da halt vhd halten sol viertzig lot wegen vnd ver- koufifen solle Sd haben Si den metzgern dis Ordnung wie harnachSO staut vmb gemains nutzes willen geordnet vnd gesetzt dem ist also. Das kain metzger hie zu Schaffhusen dehainer band flaisch weder rindris kelbris noch lembris verkouffen sol Es sy Im dann vorhin von den Schätzern, von ainem Raut dartzu geordnet, geschätzt. Item die schower sond das best rind flaisch nit türo schätzen 35 dann ain pfund vmb v hlr. vnd das ander rindflaisch Jeglichs nach sinem werd als dann die schower bedücht das es wert sy. Item von des lembrin fiaischs wegen sond die schower schätzen was bi aim Jär vnd darunder ist das best ain pfond vmb V hhr. vnd darnach das ander lembrin flaisch Jeglichs ouch nach 40 sinem werd als dann die schower bedücht das es wert sy. Von der Sügenden milchlamm wegen, der sond si kains ver- kouffen es hab dann das so Er in land kouft haut in den nechsten acht tagen gesogen Vnd das s6 er vßer land kouft in viertzehen tagen nechst gesogen Vnd derselben lamm stugk geben ain vorder 45 stngk vmb xiiij^ vnd ain hinder stugk vmb j ß ^ vnd nit türo Es wer denn sach das ainer das bi der wäg vswegen vnd ain i66 t r pftiDd vmb V hlr. geben w6lt das mag Er wol tun ob Im es die scfaower also schätzen. Desglichen das kelbrin flaisch das best ain pfund ^mb iiij hlr. vnd nit türo vnd das ander kalbflaisch als die schower be- 5 dücfat das es wert sy. Item Si sollen ain jeglich rindhafftig hopt halb höwen vnd mit namen so sond Si die halb tail oder vierling samend vor mittag nit enweg geben damit ynd der gemaind nit flaisch breste. Item Si sollen weder lunggen noch geliber wegen denn das lOSi das sunderlichen verkou£fen mögen vnd niemans nöten das^zn dem flaisch zu nemen es sy Im dann Eben. Aber hopt vnd hertz mögen Si wol wegen doch sollen Si von den höptern die schüde* len kinbaggen vnd zen schlahen. (Blatt LIV und LV sind leer.) (fol. LVI.) Dominus Bvdolfus lAn et mater. 15 Burgermaister vnd Ravt zu Schaff husen tund kond als pha£P Rudolf L6n der Erbern frowen Annen L^nin siner mfiter vormals alles sin gut ligentz vnd varentz vor uns recht vnd redlich vnd euch ledklich vffgeben vnd gegeben hett mit Eberhart Swager sinem vogt in dirre sach wie daz gehaißen vnd genant vnd w& 20 daz gelegen ist nicht vßgeuomen Hn alles widerrAffen nach dez briefs wisung sd darnmb geben ist. Also kam für uns die obge- nant Anna Lenin vnd ofinot vor uns mit Irem försprechen wan der vorgenant ir Sun in lands nit wer von dez kriegs wegen zwischen Im vnd den Closterfrowen zu kalkerren besorgte si daz ir hirinn 25 Inuäll vnd irrung geschehen möchtin besunder wan der brief nit - gantzlich besigelt war vnd batt vns flißig daz wir si hirinn ge- r&chtin ze besorgen durch gott vnd dez rechten «rillen. Vnd nach jrem fürbringen ward nach min dez obgenanten Bnrgermaisters frag ertailt mit gesamnoter vrtail vfF den ayd daz man ir dis sach in 30vnser Stattbach schieben sölt vnd daz ouch daz vffgeben dez vor- gedachten sins gntz ^ by crafft beliben vnd bestan sölt in gel icher wis als ob der brief gantzlich besigelt war an menglichs widerred. Actum. (Die Jahrszahl fehlt.) (fol. LVII verso.) Wie der Sck&tMw vnd der Öfterricher rf» ShBrhder geftraft sint werden. Es sol menglichem ze wißen sin daz der L5we genant der Schönlöwe vnd Egbrecht sin brfider genant der Oesterricher von vns dem vogt vnd dem Rät gemainlich vnd ainberlich mit vrtail ge- büßet sint Also daz si baid noch ir dewedre in \nser Statt nie- 40mer me sont an gericht noch an Räte gesetzt werden vnd dartzfi jr jetwedre vnser Statt ze bSß geben m&st. Ahtzig phant phen- ning vnser müntz Von dez wegen daz si hänfen dem Lenen vnd Rudolffen sinem brfider daz hüs vnd hofstatt mit dem kommei!fe vnd mit dem nebent hüs daran daz an hainrichs von Roßberg hoa 4Ölit vnd mit der hofstatt die zwischen irem grüßen hüs vnd dero Im turn hofstatt lit vnd waz zu dem allem gebeert daz alles wilent wemhers säligen ze dem thor waz mit vnrecht vnd mit vakchen sei aiden an gewanoen hatten Won hainrich von fiwisan der Snider vnd faans sälig der Orsinger vor vns in dem Rat offenlich stritent vnd veriahent daz si darumb valsch vnd main aide geswom betten vnd daz si mit gebette vnd gelübde d4 hinder gebracht vnd vber- komen wären daz si den genanten 16wen der ^genanten sach valsch- 5 lieh gehulffen als daz alles aigenlich geschriben ist an dem brief den hans der len vnd Rudolfif sin bräder darumb hant dez selben brief s ain gltcher brief besigelt lit In vnser Statt kisten bi andern brie- feu die ouch vmb die selben sach wisent Datum et actum feria secunda proxima ante festum Exaltacionis sancte Gmcis Anno 10 domini Millesimo Trecentesimo Nonagesimo primo. (Blatt LYIII ist ausgeschnitten.) (fol. LIX.) Tercio post waHe anno Iquarto, So sind herr hanns von emß vnd herr bercbtolt vogt von Costenz in vnserm Ratt gewesen von empfelhens wegen hertzog 15 Albrechtz K. vnd da geredt hertzog Albrecht kum für du Lantmans wiß wie das wir reden wir bekennen i kains rechten von hertzog Albrechten bekommen vnd tut vns wider recht vnd vber daz wir nit dann rechtz begerend Als6 daz sin gnäd des willen bi£h4r gewesen vnd harbracht das er yeman beger glicher pillicher rech- 20 ten vor zu sind er wolt es otich vngem tun Vnd hab also si vßge- schickt zütz vns zu nten vnd vns zu zestigen das sin gnad vns ains rechten sin woll vor vnserm aller gnedigosten herren dem kaiser oder ob vns das nit eben wer vor den churfürsten ic. an welhem der ennd vns das eben sin wöll vnd ouch also das wir 25 Im aihs widerrechten an der ennd ainem sien vnd begerten daruff ainer antwurt sinen gnaden wider zu sagen K. die red ward ge- redt vff dem Rauthuß glich wie vor 8t4t on das widerrecht des geswigen si. Vff das ist Inen geanttwurt wer von vns fürgeb das wir ge- 30 redt haben wir können nit ains rechten von vnserm gnedigen herren Hertzog albrechten bekomen der tut vns vnrecht dann wir BoUichß' YDgern reden oder fürgeben wollten dann wir doch nit mit sinen gnaden zu rechten suoder nit dann alles gut zu tnnd haben wißen vnd batend si vns der sach halb gen sinen gnaden zum 35 besten zu veranttwurten vnd wa sy gedencken harten vnd Inen vns vnd vnser gemain statt enpfolhen sin läffind. Darnach vff mSntag nach der alten vaßnacht Anno Iquarto. S6 sind in vnserm raut gewesen maister peter kattrer her wilhelm vom stain her hainrich rieh baid ritter her älrich von rümlang40 hainrich von sultz vnd hans vogt von waltzhnt vnd redt her Wil- helm vom stain wie das si jr gnediger herre Hertzog Albrecht zutz vns geschickt vnd In enpfolhen hett ettwas mit vns zu reden vnd was si von sinen wegen redten das beschee von wegen des gan- tzen büß von 5rfterrich vnd hat des ersten ain lange red getan 45 wie die Statt Schaffhusen vnd ouch ettlich mdr stett loblich vor ziten an das hos dffterrich komen ouch wie si wider danen an 262 k das rieh eopfangen sind mit dem pfand sofailling sd darvff ge- slagen sig nach Innhalt ettlicher briefen darüber geben die vnder anderm Innhalten das vns nieman weder kaiser noch küng von dem hus von össterrich nit trengen noch zühen solt ouch dz nie- 5 man za tfind hett Inn kainen weg ee dem mal vnd die herschafb vmb den pfand Schilling vß gericht vnd benAgig gemacht worden weren Da hab sin gnad Inen empfolhen vns za bitten die ding zu betrachten vnd In vnser selbs briefen zn erkonnen was wir schaldig sien vnd werden zfi t&nd das wir soUichs mit güti tAgen 10 vnd wider in die pfantschafit tretten vnd zn dem huß von ftsster- rich keren dann er des willens vnd dartzn genaigt sig das er gern frid vnd gnad In disen landen sähe vnd wann das beschiebt so woll sin gnad daran sin vnd ' bestellen der rütteri vnd krieg halb so yetz regieren das wir der ab vnd in ronw gesetzt werden dann 15 wann söllichs beschee wer dann vnser vind wer wa sin gnad dann das mit güti nit abtragen möcht der müst sin vind ouch sin dann er sieh Hannsen von rechberg nit mächtigen könne dann das er soIlichs mit dem swert mit vns vnderstan ward vnd dartzfi vns by allen vnsem fry halten vnd prinilegia so wir von Roem sehen 20 k aisern vnd küngen haben oder vom h von österlich krefitlich bliben laussen vnd vns der nit mindern sunder jzu vnsem eren vnd wirden nach zimlichait meren. Ob wir aber sollichs za t&nd nit vermainten so sien die forsten von Oesterrich des willens das si vngem haben noch begeren wolten darnmb von wegen Irs ob- 25 genanten Irs gnedigen herren vnd der andern fürsten dar zu ge- wandt So erforderten vnd butten si vns recht vff vnsern aller gnedigesten herren den Römschen kaiser oder ob vns das nit an- mMig wer vff ainen churfursten mit sambt ainem fürsten In disen landen der vnuerdächtig sin soll vnd das den selben enpfolhen 30werd von vnserm herren dem kaiser solich Sachen zu hoeren vnd das recht za sprechen vnd mit recht zu erlütern dann sin gnad wol bekennt vnd sie ouch wer solt man sich rechtz der sach ainigen vff all churfursten das gieng langsam za vnd mocht bis zuln jüngsten nit ennd gewynnen Sin gnad wolt ouch zu sollichem 35 rechten mit sollichem gewalt komen des zum rechten gnug sin solt vmb das was an der ennd ain recht vnd zu t&nd erkennt das dem nachgangen ward vnd begerten des ain antwurt. Vnser antwurt ist das wir vnserm gnedigen herren hertzog albrechten ouch allen fürsten von össterrich alles g&ten woll ge- 40truwen vnd allzit für gnedig herren gehept band vnd noch hüt by tag band vnd wir wissen ouch nit anders dann das Ir gnaden vns bishar allzit gnedentlich gehalten vnd gewesen sind vnd was wir sinen gnaden vnd den sinen zu lieb vnd ge- fallen t&n möchten das weren wir g&t willig vnd nachdem si Ir 45 red vnd fordrung gesetzt band da sig die statt schaff husen von erst anfang zum Rieh gewidmet vnd gestifft vnd bißhar am rieh loblich vnd erlich harkomen darz& best&t ouch^ als wir an das 263 huA 68terr]ch verpfent das wir da wider an das rieh loblich erlich vnd redlich wider enpfangen vnd darzu gefriet vnd confirmiert worden sind vnd sithar rüwig daran bliben vnd gewesen vnd noch hüt by tag vnd wir bitten si sin gnad zli bitten vns fürer also daran bliben zu lassen das wollen wir mit gantzem willen ver- 5 dienen ob das nit sin mecbt so sien wir vff die form von hertzog Sigmunds rseten ouch angeuertiget vnd mit vns geredt worden die selb red vnd onch Ir rede wollen wir furo an des bailigen rieh stett vnser verainung vnd die so zu dem rieh gehören (fol. LX) bringen vnd der Sachen rktz pflegen vnd dann sinen gnaden der 10 sach halb fürer anttwurten. Yff das begerten si nach sollicher anttwurt Inen den grossen r&tz zu haben mit dem wolten si solieh red ouch tun vmb das das si hofften ainr wittern anttwurt zu bekomen dann wa man rechtz begert vnd sich rechtz erbütt des dörff man sieh nit vil berS,ten dann woll wa man sich gütlicher 1 5 tag verfassete wer wol nott das man rätz pfleg was ainr zu söl- lichen tagen fürtagen vnd wes er sich behelffen wolt darumb so maint er das wir vns yetz ains ricbter aintend vnd des rechten ains' vffnemend also nach Ir beger so hatten wir den grossen R4tt vnd nach dem vnd sy sollich red glich als vor täten vor dem 20 grossen ratt so ist Inen geanttwurt Im grossen rät glich als vor dann souil mer wir sind loblich vnd erlich wider zum bailigen rieh enpfangen darzu gefriet vnd bestät haben Ouch dem gesworn daby zu bliben dauon nit zu tretten noch vns abzuwerffen das wir ouch jerlichz sweren vnd sien bißher loblich vnd erlich am rieh 25 harkomen vnd bitten si mit vnsers herren gnad zu reden vnd zu bitten vns fürer daran gerüwig bliben zu lassen Aber der gross r4t sig die gemaind zä schaff husen vnd wir sien gantz ains vnd haben Ir vorgemelt red wol gemerekt vnd söllich Ir red vnd for- drung an des bailigen richs churfürsten herren vnd stett vnd ander 30 so zu dem rieh gehoeren bringen vnd nach dero rätt sinen gna- den fürer antwurten wollen. (Blatt LXI. ist leer.) (fol. LXII.) Die metzger. Die metzger sont flaisch geben vnd sont • an vahen am sams- 35 tag nach sant älrichstag in dem Ixxxvj jar. Item ain phunt Rintflaischs vmb iij ^ gutes Schaffins ain phunt g&tz vmb iiij ^. Zwai phunt gutz bukkins vnd gaissins vmb v ^. Swas .aber swach ist das sont si geben als die schower ie 40 haissent ald hin tfin das als böse ist. dis sol' weren vnz das es der Ravt ändert. (fol. LXIII.) Vmh die vischer. Wir der vogt vnd der Ravt ze Schaf h. sien vber 'ain komen vnd haben gesetzet aimberlich. Swas viseh fr5mde lüt das wasser 45 abher fürent vntz für die Brugg ze diessenhouen die sol nieman vmb sii ze phragen köffen es siien vnser burger oder geste. 264 * Es 8ont öch enhain vnser barger oder geste ze SchAfb. lebent visch gemain mit enander yerköfifen. Was vkch öch vnser vischer koffent in dem werde ald dar vnder ab hin vnd die her fi&rent oder tragen! das mogent si wol 5 tan wan vns dankt das es vnser statt besser si getan denne vermitten. Was visch man öch den Bin ab fdren wil es tüden barger ald geste die spnt vnsern bargern da von ze koffene geben als vil die barger ie denne went alle die wil die vische ie hie sint in gemainem köffe als denne ie zitlich ist* 10 Was visch öch die vischer töter vngesaltzener fra her brin- gent vor primzit die sont si vor imbis vf den markt tragen vnd verkofiPen vnd nit wider ab dem markt trag^i. Vnd was si vngesalzoner töter visch her bringent vf vesper zii die sont si öch nah vesper vf den markt tragen vnd verköffen 15 bi der tagzit vnd sontz nit wider ab dem markt tragen. Es sol öch enhain vnser vischer ze Schafh. dekainem fr5md)»n vischer sin visch hie verköffen. Dis gesetztan sol nian also halten vnd wer si brichet der sol vnser Statt ze büße geben vnser g. müntz fünf fchillingphenning 20 als dik es beschiht. Wir sülen och allii jar zwen schower setzen von vnserm Rat vnd zwen von den vischern die vmb du vorgeschriben ding vnd sanderlich die vischer vmb bös visch die es öch alle wegent tan sont bi iren aiden die si vnser Statt gesworen hant. 25 Geben an sant Mathias abent anno dm. M. ccc. Ixxxvj. öch habin wir gesetzet was visch man den Ryn herab fAret lebender visch vnd die man enweg füren wil es tüiexr Barger oder lantlüt das man derselben visch ainen dritten tail hie ze Schaf hasen lavssen sol daz man hie och dester bas visch hab. 3Q Vnd waz visch man also hinnan fAret da von sol man vnser stat ze zol geben von jeglichem pfund j ß ane geaerde. Ez ist och gesetzt daz die vischer die an dem markt visch vail hant stan sond an dem vischbank vnd sond nicht Ob dez herblingers tor stan vnd wer daz brichet der sol vnser stat ze 85 bas geben v ß phening. Ez war denn daz ir dehainost so vil w&r daz si ir visch die si denne vail hant vf dem vischbank nit möchten gestellen ane alle gevärde weli daz sind die mügent. ir visch wol ' setzen ob dem vischbank vfhin denne ze mal vnd nit anderz vngevärlich. 40 (Auf einem angehefteten BI.) || J^vmo legcUur* Wir der vögt vnd der Ravt ze Schafhasen siien vber ain komen vnd haben gesetzet ainberlich Swas visch frömde Lüt daz Wasser abher fürent vntz für die Bragge ze diessenhoaen die sol nieman vmb sü ze phragen köffen es siien vnser Barger oder geste. 45 Es sont öch enhain vnser Barger oder geste ze Schafh. Lebent visch gemain mit enander verköffen. Was visch öch vnser vischer köffent in dem werde als dar 265 ▼nder abhin ynd die her f&rent oder tragent daz mngent si wol tfin wan vns danket das es Ynser Statt besser si getavn denn vermitt«!. ' Was Tisch man öch den Ryn ab f&ren wil es tdgen Borger oder geste die sont unseren Bürgern da Yon ze köffenne geben als vil die Burger ie denne went alle die wil die Tisch ie hie 5 sint in gemainem köffe als denne ie zitlich ist Ynd sont zol Tnser statt Ton Tischen geben Ton den Tischen die si hinnan fftrent Ton ieglich phunt j ß. Was Tisch öch die Tischer töter Tngesaltzener fru her brin- gent Tor Prym zit die sont sü Tor jmbis Tff den markt tragen Tnd 10 Terköffen Tnd nit wider ab dem mark,t tragen. Vnd was si Tngesaltzener töter Tisch her bringent Tff Tesper zit die sont sü Öch nach Tesper Tff den markt tragen Tnd Terköffen bi der tag zit Tnd sont si nit wider ab dem markt tragen. Dis beschah anno dm. M. ccc. IxxxTij^. am donstag nah santl5 Martins tag nah der Tischer RaTt die darzfi besendet warent. SidmaTls haben wir gesetzet Das nieman weder barger ald lantlüt dehain grAn Tisch dar Tnser Statt ald für Tnser Statt ab Iftren sol den rin ab inderthin als dik beschehen ist ane Tnsers Rates ze Schafh. Trlob willen Tnd gnnst Tnd was Tisch man aber 20 also hiefür ze fürenne erlobet werdent da Ton sol man an Tnser Statt ze zol geben ie Ton aines phnndes wegen Sohafhüser müntz j ß der selben phenning als sich das ie gezühet es si lützel oder tu. W&r aber das ieman solioh Tisch Tsser dem Rin oberent Tnser statt Tnd wider in den Rin niderent Tnser fürti (so !) das wasser 25 ab f&rti Tber lant daramb das er es mit Tnsers Rates willen nit tftti ald Tns nit zollet! Tat das dehain Tnser barger es si ainer oder me den sol man daramb straffen Tnd büssen als sich Tnser Rat ze Schafh. a]d der mertail daramb erkennet es si Tmb das fnr füren ald Tmb den zol als dik es iemer beschiht. oO Tat es aber dehain lantman es si ainer oder me der sol in Tnser statt Tnd in Tnseni geriht niemerme komen ane Tnsers Rat ze Schafh. ald des mertails Tnder in Trlob Tnd wiUen es si Tmb das fürfüren ald Tmb den zol als dik es iemer ze schalden kont. Dis beschah an m&ntag Tor sant Mathias tag anno domioi35 M. ccc. Ixxxviij®. || (fol. LXIV.) Der vischer Ordnung. Item deß ersten Ist geordnot Tnd gesetzt was fisch frömd lüt das Wasser abher fürend Tntz für die Brugg zu diesenhouen Die sol nyeman Tmb Sy zu pfragen kouffen Es syen Tnser barger 40 oder gest. Es send ouch dehain Tnser burger noch gest zu Schafhasen lebend Tisch gemain mittenandern Terkouffen Denn allain zwdn Tnser barger mögen wol gemain mittenandern haben wie ir zunfft brieff solichs Inhant daby lausen wir es beliben. 45 Es sol ouch dehain Tnser burger dehainem frömden Tischer sin Tisch hie Terkouffen. 266 Was ouch visch vnaer vischer kouffend In dem werd oder darander abhin die mögen Sy wol hie verkouffen. Was [fu] ouch Totter vngesaltzner visch fru vor primzit har bringen Die sond Sy vor ymbis vff den margkt tragen vnd ver- 5 kouffen vnd nitt wider ab dem margkt tragen vnd was Sy totter vngesaltzner visch vor vefper zitt harbringen die sond sy ouch nach vefper vff den margkt tragen vnd verkouffen by der tagzit vnd die nitt widerumb ab dem margkt tragen. Wer der Stugk debains über fert der gitt zaBäß ain pfund 10 Pfenning als dick ers tat ane gnad. Es sol ouch nyeman vn'ser burger noch lanttlütt dehain grün visch -durch vnser Statt den Rin ab oder sust yenderthin sin ains Bargerm aist ers vnd Rautz vrlob vnd gunst f&ren vnd was visch man also hie fürzufAren erlopt dauon sol man vnser Statt zu zoll 15 geben von ye ains pfunds wert ain Schilling vnser mäntz. Vnd soi man vnsern Bürgern allweg derselben visch den dritten tail hie lausen ob Sy die haben vnd bezaln wellen In dem kouff als Sy gekoufft sind mitt dem costen bißhar daruff gegangen. W&re aber das yeman solich visch ob vnser Statt vsser dem ^ 20 Rin vnd darunder wider jn den Rin oder vber land i&rte da- ramb das er solichs ane ^vnsern willen tätti vnd vns dauon nitt zollen müste Tutt das ainer vnser barger den sol man darumb straffen nacl^ ains Rautz erkanntnüss Es sy vmb das für faren oder vmb den zoll zu ferfaren als dick dasT bei^chicht. Tfttt das 25 aber ain gast der sol Ip vnser Statt vnd jn vnser gericht nyemer mer komen ä,ne ains Rautz vrlob vnd willen. Difß Ordnung ward ernüwret vnd gesetzt durch Gross vnd Glain rätt vff donstag nach der alten vaßnacht anno dm. M. cccc. Ixiij^* (fol. LXV.) Dis ist die ordenung die Elehetha die Englerin Sifmit Irem gut getan hat. It. des ersten ab den vier marchen Silbers i&rlichß vnd ewiges geltz so si hatt vff des Süssen seligen guter ij guldin ev^es geltz gen MaggnÖw an das Gotzhüs doch sont die selben ij guldin geltz ze lipgeding beliben vlrichs des parendysers tochtran Gloster- 35frowen in dem selben Gotzhüs ze MaggnÖw vnd n4ch dero tot demselben Gotyhüs ewoklich. It. ab dem selben gut ain halber guldin geltz den veitsiechen vff der staig ze Schaf hn. It. den Siechen in dem Spittäl ain guldin geltz an ir m&l 40 ze Besserung. It. den parffissen ain guldin geltz an ir mal. It. minen frowen ze sant agnesen ain halben guldin geltz an ir mal. It. minem herren dem Lütpriester ze sant Johans kilchen vnd sinen gesellen ain halben guldin geltz also das man ir Sweklich 45 an der Cantzellen gedenk vnd ir och irü jarzit verkünd vnd begang. It. den CappelUn ze sant Johans kilchen allen gemainlich ain halben guldin geltz. 267 It. das Gotzhüs aller hailgen ze Schaf hasen ain galdio geltz an die j&rzit. It. den fr6weD zu dem parendys allen gemainlich ain gnldin geltz an den tysche. It. an die spendan drizehen guldin geltz die selben gnldin 5 sol ain Tagmesser der ie dent^ Tagmesser ist zu der Lutkilchen ze sant Johans ze Schä^fhusen j^rlichß in nemen von dem obgen. ' g&t vnd sol darumb körn koffen an dem herbst vnd sol denne da Ton geben zu ieglicher vronvasten ain spenne vnd was im denne da vber wirt das sol er fürkern in der spenne nutze das selb 10 sol er dch getrulich volfüren bi siner truwe vnd sinem ampt Ine ge- uerde. Item Es sol och dem selben Tagmeßer Jerlichß ain guldin werden vmb sin arbait vnd vmb sinen dienst der fpenne. Item das gut ze alt fula mit aller zugehoerd ist wernhers 15 zu dem Tor Lipgeding vnd wenne der enist vnd abstirbet sd sol es Valien an die vorgenanten spenne. Item dem Gotzhüs ze veltpach gemainlich irü drii hüser an dem oi-t bi der MStzi mit aller zfigehoerde . mit dem geding was nutzes oder zinses dsl von geuallet das man das alles jerlichß zu 20 den vronvasten tail gemainlich vnder die frowen vnd das ainer als ' vil werd als der andren. Item die wingarten ze Ossingen mit aller zugeh6rde s5nt lipgeding der vorgen. Englerincn tochter ze veltpach vnd wenne die erstirbet s6 sont si gantzlich vnd mit allem rechten vallen an 25 das Gotzhtts ze veltpach. ane alle Widerrede vnd fürzng. Herre Jos von wetjsetihotien der hie lütpriester was ordenung vmb siß järzU. Es ist ze wiffenne das herre Jos selig von wetzenhouen wilent Lütpriester ze Sch&fhusen dis nächgeschriben fünf Guldin vnd ain 30 halben guldin Jerlichß vn ewiges geltes ab dem hus d4 Eberhart der Tychtler jnne ist an dem Rindermarkt gelegen zwischent herre hartmans von hiinaberg vro vonnen siner huffr6wen vndJo- hanfen des Böndorfers hüfer die geköft sint von Wilhelmen in dem Turn genant zu der haselstüden burger ze Schafhusen von 35 den ainluf guldin geltz die er vff dem vorgeschriben hüs jerlichs zinses het dl aber die vorgeschriben fünf Guldin vnd ain halber Guldin jerlichß des Ersten vnd vor ab an dis nach geschriben orde- nung vnd selgeräit gin sont als der kdfbrief wifet vnd sait der darumb geben ist. 40 Man sol geben jerlichß vff den jirzitlichen tag des vorge- nanten herre Josen seligen das ist vff die vr6nvasten ze herbste ij guldin vnd darnich vff ieglichi vrdnvasten j guldin vnd ain drit- tail des halben guldin vnd ist das selb selgerSit geordenet vnd gesetzet mit dem gedinge vnd beschaidenhait als hie nichgeschri- 45 ben stAt ainem Lütpriester vnd sinen gesellen ze fant Johans kil- chen ze Schlfhusen den Cappelan gemainlich in der selben kilchen 208 i ainem CSappellan vff der stsig ainem Gappelan in dem Spit&l ainem Schnlmaister vnd den armen Schalem allen ze Sch4fhasen in der Statt. Nv sol man dis vorgeschriben Ouidin tailen also das ie dem priester ain tail werd dem Schulmaister ain tail alä aioem ' priester 5 vnd den armen fchiilem allen 6ch ainen tail als ainem priester. Och ist es ze wissenne das man v£P den j&rzitlichen tag des obgen. herre Jpsen jerlichß vnd och dam&ch vff ie die vrdnvasten an dem avbent ain vigily singen sol vnd momdis ze meff ain sSl- meffe vnd sont denne ze gegen sin die vorgenanten priester alle lOgemainlich der Tchnlmaister vnd 6ch die armen fchuler weler aber sich fibsentiert vnd nit zegegen ist zu ieglicher vigily vnd och der meffe vntz ze ende vs, wie dikk -vnd wie vil er das tat sd sol im denne ze m&l von dem tail, d& er sich gesinnet hat nihtes werden vmb das si dester geflissener sigint bi der vigily vnd och bi der 15 meffe ze sin. (fol. LXVI) An die spende, Won sol wiffen das dis gelt ^weklich ällii j&r sol gftn an die spende armen lüten ze Schafhasen. Des Ersten ain phont phenning geltz der müntzsözeSchafh. 20 ie denne genge vnd g&be ist an die spende ab des Mannes hus von stain dÄ ist ietzo inne Clans B16cheli der smit vnd lit 6oh zwtischent G6berginen vnd ir kinde hus vnd hainis Irmenses hos das selb phunt gab hainrich der alt menteller an die fpend. Item zwai phnnt der ^en. phening ewiges vnd jerlichs geltes 25 die gant ab des Spittals wingarten vnd Inuang der gelegen ist vor garspurg der etwenne was Jeklis fromherzen. das gelt gab du Lochelerin an die spende. Item zwai phunt Ewiges vnd jdrlichs geltes die gab ab den hüsern du gelegen sint inderent der bachbmgg hinder der Bat- 30 Stuben du man namde scherlochs hftser das selbe gelt gabent du L&chelerin vnd du hettelin an die spende vnd gant des geltes xvQ ß ab günthers hus das ietzo ist sifrides des Maigers von widilo vnd sines braders vnd xvij ß ab bans hiltzingers hüs den man nemmet der Brugel vnd vj ß ab der vorsterinen hüs von Gennersbrunnen. 35 It. aht Schilling phening Gostentzer müntz Ewiges vnd Jülichs geltes die gant ab dem hüs das R&sten was vnd nu bans golt- smitz bi der inderen trinkstuben ist das hie vor Labans was das selbe gelt gab Jacob Laban an die spende. Won sol och wißen das Buri selig ain gnt ze tilendorf das der 40 schulder büwet an die spende geben het mit aller zugehörde als6 das man an sinem j4rzit tag eweklich geben sol ain spende dur siner sele wille von den nutzen des selben gutes. Die selben spende rihtet ietzo vs &llü Jar der Sch(^nl6w. Vnd wenne er das nit me tat es si bi sinem leben ald nach sinem 45 tot so sol der Rat ze Schafh. besorgen das man die nütz von dem gat in neme vnd die spende vs rihti jerlichs. 869 Ckmfm StaäUkouers söligen ä^erkt. Item jn dem Jare do man zalt von gottea geburt drüzeheo- hundert Jar vnd darnach In dem Nünz vnd ahtzigosten Jare an dem Tierzehenden tag In dem Oenner vff none zit ain stand dA vor ald darnach dd tett Claus der Stadlikoner der elter dis nach- 5 geschr. ordenung vnd gem&cht vnd satzt dd gesundes libes vnd m&tes dis nachgeschriben ewig vnd Järglich gelt daz es nach Binem tode dweklich durch siner vnd siner vordem vnd nachkomen s41e haile tvillen J&rglichs g&n sol als daz wol kuntiich vor vns gemachot wart In welher wise es an disu nachbenempten Götz- 10 h^ser Valien sol vnd daz er diz ordenung tett alz es billich iemer m6 kraft haben sol nach erkantnuff des R&tes ze Schaufhusen vnd ist dis daz gelt. Dez ersten von den vier guldin Ewiges geltes die er koft ab Glausen dez Sluchers hüs das ietz der Metzger Trinkstnb ist d&yon sol g&n ain guldin Jerl. an den büwe der 15 Lfttkilchen ze sant Johans ze Schaufhusen ain guldin Järglichs geltz den 3r&dem ze den Parfußen ze Schaufbusen an im Tische ain guldin dwigs geltz den Siechen in dem Spital vnd ain guldin 6ch J&rglichs geltz den kinden ze den armen lüten vff der Staig aber die selben zwen guldin geltz die in den Spital vnd vff die 20 Staig gehdrent die sol man Järglichs vmb klain gelt verwechflen daz selb gelt sol man denne vnder die Siechen in dem Spitale vnd vff der Staig tailen Jetwedrenthalb hin klain gelt für ainen guldin ze glichem tail daz ir Jeglicher vmb sinen tail denne köffe dez in lust. 25 Och hett er gesetzt ab hainrichen Gigenbergs hüs vor der von Swartzeh tor ain pfunt pfenning Gostentzer müntz Järglichs vnd och dwigz geltes an ain Gemain Spende armen lüten ze Schaufhusen vnd vier fchilling pfenning derselben müntz 6ch . ^wigs geltz an die Xagmeff ze dez hailigen Grützes altar. In Sant 30 Johans kilchen ze Schaufhusen. Och sol man wißen daz zwen hopt brief hinder demR&t ze Schaufhusen In der Burger kysten ligend die dA wisent wie die dgenanten vier galdin vnd daz pfunt vnd vier Schilling Gostentzer pbenning Swigs (fol. LXVII) vnd Järglichs geltes In koffes wise 35 kament vnd komen sint zu dez egen. Niclaufen Stadlikofers säli- gen banden vnd mit swelchen gedingen vnd rechten die vorgen. vier guldin vnd daz pfund vnd vier Schilling Gostentzer pben- ning ewigz geltz ab den vorbenempten zwain hüsem vnd hof- stetten köfft sind. 40 Dis ist ain ahgeschrift dez Briefes als Johans von fula an die Spende ee Schaufhusen Ntm mutt kernen Järglichs geltes geben tmd gesetzt hat die nü hinnenhin eweklich gän sont ah sinem In- vang vnd dem Qiit so er hat ht Schafhusen Ugend mU aXkr zu- geMrde ze den zun vnd jn der wise alz hienach geschrtben ist vnd 45 der selb brief lU in der Statt kysten it. AUen den die disen brief ansehent oder h5rent lesen kün- 270 den Ich hainrich von Randegge Ritter TOgt ynd wir der Rftt 6e- mainlich der Statt ze Schaufhasen daz für vns kAm do ich vor- genanter hainr. von Randegge Ritter offenlich ze gericht faffe der befchaiden Johans von fdla barger ze Schaufbasen ynd gab machet 5 ynd ordenot d& vor vns offenlich gesundes libes vnd mutes von friiem willen alz jn du vrtail lerte für sich alle sin erben vnd 6ch nachkomen mit dem gedinge als hienach geschriben ist Ld- terlich durch Gott durch siner vordem vnd nachkomen Solan hai- les vod^nutzes willen an daz almusen die spende ze Schaufhusen. 10 Nun mutt kernen g&tz komes Schaufhuser meffes Järglichs ewigs geltes vnd zinses die nü hinnenhin gAn sont vß vnd ab sinem In- vang den wingarten akkem wisan Bongarten hüsern hofstetten mit Trotten vnd mit aller zugehörde so er hat bi Schanfhusen vor der Statt nach da bi ligend vnd hat daz getan mit der beschaidenhait 15 daz derselb Johans von fula alle sin erben vnd nachkomen In dero band vnd gewalt der obgenant sin Invang mit aller z&geh^rde jemer kunt nü hinnenhin Järglichs vnd ewekUch ze den vier vnser lieben frdwen tagen" daz sol sin vff vnser frowen tag ze herbst als si geborn ward vff vnser frowen tag ze der liehtmiße ze 20 vnser frowen tag ze dem ärnde vnd vff vnser frowen tag ze Mit- tem Qugsten als si erstarb darab vnd dA von ze jedem zil Nun . viertail kernen richten vnd geben sont an die ^genanten Spende den pflegern die ie denne daz Spennegelt In nement wer die je denne sint ^ne alle minderung ftne alle Widerrede vnd fürzug vnd Ane 25 allen schaden ze derselben pfleger banden vnd wan dis alB6 mit vrtail vud mit recht von vns beschehen ist daz es Nü vnd hie- nach vnd iemer eweklich kraft vnd macht haben sol Ane alle ge- uerde Darumb hab ich obgenanter Hainrich von Randegge Ritter min Insigel vnd wir der Rat ze Schanfhusen haben vnser Statt In- SOsigel mit vrtail ze ainem vrkünd diser vorgeschribener dinge vnd von flifCger bettwegen dez obgen. Johansen von fula offenlich ge* henkt an disen brieff so vergich 6ch ich obgenanter Johans von fula ainer gantzen wArhait aller der dinge du von mir hie vor geschriben sint vnd daz ze beßerm vrkünd vnd st&ter Ewiger SSsicherhait so hab ich min aigen Insigel für mich min erben vnd nachkomen die ich hierzu och vesteklich verbind offenlich gehenkt an disen brief Der geben ward d6 man zalt von gotz gehurt Drü- zehenhundert Jare darnach in dem drü vnd Nüntzigosten Jare an sant Hilaryen tag dez Bischoffs. 40 (fol. LXVIII.) Abgeschrift dee hriefs vmb die Clofen yenhoib I&ns als die der Bat zelihen Mt derselb brief lidt in dee Hü- nen gewäU, Allen den die disen brief ansehent oder hdrent lesen kund wir hainrich von Randegg vogt vnd der Rat ze Sohaffhusen das 45 vor vns erzügt ist mit erbern lüten die darumb zu den haiigen gesworn haut gelert aid d,as fro Angnes selig hainrichs. des hafners seligen wilent Gliche wirtin die zu Schaffhusen burgerin waz die 271 olösen enbalb Rins die ir waz vnd gelegen ist an der halden die man nemt des Coftentzers bald mit dem Garten daran ynd als si mit Zonen vnd mit Inuang vmbgangen ist ordnet vnd gab ledec- lioh durcb gott vnd dur ir vnd ir vordren Selen willen ainer Closuerin die sy ie denn hett zebaben vnd ze niezzen vud darinne 5 ze- sin in gottes dienst vnd willen Immer mSr eweklich mit söli- cbem geding das der weg hin binder gen der Closen der von der lantftraff g&t allwegen offen sol sin zu der Closen vnd danen ze wandlen menglicbem der es ie tun wil vnd das du Glosnerin die ie da in der Closen ist vnd die es von ir wegen ie t&nd allwegend 10 weg sond baben von der Closen durcb daz Türly vnd durcb die balden vff vnd ab ze wandlen In den Rine ze waffrende vnd ander ir n6tdurft ze Scba£Pende wenn vnd war zu si sin ie bednrffent vnd ob dcb' anders von opse vber die zun In vallet von dem gut daz der ^genanten bafnerin was das so] der Closner ingentzlicb sin die 15 in der selben Closen ie denn ist die ^genant fro Angnesa die bafne- rin gab 6cb vollen gewalt dem Rät zu ScbafiThusen der ie denn ist die ^genant Closen zelicben nach Irem tod ainem erbern men- schen wes si ald der mirtail vnder in ie über ain koment mit allen den rechten die hie vorgescbriben sint als dik die Glos ie ledig 20 wirt vnd tett dis alles als si die vrtail lert Es waz och vmb dis saob ain offen besigelter brief geben an dem dis alles verscbri- ben waz wie die genant fro Angnes selig die bafnerin dis alles mit geriebt vnd mit vrtail get4n vnd vollfürt hatt für sich vnd ir erben vnd nachkomen in wes gewalt daz egenant gut fiirbaz iemer 25 kunt der selb brief aber abgieng vnd verbrann in vnser groffen bmnst an der vffart abend In dem Jar do man zalt von gots ge- purt drizeben hundert jär vnd Sibenzig jar darnach In dem an- dern jar vnd wan nu nach der selben brunst gesetzet wart irr vnserm groffen Rät wem sin brief abgangen weren in derselben 30 brunst mag der erzigen sfn brief wie die , standen die Im abgangen sint daz man Im da, ander brief geben sol vnd sid vor vqs er- züget ist waz die Igenant fro Angnes mit der obgen. Closen getan vnd vollfürt hett vnd daz 6ch darumb ain brief geben waz als be- schaidenlicb ist darumb haben wir vns erkent daz man darumb 35 billicb ander brief geben sol vnd da von b6 ban ich vorgenanter hainrieb von Randegg won ich hierumb ze geriebt fazz min Insigel Vnd wir der Rät vnser Statt Insigel mit besamnoter vrtail gehenkt « an disen brief ze ainem vrkünd daz dis alles beliben sol von der vor- genanten Closen wegen daz die Sgenant fro Angnes darumb geordnett 40 hett als hie vor geschriben statt won daz mit geswornen aiden erzüget' ist dirre brief wart geben dd'man zalt von Gottes gepurt drüzehenhnndert vnd Sibenzig jar vnd darnach in dem achtenden jar an dem nebsten fritag vor Sant Margrethen tag 2C. Otto von Nördlingen vnd sin elich tvirtinn ordenung an die^h S^end. Otto krämer von Nördlingen vnd Marg. sin Slicb wirtinn 372 band geordnet imd geben Tier mntt kernen dwigs geltz an die gemainen Spend armer lüt za Scbaffbasen vITer -md ab irem hna boff ynd bo&tatt vff der herren acker mit aller zogeb^rd nü bin- nenthin ^weclich nacb ir baider tod ye yff sant Martina tag Xöl- 51end ingenomen werden von den Spendmaistem wer die denn ye sind ynd sollend denn die selben vier mutt kernen scbaffen ge- bacben werden z& ieglicber frdnvasten ainen mutt kernen oder md als denn den Spendmaistern geneilig ist wexm man aber daffelb kernengelt jdrlichs nit ricbte 86 sollen ynd mügen denn die Spend- lOmaister nacb iegliobem zil daz vorbenempt büs ynd bofstatt an- griffen 2C (foL LXIX.) Oemain fpend armer lüte fraw Jinnen Lbwir nen von Mmegg zu fant Angnefen vnd ire niiUgeseUinen. Es ist zewiXTen daz Swester Ann die alt LÖwin katberin 15yon kdrnegg verSna trülleraygin Ann yon Mekingen katberina L6win ynd Swester katbrin Dörfflingerin GonuentrweXtren des gotzbüs fant Angnesen koft band dis nacbgescbriben jerlicb gelt an die gemainen Spend armer lute zu Scbaffbusen daz sind zwdn guldin geltz yon bansen dem Breiter ynd Leonbarten sinem 20sun yrfer ynd ab irem alten büs boff ynd boflBstatt ab dem kelr dahinder ab dem stok binder dez Spitals bus ynd ab irem Nüwen büs ynd boffstatt daz an dem alten bus ist ^el^en ynd ab dem büs ynd bofstatt darinn der yogel sefCbafft ist ynd da- uon er JSrlicbz git j tt yij ß ^ Scbaffbuser müns dis alles zu 25 Scbaffbusen ist gelegen In der webergaXTen also daz die selben breiter ynd ir erben vnd nacbkomen In der band ynd gewaJt das alles ymmer kompt die vorgesagten ij guldin geltz nü binnentbin jer- licb ye yff sant Martins tag Hebten ynd gebenn süllen den j^blegem "md Maistem der selben Spend ynd sol man die spend jerlicbs 30 geben zu zwain ziln dez ersten yff der bocbgelopten küngklichen mfiter ynd magt tag ynser lieben frowen fant Marien als si em* pbangen ward ynd oucb yff fant Angnefen tag als daz zu Scbaff- busen sitt vnd gewonbait ist &n all geuerd Weibes Jars aber die yorgen. breiter oder ir erben oder nacbkomen an dem Jerlicben 35 gelt sümig wurdin zericbten wenn die xiiij tag die necbsten nacb Sant Martins tag vergangen sind S6 babend denn die Maister vnd pbleger der vorgedacbten fpend wenn fi wellen vollen ge- waltvnd recbt die selben gftter anzegriffen mit versetzen oder mit verkouffen als verrechtuertgete pband kn dag vnd An alle geriebt 40 als vil vnd als dik vntz in ye der jerlicb zins so denn der spend ye daruff uzzftund gentzlicb gewert vnd bezalt wirt 4n ir sobaden oder 81 mugend aber die genant breiter vnd ir erben vnd nacb- komen mit dem recbten darumb anlangen als vmb fpendzins zu Scbaffbusen recbt vnd gewonbait ist weders denn den pblegem 45 vnd Spendmaistem aller best fftgt Es g&t oucb vermals ab den b&sem ab dem kelr vnd ab dem stok nit me denn x & ^ Sobaff- buser werung dem Qardy&n vnd Gonuent dez büs der mindern 278 brAder zn Schaffhasen nach wisung dez briefs 86*Tinb dis jerlich gelt geben ist ynd den Claus gabelhüser inne h&t dis beschach an sant Johansabend zu Süngichten Anno domini 2C. Nonagesimo nono. — Item \ der von Radegg jerlichs gelt Item Goltpachinen spend armer lut in folio Ixxij ItemBuris seligen gut an die spend5 In folio Ixyj precedenti. (Blatt LXX und LXXI sind unbeschrieben.) fol. LXXII. Vmb der von radegge der münchinen geU, Won sol wissen das du von Radegge Johan otten des Münchs von Basel wilent ^lichü husfrow in vnsenn Rat zeSchafh. als recht 10 was geordenet het die fünf mut kernen geltes die si vf dem Inuang am holenbon het der ietzo der tescherin ist ze hdrenne an dis stette ob si avne Slich liberben ab gavt vnd anders nit. Des Ersten ain mut kernen an du Jarzit den heren ze allen heili- gen ze Schaf husen. Item ain matt kernen den frowan ze sant Agne- 15 sen ze schafh'. ze besserung an ir tisch za ir rechten phr&nde. Item ain matt kernen an sant Johans lütkilchen an die tagmesse. Item ain mutt kernen den minren bradem ze Schaf h. an ir tisch. Item ain mutt kernen den frowan in dem closter ze witken. 20 Vmb iij libr. geUes vnd iij htmr sö die armen veUsiechen vf der staig hant an Epplis holden. Wir der vogt vnd der R&t ze Schaf h. haben vns erkennet aimberlich vmb du drü phunt phening vnd drü hAnr jerlichs geltes nö die siechen vff der staig hant vf drin hüsem du gelegen sint25 an Epplis halden du wilent Nicol'. seligen des hasen warent der sich nu egbrecht der 16w genant faissegli vnderzogen hett das das genant gelt allewegent g&n sol ab den dgenanten drin hüsern vnd ab den bongarten vnd wingarten vnd reban vnd halden vnd ab allem Inuang sd darzu hoeret den obgenanten veitsiechen vnd 30 iren nahkomen vnd das inen der egenant Egbrecht der L6we ald wer das selbe gfit ie denne het das selbe gelt d& von Jdrlichs vsrihten vnd geliben (? oder gelten) sont so es ie vallet vor an des ersten von allen den nützen vnd rehten s6 von den hüsern vnd von allem Inuang so darzu beeret ie vallent won die siechen dasselbe 35 gelt des Ersten vor menglichem daruf hant vnd han sont. Qolü>achmm spende. Won sol wissen daz dis hie nach geschriben gelt gegeben ist an die Spende durch frd Annen seligen von Ooltpach sele willen vnd ist alles gelegen In dem kilchsperg ze Löffen vnd sol Swek-40 lieh an die spende geh5ren vnd ist aber dem Ootzhus ze Costentz vnd den vögten ze Löffen Ir recht behalten zu den gutem da daz gelt ab g&t. kernen gelt. Der Mesener git ainen mutt kernen. 45 Cuni hüsgeschierre git v viertal kernen und zwai herbsthünr. Die Mörler gend i^ viertkil kernen. BirUoger, Ablemannla VI 8 18 074 Schiri g.it ij viertail kernen. Haini zit git ij viertail kernen vnd ain halb hfin. Gfini zit git ij viertail kernen. Der Schede] git iij viertail kernen. 5 Der Binder von Rüti git ij viertail kernen vnd ain halb h&n. Der frye git ij viertail Ifernen vnd ain vasenacht hfin. Roggen Gelt. Der frig git vj viertail Roggen. Die dörfflingerin git j mutt Roggen. 10 R6st git j matt Roggen. Irmense git ain mutt Roggen vnd ain vasnaht hfin. Der pregentzer git iij quartaiia roggen. Hans von Langwisen git ij qrt. roggen. Haini Oening git j quartale Roggen. 15 C&ni Berimm git j qrt. Roggen. Peter der hafner git j viertail Roggen. Hans v&rli git ij qrt. Roggen ij herbsth&nr. Vli mMi git j qrt. Roggen. HAnrgelt. 20 Du F16terin git j herbsthfin j vasnachthftn von ainem hüs ze Fl&rlingen. Der Tomer git j herbsthfin. Haini dienst git j vasnachthfin. Schafifhopt git j herbsthfin. 25 Dis gelt sol ain Gapplan wer je denne sant Michels Altar in dem wendelstain ze Sant Johans ze Schaufhusen hett Järglichs in samenen an die spende vnd sol im dk von Järglichs von dem selben gelt werden ze Ldn ij qrt. kernen vnd ain hon vnd gewinnet er daran gebresten oder sümsäli so sont jm es der kilchen ze 30 sant Johans pfleger al wegen t helfifen In gewinnen Als dik es ze schulden kunt dz hett sich der Rät ze fchafhusen vff den ait erkennet. Datum et actum Anno dm. M^ ccc^ ,lxxj In mense aprili 2C. (fol. LXXIII.) Biß ist die vfeaichnung des kraifi der Mon- taut am Banden. 35 Item von Schaffhusen vber die Engi vnd dann die obem Strauß biß gen Beringen vnd zä Beringen vnden durch das Dorff vnd der selben strauß nach durch löningen biß gen Tettlingen vnd der strauß nach biß zum türlihag vnd bar durch biß vff die Schiltstaig vnd d& dannen hinderm Westerholtz ab durch die Mergfc- 40tail wiß biß in die Muli genant im aigen in die Wutach vnd dannethin die Wfitach vff vnd vff biß gen Hetzenhouen , lit zwü- sehen fdtzhain vnd ahdorff, vnd von Hetzenhouen den B&chberg vff durch die schneschlaiffi ll^iß vff den B&chberg vnd vbem ruggen vff dem bfichberg biß vff galga in den brunnen vnd vsserm brunnen 45 biß kremhilten weg biß an das riet vnd . von dem Riet obnen harin durch büßlingen über Ifigen vff der h5hi biß in Ebersbrunnen (durchgestrichen : Efelbrunnen) vncf- vssenn Ebersbrunnen (ebenso) i16 biß gen obern Barga vnd von obem Bargen biß gen Helißhonen in den bach vnd von Helishouen den bach ab. Vnd was in dem kraiß der recbten band na6h gaut baist vnd ist der vorst des Randen der Mvntant. Chnrat mnUrherg et uxor. 5 Wir der Burgermaister vnd Raut zu Scbaofbosen bekennen vns vnd tand kont menglicbem mit diser geschrifft vmb semlich täding vnd entscbaidnüse so zwischen den erbem Canrat winter- berg vnd irowe Briden Stokrinn blinen siner elihen frowen als durch diss fiirsichtigen wfsen bansen ortolff genant W&lch der zittlO Burgermaister zu Costenz vlrichen sebilter der zit vogt zft Gostentz albrechten blarer vnd vlrichen blarer der elter beschenhen ist nacb Innhalt des brieffs darumb gemacht Des datum wiset nach der gebart Criste Tosend vierhundert vier vnd drissig Jar an sant Thomas tag des hailigen zwel£fboten vor wichennächten vnd ouch 15 mit derselben vnd bansen friburgers anhangenden Jnsigel besigelt Das Gfinrat winterberg for vns komen ist vff samstag vor miter- fasten anno dm. :c. tricesöimo quinto vnd haut d& vor vns fries willens vnbetzwungenlich wolbedacht geschworen ainen aid liplich z& got vnd den baiigen mit gelerten werten vnd mit vfiFgebotnen 20 vingern denselben brieff vnd alle articel dar Inne begriffen war vest vnd st&t zuhalten zuhaben vnd d&wider niemer zu tAnd in dehain wis An alle geu&rde. Iki^gel Seifinger. Nota Engel Seifinger Jurauerunt secunda post Galli Anno ccccxxj. 25 daz Claus fthains gut Mro nieman stand denn den so In dem brief begriffn sind den der Jud Innehavt vnd dz si es oucb furo nit ver- kümbern sond denn mit dauids des Juden willen actum ut supra. Nota: Hainr Cron sol von den nützen so Jerlichs in Claus öheins Inuang werden vorab vnd vor menglichem c vnd xl guldin sol bezalt werden 30 an menglichs Hindernüss. Actum ut supra. Item Erhart zit haut geschworen uff montag vor thome appostoli Anno tc. xxxquarto mit Rudolff vischlin noch mit dehainem dem sünen noch mit andern vnsem bürgern nient zu tun noch zu schaffen haben denne mit dem Rechten hie zu Schaffhusen vnd sust 35 niener anderschwA. (fol. LXXIV.) Cmrat keUer. Item Canrat keller baut ainem burgermaister vnd Raut zu schaufhusen zu hoffen gen ainen weg durch sin hus das gelegen ist an dem schutzthor vff das sutzthor nu hinför yemer mS Swenk- 40 lieh zu gän vnd zu wandlen nach aller noturfft sin sin vnd siner erben vnd An menglichs sümen vnd Iren darumb Im ain raut geben baut vier pfiind haller actum vff sant sebastianns tag anno dm. M cccc XXX quinto. Item Erhart zitt haut geschworen ain aid liplich zu got 45 vnd den hailligen mit gelerten werten vnd mit vffgebotnen vingern mit Rudolffen vischlin noch mit dehainem andern vnserm burger nunt zä t&nd noch zu schafiPen haben mit gericht noch 6n gericht in kain weg denn allein -mit dem rechten zu Schauf husen vud sich des benAgen lausen. Actum vff mSntag vor sant thomastag Anno ^m. M^ cccc xxx quarto. 5 Was die messet ee lovn nemen sont van kam messemie vnd nusse vnd salichen dingen. Won sol wissen das wir vns in dem Rät erkennet haben von kuntschaft die wir darumb in genomen haben wie es von alter her komen ist das die messer die körn vnd ander solich ding lOmessent vff'dem markt nit me ze Ion sont nemen dennevon ainem mut vnd darunder vnd darob vntz ain zwSn mnt vnd von zwain mutten ainen phening gewonlicher müntz ze Schaf h. vnd von ainem malter vnd darunder vntz an z)ydn mut ij. ^ wie vil si messent vnd sont enhain übermesse von den lüten nemen weder körn noch 15 ander ding. Vnd wer daz brichet der git j lib ^ Schafhuser müntz ze bnsse vnser Statt jegliches tages sd er es brichet. Won sol och an allü viertal da mit man blös körn messen sol Insenin hangende ring machen darumb daz da man du viertal !20 bekenne für vef viertal. ¥(m dee Zolles wegen. Der Rät hat sich erkennet daz ain yegl. geselleschafb die by enander ze Schäffhusen ye badent den win s6 si denn samend köfftin verzollen süllen nach derselben Statte recht oder sich süss mit dem 25 zoller richten. Actum die lune ante ascensionem dm. Anno 95. Kantengiesser. Vmb antwerk lüt die zinin kanten vnd giessuasse vnd schus- selan vnd solich geschierre vnd ding machent in vnser Statt ist ge- setzet das man enhain werk also hie machen sol der.maister der 30 es machet oder^würket swere denne ze den hailigen vor hin ainen gelerten ait das er nit mS blyes darzu denne den fünften tail neme. er mache es von nüwem gezüg ald von altem geschierre vnd was er also machet es si ainer oder md der sol das selbe das er ie machet zaichennen mit vnser Statt zaichen das er dar zu gewinnen vnd 35 nemen sol von den die es von vnser Statt wegen geben sont als dik es ze schulden kunt. Datum anno dm. M^ ccc Ixxvj. Es sollen haffengiesser vnd kantengiesser sweren ain aid zu gott vnnd den haiigen was Inen altzugs zukom zukofiTen die sy 40 argwenig bedunck das nit zu schmeltzen sonnder ainem Burger- maister zu anntwurten Deiß glichen was zugs sy kofien der sy nit argk wenig bedunckt denn edemmals vüd sy den schmeltzen viertzehen tag ofiPennlich lassen vff irem laden stänn pefßglichen so sollen die vailträgeren euch sweren was Inen argkwenigs zukom 45 zuuerkoffen das ouch ainem Burgermaister z& offnen vnd zu ertzögen. Actum menntag nach barnabe Anno M^. d. secundo. 277 (fol. LXXV.) Vw^ die MüHnan ze Schafh. wie die besetzet sont sin nah kuntschaft die tvir darunib in haben genomen. Des ersten sol du zarg sio das ain sail das zwaiger phenning wert vnser mAntz sol sin vngeuarlich gän sol zwüschent der zarg vnd dem mülstain vmb vnd vmb vnd daz sail sol ain knöpf hanS vnd das^ da zwüschent nit witer sy ainent denne anderent kn.e geuerde vnd sol man mMel hän die die selben witi allewegent zaigen der sol in ieglicber müli ainer bangen vnd ainen sol du statt behalten das man si allewegent gelfch vinde (die stain sond 6ch gelich brait sin ainer als der ander). 10 Vnd swenne man in ainer müli melt so vil vesan das sebs mnt vnd ain viertal kernen darvs werdent da von sol man nit m6 geben denne ain viertal kernen ze lön von gerwenne vnd von malenne vnd damab in der selben mavsse es si lützel oder vil. Vnd 86 man blöz körn melt so sol man ie von zeben mut kernen 15 ain viertal kernen geben vnd ie von zeben mnt roggen ain viertal rog- gen vnd nit mS vnd' darnab «ocb in der mavsse es sf lützel oder vil. So man ^Bvme vesan gerwet vnd kernen machet den man dannan füret vnd den kernen nit melt d4 sol man ze lön geben ie von zeben mnt kernen ain viertal kernen vnd nit me vnd in 20 der selben roiffe es [si] lützel oder vil komes. Won sol öch ze lön geben ainem vftrager ie von ainem malter vesan ainen phening Schafb. müntz. Vnd von bütelenne sol man ze lön geben ie von ainem mnt blöffes kornes zw^n phening Schafb. müntz (vnd sond Enhain25 grüsch nemen). Won sol in den miilinan han gantzü (vnd halbü viertal) imi vnd halbn imi (vnd ain vierling) das man da bi löne da man lützel kornes melt in der vorgescbribenen mavffe. Es ist öch geordenet s6 man ie malen wil das denne der 30 müller des Ersten vf schütten sol ain imi blöffes kornes kernen oder roggen sines kornes ald er sol es nemen von des körn der da malen wil vnd ist das er es nimet von des kom der da malen wil so sol im der müller das selbe inii an sinem lön abslaben vnd sol öch das mel das von dem selben Imi denne wirt des mül- 35 lers sin vnd sol man öch denne die zarg nit slaben als dik es iemer ze schulden kunt. (Die zargen sol man nit Innen hefften Si mngent ez vffna wol hefften ob si wend.) (Sy sond och du stöpmüli nit da han ald aber der Stob sol bi den sprüren beliben ob si die stöpmüli haben went wan si40 daher knecht gedingot baut xxx ß naher daz Inen der stob werde). (Es sol onch ir dehainer die müli vff beben er well si denn richten.) (Item wen si vefen gerwend vnd kernen machent vnd Roggen druff schüttent daz sond si vnder enander r&ren vnd denn erst 45 iren Ion nemen.) (Item vnd daz die ScbSünen nit niderligen sond under dem 276 andern stain denne ainan zwischend vingern dicke vnd daz sy glat vnd Eben sfn sollen.) (Item wenn si ainem gemalent, sd schütten st sprAr vff vnd ermalent die müli daz sond si nit mer tan.) 5 (Sy sond weder hAnr genß tüben Swin noch dehainerlay vich haben dann souil Esel als ainer bedarff der welher mer Esel haben wil der mag ain Roß haben. Yw^ aines schhlmaisters Un. Won sol wißen das man vber ainkomeü ist vmb vnserm 10 Scholmaister von phullendorf der nn in dem Gotzhas aller hailigen ze Schafh. ist das man im geben sol ze lön jerlichs von ieglichem schuler ze ieglicher fr6nuasten iiij ß phenning vnser müntz f&r 16n für hAnr vnd andrü ding vnd darzu ain kerzen ze der lieht- mis als da her vngeuarlich vnd die armen schaler äne solichä 15 ding vnd scopriie sol man öch ff eben. Vnd der schulmaister sol besorgen das der scoper der schul warte vnd ir tA ab er sol. Vnd liebt sond die schüler in selben geben vnd dem -schulmaister nihtes. Won sol im öch phant geben vmb sinen löi) nah iegelioher frdnuasten sd er es vorderet in den nehsten aht tagen vnd was 20 im ie phant wirt du sol er die nechsten vierzehen tag behalten ungeuHrlich vnd damah mag er sü angrifPen wenne er wil. Vnd minuales vnd Jpeculares sol man im öch geben als das von alter her komen ist. Vnd ainem senger sol man öch geben als da her gewonlich 25 ist gewesen. Vmb die hüchgeltm wie du sol dn da man hdkih bi mifiet. Es ist 6ch ze wißenne das man die kalch gelten da bi man kalch git also väbten sol won sol nemen ain roggen viertal vnd sol das vfmeßen mit sprAren vierstunt vnd sol du vier viertal in 30 die gelten schütten das sol die stang vndenen rdren s6 man sf in die 6ri stoßet vnd s6 man denne den kalch mißet s6 sol man ieglich gelten mit kalch füllen das der kalch die stang tekke äne geuerde. vnd der gelten NAn sont sin ain fnder kalches ze Schaf- husen. Vnd swer anders tut der g^t nit das recht. 35 Rudgern Im turn dem eitern ist erkendt alz der Eugel mit dem göffen von vnserm Rat tedingt daß RAdger im turn allweg by sinen brieuen beKben sol an Intr^ Actum secundo post Galli Anno xxj, Burgermaister vnd Raut zu SchafiThusen haben geordnet vnd gesetzt das man die kalch gelten also vechten das ain vefen vier- 40 tail nemen vnd das mitt sprAwren gestrichen meßen sol das viertail zway vnd ain vierling euch gestrichen gemeßen sollen sin ain gelt vnd der gelten acbtzehen ain fuder. Äin abgeschrift des briefs den Jacob selig der hün vmb die Metßie hat den brief hat nü hans Luti der Metzger. 45 Allen den die disen brief ansehent lesent alder h5rent t^esen künden wir der Schulthaiße vnd der Rat ze Schafhusen das fAr vns kam Jacob der Ilün genant von Hüfingen burger ze Schaf- 279 hosen Tod klagt vor vns mit fftrsprecben das Hainrice von Herb- lingen vnd du JungiD des Jungen seligen des Glasers Slichü wir- tinne in sumdent vnd iertent an siner Metzie in der vorgenant. Statt vnd an den flaischbenken die er vnder der selben Metzie hat vnd das si flaischbenk vor iren hftsem gemacbet hettin das 5 si nit tnn söltin vnd beh&b öch da der vorgen. Jacob vor vns mit recht vnd mit gesame^eter vrtail das die vorgen. bainrice von Herbeiingen vnd du Jungin ir flaischbenk soltin ab brechen vnd das nieman kain flaischbank hitn noch machen solti won vnder der vorgen. Metzie vnd das man och anders wa nit flaisch solti 10 vail h&n won vnder der selben Metzie won also. Beschehi das die flaischbenk die vnder der vorgen. Metzie sint alle bestellet weren vnd man darvff flaisch vail hetti so mag vnd sol am eglicher metzier der nit flaischbankes vnder der Metzie hat sin flaisch vail han vf ainem tis