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Baech t old 51—53 Rechtsrheinisches Land Zur Wortforschung VIII. IX Zur Tierarzneisprache. Na- men zweier Krankheiten: Kurfes und Fricht. Mittel- Fränkisch, Bairisch, Schlesisch. Mise!. Namen für bai- rische Musikinstrumente und schlesische Tänze. Lor- danne, Laurtanne. ZumUeberlinger Stadtrechte 13 — 15 sec. Kurfes und seine Synoninra. Birlinger 147 — 155 285 — 288 Ffiuf ungedruckte Briefe Eberlins Ton Gfinzburg. Schum 155—161 Sprfiche aus H Suso's Bttchlein tou der ewigen Weisheit Basel 1518.* Birlinger 56— 57 Sprfichwörter und Redensarten. Derselbe 53— 54 Sprüche über Landskneclite, Weiber, Pfaffen, Mönche I Weinkauff 265—269 Zu den Yolksbilchern. Birlinger 54— 55 Sebastian Franck Ton Donauwerd I Weinkauff 131—147 Sebastian Sailer, zum lOOjärigen Todestage d. 7. März 1877 Beck 104—115 Seite Ein Stammbneh Johann Peter HebePs I n Läng in 33— 51 Zar ftltem sttddentschen Galenderknnde. Trenkle 235—259 Yolkstfimliches, SanreB) Aberglauben I II Bir 11 nger 90-96 261—264 Rosse- nnd Bindyiehzanber. Derselbe 57— 62 Zum Kinderspil. Derselbe 63— 64 Sehwabenneckereien ni Derselbe 64 Weinfälschang in Oberschwaben. Derselbe 162—166 Epigramme nnd Sprttche ans dem Sehwarzwald. Aus dem Lateinischen des M. Kurrer. Doli 269—277 Tom Wald nnd seinem Flachse, ebendaher. Derselbe .. 278—285 Ton sand Marteins frewden (Meistersingerlied) 259—260 I Das Stadtbuch von Schaffhausen *). XIV See. Bis huoch ist. Der hurger vnd der Statt ze SchafTitisen da si ir ^gesetztan an geschribe hant Sü wären gesetzt, e. dis huoch angetiangen wurde ald sü sien sid gesetzet ald si werdint Kie nach gesetzt, vnd ward dis huoch angeuangen, JDo man zalt von goites gehurt drüzehenhundert jar vnd ahtzig jare vnd darnach in dem 6 fünfften jare ze jngknden Mertzen. Vnib gesetztan die man ie setzet wie mtan die setzen sol ald si äbnemen. oder änderren mag. Wir der vogt vnd die Räte ze Schafh. sigin vber ain komen vnd habint gesetzet mit gemainem BAL was gesetzt man machen 10 vnd setzen wil da sont des rätes bi sin ob zwaintzigen vnd swas die setzent daz sol also bellben vnd sol vnd mag daz nieman abgenemen ald änderren oder meren ald minderren es w&iint denne der Rät Siben vnd zwaintzig oder me da bl. vnd was denne daz mSr vnder den siben vnd zwaintzigen darunib erkennet vnd 15 ertailt wirt daz sol also beschehen vnd beltben als dik es ze schulden kvnt. Swas setzten och vormS.ls gesetzet sint die sont och bellben in der selben wise d,ne geuerde. Geben an sant Jacobs abend In dem hömanot Anno dm m ccc Ixxxqnto. Vmh die Saltzlüt, 20 Es ist och vor alten ziten gesetzet daz die Saltzlüte die Saltz vail hant messen sont ain halbes ort in drin griffen ain gantz ort in sechs griffen vnd ain gantz viertal in zwelff griffen vnd swer daz brichet es sigin man alH frowan der git. ij. ß ze büß. Daz nieman uff der Statt füeterren sol. 25 Est och gesetzet daz nieman uß vnserr Statt noch dar In als ferro vnser wingarten. vnd Trotten ligent fAteren sol. swer daz tut. so muß der herre geben ain pfont vnd der knecht zehen Schilling ze bäs vnser Statte. Daz enhain Schuler vnser hurger gen Costenz ald anderswa SO laden sol noch ain hurger den andern. 1) Vgl. die altern Statuten: Der Schaffhauser Richtebrief. Die ältesten Satzungen der Stadt aus dem J. 1291. Herausgeg. v. Johannes Meyer. Schaffh. 1857. 8. Preis Fr. 1. 25. Birlinger, Alemannia V. 1 l Wir haben och geseizet daz enhain Schaler der in vnser * Statt wonhaft vnd mit wesen ist enhain vnsern burger gen Co- steaz ald anderswa vf gaistliche gericht laden soll, wela daz bricht der git unser Statt ze basse ain phunt pfenning. Swela Barger 5 och den andern also ladet der git och die selben basse als dik es beschiht. Baz nieman sol föUan^) brennen In der Statt. Wir haben och gesetzet daz nieman sol föllan brennen in vnser Statt noch in unserm Graben vnd swer daz brichet der maß 10 vnser statte ze büße geben ain pfunt phenning als dik er es tat. Da ein burger den andern beklaget vnd im volle gät. Wir der vogt vnd der Rat ze Schafb. habind gesetzt, swenne ain barger den andern beclaget von galt wegen vnd daz er im voUegat mit dem gericht als sitt vnd gewonlich ist in vnser Statt 15vntz daz im du Statt verbotten wirt. richtet er sich denn nit. e. Im du Statt verbotten wirt so ist er von dem Burgrecht gegen dem der in vßgeklegt hUt vnd hett denn der kleger gewalt ze va- hen den galten ob er wil. vnd wäri daz der gült denn in dehaines mannes oder frowen hus entwiche vnd flücbtig wurde, so sol der 20 kleger gan zu dem in des hus er ist entwichen vnd sol im daz künden daz im die statt verbotten sigi vnd daz er in welle vahen ob er in welle lassen vahen in sinem hus ald ob er in selb welli dem Rät antwürten. wil er in denn nit län vahen ald selb dem Rat antwürten so ist er Im der selben gült schuldig ze geben. wS,r 25 och daz der gült dem kleger ze, stark wäre so sol im der waibel in helfifen vahen ald des gerichtes knecht. Alder des Rates swen er gehaben mag. vnd möcht er dero enhain gehaben swenn er denn gesiht der burger vnd in an rüfiFet der sol im bi dem ayd be- holffen Sin vnd swer im des also hilffet der sol nihtes verschuldet 30bän. w&r aber daz Jeman jerti den gülten ze vahen der sol im och der gült geuallen vnd schuldig sin vnd swä er in vahet da sol im es nieman weren. Wir haben uns ouch durch gatz frids willen erkent ainhel- leclich weih burger den andern vnder ögen freuelich beschilt also 35 daz er ain diep oder morder kätzer sy ald ander vnge wonliche Scheltwort gen im usslät darumb sol sich der Rat denn erkennen. Actum Sabbato ante Lptare Anno dm IC, quadringentesimo. Da ain burger ainen lantman wundet alder bescJialket vnd das der lantman dis an in bracht hett. nota etiam in. xj. fol. 40 Wir der vogt vnd der Rät ze Schafhusen habind och gesetzet. Ist daz dehain unser burger ainen lantman in vnser Statt wundet ald beschalket mit werten ald mit werken, mag der Burger da wison mit ainen Erber man ald (mit ainer frowen) ald mit mS lütes daz es an in gebracht sye mit werten ald mit werken so sol 45 der barger darumb nichtes b&ssen» 1) Alem. III 278 IV 239. Unoth I 344. Stalder II 513. 8 Sieht aber der Burger den lantman ze tot in vnger statte, mag denn der Burger (och) wisen mit zwain Erbern mannen bürgern oder lantlüten daz es an in bracht sig mit worten ald mit wer- ken, so Bol der Burger darumb nihtes besserren. Mag es aber der Burger also nit gewisen. so sol es an des Rates ze Schafhusen5 genäden stän vmb den tdtslag als dikke es jemer ze schul- den kvnt. Vnd da sich ain krieg hie hebt ztoischend ainem Burger vnd ainem lantman. Es ist och gesetzt, w&r daz sich dehain krieg ald loff hie 10 hAb zwischent ainem burger vnd ainem lantman. Ist daz da dem lantman dehain Burger bi gestat mit worten fränelich der sol der Statt ze büße geben j. lib. ^. Sieht aber der burger der dem lantman also bi gestat wider vnserm burger so git er zehen phunt ze büße tut er aber furo den slahen so sol er es bessere als sich 15 der Ukt ze Schafhnsen ald der m^rtail darumb erkennet. War och daz dehain lantman in vnser statt ald daruß de- hainen angriffe tat ane vnsers Rates vrlöb der sol es besserren als sich der Rat ald der m^rtail erkennet als dik es beschiht. (fol. II.) Vmb unzuhi totfleg fräfelinan vnd huoßan. burger 20 vnd lantlüt. Wir der vogt vnd die R&t ze Schafhnsen sigin ainbärlich vber ain komen vnd haben gesetzt durch vnser Statt nutze und ere vnd durch gutes vnd gemaines frides willen. Ist daz dechain burger an dem andern ainen totslag tut Ist 25 daz der hin kunt vnd nit gevangen wirt vnd im du Statt verbotten wirt_ der sol in vnser Statt niemer komen e daz er sich gerichtet mit des toten fründen die er hie ze Schafhusen hett. vnd mit den Richtern, vnd so daz beschiht so sol er denn vnser Statt ze büß geben fünff Mark Silbers ald er sol vor der Statt vnd vnsern ge-30 rihten sin und beliben alle die wile er die nit gerichtet hat. War aber daz ain lantman ainen Burger ze tode schlug in vnser Statt ald da vor der lantman sol in vnser Statte nyemer komen Ist . daz er nit gevangen wirdet 3 daz er sich gerichtet mit des toten fründen die vnser burger sint vnd mit nnsern Richtern 35 vnd sol denn vnser Statte ze büße geben zwaintzig Mark Silbers Schaffhus. gewichte ald phenning dafür als es denn gang hett vnd sol ußrent vnser Statt vnd vnsern gerichten sin vntz daz er die büße gerichtet. Wir haben och gesetzt. Swer in vnser statt den andern 40 die burger sint sieht, ald wundet mit gewäffenter haut der git der statt ze büße ain Mark Silbers ald phenning dafür als es denn gät vnd darzu sol im unserü Statt vnd unsrü gericht verbotten sin als hienach geschriben stat aht wöchen. Ist aber daz ain burger den andern anloffet ald vff in drin- 45 get mit gew&ffenoter band vnd in nit sieht ald wundet der git Vnser Statt zo bufte ain halb Mark Silbers vnd dartzu sol er vnser Statt und noserrü geriebt miden fün£P wochen in der wise als bie nacb gescbriben ist. Wela Burger ocb den andern sieht mit vngewaffenoter hand Ö ald mit der fvnst ald in röffet ald trittet oder stdsset der git der Statt ze baße ain pbunt pbenning gewonlicber müntze ze Scbaf- busen. vnd dartzu sol er vßerrent vnser Statt vnd vnserren gerieb- ten sin vier wochen. Vnd wa mit Jeman ain pbunt verschuldet der sol vier wochan 10 vßerrent vnser Statt vnd vnserren gerichten sin. Wela Burger och fräuelicb gen dem andern v£P wüschet ald dringet der git ze büße vnser Statt zeben Schilling phenninge vnd darz& sol er vnser Statt vnd vnsrü geriebt miden zwo wochen. Wela Burger och den andern honet ald scbiltet vnder ögen 15 fräuelicb der git vnser Statt ze büße sechs Schilling pbenning vnd soll darztt vnser Statt vnd unsrü geriebt miden ain wochen. Wela Burger ocb dem andern ain fridebrech wunden sieht oder an tat der sol vnser Statte ze büße geben zeben pbunt pbenning gewonlicber müntze ze Schafbusen vnd sol im darzu 20 unsrü Statte vnd unsrü geriebt verbotten sin zwelff wochen. Wir haben ocb gesetzt, swela Burger hie den andern fräue- licb baym suchet der git der Statt ze büße zeben pbunt der genanten pbenning vnd darzu sol er vnser Statt vnd* unsrü gericbt miden vier vnd zwaintzig wochen. 25 Wer ocb dem andern fräuelicb an sin hus ald darin wirfiet oder schießet der sol ocb ain bayms&chi besserren an allen stukken. _ Wer och den andern vsser sinem ald ainem andern hus scbalklich vorder6t der git ze büß als ob er ainen slüg an allen 30 stukken. Wer ocb dem andern daz sin nimet oder zukket kue recht es sye ain kapp, ain mantel ain rokk oder was sölicbes ist der git ze büße als ob er ainen scblügi an allen stukken. Wir haben ocb gesetzet durch vnser Statt nutz vnd ere 35 willen w&r daz debain (bader) krieg bie beschäcb. swer den böseret mit Worten ald mit werken der sol der Statt als vil ze büße geben als der den krieg an bett gefangen vnd des du getät ist. Swer och seßhaft ald mit wonung bi vns ist vnd gedinget knecht ald junkfrö ist die sond ocb in disem schirm vnd büßen 40 sin ane geuärde. In disen gesetzten allen ist den Richtern vnd den klegern ir recht bebalten nach alter gewonhait kn geuärde. Wir haben ocb gesetzt wele der vorgenanten büßen dehainer schuldig wirt der sol vß varen in die büß si ze laisten in den n&cbsten 45aht tagen darnach so er der büße vervallet vor dem R&t ald wa man darnmb richtet vmb ieglicb stukk so denn vff in^gevallen ist als bie vorgeschriben ist. vnd sol vß sin als ferro wir vmb vnser statt vnd darinne stör nemint ane geuerde vnd sol och In enhaiuem kloster noch ze den Mülinan ze Schafh. sin vnd sol och nyemer me in vnser Statt noch in du zil komen e daz er sin büß als er uß sol sin vol laistet vnd e daz er die phenuing ald daz silber wes er denn ze boße veraallen ist vorhin gentzelich gerichtet mit 5 barem gelt ald mit guten phanden. vnd sol Jeglicher sweren ze den balligen ainen gelerten ayde die büße also ze laisten äne geuärde. Tut er des nit so sol er aber als vil ze bnße geben vnd als lang vßerent vnser Statt sin In der wise als vor beschai- den ist als vif in vorgeüallen ist als dik es ze schulde kvnt. 10 Weli och nit uß förind vnd ir baß nit laistind in den aht tagen als vor ist geschriben. ir wäre ainer oder mer. der Jeglicher git davon och ze büße vnser Statte ain Mark Silbers iegliches tages als manigen tag er daz übersitzet. Won sol och wissen, swer ußer unser statt vnd ^- 15 richten vmb dehain büß vß sweret daz der Jeglicher wol mag ain Wochen ab Iftseu ob er wil mit fünfiP Schilling phemiingen Schaff- huser müntz als manig wochen er Je denn ablösen wil es sy kurtz oder lang es sye an dem anvange ald an dem vßgange ald dazwi- schent der büße als er uß sol sin an geuärde. 20 Wir sigind Öch über ain komen. wäre daz man ze Sturm lAti nachtes oder tages von füres wegen ald suß ob dehain ge- schelle hie wurde, als dikk dz beschiht. So mugen die die denn in büß uß sint als vor ist beschaiden vnd die es h6ren Ir sigi ain oder me In die Stat gän ob sü went vnd darinne sin den tag so 25 es Je beschiht Iren ayden vnschädelich vnd da wider sont si vß sin so ir zil vß Isfint, (fol. III.) Als lang si denn in der Statt sint gewesen do man ze stürm lut. wen si wider uß sont gän in die boße so du not für kvnt bi iren ayden ir si ainer oder me als dikk es ze schulden kvnt. 30 Vmb der lantlüt fräuelinan. Es ist och gesetzet vmb lantlüt. swä dehain lantman Ir sy ainer oder me an unserm Burger dehainem frävelet daz der zwifalt büße geben sol an gut an allen stukken die er Je tut an vmb totsiege, die sont lantlüt büßen unser Statte mit zwaintzig mar- 35 ken Silbers als da vorgeschriben ist vnd sol Öch Jeglicher lantman ze den balligen sweren sich ze antwürten in vnser Statte vnd nie- mer daruß ze komen S daz er die büße der er vervallet vnser Statte gerichtet vmb Jeglich stukke als es denn ist es sye große oder klain. vnd sol in die Statt sweren gelicher wise als unser 40 burger vmb frävelinan ^ß swerend. Och mag er wol ie ain wochen ablösen mit. v. ß. unser phenning als ain burger wie vil ir ist. Ze glicher wise sont och unser ußburger in vnser Statte sweren vmb alle frävelinan als die Lantlüt. Swer och dehain frävely in unser Statte ze Schafhusen tut 45 der sin nit gebesserren ald verbürgen oder verphenden mag. wil der werchen für die frävely si sig groß oder klain ald für wochen die er uß solti sin. lu der Statt graben ald an anderren büwen daz sol man von im nffnemen nach dem als er vber ain komen mag mit den denen er Je von dem Hkt enpfolhen ist als dik es bescbiht. 5 Swer ocb dehain fräuely verbürget ald dammb verphendet die baß sol man von dem Bürgen nemen ald bi den phanden vnd sol man in sin nit lan verdienen als ainen der si nit gebesserren mag als dikke es ze schulden kunt. Sidm&ls habind wir aber gesetzet, swer dehain frävely ver- 10 schuldet in unsern gerichten ir sie ainer oder me daz wir die nit s6lin lassen verdingen er swere denn vorhin ze den hailigen daz er so vil gutes nit gehaben mug als sich du fräfelly gegen der Statte gezühet äne geuärde. Der in den turn hie Jcunt vmh freuelinan, IS Es ist Öch gesetzet swer in den turn hie gelait wirt vmb dehain freuely si si gros oder klain. swenne der vmb die froveli gestellet wirt für den R&t ald für die sehs die darüber ie ge- setzet sint. ir si ainer oder me. mag er denne die freueli vnd die büße, ze stette nit verbürgen ald verphenden. du vfF in geuallet so 20 sol man in wider in den turn legen vnd darinne haben vntz daz er die büße gerihtet in der wise als vor beschaideu ist. Da ieman ainem nit wil lassen helfen den man sieht ald heschälket, . Es ist öch gesetzet dur gutes frides willen. Ist das ieman 25 den andern in unserra geriht sieht ald wundet ist denne ieman da bl der dem nit wil län helfen den man sieht ald wundet vnd nieman darzu wil lassen das im geholfen werde vnd das ieman werret es si ainer oder me. das der selbe ieglicher als vil ze büße geben sol vnser statt als der der da sieht ald den schaden tut ir 30 si lützel oder vil als dik es ze schulden kunt, Actü anno dm m. o ccc. Ixiij. in vig. Johis. Bapt. Wa yeman dem andern sölich wort zuredt die im sinen lih ere oder gut anrfirt, es gescheh vor Rät vor gericht oder an- derswd. 35 Wir der vogtv vnd R4t ze Schafhusen haben uns ainhelleklich erkendt vff unser aide durch gutz frids willen. Wa nu hinnen- thin yeman dem andern solich wort zuredt die im Übe ere oder gut anrürte. es sy man oder wip burger oder Seidner ald lant- man der sol die büß vnd pen darumb liden als sich denn der 40 Rät gemainlich oder der merrtail dez Rats sich ye darumb er- kennend als dik es ze schulden kompt. vnd dis nach geschribenen gesetzten send diser gesetzt kaine schaden bringen. Actum Sab- bato ante Martini Anno cccc^ vij. Wie man ainen vmb haymsuchin&n vnd vmb ander grözz 4:6sachn msen sol. Wir der vogt vnd Rät haben uns ainhelleclich erkent. wer DU hinnenthin dehain grozz freveli verschult, es sy vmb haym* s&che vmb frid ze versagen oder ander grozz sach vnd wer daz ainer dez nit gichtig wer so er darumb angesprochen wurd den sol noch mag kain ainiger vbersagen wann das man in denn wisen sol als recht ist. Actum quinta ante Pentecost. Anno dm K. qua- 5 dringentesimo. (foL IV.) Da ainer an dem andern frävelt vor dem Bat ald vor dem gericht (oder den fräflern). Wir der vogt vnd die RAt ze Schafhusen sigind gemainlich vber ain komen vff den ayd vnd habin gesetzet durch unser statt 10 nutze vnd Sre vnd durch gemaines frides willen, swer den andern frävelich beschiltet ald haisset liegen (am Rande : oder an sin ere rett) vor dem R4t ald vor dem gericht ald vor den burgern sw4 sü durch der statt notdurfift vnd Rates willen ze samen gäod. Ald swa ie daz gericht ist daz der ze besservng der statt geben soll 5 zehen phunt gewonlicber müntz ze Schafhusen vnd sol viertzehen tag vor der Statt vnd vor unsern gerichten sin als dikke vnd es beschiht (Zusatz : kn all gul^d.) ' Ist aber daz der der also hescholten wirt den der in be- schulten hett wider vmb beschiltet der git nvn sechs Schilling ze20 baß 4ne geuärde Es sye denn daz der Rat ald daz gericht ald der mertail vnder In sich erkennent vff ir aid daz er furo vnd me tfige denn im beschehen sigi vngeuärlich ist daz si sich des erken- nent so sol er die nüwen büße geben als an diser gesetzte ge- schriben ist. 25 Swele och vor demR&t ald vor dem gericht als vor geschri- ben ist gegen dem andern fräuelich vfiP wüschet ald tringet der sol der Statte ze büße geben fünfftzehen phunt vnd sol ainea ma- not vor der Statt sin. Ist aber daz der gen dem also vff ge- wüschet vnd getrungen wirt och vff wüschet ald gegen im wider 30 tringet der sol nv zehen Schilling ze büße geben es w&re danne daz der Rat ald daz gericht ald der mertail vnder In sich erkan- dint vff den aide daz er furo vnd me täti denn im beschechen w&re Hn geuärde. Beschiht daz so sol er die nüwen büße geben als an diser gesetzt geschriben ist. 35 Besch&ch aber, daz ainer den andern fr&felich slfig mit vn- gew&ffenoter band der sol der Statt ze büße geben vieiiizig phund vnd sol zwen man 6t vor vnser Statte vnd vnseren gerieb ten sin. war aber daz der der da geslagen wirt den der in geslagen hett widerumb sieht och mit vngewäffenoter band der sol im die alten 40 büße geben daz ist ain phvnt phenning es sie denn daz der R4t ald dz gericht ald der mertail vnder in sich erkennint vff den aid dz er fiaro vnd me tüge denn im beschehen sye. erkennent si sich des so sol er die nüwen b&ße. geben als hie geschriben ist. Sieht och ainer den andern vor dem Rat ald vor gericht 45 mit gewS,ffen6ter' band also daz er blntrüsig wirt der sol der Statte ze besserung geben Sechtzig phunt vnd sol och driie manot 8 vor der Statte sin. Sieht aber der der da also geslagen wirt den der in da geslagen het wider umb och mit gew^enoter band daz er bluträfiig wirt der git nun die alten büße daz ist ain mark Silbers. Es sie denn daz der Rät ald dz gericht oder der 5 mertail vnder in sich erkennen vfiP den ayd daz er furo vnd me tAge denn im beschehen sie an geuärde. Ist daz si sich des erkennent so sol er die nüwen baß geben als hie geschriben ist. Swele och ainem vor dem Rät ald vor dem gericht ain frld- brech wunden sieht oder stiebet, der sol der Statt ze besserunge 10 geben achtzig phunt phenning vnd sol ain Järe vsserrent vnser Statt vnd vnserreu gerichten sin. Ist daz er hin kunt wirdet er aber darumb geuangen vnd begriffen mag er denn die büße nit han ald versicherren. so sol man im die band absiahen ob er nit anders getädingen mag an geuärde. 15 Och ist gesetzet. Ist daz Jeman zu dem frävelich löS^t der diser vorgeschribnen dinge dehaines tut vor dem Rät ald vor ge- richt der sol als vil ze büße geben vnd tun als der der vrhab ist gewesen des krieges an geuärde. war och daz der selben dinge dehaines beschäch vor dem Rät ald vor gericht swer daz böserret 20 denn ze mal ald darnach mit herten Worten oder werken der sol och als vil ze bfißo geben vnser Statt als vil der git der den kriege an hett gevangen. Wir haben och ußgeläßen in den vorgenanten gesetzten allen, daz dem kvnig den Richtern vnd klegern Ir recht behalten sol sin. 25 Wir haben och gesetzet einbärlich. swer dehain büße ver- schuldet vor Rät ald vor gerichte ald anderswä da man durch der Statte notdurfift vnd Rates willen ze samen kvnt als an disen ge- setzten geschriben ist. daz der sweren sol ze den hailigen vß ze varen in den nächsten aht tagen so du büße gevallet zu den SOphenningen In aller der wise als daz vmb ander frävelinan ge- setzet ist. doch mag ein Jeglicher ie ain wochen als er uß sol sin ablasen mit. v. ßl. ^. ald verdingen als vmb die frävelinan och gesetzet ist. Es ist och gesetzet, swer gen dem andern vor unserm Rät 35 ald vor gericht vnbeschaidenlich redet ald gebaret oder eget mit den henden in fragen oder süsse so man der Statte ald des gerich- tes notdurfft redet, der sol fünfip phunt ze büß geben vnser Statte gewonlicher müntze ze Schafhusen vnd sol darzu aht tage ußerent unser Statte sin in der wise als vor beschaiden ist. wer och sleht- 40 lieh zu ieman sprichet : du saist nit wäre der git ain phunt ze büße vnd sol darzu aht tag uß sin. Vnd wer zu ieman sprichet einfalteklich : es ist nit war der sol besserren mit. vj. ß ^ vnd aht tage vor der Statt sJn. Swer och vnordenlich sweret vor vnserm Rät ald vor gericht 45 bi vnsers herren gottes Schedell. Styrnen. Grind, hopt. kopflF. svrt. vist. Schaiß. geheiiet ald sölich swüre der sol vnser Statt ze büß geben fünflf Schilling phenning als dikk es beschiht. 9 (fol. V.) Wie man fryd machen vnd gehen sol in vnser Statte vmb aUe siösse vnd kriege die da heschehent Wir der vogt vnd die Räte ze Schafhusen sigind ainbärlich vber ain komen vnd haben gesetzet, swem dehain vnzuht hie be- schiht groß oder klain vor Rät ald vor gericht ald anderswä in^ der Statte swä sich krieg da hebt, swenne denn der vogt ald des Rates ainer oder mö es sy des großen ald des klainen Rates oder des Elätes kneht zu denen komen die mit enander kriegent als vil ir ist. vnd in denn gebietend äne gisuärde daz er dar am b frid geb vnd den Räten gehorsam sigi vmb ain rihtung Ist daz 10 er denn nit frid git noch den Räten gehorsam wil sin so sol er der Statt ze büße geben achtzig phunt phenning Schaf huser müntze. vnd sol dartzu ain Järc vsser vnser statt vnd gerichten s!n an gnad vnd war dz dehain andre des Rates zu Im kam vnd Im och also gebütt daz er dariimb frid gäbe vnd den 15 Räten gehorsam wäre vmb ain richtung. wil er denn nit fride geben vnd den Räten gehorsam sin so sol er aber achtzig phunt ze büße geben vnser Statte vnd ain Järe vor der statt stn. vnd als manigem des Rates er daz versait die nachenander darumb zu im koment als dikke sol 'er dieselben büße geben vnd liden äne 80 Widerrede. Es ist och gesetzet, swele vnder dem vogt ald den Räten des grossen oder des klainen Rates an komen .wirt es sye ainer oder me daz er frid mache zwüschent den die st5ßig sint vnder unsern burgern der sol es tun vnd sol darumb zwürent bitten 25 vnd ze dem dritten male gebieten an dte büße die da vorgeschri- ben stät. Tut er des nit so sol er Vnser statte ze büße geben ain mark Silbers als dikke es beschiht. Aber ain dehainer der vogt oder der Rät ist gebunden sinen vatter ald sinen svn ald sines vatters oder siner muter bruder ald sines bruders oder siner30 Swöster svn vmb fryde ze bitten ald ze gebietent vnd tut er es nit so er darumb an komen Ist so sol er der büße darumb nit veruallen sin. Wäre och daz sich Jeman versaiti durch gevärde so man in vq^b fryd bitten wolte darumb daz er nit frid gäbe, der sol ze35 büße geben unser Statt fünff mark silbers er entslüge sich denn mit sinem geswornen ayde daz er es darumb nit hette getan. Och mag der Rät ainem Jeglichen die büß meren ob es in notdürfftig dvnket als dikke vnd es ze schulden kvnt. Swenne in och der vogt ald Jeman des Rates zu sinem huse40 suchet ald da er wonhaft ist vmb frid ze bitten, so sol in das ge- sinde zaigen ob es in waiß in dem huse ald anderswä. ald daz gesind in dem huse sol in suchen daz er darumb funden werde . vngeuärlich e daz man zu dem dritten mal vmb die sach zu dem hus käme. Weihes gesind daz nit tut an daz es denn' gevorderot 45 ist daz git ain phunt phenning ze büße unser Statte es entslah 10 sich denn mit einem geswornen ayde daz es daz beste getan hab vnd sin nit wisseti oder fundi an geu&rde. Wie man ain hm ze Schafhasen tauen sol. Wir der vogt vnd die Rät ze Schafhasen sigin ainberlich ^ vber ain Icomen durch vnser statt nutzes willen vnd habin gesetzet daz man enhain hus in vnser statt tailen sol also daz man es vnderslah mit ainer müre ald mit ainer want. es hab denn vber vnd vber sechs vnd zwaintzig schuch wit also so man es getailt daz denne Jetwedre tail hab dryzehen schuch lang vber vnd vber. l^Wär aber daz man dehain hus welti tailen daz nit so vil witi hetti da sol man du gemach du in dem hus sint gegen enander tailen ald man sol es aber mit phenningen tailen ane geuärde. Daz enhain hurger ze Schaßusen dekainen angriffe tun sol äne des Bätes vrlöb. 15 . Wir der vogt vnd die Rät ze Schafhusen sigind vber ain komen vff den ayd vnd habind gesetzet ainbärlich durch unser Statt nutze vnd notdurfft willen, wele unser burger ald der bi uns won- haft ist es siie ainer oder me dehainen angriffe ^ßerrent der statt mit vangenüsse alder röb oder Brand, ald mit sölichen dingen 20 tut äne des Rates ze Schafhusen ald des mertail des Rates willen vnd vrlöb daz man dem in der sach die er angeuangen hett nichtes sol beholffen sin (am Rand : vnd daz ir ieclicher der es tat der statt ze büß geben sol x ffi). vnd wäre och daz unsrü Statt ald burger da von in dehainen schaden kämint wie sich das fAgti 25 den schaden sol er vns gäntzlich abtun ir siie ainer oder me vnd sölin och wir einander dytzu beholffen sin bi dem aide daz es beschech als dik es ze schulden kvnt. aber ain Jeglicher vnder vns mag wol sin aigen lüt oder sin vogtlüt ald vmb zins vßerrent der Statte angriffen ald phenden oder vahen daz er damit nichtes 30 verschuldet. Da ain hurger vff dehaines Lantmannes gut an Lantgerich- ten erJclegt daz er es angriffen sol. Wir habint och gesetzt was dehain vnser burger Jemanne an behebt vnd erklegt vff offenen redlichen Lantgerichten so ferro 35 daz im sinü gut darumb erlobet werden anzegriffene mit verkoffen ald mit versetzenne ald Im selben ze behabenue vnd darumb lies Lantgerichtes brief hett daz der selb vnser burger vnd wer im des hilffet du selben erklegten gut wol angrfffen mag vff recht her in vnser Statt vnd daz er vnd sin helffer darumb unser Statte 40 nichtes besserren sont. War aber daz der der denn also ange- griffen ist her käme vnd sich darumb vor uns als redlich, ver- sprach daz den Rät ald den mSrtail vnder in dvnkti daz man es widerkeren sölt ald das unser burger darumb nit me angriffen sölt des sol der der den angriffe getan hett gehorsam sin. 45 Tat aber Jeman da wider darumb ichtes äne recht dehai- nem unserin burger darvmb sol man demselben von gemainer Statte beholffen sin als dik es Jemer ze schulden kvnt. 11 Vmb angriffen uß der Statt War oncli daz dehain burger den andern angriff an des Ra- tes, vrlob der sol denn die p^ne vnd bazz darumb dulden als sich denn pfemainer R4t oder der mertail des Rats darumb erkennen. Actü Sabbato ante Galli Anno Nonagesimoquinto. 5 (fol. VI.) Wie man die die Burgrecht hie vffgebetit hesserren sol vmb fräiielinan die wile si das hurgerccht nit wider enphangen hant vnd doch hie sitzent. Wir der vogt vnd die R&t ze Schafh. habint gesetzet vff den ayde. wele vnser burger burgrecht hie vff git drife der allein fräuelinan vnd baßan besserran vnd geben sol si sigind groß oder klain als Lantlüt die wil er daz burgrecht nit wider en^thangen hett Ir sie lützell oder vil als dik es ze schulden kvnt vnd daz uß sweren sol vmb ieglich stukke als daz vmb vnser bnrger ge- setzet ist. 15 Ymb Seidener. Wir haben och gesetzet, swer Seidener in unser Statt vnd vnseren gerichten ist vnd dar Inne sitzet huselich es sig ainer oder m6 vnd der doch unser buntnüsse vnd brief gesworn hett als vnser burger Daz och der oder die alle fräfelinan vnd bußan ^^ hesserren sont als ob si burger wärint vnd nit als lantlüt als dikke es ze schulden kvnt. Wie frowan besserran sont. Es ist och gesetzet weli fröwc die andern beschalket mit Worten ald mit slahen dehains weges ir sigi ainü oder me ald25 Riebe oder arm. daz du hesserren sol unser Statte als man. ir sig ainü oder me. was aber größer fräuelinan sint vber Scheltwort vnd slahen. die sont frÖwan hesserren als sich der Rät oder die sechs die vmb fräfelinan ze Schafhusen Je richtent ald der mertail vn- der In nach klag vnd nach Widerrede Je erkennent als dikke es 30 ze schulden kvnt. Die fröwan sont aber nit vss sweren vnd sont Öch dem Rich- ter nit hesserren si stündint denne zc Markt vnd ze bank als daz von alter her komen ist. Doch sont die also ze Markt stant nit uß sweren. Geben an dem Samstag in der Phingstwochen Anno^^ dm. m. ccc. Ixxprimo. Ymb Bütten die nit varn went von gemainer Statte wegen so man In es Je gebüttet. Wir der vogt vnd die Rät ze Schafhusen habind ainberlich gesetzet durch vnser Statte nutze vnd ere willen, swenne die Rät 40 dehainen burger von unser statte senden went zu heiTen oder zu Stetten. ald swä du Statte dehaines hin bedarfft ze sendenne als maniger Ir ie denn ist. were denne daz dehainer den die Rät dartzn erkiesent daz widerredti vnd nit varen welti gät der also von dem Rät daz er nit varen wil als vil dero ist. der Jeglicher 45 sol der Statte ze büße geben ain phunt phenning Schaf huser müntz 12 ald so vil als Im- es der Rat ald der mSrtail gebüitet ob es in notdürfftig dvnket. er entslah sich denne zn den balligen vor dem Rat ir sig ainer oder me das in ebaftigi n6t jerri daz er nit ge- varen ald geriten mug ane geuärde als sieb ocb der Rät ald der 5mertail erkennet. Vnd die also von gemainer Statt vß werdent gesent war- dint die gevangen ald berobet oder giengint In irü Roß ab daz sol In gemaine statt vßrichten vnd och ir zervng &ne geu&rde. Vnib roß du in gemainer Statte dienste ab gdnt ald gehrest- 10 ha ft werdent. Wir der vogt vnd die Rät ze Scbafbnsen habin ocb ainbär- lich gesetzet durch vnser Statte nutzes willen welem vnser burger ain roß abg4t ald genomen wirt daz in vnser gemainer Statt dienst gät vnd vß gesenJet ist es siie aines oder me dem sol man daz 15 rosse gelten als er es behebt mit sinem geswornen aide den er darumb tun sol daz er es des tages vmb so vil geltes nit gege- ben hetti do er es dar leb ane geuärde. Wem aber dehain roß sust gebresthaft wirt daz man es in vnsern marstal stellet ze artzenent. swenne denn unser smid der 20 uns darumb gesworn bette sait vff sinen aide den er gesworn hett daz es des gebresten genesen sigi so sol der selb des es ist daz Rosse wider nemen vnd sol man im es aber von dem smit äne sinen schaden 15sen. Vnd swem sin roß also gebresthaft wirt der sol es stellen 25 in unsers Smides stal der unser statt vmb sölich djng Je gesworen hett vnd sol es nit in sinem 1ms haben der Rat ald der mertail des Rates erlöb im es denne. Es ist aber gesetzet nach disen gesetzten, wäre daz Jemanne dehain Rosse In der Statte dienst ze räh ald blint oder ain6g ald 30hoptmürdig wurde mag man mit dem vber ain komen was man Im ze besserrvng gebi daz er daz Roße wider neme daz mag man wol tun daz es den vorderren gesetztan nit schaden sol. Es ist Öch gesetzet wer in gemeiner statt dienst rosse lihet ald selb ritet. das man dem enhain tagwan sol gelten er geb si 35 denne vnseim schriber verschriben das man innan werde war si besched äne geuärde. Dat. Ixxxj^ feria yj post octavam pasche. Wer och Ichtes verlüret der in gemainer Statte dienste ritet oder gät vff der Straße vnd die wile er vß ist. es siie ge- want ald sölich ding dem sol man es och gelten als er daz mit 40Ednem ayde behebt äne gev&rde. Daz nieman frävelich mit wäffen in vnsern Bat sol gän. Wir habin och gesetzet, swer in unsern Ritt schalklich oder fräfelicb gät mit swerten ald mit pantzern oder messern wider des Rates willen ald vrlöb oder unser knecht willen die des R4tes 45 ie hAtent oder wartent der Jeglicher sol der Statt ze büße geben fünff mark silbers als dik es beschiht ane gev&rde. Möcht er aber die fünff mark nit hän so sol man Im die hant absiahen. 18 Da ain burger von dner sack wegen bottschaft bedarf von dem Edt. Wir haben och gesetzet. Wer In vnser Statt bottschaft jen- dorthin bedarff von dem Rät daz gemain statt nit ang4t dem sol der R&t bottschafft nit lihen denn also daz der Rat ald gemainü 5 statt der bottschafift Ir sie lützel oder vil enhainen schaden sol hän. die hotten wnrdint gevangen ald In giengint Irü roß ab ald wurdin In genomen od&c von zervng ald (fol. VII) wie sich daz f>i. vnd daz Inen daz vßrichten sont der oder die den si ge- lihen sint daz sin gemainü statt enhainen schaden sol h4n von 10 des wegen das der "Rkt die hotten dar gelihen hett denn so ferro daz man Inen dartzu von der Statt beholifen sol sin in der wtse als anderen burgern die gevangen ald berobet wnrdint die nit von dem Rät ze hotten nßgesent wärint an geuerde. Datam secunda die Junij Anno dm. Millesimo. ccc. Ixxvj®. 15 Wie man in den Hat sol gän. Es ist och gesetzet, swenne man dem Rät ze Schafh. ie z& enander gehütet so sol man in den Rät hüten so man frn messe ze sant Johans zemen gelüt ald in der maß ob man nit sungi vnd sol man zwürent lüten 6 man unsern herren hebet vnd ainest dar- 20 nah so unser herre gehaben wirt unz du messe us kvnt ald in so- licher mäz ob man nit sungi vngeuarlich vnd so die glogge ze dem dritten mal verlassen wirt. wele denne in den Rät nit komen ist so der kneht der gelütet het in den Rät kunt ungeuarlich. ald in der mäße das er darin komen möcht ob in ihtes ierti äne25 geuerde. der het die büße verloren daran der Rät denne gebotten ist vnd sol man öch darumb phenden ir si ainer oder m^. er kome dar nah dem so der kneht also dar kunt ald er belibe hie uße. es were denne ainer siech ald er were in der statt not äne alle geuerde. 30 Wie man den Bat samnen sol sid der nüwen Ordenunge, Wir der vogt vnd die Rät ze Schafhasen habin gesetzet be- dähteklich durch vnser statte nutze vnd frides willen nach der ordenunge die uns der hochgeborn fürst vnser genädiger herre her- tzog Lütpolt von Oesterrich gemachet vnd getan hett in vnser 35 Statte, swenne man den Rät in unser statte sammenen sol daz denn unser vogt ald wer Je denn sinen gewalt hett vollen gewalt sol hän den Räten zu enander ze gebietenne si sigin groß oder klain Rät als in Je dvnket daz es notdürfftig sigi nach den Sachen die für In ie bracht werdent als dik es ze schulden kvnt Vnd welem 40 Räte ie gebotten wirt er sigi gr6ß oder klain der sol des ersten ußrichten die sacben darumb der Rät denn gesamnot ist Vnd sol man och die verschriben vnd sol man och alwegent des ersten darumb fragen vnd darnach sont si die Sachen vßrichten die für si komen nach dem als die Sachen ie für si hörent. 45 Vnd wenne in den Rät gelütet wirt wela denn nit dar kvnt e daz ain fr% beschiht darumb man denne besammenet ist der sol 14 s:e büße geben daran derB4t denn gebotten ist es w&re denn daz Jeman dem andern in den Kitt gebotten hetti vnd darnmb ain frag besch&cb ald ob Jeman dem andern icbtes da vertigoti vnd darumb och gefräget wurde, käme ainer darnach S daz man ain 5 frag täü dar vmb der Mt denn gebotten ist der sol die büße nit verlorn han vnd sol man aber ain sölicb ernstlich frag darumb der Rät gesamnet ist nit tun in dem klainen Rät e das zehen oder m^ da sint. vnd in dem großen Rät e daz zwaintzig oder mS da sint vnd denn sol man richten vnd sol nieman für ziehen daz ir 10 nit genag sigi wen si des gewalt sont hän. Wer och den andern versprichet der git. vj. ^ ze büße als dik es beschiht. wer aber nund sprich et man sol den verhören von dem man denn redet der verlöret nüt. Es ist och gesetzet swenne in den Rät gelütet wirt so denn 15 der vogt dar kunt ald der sin statt ie haltet vnd in denne zit dunkt ze pfendenne die die nit da sint ald die ze spät koment die sol man phenden vmb die büße daran der Rät denne gebotten ist vnd swer denne in dem Rät ie redet äne die fürsprehhen für daz mal so der vogt ald der für in da sitzet gehütet ze swigenne der 20 git ze büß daran es denne gebotten ist vnd sol och der vogt die selben büße nemen vnd sol si nieman laßen durch lieb noch dur laid als dik es beschiht, Swer aber die büß nit git vnd es wider redet der sol die büß' zwifalt geben vnd het och der vogt ald der für in da sitzet alwegent gewalt ze gebieten daz man also swige 25 an. vj. ^ ald noch furo vntz an 1 lib. als in- daz ie notdürflftige dvnket wie dik es ze schulden kunt vnd sol man och die bußan nemen als ander fräuelinan vnd sont och gemainer statt weren. Swenne man och in dem Rät rechtet vmb dehain sach so 30 denn des klegers fürspreh zwürent sin sach geredet darvmb er fürsprech ist vnd des widersachen fürsprech och zwürent geredet so sol man vmb die sach fragen was darumb recht sigi. es wäre denne daz ain tail mit ainer nAwen rede käme des sich der Räte ald der mertail erkandi daz mag der ander taile wol versprechen 35 äne geuärde vnd swenne die fürsprechen ertailent so sont si denn swigen vnd zu der sach nit me reden vnd sont och die andern swigen so si ertailent vnd sont nit me dartzu reden als dik es ze schulden kvnt vnd wer daz briohet der git och die büße daran es denne gebotten ist ze swigenne als vor geschriben stät vnd ist dis 40beschechen durch gutes frides willen vnd daz ain ieglichü sach dester baß geendet werde. Es sol Öch nieman vß großem ald klainem Rät gän äne vr- löb daz mit ainer frage bescheh e daz man sjunenthaft dannen gät äne gevärde. weler aber darüber tut der git die büße daran 45 der Räte denne gebotten ist. doch mag der vogt ald der sin statt haltet ainem wol erlöben ze gän ob er wil vnd ob in dvnket 15 das! es dem ndtdürfftig sigi der gern denn 2e mal dannen w&re äne gev&rde. Wäre och daz dehainer des B4tes ainer oder me in zornes wise ald durch gevärde daz er das recht oder die sach darvmb man denn rechtet oder redet hinderti vßer dem R4te gienge 6 daz 5 die andern vff gestAndint des den R4t dvnkti der denn sitzet ald den mertail vnder in der sol ze büße geben so vil als sich der selb Rät der denne sitzet ald der mertail erkennet nach dem als du sach ald du getät denne ist als dik es ze schulden kvnt. Swer och den Rät Schilling ie yerlüret. richtet si der nit mit 10 phenningen ald mit phanden vnsers Rates knehten so si daz an in vorderent ze hns oder ze hof der sol zwifalt büße geben da- ran der Räte denne gebotten ist. welhes rätes er ist. als dik es beschiht. ^ (fol. VIIT.) JDä ieman dem andern in den Bat gehütet wie 16 man dem fragen vnd richten sol. Wir haben och gesetzet, swer dem andern in den Rät ge- hütet vmb dehain sach du darin gehöret daz man dem darvmb , ze allen raten darvmb fragen vnd richten sol. es siie in der statt gericht oder nit. 20 Gebüt och Jeman dem andern in den Rät vmb dehain sach du in den großen Rät h5rct darumb sol man Im och fragen in dem klainen Rät vnd mag Im öch sinü gericht tan untz an den vier den Räte ob der große Räte in der zit nit säße vnd denne sol man Im den großen Rät sammenen daz er sin recht vor dem volle 25 füre ob es in den großen Rät höret als dik es beschiht. Wie man sich in dem Bat mit fürsprechen vnd Bätgeben stellen sol. Wir der vogt vnd der Räte ze Schafh. sigin vberain komen vnd haben gesetzt, swas Sachen für vnsern Rät ie koment ze dem 30 rechten, wer denn kleger ist nach dem als sich der Rät ald der mSrtaile erkennet, der sol des ersten ainen fürsprechen nemen ir sigi ainer oder me wenn er wil. Darnach sol sin widersa'h es sie ainer oder mß öch ainen fürsprechen nemen wen er wil vnd wenne daz beschiht so sol der kleger ainen nemen von dem Rät an sinen 35 Rät wen er wil. Da gegen sol der widersach zwen an sinen Rät nemen vßer dem Rät die er wil. vnd darnach sol denn der kleger aber ain nemen daz ietwedre tail zwen vßer dem Rät also hab vnd nit me als dikke es beschiht. Vnd war daz dewedre tail mß an sinem Rät hetti vßerent dem Rät vnd die nit Rät wärint so 40 sol man si von im haißen gän wedre tail es denn vorderet ald won sol im als manigen an sinen rät och ie geben oder laßen si sigint des Rätes oder nit das ainer als vil hab als der ander äne ge- närde. Vnd wer denn vmb die sach des ersten ie gefräget wirt es sigi der fürsprechen ainer ald ain andre der mag sich wol45 vmb sin vrtail bedenken ob er wil mit zwain des Rätes vnd nit mit me vnd wenne der ertailt wer denn des ersten nach im ge- 16 fraget wirt der mag sich Öch bedenken ob er wil mit zwam des Rates vnd nit mit me vnd wenne der Öch ertailt so sol sich denne nieman me vmb die sach bedenken der gefräget wirt vnd sol och Jederman denne ertailen was In darumb recht dvnket nieman ze 6 lieb noch ze laid als dik es Jemer ze schulden kynt. Wäre och daz ieman dehain sach für vnsern rat bringen wölti nit in rechtens wise der mag wol ainen fürleger nemen vnd dartzu an sinen rät zwen ob er wil vßer vnserm rate vnd nit me vnd sol denne sin sach für legen vnd wes sich 10 denn der Rat ald der mertail daramb ie erkennet dz sol ie beschehen. Wolte och Jeman ichtes für den Rät bringen daz gemain statt an giengi ald wurd Jeman gefraget vmb dehain sach du ge* main statt an giengi. es wäre vmb stüran. dienst, zog. buntnüße. 15 Zölle, bottschaft ald dehaine solichA ding der mag an sinen Rät nemen ob er wil vßer dem Rät zwen oder dry die er wil als dik es Jemer ze schulden kvnt. Geben an Sant Thomans abent Anno dm. Millesimp. ccc. Ixiiij^. Vmb daz gericht me man sich da halten sol. 20 Als och daz gericht nach der nÄwen Orden unge besetzet ist mit zwelffe mannen die daz recht da sont sprechen vnd nieman anders vmb sachan die fünffzehen Mark Silbers ald darunder tref- fent. Tiaben wir och gesetzet s wenne der zwelffen sechs da sint ald darob daz man denne vmb ein ieglich sach du dar höret 25 fragen vnd richten sol vnd das nieman vßziehen sol daz ir nit genüg sigi es gang burger an oder gQst. ist aber vnder sechs richtern da benögt si denn dero ze baiden siten sd mag man wol richten vmb ain ieglich sach du dar höret vnd sol man och al- wegent richten am Mentag an der Mitwochen vnd an dem fritag 30 es sie virabent oder nit. aber an virtagen sol nit burger gericht sin. Swenne och zw^n richter da sint oder me zu dem Richter so sol man richten vmb alle sachan die 1 lib. vnser phenning ald darvnder treffent. Och ist gesetzet daz ain kleger es si ain man oder ain 35 frowe vor gericht ainen für sprechen nemen sol wen er wil vnd ain der zwelffen an stnen Rät. vnd der don man beklaget es si man oder frowe sol och ainen füsprechen nemen wen er wil vnd ain der zwelffen an sinen Rät vnd enweder tail me. Aber ain kleger ald den man ie beklaget es si ain man ald ain frowe 40mugent an ir Rät nemen vier ald darvnder vnd nit darob vnder den andern die nit der zwelffen sint als dik es ze schulden kvnt. Es ist och gesetzet daz man gesten alwegent richten sol vor jm- biß ald darnach dar vmb daz in dest erberlicher vnd dest frid» lieber gericht werde. Datum Anno dm. Millesimo. ccc. Ixxqnto an 45Margarethe vg. Vmb die Richter daz si zuo dem gerichte gangint. Wir der vogt vnd der Rät ze Schafh. habint och gesettz 1? von des gerichtes wegen wie man dz besetzen so) mit zwelff lür" beren mannen nach dem als es vnser hrre von (Esterrich dz georde- n6t vnd vns sin brief darüber geben hftt. daz wir die selben zwelff richter änderren sont vnd mugent järglichs vff Svngichten vnd dz man den großen BiLt hie nit samnen sol vff die tag so 5 burger gericht sint. es were denn vmb der statt ernstlich sach daz man sin darza bedörffti. vnd habint daz darvmb getan daz man burgern vnd gesten dester baß gerichten mug. Vnd swenne man den gr6ßen Rät also ie maß hän. s6 sol man des ersten Mgen vnd die sach vßrichten darvmb er gesamnot ist. Vnd sont och 10 denn die Richter an daz gericht gän. vnd da beliben die wile der Richter sitzet bi der büße als in denne dar gebotten ist vnd wele ie denn an dem gericht sint die sont enhainen Rät Schilling ver- lieren an dem Rät. Och sol man den Richtern alwent an daz gericht gebieten 15 66 man Bürgern ald gesten richten «ol an ain büße ze gelicher wise als man an den Rät gebAtet vnd sol man och die bnße von Jeglichem nemen ab man die Rat Schilling nimet als dikke man In daz gerichte bätet vnd sont och bi dem gericht beliben vnd dannen nit gän die wile der Richter sitzet bi der selben b&ße als 20 dikke es ze schulden kvut äne geuärde. Datum Anno dm. Millesimo. ccc®. Ixxvj In vigiliti pnrifica- tionis beate virginis Marie. Es ist och gesetzet swenne man burger gericht het so sol man ze sant Job ans kilchen an das geriht Mten s6 man da vnsern 25 herren hebet ze fruien messe ald in der zit ob (soh) man nit sungi vnd sol man lüten vnz du messe vs kvnt ald in die zit. wele denne vnder den richtern an dem gericht nit ist so der kneht der ge- lütet het ald in der mäße an das gericht kvnt der sol die büße verloren hän daran an das geriht gebotten ist ir si ainer oder m^ 30 es were denne ainer siech ald er were in der statt nit äne ge- uerde als dik es beschiht. (fol. IX.) Wie ferre vnsrü gericht ze Schaßusen gänt Won sol wissen das vnsrü gericht ze Schafh. gänt vntz an die vßerosten letz ze vischer hAsern. vnd vff der fönbrugge vntz 35 vff die vffgänden brugge. vnd vor dem Rine tore vntz an das vor- derost thor disent der obrosten Müli vnd ob den Mülinan den Rain hin vntz au die letz ob des Stobers Müli vnd vff Staig als die letzinan sint bi der siechan hüs vnd an den Eselwege vnd ze Spitäler Schfire vnd an dem hornberg als die letzinan stänt vnd 40 an Epplis halden vntz an den Stege, vnd was zwischent den ziln lit gen der Statte es sigint hüser ald ander ding daz ist alles in dem gericht äne alle geuärde. Daz nieman sin gtwt hie von im gehen sol noch mag daz es stnen gülten schädlich st. 45 Wir der vogt vnd der Rät ze Schafhusen sigin vber ain komen vnd habint gesetzt durch vnser statte nutz vnd ^re willen daz Birlinger, Alemannia VI 2 enliain burger sie Schafhusen es siie man ald frowan wie si ge- nant sint decbain sin gut von im sol oder mag yriden (?) geben ald fügen oder machen ald gemainder dartzu nemen denn so feri'e daz es den gülten den er denn ze male gelten sol vnschäd- 5 lieh sig Tud sin sol an iren rechten in allen wege äne geuerde. Da ainer vffgät ainem wirt da man mn schenkt vnberait. Wir habint Öch gesetzt wer in ainem winhus trinket der ynser burger ist. gdt der vß daz er dem wirt sin ürtenn nit git darvmb sol in der wirt nit haben. Git er aber die ürtenne nit lOmornendis vor Prime. ald vff die zit vngeuärlich so sol er ze büße geben der statte, iij. ß. ^ vnser müntz vnd dartzu dem wirte sin ürtenne als dik es beschilit wön daz von alter her also komen ist. Daz nieman den andern hie an sinem guot schadegen sol. Wir der vogt vnd der RUt ze Schafhusen habint gesetzt 15 durch vnsern vnd vnser gdter frides vnd Schirmes willen Swer dem andern hie schaden tut an wingarten Bongarten. Garten, akkern. wisen. zAnen. hegern ald an sölichen dingen daz der ze büße geben sol vnser statte ob es ze clag kvnt ain phunt phen- ning Schafh. müntz vnd sol man och die büße nieman lassen. Vnd 20swas demselben der da schaden tut denne ze mk\ darvmb beschiht kne den totslag ald littscherti oder fridbrech wundan. d4 sol en- hain büße nach gUn. Swer öch dehainem vnserm barger sin holtz abhowet vnd der im ald sinem vorster darvmb nit phant git ald geben wil der git och. j. lib. ze büße vnser Statte ob es geklegt 25 wirt als dik es ze schulden kvnt. Es ist erkent vff Sant Thymothei tttg Anno 2C. ccccxxv^ dz . kain bantkart daz burgrecht nit erben sol. Da ain lantman wtn hie nider lait. Wir der vogt vnd der Rat habint och gemainlich gesetzt 30 durch vnser statt nutzes willen, swä dehain lantman win in vnser statt bringt als bald er den ab dem karren stoßet ald vßer ainem schiff gelait ob er in ze Schiffe her brächt, daß der von ie dem Söme vnser Statt geben sol ain viertail des selben wine» vnd wäre daz der gaste den win verkoffti in vnserm gericht ald wie er in 35 verkoffet so sol er aber vnser Statt ain viertail des selben wines geben von ie dem Söme. war aber daz ain Gast win herbrächt den er furo füren wolte äne geuerde ist daz er den win hie nider lait untz daz er in furo gefertiget vngeuärlich der sol daz vier- tail von dem Söme nit geben. 40 Beschäch och daz Jeman sinen win fürti durh gevärde vber Rin vnd in da verkoffti ald ob er in durch geuärde verkofti di- sent dem kloster ze dem paradise ald disent dem löffen ald Jena, vmb die Statte in der nähe der sol och daz viertal von dem Söm geben als vor geschriben ist. 45 .Wäre och daz dehain burger sich wines an näme der aines Lantmannes wäre durh geuärde als er den lantman schirmti. swer daz tut der git ain Mark silbers vnser Statt ze büße als dik 19 eä beschiht. Geben an sant Verenen tag Anno dm. m. ccc^ xlqnto. Vmb den unn zoL Wir der vogt vnd der Rat ze Schafhüsen siien ainberlicb vber ain komen vnd haben gesetzt durch unser Statt nutzes wil-5 len. swer hie win verköft vsser dehainem vasse. es siie bi maßen, bi köpffen ald bi glesern. es siie ain m&ße oder m^. der sol daz vaß da er den win vß git gentzlich verzollen er geh In denn sa- ment köfs hin vnd nit nach der maße Ikne alle geu&rde. Es ist och gesetzt daz jeglicher wirt verzollen sol allen den 10 win den er vmb phenning git. vor mal ald nach mal ald vber tisch äne den win der zu den m&len hert vnd darin geraitet wirt ane alle geuärde. won die wirt den win den sü in du male sla- hent vnd raitent vngeuarlich nit verzollen sont. Vnd swenne ieman ze Schafh. win ald mett vff tut vnd 15 schenken wil der sol an enhain vasse stoßen er 14ß es vor ge- sehen vnser Sinner ald vnser zoller. die ie dz vngelt in nement ald ir ainen ane gev&rde. Vnd swas ieman usser ainem vasse git so es entzep£fet wirt. es si bi Sömen bi Iftgelen bi mäßen ald swie er in verköffet den win sol er verzollen &ne geuärde. Es sol och 20 nieraan kain vaß wider fällen oder verstoßen ald näher geben es siie denn vnser Sinner ald zoller oder ir ainer da bi vnd stossint ain paiielen daz den burgern vnd den zollern ir vngelt werde, vnd swer das brichet der git vnser Statte ze büße ain phunt phenning Schafhuser müntze als dikke es beschiht. vnd dartzu sol 25 er daz vali alles verzollen, vnd swenne ain vaße ie vß kvnt ald 86 man dar vß nit m6 schenket so sol man es an die sinne legen oder schätzen nach der sinne ob man es nit gesinnen mag Inrent den nächsten aht tagen es ierre denne redlichü saeh äne gevärde. wäre aber aehain (fol. X) win in dem vaße verlegen den sol man 30 vß tun das daz vaß an die sinne kome. ald wön sol es nach der sinne schätzen vnd sont da bi sin die sinner vnd vnser zoller ald ir ainer. • Vnd swenne dehain vaß alsuß gesinnet oder geschätzet wirt so sol man unsren zollern den zol richten vnd weren inrent den 35 nächsten aht tagen so si es vorderent äne fürzug. Vnd swer daz brichet der git. v. ß ^ ze büß vnser Statt jeglichs tags als mani- gen tag er daz vber sitzet. Vnd swele dehain vaß versait daz er es also nit sinnet oder schätzet der git ze büße vnser Statte j lib. ^ als dik es be'40 schiht von jeglichem söm vnd dartzu sol er doch daz vaße alles verzollen, es sont Öch die sinner oder die zoller ald ir jeglicher oder ir hotten gewalt hän ze gänd in die kelre da man win schenkt ald in der wirt kelre die geste enphähent wie dikke si went vnd sol si des nieman svmen darvmb daz si des zoUes oder 45 vngeltes dester bas mngint war genemen. vnd wer st des jerret der sol ze büße geben vnser Statt j. lib. ^ a^ dik es beschiht. Swer 20 cell deliaiueD win vfier ainem rappas git den sol er verzollen als andern win wer daz brichet der git och. j. üb. vnser statt ze büße als dikke es beschibt. Wir faabint ocb gesetzet swä vnser zoller wer ie vnsem 5winzol gekoffet het Jeman den zol lat stän vber ainen manot den n&cbsten darnach so du vaß gesinnet ald gescbätzet werdent daz jm der Rat nit gebunden ist nach dem man6t den zol helffen in ze gewinnen wön tAge es denne gern. Wurd och der winschenk nach dem man6t abswiffig so sol 10 der es siie man ald fröwe des der ve):schenkt win denne ist ge- wesen dem zoller vmb den zol nichtz gebunden sin. dis habin wir darvmb gesetzet daz vnser zoller daz vngelt dest vnuerzdgenlicher in nemint vnd daz wir darvmb von im entladen siieu. Daz du Moester vnd Gotzhüser vnd Juden och vngelt hie l^ gehen sont als ander lüt. Es ist och gesetzt mit gemainem ßät daz vnser herren der abt vnd der convent des Gotzhuses allßr hailigen ze Schafh. vnd jr Gotzhus vnd die Maistrin vnd der convent des Gotzhuses ze sant Agnesen. vnd ir Gotzhus vnd der Spit4l ze Schafhüsen geben 20 sont von allem dem wine den si verköffent ald verschenkent ze dem zappffen daz vngelt als ander lüt hie tunt 4ne gevärde. vnd wfixe daz si darvber win schanktint ald ir dehaines oder ir pfle- ger vnd daz vngelt nit richtin (t) als vorgeschriben ist. w&re denne das jeman der in vnser statt vnd vnserren gerichten sitzet er sie 25 burger oder nit vailen win näme zu dem zappffen ze den selben Gotzhftsern ald zu Ir dehainem der sol vnser statte von ie der mäße ze büße geben, j. IIb. ^ vnser müntz als dikke er daz tut llne geuärde. Beschäch och daz ieman der in vnser statt sitzet er si bur- 30 ger oder nit du selben Gotzhüser ald Ir dehaines hie vor schirmdi ald in glimpff gäbe dehain wege haymlich oder offenlich hie wider ze tünde swele des vber sait wirt als recht ist der sol der statt ze büße geben zwaintzig pfunt phenning Schafhuser müntz. vnd swele die büße nit gerichten mag von armut wegen der sol 3Övßer der Statte ze Schaf husen varen vnd sol niemer wider darin komen e daz er die selben büße berichtet äne alle gevärde. Geben do man zalt von Gottes gebürt drüzehenhundert vnd drißig Jar darnach in dem füniften Jare an dem nächsten Mentag nach dem zwelften tag. 40 Bas die Juden hie ze Schafhüsen och vngelt gehen sont. Och haben wir gesetzt Swele Jude vailen win schenkt ze dem zapffea daz der och daz vngelt da von geben sol als ander vnser burger vnd were daz ieman in vnser statt sü da vor wolte schirmen alder glimpf gäbe da wider ze ti\nne der sol vnser statt 45 viertztg phunt geben ze büße ald er sol von der statt varen. ist daß er die büße nit gehaben mag vntz daz er si berichtet, wäre aber daz dehain Jude von dem andern vailen win köfti von dem 21 zdpffen vnd daz vngelt der statt nit da von wurde bericht so sol der Jttd der da win köffet vnd der in och verköffet Jetwedren. j. IIb. ze büße geben als dik sü daz tunt von jeglicher m4ße. So man in dem Bat rechtet wer denn ufs sol siän so man vrtaü sprichet vnd wele ir fründe och vs sotit stdn. 5 Wii* der vogt vnd der Rat ze Schaf hüsen haben gesetzt dur gutes frides willen, swer mit dem andern rechtet vor dem Rit vmb dehain sach burger oder lantlüt swenne man denne vmb die sach fragen wil. so sont die die es an gät vsser dem Rat stan vntz daz dar vmb ertailt wirt als dik es ze schulden kunt vnd sol man 10 in denne sagen was eii;ailt ist. Es suUen ouch vogt zu baider site vnd ouch die wirt bi den denne die zu herberg weren die zu samen ze sprechen betten vzz stän vnd dez gelich ob suß dehainer dez Ratz yeman in soli- chen Sachen versprech der sol ouch vzz stan. Actum in vigilia 15 Thome anno Nonages. qnto. • Ist och daz dehain sach von Jeman für den Rat bracht wirt es 81 man oder frowe oder seidener den oder die sol man besen- den für den Rät vnd ze rede setzen vnd sol man In sich darvmb län versprechen ob er wil es siien man oder wip. vnd swenne man 20 sich vmb die ^genanten sachen erkennen wil es si ze dem rech- ten komen oder süss het denn dehainer von deswegen man fragen wil es si man oder frowe denne ze mal an dem R4t sitzent sinen vatter ald sinen svn ald sinen Bruder oder sinen vetter ald siner muter brnder ald siner swöster oder sines bruders svn. die 25 sont vßer dem Rat stILn s6 man sich sol erkennen vmb sines fründes sach den es an gät als dikke vnd es ze schulden kvnt. (Zus. : Es sollen ouch vß stan sw^er vnd gegen swager). Actum feria secunda post Galli Anno Ixxvij. Baz man vmb enhain sach richten sol du vnder füntzehen^O mark triffet vor dem Bat. Es ist och gesetzt daz man vor dem Rät nit richten oder rechten sol vmb sach die vnder xv mark triffet. darvmb daz der Rat dest mäßiger si vnd dz man vmb alle sölich Sachen sol rich- ten vor dem gericht ze Schafh. dk siien des Rates brief vnd In* 35 sigel vmbgeben oder nit es wäre denne daz dehain sach ald vr- tail danne für den Rät gezogen wurde äne geuerde. Actum in die Hilarij Anno Ixxviij. (fol. XI.) Ww man die va^ien sol die fräuelinant so si es erst tuant. 40 Wir der vogt vnd die Rät ze Schafh. haben gesetzt dur gutes frides willen. Swer ze Schafhüsen dehain fräueli tat in dem* gericht in ainem hus da man vailen win o£fenlich Inne schenkt der nit hus noch hof noch ander gut het in dem gericht daz er die fräueli mag gebesserren. so sol der vogt ald sin knecht oder 45 der waibel ald der burger knecht in daz win hus gän vnd sont in da vahen. war aber daz dehain vnser bui'ger dei* für in ze 22 beBserren hetti der statt Tnd dem gericht dejs bürg vnd wer wurde der die freueli tut a]so dz er in antwürte für den vogte vnd die RÄte daz sü sin gewaltig siien so sol man In nit vaben. vnd swenne in der bürg für den vogt vnd die Rät geantwürt daz 5sü sin gewaltig sint so ist der bürg da von ledig vnd enbunden. Ist aber dz in der Bürg für den vogte vnd die Rät nit antwürte als vor geschriben ist so sü daz an In matent ald Ir botten so sol der bürg in den schulden sin vmb die bfiße als och der der die freueli tut vnd sol der bürg denne recht zu Im hän als daz ge- 10 rieht oder du Statte. War aber dz in Jeman schirmdi freuelich daz man in nit viengi wer daz tut der sol och in den selben schulden sin als och der der die freueli tut. war aber daz der der die freueli tfit ze stark wäre dz in der vogte ald der waibel oder der burger knecht 15 nit möchtint gevahen äne hilf wele burger er denne an rüffet vmb hilffe die ze gegen sint die sont Im In helffen vahen äne geuerde vnd wele barger daz nit tfint der git jeglicher ze büße 1 lib. .i| -vnser Statte. Beschäch och daz *der der die freueli tut vßer dem winhüse 20 käme In ain hüs da man nit win inne schankti Ald ob er die freueli täti an der gaßen vnd In aines burgers hüs fluhe ald ob ainer in ainem hüs freuelti da man nit win Jnne schankti ald ob er darvß in ain ander hüs käme wä dz were da sol man In Inne vahen vnd haben vmb die freueli in der wise als vor beschaiden 25 ist vnd sol enhainen schirm hän vmb die fräueli es wäre denne dz der in des hüs er denne ist für in sprächi vnd lobti die freueli vß ze richtent ald in dem Rät ze antwürten daz sin der Rät ge- waltig were äne geuärde als dik es Jemerze' schulden kvnt. Wie man ainem kleger hesserren sol vmh freuelinan, 30 Wir der vogt vnd die Rät ze Schafhusen sigint vber ain komen vnd habin gesetzet swer den andei*n hie beschiltet ald mit jm vbel redet daz der dem kleger darvmb hesserren sol ahtzehen Schilling phenning es were denne dz du Scheltwort also wärint daz den Rät ald den mSrtail des Rates dvnkti daz er dem kleger 35 furo hesserren sölt daz sol och beschehen als si sich denne er- kennent. Ist och daz ainer gen dem andern freuelich dringet ald vff wüschet der sol dem kleger darvmb hesserren ain phunt phenning (Zus.: vnd dem Richter, j. 8;). 40 Swer aber den andern sieht mit vngewäfFen6ter band ald in röffet oder drittet ald Im daz sin nimet äne recht freuelidli vnd darvmb 1 lib. der statt ze besservng geben wirt der Jeglicher sol dem kleger geben, ij. lib. vnd v ß. x*^ Schafhuser müntz. Wer aber den andern wundet ald mit gewäffenoter band 45 sieht oder wirffet nit ain fridbrech wunden der sol dem kleger hesserren als dem Richter daz sint iij. lib. ^, Der öch ain messer ald ander wäffen oder Stain ald ander 23 ding gen Jeman zukt der sol och derq kleger besserren als dem Kicbter daz sint iij. lib. Wer öch ainem ain fridbrech wunden sieht ald stiebet oder wirfltet der sol dem Richter besserren zehen guldin vnd dem kle- ger Öch X guldin ob sin der kleger nit enbern wil. 5 Wer och an Jeman ain hainsuchi hie tut der ist dem Rich- ter ze büße veruallen fünff mark silbers vnd dem kleger och fünff mark ob sin der kleger nit enbern wil. Wie ainer wisen sol das es an in bracht sye. Ist aber der der also an Jeman fräuelt ir sie ainer oder me 10 erzögen mag mit zwain Erberen mannen zu Im ald aber ainen an sin statt stellet daz es der ald die den du freueli beschiht des ersten an In brächt habint si sont aber daz recht darvmb tun so git er dem kleger enhain büße si sie große oder klaiu. Aber vmb lantlüt sol es beliben als vor darvmb gesetzet vnd 15 her komen ist; Dis beschach an dem fritag vor sant Bartholomeustag Anno dm. Millesimo ccc. Septuagesimo Octavo. Bas der vogt selb nit Magen noch dehainen kleger stellen sol vmb dehainer lay grofs fach etc. 20 Wir der vogt vnd Rät ze SchaflFhüsen haben vns ainhellek- lich erkent dasdehain vogt selb nit klagen noch dehainen kleger stellen sol vmb dehainer lay groß sach es sig vmb dyebstal oder liblos ze tönd oder vmb ander sach die lib vnd gut anrflrti gegen vnsern burgern oder den die wonhafft bi vns vnd in vnserm25 schirm wärin. es war denn das sich des ain Rät anhelliklich er- kantind. Actum ut sup. (fol. XII.) Da^ man enhain schopff noch fürschütz hie sol maoch giessen, das Loch mit einem Zapfen wol verspunden, im Feuer zu einer Kohlen verbrennen^ alles klein zerstossen, sodann, von diesem Pulver, wie auch Cal- mus und Schwamm von einem Kirschbaum eines soviel als des andern nehmen, zu einem Pulver machen und davon einen Ess- löffel voll dem Vieh auf dem Futter geben u. s. w. S. 226. 10 Wider Beschädigung der Milch. Nehmet Weyh- rauch Myrchen, Rothen Knoblauch, stosset es (Carrichter) an einem Donnerstag Nachmittag untereinander, schneidet von einem neuen Laib Brod ein Bisslein, machet ein wenig von vorigen Stücken darein, streuet ein wenig Salz darauf und gebet es dem Vieh zu fressen, hierauf treibet es aus. Den folgenden Freitag frühe, wann ihr gemolcken habt, so lasset die Göide-n^) nicht ansschwenken, sondern hänget sie ungewaschen in den Rauch, so werde die Zauberin kommen und etwas borgen wollen, man müsse ihr aber nichts leihen, auch sie nicht aus dem Hauss lassen, sonsten helfe dieses Mittel nichts. S. 349. 1) Die Dämpfigkeit ist ein beschwerliches Athemholen oder hartes Schnauffen, besonders wann die Pferde den Berg steigen oder sonsten lanffen müssen, mit einem Klopfen an der Seiten und mühsa- mer Erweiterung oder Oeffnung bekleidet. S. 221. 2) Gelte, Melkkübel hier. 62 11 Von den Häringen und ihr er Heilk r af t. £s schreibet Palmarius in s. Traktat de Feste et Morbis con- tagiosis cp. 8, pag. 470, dass das pestilentialische Gift an den Meer-Orten getilget werde, sobald die Fischer ihre ungesaltzene Häringe in sehr grosser Menge an das Land bringen. Solcher- gestalt hätten die Häringe sowohl an sich gelbsten, als wegen dem Meersalz bey diesen Seuchen einen grossen Nutzen. Es werden die frische Häringe angerühmet dass man nur ungewaschen, wie sie aus der Tonnen kommen, wann man dem erkranketen Vieh nach Beschaffenheit des Alters einen halben oder ganzen H|lring Morgens oder Abends gegeben, (dasselbe ge- sund wird). S. 117. Mit Knaben- oder Mannsharn, und Fisch oder H ä r i n g s- lacken das Ohr aussprützen bei des Viehes Ohrengeschwür. S. 200. 12 Gegen denWütenden-Hunds-Biss. Weilen folgendes Mittel an einem würklich mit dieser Krankheit behaftet gewesenen Öerrn Rittmeister von Adel bewerth gefunden worden, ausser, dass sich dann und wann noch eine Schwachheit im Haupt bey demselben geäussert, wurde in Berlin unterm 18 Jan. 1725 selbiges publiciret^ nemlich: Mau solle einen wütenden Hund tö* den, selbigen ' aufhauen, die Leber herausnehmen, in kleine Stück- lein zerschneiden, am Feuer dörren und sodann den Leuten^ welche von solchen Hunden gebissen worden, davon täglich eine Messer- Spitzenvoll einige Tage nacheinander eingeben. Auch sollten die Apotheker eine zulängliche Quantität Käfer im Mayen-Monat auf- fangen, solche in Honig zum Saft stossen, zum Gebrauch ver- wahren und den gebissenen Leuten solchen aus den Käfern ge- druckten Safft nebst dem Honig als ein bewährtes Mittel eingeben. S. 289. 13 Unter den Recepten für krankes Vieh begegnen wir der „Colmarischen Eins chütt wider die Uebergälle, welche da- selbst a. 1736 mit guter Würkung gebraucht worden.** S. 119. Ferner: Das zu Wöhr im Wiesenthal wider die Uebergälle nützlich gebrauchte Mittel. S. 120. Als trotz aller Gegenmittel die Seuche nicht brach habe der Löbl. Baslerische Sanitäts- rath 1738 ein anderes Mittel in Vorschlag und sodann in An- wendung gebracht. S. 120 ff. Ein anders Mittel von andern Orten, wordurch Anno 1712um Strassbnrg viele hundert Stück an dieser Seuch sollen curiert worden sein. S. 123. In einem Giftpulverrecepte wider die sogenannte Uebergälle steht unter anderm : Bayrisch oder Cölnisch oder Lothringer- oder Meersalz. S. 30. Gegen den brennenden Zungen- Krebs des Viehes im 18. Jhd. habe Strassbnrg a. 1731 zwei wiederholt gedruckte Decreta an alle Aemter und Dorfschaften im Elsass zu Jedermanns Wissenschaft abgesandt. S. 140. ABirlinger 6ä Zum Kinderspil Rochhblz, aleraannisches Kinderlied und Kinderspil S. 403 ff. In der ganzen Welt ist nichts emeine rs bey vilen als Blinde Mängel and Gugebergen spilen. In der Wahrheit wol eine schlechte (einfache) Sach ist es, so ein* Kind mag freaen, wie dann anss ihren unterschiedlichen Kinderspilen leichtlich ist abzunemoien ; etliche spilen gern mit Gluckern : wer das Spil verlieret muss Tatz halten und den Glncker zwischen zwei Fingeren stecken vnd solange und vil heben, biss ihme sol- chen andere herausschiessen. Andere haben ihre Lust mit Stock- schlagen, darbei einer mit verhebten Augen erraten solle, wer ihne gebritschet vnd das so laug, biss er gleich wol den Schlagen- den errathet, darauf muss derselbe an seiner Statt herhalten. An- dere haben ihr Freud mit dem Mühen, einem überauss ver- driesslichen mühesamen Spil seinem Namen nach , dann was man den Spilenden a n m ü h e t, das müssen sie thuen, jetzt bald nider- knyen, bald auf einen Fuss stehen, bald sich ausziehen, bald widerumb anlegen u. s. w. Ihrer vil thun nichts lieber, als blinde Mäusel oder Gugebergen, wie maus heisset vnd dises Spil wird auf zweyerley Weis gespilet: erstlich verbindet man ^ einem die Augen, trabet ihn etlichmal in Ring herumb ; darauf muss er mit verdeckten Augen die umb ihn herumblaufeude und wolsehende, welche ihn auch ohne Unterlass zupfen, schlagen und reissen, fangen und also einen anderen stellen, will er änderst erlöset sein. Die andere Weis des blinde Mäusel oder G u- gebergen ist, dass sich alle hie und wider verstecken und in die ungereimbtiste finsteriste Winckel verbergen ; nur allein einer bleibt im Liecht mit offnen Augen und muss solang suchen, biss er die andere ertappt und gefunden. Thesaurus Ahsconditus oder verborgener Schote und Ännuäle Secunäum d* i. Sittliche Predigten auf alle Sontitag des Jahrs — von P, Adälberto Capuc, u. 5. «?. I Teil. München 1708, S,372. Daran knüpft der Prediger die Auslegung des Evangeliums auf den Pfingstmontag, omnis qui male agit, odit lucem. Job. 3. In der ganzen Welt sei das Gugebergen eingerissen, alle die Bö- ses tun hassen das Licht, verstecken sich in finstere verborgene Winckel. „Wie schändlich sich aber solche kindische Gugeberger Selbsten betrügen will ich anjetzo in geliebter Kürze was mebrers erklären u. s. w.'^ So, pflegen auch die unmündige kleine Kinder wann jeweilen die Kindsmagd mit ihnen scherzet und kurtzweilet^ stellet sich als wolle sie selbe ertappen und fangen : da erwischet das Kind etwan die Handzwechel oder das Fürtuch (Schürze) der Mutter, in dero Schooss es sich zu erretten geeilet, wicklet und stecket den Kopf darein, wann dann der Kopf verborgen und das Kind die nachlaufende Magd nit mehr siebet, vermainet es gleich- ^ wol, es werde auch von derselbigen hit gesehen u. s. w. Die Gugeberger seien aber noch schlimmer daran u. s. w." u Das Wort gagebergen ist aus gugen und bergen zusammengesezt und kann bair. Aussprache von guggen , schauen sein oder es ist an gugel, Kopfbedeckung anzulenen, oder an gugen mhd. hin und her sich bewegen. Bei Schmeller fand ich das schwäbisch-bairisühe Wort nicht. ABirlinger . Schwabenneckereien HI. Eines Brunnens Tieffe, nach etlicher Bauren Weise, zumessen. Es ist in unserer Nachbarschafft ein nicht unbekantes Dorff, welches einen tiefiPen Brunnen hat, der dem gantzen Dorff Wassers genug darreichet: diesen, weil er mittler Weil voll Unraths ujnd Eoth worden, wolten ^ess Orts Schultheiss und Inwohner auss- putzen und fegen ; verfertigten demnach einen sehr grossen Eymer, und werden eins, ein zimlich dickes Zug-Säil zu kauffen, daran sie den angehängten Eymer durch gesamptes Handanlegen in den Brunnen hinab lassen könten. Damit sie aber das S&il weder zu gross noch zu klein, mit überflüssigen oder unnützen Unkosten kaufften, achten sie für gut, die Tieffe dess Brunnens von der Winde, (darum das Säil zu schlagen war) biss auff den Grund zu erfahren. Als ihnen keine Weise beyfallen wolte, berathen sie sich, und fragen mit Fleiss um, wie doch der Sachen zu thnn sey. Nach langgehaltener Berathschlagung, trägt der Schultheiss, als etwas klüger weder die andern, diesen auss der Bauren Sinn- Eunst (Mathesi) geholten Vorschlag und Kunstübung vor, sagende : Wir wissen alle, wie gross wir sind, hänge sich demnach einer mit den Händen an die Winde oder Zug-Rad, der ander an dessen Füsse, darnach der dritte an dess zweyten Füsse, und also fortan, biss dess letzten Füss den Boden berühren : Darnach lasst uns zu- sammen rechnen, wie viel Spannen die also aneinanderhangende machen, so werden wir hernach erfahren, wie viel Spannen das Säil, welches wir zu wegen bringen sollen, lang seyn müsse ; dann es wird nicht länger oder kürtzer seyn dörffen, als wir also anein- ander hangende Beyhe Inwohner. Der Rath gefiel allen wol, loben dess Schultheissen Klugheit, und legen Hand an. Es hieng schon ein zimlich lange Reyhe aneinander, und war der unterEfte nicht weit vom Orund, da begunte der oberste, so die Winde gefasset hatte, zu empfinden, dass seine Hand von Wärme und Reiben so schlüpfferig seyn, dass^ wo er nicht drein speyte, er die Last der Anhangenden nicht ertragen möchte. Spricht demnach seinen Ge- sellen zu, sie sollen dapffer und vest aneinander hangen, biss er die Hände mit Speichel würde befeuchtet haben: Mit diesem Wort thut er die Hand vom Windholtz, und stürtzet alle miteinander in den Brunnen hinab ^). Vrgl. Schildbürgerbuch v. 1652 Bl. 5b. 1) Alem. IV 144 ff. 2) Joco-Seriorum naturae et artis, sive magiae naturalis, centuriae tres: Das ist, Drey-Handert Nütz- und Lustige Sätze allerhand Merck -würdiger Stücke: von Schimpff und Ernst, genommen auss der Kunst und Natur, oder natürlichen Magia. Benebens einem Zu- satz oder Anhang von Wunder-deutenden Creutzen/ Auss R. P. A. Kircheri, S. J., diatribe. Bamberg, In Verlegung J. M. SchÖnwetteirs, M. DG. LXXVII. 65 Aus einem Epos : Deutsch-französischer Krieg *). Vionville. In drei Kolonnen rückt das deutsche Heer In^s Frankenreich. Es schlug die dritte wacker Bei Weissenburg und Wörth den Feind aufs Haupt; Und an der Saar und Mosel tat^s die erste. Nur einen Augenblick verschnaufte Steinmetz, Der sie gefürt — ob wider Willen auch — Ihn reut die Zeit, wo seine Waffep ruhen. — Indessen zieht zur kat alaunischen Eb^ne Der Eronprins weiter^ seine Reiter stöbern In eiligen Geschwadern von Ulanen Den „Kukuk" auf, der flüchtig sich verbirgt In Bergesschatten und im Waldesdunkel. Doch zwischen beiden Flügeln ungeduldig Harrt auf den Erentag Prinz Friedrich Karl. Die Mosel trennt ihn noch vom Feind — hinüber, Damit die Trennung aufgehoben sei, Schickt er die Reiter mit den Feuerschlünden. — Dort steigt durch Schlucht und Kluft der Weg bergan So links als rechts mit Eichenholz bestanden. Gemischt mit Buchen ; tiefe Gräben schränken Die vielgewund'ne Strasse hegend ein Dass nicht der Fuss beim irren Tritt entgleite Und niederstürze jählings in die Tiefe. Ein ernstes Schweigen waltet ringsumher, Unheimlich fast, wenn es der Wasserfall Nicht unterbricht mit klingendem Geriesel. Doch -wo der Aufgang endlich freier wird, Zurück der Abgrund weicht, der Himmel blau Mit lustigem Zelt die Schluchten überspannt, Da stet der müde Wanderer vor Gorze Und sieht im vollen Tageslicht das Krenz Im Weinberg von St. Thiebault erglänzen. Dann schwellt das Feld zur Höhe vor ihm auf, Von Wald bedeckt, von Wasser hell durchglizert. Umschlungen von dem aufgerollten Ban^ So mancher Strasse die von Dorf zu Dorf Nach Osten sich verliert am Horizont. Von Mars la tour, das sich dem Blick entzieht, Bis Vionville und über Rezonville f - 1) Sieh Alem. IV 62 ff. Birlinger, Alemanoia V 1 &6 Nach Gravelotte und weiter hin nach Metz, Der stolzen Mauerkrone Lotharingens, Stet die Allee von schlanken, schwanken Pappeln Die nach Yerdun den Völkerweg umsäumt. Sonst ist der Raum gleichgültig für den Blick Des Wanderers — bald aber wird die Welt Von jedem Gegenstand der ihn bedeckt, Mit Zungen der Bewunderung erzälen — : Vom Stein am Weg, vom Baum am Waldesrand, Von jenen Büschen dunkel ausgestreut Jenseit von Trouville, dann von Flavigny Dem blutigen Vorwerk, auch von der Oisterne Mit Wasser trüb von Blut und Schlamm, vom Lager Das aus der Ferne wie ein Salzsee flirrt Im Dunste jenes heissen Sommermorgens. Drinn reiht sich Pferd an Pferd am Lagerpflock, Dazwischen Helm an Helm; die Flagge hängt Am Lanzenschaft gleich einer matten Schwinge. — Drauf hebt sich plözlich zwischen Mars la tour Und Xonville hoch der Staub — in weiten Ringen Weht er von Westen gegen Vionville. £in dünner Staub, wie Spizenschleier fein. Von Rossen aufgewült die kreuz und quer Jedweden Weg mit leichten Hufen treten. Doch wirbelt er in dichten Säulen nach Grauweiss wie Qualm, es drönt der Boden schwer Und wiederhallt vom Rasseln der Geschüze. Das sind Rheinbabens schwärmende Husaren Von Spichern her bekannt als wol geübt: Den Feind zu suchen und ihn festzuhalten. Der^ Eörber ist's mit weithin zielendem Und fernhin treffendem Geschüz : es wird Das Moseltal bald seine Donner hören. — Alarm erschallt im Lager der Franzosen, Die Pferde wiehern auf, zu jedem tritt Sein Reiter schnell und löst dän Fuss vom Pflock, Doch festigt er am Einn die lose Kette. Dann greift nach Zaum, nach Bügel Mann für Mann, Fest in den Sattel schwingt ein Jeder sich Und hunderte von Klingen blizen scharf, Indessen sich ein Lanzenwald erhebt Mit einemmale, stachlicht, unbewegt Und überflattert von den bunten Fänlein. Nach vorwärts aber, gegen Vionville, Zum Gruss der Deutschen eilet das Geschüz. Zwei Kugeln schickt ein jegliches in Hast Dem Körber zu; gelassen wartet der 67 Die dritte Kugel ab. Sie henlt heran, Schlägt ein, zerplazt — nnschädlich gleich den andern. Drauf sendet er den Gegengrnss hinüber, Wol überlegt — so wie ein Mensch, der denkt. Im Zwi^espräoh sich rümlich unterscheidet Vom seichten Schwäzer: also unterscheidet Im Kugelwechsel sich der Freund vom Feind. Der Erste trifft das Ziel mit jedem Schuss, Der And re macht nur Lärm — er tobt, er bellt, Doch beisst er nicht und bald verstummt er ganz. Jezt richtet auf das vollgedrängte Lager Der Sieger alle Mündungen zumal. Und überschüttet vom Granatenhagel Hält von den Reitern keiner Stand — es lösen Die Reihen brausend sich, die Scharen auf; Nach rückyrärts stürmend überfluten sie Den Fantassin der zu den Waffen eilt Um — vor den Kameraden sich zu schüzen. — Zur selben Zeit, in blanken Heressäulen, Steigt aus des Tales Orund die deutsche Macht. Stülpnagel rechts, der kriegerische Domherr, Und links von ihm der heisse Buddenbrock. Die „Acht und Vierziger'^ mit Lübben's Jäger Durch Busch und Wald gradaus, der linke Flügel Im weiten Bogen vor auf Vionville Und in der Mitte Reiter samt Geschüz. — — Im nahen Longeville träumte in der Nacht Vor dem Napoleonstage jüngst ein Kaiser Den lezten Traum von seiner Herrschergrösse. Klein war das Haus, das Bett war rauh und schmal In dem er lag — die Raben krächzten laut Als ob sie einen Toten witterten ! Schwer fielen ihm die Augenlieder zu, Wie Blei so schwer; da stand vor seinem Geist Derselbe Priester, der vor Kurzem noch Den Brand von Speyer warnend ihm gezeigt. Als er noch in den Tuilerien schlief. In tiefer Trauer jezt — wie damals hell In Weiss und Purpur '). „Friede ! Friede !'* schreit Der Cäsar auf und kalter Schweiss bedeckt Die Marmorstime. Doch der Bischof spricht: „Es ist zu spät — bestelle^ Herr, Dein Haus!'* 1) Diese Stelle bezieht sich auf den Inhalt des ersten Gksanges. 66 Da schallt darch das Gemach ein Donnerschlag, Der Boden wankt, die Fenster klirren all', Die Mauer klafft, die Türen springen auf Und in das Zimmer rauscht der Morgenwind. Der Kaiser färt entsezt aus Traum und Bett. . „Wo ist mein Son?'^ ruft er. In seine Arme Wirft zitternd sich das Kind, an seine Brust. Und seine Centgardes melden: „Sire, die Prenssen** Es kracht zum andermal ein Donnerstreich: Das Haus erdrönt, das Dach rollt prasselnd nieder, Die Fenster splittern, durch die offnen Türeft Saust schon ein Stück der berstenden Granate. „Zu Pferde*/^ stönt der Cäsar mit dem Röcheln Der Majestät. Sie stürzen aus ^ dem Hause, Der Vater und der Son^ und hintennach Die Centgardes, bebend im Gewand yöix Stahl. Da huscht auf dunklem Ross ein Schattenbild Im Sturm vorbei, der schwarze Mantel fliegt Gleich einer Wolke um den Rasenden. „Wer bist Du, und wohiu?^^ fragt ihn der Kaiser. Rasch wendet sich die schaurige Gestalt — Ein Totenschädel grinst den Frager an Und eine Stimme, schrill wie eine Glocke, Die den Verbrecher zu der Richtstatt ruft, Antwortet ihm: „ich bin die Nemesis!'^ Ein Grausen färt dem Kaiser durchs Gebein — Die Andern merkten nichts — ihm aber schlottern Die Füsse marklos in den Bügeln — kurz ^asst er den Zügel, dass sein Ross erbebt Und sich in wirbelnder Bewegung dreht. , Verschwunden ist die schreckliche Gestalt Im Nebel auf der Strasse nach Verdun — Und ob dem Cäsar das befangene Herz, Den Seinen Preussenfurcht den Willen lämt — Sie müssen nach der jammervollen Spur Die sie zum Abgrund fürt, zur Rechenschaft — Und bald ist nichts mer übrig von der Schar Als eine schnell verwehte Wolke Staubes! Sei Gravelotte im Bois de la Jure Hält Bazaine Umblick. Er hat alP die Feigen Die rückwärts sausen in verwirrter Flucht Nicht eines Blicks gewürdigt — auf die Helme Die fernher schimmern, hält er ihn gerichtet Und auf den Rauch, der um sie weit entsteigt. Denn lustig klingt im Wald das Jägerhom 69 Und fröhlich get es vor auf Vionviile Das, rings umfasst, nicht widerstehen kann Und mit Flavigny sich ergeben muss Dem künen Anfall jener Pickelhauben. — Weil er dem ,,Vorwärt8^^ niemals Halt gebot, Dem Siegerschritt von Spichern bis hierher, Rafft von der Spize jezt der Tot hinweg Den unerschrockenen Döring — und die Braven, Die nicht von seiner Seite weichen wollten — Im Tode nicht, wie sonst im Leben nicht — Schickt er ihm nach der Unerbittliche, In's frühe Grab als blutige Hekatombe. — Auch am Cistemenrand bei Flavigny Häuft unaufhörlich sich die Zal der Opfer. Jüngst sass die Nachtigall auf grünem Zweig An jenem Ort und sang die Liebeslieder Aus voller Brust — nun wogt dort wilder Streit Mann ^egen Mann, und heiser schallt der Kampfruf Ein Offizier, der wund zu Boden sank, Bemüht vergeblich mit der lezten Kraft Sich aufzuraffen, stets verhindert ihn Der Schmerz daran, die allgemeine Schwäche. Doch endlich hascht die Hand nach einem Strauch, Erfasst den schwankenden, und langsam hebt Das unbehelmte Haupt sich auf, die Brust, Der blutige Leib. Da stürzt ein Füsilier — Dem mitten in das Herz die Kugel schlug — Tot auf den Ringenden, wirft ihn zurück In seines Blutes grusenvolle Lache Und ruht auf ihm als starre Grabeslast. So liegend — halb erstickt und halb ersäuft Im eigenen Blut und in dem Blut des Andern Das schwarzen Stromes aus der Wunde fliesst Und keine Hand zum stillen hat — und braucht — So liegend denkt der tief Aufstönende Der Heimat noch und seiner fern^ Lieben. Ein Vaterunser betet er für sich Und für die Teuren. Er hat Eile nötig Die Trauerrede selbst sich abzuhalten, Denn um ihn schlagen die Granaten ein Und überschütten ihn wie Totengräber Mit Staub und Erde. Zündend streift ein Stück Der weit umher verwüstenden Geschosse Den Füsilier — aufbrennt sein Waffenrock Und glostend zieht des Brandes heisse Furche Zum Regungslosen unter dem Entseelten Der sich nicht rürt, nur in Gedanken fleht, 70 Und Alles sieht und fült — dem Starron gleich Der von des Kampfes Foltermacht gebannt, Dem Tot entgegenduldet unbeweglich. Doch in dem Schleim des zähen Blutes sprün Die Funken aus. Es sucht der Sterbende Mit einem Stral der Hoffnung in der Seele, Verzweiflungsvoll versucht er's — und umsonst — Emporzukommen — ach, jedweden Dienst Versagt der Nerv ihm, die erschlaffte Muskel — Und nieder sinkt er, machtlos und betäubt! — Es ist die Mittagsstunde: Glut und Dampf Hüllt Alles in ein schwefliges Gewand Was dort im Umkreis sich von Meilen regt: Die Menschen und die Tiere, Busch und Bäume. Das zweite Korps des Feindes weicht zurück Von Kugeln und Granaten durchgepflügt, In scheuer Flucht, seit man den Fürer ihm Von seiner Front hinweg verwundet trug; Denn gehen würde nimmer, der Bataille! Da schüttert Kosseshuf den Schoß der Erde — Mit eingelegter Lanze rauscht heran Der Lancier der Kaiserin, im Bunde Mit genem Bturm, den in der schwülen Luft Der sausende Schwung der Fänleins wild entfacht. Jedoch bevor sich mit dem Bajonnet Der deutschen InfantVie die Pike kreuzt, Bevor der Hufesschlag der schäumenden Rosse Die Ueberritt'nen, die Zersprengten trifft — Liegt von den Reitern auf dem Boden schon Die halbe Zal! Ein prasselndes Feuer wirrt Die mutigen Schwadronen durcheinander Dass sich die Ordnung nimmer finden lässt. Sie halten, keren um, und schneller noch Als sie gekommen auf Viktorias Flügeln, Enteilen sie. — Doch, ihnen sprengt entgegen Gebietend der Marschall; es rasselt nach Die nächste Batterie — und heiss als ob Der Sonnenball der Erde näher käme, Klirrt hinterdrein die schwere Reiterei. „Halt!" ruft er, „halt!" und „tournez" herrscht sein Blick. Im Fluge wendet sich der Lancier, Scham auf der Stirne — schleudert seine Lanze Nach manchem Plänkler, der zu hizig folgte Und unter all' den Pferden jäh verschwindet. Auch die Kolonnen^ denen er voran Quecksilberleicht geeilt, sie machen Halt. Sie stüzen an die Höhen sich, den Wald, 71 Und ziehen sich auf Vionville zurück, Verrammeln Haus und Garten, lassen sich Im Friedhof, bei den Toten, häuslich nieder. — Nur das Geschüz behauptet seinen Plaz. Wie eingewurzelt im zerwülten Boden Versendet fort und fort es, Bliz auf Bliz, Die Kugeln in das feindliche Gedränge. Doch näher, näher donnert die Lawine, Die breitanrollende von Mensch und Tier, Und unheilkündend in's betäubte Ohr Schnaubt weit voraus der Rosse Feuerodem. Da. von der Seite, rauschen wie die Adler Die dem versteckten Horste sich entschwingen — Im Aufflug prächtig, prächtiger im Streit — Die Totenkopfhusaren in den Feind. Sie reiten au in schwarzer Wetterwolke, Sie reiten an, sie brechen durch, sie hauen In Splitterschutt die vorgehaltenen Lanzen, Sie drängen zwischen die Geschüze sich Und stampfen die Bemannung in den Boden ! In Gruppen lösen die Schwadronen sich, In Pare lösen sich die Gruppen auf. Es, mengt und mischt die ungebundene Wut Des Einzelkampfes die zerstreuten Reiter. Der Staub, der Rauch verfinstert rings die Luft — Wer Freund, wer Feind? nichts ist zu unterscheiden! Der Marschall zieht den Degen: wie ein Reiter Das Leben sich, die Freiheit zu bewaren — Und „au secours du marechal'^ ertönt - Der bange Ruf verzagter Adjutanten. Horch! „au secours du marechal?" Der Schi*ei Verklang nicht ungehört: es drängen sich Die Kämpfer schnell im Wettstreit dort zusammen. Wie Bienen, die sich um die Königin Lautsummend schaaren^ hängen an einander Die Ringenden mit solcher Raserei Dass nur der Tote weicht dem Lebenden! Da wie das aufgegangene Gelock, Das blizende des Mars wenn er im Sturm Des Krieges auf der Donnerwolke färt, Drönt jezt heran die Panzerreiterei. Des leichten Säbels spottet der Pallasch, Mit Donnerkeilen schlägt er — und die Brust Des knochigen Brabanter Bosses wirft Zurück den Renner aus Podolien. Wie das Gerecht schwarz überperlter Ranken Des Bromberstrauches, der gefesselt hält 72 Den Fuss des Wanderers und herb verlezt Ihm Hand nnd Arm, der Ban zu brechen sucht - Doch von der Sense scharfem Schnitt durchfaren Zu Boden sinkt, dass weit die Lücke klafft Und ungehemmt der Wanderer durchschreitet — So brechen sich die Kürassiere Ban Durch das Gewül — der Marschall ist gerettet, Und frei mit ihm entrollet das Geschüz ! Wol brennt der Mittag heiss! Fast one Schatten Vom Brand gerötet ist die Ebene, Durchrauscht vom Kampf, der hier und dort erstirbt, In Flammen wieder ausbricht dort und hier. Stülpnagel ringt mit Levassor im Wald Bei Rezonville, scharf mit den Grenadieren Der Kaisergarde misst sich Buddenbrook ^— Und Keiner weicht und Jeder zert vom Andern! — Da meint der Alvensleben im Gebüsch , Das hinter Trouville sich zur Höhe zieht, Zur Römerstrasse wo die Legionen Oftmals die Adler trugen zur Moseila — Verräterisches Blizen warzunemen. Und für den linken Flügel schwer besorgt, Für Vionville, das hart errungene Und schwer behauptete, für alles Feld Im Bücken und umher, wo noch das Blut Von ungezälten Opfern dampft und raucht — Gibt er den „Vier und Zwanzigern** Befel: Im ersten Anlauf das Gebüsch zu säubern. Mit lautem Hurrah get es drauf und dran, Zum Wald hinein, hindurch, zum Bömerweg Der altersgrau verschwinden will im Staube. Da bricht ein Hagelwetter schmetternd los' Von jener Strasse; das zerstückt, zerhackt Die Bäume mit den Aesten samt den Wurzeln — Zerhackt, zerstückt die Helmo mit den Köpfen, So Brust als Fuss der ruhelosen Stürmer — Lässt keinen Plaz im ganzen Waldrevier Vom Donner unversert, vom Blute' trocken, Und wirft die „Vierundzwanziger" zurück, Vermindert um ein Dritteil ihrer Masse Und um die Hälfte ihrer tapfern Fürer — Zurück nach Trouville, wo sie atemlos Den Atem suchen, das zerfezte Banner. Nur Alvensleben ruft und rastet nicht. „Der Wald muss unser sein! Bei Königgrätz 73 Hing an dem S^wiepwald das Geschick der Schlacht Und heute flattert es an jenen Zweigen */^ So meditiert der Tapfere. Er ruft Brigade Lehmann vor: *Die „Acht und Siebenziger", Die ,,Ein und Neunziger*^ aus Oldenburg, Dem von der Meeresflut umbrandeten. Mit lautem Hurrah get es drauf und dran. Zum Wald hinein, hindurch; es weichen rings Die Schüzen Tixier's und sammeln sich In wirren Haufen, wo am Römerweg Mit ofTnem Rachen die Geschüze lauem. Draus bricht ein neues Hagelwetter los, Zerschlägt den Baum zum Busch, den Busch zum Kraut, Häuft Leichen, häuft Verwundete, verlezt Die Toten noch und tötet die Blessierten. Kein Schuz, kein Halt, kein Atem — nichts ist mer •Im Walde möglich ! — Da, was für ein Anblick, Ein nie geschauter! Rückwärts nicht: nach vornen. Nach vorwärts drängt der wilde Sturm sich weiter. Gerade vorwärts — zu den Feuerschlünden ! Nicht leben wollen die Verwegenen — Sie wollen sterben, aber kämpfend sterben, Und mit dem Leib, dem fallenden, verschliessen Die Mündungen der brüllenden Geschüze, Die sicher vor der Rache Donnerstreich Wie auf dem Exerzierplaz ruhig feuern. — Umsonst ! Umsonst ! Sie kommen nicht heran. Auf halbem Wege schlachtet sie der Tot! Zurück, zum Wald zurück! Vom Wald zum Doi*f Wo jsich das Regiment als Bataillon, Das Bataillon als Kompagnie formiert. Die Kompagnie als Sektion . . . Doch Manche Sind trozig im Gehölz zurückgeblieben. Am Saume diesseit — dass der Feind sich nicht Des Sieges rüme, auf die offenen Gräber Der Kameraden seinen Kukuk pflanze! — Die Ere war gerettet, nicht der Tag ! Verbraucht war auch die lezte der Reserven, Verbraucht von Mars la tour bis Rezonville Im weitem Ring die brave Infanterie, Zu Tod gehezt, mer blutige Wunden zälend Als brave Streiter, — kam von Norden her. Vom Wald ein Sturm, so warf er Alles hin. Wie senlich schaute drum nach Unterstüzung Der deutsche Feldherr aus. Wie lauschte er Auf jeden Luftzug, der von ferne wehte : Ob er den Freund, den Retter ihm vermelde ! 74 Er muste in der Nähe sein, es muste Der Donner an sein Or geschlagen hahen Der seit dem Morgenrot nnausgesezt Den weiten Plan erfüllt mit seinem Schrecken. Zeit ! Zeit — nun halte ein mit deinem Schritt Nur eine Stande — eine kleine Zal Von flüchtigen Sekunden halte still Und Alles ist erreicht . . . Nordwärts von Trouville Hart an der Strasse, wolgedeckt, versteckt Dem Blick des Feindes und der Kugel Flug Der drüher weg den Zug der Wolken streift, Hält Bredow mit den Reitern. Kürassiere In Weiss und Stahl; atletische Gestalten^ Den Nihelungen gleich — und nehen an Ulanen, blau und gelb; ein flatterndes Gewimmel lustiger Fänlein. Vor der Front, Dem allerlezten Manne sichtbar noch Der rückwärts von den hintern Eskadrons Besorgt den Hufbeschlag des Pferdes mustert. Der locker tönt und keinen Halt verspricht Wenn über Stock und Stein es gehen soll — Zeigt sich der General, und stumm gleich ihm Ist Alles um ihn her. Nur dann und wann Erschallt von rückwärts das Gestampf der Rosse, Ihr helles Wiehern, ungeduldig klingt Die lere Scheide manchmal an den Sporn. — Da kommt ein Adjutant. Er bringt Befel: Des Feindes Mitte stürmend zu durchbrechen, Wo dicht gedrängt er häufet Schar auf Schar Umspannt vom Eisenringe dos Geschüzes. Und wie das Meer, das ruhig vor dem Winde Im Sonnenlichte schlief, nun aufgeregt * Im Innersten von tosender Bewegung, Von ferne her aus tiefen Gründen rauscht, Den sanften Spiegel bricht in schäumende Wogen Die hoch empor und auf und nieder steigen — So wogt es plözlich durch die Eskadrons, Die Spizen aller Helme zucken a\if, Ein jedes Fänlein rauscht und fester schliesst Des Reiters Schenkel um den Leib des Tieres. Doch stumm ist Bredow. Heisser flammt sein Blick, Durch seine Züge färt ein Wetterleuchten, Sein Mund nur schweigt. Und stumm und still wie er Wird Alles um ihn her. Nur dann und wann Erschallt von rückwärts das Gestampf der Pferde, Ihr helles Wiehern. Ungeduldig klingt 75 Die lere Scheide^ heftig an den Sporn. — Es naht ein nener Maner: Voigts-Bhetz, Der Chef des Stabes. „Wie, Herr General, Sie zögern?" Bredow murrt -^^ es klang wie Stahl An Stahl gerieben zwischen seinen Zänen — „Ich soll den Wald durchbrechen, ist's nicht so ?" — „Den Wald und was von Fussvolk und Geschüz Noch zwischen ihm und auf der Strasse stet */^ Bestätiget der Oberst Voigts-Rhetz. Drauf nickt der General, dass er verstanden Den Auftrag hat, mit seinem Kopfe leicht — • Dann gibt er das Kommando fest und ruhig. In zwei der Treffen schwenket die Brigade, Die Kürassiere links, den Waldessaum Mit klirrendem Kürass streifend; rechts, zurück. Die sechzehnten Ulanen. An der Spize Der General. — Ein schmetterndes Signal : Und in Bewegung sezt die Masse sich — Alle gleich Einem! Wieder blasen hell Und fröhlich die Trompeten: weg im Trabe Get es aus jeder Deckung. Schon begrüsst Die Kugel sie des aufmerksamen Gegners. Wie singt es wunderlich in. allen Lüften ! Dann schlägt es ein, nachdonnernd — schwer zur Erde Stürzt Mann und Boss, doch die Trompeten schallen: Marsch! Marsch! Und Marsch! Marsch! jagen sie zum Tode! — Zwei Linien Voltigeure nach einander Zerstäubt der Stoss; der Helm des Kommandeurs Der Panzerreiter klinget in dem Hagel Der unsichtbar umsurrenden Geschosse Wie Glas an Steinen, über seinen Schädel Den kalen, weht des Todes Geisterhauch Dass es ihm heiss^ und kalt die Haut durchschauert. Doch hält er keinen Augenblick den Zügel, Den schlaffen an, er jagt durch eine Wolke Erstickender Glut nach frischen Lüften weiter — Und weiter in die nächste Batterie. Bald ist sie still gemacht und ausgelöscht. Zerhauen schlingen ihre Kanoniere Um's dampfende Geschüz den treuen Arm, Im Tode noch das heilige Gut zu waren I Ein General der hinter dem Geschüz Mit seinem Adjutanten dieses schaut. Wird hingerissen von Soldatenlust! Im allgemeinen Jammer, im Gewirr 76 Jauchzt laut er auf, der feindliche General, Dem Sieger zu, aus der Besiegten Mitte ! Er will nicht weichen, die Bewunderung Hält ihn mit ihrem Zauber fest, bis ihm Der Adjutant des Pferdes Zügel fasst Und langsam es, nach rückwärts, zögernd, wendet. Noch öfters blickt der General zurück Nach jenen Reitern und sein stolzer l^Iund Hat nur ein Lob für sie, nicht für die Seineu 1 Doch für die Deutschen ist kein Aufenthalt — Sie jagen weiter. — Eine Dornenhecke Von Bajonnetten starrt den Kürassieren Blizend entgegen. Sie zerbrechen diese Mit schwerem .Tritt und wuchtigem Hufesschlag Als ob es über herbstlich dürres Holz Und über Reisigbündel knisternd gieng: So knackt und knarrt der schlanke Knochenbau Der ProTen^alen mit dem Staub zerknetet! Inzwischen richtet eine Batterie Die noch vom Kampfe nicht verkület ist. Auf dieses neue Ziel die Donnerboten. Und wie die Hand am Maienabend schüttelt Vom Baume nieder leichtbeschwingte Käfer Dass ganz betäubt den Rasen sie bedecken Vom Sturz und von der schüttemden Bewegung — So stürzen Ross und Reiter auf den Plan Die vordem und die hintersten zugleich ! Doch wer im Sattel bleibt, der jagt davon, Den Feuerschlünden nach die sich zur Flucht, Von Furcht befallen, vor dem Anprall wenden. Und ehe noch den schreckenstoUen Pferden Die sprungweis zerren Ladung und Geschüz Dumpfpolternd über Stoppeln und Gestein* — Der Reiter in die Stränge fällt^ die Zügel — Gebietet ihm ein neues Hindernis Von Bajonnetten einen jähen Stilletand. Es fallt kein Schuss, das Pulver wird gespart Von diesen Schüzen, die sich Leib an Leib Entgegenstemmen als lebendige Burg. — Drum scharen sich die Reiter enger auch Um ihren Führer: mit dem lezten Stoss Den lezten Halt der Feinde zu zerbrechen. Und neben ihnen, glühend von der Hast Mit der sie ritten, um die Kürassiere Beim Sturme einzuholen, ordnen sich Mit frohem Ruf zum Wettkampf die Ulanen. Da wiederhalit von jauchzenden Trompeten 77 Das düstere Gehölz cur Seite. StiJl, Im Schatten lag es da, wie ausgestoi'bea Und eingewiegt in Ruh' ! Aus dem Versteck Das sie verhüllt mit seinen finstern Blättern — Wie Malcolms Her der Zweig von Birnams Wald — Bricht lärmend vor die welsche Reiterei, Und hängt sich gleich dem tollen Wirbeiwind Der mit sich reisst, was er im Wege findet, Den Deutschen an die unbeschüzte Flanke Und in den Rücken. Doch mit rascher Wenduqg Den Raum benüzend der noch Pferd von Pferd, Den Gegner scheidet von dem Gegner, zeigt Der Deutsche seine Brust statt seinem Rücken Der welschen List, und den gehobenen Arml Schwert klirrt an Schwert, dass helle Funken sprühen, Dazwischen zuckt der Lanze scharfer Stachel — Ross drängt an Ross des Körpers schwere Wucht Dass sich die Reit«r aus dem Sattel heben Den nächsten Feind wild an der Kele fassen Und ihn erdrosseln! Hin und her entwogt Das Handgemenge. Doch die Kürassiere Mit vorgehaltenem Pallasch, geschlossen Zur Phalanx wie einst Theben's heilige Schaar, Zermalmen jeden Widerstand, der «ich An ihre Schritte hängt, mit breiter Front. — Nicht anders schüttelt sich das feurige Ross Die Fliegen ab, die Moskitos vom Leibe, Mit sausendem Schweif sie treffend, dass sie all' Zu Boden taumeln, dumpf ihr Grablied summ^id — Als jene £iseumänner links und rechts Die Welschen aus einander drängen, weit Die Ban sich brechend durch die Weichenden, Die seitwärts* taumeln und ihr Loß verfluchen. — Von einem Schuss getroffen in die Brust Stürzt ein Sergeant des Carabiniers Des Feindes rasselnd nieder in den Staub. Da donnern sie heran die Magdeburger, Die märkischen Ulanen, über ihn Saust weg die wilde Jagd, die Hufe streifen Die Hiyne dicht und das Entsezen .lämt Den Schlag des Herzens ihm mit eisigem Frost. Er schliesst die Augen — wol für immerdar — Im rasenden Tumult, doch als er sie Verwundert öffnet in der Totenstille Die plözlich jenem Höllenaufschrei folgt — Fült er sich lebend, seiner Sinn Herr, Und siebt den Stral der Sonne licht erglänzen ! 78 Auf schlüpfrigen Boden stüzt er seinen Arm Und hebt sich halb empor . . . jer blickt umher Auf die Vernichtung in dem nächsten Kreise, In Haufen liegt die leichte Infanterie Dahin geworfen; mit den roten Hosen, Mit dunklen Röcken tulpengelb besezt, Ist bunt das Feld gesprenkelt ; alles Gras Stet festgeleimt in Lachen grellen Blutes! Da — Marsch! Marsch! wie der deutsche Reiter kam Im Sturm daher, die Ebene durchfliegend, Den Busch zertretend, über Gräben sezend, Weg über Hecken, mitten durch Geschüze, Vom Bliz der Bajonnette angezogen Nicht abgestossen, durch der Rosse Sohaaren, Die, wie es in den Steppen ofb geschieht,. Feindselig stürzen auf die fremden Brüder — So kert er auch, am Ziele angelangt, Marsch! Marsch! zurück. Zusammen, zitternd, knickt Erschla£Pten Armes der Sergeant. Sein Haar Starrt hoch empbr, heiss streicht ein pfeifender Wind Es kräuselnd und versengend, drüber hin Und ein Geruch von Stal und Schwefel zieht Durch seine Nerven scharf, als ob der Bliz Weit um ihn her sich in das Erdreich wüle! Erschrocken blickt er auf und sieht, gekrümmt Zum Wurme vor dem Allbeherrscher Tot — Wegsausend über ihn so Mann als Ross, Die Bügely Sporen, Schweife, Lanzenflaggen — Doch sind es keine Menschen, Tiere mer^ Nicht Schwerter, Lanzen, was in dem Gewoge Sich über ihn dahinwälzt, flirrt und schwirrt — Es sind Skelette, dunkle Geister sind's, Die mit entfleischten Armen Sensen schwingen Von Millionen Tropfen überflössen Glühroten Blutes! Doch ihm schadet keines Der hoch dahin entstücmenden Gespenster : Im Staube liegt er ja, im Blute schon, Und nur was aufrecht zwischen Erd^ und Himmel Verwegen trozt, er^st die wilde Jagd Und reisst es nieder, stückweis, auf den Grund! Fort wirbeln sie, die Reiter, durcheinander 'Der Kürassier und der Ulan — mitreissend Was unter sie vom Feinde sich gemengt. Fortwirbeln sie, zurück! die meisten hoch Auf stolzem Ross, wie sie* gekommen waren, Doch mancher auck darunter: atemlos. Mit Blut bedeckt, den Kopf gar tief gesenkt . \ j 79 Zum müden Gaul der üb^r Beinen Schatten Zu stolpern scheint. Jezt ruft der Kommandeur, Der Graf von Schmettow, dem Trompeter zu: Sammlung zu blasen. Er gehorcht — doch ihm Gehorcht nicht die Trompete. Wieder bläst Der Eifrige, er bläst mit vollen Backen, Er bläst für Zehn die stumm geworden sind — Da kommt ein Ton hervor so schrill, so hol Als ob er nicht den liebenden, als ob Er air den Toten rings umher zerstreut, Zur Stunde des Gerichtes rufen wollte. Denn eine Kugel war durch die Trompete Hindurch gesaust und machte sie zur Stimme Des heulenden Todes . . . Nordwärts von TrouviUe, Hart an der Strasse hält mit seinen Reitern Der tapfre Bredow. Vor der Front weit sichtbar Zeigt sich der General. Von seinem Stabe Bliefc^ ihm ein einziger Offizier. Er schweigt Und stumm gleich ihm ist Alles um ihn her! — Da klingt zur Seite fröhliche Musik, Ein Hurrah folgt dem andern, Bataillon Um Bataillon eilt zum Sukkurs heran — Und neu entbrennt bei Mars-la-tour der Kampf. — Doch wie in stiller Nacht, wenn Alles schläft, Der Angstruf „Feuer!" jäh die Träumer weckt — Dort steigt und hier die Flamme prasselnd auf Und droht der besten Habe mit Vernichtung — Bald gelledd schallt der Ruf, bald halb erstfckt Von Qualm und Furcht — so schallt der Ruf um „Wasser!" „Um Gottesvrillen, Wasser!'' durch das Feld. Denn unerträglich ist der Wanden Glut, Der heisee Durst des schmerzlich Fiebemden- Im Mittagssonnenbrande des August. Drum wer da Wein, wer in der Flasche Wasser Gemischt mit stärkenden Essenzen fürt. Wer aus dem Bach, wer aus der Pfüze schöpft Das reine Nass, den trüben flüssigen Schlamm, Der eilt herbei und spendet hilfbereit Verlechzenden den vi^begerten Trunk. So naht in Flavigny ein Retter auch Dem halb Erstickten, dem Besinnungslosen. Nur kaum bemerkbar schleicht der Atem noch Durch die zerdrückte Brust — es zerrt die Last Von ihr des Helfers rasche Hand hinweg 80 Und flösst den trock'nen Lippen külen Saft Vorsichtig ein. Befreit dunkt sich der Mann Von einem Felsen, den von seinem Grab Der Wundertater schnell hinwegg«x>llt ! So ganz erscheint er ihm zu seinen Hänpten Als eines Engels liebliche Gestalt Die Himmelssegen über ihn verbreitet. Er atmet, schaut — er schliesst die Augen wieder, Er öffnet leichter sie — der Labetrunk Rollt stärkend durch die Adern ihm, es facht Der Atem frisch die Lebensfünklein an. \ Die Hoffnung war verloren, keinen ßat Fand das erlahmende Bewusstsein, freilich Der Better wüste ihn, und auch die Tat Schafft er zugleich; ein zarter Jüngling zwar, Doch schon gereift zum Manne auf dem Feld Der blutigen Erfiarung und der Ere ! Als Erstgeborener war er der Mutter Wol über Alles teuer — doch der Vater Schickt ihn hinweg als ernst der Kampf entbrennt: Dem Vaterlande den Tribut zu zalen ! Und da er nicht soll Wunden schlagen dürfen, So soll er Wunden heilen — also will Der Vater es: der Dichter Freiligrath! — Von Pont ä Mousson bis nach Flavigny Sind sieben Stunden Weges. Diese Strecke Dnrcheilt Prinz Friedrich Karl in einer Stundet Nun ist er der lebendige Mittelpunkt Im weiten Todesreigen. — Aber seitwärts Versucht der Feind vor Bruville und Greyere Auf Mars la tour den Stoss — es ist die alte, Die immer neue Drohung : denn von dort Umfasst er mit gewaltigem Arm die Deutschen. Dort bluteten die „Vier und Zwanziger !*' Dort sanken Lehmann's heldenhafte Scharen ! Von Magdeburg die weissen Kürassiere -^ Sie lagen leuchtend dort im dunklen Feld Als ob ein frischer Schnee gefallen wäre! — Und noch verstärkt der G«|ptier seine Macht, Dent weit beherrschend die Umfassung aus. Und droht auf Mars la tour die volle Wucht Titanischen Bemühens hinzuwälzen. Das weckt im Busch vor Trouville wiederum Die alte Hezjagd. Unermüdlich prüfen 81 Was sichrer sei: Zündnadel oder Chassepot Die Schüzen gegenseitig. Wild and Jäger Zar selben Stande! Doch vom Walde her Nächst Yionyille, schallt heller Vivatraf Im Jabelstarme; handert Feuerschlünde Die zwischen Flavigny an#*dem Gehölz Das alte Metz im festen Grund erschüttern, Verkünden das Te Ducem, dass der Prinz . In ihrer Mitte sei und keine Not Es fürder habe, dass vom Tron er steige Der hier von Blut und Seh weiss befestigt ward. Schwarzkoppen auf dem linken Flügel hört Den Freudenruf, hört das Viktoriaschiessen, Und ihn ergreift die Grösse seiner Pflicht Die sich bewusst ist, an dem Plaz zu stehen Wo die Entscheidung mit den Würfeln spielt. Ihm droht des Feindes Uebermacht, ihn droht Der ausgehölte Boden zu verschlingen Der vom Granatschuss fort und fort zerwült, Nur .Trümmer birgt in allgemeinen Gräbern. Drum ruft er der Brigade Wedell zu — Fünf Meilen hatte sie zurückgelegt Und keine Rast bis dahin sich vergönnt — „Vorwärts Westphalen!" — und im Wiederhall Des Jubels, der vom rechten Flügel rauscht, Dem Feind entgegen schreitet die Brigade. Ob auch in lockern, athemlosen Reihen — Zu Schatten ausgedörrt von einer Sonne Die um die späte Abendstunde noch Im Sinken unterstüzt das Höllenfeuer Das auf sie niederdonnert vor Greyere Und von Bruville — ersteigen die Westphalen Den Höhenkamm. Da spaltet sich der Boden Im breiten Riss vor ihnen, eine Schlucht Wol fünfzig Fuss an Tiefe gänet auf Und birgt im Grunde Finsternis und Grauen. Sei's drum — ob schwankend — vorwärts get es doch Ob ganze Reihen längs dem Saume liegen, ^•Vom Sensenhieb des Todes hingestreckt, Der hier die meisten Offiziere pflückt — Wie sich der Schnitter mit dem braunen Korn Die Blumen pflückt, die blauen und die roten — So wie hinan, so get es jezt hinab Den steilen Hang durch Busch und Steingeröll — Und dann hinauf, auf Händen und auf Knieen, Die Gegenwand, die widerborstige, Der Herde gleich die sich durch das Gestrüpp Birlinger, Alemannia VI ß 82 Der Schrofen drängt; es tritt der senige Fuss VorBichtig aaf von Stein zu Stein, dann springt Er wagend über das Geröll hinweg Bis er am Bergesgrate Licht and Luft, Die Freiheit der Bewegung wieder findet — Nun aber rücken feindliche Colonnen Auf hundert fünfzig Schritte vor. Ihr Feuer Lässt keine Sammlung den Westplialen zu, Kein Atemholen! In die Tiefe wieder Treibt die Zerstreuten seine Wut zurück Die strauchelnd aus der holen Erde stiegen — Den langsam, jenen eilends; doch kopfüber Ihn, welchen der verhängnisvolle Schuss Bewusstlos schleudert in die Kluft hinab. Dem Oberst Brixner kostet nur das Wort, Der Ruf „zurück!'* das Leben — nicht die Wunde Die ihm am Haupte klafft — das Unglückswort Hat ihm das Heldenherz versprengt, wie Gift Den leuchtenden Kry stall zu Scherben reisst. Doch über sich lässt hoch die Fane wallen Der Oberst Cronach vor dem Tod gefeit, Der um ihn her die Kameraden mordet. Der Einzige zu Pferde noch, der Eine Der sichtbar ist im Staube, im Gewül Und zu sich ruft die Müden, die Verscheuchten. -— So ragt der Hirte über seine Herde Die von den Wölfen überfallen ward Und wild uraherrennt. Seine Schippe streckt Er schüzend über die Verfolgten aus Und neuen Mut gibt allen seine Stimme! — — Da reitet in der Zeit der höchsten Not Wo schwer der Feind von allen Seiten drängt Der Stabstrompeter von den Garde-Dragonern Vor deren Front; die blinkende Trompete Streift von den Schultern er hinweg und laut Als ob er Geister von dem Himmel riefe, Ertönt weithin sein schmetterndes Signal. Dann sezt er jählings die Trompete ab, Verstummt ,für immer — ein Granatensplitter Reisst ihn vom Schimmel nieder, es verhallt Die Stimme bang des Rufers in dem Streit! Doch mächtig rauscht es her von allen Seiten, Staub wirbelt auf, der harte Boden drönt. An den sich noch mit unbesiegtem Troz Gar mancher der Westphalen angeklammert. Hoch über sie hinweg fliegt der Dragoner, Ihr F'ürer weit voran — Hans Auerswald : 83 Als ob er die Walkyre freien wollte, Ein zweiter Siegfried! Einen. Augenblick Zwar beugte sich der ritterliche Leib Bedenklich vor, es war ein Augenblick Wo er, der Meister des entzügelten Bosses, Nicht fest genug im Sattel sich gefült ! Was kam ihn an ? Ein menschliches Geful Vor jenen dunklen Mündungen, die sich Aus dicht gedrängter Masse troziger Feinde Entgegenrieb ten ? hole Todesaugeu, Bei deren Anblick leicht dem Herzen graut, Dem bravsten Herzen ! — Einen Augenblick Hat er geschwankt, dann sizt er unbeweglich Und bolzengrade vor den Bajonnetten. Und mit ihm richtet sich das Boss empor Senkrechten Hauptes, dass der Adlerhelm Und seines Beiters zornige Augensterne Unheimlich durch die wallenden Manen blizen — Dann niederschlagend mit bewertem Huf Stampft es die erste Lücke in den Knäuel! Und nun als wär^ der stramme, senige Fuss In's Nest getreten dem Gezücht der Natter Dass air die spizen Zungen gross und klein Nach ihm, dem unvorsichtigen, erzischten — So zuckt ein Bündel klirrender Bajonnette Nach Beitor und nach Boss, den Siegespreis Im blutigen Wetteifer zu erkämpfen. Da hallt des Beiters flammender Pallasch Durchschneidend auf den nächsten braunen Kopf, Der auf nach ihm mit grimmen Blicken starrt. Dann kommt ein AndVer dran, der hinter Jenem Den Chassepot'auf dem Knie zum Schuss erhebt. Doch mit gespaltener Stirne niederstürzt Bevor er noch den lauernden Bliz entsendet. Hei, wie der Beiteroberst um sich haut! Wie sich die bunten Turbans sklavisch neigen. Die flüstern Stirnen und die gelben Wangen Der Afrikaner, Kopf an Kopf gereiht — Den Blumen gleich des träumerischen Mones Wenn sie der rauhe Wind des Abends knickt! Und jezo brausen die Dragoner an. Wie das ergrimmte Wetter seine Schlössen Herniederdonnert auf das blühende Feld Dass alle Blüte, jede Frucht verget Auf Jare hin, und trostlos, öde, kal Die Ebene, der Garten starrt, der Hain — Dem Friedhof gleich, der unter schwarzen Kreuzen 84 In Gräbern birgt die Wüste des Entsezens — So hallen deutsche Biebe auf die Feinde, So hageldicht und mit der gleichen Wucht! Nicht braucht der Reiter seinen Mann zu wälen, Geschloss'nen Auges findet er ihn schon — Und wie ein Kartenhaus zerbricht der Halt Des Feindes, lose flatternd auf den Grund. — DJann wird es ruhiger; der Lärm verstummt, Vertobt sich in die Ferne. Bings zerstreut, Zerhauen und zerstampft schlaft Afrikas Gebräunter Son den bleichen Schlaf des Todes! Hoch über Lebende und über Leichen, Um eines Kopfes Länge höher ragt Hans Auerswald. Sein müdes Pferd stet ruhig Und ringt nach Atem, furchtsam blickt es fast Auf Trümmer und auf Tote; jede Mündung Ruht kalt am Boden — von den Wenigen Die flüchtig sich :;um nahen Walde retten, Verhallen machtlos in der Luft die Schüsse — Und wieder wankt der Held! . . . Was kommt ihn an?.. Bebt er zurück vor diesen Toteslarven? Vor seinen eig'nen Toten? Sieht er sich Voran end in dasselbe Grab gelegt Das sie verschlingt bis zu dem jüngsten Tage? Er wankt, er schwankt! — Beim Anritt auf den Feind War ihm die erste Kugel durch den Leib Hindurchgedrungen, nur das Silberband Der Schärpe hielt den Quell des Blutes auf- * Und seine linke Hand, krampfhaft gepresst Dem Schmerz entgegen und dem fliehenden Leben. Nun ist das Werk getan, der Feind darnieder — Es löst sich ab die Faust von dem Pallasch, Die Linke sinkt von der verhalt'nen Wunde. Dem Prinzen Friederich von Hohenzollern, Der -seiner Väter würdig sich gezeigt, Dem Jüngling, frisch wie Rosen, der sich heute Volljärig machte in dem Männerstreit — Reicht Auerswald die heilige Standarte Die er nicht ferner hüten kann. Als dann Bringt er mit seiner Stimme lezter Kraft Ein Hoch auf deu geliebten König aus, Und unter seiner Reiter Gegenruf Trägt ihn das Pferd nach Ville Marie — zum Sterben! ■— Jezt, auf dem Wege, der nach Jarny färt Von Mars la Tour, da wird der Himmel grau Von aufgewehtem Staub, der Abend: Nacht Von dunklen Wolken! Dort hat L'Admirault • 85 Die Reiterei gehäuft zum lezteo Schlage. . }m Vordertreffeo Montign's Husaren: Die Dollmans fliegend und die Pferde tanzend. Als ob sie zur Parade lustig ritten Im Champ de Mars vor lüsterneu Cocotte^s Die heiss den Krieg auf Tot und — Liebe füren! Dann Gondrecourts Dragoner eichengrün, Den Helm umram't vom rauhen Tigerfell Und schwarz bebuscht; die Jäger Afrika's — Von mancher Jagd, die sich in Flucht verkert An diesem T&ge keuchend, Mann und Ross ! Und wie am Saum der Wetterwolken oft Ein blauer Streif des heitern Himmels glänzt: So zeigen sich in 4ii mm eiblauer Front Die Lanciers der Garde. Weiter rückwärts Hält C16rembault mit seinen Regimentern Hochstämmiger Ghasseure — kurz geschnallt Hat Jeder seine Bügel, wie verwachsen Sind Ross und Reiter, den Gentauren gkich. — So stet die Masse Wogen änlich da Die sich emporgelürmt zu schwankenden Mauern, Unruhig harrend auf das Zauberwort, Das ihre ungeheure Kraft entbindet Und überstürzend vorwärts treibt. Da sprüt Von jenen Hohen die bei Mars-la-Tour Noch hell im Abendsonnenlichte schimmern Ein seltsam Wetterleuchten auf — es naht Von dort die preuBsische Brigade Barby. Den ganzen Tag im Sattel zwischen Trouville Und Mars-la-Tour, wo die Kanonenkugeln Sie lustig köpften, one dass ein Arm Sich an dem fernen Gegner rächen konnte — Trabt sie nun vor: vorbei an Mars-la-Tour, Vorbei an Trümmerhaufen, Totenhügeln, An Schwärmen, die noch stets in Busch und Feld Auf eigene Faust das blutige Handwerk treiben ! Nach Ville sur Yron trabt sie vor, um das Der Feind die mächtigen Treffen aufgestaffelt — Das eine weit das andVe überragend, Um jedem Zufall klug die Stirn zu bieten Und jedem Unglück; Oldenburgs Dragoner Flott an der Spize, links davon Westphaien, Das Abendrot auf Flelm und Kürass; dann Des rossenärenden Hannover^s Söne Mit fliegenden Fänleins — herrliche Schwadronen In strammer Ordnung, sparsam mit dem Atem, 86 Dass sie mit lezier Erafb bei leztem Licht Noch an deji Feind gelangen — Horch, da braust Es ehern auf so wie aus liefen Schlünden Ein Meer, vom Sturm erschüttert und befreit, Weit über das Gestade sich ergiesst, Mit seiner Macht das niedere Land durchrollt Bis an der Brust der Felsen es sich staut Und forscht mit immer wuchtigem Donnerschlägen: Ob ans Granit sie ob aus' Eies gebaut ! Das ist der eherne Wogenschlag des Feindes Mit dem er seine reisigen Geschwader Aus massiger Gebundenheit entlässt, Um an der Brust der Deutschen zu erproben Ob mutiger das Herz als ihres schlage! — Und schnell — so schnell als sich ein Auge schliesst. Bedroht von der Gefar — dann wieder öffnet Um schärfer nach dem Gegner auszuspäh'n Und seine Absicht sorglich zu erkunden — So prallen alP die Reiter auf einander, Fünftausend Pferde! Leicht wid Spreu zerstäubt Jedwede Ordnung; auf den Nächsten wirft Der Nächste sich — der Eine siegt und richtet Sich stolz empor im männlichen Gefül ! Der Andere stürzt besiegt: ein Wölklein Staubes Das seinen Fall begleitet, zeigt: wie bald Der Brave nichts als dieses nur bedeute! Verwundet küsst die Erde Montigu Und seine lustigen Husaren Jaren In Schwärmen auseinander vor dem Mark Der fleischgenärten, schwarzen .Oldenburger ! Doch an d^r Spize troziger Dragoner, Um deren Helm gleich Fittigen der Raben Die pulverschwai'zen Büsche drohend flattern, Weicht Legrand nur dem Tode . . . seine Leiche Hält an der Brust im Schatten seines Banners Der unerschrockene Standartenträger ! Wild rollt und tollt es — wie ein Bienenschwarm, Den Honigräuber hungrig überfielen ' Nach süsser Speise lüstern — und nach Stachelp — Im Durcheinander auf und abwärts schweift Jezt vor, dann rückwärts. Schärfer get es wol Als einst bei Nachod her allwo der Wnuck Mit den Ulanen und mit den Dragonern Sich auf die Böhmen warf — er, weit voraus Den Raum durchmessend wie auf Sensuchtsflügeln — 87 Die Andern hinten nach so gut sie konnten ! Auf einmal sieht der alte Genera] Verlassen sich von all' den braven Seinen Und mitten im Gewül von Panzerreitern - Die nach der alten Pappenheimer Art Sind schwarz gewappnet, schwarz vom Bart umstarrt. Verwundert blickten diese auf den« Greis Der unter ihre Fäuste keck sich wagte — Dann hämmern sie mit ihren breiten Klingen Auf ihn herab, dass er sich schmerzlich krümmt Und zornig ausruft: ,, Haltet, schwere Not! Haut doch den alten Mann nicht so, ihr Jungens!''* Drob freuten sich die bärtigen Gesellen, Sie schlugen tüchtig zu, doch keiner braucht Die Schneide des Pallasches gegen Wnuck Der sie zu Paren treibt nach kurzem Kampf Als er sich wieder frei und an der Spize Der Seinen fült — dem Jüngsten gleich an Kraft. — Hier gilt es blutigen Ernst — nur ihn allein! Der gelbumerzte Panzerreiter sticht Mit langem Degen giftig und am tiefsten Von rückwärts nach dem Herzen seines Gegners! Doch mit dem Rufe: Ici France! La France ! Rauscht allbetäubend nach ein Wald von Lanzen: Die Lanciers in Himmelblau und Gold, Mit Augen feurig wie der Stern der Nacht Der rot erglüt am leuchtenden Firmamente. .Denn keines fült von allen Regimentern So schwellend von Erinnerung die Seele Wie dieses Regiment der Epigonen Des unvergessenen Fürsten Poniatowsky! — Im weiten Bogen aber saust heran Die Schwärm attake afrikanischer Jäger, Auf schäumendem Berberross, das in der Wüste Im Wettlauf jagt den flüchtigen Beduinen. In wilden Sprüngen tobt es ungezügelt, Gelenkt vom eig'nen Mute, überwallt Von seines Schweifes wehender Standarte Und von dem Mänenvliess des nubischen Löwen! — Und dichter flutet, wilder das Gedränge Dass für die Stürzenden der Boden feit, Die Zügel sich, die Bügel sich verwirren, Dass sie mit Fäusten, mit den Zänen kämpfen Statt mit den Waffen, denen es an Raum Für Hieb und Stoss gebricht; die Erde stönt Und scheint in unterirdischem Erbeben Den Hufen, die ihr feurige Wunden schlagen 88 Tief auf zu grollen aus zerschundenem Leib! Den Himmel aber, der sich drüber wölbt, Verschleiert trübe Staub und Dampf, im Tosen Im Drönen, Rasseln, Klirren der Umarmung Die mer und mer unlösbar sich umstrickt, Verhallet dumpf der Donner der Geschüze! Dann weicht üer Feind zurück. Die hintern Reihen Erschliessen langsam sich, drauf schnell und schneller, So wie sie Raum gewinnen. Staub und Qualm Verdünnen sich zu Streifen und zu Flocken, Die über die Gefilde dampfend ziehn, Zerflattemd in dem Wehn des Abendwindes, Nach rückwärts gegen Brouville, nach dem Wald, Dem finsteren Versteck der Flüchtigen . . . Bedächtig wendet schon den zagen Blick Der Eine, und der Andere das Etoss. Bald folgen Merere, dann Viele nach, Die Flucht wird allgemein und Clerembault Der sorgsam achtet jeglicher Bewegung Sieht zum Verfolgen nicht, wie er gehofft In Siegeszuversicht, siebt zur Errettung Der Fliehenden den Augenblick gekommen. Drum gibt den grünen Sphären der Chasseure Die jauchzende Trompete das Signal Zum lezten Angriff auf die deutschen Streiter. Die Masse drängt sich vor — da rufen auch Zum Sammeln die Trompeten von de France Zum Halten und zum Wenden auf der Flucht — Und dies Signal macht den Chasseur bestürzt. Wem gilt es wol? Den Flüchtigen allein? Und nicht auch ihm, dem schon den Weiterritt Die rückwärtsflutende Bewegung hemmt? Unschlüssig macht er Halt. Im Augenblick Ist er nmbraust von alP den Fliehenden, • Bedrängt, betäubt — und wie aus zähem Schliimm Der ihn umklammert mit Polypen^armen Um in die Tiefe nieder ihn zu ziehen. Versucht das scheue Boss er zu befreien, Die Bügel und die Zügel! Clerembault Wirft sich auf blutig angesporntem Pferd Jezt mitten in .den Aufrur, seine Stimme Stellt, weitgebietend, schnell die Ordnung her Und scheucht die Furcht und Feigheit aus dem Wege! Geschlossen fürt er die Chasseure vor, Verbunden Arm an Arm, wo Licht und Raum Dem neuen Angriff neue Wechsel bieten. 89 'Da wogt ein Schwärm Zersprengter noch heran In wilder Hast, geschüttelt von Entsezen. An ihrer Spize jagt ein Reitersmann Gar seltsam anzuschauen, üher ihm Gleich einer Wetterwolke schwarz und schwer Wallt auf der Mantel und sein Angesicht Verbirgt sich in der Mäne seines Pferdes. Mit magischer Gewalt zieht er die Feigen Den Spuren nach die er im Staube lässt, Tiefausgehölt und feurig. Die Chasseure Entweichen dichtgedrängt nach beiden Seiten Dem Tollen freien Durchpass zu gewären,. Und ihre Blicke scheu nach ihm gewandt, Verkündigen die Zagheit ihrer Seelen! Selbst Gl^rembault fült, was er nie gefült : Den Zweifel an dem eigenen Mut! Er rast Mit dieser Qual der Spukgestalt entgegen. „Wer bist du, sprich!" ruft er dem Reiter zu — „Wer bist du, Feigling, ich erschiesse dich „Wenn du nicht Antwort gibst auf meine Frage! Da grinst ein Totenschädel bleich ihn an, Und durch das beinerne Gehäuse schrillt: „Ich bin die Nemesis !" Dann weht es fort Dem Schatten gleich, der nur ersichtlich ist Weil er das Licht, das leuchtende, yerdnnkelt. Ihm nach und in die Lücken stürzt der Rest Der Flüchtigen, die fast Besinnungslosen, Die ihn nicht seh^n, doch in dem Nacken fülen Den Lanzenfiiug Jiannoverischer Ulanen Und in den Oren tragen ihren Ruf! Die Reihen der Ghasseure öffnen sich Im Strudel auf und toll mit fortgerissen In wilder Hezjagd über Berg und Tal Verschwinden sie, zerstreut samt den Reserven . . Doch auf dem Blachfeld hält die Reitermasse Der Deutschen neu geordnet. Jeden Stoss Auf Mars-la-Tour ist sie bereit zu brechen, Und in den Grund zu reiten jeden Mann Bevor nach Westen flüchtig er entschlüpfe ! — - Der Streit vertönt! Im Bois des Ognons Wo Ludwig sich, der Prinz von Hessen, schlug Noch in der Nacht am rechten Flügel drüben — Den Mond als Bundgenossen und als Zeuge Von seiner Tapferkeit den Kranz im Har Den ihm die feindlichen Granaten pflücken Von Eichen und von Buchen — in dem Wald, Den sich mit ihm vom elften Regiment (( 90 Die Grenadiere heldenkuo erstritten — . Wird Ruhe nach und nach. — Wehklagend rufen Die Hörner der Franzosen nach Vei;mis8ten. Hasaren aber streifen durch das Feld — Von Schleswig-Holstein sind sie, Vater Zieten Dem allvererten, würdig nachbenannt — Sie traben frisch umher uad wo ein Bliz Aus einzelnem Geschüz noch feurig loht, Da reit«n sie drauf los, getreue Wächter Dass nichts den Frieden störe dieser Nacht ! Ja selbst die Schatten, die geheimnissvoll Zur Seite schwanken als oh i^hon die Toten Mit dem Obol der £re in dem Mund Zum Acheron die stillen Wege suchten^ Verscheuchen si^ und ruhen nimmermer Bis sie die Runde ganz vollendet haben. — — EJGünthert Volkstümliches, Sagen, Aberglauben u. s. w. I 1 Kaisers tj^asse. Lebt in der Volkssage als die Strasse, welche früher von Schorndorf bis Waiblingen fürte und auf der die Hohenstaufer gegangen und gefaren sind um vom Staufen hin und her zukommen; unterwegs sollen sie in der Kapelle zu Schlichten die Messe gehört haben. 0. A. B. 74. ' So hiess auch die nach Mainz fürende Kaiserstrasse; auch anderwärts als Name von Landstrassen z. B. im säohs. Erzgebirge, Oesterreioh. Kais er weg bei Leipzig in der Haard, einem Walde bei Zwenkau, llildebrand DW V 46. 47. Auch Wasser hatten den Namen z. B. Kaiserw asser a, a. 0. 46. In W^ildbad (Wirtem- berg) ward das auf dem Bronnen stehende Bild Kaiser Ferdinands herabgeoommen und in ein ßretterhäuschen auf dem Kirchhofe (Ecke) untergebracht, was Kaiserhäuslein hiess. Im Benedik- tinerkloster in Donauwerd war ein Kaiserzimmer, ein kleiner Speisesal für Gäste ausser dem gesperrten Teile der Klosterge- bäude., F. X. Bionners Leben I 294. Bei Allmandsweier (Breis- gau) ist ein Kaisers wald, durch den der Bach Undis fliesst. 2 Die Huttenseiche. Der Mord am 8. Mai 1515 an dem fränkischen Ritter Hans von Hütten durch Herzog Ulrich hat zu der Sage der Huttenseiche den StoflF abgegeben; an der der Herzog den Stallmeister eigenhändig aufhängte. Der Ort ist geschichtlich sicher: der Wald zwischen dem Dorfe Holzgerlingen und Böblingen. Die Sage aber kennt merere Stellen, wo die Eiche berüchtigtes Andenkens gestanden haben soll: so auf Vai- -hinger, auf Sindelfinger, auf Ehninger Markung und im Walde 91 BaumgarteD Wand, zwischen Böblingen and Uolzgerlingen auf Böblinger Markung. Ob. A. B. 87. — Auch das Marterthal bei Böblingen soll seinen Namen von der grausigen Bauemniederlage durch den Bauernjörg und seine Reiter gen. Bauerntod erhalten haben: „Auf der Todtwar'* drei Viertelstunden westlich von Sindel- fingen fand man römische Altertümer. 3 Pesthänser zu Weil im Schönbuch. Als im 16. Jhd. in Tübingen die Pest so ser wütete, flüchtete ein Teil des Hofgerichts und die Universität nach dem gesunden waldumdof- teten Weil. Man zeigt noch gewisse Häuser der unter dem Na- men Pesthäuser, wo Sizungen gehalten und die Vorlesungen fortgesezt wurden. Ob. A. Beschrbg. / Böblingen 230. 4 Rochus Merz von Staf felfelden *). Wallers Chro- nik von Schramberg, Wolfach 1872. S. 6: Als Käufer und nun- meriger Besizer von Seh. erscheint im Jahr 1547 der wol- und übelberüchtigte Edle Rochus Merz von Staffeltelden, zulezt Haupt- mann des Rittercantons Neckar - Schwarzwald. Den 9. Mai 1 548 Rochus M. von Kaiser Karl bestätigt. „R. Merz ist der Gründer der wolthätigen gemeinschaftlichen Stiftung Schramberg." „Im Jahre 1^570 erfolgte der Tod des R. Merz auf tragische Weise, indem derselbe von der geöffneten Erde verschlungen worden sein soll. Wahrscheinlicher ist es, dass derselbe, da er seine Unter- tanen gar zu tyrannisch beherrschte von letzteren erschlagen wurde. An der Stelle, wo diess Ereigniss geschehen, steht heut- zutage noch ein steinerner Bildstock (in den 4 Häusern am Schloss- berg) mit dem Wappen des Rochus Merz: 3 Sog. Wolfsfallen; das Gemälde hierüber in dem vertieften Räume ist längst vom Zahn der Zeit verwischt." S. 7. 23. Seine tiefbetrübte Wittwe — Anna Pabstin von Rattersdorf — stiftete zum Heile seiner armen Seele mer denn 100 Messen und verausgabte sonst viel zu milden und frommen Zwecken S. 7. Die* Rechte des Rochus Merz „allein Herr" S. 27 fl". Er hatte im Scbrambergertal eine Mahal- statt 37. Die Strafen für leichtere Fälle unter andern: Pran- ger, Ausstellen in der Kirche mit brennender Kerze, Ruten hauen. — Bei jeder Besiglung in der Herrschaft dem Herrn eine schwarze Henne oder 2 Blappert. S. 39. Vrgl. Ob. • A. Beschreibg. v. Oberndorf 1868 S. 2912). 1) Zu „Aus Schwaben«' I 16 ff. 2) Nach dem 1 Heft der Ritterbargen Wirtembergs von Koch. 1828. kl. 8. S. 73 — 81 und der von ihm breiterzälten Volkssage, starb der durch seine Biutigeleien verhasste Roch. Merz eine^ natürlichen Todes, von einer Jagd in den Falken steiner Waldungen am späten Abend bei einem heranziehenden Hochgewitter heimk'erend , 1570 beim Hin- aufreuten auf seine Burg^ in der Hälfte der Steige. Die Sage, die Erde habe sich geöffnet und den kleinen Tyrann samt seinem Pferde leben- 92 . \ • 5 Verena- Beatlinsloch. In meinem Bache „Aas Schwa- ben" I S. 465 ff. ist Verena-ßuebelinslooh mit dem St. Ve- renacult zusammengebracht. Ich finde aber mermalen V. Beut- linsloch geschrieben und füre aas des Pfarrers Hochstetter „Die Teck und ihre Umgebung^^^ Eirchheim 1864 S. 52 an : „An dem südlichen Ende des Halbkreises ist das Verena-Beutlins- loch, eine Höhle, welche nach oben eine Oeffnung hat, etwa 3 — 4 Fttss im Durchmesser. Ein schiefer Gang führt zu einem keller- artigen Gewölbe. In diesem hielt sich nach der Sage ein ehe- brecherisches Weib, Verena Beutlin lange Zeit auf, bis man durch die Streifereien ihrer Kinder der Sache auf die Spur kam." Vrgl. auch Chronik und Beschreibung der Stadt Nürtingen v. Chr. Dinkel. Nürt. 1847. (Fratfch) S. 141 1). 6 Die St. Eunigundenkapelle. Zwischen Röttingen und Ault (Hertfeld) auf einer freien Hügelkuppe über dem Gal- lachtal, mit freundlicher Aussicht nach allen Weltgegenden ligt die St. Eunigundenkapelle ; heute Pfarrkirche von Buch. Die Sage get: „Kaiserin Kunigunde, von ihrem Gemahle Heinrich II der Untreue bezüchtigt; sei in diese Gegend geflohen und habe Gott in so anhaltendem Gebete angerufen, ihre Unschuld an den Tag zu bringen, dass heute noch ein der Kirche naher Felsen äie tie- fen Eindrücke ihrer Enie zeigt. Nach Erhörung ihres Ge- betes habe Kunigunde 3 Schleier fliegen lassen — und je wo die- selben zur Erde gefallen eine Kirche gebaut; also an der GoUach bei Franckenberg und in Bamberg. Die Bauleute versuchten beim Weiler Buch zu bauen gegen der Kaiserin Bestimmung ; aber sieh! in jeder Nacht wurden die Steine von unsichtbaren Händen an den dig verschlungen, scheint die Tatsache zum Grunde zu liegen, dass er entweder von Wetter erschlagen oder von seinen eigenen Leuten er- mordet wurde. Die Stelle, wo dies geschehen, bezeichne noch jezt ein Denkstein, auf dem man aber nur noch Merz Wappen erkenne, In- schrift und Gemälde hingegen verwittert seye. Einige Tage nach sei- nem Verschwinden habe man seine Handschuhe und Stiefel samt sei- nem Degen weit von der Stelle seines Todes in einem fast unzugäng- lichen Gebüsche gefunden. Seine Wittwe spendete für seine .Seele Ga- ben an die Kirche und Armen und sowol der Pfarrer zu Schramberg Gedeon Wager als die anderen Geistlichen der Herrschaft lasen viele Seeleumessen auf der Stelle seines tragischen Todes. Die erste Gemahlin des Rochus Merz hiess Norburgis geb. Myn- singer von Freundeck, starb den 18. April 1542. Juni desselben Ja^s reiste er zum kaiserl. Rat Josef v. Freundeck nach Wien. Er stammte aus einer schon 1592 aussterbenden Familie von .Augsburg. Staffel- felden ein warscheinlich „zergangener'* Ort in der Ortenau. 1) Das benachbarte Sibyllenloch ist von den Reisebeschrei- bern und E. Meier S. 22 oft genannt Die Wagenspuren (?) machen sich durch üppiges Aufwachsen und frühes Reifen kenntlich. Also darnach £. Meiers Sage zu verbessern. Ebenda S. 52. 93 rechten Platz gebracht und sogar die Bauleute selbelr/' Bauer, in der Ztsch. f. wirtemb. Franken III 3 (1855) S. 68 ff. ») 7 Eine Templersage. Ob ihres Reichtums und ihrer oft unbändigen Leidenschaften sind die Templer vielfach uralten, schauerlichen Sagen verfallen. Im Riess haben sie in Hohenalt- heim und in Doiningen Häuser gehabt. In Deiningen sei es der jezige Pfarrhof gewesen, genannt auch Pyramidenturm, einem alten Schlösschen änlich, weithin sichtbar. Von dem Hauptgebäude ans fürt eine alte hohe Mauer um den ganzen Hof herum und auf dieser Mauer ist ein gallerieartiger Gang teilweise noch erhalten. In ihr selbst erhebt sich der sog. Pyramidenturm, ein kleiner ganz aus gebranntem Stein bestehender , spizig zugewölbter Turm. Hier sollen einst^ vier Templer nach durchschwelgter Nacht, um ihrer Schäze Willen, von ihren Dienern ermordet worden sein. Bei Verfolgung hätten die Herren von der Fremde her Ihres ge- flüchtet ; es sollen vier oder fünf Millionen gewesen sein. Die Strafe kam bald. Die Mörder " konnten den Schaz nicht finden. Er ruht noch heute tief verborgen im Dunkel unbekannter Nacht. Der Bösewicht muss mitternächtlich geisten, den Schaz suchen um ihn nie zu finden. Guth: „das Ries wie es war und wie es ist." Nördl. 3 Heft S. 31 ff. Dr. Rehlen (S. 33) machte ein Gedicht bekannt: Der suchende Geist. Es schliesst: Die Kammer gebrochen, zerbrochen der Schrein, noch suchet der Diener beim Mondenschein. Vrgl. Aus Schwaben I 261 (der Maltheser Geist). 8 Unterirdische' Gänge. In Gnadental hat sich die Sage erhalten, dass ein unterirdischer Gang von da zu dem zwei Stunden Wegs weit entfernten Mönchskloster Goldbach gefürt habe und noch jezt iinden sich Ueberbleibsel dieses verborgenen Ganges. C. F. Dietzsch, kurze bist. Nachrichten von der Einführung der Reformation in den Hohenlohischen Landen. Oehringen 1817. kl. 8<>. S. 18. Anmerkung. Von der Burg Neuwaldsee geht ein unterirdischer Gang zur Kapelle nach Volkhardshaus. Vom ehraaligen Kaplanei- jezi- gem Pfarrhause in Winterstettenstadt ging ein solcher bis zur Kirche in ünteressendorf; von den Mauerresten der Propsthalde (Waldsee) einer bis zur hohen Tannen, auf einem kleinen Hügel "c. 600 Schritte. Waldsee und seine Vorzeit v. Eggmann S. 409. 131. Vrgl. Aus Schwaben I 290. 9 Warzeichen im Kloster Gnadental. Ein ser aus- getretener Stein auf dem* Fussboden zeigt ein ebenfalls ausge- tretenes Wappen, das einen Hafen vorstellt. Der Wirt soll hier begraben sein,^ der den Klosterbau mit manchem kostenfreien , — t 1) Vrgl. den Elisabethenstein in Reute: „ Aus Schwaben^' I 60. 472. 94 Trünke apteratüzt hat. — Unter einem andern grossen Grabsteine aber, der nur theilweise noch vorhanden ist , sollen gar ein Par Ochsen begraben sein, welche freiwillig bei dem Kirchenban sich ein- fanden -r- und one Fürer unermüdlich zwischen .dem Steinbruch und Bauplaze hin und her ihren Wagen schleppten, bis das Got- teshaus vollendet war. (In Warheit ist es der Grabstein Konrads von Krütheim und seines Sones Krafft, jezt in einer Nische.) Zeitsch. des bist. V. f. wirtemb. Franken 1847 1. Heft. S. 41 ff. 10 Heer in der Luft. In Heggbach giengl715 die Sage im Munde alter Nonnen und Bauern, dass den Baltingern, als sie gegen das Kloster zogen, eiu ganz weiss vod grosses höre in lüff- ten erschinen, darunder yberaussen schöner ritter gewesen, so vermutlich der hl. ritter Georgius muesse gewesen sein (Hegg- bachs Patron), ab welchem gesiebt die bauren dermassen er- schroken, dass sye vnnerrichter Sachen wider zurück gewichen sind. (Cod. 1 Heggb. Chr. von 1715 in Kl. Buxheim.) 11 Windtbraut. Als man das Korn zum Lorenzitag 1531 zu Göttingen bei Albeck abschnitt, „kam aiu gross wetter mit grosser vngestimikeyt, das die Schnitter Sachen in dem gwilck, alss ob eyn grosser man oder track sich herablyess in den acker, der was trey fiertel gross. Wass für samleten darauf lagen mitsampt etlichen gebunden garben, dz ward alles inaynem grossen wünt vnd fewr' auf erhept vnd hinweggefuert , dz nichtz mer nie ge- Sechen wart.*' Thomann, Weissenhorner 'Chronik. Dr. Baumann. 12 Der Heiligenbrunnen in Nürtingen. Eine Ka- pelle, von welcher man noch die Grundmauern erkennen will, soll in der untern Vorstadt von Nürtingen über dem sog. Heiligen- oder Weihbrunnen gestanden haben. Wallfarer besuchten ihn vor Alters fleissig, er ward für heilkräftig g^alten. Ob. A. B. 113. Ein Friedlinbronnen (Aich) erscheint auch noch als Flur- name (141). '13 Das Heiligenbrünnlein zu Muhringen auf den Fildern. Etwa V4 Stunde von südwestlich von Möhringen ist einst das zweite Ortsbadhaus gestanden, nahe dem Plaze, auf dem die Lieb-Frauen Capelle stand bei einer alten Linde. Daselbst ist ein von Steinen eingefasster Bronnen mit klarem Wasser, das kei- nen Geruch, aber einen zimlich faden Geschmack hat und daher auch zum Trinken weniger als zum Baden taugt. Diess ist das sog. Hellbrünnlein (wirtemb. Jahrbücher 1829 S..170). Es soll das Wasser besondere Heilkräfte in sich gehabt haben gegen die sog. englische Krankheit, Kräze u. s. w. Bei Kindern halfen die Bäder gegen dicke Bäuche und den 'sog. Zustand des Glieder- zanens. Pfaffs Möhringen S. 47 ff. Auch die genannte Kapelle (im Steinenbach) ward ob der Wunderheilungen weit berümt. 14 Hungerbrunnen; Im Oberamt Laupheim nich't sel- ten: die bekanntesten sind in Laupheim, bei Roth und bei 95 Steinberg. Nürtingen \fatie früher in Aich, Neuenhaus und Gross -Bettungen solche. Der zu Neuenhaus in einer Scheune am Südende des Orts floss seit 1816. 1817 nicht mer. Oberdorf, Alpirsbach, Winzeln, Sulgen haben ihre Hungerbrun- nen. Backnanger Markung : Gotten weiter, Gross-Erlach, Murr- hardt, Ober-Brüden, Rietenau, Spiegelberg, Steinbach, Strümpfel- bach u. 3. w. Leonberg: Hemmingen, Heimsheim, Höfingen, Malmsheim, Merklingen, Weil der Stadt, Wimsheim. Ludwigs- burg: Benningen, Kornwestheim, Poppen weiler, Schwieberdingen, Thann und Znffenhausen sind Ausnameu, sonst in jedem Orte des Oberamts ein Hungerbrunncb. Gmünd: die Quelle am Fusse des Klausenbergs bei Heubach. Horb: Altheim, Baisingen, Bieringen, Bierlingen, Eutingen, Felldorf, Hochdorf, Wiesenstetten u. s. w. Im Leutkircher Oberamt sind die H. nicht selten. Ob. A. B. 16. Herrenberg: Herrenberg selbst, Afifstätt, Aitingen, Bondorf, Breitenholz, Entringen, Gültstein, Hildrizhausen, Mötzingen, Nu- fringen, Pfaf&ngen, Poltringen, Tbailfingeu, Unterjesingen u. s. w. Da fast jedes Oberamt solche Brunnen hat, ist das Verzeich- nis derselben in den Ober- Amtsbeschreibungen zu finden. „Auf dem Schwenninger Zehenden etwa bey 2000 Schritte von des Neckars Ursprung, abwärts, zwischen den beiden Wal- dungen Schlayenbuch und Dickenbüb] gegen Vockenhausen ist auf dem Ackerfeld, das Natzenthal genannt, der in dieser Gegend unter diesem Namen bekannte Hunger brun'n, Unglücksbrunn. Die geiäeine Meinung dieser Gegend ist, dass diese Quelle zwar um ihrer Fettigkeit willen den Ort fruchtbar mache, wenn sie aber fliesse, welches öfters 10, 20 Jahre anstehen kann, so bedeute es überhaupt Unglück. — Ergiesst sich in den Mossbach und kommt mit ihm in den Neckar." Rösler, Beiträge z. Naturgesch. Würtemb. 1788 1. Heft 38. 15 Der leibhaftige Teufel. Nach dem Wegzuge der verfolgten probest. Bürgerhaus Rotweil a. 1545 hiess es: da lust- wandelte nach evangelischer S^e zum Schrecken der Bürger der Teufel durch die verödeten Strassen. Crusius 11, 656. Keim 111. Die handschriftl. Kloster Deggingische (Riess) Kronik v. Fra- ter B. Zimmermann 1761 erzält wie Kaiser Maximihanus laut Be- richten bewärter Skribenten damals auf der Achsel des Luthers (1519 Augsburg), welcher noch im Mönchshabit erschien, den leidigen Teufel sitzen gesehen habe. Das Riess wie es war und wie ist 7. Heft S. 30*). 16 Schazsucher aus Grossbottwar. A. 1787 wan- dern einige hiesige Bürger und auch solche von Winzer hausen zum Jung fernloch, einer Hole in Tyrol auf ein abenteuerliches . Ge- 1') Vergl. Volkst. I S. 337 No. 264: der Teufel mit der Pauke in Schiltach vor und bei dem grossen Brande. Aus Schwaben I 120 ff. 96 rieht von einem daselbst verborgenen Schaze hin. Sie erreichen aber das Jungfernloch nicht, vielmer werden sie teilweise im Salzbnrgischen arretiert und nachdem der Beamte auf öffent- licher Strasse jedem der Arretierten 6 Prügel habe auf den Weg geben lassen, wieder heimgeschickt. Kühler S. 83. Auch in der St. Magdalenenkirche zu Beilstein, besonders unter dem Altaro machten sich Schazgräber zu schaffen. Ebenso in Wildbad. Alem. II 290. Hochs kl. Chronik von Beilstein 1823 S. 21. 17 Das weinende Mädchen am Buchweier. Zwi- schen Moosburg und Betzenweiler, Dirmentipgen und dem Seelen- hofe stet noch ein prächtiger Wald, ist vielfach mit Tannen, vor Altem meist mit Buchen besezt, der lezte Rest des alten schönen Dirmentinger Forsts. Woher er den Namen „Seelen-Wald" (silva animarum schrieben die Alten) hat, konnte ich bis jezt nicht er- forschen. Er war der berümte Stand des Hochwildes und könnte dieser Wald sprechen, warlich! der wüsste vieles zu erzälen. Er gehörte einst teilweise den Herrschaften Dirmentingen und Buch an , jezt Taxis. Auf seiner östlichen Seite, etwa zwischen Moos- burg und Betzenweiler, lag ehedem ein schöner Weier, Buch- weier genannt. In ihm hatte vor Alters ein unglükliches Mäd- chen ihr Kind ertränkt und aus Scham und Angst vor dem Ver- brennungstode lief sie anfangs verzweifelnd und mit fliegenden Haren am Weier auf und ab, dann stürzte sie an tiefster Stelle sich selbst hinein. Nach einigen Tagen zog man sie an den flie- genden Haren heraus. Der Boden am Ufer war auf eine Strecke hin von ihren Fusstritten tief zertreten. Seit jener Zeit hört man an 2 Nächten des Jares ein Aechzen, Seufzen, Jammern und Wehklagen. Es ist die Nacht, wo sie im Leichtsinn ihre Unschuld verloren und die Nacht, wo sie ihr unschuldiges Kind ertränkt und ihren eigenen Tod in der Tiefe der Gewässer gesucht. Man habe sie bald weinen, ])ald beten, bald ihren Verfür er verwünschen und an- klagen gehört ; manchmal aber höre man nur ein dumpfes unver- ständliches Wehklagen. Nur einmal sei sie unschuldigen Mädchen erschienen in schwarzer Tracht, rot geweinten Augen, ganz ein- gefallenem Gesichte und habe mit ernster Miene sie vorVerfürung gewarnt, ihnen auch geoifenbart, dass eine Zeit komme, wo dieser Weier durch ihr Leid werde trocken werden ; als dann aber müsse sie wiederum so viele Tränen weinen und vergiessen, bis der Weier wieder von ihrem Augenwasser voll werde. Aber auch da müsse sie noch warten und irren, bis ein anderes unglückliches verfürtes Mädchen sich und ihr unschuldiges Kind in diesem Tränenwasser ertränke und sie ablöse. Dann sei sie befreit. Seit vielen Jaren her ist der Weier eingetroknet und wenn auch bisweilen Wasser in ihm sich befindet, es verschwindet bald wieder. Das troknende Leid scheint die fliessende Tränen immer wieder zu vereiteln, so dass der Weiher so bald nicht voll werden kann. (Schöttle, von Waldschüz Fiseler in Moosburg.) AB 97 Die älteste deutsche Original -Urkunde aus dem Elsass Schluss •# A Wißen alle die u. s. w. B Wiffent u. s. w. Wiizen, eigent- lich wijjSn, ist die 3. Pers. Plur. Praes. Conj., in irer ältesten nachweislichen Endung (Weinhold, Alem. Grr. 341); wärend B be- reits das unechte t hat. Dagegen ist das gleichfolgende an gese- hent^ gedingent d. s. w. die 3. Pers. Plur. Praes. Ind. ; die Endung — ent kömmt seit dem 11. Jht. vor (Weinh. 339). Zur Darstellung der harten (z, zz, tz) und weichen (}) Aspi- rata wird bei A lediglich verwandt, zur Darstellung der Spirans s in deutschen Wörtern ausschliesslich das lange /*, auch auslau- tend; nur einmal erscheint das Schluss-s zu Anfang (so fi ge- dingent) und einmal zu Ende eines Wortes (Johannes). B hat hingegen nur } verwandt und neben dem langen f regelmässig im Auslaut s. Schwankend wird bei A der Gen. des bestimmten Artikels des geschrieben; gewönlich dif, einmal di^; B hat hier nur des. In wifzen (A) ist übrigens das fz, entsprechend dem heu- tigen ß, ein seit dem 8. Jht. vorkommender Versuch, die Aussprache des 5 (= hartem s) anzudeuten, ein Versuch, der im 13. Jht. noch nicht häufig ist (Weinh. 152). B hat für j schon 5.9, w^s seit Mitte des 13. Jhdt^s. häufig vorkömmt (Weinh. das.). A aUe die difen hrief . . Bei A stet dreimal die, ebenso oft di, einmal du\ B hat in allen Fällen die, statt du dÜ. Die oder di bei A ist Nom. PL masc, einmal di Acc. sgl. fem., und du, du Nom. sg. fem. Die alte Form du (Grundform dja) ist warscheinlich damals schon im Elsass du gesprochen,' wie sie bei B erscheint (Weinh. 460). In vielen Fällen wird hier heute noch in der Volkssprache ü statt u gehört. An gefehent (A), angefehent (B). In der Schreibweise sol- cher und anderer Composita herrscht Willkür. A hat ausser der angefürten Form noch bi furint und di keine, B hefürmt, de- heyne; A angehenkit, andimi, arginlist, B an gehencket, an dem, argen list A da0 di wagenere von lintal . • Die Conj. da^ kommt nur einmal vor, B schreibt das. Als Acc. sg. neutr. steht das bei A als da^ (durhc daz diz stete blibe . . ), bei B das, — Die vol- leren Formen wagenere j andire bei A trifi't man bei B nicht mer (wagner, ander). Lintal, jezt Linthal geschrieben, ligt mit Lautenbach auf dem linken Ufer der Lauch, nahe bei einander, nur getrennt durch einen "Bach, „die Wuest (sprich: Wüest) Runz^^ genannt, und einen beträchtiich grösseren ,ydie GrosS'8td0bach^\ Beide Bäche fliessen von Norden kommend zur Lauch. Birlinger, Alemannia V 2 7 98 A so ß gedingent, di dingen todlent, d. i. so diejenigen, welche dingen (sich vereinharen) wollen, gedingt haben werden. Das Pronomen fi, welches als Nom. pl. masc. nicht selten ist (Weinh. 456), hat A zweimal; B schreibt lie. Si geht übri- gens parallel mit di. Wdlent (A u.. B) von wellen. Die Endang — ent ist die seitNotker häufige; das o, welches vor Ende des 13. Jhdts. nicht in den Plural eindringt (Weinh. 407), findet sich bei B noch nicht. A iergüich mU din pröbiße. B iergeliche mit dem probeße. Die Sproßsylben bei A charakterisieren sich durch das helle i, das nach Weinhold (20. 25) im 12. — 14. Jhdt. für das irrationale e in Vor-, Bildungs- und Biegungssylben häufig augetroffen wird, nach dem 15. Jhdt. aus der Schrift verschwindet, in der Mundart aber fortlebt. Hier sehen wir diese statt des, tonlosen e auftretenden echt alemannischen i bei A in grosser Zal; bei B ist aber durch- weg schon e eingetreten. B wurde vermutlich in Basel verfasst, repraesentiert also vielleicht die Basler Mundart, die indes von der des Sandgaues kaum verschieden gewesen ist. Der besseren Ueber- sicht wegen stelle ich alle hierherbezügliche Formen zusammen. A. iergilich B. iergeliche, A. d*n B. dem, A. prolwfte B. pro- befte, A. oldir B. older, A. bottin B. hotten, A. mögint B. mögent, A. bidorfint B. bedürfent, A. machende B. machende, A. andir B. ander, A. dir B. der, A. sleiffen B. sleife, A. diz ß. des, A. wart- pahiir B. wartpühels, A. vndtr B. vnder, A. .michilun B. micheln, A. vndi B. vnd (mit Wegfall des e), A. andtre B. ander, A. dif B. des, A. probiftif B. probei!):es, A. dif B. des, A. lutinbach B. lutenbach, A. gefezzin B. geferfen, A. hi furint B. befürent, A. dobime B. döbeme, A. andimi B. an dem, A. wartpuhile B. wart- pühele, A. mulm B. mülen, A. gimachit B. gemachet, A. di heine B. deheyne, A. dif B. des, A. probift^if B. probeftes, A. dif B. des, A. firnemen B. fümemen, A. argin lift B. argen lift, A. dir probift B. der probeft, A. Bafile B. Bafele, A. dir probift B. der pro- beft, A. vogit B. voget, A. vnfirn B. vnfer, A. angehenkit B. an gehencket, A. gifcriben B. gefchriben, A. giburte B. gebürte, A. vbir B. vber, A. zvolfhundir B. jwölf hundert. Nur für die Praeposition 0i (2 mal bei A) tritt bei B gu auf; ausserdem hat A noch zweimal ee, das bei B das einenial als 5e, das andere mal als zu erscheint. Ueber za, zi, ze und zd, zuo (aus za) s. Weinh. 305. Mit din pröbiße (A). Für den Dat. din hat B dem. Ge- wönlich ist den^ din Acc. sg. masc; allein den kömmt auch für Dat. demu, — o, — • e, dem vor (W^inh. 459). Weinhold (S. 462) hat din als Dativ nicht, wol aber thien, dien. Von lutenbdch (A u. B). Wärend bei B nur lutenbach stet, hat A einmal lutinbach, dreimal lutenbach. A oldir mit sinen boitin, B. older ndt sinen botien. Oldir (aus alder) bietet einen alten Beleg der Verdumpfung des a zu o (vgl. Weinh. 293 n. 27 § 25). Mit sinen hottin scheint Dat. pl. zu sein. Bottin zeigt noch die alte Kürze des o. A howen mögint, B höwen mögent. -^u hauen ist die alth. Form houwan, hawan, mhd. htnmen (Grimm, Wb. s. v. hanen). Das lange 6 in howan bei A scheint sich ans ahd. ha/UDan durch Steigerung des a zu 6 entwickelt zu haben; aus hdwan entsteht dann durch Schwächung des a der Endsylbe höwen unserer Ur- kunde. Die Form höwen bei B entwickelt sich dagegen aus ahd. houwan. Die Form w^gint (A) vnd mH^gerd (B) feit bei Weinhold (891). Der Pluralis Yon moo, Inf. mti^an, ist magun^ magon, mugen, mügen^ mogen^ mögen, A fwef ß bidorfintj B fwes ße hedürfenL Stoes von swer (so hwer so) wer irgend (s. Hahn-Pfeiffer, mhd. Gr.^ 121). In hidorfint ist die Brechung o zu bemerken (Weinh. 400), wärend die ältere Form bedürfen (t) ist, die auch bei B, aber mit Umlaut wiedei: auftritt. A nvwe. wagene ee machinde, B nutoe toagene je machende. Neben nvwe hat A später nuwe (mulin). Das v = uo ist unechter Diphthong und stet für die Steigerung tu (ahd. auch mhd. niUy ags. nive), indem iu sich zu ü verengte, woraus die dumpfe Aussprache ou in nvwe entstand (Weinh. 73, der nuwe nach Mo- ne's Schausp. 1,63 anfürt). — Der alth. Acc. pL tüakan-a zeigt bei A schon die mhd. Form wagen-e. A vnde nehein andir hoU^ B vnd nien hein ander holi, Vnde schreibt A verschieden;^ einmal kömmt vnde vor, einmal vndi, dreimal vn und 4mal vn^ wärend B ausschliesslich vnd hat. Wird vn geschrieben, so hat man es nicht aufzulösen, da man nicht wissen kann, ob vnde oder vndi zu sezen ist. Dasselbe gilt auch nach meiner Ansicht für alle analogen Fälle. Für nehein (A) hat B nien hein, welche Form bei Weinhold (297) feit. A fcvz^ent dir fleiffin , B ytßifchent der ßeife. Bezüglich der eigentümlichen Form fcvzzent kömmt zunächst das fc in Be- tracht, das sich bei A noch in den Formen gifcrihen (B geschri- ben) und funfdch (B fünfzig ^) vorfindet. In gifcrihen ist [c = fch, das sich au& fc entwickelt; in funfdch muss das fe Lautzei- chen für i sein (vgl. Weinh. 152, wo sc = 5). Aenlich scheint es sich mit dem fc in fcvnfzent zu verhalten (vgl. Weinh. 160 § 193). Die nhd. Praeposition zwischen hat sich ans dem Dativ des ahd. multiplicierenden Zaladjectiv's ztpisk zuisk, Dat. pl. zuis- gSm, zuisg^n gebildet, mittelfr. tufchen, tüfchen, ndfr. tufchen. Das v in fcvjszent stet also für m, und wird auch als ü gesprochen sein, wie das u in du = du (d. i. die). Man wird also züjszeni l) Im Volksmund spricht man hier fufgick mit betontem kurzen u. ^ 100 gesprochen haben, wobei das' zz entweder fiir ss oder für fch eingetreten und auch als ss oder als fch gesprochen sein wird (züssent oder züschent). Die Praeposition fcvzzent regiert hier den Dativ, sonst auch Gen. u. Acc. (s. Hahn- Pfeiffer 134). Dir ßeiffin (A), der fleife (B). Die seltene mundartliche Form dir als Dat. sing. fem. feit bei Weinhold (461). Dass ßeiffin (ahd. sleifa, mhd. sleife) bei A mit ff geschrieben wird, darf auffallen. Das Wort Schleife ist im Elsass noch wol be- kannt; es bezeichnet eine Holzbau an den Hängen der Berge, um darauf im Frühjare und Sommer mit Schlitten das Holz bergab- wärts zu schaffen. Klafterstücke oder Holzwellen sind in einer Entfernung von einem guten Schritt von einander in die Quere ge- legt und befestigt; darauf gleiten die mit Holz beladenen Schlitten hinunter. Im Winter ist eine solche Ban des Schnees wegen natürlich unpracticabel. In den schwarzwäld. Urkunden des Mit- telalters begegnet oft die „snesleife" = Wasserscheide, Grenze. A diz wartpvhüf vndir michilun fuUpach. B des wartpühels vnder mickein sult^pach. Der Genitiv sg. mas^. dijn statt dis, das neben des vorkömmt (Weinh. 460), ist um so mer zu beachten, als die Frage noch nicht entschiden zu sein scheint, ob hier „mundartliche Färbung vorliegt'^, oder ob wir ein erhaltenes ältestes dis vor uns haben (Weinh. 460. 459). Ausser dem Gen. sg. mas. diß hat A noch 4 mal dif^ B des. — Als Nom. sg. neut. erscheint bei A dif^ (dif capitel von lutenbach) bei B das. Ob dieses dif Kürzung aus di^ze ist (Weinh. 464), oder ob es nicht lieber zu dir, diu, du, die das Neutrum ist, scheint mir weiterer Erwägung anheimzugeben. Ist es Kürzung aus dizze, so deutet das f in dif auf Erweichung des z zu 5 (Weinh. 462). Endlich hat A noch zweimal dijs {diz sol men allez firnemen u. s. w., und durhc daz diz stete hübe), B in beiden Fällen dis; das einemal ist diz Acc. sg. n., das andere mal Nom. sg. n. Würde man annemen dürfen, dass der Schreiber der Urkunde A mit Bewussti^ein das vorhin besprochene dif (Nom. sg. n.) von dem eben angefürten diz (Nom. u. Acc. sg. n.) unterscheiden wollte — was allerdings fraglich bleibt — , und würde man ferner annemen dürfen , dass B mit Absicht in jenem Falle dcis (für dif bei A), und in diesem Falle dis (für diz bei A) geschrieben, so würde das diz durch Apokope aus Nom. u. Acc. sg. n. dizze oder ditze entstanden sein (Weinh. 463. 464. 466). Demnach würden wir für jenen Nom. sg. n. dif (bei A) und für das diz. (Nom. u. Acc. sg. n. bei A) einen verschiedenen Ursprung anzunemen haben, falls man nämlich dif als Nom. sg. n. zu den Nom. der di'C stellen will. Wo der Warthühel (A. wartpuhilf; B. wartpühels) gelegen hat, war nicht zu ermitteln. 101 A vndir michüun fuhpach, B vnder micheln sult^pach. Vndir ist hier = und der\ was das vorhergehende fcvzzent fordert. Ufas fem. der ist gerechtfertigt durch die Tatsache, dasB man im Sundgau ^^die pach" echt alt fränkisch noch heute spricht, wärend man in Colmar j^der pach'^sagt. Michüun hei A ist alth. schwacher Dat. fem. sg., B. hat die mhd. Form micheln, A vndi niman andire an dif pröbiftif . . vrlop. B vnd nienan cmder one des pröbeftes . . vrlop, Niman (hei A) ist one e geschrihen (ahd. ndoman, nioman nieman), ein andermal nieman. Die Form nienan beiB ist ofiFen- bär verschrihen für nieman. Andire (A) hat noch das e, was B abgeworfen. — An (alth. änu, mh. ine, an = 6ne) ist bei B schon (me geworden. - A wan die zi lutinbach gefezzin sind, die hi furint fich mit döbime holze ... B wan die zu lutenbach fint gefeffen^ die befürenl fich mU döheme hol%e ... Wan hat tier die Bedeutung von nur (Hahn-Pfeiffer 141). Die hi furint fich mit . . . (A), d. i. die versehen sich mit . . . Die bei Zusammensezungen mit Verben untrennbare Partikel bi (Weinh. 278) erscheint hier von seinem Verb getrennt. "Weinhold hat kein Beispiel dieser Art apgetroffen. B hat dagegen befürent. Das bei A noch nicht umgelautete furint kömmt von ahd. fuoran, föran (und dieses von faran, nhd. faren) ducere, vehere, gerere, welches das Factitiv zu faren ist, also ursprfinglich faren machen bedeutet (Grimm, Wh. s. v. füren). Taubes Holz, oder Abfallholz, wurde ehedem im Holze von den dazu Berechtigten aufgelesen. In grosser« Anzal ist derglei- chen Holz nicht vorhanden; man für es also nicht auf einem Wagen, oder Karren, sondern man trug es gewönlich nach Hause ; die Tracht Abfall- Holz nam man auf den Kopf, auf den Rücken oder in eine Kiepe. Das Verb füren muss hier also eine allge- meinere Bedeutung haben, wobei der Begriff der Richtung der Be- wegung (zu sich) noch durch die Partikel bi verstärkt wird. Der allgemeine dem füren zu Grunde liegende Begriff ist der Begriff der Bewegung. Die Bewegung wird nun gemacht, und zwar mit dem tauben Holze wohin ? — zu sich, nach Hause. Diese Bedeu- tung get deshalb in den Begriff des Sich -Versorgens mit einer Sache über. Das Verb bi, füren, welches- ich bei Scherz, Grimm^ Lexer, Schmeller - Fromman u. A. nicht finde, ist Nebenform zu ahd, bifurön, biforän d. i. besorgen (Schade, Wb^ 61). Das ou in ahd. fourran, fouren, nhd. füren, hat sich dort zu ü, hier zu ö entwickelt. Das ü in befuren bei B ist aus ou entstanden. A dobime holze; B. d6beme hol^e. Das anlautende d in dobime (alth. toup, toub., mhd. toub), welches, aus t erweicht ist, trifft man im Elsass häufig an (Weinh. 142); deutsche elsässische, 102 namentliob auch lothringische Urkunden im hiesigen Bezirks- Archive geben hier zalreiche Belege. Im heutigen Yolksmunde ¥rird dieses d noch häufig gehört. — Zu beachten ist das lange ö in dobime^ lur welches B ö == ou hat. * A an dis prohiftif tviUen . . B one des probe/ tes ieiUe. WiUe als Acc. sg. ist elsässische Aussprache. A Die sol men ällez . . B Dis sol man alles . . Die Form men ist echt fränkisch alemannisch. A argirdift . . B. argen lift Lift ist hier noch masc, wie aus dem Acc. argin, argen, erhellt. A durhc; B durch. Das ch in durch ist bekanntlich unecht und stet für h^ da die goth. Form, thairh, die ags. und alth. thurh^ ahd. dhurah,' durh kein k aufweisen, welches auslautend ahd. zu di verschoben wird. Die für h eintretende unechte Verschärfung ch erscheint, bei A nun umgestellt, was sonst (z. B» Henrihc) öfter vorkömmt (Wemh..l89). A vnfiru ingeßle. B vnfer ingeßgele. - Vnfiru ist ahd. Acc. pl. n. von unsarer, unsaru, unsara^, unflectiert unsar. — Ingefüe bei A Contraction aus ingefigele. A evölfhundir ; B. iwhlf hundert. Die Form htmdir hat Weinhold nicht (S. 308). Hundir scheint statt hundirt zu sten; es liegt alts. hundarod, centena, zu Grunde (cf. Grimm-Heyne, Wb. s. v. hundert). A In me hh/oe manode . . B Imme höwe monotte . . In me oder imme ist contrahiert aus in deme. Hvtoe (A) und höwe (B) ist aus dem bekannten Wechsel von v und Ö zu Erklären (ahd. howe^ mhd. houwe, Heu, aus dem nach dem got. eavi anzusezenden ham). Die Kürze des o in — otte bei B trifft man analog auch wol in Norddeutschland, wo man zuweilen mö- natt hört. An dise Bemerkungen mögen sich noch einige andere schlie- ssen, die sich auf die Darstellung der ÜMaute und der Inter- punctum wie den Gebrauch der grossen Anfangsbuchstaben be- ziehen. DerDmlaut von a findet sich weder bei A noch bei B. Die Umlaute ö und ü sind bei A noch nicht in Gebrauch; es treten statt der späteren umgelauteten Formen noch andere auf (mö- gint, bidorfint), oder es wird der Umlaut noch nicht besonders be- zeichnet (fcvzzent, waripuhil, bi fiirint, mulin, du, vbir, zyolf- hundir, funfcich), wobei es fraglich bleibt, ob man in nicht den- noch gesprochen. An die Stelle des Umlautes ü tritt einmal das 103 änlich lautende i in dem Infinitive fimemen. Bei B ist d' nur ein- mal in zfoölf angewandt, indem es als o mit übergeschriebenem e erscheint; ein anderes Mal stet die Dorchgangsform mbgent. Der Umlaut ü ist dagegen regelmässig durch u mit dem bekan»* ten nach unten gekrümmten Häkchen ^ bezeichnet (bedürfent, mü* lin, du, fürnemen, wartpühel, gebürte, über, fünfzig). Unter ^ den Buchstaben der Original-Urkunde ist einer, der einen auffallenden Zug enthält, das kleine lateinische (2^J hier in na- türlicher Grösse des Originals nachgebildet, und an das spätere grosse deutsche E des Buchdrucks erinnernd. — Ueber dem % stet bei A häufig der bekannte diakritische Schräg-Strich (Lfn* tal, sf, gedlngent n. s. w.), der bei B auch angewandt wird, nur in bogenförmiger Gestalt als 9; in den meisten Fällen feit er je- doch ganz. Die Interpunction ist wie in älteren Urkunden so auch bei A lediglich durch einen an dem unteren Teile der Buchstaben, also auf der Linie stenden Punkt angezeigt, der meist statt unseres heutigen Eomma's stet; sechs mal ist die Interpunction ganz yemachlässigt worden (zwei mal vor nachfolgendem Relativ und einmal vor dem den Nachsaz einleitenden so; sodann in dem Saze : ,,howen mögiut Twef fi bidorfint'^, wo zwei Kommata zu ^ sezen, und endlich : Conrad v. hadeftat vogit ze lutenbaph, wo vor vogit auch das Komma allenfalls wegbleiben kann), zweimal stet der Punkt für unsern Punkt mit folgendem kleinen Anfangs- buchstaben, wo auch heute Semikolon gesezt werden kann. Grosse Anfangsbuchstaben nach Punkt, wo wir sie heute auch sezen würden, werden viermal angewandt (Di, Diz, Durhc, In me). Von den 15 Orts- und Eigennamen, unter denen einige öfter vorkom- men, sind nur mit grossen Anfangsbuchstaben geschrieben: Bafile, Johannes, Gonrat (Cunrat, B). Endlich stet noch der grosse Anfangs- buchstabe W zu Anfang der Urkunde. Am Ende der Urkunde stet bei A statt des Punktes das bekannte Zeichen 'i* — Im Ganzen kommen bei A 22 Interpunctions - Punkte vor. Bei B dagegen findet man nur 14 oberhalb der Zeilen stende Kommata, aber keinen Punkt. Punkte und Kommata correspondieren nicht immer. Es geschieht dies nur in 12 Fällen; in 9 Fällen stet bei A ein Punkt, bei B kein Komma, und am Schlüsse bei A ein Punkt, bei B dagegen kein Zeichen ; nur der lang gezogene Strich am e ( c^ ) soll anzeigen, dass die inserierte Urkunde zu Ende ist. Hinwider findet sich bei B dreimal ein Komma, wo bei A kein Punkt ist. Vernachlässigt ist bei B die Interpunction nach Analogie bei A 1^ oder 13 mal. Die Gestalt des Komma bei B ist dieses 9, also noch nicht der Schrägstrich. Es kommen 8 grosse Anfangsbuch- staben vor: das grosse W zu Anfang, sodann D, I und C {Die nuwe mülen . . , 2>is fol man . . , «Tch heinrich der pro- beft . . . ); von Oris- und Eigennamen: Basile, Johan- nes, Cunrat ui^d Cristes. Das Streben nach geregelter Inter- 104 pnnction, namentlich bei Eintritt eines neuen Gedankens auch einen grossen Anfangsbuchstaben anzuwenden, wie die Anfänge des Gebrauchs grosser Anfangsbuchstaben bei Orts- und Eigennamen sind wol nicht zu verkennen. Abbreviaturen kommen bei A nur viere vor (4 mal vn); B dagegen hat deren 14; sieben mal ist n, zwei mal — er und fünfmal das pro in Probst in bekannter Weise notiert worden. Die vorstenden Ausfiirungen sind deshalb so eingehend gegeben worden, um an konkreten Beispielen zu zeigen, wie viel noch bezüglich der Editionen deutscher Urkunden zu tun bleibt. Für philologische Zwecke sind die meisten unbrauchbar (?), und die- ser Zweck sollte nicht übersehen werden. Unbrauchbar aber sind die meisten Publicationen deutscher Urkunden, weil den Heraus- gebern derselben vielfach die notwendigsten sprachlichen Kennt- nisse abgehen. — Auf die Frage einzugen, wie deutsche Ur- kunden zu edieren sind, um nach allen Seiten einigermassen zu befriedigen; ist hier nicht der Ort, und es muss diß einer anderen Gelegenheit vorbehalten bleiben. Colmar Heino Pfannenschmid Sebastian Sauer Zum hundertjärigen Todestage den 7. März 1877 Manchen Lesern dieser Blätter .dürfte von Sailer — nicht zu verwechseln mit einem andern berümten Träger dieses Namens, dem Theologen und nachherigen Bischöfe von Regensburg Job. Michael Sailer — nicht viel mer als der Name, einigen vielleicht auch dieser nicht einmal bekannt sein. Sucht man in doch selbst in den namhafteren Encyklopädien und Konversationslexika ver- gebens; möge er wenigstens der von der historischen Kommission bei der k. b. Akademie der Wissenschaften in München heraus- gegebenen allgemeinen deutschen Biographie keine unbekannte Grösse mer bleiben! Und — doch war Sailer einer der besten und ächtesten Söne des Schwabenlandes, gleich ausgezeichnet als populärer Kanzelredner, wie als Dialektdichter und darf er, wie sein berümterer Landsmann Abraham ä Sancta Clara so recht als ein Vertreter . des süddeutschen Humors angesehen werden. Der hundertjärige Todestag dieses Mannes dürfte nun ein geeigneter Zeitpunkt sein, seiner, der selbst im Schwabenlande, obwol er so oft und soviel der Schwaben Lob gesungen , etwas in Vergessen- heit gekommen ist, zu gedenken und hiedurch die Erinnerung an in wieder etwas wachzurufen. Es ist aber nicht in der Absicht dieser Zeilen gelegen, schon längst Bekanntes von Sailer zu bieten ; es mag nur für solche Leser^ welche wenig oder gar nichts von 106 ^ im wissen, vorausgescliickt werden, dass er im Jare 1714 in dem damals vorderösterreichischen, jezt baierischen, aus dem Bauern- kriege wolbekannten Städtchen Weissenhom das Licht der Welt erblickte, sich dem geistlichen Stande widmete, Kapitular in dem reichsunmittelbaren, an der Donau zwischen den Städtchen Ried- lingen und Ehingen gelegenen Prämonstratenserkloster Obermarch- tal wurde, in demselben einige Zeit den Lerstul der Gottesgelert- heit einnam, hernach längere Zeit eine Elosterpfarrei versah, seine Tage aber wieder im Kloster beschloss. — Die Haupttätigkeit Sai- lerd war, wie schon angedeutet, von zweierlei Art — einmal als Einzel- (Fest-) Redner, dann als Dichter, beinahe ausschliesslich im oberschwäbischen Dialekte. Was von seinen Dialektdichtungen noch vorhanden, ist wol alles in der Bachman'schen (1819 ge- druckt in der fürstlich Thum- und Taxis'schen Buchdruckerei in Buchau und verlegt von Dionis Euen), später Hassler'schen (Dlm zuerst 1826, dann 1842 in der Stettin^schen Verlagsbuchhandlung) Ausgabe gesammelt. Seine Hauptleistungen sind wol : die Schöpfung der ersten Menschen, der Sündenfall und dessen Strafe in drei Aufzügen, der Fall Luzifers in zwei Aufzügen, über welchen nach einer Mitteilung Friederich EöUes in der „Pandora" (Gedenkbuch zeitgenössischer Zustände und Schriftsteller. Stuttgart bei Becher 1840. 4 Bände) Band I S. 213 sich schon Goethe höchlichst er- gezt haben soll, und die „beste Gesinnungen schwäbischer Herzen^ \ Lezteres Gedicht stet im engsten Zusammenhange mit einem Elr- lebnisse Sailers, mit dem Besuche der unglücklichen Maria Antoi- nette von Frankreich im Kloster Marchtal am 1. Mai 1770 auf irer Brautreise von Wien nach Paris, bei welchem Sailer nicht nur selbst anwesend war, sondern auch als dem österreichischen Eaiserhofe bereits bekannte Persönlichkeit die Rolle des Festdich- ters übernommen hatte. Wenn auch seine Dichtungen merfache Anfechtungen und verschiedene Beurteilungen, wie in der Tü- binger theologischen Quartalschrift vom Jare 1819, in der Halli- schen Litteraturzeitung vom Jare 1820 S. 137, in der Münchener allgemeinen Litteraturzeitung vom gleichen Jare (Nro. 12 vom Februar), in der Dichterschule von J. J. Wagner S. 358 erfaren haben und wenn auch selbst der Chronist Marchtals, Friederich Walter, lezter Abt und noch ein jüngerer Zeitgenosse Sailers von seiner „Schöpfung*' die Befürchtung ausspricht, sie könnte das religiöse Gefül leicht beleidigen, so sten dieselben doch im Ge- gensaze zu den Leistungen seines Landsmannes C. Weitzmann weit über dem Niveau des Gewönlichen und haben auf einen dau- ernden Plaz in der deutschen Dialektdichtungslitteratur An- sprach. Vgl. Güntherts Erinnerungen eines Schwaben I 155 ff. Nicht minder gross war aber Sailers Rum als Eanzelredner, als solcher er weit und breit gesucht, begert und herumge- kommen war; und machte er auch in dieser Richtung seinem Orden, dessen Hauptberuf die Pastoration bildete, , alle Elre. Eine 106 aeiner lessten bedeniendsten rednerischen Leistungfen war, was viel* leicht weniger bekannt, seine am 8. Juni 1767 gehaltene Schlass- rede bei den neuntägigen Seligsprechnngsfeierlichkeiten der ober* schwäbischen Heiligen, der „guten Betha*^ in Reute bei Waldsee, bei welchen natürlich ein Mann wie Sailer nicht feien durfte und wobei er sich den Text in Job. 3, 21 und in Psalm 142, 10. 11 : „Wer die Warheit tut-, kommt an's Licht, damit seine Werke offenbar werden, weil sie in Gott getan sind^* zum Vorwurf nam. Ausserdem ist Sailer noch Verfasser verschiedener beinahe aus- schliesslich religiöser Schriften, die teilweise bei dieser Gelegenheit, da eine Zusammenstellung derselben sich nirgends findet, unten aufgezalt werden mögen f. Auch im historischen Fache hat sich t 1) Kurze Andacht zur hl. Ursula. Augsburg 1766. (Dieselbe war Kirchenpatronin in Dieterskirch; daher die Schrift.) 2) Kempensis Marianus, s. libelli TL de imitatione Mariae. Augs- burg 1768. Rieger. 3) Marian. Thomas yon Kempen, oder 2 Büchlein von der Nach- folge Maria. Constanz 1767; Au^burg 1787 bei Rieger. 4) Der wahre Knecht des .Herrn, oder Lob- Sittenreden auf den hl. Josephe Augsburg 1773 bei Rieger. 5) Lob- und Sittenrede auf das Fest des hl. Abts Bernhard von Clairveaux. Augsburg bei Rieger 1765. 6) Frage: Ob P. Neumayr ein wahrer Gesell Jesu sei? in einer Jnbelrede mit Ja beantwortet. München bei J. Lindau er 1762. 7) Frage: Ob der Tod des P. Neumayr, ein apostolischer Tod gewesen sei? Augsburg 1765. 8) Marianisches Orakel, d. i.: heilsamer Rath Maria von dem guten Rath ihren Pflegekindern etc. ertheilt etc. 2 Bände. 1770 und 1771 bei Rieger. 9) Geistliche Reden bei verschiedenen Gelegenheiten und über verschiedene Materien gesprochen, 3 Bände, bei Riemer 1760—1770. 10) Geistliche Schaubühne des Leidens Jesu Christi in Oratorien aufgeführt. München 1775 bei Lentner. 11) Kernhafte Unterrichte aus der christlichen Sittenschule von dem hl. Tiberius seinem Pflegekinde gegeben. 1768 bei Rieger. 12) Vier Sendschreiben wider den Pater Domblüth; aus dem Breisgauischen ins Deutsche übersezt von Ben. Liares. Ulm 1756. (Ser wizig und satirisch.) 13) Beste Gesinnungen schwäbischer Herzen etc. Ulm 1771 bei Christian Ulrich Wagner. 14) Christliche Tageszeiten, bestehend in ffeistrechen Morgen-, Mess-, Reise- und Abendgebeten. 5. Auflage. München bei Lentner 1789. 15) Christliche Tageszeit in auferbaulichen feinen Bildern. Mit 17 Kupfern. Wien bei Heubner 1770. 16) Trauerrede auf Franz I. bei Rieger 1765. 17) Triduum sacrum s. exercitia triduana. Augsburg bei Rie- ger 1775. 18) Das Urbild eines weisen Schwaben im Bischofthum Udalrich. Wien bei Trattner 1767. 19) Die Schöpfung der ersten Menschen etc. Gedruckt 1800 bei Ludwig Christian Kehr in Kreuznach. 107 Salier yersucbt mit seinem ,gabilirenden Marchthal^S ^^^^^ Fest- schrift zum 600järigeD Jubiläaro des Beichsstiftes Obermarchtal am 1. Mai 1771 (gedruckt mit Beigabe von Eapfeni bei Rieger in Augsburg a. -1771). Doch ist der Historiker Sailer weit hin- ter dem Dichter und Redner zurückgeblieben ; und legt man das Werk, will man es zum Quellenstudium für die Geschichte des Klosters und seines Gebietes benüzen, ziemlich enttäuscht wieder weg, wenn es auch, wie bei der Persönlichkeit des Verfassers nicht anders zu erwarten, an originellen Auslassungen nicht wenig reich ist und die ureigenste Natur des Verfassers, nemlich der unver- wüstliche Humor immer und immer wieder hervortritt. Man nemo zur Probe nur gleich die „Vorrede an den wertesten Leser'^, wo es u. A.' heisst: ,, drittens; lasse den Druckfeiern Barmherzigkeit wider^siren. Die Menschlichkeit . ist dem Irren ser unterworfen, und ist sie sowol bei den Autoren, als Buchdruckern so gemein, dass sich beide davon nicht loszälen könne. Doch tragen zu Unschicklichkeiten schlechte Schrifken, und besonders unachtsame eilfertige Correktoren das meiste bei* Ein mit Men- schenliebe begabter Leser hat seine eigene Vernunft zum Doli- metschen fremder Schriften ; er weisst die Mängel zu bessern, ' die Feier zu entschuldigen, und dem Gkiten zu Liebe den Irrungen eine Amnestie zu gönnen. Die Splitterrichter, die unbarmherzi- gen Tadler hingegen sollen sich selbst in den Finger beissen, mit welchem sie den Bleistift irer lieblosen Schmäh seuche haltend die Sphalmaten, oder Druckfeier, als Eiterbeulen der Werken, in das Verzeichniss unheilbarer Krankheiten eingetragen. Eben diesen sagt obbenannter Grosspfarr zu Bethlehem, S. Hieronymus Sup. Ifl. in prooem., dreiste in das Gesicht: „Es ist kein Schreiber so unschicklich, dass er nicht einen ihm ganz gleichen Leser finde'^ (Nailus tam imperitus scriptor est, qui lectorem non inveniat si- milem tibi). Nämlich; alle Leute sind mangelhaft. Gehabe dich wol, Werthester!** — Köstlich ist, wie er bei dem Kapitel von Marchtals Stiftung gegen die Geographen Sebastian Münster und den Elsässer Kaspar Bruschius loslegt, „ und haben wir bei andern nichts zu suchen, welche in ihren Klösterbesöhrei- bungen teils das Rümliche in ihren Kielen zurückhielten, teils mit eingemischten Lügen' und boshaften Sarcasmen iren Grollen wider die Ordenshäuser auf das Papier hinschmierten, wie es derLugen- scbmid Bruschius tat; teils nur Kleinigkeiten aufzeichneten, und sich bei Brosamen, wie die Hunde unter dem Tische aufhielten, yrie Münster in seiner Kosmographie sudelte, welcher von un- serm Gotteshause Marchtall nichts anders anmerkte, als die grossen Krebse, welche in dasiger Donau gefangen würden (March- 20) Die Schuliheissenwahl zu Limmelsdorf. Gedruckt in Ried- lingen. (One Angabe der Jarzal.) 108 tallum monasterium Praemonstratense , ubi inveninntor Maximi cancri. Seb. Münster. Cosmograph. Edit. lat.). Erstaunliche Merk- wiirdigkeit ! ' ausserordentliche Dinge! oder soll unser Stifb von darum berümt sein, weil es im Zodiak seiner Wolfart nur das Erebszeichen sieht? Münster muss von den Krebsen alibier eine gute Schnabelweide, als ein hungernder Polyhistor gefunden haben^ und waren ihm diese hinter sich kriechende Wasserbürger sonder zweifei geschmacker, als der rümliche Fortgang unsers Gotteshauses in Wolfart und Ordenszucht !*' Zum Schlüsse widmet er Mün- ster noch folgende giftige Verse : Cancros, nil aliud, laudas Marctallis in Ora Ore sie Scriptor eras, atque Gomestor eras. Progressus retices nostros, monstrasque,. Retrorsum Cum Gancro Ingenium sie abiisse Tu um? Ich kann mir ob der originellen Schreibweise nicht versagen, aus diesem Werke, das zudem blos noch als Rarität vorkommt, auch die Schilderung der Marchtaler Nonnenrevolte folgen zu lassen. Neben dem Mönchskloster bestand nemlich früher nach der Sitte der damaligen Zeit zugleich ein Nonnen- kloster zu Marchtal. Nachdem noch, wie Sailer meldet, der 13. Probst Heinrich den Ordensschwestern ire Behausung besser zu- recht gemacht hatte, one zu wissen, „dass sein Nachfarer ein Yog- ier sein würde, der diesen weissen Ghoramseln das Nest aufsagte^', fand der vierzehnte Probst Eonrad von Daugendorf, wie er mit Feinden von Aussen zu fechten hatte, auch Kriege von Innen. „Er hatte an statt der geharnischten Männer auch mit Amazoninnen zu kämpfen, welche ihren Weihel in Sturmkappen änderten, und Klosterjungfem waren. Diese, wie sie Zeit her in dem Umfange der äussern Klostermauem uns nahe wonten, und gestiftete waren, kündeten Ko^raden ebenfalls den Krieg an." „Adam und Eva in dem Paradiese assen gleichwol den ver- botenen Apfel one Gezanke, allein dieses an Hirn und Vemunft schwache Yölklein wollte mit uns aus der erlaubten Stiftungs- schüssel nicht mer ruhig speisen. Ihre von einer Fliege an der Wand aufgebrachte Zömung machte sie vergessen, dass sie unsre Ordensschwestern wären. Sie machten zerschiedene Forderungen mit Ungestüme, stifteten Unruhen und verursachten grosse Un- ordnungen. Da zeigte es sich in Warheit, was die Schrift sagt, dass es tröstlicher wäre, bei Drachenmüttern in der Wüste, als bei bösen Weibern wonen." „Konrad aber war der Held gegen diese in unsrer weissen Ordensuniform auftretende und dennoch bei der weibischen Trum- mel des Unfriedens angeworbene Soldätinnen. Sein Probstey-Stab war die Gerte des Moses, die Schnacken und das Ungeziefer wie- der abzuschaffen. Er beschloss mit seinen Ordenssönen einhellig, die aufsäzigen Nonnen abzutreiben, und soll der Passionssontag des tausend zwei hundert drei und vierzigsten Jares; an dem die 109 Kirche den Eingang der heiligen Messe ^ mit diesen Worten ans Davids Psalter hemerkt : „Schaffe mir Recht, o Gott ! and ent- scheide meine Sache vom nngeheiligten Volke; errette mich von dem ungerechten, und hetrüglichen Menschen'^ ; dieser Passions- Sonntag soll es gewesen sein, an welchem Ronrad in einem Eriegs- rate wider die unbändige Passion dieser beweilten Tomyrissen und Pentesilern den von allen gutgeheissenen Schluss fassete, den Par- tenon hinweg zu räumen y und diesen ruhestörenden ' Feindinnen das Dasein aufzukünden/' „Man trägt zwar einen von diesem Hergange von Konraden verfertigten Brief herum, welcher in unsern Archiven nicht zu finden ist, und zu dem der Lugenschmid Bruschius noch vieles von seiner rostigen Eisenkammer anschwdsste/' * „Konrad hat sonder Zweifel mit Gutachten des ganzen Or- dens alles versichert. Er milderte in so weit seinen mit einem Eidschwure bekräftigten Entschluss^ dass binnen fünfzig Jaren keine Candidatin in denPartenon sollte* aufgenommen werden; und so erlosch er durch die gleiche Gesinnung ßeiner Nachfarer, wie ein Nest der Alstern leer wird, wenn man den Alten die Jungen entzeucht* Die eigene Schuld der Nonnen war die Ursache ihres Schicksales, und wenn schon die Heterodixen, namentlich Bru- schius und andere in diesem Vorfalle die armen Klosteijungfem mit Namen und Lamentationen bemitleiden, war ihre Zärtlichkeit dennoch nur von darum rege gemacht, weil sie Weibsleute, nicht weil sie Klosteijungfem waren. Zudem sollen diese Spötter ¥rissen, dass es damals zu Marchtall an der Donau in Schwaben unver- gleichlich gottseliger herging, als zu Nimptsch an der Mulda in Sachsen, da der geistvolle Ascet Luther mit seinem Mitapostel Leonhard Koppen allda den geistlichen Besuch machte ^^ Zum Schlüsse kommt noch die Moral von der Geschichte: „Keine Gemeinde kann sich von guten Nachbarn merer Trost hoffen, als eine geistliche. Sie sind eine Guttat des Himmels, welche unter die besten Hausjuwelen zu zälen sind. Ein freundlicher Gränze- mann bleibt der liebenswürdigste Gast, sagt Horaz, und wird nach der Meinung des Seneka kein anliegendes Ackerfeld so viele Früch- ten bringen, als ein Nachbar von einer unverfälschten Gesittung. Es scheint aber an der dem Probst Konrad zugeschriebenen 'Ur- kunde doch etwas zu sein, denn selbst der schon genannte Chro- nist Marchtals reproduziert sie folgender massen : „Im Jare des Menschgewordenen Wortes 1273 am Sonntag ludica me Dens. In Betrachtung, dass die Bosheit des weiblichen Geschlechtes alle Bosheit in der Welt übersteigt, dass kein Zorn den Zorn einer Weibsperson übertrifft, wie auch, dass das Gift der Schlangen und Drachen unschädlicher und leichter zu heilen sei als Vertraulich- keit mit dem andern Geschlechte, haben wir K o n r a d Probst zu Marchtall, nach gemeinschaftlicher Beratung und mit Einwilligung des Gonvents zum Heile der Seele, des Leibes und des Hans- 110 weflens beschlossen, in Znkunfb zor VermeniDg nnsers Verderbens keine Ordensscbwestern mer anfznnemen, sondern wollen sie als vergiftete Tiere meiden. Damit aber dieser Beschluss onverbrach- lich fest bestehe, habe ich K o n r a d, des genannten Klosters vor- gesezter, den Eltern and Klägern an Eidesstatt das Wort g^eben, dass ich wärend 50 Jaren keine Ordensschwester anfnemen oder anfhemen lassen wolle; was nach Verflass dieser Zeit unsere Nach- folgern za tun gefallen mag, überlassen wir ihrem freien Willen: doch raten wir, dass auch sie zum Nutzen und Heil dem Beispiel ihrer Vorfaren nachfolgen sollen. Gott gebe, dass es geschehe !" Und — nun neme der Leser aus dem Leben und Wirken Sailers einige kleine noch unveröffentlichte und unbekannte Gaben ent- gegen, welche de( Verfasser anlässlich von Vorarbeiten zu „ober- schwäbischen Biographieen^' gesammelt hat, unter welchen Sailer in erster Linie in Aussicht genommen ist ^). • 1 Sailer als Pfarrherr und Wirtschafter Auf dem nördlichen Teile des oberschwäbischen Plateaus liegt in einsamer einförmiger Gegend, . weitab von der Herstrasse, zu den Füssen des hl. Berges von Oberschwaben, der einsam stenden schön geformten Pyramide des Bussens — das unge- far 3 Stunden von der jezigen Oberamtsstadt Riedlingen entfernte, früher dem Kloster Marchtal gehörige Pfarrdorf Dieterskirch. In diesem friedlichen Erdenwinkel fürte Sailer beinahe 17 Jare, vom Juni 1757 bis zum 26. Dezember 1773, wo er wegen Läm- ung seiner rechten Seite durch einen Schlagfluss in's Kloster zu- rurückgebracht wurde, in einem behaglichen Heim — der Pfarr- hof sieht eher einem Herrenhause änlich — ein stilles Pfarrerleben, lebte der Seelsorge und seiner Muse, nur hin und wieder unter- brochen durch Reisen zu Festpredigten oder- zu feierlichen Gelegen- heiten, wie dem Ordensfeste in das ungefar 2 Stunden entfernte Kloster. Bei aller Abgeschiedenheit des Ortes hatte er aber hier Land und Leute von Oberschwaben, den gutmütigen treuherzigen, oberschwäbischen Landmann, — alle die Dorfgestalten, welche er uns so köstlich und unnachamlich treu gezeichnet hat, tagtäglich vor Augen, lernte selbst aus dem Volke hervorgegangen, dessen Freuden und Leiden bis auf den Grund kennen und teilte diese auch treu und redlich mit im. Man glaube aber nicht etwa, dass diß beim Tarock und Becher geschah ! Hat er ja selbst das Ver- halten eines Landpfarrers zu seinen Pfarrkindern in seiner „Schul- 1) Alle diejenigen in Nah und Fem, welche zur Biographie Sai- ler's irgend etwas, sei es durch neue Mitteilungen, sei es durch UeberlassuDg von Briefen, Aufzeichnungen etc. Sailers etwas beitragen können, erUiubt sich der Verfiasser dies, freundlichst um ihre gütige Unterstüzung zu bitten. 111 teissenwal za Limmelsdorf ^' so treffend vorgezeichnet, wenn er den Schultheissen Florian Simpel dem Pfarrer ausrichten lässt: „Sag zum Herr Pfarr^ ich lass a grüessa wieder glei / ich kann schaun seall zua ihm, ich sag am's auhna Scheu/ dass ear dahoimet hleib : in's Wirtshaus zua di Baura / daugt^s Hoirle nimoal itt, sai Aihr dätt' itt lang daura / A Pfarr schafft itt viel Guats, dear mit di Leuta z'g'moi / ma fürchta animmea maih ; ih sag halt, wia ih's moi ? / Sag nu, er soll uf mich dahoim a bitzle waata / ar dät suscht, sag am*s nu, z'letzscht mit di Baura kaata / Haund d^Baura Rausch, so schwäzt ma halt vo ällerloi / und hoat as Hoirla oin, so kommt ar halt in^s G'schroi / loaht ear auh, wia es goaht, unreachte Reda schiassa / so geit as gar nix Guats, sag nu, ich lass a grüassa/* Der Pfarrhof in Dieterskirch birgt ausser einer Chronik noch ein sogenanntes Räppulare (oeconomicum) d. i. ein Verzeich- nis aller Einnamen und Ausgaben, in welchem aber allerhand Sinnsprüche, Zeitreflexionen, artige lateinische Verslein da und dort eingelegt sind. Diese Reliquien sind zwar auf meine Veranlassung vergangenen Herbst aus dem Staub hervorgefunden worden ; zu meinem Bedauern konnte , ich dieselben selbst aber bislang nicht, sondern nur einige Auszüge aus dem Räppulare er- halten. Aber auch aus dem Wenigen schon tritt uns das Bild des unvergesslichen Manns als Pfarrherr, Wirtschafter und sonst in man- nigfachen Zügen entgegen. Gleich im Anfang desselben lernt man in als Mann der Ordnung, Zucht und Sitte kennen, wenn er sagt : A domesticis nostris volumus inchoare disciplinam^ ut reli- quos pudeat errare, quando nostris cognoscimnr excedendi licen- tiam non praebere (Cassiod. lib. 10, ep. 5) und fortfärt: Laus Domini, ubi munda possessio, et innocens familiae disciplina. (S. Ambros. Lib. I offic. C. j50). Dann lässt er uns in folgenden Versen einen Blick in das Inventar des Pfarrhofes vom Jahre 1760 tun, nach welchen auch er hin und wieder an Geldmangel gelitten zu haben scheint: Pfarrer P. Sebastianus Sailer alt 46 ; Hauserin N. N. ; ein Knecht ; erste Magd ; zweite Magd ; 2 Pferde ; grosser Haushund ; kleiner Hund. Nebst Hornvieh, Hüner, Tauben und Katzen. „Hier ist die ganze Famill von Menschen, Pferden und Hund, Es lebe alles wol, vergnügt, frisch und gesund. Das Hornvieh aber auch, auch Hüner, Tauben, Katzen ; Wo aber ist das Geld; wo Gulden, Kreutzer, Batzen? Sei nicht so kurios und frage nicht so sehr, Schau^ nur die Rechnung ein: Du fragst gewiss nicht mehr! '^ Geld brauchte aber Sailer nicht sowol für leibliche, als auch für geistige Narung; insbesondere hatte er ja doch einen bedeutenden litterarischen Aufwand für Bücher und Correspondenzen — bekannt- 112 lieh damals noch eine ^er teure Sache -~. In dem Rappolare sind alle Einnamen und Ausgaben genau gebucht, und ist man zu der Anname versucht, dass im Pfarrhofe ser gerechnet und in der Gastfreundschaft kaum die goldene Mittelstrasse gewandelt worden ist, wenn man folgende hübsche Verse in der Form der carmina Burana sich zu Gemüte fürt: „Parasitus nihil solvit, vir honestus bursam volvit ; nee niiftium, nee pauca des, mane intra limites. Semper quando domi manes Exteros non solves panes Subinde Eutrapelia Suadebit tibi alia! Hospes si sis aliorum Hospes quoque sis eorum, Rarus tarnen hospes sis Bursam quando plenam vis." Es war aber auch kein Wunder; bekam man doch in jener Ge- gend , die damals ziemlich unter der Last der Einquartierung zn leiden hatte, so häufig ungebetene Gäste ! Seinem Unmute da- rüber gibt er in folgender beissender Bemerkung über den da- maligen Soldaten in Friodenszeiten Ausdruck: Fit pinguis sine glande hoc pacis tempore miles Fiebant pingues et sine glande, sues. — • Für Reinlichkeit scheint Sailer viel Sinn gehabt zu haben, welcher sich bis zu einem gewissen Orte ausdeute. Im selben findet sich von seiner Hand folgende Inschrift, welche an allen solchen Orten angebracht zu werden verdiente: Reinlichkeit: „Entlad' dich deines Leibes Wust, Doch sollst thun reinlich, was du thust, Und sorgen da — (beim Sitzen und beim Steh'n), Dass sey nach dir, verunreint Nichts zu seh'n. — Du giengst ein Mensch herein : Geh' nicht hinaus — als Schwein !" Mun di ties : Homo, quis sis — scire si vis En Argumentum ad Hominem. 119 Die Vögel sind noch nie geflogen, Gebraten in des Trägen Mond; Der Wahrheit Sprach bleibt anyerloren : „Der Mensch wird Vieh — wird Schwein — wird Hand/' Leztere Verse sind ein Anklang an den ebenfalls angeschrie- benen Vers des 48. Psalmes: Der Mensch zur Würde geboren, - Hats nicht verstanden; Dem Viehe ward er gleich, Den unvernünftigen T4eren änlich. — Wie ser er von Nächstenliebe beseelt und aller Splitter- , seherei abhold war, lassen folgende Verse erkennen : I „Si tibi fratris amor residet sub pectore, crisin de factis fratris deproparare cave. Saepe sub hoc zelo latet ipsa saperbia naevos qaos reperire patas, forsitan ipse facis;*' sowie ein monitum fraternum vom Jare 1761 : „Errores fratris si forsan videris illos excusa. facies sicque latere tuos/' Insbesondere scheint er nach folgendem Distichon : „Invenis errores conive, hoc postulat unas I nobis communis fratribus unus amor.*' ein Freund und Gönner der Jugend gewesen zu sein. — Tiefe, ja rürende Dankbarkeit zu Gott far alle empfangene Woltaten spricht aus folgendem Lobgesang : „Laudetur Dens Nutritor mens „Quot spicias, quot culmos, quot grana collegi et in manipulo una collegi toties Nutritor mens Laudetur Dens." — Die Bescheidenheit selbst ist er, wenn er ausruft : Quae scripsi, misere scripsi, miserere proinde Scribentis, dantis forte simnlqae manus. Expendi multü, scripsi quoque denique multü. multa domus voluit, multa papyrus habet I Laus Deo datori ! i Folgen dann noch einige Zeitbemerkungen — wie über das Jar 1758: „Tempos si luctus, faciet patientia fructus;'* das von 1759 : In paucis parvis Numen laudare memento, In paucis parvis mazimus Ipse Dens. — Birlfnger, Alemannia V 2 8 . 114 Mit den Worten seines Nachfolgers^ noch eines Mitkonyen- tualen von ihm über sein Wirken als Pfarrer wollen wir die Aus- lese aus dem Rappulare schliessen: „Vir hie, et a concionibus honorificis, et a libris editis sat multis orbi Litterario notissimus zelotissimnm quo- que parochum egit/* 2 Sailer als Eanzelredner. — Die Festpredigt in der Eapuzinerkir che zu Riedlingen am Tage des hl. Fidelis (24. April) im Jare 1743 oder der Humor auf der Kanzel. Ueber diese Predigt, welche um so mer von Wert sein dürfte, als sie noch aus den jüngeren Jaren Sailers, in welchen er noch nicht so bekannt war, stammt, findet sic^i in dem inte- ressanten Tagebuche eines Eapnzinermönches von Riedlingen fol- gende Skizze, welche wir lieber gleich dem ganzen Wortlaute nach folgen lassen, da sie von einem Zeitgenossen und Mitanhörer der Predigt geschrieben ist : „24. April 1743 concionem habet P. R. Sailer. — Riedlingae pro feste ß. Fidelis Martyris die 24. April, in sacro fratram capucinorum ambone ad populum copiosissimum dixit famosissimus aevi sui concionator P. R. Sebastianus Sailer Canonicus Marchtallensis et tum temporis S. S. Canonum Professor. Nullus hominum huius ab alloquio tristis abiit, tanto enim, ac tam freqnenti sale suos sermones tingere suevit, ut vel ipse vide- ret Heraclitus. in thema concionis suae assumpsit illud : Ecce ve- rus Israelita, in quo dolus nonest. Gives Riedlingani Mercaturae dediti per jocum dicuntur passim judaei bapti- zati; hos igitur (nee enim sine aculeo dicere poterat) egregie ha- buit demonstrando, dass der hl. Fidelis gebürtig von Sigmaringen in Schwaben seye ein ehrlich und redlicher Schwab e.*^ Diese Redeskizze zeigt treifend» wie Sailer den Humor auch aut der Kanzel, in einer keineswegs störenden, oder gar entweihen- den Weise zu kultiviren verstand. Eine reiche Ausbeute bie- ten in dieser Richtung seine gedruckten in späterer Zeit gehalte- nen Reden und empfelen wir sie dem Herrn Verfasser eines neu- lich (in Verlag von Fr. W. Grunow in Leipzig 1877) erschiene- nen Buches „Witz und Humor im deutschen Volksthum*' angele- gentlich, welcher zwar in einem eigenen (dem 14.) Kapitel den Humor auf der Kanzel abhandelt, den Namen Sailers aber nicht einmal erwänt. Sailer war und blieb eben Humorist durch und durch und konnte diese seine Hauptader nie verläugnen. Als ihn einst sein Abt — es ist dies eine noch ungedruckte Anekdote — „auf dem Zuge hatte", gieng er auf diesen, wie er gerade zu Pferde ge- 115 stiegen war, zu und streichelte dasselbe mit der Bemerkung : „Armes Tierle ! du dauerst mich !'' Auf des Abts Terwnnderte Frage nach d«r Bedeutung dieser Rede meinte er schmollend, er wisse wol, wie es seie, wenn Einen der Abt reite, — sprachs und entfernte sich. — Wollte man ihm in Dieterskirch oder in Ober- marchtal ein Denkmal, und wäre es auch nur ein Medaillonbild, errichten, welches er, der oberschwäbische Hebel, schon längst mer wie mancher andere verdient hätte, so müsste in seinem Antliz sein treuer Kamerad Humor mit einem schalkhaft gutmü- tigen Zuge mit zum Ausdrucke gebracht werden. Ulm Justizassessor Beck Zum Strassburger Freischiessen von 1576 Fischarts „glückhaftes Schifft mit seiner Verherrlichung der Birsebreifart der 54 Züricher auf das grosse Freischiessen nach Strassburg am 20. Juni 1576 wird das Interesse für dieses an sich unbedeutende , aber in Schweizer und Elsässer Chroniken des 16. und 17. Jarhunderts fast nie übergangene Ereignis auch in weitern Kreisen wol niemals gänzlich verschwinden lassen. Ist es daher nur zu billigen, wenn die Litteratoren seit* Bodmer ^) be- müht waren alles sonst vorhandene historische Material über den Gegenstand dieses ernsten aber an poetischen Schönheiten reichen Gedichts unseres grossen Humoristen ans Licht zu ziehen und zu verwerten; so darf man andererseits doch billig über die Art und Weise erstaunt sein, mit der dies bisher geschehen ist. Der Badensche Hof rat F. D. Ring veröffentlicht« darüber schon 1787 eine eigene 156 Druckseiten starke Schrift, die unter- haltend und vielleicht auch geistreich sein sollte, aber durch einen sonderbaren Zufall erst von S. 181 an auf das kömmt, was bei genügender Ausnuzung für* die Local- , Gultur- und Litteraturge- schichte nicht one Nuzen gewesen wäre : nach Verschwendung von acht Bogen Druckpapier muste er sich jedoch nun itn Interesse seines Verlegers auf eine magere bibliographische Beschreibung seines reichen Quell enschazes beschränken. Mit dem besten Willen der Sache selbst beizukommen trat dann Hans Rudolf Maurer an diesen heran, welcher von einem gleichzeitigen Sammler — ein seltenes Beispiel in so früher Zeit ! — dem Chorherrn und Archidiaconus Johann JacobWick (f 1588) 1) Dieser hat das Verdienst in seiner Sammlung kritischer Schrif- ten> Zürich 1741 ff. zuerst wieder »auf Fischart und die Schönheiten seines Gedichts hingewiesen zu haben: Ring, Ueber die Reise des Züricher Breytopfes S. 54. 70 ff. 116 mit Eifer zusammen gebracht war ^) , studierte ihn aach genan und alles Uebrige dazn, dessen er an Ort and Stelle habhaft wer- den konnte: aber seine breitspaiige mit dem Jare 1255 begin- nende Darstellung der gewonnenen Resultate, die Wichtiges und Unwichtiges mit gleicher patriotisch- philosophischer Sauce begiesst, wird dem Leser stellenweise zur waren Pein, — abgesehen da- von dass sie das gerade vom litterarhistorischen Standpunkte aus Wünschenswerteste, die Quellenmitteilungen, als unwesentlich bei Seite lässt. In diesem Jarhunderte (Zürich bei Meyer und Zeller 1856) bearbeitete dann Adolf Weisser den viel behandelten ^) Stoff auch noch populär in den „Volksgeschichten aus der Schweiz", ,^die Menge der belletristischen Planlosigkeiten, wie er S 111 sagt, womit wir Jaraus Jarein überschüttet werden, durch ein Unter- nemen zu unterbrechen, welches für Solche, deren Gaumen einer kräftigeren Kost nicht abgestanden ist, durch das Detail der kul- turhistorischen Züge den Reiz der Novelle bieten dürfte' ' ! Schon die Vorrede wimmelt von nichtssagenden Phrasen und halbverdauten Gedanken : sein „mühevolles Studium*^ (S. T) bei Abfassung dieses Opusculums beschränkt si6h auf ein Verar- beiten der Mitteilungen Rings, Maurers und des Fischartischen Gedichts in Hallings Ausgabe, mit den Zusammenstellungen einer handschriftlichen Chronik Johann Hallers von 1615 auf der Züricher Bürgerbibliothek, die auch eine Abschrift von Dr. Jörg Kellers ,,Warhaffter und Eigentlicher Beschrybung der glücklichen Schiffart'* mit Bruchstücken anderer Quellen enthielt. S. Vll. Den Aufenthalt der von Ring beschriebenen HSS. und Drucke aus Wicks Sammlung kennt des Züricher Autor nicht, — oder sind diese nicht mer in der Stiftsbibliothek vorhanden? Der Ka- talog der Bibliothek der Cantonal-Leranstalten in Zürich vom Prof. 0. F. Fritzsche (Zürich 1859, 8), der wol darüber genügende Auskunft geben wird, ist leider in Berlin nicht vorhanden, wie man es denn überhaupt oft zu bedauern hat, dass sich von den nicht in den Handel gegebenen gedruckten Katalogen schweizeri- scher und süddeutscher Büchersammlungen auch auf ungern gross- ten Bibliotheken in Deutschland verhältnismässig wenig vorfindet. Jedenfalls darf man nun wol hierüber nächstens einige Aus- kunft erwarten, nachdem auch Rudolf Reuss jüngst bei Gelegen- heit seiner verdienstlichen, wenn auch nicht gerade sonderlich wert- 1) Ring S. 145 und 149 ff. 2) Eine ziemlich vollständige Bibliographie bei R. Reuss: Zur^ Geschichte des grossen Strassburger Freischiessens. Strassburg 1876, S. 71. Urkundliche Mitteilungen auch in F. J. Stalders Fragmen- ten über Entlebuch 11 (Zürich 1798) S. 275 ff. (üeber den in dieser Zeitschrift IV, 1 behandelten, ,Kiltgang* dort a. a. 0. IT, 3 ff. ebenfalls ein Aufsaz Stalders). 117 vollen Mitteilungen „aus den Strassburger RatsprotokoUen^* das Verlangen nach den Quellen des Züricher Chorherrnstifts ausge-* sprochen hat. Dass übrigens die von Maurer bennzten in Zürich nicht mer voilständig auf zu finden sein werden, glaube ich aus einem Be- standteile der von Meusebach'schen Sammlung auf der kgl. Bib- liothek in Berlin schliessen zu müssen. Es ist dies eine jezt mit Ms. Germ. 8. 218 bezeichnete Handschrift^), deren Maurer S. 62 Anm. * für die Behauptung „Hans im Weerd genannt Ziegler sei der . Urheber der Schiffart gewesen*' mit den Worten ge- denkt : „Nach einer handschriftlichen Nachricht von 1606, worin das Reisejournal (Jörg Kellers) als eine wieder aufgefundene Sel- tenheit dem Statthalter Ziegler dediciert wird/' Vgl. dazu S. 63, Anm. % wo es ergänzend heisst: „Von. (Jörg Kellers, eines Arztes, 1) Dieselbe Bibliothek besizt noch eine zweite ebenfalls früher Herrn von Measebach gehörige, jezt mit Msc. Germ. 217 bezeichnete H8.,Briefe eines Hirsebreifarers über Erlebnisse bei Ge- legenheit des Strassburger Schiessens von 1576 enthaltend, ^n ihrer Echtheit hat bis jezt Niemand gezweifelt. Sie bestet ans 18 alten Blättern, von vorn bis hinten in fester gleichmässiger Schrift des 16. Jhts.; auf der Rückseite des aus einem Pergament- blatte bestehenden VordeMeckels ist ein Wappen eingeklebt und darü- ber stet anscheinend von etwas jüngerer Hand, wie die in der Hs.: „Ex libris Conradi Grebellij Tig. Helvetij Anno CIOIOCXXXIII.*- Die mit genauster Berücksichtigung alles bekannten historischen Details ge- machte Erzälung ist schlicht und einfach, durchaus in der Sprache des 16. Jhts.; aber trozdem darf diese „Abgschrift der briefen, die min lieber bruder Thomas zur Linden an mich nach Bre- men gschriben hatt^' für weiter nichts gelten als eine mit grossem Geschick zu Stande gebrachte, sicherlich eine lange Kunstübung vpraus- sezende moderne Schepfung. Es ist, wie ich durch Herrn Fr. Sta üb in Zürich aufmerksam gemacht erst spät einsah, das Originalrosc. Martin Usteri's zu seiner zuerst in den Alpenrosen von 1819, alsdann in seinen Werken 1831 abgedruckten, dort aber verhochdeutschten Erzäluncr ,,Thomann zur Lindens Abentheuer auf dem grossen Schie- ssen zu Strassburg 1576.'* Der Dichter ist bei uns in Deutschland unbe- kannter, als seine Dichtungen es verdienen — und ich hoffe ihn dem- näclist in dieser Probe kostümgerecht vorzulegen. üeber üsteri*s sonderbare Liebhaberei und staunenswerte Kunst- fertigkeit, nahen Freunden gegenüber den waren Ursprung seiner Neu- Antiken zu verschleiern, berichtet das Nähere Hess in seiner Aus- gabe der Dichtungen I, S. LXXVII und III, S. 154, 155, wie" denn die- ser auch selbst in der Vorrede zu seinen altdeutschen Erzälungen stets auf seine Urheberschaft verzichtet: s. I, 191. II, 379. Herrn von Meusebachs Hs. übrigens für die alte Vorlage der Usterischen Erzälung zu halten, wie dieser vielleicht getan als er sie mit andern Bestandteilen der Bibliothek des Dichters erwarb, möchte nicht angehen. Schon das Vorkommen der Namen Schinz undUsteri in der Hs. spricht dagegen; es wäre mer als wunderbar, wenn diese Familien auch schon damals in Zürich existierten. 118 gelerten Professors und Chorherren) Reisejournal, das er seinem Collegen, Gborherrn Wick als einen Marktkram von Strassburg überschickte (vgl. Ring S. 145), liegen drey ReCensionen der Er- zälung zu Grund : die w i c k i s c h e C o p i e auf der Stiftsbib- liothek, diehallersche iu seiner Chronik auf der Bürgerbib- liothek ^) und eine dritte, Hans Schweizers von 1606, der sie . . dem Statthalter Ziegler, als Urheber der Tat dedi eierte." Hans Schwytzer, wie Weisser S. 4 sagt : „der Sta- benknecht zur Saifran", unterzeichnet sich El. 3a zwar mit seiner ungeübten und schlecht lesbaren Hand : Hanß Schwitz, sein Name wird aber sonst überall übereinstimmend HannsSchwy- t z e r geschrieben, und eine andere Person dieses Namens kommt unter den Hirsebrei farern nicht vor; da er sich ferner in dem Namenverzeichnis der glückhaften Schiffer S. 20 mit. „ Hanß Schweytzer" auffürt, so kann an der Identität der Person wol kein Zweifel sein. Die HS. bestet' aus 21 paginierten Blättern in kl. 8., die beiden lezten sind leer und neu; auch vorn sind zwei neue vor- gesezt. Ich glaube nur das Wesentlichste hier ausheben zu sollen ^). Bl. la beginnt: „1576 | Dem Fromen | Ehrenvesten für- | sichtigen vnd Wei- | sen Herren Johann | Ziegler, Statthalter j vnd deß R^ths der | loblichen Statt | Zürich, meinem | hocheren- den (so !) gnädi- | gen herren vnd | lieben Zunfftmeister. | " Bl. Ib : ] Ehrenvester, fürsichtiger, vornemmer vnd weiser gnädiger herr Statthalter, auch getrewer lieber Zunftmeister ! Nach- dem vnd diser tagen in meiner bibliothec noth halben etwaß gsucht, ist mir dise gegenwärtige lobliche schiffart in die band kommen ; bin ich hierüber vervrsacht worden, meinem hoch- ehrenden gnädigen herren vnd getrewen Zunftmeister söliche schif- fart zu übersenden. Vnd daß fürnemblich darumb, daß der herr Statthalter an diser glücklichen schi ffart die eintzig vrsach gewesen ist, daß 'söliche ebrenge- sellschaft sich [2a] vnder einander verbunden mi4; dem herren auf daß Wasser zu begeben. Hat der herr allen kosten, so hierüber gangen, außgeben vnd bezahlt Dargegen von einem ehr- samen weisen rath diser weitberümten statt dem herren Statthal- ter zu groser dankbarkeit ist solicher vnkosten widerumb erlegt, nebend andern ehrenämptern gleicher gestalt ist begäbet worden. 1) Es ist dies wol die von Weisser benuzte HS. 2) Interpunction und Sazabteilung rürt von mir her, auch sind die regellos gesezten grossen Anfangsbuchstaben unterdrückt und die ärgsten Auswüchse der wilden Schreibung beschnitten, one jedoch irgendwie dem Lautbestande zu nahe zu treten. 119 Als sonder- [2b] lieh deß hawineisteranipts, wie aach der graf- schaft Kybarg vogt, die ench mein herrea in die sechs jähr lang vertrawt Hieuebend bitte ich den herren Statthalter . . . mich vud die meinen, wie daß der herr das selbige je ynd allwege bishar gethan, also [3a] fürohin in gnaden befohlen sein lassen . . Datrum den 12. Septembris 1606. E. E. V. W. vnderthäniger Hanß Schwitz. Bl. 4a :] Vff Mittwochen den 20. tag brachmonats ao. 1576., ain morgen zwüschent ein vnd zweye ist daß schiff, darinnen der warm hirsch in einem 120 fE hafen in ein stendelin gestelt — da- mit er desto warmer bleibe, auch sich niemandts angemeltem ha- fen brante — • angefahren an dem Helmhanß, seind darinnen zu beyden Seiten 18 zngmoder gewesen, an jedem ort 9. Ist man also gefahren mit dromen vnd pfeiffen ynd auch trompeten durch die statt hinanß biß schier hinab gehn Hongg: da hat man zu beiden Seiten an- [4b] gefangen ziechen. Es seind auch etliche schliß geschehen auß dem bröglin im Hard, von Mr. Lienharten Yogelin, so ihme zugehört. Ynd ob sich die sach ließ ansehen, als ob es ein nebel wolte geben, so ist auch derBißwind^) darhinder kommen vnd hat jn von yns ab sich triben , also daß es vnder vns allweg ist heiter worden. Seind also glücklichen kommen bis gehn L a u f f e n- burg: da hat man zugelent, vnd die standen') mit dem warmen hirschhafen sampt den ruoderen vnd semelringen hinvnder getra- gen in daß ander schiff, daß dan vor etlichen tagen [5a] durch den Lauffen gelassen ward. Ais wir nun newe steurleut genommen, seind wir glücklich fortgefahren ynd wol durch Hellhaggen bei Reinfelden kom- men. Da einer auff der brugg zu Reinfelden gestanden ynd einen stotzen mit weisen Eisäser an einer schnür gehebt ynd jn hinab gelassen: ist yon einem in dem schiff erwütscht worden, haben jn außgetrunken. Zu Beinfelden vnder der brug hat man zugelendt vnd ein wenig still gehalten, bald aber wider fortgefahren vnd zeitlich vn- der der R(e)inbrugg zu Basel hindurch gefahren [5b] : da dann vnsere eydgnossen von Basel drey stücklein auf den redem auf der Reinbrugg gehebt vnd die selbigen lassen abgehen, auch auß anderen zweyen turnen vns zu ehren geschossen. Es seind auch die steurleut in einem kleinen weidling auf dem R(e)in herzugefahren vnd in daß schiff kommen, auch hat vns herr Christo ff el Danner ein grosen krug mit wein samt wel- schen Würsten, brot, rätich vnd saltz zugeschickt, welches dan vns wol bekommen ist. Hiemit seind wir also gefahren mit verlangen 1) Nordostwind: Stalder I, 173. 2) Stellfass, Ständer: Sehmeiler IV, 768. 120 [6a] auf Breysach; dann der Btoin von Basel nicht mehr so Btreng laoiFt, als ob Basel. Als wir nun Breysach ersehen, seind wir sorgfaltig gewesen, ob vns nicht die selben steurleut säumten : aber sobald sie die trompeten Tnd trommen gehört, seind sie vns entgegen gefahren in einem weidling Tnd seind in daß schÜf kommen. Vnd die steur- leut von Basel seind abermahlen glücklich fortgefahren. Dieweil es aber anfi^ng spat werden, fragt ich den einen steurmann, ob er vermeinte, daß wir noch tags möchten gehn Straßburg kommen [6b] — sprach er, man führte mit einem lasi- schifiP in 8 stunden. Da vermeinte er: daß schiff führe dermassen schnell darvon, daß man bey gutem tagszeit würde gehn Straß- burg kommen. Solichs alles gab allen denen im schiff ein herz, daß ihr einer für den anderen tapferlich begert zu*ziechen an den ruodem oder r i m en, wie sie es nennen. Als wir nun ein Zeitlang gefahren, haben wir die spitz von dem münstertum zu Straßburg gesehen, vod seind also vngefehr vmb halbe neune oder nicht vil über die achte gehn [7a] Straßburg kommen, im hinjnfahren durch den arm so in die statt geht, haben wir semelring anßgeworffen den kindern, so vns glücklichen zuschreyen ; welche ring auch von den alten seind auff- gelesen worden vnd von etlichen als für heiligthumb seind gehal- ten worden 1 Wie wir nun in der statt zugelent, haben sie zwei herren deß raths zu vns geschickt vnd vns im namen der herrschaft heisen willkommen sein. Vnd seind also durch die vile deß volcks auf deß ameisters stuben geführt worden, da die stett* vnd amei- ster vnser mit dem essen ge- [7b] wartet vnd vns freudlichen em- pfangen, auch am langen tisch zu beyden selten je ein Züricher vnd ein Straßburger gesetzt ! In disem hauß was die musica zum allerbesten gerüst mit posaunen, zincken vnd lebendiger stimm. Als wir nun zu tisch gesässen, hat man auch den hirsch- hafen dahin getragen, vnd hat jn der diener auf der ameister- Stuben aufgethan vnd in kleine blätlin angericht — welcher noch so warm gewesen, daß er einem an die läffzen gebrent hat [8a] 1 Man hat auch der statt- vnd ameisteren h'außfrawen darvon ge- schickt ; es seind auch etliche schwangere weiber für den schraü' ken kommen vnd haben darvon begert. Daß nachtmahl hat gewärt biß nach dem einen nach mitter- nacht, vnd mit lieblichen Sprüchen vollendet; vnd haben vns die stett- vnd ameister mit harzliechtern zu vnser herberg „z u m h i r z e n" begleitet. Morgendeß auf Donstag den 21. Junij seind die zwen ver- ordneten herren zu vns kommen vnd habend vns mit trommen [8b] vnd trompeten auf den schießblatz geführt. 121 Auf disem schießblats haben sie vns zeiget diebogenschieset, (so!) welcher gemacht daß man hat können den tetsch^) vmb winden: wan sie all geschossen haben , da hat man die böltz am hindern teil außgezogen vnd haben die schützen vornen widervmb ange- fangen zu schießen ! £s ist auch ein schöne Fortuna gar künst- lich geschickt auf dem gehäuß gestanden , welche [sich] mit dem sägel den vier schützen nach ymbgewandt worden ; ynd wan sie den schützen den rücken kehrt, so haben [9a] sie jre schüß ge- than, vnd seind zwen lewen herfür kommen vnd haben den tetsch v^deckt : vnd ist der tetsch vmbgewendt worden vnd ist die For- tuna auch vmbgangen. Darnach seind die lewen wider gewichen vnd habend die schützen wiederumb angefangen zu schießen. Darnach habend sie vnß auch auf das schützenhauß der büchsenschützen geführt, vnd in die aufgespannen (so !) zelten hin vnd wider geführt. Ai)f solches seind wir wider hinder sich geführt worden auf der bogenschützen gewonliches hauß, welches zu eng were gewe- sen zu diesem haupt- [9b] schießen ; darumb daß andere — wie gemelt ist worden -^ auf der buchsen blat ist aufgericht worden. Daß . gewonlich bogenschießen ist in einem lustigen garten, darinn vil bäum vnd weinräben daran standen wachsende. Es seind auch öhlbäum darin sampt einem lauffenden brunnen von hüpscben kindlen ') , von welchen an vilen orten waßer yß- sprützen. Darnach haben wir die zwen verordneten herren mit vns zum jmbis genommen in vnser herberg. Nachmittag hat man vns geführt in daß zeughauß^ da [10] allerley stück groß vnd klein vnzahlbar gesehen werdend. Vnd lag ein new vngefasst stück allein da. daß ist 10 schuch lang, item von harnisch vnd spießen ohne zahl. Insonders aber seind da einige doch lange stück auf räderen, seind eisen, doch wol ge- macht. Darnach haben sie vns geführt atif die komschütten, auf welcher noch ein zimlicher vorrath ligt, vnd haben vns geben TOggen, der 50 jähr alt ist. Demnach haben sie vns in ein ander alt hauß geführt, da- rin ligt vil salz in großen kästen, alda ist salz 197 jähr alt ! [lOb] Als nun spatt war, seind wir zum essen gegangen, dan vns herr burgermeister 6 r ä m sampt den andern büchsen- schützen von Zürich zu gast geladen auf der schniderzunft. Auf Freytag den 22. Junii seind die verordneten abermah- len kommen, haben vns in daß Münster geführt und alda daß vhrenwerk lassen angehen, daß auf den zimbalen die psalmen ge- schlagen. 1) Scheibe: Maurer, S. 42 Aum. **** und die Abbildung S 48. 2) Eindlele Ms.*' 122 Damach seind wir auf den turn gegangen vnd bat man vn8 da ein köstlich morgenbrot lassen rüsten von salinen [IIa] Ynd hüneren. Wir seind gesessen in einem egg des turns ob einon steinenen tisch , vnd wiewol es allenthalben geregnet so ist doch kein tropfen auf vns gefallen, ob wir gleich vnderem blosen him- mel gesessen, dan der wind hat den ragen von yns abgetragen» Darnach habend wir die orglen besehen vnd hören schlachen, da wir gesehen den Roraffen von Straßbnrg : ist ein mann in roth vnd weiß^) kleidet, hat ein trompeten im mund, vnd wan die orglen geht so trompetet er stark mit zitteren [Hb] auf der rechten seiten. Auf der anderen Seiten stecht ein alter mann auch in roth vnd weiß gekleidt, der hat einen grawen hart vnd er schätte(l)t den köpf, wan der ander trompetet. Nach disem hat man vns geführt in die sacristei vnd bat vns daß einhorn gezeiget, welches so lang als ein zimlicher mann mit dem arm ob sich reichen mag ; hat aber keinen spitz, dan er vor etwaß jähren darvon kommen ist. [12a] Als wir nun dises alles besehen, hat man vns in die cantzley geführt, da etliche statt vnd ammeister bey einander waren ; haben vns ihre rathstnben gezeigt vnd darauf freundlichen angesprochen, daß wir den Sambstag vnd Sontag wollen bey ihnen verharren. Aber es hat herr Statthalter vnd ein gesellschafb für besser angesehen, daß man ihnen fleißig aller ehren danke vnd freundlich vrlaub von ihnen begehren soll. <, Da^) haben sie ein gesellschaft auf morgen zu jmbis wider [12b] auf die ameisterstuben geladen zum essen, welches wir ihnen zugesagt. Sie haben vns auch in den marstall geführt vnd die pferd lassen sehen, auch haben sie vns geführt in ihr spital, da alles ordenlich gerüst : vnd haben vns hundertjährigen wein zu trin- ken geben. Solches hat sich lang verzogen; vnd seind darnach wider auf die ammeisterstuben geführt worden , da vns meister Felix Würtz der spitalschärer zu gast geladen. Die £rzäluDg reicht bis Bl. 18b, dann folgt Bl. 19a— 21b das Namensverzeichnis derer, „so in disem SchifP in einem tag von Zürich gehn Strassburg gfaren seind.'* Alles begiebt sich, wie Maurer auf Grund seiner Quellen er- zält hat, auch die Verabschiedung geschieht wie M. Dsteri in seiner das genaueste Quellenstudium bezeugenden Novelle ei*zält, Sambstag den 23. Junij Bl. 13a ff. Der Raum gestattet hier nur noch die Scene mit Sturm auszuheben : „Hiemit hat man den zedel darinnen vnser aller namen [l4b] gestanden angehebt zu lesen. 1) Die Pritschenmeister auf dem Schiessplatz waren auch ,,weiBB vnd roth bekleidt fast wol als man die narren billig soll.'^ Maurer S. 43. Roth und weiss ist die Strassburger Stadtfacbe: Reuss S. 26, 1. 2) Daß Ms. 1. Des? 123 vDd ist alda gestanden herr Stnnn der ameister md die st&tt- meister, vnd hat alle male einen fahnen genommen sampt einem seckel vnd dem gelesnen in die band geben mit disen Worten : „Ich wünsche dem herren yil guts vnd ein glückliche heimfart !*'... /' Von dem über das Strassborger Freischiessen bekannten Ma- teriale sind also ausser Fischarts Gedicht mit dem „Schmach- spruch^' nnd „Eehrab*^ gedruckt: 1) Die Verse am Speyerbad zu Strassbnrg: Ring S. 35. Maurer S. 75. Weisser 80. 2) Budolf Walthers Argo Tigurina: Ring S. 42. 3) Die Inschrift des Kelchs, den die Hirsebreifarer aus den erhaltenen Schaumünzen machen liessen : Jlf aurer S. IX, Anm. * 4) Verschiedene Legenden und Abbildungen von Schau- münzen: Ring S. 1. Maurer S. IX. 39. 41, Anm. ** 5) ,, Lobspruch | Der Freyen Reychstatt | Straßburg zu ehren gestelt, darinn | gemalt wirt jres harkommens, sampt | einer ritter* liehen that eines Scbiessens, | was sich im anfang vnd jngang | zu getragen hat, gar lustig | zu hören. | (Wappen). | Von mir Vi- rich Wirry geborner Burger | zu Araw meiner gnedigen Ober- herrn zu I Bern, vnd üwer aller allzeit gut- | williger Diener. | Getruckt zu Straßburg bey Niclauß Wyriot. | M. D. LXXVI. 8 Bl. mit Gustoden und Signaturen. Exemplare in Zürich und Berlin. Der Spruch (= Ring 132, II), vollständig abgedruckt — nicht teilweise, wie Reuss S. 74 behauptet — in Mensels Histor. literar. bibliogr. Magazin IV (Zürich 1791) S. 65, ist nach E. Wellers Angabe im Anzeiger für Kunde der Deutschen Vorzeit 1860 S. 442, vgl. Annalen I, 334 Kr. 213, eine neue Ausgabe mit ver- ändertem Titel von „Hauptschiessens Anfang, so man zu Straß- burg gehalten, in rymen gestellet durch Virich Wirry von Arow, zu ehren einer loblichen Freystat Straßburg, im Jar 1576.'* Am Ende: „Getruckt zu Basel bey Samuel Apiario. 1576^\ 8^ in Lucern. Warscheinlich ist jedoch das Verhältniss ein umge- kertes. 6) Ausschreiben der Stadt Strassbnrg eines doppelten Schie- ssens halben, mit dem Stahl vnd der Ziehlbüchse . . . Straßburg, 18. Febr. 1576, Folioblatt: Reuss S. 55 ff., vgl. 72, 1. Der bei Ring S. 131, I gegebene Titel war wol nur ein geschriebener. 7) Verordnung uod Mandat des Meisters \ind Raths von Strassburg. 9. Mai 1576. Folioblatt : Reuss S. 68 ff., vgl. 72, 2. 8) Die Verhandlungen des Strassburger Magistrats^). Die 1) Die Veranstalter des Schiessens traten im Rat, wie es scheint, wenig offen hervor: Reuss S. 3, 1. Der regierende Ammeister hatte ein persönliches Interesse bei diesem Feste, a. a. 0. 15, 5. Dass Strass- burg wiederholt und zulezt in Worms den Kranz erhalten — Reuss S. 1, ^und 2, 1 - sagt auch Fischart, Kurz II, 230 V. 613—615, 124 des Züricher Batsmanuals, wie die handschrifblichen Stücke der. Wickscben SaminluDg (Ring S. 143 fiP. Nr. 15—22) hat wenigstens Maurer für seine geschichtliche Darstellung durchgesehen : S. IX. So concentriert sich das litterarhistorische Interesse auf den noch unbekannten „L obspruch über die wytberümpte . . . schifiPart vnd ritterliche That einer ersamen burgerschafft der loblichen Statt Zürich, so in einem Tag vonn Zürich an bis gen Strasburg in schneller yl gfaren sind'' (Ring 140, XII) und vor allem auf die verschiedenen Ausgaben des „Schmachspruchs'' und seine 5 Beantwortungen, mit Einschluss der Fischarti- schen. Was den ersteren anfoetrifißt, so scheint die Originalausgabe desselben bis jezt nicht ^) aufgefunden zu sein, welche zur Er- forschung des nach gewönlicher Anname anonymen Verfassers ser nüzlich wäre: wir kennen ihn aber aus Fischarts Büchlein und dessen Nachdruck^) : Ring S. 136, V. Kurz 11^ 211 £P. Eine freilich in einer Yerteidigang gegen eine wol begründete Anklage. Uebrigens ist dieses Wörmser Schiessen von 1575 auch besungen wor- ' den, von Lienhart Flexal: Gödeke, GR. 293, 22. d. Die Frank- furter lösten den ihnen in Strassburg aufgesezten Kranz (Reuss S. 22) erst 1582 ein: E. Kelchner, Drei Frankfurter Schützenfeste. Frankf. 1862 S. 7. Die dort abgedruckte Einladung erinnert oft wörtlich an die Strassburger und beweist das Formelhafte derselben^ von dem Maurer S. 40 spricht. 1) Weissers Angabe S. 138 ist wol kritiklos aus Ring a. a. O. abgeschrieben. 2) ,Nachdruck' wie man seit Herrn von Meusebachs Recension der bekanntlich nach B gemachten Hallingschen Ausgabe zu sagen pflegt, ist nicht das richtige Wort, da sowol A wie B aus Jobins Offi- ein stammen. Der CATALOGVS NOTVS | NVNDJNARVM | VERNA- LJVM IRANCOFVRTJ | AD MOENVM, ANNO M. D. LXXVII. CELE- | bratarum . . . GEORGJJ WFLLERJ | . . | Verzeichnuß fast aller neuwer Bücher, | welche seyther der nechst verschiener Herbstmeß, biß I auff diese gegenwertige Franckfurter Fastenmeß in | offenlichem truck sein außgan^en | Gedruckt zu Franckfurt am Mayn, | bey Georg Raben. | M. D. LXXVII. | in 4. (= Messkat. Nr. 26 der kgl. Bibliothek in Berlin) fürt nämlich Bl. D 2a an: 1577. Ein Lobspruch, von der glücklichen vnd wolfertigen Schiffahrt, einer Bürgerlichen Gesellschaft auß Zürich, auff das außgeschrieben Schiessen gen Straßburg den 21. Junij deß 76. Jars, nicht viel erhörter weiss vollbracht. Dazu eines neidigen vervn glimpffers schandtlicher Schmacbspruch, von ge- dachtem Glückschiff, Sampt desselbigen notwendigem Kehrab ist ge- than worden, 4. Straßburg bey Bernhard Jobin. Es ist dies, wie das falsche Datum der Fart beweist, der zweite Druck, welcher nach Verkauf des ersten aller Warschein iichkeit nach 1576 erschie- nenen, one Fischarts Mithilfe bei der Gorrectur, in der Jobinschen Officin gemacht wurde, und zeigt indirect im Verhältnis zum ersten, wie scharf Fischarts Ueberwachung bei gewissen , seine eigne Schreibung darstellenden Drucken war. Herr von Meusebach hat in ein jezt der kgl. -Bibliothek gehöriges Exemplar der Hallingschen Ausgabe alle Va- 125 zweite RecenBion — nicht das Original, wie ans den beige- gebenen Versen Domini Gualtheri bestimmt hervorgeht — fürt Ring unter den Wickischen Stücken als handschriftlich (S. 137) mit dem Titel : „Unerhört Wu nder von einem küwarmen Prey uff das klein Strasburgisch Jubeljar: Datum in Eil, gesandt wol 40 Meil, A. n n o 7fi. £ntworffen durch Stentzlen vonBegaw, ge- hanodt Seltzsam Witz, 'geborner Düppel zu Nimmerking u. s. w/' auf: S. 188, VII. Wie Ring kurz vorher die in Fischarts Büch- lein hinter einander stehenden vier Stücke III — VI bei seiner Quellenaufzälung * selbständig numeriert , one darauf zu achten dass sie zusammen gehören ; so scheint er auch bei Nr. VII und VIII verfaren zu sein. Uebrigens sehe ich gar keinen Grund, weshalb Stentzel - von Begaw (Pegau ?) etwas Anderes als der Autorname sein soll; es käme nur darauf an Näheres über diesen Herrn Stentzel zu ermitteln. Vor der Hand, insbesondere one Einsicht der bereits er- wänten Nr. VII und VIII, wie der folgenden IX — XI; ,,EinGesp räch zwüschent einem Schwynhirten vnd 'einem farenden Schüler, auch was sich eins verlornen Muterschwyns halb zugetragen, nüwlich in Rymen gs teilt'S Ring S. 139. ,yAntwort vff den Spruch zu Schmach wider Zü- rich vnnd jre Eidtgenossen, auch wider ein hochgeach- tete Oberkeit zu Straßburg^', Ring a. a. 0. „Des Schalksnarren Anrede an den zu bestrafen- den Schmähschrift Verfasser^', Ring S. 140, muss ich mich aber bescheiden und lege hier selbst das der Hauptsache nach zurück, was sich aus Fischarts Auslassungen bei aufmerksamer Leetüre unter Combination mit den eignen An- gaben des Schmachspruchdichters ergiebt. Die Stücke VIII — XI müssen eben noch manches interessante Detail enthalten, wie sich ans Weissers Angaben 8.^ ff. nach den Fragmenten in der Hal- lerschen Cdronik auf der Züricher Bürger bibliotek ergiebt, der mir übrigens hier auf Kothurne seiner geschichtlichen Constructio- nen am besten gefallen hat. Er sagt S. 87 : In dem „Gespräch zwüschent einem Schwyn- hirten vnd einem farenden Schüler'^ werde noch gesagt: nach Gestalt und Art zu schliessen, dürfte der Schmachspruchdichter aus einem Dörflein sein, welches dn wenig beiseits liege, wenn man für Ensisheim niederfahre. Das Dörflein heiße Alten- rianten des ersten Druckes eingetragen and so treffend Fischarts Weise charakterisiert. — Die von Kurz II s. XVII angeregten Zweifel unter Hinweis anf Draudius erklären sich aus obiger Angabe gleichfalls, da die Aasgabe A in den Messkatalogen nicht vorkömmt. 1 126 haß. Ensisheim aber war österreichischen Ursprangs, ygl. auch S. 92. Maurer hat diese Frage leider nicht erörtert und auch den Gegenstand nur flüchtig gestreift : S. 95. Bing aber sagt von dem Schanddichter allein (S. 136), dass er ein „ Notar ius oder eines Notarius Schreiber gewesen zu sein" scheine: ,,ein dummeifriger Katholik", der - y,über das Zutrauen der protestantischen Strass- burger zu den protestantischen Zürichern jüber ihre beyderseitige nachbarschaftliche Freundschaft und Liebe . . neidisch und miss- günstig gewesen.'^ Seine Angaben finden einiger Massen Er- klärung aus Fischarts ,Eehrab* bei Kurz II, 215 : Er sieht etwas schreiberiscbV.46, vgLV. 71. 110. 731. 738. Er kan Notiren vnd koppieren V. 48, vgl. 333. 538. Ist nur ain Calmäuser V. 494, kann nichts als Feder- spizen V. 498. .Ain Gerichtsschwetzer V. 538, also doch wol kein Schulmeister, vielmer ein Jurist: vgl. 539 £P. D ersieh Römisch nennt V. 321, bei deiner Pr ies t er s ch af t Die nur am alten won stäts haft V. 303 ff., vgl. 337: dein Pfarrer, 373: dein Petrolium, 95: (Murner) sein Landmannus ist Vnd zunftbruder zum fau- le n m i s t. Ob Fischart den Mann freilich kennt, ob er nicht alles Dieses nur vom Hörensagen weiss, bleibt zweifelhaft : vgl. V. 853 ff. Ich will jedoch noch anmerken, dass nach ihm der Spruch im Elsass gedichtet wurde : ,,mus sagen frei . . vom Narren vnd seim Prei, Den er jm hat im Elsaß kocht, Das er damit die Schweizer pocht" 'V. 101 ff., vgl. V. 659. Er war aber kein Strassburger : sein Nachbarschaft (ist) D i e S t a t Straß- burg vnd AidgnosschaftV. 23ff. Als Fremden hat auch ihm Strassburg Gastfreundschaft erwiesen bei Gelegenheit des Schiessens: V. 517 ff. 600. Es ist „einer an der Thur vnd 111", V. 117, also aus dem Delta bei Ensisheim, wo der erstere von den Vogesen kommende Fluss ^) mit der dem RheiDC zuströmende 111 sich vereinigt, der ginen Landesfürsten (V. 646) hat, aber auch verheiratet ist (V. 734). Weissers Combinationen finden also auch bei Fischart einige Begi-ündung, wenn er auf einen österreichischen Untertan schliesst, der im Sinne der bigotten Regierung die Schweizer aus Ensisheim anfeindete : S. 92. Ich erlaube mir hier noch weiter auf den unliebenswürdigen Empfang hinzuweisen, den die zurückkerenden Hirsebreifarer dort fanden : Maurer S. 92. Jörg Schwytzere mir 1) Wenn man den Verfasser des Schmachspruchs auch in der Schweiz gesucht hat, z. B. Maurer S. 95, so dachte man bei Fischarts Stelle vielleicht nur an dem am Hochsäntis entspringenden Fluss, der auch den Kanton Zürich berürt 127 vorliegende Handschrift gedenkt Bl. 16b ebenfalls der Sache, nennt aber als Ort des Anstosses einen andern Namen : ,,Montags den 25. Junii seind wir gefahren bis gehn A m h e i s s e n (so !) ; hat man vns da den wein nicht geschenckt, sonder den zoll abge- fordert. Nachmittag seind wir gefahren bis gehn Mülhansen/^ Zweifelhaft ist mir geblieben, ob Maurer den Schmachspruch des Oesterreichers meint, wenn er S. 43 Anm. ** bei Erwänung des Knhplappertzuges (vgl. Uhland bei Halling S. XXVI, Anm.) eines „bey diesemSchie^ssen selbst verfertigten Schmachliedes auf die Züricher Argonauten'^ gedenkt. Bestimmt scheint mindestens Ehrenfried Stöber in seiner Monatsschrift Alsa 1817 S. 131 ein anderes yor Augen za haben^ wenn er in dem die Strassburger Ratsprotokoile zuerst benuzenden Aufsaze über das grosse Frei schiessen von 1576 be- merkt : „So waren damals, wie ein Gedicht jener Zeit beweist, die Strassburgerunerschöpflich in Witz vnd Aberwitz über das Hirtenleben der Schweizer, und dasWort Kuh wussten sie gegen leztere in hundert Verbindungen mit Beywörtern, Zunamen u. s. w. an- * zubringen." Im Interesse einer Stelle des Gargantua wäre ich für - gef&llige Belerung ser dankbar. Von zwei ausserdem noch bei Ring bereits aufgefürten Quel- len zur Geschichte des Strassburger Schiessens vermag ich schliess- lich auch noch anderwärts Exemplare nachzuweisen : 1) von der grossen, figurenreichen Darstellung auf vier an- einander zu fügenden Blättern : ',,A]gentliche Verzeichnus des be- rühmten Strasburgischen Hauptschiesens mit dem Stahel oder Arm- prost, dises gegenwärtige 1576. Jar . . gegenwärtiger gestalt icn truck geben vnd gefiärtiget, durch Bernhart Jobin Bur- grern zu Strasburg . . ", die der Herr Hofrat S. 141, XlII des Breitern, in neuester Zeit auch A. Andresen ^), Der deutsche Peintre- Graveur III (Leipzig 18G6) S. 49 Nr. 105, beschrieben hat : ein schönes Exemplar davon besizt die Herzogliche Bibliothek zu Wol- fenbüttel ^) ; und 1) Andresen hat überhaupt mere nnzweifelbaft von Fiscbart mit Versen ausgestattete Stimmersche Blätter beschrieben, worauf mei- net Wissens bis jezt kein Litterarbistoriker hingewiesen. Leider sagt der zu früh verstorbene Eunstschriftsteller nicht, wo er seine Exem- plare gesehen und sie sind seitdem wiederum verschollen. Einige der- selben vermochte ich im Laufe der Jare wieder aufzutreiben und -werde sie demnächst publicieren, unter andern die „Grillenmühle*', ein für die Erklärung Fischarts nicht unwichtiges Blatt, dessen jezigen Aufbewarungsort Passavants Peintre-Graveur den Freunden unseres Humoristen hätte verraten können. Herr von Meusebach bat dieses Blatt übrigens schon gesehen, wie eine auch von Passavant bereits mitgeteilte Bleistifb-Notiz seiner Hand auf der Bückseite des von Nag- lerschen Exemplars bezeugt. 2) Dem Herrn Oberbibliothekar Prof. von Heinemann bin ich 128 *2) von dem Oewinnverzeicbnis (Ring S. 143, XIY:) „Der Glück Haff I zu I Straßburg'', am Ende : „Getruckt zu Straß- | borg, durch Josiam Bibel. | M. D. LXXVT^, ein solcbes in der v. Meuse- bach^scben Sammlung auf der kgl. Bibliothek in Berlin. Die kleine Schrift^ 14 Blätter mit Custoden und Signaturen in 4^., das lezte Blatt leer, ist interessanter; als der trockene Inhalt äusserlich ver- muten lässt. Hinter dem fast ganz durch einen Holzschnitt eingenomme- nen, leider beschnittenen Titelblatt folgt zunächst ein prosaisches Vorwoii; , das sich über den Bescbluss des Strassburger Rats, einen ,, Glückhaffen** neben den Scbiessen auszuschreiben, über die unerwartete Beteiligung an demselben und die Vermerung der „Gewinneter**^ von 61 auf 275, aber auch über die damit verbun- dene Verzögerung auslässt — aus den Ratsprotokollen wissen wir, dass nicht weniger als 70 513 „bett oder zeddeP^ Geld aber nur 6580 fl. 15 seh. ^) eingelegt waren: Reuss S. 43 — ; dann heisst es : „Auf solchen Tag, Montag den XXIII. Julij, ist mehrberürter Hafen, in beisein vnd durch insonders dazu verordnete vnd be- stellte ansehenliche Regiments vnd Ratbs, auch verampte perso- nen vnd junge Knaben aufgeschlossen vnd angefangen worden, die Zeddel mit gebürlicher gutter ordoung außzunemen^S und hieran schliesst sich das wol von Josias Rihel selbst herrürende m Gewinnverzeichniss. Lezterer war einer der verordneten Hafen- herren: Reuss S. 43. 51. Die Einzelheiten über die beabuchtigte Verlosung gab schon das Einladungsschreiben an, Reuss S. 64 ff.; warscheinlich war diese Beigabe zu den Schiessen schon eine ser alte, jedenfalls mit den angegebenen Formen schon im 15. Jar- hundert übliche : vgl. F. Staub und L. Tobler in den Pi'oben aus dem für das scbweizerdeutsche Idiotikon gesammelten Materiale S. 2 unter ,Abenteur^ Wenn übrigens hier gesagt wird, dass „ein Ersamer I^aht, gleich wie inn angeregten beyden Schiessen,' also auch bei dieser Hafenkurtzweil keinen vorstand, gewinn, noch vortheil gesucht**, so ist doch auf die Ratsprotokolle zu verwei- sen, bei Reuss S. 3, 37 und besonders S. 42. Auch die damit Betrauten erheischen (a. a. 0. 48) und erhalten eine Belonung (S. 49 ff.), wie denn anscheinend die ganze Sache als eine ser wichtige vom Rate behandelt und in nicht weniger als zehn Sitzungen besprochen wurde: am 11. Febr., 27. Juni, 9. 11. 1*4. 16. 19. Juli, 6. und 13. August und 81. October. Die Eröffnung geschah auf dem Barfüsserplaz auf hohem Gerüst (Reuss S. 43) und zog sich nach Rihels Verzeichnis bis „Zinstag den VII. Au- gustj** hin. für den Hinweis auf diesen Sohäz, wie noch für so manche andere Ge* falligkeit verpflichtet' 1) Am Ende des Berliner Exemplars hat eine alte Hand mit Rotstift bemerkt: >Sa. 4594 glden.'* Die Differenz ist wol das vom Strasebnrger Magistrat „Herausgenommene**. „Hertzog Johann Casimir, Pfaltzgraff eto. (erhielt) von deß- wegen jhr F. G. der mehrtheil auflF einen Namen haben eingelegt, einen guldinen Schawgrosehen für XX golden'*, ßl. A 2b ; auch der erste, zweite vnd dritte- Name aus dem Hafen, wie „der neehste Nam nach der letsten gab" wurde honoriert. Die von Niclaus Fuchs und Niclaus Meiger eingekauften „Geschirre** (Reuss 50 und 65) bestehen zum grössten Teile aus Trinkgefässen, zuweilen in den abenteuerlichsten Formen; ich gedenke auf dieselben bei der Besprechung von Grandgoschiers Schenktischdecoration seiner Zeit zurückzukommen und hebe hier nur, naqh der Nummer citierend , das mir sonst Interessante aus. Mittwoch den 1. Augusti fiel der Hauptgewinn Nr. 1S7: „Cleophe Yslerin, Magistri Conradi Dasypodii Professoris all- hie ^) dienstmagt, für Magdalen jhr döchterlin, gewinnt Die beste Gab, Ein. verguldt Dopplet für C vnnd XV gülden." Vgl. Reuss S* 46 , wo auch ein Act väterlicher Fürsorge seitens des Rats für das „Döchterlin bis es zu seinen dagen kompt" aufbehalten ist ; das Gel äss wird zum Gedächtnis auf dem Pfennig- turm aufgestellt: a. a. 0. 48. „Das glück hafte Schiff von Zürich*' gewinnt wenig: Ein verguldt gedeckt ablnng geschirrlin für XVIII gülden, Nr. 88 ; Ein verguldt geschirrlein ohn deckel* für XV vnd ein halben gül- den, Nr. 97; Ein verguldt gedeckt Pocal geschirr, für 'XXI gül- den, Nr. 153. „Das Gesellenschiff von Basel mit der weissen kleydung"*): Ein weiß schwitageschlagen Gläßlin für VI gül- den, Nr. 61 ; Ein verguldt Doppelgeschirr, für XXXII gülden, Nr. 79 ; p]in güldenen Schawpfenning für XXIV gülden ; Ein glat- ten gülden dreifachen Gedenckring für VIII gülden Nr. 138; Ein gül- den Bretten für LXX gülden, Nr. 267. Von Gesellschaften und Corporationen sezte ferner: Der klein Rath zu Straßburg ingemein, 201. Die Vng elter allhie inn gemein, 242. Die Gesellschafft inHans Kriegers gaden^) äuffS. Martins platz allhie, zur grossen Kandten, a u f f glück, 33. Die Hafendiener sind auch hie. Was würdt jhn für jhre grosse mühe ? N. F. . . . Ein verguldte Schaal mit bickeln, für X gülden, 164. 1) Conrad Dasypodius, der Sohn des Humanisten und Lexicogra- phen Petrus, war Lerer der Mathematik ; er ist berümt als Constructeur der von W. Holzmann, N. Friscblin, M. Crasius, E. Zell, Ch. Egenolph u. J. Fischart besungenen Uhr: C. Schmidt, Das astron. Uhrwerk d. Strassb. Münsters. Strassb. 1842. S. 5 ff. Allg. D. Biographie IV. 764. 2) Üeber diesen Baseler Besuch geben die Strassburger Rats- protokollc ausfürliche Auskunft, s. bei Reuss S. 32 ff. 33. 41. 3) Kaufladen: Schmeller P, 87J. Unter 37: „Der Stöffler gaden alhie"; ebenso 224. Birlinger, Alemannia V 2 9 130 Der Erlaubnis gemäss wurde auch viiBl för Andere gesezt, im Ernst und Scherz: Daniel Hochfelder Burger allhie , für sein vberig Haußgesind, 203 ; Dorothea Dürrin e i n We isenkind im Spittal zfi Costentz 213. Aber auch : Andres Dieüenbecher, Schaffner zu denBar- füssem allhie, für den newen staden zu Bonn, 197 ; Jacob Vogler allhie, auff den Bapst zfi Rom, 232 und 266. J. Hans Mattheus Mußler Nassawischer Amptmann zfi Lar, für V seiner kü, 123. Hans Wilhelm öd zu der Altenstatt bey Weissenburgy für seinen Oeyßbock, 132. Claus von Berckheim, Pfründer in der Ellenden Herberg allhie, für seinen großen beschlagnen Trog, 177; Andres von Mei£fen inn Sachsen, bey J. Friderich Bocken, für seins Junckhern Magt 270. Ernster gemeint ist: Diebold Böhem allhie, Gott beschert vber nacht, 183; „Auff gut Glück", F. V. G., 234; M. Conradt Lauij Schaffner im Bruderhoff allhie, Mein vertrawen allein zu Gott, 245; Heinrich Hammerer D&chman allhie, für Bernhart Breiß, MeßbÄch A. FoL 174., 243. Nach diesen kulturgeschichtlich interessanten Daten merke ich hier noch einige Namen an, one dass es mir weiter an dieser Stelle möglich wäre ausznfüren, weshalb dies geschieht; meist sind sie mit Rücksicht auf Fischarl nicht one Wert. Herr Philips Landtgraff zu Hessen . . Ein gülden Zahn- .^stewrer mit einem Türckiß vud geschmeltzter arbeit, 87; F. Eleonora Gräuin von Hohenlohe, Fraw zu Langenburg Witwe, für jhren Herrn Vatter Graff Philipsen von Hanaw etc. den El- tern, 178. Herr Wolff Vngnad, Freyhen* zu Sonneck, so allhie studiert, 268; Herr Huprecht (1. R. . . ?) Grave zu Eberstein vnnd Rixingen, Thumherr hoher Stifft Straßburg, 1369. Unter den Gelerten: Nicolaus Pistorius M^rtestenius, 34; M. Martinus Hämmerlin, Praeceptor v. Ciassis allhie, 120; Doctor Niclaus Zißner, Beisitzer des kais. Cammergerichts zu Speyr, 51. Doctor Johan Sechel, Procurator zu Speyr, 125; Philips Jacob Widerstorffer für Hieronynum Wolffeu allhie, 86; Herr Dydimus Obreqht, der artzney Doctor, 90; Doctor Mel- chior Cebitius (1. S . . .) Medicus allhie, 165;' Jacob Burgawer von Kempten, 181; Elisabeth Meister Foelix Würtzen ^) wund- arlets Haußfrau allhie, 190; Frau Magdalena Doctor Johann Ner- vii der Statt Straßburg Advocaten haußfraw, 14; Doctor •Bernhart Botzheim, Der Statt Straßburg Advocat, für F. Margareth sein ehegemahl, 158 vgL 198 ; Hans Heinrich Meyer Notarius allhie, 136 ; Daniel Bürtsch Notarius allhie, 235 ; Peter Seypel Schreiber an der Müntz allhie, 25 ; M. Michael Tewrer 1) Reuss S. 30, 1. Maurer S. 84, Anm. ***♦ 131 kleio Rabtschreiber aUbie, für Heinricb von Lamparten seinen Schreiber 109 vgl. 19; Georg Golder der Herren Funfftzeben Schreiber allhie, 127; Michael Horcher Schreiber zu Alienbeiligen allhie, lB7a; Haus Vlricb Roitei Cantzley verwandter allhie^ 176; Heinrich Hans Rahtsbewandter allhie, 261. Tbobias Stimmer von Schaff hausen der Mahler (gewann) Ein glatten weissen Uoffbecher, ohne deckel für XII gülden, 263. Andere Künstler: Christoffel Braun der Glaßraahler allhie, 93; Bartbel Hollinger Goldtschmid allhie, 8; Paulus Zwirle Goldt- sehmidt allhie^ 104; Michael Spener, Goldtschmidt allhie, 246; Jacob Ahl Silberkremer allhie, 56 ; Paulus Signst bey Niclaus Wyriot Bnchtrucker allhie, 41. Von Strassluirger Gastwirten genannt: „Hanß Georg Eeiser zum kemmelthier allhie^, 81 und „Reinhart Metzger Würt zum Hirtz allhie, für Annam sein haußfraw^', eine für *die Züri- cher Argonauten wichtige Persönlichkeit ! 1 50 ; vgl. auch Kurz, Fischart II, 201 V. 877. Die namhaftgemachten Repräsentanten dreier bei Fischart eine Rolle spielenden Corporationen, der Eärchelzieher Kornwerfer und Küfer (214. 211, 256. 108, 156) will ich hier nicht nennen, wol aber noch „F. Margreth D. Michael Benthers Haußfraw allhie, 168'* und einen Vorfaren des bekannten würdigen fllsässi- schen Localforschers : „Ulrich S p a c h der Elter, Kauffhaußherr allhie, für sein Sohns fraw Vrsula Heldin", 189.' ' Elrsterer verfasste bekanntlich die hoclideutscfae Uebersezung des Reineke Fuchs: Gödeke, GR. 292, 3. Steglitz bei Berlin Camillus Wendeler Sebastian Franck von Donauwerd Einleitung und Litteratur Wilhelm von Kaulbach hat in seinen grossartigen geschichts- philosophischen Wandgemälden, welche das Treppenhaus des Ber- liner Museums schmücken, „das Zeitalter der Reformation" in einer umfassenderen Weise dargestellt , als es bis jezt von den meisten Historikern der Reformation aufgefasst worden ist: als die Entwicklung der modernen Welt und irer Ideale. In einer gotischen Kirche, vor dem Altar mit beiden Händen die Bibel emporbaltend, bildet Luther den Mittelpunkt, um in die reforraa- toriscben Zeitgenossen und Vorläufer , sowie die politischen Vor- kämpfer und Vertreter des Evangeliums. Zu dieser religiösen Reformation hat der Künstler in den Seitenschiffen auch die Ban- brecher und Pfadfinder der geistigen^ künstlerischen und wissen- schaftlichen Reformation gestellt, uod zwar in grösseren Figuren, 182 die den ganzen Vordergnind aasfallen: rechts die einflnssreichstoi Humanisteo, Künstler, Dichter and Denker, in der Mitte der Grappe Petrarca, Erasmas, Reuchlin: links dagegen auf einen Erdglobas die Hand legend Columbas als Entdecker einer neuen transatlantischen Welt, and Martin Bebaitn als Verfertiger des ersten Erdglobas and rings heram staunend , sinnend, rechnend die Forscher and Ümgestalter der Menschen- und Heükande, die Meister der Beobachtung und des Versuches, die yolkstümlichen- Darsteller der wunderbaren Reiche der Natur und der Menschheit d. h. sowol des Erdballs, seiner Geschöpfe, Grestaltungen und Ge- seze, als auch des menschheiüichen Entwicklungsganges in Staate Glauben^ Wissen, Sitte und Gesez. Unter diesen lezteren Männern stet dicht neben dem Schwyzer Paracelsus, dem Wunderdoctor, Alchemisten und Theosophen, der Schwabe Sebastian Franck. Beide hatten, un- befriedigt von der überlieferten Schulweisheit irer Zeit, den Mut mit eigenen Augen, Gedanken und Gefulen wissbegierig die Natur und den Menschen zu beobachten . und zu erkennen, und versuch- ten von „Gottes Geheimnissen" tief ergriffen des l)aseins> Rätsel zu erklären und zu begreifen. Franck ist nicht blos der Verfasser der ersten Universalchronik, der ersten Geographie, der ersten Geschichte Deutschlands in deutscher Sprache, er ist auch der erste Vertreter allgemeiner Gewissens- und Geistesfreiheit und der eifrigste Bekämpfer jeg- lichen Papstnms. Ein gotterfüllter Bewunderer der „Creaturen und Werke Gottes'^ betrachtete er die Natnr wie die Gieschichte als ein „offenes Buch", welches heller und verständlicher als die Bibel, Gottes Ere und Macht predige. Er war ein sittenstrenger und makelloser Charakter , ein milder und unparteiischer Beur- teiler fremder Ansichten und Meinungen in einer Zeit fanatischer Parteiwut und Verkezerungssucht, ein gesinnnngstreuer Wortfürer der reformatorischen Ideen , der lieber in Not, Armut und Ver- folgung mit seiner Familie leben und leiden, als die klar erkannte Ueberzeugung opfern und die innere „Erfarung" verleugnen wollte, ein geistreicher und scharfer Kenner und Richter des Lebens und all der Heucheleien, Lügen, Bosheiten und Nichtigkeiten der Menschen, ein frei und kün und deutsch philosophierender Denker;" der seine „Göttliche Philosophei und Teutsche Theologei*', die er aus dem Schaze der h. Schrift und des eigenen Herzens gescfaepft, allen Prädicanten und Christen als Stoff zum Nachdenken , zur freien Prüfung und geistlichen Schärfang darbot, eine idealistische Natur, welche den ewigen Gegensaz zwischen der unvollkommenen und unsittlichen Wirklichkeit und den erhabenen Endzielen und Urbildern des Evangeliums im hellsten Lichte aufwies , und den stets neuen Bunde der Fürsten mit den Priestern und Schriftge- lerten in einer Welt, die stets ein „Papsttum" aufrichten will, kün enthüllte. Er war ein freimütiger Vaterlandsfreund und 138 • ptreuer Eckart^^ des deutseben Volkes , mit Vorliebe an seiner scbwäbiBchen Heimat bangend , und docb alle Menscben liebend one Rücksicht auf Nation and Gonfession , in dem steten GefÜl, dasB alle Menscben Brüder sind oder docb sein sollen and dass jede Ueberbebung eines Volkes als des allein auserwälten töricht sei und durch demütigenden Fall und Niedergang sich bestrafe. Er war ein warmer Prediger des freien christlichen Com- munismus der apostolisthen Gemeinde, ein cbristb'cber Gegner des (Angriffs-) Krieges und der Todesstrafe. * Dieser einst beliebte Volksschriftsteller , durch das ganze Jarhundert der Reformation hindurch viel gelesen von Fürsten, Herren, Bürgern und Bauern, weil er die Geistesrichtung und das innere' Wesen deutscher Nation treu abspiegelte, dem ganzen Volke die Schäze der lateinischen Gelersamkei( in deutcher kör- niger Prosa darlegte und die volkstümliche Spruch weisbeit (die proverbia communia rusticorum des Mittelalters) als ein weltliches 'Evangelium geistvoll auslegte, er war — wie wir sehen werden — auch zugleich 'der Prophet einer künftigen deutseben und klassi- schen Volkslitteratur. Unter den Theologen freilich war der Name des originellen Sehwaben durch Luthers rohe Verdammung und Melanchtons feine Verspottung im 16. Jarhundert überall verrufen und von da bis zum Ende des vorigen Jarhunderts so gut wie fast ganz ver- schollen '). Im Zeitalter der Aufklärung machte Adelung*), der bekannte Geschichts- und Sprachforscher, zwar auf in wieder aufmerksam, aber er glaubte in mit anderen 'edeln Männern und Frauen in die ,, Geschichte der menschlichen Narrheit*^ (in Bio- graphien, Leipzig 1785 — 89, VII. vgl. II, 11 — 27) einreihen zu müssen : zum deutlichen Beweis, wie wenig Einsicht und Verständ- nis für den inneren Gehalt geschichtlicher Erscheinungen der vul- gäre Rationalismus besass troz all des aufgewandten Verstandes und Forscherfleisses. Der erste Gelerte, welcher eine Erenrettung wagte, um den „Schwärmer'^ ^) der unverdienten Verachtung und Vergessenheit 1) M. Jo. Christiaui Klotzii (Past. prin^. et Superint, dioec. BischoiTswerd). De libris aiictoribus suis fatalibus liber singularis. Lips. 1761, hat va'ol einen Nicol. Francus und Christian Francken er- wänt, aber Sebastian Franck blieb im unbekannt. 2) Adelung, Son eines pommerischen Pastors, f 1806 als Oberbibliothekar in Dresden. Georg Ernst Wald au. Neue Beytrage zur Gesch. der Stadt Nürnberg, II. 11. Heft. Maii. 1791. S. 129—159: Sebastian Franck, ein Schwärmer, bio- und bibliographisch dargestellt. Eine Vorlesung, in der pegnes. Blumengesellschaft, den 7. Febr. 1791. 3) Samuel Göttlieb W a 1 d , ' Proressor der Geschichte und Be- redsamkeit zu Königsberg, Consistorialrat und Oberinspector des Schul lerer-Seminars daselbst, war geboren zu Breslau am 17. October 1760 und lebte noch 1822. Werke: Versuch einer Einleitung' in die 134 zu entreissen, war ein College des Philosophen Kant in Königsberg, Samuel Gottlieb Wald, der sich in Erjangen die theologische Doctorwürde erworben durch seine Dissertation De vita, scriptis et systmate mystico Sebastiani Franc!, welche, dem berümten preussischen Staatsminister Freiherm von Zedlitz gewidmet, zu Erlangen 1793, 4^. 62 Seiten in Druck erschien. Er wies in Franck's System, wie es zumal die Paradoxa (1534) bieten, nicht blos Keime der Spinozischen und Kantischen Philosophie nach^ sondern auch die Grundgedanken der Aufklärung und Religions- duldung. Walds bio - und bibliographische Angaben waren zum Teil irrig und mangelhaft. Das veranlasste einige bücherkundige Theologen , welche sich durch diese Monographie von irem Ade* lung^schen Standpunkte nicht abbringen Hessen, zu mannigfachen Berichtigungen: so Panzer und Nopitsch in Nürnberg, Christian Karl am Ende in Kaufbeuren, Weyermann und Veesenmeyer in Ulm. Die deutschen Patrioten und Litterarhistoriker, einmal auf^ den merkwürdigen Mann aufmerksam gemacht, urteilten anders als die Theologen. Franck's Name wurde von inen erend in den Litteraturgescbichten erwänt, Proben aus seinen Werken (nach Lessing^s Vorgang) in deutschen Lesebüchern mitgeteilt, seine Ver- dienste um die deutsche Sprache , besonders um das Sprichwort anerkannt. In Folge der gewaltigen Geistes-Um wälzung , welche die Hallischen Jarbücher, Strauss und Feuerbach in Deutschland bewirkten, muste auch Franck in ein anderes und helleres Licht ^ treten. Karl Hagen hat das Verdienst in seinem banbrechenden Werke über „Geist und Gegensätze der deutschen Reformation^' (1844) nicht blos die volkstümlichen Elemente und Anschauungen j6ner Sturm- und Drangperiode aus den bisher unbeachteten Flug- • Schriften zuerst hervorgehoben, sondern auch den S. Franck aLs einen „Vorläufer der neueren Philosophie*' nachgewiesen und mit andern geistverwandten Persönlichkeiten der reformatorischen Be- wegung verglichen zu haben. Seitdem sind Franck*s Schriften eifriger durchforscht und nach theologischen , philosophischen, historischen, geographischen, litterarischen, politischen und sozialen Gesichtspunkten betrachtet und gewürdigt worden. Wir geben hier eine Uebersicht der Franck-Litteratur, um im Folgenden die Citate kürzer fassen zu können; wir übergehen als bekannt die Nachrichten und Kritiken in den Litteraturgescbichten von Gervinus; Gödeke, Koberstein-Bartsch, Kurtz, Wolfg. Menzel, Vilmar, Wachler und Wackernagel. Geschichte der Kenntnisse, Wissenschaften und schönen Künste. Halle 1784 8. — Zusäze dazu, abend. 1786. 8; Uebersicht der allg. Litera- tur und Kunstgeschichte. I. Theil, ebendas. 1786. Theologiae sym- bolicae lutheranae descriptio, Hai. 1786. 8. Gedächtnissrede auf Kant 1804, vgl. Reioke's Kantiana, Königsberg 1860. 135 E. Hagen, Deutschlands literarische und religiöse Verhält- nisse im BeformatioQszeitalter. Erlangen 1841 — 44. Bd. 3, S. 314—396. Theodor Mund t, die Kunst der deutschen Prosa. Berl. 1843. S. 224—28. Chr. G. Neudecker, Gesch. d. Evang. Protestantismus. Leipzig 1845. I, 591. J. Döllinger, die Reformation. Regensb. 1846. I, 188 fg. Daniel Schenkel, das Wesen des Protestantismus aus den Quellen des Reformationszeitalters. Schaf hausen 1846. I, 136 ö. Brischar in Aschbach V( (kath.) Kirchen -Lexikon. Frank- furt a. M. 1847. .Moritz Carriere, die philosoph. Weltanschauung des Re- formationszeitalters in ihren Beziehungen zur Gegenwart. Stutt- gart 1847. Ferd. Christian 9^ ur, Lehrbuch d. christi. Dogmengeschichte. Stuttg. 1847. Ebendesselben : Zur Geschichte der mystischen Theologie. In Zeller's Jahrbüchern. Tübingen 1848 — 49. Ebendesselben Vorlesungen über Dogmengeschichte. Tübingen. Bd. 3. ' Heinr. Döring in Ersch. u. Gruber's Encyclopädie. 1848. 1. Sect. 47, 168-171. W. H. Erbkam, Geschichte der protestantischen Sekten im Zeitalter d. Ref. Hamburg u. Gotha 1848. S. 286—357. Hefele in Wetzer u. Weite's kath. Kirchenlexikon. Freiburg im Breisgau 1850. Schlosser-Krieg k^s Weltgeschichte für d. deutsche Volk. Frankf. 1850. XI, 461—5. XII, 20. 24. H. Christian Dethloff, den Communismus Seb. Francks. Gymnasial-Programm. Schwerin 1850. 4^. G. Th. Keim, die Reformation der Reichsstadt Ulm« Stuttg. 1851. S. 269—292. Job. Sc her r, Geschichte deutscher Cultur und Sitte. Leipz. 1853. S. 340. R. Gosche, Seb. Frank als Geograph. In der Zeitschrift f. Allg. Erdkunde. Berlin 1853. I, 255—78. Karl Hase, Kirchengeschichte. 7. Aufl. 1854, H. Merz in Herzog's Real-Encyclopädie f.^prot. Theol. und Kirche. Stuttg. u. Hamb. 1855. Herm. Bischof, Seb. Franck u. deutsche Geschichtschrei- bung. Preisschrift. Tübingen 1857. K. Hagen, Deutsche Geschichte. Frankf. 1858. IV, 250 fg. Ed. Cunitz, Sebastien Franck et le spiritualisme au sei- zieme siecle, 1er article. In der Nouvelle Revue de Theologie. Strasbourg 1860. Vol. V, p. 351—386. Heinr. Wiskemann, Darstellung der in Deutschland zur 136 2ieit der Reformation herrsoheaden nationalökonomischen Ansich- ten. Leipzig 1861. S. 88—95. W. Wachsmath, Geschichte deutscher Nationalität. Brauo- schweig 1862. III, 258. H. C. Rogge, Caspar Coolhaes, de voorlooper van Arminias. Leiden 1865. II, 79 — 90: Coolhaes verantwooedinghe van Sab. Franck. J. A. Dorn er, Geschichte der prot. Theologie. München 1867. 8. 185 fg. Alfred Hase, 8. Franck von Word der Schwarmgeist. Leipz. 1869. Vgl. dazu Kippold's Recension des Buchs in der Jenaer Lit. Zeitung 1876. N. 22. Jacob Franck, Hat Luther die von S. F. übersetzte Türkenchronik bevorwortet? Im Anzeiger des German. Museums XVI Sp. 11 fg. 42 fg. als Antwort auf kiktendorfs Frage XV. 1868. Sp. 262—3. Friedr. Latendotf, Ein unbekanntes Werk S. F*s. An- zeiger XV. 1868. Emil Well er. Bibliographisches im Serapeum 1869, XXX und in den Annalen. Bd. 2. (...) Ein Vielgemassregelter. In der £uropa 1869, N. 34 Sp. 1075. Latendorf, Sebastiani Franci de Pythagora eiusque sym- bolis disputatio commentario illustrata. Berlin 1869. 4^. Otto' Henne- Am Rhyn, Kulturgeschichte. Lpz. 1870 I 438. Ant. Steichele, das Bisthum Augsburg, historisch und statistisch beschrieben. Augsb. 1872. III, 755 (Donauwörth). Aug. Feldner, die Ansichten S. F's. von Word nach ihrem Ui-sprung und Zusammenhange. Programm der Dorotheenstädter Realschule. Berlin 1872. 40. Em. Lieb rieh, Essai sur le mysticisme de Scb. F. de W. (pour obtenir le grade de bachelier en theologie). Strasbourg 1872. Christ. Sepp, Bijdrage tot C. A. Basels werk over Seb, F. V. W. In den Geschiedkundige Nasporingen. Leiden 1872, I, 158-193. W. H. D. S uringar, Erasmus over Nederlandsche Spreek- worden. Utrecht 1873. In der Einleitung S. XLIX— LI. F. Löwenberg, das Weltbuch S. F's. In Dove's Im Neuen Reich 1873. S. 393-406. - W. H. Riehl, über Sebastian Münster und seine Kosmo- graphie. In den Freien Vorträgen, 1. Sammlung 1873, S. 135 — 160 (Vergleichung mit Franck). F. Rupp, über S. F. In der Zeitschrift Religiöse Reform von L. Ulrich. Königsberg 1874. N. 10. Latendorf, S, F's erste namenlose Sprich Wörtersammlung 137 vom Jahre- 1552 in getreuem .Abdruck mit Erläuterungen und cultur- und literaturgeschichtlichen Beilagen. Poesneck 1870. Vgl. dazu meine ausfürliche Recension in der Jenaer Lit.-Ztg. 1877 Juni, Artikel 318. Alle genannten Gelerten, bis auf zwei Ausnamen, haben ire Darstellung auf die gedruckten Werke von und über Franck ge- gründet. Nur Keim hat Franck's Aufenthalt in Ulm nach den Urkunden erzält und Cunitz sowol auf eine wichtige Angabe über Franck^s Studienzeit in Frecht's ungedruckten Briefen (handschrift- lich in Strassburg) hingewiesen, als auch die Abschrift eines in- teressanten Briefes Francks aus dem J. 1539 in Zürich entdeckt, der nach der Urschrift, in Bern, mitgeteilt worden ist im 4. Jarg, dieser Zeitschrift. Der Schreiber dieser Zeilen wagt es troz der vorhandenen zum Teil trefflichen Litteratur über Franck auf Grund archivali- scher Studien und genauerer Leetüre der Schriften Francks, seiner Quellen und Vorgänger wie seiner Zeitgenossen dem Leser in der vorliegenden Abhandlung^) ein neues und hoffentlich treueres Bild von Francks Leben, Leren und Leiden zu entwerfen, wobei man- cher bio- und bibliographische Irrtum der bisherigen Darsteller berichtigt werden soll. Schon frühe durch Gottfried Arnold^s ,Unpartheyische Kirchen- und Ketzer- Historie' fiir den künen und freidenkenden Mann inte- ressiert, habe ich seit 1850, durch meinen hochvererten Lerer Geh. Kirchenrat Dr. Karl Hase in Jena ermuntert und durch Prof. Karl Hag^n in Heidelberg mit litterarischen Nach Weisungen un- terstüzt eingehende Studien über Franck's Leben und Schriften und die Anfange der deutschen Reformation unternommen. Da- mals als ich in Jena,, wo ich am Zenker 'sehen Institute Lerer war, der philosophischen Facultät meine Doctor-Dissertation über ^Sebastian Franck von Word' Mitte März 1853 einreichte, kannte ich nur das gedruckte Material. Bald darauf, schon im Herbste desselben Jares, lernte ich, .mit Empfelungen Hagen's versehen, auch ungedpickte Materialien kennen. In Ulm konnte ich mir durch Prof. Hassler's Vermittlung die handschriftlichen Akten des Glaubensprozesses gegen Franck abschreiben, in Strassburg durch Prof. Karl Schmidt's Güte den Briefwechsel Frechts von Ulm^ mit Butzer von Strassburg excerpieren (Msc. Thomana) ; der Strassburger Bibliotekar Jung zeigte mir Schadäus* Reformatoren- briefe und Wencker's Auszüge aus den Ratsakten über Francks Weltcbronik. Der um die Reformationsgeschichte des Elsasses und besonders Strassburgs hochverdiente Pfarrer Roh rieh lieh mir zur 1) Auf welche bald eine ausfürliche Biographie und Biblio- graphie Francks, mit den Urkunden folgen soll, woran sich eine Sammlung der kleinen seltenen Schriften, Auszüge aus den grösseren Werken und eine neue Ausgabe der Paradoxa und der Sprichwörter ansohliessen werden. 138 Benuzang manche seltene reformatorische Flugscbrift; durcli den Nürnberger Pfarrer an St. Sebald Heller und den Ulmer Archi- var und Bibliotekar Neubronner erhielt ich seltene Schriften Francks und der Wiedertäufer. Einige Herren freilich glaubten in jener Zeit einer ebenso dummen als boshaften Reaction sich be- rechtigt, einem demokratischen Gelerten, der dem Staatsdienste den Rücken kerte, Archiv oder Bibliotek verschliessen zu dürfen. Als Lerer am Friedrich -Wilhelms-Gymnasium in Köln (seit 1856) lebte ich zu ser meinem Amte und meinen Schülern, als dass ich einer persönlichen Liebhaberei folgend Zeit zu einer aus- fürlichen Darstellung Francks gehabt hätte. Meine in den lezten Jaren (seitdem ich pensioniert bin) unternommenen neuen Nach- suchungen in Karlsruhe, Stuttgart, Augsburg, München, Basel, Strassburg u. s. w. haben mir zwar manche seltene Ausgabe Franckischer Schriften vor's Auge gebracht, aber nur geringe archi- valische Früchte getragen. Die Spärlichkeit urkundlicher Nachrichten bis 1527 zwingt auch Vermutungen und Warscheinlichkeiten Raum zu gestatten. Behält man nur den politisch-sozialen Hintergrund, die foiischrei- tende stille Geistesbeweguug in der Litteratur, die sich immer weiter verbreitende Entwicklung der Kämpfe und die Zuspizung der Streitfragen von 1515 — 1527 scharf und unparteiisch im Auge, so lässt sich, wie wir glauben, aus der in Francks Schriften an- ' gegebenen oder stillschweigend benuzten Litteratur sowie in der Hervorhebung oder Erwänt^ng bestimmter Personen, Bücher und Ereignisse mancher sichere Rückschluss machen auf seinen eignen Entwicklungsgang und seine Stellung zu den streitenden Parteien der Reformation. I Abschnitt Herkommen und häusliche Verhältnisse Geburtsort. In der schwäbischen Reichsstadt Donauwerd, hart an der Grenze gelegen von Franken und Bayern am linken Ufer der Donau, in welche hier die Werniz und die Zusam münden, all wo der Blick weithin in die offenste Ferne von der Donau bis zu den Tyroler und Algäuer Gebirgen schweift, erblickten zwei berümte Männer das Licht der Welt: um die Mitte des 15. Jahrhunderts ein Humanist und Universitäts- Professor, am Ende des Jar- hunderts ein Litterat und Volksschriftsteller: Johannes Fabri und Sebastian Franck. Wiederholt bezeichnet Franck diese Stadt als seinen Ge- burtsort: so im Weltbuch (1534) Bl. 32a die Wemitz Bernicus genannt bey Thonaw Word meinem vatterland; Germania (1538 o. 0. d. h. Frankfurt) Bl. 239b, 261b zu Werd meinem vatter- land (in d* Augsburger Ausg. Bl. 225a, 246a) u. ö. i' 139 \ * Name d«r Stadt. Der Name der Stadt erscheint zum ersten Mal in einer Ur- kunde vom 17. Januar 1030 alsWeride*) im Rieß-Gau gelegen (Uueride in pago Rieze, auch Rizzin, Recia, Retia, Rhezia); da- neben schon seit dem 12/13 Jarh. auch Schwäbisch Werd (castrum et oppidum Swaebiswerde , Swebishewerd) ; doch blieb der Name Werd und Werde (auch Wördt, Wördte geschrieben, vgl. Lünigs Reichsarchiv Th. 13) vorherrschend. Der Name TÄnaw werde kotnmt zuerst vor in einer Urkunde des Benedictiner* klosters Heilig-Ereuz vom 5. Juli 1484; der früher äusserst seltene, heutzutage allein übliche Name Donau w ort ist seit den ersten Jarzenten des 17. Jarhunderts durch die bayerische Regierung in Aufname und zur Herrschaft gekommen. Vgl. Steichele III 694. In den lateinischen Urkunden lautet der Name Werde (Weird, Gverde, Suevicum Werde), Werda und Werde a und zwar wie Fabri's Proverbien und ein Epitaph des J. 1462 be- weisen Werdea; im Instrumentum pacis Westphalicae heisst es Donawerda. In der Heidelberger Universitäts - Matrikel sowie in den Facultätsacten der Artisten stet regelmässig: de Werdea, augu- stens. dioc; die Zngehörigheit zur Augsburger Diöcese wird her- vorgehoben zum Unterschied von : de Werdea penes Nurembergam und: de Word oder Werd, argentin. dioc.*). In den 'Ulm er Urkunden unterschreibt sich Franck ,von Thonaw Word, oder ,von Word*, auch ,Werd'; auf den Bücher- titeln regelmässig ,von Wörd% in der Guldin Arch (1538) ,von Werd*, im Weltbuch : von^ Seh. Franco Wördensi. In seinen Büchern heisst die Stadt in äer Regel schlechthin Word oder Werd, vereinzelt auch , Schwebisch Werd', Chronica Bl. 19Ia, ,Werd an der Thonaw'. Chr. 197a. ,Wörd an der Thunaw' Chr. 208a. ,vor Werde der Reichsstadt' Chr. 23 Ib. Der vergessene Donauwerder Humanist ,Die Geschichte des Klosters zum heil. Kreuz in Donauwörth*, welche der tezte Benedictiner-Abt Cölestin König sd orfer, auf Grund der vom Prior Georg Beck (f 1619) verfassten Kloster- chronik, zu Donauwört 1819 — 29 III veröffentlichte, erwänt unter den woltätigen Stiftungen auch die, welche ein ,Herr Johann 1) Aus der altdeutschen Form uuarod, uuarid oder nuerid ent- stand mhd. der werd = insula fluminis; im südlichen Deutschland werd, wörd, wörth geschrieben, im mittleren und nördlichen: der werder (so auch im Sachsenspiegel). Die Grundbedeutung ist nach Weigand: Wehr-Land gegen das Wasser. Ueber den unterschied von Insel, Eiland, Au, Holm, Schutt vgl. Weigand, WB. d. deutschen Syno- nymen 1852 II, 136 fs. 2) Ueber ,Werd' als Städtenamen vgl. Schmeller - Frommann n 788 ff. 140 Obermayr oder Neperscbmid ' Doctoi* der Becbte und herzoglicher sächsischer Hofrath^ (I, Schluss; Doktor Fabrik, genannt Obermair oder Neperschmid III, 2, 406) 1505 zu Gunsten seiner Vaterstadt gemacht. Auch Steichele erwänt S. 723 in (,Nepenschmid^ ist wol nur Druckfeier) kurz als , hertoglich sächsischen Rat ^ Beide Gelerten wussten offenbar nichts von der bedeutenden schrift- stellerischen Tätigkeit des am Ende des 15. Jarhunderts hochbe- rümten Leipziger Magisters Johannes Fabri de Wer de a^). Unter ,Werdea* ist nicht , wie in der Zeitschrift des Bergischen Geschichtsvereins VII 282 vermutet wurde , das , durch die Schlacht von 1870 berümt gewordene Wort' an der Sauer im Elsass zu verstehen, noch auch, wie ich durch Böoking's Commen- tar zu den Epp. obscur. viror. verleitet in Pick's Monatsschrift 1. 470 angegeben, Werdau bei Zwickau in Sachsen, sondern Donauwerd, wie ich auf Grund einer gütigen brieflichen Mit- teilung des Herrn Prof. Dr. Zarncke zu Leipzig in der genann- ten Zeitschrift (XI, 113 — 120 Johann Fabri aus dem Elsass und Joh. Fabri de Werdea) nachgewiesen. Wir geben an dieser Stelle den urkundlichen Beweis und eine kurze Skizze seines Lebens nach Zarncke's Brief vom 15. Dez. . 1875 : Joannes Obermayri de Werdea oder auch (alias) Joannes Fabri de Donawerdt (Donewerd, Donenberd) ward im Wintersemester 1465/6 hier immatriculiert, wurde 1471/2 unter Assistenz des Mag. Joh. Brant de Rotenburga Baccalaureus, und unter desselben Anspielen 1476/7 Magister. Von 1478 an spielte der rürige, aber auch herrschsüchtige und intrigante Gelerte eine grosse Rolle an der Universität. 1480 — 1499 war er Notarius der Universität. 1483 ward er Propst* des kleinen Fürstencollegs (Mitglied war er 1481 geworden). Mit Meissen hat Joh. Fabri nie etwas zu tun gehabt. 1486 war er im Sommer Rector, 1486/7 Decan der philosophischen Facultät. Nicht lange nachher muss er Doctor utpusque juris geworden sein. Unter seiner Leitung bildete sich eine schwäbische Clique an der Universität, Fabri galt für all- mächtig. Da seheint ihm eine im Jahr 1500 vom. Herzog ange- ordnete Untersuchung der Universitätsverhältnisse den Hals ge* brochen zu haben. Am 19. Mai 1505 starb er. Seine Erben waren: Aegidius Nürnberger und Joannes Goeth cives W^erdenses. Als CoUegiat folgte ihm sein Neffe Sixtus Pfeffer de Werdea. Joh. hinterliess ein ziemlich bedeutendes Legat, und ordnete Exequien für sich an. Wimpina handelt über ihn unter L. Zwischen 1480 und 1505 wird man in unsern Acten i^einen Namen nicht los. Wegen seiner Sprichwörtersammlung hat er' mich schon früher interessiert, ehe ich mich mit unserer Universi- 1) Seine lateinisch-deutschen Proverbia werden in meinem pro- jectierten Corpus proverbiorum et moralitatum medii aevi Aufname ünden. l4l tätsgescbichte besehäftigte , in der er eine so hervorragende Rolle spielte. Leider ist das Meiste über ihn nur in meinem Kopfe und -in meinen Papieren vorbanden. Ich verweise Sie über ihn ausser auf die ,Ürkundlichen Quellen', wo er oft erscheint (denn mit energischem Sinn brachte er namentlich auch überall Ordnung in das Schriftwesen der Universität und des Collegs) auf: Zarncke, die x deutsche Um'versität im Mittelalter I, 185 fg. und namentlich S. 257 fff. Was darin mit obigen Angaben nicht Übereinstimmt, ist als durch lezt^re berichtigt anzunemen. Zarnbke, die Statutenbücher der Universität Leipzig. S. ^97 fg. S. 228 fg. Der vermeintliche Holländer Ehe der Memminger Pfarrer Schelhorn in seinen Ergötz- lichkeiten 1761 I, 109 auf die oben angefürte Stelle des Welt- buchs aufmerksam machte, wusstcn die Gelerten nicht, weil es in Holland, Brabant und Deutschland (in Elsass, Franken und Schwaben) Oerter des Namens Word oder Wöhrd oder Werd gibt, was Franck eigentlich für ein Landsmann gewesen. So machten in Thomas Crenius (Auimadv. Part. IX p. 92) und Ludwig Hocker (ßibliotheca Heilsbronn. Noribergae 1731 fol. p. 186 *) zu einem Holländer. Bayle, (Dictionnaire v. Francus H 50 — 9, bei Gottsched II, 544 — 5) und Jöcher (Gel.-L. 2, 719 fg.) lassen es dahin gestellt, ob es Word in Holland oder in Deutschland sei. Will, Verfasser des Nürnberg. Gelehrten-Lexikons 1765 I, 456 hält die Meinung der Gelerten, er stamme von Word aus Hol- land, für noch unwiderlegt, obgleich ihm am warscheinlichsteit dünkte, dass er weder ein Holländer noch Sachse, sondern ein Schwabe oder Oberländer gewesen; er verwirft die Meinung' des Diakoniis Hirsch^ der in seinem Millenarius II 485 Franck in Wöhrd ^)^ einer Vorstadt Nürnberg's geboren sein lässt, sowie auch die des Altorfer Professor Z e 1 1 n e r , der in einmal für einen Sachsen ausgibt (Vit. theol. p. 430 not. hhh, freilich mit dem Zusaz : de cuius *patria, sicut de Homero olim, adhuc disceptant) und an einer andern Stelle zwischen Meissen und Holland schwankt 1) Wie leichtfertig man damals mit dem Worte jAtheismns* um- gieng, zeigt Hocker ^s (Pfarrer u. Prof. der Theologie) Angabe über Francks Paradoxa und Morie Encomium: Sebastianus Franck Woerda HoUandus pro sectario auabaptista, enthusiasta, imo et pro ethuico et atheo habitus, a quibus tarnen vitiis ille se saepius purgare annisus est. ülmensibus invisus, ab Argentoratensibus ejectus, a Melanchthone et Luthero refutatus, ab Arnoldo multo nomine laudatus, ita tarnen, at hunoce ejus libram Paradoxorum ab heterodoxiae et vanitatis labe immunem pronuntiare non audeat. . 2) Warscheinlich hat Hirsch in mit dem unglücklichen Johann Funck verwechselt, dem trefflichen Fortsezer der Chronik Carion's und Verfasser einer Chronolögia (Nürnb. 1545 f.), Osiander's Schwieger- «on, welcher 1566 zu Königsberg hingerichtet wurde : dieser stammte aus Wöhrd bei Nürnberg. ^ 142 « (Breviar« controveniuumm cum fanaticis p. XVIII praef. Seb. Franck, WoehrdenBis, 8. Osterlandas s. Belga). Nach der Strassbarger Tradition war Franck ein Elsasser. So fürt Wencker in seinen handschriftlichen GoUectanen Tom. IV Sebast. Francus als Woerdensis an unter den Gelerten der Alsa- tia literis exculta. Dieser irrtümlichen Angabe folgte Rö brich (Gesch. d. Ref. im Elsass 1832, II 75 >) und noch neulich Carl Schmidt in seinem ,Melanchthon* 1861, S. 364. Die Veranlassung zu' der Meinung, Franck sei ein Holländer gewesen, gab wol der Umstand, dass einige seiner Schriften in Holland gedruckt und die meisten in holländischer Uebersezung vorhanden sind. Der Zweifel über seinen Geburtsort wuchs durch die immer grössere Seltenheit seiner Werke, besonders ip den Bibliotheken orthodoxer Theologen und Gelerten , welche die Schriften eines im Geruch der Schwärmerei, Wiedertäuferei und Enthusiasterei, ,des Fanatismus' stehenden Mannes sorgfaltig mie- den, wol auch gelegentlich verstümmelten, zerrissen oder ver- brannten, weil sie in nach Luthers Vorgang für den waren Aus- bund aller Eezerei und ,Satans liebstes Lästermaul' hielten. Und so pflanzte sich die Ungewissheit in den Katalogen und Gitateu weiter. Hätten diese Gelerten Francks Schriften nur einer nähern Ansicht gewürdigt, es konnte inen ganz abgesehen von der be- sondem Vorliebe, mit der er in seinen Gesch ich ts werken der merk- würdigen Ereignisse in Donauwerd gedenkt, nicht entgangen sein Franckens genaue Kenntnis des südlichen Deutschlands (besonders von Schwaben und Franken),- seiner Einwoner, Sitten und Zu- stände, sein glühender Eifer für „das teutsche Vaterland*^ sein Lob „Germaniä^^ und besonders Schwabens und alle jene vielen Stellen, wo er von den „alten Teutschcn , unsem Vorfaren*' vob „unsem Landen^' im Gegensaz zu dem Auslande, von „unsem. teutschen Historicis*' im Vergleich mit den Alten redet. , Ja hätten sie nur die Vorrede zu jener herrlichen Sprich- wörtersammlnng gelesen (Christian Karl am Ende machte in Schel- horns Beiträgen 1774 zuerst aufmerksam), da fanden sie am Schlüsse : ~ ' Nun aber zu diesem meinem schulrecht, hab ich euch — seinen Gönner Christoffen Vtman, Burger auf S. Annen Berg — für mein aufheben zum richter vnn griesswertel erweit, der hoff- nung, ich w6Il damit nit allein euch meinem Patron einn dienst vnd Wohlgefallen thnn, sonder gegen gant^ teutsche r Nation, meinn geneygten willen als ein geborner Teutscher (der ich 1) Röhrich a. a. 0.: ,Wördt im Unterelsaas (welches von beiden? wird nicht angegeben) war sein Geburtsort ; dies bezeugt unter andern auch Wencker. Im Jahr 1563 lebte in Bergzabern ein anderer Bastian Franck als Landschreiber, mit welchem Conr. Huber Briefe wechselte. 148 eifferig ob dissem meinem grossen vatierland jr heyl vnd bestes zu suchen, in vbang stehe) äsa beweisen. Geburtsjar Die in den Litteraturgescbichten gewönliche Angabe, Franck sei 1500 geboren, ist zwar eine blosse Vermutung, trifft aber uiu gefär die Warheit. Nach dem im 4. Jargang abgedruckten Ba- seler Brief an den Säckelmeister in Bern 1539, 22. Mai stet fest, dass er damals gerade vierzig Jare alt war. Indem er auf sein verflosssenes Leben zurückblickt und betrachtet, wie wenig alle seine der Menschheit gewidmete Arbeit im selbst Frucht ge- tragen oder Narung und Verdienst für die Seiiiigen eingebracht, wie erfolglos all sein Ringen gewesen, wie er von Jugend auf in Armut und Not sich durchgequält, ruft er aus: „ich bleibe ein Bettler für und für und mach andre (Ver- leger) zu Herren, bis ich itz, obwol von Gottes Gnaden frisch und gesund, 40 Jahr auf mich geladen hab und nun mehr Zeit wäre, dass mir Gott eine Thür aufthät, dass mir mein Arbeit mehr Nutz trug dann bisher.*' In seinem „Verschlossen Buch*', 1539 erschienen, klagt er Bl. 411b über ,,den Abgang des Leibes und Gesichtes" : — eifrige Studien, wie sie Franck neben der' Buchdruckerei und der Sorge für sein Hauswesen betrieb, mögen einem leicht Augen und Magen verderben — : hier, wo er, weil er in seiner Armut sich nicht „ein Klapper le** verschaffen konnte, den weiten Weg von Ulm nach Basel zu Fuss gemacht und sich so die Füsse aufgegangen, dass er mindestens' 8 Tage still liegen bleiben muste, hier ist er doch mit dieser Wallfart zufrieden, er fült sich munter und frisch und dankt Gott dafür. Die Zal 40 ist sowol in der Urschrift (die im Berner Staats- archiv liegt) deutlich und klar zu lesen, wie auch in der Simler- sehen Abschrift in Zürich, wo sie — nach einer gütigen Mitteilung des Herrn Bibliotekar Prof. A. S. Vögelin — zufällig beim Ab- bruch der Seite zweimal geschrieben ist, am Ende der zweiten und am Anfang der dritten. Geburtstag Als Geburtstag ist vermutlich, weil die Sitte jener Zeit dem Neugeborenen gern den Namen des Tagesheiligen gab und in im eine Vorbedeutung der Lebensschicksale fand, der Tag des in Do- nauwerd und der Umgegend hoch geerten heiligen Sebastianus, d. h. der 20. Januar anznnemen. Man pflegte die Kinder gleich nach der Geburt durch die Taufe in den Christenbund aufzunemen, mxi sie aus der Gewalt des Satans zu erlösen. Dieser Heilige und Märtyrer aus der Zeit Diocletians, der heutzutage als Patron der Schüzengesellschaften gilt, hatte be- sonders in Süd- und Westdeutschland seine Vererer und Namens- nachfolger; im Mittelalter war er der besondere Schuzheilige gegen 144 ansteckende Krankheit. Lnther macht die richtige philologische ßemerknng (Walch Th. 8 S. 1729^), dass man viele Heilige za Nothelfern gemacht wider die Dinge oder Krankheiten, deren Na- men mit der Heiligen Namen zusammenfallen: so solle St. Bastian (lateinisch Sehestianus neben Sebastianns) allein wider die Pest helfen, St. -Rochus Oottes Rache von uns abwenden, St. Veiten (Valentinus) dem fallenden Siechtag weren, St. Yincenz helfen ver- lorne Sachen wieder finden. Freilich unsern Oanck hat, wie es scheint, der Heilige wirk- lich vor Einer ansteckenden Pest, die damals • am meisten grassierte, bewart, vor der deis iurare in verba magistri, im behagte der Walspruch des Paracelsus: Alterius non sit, qui suus esse potest (Aesop. moralis., fab. 22: Schluss); auch ist er, wie sein Schuzpatron (die Legende ist bekannt) ein in der Verfolgung treuer Bekenner Christi geblieben; von den Pfeilen der Theologen werden wir noch reden und wie der am Ende seines Lebens verbitterte und verhezte Luther Francks Namen und Ere in die Gloake geworfen. Der Papst Cajns hat den St. Sebastian zum Defensor eccle- siae erklärt; Franck konnte in der Vprrede seiner Paradoxa mit Recht von sich sagen : „D i e Ki r c h ist nit etwan ein sonderer hauff und fingerzaige Sect, an Element,- zeit, person, vnd statt gebunden, sonder ain gaistlicher onsicht barer leib aller glieder Christi, aus gott geborn, vnd in ainem sinn, gaist vnd glauben, aber nit an ain er statt oder etwa an einem ort ensserlich versamlet — — In und bei dieser bin ich, zu der sene ich mich, in meinem gaist, — und glaube .dise ge- mainschafft der Hailigen.^' Dass schon im 14. Jarh. der heil. Sebastian^) einen Altar in der Werder Pfan-kirche hatte, beweist die Nachricht Königs- dorfers, dass im J. 1384 am St. Jacobstag das Wetter eine Frau vor demselben erschlagen vgl. auch Franck Chronik Bl. 191, 197a. Besonders berümt war St. Sebastian in Oettingen ®) : dorthin wall- 1) Andere Stellen über ^KirchenpatroDe* in Herzog's Encycl. 7, 666—7. • 2) Nach Franck Germ. Bl. 288^ gab es eine Kirche ,8. B a s t i a n zu Augspurg' wo Contz von der Rosen ,neben dem bild Christi als ein scheoher zur rechten conterfoyt hanget' 8) Die Jesuiten brachten neben den Wallfarten zum «deutschen Loretto*, zu der Mutter Gottes in Altötting auch die zum St. Sebastian in Ebersberg in Schwung. ,Zu dem h. Sebastian in dem einst den Benedictinern gehörigen Ebersberg, wo den Wallfarern als Vorbeu- gungsmittel gegen ansteckende Krankheiten aus der Hirnschale des Heiligen Wein gereicht wnrde,* kamen nicht nur aus Oberbaiern, son- dern selbst aus Schwaben, Oesterreich und Tirol ganze Gemeinden un- ter Vortragung von Kreuz und Fanen mit so reichen Opfern, dass selbst in der entberungs vollen Zeit, die auf den dreissigjärigen Krieg folgte, der Ort einen glänzenden Aufschwung nam und zehn Gast- US « « fartete in dem Leidensjar 1483 — die Kapelle war erst seit -eini- *gen Jaren gebaut — die Bürgerschaft Donauwerds. Bald darauf wurde in Werd die Bruderschafft S. Sebastiani fiör die Innung der Büchsenschüzen gegründet 1487 auf dem Altar der Heil, drei Könige in der Pfarrkirche und am 6. Januar 1501 von Cardinal Raimund von Gurk, päpstlichem Legaten mit Ab- lässen begabt. Die Bedürfnisse der Bruderschaft wurden durch freiwillige Beiträge bestritten, das Hauptfest feiette man am 20. Januar und daneben vier Quatemberämter (vgl. Steichele S. 778). Die Eltern So ser Franck in seinen Werken persönliche Ansichten und Ueberzeugungen (freilich oft versteckt unter dem Ausdruck ,etliche^) auszusprechen liebt, so wenig teilt er uns ans seinem eigenen Lebensgange mit, ja selbst später, als er in Ulm direct persön- lich angegriffen wird, get er im Bewusstsein seiner Unschuld und Erenhaftigkeit auf die im gewiss nicht verborgen gebliebenen heimlichen Anklagen und Verdächtigungen nicht ein. Auch seine ,Außlegung des' 64. Psalms* wider ,die Falschen Zungen — vnd Erabschneider' 1539 wie sein dem »Verschlossenen Buch* 1589 angehängter herrlicher ,Beschlus des buchs — aller seyner vorigenn bücher gleichsam Apologia' bieten keine biogra- phischen Nachrichten. Er wollte offenbar die Welt nicht mit Per- sonalien behelligen, im lag alles an den Ideen des Christentums, seitdem er sich als ,eine neue Creatur^ fulte. Seiner Mutter gedenkt er nirgends : er mag sie wol in früher Jugend verloren haben. Auch Geschwister werden nicht erwänt. Von seinem Vater redet er, wie Gunitz und Li ehr ich meinen, in einer seiner lezten Schriften, im »Krieg büchlin des frides* 1539 (p. 190b der Frankf. Ausg. 1550), wo er auf die (1521 in Basel erschienene) Schrift von Psittacus oder Huldrich Sittich ^) hinweist, in welcher ,der Stette krieg vor 70 Jahren' (1450) etc.' beklagt werde, ,davon mein vatter oft sagte.' Sieht man genauer zu, so beweist die Stelle nur — - für das Alter von Eberlin's Vater; denn es sind Eberlin's Worte, die F. citiert, wenn es auch nicht zweifelhaft sein kann, dass F. auch im väterlichen Hause über den Städtekrieg (vgl. Germania Bl. 261b fg) und andere Drangsale Werds gelegentlich reden und häuser unmittelbar nach einander errichtet werden mussten.^ Kluck- hohn, die Jesuiten in Baiem mit bes. Rücksicht auf ihre Lehrtätigkeit in V. Sybers Ztschr. XXXI, 405. 1) Pseudonym für Eberlin von Günzburg; es sind ,die Sta- tuten von Wolfaria* gemeint, ,der X. Bundsgenoss' vgl. Wiskemann S. 101 u. Riggenbach8,Eberl. v. G. S. 55. Vgl. über diese ,ütopie* und ,die Reformation Friedrichs HJ.' Hagen II 334 fg. Das 2. Buch ,Von der wunderbarlichen Innsel Vtopia genant durch Thomam Mo- r u m* erschien von Claudius Gantiuncula von Metz übersezt 1524, 16. des Brachmons gedruckt zu Basel durch Joannem Bebelia m. Birllnger, Alemaimia V 2 XO 146 klagen gehört. Dieser verheerende Krieg zwischen dem schwäbisch- fränkischen Städteband (Nürnberg, ^Im, Augsburg an der Spize) und dem Markgrafen Albrecht Achilles von Ansbach sammt den im anhangenden Fürsten , Bischöfen und adligen Herren muste Eindeskindern nnvergesslich bleiben: wurden doch binnen Jares- frist 200 Dörfer und 25 Ortschaften eingeäschert. Vielleicht ist der Zeitgenossse Johannes Frank, der uns von diesem Kriege (vgl. seine Augsburger Annalen bei Steichele Archiv f. d. Gesch. d. Bisth. Augsb. II, 106 fg.) berichtet, mit Sebastians Vater ver- wandt. Von diesem wissen wir nur den einen Umstand , dass er noch 1531 bei seinem Bruder Michael Franck, *Bürger und Gastwirt zu Nördlingen lebte ^). Leider ist uns von dem Stande und~ den Verhältnissen seiner Eltern gar nichts über- liefert. War sein Vater ein Bauer? Wenn F. in seiner Chronik Bl.'^16 ,die alte frumme weit vnd die handtierang der baurn' im Gegensaz zu der industriellen und finanziellen Gegenwart rümt, so kann das eine oratio pro domo sein, freilich ebenso gut auch eine Verteidigung des bäuerlichen Standes, den er als Pfarrer kennen lernte, gegen den Hochmut der Städter und Patrizier. Oder war er ein Handwerker oder ein Kaufmann ? Dann gilt ge- wiss vom Vater, wie vom Son, was im Weltbach erzält wird, dass die Schwaben wanderlnstig seien und sich gern die Welt ansehen. War er ein Beamter? oder ein Wirt? oder gehörte er zu der zalreichen und ansehnlichen Zunfb der Fischer? Vielleicht ist ein späterer Forscher so glücklich, urkundliches Material zur Beantwortung der Frage aufzufinden. Die Familie Dass der von Königsdorfer zum J. 1504 (Anwesenheit des Kaisers Max) erwänte Benedictiner im Kloster Heilig-Kreuz ,Bern- hardus Frank von Wörth', mit Franck's Vater verwandt war, ist warscheinlich. Hagen äussert S. 815 die Vermutung, Francks Familie sei in Schwaben weitverbreitet gewesen und ausser dem erwänten jVetter' (Vatersbruder) Michael in Nördlingen hätten auch in Jnstingen und in Ulm Verwandte gewont. Woher er diese An- 1) F. widmete seine Uebersezung der bekannten von Philippus Beroaldus schon zu £nde des 15. Jarh. verfassten Declamatio ebriosi, soortatoris et aleatoris (unzälige Mal aufgelegt, auch Nürnberg 1581, 4**, zugleich also mit F.'s. Uebersezung erschienen bei Friedr. Peypus in Nürnberg 1531 vgl. Hirsch Milien III, 42 n. 88) ^seinem liebsten Vettern (d. h. Vatersbruder) Michel Francken, Burgern zu Nördling*: er schenkt es ihm, der, wie es in der Widmung heisst, ,au88 Gottes gnad oder ungnad eyn wirth oder gast geh' ist, das büchlein zum Neuen Jahr und schliesst mit dem Wunsch: ,damit biss (sei) Gott beuolhen, mein liebster vitter vnd blütfreundt, vnd lass dir mein vatter dein brüder beuolhen sein.^ 147 gaben entnommen, sagt er nicht. Es lässt sich nar behaupten, dass Franck ein in Franken, Schwaben und Pfalz bot hänfig vorkommender Name ist. So findet sich in der Tübinger Ma- trikel: 1495 Caspar Franck de Bietigheim. 1497 Joannes Franck de Bomberg a, panper. 1499 Bernhardus Franck de Gapingen, dt jfi famnlas. 1510 Michael Franck de Gamnndia. 1512 19. Jan. Joa. Franck de Güppingen. 6fi. In der Heidelberger Matrikel: 1464 Panltts Franck husoe (?) de mornlheim sacror. canon. bacc. univers badaSns (Patav.). 1476 Johannes Franco de pfortze{n ardnm mgr. clericas dioc. spir. 1477 Henricns Franck de gamnndia. 1495 Sebastianns Franck de nürdlingen aagnst. dioc. 27 innij. 1500 Johannes Franck ex sulgaüw constanc. d. ' Marcus Franck de gengen augnst. d. 1507 Fr. Petrus Franck de ord. predic. conv. Ulmen sis. 1509 dns Andreas Franck de altzeia dioc. Mogunt. ardnm baccalaureus. . In der Kölner Matrikel: 1500 April. Sebestianus de nerlinghen ad artes iuravit. pauper. Es ist höchst warscheinlich der 1495 in Heidelberg stu- dierende Seb. F. von Nördlingen, den ich irrtümlich in der Ztsch. d. Berg. Geschichtsvereins XI, 120 mit S. F. von Werd identifi- zierte, doch auf S. 2B1 ist der Irrtum verbessert. 1509 3. April. Jaspems Franck filins tinctoris de wynß- heym herbipol. d. ad artes inravit et'Solvit. In Siebenkees' Materialien zur Nürnberg. Geschichte 1792 I, 374 wird (nach Job. Müllners Beschreibung des Bayrischen Kriegs, vom Jare 1503) voj» einem tapferen Nürnberger erzält, der sich allein in eine belagerte Stadt wagte, ,ein Einspänniger Knecht Georg Frank genannt.' FWeinkauff (Fortsezung folgt) Zur Wortforscliung *) vin 1 Zur Tierarzneisprache, alemannisch. Brenner: von den sog. Brennern oder von den gefallenen Eegen, deren Tropfen zur Zeit, wenn sie eben aus der neblichten 1) Alem. IV 195 ff. 258 ff. — Die Quelle ist das oben für Ross- und Rindviebzauber ausgezogene Buch Textors S. 57. ■n 1 148 Wolken sich erzeigen und unter dem Fall durch warm düffibige Sonnenstralen inniglich durchwürket, hierdurch aher derselben ent^ haltenes Salz — schwefelichtes subtile wesen zu einer schädlich durchdringenden Brandfäulung disponiert worden u. s. w. 18. 23. In der alem. Rebmannssprache allgemein. Vergl. DW II 369 ff. allgem. deutsch. Trensen swv. stm. wann das Pferd den Athem noch kürzer hat und denselben nicht ohne Gretoss, Keuchen oder Trensen von sich lassen kan. 222.' starkes Husten, Trensen, vielfältiges Husten. 227. die Pferde fallen endlich dahin, seufzen und drensen 241. Vrgl. Alem. III 70 ff. Heute noch dresa = schweratmen ; an etwas herum dresa = nicht daran wollen. Tretisen swv. dem Pferde Pulver — in die Nasenlöcher spritzen, sie wol zuhalten biss es treuset 187. iretislichte Mh^ wann sie mit dem Munde schäumen und toll herumlaufen, inglei- chen das ringlichte Vieh 188. Drihlen und keuchen : Speichel, Speisen vom Munde herab- laufen lassen 152; hier von Pferden; heute noch von Kindern: die Speisen verschlendern u. s. w. auch von Erwachsenen. JEmsäurung allerlei Laubs, wie de Kohls u. s. w. 31. Im DW III 265 bloss einsämm v. Taig und Brot gebraucht; hier „sauer einmachen* ^ überhaupt ,,einmachen^^ Einschütte ein purgirend Pulver oder EinscJmtt aus Aloe 264. Zu jedem MnscMtt Vie Saffran. 267. Feit in DW. Ellenbogen werden diejenige Gewächs oder harte Geschwulst genennet, weiche hinten an dem Gelenck der vorderen Beine am Buch oder an den hintern Beinen hinter oder ober dem Knie sich ansetzen und mit den Händen hin und her können geschoben wer- den. 317. 320; sieh oben S. 60, lezte Z. DW III 415. Füll' oder Kleemeister ^ Waasenknechte^ Schatdeute (an d. Grenzen) 69. 72. FUtg oder äusserlicher Brand dees Rind -Viehes wird ge- nennet, wann dasjenige Glied, wo der Fltig sich hingesetzet, auf- lauffet, zittert, dass das Vieh ganz und gar nicht darauf stehen kann und wann durch Begreifung oder Druckung der Geschwulst dieselbe an der Seite sich aufspannet und es darinnen rauschet ob wäre Beltz darinnen. 178 ff. Feit im DW. Gesältm: Wachholder- oder HoUunder - ^e5ö?te 132. Es ist der Saft von „eingekochtem*^ HoUunder, syrupartig; ApfelgsäUt Biragsäl0 ebenso übliche. Ausdrücke niederrh. Kraut, Sieh mein „Aus Schwaben^^ I 137 Anmerkg. Mein alem. Büchlein v. guter Speise 1865 S. 189. Vergl. Cardo benedictus Berenwurz — item von disen blettern gemacht ein geselz und darunder gemischt snessen wein u. s. w. ToUat v. Vochenberg f. 13b (alte Aus- gabe). Gumpen m. tiefe Stellen: aus den tiefen G. des Bachs 30. Wenn es nicht dem Naturlaute nachgebildetes Wort ist, so möchte ich 149 auf das andere Ablautsubst. gamper aufmerksam machen,- sieüe, ab- scbnssige Berg-Wand, was also auf ein gamp, gimp, gnmp za- rückget. Hasenköpf: Pferd welche man Hasenköpf nennet. 188. Um die Stiine stark, um das Maul dtinn. DW IV^ 538. aufzwang, der, wird genennet, wann sich die Hufe hinten gar eng zusammen begeben, der Kern weichet und viel übriges Hom hinten und vornen wachset. 335. Igelshuf ist eine Geschwär oder spitziger Grind auf der Gro- nen, wovon die Haar in die Höhe stehen ; trockene und feuchte J. erstere haben breite, dünne und aschenfarbene Schuppen, die Haut darunter gesund; bei disen ist die Haut vdll Löchlein, duröh die dünne^ zähe und gelbe Feuchtigkeit herausdringt und endlich den ganzen Fössel verderbet. 334. Kammschmalz, Fett der Hare im Kamme: die Lenden des Tages zweimal mit Kammschmalz schmieren 224. Feit im DW. Kehlknopf wird genennet, wann durch einen gifbigen an- steckenden JDunst oder Schwaden das geblüt in ausserordentliche Aufwallungen zum Austreiben dieses Giftes gerathet und solches entweder in Ermanglung hinlänglicher Kräften der Natur oder aus anderen Ursachen in den Drüsen oder Musculis des Halses oder besonders der Luftröhi*en oder Kahlen stecken bleibet. (Auf* Schwellung, Entzündung, Tod des Viehes) 174. KäMknopf oder Kähldrüse. Feit im DW. Köblein: Laist werden genennet harte Geschwulsten, welche vornen über den Hufen oder Fösseln, auch ober oder unter den Knien. an den Schienbainen erscheinen; wann sie klein seyn, nen- net man sie insgemein Köblein 317. Im DW V 540 = Vieh- seuche Kdbel? Köhden: überzwerche Schrunden an den.K. und gleich 294. Fösseln, köhden oder Knie-Kählen 297. Kroppenmähler oder TodtenbWit seyn unten am Huf, nicht weit von der Sohlen, wie rothe Flecken an einem alten Käss, von diesen hincken die Pferde sehr 815. Feit im DW. Krätzerlein, Instrument zum Krazen spornartig: mit dem k. so lang schaben, die zähe und giftige Materie herauskrazen. 144. die obere scharfe Fläche des K. mit einem Heftpflaster ver- wahren 145. ein silbernes k. zum Abschaben und Aufkratzen des krebshaften Schadens 151. Krätzer DW s. v. Krott am Hals wird genennet eine böse eyterichte Geschwulst oben am Halss, entweder ober oder hinter den Ohren. 317. DW V 2419. 5. Manchfalt der feine Blättermagen des Schlachtviehs: hiervon seye die Hitze in den Manchfalt oder sogen. Mettenbuch getreten, habe solches verhärtet u. s. w. an der Gallensucht und Manmg- falt erkranktes Vieh 119. Vrgl. Kuhns Z. XV 201. Stalder H 196 ;* meine Spicache des Rotweiler Stadtr. I 57. Das Wort ist 150 volkstümlich in der Bodenseegegend bis Schnssenried, Sanlgau« Im Neckartale reicht es bis Horb; im Breisgau, am Eaiserötol, Heu- Weiler u. s. w. Der bekannte Küchenmeister Rampolt (III Ib) sagt: den löser yon Ochsen oder das manigfcdt sauber ausgebazt. Maucken, die, seind schmerzhafte räudige Schrunden in den Fösseln an den Glaichen unter den langen Haaren, worauss eine scharfe Feuchtigkeit fliesset, welche einen üblen Gestanck nach sich ziehet » rinnende Fössel 325. Vrgl. Alem. I 185 flF. In Meersburg heisst es der Mauch.' MeÜenbuch: bey Einigen das Milz gross und aufgelaufen; bei denen meisten wird das sog. MeUenbuck welk oder mürb und brandig, zwischen dessen Falten und Blätter ist eine schwarze — Materie; sieh Manchfalt. Wanst^ M. und Magen 6. 7. 27. 104. Möhnisch,. adj. flüssige^ entzündete, schwärende und möhni' sehe Augen 198. Mückern: alsdann fangen die coUerischen Pferde an mit Un- gestüm zu mückem, schreien, toben. 193. Bäekholder, juniperus 120; nur alem. • Baippen, die oder Rapfen seynd Räuden und rauhe Schrun- den der Haut mit harten schwülichten aschen-farbenen Lefizen, welche sich sowol hinten als yornen an dem Fuss und zwar zu- weilen oberhalb des Preisses in den Fösseln, zuweilen auch bei den Enyen ansetzen, seind meistenteils trocken un^ wässern nicht yiel, machen aber die Haut runtzelicht u. s. w. 325. In der Do- naueschinger Hs. 792, f. 18a stet ein Recept ,,für den Rappen": „nim 1 lot harz und 1 lot unschlit rindrin und zerlass das under- einander und strich es an den BappenJ'^ Adj. reppig: weles ross reppig ist u. s. w. f. 19b. Stalder II 258. Schmi4 419. Bassein: Pferde, welche die nasse Kählsucht haben rasslen, keuchen und husten, rasslet durch die Kohlen mit erhabenem Thon und kan den Schleim nicht herausbringen 207. 208. BiUigkeit oder Rotz des Pferdes 207. Schlaghauchen swv. währender Zunahme dieser Seuche fanget das erkrankte Vieh endlich an zu schlag-hätschen oder beschwerlich Athem zu holen 4. Heute schUboucha, alem. besonders von Vö- geln, die ängstlich im Vogelkäfig, im Zimmer herumfliegen z. B. Maisen; auch von Menschen gebraucht. Schnuffem sw. das erkrankende vieh wird — mit der Nasen * spühren und schnuffern, brüllen, den Kopf schütteln. 3. Schwann, Wenn die coUerischen Pferde damisch oder tau- melnd werden, allezeit der Wände begehren, umfallen, aufstehen, den Kopf an oder unter den Bahren (Barn), an die Sonne geführt umfallen, taumeln — das heissen die Ross-Aerzte den Schwärm 191. . Spatt^ der dürre, ist eine Krämpfung oder Verschleimung der Sennen und Flachsen des Knyes; man sieht nichts; die Pferde heben den Schenkel höher als sonst auf. Ochsen-Spatt harte Beu- len an dem rechten hintern Schenkel innerlich des Knyes, selten an 151 beyden Schenkeln; daher, weil fast alle Ochsen danüt behaftet sind. 320. 321. ^ Staffel : diejenigen Pferde (hinfaUende Sucht), welche wie tod ligen, solle man im Anfall selbsten den dritten Staffel (Rachen) stechen u. s. w. 189. Sternbuüen swm. Sternschnuppe 30. Stemgeschofi 50. Sierzseuche: das Wort Stertz bedeutete vor Zeiten an vielen Orten den Schwanz oder Schweif des Viehes; weilen nun diese Krankheit in diesem Glied des Leibes sich befindet, so wurde sie die StertZ' Seuche genennet 179. Sttmpf: wann ein Nagel oder Stumpfen allzutief in den Fuss gegangen u. s. w. 341. Uehergälle, die sog. ansteckende giftige U. welche, nebst einer allzugrossen und verderbten Galle, mit einem Brand und Fäulniss des sog. Büchleins und viscerum nobiliorum, als Lungen, Leber und dergleichen sich zu äussern pfleget 1. pestilentiali- sche ü. 5. Widerriß, v. Scharlach : es laufifet zuweilen oben an dem W. oder Yorgerüst auf, ob wäre das Pferd vom Sattel gedruckt wor- den. 303. Schmeller ^11 148: nimb dem hund auf dem W. har. Wiecken: lange Meissein oder Wücken 209. 2 Namen zweier Krankheiten, schwäbisch^). KurffeSy das: wann die Kinder ein gar scharfies sog. hirffes bekommen, welches sodann auch gemeiniglich länger anhält als ein ordinari kurffes u. s. w. 121 ff. Dann dardurch wird vornehm- lich die gelbe Sucht und das sog. kurffes oder Mälhund — ver- ursacht ; — allermassen durch die saure Luft das noch so Bubtile Geblüt des Kindes gleichsam gerinnet, dardurch mithin sowohl das kurffes als die gelbe sucht zuwege gebracht werden 133. Wie oder auf was weise aber auch dieses saure Luftsalz das kurffes verursache u. s. w. ebend. Es zeigen sich aber gleich anfänglich die gelbe Sucht und das sog. kurffes. Das kurffes haben zwar auch nicht gar alle kinder, sonderbar gleich die erste Tage. Wann aber dieses kurffes die kinder erst nach etlichen Wochen bekom- men u. s. w. 138. Wegen des kurffes oder Mälhunds ist anders nichts zugebrauchen u. s. w. — Ich habe das an der alem. schwä- bischen Grenze und im augsb. Schwaben übliche Wort nicht in mein Wb. aufgenommen weil ich nichts rechtes damit anfangen konnte. Die Nünb. Schatzkammer v. 1694 S. 39 hat: von dem kürfass^ Mundfäulung, wenn Mund, Schlund und Gaumen, Zunge 1) Die Quelle der folgenden zwei Wörter ist eine augsburgische: Kurze^ jedoch hinlängliche und gründliche Anweisung christlicher He- bammen beschrieben von Barbara Wid^imannin (Augsburgerin) Augsb. 1783. 8. Ich werde von jezt ab auch dem schwäbisch-augsb. Sprach- schaze zeitweilig in der Alemannia Rechnung zu tragen mich bemühen. 152 mit klein^i Oescbwärlein geplazt sind. Schmeller I^ 1291 hat efoe kleine Anzal ▼on Belegen, auch gurfes (wie ^amiUen, polier Bt. h^ und nennt als heutige Heimat den Lech, woher ich es auch habe. Mhd. horfel (?) Wb. I 862a. Lexer s. v. Grimm Wh. II 640 hält es für entstellt aus curfos, curfosch germ. =: lignnm aridnm, Schwamm? (altnord. fauskr.) cur halte ich zu kiusan, kiosan, kiesen urspr. ^= gnstare. Das hurfäsek^ (kurfüe iin cgm. 384, f. 119a), curvei, Pferdekrankheit an den Füssen, Steifheit gehört vielleicht gar nicht dazu, wol aber zu lat. curvus = krum, wie das Volk sagt = steif. Vgl. ausförlich Hildebrand DW V 2805. FricM stn. Gichter oder wie man es hier nennet das Frichi 91. von dem bekannten und allhier sehr grassirenden sog.Mtdter' fricht. Ich habe gar selten gefunden dass etwas darbei sich^ zeigte, welches auch nur von weitem einem wahren Fricht (versteht sich Gichter) gleichete 129. Die Gichter der Kinder, so man hiesigen Orts (Augsburg) Fricht zu nennen pfleget, seynd fürwahr der schlimmste Zustand, sowohl vor kinder als auch vor erwachsene und alte Leute. Wann ich aber die viele und lächerliche Namen der hiesigen Kinder - Fricht (Gichter) als das sog. Barmj' Fricht, schreyende Fricht, Kiefer- oder Sperr-Fricht betrachte, so werde ich recht zum Mitleiden bewogen u. s. w. 143. Ich füre aus dem Büchlein: Allgemeine Begel seine Gesundheit lang zu erhalten, nach der Vorschrift des H. Dr. Tissot. 2. verb. Aufl. Augsb. Riegers sei. Erben 1786. 2 Belege an: Wahnwitz, Hirnwut, Frichter, Sprachlosigkeit 110. Andere haben das Fricht am gan- zen Körper oder an gewissen Theilen des Körpers bekommen 120. In meinem Augsb. Wb. 168 habe ich fälschlich auf die Wurzel friSj frih hingedeutet, es gehört zu — jehen, wie das allgemei- nere Gichter : fri — jicht, fra — jiht und ga — jiht, gi — gibt. 3 Zum allgemeinen deutschen Wortschaze: Fränkisch- niederrheinisch, Bairisch, Schlesisch. Kuonret. So angesezt findet sich das Wort von Lexer im Mhd. Handw. I, 1892^ nach dem Selzer Weisthum vom Jare 1310 bei Grimm W. I, 763: „wer aber, daz ein zoUere sich dar an („die Maasse und Gewichte zu untersuchen") sfimete, unt rih- ' tere, die z& Selse sint, daz hunret (so, und nicht imonret) bevin- dent unt den fals, die bhusse sulent die rihtere nemen mittenan- der, die daz hunret bevonden haut ane den zollere." Was bedeu- tet hier hxmret? Zunächst hat man die dem Schreiber des Weis- tums eigentümliche Schreibweise zu beachten. Er pflegt öfter zh für e (oder sh für s) zu sezen, so gese^e^^et (19), sie^^e^^et (80), si^^e^hent (33); ebenso muss^e = muoze (35), ^phenden (= jsen- den, 36). Ausserdem wird von ihm h im Auslaute zuweilen ge- tilgt, so nat = naht (18 und 19), attimhalbe = ahtimhalbe 153 (36). Hiernach glaube ich, dass der Schreiber an obiger Stelle daish unret gemeint hat d. i. daz anreht. Ein anderes Wort neben falsch wird auch kaum dem Zusammenhange der Stelle an- gemessener sein. Beispiele von dem frühen Auftreten des h nach dem z finden sich ausser Weinhold Alemann. Grammat. § 184, 186, 187, noch bei MüUenhoff und Scherer in der Anmerknng zu LVII, 2 (ed. I). Sonst könnte man hunret auch zu den bei Wein- hold 1. 1. § 230 verzeichneten Beispielen zälen. Fedor Bech Draußlich, doldenartig „besehet" sohwäb. Zum DW III 1347 £P. Der blaue Jasmin bringt seine draußliche wohlriechende Blu- men straußweise im April 261. Anthophilus (sieh Alem. IV 265). Die der Merzal nach alem. Stellen im DW haben seh für unser ß: drauschelich u. s. w. » Droschke: Als ich abreiste, begleiteten mich ein halbes Dutzend Wagen und Droschken^) bis an die Ufer der Wolga. A. V. Kotzebue, das merkwürdigste Jahr m. Lebens II. Theil 47. Berlin 1802. Homblas, als Mass der Entfernung: mit einer waden fischen bis uf ein hornhlas an das schloss (Monjoye). Urkd. lÖ. Jhd. Es ist das Heimbacher Schloss. Ingolstadter Feige, Geschüz: Die Hoffart wird jetzt Hof- Art genannt." Könnt ja nicht höher steigen; doch zeigt man ihr, glaub mir behendt^ zu Ingolstadt die Feigen^), Pfaffenzeller 30. Kälhertannf. Versieht er dann ein mal die schanz So Wirt er gar zum Narren Und springet an dem Kälbertanz Gleich einem jungen farren. Zum DW s. V. Bl. lOa. G. Niege v. Allendorf, hs. Berlin. Korfel, ein Fischemez : die van WoUseuffen sullen fischen mit waden^ mit harnen^ mit korffelen^ mit gyren, mit schretten, mit fackelen, mit luchten, mit ducken oder mit baden in wögen (wäc gurges ahd.) in schalden u. s. w. 15. Jhd. Urk. sieh Hornblas. mit korfelen ze legen und gebruchen Zeug zu fischen, ebenda, mit hamen oder tasten fischen, ebenda; hamaien, ebend. eine Hacken- art z. fischen oder als Mass? Lexer mhd. Wh. I 1680 fürt eine Stelle aus Wackemagels Leseb. an, die aber nnserm Worfce ganz fremd ist. Meite: Ich hett gemeint, ich wer vereint Mit dir zu ewigen Zeiten Wils nu nicht sein, so fahr nur hin Frag nicht darnach ein meiten, D. h. gar nicht ; meite, eine alte niederd. Münze von ganz ge- ringem Werte. G. Niege v. Allendorf Bl. 20b. 1) „Eine Art Fuhrwerk. Es besteht in einer unbedeckten oft auch gepolsterten Bank, die auf 4 Rädern ruhet." 2) „Ein Stück so Gustavum Adolfum erschröcket.'* 154 Mönskmdmy Betstunden, welche die Mönen^ alte Jungfern bei Kirchen um- Geld für andere abhalten. „Dann got ist nit ain gott der verstorben sonder der lebendigen, warumb wollen wir sy dann mit vigilien opferen, i/n^nstunderii messen u. s. w. darauss bringen u. s. w." A iij \, Vom Fegfewer vnn stand der verschay- den seien ain christliche mainung nit wie bisher fürgeben. Durch Dr. Gerhard Westerburch von Cölen, neulich ausgangen 1523. „Auch die .grossen vnkost an begrebnus, begengnus^ vigilien, com- mendazien, seelmessen, jarmessen, jarzeyten, mönstunden, hoch- gyfferen (Jungfrauen), wachsen kerzen seiden balken, glocken leu- ten, gröber weyhen vnd dergleychen vngrundten erdichten cermo- nien vnd weysen anlangen, wil ich treulich vor irem schaden war- nen B iij b." 'Mosti vnd werden als die versängten oder die verbrenten böm von welchen die bletter, most vnd rinden abfallen B ij a a a 0. PaulunCy Zelt, kleines Zelt, die grössern hiessen Tenten. „Lieue besunder vrunde: wir bidden ind begeren znyt ganzem ernste van vchj dat ir onss wilt lenen eynen vre cleynen pauluyne, den wir mit vnss vür Frankenfoit mögen voyren ind dat eirste wir wide- rumbe van dannen komen^ asdan so willen wir üch den wider sen- den zo Colne sunder eynichen verzeuch. Bitte Adolph's Sun zu dem Berge 14. sec. Köln. Archiv. Bolltmh in der Red^ A. von der betrügerischen Liebe: Vil EoUuch sie.verkeuft Vnt rew mit vnderleuft u. s. w. Bölltmh sie gwiss verkeuffen dir: Sagen: du bist alleine Der vff der weit gefellet mis Mit treuwen ich dich meine u. s. w. George Niege v. Allendorf, Züchtige Liedlein von der Liebe etc. 16. sec. Berlin. Bibl. Bumpelgeist: Auch ist solchen rumplen gaysten swerlich zu glauben. Westerburch B ij b. Stange : item ist och guot für den Siechtagen, der da heisset Stange oder der an der milz oder an der leber siech ist. hs. oberd. 15. Jhd., sonst unbekanntes Wort. Stütze^ ein grosses Fischnez: sagenam unam que vulgo voca- tur stütze in eodem tractu. Urk. Köln. 1228. Abt Ludolf zu St. Martin belent d. Ritter A. Vogt von Stammheim. Stupf ein, bildlich: Dem nach mag man sagen, das die brin- nend vnd hitzige begerung nach got alles holz, hew ymiMupflen in den Seelen brennet. West. B i b. So aiuer bawet auff das fandament das Christus ist, gold, silber edelgstain, item holz hew, stupflen ains jeglichen werk soll offenbar werden a. a. 0. Traget, f. ein Bezirk, innerhalb dessen einer im Flusse fischen darf: as he ymme Ryne ligende hait in dem tragell de 156 haltende, ürkd. Köln. 1394 20. Nov. Surde, Hof bei Köln an- langend. Zo wilchme vurschreben tragell vier henetz gehoerent — und umber vier vierdel machent eyne gewalt — ein tragell 16 vierdel oder vier gewalten. Ebenda, trauueley eine andere Form in e. Urk. des gleichen Jares; lat. tractös, in tractu Reni 1228. 4 Misd Misel, ältester Beleg in Deutschland ist die Stelle im Hym- nus des Rabanus Maurus: miseUini. Vi^l. ferner: Postea itaque vocavi supradictos pauperes qui vulgo miselli nuncupantur et tra- didi eis unam vineam citra Suram juxta inonasterium S. Wili- brordi; a. 992 Sigefridus comes Luxemburgensis fundat hospitale Epternacense. — Hontheim Histor. Trevirensis 1770 I p. 329. In Virchow's Archiv für pathoL Anatomie etc. XX, 171 ff. ab- gedruckt. Graff II 875 (misal, misaloht). 5 Namen bairischer MusikiDStrumente Trufnpeln. Schellen (Jägerhorn). Acheriwrn, Küschellen, Brit- sehen auf dem hafen. Wachtelbeinlein, Meisenbeinlein» das hültjsig gelächter, göckelspil, Bußpfeif. Platerspil (Blasinstrument). 16. sec. Wirsung. 6 Namen für alte Tanzlieder und Weisen Der rotten Schwantz, die Krebsschere, dy Katzenpfote, Pfatoen schwantz Pauli de Broda. der fochsz schwantz, der noiter schwänz, der pamr schwänz, die Ezelskron^ (Esel), der kranch schnäbel, der newe pawer schwantz, Liederhs. Königl. B. Berlin musical. Abt. Msc. Z 8037 quer 4®. Vgl. Monatshefte für musik. Ge- schichte 1874. No. 5. ^Schlesisch. ABirlinger Fünf ungedruckte Briefe Johann Eberlins von Günzburg. Eine Notiz von denselben gab ich bereits in meiner Be- sprechung der Kiggenbach'schen Biographie Eberlins in den Göttinger Gelerten Anzeigen Jargang 1875 p. 806. Riggenbach hatte sie nicht gekannt; frühere persönliche Forschungen meiner- seits in Wertheim waren gleichfalls erfolglos gewesen und ei*st späteren Bemühungen Alexander Kaufmanns war es gelungen diese interessanten Materialien ans Licht zu fördern ; von demselben wurden sie mir zur Publication freundlichst überlassen. Umstände verschiedener Art haben dieselbe leider bisher verzögert und gestatten mir auch jezt nur ein Minimum von Bemerkungen vorauszuschicken. Ich gebe die fünf zumeist äusserst flüchtig und zum Teil auf ziemlich formlose Zettel geschriebenen Stücke in der anschei- nend von älterer Registrierung herrürenden Ordnung, unter mög- 156 liebst treuer Beibehaltnng der ursprünglicheo Orthographie, nur von der willkürlichen Yerwendung grosser oder kleiner Bachstaben zu Anfang der Worte absehend. Jene Reihenfolge der Briefe ist jedenfalls auf Grund irer äusseren Gestalt entwoi^fen und wird sich deren Richtigkeit weder bestimmt behaupten noch bestreiten lassen, denn es gebricht an allem Materiale zu genauerer chronologischer Festlegung der in den einzelnen Briefen berürten Angelegenheiten. Im Grossen und Gan- zen werden sie insgesamqAt in die lezten noch ser der Aufhellung bedürftigen Lebensjare Eberlins zu sezen sein und verdienen da- her um so mer Wertschäzung. Aus der Art und Weise wie in Nro. 2 des Grafen Georg III von Wertheim gedacht wird, get wenigstens hervor, dass dieselbe wol erst nach dem Tode desselben (17. April 1530) geschrieben und an Graf Mich ael 11, der bis zu seinem am 24. Mai 1531 erfolgenden Ableben die Regent- schaft und Vormundschaft über seinen in zartestem Eindesalter stehenden Enkel fürte, — derselbe war im October 1529 geboren — gerichtet war. Die Sorge für die Erziehung des lezteren war es denn wol auch, die den Grossvater zu Fragen an Eberlin veran- lasste, die alsdann Brief Nro. 5 hervorriefen. Wäre dieser und die übrigen Briefe an die spätere ans der Mutter und einigen Verwandten bestehende Vormundschaft gerichtet worden, hätten doch wol andere Formen, namentlich in den Adressen und Unter- schriften statt „G. H." ,M. G. H.*, ,;E. G." eintreten müssen. Nur in Nro. 2, 3 u. 4 kommt neben „G. H.'* und „E. G.*' ein „M. G. F.'^ vor, was mit „meiner gnädigsten Frau** aufzulösen und auf die Wittwe Graf Geo'rg's zu beziehen wäre. Mit Hülfe jenes oben erwänten Briefes Nro. 5 sind wir wiederum im Stande die Zal der litterarischen Werke des Refor- mators um einen Titel wenigstens zu vermeren. Betreffs des In- haltes dieses Schriftchens ,von der Kinder Unterweisung, lässt sich vielleicht vermuten, dass es wol ein Gapitel aus der früheren Abhandlung ,,Wie sich ein Diener Gottes Wortes .... halten soll'' weiter ausfürte und an den daselbst erwänten Trak- tat Gerson*s ,,de trahendi^ parvulis ad Christum*' anknüpfte. Wir sehen ferner an lezterer Stelle recht deutlich, wie Eberlin nicht minder für Verbreitung durchschlagender Schriften der anderen Häupter der Reformation an massgebender Stelle bemüt war ; denn unter den „IUI psalmen an die k. von Hungern" haben wir die Auslegung der 4 Trostpsalmen zu verstehen, die Luther der reformatorisch gesonnenen Wittwe Ludwigs H, Maria, widmete und die zuerst 1526 und sodann 1527 viermal zu Wittenberg unter dem Titel „vier trostliche psalmen an die königyn zu Hun- gern ausgelegt durch Martinum Luther** erschienen (vergl. J. E. Irmischer, Luthers sämmtliche Werke. Bd. XXXVIII, p. 369 ff.), wärend mit dem „buchlin Melanch. von widderteuffer*^ wol der „Unterricht Philip. Melanchthon. widder die lere der widderteuffer 157 aus dem latein verdeutacht durch Jostos Jonas'' gemeint ist. Von lezterem liegt allerdings nur ein Druck des Jares 1534 vor, doch ist die Widmung an Michael Meienbnrg, den Unterstadtschreiber von Nordhansen von Montag nach Purifiicationis Mariae 1528 da- tiert und get die Vorlage der Uebersezung — „die offen in der sehn] von M-elanchthon gelesen*' — auf noch etwas frühere 2^it zurück, so dass hierin kein Widerspruch mit unserer Datierung der hier gegebenen Briefe Eberlins bestet. Daneben ist es wieder die Beschäftigung mit dem classischen Altertum, die an mereren Stellen in Streiflichtem hindurch leuch- tet, vornemlich aber im 1. Briefe in vollem Glänze hervortritt. Der Schrift von der ,)deutschen Nation Gelegenheit, Sitten und'Gebräuchen'^ gegenüber entfaltet Eberlin freilich jene Tätigkeit nur in verschwindendem Umfange bei der hier überlie- ferten Uebersezung einer Reihe aus dem VI Buche der ,,lnstitu- tiones oratoriae*' des Quintilian nicht ungeschickt zusammen- getragener Stellen. Als das wesentlichste Ergebnis dieser neuen Quellenbeiträge muss es indes wol angesehen werden, dass sie uns über die ungestörte Fortdauer des Einflusses Eberlins auch auf die vormundschaftliche Regierung in Wertheim vergewissern. Die durch die bei der Lei- chenfeier für Graf Georg gehaltenen Reden ^) hindurchdringenden Befürchtungen haben sich nicht erfüllt, vielmer haben die damals ausgesprochenen Wünsche ire erfreuliche Erfüllung gefunden. Graf Michael stet nach Eberlins eigenem Zeugnis in Brief 2 ebenso treu wie sein Son zur evangelischen Sache ; Eberlin ist auch sein vertrauter Ratgeber nicht nur in Sachen der inneren Regierung und yor AUem des Eirchenregimentes, sondern auch in den Angelegenheiten der äusseren Politik wird sein Beistand in Anspruch genommen. Es scheint die Einmischung des Grafen in die Beziehungen der fränkischen Ritterschaft zum Reiche oder zum Bischof von Würzburg zu sein, von denen Eberlin denselben zu- rückzuhalten sucht, indem er in auf den Undank, den Graf Georg bei seinen Bemühungen um die Beruhigung der aufgestandenen Bauern geerntet, hinweist; leider ist wol das Hauptstück dieser Corres- pondenz, die Anfragen des Grafen mit Eberlins Gegenvorschlägen, für immer verloren. Auch das uns hier nur vorliegende Begleitschrei- ben ist wol nur durch Zufall der Vernichtung entgangen, der es der Verfasser aus übergrosser Sorge um die Geheimhaltung selbst geweiht hatte. Gegenstände der weltlichen Verwaltung scheinen es ferner auch zu sein, die in Nro. 4 leider so dunkel nur angedeutet werden; freilich genügen diese Andeutungen , um uns darüber aufzu- 1) Siehe die ausführliche Beschreibung von A. Kaufmann im XX. Bande, des „Archivs für die Geschichte von Unterfranken und Aschaflenburg", sowie Riggenbach 1. c. p. 242 ff. 158 klären, dass Eberlius Stelluug nach dieser Richtung hin eine durchaas nicht leichte war, doch scheint es zugleich als sei er hierin von der vielleicht auswärts weilenden vormundschaftlichen Regierung mit grösseren Vollmachten ausgestattet gewesen, als bei Lebzeiten seines alten Gönners, des Grafen Georg. Er tritt da- her hierbei nicht minder selbstbewusst und energisch* auf, als im 3. Brief, wo es sich um Fragen der kirchlichen Disciplin handelt. Auch dies Vorgehen gegen einen der im unterstellten Pfarrer scheint nur eine praktische Betätigung der Leren zu sein, die er allen Geistlichen der Grafschaft vornemlich bei der Parentatio um Graf Georg ans Herz gelegt hatte, und wie ser Eberlin hierbei in seinem Rechte war, zeigt die Bemerkung, dass der zeitige Inhaber der weltlichen Regierung den unbotmässigen Geistlichen j %der sich an in mit Besch>¥ erden über Eberlin direct wendete, auf den lezteren als instanzenmässigen Vorgesezten verwies. So flüchtig diese lezte brieldche Notiz wie alle die übrigen auch hingeworfen sind, bringen sie doch den ganzen Charakter Eberlins zu warem und vollem Ausdruck; sie sind noch voll jener Erafb und * Schärfe, die manchmal verlezsnd wurden, aber doch zumeist von dem rechten Erfolge begleitet waren ; bei alledem mangelt inen die ruhige (Jeberlegung und klare Einsicht, ja man kann sagen, praktische Voraussicht nicht, die Eberlin so vorteil- haft vor vielen seiner Zeitgenossen auszeichnet. Und diese Beo- bachtungen müssen noch in sofern unser besonderes Interesse er- regen, als sie uns den. Beweis liefern, dass das Bild Eberlins aus diesen vereinzelten skizzenhaften Schriftstücken seiner lezten Lebenstage sich noch ebenso ansprechend und würdig abhebt als aus den umfangreichen systematischen Werken seiner tatkräftigen Jugend. Qaintilianusim6. teil des buchs von der under Weisung eins redners sagt also von züchtigen schimpfworten ^) ains redners: Solliche schimf send , auch holdsälig (wilche ainen mynder verweisen, dan man thon mocht), wilche underotigen ') kurtz einen anzepfenn *). Ein kriegskneoht bat etwas vom Augusto nnfügklich und 1) Quintilian. Inst. orat. VI, 3. 93: lueuudisBima sunt autem ex bis Omnibus lenia et ut sie dixerim boni stomachif quae vnayoyas vo- cant; est gratüs iocus qui minus exprobrat quam potest. Interim de se dicere ridiculum est et quod in alium absentem dicere urbanum uon erat, quoniam ipsi palam exprobrantur, movet risum. 2) Spass-^ Scherzreden. 3) öffentlich. 4) anzapfen, einem das Blut ablassen, dann treffen, richtig schla- gen ursprünglich von einem Lassinstrument. 159 ander dem kam auch Martianns, von welchem der Angastus ver- mnthet, er würde auch dergleichen thon, sagt er: alß wenig thon wil, was Martianus bitten würdt, so wenig wil ich thon, was du gebetten hast.' ' Einer wurde für ainen groffen narren gehalten, weil er arm was; bald fiel ihm ain erb an, sagt der ander: du hasts gut ge- erbt von deinem fraind, wer würt aber sein weißheit erben? Alß Cicero handlet wider in des Verres sache und nach ain zeugen fragt, sagt zu ihm Hortensius: ich verstand dise rätter' sehe *) ; sagt Cicero : du soltests doch wol verstehn, dweil du ain Sphynx dohaim hast ; ' dann Verres hat dem Hortensio ain erin Sphynx geschenckt, der vil gelts werd was. (Sphynx was ain seltzam thier, das rätterschen pflegt fürzegeben) ^). Ain römischer reiter tranck im ring oder schawstat, schickt der Augustus zu ihn, ließ im also sagen : wan ich effen will, so gehe ich haim ; antwurt der reitter : du darfß; nit forchten, das dir ain ander die stat ainnehme. Ainer bat den Galba umb ein mantel, antwurt Galba: es regnet ietz nit, darumb darfPstu sein nit, wan es aber regnen würt, so darf ich sein selb. Marcus Coelius künde baß schmäliche wort furtragen in den klagen, dan die fürgetragenen beschirmen ; von dem sagt Cicero, er hatte ain gute rechte band, aber ain boß lingke. Augustus') warff ain römischer reitter für: er hatte sein vatterlich erb verthoa; antwurt der reitter : ich hielts dafür es were mein. Die Athenienser vermainten ain gutte botschaft zu bringen dem Augusto, sagten es were ain palm gewachsen auf seim altar; sagt Augustus: dabey kan man mercken, wie oft ir fewr dara^if machet. Item Cicero sagt, man sol nit schertzen mit der oberkeit noch mit lewten, die in ainer gmein lieb und werd gehalden send noch mit arhaitsaligen^) lewten, sy wollens dan nit selbs erkennen, sondern mehr dan in sich rieraen. Man soll auch keinem etwas furwerffen, das ihin schmalich ist zu hören. M. G. H* II G. H. Ich hab E. G. schrift verlesen uud darauf her i^nd dar mein gutgedüncken anzaichnet auf E. G. Verbesserung. 1) Ratseirede. — Hier scheint ein „niV* zu fehlen. 2) ( — ) Randbemerkung. 3) Von hier an Rückseite. 4) armlich, müheselig, leidend, vil Arbeit habend. 160 Ich rat E. G. als meinem hertzen, ^das £. 6. keinen Schrei- ber BoUichs lassen aufzeichnen. Kann doch £. 6. selbs wol schreiben, so kan ich E. 6. gschrift wol lesen; säl^) hab ich nit fern zu E. G. raund und selbs bericht ; ich wolt ungern meinem weih darvon sagen in myndem gschaften, . Auch wolte ich lieber das ander lewt solliche gfarliche biffige Sachen handleten dan E. G. ; ursacb, gerat es wpl (wuchs doch schwerlich sein wiert), so hat iederman teil daran, on Graf Jörg ehemein in der aufrur; so sy gestillet ist durch E. G. groffe gfarlicheit und arbait^ so danckt maus euch mit dem teufifel; würt es aber nit bald glücklich geendet, würt euch iedermann lassen stecken, und würd darnach E. G. die new burdin zu schwer zu dem alten zanck mit bischoffen^ das ir euch miefft ergeben. Ich wolt gegen wenig mehr davon sagen. E. G. nehme es in gnaden von nur au. E. G. pfarherr. G. H. ich erken wol das mein gluck an euch stäht, aber das ist noch mehr, das Christi sach durch euch gäbt und vil lewt auf euch bawent, und solt der teuffei E. G. in klammen bringen, würde nit alain ewer und mein hauß clagen, sundern vil gutter. anfang werden underlassen mit sige der bösen. Auch gedencke E. G. das kainer mit euch ietz würd handien, der nit vor wenig Zeiten ewer groffer veind ist gwesen. Ach ir seid zu frum und getrew an difen ort und schament euch, desen ander lewt nit ach- ten oder verachten. E. G. verachte mein warnung nit. Aussen von Eberlins Hand: „M. G. F,^ zereissen." m G. H. Der pfarrher von A i c h e 1 leuft mich hewt an umb ufsach, warumb ich im die pfarrrecht verbotten; hab ich ordenlicb geantwort vor dem pfarrhern zu Utingen : es hab mich also für gut angesehen, das sey mein ursach. Er hat nit ferner gefragt, warumb ichs für gut angesehen, so darff ich im auch nit femer antwurten noch zur zeit. Fragt er aber femer, will ich gern antwurten. Auch hat er selbs die sach hinder mein^) gezogen auf E. G. und da er vermanet ist worden mich anzusuchen , hat er sich gewegert mit mir zu handeln. Ich sorg es steck nit alain ain thor, sondern ein bub hinder sein oren und das er ain winkel sey zu stincken von ubermutwilliger lewt unflat^ den man in in- schuttet. E. G. versteht es wol. Er würt auch nit nach seiner rat- lewt roainung ubereylen ; ich will ordenlich handien auf frag uud frag; übereilen thut nit gut. E. G. undertheniger pfarrher. Aussen gleichzeitig: „M. G. F.'*; von späterer Hand: „Vom pfarrer zu Eichel dem man die pfarrecht verbotten. Johan Eberlin." 1^ seil = selbiges, das, schwäb. 2] Hier fehlt wohl y^rucken*'. 161 IV 0. H. Dieweil mir sollichs widerfaren ist mit dem Schul- meister, so wil ich fürohin kainem für sold schreiben an M. G. F. vor dem halbteil seines diensts im vierteil jhar, auch nit zum hal- ben teil, sondern darnach. Nun werden vileycht etliche zu E. G. ]ouffen ; das soll ich leiden , dann das gelt ist £. G. ; das hilfift nit, wie ichs mach, so maynen sy, ich hindere sy mehr dan das ich sy furdere. Send sy nun uit beniegig an mir , so loufifen sy zu E. G., sy selbs zu hören ; im namen Gottis, ich wil aber mich niemants lassen bereden, das ich E. G. etwas in zeitlichen dingen eintrag oder hindere an nutz; wer nit dran zuiriden ist, der klag oder fluch oder louff an die groß glock. (Ich vexier E. G. sonst mehr dan etwan träglich oder not ist)^). Also werde ich auch die leyen abweisen, die E. G. oder M. G. F. in der nähin haben mögen und seibs suchen. Zu disem schreiben hab ich bevor zwu Ursachen gehabt, die ich in kürtze nit kau schreiben, ^ doch wil ich hiemit sollichs fürnehmen E. G. angezeigt haben, das E. G. nit übereylet werden. E. G. unterthäniger pfarher. Auf der Rückseite von Eberlins Hand: „M. G« H/' G. H. E. G. schicke mehr ungebunden buchlin. Auch wisse E. G., das di üij psalmen an die k. ^) von Hungern haben ain sollich zaichen vomen: iij. Auch lese E. G. fleissig das buchlin Meli^ch. ') von wider- tedffer, es ist vil burgerlichs grunds darin in disem buch, das ich ietz schick mit dem zeichen: 29^). Auch hat mich E. G. nechst gefragt , wie man ain kind machte keck zu reden, findt E. G. in dem buchlin, das ich geschriben hab von kinder underw eisung, wie wol ich sagen mocht, wie Themistocles der Athenienser sagt, da in ainer mocht leren ein kunst gutter gedeöhtniss: sagt er, wan du mich leretest vergessen, was ich wolt, da ich fragte nit nach be- haltet! ; also wan man ain kind lerete schagi, die kechait kompt selbs znwil. Scham ist aller alter sderd. E. G. unterthäniger pfarrherr« Auf der Rückseite : „M« G. H." Von Eb^lins Hand. Halle a. d. S. Wilhelm Schum 1) ( — ) Randbemerkang, die der Verfasser hier eingeschaltet vdssen will. 2) Königin. 8) Melanchthons. 4) Ob „secandus'' oder 29 ist fraglich. Birlinger, Alemanxiia V 2 11 162 Weinfälschung in Oberschwaben Die Alem. hat II 142 und IV 262 Notizen über Weinfal- schuDg in Elsass und ia Köln gebracht. Ich füge bei, dass in Nürn- berg verfälschter Wein anter Trommelgetön des Henkers aaf der Fleischbrücke in die Pegnitz geschüttet wnrde. Journal v. u. f. Deutschland 1784 a S. 449. b S. 105. Ueber Weinverfälschung überhaupt sieh Beckmann Beiträge I 179—203. III 435—441. Dass in Oberschwaben, in Ulm, in Schwaben überhaupt im 17. Jhd. das Weinfalschen blute, ersieht man aus folgendem. Am auf- fallendsten ist, dass die Hauptverstandigen, die Erzkieser gutes Trankes älterer Zeit, die Ordensgeistlichen, die doch sich aufisi Quellenstudium auch nach dieser Richtung gut verlegten, dass diese, sage ich, eingiengen und schändlichem Betrüge zum Opfer fielen. Unser Allerweltskulturhistoriker Eberhard Gockelius, den die Ale- mannia schon mermals nannte und noch nennen wird, Hess zu Ulm bei Kühn a 1697 ausgen eine ,,curieuse Beschreibung dess An. 1694, 95 und 96 durch das Silberglett versüssten sauren Weins und der davon entstandenen neuen und vormahls unerhör- ten Weinkrankheit, welche in Klöstern, Stätten und Schlössern grausam Symptomata nach sich gezogen u. s. w.'' Da das 42 SS. enthaltende Schriftchen gar selten, erlaube ich mir als Vortrab einige' Säze zum Lobe des Weines aus der Dedicatio und dem Eingange zu nemen. Die Widmung gilt dem Reichsprälaten Main- radus zu Elchingen (Ulm) und dem zu Wengen (Ulm) Augusti- nus* „Was ein gesunder Leib, heisst der Anfang, für eine edle Oabe Gottes und köstliches Kleinod seye, das wird derjenige «rst gewahr, welcher seine Gesundheit verloren hat, und auf seinem Sieichbett wie ein Kranich winsslen und wie ^ne Taube girren muss, da es endlich heisset: der Tod ist besser wider ein sieches Leben u. s. w.'^ ««Der Wein ist ein herrliches Geschöpf und Edle Gabe Gottes , so er den Menschenkindern zur Liodening und Er- götzung für die verdriessliche Sorgen, heisst es salbungsvoll weiter, Mühe, Arbeit, Creutz und Leydon dieser jammervollen, elenden und vergänglichen Welt, bescheret und geschencket hat; welcher auch mässiglich gotrunc&en, die Götter und Menschen erfreuet, das mensch- liche Hertz und Gemüth erquicket, Kräfften und Gesundheit giebet, gute Freundschafft und Vertraulichkeit anstifflet, die alte und erlebte Leute, nach dem Sprüchwort': Yinum est lac-Senum starcket, nähret, und bekräfftiget, die betrübte, traurige, und zam Tod destinirte tröstet, aufrichtet, und ihr bestürtztes Gemüth etlicher massen dergestalten zu Frieden stellet, dass sie ihres Elendes vergessen. Bei dem Wein werden allerhand Festivitäten celebriret, mancher- lei Händel und Missverständnnssen componiret, beigeleget, gerichtet und geschlichtet, auss Feinden gute Freunde gemachet, die Warheit, nach dem Sprächwort, in vino veritas, herauss gelocket, die Gontract bestättiget, Heurath und Hochzeiten gestifftet und angerichtet, und in Summa, was in dem menschlichen Leben von der Geburt an bis za 168 dem Tod und Sterben Dahmhafftes traotirt and vorgenommen wird^ da mass gemeiniglich ein Trunck Wein dabei sein, und den Anfang and Beschlasa daran machen, und dieses, wann es mit Bescheidenheit geschiehet, ist aach in heiliger göttlicher SchrifiPt zagelassen, indeme der weise König Salomon in seinem Prediger am 9. Gapitel sagt: so gehe hin, und iss dein Brod mit Freuden, ond trincke deinen Wein mit gutem Muth, denn dein Werck gefallet Gott. Und St. Paulas be- fiehlet seinem Jünger Timotheo, dass er wegen seines schwachen Ma- gens ein wenig Wein trincken solle. I. Timoth. 5, Y. 23. Hingegen, wann man den Wein unmässig trincket, so bringet er an der Seelen, Leib, und Gemüth einen grundverderblichen Schaden. Er schwächet den Verstand, bindet die Sinne, machet lose Leute, und aus vemünfftigen Menschen wilde Bestien; er hindert am Gebet, christ- lichen Tugenden, und allen vernünfftigen und wolanstandigen Beruffs- Geschätften; er schadet der Gesundheit, bringet Kopfifwehe, Wahnwitz, allerhand Fieber, Dörr- und Lungensucht, Grimmen, Contracturen der Glieder, Gichter, x und andere böse Kranckheiten des Leibes und Ge- müthes; er lehret verkehrte Wort reden, und richtet Schlägereien, Mord, Zanck und Hader an, nach dem Ausspruch des weisen Mannes, welcher sagt, wo sind rothe Augen, Striemen und Wunden ohne ür- sach? nahmlich wo man bey dem Wein sitzet, und kommet auszusauffen, was eingeschencket ist. Der Wein gehet zwar lieblich hinein, so man aber zu viel getronoken hat, ist er gleich einer Schlangen, welche, wann man man ihr zu nahe kommet, einem einen tödtlichen Stich versetzet. Der Wein unmässig getruncken, reitzet an za allerhand Laster und Leichtfertigkeiten, sonderlich zu der Unzucht, Hurerey, Blutschand und Ehebruch, wie an Loth und seinen Töchtern zu sehen. Bei dem Wein treibet m^n auch mehrmalen schandbare Wort und Narrentheidung, die den Christen nicht geziemen, und läutet mit der Säuglocken, daran keusche Ohren einen Eckel und Abscheuen haben; er bringet auch manchen durch ein in der VöUerey entfallenes unbesonnenes Wort und Reden, um Ehr und Gevier, Leib und Leben, Seel und Seeligkeit: Dahero saget St Paulas in seiner Epistel an die Epheser am 5, v. 18, dass man sich im Wein nicht voUsauffen solle. Dessentwegen hat auch vielleicht Johannes der Täufifer, als ein Verlobter Gottes und Vorläuf- fer Christi, keinen Wein getruncken, Lucä am 7. Gap. v. 83. Und wäre der Wein denen Priestern in dem Alten Testament, wann sie in das Allerheiligste gehen selten, verbotten. Levit. 10, v. 9. Es ist ancli^ein Trunckenbold und Vollsäuffer zu keinem ehrli- eben Amt oder Beruff zu gebrauchen, weilen er als homo crudelis in seijMium, ihme selber die Gesundheit, Witz und Verstand raubet, und sich zu einem Narren saufifet. Es ist auch die Tronckenheit eine wüste garstige P£tze und Gloac, darinnen sich alle Laster baden, umwältzen und besudlen; dess- wegen auch der Wein . bei denen Türeken, Persianern, und allen Ma- humetanem insgemein verbotten ist. Dahero nicht nnbillich Cornelius, ein Venetianischer Edelmann in seinem Tractätlein und Vermahnung zu dem massigen Leben also exelamiret: armseliges Vaterland 1 Wirstu nicht gewahr, wie das un- ordentliche Leben das Jahr hindurch mehrLeut um das Leben bringe, als Krieg, Feuer, Schwerdt, und Pestilentz- Dieses könnte mit vielen schröcklichen Exempeln dargethan und besteiffet werden, davon wir nur eines und das andere anführen wollen.- Bei dem Alexandre Magno wäre Clitas, als sein bester Freund und geheimer Rath, sehr wol daran, und mochte mehrmalen seine ge- 164 treue Erinnerungen gar wol leiden; als er ihme aber einsmals in der Trunckenheit desAlexandri etwas empfindlicfaeB zuredete und vortrüge, wurde Alexander durch den Wein erhitzet, dermassen zornig und er- bittert, dass er ihne (ohnangeseben er vorhero Alexandrum mitten un- ter seinen Feinden mit seinem Schild bedecket, Ihne errettet, und bei dem Leben erhalten hatte), mit einem Spiess erstochen, welches Alexan- der hernach, als er ausgenüchtert, zu spat bereuet hat. Ja man lammet offtermahlen durch das VoUsauffen nicht allein nm Leib und Leben, sondern auch um Seel und Seligkeit, wie jenem bei dem Trunck begegnet, welcher aus Leichtfertigkeit dem leidigen Teufel zagetruncken, welcher auch alsobald erschienen, und diesen Un- menschen mit Leib und Seel mit sich in die Luft gefiihfet, und ihme den Hals gebrochen hat. Ein anderer gottloser Mensch sass bei dem Wein, und sagte zu seinen Saufgesellen^ ob sie au^^h glaubten, dass der Mensch eine Seele hätte? er könnte es nicht glauben, weilen er sein Lcbenlang keine ge- sehen; die Pfaffen überredeten nur um ihres Nutzens willen die Leute, dass der Mensch eine Seele hätte, und dass eine Holle wäre. Als aber seine Gesellen versetzeten, dass ja der Mensch eine Seele hätte, die entweder den Himmel oder die Hölle zu gewarten hätte, wie solches der christliche Glaub ausweise, antwortete er trotziglich, er wolt« einem, der Lust darzu hätte, seine Seele yerkaufen; worauf ein anderer sagte, ich will sie kaufen, und gab ihme eine Kanne Wein darvor, die er also- bald aussoffe. Da war der Teufel in menschlicher Gestalt auch da, und kauft wieder die Seel von dem andern, der sie zuvor gekauft hatte, um eine Kanne Weins; und als er den Wein getruncken, sagte der Teufel : „verschaffe mir meine Seele, die ich erkauft habe !" Da sagten die anderen: ,)es ist billich, was einer kauft, das es ihm werde.'^ Bald ist der Käufer und Verkäufer der Seelen sichtbarlich mit Leib und Seel vom Teufel hinweg geführet worden, da er dann wird erfahren haben, ob eine Seele oder Hölle sei. Discipulus de tempore. Serm. I, 32. Aus welchem dann genugsam erhellet, was das unzeitige und übermässige Weintrincken und VoUsauffen für grossen und ermesslichen Schaden an dem Leib und an der Seelen bringe. Gleichwie aber das unmässige Weintrincken gehörtermassen gros- sen Schaden und Gefahr nat^h sich ziehet, also kann auch das zuge- lassene, massige, und verantwortliche Weintrincken, wann der Wein entweder von Natur seinem Wesen und Substanz nach, mangelhaft, säur, hart und ungesund, oder durch unzulässige Mitfei und schädliche Künsten verfälschet und verderbet ist, den Menschen um seine Ge- sundheit, Leib und Leben bringen, wie anjetzo soll gehöret und abge- handlet werden. Als An. 1694, 95 und 96 in dem Würtembergerland und denen angräntzenden Oertern, die gute und gerechte alte Neckarwein, theils durch die räuberische Franzosen spoliret und weg geführet, theils aber durch die Einwohner des Landes selber ausgetruncken und con&rmiret worden, und etliche Jahr hero durch das kalte und ungeschlachte Wetter sehr raue, herbe und saure Wein gewachsen, welche man mit schlechtem gusto und appetit getruncken, und dess wegen dieser saure Wein wenig Kaufleute gefunden , und also der JWeinhandel fast in ein Stecken gerathen ist; so haben etliche Verkäufer und Fuhrleut, damit sie ihre Wein lieblich machen und nach dem Mund richten, auch solche 1^0 wol als die gute, starke und gerechte, auf ein hohes Geld bringen möchten, mit einem Anstrich von Silberglett auf nachfolgende Weise verfälschet. Recipo gepulvertes Gold- oder Silberglett, 6 üntzen oder 165 13 Loth (andere nahmen noch so viel, und thaien auch Bismuthum oder Marcasii hinzu), darüber giesse man in einem Geschirr eine Maass oder 3 Pfund 4 üntzen guten Weinessig, lasse den vierten Theil da- von einsieden, und giesse solches hernach in ein Glas, oder irdenes verglässtes Oeschirr, und thue weiter hinzu eine Maass oder 3 Pfund und 4 Untzen des besten Weins oder Malvasiers, und lasse es wiede- rum ein wenig aufsieden, darnach lasse man es per chartam emporeti- cam, oder durch ein -Fliess Papier laufen, und hebe es in einem wol- verschlossenen Glas zum Gebrauch auf. Von diesem Liquore thue man 10 bis 15 oder 20 Tropfen in ein Gläslein Wein, von 8 oder 4 Untzen, 1. e. 6 oder 8 Loth, rühre solches niit einem Federkiel oder kleinen hölzernen Stecklein wol durch einander, und lasse es hernach nieder- sitzen u. s. w." „Diese obenzehlte Krankheiten aber, wann dieselbe samt ihren Symptomatibns und Zufällen, welche an vielen Oertern des Schwa- ben! andes insonderheit aber zu Ulm in dem Teutschen Hauß, in dem Wengen-Closter, auch sonsten hin und wieder in der Statt, dessgleichen in den benachbarten Stätten, Clöstern und Schlössern als zu Schwäbischen Gmünd, Mindelheim, Wettenhausen, Roggen- burg, Ursperg, Weissenhorn, Wiblingen, Babenhausen, Eehlmünz, Erbach, Weissenstein, Grünenbach und vilen andern Ort mehr er- bärmlich grassirt u. s. w/* „Wie dann auf solche Weise Anno 1694 vor denen H.Wey- henacht-Feyrtagen in dem Teutschen Haus zu Ulm, erstlich der Secretarius, nachgehends der Herr Gaplan, folgends der Cammer- diener, und zulezt auch der (Tit.) Coromenthur, gewösster Graf von Leibelfing' etc. etc. an zugestossenem Bauch-Grimmen sich darnider geleget, worauf hin und wieder laufende Gliederschmerzen, Lähmungen der Glieder, Wind, Aufblähungen des Bauchs, stets- wehrende Verhaltung des Stulgangs, Bangigkeit um das Herz, Bmstenge, Aufstossen des Magens, verlorner Appetit zur Speise, und endlich bei hochgedachtem Herren Commenthur unleidenliche Kopfschmerzen mit Phantasieren, bei dem Herren Caplan und Secretario aber grausame Gichter, und endlich der Tod selber bei« allen vier Personen (ob sich gleich der Cammerdiener über ein halbes Jahr lang gewehret), erfolget ist.'^ ,, Weilen nun damalen diese Krankheit ganz neu und unge- wohnet wäre, auch diese 4 Personen fast auf einerlei Weise und zu einer Zeit angestossen, hat man der Ursach solches Zustandes nach bestem Fleiss und Vermögen nachgef ersehet, die^ innerlichen Temperamente und Constitutionen der Leiber, auch die vorher ge- pflogene Diät als Gausam procatarcticam, fieissig erwogen, hernach in' der Küchel wegen der Speisen und Geschirren nacbgeforschet, die Brunnen erschöpfet, und doch die eigentliche Ursach dieser Krankheit nicht ergründen können, bis man endlich gemuthraasset, dass die Ursach derselben in dem Wein verborgen sein müsse, welches man auch unter anderem dahero geschlossen, weilen 2 oder 3 Herren Patres Franciscani von Ehingen nach U]m in das Teutsche Haus, die Sacra allda zu verrichten, berufen worden, welche, da 166 sie etliche Tag nnd wenige Zeit anch bei der Tafel von dem Wdn getrunken, mit ebenmässigem Bauchgrimmen befallen und ange- gri£fen worden sein, sich aber gleich bei Zeiten wiederom davon gemacht und nach Haus begeben haben/' „In dem Gloster Wengen ist der (Tit.) Herr Prälat, und fast alle Herren Patres (wenig ausgenommen), von dem sauren und verfälschten Wein erkrancket, bei welchen obgemeldtes Erbrechen, Bauchgrimmen, Verstopfung des Leibes, Lähmung und Schmerzen der Glieder, eine lange und geraume Zeit angehalten, davon aber keiner gestorben, sondern alle sich nach und nach wiederum er- holet und recoUigiret haben/^ „Und das damalen diese Krankheit mit ihren Zufallen von dem Wein hergekommen sei^, bezeugt auch unter anderem dieses, weil niemand, so keinen Wein getrunken, von dergleichen Znstand angegri£fen worden ist." „Wann man die Fässer betrachtet, worinnen dergleichen , saurer und verfälschter Wein gewesen ist, so ist die Hoffen und der Satz wtist, schleimig, garstig, kothi^, und so zäh gewesen, dass 'er sich um und um an dieselbe gehengt, dass man die schlei- mige und zähe Materie kaum davon hinwegbringen , und sie säu- beren können; dergleichen abgezogenes Lagerfass ich selber in dem Closterkeller bei den Wengen gesehen, welches mit einem sol- chen besonderen garstigen und verdorbenen Wust verunreiniget wäre, dass des Kiefers Sohn, aus Beisorg, dass er davon Schaden nehmen möchte, hineinzaschlieffen, und solches zu säuberen, ein Bedenken trüge.'* ABirlinger Das älteste deutsche katholische Kirchengesangbuch von St. Gallen Die St. Oallische Stiftsbibliothek besizt ein Büchlein mit dem Titel: ,,Catholi$eh Gesang- Büchlein y darinnen Allerhand schöne Geistliche Gesänger eu finden. Welche durch das ganbee Jahr an Sonn- und Feyr- Tagen, in den Kinderlehren, JProcessionen, Oreute- gangen^ und anderen Orthen sehr nutzlich zugebrauchen. Von neuwem wieder gedruckt; verbessert ; mit schönen Liedern ver- mehret, und auf die Fürstlich St. Gallische Landschafft gerichtet. Cum Licentia Superiorum. St. GcUlen^ GedruU und zu finden bey- Jacob Müller, Anno 1706.^'' Bis auf welche ältere Ausgabe dieses Büchlein zurückreicht, hat man meines Wissens bis jezt nicht ausfindig gemacht; welche Anhaltspunkte für die Zeit der Entstehung dieses Gesangbuches aus seinem Inhalte sich ergeben, wird aus der folgenden Inhalts- angabe erhellen. Vorerst ein paar Worte über den Zustand der Kirche, für deren Gebrauch es bestimmt war. 167 Die St. Gallischen Stiftslande waren seit frühester Zeit vom Gonstanzer Bistum, zu dessen Sprengel St. Gallen gehört, eximiert and besassen daher eine eigene kirchliche Yerwaltang. Die lite- rarische Betriebsamkeit war wärend des ganzen 15. Jarhunderts bis zur Reformation gering, der Zustand der kirchlichen Disciplin and Bildung niedrig. Im Jare 1528 gieng die, kirchlich ebenfalls zum Kloster gehörige, Stadt St. Gallen zur Reformation über und rich- tete sofort ir kirchliches Leben nach den Grundsäzen der refor- mierten Confession ein; auch der deutsche Kirchengesang wurde wie es scheint unter teilweise Lutherischem Einfluss früh, nämlich 1527, eingefürt; ein bei Ph. Wackeruagel „Zur Bibliographie" pag. 412 beschriebenes St. Gallisches evangelisches Gesangbüchlein one Jar und Druckort ist warscheinlich im Jare 1533 erschienen und in diesem Falle das erste evangelische Gesangbuch der deutschen Schweiz. Vgl. darüber meine „Geschichte des evangelischen Kirchen- gesanges in St. Gallen", in den „Litteraturbeiträgen aus St. Gallen von E. Götzinger, St* Gallen 1870." Nach und nach besserten sich die kirchlichen Zustände auch in dem in Folge der Schlacht bei Cappel zum Katholicismus zurückgefürten Gebiete der Abtei. Unter den neueingefürten Andachtsübungen und Gebräuchen nennt von Arx III, 262 die Christenleren, Schulen, Katechismen, Kir- chenlieder, den verbesserten Kalender, den Rosenkranz^ die monat- lichen Umgänge. Nähere chronologische Angaben macht er nicht, man muss sich aber diese kAtholißche Reformation nicht vor dem Beginne des 17, Jarhunderts denken. Welche Quellen der unbekannte Verfasser dieses Gesang- büchleins benuzt hat, kann ich ebenfalls nicht genau sagen, abge- sehen von dem später entstandenen Anhang, über welchen beson- ders gehandelt werden soll; 25 von den 74 Liedern des ersten und Hauptteiles stehen bei Corner, der 1625 sein katholisches Gesangbuch herausgab, eines beiLeisentritt; ich bezeichne jene mit C und der Nummer, unter der sie bei Keh rein, „die ältesten katholischen Gesangbücher von Yehe, Leisentritt, Corner u. A., Würzburg 1859", abgedruckt stehen ; wo der Text wesentliche Ver- änderungen von Corner aufweist, habe ich es angezeigt. Das- jenige Gesangbuch, das dem St. Galler Bearbeiter am nächsten stand, ist ohne Zweifel das Constanzische ; ich kenne es bloss aus einer Anfürung in einer vortrefflichen Abhandlung von P. Anselm Schubiger in Einsiedeln, dem Verfasser der „Sängerschule St. Gallons"; sie stet im Jargange 1872 des (schweizerischen) katho- lischen Volksschulblattes, Schwyz, Verlag von Prof. J. Bürgler, und trägt den Titel : Die Pflege des Kirchengesanges und der Kirchen- musik in der deutschen katholischen Schweiz. Hier ist Seite 306 das genannte Constanzer Gesangbuch angefürt unter dem Titel: „Katholische Kirchengesang: Für die Christliche Katholische Jugendt, und andere, besonders zu Weihnacht leiten auch sonst das gantze Jahr sehr nützlich zu gebrauchen. Getrnckt zuConstantz am Bo- 168 densee, bei Leonbard Strauben. 1634." (Dieser Leonbard Straub batte früher die erste Offizin in der Stadt St. Gallen erriobtet.) Folgt nun das zweifache Verzeicbnis der Lieder, nacb irer natürlichen Reihenfolge und alphabetisch ; die Numerierung ist erst von mir beigefügt. j> 567 574 578 118 Strophe 1—16 Liederverzeichnis nacb natürlicher Reihenfolge. Eehrein 1 Vatter unser, der du bist. Corner 2 Gegrüsst seyst du Maria zart. „ , 3 Ich glaub in Gott den Vater mein. „ Advent. 4 Es ist ein Ros entsprungen. „ 5 In Galilea ein Jungfraw wohnt. 6 Maria ein zart Jungfräwelein. 7 Ach Sünder mein, ach traur und wein. Weybnacht. 8 Am Weybnacht' Abend in der Still. Verkürzt' 9 Reich und Arm sollen frölich sein. 10 Der Tag der ist so frewdenreich. Dies estlaetitiae 11 Gelobt seyst du Herr Jesu Christ. 12 Dein grosse Lieb, o Jesulein. 13 Christum wir sollen loben schon. 14 Ein Kind gebohren zu Bethlehem. Puer natus 15 Ein grosse Frewd verkündt ich euch. 16 Es ist ein Kind Jesus genandt. 17 Gegrüsst seyst du Jesulein. 18 Komb Nachtigall mein. 19 In dulci jubilo. 20 Lasst uns das Eindelein wiegen. 21 Mein Mund der singt. 22 Mein Herz will ich dir schenken. 23 Wunder gross, aus Vatters Schoos. 24 Joseph mein, wirb mir umb ein kleines Bettelein. 25 Alle gute Ding seynd drey. 26 Ach mein Seel wach doch auf! F a B tenzeit. 27 In Schwarz will ich mich kleyden. 28 Mit was trawren und bedawren. 29 Christi Mutter stund in Schmertzen. 30 All Tugend schon vil Ehr und Lohn. 31 Mensch gedencke. 32 SoUei seyn, so seys. 33 Ach Jesu mein, was grosse Pein. »» 107 M 146 »1 91 100 62 83 121 »? 147 9J 108 ») 144 » 143 1» 124 632 169 34 Die grofiso Liebe des Herrn mein. 35 Da Jesus an dem Oreatze stund. Leisentritt 177 Oesterliche Zeit. 36 Christ ist erstanden. Mit stark verändertem Text -220 37 Frew dich du Hirn mels-Eönigin, Regina Goeli. Corner 246 P fing st- Gesänger. 38 Komb Heiliger Geist, wahrer Trost. Yeni Creator. „ , 276 39 Komb heib'ger Geist mit deiner Gnad. Yeni Cr. Sp. 40 Dich Gott wir loben und ehren, TeDeuralandamus „ 293 Tom hl. Sakrament. 41 Andächtig ich anbete. 42 Frewd euch ihr lieben Seelen. „ 349 43 Chi-ist hie merck. „ 337 44 Eombt her ihr Creaturen all. Von unsrer lieben Frawen. 45 Frew dich du Himmels-Eönigin. Litaney „ 395 46 Maria Königin, Mutter und HellFerin, Salve Regina. 47 Salve, Salve o Regina, Königin Maria. 48 Gegrüsst seyest du Königin. 49 Der guldine Rosenkrantz. 50 Maria schöner Gnaden-Thron. 51 Zu dir Jnngfraw Maria rein. 52 Seelige Mutter. 53 Maria edle Jungfraw zart. 54 Ave Maria, Ave pia. 55 Maria fahr zur Engelschaar. 56 Frew dich, o Jungfraw werthe. 57 Maria noch so schön. Die geistliche Cynthia. 58 Wie schön und zierlich. 59 Sagt mir, wer ist doch diese. 60 Mein Hertz, wach eylends auf. 61 Maria du edler Rosen-Gart. 62 Sey gepriesen, hoch erkiesen. 63 Gegrüsst seyst du schöns Jungfräwlein. 64 Maria die Reine alleine. St. Joseph. 65 Joseph rein. St. Gallns. 66 Nun l^sst uns alle loben. St. Othmar. 67 Helfft mir preisen. St. Notker. 68 Neue Frewd ich euch verkündt. 170 hl. Martjrrer, St Gallische Patrone. 69 Eombt her, kombt her, ihr Christen all. alle Heiligen. 70 Jesu, lieber Herre. Eitelkeit der Welt. 71 Wo kombt es here. Corner 638 Tod. 72 Der grimmig Todt mit seinem Pfeil. Klag der armen Seeleu. 73 schwere Gottes Hand. Vo n d e m g u t e^ II i r t e n. 74 Mit viel Müh und grossen Sorgen. Alphabetisches Liederverzeichnis. 33 Ach Jesu mein, was grosse Peyn. 26 Ach mein Seel, wach doch auf. ' mW 7 Ach Sünder mein, ach traur und wein. 30 All Tugend schon vil Ehr und Lohn. 25 Alle gute ding seynd drey. 8 Am Weyhnacht' Abend in der Still. 41 Andächtig ich anbete. 54 Ave Maria, Ave pia. 36 Christ ist erstanden. 29 Christi Mutter stund in Schmertzen. 13 Christum wir sollen loben schon. 35 Da Jesus an dem Creutze stund. 12 Dein grosse Lieb, o Jesulein. 72 Der grimmig Todt mit seinem Pfeil. 49 Der guldine Rosenkranz. 10 Der Tag der ist so frewdenreich. 40 Dich Gott wir loben und ehren. 34 Die grosse Liebe der Herrn mein. 15 Ein grosse Frewd verkündt ich euch. 14 Ein Kind gebohren zu Bethlehem. 16 Es ist ein Kind Jesus genandt. 4 Es ist ein ßos entsprungen. 45 Frew dich du HimmelsrKönigio. Litanei. 37 Frew dich, du Himmels -Königin. Regina coeli. 56 Frew dich, o Jungfraw werthe. 42 Frewd euch ihr lieben Seelen. 48 GegrÜsst seyest du Königin. 2 GegrÜsst seist du Maria zart. 17 GegrÜsst seist du o Jesolein. 63 GegrÜsst seyst du, sohöns Jungfräwleiu. 171 11 Gelobt seyst da Herr Jesu Christ. 67 Helfift mir preisen. 3 Ich glaub an Gott den Yater mein. 19 In dulci jabilo. 5 In Galijea ein Jungfraw wohnt. 27 In Schwarz will ich mich kleyden. 24 Joseph mein, wirb mir umb ein kleines Bettelein. 39 Komb heiliger Geist mit deiner Gnad. 38 Komb heiliger Geist, wahrer Trost. 18 Komb Nachtigal mein. 44 Eombt her ihr Creaturen all. 69 Eombt her, kombt her, ihr Christen all. 20 Lasst ijins das Eindelein wiegen. 64 Maria die Reine alleine. 61 Maria du edler Rosen-Gart. 53 Maria edle Jungfraw zart. 6 Maria ein zart Jungfräwelein. 55 Maria fahr zur Engelschaar. .50 Maria schöner Gnadenthron. 46 Maria Eönigin, Mutter und HelfiEerin. 60 Mein Herz, wach eilends auf. 22 Mein Herz will ich dir schenken. 21 Mein Mund der singt. 74 Mit viel Müh und grossen Sorgen. 28 Mit was trawren und bedawren. 68 Neue Frewd ich euch verkündt. 66 Nun lasst uns alle loben. 43 Christ hie merk. 70 Jesu lieber Herre. 65 Joseph rein. 57 Maria noch so schön. 31 Mensch gedenoke. 73 schwere Gottes Hand. 52 Seelige Mutter. 23 0' Wunder gross, aus Vatters Schoos. 9 Reich und Arm sollen fröhlich sein. 59 Sagt mir, wer ist doch diese. 47 Salve, Salve, o Regina. 62 Sey gepriesen, hoch erwiesen. 32 Solls seyn, so seys. 1 Vatter unser der du bist. '58 Wie schön und zierlich. 71 Wo kombt es here. 51 Zu dir Jungfrau Maria rein. Man sieht, es feit nicht an einem tüchtigen Kern von Lie- dern aus der Reformationszeit, alten Hymnenübersezungen und 172 dgl. ; aber achtes altes ist doch wenig vorhanden, sogar unter den bei Corner stehenden Liedern. Da die katholische Kirche wärend der eigentlichen Reformationsbewegung kaum deutsche Lieder her- vorbrachte und erst nach und nach mit den Gesangbüchern der evangelischen Kirche zu konkurrieren anfieng, muss man in den katholischen Oesangbüchern meist entweder auf vorreformatorische Lieder oder auf nachreformatorische treffeip. Die leztern erkennt man erstens aus dem rege! massigeren Rhythmus, der in dieser Dichtungsart schon lange vor Opitz durchgedrungen sein muss und im Zusammenhange mit der in dieser Zeit so stark geübten In- strumentalmusik stet. Manche Lieder geben sich sodann als jüngeren Datums zu erkennen durch eine gewisse Rohheit in der Nachamung des altern acht naturalistischen Stiles, der eben, weil er ächte Natur war, troz stark sinnlicher Züge nie verlezte, wärend spätere Nachamungen schon mer die bewusste Absichtlichkeit der Stil- nachamung tragen : der Art ist z. B. unser Nro. 24 : Joseph mein, wirb mir umb ein kleines Bettelein. Dann scheint das Spiel mit Verkleinerungswörtern dem Ausgange des 16. Jarhunderts anzuge- hören : zwar hatte Luther in seinem Kinderlied auf die Weihenach- ten vom Kindlein Jesu diesen Ton schon angeschlagen, aber eben für Kinder ; später macht sich dieser Ausdruck lästig breit ; das Luthersche Lied hat Kindelein, Windelein, Krippelein, Jesulein, - Wigelein, Bettlein; unser Lied Nro. 17, ein Comer^sches: Ge- grüsset seist du, o Jesulein, bestet aus fast nichts als Jesulein, Kindelein und Hertzenströsterlein ; Nro. 18, Komb Nachtigal mein, hat Schnäbelein. Kindelein, Aeugelein, Zäherlein, Vögelein, Bette- lein, Federlein, Krippelein, Eselein, Hüttelein, Trösterlein, Schnä- belein; änlich Nro. 22: Mein Herz will ich dir schenken. Ferner ist der belerende, dogmatische, doch nicht speciell katholische Ton ein Maasstab für die spätere Entstehung solcher Lieder. Endlich kann die Möglichkeit oder Unmöglichkeit der Zurückfürung eines Liedertextes auf mittelhochdeutschen Laut- stand bezüglich der Diphthonge ei und au einen teilweisen Beweis für das Alter des Liedes geben. Manches ist recht schön unter diesen altern schon aua Corner genommenen Liedern, ganz beson- ders frisch das Lied 71 : Wo kombt es here, dass zeitliche Ehre so hoch stolziere in dieser Welt? Weil doch nach Freuden in kurzen Zeiten das Glück zum Leiden sich ganz verstellt? Doch machen diese altern, heute leicht zugänglichen Lieder nicht einmal ganz den dritten Teil unserer Sammlung aus ; 49 Nummern sten nicht bei Kehrein ; und zwar die Merzal Lieder der Fastenzeit und beinahe alle Marien- und Heiligenlieder, wärend Advent, Weihnacht, Ostern und Pfingsten durch meist ältere Lieder besezt ist. Alle nicht bei Corner «stenden Lieder tragen den Stempel der Opitzischen Zeit an sich ; wenig Ge- schmackloses , sorgfaltige Beobachtung der poetischen Technik, ziemliche Zal von Fremdwörtern (salutieren, Gspons, Patron, r 173 Qualität, Dignität, Spektakel, Makel ; ein Marienlied, Nro. 27, ist überschrieben; die geistliche Gynthia); reicher Stfophenbau, manchinal etwas geziert, Anklänge an weltliche Lieder dieser Zeit, Vorherrschen der poetischen Motive über die dogmatischen, wo- durch tliese Lieder oft gar nichts oder wenig katholisches an sich haben, im Gegensaze zu späterer Zeit, wo man gerade das katholisch-dogmatische Element stark betonte. Aus "den vielen Marienliedern fült man noch einen Nachklang der mittelalterlichen Stellung der Himmelskönigin als dem Ideal der Fraaen überhaupt heraus. Es mögen nun einige dieser bei Corner und Kehrein sich nicht vorfindenden Lieder hier Plaz finden. Nro. 7. Ach Sünder mein, ach traur und wein. Ach Sünder mein, ach traur und wein. Hilf mit Maria klagen, Die so allein, ein Jungfrau rein, , Im Leib thut Jesum tragen: Dise jetzt geht, durch Fleck und Statt, Schwanger, wollt Herberg haben. Sie klopfet an vor manchem Haus, Ihr Kindbett zu begehren, Fraw Untrew schawt zum Fenster nauss. Sagt, sie soll sich fort scheren, Pack dich nur fort, brauch nit vil Wort, Ich mag dich nit anhören. Ach! meine liebe Burgersleut, Ach thut euch doch erbarmen, Secht an mein Bürdt, secht an mein Leid, Gross schwanger, helft mir Armen. Euch gwisslich ich dort ewiglich Den Lohn will drumb erlangen. Maria gieng noch weiters fort, Wainend von Gass zu Gassen, Sie meldt sich an bald hie bald dort, Niemand wollt ihr aufmachen : Ach Gott ! ach Gott ! sich, mit was Spott Wird deine Magd verlassen. Ach Joseph, lieber Joseph mein, Ach du Gsponss meiner Seelen, Lass mich doch dir beföhlen sein, Hilf mir das best erwählen, Dann du siehst wol, dass ich bald soll Jesum den Heiland stellen. Ach Schatz Maria sehr betrübt, Weil dann kein Hülf auf Erden, So hab mit einem Stall verlieb. 1 174 Wird dir nichts bessers werden : Darzu mein Seel ich dir yerehr, Wills dir in Kindbett schenken. Nro. 16. Es ist ein Kind Jesus genandt'). ^ Es ist ein Kind Jesus genandt, Oeborn im Judenland : Die springende Bronnen, Die glantzende Sonnen, Seind nicht zu yergleichen^ Sie müssen ihm weichen: Frew dich, o Christenheit. Bist viel zu trüb, o Jacobs-Bronn, zu dunkel bist du, o Sonn : Ihr himmlische Zeichen, ihr müssen erblichen, die schönste Carfunkel beim Kindlein seind dunkel, Frew dich etc. Diss grosse Feur fallt in das Strau, Wie in das Feld der Thau: Von rei nisten Herzen ohn einigen Schmerzen, bei nächtlicher Stille nach Zeugnuss Sibylle : Frew dich etc. Ach wie ligt da das schöne Kind, ohn Makel und ohne Sund: Sein Wängelein schmollen, als wären sie gschwollen, sein Aeuglein fürschiessen und Wasser zngiessen, Frew dich etc. Dein Aermblein, o schönstes Kind, Der Mutter Halszier sind: Dort wollen sie langen. Dort wollen sie fangen, Dort wollen sie hangen, Dort wollen sie prangen, Frew dich etc. Dein Lefzlein haben ihren Lust Dort an der reinsten Brust : Alldort sie sich netzen, 1) Nach der Weise: Es ist ein Schnitter, heisst der Tod. Vgl. Wunderhom, Ausg. v. Birlinger u. Crecelius, l, 51 u. 52t; stammt aus dem Jar 1637. - Nach derselben Weise get Nro. 61, unten Seite 182. 176 und Yöllig ergötzen, alldort sie sich laben bei himmlischen Gaben, Frew dich etc. Das Herzlein schwimmet hin und her, als wann es gefangen war: Es will sich zertheilen, will andere heilen, es will sich zerspalten, will uns drein behalten, Frew dich etc. Creutzweiss die Füsslein legen sich, ach mit was Herzenstich: ) Zum Creutz sie sich rüsten mit schmerzlichen Glüsten, sie messen die Länge, Die Breite, die £nge, Frew dich etc. Komb her zu disem Kinderspiel ein jeder, wer da will: Ihr Grosse, ihr Kleine, ihr Reiche, ihr Gmeine, Doch sauber und reine, sonst ladet man keine, Frew dich etc. Secht, secht, was uns zu Gfallen thut Das allerhöchste Gut: Will alle gern schützen ohn einigen Nutzen, will alle begaben und Selbsten nichts haben: Frew dich etc. Gnugsamb reich achtet sich das Kind, wann wir sein aigen sind: was hast für Bedenken, dich ihme zu schenken, was mangelts Besinnen, Wo Gott zu gewinnen? Frew dich etc. Schenck aus, nimb ein, gib ihm das dein, sprich : Kindlein, jetzt bist du mein ; dein will ich verbleiben, lasB mich nicht vertreiben, dich will ich behalten and lassen dich walten, Frew dich etc. 176 Nun sei du mein und iob sei dein, bitt, las8 68 also sein: ach lass nicht geschehen und thu nicht zusehen, dass ich dich aufgebe die Zeit, so ich lebe: Frew dich etc. Oib, dass ich alles schlag in Wind was dir missfallt, o Kind. Gib, dass ich hoch achte und stätig betrachte mit feurigem Herzen dein Leiden und Schmerzen, Frew dich etc. Dein feurigs Herz entzünde mich, auf dass ich liebe dich : durch dieses Entzünden verbrenne die Sünden, durch dieses Verbrennen gib dich zu erkennen, Frew dich etc. Und du, o Himmels-Kayserin, o Gottes-Gebärerin, auf dich wir vertrawen und sicherlich bawen^ du wirst uns bewahren in allen Gefahren, Frew dich etc. Weil dann diss Kind dein aigen ist und du die Mutter bist: was will es versagen, was will es abschlagen? kanst richten und wenden, hast alles in bänden Frew dich etc. Jesulein, der diss gedieht, dein Armuth ihn versieht: dich lasset er sorgen wol heut und auch morgen, dich lasset er walten, du wirst ihn erhalten, Frew dich etc. Ach Jesulein, am letzten End komb ihm zu Hülf behend 1 dort' lass ihn entschlafen ohn ewige Strafen, 177 ach lass ihn erwachen, ihn selig zu machen, Frew dich etc. Gih ihme sambt der Christenschaar Den Frieden zum neuen Jahr: Den Frieden, den Frieden, Den Frieden, den Frieden, Den Frieden, den Frieden, Den Frieden, den Frieden, Fried, Fried, der Christenheit! Nro. 27. In Schwarz will ich mich kleiden. In Schwarz will ich mich kleiden, Herr Jesu dir zu Ehr, Dein bitter Todt und Leiden mein Herz betrübet sehr, Von wegen unfser Sünden leidest sehr grossen Schmerz, wer das nicht thut empfinden, der hat ein Steines Herz. In Grün will ich mich kleiden, der Herr an Oelberg geht, dort hebt sich an sein Leiden, der Kelch da vor ihm steht: fangt dreimal an zu betten, sein Angsicht schwitzet Blut, ein Engel zu ihm g^tretten, im Leiden trösten thut. In Grassgrün will ich mich kleiden, will in den Garten gehn, will sehn des Herren Leiden, wie d' Juden umb ihn stehn: sie haben ihn gefunden durch falschen Judas-Kuss, sie führen ihn gebunden wohl durch den Ceder-Fluss. In Braun will ich mich kleiden, dieWang ist braun und blaich, Yon Annass muss er leiden ein harten Backenstraich : der Heiland wird geschlagen die ganze lange Nacht, Ihm thut an alle Plagen die jüdisch wilde Wacht. In Roth will ich mich kleiden, der Herr vergiesst sein Blut, Die Gaissel muss er leiden, man schlägt ihn mit der Ruth: Mit starken harten Straichen sein Leib ward ganz yerwundt, ihr Juden, lasst euch erwaichen, kein Glied ist mehr gesund. In Purpur will ich mich kleiden, vom Purpurmantel lang, des Herren Haupt muss leiden, ein Dörn-Oron ihn durchtrang: der König Himmels und Erden, der alles sieht und rieht, zu Spott und Schand muss werden, man speit ihm ins Gesicht. InMeer-grün will ich' mich kleiden, dasMeer-Rohr stellen vor, die Weissheit muss sich leiden, man halt sie für ein Thor: Wo thut dein Weissheit bleiben, o weiser Salomon, Die Juden Gspött nur treiben mit deinem Scepter und Cron. In Weiss will ich mich kleiden, bedeut das weisse Kleid, darin der Herr muss leiden, als war' er nicht gescheid: Herodes thut ihn verlachen, vermeint, er hab ein Sparr, o unerhörte Sachen, Gott hält man für ein Narr. In Wasserf arb will ich mich kleiden, Pilatus wäscht die Hand, des Herrn unbillichs Leiden der Richter selbst erkennt«: die Juden schreien zusammen: hinauss ans Greutz mit ihm! sie thun ihn all verdammen mit ihr Gottlosen Stimm. Birlinger, Alemannia V 2 12 1 178 In Graw will ich mich kleiden, der Stab gebrochen ist, verdammet ist zum Leiden der Heiland Jesus Christ : Das Urtheil ist ergangen über das höchste Gut, am Creutz der Herr mas9 hangen, daran yergiesst sein Blut. In A s c h f a r b will ich mich kleiden, der Herr ist schwach und matt> zu seinem Todt und Leiden führt man ihn auss der Statt: sein Creutz muss er selbst tragen, biss er zu Boden &llt, die Juden stossen und schlagen, reiasen ihn fort mit Gwalt. InLei bf arb will ich mich kleiden, Herr, deinLeib wird entblösst, die Nägel musst du leiden, ans Creutz man dich hinstosst; daran thut man dich haften, gross ist die Marter dein, all deine Glieder und Kräften voll Pein und Schmerzen sein. In Haar färb will ich mich kleiden, tragen ein hären Kleid, der Herr am Creuz thut leiden, zu seinem Vater schreit: dem Sünder thue vergeben, er weiss nicht was er thut, gib ihm das ewig Leben durch meinen Todt und Bluet. In Blau will ich mich kleiden, will schawen den Himmel an, ob er das Leid könn leiden, es trauret Sonn und Mond : der Fürhang thut sich trennen, die Felsen leiden Noth, all Creaturen erkennen des Schöpfers bittern Todt. InVeilbraun will ich mich kleiden, der Herr ins Grab wird g'legt, nach seinem Todt und Leiden wird mit dem Stein bedeckt: der Heiland ist gestorben uns Menschen all zu gut, das Heil hat uns erworben sein rosenfarbes Blut. Nro. 32. Solls sein, so seis^). Solls sein, so seis, wie mein Gott will, hab mich ihm ganz ergeben; wann ich 'sein Will allzeit erfüU, so kann ich sicher leben: hab ich sein Gnad und folg seim Rath, so kann mich nichts betrüben ; Solls sein, so seis, ich mich befieiss, mein Gott allein zu lieben. Wie mein Gott will, ich bin bereit, er ist mir lieb vor allen, auf dieser Welt mich nichts erfreut,. als ihm allein zu gfallen: Kein Frewd, kein Leid mich von ihm scheid, Kein Trübsal, Angst, Noth, Schmerzen: Solls sein, so seis, mein Gott der weisst, Dass ich ihn lieb von Herzen. Wie mein Gott will, ich gib mich drein, will beständig bei ihm bleiben, 1) Dieses überaus schöne Lied, das lebhaft an^die besten Lieder Gerhards erinnert, in den Sohlassstrophen an Angelas Silesius, get nach der Weise der Bonenlieder: Man sagt von Gelt und grossem Gut, und: Wer lützel bhalt und vil vertat, Uhland Volkslieder 235 u. 236. 179 kein Creuz, kein Marter oder Pein soll mich von ihm vertreiben : will keiner Müh spat oder früh zu Gottes Ehr verschonen: Solls sein, so seis, er wird mein Sohweiss mir hie nnd dort belohnen. Solls sein, so seis, wie mein Gott will, Er machs^nach seinem G^allen, es gilt mir gleich, wie er mich trill, nnd schupf mich wie ein Ballen ; mein Will ist sein und seiner mein, er hat mich an eim Faden; Solls sein, so seis, zum best'n er weiss, was mein Nutz oder Schaden. Wie mein Gott will, es steht bei ihm, er machs nach seim belieben, von seiner Hand ich alls annimb und lass mich nichts betrüben : kein Angst und Noth, auch nicht der Todt soll mich von Gott vertreiben : Solls sein, so seis, jung, alt und greiss, will ich bei ihm verbleiben. Wie mein Gott will, es mir gefallt, ich lass ihn alles walten, i Jung oder alt, kein Macht noch G'walt soll mich von Gott abhalten: steht er mir bei, so bin ich frei, auch mitten in den Banden: Solls sein, so seis, das Höllisch Gschmeiss mach Gott durch mich zu schänden. Solls sein, so seis, wie mein Gott will im hohen Himmel oben, er geh mir wenig oder viel, will ich ihn darumb loben, blind, krumb und lahm, in Gottes Nahm, er lass mich nit verderben: BoUs sein, so seis, Gott ist mein Speiss, last mich nit Hunger sterben. Wie mein Gott will, ichs ihm befihl, er ists, an dem ich hange, wann er mich straft, so bleib ich still, damit ich Gnad erlange : mein Will verkehrt ist und verderbt, drumb soll ich Gott anhangen: Solls sein, so seis, ich nicht vergiss, dass ich von ihm aasgangen. 1 lÖö Wie mein Gott will, es darf nit Yiel, ich will ihn allzeit suchen, ich achts nicht, viel, weil er mein Zihl, schon mir die Welt thut flachen: wann ich ihn find, lang oder gschwind, hah ich mein Zihl erlanget: Solls sein, so seis, mein Gott, der weisst, ' wie mich nach ihm verlanget. Solls sein, so seis, es gilt mir gleich, was Gott mir zletzst will gehen, die Höll oder das Himmelreich, dann er ist all mein Lehen: so ich ihn hab, biss in das Grab wird mich nichts von Ihm scheiden: Solls sein, so seis, ich sags und weiss, kein Wahl hab ich aus beiden. ' Wie mein Gott will, ich mich gib drein, so £r mich will verwerfen ; sein Will soll nur mein Himmel sein, er wird das Recht schon treffen: dann weil er gut, kein Unrecht thut, drumb soll sein Will geschehen: Solls sein, so seis, auf diese Weiss will mich ihm ganz ergeben. Wie mein Gott will, wird es mir gehn, in Lieb und auch im' Leide, mein Glück und Unglück bei ihm stehn, darumb mir gleich all beide ' gefallen wol, von Gott mich soll böss oder guts nicht wenden: Solls sein, so seis, auf dise Weiss will ich mein Leben enden. Amen. Nro. 52. seelige Mutter voll Gnaden und Güte^). seelige Mutter, voll Gnaden und Güte, Glorwürdige Patrona, bitt für uns Maria, wir wollen dich grüssen, die Herzen ausgiessen, wöllst gütig anhören, was unser begehren : bitt für uns, bitt für uns^ bitt für uns, Maria. Die grimmige Schmerzen durchdringen die Herzen, barmherzige Patrona, leid mit uns Maria : Gross Jammer und Elend wir singen dir wollen, wir könnens nicht tragen, wir müssen dir klagen, leid mit uns, leid mit uns, leid mit uns, Maria ! 1) Jedesfalls in Deutschland wärend oder kurz nach dem dreissig- järigen Kriege gedichtet. 181 DenChristHchen Olanben, diebochgelobtTaaben, grossmäditige Patrona, streit für uns, Maria; die will man ansstreiben, die Christen aufreiben, die Kirchen zerstören, die Bilder umbkehren: Streit für uns, streit für uns, streit für uns, Maria. Abtrinnige Ketzer, arglistige Schwätzer, starkmächtige Patrona, stärke uns, Maria, die wollen uns nehmen gar Christum den Herren, sein Blaet uns abstehlen, sein Leiden verschmähen. Stärke uns, stärke uns, stärke uns, Maria. Sein Namen und Ehre, sein Leiden und Lehre, glückseelige^ Patrona, wein mit uns, Maria, die heilige Gaaben, die Göttliche Gnaden, sie spöttlich ausstachen und schimpflich verachten, Wein mit uns, wein mit uns, wein mit uns, Maria. Das Beichten und Fasten sie schmächlich antasten, Glorwürdige Patrona, bitt für uns, Maria, Das Heilig Mess-hören und Communizieren, sie wollen aussreuten und alle Kelch beuten, bitt für uns, bitt für uns, bitt für uns, Maria. Mit Büchsen und Haggen, mit gfährlichen Waffen, grossmächtige Patrona, streit für uns, Maria, Mit Wägen und Pferden auf unserer Erden Die Kriegsheer umblaufen und alles aussraufen, streit für uns, streit für uns, streit für uns, Maria. Wann sie nun ankommen mit Pfeifen u. Trommen, starkmächtige Patrona, stärke uns, Maria, die Dörfer sie brennen und Flecken zertrennen, die Clöster verbergen, die Länder verderben. Stärke uns, stärke uns, stärke uns, Maria. Viel Wittwen und Waisen, viel elende Geissien, glückselige Patrona, wein mit «uns, Maria, vil Herren und Bauren noch heutigs Tags trauren, vil Weiber und Männer vor Kümmernuss sterben, wein mit uns, wein mit uns, wein mit uns, Maria. Nun hilf uns, o Mutter, nimb von uns die Ruthen, barmherzige Patrona, bitt für uns, Maria, Wir wollen die Laster mit allem Fleiss hassen. Dein Namen verehren, die Tugend erklären, bitt für uns, bitt für uns, bitt für uns, Maria. Ein heiliges Leben, das wollest uns geben, starkmächtige Patrona, bitt für uns, Maria, auf dass wir dich loben im Himmelreich droben, dich preissen und ehren ohn alles aufhören, bitt für uns, bitt für uns, bitt für uns, Maria. 1 182 58. Wie schön und zierlich. Von unser lieben Frawen Gebart. Wie schön und zierlich, übernatürlich, lieber den Zierrat, der Morgenröth, Wie Sonn und Mone in ihrem Throne Des Himmels Königin vor uns steht. Wann mich die Wellen der Trübsal Callen, Wann mein Schifflein ein Schififbruch leidt, Ligt es darnider, hilfst du ihm wieder, Bis an das Port der Sicherheit. Als einer Fackel ohn einig Makel Dir folg ich in dieser finster Nacht, Du kannst uns leiten zur Himmels-Fr.ewden, So dein Geburt uns zugebracht. Diesen Geburtstag, den ich euch ansag, Dieser gewaltigen Kaiserin, Lasst uns verehren, die Lieb vermehren, All unsers Lebens Gebährerin. ' 61. Maria du edler Rosen-Gart^« Marianischer Blumen -Gart. Maria du edler Rosengart, von Blumen viel schöner Art: ' da Jesus glorieret, das Blumenwerk florieret, schön lieblich hcisammen und mancherlei Namen, Ave Maria. Ach ist nicht das ein Rittersporen : ein Jungfraw zur Mutter erkoren : zarte Violen, wer wolt sie nit holen. Die Blumen abbrechen, Mariara ansprechen, Ave Maria. Riechen da schön die Violein, Der Meyran und Nägelein, Roth Rosen, weiss Lilgen, Hyazinth, Basilgeo, Die edle Narcissel und Himmlische Schlüssel, das ist Maria. In Ehrenpreis und Wolgemuth mein Herz sich erquicken thut: Da werd ich abflocken die silberne Klocken, schön Rosa Maria, ö dulcis, 6 pia, Jungfraw Maria. Ach tausend schön, o Tag und Nacht, Augentrost, ich nachtracht: Das Blümlein so zarte mit Schmerzen erwarte, Das Kränzlein zu binden, wann werd ich dich finden, Mein Trost, Maria. 1) Nach der Melodie: Es ist ein Schnitter, heisst der Tod. Vcl oben Lied Nro. 16, Seite 174. 183 Nro. 66. Nun lasst ans alle loben. Von dem beil. Vater Gallo. 1) Nun lasst uns alle loben Sankt Gall im Himmel oben, Die wir auf Erden seind: Sein Vater fleissig obren, das vierdt Gebot thut lebren Ein jedes trewes Kind. 2) Sanct Gallas war gebohren, auss Schottland aosaerkohren, von königlichem. Stamm : Mit priesterlicber Ehre, mit christenlicher Lehre, Glantzte sein hocher Nahm. 3) Mit Columbano eben führt er ein heiligs Leben, ist aller Welt bekandt. Vor tausend und mehr Jahren durch mancherlei Gefahren Kam er ins Schweizerland. 4) Diss Ort gfiel ihm vor allen, in Dorn ist er gefalleo, Und auf sein Herz darzu, Sein Gferth wolt ihn aufrichten, aufstehn wolt er mit nichten. Und spricht: da ist mein Ruh. 5) Und daSB forthin Gott ehren und Gottes Ehr vermehren allhie soll jedermann, Steckt er ein Grenz in d' Erden mit seufzenden Gebärden, fiengs Kloster-Leben an. 6) Maria der Jungfrawen that er diss Ort vertrawen, befilchts in ihre Hand, Den Helden Sanct Mauritium wie auch Sankt Desiderium zur Fürbitt er benandt. 7) Jesus der süsse Name niemal auss. seim Mund käme, ^ Er war sein süssste Speiss, Wollt auch nirgends glorieren als in dem Grenz des Herren, Ehrt es mit höchstem Fleiss. 8) Der Bär das Holz zubrachte, Sankt Gall es wol bedachte, Gab ihm von seinem Brodt, Das höllisch Gspenst von dannen durchs Creuz that er vor- bannen, Macht ihnen grosse Noth. 9) Die Welt^ ihr Ehr verachten, mit Eifer Gott betrachten, Gedult in Grenz und Leid, Das Fleisch und Leib casteien, Gott alzeit benedeien, wäre sein grösste Frewd. 10) Die bischöfliche Würde und eins Prälaten Bürde Schlug er sehr klüglich auss, Gunzonis reiche Gaben wollt er nit aigen haben, Theilts unter die Armen aus. 484 11) Er ist zwar Priester ^esen, doch hat er kein Mess glesen Aas8 Ghorsainb etlich Jahr, Nach Columbans Ableiben that ihn der Geist antreiben, Zu gehn auf den Altar. 12) Mit Weinen und mit Beten, mit härin Kleid und Ketten Dem Fleisch er nicht verschont^ für's Fasten und ftir's Wachen, für Unbild und für Schmachen Ihn ewig Gott belohnt. 13) Dann als das neunzigst Jahre und fünf vorhanden wäre, Stiess ihn ein Fieber an, Tm Arbon ist er gestorben, hat d'Himmels-Frewd erworben, Kann niemand zweiflen dran. 14) Ins Grab wollt man ihn legen, doch könt ihn nit bewegen Kein Müh, kein Gewalt so schnell, Drumb man der Leich vorgspannen zwei Füllen, die ihn von dannen geführt zu seiner Zell. 15) Darbei hellglänzend scheinten zwo Kerzen und nicht schweinten, Sie brandten etlich Stund. Hört zu die Wunderzaichen, man thut eim Armen reichen Sein Kleid, und wird gesund. 16) Jetzt ist er ewig seelig, weil er G,ott allzeit gfällig Gelebt in dieser Zeit. Folgt seiner Lehr und Leben, so wird euch Gott erheben Zur ewigen Seligkeit. 17) Sanct Gall, du Gottes Freunde, beschütz uns vor dem Feinde, Durchs heilig Grenze gut. Das du hier aufgerichtet und jenem uns verpflichtet, Der dran vergoss sein Blut. Das Gallus-Lied ist freilich etwas hölzern, aber immer noch weit besser als die hier nicht mitzuteilenden Lieder der hl. Othmar und Notker. Str. 3 des Gallusliedes kann zu seiner zeit- lichen Entstehung einen Anhaltspunkt geben; Gallns kam vor 1000 und mer Jaren nach St. Gallen, d. h. wol nicht allzulange nach 1614, seinem lOOOjärigen Jubeljar. Alles spricht dflifür, dass die Sammlung auf keinen Fall bedeutend später als in der Mitte des 17. Jarhunderts entstanden sei; dafür zeigt der immer noch alter- tümliche Geist und alte Sprachformen auch der spätem Lieder, die ser reine Form einiger derselben und die gänzliche Abwesen- heit des rohen, plumpen, mit bloss gemachten Bildern, prunkenden Stiles der zweiten Schlesischen Schule. Wie auffallend die Samm- lung von diesem spätem Stile abweist, zeigt nun der 186 Anhang oder Zusatz etlicher nemen geistlichen Gesängeren, meistens von den heiligen Patronen Fürstl. St. Gallischer Landschafft; insonderheit aber der Graf schafft Doggenbnrg; jedoch dass deren der meiste Theil auch an andern Orthen und Pfarreien gantz komblich, zu sonderlichem Trost und Nutzen aller Anwesenden können gesungen werden. Alles zu grösserer Ehre Gottes, seiner liebwerthisten Mutter und aller lieben Heiligen. — Dieser Anhang enthält 82 Lieder, von denen keines poetischen Wert hat, fade und gedankenlose Reimereien; bei jedem Lied ist die Melodie angegeben; entweder in eigner Melodie, oder nach der Melodie eines Liedes aus dem ersten Teil, oder nach der Melodie eines Liedes aus dem Mirantischen Flötlein, z. B. weil ich auf dem Wollusts-Weg, oder: Ach, Daphnis, weine nit so sehr. Das Mirantische Flötlein war 1682 zu Gonstanz erschienen und hatte den P. Capuziner Laurentius von Schnüffis zum Verfasser, einen Vorder-Oesterreicher aus dem Dorfs Schnifis bei Feldkirch im Vorarlberg; Goedeke, Grundriss 476 hat in mit un- recht zu einem Schweizer gemacht. Also wird der Anhang nach 1682^ entstanden sein. Abgesehen von ein paar Liedern allgemei- ner Natur bestet die Merzal der Gesänge aus hölzernen Lobliedern auf Patrone der St. Gallischen katholischen Landkirchen , wie es scheint, eigens zu dem Zwecke gedichtet, da meist der Name des Ortes in den Text eingefügt ist. Ein Verzeichnis der Lieder- anfönge lohnt sich hier nicht. Mit eigener Pagination sind der Liedersammlung die Melo- dien der ersten Hälfte beigefügt. Das beschriebene Gesangbuch erhielt sich bis gegen den Schluss des 18. Jarhunderts im Gebrauche; 1782 wurde es umge- arbeitet nach den Grundsätzen einer abscheulich nüchternen Auf- klärung. Dies näher nachzuweisen lont sich hier ebenfalls nicht; ich teile bloss die erste Strophe des ersten Liedes zur Erbauung des Lesers mit : Aus Jesse Stamm entsprungen Ein Zweig ist wunderbar. So, wie uns vorgesungen Vom Isaias war : Und hat ein Blümlein bracht In Mitte kalten Winters, Mensch, diess wohl betracht! St. Gallen Ernst Götzinger 186 Untersuchungen zur Elsässer Grammatik*) n Die mitlaatenden Längen im Altelsässischen Wie das Nhd und die meisten jezigen Mundai'ten besizt das Elsässische heute keine langen Mitlauter mer (über die Prosödie der nhd Mitlauter s. die Beiträge zur Gescbicbte der deutschen Sprache von Paul und Braune, IJ, 1876, S. 561 ff); zB in dem Worte rinne wird über den n-Laut ebenso rasch hinweggegangen wie in Genuss, wohne usw; von einem längern Verweilen auf demselben wie im nhd hinneigen, annehmen usw^) und wie im schweizerischen rinne, Manne, Sonne usw ist keine Rede. Ebenso wird in Rappe, Ratte, Ecke usw der Verschluss für die Tenuis kaum hergestellt sofort wieder gelöst, wärend die Italiäner in zuppa, atto, secco usw, die Schweizer in Rappe, Wappen, Ratte, rate, Ecke, Türke usw zwischen der schliessenden und der öffnenden Bewegung der Organe eine merkliche Zeit verstrei- chen lassen. Wenn Sievers den meisten Mundarten die gedenten Mitlauter des Italiänischen abspricht, inen hingegen diejenigen des Schweizerischen zuschreibt, so ist dies eine der Unklarheiten welche leider sein Buch entstellen. Bezeichnen wir also die Länge sowol der Vokale als der Konsonanten mit und sprechen jeden nich^ mit ' versehenen Buch- staben entschieden kurz, so sind die oben erwänten nhd Wörter rto, rap9, rate, äk9 usw, nicht etwa r«n^, rap9, rid^, ä^ usw. Hingegen hinneigen, annehmen usw sind Mnaign, ankmn usw. In der nhd Orthografie soll die Verdopplung eines Konsonanten- zeichens nichts Anderes bedeuten als dass der vorhergehende Selbst- lauter stark und zugleich kurz ist. Wer diesen Misbrauch in Falle, Sinne billigt, muss in auch in Fall, Sinn gutheissen; wer Fal, Sin fordert, kann nur Fale, Sine zulassen. Der Vor- schlaff Fal, Falle, Sin, Sinne verstösst ebenso stark gegen die 1) Alem. IV 255 ff. 2) Beim Zusammentreffen gleicher Aus- und Anlaute schiebt in ungezwungener Rede kein Mensch die geringste Pause ein; s. Beitrage II S. 570 f, und Sievers Grundzuge der Lautfysjiologie S. 100. Nicht in Betracht kommt es wenn eine unverständige Schulmeisterei hier ire eigenen Wege wandelt wie sie auch zB in Ruhe, Reihe, rathe, wüthe usw den A-Laut und den e- (nicht d-) Laut erzwingen will. 187 4 Forderungen der Wissenscliaft wie gegen den herkömmlicben Ge- branch nnd läset sich durch Berufung auf die Orthografie fremder Völker nicht im mindesten rechtfertigen. Wenn nun auch die langen Mitlauter des Ahd im Elsassi- sehen seit dem 14®° Jarhundert immer zu entschiedenen Kürzen gewprden, so haben sie doch unverkennbare Spuren ires frühem Vorhandenseins hinterlassen indem sie auf die Prosodie vorher^ gehender Selbstlauter in bestimmter Weise eingewirkt haben. Wie das Nhd, so hat auch das Elsässische die kurzen star- ken (betonten) Selbstlauter der sonst regelmässig eintretenden Den- ung entzogen erstens wenn darauf mercre Mitlauter folgen welche sämtlich zum Stamme des Wortes gehören; zweitens wenn sie vor einem früher langen Mitlauter gestanden haben. Femer zeigt es in diesen beiden Fällen regelmässig Kürzung der alten 1, J, % ein Verfaren welches das Nhd nur ansnamsweise in Fichte, Licht, Dirne, müssen, Mutter, Futter, lassen, Wappen, Blatter angewendet hat. Diese Spuren sind nicht die einzigen. — Wärend die kurzen jp, t, k des Urdeutschen vor den hinter inen eingeschobenen f, s, X im Inlaut geschwunden sind, so dass dip alten Tenues scheinbar zu Reibelauten wurden, erhielten sich die alten (gedehnten) ^, /, Ü in demselben Fall; zB apfa wurde a/ia, hingegen apfa blieb bis es sich zu apfa verkürzte; diese pf, is^ Jcas sind in der Schweiz noch heute zu hören. Wie im Altnordischen, Angelsächsischen und Altsächsischen entzogen sich auch im Elsässischen die gedenten germanischen Medien gern dem Uebergange in die Mundlaute «;, v, 5, j\ j, «, y, i, welchem die kurzen Medien zwischen Selbstlautem regelmässig verfallen sind; im Hd verwandelten sie sich bei der zweiten Laut- verschiebung in reine Tenues (nicht in die • nhd Aspiraten und Affrikaten P, T, K d.h. jpÄ, th^kg, kx); zB weggi (Weck) wurde im Elsässischen nicht %u wei9^ sondern zu wek9; ribbun (den Bippen) nicht zu fiw9 sondern zu flpe usw. Femer ist das lange S zwischen Stimmlauten nie zu R ge- worden wie so häufig das kurze (im Altlateinischen prägt sich in dieser Weise die prosodische Verschiedenheit des S noch schärfer aus, weil dort beinahe alle kurzen S zwischen Selbstlautern zu R geworden). Endlich ist das kurze x (germanisch H; in lachen hatte es Ersazdenung durch Schwund eines J erlitten) im Aus- und In- laut (ausser vor T) beinah immer geschwunden, wärend das ge- dente x (germ. H in lachen upd x für germ. k) sich ausser in allmäl|ch und geruhen immer als g oder x erhalten hat. Andere Anhaltspunkte zur Bestimmung der frühern Mitlauter- prosodie bieten ferner Eigentümlichkeiten der ahd und mhd Or- thografie, der poetische Sprachgebrauch des Mhd, das Zeugnis der heutigen Schweizermundarten und sprachgeschichtliche Erwägungen t88 Vor allem wolbezeugt ist die fV&here Dennng der /*, s, g^ X = ardentsch jp, t, k. Vor inen sind koSSe* Selbstlauter nie ge- dent und alte 1,^7, U immer gekürzt word^ . In ahd Denk- mälern werden sie regelmässig, auch hinter Mitlantem und langen Selbstlautem mit FF, ZZ (im Isidor mit ZSS), HH bezeichnet, was ofifenbar nach dem Vorbild der griechisch-römischen OrtHografie die Länge des Konsonanten' bedeuten soll (dass früher die DoppeK Schreibung eines Konsonantenzeichen's nicht eine Darstellungsart für die Stärke und Kürze des vorhergehenden Selbstlauters war, kann man bei unserer nhd Abneigung gegen lange Mitlauter nicht genug wiederholen). — Die Länge dieser Reibelaute ergiebt sich ebenfalls aus dem Gebrauch der mhd Verse. — Femer denen die Schweizermundarten ^e f, 8 = urdeutsch p, t auch nach Mit- lautern und langen Selbstlautern, a = urdeutsch k wenigstens nach kurzen Selbstlautem in scharfem Gegensaze zu den /*, 5, rc == ur- deutsch F, S, H; zB ^ slf9f Schiffer, slfir Schiefer; näS9 nassen, näs9 Nase usw. — Endlich ist es unmöglich dass die urdeutschen p^ t, k in f^ s, x übergesprungen sind und ebenso unmöglich dass diese neuen /*, 5, x im Anlaut und in gewissen Fällen des Inlautes sich eine Tennis vorgesezt haben; vielmer haben sich die urdeutschen Tenues zu- nächst in Aspiraten verwandelt (das ph dieser Stufe ist auf süd- fränkischem Gebiet wenigstens zu Anfang der Wörter vor Selbst- » lautern noch heute erhalten, zB phälts Pfalz, phdft Pferd usw) ; die Aspiraten gingen in Affrikaten über, ein Vorgang welchen man im heutigen Dänischen beobachten kann, wo die anlautenden P, T zwischen ph, tk mit deutlich hörbarem h und pf, ts mit unsicherm f, 8 schwanken (vgl. Sievers, Jenaer Literaturzeitung 1874, S. 304). Ueberall wo die Tennis sich vor dem schmarotzerhaft eingedrunge- nen Reibelaut nicht hielt sondern ausfiel, erlitt dieser leztere £r- sazdenung: wie im Lateinischen supfero, atsumo zu suffero, assumo wurde, so ging helpfan^ nätsan, mäkxan in heljfon^ näsan^ maxan über. — Von dieser alten Denung ist im Nhd nichts ge- blieben als dass sie die kurzen Selbstlauter geschüzt hat und dass die /*, s^ g^ x = urdeutsch p, t^ k wenigstens nach kurzen Selbstlautem etwas stärker sind als die /*, 9, p, ^ = urdeutsch F, S, H. Lang waren femer die mitlautenden », y, u zwischen Selbst- lautern. Unsere herkömmliche Grammatik «welche sich mer um die Buchstaben kümmert als um die Laute und welche an altherge- brachten, ofb völlig misverstandenen Sätzen klebt, hatte keine Anung davon dass sowol die Konsonanten als die Vokale in der Silbe eine zweifache Rolle spielen können: entweder sind sie die eigentlichen Träger der Silbe, oder bloss untergeordnete Begleiter eines silbenbildenden Elementes. Nemen wir zB das Wort handU (handelt); von einem 9 vor dem l findet sich in der aUgemein üb- 189 liehen Sprache keine Spur» wenn auch die Meisten die so reden, .sich einbilden in Aei alrditen Silbe irgend einen Vokal hören za lassen; in handlt sind also a und l die wesentlichen Bestandteile der Silben,, sie sind silbig, selbstlautend, wärend h^ n, d, t sich an diese anlenen d. h. unsilbig, mitlautend sind. So gut wie der Konsonant l in handlt silbig ist, so können die Vokale i, p, u mitlautend seifl: spricht man die Laut Verbindungen «a, ai so dass die beiden Laute i. und a deutlich hörbar sind aber nur eine Silbe ausmachen indem man a gegen i hervorhebt, so spielt a die Rolle eines Selbstlaulers,,i diejenige eines Mitlauters; troz seiner Unsilbigkeit ist und bleibt das i ein Vokal. In waifU (weihend) ist das i mitlautend neben dem silbigen n (vorausgesetzt dass man nicht wai9ni sagt); um dieses zweisilbige waini von dem einsilbi- gen zu unterscheiden schreibe ich icaint (weihend), tcaint (weint). Dass in Verbindungen wie aiOy öya^ oudj die usw die i, ^, u wirk- lich Vokale sind und nicht etwa Konsonanten, erkennt man deut- lich daran d&s sie von keinem Reibegeräusch begleitet werden (vgl Frommanns deutsche Mundarten VII, S. 321) und deshalb im Auslaut und vor Stimmlosen nicht in stimmlose Reibelaute über- gen; so wird das norddeutsche f zu «, aber die mitlautenden i, ^, u bleiben unverändert und werden nicht zu (, f usw, zB elsäs-; sisch p9wäß (bewegen), p9w^ (bewegt), p^fc^ (bewege), sVai (Schläge), ndit (näht) usw. Die mitlautenden Vokale sind nun ebenso wie die mitlautenden Konsonanten der Denung fähig one silbig zu wer- den; so gut wie ana mit lang gedehntem n, lässt sich auch aia mit lang gedentem i hervorbringen one dass die Verbindung aufhört ganz entschieden zweisilbig und nicht dreisilbig zu sein. Wo im Ahd mitlautende i, ^, u zwischen zwei Selbstlautern sten, sind sie schon früh gedent worden. Da der Buchstabe für den li-Laut, V, als Zeichen für einen Mitl'auter den /'-Laut, zuweilen im Inlaut den v~ oder tc-Laut darstellte, so sahn sich die Hoch- deutschen genötigt um die Verwechslung zwischen f- (oder f^•) und ti-Laut zu vermeiden, das Zeichen des mitlautendeh u-Lautes dop- pelt zu schreiben: VV, was im 12®^ Jahrhundert zu W wurde. Dasselbe Verfaren den Buchstaben des Vokales zweifach zu sezen wenn der leztere mitlautend ist, findet sich in der Orthografie des Send und zwar auch für den i-Laut; wie in altdeutschen Denk- mälern Vü für Wü (d. h. VV für VW) erscheint, so zeigt der Aveslia regelmässig V und j für UV und IJ (d. h. Uü, II für üüü, III; vgl R. Roth, über Yagna 31, Tübingen 1876, S. 14). — War der mitlautende ii-Laut gedent, so muste also das V- Zeichen mindestens verdreifacht werden: VW, woraus dann später UW geworden ist. Dieses hat bisher eine ganz verkerte Deutung er- faren indem man entweder einen unmöglichen Einschub von u vor einem angeblichen fe;-Laut, oder eine unklare „Verschmelzung von Vokal und Konsonant" annam. Oeben wir diese haltlosen Vorstellungen auf, so ersehn wir aus der Orthografie dass vor 190 Selbstlantern ou za Of#, ebenso iu zu iü wurde. So ist anchvel- för ee- zu erwarten; 'in der Tat findet sich eiie, leiie, und' da das. G-Zeichen häufig für mitlautendes t yerwendet wird, eiger, leige, meige, zweiger usw (in leige braucht man das nicht mit dem C von laicus io Beziehung zu bringen). Dass die UW, J W, ij (d. h. uu, yy^ i%) welche sich vor Selbstlautern aus Ü, J, 1 schon früh entwickelten (s. Zeitschrift für deutsches Alterthum, Neue Folge IX, S. 258 fif), nach der Analogie von OW, iw, 6t ebenfalls iren Mitlauter deuten, ist naheliegend. So finden sich in der Tat auf schweizerischem Gebiete sowol die alten wie die neuen OU, Öy, ei vor Selbstlautern mit langen u^ y, i gesprochen (zB fr büß Frauen, Adte^ hauen, mhie Mai, sreid schreien usw) und dem entsprechend sind' im £lsä8sischen wie im Nhd die kurzen Selbst- lauter vor mitlautenden u^ y, i nie gedent worden ; zB cu9f (Eier) nicht äi9r, frau9 (Frauen) nicht fräuß, pöy9 (bauen) nicht poy9 usw usw' gerade wie in äli (alle), A;^^' (Rissen),' span9 (spannen) usw das früher lange 2, s, n die. Kürze des vorhergehencfen Lautes ge- schüzt hat (in Saum, Staub, Weide, heim usw ist der Selbst- lauter aus denselben Gründen kurz geblieben wie in Salm, starb, Walde, Harm usw, nemlich weil er merere Mitlauter hinter sich hat). Jünger als die Länge der f, s, ^, x für die urdentschen p, ^, k und der mitlautenden Vokale zwischen Selbstlautern ist die- jenige der t für die urdeutschen d und ö {d aus indogermanischem dh ; ö ist tönend gewordenes urdeutsches p aus indogermauischem t). Diese sind auf schweizerischem Gebiete heute noch regelmässig ge- dent in allen Stellangen; sie haben die Kürze des vorhergehenden Selbstlauter im Nhd meistens, im Elsässischen immer geschüzt, wie folgende üebersicht zeigt. Nicht in Betracht kommen hier Wörter wie Bett, dritte, Hütte, Klette, retten, Wette usw, wo die Denung der Tenuis schon alt ist; ebenso wenig solche wie Blut, braten, Brot, Brut, Fiöte, Flut, Gerät, Grat, gut, Hut, Kot, Lot, Miete, Mut, Not, Rat, rot, Rute, Sat, Schote, Schrot, spät, stätig, Stute, Tat, tot, Unflat, Wut usw, wo die Länge des Selbstlanters nicht erst im Nhd ein- getreten ist. Kurzes t hatten ursprünglich Bettel betteln, Blatt, Bottich, Bütte, Brett, Büttel, Butter, Dotter, flattern, Gatte gatten, Gitter, geglitten, Gott, Grammatik gram- matisch, Kapitel, Kette, Kitt, Kittel, Knüttel, Kutiteln, Huflattich, gelitten, Lott er. Matte (Wiese), Natter, Platte, Ratte, Rettig, Ritter beritten geritten, rütteln, satt, Sat- tel, Schatten, Schlitten, schnattern. Schnitt geschnitten, Schritt- geschritten, schütteln, Sitte gesittet, gesotten, Spittel, spotten, Stadt Statt bestatten gestatten, Sta- tuten, gestritten, Titel, Tritt, Unschlitt, Vettel, Vetter Gevatter, Wetter, wittern, Wittib, Zettel, Zitter (cithara), 191 zittern, Zottel, Zwitter^). Ebenso beten Gebet, Bote ge-. boten, Düte, Gote (Patin), jäten, Knoten (Mhd mitD), Kröte, Note, Pate (mundartlich: Petter, Pfetter), stätig (störrisch), treten, Vater, waten, Zeter, wo das Elsässische und wol auch die meisten süddeutschen Idiome, den kurzen Selbstlauter im Ge- gensaze zum Khd bewart haben wie in Beet (ahd petti aus badia); blaten (pfeifend locken), Met, Spaten kommen im El- sässischen nicht vor. In Attich, bitten, Dattel, Rotte, schüt- ten, Sittich, welchen ursprünglich langes t zukommt, hat sich die silbige Kürze erhalten obgleich die mhd Handschriften immer oder oft T (nicht TT) schreiben. Die Länge des t = ardeutsch d und d wird nachdrücklichst gestützt durch die prosodische Behandlung der alten 1, J, U vor demselben im Elsässiscben, indem' diese wie vor f = germ. p^ 8 = germ. t, g und '^* = germ. h, pf, ts^ st^ gt ausnamslos ge- kürzt werden' wärend sie vor t = germ. p immer lang bleiben. zB ritoh (reitern) rU9r9 (zittern), Sit (Seite) sit (Seide), IU9 (läuten) Ut9 (leiden) usw. Die früher vorhandene Denung des t = urdeutsch d und d erklärt sich >durch die Neigung starke Konsonanten zu denen. Das durch die hd Verschiebung aller Medien zu Tenues aufge- kommene t trat zu dem hd t welches sich später aus germanischem ^ entwickelte (von einem tönenden d darf nicht die Rede sein) und Anfangs nur ser schwach sein konnte, natürlich in einen dyna- mischen Gegensaze welcher im Laufe der Zeit noch einen prosodi- Bchen herbeifürte. In der Schweiz werden auch alle P als Längen gesprochen im Gbgensaze zu den B, welche wie D und G (nicht GG) kurze Tenues sind. Lang waren femer, durch Ersazdenung, die m für mB, die 37 für i]G, die 8 für kce (SCH), welche in der Schweiz noch heute immer gedent werden. zB in Lamm, Kamm, lange, zwinge, heischen, krlBischen, tauschen, rauschen, Büsche, Tische usw. Da die nhd Lautlehre bisher nur selten eine wissenschaftliche Behandlung gefunden hat und meistens nur einen Tummelplaz für den naivsten und willkürlichsten Dilettantismus abgiebt, so dass die Meisten in Betreff der Laute die sie sprechen oder nicht sprechen, ganz im Unklaren sind, darf es nicht Wunder nemen dass Viele, zB auch ein nicht ungeschickter Beobachter wie Prof. Dr. Karl Sachs (deutsch -französisches Wörterbuch, Berlin 1874, S. XXI), in fa^^ färß^ ßtp^ tstohp usw (fange, senge, singe, zwinge usw) einen G-Laut zu sprechen glauben und von dessen längst eingetretenem Schwund keine Anung haben. gärend die Denung bei den f^ s^ g, a = germanisch p, t, k^ bei den mitlautenden i, y, u zwischen Selbstlautern, bei den t = 1) Manche dieser Wörter erscheinen im Mhd auch mit TT ge- schrieben. 192 germanisch d und d, bei den m = f»B, bei den tj =: fjG and bei den $ = sx ausnamslös eintrat, war sie in andern Fällen weni- ger regelmässig. Häufig war die Ersazdenaug von Konsonanten hinter welchen ein mitlautendes i gtöchwanden ist, zB in dick, £cke, stecken, wecken^ füllen, schwellen, stellen, «tillen, dämmen, from- men, hemmen, brennen, Henne, kennen, Minne, lüpfen, schlüpfen, schöpfen, Krippe, Rippe, Sippe, beizen, heizen, wetzen usw. Dieselbe war jedoch sehr oft unterblieben wie in bewegen, legen, liegen, erzählen, hehlen, quälen, schälen, wählen, grämen, zähmen, dehnen, gewöhnen, bewehren, kehren (fegen), schwören, yerheeren, wehren usw. Vereinzelt hatte auch der Schwund andrer Mitlauter Ersaz- denung zur Folge gehabt zB' von m in nennen (für nemnen), von n in Elle (für Eine), verdammen, Stimme, von S in I>arre (für Darse), von H in Hesse (für Hechse, Kniegelenk) usw. In manchen Wörtern erscheinen die Konsonanten von Alters her gedent one dass ein Grund ersichtlich ist zB in Amme, alle, Halle, Glocke, Locke, kirr, Kopf usw. Bemerkenswert ist dass wärend gedente /*, s, t vor und nach Mitlautern und nach langen Selbstiautern durch die ahd Or- thografie und die heutigen Schwei^ermundarten bezeugt werden, lange Z, m, n, 9y, r, x in derselben Stellung nicht beliebt waren und dem Schweizer fremd sind; dieser dent das R auch nicht einmal mer nach kurzen Selbstlautern; das Obertoggenburgische hat lange 7, n», n nur im Auslaut, nie zwischen Selbstlautern (Winteler, die Kerenzer Mundart S. 66 f). Es kann daher gar kein Gedanke daran sein dass etwa in Jammer (eis. iöm^f) zuerst das m lang geworden wäre und dann später das a gekürzt hätte. in einigen Fällen hat sich im Nhd wie im Elsässischen die alte starke Kürze vor kurzem stammauslautenden Konsonanten der regelmässigen Denung entzogen. Kicht hieher gehören Wörter wie hübsch, Kebs-, Obst, Jagd, Magd, Bilsenkraut, Fels, Kelch, Milch, Amsel, Hemd, Sims, Binse, Ente, Fenchel, Hanf, manch, Senf, Birne, Erbse, Fürst, herschen, Hirsch, Pferd, Welt usw usw weil in denselben die zweite Silbe schon früh iren Selbstlauter ver- loren hat, so dass die in umgebenden Konsonanten zusammen- stiessen und die Kürze der ersten Silbe schüzten^). Auch nicht Wörter wie Bräutigam, Nachtigall; in diesen wurden Gäm, Gäll nicht mehr als selbständige Wörter, sondern 1) Einige dieser Wörter haben in mereren Gegenden langen Selbstlauter; nach dem nhd Geseze welches bis auf wenige verschwin- dende Ausuamen die alte silbige Kurze vor merfachem Stammauslaut immer wart, sind aber die weitverbreiteten Formen Jagd, Magd, Obst usw zu bevorzugen und als nhd zu betrachten. 198 ab blosse Nebensilben gefült und in solchen duldet das Neudeutsche nicht gern Längen (strenger noch verfört das Romanische, wel- ches ausserhalb der Tonsilbe nie einen langen Selbstlauter zulässt; 80 sprechen wir in unserm Ton den Romanen erlernten Schullatein hörn Ines, ylrös usw statt homtnes, ylrös- usw). Und ebenso war in Wörtern wie ab, an, in usw, - welche im Zusammenhang des Sazes gewönlich schwach^ gesprochen werden, kein Anlass , zur Selbstlauterdenung* • Aber, ein solcher wäre vollkommen vorhanden gewesen in £ller, sollen, toll, Ammer, Dämmerung, fromm, Hammel, Hammer, Himmel; Kammer, kommen, Kümmel, genommen, sammeln, zusammen, Sammet, Semmel, Sommer, Trümmer, Donner usw. Nun erhebt sich die Frage ob hier die silbige Kürze durch eine spät eingetretene Denung des Mitlauters bedingt worden. Einige Umstände würden zu einer bejahenden Antwort einladen. Erstens tritt bisweilen bei Dauerlauten welche von einem ganzen oder teilweisen Verschluss der Mundhöle begleitet sind, der dadurch entstehende Schlaglaut so deutlich ins Bewusstsein, dass er als selbständig aufgefasst und behandelt wird, was die Einschiebung entweder einer Pause oder eines tönenden Schluss- lautes zur Folge hat. So wird das Lippenöfifnen welches wir in fna gewönlich nur dunkel empfinden, in wUa ser deutlich war- genommen; gern lässt man dann das Tönen der Stimme früher aufhören als der Mund* sich öflFnet und m^' wird zu mj^' (o^®" zeichnet eine sehr kurze Pause, p/ das Oeffnen der Lippen). Auf diese Weise entstan&ene Tenues werden manchmal wie die übrigen, ursprünglichen P, T, K behandelt: im hd Ankunft, Vernunft (vgl ankommen, vernehmen) wurden sie affriziert; im schweize- rischen monis (Mensel i), wälts (welsch) entschieden gedent. Zwi- schen tönenden Dauerlauten gilt der begleitende Schlaglaut, wenn er bemerkt wird, gern für eine tönende Media und wird als solche behandelt. So ist im französischen s^br (chambre), sädr (cendre), sM (semble), wudra (voudra) usw MR, NR, ML, LR zu MBR, NDR, MßL, LDR geworden und die neue Media auch nach dem vollständigen Schwunde des vorhergehenden M, N, L geblieben. — Wie wir nun immer thdfl^ slysl^ mlgl, thUl, iläfn, phasn, Uftij nebn^ regn usw für Tafel, Schlüssel, Michel, Titel, schlafen, passen, lesen, neben, regen usw sprechen, so konnte auch cUTj amr^ haml^ dönr usw und daraus äldr^ ambr^ hambl^ döndr usw für Eller, Ammer, Hammel, Donner usw eintreten. Li Jam- mer hätte das mb Kürzung des a herbeigeführt. Diese b und d wären dann wieder geschwunden und hätten Ersazdenung der Z, fn, n bewirkt. Aber gegen diesen Erklärungsversuch erhebt sich das Bedenken dass die eingeschobenen B und D durch die Denk- mäler des 13®° und 14®*^ Jarhunderts viel zu wenig bezeugt sind. Birllnger, Alemannia V 2 ^3 \ 194 Zweitens könnte man annehmen der Schwund des Vokales nach dem 'Stammkonsonanten habe Ersazdenung dieses leztem herbeigefart (zB html für hlm^l)^ wenn nicht etwa das Wort für einsilbig galt so dass die silbige Kürze vor mereren Mitlautem gestanden hätte. Gegen beides ist anzufüren dass in vielen ganz änlich beschaffenen Fällen der kurze Stammselbstlauter gedent worden. Drittens wäre an die im Ahd beliebte Denung der Konso- nanten vor -er zu erinnern: bitter, Otter, zittern, Acker, wacker, Kupfer usw. Aber die Ursachen welche hier gewaltet haben, sind uns nicht bekannt und es ist bedenklich sich auf dunkle Vorgänge zu berufen welche sich vielleicht unter eigen- tümlichen, später nicht mer geltenden Verhältnissen vollzogen haben. Für das Elsässische ist jede spätere Mitlauterdehnung als unbewiesen zu betrachten. Denn es hat ausser in Wörtern wie die ^ oben aufgezälten den kurzen Selbstlauter vor den alten b, tF, ^ oft gewarty obgleich man nicht annemen kann diese Laute seien stäts gedent gewesen; dies verbietet schon die Tatsache dass die alten 1, J, Ü, welche vor unsilbigen Längen regelmässig ver- kürzt werden, vor den b, tF, ^ lang bleiben. Berücksichtigen wir dass in der Schweiz die alten Kürzen wenigstens vor Nebensilben beinahe immer erhalten sind, so werden wir zur Anname gedrängt dass die Denung der starken und kurzen Selbstlauter vor kar- / zem Stammauslaut vom Nordosten ausgegangen ist und in dem Masse ires Fortschreitens an Strenge in der Durchfürung ver- loren hat; als ausserhalb der gemeindeutsche^ Strömung stehend erweist sich die Schweiz auch dadurch dass sie, wenigstens auf einzelnen Teilen ires Gebietes, in auffallendem Gegensaze zum Elsässischen die alten 1, y, ll vor langen Mitlautern meistens als Längen bewart, vor kurzen aber gern verkürzt; zB berndeutsch: slip schleifen, Äri/'2> greifen, ^is^Ä fleissig, tri^tk dreissig usw; hin- gegen: wip^f Weiber (aber: wip Weib), is9 Eisen, mt9 Weiden- bäume, lyTc9 lügen, flyTc9 fliegen, puh Bauern (aber: pvi\ Bauer), supld Schaufel, süp9r sauber usw. Diese eigentümlichen Verkür- zungen sind wol nach Analogie der gemeinalemannischen Formen Glas Gläser, Grab Graber, Räd Räder, Zug zugig usw ge- bildet, welche im Elsässischen nur vereinzelt vorkommen. Es ist bloss die Möglichkeit zuzugeben dass zu Anfang des 14®° Jarhunderts, ehe alle langen Mitlauter verkürzt wurden, ein Schwanken in der Prosodie der kurzen Stammauslaute nach sil- biger Kürze stattfand wie es sich auch im Lateinischen und Ahd gezeigt hat. — Das Schweizerische dent in den meisten oben (S. 193) er wälmten Fällen weder den Selbstlauter noch den Mitlauter. 195 III Die alten g und j im Elsässischen * Bekanntlich sind Im Deutschen die indogermanischen p, t^ k durch die Affrikaten pf, tf)^ Jcx hindurch scheinbar zu f, f>, x ge- worden,* d. h. sie sind vor den hinter inen eingedrungenen Schma- rozem geschwunden^). Diese Reibelaute sind (ebenso wie der alte Reibelaut S) in manchen Fällen des Inlautes schon früh tönend geworden, nemlich überall wo sie vor der damals ^betonten^ Silbe standen; zB fatfar (Vater, sskr. pitar), mödar (Mutter, sskr. mätar) nsw, hingegen brO^ar (Bruder, sskr. bhrätar), ffe^ra (Feder, sskr. patra) usw (s. Kuhns Zeitschrift für vergleichende Sprachforschung, XXIII, S. 114); später machten alle deutschen Idiome mit Ausnarae des Gotischen und des Hochdeutschen sämt- liche inlautenden /*, jb, x zwischen Stimmlauten tönend; so sprechen zB die Niederdeutschen 6vn (Ofen), h6v9 (Hofe), kgav9r (Käfer) usw statt des in Hochdeutschland herschenden öfn^ hößy kgaßr usw. Die aus f^ f>, x entstandenen t;, d, j erhielten in einigen germa- nischen Orthografien die Bezeichnung B, D, G, weil sowol in den deutschen als in den romanischen Idiomen die tönenden Medien zwischen Stimmlauten meistens in Mundlaute übergegangen waren. Tönend wurde das germanische x zB in Angel, Auge, De- - gen (Mann), gediegen, drängen, drücken. Ecke, Egge, eigen, fangen, fegen, feig, Finger, fliegen, fragen, fügen, Hag, behagen, hangen, Hengst, hocken, Hügel, Hunger, mager, Mücke, genug, Regen, Rein- (Rat), Riegel, Ring, Rogen (Fischeier), Rüg6) sagen, Säge, schlagen, schlingen, schmie- gen, Schwager, Schwieger, seigen, Seiger, Tang, Trog, Vogel, Wange, Weigand, Zagel, zeigen, -zig, gezogen, Zug usw. , Durch den Uebergang in j hat sich das germanische x dem vollständigen Schwund entzogen welchem es zwischen Tönenden und im Auslaut regelmässig erlegen ist (vgl Kuhns Zeitschr. für vgl. Sprachf. XXI, S. 52 flF, und Herrigs Archiv für das Studium der neuern Sprachen, Bd. LVI, S. 313, Ziffer 2), wie zB in gedeihe, drehe, fahe, flehe, fliehe. Floh, Fluh, gäh, Häher, Lehen, leihe, Lohe, nahe (neben Nachbar), Rahe, Reh^ Reihe, Reiher, scheue (neben scheuche), Schlehe, schmähe (neben Schmach), Schwäher, Schuh, seihe, spähe, Truhe, Vieh, 1) x ist der mediopalatale, q der antepalatale Reibelaut; j ist tönendes o?, bineegen j tönendes (. — Das indogermanische und deutsche J ist nichts Anderes als der mitlautende Vokal i und kommt hier nicht in Betracht. 196 Weih, weihe, zäh, Zehe, zeihe, ziehe; — Fehde; Bühl, Dohle, Feile, Mahl, Gemahl, Quehle, Stahl; Mohn, Thon, Thräne, erwähnen, zehn; Aehre, Zähre; — El(a?)'enthier, hefehl(^)en, Sal(ic)weide, Bcheel(a;), Wal(^)nas8, For(a:)elle, Föhr(a?)e (neben Forche), M&r(a)e (Pferd), Mar(a?)stall. — Palataler Reibelaut geblieben ist es in dieser Stellung nur selten, zB in ach!, -ach, doch, durch, Forche, Furche, hoch, lachen, Nachbar, noch, scheuchen, Schmach, und im elsässischen hoher, Höhe, rauh, geschehe, sehe. Zum gutturalen Reibelaut ^ geworden ist es inlautend bloss in Ahorn, Oheim. Regelmässig palataler Reibelaut geblieben ist es nur in alter Verbindung mit folgendem t (wo es auch indogermanisch g und gx vertritt, indem gty gxt zunächst zu ht wurden); zB acht, achten, Fichte, flechten, -icht, leicht, Macht, Nacht, recht, Ge- schichte, Gesicht, Specht, Sucht usw; ausgefallen ist es nur «in Amt, Berta und im elsässischen nU (nicht). ' Vor S ist es hingegen regelmässig zu h geworden, oder besser gesagt: vor S hat sich das indogermanische h (d. h. KS für KS, GS, GHS) nach früherm Schwanken zwischen h und x (s. mein Buch „Zur Lautverschiebung" S. 63) wieder befestigt; zB Achse, Achsel, Fuchs, höchster, Lachs, LucKs, nächster, sechs, Wachs, Wechsel, Wuchs usw, elsässisch ntks (nichts). Tilgung hat nur in Messer(j?s), Mi(^)st, Ne(a7)8tel stattgefunden. In den Alpenmundarten hingegen ist der palatale Reibelaut vor S streng dorchgefürt: äxs9^ äxsl^ füxs usw. Wie das stimmlos' gebliebene, nicht geschwundene germanische X im Nhd mit dem neuen x für germanisch h zusammengefallen ist, von welchem es sich im Ahd und Mhd noch durch die Proso- die unterschied (s. oben S. 187), so hat auch das tönend gewor- dene X seinen Lauf nicht ungestört fortgesezt. Wenngleich in einem wissenschaftlichen Verzeichnis des ur- deutschen Sprachschazes die alten Medien &, c?, g (= indogerm. hhy dh, gx) und die v, (J, j (= indg. p, i. Je) scharf zu trennen sind, so haben sie sich doch in allen germanischen Sprachen und Mundarten vermischt; die meisten lassen im Inlaut unterschiedslos Mundlaute eintreten bis auf gewisse Fälle wo sich ebenso unter- schiedslos Medien (oder als deren Vertreter Tenues) zeigen; einige wenige wie zB die schweizerdeutschen haben durchgängig Tenues, und zwar nicht nur für die alten &, c?, g, v, d, J sondern auch für das ahd unsilbige u nach Mitlautern. Die Medien hatten sich erhalten wenn sie nach Konsonanten standen und ferner wenn sie gedent waren, so dass zB anda^ älda, ardtty ada unverändert blieben als ada zu ada wurde. Aber auch in diesen Stellungen entzogen sie sich der Einwirkung des Lautgesezes nicht immer; es fand ein Schwanken zwischen Media und Mundlaut statt, welches schliesslich auch erweichte f, p, x ergriff und sie aus v, d, j zu 6, d^ g machte; zB nach den Zu- 197 sammenstelluDgen von 0. Wenker (üeber die YerschiebnDg des Stammauslauts im GermaDischen, Bonn 1876) entspricht im Alt- nordischen MB' 4mal indogermanischem MBH RD 9 „ „ RDH w „ , RT LD 9 „ „ LDH ND 15 „ „ NDH » 20 „ , NT Von den 66 B, D hinter M, N, R, L vertreten also 37 indogermanische BH, DH 29 „ P, T Von 26 D hinter L und R sind 18 aus indg. DH, 8 aus indg. T hervorgegangen (für G ist keine Zälung möglich, da die altnor- dische Orthografie sowol g als j gleichmässig mit G bezeichnet, wärend sie b, v und d^ ö streng durch die Schreibungen B, F und D, ^ auseinander hält). In Teilen Mitteldeutschlands hat ein Schwanken stattgefun- den nicht bloss zwischen g und j, sondern auch zwischen j und a^ in Folge dessen die germanischen g und j^ sowie die fremden g inlautend immer zu g und a geworden, zB stag9 (Schläge), egal (egal), regimänt (Regiment), Yrciaj^ (Frage), löxtk (Logik) usw; in einzelnen Gegenden ist auch das anlautende g und sogar das an- lautende Unsilbige i zu g geworden, Lautverhältnisse welche von vielen Leuten mit glücklicher Naivität für das einzig richtige und natürliche Nhd ausgegeben werden. Im Elsässischen beschränkt sich das Schwanken zwischen tö- nendem und stimmlosem Gaumenreibelaut einzig auf das indoger- manische Suffix -Ä;, dessen germanisches a, welches im Gotischen zwischen a und g (nicht mehr j) schwankt, beliebig g oder i ist, zB heiligen ist haUig9 und hailii9\ im Auslaut ist der Konsonant des Suffixes meistens geschwunden zB haüi\ nur ganz selten er- scheint er wie im Mhd, Schweizerischen usw alsÄ;: Schiltigheim = sülc» aus sU(k9 für s\Ullc9 (-heim wird im Elsässischen regel- recht '9 mit Verlust des germanischen x). Ausser in -ig zeigt das Elsässische das nhd G als stimmlosen • Gaumenreibelaut nur noch in Herzog (altes ^*), Zwerg (altes j) und in dem etymologisch dunkeln Jagd, wo nach Analogie der übrigen Fälle vielleicht eben- falls germanisches x anzusezen ist. Diese Wörter sind Seiten- stücke zu sypf (sauber), wo das Elsässische abweichend vom Ge- meinhochdeutschen den alten Reibelaut nicht tönend gemacht hat. Sonst erscheint H in demselben Umfang wie im Nhd erweicht. Mit altem j ganz und gar zusammengefallen ist das urdeutsche g (indg. gx) im In- und Auslaut, zB in arg, Bälg, Berg, ber- gen» biegen» Bogen, Bug, Burg, dengeln, Dung, eng, Gang, 198 gegen, Gegend, Hage], Igel, Klage, lang, lecken, legen, liegen, gelingen, Lunge, lügen, Hagen, mögen, Nagel, nagen, Roggen (Getreide), saugen, säugen^ Segel, Sieg, Sorge, sprengen, springen, Steg, steigen, Tag, taugen, Teig, Tiegel, tragen, trag, trügen, Wage, Wagen, Weck, Weg, bewegen, Wiege, Woge, würgen, Zarge, Zunge usw. Für altes g des In- und 'Auslautes wie für altes j erscheint in etwa 20 elsässischen Wörtern Je als hd Vertreter der Media, welches in den mundartlichen Schriften mit G bezeichnet wird und für eine „Media" gilt; nicht mitgerechnet sind die aus dem Neu- französischen eingedrungenen Wörter wie ehdl (egal), wak^pum (Vagabund), maläfjk9f (kränklich) usw deren Schlusslaut immer durch die Tennis wiedergegeben wird. Schwund ist hinter tj ausnamslos eingetreten: rh] (gering; Ring), fh]9r (Finger), lätj (lang) usw (Fremdwörter wie efäajWiüm = Evangelium gehören nicht hieher); ausserdem noch in wenigen andern Fällen, zB sä (sage), saß (sagst), sät (sagt), tä (Tag) usw. Sonst sind g und j im In- und Auslaut jezt immer mit- lautende Vokale; niemals Reibelaute, weder tönende noch stimmlose. Nach den alten ä, 6, i, 19, Ö, y, Jd sowie nach 1 und r erscheinen sie immer als unsilbiges r, zB lai (lege), t9 lais (du legst), pdwei9 (bewegen), p9weit (bewegt), mi^ (regnen), stei» (stei- gen), reil (Riegel), tstil (Ziegel), feil (Vögel), tseü (Zügel), krU (Krüge) usw. Dieser Uebergang in i erklärt sich dadurch dass die hellen Vokale, welche antepalatale Verengung erfordern, sich die g und j assimiliert haben, d. h. g bildete seinen Verschluss, j seine Ver- engung am Vordergaumen (vgl. nhd und elsässisch ich. Recht usw mit antepalatalem ^-Laut); öffnet sich ein antepalatales g und verliert ein (antepalatales) j den begleitenden Reibelaut, so hitt eben i ein. Hinter den alten a, 0, U, Ü9 sind g und j regelmässig zu mitlautenden u geworden; zB sdu9 (sagen), wäti9 (Wagen), ndm (nagst), mäiä (Magd) usw. In Folge des neuelsässischen Umlautes welchen die äu, OH, Ü, ÜO erlitten haben, sind die tig Öj, tig 6^', Ug ny, Hg t(;, Ü9g Ü9J zu og öy yy geworden (statt dieses un- silbigen y hört man auch i); zB wog (Wage), p9troy9 (betrogen), Jc9löy9 (gelogen), kgöyl (Kugel), pHryy (Betrug), söy9 (saugen), kryy (Krug), lyys (lugst) usw. Die dunkeln Vokale verlangen mediopalatale Verengung, welche bei u am stärksten ist; sie assimilierten sich g und^*, welche dann in den inen zunächst liegenden Vokal u übergingen. — Wenn G. Wenker (Verschiebung des Stamm silbenauslauts S. 142) behauptet das elsässische g in „magre Kuh*^ sei nicht ein blosses u oder englisches W wie er beim ersten Hören geglaubt habe, so ist dies ein höchst befremdlicher Irrtum; ich habe nie etwas An- deres als u vernommen und keinen Elsässer gefanden der es nicl^t 199 für ein u gehalten h&tte; von irgend einem labialen oder palatalen Reibelaut ist keine Spur; in den mundartlichen Schriften wird es stäts durch U bezeichnet. Standen g und j hinter einem unsilbigen i, y, u, so hatte ire Yokalisiernng zuj Folge dass ein langer Mitlauter eintrat; zB ouge, zeige, söyge nsw wurden dut^, tsäii^^ sayy9 usw; und ebenso süge, vlge, z^ge usw durcli dfie Spaltung 'der ü, i, J (s. Zeitschrift für deutsches Alterthnm, n. F. IX, S. 258) su suuu^y ßii9^ isyyy9 usw. Da nun zwischen zwei aneinanderstossenden Dauer- lautlen in einem Worte oder ' in einem zusammenhängenden Saz- gliede niemals. irgend eine Pause gemacht wird, so trat statt zweier unsilbigen u usw notwendig nur eines, aber ein gedentes ein, gerade wie schnell und laufen beim Zusammentreffen in Zu- sammensezung oder in Säzen snäläufn mit langem / ergeben. So entstand zunächst öuß^ tsäi^^ 8oy9^ mü9y fiiSj tsyy9 usw mit den gedenten Mitlautem üf i, y. Daraus haben sich die neustrass- burgischen Formen an, tsai, sai, söy, fei^ tsei (flektirt: (Ui^^ tsai9^ $ai9f söy9^ feüd^ tsei^) usw entwickelt. Die elsässischen i, u, y für alte g und j werden schon früh durch die Schreibung 6 für mitlautend i (Weinhold, alemannische Grammatik § 215) und u (Weinhold § 216), femer durch die Reime (zB erfrowen : ougen ; understrowen : eilenbogen) bezeugt. Von selbst yerstet es sich dass sie nicht nachträglich nach der zweiten Laut* Verschiebung aus Je hervorgegangen sind; g öffnete sich schon vor- her und wurde mit dem erweichten x gleichlautend. Dem jezigetf Mitlauter i mag ein j (tönendes p), dem jezigen u und y ein tö- nendes t«-haltiges os vorangegangen sein. Unsilbiges « für g neben hellen Vokalen finden wir auch im Niederdeutschen,^ Dänischen, Neugriechischen, Romanischen usw; mitlautendes u für g nach dunkeln Vokalen im Englischen und Dänischen (s. Grimm, Gr. P, S. 514; 561; 566). Ueber die Be- rürungen von unsilbigen u mit g vgl. Schleicher, Kompendium 1871, S. 321f; Gurtius, Etymologie 1869, S. 546; Diez, romanische Gramm. 1870, 1, S. 324 f ; Fr. Müller in Kuhns Beiträgen II, S. 498 f. Im Anlaute ist g ausnamslos zu Je verschoben in strengem Gegensaze zu den Jcg und Jca welche wie im Nhd für germanisches k eingetreten sind (jedoch vor Mitlautern hat das Elsässische die Affrikazion wieder eingebüsst so dass zB germanisch Jel-, Jcr* und gl-y gr* vollkommen übereinstimmen; so erscheint auch auf süd- fränkischem Gebiet vor Mitlautern p und nicht das im Anlaute ge- wönliche pJt für altes jp)^). Was der Elsässer für eine Media hält, 1) Man beachte di^ auffallende üebereinstimmung in der Art wie das germanische x und das hochdeutsche hinter germ. k eingedrungene x behandelt worden sind: 1) Im Inlaut vor Tönenden und im Auslaut sind beide x regelmässig geschwunden wenn sie kurz waren (kurz war das alte o; immer ausser in lachen, das neue nur hinter erhaltenem Je), aoo / t ist wie bei allen Oberdeutschen und wie bei den Obersacbsen und Thüringern nichts als eine reine, unaspirierte und unaffinzierte Tenuis one allen Stimmton und one Eelkopfreibegeräusch, für ein ge- übtes Or auffallend ydrschieden von den tönenden Medien des Niederdeutschen, Englischen, Französischen usw. Da die in den indogermanischen Sprachen mit B, D, 6 bezeichneten Laute ur- sprünglich tönende Schlusslaute waren und ser oft noch heute sind, und da ferner die Griechen und Römer unter dem Ausdruck mediae {fiioa) niemals stimmlose Laute verstanden und reine Te- nues stäts mit P, T, K bezeichneten, so ist es ein grober Mis- brauch in den Grammatiken der hd Mundarten von „Medien*^ zu sprechen. Niemals wird anlautendes altes g im Elsässischen zu unsil- bigem i wie zB im nhd jäh (eis. Äa); in üps(Gi^A), ilps^f (Gipser), Uli (Lilie) ist nicht deutsches g^ sondern' romanischer j-Lant zu i geworden. Anlautend ^ebt es kein erweichtes germanisches x, wenn man nicht etwa in dem auffallenden ti hräp (der Rabe) ein solches finden will. Beim Französischsprechen sezten die Elsässer stäts k für g^ wie auch jp, t, s, § für 5, d, /*, / und wie f für auslautendes v; dies thun Leute aus den untern Ständen noch heute, wärend die Gebildeten, wenigstens in den grössern Städten, sich zur Anname der fremden Laute bequemt haben sei es in Folge des Besuches von Schulen im innern Frankreich oder des Unterrichtes geborner „Welschen*. Saargemünd JFKräuter 2) Im Anlaute vor Selbstlautern ist das alte x zu h geworden und hat das neue x in dunkel m Bewusstsein wenigstens für ein h gegolten indem das Nhd nach Analogie der K = kx (oder fcf) alle P- und T- zu ph und th machte (vgl. Kuhns Zeitschrift XXI, S. 80 ff; Zeitschrift für deutsches Alterthum, n. F. IX, S. 263 f). 3) im Anlaut vor Mitlautern ist das alte x in allen hd Idiomen, das neue x in den Yolksnmndarten geschwunden (ausser in den Alpengegenden wo der Reibelaut geblieben, die davor stehende Tenuis abgefallen ist). Das Stadtbuch von Schaffhausen Schluss Vmb eügen die in dem Bat sitzent. Es ist och gesetzet swer in dem Rät sitzet vnd darinne be- griffen wirt ald an dem gericht begriffen wirt an den jeman sin warhait züget vmb dehain sach daz der R&t dem gezügen gebie- ten sol vnd mag als der Richter mag jm öch gebieten ald der 5 sin statt haltet ain b&s ald bi dem aide daz er im siner warhait gehelfE als* verre er es waisse ir sigi ainer oder me als dikke es ze schulden kvnt vnd sol den zügen nit schirmen ob er vs zagi daz er denn ze mal von gebottes wegen in dem Rät sftsse ald an dem gericht wer oder sin müst dar vmb daz der sächer nit gesumet 10 werde. Daz nieman karren hlöch stain vnd söUch dinge in der statt sol vmb werffen. Wir der vogt vnd die R&t ze Schafhusen siien vber ain komen vnd haben gesetzt dur g&tes frides willen swer in unser 15 Statt nachtes karren ald blöch. stain ald tisch bonk oder winfasse ald sölich ding vmb wirffet ald hin oder her zühet anders denn si st&Q oder ligen sont äne geuerde ald dehain sölich vnzuht tat daz der oder die dar vmb ze büße geben sont vnser statt als dikke er es t&t ieglicher j. lib. ^. 20 Wie man vs zielten sol ob man vns an griffet mit röb ald brande ald mit vangnüst vnd wie man den Bat darzu same- nen sol. Wir der vogt vnd die R&t ze Schafh. haben gesetzet were daz dehain angriffe besch&h vnser Statt mit röb mit brand mit 25 vangnüst ald mit dehainen sölichen dingen dar vmb sol man vn- uerzogenlich den großen Rät samenen es si bi tag ald bi nacht, vnd wenne xx oder me zu eaander koment sd sol man ain frag tun was man darzu tan sol vnd wes die ald der mertail vnder in darvmb vber ain koment das sol man ton. vnd wele denne zu dem 30 R&t nit kunt der git ze büße vnsrer statt, j. mark silbers als dik es beschiht er entslahe sich denne zu den hailigcn mit sinem ge- swornen aide den er dar vmb tun sol das in libes n6t geiert hab ald ehaftigü not äne geuerde. vnd sol man och in den Rät zu Bolichen Sachen Mten es si tag oder nacht vnd zu dem Mtenne 85 sont vnser kneht den großen rät samenen zu iren hüsern vnd sol man aber nit lAten vnser vogt ald der sin statt denne haltet Birllnger, Alemannia V 8 X4 ä02 haissint es denne vnd sont es Öch die ie haissen. Weren aber si nit hie ald woltint es nit haissen so sont es ainer von den edelen vnd ainer von der geraainde des Rates oder me an die es geuor- deret wirt haissen an den R4t lAten haissen. 5 Es sol och nieman vmb solichü ding ze stnrme lüten iae des Rates ald des mertails haissen. Es were denne ob fiir hie vf giengi ald vmb viiende in der Statt ald da vor &oe geuerde. Vmb vs eiehen das man ^n sol so man sin ie bedarf. Wir haben och gesetzet, swenne man hie vs ziehen sol ien- lOderthin es siien die burger alle gemainlich ald ain halbtail oder ain drittetail ald ain vierdetail ald wie man ainen solichen zog ie het vf den daz löz denne vallet er si rieh ald arme der sol mit namen varen. Wer das nit tat der sol xx % vns. phen. ze büße vnser statt geben. Mag er aber die büße nit hän sd sol er ewek- 1 5 lieh vnser statt vnd vnserü geriht miden vnd darin nit komen S das er die büße gerihtet. Were aber das ieman nit geuaren möht wie sich daz fogti es- were von siech tagen, von alter, von iugent oder phaffen ald nunnan. swenne denne der r4t ald die an die es ie gesetzet ist 20 ald der mertail vnder in ieman erlöbent ze belibenne ald ander für si ze sendenne oder phenning von in ze nemenne für die vart vnd an der statt nutz oder zerung die vart ze gebenne das mag er wol tan das er die büße nit verMret ir si ainer oder me als dik es ieman ze schulden kunt. 4ne geuerde. 25 Dis was etwenne geseteet vmb vsisiehen (auf einem angehef- teten Blatte). Wir der vogt vnd die R&t ze Schafhusen siien ainberlich vber ain komen vnd haben gesetzt dur frides vnd nutzes willen vnser gemainer statt. Swenne wir jendert hin vß ziehen sont Alle 30 gemainlich von der Statt ald halbü Statte oder ain viertail vff wen daz los ie vallet daz die die denne also vßziehen sont vnd die es getun mugent vs sont varen vff iren schaden vnd kosten vnd wer denn ie vnder zwain hundert Mark silbers wert het der der mag wol ze fuße gan ob er wil. wer aber zwai hundert Mark 35 Silbers wert het ald darob vntz an dr A hundert Mark der sol ze rosse varen vnd vßziehen ainig Ald mit ainem knecht ob er wil. Het aber ai- ner drühundert Mark silbers wert ald darob der sol ziehen mit ainem spiesse vnd mit ainem knecht ald mit me knechten wie vil er wil. Wele aber selber nit ziehen mag nach erkantnüst des Rates 40 ald der die man ie darzu setzet alder nit zühet nach ir vrlöb er si ze rosse ald ze ffiße ald er sie edel ald vnedel der ieglicher sol ainen an sin statt den zog h4n vnd senden der in der m&ße si als er ist vnd als er ziehen solti 4ne geuerde. Yff wele frowan och daz los ie vallet daz si ziehen solti ob 45 si ain man wäre es siien witwan oder nunnan ald wie si sint in der wtse als vor beschaiden ist der jeglichü du es t&n mag nach erkantnüst des Rates ald der die dar vber ie gesetzet sint die 203 frowan BÜen edel ald viiedell boI och ainen man an ir statt den zog senden in der m&ße als si ist vnd als ir hd,b an gut denn ist in aller der wise als daz von den mannen da vor gescbriben stät &ne generde. Vff welen phaffen och daz lös ie vallet in ynser statt daz er 5 ziehen solti es sie ainer oder me wil der selber nit varen so sol er da für geben an vnse^ gemainer statt schaden vogeuärlich so- yil als er denn verzarti die wile er die selben raise vsse wäre och in der mäße vod als sin häb an gut ist vnd als er varen solti ob er ain Laye were. 10 Wer aber dis als6 nit tut vnd haltet als vor gescbriben ist der sol vnser Statte ze büße geben so vil als sich der Rät ze Schaf h. ald der mertail des Rates darviub ie denne erkennet als dik es ze schulden kvnt. Datum et Actum Anno dm. Millesimo ccc^ Ixxviij. ferial5 sexta post vrbanj. * JDas man den hobtlüten gehorsam st. Wir haben öch gesetzet das alle vnser burger vnd die zu vns gehörent vnseren hobtlüten die wir ie erkiesent gehorsam sont sin vnd volgan sont. so man ie vs kvnt vnd das nieman für 20 vnser baner riten oder gän sol si ainer oder me äne der hobt- lüt die ie da sint ald des mSrtailes vnder in die da sint willen vnd haissen (zus. ald von der baner). Wer das brichet ir si lützel oder vU der ieglicher sol ze büße geben vuser statt fünfP Mark silbers. Wele aber die büße nit mag hän der sol in vnser 25 statt vnd in vnsertt geriht niemer komen ald wä man vmb ynser statt stür nimet noch zu den Mülinan in den nehsten zehenjaren 86 er es ie verschuldet, kvnt er aber darvber in den zehen jaren in die kraisse s6 sol man in vahen vnd haben vnz daz er die fünf Mark gerihtet ir si ainer oder me als dik es ze schulden kunt. 30 Swem Öch die hobtlüt die baner ie enphelhent ze fArenne ald ze tragenne der sol es tun ald er sol vnser statt ze bäße geben zwainzig Mark silbers als dik es ie beschiht. Wele vnser burger öch von vnsern burgern flühet ab dem velde ob si in not oder in sorg k&men ir si ainer oder me des 35 lib vnd g&t sol vnser statt veruallen sin äne gnäde. Hobtlftt Ixxxv^ Martini vnd darnach. Hm wilh. am stade joh. wiehser schriber von tengen N. fnÄweli. Vmb den schaden der vnser gemain statt an gat xüd an gan mag von vnser hurger wegen die GiMz von Vrah kvmhert vnd die 40 sin bürgen sint von dem von Tengen, Wir der vogt vnd die Rät ze Schafhusen siien vber ain komen vnd haben vns erkent in vnserm Rät vnd och ertailt von der sach wegen so Guntz von Vrah ze schaffen het mit vnsern bür- gern Egbrechten dem Roten Jacoben Brümsin vnd Johansen dem 45 Snetzer genannt vesenstöb die sin bürgen sint von dem von Ten- gen vnd von andern wegen ob dehainer vnser burger me sin Bürgen 204 von dem von Tengen sint. vnd kament des vber ain d6 vns du sacb erst kvnt ward getan Swas schaden wir vnd vnsrü gemain statt dk von haben oder gewinnen, es sie von gaistlichen ald welt- lichen gerichten oder von Bottschafb jendert hin ze senden Ald wie 5 sich der schad da von füget mit versprechenne mit Bannen mit &hten wir tAien es ald es beschehe vns daz den schaden die sel- ben vnser barger haben sont vns vnd vftser gemain statt den scha- den gentzlich abtun vnd ablegen sont wen du sacb vnser statt nichtes an gat. 10 Vnd won wir uns des nn lang erkennet haben, so siien wir nCi darvmb aber vber ain komen vnd haben vns erkennet vnd er- tailt vff den ayd daz wir dk bi süllen beliben vnd daz si vns allen vnsern schaden was wir von derselben sach wegen schaden ge- hebt haben Ald hienach gewinnen wie sich daz dehaines weges 15 füget abtfin vnd ablegen sont es siie von ahte won vns für, ko- men ist daz wir von derselben sach wege geähtet sigint ald von Bottschaft ze sendenne oder ze werbenne in der sach des wir vnd vnsrü gemainü statt darvmb notdürftig siien an gaistlichen oder an weltlichen gerichten ald wie der schad da von ie vff lö£Eet des 20 kämen wir nü aber vber ain. Wir haben öch geseftzt wä dehain burger abswiftig wil werden daz jeman in vnser statt gelten sol mag der kuntllch gemachen vor vns daz er sich abswifteklich stellet da mag in der dem er gelten sol Ald der hinder im stat wol haben mit lib oder mit 25 gut daz er in löse daz er nichtes da mit verschuldet mit des ge- richtes hotten oder süsse ald daß er im vergelte des er jeman in vnser Statt schuldig ist vnd sol der der in also hebt da mit nichtes verschulden. Datum et actum feria secunda ante Galli confess. Anno dm. 30Millesimo ccc Ixx octavo. j. (fol. XVII.) Vmb j. It ewiges vnd jerlichs geltes das ab der tagmesse hüs gieng das in der Hampelgassen lit^ das nü vff am ander hüs gelait ist» Es sol allermenglich wissen das vor vns in dem Rät mit 35 erbern lüten vnd mit geswornen aiden erzüget ist das Johans vnd Hainrich die nater gebrüder ain phvnt phening der müntz so ze Schafhüsen ie denne genge vnd gäbe ist Ewiges vnd jerlichs geltes das in das closter aller haihgen ze Schaf h. gieng ab dem hüs das ietzo der tagmesse phrunde in sant Johans Lütkilchen ze Schafh. 40 ist vnd das in der hampelgassen lit. ab dem selben hüs laitent won es ir was vff das hüs vnd hofstatt das ietzent Rudis des friien von trüllikon ist vnd an salm ans willer hüs Itt in der ham- pelgassen das Öch der nater was. vnd das der tagmesse hüs da mit geledeget wart von dem closter won du hüser baidü der selben 45gebrüder der nater warent. Bas nieman der statt ding vnd züge nemen sd. V7ir der vogt vnd die Rät ze Schafh. haben aimberlich vnd 205 ernstlich gesetzet dar vnser statt nutzes willen das niemaci es siien man oder fröwan geroainer statt ir stain. holtz. ziegel. kalch. phlaster sant ald dehain ander ding nemen sol Une der willen vnd haissen die ie vmb solich ding gewalt hant von vnser statt wegen vnd die dar vber gesetzet sint. Wer das brichet der git vnser statt 5 ze büße. j. % phening Schaf h. möntz. vnd sol darzu wider vmb bin legen vnd geben als vil als er denne genomen het, es si lützel oder vil als dik es bescfaiht. Datum Anno dm. M. ccc \xs9 in die beate Agnetis. Vmb das git das vnser vs hurger hie an legent von ir bürg- 10 rechte wegen das darvf nit Magen oder rihten sol. Es ist öch gesetzet swa dehaini vnser vs burger den wir ietzo haben ald hie nlich gewinnent ir si ainer oder rae das gut anlegent in vnser statt das si an legen sont von ir bnrgrehtes wegen vf hAser ald ander gut in vnserm gericht das darvf en- 15 hain vnser burger klagen sol oder mag vnd das man darvf nie- manne rihten sol vnd das das selbe gut dar vf also angelait ist der statt gemainlich sol warten das du statt dar vf vnder ir stüran vnd dienst vnd ander ding die er. der statt ie geben vnd tun sol es si ainer oder me. Es sol Öch enhain vnser vsburger20 das g&t dar vf er anlait verköffen ald versetzen ine des Rates willen vnd vrlöb ald des mertails vnder in. Actum anno dm. M^ ccc® Ixj^ feria qnta. post puri£ca- tionis beate virginis. Der vns vnser zolle entfltret " 25 Wir der vogt vnd die Rät haben Öch ernstlich gesetzet wer vns vnser zolle die wir vfgesetzet haben ald noch tunt entf&ret ald versait äne vnser zoller willen das der den zol zehenualt sol rih- ten w^ man in hie mag begriffen ald sin gut sin si lützel oder vil. Es si ainer oder m^ als dik es beschiht vnd sol man im 30 des nihtz Iclssen. Och sol man vnsem zollern geloben was si ie von der zolle wegen sagen t wie vil man in s51 bi dem zol vnd von in ie ent- fAret hab won si darvmb gesworen hant. Da frömd lüt erbe vffer vnser statt ziehent dae vns die sont 35 hdffen gelten. Wir der vogt vnd die RAt ze Schafhüsen haben ainberlich gesetzt was lantlüt gutes in vnser statt vnd gericht an vallet ze erbenne vnd daz hinuss von vns ziehen went es siien frowan oder man ald aines oder me daz vns die lantlüt von demselben gut 40 sont helffen gelten an vnser schuldan die wir denne sont so uil als sich daran gezühen mag von dem gut daz si von vns ziehent ftne geuärde vnd sol man jn daz gut anders hinvss nit lassen vol- gen als dik es ze schulden kunt vnd dartzu sol er die n&chsten stüre darnach geben vnser Statte. 45 Datum Anno dm. Millesimo ccc mo. Ixviij® feria qnta post festum beate verene virginis. 206 Wie man zu denen richten sol die in den Bäten sUzent M in der statt diefist ritent. Es ist ocb gesetzet wer in der Statte dienst gesent ist ald wer in dem großen Rät ie sitzet daz roan der enhainem ze hüs 5vnd ze hof die wil nit sol g&n vnd daz man och ir enhainem sinü geriht ab sol ertailen oder ab nemen. Aber die in den klainen R&ten sitzent die sont vrlöb nemen vnd sich versprechen ald der Rät sol dem Richter einbieten daz er sitze vntz daz der Rät gemainlich vfiP stät daz sich ainer mug 1 versprechen äne geuerde. Datum feria qnta post Georij Anno dm. Millesimo ccc^. hdx. Da ieman vs vnser statt in offen krieg wü. Wir der vogt vnd der Rät ze Schaf h. siien ainberlich vber- ain komen vnd babint gesetzet durch vnser statt nutz vnd frides 15 willen. Swä dehain vnser burger ald ieman der bi vns mit wo- nung ist der doch nit burger wer ir ste lützel oder vil ald si sigint Rieh oder arm ald edel oder nit In dehainem offenne kriege ist ald hie nach iemer in dehainen o£Eenen krieg wolte er wäre sin hoptman ald jemans helffer diener oder knecht daz der burger 20 daz burgrecht in vnser Statt vor hin vff sol geben ir sie ainer oder me Ynd daz och der burger ald swer bi vns wonet als vor beschaiden ist vor vnser m Rät ze den hailigen sont sweren daz si vß vnser statt vnd vnserm gericht riten oder gän sont ä daz sü jemanne dehain angriffe tügint vnd S daz die nächsten aht tag als 25 81 von vns varent vs koment vnd daz sü och niemer in vnser statt vnd in vnsrü gericht komen die wil der krieg da sü Inne sint nit berichtet ist. Es were denne daz darvnder jemer frid wurdin So mag ir ainer oder me wol in vnser Hstatt wandlen die wile die fride we- BOrent vnd wenne die frid vss gänt 86 sont die die in vnser statte denne wärint aber vs varen vnd nüt angriffen S daz die nächsten aht tag vsskoment nach dem so si vs. vnser Statte varent bi jren geswornen ayden als dik es jemer ze schulden kvnt. wenne si öch an jemanne dehain angriffe tunt es were ioch fride gemachet oder 35 nit sd sol er doch nit in vnser Statte vnd gericht komen bt sinem geswornen ayde e daz die nächsten aht tag dar nach vß koment. Wele aber der vorgeschribener dinge nit sweren wil es sie äiner oder me den sont die Rät darzu bringen daz er es tAge. Dis Ibeschach an sant Valentins tag Anno dm. Millesimo 40ccc Ixx. Oh jeman vehti von dero wegen die hie verderbet sint oder noch werdent (fol. XVIII.) Wir der vogt vnd der Rät ze Schafhus. siien vber ain komen vff den aid vnd habin gesetzet von aller der 45 wegen die wir von den liben getan vnd vertailt habint ald die wir ald vnser nachkomen die ie Räte sint von den liben t&nt vnd vertailent ir sie lützel oder vil ald man oder wip wä wir ie denne 207 bi enander sint wäre daz ieman ir wer lützel oder vil debaiD viient- . Bchaft oder geveht darvmb laiti an ynser gemain statt ^\d an de- bain vnser burger oder seidener ir w&re lützel oder vil Daz wir vnd alle vnser barger vnd Seidener vnd ynsrü gemain ist darvmb enander beraten vnd beholffen söllint sin vesteklich bi den ayden5 s6 wir vnser statte gesworn habint &ne widerred gegen allen den die vns debain viientschafb von sölichen Sachen jemer an gelegent als ferro wir mit üben vnd mit g&t erzügen mugent es siie in der statt ald d& vor vntz daz wir der selben viientschaft entla- den werden vnd sei vns' ald vnser dehainen besunder da vor 10 nihtes schirmen 86 jeman erdenken kan oder mag. vnd wer vns also vehet vnd des vberwunden wirdet als wir vns in dem großen BAt erkennent ald dem mertail vnder vns daz sin genug sig ir 8$e lützel oder vil die söllint wir von der weite tun w& wir sü ergri£fent ald erlangen mugent ze glicber wise als ob sü der weit 15 vnd dem Lande schädelich lüt sigint vnd och darvmb mit gericht vertailt sigint daz ma sü darvmb billich tdden solle. Vnd söllind darzu enander och beholffen sin bi den ayden so wir vnser statt geswörn habint daz es also voUefläret werde mit allem dem s6 wir erzügen mugen eine alle Widerrede vnd für- 20 zug. Dis beschach an der n&chsten Mittwochen vor sant Georyen tag Anno dm. Millesimo ccc Ixx^.* primo. Bai^ nieman hie körn heften sol. Wir der vogt vnd der Reit ze Schafhüsen siien vber ain komen vnd haben gesetzt dur gemainer statte nutz willen vnd daz 25 man dester baz hie kom vind vnd hab so man sin bedarff vnd daz herren vnd arm lüt ir körn dester gerner in vnser Statt füren vnd schütten, swas kornes in die statt br&ht wirt vff den Markt ze verkoffenne ald ze kästen ze schüttenne ald daz ie in kom hüsern oder in kästen lit daz das kom in vnser Statte vnd in vnserm 30 geriht nieman sol oder mag verbieten ald geheften weder Burger noch Lantlüt mit gericht ald äne gericht weder vmb gült noch vmb ander sach vnd haben menglichem sin körn als6 gefriiet dur gemainer statte vnd richer vnd armer Lüt ze Schafhüsen nutzes willen daz man dester me kornes in vnser statt bring vnd schütte. 35 Aber du rosse die daz körn ie tragent oder fürent mag ain bur- ger hie wol heften es siien man ald wip von gült wegen so daz kom ab in kvnt äne geuärd. Aber enhain roß sol nieman hef- ten daz dehainem vnserm burger ald burgerin zins ald rintmiet herbringet als daz von alter her komen ist. 40 Datum et actum Anno dm. Millesimo ccc^. Ix nono feria quinta ante festum Bartholomei apostoli. Da ain rede vff l6ffet zwüschent ewain das an e an rüret Wir der vogt vnd die R&t ze Schafhüsen siien vberainkomen vnd haben gesetzt vff den ayd an x mark Silbers ze büße. swa45 ain rede hie zwüschent zwain vff st4t wie es dar kunt von*bihte oder sust. daz ain e an rüret also daz ain man spricht, er sie 208 jung oder alt, ald ain fröw oder ain junkfröwe sprichet st haben etwas Samen gerett daz ain^ an rAret kunt daz von dewederm tail in klag wise für den r4t ald wirt es süsse ane klag von je- man für den R4t braht s6 sol der Rat des gute heften daz er in 5 dem gericht het es si man oder fröwe von des wegen du rede y£f- gestanden ist des ersten vmb die zehen Mark silbers ze b&ße. het aber ainer ald ainü nit gutes in dem gericht daz zehen Mark wert ist, so sol er oder si die x mark vertrusten mag er aber nit tros- tung hän s6 sol man in haben vmb die sachen daz man der büße lOgeweret werde vnd sol im der Rat ald der mertail des Rates ain zil nemen vnd geben als st denne vber ain koment daz der man ob es ain man ist ald du frowe ob es ain frowe ist oder ain junkfröwe vstrag mit dem rechten daz man es denn tun sol In dem zil. Ist denn daz der man ald du frowe we- 15 ders denne du ansprach het vnd dannan du rede komen ist daz ander behebt ze Costenz mir dem rechten so sol im sin gut wider ledig vnd entslagen sin vnd sol der büße vs gka. Behebt es aber daz ander nit so sol der statt du büße vnd. die x mark veruallen sin vnd sol man och denne sin gut daz er in dem gericht het an 20 griffen vmb die x Mark silbers daz st der statt werden. Het aber der man ald du frowe s6 vil gutz jn dem geriht nit, so sol der RUt daz selb das denn der büß veruallen ist bivangen vnd haben vntz daz du statt vmb die bfiße gewert vnd vßgericht wirdet Als dik es jemer ze schulden kvnt. 25 Datum anno dm. Millesimo ccc Ixxviij die Sabbati post cir- cumcisionem domin j. Da an getnain man erwellet wirt wie man den wisen sol daß er sich der sack an neme. Wir der vogt vnd der Rat ze Schäfhüsen habln gesetzt swa SOvnser burger mit enander stdssig sint ir siie ainer oder me, koment die aines gemainen mannes der vnser burger ist darvmb ' vber ain ald wirt In ain gemainer darvmb geben der och vnser burger ist S6 sol der R4t den gemainen bitten vnd wisen mit ge- bett ob er es süsse nit tun wil daz er sich der sach anneme ynd ir 35ainen vßtrag gebe vnd die selben vnser burger die stößig sint, von enander richti. Es were denn daz sich ieman der des Rates were des großen ald des klainen entslüge vnd saiti bi dem aide so er dem Rat gesworn hetti als ferro daz der R4t ald den mertail vnder in dvnktti daz er sin billich sölt vber werden. Ald daz 40 ainer der des Rlltes nit were ainen gelerten aid ze den balligen swüre daz er es als ferro verlobet vnd versworn hetti daz er es nit tun Rölt oder möcht vor sinen ^ren. Datum feria qrta post Ja- cobi Anno dm. Millesimo ccc Ix Tertio. (fol. XIX.) Dc^s die sont zu der Statt tägdingen gän die 4:^ von dem Räte dareu gegeben werdent. Wir der vogt vnd der R4t ze Schafh. siien überain komen vnd haben gesetzt. Swenne wir mit jemanne ze tägdingenne ald 209 ze schaffen habint daz unser gemain statte an gät swer denne von nnserm R4t ald dem inertail des R4tes darzu geben wirt, es siie ainer oder m^ daz ,der darzu sol gan vnd da bi sol beüben die wil man die sacb wandelet nach dem als es denn geschaffen ist vnd wer daz nit tut, es si ainer oder m^ der sol vnser statt ze 5 büße geben, j. üb. ^ schafh. raunte. Gebüt es aber der vogt vnd der Rftt ald der mertail vnder In furo die büße sol man och von im nemen vnd sol man och die bußan an vnser statt nemen als man ander fräuelinan nimet Es were denn daz er sich entslAge daz er es von ehaftiger not nit getan möcht als sich der Rat ald 10 der mertail des Rates vff den ayde erkandi daz sin genug were als dik es ze schulden kunt die wile der B4t ald der mertail des R&tes dis gesetzte nit abnimet ald verändert. Dis beschach an dem Dvnstag vor sant Katherinen tag Anno dm. Millesimo ccc Septuagesimo sexto. 15 Swem von dem Bat ichtes gehotten wirt ze gdn s^ wanthöwefi oder für ze schowen ald sölichü dinge ze tttnne. Wir haben och gesetzt swem der vogt vnd der r&t ald der mertail vnder in hie ichtes empfilhet zu wanthdwen ze gkn ald füre ze schowen ald was sölicher ding ist Tut er des nit, es si ainer 20 oder me der sol ze büße geben vnser statt s6 uil als der R&t * ald der mertail ie darvff setzet nach dem als du sach denn geschaf- fen ist er entslah sich denne als sich der Rdt ald der mertail vnder in erkennet daz er es nit tun solle oder mug als dik es beschiht. 25 Geben an aller hailigen abende Anno dm. Millesimo ccc octua- gesimo vnd sol man dis bußan nemen als freuelinan. Vwb die die zu den wanthöwen vnd füre schowen gant daz man An sol toaz die haissent. Wir der vogt vnd die R&t ze Schaf hüs. habe gesetzt durSO gutes frides willen swa dehain vnser burger st6ßig sint vmb want- h6we oder vnder genge in vnser Statt vnd gerichten die sont ir 8t5sse, bringen für die die ie darüber gesetzet sint von unserm Rat vnd s6 es die gesehent wes si sich denn ald der mertail vn- der in darumb erkennent das sont die st&t hän die sajnent std-35 ßig sipt als dik es beschiht wedre tail des nit tut der sol vnser statt ze büße geben, j. lib. ^ schaff h. müntz jeglichs tages als manigen tag er daz über sitzet es sigin man bder frowan als vil jr denne ist. Swas och die die du füre schöwent ald sölich dinge tunt40 von vnsers Rates wegen vnd daz gebütent ze tünne an ain b&ße die büße sol man och nemen an vnser gemain Statte als si es ie gebütent. Geben an dem fritag nach sant Verenen tag Anno dm. Millesimo ccc octuagesiroo. 45 Es ist och gesetzt wer Garten vnd ander ligent g&t an dem andern ligend h4t die man verzünen sol daz. dk jetwedere tail den 210 kosten halb sol tragen vnd jederroan dem andern straußhalb vnd zwüscbent den garten In gemainer kost sol helffen frid beren vnd verzünen mit stekken vnd Gerten aoe geuärde als ie deiine n6t- dürfftig ist. datniii et actum feria qnta post fostum beate agn&- 5 tis virginis. Anno dm. Millesimo Trecentesimo nonagesimo secondo. Vmb des SpUdles phlegnüst wer sin phlegen soL Von des stdßes wegen s6 die R&t vnd bnrger ainhalb vnd die Schultbaissen ze Scbafhüsen anderthalb wider enander hattent von der phlegnüst wegen des Spitals ze Schafh. Sol man wißen 10 daß wir baidenthalb darvmb k4ment vfiP herre albrechten von Bfichain der ze den ziten Landuogt vnd höptman was vnser her- schaft von Oesterrich alsd was er vns darvmb hiessi vnd vßpr&ehe nach baider tail red vnd antwnrt daz wir daz st&t soltint h&n vnd daz also eweklich solti beliben Vnd darüber het er vs ge- 15 sprechen nach baider tail rede daz der Schul thaiß ze Scbafhüsen ainer vnd zwSn vnser bnrger ze Scbafhüsen die die B&t daselbes darzu ie gebent vnd erkiesent dos Spit&ls ze Schafhüsen hinnan hin Eweklich phlegen sont vnd sin phleger sont sin in der statt vnd da vor an allen dingen von unser gemainer Statt wegen wön 20 er Öch gemainer Statt an h5ret vnd armen lüten gestiftet ist vnd sol man öch die phleger järlichs änderren vff die Liehtmisse &ne geu&rde. Wer ainen Nächrichter sol haben sÖ man Ski ie hedarff in ' unser Statte. 25 Als Öch Stöße wÄrent zwischent vns den Schulth. ain halb vnd den R&ten vnd den Bürgern ze Schafhüsen anderthalb von ains nÄchrichters oder henkers wegen so man des ie bedörffti wer dem lönen ald in verkosten solti der stösse k&men wir Öch bai- denthalb vff den vorgenanten von B&chain den Lantvogt also was 30 er darvmb hiessi ald vs fpräche das daz Eweklich solti beliben da sol man och wissen daz er darvmb vsgesprochen vnd gehaissen het n4ch baider tail rede vnd nach kuntschaffb die er in nam daz die Schultbaissen den henker sont besenden vnd haben hinnan hin Eweklich so man sin zi dehainen sachen ie bedarff Lüt ze keste- 35genne oder ze verderbenne äne gemainer Statt ze Schafhüsen schaden vnd sol man Inen aber järlichs ze stür geben von^ unser gemainer statte vff Sant Oallentag eweklich zw^n Guldin vnd an- ders nit 4ne geu&rde. Dls beschach an dem n&chsten fritag nach mittem ögsten 40 Ann dm. Millesimo ccc 1x9, octauo, (fol. XX.) Wie sich des Spitals phleger in dem Bdt hat- ten sont* Wir der vogt vnd der Rd,t ze Schafhüsen habin vns ainber- lieh erkennet daz die phleger des SpitÄles ze Schafh. wele ie denn 45 sin phleger sint nit ertailen sont in dem R&t so man da rechtet vmb chain sach die den Spit&l an rüret. Aber si mugen wol in dem R&t sitzen daz si nit vß sont g&n sd man vmb die sach fr&get 211 vnd eriailen 8o1. si sont aber ewigen vnd sont darzfi nit reden als dik es beschiebt. Vmh der Micken ze sant Johans pMeger. Wir haben vns och erkennet daz die phleger d^r kilchen ze sant Johans ze Schaf husen wele ie denn phleger sint nit ertailen5 sont in dem Rät so man da rechtet vmb dehain sach die die sel- ben kilchen an rAret. Aber si mugent wol in dem Rat sitzen daz 81 nit vß sont g4n 86 man vmb die sach fraget vnd ertailen sol. si sont aber swigen vnd sont darzä nit reden als dik es be- schiebt. 10 Vmb du fundeUi die der Spital zühet. Wir der vogt vnd der Rät ze Schafhüsen habin ainberlich gesetzet swas kint in den Spitftl koment ald dar In gelait werdent du der Spital erzühet In dem hüs oder an amman von kint wesenne vfif daz du selben^ kint es siien knaben ald tohtran des Spitals ze 1 5 Schaf h. sont sin vnd dem Spital vndert&nig vnd dienstb&re sont sin mit allen dingen als ander sin aigen lüte. Es were denn daz de- hain herre derselben kint dehaines jemer besatzti vnd es behAbe mit dem rechten daz es sin wer. der herre wer der ist sol öch dem Spitftl einen schaden abtun den er mit dent kint gehebt hett In 20 der mäße als der Rät ze Schaf hus. ald den mertaile des Rates he- schaidenlich danket vnd wenn daz beschiht s6 mag der herre daz kint hin ziehen ob er wil vnd anders nit äne generde als dik* es jemer beschiht.. Bis ist darvmb beschehen daz man jn dem Spi- tal dest gerner armü vnd fundeni kint jn neme vnd ziehe. Dis25 besch. an sant Johans abende ze Sungichten Anno dm. Millesimo ccc quadragesimo Tertio. Wie ainer sin toip ald ^mu hmt betiogien mag. Wir der vogt vnd die R&t ze Schafhüsen habin gesetzt daz ain ieglich burger ze Schaf husen sin wip ald slnü kint wol be-BO uogten mag Alsd daz si nach einem tot ir vogt siien wer aber daz der frowen man ald der kint vatter hie nit wer an geuerde ald ob er ain ähter were so mag der vogt wol bi in stän ob si sin ie bedurffent Ist aber der man oder der kint vatter denn hie (nit) ald ist nit in ähte so eol er bi sinem wip ald bi sinen kinden35 stän s6 es in notdürftig ist vnd enhain vogt. wurde aber ain vogt bi in stänt der sol nit ertailen in der sach so daz wip ald dA kint an gät als dik es ze schulden kunt. Ist öch ieman vor diser gesetzt benogtet daz sol och sin vnd beliben als an dieser gesetzte geschriben ist. Dis beschach40 an dem dvnstag nach sant Andres tag Anno dm. Millesimo ccc Ixxviij. Wie man den lüten ze hüs vnd ze hof sol gern vmb gült vnd phand ze geben. Wir der vogt vnd der Rät ze Schafhüsen sigint vber ain- 45 komen vnd habin gesetzt Swem als ferre vsgeclegt wirdet mit dem rechten in vnsren gerichten daz man im ze hüs vnd ze 212 hof Rol gan es siien man oder frowan lützell oder vil So sol der Richter ald wer es denne tun sol in des hüs gan dem also yßge- degt ist ynd sol dem phant geben der da geklegt hett wer der ist burger oder gast daz er yßgerichtet werde mit varenden pban- 5 den vindet man aber so yil varender pbande nit , so mag er Im phant ^eben nach phandes recht also ob im denn abgienge daz man im aber me phande darn&ch geb daz er geweret werde. Aber der Richter sol im enhain ligend gut ze phant geben weder hüs ald ander ligent gut er vinde denne varender phande nit daz ,10 er gewert mug werden wider des klegers willen, wäre aber daz jeman dem man ze hüs ald ze hof sol gkn sfn hüs oder Gädemer beschlusse vnd si nit vff wolti tun vnd phant l&ssen suchen, so mag im der Richter du türan vff stoßen vnd dem kleger phant geben daz er nichtes verschuldet vnd sol inne och daz nieman 15weren darumb daz den klegern ir notdurfil vollegan mug als Inen denn ertailt ist. Dis beschach an dem dvnstag nach vßg&nder osterwochen Anno dm. Millesimo cco Septuagesimo nono. Was phant Öch ainem kleger geben werdent von gerihtes 20 wegen die sol der kleger dannan nemen wenne er wil s6 er sü haltet als reht ze Schafh. ist, wer im das werret der git ze büße der statt ieglichs tages j, lib. ^ als mangen tag dem kleger du phaojb vor werdent gehebt, ob im phant von dem rihter geben werdent. 25 Wie ain Gast sol vertrusten ainem burger ain recht £e hat- tenne der ain hurger beklaget. Wir der vogt vnd die R&t ze Schafh. habind och gesetzet swa ain Lantman ainen burger beklaget vor dem Rat ald vor ge- rieht ze Schäfhüsen Ist denn daz der burger es siie man ald BOfrÖwe vorderet daz im der lantman oder lantfröwe ain recht widervmb och halte sd er den' burger vßgeklaget, 86 sol im der Gaste vertrösten als sich daz gericht ald der R4t oder der mSr- tail erkennet was im der burger an behab mit den rechten daz im daz der Lantman vßricht vnd daz er im Öch daz recht also 35 halt als dik es ze schulden kvnt es sigin fröwan oder man. Geben an dem dvnstag nach Sungichten Anno dm. Millesimo ccc Ixx nono. Wie man phaffen hie ze hüs vnd ze hof sol gan. Es ist Öch gesetzet daz man allen phaffen die in vnserm ge* 40 rieht sitzent ze hüs vnd ze hof sol richten vnd gan vmb alle Sachen als andren vnsern burgern vnd laijen wön man jnen och also richtet Aber nnsrü klöster sont hier vnder beliben als si untz her mit sölichen dingen komen sint gäntzlich. Datum feria qnta post octauam pasce Anno dm. Millesimo 45 ccc Ixx secundo. (fol. XXI.) Wie du Gant besetzet ist. Wir der vogt vnd die Rät ze Schafhüsen siien vber ain- komen vnd haben gesetzet ainberlicb. Swas pband vff die Gant koment vnd du gerüffet vnd vergantet werdent vntz vff den drit- ten tag es siien ligendü ald varendi phande gr6ß oder klain wie si genant sint daz Wir der vogt vnd der Rat ze Schaf h. haben gesetzet swer von dehainen lantgerihten anlaiti nimt vf dehaines vnsers burgers gut das er in nutz vnd in gewer her braht het vnd gehebt das wir dem die anlaiti sont helfen versprechen vnd im darzu behol- fen sont sin ze dem rehten mit vnser botschaft vf unser gemainerSO statt schaden als dik es ze schulden kvnt. won es vnser friiehait an gät. Datum crastino andree anno dm. M^. ccc Ixxviij. Das nieman hie sol bitten ee wihennechten an des jngenden järes vnd ewelften äbenden. 35 Wir der vogt vnd die R&t ze Schafh. haben gesetzet dur gutes frides willen, das nieman sol bitten in vnser statt vnd in vn- sern gerihten ze Schafh. an des ingenden järes abent ald an dem z weiften abend ald an andern tagen als man in den ziten da her gets^n het dur dehain geuerde mit singenne oder süsse vnd sol 40 das menglich miden das man dehain geuerde darvnder triben sol vnd wer das brichet der sol vnser statt ze büße geben j. 'S phen- ning vnser müntz als es beschiht. Wer öch iemanne ihtes darvber also git der sol öch dieselben büße geben als dik es beschiht. Aber arme lüt die das almäsen bittent äne geuerde ald der 45 in almusen git äne geuerde die verlüret nit die büße. Bixlinger, Alemannia V 3 15 218 Was man ainem kinde in binden sol der es hebet. Wir der vogt vnd der Ravt haben öch gesetzet. Swer ain kint in Vnser statt vnd geriht vsser töffe hebet frow oder man rieh oder arme das der nit me in binden sol denne zwen schil- 51ing vnser müntz oder phening als dik es beschiht. Aid wider senden. Es sol öch ze vvihennechten nieman dem andern senden de- hainerlaie ding, ald widersenden, von dehainer geuatterschaft wegen vnd wer diser vorgeschribnen ding dehaines brichet der git j. ^ 10 vnser phenning ze bäße als dik es beschiht. Aber phaffen vnd münich mugent wol in binden ald senden wie vil si went das si nihtes verlürent. Geben an sant agnesen tag Anno dm. M®. ccc. Ixxxv^. Dd man garten ald anders gntes bedarf zvl wegen ald grä- Ibben oder müran ald s^ solichen sacken. Wir der vogt vnd der Ravt ze Schaf h. haben aimberlich ge- setzet dur unser Statt nutzes oder .nötdurft willen Swä man de- haines vnsers bargers ald burgerinen garten ald anders gutes be- darf zu vnseren graben ald müian oder hAser cild wegen ze buw- 20enne das sol man darzu nemen vnd sol aber derKavt ie vier vsser dem Rat darzu geben' vnd wes sich die vier ald der mertail vn- der in erkennent das man darvmb geben sol oder tun es siien man ald fröwan das sol man im darvmb von gemainer statt geben vnd sol in des öch benftgen. Wurdint aber die vier darvöder ge- 25 lieh getailt so sol vnser vogt ald wer sin statt denne haltet ge- main man sin in der sach vnd weies denne das raSr vnder in wirt das sol fürgang hän als dik es ze schulden kunt. Geben an mantag nach agnesen tag anno dm. M. ccc. Ixxx" (zus. best&t vf Mitwochen nach vrbanj anno md xliij). 30 Das man nieman tages beschütten sol. Es ist Öch gesetzet Swer iemanne vsser ainem hds tages beschüttet es tAien man ald fröwan kneht oder JunkfrÖwan ze * baien ald ze laden oder ze venstern vs der git x Schilling vnser phening ze büße vnser statt als dik es beschiht. 35 Geben an dem nehsteu tag nach dem jngenden jar anno dm. M^ ccc Ixxxj. Vwib rebhüner vnd vögel wie man die vail sol hän.^ Es ist öch gesetzet swer hie rebhAnr ald stainhAner ald YOgel vail hat vnd sunderlich mertzeler der sol si entwalden aber 40rekkolter vögeln sol er die magen wider in stössen vnd sol die vogel alle nit lenger vail hän denne driie tag ungeuavrlich vnd wer das brichet der sol. v. Schill, vnser phening ze bftße geben vnser statt als dik es beschiht. Geben ze dem jngenden jär Anno dm. M. ccc. lxxxj<>. 45 Von der wegen man vngesungen mhß sin. Vogt vnd Rät ze Schaffhusen syen vberkomen vnd habn vns ainheileklich erkendt vff vnser ayd durch vnser statt nutz vnd fro- 219 men vnd besunder darumb daz nv hinnenthin gotzdienst dester minder nider gelait werd daz nu fürbas ain ieglicher vnser burger oder burgeiin ald bysäß oder lantman ainer oder mö die als verre gebannet werdent daz man von ir wegen sölt oder mAst vnge- sungen sin. Dieselben personen sollen wir für vns besenden ir sy 5 aine oder mS die sollend denn swem gelert aid zu gott vnd den hailigen vsser vnser statt vnd geriht vnd oqb für daz kilckspel ze gand vnd darin nit me ze komen als lang vnd vntz v£P die zit daz si sich von den bannen gentzlich* gelediget haben. Weiher aber dis nit hielte oder sich da wider satzte vnd dez nit sweren 10 weit der sol denn von der vngehorsame wegen zehen phund phe- - ning vnser müntz zu rebter p6n veruallen sin^n gnad vnd sol man ouch die denn von ainem ieglichen nemen als ander fräflinen als dik daz ze schulden kompt. Actum quinta post BartholomSi Anno IC. ccccvj<^. 15 (fol. XXIV.) Was man für ligent äld varende gut verstüren sol das phant ist Won sol wissen, swer phant hie het du verdienet sint ald hie nach verdienet werdent ald der ligent gut verphent het ald noch verphendet vff widerköfF das man lösen mag ald wider- 20 köffen mag der sol es verstüren für varent gut. Wer aber sinem wibe ald sinen kinden ligent gut das leben ist ze phande setzet ald gesetzet het von den leben herren dannan si leben sint« darvmb das es den herren nit verualle der sol es verstüren für ligent gut. Was öch ieman sinen kinden ligentz25 gätes versetzet ze hainstür das sol man öch für ligent gut ver- stüren. Was Öch ieman phande erbet ald geerbet het vf ligenden gütern das sinen vorderen ze phande ist versetzet ald noch ieman versetzet wirt. der sol es sturen für ligent gut. Dis beschach an dem fritag nach sant Valentins tag Anno dm. M. ccc. Ixxxj. 30 Wie lang zins vf gutem eins sol sin vnd denne güU sol sin. Wir der vogt vnd der Ravt siien vber ain komen vnd haben vns erkent von zins wegen die ie stänt vf gütern das ain ieg- licher vf sinem gut wol mag behaben driie zins von drin jären vnd wenne es vber driie zins gestät daz es denne gült sol sin 35 dannanhin vud lögent denne der der den zins sol gelten so sol in der herre dem der zins sol des gutes wisen ald aber des gülten reht nemen das er im furo ' söl. Geben an sant Gerdrut tag Anno dm. M. ccc. Ixxxj. Vmh Ion das ain phunt phening dtd darvnder triffet. 40 Wir haben vns och erkennet vnd gesetzet vmb Ion das ain phunt vnser phenninge ald darunder ist vnd nit darob den lön mag ain ieglicher wol behaben inrent drin nehsten javren so der Ion verdienet wirt. Gestüt es aber vber drü j4r, so sol der kle- ger den wisen der den lön sol das er im schuldig si als recht ist 45 ald der kleger mag wol des widersachen reht nemen das er im nät da bi schuldig si denne er im vergibt. 1 220 Geben am M&ntag vor dem palmetag Anno dm. M. ccc. Ixxxj. Wie lang ainer aigen gut ald leken inne sol hän das er sin genieffen sol. 5 Wir der yogt vnd der Ravt ze Schaf h. haben gesetzet ynd VDS erkennet aimberlich Swä dehain vnser burger ald der zä yns geh&ret man oder fröwan dekain aigen gut inne het in nutz vnd in gewer 8w4 es gelegen ist drü jär vnd sebs wocben vnd driie tag oder me das es nieman verspricbet als reht ist vnd mit dem lOrehten das der der gewer billich sol geniessen vnd das man in da bi sol schirmen. Wer öch dehain gut inne het das leben ist in nutz vnd in gewer vnuersprochen als reht ist. ain jar vnd isehs wochan vnd driie tag oder m^ der sol öch der gewer geniessen vnd mag öch 15wol für sin leben sf4n. Wer öch daz ieman der zu sölichen gfttern si wären aigen oder leben ansprach hetti iorent landes nit were alder als siech oder als iung were das er es nit kundi alder möbti versprechen dem sol sin reht dartzu bebalten sin äne geuerde. 20 Wer Öch dehain gut iemanne hie vertaget der sol sin wer sin des der es köffet drü jar vnd sebs wochan vnd driie tag vnd sol im damit genug getan hän. Dis beschah an sant Agnesen tag Anno dm. M^ ccc. Ixxxiij. Von tlif fntders wegen. 25 Es ist Öch gesetzet von ftlif sniders wegen von wil vn- zübten die er bi vns getan het vnd der man taglis von im war- tende ist. swer dehain freueli an im tut gros oder klain mag der erzügen das es üli anbraht bah das der nihtes darvmb sol besserren es si ainer oder md als dik es beschibt. 80 Wä aber Ali dehain vnzuht ald freueli an ieman hie tut das sol er besseren darnach du freueli ist als ander lüt wie es iocb dar kunt. Dis beschah an vnser fröwen abent in dem Ögsten Anno dm. M. ccc. Ixxvij. 35 Vmb hainin koch, den Schuhmacher haben wir och gesetzet ze gelicher wise als vnib ülin snider da vor geschriben ist von vil vnzuht wegen 86 er in vnser statt an vil lüten getan het vnd das man öch t&glichs von im wartent ist denne s6 verre das man wol mag erzügen ob er iemanne ihtes t&t. mit ainem man ald 40 mit ainer fröwen ob man iocb nit m6 zügnüst über in hetti das er es an ieman br&bti. Geben an mäntag vor sant Gre- gorien tag Anno dm. M. ccc. Ixxxv®. (fol. XXV.) Das enhain vnser burger vmb vnser stüran wer- ben sol. 45 Es ist öch gesetzet wele burger ze Schaf h. ald wer mit wonung bi uns ist ainer oder mS an vnser berschaft wirbet vmb stüran als6 das in vnser herren an vns stössin vmb vnser stüran '221 der 8ol ieglicher vnser statt ze büße geben zehen mark BÜbers vnd darzu sol man im doch die stür bi nüt geben als dik es iemer ze schulden kunt. Actum Anno dm. M. ccc. xliij. Bas nieman ze Schaf h, werben sol das man in hie dneb stür lasse sitzen des wir öch ain brief hant von vnserm herren von Oesterrich der brief lit in der statt kisfen vnd stät also. Wir LApolt von Gottes gnslden herzog ze Oesterrich ze Styr ze kernden vnd ze krain Graf ze Tyrol etc. tfint kunt für vns vnd vnser Erben das für uns kamen die erbern vnd willen unser 10 lieben getriwen die Burger gemainlich ze Schaf hüsen vnd gavbent uns ze erkenne mit guter kuntlicher underwisung wie si ainen fryhait brief pfehebt hettent vf die mainung. Wer in ir egenan* ten statt vnd gerihten sessehaft v/ere vnd darnach würbe das er da selbes frye vnd äne st Are sitzen sölte das der 1 5 dem Ravt der ^genanten Statt veruallen were ainer pene zehen mark silbers vnd der selb brief in mit andern briefen ver* brunnen were vnd bäten t vns das wir in die selben fryhait wider geruchtin ze vernüwenne vnd vnsern brief darvmb ze ge- benne. haben wir angesehen die grossen vnd steten trüwe s6 8i20 alle zit zu uns habent. vnd haben in vnd ir egenanten Statt ze Schaf h. die selben fryhait von besunderen gnaden widergegeben vernüwet vnd bestätet, vernAwen vnd bestäten Öch wissentlich in sölicher mäße das si die nü fürbasser in der vorgenanten ir statt haben Süllen in der wise als vor geschriben stavt. Doch vfgenommen wer das 25 schulthaissen ampt da selbes von unsern wegen inne hat das der belibe als daz von alter her komen ist avne geuerde. Mit vrkvnd dis briefes versigelt mit vnserm Insigel. Geben ze Brugg in Er- g6w am donstag vor dem palmetag Nah cristi gebürt drüzehen- hundert j&r damah in dem fünf vnd ahtzigosten javre. 30 Vmb lüt die hie sitzent vnd nit burger sint wie die stü" ren sont. Wir der vogt vnd der Rat ze Schafh. haben gesetzet Swer in vnser* Statt vnd in vnsern gerihten sitzet der nit vnser burger ist das der alles das gut das er het in vnseren gerihten ald an- 35 derswä vf dem lande verstüren sol in aller der wise als ob er vnser burger were vnd als ander vnser burger ir gflt hie yerstü- rent. Were aber das er von uns zug es si man ald frow was er denne gutes in dem geriht hie het das sol er verstüren in der mäz als ander burger ir gut hie verstürent avne geuerde das in 40 dem geriht lit oder ist. Das man allewegent zwen rdger hie sol hän. Es ist Öch gesetzet das man zwSn rüger sol hän vber allü ding die sont ze d@n hailigen swerren. was si für kunt das unser statt schedelich ist das sont si für vnsern Ravt bringen vnd manen 45 vntz daz es ze ende braht wirt mit frag avne geuerde vnd sol man öch die rAger änderren wenne man ainen ravt setzet. Wele aber 222 nit rAger wolti sin der sol der Statt x mark silbers ze büße geben als dik er sich des werret ane geuerde ob es im gebotten wirt. VDd was far den Ravt als6 brstht wirt dem sol der Ravt ain eude gehen bi dem aide ane alle geuerde. Dis beschah am fritag nach 5 sant Jacobs tag Anno dm. Mo. ccc. xlv. Ymb das Rtgen me ÄicÄ die Rdger nü hinnenthin halten send. Vogt vnd R&t bahn vns ainhelleclich erkendt vf vnser ayde durch gutz frids willen daz vnser RAger nv hinnenthin wer die sind by iren aiden dehäin sach färbringen noch rügen sond die lOyemanne sinen lib 6re oder gut anrAr in dehain wis es sy denn das 81 von fromen gelöbwirdigen lAten ainen grund ergriffent der an der wärhait bestand So mugend si es denn wol fürbringen vnd ^ rAgen Dez gelich mugend si ouch tun ob ain fromer man sölich sach fürbrächt vnd spr&ch er weit dez wer sin wÄ aber sich daz 15 denn nit erfund S6 sol man denselben fürbringer straffen an lib vnd an gfit Actum qnta post Jacobj Anno IC. cccc quarto. Presentes fuerunt xxxiiij in consilio et procul (?) fuerunt proditores Thüriog et Lingg. Daz nieman hie mit kainem gewäge wegen sol es sie denn 20 vor gevächtet vnd gezaichent vnd Win ald dehain sölich ding hi kainem geschiere gehen sol es si öch denn vor gevächt vnd gezaiche- net als hienach geschriben ist. Wir der vogt vnd der Ravt ze Schaf hüsen siien ainberlich vberainkomen vnd haben gesetzt dur vnser Statte vnd menglichs 25 nutz vnd n6tdürft willen daz nieman ze Schaf hüsen mit dekainer band gewicht es sie grds oder klain nü hinnanhin sol wegen vs alder in ze enpfahenne ald ze gebenne es- siien kram er Metzger weher Sailer ald wie si genant sint die wägan vnd gewäge ie brüchent es siien man alder frowan du gew&ge siien denn vor von 30 den die darüber von unser Statte ie gesetzet sint gevächtet vnd gezaichent mit vnser Statt zaichen die es öch allewegent damit zaichenen sont. Es sol öch nieman mit dekainerlay stain dehain gut hie vs ald in wegen ald enpfahen oder vßgeben wön man staih nit ge- 35 zaichenen mag als ander gewäge von ynsen ald von Bly. Eis sol Öch menglich die ze Schaf hüsen ie denne sint sin gew&ge vächten zwürent In dem Javre. ainest ze Sungichten vnd ainest ze wihenn ächten vnd sol och nieman bi dem gewäge wegen e daz es ie gevächtet wirt. 40 Es ist öch gesetzt vmb die mäßan vnd sölich geschierre da- mit man hie win vnd söliche dinge schenkt vnd vs oder in git daz lAan daz geschierre, es siien mäßan oder köpf ald sölich ge- schierre och allewegent vächten sol zwürent in dem Javre ainest ze Sungichten vnd ainest ze wihennächten vnd daz man bi enhai- 45 nem sölichem geschierre schenken sol, es sie denn vor als6 geväch- tet von denen den es ie enpfolhen ist von vnserm Ravt. Vnd swer diser vorgeschribenen dinge oder stukke dehaines 223 tibervert vnd brich et, es siien man (fol. XXVI) ald fröwan^der sol vnser Statt ze büße geben s6 vil als sich derKavt ze Schaf hüsen ald der mertail des Ravtes ie erkennent vnd darvmb ertailt vf den ayde nach gelegenhait der sach als es ie denne für den Ravt kö- rnet vnd briicht wirt vnd sol öch nieman dekainen schirme da vor 5 haben -als dik es iemer ze schulden kvnt. Datum et actum Sabbatho ante Georij Anno dm. Millesimo ccc. octnagesimo qnto. Vmb die fr&nwavge. Wir der vogt vnd die R&t ze Schaf h. siien vber ain komen 1 mit guter vorbetrahtung vnd haben gesetzet von der frönw&g we- gen ze Schaf hüsen du ietzent ist hr. Johans des Schulth. ze Schaf- hüsen Ritters vnd vroun Margaretha siner elichen hüf frowen vnd ir erben das wir vnd aller menglich der an der selben frdnwavg wegen sol nah dem vspruch den der edel herre herr walther von der 15 alten Clingen ze den ziten lantvogt vnsers gnedigen herren herzog LAtpöltes von Oesterrich darvmb get&n het als sin brief -wiset. des brieues ab geschrift hie nah in disem buch ist verschriben das wir d4 bi sülen belSben als der vspruch brief sait. Wer aber das vberuert vnd nit wiget vnd tat als der brief 20 sait es siien man ald fröwan ane des willen vnd vrlöb der ie denne die frönwäg het vnd des vberzuget wirt ald dH für nit stavt mit sinem aide als ertailt wirt ob er darumb beklegt wirt der sol ze büße geben vnd veruallen sin ze gebenue sehs Schil- ling phenning SchafiPhüser müntz vnd sol du büße werden vnd 25 Valien dem vogt der ie denne vnser vogt ist halbü. vnd vnser ge- mainer statt öch halbü als dik es ze schulden kvnt. Datum et actum Anno dm. Mo. ccc^. Ixxx pmo. Der vfpruch brief vmb die frdnwavg. Ich Walther von der alten Clingen ain friier herre lantagt30 des durlühtigen hohgebornen fursten mines gnädigen herren Her- zog Lüpoltes von Osterrich in sinen landen ze Turg5 ze Ergo vnd vff dem Swarzwalde tän kvnt allermenglichem mit disem brief Von der Stftße vnd miffehellung wegen sd gewesen sint zwüschent dem fromen vnd vesten Ritter herr Hansen dem Schulthai Cfen 35 von Schaf hüsen vnd vrd Margarethen. Gelfritz tohter siner elichen Wirtinnen an ainem tail Vnd den lüten gemainlich ze Schafhüsen die bi frönwavg wegen t an dem andern tail das si da baidenthalb für mich vnd mines herren R&t die hie nah geschriben stänt komen sint Vnd nah ir baider tail rede Widerrede brieuen vnd 40 kuntschaft so si für vns braht hant da haben wir vns ainhellek- lich erkennet vnd sprechen vs bi den trüwen sd wir vnser her- schaft schuldig vnd gebunden sint daa der obgenant herr Johans der Schulth. ftin elichü wirtinne vnd alle sin erben bi sinem brief den er havt von dem örwirdigen herren dem abt. von den Closter 45 herren vnd von dem Gotzhüs ze Schafh. vmb dieselben frönwavge ze Schafh. beliben sol vnd das nieman wegen sol denne an siner 224 wäge vnd sol man im öch von ainem vierdung das ist fdnf vnd zwaintzig phunt ze wegenne geben ainen phenning Schafhus. iDüntz vnd dannanthin vntz an ainen zentener öch nande den selben pbening der selben müntz vnd wenne ainer vber ainen zen- 5tener wegen wil vnder ainem vierdung der mag wegen anderswa w& er wil vntz an ainen vierdung. Wil er aber bi im wegen (foL XXVII.) so sol er im geben ain phenning. aber vntz an ainen cente- ner vnd als mangen zentener ainer weget als mangen phenning sol man im geben. Hie bi w4rent vnd sint gewesen der from vest 10 Ritter herr bans der Truhsezze von dieffenhoven genant ßrak, bans von Bönstetten vogt ze kyburg hainrieb von Randegge vogt ze Schafh. vnd Rudolf spiser vogt ze dieffenboven. Vnd des ze vr- künde s6 henk ich der obgenant Lantuogt min Insigel an disen brief Der geben ist ze Schafh. an dem nehsten mentag nach vn- 15ser fröwen tag ze der lieh tmisse D6 man zalt von Gristes gebürte drüzehenbundert j&r vnd darnab in dem ain vnd ahtzigosten jare. Der vorgeschriben brief lit in der Burger kysten bi andern brieuen. Frönwäg (auf einem besondern perg. Blättchen). 20 Wir der Burgerroaister vnd Raut zu ScbafPbüsen haben vmb vnser gemainen Statt natz vnd n6tduHft willen angesehen geord- net vnd gesetzt und hiemit die alten Ordnung vnd Satzung der frönwäg halb In vnser Statt bfich begrifiPen ernüwert Daz aller- mengklich er sie burger oder gast man oder wib Alles daz so In 25 vnser Statt vnd in iren geribten zfiwegen daz ain fierling ist näm- lich XXV 8) vnd darvber ist Es sye ysen stahel knpffer zin bly öaisch schmaltz vnscblit seh m er wol hanff oder anders sd man bi der wäg konfft vnd verkoufiPt an fronwäg vnd nienan anders we- gen solle vnd sol geben ain burger von ainem fierling j ^ deff- 30 glichen von ainem Zentner j ^ vnd sd manigen Zentner so mani- gen ^ vnser müntz. S6 git ain gast von ainem fierling ij ^ del^lich von ainem Zentner ij ^ vnd s6 maniger Zentner s6 manig ij ^ vnser müntz. Vnd von ainer wäg war die vom wägmaister entlehnot des 35 markts I ß ^ ouch vnser müntz. War ouch diser stuck dhains vberfert der git ze b&ß j marck silbers. Actum sexto p® vlrici Anno 2C. Ixvj. 7w6 dajs; Sweren. 40 Wir haben vns ouch ainhellekl erkendt dem almächtigen gott vnd siner lieben muter Sant Marien zu lob vnd zu ^en we- 1er nvn hiunentbin dehainen vngewonlichen swur tut by box gners oder box fut oder by vnser fröwen gelidern scharoiich der yegli- cher so denn in vnser Statt vnd gehorsame ist sol geben j ft ><| 45 vnser müns vnd acht tag vzz fweren an gnäd es sye fröw ald man vnd sol die nachgeschribnen gesetzt an der Büß der fünf phund 225 phening ab sin vnd andern sinken bi craft beliben. Actum qnarta an L^tare Anno ccccxiij. Wi^ man iemanne vmb gros sacken vmb fride ze machenne ^ ald fride ge hrechenne oder vmb hainshcM ald vmb gros sacken oder bußan erzügen sol. 5 . Wir der vogt vnd die R&t ze Schaf h. sien aimberlich vber- ainkomen vnd haben gesetzet won es vds nutz vnd notdurfftig danket. Swä dehain vnser burger ald bnrgerin die mit hvsung ie bi vus ist es si ainer oder me von iemanne belämdet alder ge- schuldeget oder angesprochen wirt vmb dehainer hande gr6ßelO sach oder büße das im an üb oder an gut ald an ere gät es si vmb fride ze machenne ald fride ze hrechenne oder vmb hainsachi- nan ald vmb dehain splich sach das man den oder die es sien man ald frdwan lützel oder vil vmb solich gr6s Sachen nit vber- sagen oder erzügen sol oder mag als dik man sin bedarf denne 15 mit erberen lüten a,]» denne reht ist vnd anders nit vnd das de- kain aniger man oder frow niemanne vmb solich grds Rachen oder bußan vber sagen ald vberzugen 3ol oder mag als dik es iemer ze schulden kvnt. Dis beschah an dem nehsten m&ntag nah sant Mathias tag 20 Anno dm. M. ccc« Ixxxvj. Vmb das sweren (zus. Darinne sind die vfigenommen die in dez Bats gekorsame nit sind von edelen lüten). Wir der vogt vnd der Rät ze Schafh. siien überainkomen vnd haben gesetz Swer discr swAr dehainen tut der git ze bfiße 25 vnser statt iiij ^ ^ es siien man ald fröwen als dik es beschiht. * Das ist bi vnsers herreu höpt ald köpf ald hart oder nas ald ögen ald bi der stiru bi dem seh edel bi dem blut bi den wunden bi der m arter bi dem tod bi dem hertzen bi der sele bi dem swaisse bi dem libe bi dem schaisse bi dem hengst bi der 30 merhen bi der gurren ald was solich swAr ist, ald bi dem fist ald bi dem stank, vnd wer das verch darzn ncmmet der git zwi- falt b&ße. Vnd swer von vnser fröwen ald von den hailigen vbel redet der git öch die selben Buße als dik e» beschiht. 35 Wer Öch vuge wonlich swAr oder rede tat (zus. die in des R4ts gehorsame sind oder gemainer statt) von got ald von vnser fröwen bi vnsers herren zers *ald hoden ald von vnsers herren oder vnser fröwen lidern die schamlich «int es siien man ald frö- wen der git ze boße vnser statt, als dik es beschiht fünf phunt40 phenuing Schaf hüser müntz. Mag er aber die b&ße ze stette nit han mit phenningen oder mit pfaanden ald Bürgen so sol man im es sy man oder wip die zungen mit ainem nagel an ain sül oder stok ald bank^slahen vnd sich dannan lan zerren vnd darza sol er vnsri statt versweren das er nit me darin kume an des 45 Rates vrlöb ald des mertails vnder in ald man sol in aber dafür 226 in das halsysen slahen ainen tag Ton prime zit vntz nach der vesper weders der Räte ie denne wil. Swer öch als vngewonlich swAr oder rede tfit von got ald von unser fröwen oder von den hailigen das den Räte ze Schaf- 5hüsen ald den mertail vnder in dunket das es größer syg denn als hie vorgeschnben ist du Buße sol stän an demselben Räte ald dem mSrtail wez si sich darvmb ie erkennent als dik ze Schul- den kunt. Den LantlAten ist öch also sweren verbotten. wela wirt in 10 aber darvber Essen oder trinken git so es dem gast kunt ^virt getan das er nit solle sweren der sol die büße für den gast ge- ben ald von dem gast nemen vnd sy vnsern innemern antwürten als dik es ze schulden kunt ane generde. Vnd sol dis alles also weren vntz vf Johannis ze Sunnegih- 15 ten der nü Schierost kuut ungeuärlich. Won sol wissen das sich der Rät da her dik erkennet het X 'S seh müntz für halfinfen vnd anders ze büße vmb solich vn- gewonlich swör vnd rede die ieman tet von Gotte vnd vnser frö- wen vnd den hailigen nah dem als hie vor geschriben stät. 20 Es ist euch gesetzt was sölicher swAr beschehent daz mag vnd sol man mit fröwen vnd mannen wol bewisen als dik es je- mer ze schulden kunt nach des Rates erkantnuß. (fol. XXVIII.) Vmh fpilan. Es sol öch in dem geriht nieman Spilan oder karten vnd wer 25 das bricht der git ze büße vnser statt ain U als dik es beschiht. Aber bößan vnd walan vnd bretspil ald schavchzebel vnd schiessen mit dem armbrost ist vsgelassen das man da mit nAt verlAret. Wer aber die büße nit hän mag den sol man in das halsinsen . slahen ain halben tag. Dis sol als lang weren als vmb das 30 swerren. - Swer öch messer liie trait du lenger sint denne das messe das an des statschribers ort gemachet ist mit heftin vnd lambellen der git vnser statt ze büße v. ß. phenning Schafh. müntz als dik es beschiht. 35 Swer öch nahtes gät nah der stübi hinnan ze sungihten äne ain offen lieht vngeuärlich der git v ß. ze bus der statt datuni ze sant gallen tag Ixxxix^. Swer Öch nahtz blaset mit hörnen der git v. ß ze bas der statt. 40 Datum ze sant gallen tag Ixxxix. Vmb gesetzten die man setzet me man die gesetzen mag vnd öch abgenemen mag. Es ist gesetzt, was gesetzt man machen wil da sont dez Rautes bi sin ob zwaintzigen vnd swas die setzent das sol also be- 45 üben vnd sol vnd mag daz nieman abnemen ald änderren es wärint denne des Rautes Siben vnd zwaintzig oder mS da bi vnd waz denne daz mere vnder den Syben vnd zwaintzigen darumb 227 wirt daz sol also beliben. Datum et actum In vigilia beati Jacobi Apli. Anno dm. Millesimo Trecentesimo Ixxx mo. quarto. Oh dehain herre ald jeman anders dekainen vnsern Burger in vnß Statt vnd gerichten vahen ald schätzen wölt an recht wie man daz sol wenden. 5 Wir der vogt der Bat vnd die Burger alle gemainlich der Statt ze Scbauf hüsen siien ainberlicb vber ain komeo vnd bant ge- setzt für vns vnd vnser Nachkomen dur vnser vnd vnser Gern ainer Statt vnd aller der die bi vns sitzent nutzes n6tdürft scbirmes vnd gutes fri- des willen Wäre daz dehain heiTe ald Jeman anders wer der w&re de- 10 hainen vnsern Burger ald Burgerinen wer bi vns In vnsein gerichten vnd schirm je sesshaft vnd wonhaft istir si ainer oder md Es siien 'cris- tan oder Juden Bich oder arme Man oder fröwan Pfaffen oder lauen Gaistlich oder weltlich wie si genant sint ä.ne recht viengi oder vahen ald schätzen wölti ald irü hüser ald ander Gfit nemen oder 1 5 vor haben ald Itn daz besliessen vnd entfrömden wölti dehains weges daz wir daz niemanne sülien gestatten noch verhengen vnd es weren vnd wenden sülien als ferro wir es iemer kunnent oder mugent getun Vnd daz wir darzu alle enander beraten vnd be- hölffeb Süllen sin vnd getrülich vnd öch vesteklich vnd ainberlicb 20 als ferre wir mit liben und mit gut jemer erzügen mugent bi den ayden so wir vnser Statt gesworn haben vnd daz sich nieman bi vns dt von ziehen oder sünderren sol In dehainen weg als dik es jemer ze schulden kunt äne alle jerrung vnd äne alle geuärde. W&re aber daz Jeman wer der wäre zu dehainem vnserm Bur-25 ger ald zu jeman der bi vns vnd in vnsern schirmen twingen vnd gerichten Je wonhaft ist es were man oder fröwan Cristan oder ' Juden Ir wäre lützel oder vil ichtes ze sprechen oder ze klagenne hetti vnd rechtes darvmb muteti dem sülien wir von Inen recht tun vnd öch fügen In vnser Statt vnd in vnserren gerichten da es 30 ie hin gehöret vnd niendert anderswä als dik es ie ze schulden kunt 4ne geuärde. Datum et actum Anno dm. Millesimo Trecentesimo Octuage- simo Nono. xij die mensis aprilis. Wir der vogt der B4t vnd die Bürger alle gemainlich arm 35 • vnd Bich der Statt ze Schafh. sien vber ain komen vnd habent gesetzt ainhelleklich durch vnser. vnser burger vnd gemainer Statt nutz ere vnd gemaiues frides vnd notdurft willen als vns letz her Johans von Stuben Bitter sesshaft ze Jungnöwe vnsern burgern B. bindern gefangen havt vnd vns angriffet von vnser herschaft 40 wegen vnd als der Bagor angrifft vnd vns öch Eberhart Tichtler wider rechtz Öch an vnser ere redet vnd tat oder vqn ander lüt wegen die Vnser herschaft vnd vns ie angriffent was hotten wir nü ald hienach von sölicher lüten vnd sach wegen je jenderthin schikken vns vnd vnser gemainen Statt vnd Burger gegen Inen 45 wä hin das wer ze uerantwürten Oder was wir jeman von söli- cher lüt wegen ietz enpfolhen haben Nald noch enpfelhent ze tünd vff 228 iro lib ald gut ze stellen vnd wie ald in welher wise vnser Bot- ien ald diener wer die sint den wir sölich ding enpfelhen daz also ie ver handient wie ald in welher wise daz wer daz sol ge- schehen sin In aller der wise vnd misse als ob wir es alle geniain- 5 lieh vnd ainhelleklich get&n haben Vnd wer daz jeman were wer der wer der vns vnser gemainen statt vnd burger alle gemainlich oder vnser dehainen besnnder von sölicher getät wegen an üben ald an g&t vehen ald bekümberren wölt es sie mit gericht ald &n gericht ald mit gericht ald mit recht oder &n recht haimlich 10 ald offeulich vor dem sollen wir anander alle gemainlich in vnser gemainen Statt kosten vnd schaden geti'üwlich vnd vesteklich schirmen halten vnd versprechen wider menglichem bi den aiden so wir vnser gn&digen herschaft von Oesterrich vnd vnser Statt gesworn haben als ferr vns allen lib vnd gut gelangen mag. Vnd 1 5 sol sich vnder vns noch kainem der vnsern von s&licher getat vnd sach wegen nieman von vns ziehen ald sünderren noch dk wider setzen ald ichtes werben oder tun ald schaffen getÄn werden In dehain wise wan das wir glich mit anander ziehen vnd alle sachen vngesündert als6 verhandien süUen nach den stukken vnd gedingen 20 als' vor besohaiden ist 4n menglichz Widerrede. Besunder haben wir gesetzt vnd mainent öch wer der were er sie vnser burger oder nit der sölichen lAten die also wider vnser herschaft ald vns tätind mit kainen sachen biständig beraten oder beholfen wer mit Worten ald^mit werken daz wir den oder die ze glicher wise hal- 25ten vnd haben sollen In vnsern vngnÄden In alle w^g als den oder die vnser herschaft oder vns ie angriffent. Datum et Bctum Octaua die Mens. Marcii Anno 2C. Ixxxx tercio. II Wir der vogt vnd der R&t ze Schaf husen siien vber ain komen vnd haben gesetzet dur gutes frides vnd nutzes willen 30 vnser gemainer statt. Swer hie in vnser Statt vnd gerichten dehain freueli an dem andern tut es si ainer oder me ald vnser Burger oder lant- lüt das der ieglicher der Statt besseren sol mit phenning vnd vs varenne als vormals darvmb gesetzet ist. 35 Vnd swenne darvmb ie gerichtet vnd ertalt wirt vor dem R&t ald vor den freuelem wie ie denne darvmb richtet Swas büße er denne darvmb veruallet gen der Statt an phenning oder an silber vnd für vs varen das sol er zeständer stette der statt versicherren mit phenning oder mit phanden ald mit guter burgschaft das es der 40 Statt werde vnd sol man in nichtz da für verdingen noch län verdingen als vorm&ls d& her beschehen ist vnd wer das als6 nit versichert ald versicherren mag den sol man darumb ze st&nder stette haben, es st burger oder lantman vnd sol in in den Turu oder keui ald in vnser vangnust legen aht tag die necbsten sd er 45 als6 gehaimet wirt. Vnd ist das er in denselben aht tagen die freueli vnd büße vnd für vs varen vnser statt nit versichert als vor geschriben ist 229 es si ainer oder m^ 86 sol man in vsser der vangnust nemen vnd 8ol er.denne ze stette ze den hailigen swerren ainen gelerten aide ze gänne vnd ze sinne fdr vnser Statt ynd vnserü gericht vs vnd dar in niemer me ze komenne S das er der Statt ir freueli vnd buB vmb versichere als vorgesetzt ist vs gericht mit phanden oder 5 mit phenning oder Bürgschaft kae des Rates ze Schafhüsen ald des mertails vnder inen willen vnd vrlöb. Wele vnser burger also vs sweret der sol nit sin die wil er vsse sol sin in vnseren klöstern oder ze vnseren mülinen ald an- ders wa vmb vnser statt da man stür nimet. 10 Aber lantlüt es si ainer oder mS sont zwifalt freueli geben die es an vnsern burgern beschuldent vnd nAnd ainualt baß für die wochan als vormals darumb gesetzt ist vnd sol och ieglich lantman vmb das alles in vnser Statt sweren ze sinne vnd darvs nit ze komen 6 daz er die freueli vnd büß gericht ze gelicherl5 wise als vnser burger dar vmb vs swerent. Es mag aber ieglicber er si burger oder lantman ain wöchen ablösen mit fünf Schilling phenning als er vsser der Statt ald in der Statt gesworen het ze sinne als vorm&ls dar vmb öch ge- setzet ist. ' 20 X Swas öch fröwen gen der Statt verschuldent von freuelinen wegen dar vmb sol man si bAssen als vormals darvmb gesetzet ist. Dis beschach in dem j4r do man zalt von Cristus gebürt drdzehenhundert iär vnd dar nach in dem nüntzigosten Jä,re an dem zwelften abent ze wihennehten. || (Was in zeichen einge-25 schlössen ist, steht auf einem besondern blatte.) (fol. XXIX.) Wie der schriber fräflinen verlesen vnd vff nie- man Magen sol. Wir der vogt vnd der REt ze Schafhüsen siien vber ain komen vnd hänt gesetzt swas freuelinen ald vnzuht vnd sölichSO Sachen in vnser statt ie vff löffent vnd die vnserm schriber der ie denne ist. gevAget werdent vnd sA ie verschribet vnd das ie denne kunt für vnsern Rät ald für vnser freueler oder für vnser gericht das man dariimb richte, das der schriber denn die selben sach vnd freuel vor denen die ie denne dar vmb richtent lesen vnd kün- 35 den sol als er si verschriben hett vnd das er darumb fürbass nit me tan sol weder mit fürsprechen ze nemen oder ze klagen als dik es iemer ze schulden kunt äne geuerde. Aber vmb ain de- hftin sach die ieman an sinen lib gät sol er vf nieman klagen. Datum dm. M. ccc. Ixxx nono. In octaua laurencii. 40 Da ain kleger spric^iet er w6lt ain schuldener ainer sach wol er Zügen vnd des nit wil i^n vnd sin nünt zu des schuldener s ait wil komen. Wir der vogt der RÄt vnd die Burger ze Schafh. siien vber ain komen vnd haben gesetzet aimberlich dur gutes frides willen: 45 Wer den andern hie ze Schafhüsen vor geriht ald vor dem Ravt an sprichet ald beklaget vmb dehain galt ald ander sach es siien 230 man ald fröwan ainer oder m^ vnd der schuldener der sach nit gichtig ist vnd denne dem kleger ertailt wirt das er den schul- dener der sach erzügeu söl darvmh er klaget ald zu des schulde- ners recht darumb komen sol vnd denne der kleger sprichet ich 5 wölt es wol erzügen vnd wil sin nünd zu sinem rechten komen darumb haben wir gesetzet das der schuldener sines aides darvmb ledig söl sin wen es im sin ere an rüret vnd das in der kleger vmb die sach erzügen sol won er sprach er wolti in sin wol er- zügen wölt er es tunt. erzüget aber der kleger den schuldener des 10 nit als reht ist. das denne der schuldener vmb die sach vnd klag darvmb er denne beklegt ist gentzelich ledig ist vnd sol sin, es si vnder mannen ald vnder fröwan als dik es iemer ze schulden kunt. Dis beschah an fHtag vor Ingändem Maien Anno dm. M. ccc. Ixxx nono. 15 Von vnser veitsiechen wegen vif der Staig, Wir der vogt vnd die R&t gemainlich ze Schaufhüsen sigint ainberlich vber ain komen vnd haut gesetzt von vnser veitsiechen wegen vfF der Staig Des Ersten mainent vnd wellen wir won daz von alter her komen ist Weiher man oder fröwe vnder Inen mit 20 anander veruielin daz der jetweders von siner phrund sol sin dannenhin eweklich. weler siech es wäre frowe oder man stell der sol öch Eweklich von siner phrund sin. Sweler Siech den andern blutrüsig machet fräuelich, der sol ain jare von der phrund sin. Sweler Siech den andern haisset lügen fräuenlich der ist aht 25 tag von siner phrund. It. die selben Siechen sont öch betten alz von alter her komen ist vnd sitt vnd gewonlich was. Weles das nit täti bi gesundem libe daz sont denne die phleger der selben Siechen die ie denne sint darumb straffen. Si sont öch fru vnd ze vesper BOzit ze kilchen gan. Weles kinde öch abg4t von todes wegen wz es denne lät daz sol bi dem hüs beliben. Man sol 6ch wissen was von der kilchen ^ff der Staig vnz zu der letzi ist vnd was in da selbes gegeben wirdet daz ist Iro aller Gemain vnd was In in der Statt vor dem Münster wirdet ge- 35 geben daz sol och iro aller Gemain sin es wäre denne daz ir aines oder m^ vngehorsam wären vnd nit für daz Münlster wöl- ten sitzen von hoffart wegen so es dar gän sölt nach Iro orde- nung alz dik es ze schulden kunt. s6 sol der selbe vngehorsam siech der nit dar wölt gan bitten bi gesundem libe kainen tail 40 daran haben äne geuärde. Datum et actum feria quinta proxima ante festum beati Georij mr. Anno dm. Millesimo Trecentesimo Nonagesimo primo. Peter sartmirker TycMler, Wir der vogt vnd die Rät gemainlich ze Schauffhüsen haben 45 vns vff hütt disen tag ainhelleclich erkendt vff vnser ayde vmb die st5zz misshellung vnd Zuspruch so zwischen Eberhartn dem Tychtler vnd Petern Sarwürker vffgeloffen sint darumb der selb 231 Peter sarwürk vormals ettl. brief in der sach mit recht vnd vrtail erlanget batt vnd wan nv der selb Peter von den selben brieuen gestanden vnd vmb die sach vff ainen Gemainen man vnd vff be- nempt schidlüt komen ist. daz wir vns darumb siner sach fürbas nit annemen süllen in dehain wise vnd wer daz er vns oder de- 5 hainen vnder vns besunder vber lang oder kurtz darumb anlangen ward oder bekümberen wie das darrürte. daz wir denn enander darinne getrülich hanthabn vnd vesteclich haltn süllen vnd de- hainen in der sach von vns lassen sündern in dehainen weg by den vorgeschribenen vnsern aiden in all geuerde. 10 Actum die Lune post festum beati Jacobi Apli Anno ^Nona? gesimo quinto. (fol. XXX.) Was man stürern die ie stür anlegent vnd ir knehten geben sol fär host vnd allü ding so st ie setzerd vnd sii an legent. Der sturer sol man für kost geben ieglichem taglichs vnd dem 15 schriber vnd dem waibel ij. ß vnd der kneht die si bi in hänt vnd briichent j. ß taglichs vnd nit me von der statt die wil si sitzent ane geuerde, dis beschah vnd wart gesetzet an dem nehsten tag nah sant Gallentag. Anno dm. M^. ccc. Ixxxx primo. Stökli öning* Von dez mngarten we^en vnder dem Änndt, 20 Bingkmur hy dem annot. Wir der vogt vnd der R&t gemainlich der Statt ze Schauf- husen habent vns erkennet vnd gesetzt von Gemainer Statt nutzes willen von dez wingarten wegen der gelegen ist an dem Emers- perg vnder dem Turn den man nempt der Annot Jnrent der Statt 25 Ringgmüre der ietz Clausen dez Roten des vischers den man nempt Stökli vnd Hansen Oeninges von Langwisen ist daz die selben zwen vnd alle Ir erben vnd nachkomen In wes gewalt der egenant wingart Jemer kunt zwüschen der Ringgmüre vnd den Stotzen da die Ergger vfF stänt nü hinnenbin nihtes büwen oder werken 30 sont mit Reban dar In ze legen ald ze büwen ald den grund dannen ze ziehen deiiains wegs vnd den weg offen vngewüst vnd jn der witi laussen sont -als ferre die Ringgmüre vnd die Ge- murvten Stotzen d& die Aergger vff stänt begriffen haut ze bei- den siten an dem Berge wan der selb weg vnd du witi vnser Ge- 35 mainer Statt ist vnd sin sol als wir doch das vor vil ziten An- derren lüten In der band der selb wingart ouch stund mit g&ter kuntschaft vnd ouch mit dem rechten an behept haut.' Wer aber daz vberfüre vnd fürbas griffe danne als vorgeschriben ist der sol vns ze busse veruallen sin ain Mark silbers ze gebenne als dik er 40 es tut vnd ist daz darvmb beschehen daz vnser Ringgmurre vnd vnsrü Statt da von nit gebresten gewünne. Ouch sollen wir stege vnd wSg hän durh die Reban vff zu unserran Turnen vnd Erg- gern ze wandlen als dik wir dez ndtdürfftig sint als wir daz lang-» zfther bracht haut vnd behept äne menglichs ierrung. Datum et 45 actum In die beati vrbani Anno dm. Millesimo Trecentesimo Ixxxx secundo. 232 Wie man die Bctdstuben hi dem Obern thöre in hüwen Ml- ten sol dcus der Stau Binggmüre vnd Turn vnd ouch Bernkartz frit- höltjs hÜ8 da von kain gebrest vff stände In dehain wise äne ge- ukrde. 5 Wir der vogt vnd der Rät gemainlich der Statt ze Schanf- hüsen habent yns aiDbärlioh erkennet vnd gesetzt dur. vnser Statt n6tdui*fft vnd nutzes willen von der Badstuben wegen bi dem Obern thore gelegen die ietz bans Sacbs Inne bat daz der selb Sacbs alle sin erben vnd nacbkomen wer Je denne die sielben 10 Badstuben Inne hat die selben Badstuben in sölicbem redlichem gerechtem büwe sol haben mit der wässeri mit den brunnen daz Wasser dar vss ze laiten vnd in sölicher m4sse ze halten daz der Statt Turn vnd Ringgmüre noch Bemhartz fritboltz hüs daz daran lit von des flusses wegen des^ wassers so man In derselben 15 Badstuben brächet nü noch hienach iemer eweklich kain schad noch gebreste vif erstände. Datum et actum feria secunda proxima ante festum beati vdalrici Epi anno dm. Millesimo Trecentesimo Nonagesimo secundo. (fol. XXXI.) Daz nieman kainen win temperieren sol der 20 In In vnser Statt verköffen ald vertr%ben wil. Wir der vogt vnd der Rät ze Schaufliüsen haben gesetzt daz nieman me nü hinnenh in wer der ist er sie burger oder lantman In unser statt vnd Gerichten kainen win me temperieren noch machen sol weder mit gebrentem win noch mit waidescheu noch 25 mit kainen andern dingen da von den l&ten siecht am gebrest vnd schad vfferstän möchti vnd sol in öch bi vns nit verköfiPen./Wäre es aber darüber t&ti der sol vnser Statte zehen Mark silbers ze buBse veruallen sin ze geben als dik er es überMre vnd es knnt- lich vff in wurde daz er es getan hetti. Datum et actum In vigilia 30 beati pelagij Epi. anuo dm. MillesimoTrecentesimo Ixxxx tercio. Item vff den vorgeschriben tag ward Öch gesetzt daz weder geste noch burger kain wild saltz m6 In vnser Statt vnd gericht«n vail haben sont. Wan man nü kröttli Bütschi vnd Salmenswiler Saltz bi vns vail haben sol. Wer aber daz wilde Saltz furbass 35 vail hetti vnd es darüber Jeman bi vns ze köffen g&bi der git vnser Statt ze hasse als dik er es tat j lib. ^ vnser müntz. Datum anno IC, die vt supra. Wä yeman frid bricht oder frid versait ze geben oder sich versait s6 man in darumb sticht 40 Wir der vogt vnd der Rät zu Schäfhüsen haben uns ain- helleclich erkennet durch unser Statt nutzz vnd ouch durch g&tz frids willen wä dehainer der in vnser Statt gesessen vnd in vn- ser gehorsame ist er si burger oder Seidener fride brech oder irid versaite ze geben so im der gebotten wurd ze halten als vn- 45ser Statt recht ist oder wie denn die buss darrdrte dauon vnser statt achzig phund vnser müns geuielin ot^er geuallen möchtin derselb sol vnser herschaft von Oesterrich die grösten pene vnd 233 I b&ße vernallen sin die gepürt fünf march silbers. Doch sind hirinne t6tsleg vssgesetzt vcd des gelich wer daz sich yeman ver- saiti geuarlich sd man in vmb friden bitten weit der sol die hasse geben die dauor In disem Buch begriffen ist. Actum in vigilia natimtatis xpi. Anno Nonagesimo quinto. 5 Daz der vogt nieman vahen sol an dez Rats wissen. Wir haben vns ainhelleklich erkendt daz der vogt ze Schafh. wer der ye ist hie ze Schaffh. nieman vahen sol kn dez Rats wissen. Actum ut supra. Unib hrief ze hesigeln mit der statt insigeh 10 Wir der vogt vnd R&t zu Schaffh. haben vns ainhelleclich erkendt was brief nv hinnenthin ertailt werden ze hesigeln mit vnser Statt insigel es sy vor Eavt oder vor Sybenen dez Ravts vmb ewig köff oder vmb ander sach daz by zwainzig marken trift minder oder me kn geu^rd daz man dieselben brieff hesigeln 15 sol mit vnser statt mindrem Insigel. wä aber der kouff träffe vber zwainzig mark vorderte dk yeman daz gross Insigel mit sander- hait dksait mag man denn die brieff ouch hesigeln vnd. was ouch brief mit dem mit dem mindern Insigel besigelt werdent die söl- lent als wol craft haben als ob si mit dem grossen Insigel be-20 sigelt wären kn menglichs widerred. Actum feria quinta post Letare Anno dm. IC. cccc. tercio. Baz ain hurger ainen lantman sol sicher sagen wenn der lantman Sweret oder vertroest dem hurger hie recht ze halten* Wir der vogt vnd Haut zu Schauf hüsen haben vns durch 25 gutsfrids willen ainhelleklich erkendt. wer daz nu hinnenthin de- hain vnser hurger mit dehainem lantman ichtz ze schaffen gewunn als6 daz si mit enander stdssig oder misshellig wurdin Wenn sich denn der Lantman begit für vns zem rechten ze komen vnd ouch dez Swert z& den hailigen oder vertröst ze halten vnd dem 30 gn&g ze tnnd daz in den vnser burger daruff cficher sagen sol an all widerred. Weiher sich aber dawider satzte der sol die buss geben als sich denn ain Ravt oder der mertail dez Rats darumb erkennt. Des hett ouch ain ieglicher hurger gewalt ze gebietn bi der selben buss. Actum an Mittwochen nach Bartho- 35 lomei Anno dm. Millesimo cccc. quinto. Wä yeman wider dez Bäts knecht oder ir hotten oder gen kainem dez Rats schalMich redt, Vogt und R&t haben vns ainhelleklich erkent Weiher n'ü hinnenthin gen kainem vnsers oder dez Ravts knechten ald gen 40 andern vnsem hotten die denn zu dehainen Sachen geordnet wer- dent schalklich redt er sy burger oder seidner man oder wip si schöwend brdt flaisch visch oder marken der sol geben ain mark Silbers an all gnäd als dik es geschiht. Actum in vigilia natiui- tatis Beate Marie virginis Anno cccc vjto. 45 Birllnger, Alemannia TS \ß 234 (fol. XXXII.) Daz sich nü hinnenthin kainer me $ol beden- ken vseerthaXb Bäte vmb kainerlay sack. Vogt vnd R&t haben yds y£f unser ayd ainhelleklich erkent vnd ouch gesetzt daz sich nu hinneuthin fürbas dehainer dezR&ts 5 vmb dehainerlay sach darvmb er denn gefräget wirt nit bedenken 861 Ysserthalb Ravts. Wan daz ain ieglicher nach dem so er ge- fr&get wirt ertailen vnd sprechen sol was in denne vff sinen aid vnd dre recht dvnket äa all geuSrd. Actum quinta post Bartho- lomSi Anno ZC. cccc quarto. 10 Da yeman dem andern phand insetzt die vormals hafft sind. Vogt vnd R&t haben vns ainhelleklich erkendt vff vnser aide durch armer vnd Richer willen Weiher nü hinnenthin yemanne de- hain phand insetzt vor Rat vor gericht oder vor dem Richter es syen ligende oder varende phand die vormals versetzt vnd hafft 15 sind vnd daz in dem versetzen nit öffnet noch furbringt dem so er das phand denn versetzen weit der sol ze pen vnd b&ss ver- uallen sin j IB ^ vnser jnüns als dik es geschiht ftn gnftd. Actum sexta post Michahelis Anno cccc sexto. Weihe sich von der statt entfrömdet s6 man stür anleit, 20 Wir haben vns ouch ainhelleklich erkendt durch vnser Statt Qutzz vnd fromen Weiher sich nü hinnenthin von vnser Statt ent- frömdet so man ,stür anleit darumb daz er der stür vber werd es sy man ald wip burger ald Seidner der sol ain gantz Jar von vnser statt sin vnd denn darinn niemermd komen er hab denn 25 der statt zwo stüran gericht als man denn zemal vff genomen hett. Actum in vigilia exalt$ttionis Sancte Grucis. Anno predieto. Wä yeman dem andern dehain ght anspricht es sy erb aigen oder lehen wie ainer daz recht. vertroesten sol. Wir der vogt vnd Rat haben vns ainhelleklich erkent vff 30 vnser ayde darumb daz menglich by sinem gut geruweklich belib vnd wider recht daran nit bekümbert noch dauon gedrengt werd. Wer daz nü hinnenthin yeman dem andern in vnser Statt ^r wer burger Seidner oder lantman gaistlich oder weltlich dehain gut anspr&ch es wer erb aigen oder lehen ligends oder varends vnd 35 daz mit dem rechten nit behAb trifft denn das g&t darzu ainer Zuspruch hett vnder hundert phund hallem vnser müns So sol der der denn darzu Zuspruch gehebt hett vnser Statt zu rechter pSn vnd buss veruallen sin zehen phund phenning vnser müns. Träff aber das gut ob hundert phunden So sol er veiiiallen sin fünf 40 mark Silbers als dik es ze schulden kompt vnd sol man die bfissan nemen als ander fräflinen vnd sol ouch dis ain yeglicher ver- troesten als bald er sich vmb sölich sach zem rechten gestellet An all widerred. Actum in vigilia Michahelis archangeli Anno cccc. vij®. Johannes Meyer, (Fortsezung folgt.) 235 Zur altern süddeutschen Calenderkunde Die Geschichte des Calenderweseos zerfällt in drei grosse Abschnitte, nämlich in die Geschichte des vorgregorianischen Ca- lenders bis zur Verbreitung der Bachdruckerkunst, von da bis zur Reform durch Pabst Gregor XIII und von da bis zur neuesten Zeit. Jede dieser Perioden hat ire Eigentümlichkeiten. Die erste Periode ist jene des Computismus, d. h. der christlichen Festbestimmung , die zweite ist jene der Astrologie mit ii*en medizinischen und landwirtschaftlichen Anhängen, und die dritte beginnt mit mannigfaltigen astronomischen, astrologischen, medizinischen und landwirtschaftlichen Beigaben. Im Laufe des 17. Jarhunderts nimmt der Calender auch die Weltbegebenheiten^ Kriegshändel und Staatsaktionen auf, im 18. Erzälendes, Beleren- des und die Genealogie der Fürstenhäuser, und erweitert sich gegen Ende desselben zum Volksbuche im weitesten Sinne. Schlosser bemerkt in seiner Geschichte des 18. Jarhun- derts, dass die kleine Litteratur, welche in die unteren und un- tersten Schichten des Volkes dringe, auf den Gang der Cultur oft einen grösseren Einfluss ausübe, . als jene, welche man die classi- sche nennt. Aus dieser kleinen Litteratur erkennen wir auch, wie das Grold und die grobe Silbermünze in die Pfänninge und Häller vermünzt wurde, um sie in jedermanns Hände zu bringen. Zu dieser kleinen Litteratur gehörten nun auch seit der Verbreitung der Buchdruckerkanst die Calender, welche im heutigen Cultur- und Geistesleben mit zu den wichtigsten Organen zur Verbreitung nüzlicher Kenntnisse und zur Aufklärung zälen — können. Werfen wir vorerst einige Blicke auf die Geschichte des vor- gregorianischen Galenderwesens bis ^ zum Eintrit der Verbreitung der Buchdruckerkunst. Das Osterfest ist das Hauptfest der christlichen Kirche; es ist der Mittelpunkt, um welchen sich die Geschichte des ganzen christlichen Galenderwesens und seiner Reformen von Constantin dem Grossen an bis zur Reform durch Pabst Gregor XIII im Jare 1582 gruppiert. Die Grundlage des christlichen Galenders ist der von Julius Cäsar reformierte alte römische Calender, der sogenannte julianische, welcher das Jar zu 365 Tagen bestimmte und diese in 12 Monate verteilte. Das Christentum hatte diese Jarform beibehalten, nur wurden die von den „Nundinae*' begränzten achttägigen Zeitab- schnitte allmälig und unter Kaiser Constantin (324 — 337) gänz- lich durch die siebentägige Woche verdrängt,, die mit dem jüdi- schen Cultus von jeher und nachher auch mit dem aus im her- vorgegangenen christlichen verflochten war. 236 Die kirchlichen Namen der Wochentage waren: Feria prima oder Dominica, der Tag des Herrn, der Sonntag, Feria secnnda, Feria tertia, Feria quarta, Feria quinta» Feria sexta, und Feria septima, seu. sabbatum. Die Christen machten den ersten Tag der Woche zum Feier- tage, wärend die Israeliten den lezten Tag desselben zu ireni Fest- tage behielten. Ostern (pascha), das Hauptfest der Christen, wird zum Andenken an Christi Auferstehung an einem Tage im Früh- linge gefeiert, der teils nach dem scheinbaren Sonnenlaufe, teils nach dem Mondlaufe sich richtet und in einem Zeiträume von 5 Wochen herumwandert. Ostern ist daher ein bewegliches Fest. Von Bestimmung des Osterfestes, welches stets nach den Traditionen der Christen jüdischer Abkunft am Tage des ersten Vollmondes im Frühlinge, im Frühlingsvollmonde, stattfand, hieng daher auch für das betreffende Jar die Feststellang aller beweg- lichen Feste im christlichen Calender ab. Die Regeln aber zur Bestimmung des Osterfestes haben sich aber nur allmälig und unter schweren Kämpfen der verschiedenen Lermeinungen gebildet. Im Zeitalter Karls des Grossen — ich möchte es in mancher Beziehung als ersten Versuch der Re- naissance bezeichnen — hatte endlich der Alexandrinische Oster- canon, welchen man im westlichen Europa den Dyonisischen zu nennen pflegte, über alle Widersprüche gesiegt und die abend- ländische Christenheit sich über die Ostprfeier geeinigt. Die nächsten acht Jarhunderte hindurch wurde nun im Abendlande das Osterfest mit vollkommener Uebereinstimmung gefeiert. Die Ostern und Ire Festgeseze, überhaupt der ganze Calen- der wurde nach approbierten Maximen an den Sizen der Bischöfe mit den betreffenden liturgischen Vorschriften ausgearbeitet und die Geistlichkeit der Diöcesen durch die sogenannte „Litterae paschales'' hiervon in Kenntnis gesezt. In den Kirchen wurde dann dem Volke von der Festordnung, d. h. ;7on dem Calender Kenntnis gegeben^). Auch die Jaresform bezüglich des Anfanges und Endes des Jares wurde von Carls des Grossen Zeiten an in der Christenheit Westeuropas so ziemlich gleichmässig festgehalten, wornach Weih- nachten in den lezten Monat des Jares fallt. In manchen Pro- vinzen Gallien's begann indessen — und hier sind wol gallisch- römische Traditionen vorhanden — wie bei den alten Romern — das Jar mit dem Monate März und diess dauerte bis tief ins 16. Jarhundert hinein fort; denn erst durch ein Edikt KarPs IX vom Jare 1565 wurde der September als siebenter Monat des Jares 1) Die Chronologie in irem ganzen Umfange von W. Matzka^ Wien 1844. Beck, AUmälige Gestaltung der Prinzipien des Oster-* festes und Attensperger, der Gregorianische Calender, Wurzb. 1869. 287 aufgehoben und das Jar somit zwei Monate früher begonnen, so dads Weihnachten dort nunmer auch in die 2. Hälfte des lezten Monats des Jares, d. h. in den Dezember fieP). Für das, was wir heutzutage mit dem Namen Calender be- zeichnen, mag wol der arabische Namen — „Tacuin*' — d. h. Tabula der Ausdruck gewesen sein; dann wol folgte das alte lateinische „Galendarium*' (von calare, xctXth), entweder weil das Volk am ersten Tage jedes neuen Monats vom Pontifex maximus zusammengerufen wurde, um zu erfaren, was für Feste in die- sem Monate einfallen würden oder weil an diesem Tage die Priester, sobald der Neumond eintrat, auf welchen sie vorzüglich Acht haben musten, durch die ganze Sta^t ausrufen Hessen: Calo te, Inno (Luna) novella; denn die Galenden (Galendae), der erste Tag je eines Monats waren der Inno heilig. Für den Namen „Galender'' kamen durch die Richtung der Zeit und der Wissenschaft vielfach andere Namen auf, • ¥rie Alma- nach und Praktika, diese unterscheiden sich wieder von den „Ephemeriden" — (von im und ^f^sga, auf einen Tag), fast nur för die Astronomen bestimmt, wärend erstere als für das Volk eingerichtet, eine sogenannte Praktika enthielten und kurz nach der Erfindung der Buchdruckerknnst um 1457 allgemeine Verbrei- tung fanden. In den Ephemeriden waren ausser Angabe der Tage nach den kirchlichen Festen und Heiligentage (auf merere Dezennien vorausberechnet), welche die Geistlichen in ire Breviere eintrugen, noch die wesentlichsten Momente zur Aufstellung der künftigen Galender mitgeteilt, wie der Sonntagsbuchstaben, die Wochen vor Ghristtag bis Herren-Fastnacht, die übrigen Tage von Weihnach- ten bis Neujar, die goldene 7a\ und dergl. Aenlicher Art waren auch die Galendarien der sogenannten Direktorien, welch* leztere den gesammten Gottesdienst in einer Diöcese für alle Tage des Jares feststellten und regelten. So wurden im lezten Viertel des 15. Jarhunderts derlei Direktorien in Strassburg, Basel, Augsburg, Ulm, Reutlingen, Nürnberg und anderwärts gedruckt. Für die Laien wurden Galendarien one die Direktorien ^s- 1) Le calendrier de la cour, tire des ephemerides, et oet. Pour l'anne 1755, Unter dem Monat September ist dort die Bemerkung ge- macht: September est tire da nombre sept, que Ton exprimait par le mot September; avant Pedit de Charles IX en 1564 il etoit le sep- tieme mois de l'anaee Romaine. In manchen Provinzen des alten Frankreich wurde der Beginn des Jares „more gallico" mit Eintritt des Fralings gefeiert Im Jare 1563 (alten Styles) wurde aber all- gemein der 1. Januar als Jaresanfangstag festgesezt. Ausfürliohes ist hierüber zu lesen in dem vortrefflichen Werke : Elements de Paleo- graphie par M. de Wailiy. (Pars Impr. royal. 1838.) Tom. I, p. 24$ u. ff. 247 ff. 238 gearbeitet und zwar auf 6rui}d der den Direktorien vorstehenden Calendem und beigegebenen nötigen Scbematen für die einzelnen Jare mit Einfärung der beweglichen Feste, welche sich sämtlich, wie «schon bemerkt, nach dem Osterfeste richteten. Es wurden nämlich zwei Hexameter auf jeden Monat beigefügt, aus einzelnen Silben und nichts bedeutenden Wörtern zusammengesezt, welche aber die ersten Silben der beweglichen Feste angeben, die auf jeden Tag im Monat fallen und zwar so, dass die Silbe allezeit in der Zal derselben, in den Versen die Zal des Monats, auf welchen das Fest fiel, angezeigt erschien. Diess nannte man Cissio- janns. Es gab schon im lezten Viertel des 15. Jarhunderts deutsche Calender dieser Art in Versen, wie auch solche yersificierte Galen- der um diese Zeit in Frankreich, Spanien und Italien vorkamen. Diese Calender enthielten ferner eine von den Astrologen, welche gewönlich auch Aerzte waren, gelieferte Anweisung, an welchen Tagen das Nemen von Medizin heilbringend sei oder nicht, an welchen Ader zu lassen sei und dergl. In dem „new gross Römischen Calender^' des Jares 1522 (gedruckt zu Oppenheim) erscheint erstmals das berüchtigte Ader- lassmännlein, welches in manchen Calendem so lange, selbst bis gegen den Anfang unseres Jarhunderts gespukt hat (in den Ca- lendem für den Westen Nordamerikas heutzutage noch), mit An- weisungen, wann die rechte Zeit zum Schröpfen, Purgiren, Baden und Haar schneiden, zum Pflanzen, Säen und dergl. sei, was femer gewisse Vorgänge am Himmel oder Witterungsstände andeuten, z. B. der Sonnenschein an jedem der als Zwölfnächte bezeichneten Tage von Weihnachten bis Ober-Neujar, welche Einflüsse der Monat, worin die Geburt eines Kindes erfolgt, auch dessen Leben, Temperament und Fähigkeiten habe und Aenliches^). Diess hat sich bis heute noch in den Monatszedeln erhal- ten, welche dem Volke auf Jar markten in kleinem Städten, in Flecken und Dörfern angeboten werden. Hierin leisteten nament- lich die Reutlinger Buchdrucker wirklich Grosses. Dergleichen „Praktiken^' waren aber diese Calender, welche von den Astrologen auf ein oder merere Jare bekannt gemacht wurden und erst später werden dieselben als ein unentberlicher Teil mit dem gemeinen (allgemeinen) Calender verbunden. Solches hat sich strichweise bis auf unsere Tage erhalten. Im Laufe der früheren Jarhunderte hatten sich für das Landvolk auch die sogenannten Natur- und botanischen Calender ausgebildet; nach welchen sich die Bauern im Bestellen der Fel- der und im Einheimsen der Aernte richteten. Es sind hier wol • vielfach landwirtschaftliche Traditionen aus der gallisch -römischen 1) Grässe, Allgem. Literaturgeschichte 1842, II. S. 841. 289 Zeit aufgenommen, wie solche sich atich vielfach in alten Weis- tümern zeigen. An ire Stelle traten nun im lezten Viertel des 16. Jarhun- derts die erwänten astronomischen Galender, welche anch den land- wirtschaftlichen Stoff in dem sogenannten Wetterpropheten auf- namen und welchen man, weil sie jeweils kurz vor oder nach dem neuen Jare ei*schienen, den Namen ,,Almanach" (aus dem arahi- schen Almanach, das Neujarsgeschenk) gegehen hat. Sowol die calendarischen Aufschriebe von dem Breviarium der Geistlichen, welche, wie die heidnischen Römer, ire Feste in den Tempeln dem Volke verkündigten, als die ersten gedruckten Galender waren merjärig, wovon der Grund wol darin lag, dass sie in den ersten Jaren nach Erfindung der Buchdruckerknnst zu teuer sein mochten. So wird erzält, dass man den im Jare 1476 von Regiomontanus zu Nürnberg lateinisch herausgegebene Calen- der, der auf 30 Jare eingerichtet war (und worin der Heraus- geber zuerst den von im selbst bezeichneten Lauf ^er Sonne, des Mondes und der Planeten beigefügt hatte) daselbst mit 12 Du- caten bezalt habe. Der Oalendery wie er in den Breviarien und Direktorien er- scheint, hat seine calendarischen Grundelemente; es sind diess die Angabe der Jareszal nach Christi Geburt, das Schaltjar nach dem julianischen Galender, die Anzal der Wochen vom Ghristtage bis zur Herren- Fastnacht, die hiezu feienden Tage, die Anzal der Mondumläufe (Lunationen) wärend des Jares. Ausser diesen Ele- menten wird' Ostern für eine Reihe von Jaren bestimmt, da an dieses Fest sich die andern beweglichen in bestimmten Zwischen- räumen anschlössen. Ausser diesen wurden bestimmt der Sonntagsbuchstabe, die goldene Zal u. s. w. Nur ein im Galenderwesen und in der Liturgie erfarener Geistlicher konnte Werke über die Festbestimmung, wie es die Direktorien sind, bearbeiten. Für das Bistum Gonstanz erschien im Laufe des 15. Jar- hunderts 1489 und mit Beginn des 16. 1501 je ein Direktorium, also wenige Jarzehnte nach dem Erscheinen der ersten Druckwerke. Gedruckt war das erstere bei Michael Wenzeller in Basel. Das zweite Direktorium wurde von dem um das Bistum so verdienten Bischof Hugo von Landenberg veranlasst^). Die Ausarbeitung l) Grässe, a. a. 0. Raible, Abhandlung über den Galender im illustririen Unterhaltun^s- und Bildungsblatte für die Jugend. Reut« lingen 1854, S. 343. Diese Abhandlung ist ser instruktiv, üeber Michael Wenzeller (Wensslerj sieh „Beitrage zur Basler Buoh- dniokergesohichte*' von Streckmayer und Reh er. Basel 1840, S. 6 und 15. Das Direktorium von 1481 ist dort aufgefürt. — Hugo von Landenberg ist einer der hervorragendsten Bischöfe der Gpnstanzer 240 und Anordnung geschah auch hier noch auf Grund der Beschlüsse des Toletanischen Concils vom Jare 633 ^). Dasselbe wurde von Erhard Rathold in Augsburg gedruckt 2). Diese Direktorien sind äusserst mühesame und schwierige Werke — auch für den Sezer und Drucker — und erforderten für jene Zeit ausserordentlich seltene chronologische, astronomische und liturgische Kenntnisse und war die Herstellung solcher jeden- falls mit ausserordentlichen Kosten verknüpft. Nach grösserer Verbreitung der ßuchdruckerkunst kamen erst die einzelnen Jarescalender auf, welche in Wand und Schreib- calender zerfallen, die erstem sind in Gross- Bogen-Format mit ' allen denkbaren astronomischen Zeichen versehen und mit ver- schiedenen Emblemen und Wappen verziert, in deren Mitte das Lassmännlein stet. Für uns aber sind diejenigen wichtiger, welche Schreib- calender hiessen, indem sie als Incunabeln unserer jezigen so be- deutenden Galender-Litteratur erscheinen. Man nannte sie Schreib- calendef, weil eine Seite darin zu Einträgen aller Art bestimmt war und dess wegen frei gelassen wurde. Ich besize einen solchen aus dem Jare 1573. Er ist verfasst „durch lohannem Georgium Kern, der hohen Schul zu Dillingen F. cardinälischen Doktorem Medicum, auf Polushöhe 48 Grad 5 Minuten gestellt ®). Mit Rom. Kays. May. Freiheit gedrukt zu Dillingen durch Sebaldus Mayer, mit der Widmung: Reverendo in Ghristo Patri ac Domino, D. Nico- demo religiosi ac venerabilis Monasterii S. Georgii in üercynia silva antistiti, magnifico Musarum alumno et Maecenati ter maxi- mo, lohannes Kern, Physicus et Medicus, Ephemeridin hanc ob- sequii et gratitu^inis ergo D. D, D."*). Diöoese. Er kam 1496 an das Bistum. Kolb, bist. etat, topogr. Lex. I, 216 hat das Wesentliche seiner Leistungen und Schicksale hervorge- hoben. Vergl. Freiburger Diöcesan-Archiv III, 3 — 7. Ein Direktorium des Bistums Basel ist aus dem Jare 1585. 1) Ich neme an, dass hier das 4. Toletanische Goncil, welches im Jare 633 zu Toledo (Toletum) in Spanien gehalten ward, gemeint ist. Es wurde nämlich dort bestimmt, dass in ganz Spanien und Gal- lien — (Narbonensis) eine gleiche Art des Psalmen^esangfes, der Mess- feier, der Vesper und der Matutin eingefürt werde. Vergl. Hefele. Conciliengeschichte Ilf, 73. In Toledo fanden von 581 bis 701 achtzehn solcher Synoden statt. Vergl. Gerbert, Liturg. Aleman. Tom. VI und VII p. 812. Die Stelle, welche sich auf oben erwähnten Beschluss be- zieht, ist im Concil. Tolet. IV Conclus. 16 enthalten. 2) Grässe, a. a. 0. III 1, S. 159. E. Rathold, dessen Offizin eine der herum testen in Deutschland war, hatte 1486 seinen Siz von Venedig nach Augsburg verlegt, wo er bis 1516 tätig erscheint. 3) d. h. nördliche geographische Breite von 45 Graden und 5 Minuten. 4) Ueber die Bedrängnisse des Klosters St. Georgen durch das protestantische Würtemberg, vgl. „Gründlicher Bericht des hl. römi; 241 Der Calender ist auf starkes Papier in massig grossem Quartformat gedruckt, trägt unterhalb des Titels das Reichswappen, den Doppeladler mit gekröntem Herzschilde umgeben mit der Kette des goldenen Fliesses. Der Ramen darum ist im Renaissange- style gehalten^ welchen übrigens alle Blätter in verschiedenster Ausschmückung zeigen. Derselbe beginnt: ^,A]s man zalt nach der Geburt Jesa Christi MDLXXIII, von der £rschafiPang der Welt 5533, ist die güldie Zal 16, der Sonnenzirkul 14^ derRömerzins^al 1, Sonntags- buchstab D, zwischen Weihnacht und Fassnacht 5 Wochen 3 Tag und ist das erst nach dem Schaltjahr, hat 13 New-Monde, darum es annus embolismalis genannt soll werden''^). Es ist dieser Calender, da er vor das Jar 1582 fällt, also noch ein juHanischer; in im erscheint desshalb dieTag- und Nachts gleiche auf den 10. bis 11. März gerückt und der 9. März wird desshalb als der Tag bezeichnet, mit welchem der Frühling be- ginnt. Der 12. September ist als der Tag angegeben, mit wel- chem das Spätjar beginnt. So rückten die calendarischen Winter- monate des Jares immer mer in den Hochsommer hinein'). sehen .Reichs Gotteshauses St. Georgen auf dem Schwarz walde'^ Ord. S. Benedicti' 1714. Dassalbe war am diese Zeit bereits nach Villingen übergesiedelt. Ob unser Astrolog unter den ,,Martiales*S die etwas sab umbra dichten, noch besonders das gefurchtste und verhasste würtembergische Eriegsvolk verstet, wollen wir dahin gestellt sein lassen. 1) Siehe Reible, Anmerkung 5 und die in Anmerkung 1 aufge- farten Schriften. 2) Zur näheren Erläuterung rufe ich dem geerten Leser folgen- des in's Gedächtnis zurück. Das mittlere julianisohe Jar übersteigt bekanntlich das mittlere tropische von 365 Tagen 5 Stunden 48 Mi- nuten und 48 Secunden um 11 Minuten und 12 Secunden. Um so viel bleibt aber das mittlere tropische Jar gegen das calendarische von vollen 365 Tagen zurück und in 128 Jaren zält dieses jeweils einen Tag mer als nach den Umläufen der Erde um die Sonne wirklich an Umlaufszeit zu rechnen ist. Wenn nun in 128 Jaren ein Tag zuviel gezält wird, so wird die Tag- und Kachtgl eiche gegen das calen- darische Neu jar hinauf gerückt, wesshalb wir auch schon im Calender von 1573 dieselbe als am 10. bis 11. März eingetreten ersehen, so dass Lichtmess (2. Februar) dem wirklichen Frühjare näher ist, als es in dem gregorianischen Calender nunmer der Fall ist, denn Lichtmess rückte seit 825 (dem Concil von Nicäa) um etwa H Tage in den Früh- ling hinein. Wird der julianische Calender, welchen die griechische Kirche in Russland noch hält, merere 10000 Jare beibehalten, so tritt Lichtmess in den wirklichen Sommer, also immer mer in's tropische Jar hinein, wärend wieder die festen Feiertage nach Lichtmess, z. B. Johannes der Täufer in den wirklichen Winter und Allerheiligen in den wirklichen Sommer rücken werden. In 365 mal 128 oder in 46720 Jaren macht beim Festhalten am julianischen Calender ein unbeweg- liches Fest, z. B. Weihnachten die Runde durch das ganze tropische 242 Als Jar nach der £r8cba£fung der Welt wird das 56338te angegeben; es würde daher die Welt 3962 Jare vor Christi 6e- l)art erschaffen sein. Diese Angabe harmoniert indessen mit keiner der bekanntem von den Gomputisten anfgestellten Weltärenbereeh- nungen. Der französische Gelerte Des Vignoles hat etwa 200 verschiedene Angaben über die Zeit der Erschaffung der Welt gesammelt, — manche der Computisten wassten sogar den Wochen- tag, — und so ist es — abgesehen von der Unmöglichkeit in jener Zeit, aus den gegebenen Voraussezungen irgend etwas der- artiges berechnen zu können, — ganz irrelevant, zu untersuchen, auf welche Basis Kern seine Anname gestüzt habe ^). In diesem Calender sind auch den Heiligen bestimmte Buch- staben beigefugt, um anzugeben, in welchem Bistum dieselben ge- feiert werden. Es sind angegeben das Bistum Brixen (B), Eich- stett (E), Freising (F), Hungarn (H), Olmütz (0), Passau (P), Regensburg (R), Salzburg (S) und Wien (W), was mit dem ver- schiedenen Modus der Festifeiem in den verschiedenen Bistümern, welche in den Direktorien berücksichtigt wurden, zusammen- hängt 2). Die linke Seite des Schreibcalenders enthält die Monatstage mit der Tagesbenennung nach den Heiligen; den Tagen sind ire Buchstaben beigesezt, hinter den Namen der Heiligen hie und da der Buchstabe, mit welchem das Bistum zu dem oben angegebenen Zwecke bezeichnet wurde ; dann die Zeichen des Tierkreises, der Aspekten und Gegenscheine, wie die Constellationen der verschie- denen damals bekannten wenigen Planeten. Ausserdem sind mit besondern Zeichen angegeben das Auf- steigen des Mondes, das Niedersteigen desselben^ die Tagesver- Jar. Dieser üebelRtand des julianischen Galendors war eine der Haupt- veranlassungen zur Beform desselben durch Pabst Gregor XHL Es giebt daher im gregorianischen Galenderwesen in 128 Jaren nur 31 Schaltjare. 1) Matzka a. a. 0. Die grösste Aera von Adam bis Christas zält 6984, die kleinste 3483 Jare, also variiren die Computisten um 3501 Jar. In dieser Angelegenheit wurden Folianten geschrieben. Am genauesten weiss aber die byzantinische oder constantinopolitanische Weltära den Anfang der Schöpfung anzugeben. Sie sezt in auf Sams- tag den 1. September 5509 vor Christi Geburt fest. Es ist zu bedauern, dass der Berechner nicht auch die Stunde und Minute angegeben hat, da im dieses nach dieser Leistung ein leichtes gewesen sein muss. Hier kann man indess die Geduld bewundern lernen, mit welchen der Mensch einen Irrtum — logisch ausbaut und absurde Folianten zu Tage fördert. 2) Das Bistum Passau feiert den hl. Valentin , Regonsburg den hl. Erhard, Salzburg den hl. Vincenz, Brixen den hl. Blasius, Eichstädt den hl. Reichart, Salzburg den hl. Rupert, Ungarn die heilige Elisabeth und den hl. Bernhard, Wien den hl. Maximilian u. s. w. 243 hindernng des Mondes, die Stande vor Mittag und- die Stunde nach Mittag bei den Aspekten (die för die Horoscopie unumgäng- lich nötige Angabe), die Fasttage (mit 2 Fischen), die geeigneten Zeiten für gesundheitliche Vornaiuen und Verrichtungen durch verschiedene Zeichen und Bilder. Auch die Landwirtschaft ist damit bedacht^). Mit diesen Angaben stehen im Einklänge die für jeden Mo- nat allgemein gültigen Verhaltungsmassregeln zur Erhaltung der körperlichen Gesundheit, welche über dem auf der rechten Seite angebrachten Schreibcalender in gebundener Form angebracht sind. Die auf der rechten Seite des aufgeschlagenen Galenders befind- liche weisse Fläche diente seinem Besizer dazu, das im Bemer- kenswerte des Tages in Kürze vorzutragen. Er fart ebenfalls die Tage mit römischer Bezeichnung (Galendae, Nonae, Idus, da diese Bezeichnung noch in kirchlichen Urkunden jener Zeit vorkömmt) sowol, als nochmals mit der gewönlichen (1., 2., 3. u. s. w. Tag des Monats). Früher wurden auch in den Klöstern die Einträge lateinisch gemacht und die Angabe des Datums mit römischer Bezeichnung war daher erwünscht. Durch historische Einträge, sogenannte Tagebücher findet man in solchen Schreibcalendem mannigfach, wie z. B. der Benediktiner -Abt Gaisser von St. Georgen (bei Villingen) seine namentlich für den Verlauf des SOjärigen Krieges am Oberrheine und auf dem Schwarzwalde wichtigen Aufschriebe, welche Mone in seiner Quellensammlung zur badischen Geschichte herausgegeben, in solchen Schreibcalendem niedergelegt hat^). In diesem gewiss höchst selten gewordenen Calender des Jares 1573 sind über jeden Monat versificirte Belerungen, an welchem Monate Ader zu lassen, Schweissbäder zu nemen^), Speisen 1) So sind bezeichnet: Gutaderlassen mit (rotem) Doppel- schlag, Mitteladerlassen mit einfachem Kreuz (Schlag), Baden und Schröpfen mit einer Badewanne, säen and pflanzen mit einem Klee- blatt, Kinder von der Muttermilch entwönen mit einem Sau gnapfe, gat Arzneien und Latwergen einnemen mit einem Kuchen, jsolche im Tranke mit einem Krüglein, in Pilnllen mit einer Pünktchen- Pyramide, insgemein Arzneien nemen mit einem Sterne. Die ein- zelnen Temperamente sind wieder dabei besonders angegeben, — M bedeutet Melancholisch, C Cholerisch, P Phlegmatisch u. s. w. So hat jeder Tag seine bestimmte medizinische Wirkung je nach den Terax>eramenten und alles war vorher vom Astrologen und Mediziner genau bestimmt! Glückliche Zeiten für leidenssüchtige Menschen, mr alle jene, denen es so zu sagen, nicht wol ist, wenn sie nicht krank' sind. 2) Mone, Quellensammlong. Bd. II S. 159. 3) Im Mittelalter wurden Bäder, namentlich warme, viel häufiger und allgemeiner gebraucht, wie heutzutage. Ebenso gewönlich ist das Schröpfen. Fast jeder grössere Ort in Süddentschland hatte, so 244 mit Spezereien zu geniesseD, über Benedikt und Salbei zu trinken, Salat zu essen ist und dergl. Der glücklichste Monat ist der Weinmon, in welchem, wenn die gütige Mutter Natur ir Füllhorn ausgeschüttet und Speicher und Speisekammer reichlich gefüllt, auch zum Genüsse dieser Gaben eingeladen wird. Der Galender- mann ist wirklich väterlich besorgt und wolwollend. Der Früchte- monat November, heisst es unter Anderem: verlangt Meth und Ingwer und der Ghristmonat oder wie derselbe zu Zeiten Karls des Grossen genannt wurde, der „Beylmon^^ will warme Speisen und Zimmtwein, wie denn der Gebrauch von Gewürzen damals ser häufig war. Die köstlichen Verse sind die folgenden: Jenner. las in dem Jenner alle Jar Warme Speiss, die sey rein und klar, Kein Blnet solt' du auch von dir Ion, Es ist nit guet in diesem Mon. Hornung. Der Homung gepaert kraokheit bald, Vermeid meth, hier und was sey kalt, Auch fleuch die kelte, das ist gut, Auff dem Daumen magst lassen Blue. Mertz. Mei^z bringt des leibes feuchtigkeit, Er gebirt schmertzen, wee vnd Layd, In diesem Monat lass kain bluet, Schwaissbaden aber ist dir guet. April. Der April bringt Glentz daher, Die Erd thuet sich auff wunderber. Er hitzigt den Leyb vnd mehrts Bluet, Znr Aderlassen ist vast guet^). May. Lassen im Mayen ist nit schad, Purgir dich und suech Wasserbad, Iss speiss berayt mit specerey, Ab Benedikt trink und Salvey*). weit früher römische Cultur reichte, seine Schröpf- und Ba- deanstalt. Ser zalreich werden die Bäder und Bader in Urkunden des Mittelalters erwähnt und die vielen Balneographien weisen spreoliend darauf zurück. 1) „Vast** heisst hier nicht wie heutzutage „beinahe"„fa8t", son- dern ist eine Verstärkung, wie ganz oder ser. 2) Benedikten-Wurzel und Salbeiblatt. Ein bei Tabernae-Montanus (in dem berümten Kräuterbuche) angefurten bekannten Vers lautet (Bd. II, 89) : Cur mbritur homo, cui salvia crescit in horto? Antiphone Contra vim mortis, non est medicamentum in hortis. Salbei wirkt, — sagten die Mediziner jener Tage —^ ge^en Schwin- del, — erwärmend, stärkend, verzert böse Feuchtigkeit (Flüsse), und Benediktenkraut oder Garaffelwurzel (Ibid. I, 405) zerteilt die Feuchtigkeit, wirkt blutreinigend. Beide Kräuter in gutem alten Wein geben ein Haupttränklein für alte Leute. 245 ^Brftohmon. Vorm Meth im Bracbmon hüte dich, Und vor dem newen Bier rath ich, Mit öl Yund essicb iss Salat, Schlaff nit zuvil, das ist mein rath^). Hewmon. Wer im Hewmon sich will bewaren, Derselbe soll zuvil trinkens sparen Ihm Qucb kein Ader lassen scblahen Ynnd darzu kein Bad anfaben. Augstmon. Im Augstmon messiglicb dich zeuch. Schlaff wenig und Ynkeuscbeit fleuch, ^) Nit lass, mass dich hitziger speiss, Bad und Arznei fleuch, bist du weiss. Herpstmon. Zeitig Frucht im Herpst seind guet, Sez« pflanz und lass das Blnet, Gaissmilch, Eäss und Pyren iss, Der frischen träublin nit vergiss. Weinmon. Weinmon gibt wein und wiltpret her, Gänse, Enten und Vögel mehr, Dise ding alle seind gsnnd zwar, Doch überisse dich nit gar. Wintermon. Meth trinken magst in disem Mon Honig, Ingwer brauchen schon, • Bad und Ünkeuschheit meyd, Du wirst sonst lam vor der zeyt. Christmon. Christmon will warme speiss han, Zum haupt magst du dir wol lan. Vor kelt und frost dich wol bewar, Ab zimmt magst du trinken zwar'). • Vgl. Pfeiffers Germ. VIH 107 ff. (Birlinger); XXII 286 ff. (Krause) Wagners Archiv I 607 ff. 1) Salat wirkt beruhigend, er enthält das Alkaloid Lactucin. 2) Allgemeine medizinische Regel. Die Sommermonate sind der Verbreitung der Lustseuche günstig. .Rohatsch, Geschichte der Medi- zin, Bd. I S. 226. 8) Gewürze dieser Art, wie Zimmet und Ingwer wurden im Weine ser häufig genpssen; denn den gewönlichen Wein, wie er auch von reichen Leuten getrunken wurde, darf man sich nicht als gut trinkbar — nach unseren Begriffen — vorstellen. (Mone, Geschichte des Oberrheins Bd. III, 257, zur Geschichte des Weinbaues.) Vielmer mischte man, um die Säure zu mildem, Zucker und Honig und um seinem Geschmacke aufzuhelfen Wermut, Zimmet, Ingwer, Beerensäfte, Rosinen und dergl. darunter. Die Weinfälschung wurde auch in dieser Zeit schon ser stark getrieben. Man nam den Wein in ungeheuren Mengen (heutzutage oft kaum glaublich) zu sich und die Trunk- und Trinksncht (in Bier und Wein) herrschte, mif Ausname von Italien und Spanien im ganzen Abendlande. (Sieh Freitags Geschichts- bilder Bd. III, and die Satire Masens, Diöcesan- Archiv Bd. IH, Süd- deatsche Schulcomödien.) Diese Trunksucht fürte Nervenanfregungen und Zerrüttungen nach sich. Es waren desshalb auch die Schlaf- 246 Wir haben nnn den C&leDder nach zwei Seiten hin zu be- trachten, nach seinem Inhalte in sanitätlicher und sodann in astro- logischer Richtung, welche die erstere beherrschte und alles Tun des Menschen unter den Einfluss der Gestirne stellt und ein Aus- fluss der im Oriente entstandenen Lere von der Vorherbestim- mung ist. Die Astrologie gieng von dem Glauben aus, dass der Himmel mit der Erde, die Sterne mit den Schicksalen der Menschen auf geheimnissvolle Weise verbunden seien. Nur von diesem Stand- punkte aus darf der innere Wert der grossen und gewaltigen astrologischen Litteratur der früheren Jarhunderte beurteilt werden. Da diese astrologische Grundlage mit iren vielen vnd grossen Gonsequenzen eines jener welthistorischen, aber unergründlichen Probleme war, welche den menschlichen Geist gebildet und be- schäftigt haben, so ist es keine überraschende Entdeckung, dass derselbe auch hier seiner würdig geblieben, dass er hier nicht bloss scharfsinnig, sondern auch folgerichtig und rationell gear- beitet hat. Das Resultat aber dieser rationellen Arbeit sind die Prolegomena, aus welchen sich die moderne Astronomie ent- wickelte. Hieraus beantW*ortet sich die Frage, Wie es möglich ^^ar, dass die civilisierte Menschheit auch nach dem Aufschwünge der Wissenschaften seit dem Mittelalter (mit der Entdeckung der neuen Welt brach auch die neue Zeit an), bei den riesigen Fortschritten der Aufklärung, der Astrologie, wie der mit ir verbundenen H^roscopie noch so lange Zeit, bis in das 18. Jarhundert hinein, so viel Glauben hat schenken können. Sind doch die bedeutend- sten der modernen Schriften über Astrologie in jener Periode ver- fasst von Agrippa (gest. 1535), Nostradamus / (gest. 1566) und Cardanus (gest. 1576), und waren doch Männer, wie Keppler und Brahe, in der Astrologie befangen, und ist der Ton irer Schriften überzeugungsvoU und ernst! tränke häufig. Unter diesen spielt jener aus der Bella donna Man- dragora eine grosse Rolle. Auch Shakespeare spielt auf diesen Ge- brauch an. Er lässt die Kleopatra ausrufen: Gib Mandragora mir zu trinken, Dass ich verschlafen könne all' die Zeit/ Wo mein Antonius in der Ferne weilt 1 Die Mandragora wurde im 16. Jarhundert in den Hausgärten ge- pflanzt, nicht nur am Rheine, sondern auch an der Donau. Der schon erwähnte herum te Arzt Tabernämontan gibt den Rat: Ein Becher- lein Mandragora wein für die, so nit schlaffen wollen, wol zuzu- sehen und mit Fleiss zu gebrauchen. Ein von den Aerzten jener Zeit ser häufig gegebenes Mittel war: Schlafpillen aus Mandragora, Opium, Bilsenkrautsamen, Schirlingssaft und Moschus! Dürfte selbst bei einem Landsknecht gewirkt haben! 247 X Es liegen also der Astrologie philosopliiscb-theologische Ideen zu Grande. Sowol bei den Christen, als Mnhamedanern war der Glauben an die absolute Vorherbestimmung aller Dinge allgemein, und zwar nicht eine casaalistische , durch die Verkettung der natürlichen Ursachen bedingte, sondern eine rein theologische oder philosophische Idee der Weltregierung durch das höchste Wesen, das räum- und zeitlos waltet und bei welchem — als die unend- liche Zeit und den unendlichen Raum tätig erfüllend, eine Gansa- litat von Handlungen dem Begriffe nach nicht denkbar ist, weil alle Handlungen von Ewigkeit her bereits erfüllt sind. Dieser Glauben an die Vorherbestimmung ist das Substrat der Astrologie; sie ermöglicht ire Wirklichkeit. Der Mensch er- scheint als Mittelpunkt der Schöpfung und auf in beziehen sich daher die dem Astrologen erkennbaren Zeichen des Himmels. Aus diesem Eins entspringt die Idee, dass der Himmel und die Erde, die Gestirne . und die menschlichen Seelen, die Bewegungen der Weltkörper und die Geschicke der Menschen in gewisser mysteriö- ser Verbindung stehen^). Von der Theologie, welche sich mit denselben Problemen befasste und sie symbolisch in anderer Weise ausdrückte, wurde die Astrologie nicht angegriffen, nicht gestört. Die Form der- selben, die geheimnisvollen dem gewönlichen Manne nicht ver- ständlichen Zeichen, ire Sprache, statt den Mann der Wissenschaft abzuschrecken, waren mer geeignet, in anzuziehen. Die Weihe des Geheimnisses, welche jene Gelerten umgab, machte inen in jener sonst so rohen und gewalttätigen Zeit allein das Leben möglich, wie früher die Wissenschaften sich vor den Barbaren in die Klöster geflüchtet hatten, wo sie durch Glauben und Aber- glauben gescbüzt waren. Betrachtet man den Galender des 15. 16. und folgenden Jar- hunderts nach seiner astrologischen Beziehung, wie nach im die Schicksale und Eigenschaften eines' an einem gewissen Ta'ge, unter gewissen Zeichen des Tierkreises, geborenen Menschen bestimmt wurden, so hat dieser Glauben in der neueren Zeit vieles verloren. Was in den Calendern bis jezt noch von dieser Art stehen blieb, ist wertloses Ueberbleibsel vergangener Zeiten und Anschauungen, dem nur die Gewonheit, welche es liebt, altes wenigstens noch zu sehen, wenn auch nicht mer zu verstehen, diese Langlebigkeit gefristet hat. Eine originelle Anwendung der Astrologie in dem Galender von 1573 ist jene Drehung gegen die Martialen. „Wiewol (sagt der Astrologe) diess Jars kein sonderer Krieg sein mÖcht\ ist doch zu besorgen, es werden etliche Martiales sich zusammen rotten und sub umbra etwas dichten, sed frustra erit omnis iUornm conatus. ' 1) Meusinga, alte und neue Astrologie. Berlin 1871. 248 » Wollt' ihnen gerathen haben, sie stünden ab und zerbrechten ihre Köpf nit mit ihren Ratschlägen; denn solches ihr Fürnehmen wird sich umbkehren und nit, was sie meinen, von Statten, son- dern letzlich über ihren Hals selber ausgehen; denn Mars und die Sonne, arietis signum possidentes et in decimo loco ab Horo- scopo constituti, geben zu verstehen, es werden die capita natio<- num nach ihrem königlichen und grossmächtigen Verstand das Glück, das ihnen diess Jar's wohl will, zu gebrauchen und auch demselben nachzusetzen wissen/' Wir erkennen hier jene gewalttätige, confessionell aufgeregte und von einer machiavellistischen Politik raisbrauchte Zeit, worin die MartJales, als Vorläufer der Eriegsknechte des SOjärigen Krieges, mit irer aufgedunsenen abenteuerlich zerschlizten Tracht und iren bestialischen Kraftgesichtern anfiengen, die Plage der Be- völkerungen zu werden. Immer noch hat die zügellose bevorzugte Soldatesca den Beginn socialen Zerfalles angekündigt. Eine andere Richtung deuten jene bereits mitgeteilten Mo- natssprüche an. Dieselben enthalten Leren, wie es der Mensch bezüglich seiner Gesundheit halten soll , was in allen Stücken zu tun und zu lassen sei. Waren doch die Astrologen meistens Me- diziner ! Die in dem Calender sich befindenden Anforderungen und Belernngen hinsichtlich des siimlichen Genusses und der Enthal- tung von diesem stehen mer oder weniger im Einklänge mit den kirchlichen Festen und diese (der menschlichen Natur nach ver- farungsmässigen Tatsachen Rechnung tragend) wieder mit der darin angeordneten Lebensweise. Die Kirche hat dem ganzen da- maligen Leben ir Gepräge aufgedrückt und sich stets bemüt, geistig die civitas dei herzustellen. Wir können dieses in einem von Mone in seinem Archive für Geschichte der Vorzeit veröffentlichten Beitrage über die Haus- haltung des Domstifts Strassburg^ im 1 2. und folgenden Jarhun- dert ersehen *). Den Schlnss unseres Calenders bilden die astronomisch- astrologischen Anhängsel, welche in änlicher-Art zum Teil heute noch bestehen. Dieser Schluss , trägt die Ueberschrift : „Von der Revolution und andern Thaylen, auch von regierenden Planeten dieses 73ten Jahres' ^ Es wird darin die Anfangszeit des Frülings auf den 10. März, des Sommers auf den 11. Juni, des Herbstes auf 13. September und des Winters auf den 11. Dezember be- stimmt. Als Jaresregenten treten die Sonne und der Mars auf, wozu der fromme Wunsch beigefügt wird: „Der allmächtig Gott, der ein oberster Herr alles Gestirnes ist, der schick^ Alles zum Besten." 1) Mone, Archiv für Geschichte der Vorzeit. 1838. Heft I S. 1. 249 • Sodann handelt der Calender von den Finsternissen und den Confignrationen der obern Planeten des Jares 1573 und schliesst mit dem Abschnitte: „Karzer Bericht von Witterung und Frucht- barkeit, Krieg und Krankheiten dieses Jahres." Unter allen Abschnitten war aber für die damaligen Leser die Stelle, welche von den künftigen Krankheiten und Seuchen handelt, die wichtigste und ir wandte man allgemein, Arm und Reich, die grösste Aufmerksamkeit zu. Das Vorhersagen der Krankheiten, Seuchen und Pestilenzen, jener grässlichen Plagen des Mittelalters, die aus dem Oriente stammten, hatte in dem häufigen Erscheinen solcher allgemeinen Calamitäten seinen Grund. In den verschiedensten Formen kamen und verschwanden Volksseuchen, welche Bevölkerungen dezimierten und welchen die Aerzte ratlos gegenüber stunden. Nur zu begreiflich ist es, wenn die geangstigte menschliche Natur bei Wundem und astrologischen Vorhersagungen Zuflucht suchte, damit ein Hoffnungsstral ir die Gegenwart erträglich mache. Für den Bauern, der an die Scholle gebunden, alles über sich ergehen lassen musste, wai' also der Calender ein Trost, ein Evangelium der Hoffnung. Stets schienen im die von den Astrologen und Medizinern angekündigten Sterne eine bessere Zukunft zu versprechen, — eine Erwartung, welche der Arme aber stets mit in's Grab nam ; denn gläubig vertraute er immer allem, was im die geheime 'Wissen- schaft der Sternkundigen bot, weil an sie seine Lebenshoffnung geknüpft war^). Eine interessante litterarische Erscheinung haben wir noch zu besprechen, das kirchlich-politische Pampflet in Calenderform. Den Calender rechnet der Satyriker Thomas Murner ^) zu den Agitationsmitteln wie die „Biechlin, Liedlin und andere mehr böse Stücke* ^ Götzinger hat zwei solcher polemischer Calender aus dem Jare 1527 veröffentlicht. Der eine ist „Dr. Johann Kopp^s evangelischer Kalender^' und der andere der Gegencalender hierzu, welchen Mui*ner unter dem Titel: „Kirchendieb- und Ketzerkalen- der'^ herausgab. Kopp hat in seinem Calender gewissermassen das ganze alte Testament in seinen Personen in den Tagescalender eingefürt und die Heiligen des römisch-katholischen Calenders vollständig aus- gemerzt. Sogar Kain hat da eine Stelle gefunden, welcher in der Bibel allerdings nicht als ein Heiliger erscheint und dessen Hand- 1) Ueber den medizinisch -prophetischen Calender, verg). Bo- hat seh, Geschichte der Medizin. 1839. S. 238. 2) Thomas Murner (1475 — 1536). ist der bekannte talentvolle Naohamer Sebastian Brands, welcher sich durch seine satirischen Schriften, als die Narrenbeschwörung, die Schelmenzunft u. s. w. seiner Zeit bekannt gemacht hat. Birlinger, Alemannia V 3 17 d50 langen gewiss nicht zum Vorbild dienen können. Kopp tat diess, wie er in seiner Vorrede sagt, um die Evangelischen zum Lesen des Eyangeliums täglich einzuladen. Das war dem Murner doch zu stark — und er hatte allen Grund, dem Unternemen Kopp's eine andere Absicht zu unter- stellen, daher er sich gegen diesen neuen Calender wendete und in dadurch verspottete, dass er ebensfalls einen Calender aufstellte, in welchen die mit dem Kainszeichen versehenen Personen beider Testamente und die neuesten ,, Ketzer'^ (insbesondere die schweizeri- schen) aufgenommen wurden. So erscheint darin im Monat Jenner als ein Heiliger ,, Ulrich Zwingli, ein Kirchendieb und stolzer Figen-Fresser in der heiligen Geschrifty ein Giger des heiligen Evangeliums und ein Luten- schlaher des alten und neuen Testaments und magister artium (Ränkeschmid) in Theologia!'' ^) Wir haben nun noch zwei Formen des Calenders kurz zu behandeln, welche zum Schreibcalender in demselben Verhältnisse stehen, wie das Kerbholz zur geschriebenen Rechnung, ich meine den früher schon kurz erwänten Gisso-lanus und den Bildcalender. Der gemeine Mann, meist des Lesens unkundig, half sich durch eine eigene Reimsprache, die er leicht im Gedächtnisse be- halten und mittelst derselben one Schrift und Buch sich seinen Calender machen und auf jeden Tag den Wochentag und den etwa darauffolgenden Heiligen oder das Fest finden konnte. Dieser Cissiojanus bestand in abgebrochenen Säzen, wie z. B. eben cissio statt ^circumcissio (Beschneidung, Neujarstag), Pau statt Paulus u. s. w. Im Deutschen waren es ganze Wörter und Säze, welche man in Reimstrophen so zusammenfasste, dass je eine Strophe für einen Monat gerade so viele Worte als der Monat Tage und zu- gleich einige Namen der auf den Monat fallenden wichtigen Hei- ligen (z. B. Martinus Episcop.) enthielt. Dieser Text hatte in der Regel keinen Sinn, sondern nur den angegebenen Zweck, dem Gedächtnisse zu Hülfe zu kommen. Ein anderes, wol häufigeres Verfaren wird eine Art bildliche Darstellung des Calenders gewesen sein, welcher dem des Lesens unkundigen Manne besonders gut gedient haben mag. Man stelle sich auf eine Holztafel oder auf einen Bogen Papier oder Pergament zwölf horizontale Reihen kleinerer Dreiecke gemalt oder gezeichnet oder gedruckt vor, welche Reihen die zwölf Jaresmonate und die einzelnen Dreiecke die Tage der Monate an- zeigen. Der Monat Januar hat also 31 solcher Dreiecke, der Monat Februar 28 u. s. w. 1) Zwei Calender vom Jare 1527. Herausgegeben von Dr. Götzinge r. Schaff hausen 1865. 251 Die Werktagsdreiecke sind schwarz, die Sonntagsdreiecke dagegen weiss. Dabei sind nun die beweglichen Feste und die Mondwechsel angegeben. Nach Erfindung der Holzschneide- und Buchdruckerkunst bemächtigte sich das Gewerbe sogleich der Anfertigung solcher t)alender. Durch gewisse Figuren oberhalb der schon beschrie- benen Dreiecke wurden die Festtage bezeichnet. So z. B. ist im Monat Januar das Circumcissions-Fest mit einem Kreuze bezeich- net, wie alle auf Christus bezüglichen Feste, die hl. drei Könige erscheinen mit einem Sterne, die Märtyrer mit einem Beile, der hl. Antonius mit einer Glocke, St. Sebastian mit dem Heiligen selbst, der einen Pfeil in der Brust sizen hat, das Schwert zeigt Pauli Bekerung an u. s. w. Solche Calender sind äusserst selten geworden. Das Volk nannte sie „Praktik^' und f&r den des Lesens unkundigen Mann waren dieselben allerdings „praktisch''. In Plakatform gedruckt, — vielleicht auch öfters coloriert, mögen sie in jedes Bauern Stube gehangen haben. Das Wesentliche indess werden aber die Geistlichen selbst getan haben, um ire Pfarrkinder sowol an ire kirchlichen Pflich- ten zu erinnern, als dieselben auf die Zinstage aufmerksam zu machen, an welchen bei der damaligen Naturalwirtschaft die Pfarr- competenzen fielen. Zu den grossen wissenschaftlichen Errungenschaften des 15. und 16. Jarhunderts gehört die durch Pabst Gregor XIII endlich ausgetragene Calender 'Reform, welche demselben durch das Triden- tiner Concil formlich aufgetragen worden war und welche er mit Hülfe des deutschen Gelerten Christof Clayius und des Italieners Ignatio Danti und mererer anderer im Jare 1582 glücklich zu Stande gebracht hat. Der Calabrese Aloysius Lili ist aber der eigentliche Urheber des neuen Calenders oder vielmer der neuen Schalt- oder Oster- rechnung. Der Pabst hatte den Plan dieses Mannes im Jare 1577 schon den Fürsten und berümtesten Universitäten Europas zur Prüfung vorgelegt und hatte dazu selbst eine Commission von Ge- lerten in Rom niedergesezt, unter welchen auch' die beiden oben genannten an dem Reformwerk hervorragenden Anteil genommen hatten. Nachdem diese römische Commission noch einige kleine Aen- derungen an dem ursprünglichen Plane Lili's vorgenommen, arbei- tete sie die mer in^s Einzelne gehenden Canones in. das Calen- darium Gregorianum aus, auf deren Grund dann der Pabst in einer Bulle vom 24. Dez. 1582 die Reform definitiv anordnete. Der Gegenstand dieser Verbesserung, wie in die »päbstliche Bulle bezeichnet, war einerseits die Frülingsnachtgleiche auf ire zur Zeit der nicäischen Kirchenversaramlung, die im Jare 325 stattgefunden, innegehabte (21. März) und den Ostervollmond auf 252 seine eigentümliche Stelle zarückzufüren, wie anderseits die Mittel anzugeben, am in Zukunft für immer die Verrückung derFrülings- nachtgleiche und des Frülingsvollmonds von iren angewiesenen Sizen zu verhüten^). Indem wir dem Leser überlassen, das Nähere über die Dorch- furung der gregorianischen Calenderform, sofeme er sich hierfür besonders interessieren sollte, nachzulesen, knüpfen wir nun weiter an die Mitteilungen über die Galender des 16. Jarhunderts einige charakteristische Züge aus jenen des 1 7. und 18. Jarhunderts. In änlicher Weise wie das 16. Jarhundert, für nun auch das wilde und abenteuerliche 17. Jarhundert in seiner Astrologie fort ; nur gewann dieselbe mer das Uebergewicht, ein Beweis, wie ser Krieg, Krankheiten, Hungersnot und Pestilenz — zum Aber- glauben füren. Baptista Seni (Zenno) ist für dies astrologische Zeitalter der Typus gewordei^, den Schiller in seinem Wallenstein so meisterhaft gezeichnet. Der zu Meersburg (am Bodensee) in der Fürstbischöflich- Gonstanzischen Druckerei (bei Johann Oeng) erschienene Schreib* calender für das Jar 1642 brachte ein ganz weitläufiges astrolo- gisches Prognostikon. Das ist: „Kurzer (!) Bericht von dem Jare MDGXXXII, wie nemblich und auf was Weis und Gestalt dasselbe möchte ablaufen, nach den himmlischen Gonstitutionen, sonderlich, was die Witterung belangt, mit sammt den Finsternissen, die ge- schehen werden, auf den 30 Meridinnum mit sonderbarem Fleiss gestellet und beschrieben durch Heinrioum Faensterraves, der mathematischen Künsten Liebhabern." Diesem Galender sind ausser den Regeln vom Aderlassen, Schröpfen und Baden, auch jene für das Säen, Impfen (Occulieren), Pflanzen, Rebenbeschneiden, Obstlesen und Holzhauen beigegeben. Ebenso eingerichtet ist der zu Gonstanz gedruckte Schreibcalender desselben Herausgebers für das Jar 1662. In beiden findet man die Tage sowol nach dem verbesserten gregorianischen Galender als nach dem alten julianischen , so wie anf der Schreibseite nach der römischen Bezeichnung angegeben, sie waren also für beide christlichen Gonfessionen Deutschlands eingerichtet; demnach gab es z. B. einen Alt- und Neu-Hornung, einen Alt- und Neu-März u. s. w., wovon ersterer dem lezteren immer um 1) Das Hauptwerk über die GregorianisoheCalenderverbesse- rung schrieb der schon genannte deutsche Gelerte Christophor Glavius, welches zu Rom 1603 erschienen ist. Vergl. Histoire des seiendes mathematiques en Italic depuis la renaissange de lettres. Halle 1866, Bd. lY p. 84 et seq. Darüber handeln auch Bailiy, His- toire de Fastronomie moderne, Paris 1785, undDelambre, Histoire de Tastronomie du moyen age. Paris 1849. Sieh die in Seite 286 und 237 citirten Schriften. 253 11 Tage zuräckstand , so dass das Jar 1641 im alten Calender erst mit dem 11. JannaL- des Jares 1642 abgelaufen war. In dem Calender für das Jar 1662 ist die Angabe der Jar- märkte neu. Hiermit war dem Bauernwesen noch weiter Rech* nung getragen.' Es sind nämlich die damals besuchtesten Jar- märkte in der Schweiz, in Schwaben und im Breisgau angegeben, also in Gebieten; welche, durch den Rhein und den Bodensee mit- einander verbunden, in ser enger commerzieller Verbindung stun- den und namentlich Wein gegen Frucht (Breisgau und Schwaben), wie Yieh und Wein gegen Frucht (Schweiz, Breisgau und Schwa- ben) austauschten. Süddeutschländ hatte damals noch einen namhaften Ueber- fluss an landwirtschaftlichen Produkten. Und damals begannen die Italiener am Oberrheine sich als Kaufleute und Krämer anzu- siedeln, die mit Südfrüchten, Seiden-, Tuch- und Wollenwaaren (aus Böhmen, Prestinari, Mautelli u. s. w.) Handel trieben. Die Landwirtschaft, auf welche, wie wir sehen, die Calender nunmer auch einige Rücksicht namen , hatte sich wieder langsam gehoben und es waren hier zunächst theoretisch von Einfluss die im 16. Jarhundert geschriebenen landwirtschaftlichen Werke, ins- besondere jene des eriichen Heresbach (1508 bis 1Ö76), welcher in 4 Büchern einen Dialog Über Landbau und Gartenkunst ganz im Style und Geiste römischer Autoren gab, der 1603 zu Speier gedruckt wurde ^). Auf in folgte bald Coler mit seiner Oeconomia ruralis et domestica (Wittemberg, 1597), und hierauf nach kaum überstan- donen Nachwehen des 30järigen Krieges , die gewichtige Schaar hausväterliühen Folianten des Pfalzgi-afen Karl Philipp, ferner die Reihe der „Hausväter" des Becher, Döbel, von Feldeck, Mayr und von Rohr. Diese Volksbücher und Volksfolianten gjengen in rascher Folge neben den lateinischen Bauern (in rebus rusticis) einher und bauten den Weg für die schon um die Mitte des 18. Jarhunderts so ausgezeichnete empirisch-praktidche Schule deutscher Land- wirte, welche selbst das beste und einzig haltbare Fundament für die gegen das Ende dieses Jarhunderts sich hebende wissenschaft- liche und rationelle Klasse der Neuzeit legten. 1) Von dem, was der Landwirt in den einzelnen Monaten zu tun hat, handeln schon ausfürlich die Schriftsteller der Römer über den Ackerbau. So Calumella und Palladius. In der deutschen Ueber- sezung dieser beiden von Michael Herz (Strassburg 1538) ist viel- fach darauf Bezug genommen. In dem „Lustgarten der Gesundheit" von Walther Ryff (Frankfurt 1546) findet man S. XXVIII zu den Ueberschriften, was der Bauer jeden Monat zu tun hat, schon die Vignetten, wie wir sie in manchen Calendern heutigen Tages noch sehen. 1 254 Znr Tradition der Benedictiner und Cisterzienser hatte auch die Beschäftignng mit Landwirtschaft gehört. Ora et labora, sagt ire Regel. Bücher, wie die obengenannten, finden wir in den Biblio- theken, welche sie der säcolarisierenden Nachwelt überlassen mäs- ten. Die, Weistümer der Klöster, jene für die Landwirtschaft des Mittelalters so wichtigen Documente, beweisen die Fürsorge der Klostergeistlichkeit für den Landbau und ir Verständnis für die Tätigkeit, welche gerne in gewontem Gange sich bewegt and Ex- perimente scheut. Der Bauer sieht auf erprobte Regeln, welche zu halten im Gewonheit wird. Zur Verbreitung landwirtschaftlicher Praktiken und Regeln haben nun die Calender wesentlich beigetragen, und schon in der zweiten Hälfte des vorigen Jarhunderts erweiterten sich mainche derselben zu kleinen Handbüchern der Landwirtschaft. So z. B. sind die von der Gisterzieiiser -Abtei Salem ausgegangenen Calen- der durch Einfachheit und Klarheit an Gehalt und Gestalt wäre Muster volkstümlicher Lektüre. Wir treten nnnmer in das 18. Jarhundert. Ich habe vier Schweizer-Galender von den Jaren 1701, 1713, 1714 und 1721 vor mir. Der Titel des dritten lautet: „Neuer Gregorianisch und verbesserter Julianischer Regensburger Schreibkalender, gedrukt zu Freiburg im Uechtland^^ Er war demnach, wie die kurz vor- her besprochenen, für beide Confessionen bestimmt, da die Pro- testanten die Verbesserungen des Gregorianischen Galenders nur unter diesem Titel angenommen hatten. Als Beigabe enthält der erste (von 1701) eine „Gontinuation löbl. Schweizerischer Cantonen Regierung, Botmässigkeiten und Freiheiten*^ nämch die Beschreibung des Gantons Luzern. Also schon Anfange historisch - topographischer Arbeiten für Calender! Ferner enthält er noch Bauernregeln und dann ein Prognosticon astrologicum auf das Jar 1701. Im Calender für 1713 sind bei den Zeichen des Tierkreises die eingehendsten auf die Pflege der Gesundheit abzielenden Vorschriften gegeben. Als Unterbaltungs- Beigabe, welche Forderung an den Calen- der nach allgemeiner Verbreitung des Lesen-Könnens nunmer auch auftritt; enthält der Calender von 1714 „Kurzweilige Fragen des hochberühmten Aristotelis^* — alles in jener burlesk - komischen Weise gehalten, welche die Werke Fischarts und seiner vielen Nachamer bis herunter zum Calender dieser Zeit charakterisiert. So lautet eine dieser Fragen: „Warum bewegt alles Gethier die Ohren, ausgenomen der Mensch?'' Antwort: „Dieweil nach Aristotelis Meinung an des Menschen Kinnbacken eine Maus ist, welche die Bewegung der Ohren wehrt; wo aber diese aufgethan, da bewegen dieselben Menschen die Ohren, wie solches an vielen Leuten zu ersehen. Andere Thiere aber haben diese Maus nicht, darumb bewegen sie die Ohren.*' Maus, Muskel, Musculus. Eine weitere Frage lautet: „Warum schlafen die Hasen mit 255 offenen Augen?'' Antwort: ,)Dieweil sie weit herfür gebende Augen und knrjse Augsbranen baben, dämm ihnen bescbwerlicb ist, die Augen zu zutbun. £& kann auch eine andere Ursach sein, nem- lieb die weil es forcht43an)e Thiere seynd, und damit sie sich mögen fürsehen und büten, schlafen sie mit offenen Augen/' Derselbe Galender enthält ferner noch Bauernregeln und eine Aderlasstafel; sodann eine gemeine astronomische Jarespraktika und Mutmassungen darüber, wie das Jar 1714 in Witterung, Finsternissen, Kriegssachen, Fruchtbarkeiten und Krankheiten nach der Constitution der sieben Planeten, wie auch anderer Sterne des Firmaments, sich gestalten werde, „mit sonderbarem Fleiss ge- stellt durch Andrea Ooldmayers mathematische Instruktion von David Hautt, caesar. notario publico, bibliopola ac typographo'^ Der Galender. für 1721 hat als Unterhaltungs-Beilage eine „Rauber- und Geistergeschichte des Land- Störers Spiinginsfeld, auch zugleich von seiner Leyrerin, wie sie ihren Lon bekommen'^ Man sieht auch hier das Hereinragen der damals Mode geworde- nen Gauner- und Schelroen-Romane, welche zunächst von England und Spanien zu uns herübergekommen. Sodann gibt dieser Galender in einer Tabelle das Alter der „Kaysor, Könige, Chur- und anderer Fürsten in Europa^' an, worunter indessen auch „Gham-Hi, Kayser in Ghina, Achmet Sul- tan, Kayser in Türkey und Adain Angdsad, Kayser in Abyssinien^', aufgefürt werden. Wer erinnert sich hier nicht aus der Geschichte an die um jene Zeit an den christlichen Missonären in Ghina und an der Ostküste Afrikas begangenen Grausamkeiten? Die Türkenkriege unter dem „Türken-Louis", die Verfol- gungen der Christen in Ghina, sowie die Entdeckungen an der Ostküste von Afrika, hatten das Interesse der Bevölkerungen an diesen auf dieWeltbüne getretenen Persönlichkeiten rege gemacht. „Wenn weit hinten in der Türkei die Völker wild aufeinander schlagen'^, war es jedenfalls für einen Schildbürger Schwabens wjchtig, zu wissen, „wie alt auch diese heidnischen Potentaten seynd.'* Aenlich beschaffen war der „Newe Himmels-Kalender'' für's Jar 1703, in welchem „mit vilen schönen und bewährten Historien und Exemplen erwiesen wird, dass vil leichter in den Himmel zu kommen sei, denn in die Höir'. Er wurde gestellt „durch Eras- mum Fustum, S. J. theol. drm.^', und bei Straub in Gonstanz ge- druckt. Wenn bei dem Verfasser auch nicht Societatis Jesu stünde, so wäre er doch sogleich als aus dieser Offizin hervorgegangen zu erkennen ; denn solche Art der Exemplification ist nur den Jesui- ten eigen. In*B Medizinische schlägt dagegen dev constanzische Schreib- Galender für 1707 ein, indem er eine Beschreibung der Heilwir- kungen verschiedener Früchte und Pflanzen enthält, welche dem Leser auch in getreuen Holzschnitten vorgefürt werden, Es wäre 256 unschwer, diese Holzschnitte in früheren botanischen Werken und Naturgeschichten zu finden, denn nicht blos der Stoff wurde für die unteren Regionen nach Jarzehnten erst abgegeben, sondern auoh die Stöcke der Uolzschi^itte« Aber nur dadurch eben konnten diese Galender so beispiellos billig hergestellt werden. Der constanzische Schreibcalender, bei Waibel gedruckt, ent- hält femer ,,Weltgeschichten'' und um die Leser sogleich in eine inen ganz unbekannte Welt zu fören, bringen er und seine Nach- folger die Geschichte der römischen Kaiser Galigula, Tiberius und Claudius Drusus. Der labhardische Galender dagegen (z. B. für 1702) bringt eine Relation über die , Jüngst entdekte grausame und schreckliche Gonspiration in Ungarn, wodurch der ganze kajserliche Hof zu Laxenburg ganz unverantwortlicher Weis jäm- merlich hätte sollen hingerichtet, und roassacriert werden/' Ein Memminger Galender (Almanach) für's Jar 1718 gibt Hausmittel gegen verschiedene Brandwunden, und ein früherer für 1709 solche gegen Nervenleiden und Geistesstörungen an. Unter diesen Mitteln spielen Salat (warscheinlich Lattich, denn sein Al- caloid Lactucin wirkt bedänbend, und in geringer Dosis beruhigend) und Extrakt aus Pfirsichkemen (bekanntlich Blausäure enthaltend) eine grosse Rolle. Es beruhten diese Mittel wol alle auf Empirie. Man sieht hier noch das bunteste Allerlei, one Plan, one Auswal und bestimmte Richtung. Mit dei* Mitte des vorigen Jar- hunderts aber beginnt eine wesentliche Verbesserung in der Wal der calendarischen Beigaben; dieselben erheben sich zum wirklichen Bildungs- und Belerungsmittel für den Bürger und Landmann. Einen bedeutenden Fortschritt hierin bekundet insbesondere der „Ffirstbischöfliche Bruchsaler Galender'*. Eline Reihe von Jargängen desselben (vor und nach 1760) enthält eine für jene Zeit recht gute historisch -topographische Beschreibung des Bistums Speier; ferner eine Art von Staatshand- buch über das geistliche und weltliche Beamtentum des ganzen speierischen Gebietes, zu welchen Arbeiten wol die Werke der Schweizer Iselin und Füsslin das Vorbild gewesen sein mögen. Wir schliessen die Reihe der gewönlichen Galender mit den markgräflich'badischen, nämlich mit den „genealogischen*' und den „historischen Landcalendern**. In denjenigen für das Jar 1781 (Garlsruhe bei Maklot) sind drei Mouatscalender enthalten, ein- mal der verbesserte protestantische, der katholische (gregorianische) und der alte julianische. Es werden wol wenige Untertanen Karl Friedrichs gewesen sein^ welche 1781, also 10 Jare nach der allgemeinen Einfüning des verbesserten Reichscalenders in Deutschland, noch nach dem julianischen gezält haben. Ich vermute, es werden einige sektische Altlutheraner gewesen sein. Der genealogische Galender teilt, seinem Namen vollkommen gerecht werdend, eine ausförliche Genealogie der damals^ noch in 2W die Hunderte gehenden souveränen Häuser Europas, und ein Ver- zeichnis der im schwäbischen Kreise und in der nördlichen Schweiz abzuhakenden Jannärkte und Messen mit. Unterhaltendes und Belerendes dagegen enthält der hochfurstlich-markgräfliche Land- calender (Karlsruhe und Kehl). Es erschienen um diese Zeit in den jezt badischen Landen noch historische und Haushaltungscalender, der Taschen calender, der Schreibcalender, der Hof- und Staatscaleoder; sodann der Ca- lender für die freie Reichsstadt Offenburg, der oberrheinische „hinkende Bote'', und mit Beginn unseres Jarhunderts der „Lahrer hinkende Bote'', vielleicht der einzige unter den bestehenden Ca* lendem dieser Art, welcher eigentlich noch im alten Reiche ge- boren ist. Der Vorläufer des rheinischen Hausfreundes, dessen Namen durch Hebel so bekannt geworden, war eigentlich der „markgräflich- badische gnädigst privilegirte Landcalender^', welcher zu Karlsruhe im Verlage des fürstlichen Gymnasiums erschien. Der Hebersche Hansfreund dürfte als Volkscalender wol noch unübertroffen sein. Zwei weitere Erscheinungen im Galen derwesen traten eben- falk um die Mitte des vorigen Jarhunderts in den Vordergrund, ich meine die Staatscalender und die Musenalmanache. Die ersteren sind eine Nachamung des französischen Almanach royal, welcher zuerst 1699 gedruckt worden, und wol die Notitia utrius- que imperii der Römer zum Vorbild hatte;, denn die deutschen Höfe, insbesondere der pfälzische, Hessen für ire Staaten ebenfalls einen solchen Almanach in französischer Sprache erscheinen, um hierdurch den Glanz und Reichtum ires Hofstaates zu zeigen. Im lezten Viertel des vorigen Jarhunderts wandte man sich sonst vor- wiegend der deutschen Sprache zu; nur an den Fürstenhöfen wurde die französische beibehalten.. Jedes noch so kleine Staatswesen im heiligen römischen Reiche deutscher Nation, dieser vielstaatlicben Confnsio divinitus conservata, hatte im Jarhundert der Zöpfe seinen Hof- und Staats- calender, worin der Namen selbst des niedersten Dieners nicht vergessen war. Wir finden für eine Reihe von Jaren baden-durlachische Hof- und Staatscalender; einen besonderen Calender des kaiserlichen Reichskammer-Gerichtes zu Wetzlar, dessen Gesammt-Personal dem Leser in ungeanter Zal aufsteigt und in der Tat einen eigenen Calender austrug; einen kaiserlich-königlich vorder- österreichischen Schematismus (für 1767), welchen Namen der Freiburger Adress- calender bis in unser Jarhundert hinein fürte ; einen hochfürstlich- speierisdhen Hof- und Staatscalender, welcher eine Reihe histori- scher Mitteilungen über die Bischöfe von Speier brachte; einen fürstbischöflich -constanzischen Calender für das weltliche Gebiet des Bischofs, wärend die Catalogi diöcesis constanciensis den kirch- lichen Status der Diöcese enthielten. 258 Der Musenalmanach hatte seine Wiege ehenfalls in Frank- reich, zu Paris. Der Almanach des Muses war der Prototyp dieses später so zab*eichen sentimentalen Geschlechtes. Vortrefflich schil- dert der hiedere Schlosser die Wirkung dieser littorarischen Er- scheinung auf die Bildung seiner Zeitgenossen. Für den Breisgau und die sentimentalen Zirkel Freihurgs galt als der erste Almanach die ,,Iris" von Jakohi. Dieser Dich- ter, eine feinfülende Natur, gehörte zn jenen biegsamen Menschen, denen kein Sturm etwas anhaben kann. Er holt sich, wenn seine Mitbürger über politische Ereignisse in Bestürzung sind, frische Blumen in seine Gläser und geniesst mit Horaz die Fröhlichkeit in der Armut und das Glück in der Bescheidenheit, zieht sich in sein Schneckhäuschen zurück und ist dem Völklein seines Erd- kreises, den Freiburgern, allezeit gut, wie sie im. Das war doch immerhin etwas Welt und Leben gegenüber der Oede, welche uns in dem ad regimen gegebenen Baden- Durlacher genealogischer Landcalender entgegengänt, mit seinen dürren Tagesregistem , seinen weissen Blättern zum „Schreiben'' und seinen im „Schreibsäculum *' aufgestellten langweiligen Ver- zeichnissen sämratlicher Serenissimi aller Länder und Ländchen! Aus den Almanachen bildete sich jene niedliche Nipp-Litteratur für das schöne Geschlecht, welches die ernsten Legenden und An- dachtsbücher mit iren seufzervollen Gebeten wegzulegen und zu den zierlich eingebundenen, mit seidenen Blumen verzierten engels- kopfreichen Almanach's des Muses zu greifen begann. Auch dem bürgerlich Hausväterlichen trug man Rechnung. In der „rothen Fächerstadt'' erschien der „Karlsruher Almanach für Nuzen und Vergnügen''; ein Almanach für gesellige und häus- liche Freuden, Calender zur Verbreitung der Kenntnisse im Haus- haltungswesen, ein Gegenstand, der heutzutage bei den Damen be- sondere Beachtung finden sollte, und dergl. Die damals zu neuer Tätigkeit erwachenden Büchhändler hatten für Alle eben schon Alles und so konnte denn auch Vielen wieder nach dieser Rich- tung hin geholfen werden. Seit dieser Zeit sind nun 70 Jare verflossen. £& liegt aus diesen Anfängen eine vollständige Litteratur vor uns, welche wir aus Keimen des XV. und XVI. Jarhunderts hervorsprossen sahen. Breit ist die Blüte aufgegangen und mit zallosen Blättern öffnete sich die Knospe. Eine Victoria regia ist die Blume frei- lich nicht geworden, sie nähert sich eher der vielfarbigen Genti- folie. In alle Winde zerstreuen sich nun die Blüten jeden Jar- triebs. Ob der Priester die Feste verkündete und den Calender brachte, ob der Hörige in der Kirche den in Holz geschnittenen Palender hinter dem Lettner sehen konnte^ ob das arme Bäuerlein 259 für eiD Pfändlein gelben Wachses vom Messdiener vielleicht den rudimentären Calender mit seinen Festfigaren erhielt, ob in der brütende und träumende Arzt und Astrologe dem bedrängten Bau- ern bot, oder ob in ein hinkender Bote brachte, oder ob in jezt ein mundfertiger Commis auf dem Ladentische auslegt, — immer war er willkommen, Millionen von Händen griffen nach im und verschlingen in ' heute noch bei Sonnenlicht, Petroleum, Gas, Stearin, Parafin und Unschlitt. Calo te Inno novella! ßoch in einem so tiefen Respekt, welchen früher das astro- logische Geheimnis seinen Jüngern verlieh, stet der Calender heutzutage nicht mer. Einst sagte das Volk von einem, der tief zu denken schien, der brütete: Er macht Calender! Heute er- scheint der Calender mer als Arlechino des „Heldenvolks im Reiche des Gedankens^S bei welchem, wenn Schiller in seiner Teilung d«r Erde Recht hat, der Gründer reicher wird denn der Finder. Doch hoffen wir, dass das ernstere Streben der Fachlitteratur, welche sich auch dieser Verbreitungsform seit Jarzehnten bemächtigt hat, den Calender immer mer zum Verbreiter auch wirklich ge- raeinnüziger Kenntnisse machen wird. Karlsruhe J BT r e n k 1 e Von sand Marteins frewden 1 Wollauf lieben gessellen vnuerezait, seit gemait, in der frewden klaid, lat sorgen vn auch laid vns hat frewde bracht Martein, der milde man gesait. Wir vnd vnser genossen, dy klainen vnd dy grossen Süllen sein berayt, dy weil vns dy flaschon, dy kandeln aus den vasseu gueten wein her trait, geus aus, schenkch ein! Der l'enor Seit willikomen her Martein, lieber czartter trawter herre mein ! Schenk ein vns den wein sunder pein, das wir ymmer säligk muessen sein. Schenkch vns ein ein guetes trünkchelein, das VHS vnnsre wängelein werden fein. 260 2 Wir Süllen vns frewen, sait dy geschrift, gueter gift, dy vns alle trift, mit grossen pechem schift kecker trüncke stift czu paiden wangen als der pfeift mit langen nassen krausen das pausen, das rymphen vnd schimphen, das vns dy lebsen ent-slimphfi, wie na her äppel. her dyetel vnd her träppel ob ir na czu grift! geas aus, schengk ein. 3 Wer nu welle sein sand Marteins gast, sorgen last, dy sey im als ein past. er trinkh vnmassen vast wan er gee gein rast, er sweb als vor dem wint ein ast : vast so well wir trincken, das hincken dy czungen, dy lungen, vm dy went gent tasten. Raich her pey viern dy kütten vnd dy pyren, ob sy gepraten sein ! geus aus, schenk ein. 4 Das sant Marteins nacht nach werd vol bracht, heint czu nach|, so han ich gedacht, das vns werd gemacht, vnd auch hyher bracht Alles das mein heroz hab ye gedacht. So schieb wir in dy gense dy flense, dy kesten vnd dy pestn vnd auch kuelen wein. Raich her den pecher vnd lafz vns aber czechen, ob du icht mer hast. geuss aus, schenkch ein. Ain Padel von drein stymmen Martein lieber herre nu lafz vns fröleich sein, heint czu deiner eren vnd durch den willen dein! dy genns soitda vns nutzen vnd auch küelen wein gesoten vnd gepraten sy müessen all herein. Baierisches Meistersingerlied 15, sec. von Oscar Verlage in München mitgeteilt am einem handschriftlichen Nachlasse. AB 261 Volkstümliches, Sagen, Aberglauben II 19 Der ewige Jäger. Im sogenannten Beurenertäle % 'wo's von Vöhringen nach Rosenfeld get, spukt seit Alters der ewige Jäger. Er jagt talauf, talab, besonders am Kirn- und Engewald. Beim Zollstock ist seine Grenze. Strassen meidet er. Sein Boss ist ein Rappe. Kommt ein Fnrwerk, so wollen die Pferde nicht mer weiter, sie wittern in, werden unruhig. Auch einen Hund bat er bei sieb. Auf dem Hauwasen ruft er: huita, huita, ta, ta, ta! In einem benachbarten Orte get ein Geist als feurige Büschel. In Isingen (Rosenfeld) zieht zeitweilig das wütende H^r. Mündlich. 20 Der Schimmelreiter. Von Wittersbausen her, er- zälen alte Vöhringer, vom Berge, kommt der Schimmelreiter und nimmt seinen Weg hinter dem Dorfe die Feinstergasse hinunter; es ist ein Fussweg gegen Mülheim zu dem dortigen Fichtenwald] e, da zieht er hinunter. Er liebt freies Feld und auch offene Strasse ; trägt seinen Kopf im Arme, sizt verkert oben. Es ist ein ^^hunds- fütischer Reiter' ' sagen die Leute und hat immer seinen bestimm- ten Weg. Mündlich. 21 Das Schloss im Beurenertäle. Der Ort ist ser alt: da gibt es Hofacker, eine messingne Deichel -Wasserleitung, ein Edelmannsbrönnle, das Schlosswälle oder Kranzwälle (Wäldle) drum herum. Im Keller ligt ein Schaz verborgen, den hütet in der Geldtruhe ein schwarzer Pudel ^). Leute gingen schon öfter hin- aus und suchten mit der Glücksrute. Einmal gruben sie, da sprang ein Hase, der nicht recht war, herauf und sieh ! alle liefen voll Schrecks davon. Die Bauern haben dem Burgherrn hart fronen müssen: musten Nachts die Frösche und Kröten stillen durch Ein- schlagen mit Prügeln und Stangen in die Gräben und Lachen. In der Nähe ist das Sigelhaus. Die Römerstrasse ist da. Mündlich. 22 Ein geheimnisvoller Brunnen. Bei Vöhringen ligt im Felde, etwas versteckt der Mura- oder Urabrunnen. Ein er- farner Schüler sagte, das ganze Feld dort lige über einem grossen Wasser. Beim Tiefenbronnen in der Nähe versank einst ein Reiter und ward nie mer gesehen. 23 '8 Knaba Bühl. Im Beuremertäle ist ein Bühl am Ausgang des Engewaldes, worinn eine Hutform eingegraben sein soll, wie die Bauern sagen. Drei Ecken lassen einen schwäbischen Dreispizhut erkennen. Möglich dass es ein altes Grenz- oder Ge- 1) Diese Sagen sammelte ich selbst an Ort and Stelle. Hier ist das Land von römischen Altertümern voll. 2) Von der Burg F rundeck, wo die Eyach in'sNeckartal einläuft, get die gleiche Sage. Schnell in d. Mitteil, d« Hohenzoll. Gesch.- V. 8, 73. 262 richtswarzeichen ist. Weiter oben läuft des ,,Knaba Bühlsteagle*^ Vor Zeiten sollen sich da 2 Knaben umgebracht ha))en. Mündlich. 24 Gespenstische Wäscherin. Der Fussweg zwischen Witt'ershausen und Vöhringen im Tale get' durch äen Üpa, Uopa; da wo's B. zuget ist ein Steg über diäs kleine Bächlein, das immer Wasser hat und auf dem Steg wascht nächtlicherweile öfter eine gespenstische Wäscherin. Mündlich. 25 Unaustilgbare Blutstropfen. In Bergfelden er- hängte sich einst ein Mann, der Jäggle geheissen, in seiner Scheuer. Blutstropfen fielen herab und können nicht weggewaschen werden. Der Leichnam wurde auf den Dickeberg gefQrt. Da ginge aber so schnell hinauf, dass man mit 4 Ketten sperren muste; im Her- unterfaren brauchte man aber Yorspan. Ein Plaz, gemiden auf ewige Zeiten — heisst 's Jaggemle's Grab. Jäckam, Joggam := Hans Jacob. Mündlich. 26 Die nächtliche Hackerin. Wo es von Vöhringen Renfrizhausen zuget, in einem Tale beim Fichtenwäldle hackt nachts oft ein kleines Weible an einem bestimmten Marksteine und hat da wo andere Leute die Brust haben, ein Licht. Sie heisst seit Alters im Volke: 's Altemer Weible. Alten, Althoim ist dort Flurname und deutet derselbe auf einen untergegangenen Won* siz hin. Vgl. Sulzer Ob.-Amtsbeschr. 92. — Mündlich. 27 umgehende Seelen, Tiere, Hexen. Auf der Toten- steige zwischen Roth und Thannheim (O.A. Leutkirch) ersclieint ein feuriger Pudel oder ein Reiter one Kopf, der die Passierenden begleitet. Das Frauenmad bei Mooshausen (0. A. Leutkirch) soll so heissen, weil hier ein Frauenkloster gestanden, das versanken. Man sieht zuweilen ein altes Weiblein aus dem Wald kommen, das den Heuenden die Heuhaufen wieder zerstreut. Im Tobel hinter der Ruine Marstetten sieht man ein Licht oder einen schwarzen Mann. (NB. Mein Firmpate behauptet lezterm selbst begegnet zu 'sein.) Auf der Haide bei Leutkirch spukt ein Geist, der die Wan- derer irrefürt. (Von meinem sei. Vater gehört.) Meine Mutter sei. erzälte mir oft, der Grund, warum man jezt keine Geister oder Hexen mer sehe, sei, weil der Pabst alle Unholden in das Ochsentobel bei Kirnach gebannt habe. In den drei hl. Nächten : Andreas, Nikiaus, Weihnachten, kann der die Hexen sehen, der auf einem Stul von siebenfachem Holze rückwärts kniet. (Von meiner Mutter gehört.) Die Burg Trauchburg wurde von zwei Schwestern, von denen eine blind war, in der Heidenzeit erbaut. Hierauf teilten sie ir Vermögen. Sie hatten soviel Geld, dass sie es in Scheffeln massen. Die Sehende gab irer Schwester stets einen Scheffel, wärend sie sich zwei zumass. Zur Strafe muss sie geistern; man sieht sie zuweilen in weissem Gewände um die Burgruine schweben. 2«d In den hl. Nächten sieht man von der Bnrg Tranchbarg ein Liebt bis zur Strassenkrenzung bei Nellenbnick herabgehen und dann' verschwinden. Auf der Staige zwischen Legau und Steinbaoh stet ein Geist, der bald" ganz klein, bald riesengross ist. Er soll im Leben Grenz- steine versezt haben. (Oberacher in Hinznang will in gesehen haben.) Zwischen Simmerberg und Ellhofen konnte man früher bei der Stelle am Hexentobel nicht weiter faren und sah ein Licht von der Burg Ellhofen in dies Tobel wandeln. Erst wenn man rief: in Teufels Namen 1 giengen die Pferde wieder weiter. (Ein- zige Sage um Simmerberg, aber auch aussterbend.) In Kempten sieht man um Mitternacht einen Mönch durch die Sonnenstrasse wandeln. Den vorlezten Fürstabt von Kempten soll der Teufel geholt haben. (Mitteilungen von Dr. Baumann in Donaueschingen.) 28 Die Messe-lesenden Gestalten. Der Nachtwächter in Mergentheim sah gar oft bei der Nacht die Stadtpfarrkirche innerlich ganz beleuchtet. Aus Neugierde holte er einmal eine Leiter und schaute durch die Fenster hinein; aber wie erschrak er! Auf allen Altären wurde schwarz Messe gelesen und war ein Priester fertig, so ging's der Sakristei zu, der Ministrant voran und alsbald kam wieder ein anderer Priester aus der Sakristei heraus, der Ministrant gab mit dem Wandglöcklein das Zeichen, die Altäre waren aufgezündet. Nun zeigte er solches dem Stadt- pfarrer, geistl. Rate Engelhardt an. Dieser begab sich in der Stille durch den damaligen Gang vom 2. Stocke des Stadtpfan*hauses in das Sakristeichörle und fand die Sache bestätiget. Was er getan, konnte mir nicht gesagt werden ; aber von da ab habe dieses Messe- lesen aufgehört. (Schöttle. Mündlich vom f Pfarrmesner Bessler.) 29 Der Büttner im Hospitalkeller zu Mergent- heim. So oft ein gutes Weinjar bevorstet, erscheint wärend des Advents der Büttner im Hospital -Keller. Die ganze Nacht hin- durch klopft er an den Fässera herum; ordnet und richtet sie, grosse und kleine; holt sie dann vor sich her die Strasse hinauf bis zum Marktbrunnen, wascht sie säuberlich aus, holt sie wieder hin und her und sodann retour in den Keller hinab. Man ist schon ganz in seiner Nähe gewesen, hörte die ganze Arbeit, sah aber nichts. So kann er ganze Nächte hindurch sein Handwerk treiben bald vornen bald hinten im Keller. Das ist in der Stadt allgemein bekannt. Man wartet auf in, w^il er ein gutes Wein- jar verkündet. Im Advent 1841 soll dies besonders auffallend ge- wesen sein. Eines Tags kam die Magd des Hospitalpflegers Thom in den Keller hinab. Da sah sie einen alten Mann in breitem braunen Fracke und roter Weste, schwarzen kurzen Hosen mit Bänklen, weissen Strümpfen und Schnallenschuhen. Aus Schrecken tat sie einen fürchterlichen Schrei und sprang die Stiege herauf. 364 Thom eilte sogleich hinab ; aber er sah Niemanden mer. (Schöttle. Mündlich, von Spitalpfleger Thom.) Vgl. m. Yolkst. I 55, 4. 30 Der Schwarzkünstler von Giengen. Bei Giengen war in der ersten Hälfte onsers Jarhunderts ein berümter Schwarz- künstler, das Orakel der ganzen Gegend, zu dem alles lief, wenn etwas behext, verloren oder entwandt wurde. Ein wolhabender Bäcker in einem benachbarten wirtenbergischen Dorfe legte sich einst müde auf seine Bank und ein Beutelchen mit Goldstücken, das er so eben nachgezält hatte, unter's Hauptküssen. Durch eine Be- wegung die der Schlafende machte, mochte das Beutelchen auf den Boden gefallen sein, und das Schwein des Bäcker, das durch die von seiner Frau vernachlässigte Türe unbemerkt in die Stube gekommen war, verschlang das lederne Beutelchen sammt seinem Inhalte. Diess wussten die Leute aber entweder nicht, oder es schien inen nicht warscheinlich. Um das gewisseste zu spielen, gietig der Bäckermeister zu dem Orakel seiner Gegend oder dem sogenannten Meister im Tale, der eine besondere Bodenkammer hatte, in der er bei solchen Anfragen den Dämon citierte und nach erhaltenen Antworten wieder auf seine eigene feierliche Weise entliess. Auch jezt tat er diess, weil aber dem Bäcker, den er allein in seiner Wonstube zurückgelassen hatte, die Zeit zu lange wurde, so schlich er auf die Hausflur an jene Zauberkammer und belauschte den Schwarzkünstler. Er kam noch um das beste zn hören, eben recht ; denn deutlich hörte er den Geist auf die Frage, wer das Beutelchen mit Golde habe, den Bescheid erteilen: „das Schwein des Bäckers, sage aber nur seine Frau habe es l** worauf der Beschwörer die Yerabschiedungsformel begann und dem Bäcker dardurch Zeit Hess, unbemerkt in sein Wonzimmer zurückzuschlei- chen. Bald folgte im der Meister dahin nach, erschien mit einem betrübten Gesichte und sagte : „Ich kann euch nichts gutes sagen ; habt auf Niemand ausser dem Hause Argwon, denn eure eigene Frau ist euer Dieb''. Der Bäcker affectierte Erstaunen und Zorn, bazalte seine Gebür und ging mit Beteuerungen, wie trefflich er sein Weib abbläuen wolle, ab. Als er aber nach Hause kam, hiess er seine Frau den Mezger rufen, Hess sein Schwein schlach- ten, fand in dessen Magen das vermisste Gold, und erzälte seinem Weibe und in der Folge noch anderen Personen, wie boshaft der Teufel den Frieden seiner Ehe zu stören im Sinne gehabt hätte. (Aufzeichnung von 1800.) 31 Hausreim in Wittershansen Was, lieber Gott in deinem Schosse Geheimnisvoll verborgen ligt: Zufriedeif sein mit seinem Losse Ist was den Sterblichen beglückt. Mensch, bekümmere dich nicht mit viel Sorgen Denn du weisst nicht, lebst du noch bis Morgen 1 265 Sprüche über Landsknechte, Weiber, Pfaffen und Mönche I Der in der Alemannia I 2 102 von Crecelius mitgeteilte Sprach Wimphelings gegen die Landsknechte, d€>n Seb. ßrant ver- deutschte, findet sich in Wimpheling's Adolescentia nnd zwar in der lezten bei Joh. Knoblouch in Strassburg erschienenen Ausgabe vom Jare 1515 fol. LXXVIa Contra Martiales sangainem christia- num fundentes : Cur homo Marte petis^): quem febris: pustula: pestis: Bilis : vina : Venus : nix : aqua : flamma necat. Natus sum ad martern! vir belli es? prelia queris. Bellum cum vitijs: demone: carne geras. Rithmus theutonicus Sebastian! Brant. Kriegsknecht waß ist dier nodt soelchs bochen Das du im krieg wilt syn erstochen Thue gemach: die platem: feber vnd byl werden erwirgen, werden vil Uon brassen schlemmen vnkuscheit wirdt euch der gammel^) bald geleyt Bist du zu krieg geboren ye und wilt vfiF erden kriegen hye Krieg mit dem fleisch vnd diner sündt Und wer dich gegen dem besen findt So magstu lang in kriegen alten Und wurst durch soelchen strit behalten. Auf fol. Lb stet ein von Wimpheling übersezter Spruch (fol. LV der Ausg. 1505): Que sunt superba. Sextupes in scabie residens: nebuloque cabello®): Carpento meretrix: animalia trina superba. , Eyn bub vff eym stoltzen pferd her traben: Eyn hur vff eym hangenden wagen : Eyn luß in dem grynt: Drey hochfertyger thyer nit sint? 1) Offenbar verdruckt für Marte peris, wie der Sprach bei Cre- celius hat. 2) Schmeller, Wörterbuch 2, 46: der Gämel, der Mutwille. 3) Lies: nebulo residensque caballo. Birlinger« Alemazmia V 8 18 266 Desgleichen fol. LXIXb (fol. LXXVIa der Ausg. 1505): Nnntheticnm Philomnsi in hec christi verba: Arta est via que ducit ad vitam : et lata est via que dncit ad perditionem. Est modus: est medium: rerum certissima meta Est etenim sapiens quam petit et sequitur. Hanc fugit insipiens: qui sponte pericula vite Obuia cecus adit: pestiferamque viam. Est iter ad manes amplum: quod maxima turba Calcat: et horrificum quo patet vsque chaos. • Arduus est callis' salebrosus: vepribus arctus. Ad superos: transit quepi modo rarus homo. Rithmus octosyllabicus. Den rechten weg in diser weit Hie wandeln thut der nit mit gelt Und zeytlich er belad sein stat, Auß welchen stucken vil vnrat Erstanden ist vnd noch all tag Geschehen mag, als ich dir sag ; Gang hin den weg der gerechtigkeit, Der dich fiert zu der selikeit : Anzeigt dier auch des bymels freyd In dem erstunden wirt kein leid. In Wimphelings Schrift De Integritate (Johannes Knoblouch in Strassbarg 1505), stet zum Schlüsse ein Spruch Kaisersberg's, den Johannes Gallinarius in lateinische Distichen übertragen hat: De Concubinis acquirendis hanc Keyserßbergij sententiam Joaunis Adelphi et Jacobi Kutgeri Argentin. precibus Gallinarius in versus redegit. Fit leue quod stulto pellex se iungat amanti, Fit grave quo pacto sit segreganda tibi. Preceptum tibi do: [promptum] ^) mihi crede reconde Argentum, cererem vinaque : Über eris. Rithmus octooasyllabicus. (!) Ein frau man bald gefesselt hat. Uuye ledig werst, ich gyb dyr rat, Beschluß dyn gelt, auch brot vnd win: By dyre lang keyn frau mag syn. In der Margarita facetiarum, welche der Strassburger Arzt Johannes Adelphus Mulingus (Mulichius) 1508, 4 herausgab, schliessen die Scommata Keisersbergij mit einem Lieblingsausspruch 1) Dies Wort feit im Texte. 267 Ludwig Dringenbergs, den der junge Peter Schott ins Latein übersezt hat: Blatt 6 iij b : Primici^ carminum Petri Schotti nondam decennis. Inueterata peti non simea debet in aedes: Vtsus siluestris: Presbyter et iuuenis. Proaerbinm desuper Ladovici Ludimagistri SIetstatini. Alt äff: Jung pfaff, d'arza wild Beren Sol nyeman yn sein banß begeren. Heinrich Bebel hat in den Proverbia Germanica, Strass- burg 1508 (lb09, 1512, 1514; Paris 1516), zwei andere Spott- Sprichwörter hinzugefügt: No. 86^) Si vis domum tuam puram et immaculatam habere, ' caueas a Oolumbis et Sacerdotibus. No. 87 Dicitur item non recipiendos in domum iuniorem sacer- dotem, yebulas simias et feras inmansuetasque ursas. Ko. 88 Quod momordit vel presbyter vel lupus, dicitur insana- büe, quod morsus lupi l^tiferi sint et puellae a sacer- dotibus corruptae raro ad continentiam reducautur. Sebastian Franck hat in seiner Uebersezung der Bebelischen Proverbia noch einen Spruch beigesezt: No. 91 Wer sein hauß will haben sauber, HAt sich vor pfaffen ynd tauben. In Francks Moria 145b: Wer sein hauß wil haben sauber, Der hüt sich vor Pfaffen, Affen vnd Tauben. No. 92 M&nch vnd pfaffen Geyß vnd alt äffen Hurn vnd buhen vnd filzleuß Fliehen, flöhe vnd fledermeuß — Wo die nemen überhandt, Verderben sie ein gantzs land. No. 93 Alt äffen, Jung pfaffen vngezempte bern, Sol niemandt in sein hauß begem. No. 94 Was ein wolff odder ein pfaff anwendt ^), das laset nit nach, vnd thnt selten g&t. lieber die erbitterte Stimmung der Laien gegen die Geist- 1) Ich citiere nach der commentierten Aasgabe der Proverbia Bebelii von Sarin gar, die nächstens erscheinen wird. 2) Anwenden eine Leiche , einen Toten, von Tieren gebraucht, hiess sonst inangehn, anrüren, anfressen, vgl. Grimm's Wörterb. 1, 518; wo jedoch unser Spruch als Beispiel nicht angegeben ist. 268 liehen im Anfange des 16. Jarhunderts belert uns derselbe Franck in seinem Weltbuch 1534, Tübingen U. Morhart, der ersten Geogra- phie in deutscher Sprache, wo er auf Bl. 45a noch einige andere „Spruch Wörter der Teutschen von den geystlichen^* erwähnt : Nnn aber der gemeyn mann in Germania ist fast allen rechten ynd falschen geystlichen feind, den rechten, das sy ein saltz vnd rat seind des volcks, vnd nitt auif yrem sack od^ auß yrer pfeifiF pfei£Pen, wie Christo etc. — das roIB hasset den zäum — den vermeinten geystlichen ob sys wol eüsserlich benedeyen, vnd weil sy yr lied singen auf den henden tregt^ seind sy doch innerlich darumb gramm, das sye teglich durchtriben b6se schalck-* heit, geitz, boßheit vnd allerley verwegne b^se finantz, laster, vn- treüw, betrag vnd babenstuck bey den treüwlosen mit yhrem schaden erfahren. Also das wie in allen landen die geystlichen übel von den andern hören '), yn wenig getrauwet oder vertrauwet wirt, so gar das auch vil böser sprüchw&rter daruon bey dem gmeynen mann entstanden seind, Nemlich: Es kumpt niemandt von einem pfaffen vnbeschissen. Es knmpt keiner ee von einem pfaffen so er yhn beleydiget, er schlag yhn dann gar zft todt. pfaffen machen äffen, die gelerten die verkerten, jhene haben vns beschissen, so beseychen vns dise. was ein manch darff gedencken, das darf er auch than. Es ist kein pfaff frumro, er hab dann bar auff der zungen, wer einem pfaffen vertrauwet, der ist selbs nit fast frumm. Es thut kein gut wir schlagen dann die pfaffen alle zu todt. wer sein hauß will haben sauber, der hüt sich vor pfaffen vnd tauben. Sy heissens auch auß Verachtung pfaffen^), es ist auch eittel außgenöte^) heüchlerey, was sy yhn thfiud oder eerent- bietteu, ein hertzgespöt wann sy gleich gnad herr sagen vnnd sich mit blossem haupt backen, das alles thand sy damit wie sy selbs sagen, das sy mit den pfaffen vnbekümmert seyen vnd er sy nit inn bann thu, vnd wa man sy widerunib weyßt zu be- triegen im zehend, opffer etc. das thfit man on gewissen. Summa man schreibet reimen von ynen in die 1) In Grimm's Wörterbuch 4, 2, 1812 No. 9 ist übel hören = übel berufen sein, male audire, XKxaig axovsiv nur mit einer einzigen Stelle und zwar aus Reineke Fuchs belegt. 2) Wärend bei Eeisersberg Pfaffe nur in würdevoller Bedeutung erscheint, hatte es sich also damals pessimistisch verändert. Vergl. Weigand's Wörterbuch (1860) 2, 363 und SchmeUer's Wb. 1, 305. 8) Gezwungener Weise, zwangsweise hervorgebracht. Herzgespött wird erwähnt DW 4, 2, 1246. 269 wtirtzheußer, man singt von ynen, wo man sich vor ynen gelauchen ^) darff vnd yn das scepter gnummen ist, wie über den armen Ju'das, vnnd haben die Juden meer blatz bei den Teütschen dann die pfaffen, so gar das ich glaub, das kein volck ynder der Sunnen sey, das seine geistlichen im hertzen vneerlicher vnnd übler halt. Es habens auch die nit von hertzen hold, die yhr gemessen vnnd teglich vmb sy seind, so ein' eygenliebig, eygennützig nötlich ^) (vnd das des eignen nutz meer acht, dann des Euangeliums) vnleidenlich volck ist es bede an mann vnnd weib, das vll von ym selbs helt etc. wie Anti- Christum das ist alle falsche Christen etc. die geschrifft vilfeltig abmalt, ein auffgeblasen volck, das sich wirdig acht dem jederman dien vnd zft faß fall, voller vrteyls^), bei dem vnd vmb welches niemand kein eer erlagen oder einlegen kan, vnd setzt yemandt sein leben für sy, er hett kleinen danck, sy meynten, er thets yn ■als den H. (eiligen) billich, deren geistlichkeit allein ist ausser yn, eüsserlich in geplerr, vil plappern, leßeh, kutten, kappen, blatten, kleyder, zeit, person, statt, essen, trincken, disputieren, geschwetzen, vil künsten, bdchem, fasttagen, messen, leütten, klingen, singen, vnd ceremonien. FWeinkauff (Fortsezung folgt.) Epigramme und Sprüche aus dem Schwarzwald Aus dem Lateinischen des M. Karr er*). 1 Nie stet stille dein Mund, du möchtest vernünftig erscheinen, Aber vernünftig allein bist du, woferne du schweigst. 2 Lobe mich nicht, Freund, tadle mich lieber. Dem redlichen Mann dünkt, Welchen du lobest, er sei gleicher Oesinnung wie du. 1) ffelauchen := verschliessen, absperren. 2) Im DW s. V. ist ,eigenliebiff' erst ans Kant und Fichte nach- gewiesen, ,eigennüziff' gar nicht; nötiich =3 eitel, hofi^rtig. 3) d. h. Einbildung und Hochmut. 4) M. Karl Philipp Friedrich Eurrer, geboren in Neuenbürg am 26. Januar 1749, gest. am 8. Februar 1827, war 1779 Pfarrer in Langen- brand, später (vom 21. Februar 1791 bis 14. November 1810) in Zavelstein, sodann Stadtpfarrer und Dekan in PfulHngen. Als guter Lateiner und Mitglied der Soo. Lat. lenens. sodal. honor. schrieb er Gedichte in la- teinischer Sprache, welche einen stattlichen Manuskriptband füllen. Die- selben sind durchaus in antiken Versmassen, meist in Distichen, abge- fasst. Wir teilen daraus das obige mit, und später anderes, das nir unsem Bezirk ein besonderes Interesse bietet und geben solches um so lieber one Eürzun&f, als es zugleich einen Einblick in die Denkweise und den Charakter des Dichters gewärt. Der am Schlüsse genannte Uebersezer lebt zu Calw als wirtemb. Oberamtmann. 270 Manchmal bleibet der Weise verborgen, der alle begeistert, Duftigem Veilchen gleich, das an der Erde sich hält, Upd es blähet der Tor vor der Welt sich, geist- und geschmacklos, Gleichwie die Tulpe sich blät, ob auch des Duftes sie bar. 4 Weshalb wurde das Weib zulezt erschaffen? Ein schönes Ende, so sagst du, krönt immer am besten das Werk. Zugestanden! Das Ende war schön. Ein anderer aber Meint, ein Zweifel doch ist, ob du das Richtige trafst: Steckt, wenn vollendet das Haus, nicht auch der Meister ein Fäflchen Auf den obersten First, das mit dem Winde sich dreht? Neunzigj&rig verstarb sie, ein seltenes Wunder, als Jungfrau; Freilich sie hatte kein Geld, aber sie hinkte dafür. Als die Augen er schloss, da zälte der Alte fast hundert Jare. Wie glücklich der Mann, welcher so lange gelebt! Xang zwar hat er gelebt; doch zieh die vergeudete Zeit ab! Kaum ein par Jare dann alt, starb, als ein Knabe, der Greis. Welche Kunst wol könnte der ärztlichen Kunst sich vergleichen? Was sie beginnt, es schlägt immer zum Guten ir aus: Wird von Erfolg sie gekrönt, sie wird in den Himmel erhoben, Ire Feier indes decket das schweigsame Grab. 8 Recht so! Das Wort, wie das Geld, gleich sind sich die beiden, sie waren Plumpes Gepräges zuerst, aber von tüchtigem Korn. Heutiges Tages vernimmst du nur zierlich gekünstelte Worte, Und doch gelten sie oft wenig, ja manchmal auch nichts. Wunder nimmt es mich nicht. So künstlich prägt man das Geld auch, Dass, ob im feit der Gehalt, doch um so schöner es glänzt. War einst Einer, der schwimmen gewollt, das Wasser doch riss in Fort und heraus halbtot zog man und trug in nach Haus. Nie mer, schwur er, dem Wasser sich anzuvertrauen, es sei denn, Dass das Schwimmen zuvor gründlich er hätte gelernt. Bald drauf träumt im, er fiel in den Fluss, da rief er: wie will ich Mich beim Himmel! im Traum hüten vor solcher Gefar! 271 10 Soviel Trähnen im Lenz der Weinstock treibet, so viele Becher schenkt er im Herbst voll uns des köstlichen Weins. Ach ! wenn dein Weibchen dir auch so künstliche Tränen vergösse, Nie^ sie zu schelten, zu schmäh'n, hörtest du, Guter, mer auf. 11 Ewig dankbar zu sein, auch ein Sümmchen, ein hübsches, ver- sprach ich, Aber alles umsonst. Rate mir, was nun zu tun? Nur nichts versprechen, o Freund! Was du denkst zu bezalen, bezaPs gleich! Worte nicht, Taten allein, wiss' es, regieren die Welt. 12 Erautköpf sandte dem Richter ein Mann einst, welcher im Streit lag. Seiner Sache gewiss glaubte der schlaue zu sein. Aber der Gegner sprach: Kraut one Schweinernes taugt nicht: Kraut will ich schicken, allein gleich auch ein Schweinchen dazu. Doch der Erste, dem kund, ' dass des Richters Märe krepiert war, Schickt im ein Ross und der Gaul schlug aus dem Felde das Schwein. 13 Richter ist er und dünkt sich gerecht, doch sein erstes Gesez ist Seine Person, er trägt wie ein Gesalbter das Haupt. Wehe dem Manne, der Frau, die diesem Geseze nicht frönen! Darum, das eigene Recht rettend, bezalt den Tribut. Handsalb nimmt er ja nicht, der edle, nur ist er auf Ersalb Mächtig erpicht und zart duftet noch immer der Käs. 14 Ei, wie garstig gemalt! So soll, wie das Bild hier, ich aussehen? Mädchep, glaubst Du es nicht, frage den Spiegel doch nur! 15 Was nicht alles sie tut für sich und da^ Haus, und wie rürt sie Hand und Zunge: sie schafft immer, nur ist's nicht geschafft. 16 Gleichwie ein Engel, erscheint dir die Braut; sie wird^s auch als Frau sein, Doch dann ein Engel, wie die, welche die Hölle gebiert. IV Menschen seien sie nicht, die Weiber? Was bist du denn selber, Weichen ein Weib doch gebar, welchen ein Weib doch beb erseht? 272 18 Warum ist sie dem Tanzen so feind, und wärend die Andern Schlingen den Reigen, bleibt diese nur sizen? Sie hinkt. 19 Schön tust in das Gesicht du dem Gegner, hast du in vor dir; So vor dem tödtlichen Schlag kränzet das Opfer man auch. 20 Hundert Morgen genügten dir kaum, solang dii gewandelt Noch auf Erden; doch jezt sind dir drei Ellen genug. 21 Hundertfältiges Leid antut der entartete Bube Seinem Vater: Wie oft rächt nicht der Enkel den An! 22 f^Achf^^ 80 betrauerte dich der Meergott, als du dahinsankst, Nelson! „nun wieder allein muss ich beherrschen die See.^' 23 Weshalb verweisest den Dielf du des Landes? Hänge den Strolch doch ! Seinem Treiben die Welt öffnest, die ganze, du ja. Jenem Vater gleichst du, der pfiffig, dieweil im ein Krebs einst Zwickte den Son, in den Fluss warf, es zu strafen, .das Vieh. 24 Morgen verlangst du den Arzt, dann wieder verlangst du noch Tisch in, Rufst in auch Abends herbei. Stirbst du so gern denn, o Freund? 25 Löblich ist es und schön, für das Leben was Rechtes zu lernen; Aber noch rümlioher ist, gut und gesittet zu sein. 26 Immer läufst du im nach, dem grossen Gelerten, und lauschest Seinem Wort. Und damit, meinst Du wol, ist es getan? Würde gelert schon Einer vom Laufen und Hören, des Doktors Pudel wäre schon längst als ein Apollo berümt. . 27 Deine Frau, wie hat sie so prächtige Zäne! Doch müssen Sie, bis wieder es tagt. Nachts in das Kästchen hinein. Legte sie doch nur einmal auch die Zunge hinein; es bedeckten Dann das Kästchen mit Recht Perlen und güldene Zier. 28 Nenne das edelste Glied mir am Menschen. ^— Die Zunge, wofern Du Gut sie gebrauchst; wo nicht, ist das geringste sie nur. 273 29 So uDglacklich ist feiner, dass nicht anch des Glücks im ein Körnchen Bliebe; das Unglück fürt oft auch zum Segen, znm Heil. Da bist blind, das ist doch ein Unglück; War es ein Unglück^ All das Untröstliche^ das Andern sich beut, nicht zu sehn? Oder bist stumm : o wie viel hat nicht schon die Zunge verschuldet, Mir und euch Anderen nun schadet die Zunge doch nicht. Oder bist taub : Dann bleibt doch mein Or von gehässigen Reden, 0, so bleibt das Gemüt doch mir vor Kränkung bewart, Oder der Freiheit beraubt: So bin ich die Strassen voll Unflats, Bin ich den Regen und bin freches Gesindel doch los. Oder bist krank : Dann zeigt sich so recht mir die Liebe der Gattin, Welche mich dieses zu tun, jenes zu lassen ermant. Oder bist tot: Dann preise mich glücklich, dann bin ich enthoben, Ewig enthoben der Not, welche das Leben umföngt! 30 Zarter schimmert, denn Schnee,' das Antliz, schimmert des Mädchens Nacken; aber oft birgt unter dem Schnee sich der Schmuz. Lass vom äusseren Schein dich, o Freund, nicht blenden: der Schnee get Ueber Nacht und zu Tag ligt das Gemeine 4aiii^ nur» 31 Als aus der Kirche sie ging und weinte, da forschte die Freundin : Warum weinst du? ergrif so dich des Predigers Wort? Ach, sprach jene, mein Kleid, worin ich den Leuten gefallen Wollte, stet mir so schlecht (schau, was für Trähnen es gibt!) Denn die Mutter, die alte, sie walte misfarbigen Stof mir. Ach, und noch obendroin hat es der Schneider verhunzt. 32 Rümlich der Jugend stellst du den Lerer vor Augen als Vorbild; Rümlich wäre dein Wort, nämst in zum Vorbild auch du. 33 Blind wird Themis gemalt, in den Händen die Wage, warum das? Dass sie nicht sehe, was mer wiege, das Unrecht, das Recht« Bisher glaubt ich es. Oft doch verschliesst vor dem Recht sie das Auge Und was als Gabe man ir bringet, sie wäget es ab. 34 „Krieger zu sein liebt jeder* ^ so sang einst der Dichter, der alte, „Jeglicher Krieger liebt*\ hat sich das Wort nun gewandt. Alles gewäret es im, das Frauenzimmer, und fragt nicht; Ob es Feind, ob Freund, wenn ein Soldat es nur ist. Kann man sich wundern ? Den Mars zog Cypria schon dem Gemahl vor, Und die gleich es ir tun, gab es zu jeglicher Zeit. 274 86 Mit den Gewändern der Frau, der verstorbenen, beschenkt er die Köchin; Nun, der zweiten gebricht dann doch an Kleidern es nicht. 36 Sorglos bleibst so allein da zu Hans, indessen dein Gatte Anderen machet den Hof, Mädchen und Frauen entzückt? Wüssten sie, was ich weiss, dass wenn er auch wollte, das Können Jenem gebricht, wie bald war das Entzücken vorbei. 37 Manches hübsche Präsent spendierest du der SchafiPnerin, Alter ! Dafür kriegst du von ir liebliche Worte, sonst nichts; Doch für dein Qeld bekommt sie den Bulen und dieser bekommt dann Nicht nur ein freundliches Wort, sondern was dir sie versagt. 38 Schön wie wenige sind, ist deine Gemahlin, und jedem, Der zu Gesicht sie bekommt, däucht sie wie Venus zu sein. Ganz in Haltung und Gang der Juno gleicht sie; wie diese Gegen den Herrn Gemahl braucht oft die Zunge sie scharf; Wenn ir vom Mund sichergiesst der Wortstrom, scheint sie Minerva, Wenn zur Feder sie greift, eine der Musen zu sein; Brüste hat sie wie Geres, ja voller noch unter der leichten Hülle sind sie geschwellt, pflegt sie des häuslichen Amts. Einen Jünger des Mars auch habe sie, lispelt der Volksmund, Sich erkoren. Wer spricht da noch die Göttin ir ab? 39 Unter dem Stein liegt Einer, war der am Lebgn und wäre Jener ein Mädchen zumal, unter im läge der Stein. 40 Härter denn jeglicher Stein war, als er noch lebte, das Herz im ; Hier nun ruht er, und so stet auf dem Steine der Stein. 41 Drei Gemahlinnen hat er begraben, die vierte gesellt er Jezt sich, drum möchte wol gern bald bei den dreien er sein. 42 Als mit Gelde den Mann den jungen die Alte geködert. Lachte dieser: ha, ha, deckst du die Runzeln mit Gold? Segen bringt wol ein Feld ein vielgefurchtes, doch bar ist Jeglichen Segens ein Weib, wenn es mit Furchen bedeckt, Zwar nicht übel gefällt mir der Reichtum, womit du dich brüstest. Aber wer schleppte denn gern goldener Fessel Gewicht? 275 43 Liebe, sie kommt vom Seh'n! o freilich, wenn ein charmanter Janger Mann und ein liebreizendes Mädchen sich seb'n. Doch wie, wenn sich ein Greis and ein rosiges Mädchen verbinden, Oder wenn altem Weib gar sich ein Jüngling -gesellt? Hier aach bewärt sich das Wort, weil Eins sieht, was an dem Andern Im das liebste bedünkt: Liebe sie kommt von dem Seh'n. Denn der jüngere Teil, er hofft wenn den altern er ansieht,, Dass sich das künstliche Band löse, das lästige, bald. 44 Welch undankbare Müh, der Jugend — seufzet der Lerer — Alles einzubläu'n, was sie zu wissen bedarf! Welch undankbare Müh ? So' hast du vergessen, o Bester, Welchen Dank denn auch du schuldest dem gütigen Gott? 45 Niemands Freund ist die Nacht. Da irrst, so will mich bedünken, War sie nicht Dieben schon oft, Liebenden freundlich zu Dienst? 46 Keinem schuld' ich etwas! so rümst du dich, aber dein W^eibchen Meint, du zalest ir nicht, was du doch schuldig ir wärst. 47 Wurmt dich ein Uebel, gleich vom Halse dir schaffst du das kleine, Weisst du, dass dir daraus manchmal das grössere spriesst? Also würgte die Magd, dass länger sie schliefe, den Haashan, Der ir den Morgenschlaf immer zu frühe gestört. Aufzustehen gebot ir hinfort laut rufend die Herrin, Welche kein Ang zutat, schon in der Mitte der Nacht. 48 Fleissige Mutter, allein die Geschäfte besorgst du. des Haushalts, Aber zur Faulheit zieht leider die Tochter dein Fleiss. 49 Mutter, was preisest du doch so gewaltig dein Töchterchen? Findet Nicht, so die Ware man lobt, schneller der Käufer sich ein? 50 Treffliche Bücher erstest und gibst du dem Son in die Hände, Aber, mein Bester, o gib doch auch Verstand im dazu. 51 Mähst du die Domen hinweg und schonest der Wurzeln, was schmähst du Dann den Acker? Du selbst trägst an dem Uebel die Schuld. 276 52 Schelte mir, weil er Geschenk' annimmt, ja keiner den Schultheiss ! Schuster war er, so klebt stets an der Hand im das Pech. 53 Schmückest den Busen du dir mit lieblichen Blumen, o Jungfrau, Nicht nur ziehst du damit Augen und Nasen heran. Nein, auch die Hände zumal, die wenn sie die Blümlein dir einmal Rauben dürfen, gar bald mer noch sich nemen heraus. Dulde die Hände du dort, die blumenlüsternen, ja nicht, Wenn es darum dir zu tun, dass dir dein Blümchen verbleibt. 54 Einen, der blind ist, nimmst du zum Mann dir? Nun, wenn ich sündige, Sieht er es nicht und bei Nacht braucht er die Augen auch nicht. 55 Solch ein Vater ist trauen lobwürdig. Zu Fuss in die Kirche Get er, damit der Herr Son dorthin zu reiten im Stand. So begnügt er sich auch mit dem schlechtesten Wein und erspart sich Geld auf Geld, und der Son bringt im Falemer es durch. 56 Nachts die Türe versperrt mir die Mutter, mit Schlössern und Riegeln, Dass der Geliebte mir nicht komme zur Kammer hinein. Doch was schirt der Verschluss in, der mit der Leiter Bescheid weiss ? Wert im die Türe, so tut gern sich das Fenster im auf. 57 Glücklich bin ich und reich, in Ansehn ste ich und Eren, Und es bleibet mir nichts, was sich zu wünschen verlont. Doch ! es bleibt dir der Tod 1 Erst dann, wenn seligen Tods du Starbst, bist recht du beglückt, bleibet zu wünschen dir nichts. 58 Wenn sie das Haupt dir umschwirrt, die Mücke, so macht sie dich rasend. Doch dein Begleiter, o Freund, gleichet der frechen ai|fs Har. 59 Siehe die Ameis denkt die kluge des kommenden Winters, Vorrat sammelt sie drum fleissig den Sommer hindurch. Aber die sorglos springt und singt, die frohe Cicade, Elend, one Gesang hungert den Winter sie hin. Also dieweil du noch jung, ist tüchtig zu streben das beste, Kommst du zu Jaren, so macht dir sich die Mühe belont. Aber wer müssig get, und die Stunden, die schönen, vergeudet, Der ist verloren und muss oft es als Greis noch bereuen. 277 60 Schmeichelnd nahet mein Weib mir bald, bald zeigt sie die Krallen. Nun, so verleugnet sie doch nimmer die Eazennatur. 61 Nun der Gauner erkrankt, sich zu bessern verspricht er. Wer glaubt im? Wascht man ein Schwein auch, gleich wälzt es sich wieder im Kot. 62 Freiheit kauft man! das sagt Juvenal schon; aber die Freiheit Ist oft so teuer, und da fragt es sich, wer sie bezalt. 63 Wer wie mit Nadeln so spizig es angreift, gilt als besonders Wizig. Freilich wer tut Schneidern an Wiz es zuvor? 64 Warb um die Lais einmal ein Greis, ein silberbeh arter: Sei mir gefällig, und Gold werde genug dir zuteiM Lächelnd versezt sie : wie gern dir wär^ ich gefällig, doch siehst du, Jung^ noch bin ich und Furcht flösset dein Alter mir ein. Nun die Brauen sich schwärzt, nun schwärzt sich der Alte die Hare, Und wie ein Jüngling zu schau 'u, kert er zur Lais zurück. Ha, sprach diese, was jüngst ich dem Anherrn werte, dem Enkel Soll ich 's gewären? Behalt^ jedes das seine für sich. 65 Zwischen Gatten ist alles gemein! der kundige Mann sprachs. Doch die Gattin, sofort lässt sie dawider sich auf: Dir ausschliesslich gehört die Studirstub, mein ist die Küche; Beiden gemeinsam jedoch einzig der Tisch und das Bett. 66 Echt pharisäisch! er scheut sich den Tempel, ehe die Hand er Wusch, zu betreten — und tritt schmuzigen Herzens hinein. •67 Wirf die Bücher hinweg, die schädlichen, dass sie das Herz dir Nicht vergiften und lies was ich dir sende, mein Son! Ziehet die Biene nicht auch aus giftigen Blüten den süssen Honig und ist vom Rauch nicht oft die Perle getrübt? 68 Wacker durchscharret den Mist mit den Küchlein die gierige Henne, Doch die verdriessliche scharrt nichts, als die Perle, zu Tag. Hätte der Körner ein Par sie gefunden, wie wärs ir erfreulich. Dienen zur Azung denn köstliche Perlen dem Hun? Calw Karl Doli 278 Vom WaldO und seinem Flachse Aus dem Lateinischen des M. Kur r er Der Heimatberge manchen umtrieft der edle Wein, Der Bäume Früchte locken so würzig und so fein, Und goldne Säten wogen, die Lüfte weh'n so lind Und nichts gebricht den Menschen, dass sie zufrieden sind. Sei^s ! Unser Wald auch stehet nicht ganz des Segens bar, Mit Schnee bedeckt der Himmel in nicht das ganze Jar; Was lachendem Gefilden hat die Natur verwert, Nicht minder wertes ward im von der Natur beschert. Wie wollte Hütten bauen der Landmann? Pfäle wo Der Winzer nemen? Nimmer des Ofens war er froh. Und wenn es Zeit zu zackern, wo näme für den Pflug Der Bauer seine Rinder, hilflos fürwar genug? Wenn fast erdrückt vom Alter das Haus den Einsturz droht. So dass von neuen Hölzern im Bug und Sparre not, Wenn es ein Stral vom Himmel in helle Flammen\sezt, Vielleicht auch eigner Leichtsinn, und Asche nur es jezt; Wenn in dem Stall ir Wesen die böse Seuche treibt, Das Vieh zum Wasen wandert, verschont die Haut nur bleibt; Wenn im der Frost des Winters, denn häufig schneit es nicht, Das Feld verhert und Satfrucht im Frühling im gebricht; Zerstört den Trieb der Reben ein Reifen im April, Fällt Regen in die Blüte, der nimmer enden will, Zerfezt und reisst die Trauben vom Stock ein Hagelschlag, Dass auf das Fis gestreuet man schaut dep Herbstertrag. . • Und -stürzt vom Berge, wachsend, die Lache, Schwall auf Schwall, Steinblöcke, Reben, Erde mitreissend in den Fall, Dann treibt es in den Schwarzwald, den sonst er gern vergisst, Zum Wäldler in der Not in, der im ein Helfer ist. Da wird im Geld, zu scheuchen den Kummer, den er litt, Auch Holz und Rinder fürt er aus unsem Bergen mit. Wann wird Ersaz uns werden? Er meint, vor Wintersfrist, Wenn er vom Schaffen rastet, verkauft sein Weinmost ist. 1) Wald werden in einzelnen' Schwarzwaldbezirken die auf den Vorbergen gelegenen Partien gegenüber dem flachen Lande genannt. So wird namentlich z. B. im Oberamtsbezirk Calw zwischen Wald und Gau unterschieden; die Waldseite begreift die Orte links, die Gäuseite die Orte rechts der Nagold. Im vorliegenden Gedicht ist der Wald zum weinban treibenden Unterlande überhaupt in Gegensaz gebracht. 279 Den gamen Sommer über von niisrem Gut er zert, Vom Herbst nur hofft er Segen, der seinem Mangel wert. wehe, wenn der Wein im mißrat, wenn schuldgedrückt < Er nicht vermag zn zalen, kein Mensch im Hilfe schickt. Füllt aber im die Kufen der Herbst in froher Lust, Sein Fuss ist dram nicht leichter, nicht freier seine Brust: Ach mit dem jungen Moste zieht alle Lust davon, Ans Pförtlein pocht der Büttel^ das Haus betritt er schon. In schickt der Bürgermeister, der treibt die Steuern ein, Die Steuern, die schon lange berichtigt sollten sein; Ein Gläubiger um den andern passt an dem Kelterbaum, Lässt keiner sich verdrängen, kein Bitten findet Raum. Und jeder zeigt die Handschrift und ruft den Schulteiss an. Bis dass in ire Fässlein der Wein, der süsse^ rann. Für in nicht rinnt, für Andre, sein Schweiss das ganze Jar, Für in nicht reicht, für Andre, sein Berg die Traube dar. Er labt sich an der Blnme, dem Duft nur, der im winkt» Er ist es, der den Wein baut, ein Andrer, der in trinkt. Er lescht den Durst mit Cider und was man Leire nennt^ Und trinkt er Wein, ist's solcher, der essigsauer brennt. Drum hat auch jener Wizling nicht Unrecht, wenn er meint. Befragt, warum die Rebe, die man beschnitten, weint? Sie fQle, dass die Schulden, die sie doch nicht gemacht, Sie zalen mnss, das habe znm Weinen sie gebracht. Der Mann, dem auf dem Seh ws^rz wald, dem rauhen, stet das Haus, Nicht neidet er den Winzer, als hätt' er was voraus. Einheimst er was er pflanzte, des eignen Fleisses Lon, Manch schönen Teil verkauft er an Andre noch davon. Der Wald ist seine Freude, mit Bäumen dicht besezt, Die weder Schnee noch Regen noch Hagelschlag verlezt. Was er will järlich fällen, wird sorgsam ausersehn Und was nach Recht und Brauch er nicht haun darf, lässt er sten. Denn so die Holzaxt blindlings man an die Forste legt, Das füget grausen Schaden, dran noch der Eukel trägt. Wenn gar auf solche Weise man Bau den Stürmen bricht, Den lezten Rest des Waldes verschonen dann sie nicht. Aus' Eichenknorren zimmert Schiffsrippen seine Hand, Was lange, schlanke Tannen, rollt er hinab die Wand, Er poltert sie zum Wasser, wol in die £nz hinein. Die flöast sie hin zum Neckar, der Neckar in den Rhein. 280 Der Rheinstrom muss nach Holland sie tragen auf den Plan, Wo sie zu Schiffen türmet der Meister wolgetan. Die Stämme, die weil schwächer, zur Meerfart sind zu schlecht. Die sind beim Bau der Hütten zu Balken eben recht; Zu Balken und zu Planken, zu täfern Flur und Sal, Zu Schränken und zu Laden, zum Hausgerät zumal. Das Holz werk; Scheit und \yipfel, das noch am Boden rut, Nimmt er in Acht und schüzt es wol vor Insektenbrut. Er sezt es auf, bewart es für den Gebrauch zu Haus, Und bleibt im welches übrig, so macht er Geld daraus. Holz braucht er für den Ofen im Winter, für den Herd, Und Holz zu Gartenzäunen, dass er dem Wilde wert. Im Haus und draussen dient es zu manchem Zweck fürwar. Oft stellt es, feingedrechselt, als Ziergerät sich dar. Der Schmied bedarf der Kolen, nicht missen kann er sie, Soll das Metall im frommen, das im die Tiefe lieh. Was Andern der Getreide-, der Weinbau bringt herein, Uns muss es zum Gewinn auch. Dank unsrem Walde, sein. Dann heget unser Schwarzwald auch manchen Weideplan Mit spiegelblanken Rindern, dass man sich freut daran. Des Weizens goldne Säten gedeihen nun freilich nicht. Das macht das scharfe Klima, dass hieran es gebricht, Doch sent nach Mel aus Weizen und Brot sich unser Mann, So hat er Geld im Beutel, womit er's kaufen kann. Dafür schlägt auf dem Acker prachtvoll der Haber ein, Den schickt man in die Müle^ dort schrotet in der Stein, Des Müllers £sel aber trägt in von Haus zu Haus, Zum Frühstück kocht die Bäurin ir Habermuss daraus. Jezt macht sich an die Arbeit ein jegliches, dabei Genügt im ringe Speise — das macht der Haberbrei; Denn taucht man, so man hungert, in Milch sein schwarzes Brot, Verspeist man es mit Butter, so hat es keine Not. Dem Wäldler ist im Sommer es beim Gemüse wol. Im Herbste freut das Obst in, vom Felde Kraut und Kol. Im langen Winter aber liebt er den Ofen ser Und friert es. sammelt redlich sich Alles um in her. Das ist die Zeit, sich gütlich zu tun, jezt rut er aus Und get doch nimmer müssig und hat nicht Ruh zu Haus, Den fetten Ochsen trifft er wol mit der Kreule sein Und schlachtet in, dem Ochsen folgt auf dem Fuss das Schwein. (Das ist ein Tag des Jubels für Gross und Klein im Haus, Grunzt unterem Mezgermeister das Schwein sein Leben aus). 281 Schon ist das Fleisch zerteilet, die Haasfraa salzt es ein Und jedes Stück beschwert sie mit einem mächtigen Stein. Ist gut durchbeizt es worden, sie hängt es ins Kamin Lässt ob dem Herd am Haken es von dem Bauch durchziehen. Das braune Rauchfleisch legt sie gar wonnesam und traut Den Erbsen bei, den Bonen, dem edlen Sauerkraut; Gerauchte Würstchen werden, auch Speck dazu gesezt, Gesottener EartofPeln ein Kranz zu guter Lezt. Ein Armer, wenn er hungernd i^un in die Türe tritt, Der wird zu Tisch geladen und hält die Malzeit mit, Gesättigt get er weiter und preist aus voller Brust Den Schwarzwald, der so gastlich, und seiner Gaben Lust. Und ist es Winter, wird im Speis' und Gewand beschert, Und seine Strasse zieht er, den Bündel wol beschwert, Ist besser nicht das Leben auf diesen külen Höh'n, Als in des Unterlandes Gefilden warm und schön? Dort wächst zwar in den Furchen der Hanf gar lang und fest, Der sich zu manchen Dingen wertvoll benüzen lässt. Es wibt daraus der Landmann sein Bett- und Leibgewand, Den Kindlein draus bereitet ein Röcklein seine Hand. Zu Zelten ist dem Kriegsmann derselbige beschert, Auf dass den Frost, den Regen er sich vom Leibe wert; Den seine Banen leiten durch Meer und Wogenbraus^ Der Schiffer macht sein Tauwerk, sein Segeltuch daraus. Doch Hanf ist eine Faser, die zarter Fäden bar, Dem weichen Körper beut sie nur grobe Hülle dar. Zieht man in aus dem Rocken, dass man in zwirne fein. Den zarten Fingern schneidet er blut*ge Furchen ein. Auf unsern Bergen aber gedeiht ein Flachs so lind, So weiss, wie nie kein Silber lichthellern Glanz gewinnt. Die kluge Mutter lobt in, das fleissige Töchterlein, Und würd' er feil geboten, sie kauften gleich in ein. Wie froh der Bauer schauet, wenn Holz und Vieh gedeiht, Dieweil im seinen Wolstand sie meren allezeit. So sieht in Lust und Hoffnung sein Weib, die Bäuerin, ■ Den Flachs gedeih'n und wachsen, zu vielerlei Gewinn. All ire Sorge widmet ja sie dem Flachs allein, Und pflegt in, dafür darf auch ir Fleiss belonet sein. Drum lässt auch oft der Mann ir das draus erlöste Geld, Auf dass damit sie schalte, so gut es ir gefallt. Birlinger, Alemannia V 8 19 282 l)en Mägden und den Knechten aalt sie davon den Lon, Den Kiiäem, dem Gesinde schafft Kleidung sie davon, Und bleibt noch etwas übrig, so wird es aufgespart — Der Hausherr wert es nimmer — zu Zwecken mancher Art. Erst weckte grosses Hoffen der Jargang, es gedieh Die Sat im Lenz, es standen die Pflänzchen schöner nie. Da kam die Sommersonne zu heiss, kein Regen floss, Der Boden war versenget und Alles hoffnungslos. Blutwenig trägt der Acker, betrübt die Bäiirin stet, Wie sie die Handvoll Stengel vom kargen Grunde mäht. Das Wen'ge, was geraten, das Wenige bringt herein Den Ausfall durch die Gflte, durch Glanz und lichtem Schein. Den Flachs wol sahst du, den man an Hollands Strand gewann, Den schönsten one Zweifel, den je man schauen kann; Auch hast du wol vernommen vielleicht schon seinen Rum. Doch stille! lieber schau'n wir uns nach dem eignen um. Den nimm und deiner Hausfrau verer in nach Gebür, Die Knoten mag sie lösen, in prüfen fär und für. Bestanden hat er vieles und ging durch manche Hand, Bevor so fix und fertig zu dir den Weg er fand. Den auserwälten Boden, sobald es Frühling kaum, Bricht zweimal um der Bauer und ebnet fein den Raum, Des Unkrauts Wurzeln schafft er hinweg, auch jeden Stein Und was für seinen Pflegling von Nachteil könnte sein. Am Tage, da der Maimond tritt seine Herschafb an. Ein Tag, zu solchem Werke gar hold und wolgetan. Da, so nicht Wind und Wetter es widerraten, streut Er meistens aus die Flachssat mit grösster Achtsamkeit. Drauf fart er mit der Egge darüber, dass den Keim Der Böden deckt und stellt in des Himmels Gunst anheim. Kaum schlüpft dann aus der Erde die Sat, so wird im Feld Vom Manne wie vom Weibe dem Unkraut nachgestellt. Zwar klein noch bleibt das Pflänzchen, doch scheint die Sonne hell, So wächst es fröhlich weiter und oben ist es schnell. Hellblaue Blüten schmücken die Flur in weitem Sirich, Draus voll und rund entwickeln die Samenköpflein sich. Doch das den Blick erlabet, gar bald erstirbt das Grün, Der Same reift, zur Erde neigt schwer das Köpfchen hui. So wird der Flachs gezogen, so wächst, so get er «in ; So lang er steht doch warten Gefaren manche sein. 283 Den Keim versengt die Sonne; sind noch die Pflänzchen zart, So hüpft heran die Erdfloh, die nicht der zarten spart; Absten sie, gelb geworden, in kurzer Zeit, man sieht Im Felde leere Platten, noch eh' der Sommer glüht. Und ist er gross gewachsen, das Unkraut auch, es blieb, Weil keine Hand es raufte, nicht sten in seinem Trieb. Nun wucherts um so' lustiger, und was es kann, verschafft Es sich an Narung gierig, entzieht dem Flachs die Kraft. Der sturmgepeitschte Hagel, des Regens wuchtiger Schlag, Sie strecken in darnieder, dass er nicht aufsten mag, Doch was am Boden lieget, ersäuft und wird durchweicht, Ist fasst nur eitel Dünger, nur Moder, dem es gleicht. Doch hat der Sonnenstral in gedörrt, er wird zulezt Als Streu noch hoch im Werte für Kalb und Euh geschäzt. 'Oft nagt am grünen Kraut auch die GeiS| wenn drinn sie ruht, Dem Hirsch, der Hindin dünken die zarten Spizen gut. Doch sprengt der Flachs die Rinde, dass durch den Riss er späht Und reift er, was die Farbe schon auf dem Feld verrät, Dann wird geliecht er sauber, gelegt in lange Reihen, Die Erde muss im Lager auf etlich Tage sein. Drauf sammelt man in wieder, bringt in zur Scheune dar, Wo man die Samenköpfchen im hechelt aus dem Har; Die kalen Stengel wandern dann auf das Feld zurück, Doch taugt zu diesem Dienste nicht jedes Güterstück. Grün muss es sein, ein Rasen, der lang den Pflug entbert, Drauf Tag und Nacht zu rasten denselbigen beschert. Dort röstet sie die Sonne, nezt sie des Regens Tau, Man sieht im Morgenlichte sie blinken auf der Au. Gefarlos scheint indessen da drauss es nicht zu sein, Denn oft verirrt ein Oechslein beim Weiden sich hinein, Oft ist es, feit der Regen, die Glut, die sie versert, Oft Nässe, wenn die Sonne zu lang sich abgekert. Oft in die Stengel f&ret ein Sturm und wirbelt wild Empor sie, f&rt sie mit sich weit über das Gefild, Dass, wütend auf die Winde, die Bäurin springt herbei Und späht nach allen Seiten, wo denn ir Flachs nun sei. Und kampfbereit schon naht auch die Nachbariq: entweich, So ruft sie, scher dich weiter! das Meine lass mir gleich! So heischt denn irer jede für sich des Windes Raub: Kam' Aeacns, zu schlichten, sein Spruch verhallte taub. Die, deren Hand und Zunge am schärfsten ist, erringt Den Schaz zulezt, den hurtig zum alten Ort sie bringt. 284 Ist röscb er nun geworden, er wird gedroschen fein, Oft sach znvor gerieben, denn das entsamt den Lein. Die Kömer schlägt im Stampfwerk der Füller wol zu Brei, Den sezt, zu Oel in läuternd, bei schwachem Brand er bei. Noch muss die Faser bleichen. Ist hell sie, wolkenfrei Der Himmel, . sogleich wieder die Bäurin eilt herbei. Sie knüpft die gelben Stengel in Schäube mit Bedacht Und trägt nach Haus die Bündel, die sie wie Gold bewacht. Ist auch der Aehrensegen den Scheunen anvertraut Und wird im Keller sauer das eingemachte Kraut, Fast durch den ganzen Flecken lauft sie, von Haus zu Haus, Und schaut sich nach Gesellschaft und macht den Brechtag aus. Bald sind versammelt alle beim frühsten Morgenschein, Sie legen Holz und Kolen ins Feuerloch' hinein, Darüber kommen Stäbe, dann auf die Stäbe quer Sie legen ire Schäube, die aufgebundnen, her. Jezt werden auch die Brechen, die hölzernen, gebracht Und aufgestellt im Freien, doch Eine hat wol acht Und hält im Zaum die Flamme bedächtiglich und wert Dem Feuer, dass es züngelnd nicht an die Stäbe f&rt. Denn wenn ein Fünklein steiget und haftet an dem Lein, Der oben liegt, nur eines, nicht ist der Schaden klein. Da wächst die Flamme plözlich und steigt, einmal entfacht Zur Lohe, furchtbar prasselnd, empor mit aller Macht. Da hilft kein rasches Handeln, kein Ruf, kein Wasserstral, Zur Asche brennt das Ganze zusammen one Wal. Zu weren solchem Schaden, ist drum die erste Pflicht. Nun an die Arbeit get es und säumig sind sie nicht. Aufklappt und zu die Lade, man bricht und zieht im Nu Zurück die röschen Stengel, scherzt wol auch derb dazu. Das ist Das allererste. Tritt in ir Recht die Nacht, Was sie gebrecht, gar freudig wird es nach Haus gebracht. Ein reiches Mal dann labt sie, aufsten sie froh davon, Die Arbeit weiter fördernd, gets wieder an die Fron : Ein Messer wird geschwungen von Holze, dass im Saus Von den beständigen Schlägen die Achel färt hinaus. Zuleztjin^scharfer Hechel (wie vielfach wird er doch Gequält!) wo nicht der Weber, die Hausfrau kämmt in noch, Wägt^in und von der Wage, wenn sein Gewicht er hat, Sie bindet in in Docken und streicht in vollends glatt. 285 Sieh nvtiy gebrecht, geschwungen, gepuzt, gehechelt, schickt In Freundeshand, auf dass er dir deinen Rocken schmückt. . Wie klein auch diese Gabe^ doch dass ich gut dir bin, Sie sagt es dir — hier ist sie, nimm freundlich denn sie hin! Ein Frau'ngeschenk ! Der deinen verer^s, sie wird es nicht Verschmähen, sie reicht es prüfend den Mädchen dar und spricht: Der Winter kommt, der Winter! mit im die lange Nacht, So spinnt! der böse Winter wird leicht dann durchgemacht. Am Rocken spann vor Zeiten das Königstöchterlein, So wird denn euch das Spinnen auch keine Schande sein. Mit spizen Fingern gebet der Spindel Kraft und Schwung, und zwirnet flink, so tanzet der Wirtel nind im Sprung. Dreht fest die Fädchen! reisst sie des Wirteis Wucht entzwei, Das ist nicht gut, dann ist es mit eurem Lob vorbei; Doch wenn ir bei der Arbeit tut, nach dem Worte mein, So stellt sich mit dem Frühling bald auch der Weber ein. Gefällt im euer nächtlich Gespinnst — und hoffentlich ■ Qefallt's im — rasch es wandelt in saubre Loden sich Und wandert auf die Bleiche. Kommt schneeweiss es zurück, Zum Hemde, dass ir lang es gebrauchet, wünsch' -ich Glück ^). Das ist das Lied vom Flachse, das ist das Lied vom Lein. Ich spreche mit Hans Sachse: mag euch zu Nuz es sein. Und wenn es auch gar lange, gar lange Fäden gab, Reicht mancher von der Windel nicht bis ins dunkle Grab? Wer hat das Lied gesungen? Ein Pfarr von Zavelstein^ War zubenannt Herr Kurrer, und forcht auch nit den Wein. Der hat das Lied gesponnen in stattlichem Latein; Der's wob in deutsche Reime, wird wol ein Laie sein. K D 1 1 Zur Wortforschung*) IX 1 Laräanney Laurtanne. In den cöln. Chroniken II 67, 22 stet: do quam der jonge van Virnenbnrch lud de sinen heimlich in einre lordannen — ind quam — zo Goelne u. s. w. Ich habe im Wörterbttche dazu 993a mit ? „Schmugglerkan'' angegeben 1) Bis hieher das Original; das Folgende ist die Zutat des üeber- sezers. 2) Sieh oben 147 ff. 286 und äaf ein compos. lorrendreher bei Friseh verwisen. Die Flers- heimer Chronik ed. 0. Waltz (Leipzig, Hirzel 1874) berichtet S. 56 : Und als sie gewöhnlichen gehn Franckforth in die mess in einer laurdannen mit ihrer gewahr und burgerschaft die mess besuechten — hat er sein anschlage auf sie gemacht. Und wie die von Wormbs in einem schieff den Rhein herab Meintz zugefahren, hat Frantz (v. Sickingen) etlich lauerdannen bestelt, darein etlich kriegs- volck mit buchsen und andern wehren verordnet — und als die von Wormbs dahin khomen, hat er sie durch die, so in den lauer- dannen gewesen durch schiessen — getrungen uf den staden u. s. w. Das Ausschreiben des Wormser Rates sagt schlechthin „in einem Heidelberger Schiff*' (1515). Würdtwein gab zu Mannheim 1787 ans einer Handschrift unserer 'Chronik anonym „Kriege und Pfed- Schäften des Edlen Franzen von Sickingen*' heraus (8^. 72 S.) und gebraucht S. 3 ebenfalls ^jLauertannen^'^ in obiger zusammenge- zogener Stelle. Ich finde in unsem Wöterbüchern nicht Rats. Eine Oggersheimer Fischereiordnung für den Altrhein vom 31. August 1488 (Mone, Zeitsch, IV 87 ff.) bringt S. 88 No. 5: item die lore-j wellen-, schafft-, waden-, affengezaw und gern sollen ver- boten sein. Lexer s. v. weiss loregeeaw nicht zu erkl&ren. Es gibt ein Wort Lor (Schilter, Campe III 146a), Löre^ ein Band; ein Riemen, womit ein Ding an das andere befestigt wird, beson- ders eine Rüstung, was lateinisch ist. ^ Loramentum catenatio lignorum in fnndamentis edificiorum, eyn bevrydinghe off stacket- tinghe n. s, w. Gemmnla, Colon. Damit ist aber nicht viel er- klärt, es sei denn, dass an zusammengebundene Bäume, Flösse ge- dacht wird, was hier kaum möglich. Auch das Oggersheimer loregezaiwe trifft nicht zu, es seien denn Fischerk&ne gemeint, denen eine bestimmte Art Fischfangzeug den Namen gelent hätte. Uebrigens wäre zu lore- mit Recht Dti Gange s. v. Larva zu ver- gleichen gewesen, was Lexer entgangen. Es heisst da: Quod in tota riparia piscationem habeant cum rete, lorra et artifieiis seu ingeniis piscatoriis quibuscunque (1267). Meine Zuflucht zu lorrendreher^ -dreyer im Wb. z, d. Chr. beruht auf 2 Nachweisen, die übereinstimmen. Frisch I 621b: „iorrcn- DrcÄ^, ' Durch-Schleiffer, ein Schiffer der verbotene Waren fuhrt und mit fremden desswegen Yerständniss hat, der sich heim- lich durchschleicht ohne Pass und andern Betrug treibt.** JRudolt Fäsch'sKriegslexicon 1735 (Leipzig) 511 ff. „iorrcn-Drcyer heist man diejenigen, welche sich heimlich durchschleichen ohne Pass oder berechtiget zu sein, auf verbotene Länder fahren oder han- deln, item allerhand intrigues und weitlänfftige falsche Umschweiffe gebrauchen, das Licht scheuen, keine gerechte und autorisirte Sache haben, diese insgesamt, sonderlich aber die Schiffe, welche mit Contrebande Waren auf feindliche oder solche Hafen fahren, worzu sie kein Recht, Autorität oder Privilegium haben, werden Lorrenr Ih'eyers genannt.** — Zu dreyer vrgl, mein Wb« z. d. Chroniken