wöhler fühlt und sonst teine ren hẽãt t: Daß er sich durch die Shlußsotgero-g. weiche er aub eiuer oan; dewis ohne staato— 1 verdrecherischt Abstẽ gevrauchten Aubdruck des Sean Sherman (to act aspolies)! Jebe. elafach lãcherlich macht, witd er selbst chwerlich je einsehen und so wollen wir und jeden Versuc-, hn davon zu überzengen, er-! svaren. Die Arbeiterfrage im Congreß. Ein im Keprasentantenhause vom Abg.! Har (Massachusettö) eingebrachter Anträg anerkennt die Beziehüngen der Kapitals und der Arbeit ald einen Gegenstand von natio naler Tragioeite Der Antrag bezweckt die Einsetzung einer aus drei Mitgliedern be endin Commission, deren Aufgabe ed sein sol: t 2 eitung. „Illinois 4 L u.“ Etrake eise: di durch die Träger t ·Woche.. 0.50 nper Post: la 0 r dar 29 n die „Die Fragen der Ardeitolöhne und der Arbeitszeit, die Beziehungen zwischen Kapditatiden und Arbeitern, so wie diegeseltjswaftliche Lage. den physi— schen Zustand und den Bildungszufßend der arbeitenden Klasfen in den Vert Staaten zu untersuchen und 3“ eimittein, wie dieser Zustand dinch bestehende Handels- und Fiñanzgesetze, resp. durch die Valuta (Papier währung) beeinflußt wird.“ In seiner Begründung diesco Antraged nahm Herr Hoar auödrücklich auf den iñter— nationalen Arbeiterbund rnd die Pariser Commune Bezug. Von direser sagte er, daß man nicht über c und ihre Bestrebungen ab urtheiten dürfe, so lange man nur die ene EStite gehört habe, wie das jsett der Fall sei. Gewiß habe eine Sact, um deren willen Tausende nicht bloß von Arbeitern, son deru auch von hochgebildeten und wohlhahen den Männern heldenmüthig ihr Eden hin gegeben, begründeten Aäspruch auf eine ge wissenhafte ußnd unparteiische Prüfung. Der Grundgedanke des internationalen Arbeiter dunded. welcher eine allgemeine Menschheit- Genossenschaft, unbekümmert um nationale Anfeindungen und Gegensatze, erstrebe, sei ein höchst beachtendwerther Vom Congreß werde fürerst nichts weiter verlangt, als daß er durch Anordnung der beantragten Untersuchung die Wichtigleit und Bedeutung der von den Ar beitern ngeregten Fr2gcn anerkenne· So weit ch aud bem Ton der (noch nicht abgeschiossenen) Debatte über den Antrag er !kennen läßt, wird die Annahme deñelben fast einstimmig erfolgen. Darin moten donn die Internationalen. wen st looittn, einen Triumph fetes aber Diejenigen unter ih ne. Veiche als überspannte Quer- eder Quas seitöpse von einem communistischen Utopien träumen, werden sich garstig verrechnen Die Annahme deo Hoar' schen Antraged wird zu Ergebnissen führen. mit weichen fie, dle ver !rücktten Boöntasen vom Schlage des Bürger Sorge ln Hoboten, so iwenig zufrieden sein werden, wie Karl Heïzen mit dem hohenzol lern'schen Koiserthum zeitungs· Eo.. eile die verbreitung un sten: 2.00 31 ann ein, wenn die eingesandt werdea.! für das lahr; Abennenten binzun se zu denselken Ciud on W bit Aben atis. ue Abonnenten für plar ein Jahrt frei. sübe und Untosten zu teinen Radat ven 10 enselden eingectandt in Post-Geit an achen. Is:eitung Co.. h Street Chicage. ber 1871 idan. lmer hat schon ie Besorgniß oid durch Bun önne, läßt ihm st von Lippe im uvernetät cer hid to seggen achdrütih ge dn Chicago hat r, als er gegen gözustandes“ in geben, Recht rie betraf, son e vermeintliche ülfe nur in der gebrannten erxi ben wir es ale pruch stehende die ungeheure duberneur au ch en Eindruct Zündnadeice tärnng des Be und rechtlich Bergewöhnlichen icht die gerin emals zu eineim ato Illinois ge n. Sie bot al— lichen Protest. udsprechen la?- wurmförmigen rr Palmer von erbaut gewesen eine zweite hat reckliche Dinge nien Bundes ʒ in die Nähe d Hr. Patmer aß sie im Falte eltung der a solien, che er. Illinoid. ihre ine solche Mög mit Schauder -isffetn in Betreff Als Gouver sich verpflichtet, nungsschrei ge n. Und in der ingenkraft, um ginische Buch ruetionist) der nte hmalige Mäyor an, daß seine nöõthig sei. Am i Wochen ber tigen-Regiment gnien Bundeer bt hatte, nach „Fort Hayes ktober indesten ner Bürger an theilung Bun—- in der Nähe :u Rudestrungen d Gesuch war Lirt Dexter,. Ceolbaugh. Bank). 3/I. C.H. Be Präsident der e (Chicago Evenlng Jeur er Furcht, für und bewied, den nach dem iger Gemüths-- eine krankhaft nnte zu jener en entdeen; gte durchaud veränetät von enn, wie auch 1 leugnet, der 1 Recht, vier ähe von Chi venne lagern an die Ueber ie Herren Me nächsten Zu für greifbare er berichtete Bel früheren Gelegenheiten, als die Arbei terfrage ausschließlich in Gestalt der sogenann ten Achtstunden-Bewegung auftrat, haben wir mehrfach audgesprochen. daß Amerika mit sei-- nem lebensfrãftigen Reolitsmus gerade der rechte Boden sei, auf welchem Das, wad an der Arbriterdewegung berechtigt und einer Lö sung werth ist, von den vernunftipidrigen, ver worrenen Phantastereien getrennt werden tõn ne, mit welchen fie sich in Enroda umgiebt. Berechtigt ist der Gedanke, daß von den ungceheuern Fortschritten auf dem Gebiete des WMaschinenwesens, wodurch die rohe K-turtraft zum Dienste des Menschen gezsoungen worden ist. den Arbeiter- ein angemessener Nutzen ge fiche oerden, und daß dieser Nutzen in der Gewinnung von Zeit zu höherer geistiger Auobildung, wie zu einem darauf begründeten menschenwürdigeren Lebensgennß „deftehen müße. Berechtig? ist auch der Gedante. des der fleißige ünd ftrebfame Arbeiter, statt für seinen Antheit n den von ihm erzeugten Werthen ein fũür allemal durch einen bestimm— ten Lohn abgefunden zu werden, lieber den seiner Arbeit entsprechenden Antheil am Ge winn haben sollte. Völlig unberechtigt abcr ist die For derung, welche mit mehr oder minder Deut lichteit aus dem wüsten Geheul der Pariser und Berliner Demagogen heransschailt, daß. weil früher der Kapitalist o den und der Ar-- beiter unte n war, fortan der Arbeiter oben und der Kapitalist unten sein folle. Denn darauf läuft das ganze Gebrüll des Bedet und Liebttrecht, des Toicke nnd Hasen clever hinaus. An die Stelle ein er Ariste tratie, der des Geidbentels soll eine andert, die der Faust und des Kreurdornstoctes gesetzt werden. Nicht dieß der fleißige und tüchtige Arteitet, sondern auch der faule und rohe Tagedieb, der sich Arbeiter nennt, soll An theil am Gew in ne des Kapitatisten haben, aber keineswego Antheit an etwaigem Ver—- tuste. Die Veriuste sollen deñ schnöden Kapitalisten unverkmmert bleiben, nur ihren Gervinn solien sie hergeben. Wie in früheren Tatrhunderten die rïtterliche Geburt, so soll in Zulunft der bloñer Räne „Arbeiter“ ein Adeibbrief sein, der dem Besitzer für moglichst geritge Mühe einen möglichst große- Lee bendgenuß sichert. Das ist dir bernünftige Auffassung der Ardeiterfrage, wie ste sich in Europa hat ent wicein können und mussen, weil dort die Ge gensätze zu schroff und unvrermittelt neben einander stehen, die verschiedenen Klässen der Geselischaft sich ais einander feindliche Mächte fühten. von welchem die eine oben und die andere nnten seln muß Aber dier auf dem Boden der Ketnnt KFeht die Sache andersõ. Hier, syo teiüe Kla f se von Kapitaüsten einer Klasse von Arbeitern gegenübersteht, son dern neun Zehntel der Kapitalisten ihre Lauf bahn als Arbeiter begonnen haben und die Entstehung des Kapitals aus unver brauchten Arbeito -Erträgen noch täglich, stündlich vor sich geht, hier handelt es sich nicht darum. der Einen Vorrechte zu entreißen um Fe den Andern zu geben, sondern es han delt sich darum, Beiden gleiche Ge reth— tigteit zu sichern Kuögenommen in cinigen mehr türopäischen, als ämerikanischen Viodnadien des Ostens sehlt es in Amerika gänzlich an den Vorbedingungen des commu nistischen Blödstnns Unsere Ardeiter find leine hungernden und frierenden Proletarier, wollen nicht als bejammernöwerthe arme Schindluderchen, oder als Victor Hugo' sche „Miserable“ angeseten sein, die in thierischer Wath den „verrüchten Leichen“ die Hälse ab schneiden müssen, um zum Betonßttein ihrer erhabenen „Menfchenwnrde“ zu gelangen. Denn keiner von ihnen rechnet darauf, daß er mit Nothwendigleit bis an sein Lebensende Lohnarbeiter blcei be n müsse, und einen Ge selischaftozustand zu. erstreben, bei welchem es in wenigen Jahren ihm se bst. der bis dahin zum „Kapitalisten“ geworden wäre, an ben Hals gehen könnte. fällt ihm nicht ein. Aber daß in dem Mäße, wie die große Fabritindustrie fich entwictelt und die Bevöl skernng des Landes sich verdichtet. das Miß s verhältniß zwischen festem Kreitölohn und Kapitalgewinn stch steigern werde, is aller dingo zu befürchten. Und da heißt es zur rechten Zeit vorbauen durch Zusammenwirken aller Einsichtigen und Wohlmeinenden in der Ermittelung der Bedingüngen, welche die freie und selbstständige Stellüng des Arbeiterõ zu sichern geeignet sind Die Löfung der Aufgabe wird aller Wahrscheinlichkeit nach in der Richtung auf die freic Coperatton zu finden sein. Diese setzt ader nicht wie der Communisnmus nch Pariser oder Berliner Zuschnitt. eine stumpfe, unwissende, rohe, mit der Faust dreinschlagende Proletarier-Masse voraus, fondern gebïdete, sich ihrer Pflichten chenfo wohl, wie ihrer Rechte, and der Mẽg lichkeit von Verlusten ebensowohl wie der Hoffnung auf Serwinn bewußte, fleißige und strebsame Arbeiter. Nicht in dem Sinne der Bebel und Liebknecht, ipelche schließlich nur ekelhafte Zerrbilder der Parifer Coinmunisten sind. sondern— in dem nüchtern-prattischen Sinne Schulzes von Delitzsch wird die Arbei terfrage in den Ver. Staaten gelöst werden. Als einen ersten Anfang dazu, eine solche Lösung der Frage den großen nationalen Aufgaben der Republit einzureihen, kann man den Antrag Hoars aufrichtig bewilltommnen. —ſt— Civildienst· Reform. Im Bundessenate hat ein Antrag Antho nh's auf Einsetzung eines stehenden Ausschus ses für Enrrpfehlung von Ersparnissen und Re formen Anlaß zu einer ũüberaus bittern und gereizten Debatte gegeben Der Grund zu dieser Bitterkeit ist unbewaffneten Augen kaum erkennbar, denn er lag nicht in der Sache, sondern in den Persönlichkeiten. Im vorigen Congresse war ein besonderer Ausschuß zu dem bezeichneten Zwecke eingesetzt worden und Schurz war Vorsitzer desselben ge wesen. Die Masoritãt des Senats hatte in einem Caucus. welchem Schurz und Trumbull beiwohnten, beschlossen, diesen besondern Aus schuß nicht wieder ins Leben zu rufen, sondern an seiner Statt einen ordentlichen ständigen Ausschuß. An sich sollte man glauben, daß diese Veränderung cine stärkere Bekräfti n hiesiger Stadt zu it, zurt Erbaltung de des Etgenthumẽ zu ziehen. Die unschähbar. Dech die Stadtregierung und 2 schickte die ine Absicht gewesen ien dierzubebalten ruppen fett. zu zeigen be men rif nächsten Mavor en worden. wieder en Winter über dier endigleit einer den Kriegeminister hobenen Stel n die piatte, Es istnicht m 29. Okltober rsch der neun d dem Bericht uhestörerischer igt habe, und wendig gewe— Herbeiziehung n Gen Sher— Bericht She d telegraphirte egiment find na abe Ihree Briefe verrichten (to e Wth.) n Polizei ief er unserem Anstand ste den Schuß des Bundeo tia „Wie?“ tsetzen: „Da ie Stadt und ne Polizei eneral uns chiden darf. in. Soist! ändig n wir also! Wehr. almer an dantwor den, wenn end Etwad 7 ng und den! gung der Nothwendigleit einer Reform des Civildiensted bezeichne, deun es wird diese da- -1 durch zum Gegenstande der regelmäßigen Thä tigleit des Senats gemacht Allein Schurz und seine Freunde faßten die Sache anders auf. Ihrer Meinung nach handeitẽ es sich bei der Veränderung nur darum, Schurz vom Vorsitze des Ausschusses zu verdrängen und diesen seibst aus verläßlichen Anhängern des Präsidenten zusammenzusetzen.“ fAus dieser Annahme zogen sie den weitern Schluß, daß es den Repubitanern überhauht nicht Ernst mit den anzustellenden Unter suchungen und zu erstrebenden Reformen sei; daß sie im Gegentheil den Ausschuß nur als Werlzeng henützen wollten, um die Sünden der Adrninistration zu verdecken und die Wice dererw hlung Grant's zu fördern. Von sol chen Woraussetzungen ausgehend und solche Beschaldigungen erhebend, wurden die Herren Schir ·z. Trumbuli und Tipton von Nebraska üübera üs bitler gegen die „Administrations iderspru zurückzunc! 1. wüürde Hrn en. Ihm in hohl ist und 1 d Präsidenten urch werdei ter uũber te! zum Stagrc ede sein! C— enzfall' c jiete, daß achdrücklin! hiermit as erlafse es den; Gemäßtet em Bewu:- erfüllen“ Zotschaft er sich nua RKerianer“, welche ihrerseits Gleiches mit Gleichem vergaiten Deun währetd hie sich Willens erktrten, eite Keform des öffent· lichen Dienstes herbeizuführen, wollten sie um! o weniger gestatten, daß diese Reform alo eine Specialitt und ein Mondopoi der Schurzianer aufgefaßt und diesen zum Zwect botitischer Kahitalmacherei überlassen toerde —Der Antrag Anthony's wurde schließ lich mit 35 gegen 24 Stimmen angenonmen Anstatt indessen eine ummen angen: Schurz und Trumhbull zu sein, würde diese Abstim mung gerade umgekehrt ihnen zu einer etwa beabsichtigten Spaltung der republikanischen Partei helfen, wenn der azusetzende And schuß nicht in guter Trece rd i volister Energie das Werk der Reform betriebe. Die äufs blaue Ungefähr hin gemachte Beschuldi sgung, daß der Audschuß vorhandene Uebel jstände nicht beseitigen, sondern bemäntein solle, muß durch die That widerlegt werden Was auf dem Wege der sogeñadnte; Civil dienstreform geschehenß kann, ist, wie Herr !Fofeph Sedi nach gewissenhaftester Prüfung des Gegenstanded gefunden hat, bei weitem nicht so viel, wie Diejenigen erwarten. die sich seinbilden, man könne ohne welteres die preu hische Büreankratie nach Amerika vernftanzen aber wie viei oder wenig uch Däd, was ge- schehen tann. sein möge. Sache der re pdiitañischen Partei ist co, ed zu thun. Die durch die gesammten staatlichen und gesellschaftlichen Zustähde des Landes be stimmten Grenzen cinet Reform des Be amtenwesed lasen sich durch bloße Gesetze oder Prüfungen nicht aufheben. Was den Beamtenstand in Deutschland so vortheilhaft |vor dein ameritanischen quszeichnet, ist erstenõ die grüädlichere allgemeine und Fa ch jbildung, ivie sie sich der Beamte mit Rück sicht darauf, daß der Staatodienst sein sdauernder Lebenoöberuf ist, aneignen smuß, und zweitens das strenge Pflicht gefühl, welches einerseits durch die außer jallem Verhältniß zu seiner pecunlären Lage stehende bevorzügte geseuschaftrige Steüüng des Beamten entwiceli, andererfeits durch die Furcht, vdr dem Verlust einer leheno länglichen Versrgung gestützt und gestärkt wird. Aber diefe Vorbedingnngen eines tüchtigen, gewissenhaften und hslichtgetreuen Beamtenstandes lkönnen weder durch Plat— formen, noch durch Prüfungöcommissionen geschaffen werden Einẽr Londoner Zeitung, welche die Er kiärung für die Pünktlichteit. Ehrlichleit und Gewisseuhaftigleit der preußischen Staats beamten in ber unpartciitchen Sttenge ber preußischen Sirakgerichie gefucht hatte, ant wortet der Anzeiger des Westens in einem nängeren Artiten (tvetchen die Chicagoer „üñnlon, wie beinahe alle ihre „Leitartitel,“ ohne Angabe der Quelle stiehlt) wie folgt: „Die äußere Controlle und die Unerbitt lichkeit der Gerichte helfen ohne Zweifel sehr wesentlich mit, die nicht genug zu rühmende Pflichttrene undßechtschafenheit der deutschen Beamten aufrecht zu erhalten, aber ganz allein thun sie es nicht Auch würde sich wenn dies der Fall wäre, plötzlich die Frage aufwerfen, was es denn sei, was die Gerichte so unbestechlich und unerbittlich macht, und wad die controlirenden Beamten zwingt, den höõchsten Maaßstob von Dienstpflicht und Red—- lichkeit an das Verfahren der Unterbeamten zu legen? „Es sind vielmehr zwe! innere Gründe vor handen dir ohne jeden Zweifel wenn nicht imnächtiger, so doch mindestens ebenso mchtig auf den Charakter wirken, wie die drohendẽ Zuchtruthe der Gerichte und die Diseiplinar- Maßregeln der Controlleure. „Der erste Grund liegt in der Erziehlttg ded gesmten bcutschen Beamtenstandes. Sie ist die hẽchste Erziehung in sittlicher und intellektueller Hinsicht, welche man sich in Deutschland erwerben kann Sie stellt den deutschen Beamten versteht sich nach dem Grade seiner individuellen Bildungofähigkeit —auf die höchste Stufe der deutschen gebiide ten Welt, Ein Assessor an einein Landgerichte hat dieselbe Erziehung genossen, wie ein Cabi netminister und einßeferendar an einer Ver waltungdstelle erhält diesen Posten nur unter der Bedingung, daß er dieselben Studien ge macht und dieselben Prüfungen bestanden habe, wie der im Laufe der Zeit zum Staats rathe oder zu jeder anderen hohen Verwal tungosteile beforderte Beamte. In Deutsch-- land kommt der Fall uicht vor, daß man einen bankroten Kaufmann zu çinem hohen Verwaltungobeamten odrr rinen Giodengießer zum Krtegöminister macht, und niemalsõ oder doch kaum jemals ist die Frage einem Zweifel unterworfen, ob der Candidat für ein Amt demselben gewachsen und ob er dessen würdiz ist. Man weiß dieb in ñeün und neunzz unter hundert Fällen zum voraundß „Diese Erziehung, und das Angehören der Beämten zu der hezogenen Klaffe von Bur gern, ist eine mwesenttiche Gärantie für ihre Rechtschakenheit. Eine hohe moralische An schauungoweise ist ihnen gerade so anerzogen, wie gewisse Sitten und Geiwwohnheiten dem bäuertichen und drtü Adelsstande. Der deut sche Beamte ist ein gewissenhafter und recht schaffener Mann durch seine Erziehung, gerade wie er durch sie ein kenntnißreicher und mit seinen Amtopflichten vertrauter Mann ist. „Ein zweiter, ebenfo wesentlicher Grund ist die Sicherheit feines Aufsteigens auf der Leiter dev Beamtenthumd wenn er tren und intelligent seinen PVlichteÿ namtkommt. Hierin reden duñsere Vortheile allerdings ihr Wori mit. Aliein ausschließlich ist der mit einer höõheren Stellung verbundene Gehalt nicht die Ursache der Amtötreue. Es ist vielmehr der sittliche Grund der Genugthuung, welche aus der Anerlennung treulich geieisteter Dienste hervorgeht, der dabei mit in's Spiel kommt; wenn ein Beamter auf seine Beförderung hin ardeitet. Hierin liegt zum großen Theil die Vortrefftichkeit aber äuch dle schwãchse Seite des deutschen Beämtenthums. Eds entsteht dadurch sehr oft jene gehöfsige Augendienerei, die nanienũtiich in Zeiten politischer Aufregung schon unsgliches Unheil angestiftet hat Im Ganzen jedoch ist der moralische Trieb. es den besten seines Standes gleich zu thun, und durch Diensteifer und Rechtschaffenheit voran u fommien geibiß eiü edies ünd dein Staato-- ganzen im höchsten Grade vortheilhaftes Motiv.“ Das Ales ist volllommem richtig und Wer da glaubt, daß ein ähnlicher Beamtenstand, wie der preußische, hier schon durth „compe titiye examinatton,“ durch Erschwerung der Absetzung und derlei Mittelchen erzielt wer den könne, der ist schließlich, wenn er sich auch noch se sehr in Toga des Staatoömanneso hüllt, nichts besseres, als ein politischer Quack salber, welcher bad Geheimniß der Gesundheit nicht in einer heilsamen Diät, sondern in Calamelpillen und Rhabarbertränkchen fucht. Stätsgesetgebung: nirags, den 12. December 1871. Im Haus- wurde die Debatte über die so genannte Revenue oder besser Steuerbasts soder Steuer-Norm-Bill bis zu ʒ 10 glücklich beendigt Bemerlenswerth ist die An— nahme einer Adänderung der ursprünglichen Fafssung dahin. daß bei der Einschätzung des Vermogens dein Kbzug von Hypotheten-- Schulden -c gestattet sein soll Im Princip scheint uns diese Abänderung, diese Besteile tung von Schulden ungerecht; und die An nahme derselben ist wohl nur dadurch zu er-- klären, 13 die Gesetzgeber weuig Vertrauen auf die Ehrlichteit der Steuerzahler besitzen sund befürchten, daß dieselben stets e iet Hy bhotheken und Schulden zu fahriciren wisten würden, daß süt den Steuereinnehmer oder jSteuerabschätzer nichts übrig bliebe Eine sehr wichtige Frage wird bei der De— batte der weiteren 7; dert Bill zur Verhand lung kemmen, nmllch Wie und wo soil dar Eigenthum von Eisenbahn- undVersicherungõ gesellschaften besteuert werden „Der vorüe gende Entwurf stelit in der Beziehuug einen Grundsatz auf, der sich zwar durch eine so zu sagen mathemathische Billigkeit empfiehlt, der aber in der Praxis zu unendlichen Weitläufig keiten und Ungaerechtigkeiten führen würde. Jede Eisenbahn soll nämlich angeben, wie lang ihr Schi. nengeleise ist, wie viel ihr We gerecht werth ist, wie hoch sich der Werth ibrer Schienen, Brücken. Bahnhöfe, Lokomotiven, j Waggons u. s. w. beläuft. Die in solcher Weisfe erlangte Gesammtsumme soll als die Summe des persönlichen Eigenthums der Bahn betrachtet und im Verhäitniß zu der in jedem County Town, Stadt liegenden Schie nen-Meilenzahl besteuert und unter die Coun-- ties -c. repartirt werden. Das Rechnungs-- Exempel würde dabei etwa so lauten: Das Geileise der Eisenbahn ist im Ganzen so und so viel Meilen lang; in dem betreffen den County befinden sich davon so und so viei Melilen oder der so und so vielte Theil des Gesammt-Geleises; die im Ganzen von der Eisenbahn zu zahlende Summe be— trägt so und viel; also kommt auf das be treffende County ein Steuerbetrag, welcher dem Verhaltniß genau entspricht, in welchem die Schienenlänge des Hauptgeleises inner halb des County zu der Gesammtschienen länge der Eisenbahn steht. Falls diefer Grundsatz angenommen würde hätte z. B. Sangamon County, in welchem sich mehr von dem Hauptgeleise der Chicago, Alton und St. Lonis Bahn befindet als in Cootr County, ein Anrecht auf eineu grßeren Steu erbetrag, ais Coot Counth, obgieich der Werth an Seitengeleisen, Bahnhöfen und auf Sei— tengeleisen beschästigten Lokomotiven in Coot County den Werth des Hauptgelcises in San gamon County bedeutend übersteigt. Die prattische Wirtkung würde sein daß die Steu—- erzahler von Sangamon Counth weniger Staatssteuern bezahlen würden als recht und billig i und die von Cool Co mehr als recht und billig ist. Von der entsetzlichen Weitläufig keit, welche den Eiseunbahnen erwachsen würde, wenn sie in jedem Town und County, das sie durchschneidet, Staatssteuern bezahlen müßten, wollen wir vor der Hand abschen. Die Sache wird aber noch bedenklicher, wenn nan erfhrt, daß nach derselben Norm das persönliche Eigenthum der Eifenbahnen zu Ceunty, Town- und Stadtzwecken besteuert werden soll. Fatis diefe Bestimmung stchen bieibt, ivürde z. B. Springficid die Macht haben, Eigenthum zu besteuern, das sich gar nicht innerhalb seines Bezirto, sondern inner halb der Grenzen von Cook County besindet. Eine solche Befugniß steht offenbar mit der Bestimmung der Staatoverfassung in Wider spruch, welche so lautet: Für alle andern Gemelndezwecte können alle Municipalkörper mit der Befnnniß bekleidet werden, Steyerabschätzung und Steuerein trtibung borzunehmen solche Steuern sollen jedoch innerhalb der Gerichtobar keit des dieselben auferlegenden Körperd in Bezng auf Personen und Ei— genthum gleichförmig sein“ Ebenso mertkwürdig ist der ft Versiche ruñgẽgtseschaften vorgeschlagene Steuermo—- dus. Die betreffende Gesellschast soll über ihre Brüttoeinnahme in sedem County, in welchem sie eine Agentur hat, berichten. Der Staatsauditor foll dann die Rettoeinnahme nach dem Verhältniß Fet Brntierinnahne un— ter die verschiedene Coutties repartiren, und der Counthelert den Betrag unter die Towns. Die Versicherungozesellschaft würde somit in hunderten von Plätzen Steuern zu zahlen ha ben haben, und außerdew in dem Harrittaue der Geselifchaft. z. B. in Hartford oder New- Dort ñnoch einmal für ihr Gesammtvermögen Steuern bezahlen müssen. Das Beste ist aber das in der Bill vorgeschtogru Zwangd- ünd E sollte (was ziemlich sicher ist), überhaupt Steuern in Illinois zu zahlen, aus dem !Grunde, weil sie schon einmal in Connecticut Stenern bezahlt hat. Das Mittel besteht nmlich darin, daß die von der betreffenden Gesellschaft in dem betreffenden County aud gestellten Versicherungöpolicen ungüttig sein folien Diese Bestimmung gehört in die Klafse der Manorer, welche män mit den Worten dezeichnet „stch seine eigene Rase abbeißen“. Was die Policen-Inhaber verlieren würden, würde ja aber der Stadt selbst verlieren, der ja doch am Ende nichts weiter ist als die Ge sammtheit seiner Bewohner Im Allgemeinen scheint es und, alõ ob eine einfachere Steuer dasiobill möglich und wünschenowerth wäre; wir eet jedoch jetzt schon die Hoffnung auf, eine folche zu bekommen Herr Barr (Verhandlungen des Hauses) hat es auf Coot County einmal abgeschen; or besteht wie Shhloc auf seinem Schein Weii Coot Counth einmal. d. b. kalts das fortete Recht maßgebend sein sol im Jahre 1868 5127,000 Staatosteuern zu wenig ge zahlt hat, so soll es dieselben jetzt noch nach träglich zahlen, und zwar in der Weise, daß der Staat die Summe an den Geldern abrech net, welche er (der Staat) an Chicago für die von letzterem audgeführten Canaivertiefungs arbeiten zu zahlen hat. Wir fürchten, daß die betreffende Bill ängenommen wird, wenn auch nur, uimn den Rechtopuntt Coot Counth ge genüber zu behaupten; es ist jekoch sehr waht scheinlich daß durch eine eigene Bill der er wahnte Beträg den Steuerzahlern von Coot Coünth auf äußerordentlichem Wege ebenso nachgelassen wird, wie dad mit den vom Mis sissippi überschwemmten Counties in Süd—- Illinois früher geschehen ist. Eine Bill, die swie der umgehende Geist in verwünschten al ten Schlössern, seit Jahren vergeblich auf Er lösung, d. h Annahme harrt, nämlich die so sgenannte Sezir Bill, d. h. die Bill zur Be schaffung von Leichen für die Wissenschaft auf gesetzlichem Wege, statt auf ungesetzlichem (Leichenraub auß Kirehhoöfen) ken iin Senat zurt Verhandiung. Senator Reddick suchte die Sache ins Lächerliche zu ziehen, indem er be santragte, nicht nur die Leichen der nicht rekla mirten Bewohner von Armen-, Zuchthäusern und Hospitälern dem anatomischen Tisch zu süberweisen, sondern auch die der höchsten Staatobeamten und der Mitglieder der Staato gesetzgebung. Die Bill wurde für den 14. auf die Tagedordnung gesetzt. Im Hause kam die Bill vor, welche die fur Wiedereintragung von Kaufbriefen in Cootk Lountr zu zahlenden Schreibgebühren fest ellt Ats der Antrog gestelit wurde, die Bill im E 2 Coot County Mitgliedern Sullivan, Gallo way, Root und Morrison dafür; King, Waite, Williams und Burset dagegen Wit degrei fen ticht, sbie ein Vertreter von Cook County dagegen stimmen kann, bie Ermäßigung der betreffenden Gebühren so rasch als möglich in Kraft treten zu laßsen. Dad Eintragen eines gewöhnlichen Kaufbriefes ocder Deedbö kostet 34 Tents; die Grundeigenthümer von Cook Counth müüssen daher sehr tünschen, daß die Gebühren für Wiedereiütragung ihrer Kauf briefe auf 4 oder õ Tents per 100 Worte her abgesetzt werden. King von Coot County behauptete, daß das Wiedereintragen der Kaufbriefe gar keine gesetzliche Wirküng habe. Wir wissen nicht, wie sich das damit verhalt; aber gleichviel ob wirksam oder wirkungolos; das Wiedereintragen von Deeds sollte so billig als möglich in Cook County gemacht werden Dies scheint auch die Ansicht des Hauses (Plenarcomites) gewesen zu sein, welche die Gebühren auf Cent per 100 Worte fest stellte und die Bill dem Hause zur Annahme empfaht. Die Bil weiche die Gebühren der Beamten von Cootk County im Allgemeinen feststellt, scheint durch unsichtbare Einflüsse immer wic der zurücktgeschoben zu werden. Falls sie den noch schließlich vorkommen und angenommen werden sollte, wird sie schwerlich die zu threr sofortigen Inkrafttretung nöthige ʒ Mehrheit erhalten und die Beamten von Coot Counth würden alsdann sich jedenfalls bis Zuli 1872 ihrer setzigen hohen Gebühren nach wie vor ersielen. A Die neue Verfassung. welche die Eimßi guntg der Gebühren, und die Einführung mäßiger Gehälter an die Stelle der unmäßi gen Gebhühreneinnahmen verordnet, wurde beiläufig im Juni 1870 angenommen. Derartige Reformen brauchen merkwürdig viel Zeit. um aus Theorie Praxis zu werden. Chicago, den i 3. December 1871. Dic Bill, welche den Staat in -l Senatoren- Distrikte eintheilt, wurde vom Hause im Ple narcomite mehrere Stunden lang debattirt, jedoch schließlich in der Farm, in welcher ste dle Bitügung ded tepublitanischen Caueus erhalten, zur dritten Lesung verordnet. Die Debatte drehte sich hauptsächlich um Cook- Counth. Mason von Cook Counth schlug eine andere Eintheilung von Coot Connty vor als die in der Bill enthaltene, er wollte Chicago in 6 Senatoren-Distritkte getheilt haben und die außerhalb Chicago liegenden Towns zum 7. Distritt gemacht wissen Campbell unter stützte Mason's Idee mit dem Bemerken, daß die sechs Senatorendistrikte zugleich als Alder-- mans -Distritte Fa!t der srttigen Ward-- distrikte) dienen könnten. Der Cootk Counth betrefende Paragraph der Bill wurde im Plenar-Comite, nachdem alle Amendements abgelehnt, mit 88 gegen 50 Stimmen ange nommen. Falls berhaupt noch Aenderungen durch setzhar sind, müssen sie im Staatosenat durch gesetzt werden. Die Bill, welche der Bundesregierung die Macht verleiht, Land für Bundesgebäude in Illinois zu erpropriiten, d h. sich des dazu nöthigen Landes gegen eine angemefsene Ent schädiguug zu bemächtigen, ist jetzt in beiden Häusern der Gesetzgebung angenommen, und sobald der Congreß die nöthigen Millionen für den Bau eines Post-, Zoll- und Steuer- Amtes in Chicago beivilligt hat, wird das An kaufen eines Blocks in der Nähe des alten RPostgebäudes an der Ordnung sein. Die von uns vor dem Feuer wiederholt be sprochene Temperenz-Bili, durch welche die Wirtht verantwortlith für allen Schaden ge macht werden, welchen Betrunkene anrichten, taucht immer wieder auf und die Gefahr ihrer schließlichen Annahme ist keine geringe. Die Bill ist Senatöbill No 228 und ist betitelt „Ein Aft um gegen die Uebet Fürsorge zu treffen, welche sich aus dem Verkufe berau schender Getränke ergeben. Ein Antrag Donahue's, im 7 4 der Bill die Bestimmung zu streichen, nach welcher Trun kenheit ein mit Sõ und Kosten zu bestrafendes Vergehen ist, wurde mit 28 gegen 19 Stim men abgelehnt. Kerr beantragte als Zusatz zu 22, daß der Verkauf von berauschenden Getränken an einen verheiratheten Mann ohne schriftliche Erlaubniß seiner Frau verboten sein soil. Der Tabal schien denn doch den meisten Se natoren zu stark, indem 32 dagegen und nur 8 dafür stimmten Bango beantragte ald Zusatz, daß. Klein händler mit berauschenden Geträuken eine Bürgschaft von $15,000 stellen sollten, in Uebereinstimmung mit dem Gesetz die Getränke zu verkaufen. Chicago, den 14. December 1871. Im Hause wurde auf Kings (Coot Co) Antrag, dem Spezivlcomite von 13 Urlaub (von Freitag bis Montag) ertheilt, Chicago zu besuchen und sich von dem Verschwinden alier offiziellen Grundbücher und County- Archiben mit eigenen Augen zu überzeugen Das Comtte über Kohlengruben hat eine neue Bill ausgearbeitet, deren Hauptbesiim mungen folgende sind: 1. Ein Kohlengruben-Inspektor sol ernannt werden. 2 Eine genauc Zeichnung der betreffenden Kohlengruben soll gemacht, und ein Exemplar bei dem Registrator des County und cin au deres beim Inspektor hinterlegt werden.“ 3. Zede Kohlengrube. welche einen Schacht enthätt, in welchem mehr als 10 Arbeiter bẽ schöftigt sind, soll eine besondere Einfahrt und Ausfahrt haben, und zwar poll dieselbe in Gruben, deren Tiefe 75 Fuß nicht übersteigt, innerhalb eines Jahres vom 1. Jull 1872 än gerechnet, hergestellt werden; und wo die Tiefe mehr beträgt als 175 Fuß und weniger als 350, innerhalb 2 Jahren, wo die Tiefe mehr beträgt, als 350 Fuh. innerhalb 3 Jahren Alle Schachte, die nach dem 1. Juli 1872 in! Betrieb kommen, müssen mit einem solchen Extra Audfahrt Schacht innerhalb eines Jahres versehen sein, wenn die Tiefe der Grübe unter 200 Fuß betrgt, und wenn die Grube tiefer ist, innerhaib 2 Jahren- Die Bill enthält ferner Bestimmungen über Beschaffung gehoöriger Ventilation (frischer inn den Gruben, und gibt dem Inspektor Macht, die Erfullung der betreffenden Be— stimmüngen zu erzwingen Ferner soll keine Person ütet 10 Jahren in den Gruben ar-· beiten dürfen. Falls ein Arbeiter zu Schaden oder zu Tode tommt durch wissentliche Nichterfüllung der Bestimmungen des Gesetzes von Seiten des Grubeueigenthümers, so sollen die n Bezug auf ihren Unterhalt von dem betreffenden Arbeiter abhängigen Personen eine Mäge aus Schadenersatz gegen den Eigen thümer zu erheben berechtigt sein. Im Senal wurde die Debatte über die Temperenzbill fortgesetzt. Scunator Bishop beantragte als Amendement, daß Ale, Bier, einheimischer Wein und Apfelwein von den Bestimmungen der Bill audgenommen sein follen Dazu beanltagte Carter ais ilüter- Amendement, daß die erwähnten Getränte nur unter Licenz verkauft werden dürften. Das so amendirte mendement wurde jedoch mit 31 gegen 138 Stimmen verworsen 4 der Bill. welche Trunkenheit zu einem mit 85 und Kosten zu bestrafenden Vergehen stempelt, wurde mit 27 gegen 16 Stimmen gestrichen 2 Auf Untrag Strewell's wurde eine Bestim mungd eingeschaltet, nach weicher jeder Ver täufer berauschender Getränke eiue Bürgschaft von S3OOO zu stellen hat, als Sicherheit für die Bezahlung des durch den Verkauf berau schender Getränke indirekt angerichteten Scha dens. Schließlich wurden auch den Apothe ten, welche berauschende Getränke verkaufen, die Erlangung einer Licenz auferlegt und die Bill zur Lesung verordtet. Die allgemeine Städteordnung wurde im Senate debattirt. Auf Antrag Woodard's (Chicago) wurde eine Bestimmung eingeschal tet, nach welcher in Städten über 100, 000 Seelen (d. h in Chicago) der Stadtrath aus 36 Aldermännern bestehen soll, welche in sechö Distrikten, in welche die Stadt zu dem Ende zu theilen, erwählt werden sollen, uud zwar sollen jedes Jahr in jedem solchen Distrikt drei Aldermanner auf 2 Jahre erwählt werden, in der Weise, daß jeder Stimmgedber ded Distrikts seine 3 Stimmen auf einen Candidaten con centriren oder auf mehrete vertheilen känn aninderbeilowahlen· Vrina- ti doserte dri den Wahien für das üächste Haus der Abge ordneten von Illinois). Ein Amendement wurde angenommen, daß Mayore, Bundeobürger sein müssen und in nerhalb der Stadtgrenzen wohnen. Ferner, daß der Mayor die Macht haben soll, Beam te, die er ernannt hat, abzüsetzen- dhne dozu der 2itiininin von F der Mitglieder des Stadtraths zu bedütfen. Die Böstimmung, nach welcher Kinderœ welche wegen Uehbertre tung städtischer Ordinanzen zü Geldstrafen verurtheilt sind und dieselben nicht zahlen tönnen, in die Resornschule geschiüt werden tönnen, wurde gestrichen. Eine Bestimmung wurde eingeschaltet, nach welcher eine Städt Vordörfer oder Aerltet außerhalb der Stadigrenze mit Wasser aus jihren Wasserwerken zu versorgen, Kontrakte auf nicht über 5 Jahre abschließen kann. Die Bill wurde zur Revislion an Senator Edsall üüberwiesen. Im Hause wurde ein Substitut für Henry Greenebaum's Aktien-Hypotheten- Bank Bill vom Comite zur Annahme empfoh-- len. Die Hauptabweichung boin ütfptüng lichen Entwurfe besteht darin, daß das Capi tal der zu bildenden Hypothekenbank minde stens $300,000 betragen muß, und daß der Charter auf 25 Jahre ertheilt werden soll, nach welcher Zeit die Bautk jedoch sich auf |weitere 25 Jahre wieder erneuern kaun. Die Staatohoheits- oder Expropriationd- Bill wurde im Plenarcomite debattirt Nelson wünschte, daß man sich erst über das bei Ex propriationen anzunehmende Princip ver ständige, die Anwendung selbst werde dann eine leichte sein In Ucebereinstimmung da mit beantragte Roberts Verhandiung des3l der deeme Bill, der so lautet: Privateigenthunw soll zu öffentlichen Zwe dceen nicht ohne gerechte Entschädigung benutzt oder beschadigt werden. In allen Fällen, in welchen der Staat nicht ais folcher diese Ent schädigung leistet, soll dieselbe von einer Jury, wie weiter vorgeschrieben, festgestellt werden, bei der Feststellung dieser Entschädigung sollen in keinem Falle die Vortheile angerechnet wer den, welche dem Elgenthümer äus der Weg nahme oder Benutzung seines Eigenthums er wachsen Man benierkt, däß falls dieser Paragraph angenommen wird, das bioher bei Spezial besteuerung angewandte System über den Haufen geworfen wird. Nach demseiben wer den bekanntlich bei Durchlegung einer neuen Straße dem Eigenthümer, dessen Land dazu genommen wird, der Vortheil mit angerechnet (respettive an dem Werthe des Landes abge rechnet), welcher ihm aus der Eroöffnung der neuen Straße erwachsen, oder welche nach der Ansicht der Abschätzer dem Eigenthümer er wachfen. Springer stellte das Aniendement, daß Stdte; Townd und Dörfer Reuanlagen ört licher dßatur mitteist Sheziclbesteuerütg des angrenzenden Eigenthums zu bestreiten das Recht haben sollen. Er glaube nicht, daß derlei Neu-Anlagen mittelst allgemeiner Be steuerung aubführbar seien. Shan erklärte sich gegen alle Specialbe steuerungen und wies nach, wie der höchste Etagrenererdro allmätlg sich gegen dad der Specialbesteuerung zu Grunde liegende Prin cip erklärt habe. Ein von Short gestellten Substitut-Autrag, naeh shelchem VBortheite bei der Expropriation dem Eigenthümer des Landes añ- respeftive a b gerechnet werden sollen (der Betrag durch Geschworne und Gerichte festzustellen) wurde mit großer Mehrheit verworfen. Kerrick beantragte als Amendement zu Springer õ Amendeẽmert, daß Speziaibesteue rungen und die dabei anzurechnenden Vor—- theile nür au.f Wunieipaitörper, nicht aber auf Privat-Corporationen Anwendung finden sollen Die wichtige Debatte wird noch lange fortgesetzt werden. Der Gouverneur, welcher in der Sitzung anwesend, folgte den Rednern mit großer Aufmerksamteit. Chicago, det 15 December 1871. Die Debatte über den b-i Expropriationen zur Anwendung zu bringenden Hauptgrund satz wurde im Hause fortgesetzt. Es handelte sich um die Frage: Sollen bei Feststellung der für Land zu zahlenden Entschädigungen die Vortheile, welche dem Eigenthümer durch die betreffeude Neuanlage erwachsen, in An- und Abrechnung gebracht werden? Derʒll der Neson'schen Bill ertlärt sich gegen solche Att- und Ahrechnung. Springer stellt dazu das Amendement, daß eite fotche Adrechnung stattfinden solle und nahm später diet von Kerrick vorgeschlagene Form des Amendements an, nämlich „Wenn die Behörden einer inkor porirten Stadt, Town., oder County, oder Township eine Neuanlage beschließen, bei welcher öffentliches oder Privateigenthum zu öffentlichen Zwecken genommen oder beschä digt wird, so foll die Jurh bei der Feststeltung des Schadenersatzes den Vortheil mit in An schtag bringen, welcher dem Eigenthümer des betreffenden Eigenthumes durch die beabsich tigte Neuantage erwächst“ Careh ertlärte sich gegen das Amendement und dafür, daß das einem Manne genommene Eigenthum znm vollen Werthe bezahit werden müsse. Burley (Chicago) sprach sr das Amende ment, Root dronielen Er behauptete, daß Neuanlagen miltetst augemeiner Besteurung zu bestreiten, ein Rückschritt fein werde. Phelpo (Chicago) ertlärte sich gegen Spe cialsteuer, setzte die Wirkungen des jetzigen Systems in Chlcago auseinander, und machte darauf aufmerksam, daß mit Specialsteuern belastete Eigenthümet niemals Sicherheit da für hätten, daß die (durch Neuanlagen er wachsenen) Vortheile audauerten und daß keine Bestimmungen existirten für Zahlung specieller Schäden. Dixon sprach für den Grundsatz der Spe cialbesteuerungen in Chicago Springer's Amendement (stehe oben) wurde mit õ7 gegen 51 abgelehnt. Der Paragraph der Bill wurde schlteßzlich in seiner urfprünglichen (gegen Specialbe steuerung gerichteten) Form mit 74 gegen 68 unter großem Beifall angenommen. Der zweite Paragraph der Bill wurde gleichfalls angenommen. Mit dieser Annahme im Plenar-Comite ist freilich das Schicksal der Bill noch nicht ent schieden. Zunachst waren nur 135 Mitglie der im Hause anwesend, unv die Mehrheit, welche Nelson's Bill erhielt, lann leicht bei vollerem Hause wieder umgestürzt werden. Sodann ist der Senat in seiner Mehrheit ge gen das der Bill zu Grunde liegende Prineip und für Specialbesteuerung Die Wahrschein lichkeit ist, daß entweder däs Haus dem Senat nachgiebt, oder daß man sich über gar teine Bill einigt, und die Dinge so gelassen werden, wie sie jetzt sind d. h. mit den Entfcheidungen des höchsten Staatögerichtes gegen Special-- besteuerungen Im Senat legte Dore eine namentlich für Chicago wichtige Bill vor, deren Zweck ist, die Steuerzahler vor übermäßigen Steuerla sten zu schützen. Nach der neuen Staatover fassung darf Chicago auf viele Jahre hin seine Schuldenlast nicht durch neue Anlehen ver— mehren die Aldermäuner können in der Rich tung somit nicht mehr spetuliren, ein Riegel ist unnothigen Ausgaben in soweit vorgescho ben. Die Aldermänner stehen nun in PVersu chung um über möglichst viele Millionen jähr lich verfügen zu können, möglichst hohe Steuern aubzuschreiben Dore's Bill wili dieser Teu deuz Grenzen gezogen wissen, indem er bean tragt, daß die Steuern eines Jahres sich nicht über 3 Proc. des steuerbaren Eigenthunis be laufen sollen. (Eine ähnliche Bill, jedoch weit detaillirter und für jedes städtische Verwal tungödeparement. von Cincinnati den höchsten Steuersatz bestimmend, ist von der Ohio Staatsgesetzgebung angenommen.) Eddy beantragte, daß die Canalcommissäre untersuchen sollen, in wie weit die an dem Ursprung des For- und Desplaines Flusseo befindlichen Seen zur Verbesserung der Schiff fahrt des Illinoiõ Flusses benutzt werden können. Cary, voni Rechtcomite, empfahl eine Bill znr Annahme, nach welcher verheirathete Frauen verkiagt werden können und verkla gen. Das Haus weigerte sich der Empfehlung beizustimmen 8 In Senat wurde folgender Beschluß debat rt: Beschlossen, daß der Präsident der Ver Staaten aufgefordert werde, aus diesem Staate alle Truppen zu entfernen, die jetzt sich in Chicago als Militärpolizei befinden mögen, oder daß die Befehle, unter denen sle agiren, dahin abgeandert werden, daß ihre Verwendung als Polizei oder ihre Einmischung in die Funktionen. von Beamten verboten werde, welche durch Gesetze des Staated ge schaffen sind. Beschlossen ferner, daß elne Abschrift bieses Beschlusses vom Staatssekretr an Sr Ex— eellenz, den Präsidenten der Ver Staaten be— fördert werde. Chicago, den 16 December 1571 Die Bill Nelson's, Expropriationen be treffend, wurde iin Hause zur zweiten Lesung verordiet, nachdem ein Antrag Springer's die Bill an den Corporations Aubschuß zu verweisen, mit 92 gegen 14 Stimmen verwor fen war Das Rechtseomite empfahl Nichtannahme einer Bill, nach welcher Masterõ in Chancery vom Volke erwahlt werden solle, statt wie setzt von den betreffenden Richtern der höheren Gerichtöhoöfe ernannt zu werden. Das Hanus stimnite jedoch dem Berichte des Comites nicht bei. bi 4. auf Coo! County bezüglichen dringenden Bills kamen zur Verhandlung. Die erste, welche eine neue Steuereinschätzung in Coot County anordnet, wurde zur dritten Lesung berordnet. Ebenso dit Via, welche die Uebersiedelung der Insassen der Chicago Reformschule nach der Staatoreformschule in Ponmiac anordnet. Ebenso die Bill, welche einen Steuernachlaß für die Branddistrikte in Chicago bewilligt. Die Bill über Erweite. rung der Befugnisse des Mayors von Chicago wurde am längsten debattirt Eine Menge Amendements wurden zu dem ersten ʒ der Bill gestelit, welche dem Navor die Macht gibt, alie Mitglieder stdtishet Semmitonen oder Boards mit Zustimmung der Mehrheit aller nidermanner anzusteuen, und ohne gumim mung derselben abzusetzen. Ein AÄntrag, diese Zustimmung einzuholen, wurde mit ent scheidender Mehrheit abgelehnt. Es wurden edoch verschledene Amendemento angenom men, durch weiche die Parkcoinnisärẽ, soibie die, Polizeicommissäte von der bsetzungs- Beftigoniß des Mahors quötiehmen Ed wurde ferner ein Amendement angenomttenü, nach welchem der Mayor Vorsitzer des Stadt raths sein und die stehenden· Comites er nenuen soll, ferner, däß der Mayor die Macht haben soll, alle von frühren Mayoren angestellten Personen abzusetzen st wahrscheinlich gegen den jetzigen Steuerkomiüisst Holde gerlchtet; der sonst bis April 1872 im Amt belassen werden müßte.) Im Senat kam der Antrag Harlan's zur Debatte, den Prästdenten um Entfernung der Bundeotruppen aud Chicago zu ersuchen, oder doch ihre Funktionen als Militärpolizel zu verhieten. 2 Edsall bemertte, daß die Frage fei, ob die Bundesgewalt das Recht häbe, Truppen in einen Staat zu schicken, selbst wenn es zur Unterdrückung eined wirtlichen Aufstandes ge schähe, ohne daß die Gesetzgebung oder in Äb wesenheit derselben der Goüberneur des Staats es verlangt habe. Er bemerkte ferner, daß die (Chicagoer) Büürger, welche um Sendung von Bundestruppen ersucht hätten, über die Verfassung hinausgingen, und daß die Bun desgewalt kein Recht habe, Truppen zur Un terstützung der Civilgewalt abzuschicken, ohne ral der Gouverneur sie dazu aufgefordert abe. MeNutlta meinte, es liege kein Beweis vor, daß die Truppen in Chicago ald Polizei fun girten. Es liege leine Berufung der Civil-- behörden Chicago's vor, daß sie in ihren Wir tungotreisen beeinträchtigt seien. Er sahe in dem Antrage nur eine Falle Man wolle den Präsidenten des Versuchs bezüchtigen, Macht usurpirt zu haben und diese Bezüchtigung von der republitanischen Partel indossirt haben. Wenn der Antrag angenommen werde, so werde der Krafment. senrten dun er den Kriegörninister schriftlich beauftragt habe, Gen. Sheridan anzuweisen, alle von ihm in Widerspruch mit der Verfassung von Illinois erlassenen Befehle zu widerrufen, und sich in keiner Weise in die Civilverwaltung von Illi nois einzumischen. EII 1 28. Oktober kein Soldat Polizeidienst ver sehen habe. RNachdem die Geschäftsordnung aufgehoben war, wurde der Antrag an den Rechtsaus schuß verwiesen. Strafloser Deutschenmord in Frankreich. (Qus der Kölñischen Zeitung) Am 23 November empfing der Präsident der französischen Republit den chinesischen Botschafter Tchong-Haon. Derselbe tündigte ihm an, daß seine Regierung die Moörder der Franzosen in Tien-Tsin exemplarisch bestraft habe Zweiundzwanzig seien enthauptet und fünfundzwanzig deportirt werden. Außerdem habe seine Regierung an die Famtiien der Er mordeten und für die beschädigten Gebäude 3,450,000 Fr. bezahlt. Am 214. November, 24 Stunden später, stand Tounelet, ein Lacki rergefetlle, vor dem Assisenhof von Paris, weil er einen beutschen Soldaten, nämlich Den muler vom 2. Infanterie-Regiment (Thürin gen), der im Fort Roöny in Garnifon gele gen hatte, ermordet hat. Die That fiel am September vor. Der Mörder hatte an diesem Tage eine Landpartie mit drei Freun den gemacht und von seiner Gefangenschaft erzähtt. Wie er behauptet, sei er dort schlecht behandelt wordë. Er fügte hinzu, er werde sich rächen und den ersten, beften Deutschen, dem er allein begegnen werde, niederstoßen. Er wettete schließlich zwei Lires Wein, daß er noch am nämlichen Tage einem deutschen Sol daten den Garaud geben werde, hielt auch sein Versprechen und ermordete Denmuter, dem er auf deni Wege von Montreuil begeg nete. Tounelet griff den deutschen Soldaten nicht an, sondern näherte sich ihm sehr fieund lich mit den Worten: Moi Frangais! Den-- mi ler antwortete: Moi Saxon! Nix Fran gais! (was heißen sollte: verstehe kein Fran josisch), worauf Tounelet dem Armen sein Messer, das er bereit gehalten hatte. in die Brust stieß und mit seinen Freunden die Flucht ergri pen Mörder wurde in Paris festgenommen und deßhatb vor die franzöfischen Gerichte ge-- stellt. So die Thatsachen, die von einer Reihe von Zeugen festgestellt sind. Tounelet gesteht seine Mordthat ein und versucht, jedoch ver-- geblich, die Sache für ihn weniger schlimm darzustellen Er behauptet, er habe nur aus Haß gegen die Preußen die Mordthat began gen, und leugnet, daß es ist aber durch zehn Zeugen festgestellt er mit Vorbedacht gehandeit Der Prastdent will dies aber nicht zulassen Wir haben. sagte er. alle Haß ge gen die Preußen, aber zwischen Haß und Mord ist ein Unterschied. Die nationale Würde erheischt. daß das Verbrechen nicht n gestraft bleibe. Der General-Advolat Tho mas zeigte sich dem Mörder gegenüber sehr milde. Er verlangt zwar, daß die Geschwore nen ihn des Mordes mit Vorbedacht für schul dig erfennen, aber nur deßhalb, damit man den Feinden Frantreicho beweise, daß unge achtet unserer Ungtüctofälle die franzosische Justiz immer ihre Pflicht erfüllt Auch hält es derseibe für gefährlich, ein freisprechendes Urtheil zu erlassen, da noch secho Departe-- mento vom Feinde besetzt seien. Mildernde Umstände läßt die Staatobehörde selbstver ständlich zu. Lachaud vertheidigte den Mör der, den er als feurigen Patrioten darstellt, der feine Pflicht spter auf dem Schlachtfelde und nicht mehr auf der Landstraße erfüllen werde.— Lachaud gibt zu, daß der Moörder mit Vor bedacht gehandelt, aber es sei unmöglich, daß man denselben auf die Galeeren oder in das Zuchthaus sende Herr v Bismarck würde sonst zu sehr lachen. Es gebe Zeiten, wo man die Dinge nicht vou dem gewöhnlichen Stand-- punkte aus ansehen müsse. Die preußische Armee verkenne die Principien der Gerechtig keit, und die französische Jury. der wirkliche Repräsentant der Nation, müsse bei dieser Ge legenheit Herrn v. Bioömarst eine eine jede Befriediguna versagen. Die Staatobehörde erwiderte nichts auf die Worte Lachaud's, und nachdem der Präsident sein Resume gemacht, zogen sich die Geschworenen zurück, um gleich darauf wieder zu erscheinen und zu erklären, daß der Mörder unschuldig sei! Tounelet wurde sofort in Freiheit gesetzt, und der chi-- nestsche Botschafter Tchon-Haou kann den Rathschlägen, die ihm Herr Thiers gestern für seinen Kaiser gab, den hinzufügen, in China das Geschworenengericht cinzuführen, damit er, wenn sich später seine Unterthanen wieder einmal an den Fremden rächen wollen, die bei ihnen eingefallen sind, nicht mehr zweiund zwanzig derselben die Köpfe abzuhauen und fünfundzwanzig andere zu deportiren braucht. Wir beklagen die frauzösische Nation, da nun zu allen ihren Demüthigungen auch die kommt, daß ihre Rechtöpflege auf eine solche Weise sich vor allen gesitteten Rationen bloß-- stellt und verächtlich macht. Was ist der Ber serkergang eines Malayen, der in wilder Wuth den Ersten, Besten niederstößt, gegen die nie dertrchtige Boöheit, welche die Ermordung irgend eines ganz unschutdigen Unbekannten zum Gegenstande einer prahlerischen Wette macht Und ein solcher abscheulicher Bösewicht wird von zwölf Franzosen. ohne auch tur erusthaft zu berathen, freigesprochen wahr scheinlich mit leichtem Herzen, wie Herr Olli vier in den Krleg zog. Wir müssen als die Landoleute des unschuldig Ermordeten die Sache etwas schwerer nehmen. Denn es stehen noch viele Tausend Deutsche in Frank reich, die auf solche Weise snmtzich für vögel frei erklrt sind. Die elzige Schuld des ar men Sachsen beständ sja darin, daß er ein deutscher Landömann ist. Die Sache kann nicht zu Ende sein. Deutschland hat hier nicht blos seine eigene Angelegenheit, sondern die der ganzen gesitteten Menschheit zu führen. 1 Der merkwürdige Tichborne- Prozes. Im letzten Frühsahr waren und jetzt wieder sind die Kabeltelegramme aus England voll don Mittheltungen über den Stand des Tichborne'schen Erbschafts Prozesses. Mehtemale haben wir unseru Lesern in Kürze den Thatbestand, um welchen dieser mertwür—- dige Prozeß sech dreht, vorgelegt. Es handelt sich babei um den VBesttz einer alten Adels herrschast, deren sährliches Eintommen auf 160,000 Dollard Gold angegeben wird. Der rechtmäßlge Erbe derselben, Roger Tich borne, war selt 1864, wo er auf der Fahrt von a Janelto nach New Bork umgetkom men seln sollte, verschollen, so daß ble Herr schaft dem unmündigen Sohne seines füngeren Bruders gehören wurde. Jetzt aber bean sprucht ein Mensch, welcher sich für den Ver schollenen auoglebt, den Besitz und es ist dar über zu einem Riesenprozesse gekommen, der uoch seiner Entscheidung harrt. In der neuen Freien Presse glebt Max Schlesinger eine treffliche Darstellung der gesammten Sachlage, welche wir hier fol gen lassen: Sir Jamed Francis Daughth Tichborne, welcher sich im Jahre 1827 mit Henriette Fe lieite Seymour verheirathete, hatte aus dieser Ehe zwei Söhne. Der ältere, Roger, wurde am Januar 1829 geboren; der zweite, Na mens Alfred Joseph, der sich im pril 1861 mit der Hon. Mary Arundell vermählte, starb schon m äa des darauffolgendeu Jahres und hinterließ einen Knaben, wergr nach dem Verschwinden seines Oheimö geter Erbe der Titel uyd Güter derer von Tichborne wurde. Für dl: sen unurüudigen Knaben wird gegenwärtig der große Prozeß geführt. Der Wiederauferstandene erscheint dabei als Klä ger insoferne, als er seine Ansprüche als recht mäßiger Erbe geltend macht, wogegen Lush ington, ats Rechtövertreter des Knaben, der eigentliche Augeilgie ist Tichhorne xersus Wshington unter diesem Titei wutde der 0 meriwürdige Prozeß in den gerichtlichen An nalen elngetragen; unter ihmm wird er in ih-- nen verewigt werden. Die Tichhornes gehören zu den angesehen sten kathotifchen Fämitien bes Landes, die mit ihnen verschwägetten Atutidellts woten von jeher die eifrigsten Anhänger des Papstthumids, ünd daß Beide ihre Söhne von frommen Brudetü det Hirthe iü England, lieber noch la Frantreich erziehen lassen, gehött ieht zur Regel ais zur· Ausnahme. So, wuchs denn auch der Kuahe Roger, .der Held dieser Ge schichte, in Franticich autf, seine Eltern hatten ihren zeitweiiigen Anfenthalt in Paris ge nommen Die Erziehung ihres ältesten Soh—- nes leitete als Hofmeister Monsieur Chatillon, ein frommer schwarzert Mann; für rer ee lenheil der Mutter sorgten andere schrwctze Männer des Jesuiten-Ordens, und die ganze Familie stand gewaltig unter dem Einflusse der latholischen Geistlichkeit, welche ihr, wle allen reichen tatholischen Familien Englando, ein ganz besonderes lebhaftes Interesse ange deihen ließ. Roger, unser Held, wurde somrit französisch erzogen und sprach und schrieb in dieser Sprache lange bevor er mit dem Engli fchen vertraut gemacht wurde. Da er als Erbe englischer Titel und Güter seinem Vater land jedoch nicht gänzlich entfremdet werdeu sollte, wurde er mit 16 Jahren (1845) in das tatholisc Collegium Stoynehurst behufs wei terer Ausbildullg gesendet. Dort lernte er neben Englisch etwos Lateinifch, Griechisch, sogar Hebraisch, nebst Geschichtẽ, Mathematit u.s.w Ein ausdgezeichneter Schüler war er nie und den französschen Accent soll er nie ganz verloren haben, doch kam er bei den Schulprüfungen mit Anstand durch und wurde als Offizier in die Armee zugelassen. Als solcher diente er theils in Dublin, theils anderwärts drei Jahre und darüber. Sein Leben war nicht immer das eines gebildeten Gentleman im besseren Sinne des Wortes. Hohes Spiel und starke Trinkgelage gehörten zu seinen Lieblingsozerstrenungen, seine Gesell schaft war die gewählteste nicht, für militäri sche Studien zeigte et ebensowenig wie ehe mals für alte Classiter eindringliche Vorliebe Zudem stand er mit seinem Vater nicht auf dem freundlichsten Fuße, wogegen die Mutter jederzeit als zärtliche Vermittlerin auftrat, wenn schwere Rechnungen bezahlt werden soliten oder sonst unliebsame Scenen vorficlen. Da Sir Roger keinen Gefallen am Solda tenstande fand und der Zeitpunkt seiner Voll jährigkeit herannahte, in der er frei über sich verfügen durfte, quittirte er, das heißt er ver kaufte seine Ofsizieröstelle, die er dnrch Kampf erworben hatte. Früher (1850) hatte er das Familiengut in Hampshire flüchtig besucht und daseibst eine zärtliche Neigung zu seiner Cousine Kate Daughty gefaßt, die er zur Frau genoninten hätte, wenn ihre Verwandten nicht Einsprache erhoben hätten. Erbittert über die Abweisung, verließ er das Haus, sah die junge Dame nicht wieder, bewahrte ihr jedoch seine Liebe und betundete seine Verehrung für ste auch später noch durch eine schriftliche Ver fügung, die er zurüctließ, bevor er aus Europa schied. Von dieser Liebe und Dame wird später uoch die Rede sein. Dle Abweisung im Daughty'schen Hause mag seinen lange vorher gefaßten Entschtuß, weite Reisen zu unternehmen, beschleunigt ha ben. Voltjährig war er mittlerweile gewor den, und so schiffte er sich denn nach einem flüchtigen Besuche bei seinen Ettern in Paris im März 1853 in Havre an Bord des Segel schiffes Pauline“ nach Valparaifo ein. Ein Diener, Namens Moore, bildete seine Beglei tung, und am 19 JZuni traf die „Pauline“ wohlbehalten an ihrem Bestimmungsorte ein. Weohalb er gerade Valparaiso gewählt, ertlärt sich aus seiner Liebe zu wilden Jagdabenteuern. Es war lange seine Sehnsucht gewesen, mit ungetämmten Burschen ein lustiges Jägerle ben auf den Pampas und in den Schluchten der Cordilleren zu führen, Valparaiso sollte die Eingangopforte dazu sein. Sofort nach der Landung reiste er mit Moore, dem Diener, weiter nach dem etwa zwanzig deutsche Meilen von der Küste gelege nen Santiago, woselbst Moore so krantk wur de, daß er nicht von der Stelle konnte. Sir Roger aber, statt dessen Genesung abzuwarten, ging auf einem andern Wege zurück nach Val paraiso, um die,Pauline“ zur Weiterreise zu benützen, schweifte, da diese nicht segelfertig war, wochenlang in der Umgebung ded Dorfes Millipilla umher, woselbst er mit Spaniern gemeinster Sorte ein wüstes Leben führte, tam darauf wieder nach Santiago, um seinen kran ten Diener abzuholen, und schlug sich von dort quer durch das sudameritanische Festland bis nach Rio Janeiro durch, wosetbst er sich auf dem Segelfahrzeuge „Bella“ nach Rew Hork einschiffte Die „Bella“ ging mit Mann und Maus zu Grunde—so lauteten die Berichte, die über ihr Schicksal in Rio, New York und später in Engiand eintrafen Aus den Schifföregistern von Rio wurde den Eltern Sir Roger'd die traurige Gewißheit, daß ihr Sohn mit dem verunglückten Fahrzeuge zu Grunde gegangen sei. Jahre vergingen, die Bella“ wurde ver-- gessen, von ihrer Bemanr ung kam keine Seele zum Vorschein, der Vater Sir Roger'o segnete dad Zeitliche, und nach Erfüllung der nöthi gen gerichtiichen Formalitäten übernahm sein zweiter Sohn dessen Titel und Güter als näch ster Leibeserbe Daß dieser zweite Sohn (Al fred Joseph) sich später mit einer Hon. Miß Arundell vermälte, aber schon ein Jahr dar auf mit Hinterlassung eines Knaben starb, welcher als der rechtmäßige Erbe betrachtet wurde, ist schon früher erwähnt worden. Die „Bella“ ist nie wieder aud der Tiefe aufgetaucht, und verschollen blicben, die sich auf ihr eingeschifft hatten, trotzdem daß Lady Tichborne, die Hoffnung auf eine wunderbare tettnng ihres Sohneds nie ganz aufgebend, wiederholt vermittelst Zeitungs-Inseraten je den der etwa Geretteten dringend aufgefordert harte, ihr über das Schicksal ihres Sohnes Nachricht zukommen zu lassen. Wohl waren diese Inserate bis nach südamerikanischen und australischen Häfen gedrungen, eine Erwide rung aber ließ über 12 Jahre auf sich warten, und während dieser langen Zeit mußte der schwache Hoffnungsoschimmer selbst im Herzen der Mutter dem Erlöschen nahe gebracht wer den. Sie war immer schwermüthig, wurde es im Verlaufe der Jahre noch mehr, tonnte zu letzt kaum mehr als zurechnungofähig gelten, stand vollständig unter dem Einflusse katholi scher Priester. Die „Bella,“ so sagte ich, ist nie wieder aud der Tiefe aufgetaucht, und verschollen blieben, die sich auf ihr eingeschifft hatten Das Letztere galt jedoch nur bis zum Jahre 1866, bis zum Erscheinen des Mannes, der sich Sir RogerTischborne nennt und auf seinen Eid behauptet, daß er mit noch einigen An deren von der Mannschaft dem Schiffbruche entgangen, und nach mannigfachen Beschwer-- den in Austratien ans Land gesetzt worden sei, woselbst er seitdem gelebt, gearbeitet, ge heirathet, mitunter auch viel Noth und Drang sale ausgestanden habẽ, ohne daß er seinen wahren RNamen verrathen und auf das große Vermögen Anspruch erhobeun hätte, das, wie er vissen mußte, in Curopa zu seiner Ver fügung stand 7 Er selbst erzählte im Laufe seines Verhors die wunderbare trttrnaesesuwte im Wesent lichen folgendermaßen: „Bis ene vierten Tage nach unserer Ab-- fahrt von Rio ging Alles gut. Da meldete der Stenermann plötzlich dem Capitän, daß das Schiff ein Leck gelriegt hahe, worauf wir Alle an die Pumpen beordert wurden. Die Arbeit war vergebens, wir konnteu das cin dringende Wasser nicht bemeistern, das Schiff sant sichtbar, und der Mannschaft blieb teine andere Wahl, als die Boote auszusetzen Ich mitsammt acht Matrosen nahm letcht auf dem zweiten Bote. Zwei Tage lang hielten wir üs in Sicht des ersten größeren, auf dem sich der Capitän befand, dann aber brach während der Nacht ein heftiger Sturm los und bald verloren wir das andere Boot aus dem Gesichte. Das unsrige trieb steuerlos vor dem Winde hin, und erst am vierten Tage er-- spähten wir in der Ferne ein Segel Als Nothflagge steckten wir ein rothes Fla— nellhemd auf eine der Ruderstangen auf; es wurde gesehen, und nach langem Baugen wur den wir von dem Schiffe an Bord genommen. Es war der,Os re y“, der sich auf der Fahrt ñach Melbourne befand Ich selbst war durch die Anstrengungen und Entbehrungen der letz ten Tage und Nächte so mitgenommen, daß ich auf dem Ooprey“ ernstlich erkrankte und von dem, was sich an Bord begab, fast jedwede Er innerung verloren habe. Das aber weiß ich, daß wir gegen Ende des Monats Jull 1854 in Melbourne landeten, daß ich nichts rettete als die Kleider, die ich auf dem Leibe trug, somit aller Mittei zu meirer Erhaltung berauht war. Judem ich dieser Darstellung blos die Be merkung anhange, daß trotz der so-gfaltigsten Nachforschungen nach den ämtlichen Registern der Melbourner Zollämter bibher nur die An kunst des „Oopreh“ daselbst im Juli ded Jah red 1854 ermitleit werden konnte, dagegen keiner der acht angeblich aus dem Schiffbruche derßella“ Mitgeretteten sich bibher gemei det hat und die Thatsache der mettung selber ebenfalls nicht in den Büchern des Zollamtes gefunden werden konnte, ohwoht derartige Schiffofälle in der Regel eingetragen werden, fahre ich in meiner Erzählung fort. In Melbourne traf Sir Roger, seinen Aus sagen zufolge, sofort nach seiner Landung mit einem gewisen Foster zufammen, der ein ver moõgender Mann war und den Pferdehandel trieb. Dieser nahm ihn mit sich nach seiner tiefer im Lande gelegenen Besttzu?g, joserbst er für ihn Pferde zuritt und in den Waidern oft Wochenlang ganz vereinsamt wilden Jagd abenteuern nachging Shpäter trennte er sich von Forster und lebte in Dargo von seiner Hände Arbeit. Dort will er einen Fleischero sohn aus London, Namens ArthutOrton. gettoffen habet, mit dem er zusammen ais Pferdedieb gerichtlich belangt wurde; dort heirathete er ein Weih von nledrigem Stande, das er tit e nach England gebtacht hat und dad künfilg tedi uvtorne teirn soll; dort machte er auch selü Tement, doch nanne er weder in diesem noch in dem Heiräthsreginer seinen wahren Namen, sondern eignete sich den eines spanischen Kameraden, Thomas Casttro, an, den er beibehielt, so lange er in Australlen lebte. Mittleribelle gramte sich in Engiaüd dié Mutter üüber den veriorenen Sohn und forfchte nach seinem Schidsale der mittelst Inseraten in Blättern, die in Füstra tien un häufig wie in andereu englischen Colonien getete erden Sie blieben alle sammt ohne Erwiderung. Also der angebliche Sir Roger Tichborne inn Australien will mit dem Sohne eined Londo ner Fleischerd, Namend Arthur,Orton, zusammengetroffen sein. Dieser rthur Or ton spieit im gegenwartigen Processe eine ge idgttige Rolle, denn obwohl auf das bestimm teste nachgewicfett tderden lonnte, daß eine Fleischerfamilie dieses Nameüt tt einem der inneren Themse-Quartiere Londons witkite noch existirt, ein Sohn derselben, Namens Ar thur, als gemeiner Matrofe nach Valparaiso ging, ffch in Millipllla aufgehalten und dort m mgange mit spcüscher Genossen Spa nisch gelernt haben mochte, gelang es bisher nicht nachzuweisen, daß dieser Mensch je in Australien gewesen unt was üüberhaupt aus ihm geworden sei. Wogegen erwiesen ist, daß der angebliche Sie Roger Tichborne unmittel bar uach seiner Anlunft in London nichts An gelegentlicheres zu thun hatte, als nach jenem elenden Themse-Quartier (Wapping) zu sah ren, um die Familie Orton aufzusuchen. Im Kreüzdethört motivirte er diese auffallende Fahrt damit, daß er feinem Freunde iu Au stralien versprochen habe, sich unmiltelbar noth seiner Ankunft in London nach dessen Familiẽ zu erkundigen. Bei der Gegenpartei aber dämmerte durch diesen Zwischenfall und andere Umstände allmälig der Verdacht auf, daß Ar thur Orton, Thomas Castro und der angeb bliche Sir Roger Tichborne eine und dieselbe Person seien, daß der zuletzl Genannte todt, Orton aber, der sich als Thomas Castro in Australien herumgetrieben haben mochte, auf den spitzbübischen Gedanken gerathen sei, ihn zu personificiren, üm die reiche Veriassenschaft zu gewinnen und seine Verwändten vor allem Anderen besucht habe, um sie zu bestimmen, nicht Zeugniß gegen ihn abzulegen. Aus den ersten Blick muß dit se Hypothse als eine überaus gewagte erscheinen. Denn wie sollte dieser davongelaufene Fleischerssohn auf den abenteuerlichen Gedanken gerathen sein? Wer sollte ihn zumal eingeweiht haben in alle Verhaltnisse dessen, den er vorstellen sollte, in die kleinsten Einzelheiten aus dessen Knaben- und Jünglingsalter, in dessen Leben auf der Schule und im Regimente, in dessen Verhält niß zu Vater, Mutter, Base und anderen Ver wandten, in dessen frühere Gewohnheiten und Tollheiten. in dile Oertlichteiten, die er ehe mals gelannt, in die Persoönlichtkeiten, mit de nen er als Kind und Mann in England Um gang gepflogen hatte? Das Eine nämlich muß im Auge behalten werden, daß der an gebliche Sir Roger bei seinem einundzwanzig tägigen scharfen Kreuzverhore sich in allen die sen Punkten wohl viele Blößen gab, im Gan—- zen aber doch das Kreuzverhör tüchtig bestand und sich in den erwähnten Einzelverhältnissen so vollständig bewandert zeigte, wie es einem Fremden, der Famille Fernestehenden nimmer möglich gewesen wäre Doch gibt es auch für dieses anscheinende Räthsel eine Ertlärung. Eine der Hauptper sonen im Processe, möglicherweise dessen Scele, ist nämlich biöher non mir nicht erwähnt wor den, und dics ist der Moment, sie vorzufüh—- ren. Der Mann heißt Bogle. Er steht an der Schwelle des Greisenalters, ist ein Far biger, war viele Jahre vertrauter Diener der Daughtys und Tichbornes, verließ aber später deu Dienst und Europa, um in Australlen sein Glüüctk zu versuchen. Dieser selbige Bogle, der mit dem angeblichen Sir Roger von dort zu rückgetehrt ist, schwört nun, daß er diesen zu fällig in Australien getroffen, ihn trotz seines angenommenen falschen Namens und seiner veränderten Leibesgestalt sofort erkannt habe, von ihm ebenfalls ohne Zögern erkannt wor den sei und sich habe bewegen lassen, mit ihm nach Europa zurückzukehren, um seine Identi tt feststellen zu helfen. Wogegen die andere Partei unverholen die Ueberzeugung aus spricht, daß dieser ehemalige Familiendiener in Australien zufällig mit einem Menschen zu sammentraf, der eine entfernte Aehnlichteit mit dem verunglückten Sir Roger aufwies, daß diese ihn auf den Gedanken leitete, den frem den Mann als Sir Roger auszuspielen, daß er, als Vertrauter des Hauses, ihm seine Rolle einstudirte und ihn, nach erfolgter Ankunft in England, mit den Oertlichkeiten und Personen vertraut machte, die er ktennen mußte, um seine Rolle durchzuführen Ob diese Hypothese stichhaltig sei und durch Zeugenaugsagen oder sonstige Beweise sicher gestellt werden könne, davon eben hängt der Ausdgang des Processes 41— Wäre es möglich, zu beweisen daß Arthur Orton, Thomas Castro und Sir Roger eine und dieselbe Person seien, oder gelänge es, den leibhaftigen ArthurOrton, getrennt von dem angeb lichen Sir Roger, aufzutreiben, daß er gegen ihn audsage, dann allerdings ware der Prã tendent als Betrüger entlarvt. Dies ist je doch noch nicht gelüngen, und außer den schon verhörten zahllosen Zeugen für ünd wider wird doch immerfort ein ganzes Heer von Zeugen verhört, von denen die Einen schwören, daß sie den echten Sir Roger vor sich zu sehen glau ben, die Anderen aber den Eid auf das Gegen-- theil ablegen. Wie viele absichtliche und un absichtliche Meineide in diesem Processe schon geschworen wurden, wird nicht leicht Jemand auch nur annahernd zu bestimmen wagen. Die Zeugenverhöre mitsammt den sonstigen Beweiovorlagen der beiden Hauptadvokaten des Processes (Sergeant Ballantine für den Klager, der Attorney General Sir John Col leridge für die Familie Tichborne) sind so um-- fangreich, daß an dieser Stelle ein tieferes Eingehen auf sie schlechterdingo unmöglich ist. Sie füllten schon zu Antang des Monato Jull, als die Verhandlungen ausgesetzt wurden, einen Band vbon 480 in Perlschrift gedruckten Seiten und werden ehestend zu einem zweiten Vande gieich starten Inhalts angeschwollen sein Aus diesem Gruude kann ich aus ihnen nur dasjenige hier zusammenfassen, was dad Allerwichtigste ist und als Leitfaden des Ur-- theils für oder wider dienen dürfte. Von der Unmasse vorgeladener Zeugen, die den angeblichen Sir Roger batd an seinen Au gen, Ohren, Füßen oder Nacken, batd an sei nem Gang, Ton, Haar oder Kinn erkaunten oder nicht erkannten, soll demnach hier weiter nicht die Rede sein Die Eide derselben wie gen einander so ziemlich auf. Desto wichtiger ist, zu erwähnen, daß;Lady Tichborne ihn bis zu ihrem Tode als ihren wirtlichen, lange verloren geglaubten Sohn behandelte. Anfangs sträubte sie sich dagegen, alinalig aber fühtte oder dachte ste sich in die us dem Meereogrunde emporgetauchte Er sheinung hinein, bersorgte den Wiedererstan denen mit den Mittein zu seinem Unterhalte, biso er sein vaterliches Erbtheit wiedergewou nen haben werde, und zeichnete noch kurz vor lhrem Tode eine Schrift des Inhalto, daß ste fest überzeugt seivon derldeuti lãt dieses ihred lange vermißten altesten Sohnes und dies felerlich beschwöre. Das Zeugniß einer Mutter wiegt schwer und üßte in gewöhnlichen Fallen tiefe Bedenken zum Schweigen bringen. Aber Lady Tiche borne's Genlüths?gond war, wie ich schon einmal bemerkte, kein nornïier; a zurech nungofähig wurde sie schon seit lüngerc Zrit nicht betrachtet, sie befand sich voliständig un ter dem Einflusse ihrer geistlichen Rathgeber, die an dem Wiederfinden ihres Sohnes ein kirhlich-finanzielled Interesfe haben mochten, ünd ihre Phantasie befand sich in einem so krankhaften Zustande, daß sie von Anfang an erklärte, sie werde den Mann, der sich ihr als ihr Sohn antündigte, als solchen empfangen, gleichviel ob er es sei oder nicht. Auf diese Weise verliert selbst das Mutter zeügniß, das unter anderen Verhaltnissen schwer in das Gewicht gefallen wäre, viel von seiner Bedeutung. Noch mehr dadurch, daß von den Verwandten kein Einziger den fremden Mann als den chemaligen Roger ertkennen will, auch solche nicht, die ihm ehemals gut gewesen und nicht daa entfernteste Ittteresse haben können, ob die Güter und Titel der Fa milie Tichborne ihm oder dem unmündigen Knaben des verstorbenen jüngeren Sohnes zu fallen sollen. Außer dem Zeugnisse der Mutter mußte auch dad seiner Cousine, der srüher erwhnten Miß Kate Daught y, von großem Gewichte sein. Denn sie war ihm sehr gut und, nach seinem eigenen Geständnisse, der Gegenstand seiner heißesten Liebe gewesen. Briefe aus früherer Zeit, turz vor seiner Abreise us Lon don geschrieben, bestätigen dies, und von allen Seiten wurde erhärtet, daß er sie zu seiner Frau begehrt, aber von ihren Angehörigen eine abschlägige Antwort cthatten hatte. Diese seine ehemalige Flamme ertlärte nüf ihren Eid, daß sie in dem Wiedererstandenen den todlge glaubten Vetter nicht zu erkennen vermöge, nie und nimmermehr Genau so sprachen seine übrlgen Verwaudten vom sErsen bis zum Letz ten, und dadurch wurde die Wähtherit seiner en Aussagen auf eine harte Probe gt elit. Eine hrterr und bel weltem schmerzlichere jedoch stand der genätnten Cousine seliber be vor. Sie, die sich seitdem mit citem Mr. Ratecliffe vermaãlt hatte, saß eines Tages an der Seite ihres Gatten im Gerichtohofe, wäh rend der angebliche Sir Roger eben einem scharfen Kreuzperhöre unterzogen wurde. Es handertte sich um ein Schriftstück, das er an— geblich vor feiner Abreise von England hinter lassen und in dem ert „für einen gewissen Fau“ Bestimmungen zu Günsten bieser seiner Cou sine getroffen haben wollte. Dcs Schriftstück findet sich nirgends, soll angeblich verbtannt worden sein. Auf die dringenden Fragen des Oberrichters aber, was „für einen gewissen Fali“ er darin vorgesehen habe, erwiderte der Verhoörte nach langem Zögern: damit sei der Fall gemeint, daß seine Cousine ihm ein Kind gehare, denn sie habe sich ihm hingegeben nd hatte wahrend seiner Abwesenheit Mutter —erden tnnen Die Aufreguug, bie bel dieser Aubsage im Gerichtohofe herrschte, lßt sich unmöglich be schreiben Auf eine derartige Weirdung tonnte teiner der Anwesenden gefaßt sein, am eter wenigsten die betreffende Dame, die an der Seite ihres Gatten anwesend war. Der Ver höric frrach sein Bedauern aus, zu einem der artigen Geständniße gezwungen worden zu sein (es war, felbst wenn idahrheitsgetren, kei eswegs zu seiner Vertheidigung nothwendig) und verhattte beim Krenzverhör bei seiner Auvsage. Ob sie Wahrheit oder Lüge war? Vielleicht wird im Laufe des Prozeftes auch odtes trar werden Gegen sie spricht vorerst de- Umstand, baß ate vorhandenen. an die Miß Kate Daughty vor ud ach dem letzten Zu-- sammentreffen gerichteten Briefc des wirklichen Sir Roger Tichborne nicht die leiseste tfpie inng eiu ein sträfliches Verhältniß oder auf jenen angeblichet? ewissen Fall“ enthaiten. Gleichviel, ob der Mann, der sich den Erben der Tichebornes nennt, der wirklicht Sir Roger is oder nicht, diese Teufelei hätte er sich erfẽo det tõnnen. Auch sonst sehtte es nicht an merkwürdigen, bisher unentrthselten Rpifchenfätzen im Ver laufe des langwierigen Verhöres, z. B. daß er mit den Schwestern Arthur Orton'd unter dem angenommenen Namen Stevens cor respondirte, der ein Berichterstatter bei dem Prozesse der Fenier gewesen sein soll; daß er gewißser Einzelheiten aus seinem und seiner Famllie Leben sich vortrefflich erinnerte, wäh rend ihm andere vollständig abhanden gekom men waren. Ueber Persoönen wußte er im! Allgemeitien bester Auekunft zu geben, als über Dinge. Mit srüheren Betannten vom Regimente z. B. sprach er ber unbedeutende, mit ihnen durchgemachte Erlebnisst, wogegen; er, wie früher bemertt, seine franzöftsche Muttersprache vollständig vergessen haben will, sich keines einzigen Schulbuches aus sciner Kindheit und des Lebens in Paris ũüber hanpt kaum erinnert, griechische, lateinische und hebräische Lettern nicht von einander unterscheiden kann. Wollten Richter und Geschworne von der einfachen Ueberzeugung sich leiteu lafsen, daß ein derartiges Bergessen der ersten Zugend-- eindrücke schlechterdings unmögtich sei, dann hatten sie den Kläger längst æls einen Betrü ger abweisen müssen. Aungesichts der vielen zu seinen Gunsten abgelegten Zeugenausfagen jedoch läßt sich auf Grund einer derartigen Unmöglichkeits- oder Undenkbarkeit-Voraus-- setzung nicht leicht ein endgiltiges urhen fällen. Mögen auch viele seiner Zeugen er kauft und er selbst durch Bogle und Andere in die Vergangenheit des wahren Sir Roger eingeweiht, das heißt zur Uebernahme einer Betrüger-Riolle bestmoöglich abgerichtet worden sein, bleibt doch noch immer zu beherzigen, daß auch Personen, deren Stellung und Cha rakter über den Verdacht der Käuflichkeit er haben sind (darunter Offiziere seines Regi menteo), in ihm den Todtgeglaubten zu er kennen behaupten und daß die Sicherheit, mit der er seine fchwierige Rolle durchführt, selbst in den Unbefangensten schwere Zweifel er wecken muß Zweifelhaft ist deßhalb auch zur Stunde noch der Ausgang des Prozessed, und wer weiß, ob die aus höchst achtbaren Elementen gebildete Jury jemals zu einem einstimmigen Urtheile gelangen werde, woferne nicht im Laufe der Verhandlungen neue und entschei dende Belege für die Echtheit oder Unechtheit des Prätendenten zum Vorscheine kommen sollten. Zweifel herrscht auf der Richterbant, Zweifel im Advokatensiande, Zweifel unter den Geschwornen und nicht am wenigsten im großen Publikum, welches an dem Gange des Prozesses so lebhaften Antheil nimmt, daß ed ungemein schwierig halt, Zutritt zu dem Ge richtssaale zu erlangen. Am auffälligsten jedenfalls äußern sich diese Zweifel und das Schwanken der Meinungen in dem Cürse der Schuldverschreibungen, welche der angebliche Sir Roger ausgestelit uud in Umlauf gesetzt hat. Es gab Tage, wo sie nicht unter fünfzig Pfund Sterling, und wieder andere, wo sie um acht Pfund Sterling zu kaufen waren. Der Curs richtete sich eben nach der Wendung, die das jeweilige Verhör genommen hatte, nach der größeren oder geringeren Summe wichtiger Zeugenbeweise, die eben durch ihn oder die Gegenpartei vorgelegt worden waren Zum Verständnisse dieser sonderbaren Pa pier-Spetulation sei folgendes bemerkt: Der Prozeß. der jahrelang vorbereitet wurde, ko stete durch Einsammeln von Zeugen und Zeu genbeweisen in England, Amerika und Au stralien beiden Parteien gewaltige Summen, noch ehe er in aller Form vor den Gerichten anhängig gemacht wurde. Seitdem verschlin gen die Gerichtospesen mit sammt den Zeugen, Stenographen und Druckkosten deren noch viel mehr, und in der That so viel, daß ich mich scheue, zu wiederholen, was darüber ge rüchtweise erzählt wird. Nun fehlt es zwar der Familie Tichborne nicht an den Mittein zur Bestreitung dieser Auslagen, desto mehr aber dem Prtendenten, dessen Gesammt-Ein tommen sich vorerst auf jhrlich ICOO Pfd. St. beschränkt, welche ihm Lady Tichborne aus-- warf. Um sich Geld zu verschaffen, gab er deöhalb 1000 Schulverschreibungen im Natio nalwerthe von je 100 Pfd. St. 65 Pfd. Et. aus, machte sich auf ihnen als Sir Roger Tichborne verbindlich, sie nach Gewinnung des Prozesses al pari mit 5 Percent Zinsen wieder einzulösen, und setzte ste in Umlauf. Ob ihm dies mit dem gesammten Tausend gelang und ob er nicht einen Theil der Summe unter 65 losschlagen mußte., thut weiter nichts zur Sa che. Genug an dem, daß sich Abnehmer fan den, die das Geschäft wagten, darunter ohne Zweifel Manche, die von seinem Rechte über zeugt sind, dagegen sicherlich Viele, denen es blos um cinen guten Nutzen und eine profita ble Spekulation zu thun ist Die Bildung ei ner Atktiengesellschaft jedoch zur Bestreitung seiner Gerichtöspesen ist eine Fabel, hervorge rufen durch die Curönotirung jener Schuld verschreibungen. Sie ist nie beantragt und nie gebildet worden, solche Actien hat es nie gegeben Die erwhnten Schuldverschreibungen aber, die schon auf 8 Pfd. St. zurückgegangen wa ren, sollen in den letzten Tagen wieder den Curs von 40 Pfd St. erreicht haben, und da mit ist am deutlichsten bewiesen, daß die letz ten Verhöre sich günstiger für den Aussteller gestaltet haben mußten. Mehr beweist diese Curosteigerung durchaus nicht. Durch das nächste Verhör kann die Hausse möglicherweise in eine Baisse verwandelt und die gesammte Masse Wechsel im Nominalwerthe von 100,-- 000 Pfd. St. zu werthlosem Papiere reduzirt werden. Es wäre dies, offen gestandeu, recht sehr zu wünschen, obwohi es, wie die Dinge heute liegen, ebenso gut möglich ist, daß die Ge schwornen zu keinem einstimmigen Urtheile ge langen oder dnrch unumstößliche Beweise ge zwuungen werden, in dem Wiederauferstande nen den echten Sir Roger anzuerkennen. In letzterem Falle würde ha sein Erbe nicht vor enthalten werden können, denn er hätte das Gesetz auf seiner Seite. Abgeschen jedoch vom formelleu Rechte und seinen Satzungen, verdiente dieser Mensch, selbst wenn er ist, wofür er sich ausgiebt, ire 30,000 Peit schenhiebe viel eher als 30,000 Pfd. St. Rente. Denn sein formelles Recht würde die morall sche Versündigung, die er an sich und anderen beging, nic nm das Grwicht eines Haarcs mindern. Ein Mensch, dem vom Glücke die Mittet geboten wurden, Ersprießliches in seinem Va— kerlande zu wirten, dem gütige Genieun in der Wlege eine cinflußreiche Stellung und große FReichthumer in den Schooß warfen, dem alles Erforder?che geboten wurde, sich selber zu ber edeln und Menschenwürdiges im Leben zu leisten, statt dessen aber ein wildes, wüstes Le ben führt mit Buschkleppern und Pferdedie ben, so daß sein ganzes inneres und außeres sWesen in Gemeinheit aufgeht, der tine zärtli— che Mutter viele Jahre lang um den Ted ei-- nes geliebten Sohnes trauern lßt, um schtreß lich imit einer Geldforderang vor sie hinzutre ten und Wirrniß und Schonde über selue Angehörigen zu bringen ein solcher Mensch hat tein decht, zu klagen, daß die Sympathi n aller feinfühienden Seelen sich mit innerem Grauen von ihm abwenden und ihn einer tie fen moralischen Versündigung zeihen würden. seibst dann, wenn ihm der Nachweis geringen solite, daß er kein abgefeimter Betrüger sei ff Der Czarewitsch von Rußland. Die n er err welche der Kaiser Alerander nicht müde werde, Deutsch land und der deutschen Kaiserfamilie zu geben. machten inßerlin zwar unstreitig eineufreund lichen Eindruck, aber man steht in ihnen nur eine schwaehr Bürgschast gegen künftige von Rußlaund drohende Gefahr Nur allein die Bedeutung haben sie, daß, so lange der gegenwärtige Czat sich an der Spitze der Regierung befi idet; sein Eiafluß die feind lichen Seünnungen der nattonalrussischen. Partei geaen Deutschland neutralisiren wird. Die Bestätigung dieser Auffassungen liefert die Nachricht, daß in cinem geselligen Kreifc. aũ dem der deutsche Botschafter, Fürst vicuß. und der rufßsche Throufolger theitgenommen. sich ein Dioput zwischen ihnen erhoben und daß der Letztere sich ersrecht habe, eine ihn wahrscheinlich zurechtweisendt Bemerkung des Fütsten wit ciner Handgreiflichteit zu erwie-- dern. Ein alted franzöfhes Sprichwort sagt. man brauche nur eiu bischæ am Firniß der Russen zu schaben, um sofert o- wilde Thier zum Vorschein kommen zu sehen. Auf den. Czarewitsch scheint dieses Sprichwort voulom men zu pasten. Er hat sich schon bei meh ale einer Gelegenheit als eine Bestie gezeigt, un fohin seine Leidenichasten zu zügeln und jede Rücksicht sernen brutaitn Instincten opfernd. Dieselbe Charactereigenthtimtichteit, die bei Peter dem Grotßen hervortrat, wenn er sich im Rausche befand, die sich det Paui l und deßen Sohn, dem Großfürsten Coustontin, in Sce ren wahrhaft toller Wuth geäufßert hat, ist auch seinem Wesen beigemischt und ird sich irotz der clpilistrenden und abschleifendeit Ein flüffe der moternen Sitte vielleicht noh in eben solchet Excentricitten ußern, sobald er nur zur Herrschaft gelangt ist und damit nach altmovtowitischer Anschauung sich in einer goöttergleichen Stellung und in der Fülle un beschränctt· Machtvolltommenheit erblickt. Hoch aufgescoñen wie eine Tanne unb start wie ein Bär hat dieser Mensch ein enges. nur von seinem Selbst audnefülltes Herz und einen sehr mäßig ausgestatteter· Verstand, der jeder Idealitat unfhig ist und mit wnerschüt terlicher Hartnäckigteit an einmal eitgæsoge nen Vorurtheilen festhält. Dabel ist Bein Teraperament ein wiides rücksichtsloses, don animalifchen Trieben beherrschtes und sobaid der Zorn in ihm auftlodert, ist kaum irgend etwas vor seiner Gewalt sicher. Sein älterer Bruder ist dad Opfer diefer leidenschaftlichen Gemüthr-rt geworden. Derfelbe hatte den milden, humanen Charakter scines Vatero ge erbt und schon frühzeitig tüchtige Geistesan lagen verrathen; er war aber schwächlich und cbwohl zwei Jahre äiter, als sein jüngerer Bruder, fowohl an Wuchs wle an Stärte werit hinter ihm zurückgeblieben. Die Verschieden heit in ihrem Temperament hatte oft Streitig teiten zwischen ih.en erzeugt und bei einer folchen Gelegenheit faßte der sunszehn Jahre alte jüngere Bruder, den ein Wont des älteren gereizt hatte, diesen um den Leib, hob ihn hoch in die Höhe und warf ihn dann mit aller Ge walt auf den marmornen Fußboden nieder Die Folge war eine schwere Verletzung det hoffnüngoöreichen jungen Manncs herbeiführte An diesen Todesfall ward schon damals in Deutschland eine ahnungsvolle Bedeutung ge tknüpft. Man erblickte darin den Willen dets Verhängnisses, daß es noch einmal zumKa npfe zwischen Deutschiänd und Rußland kommen coue, denn der friedfertige, die Cultur des Westens und die Wissenschaft liebende und Deutschlant freundlich gesinnte Charakter ward von der Nähe des Thrond entfernt und an seine Stelle trat eine Natur. die in allen Beziehun-- gen das Gegentheil daron war und, in der moslowitischen und panstavistischen Rictung auferzogen, nur die Erwartung erccgen kontae, daß später die Ideen und Bestrebungen dec nationalrussischen Partei in ihr ihrtn voller Auodruck finden würden Und diese Erwartung hat sich in ber That erfüllt. Der Czarewitsch hat bei jeder Ge&K genheit seine Abneigung gegen Deutschland tundgegeben. Selbst die Rüctficht auf die Wünsche feines Vaters hat ihn nicht davon abzuhaiten verimocht und als im vorigen Jahre der Czar bei cinem Bankett einen Toaft anf die deutschen Siege ausbrachte, stand er mit ostentatiösem Gträusch von der Tafel auf und verließ trotz der wiederholten Aufforderung scines Vaters, daß er doch bleiben möchte, den Saal. So sicht auch jetzt das mehr als flegelhafte Betragen gegen den deutschen Bot schafter wie eine prämeditirte Demonstration aud, die in den Augen der Altrussen die von seinem Vater auf dem neulichen Ordensfest. wahrscheinlich zum Verdruß der meisten An-- wesenden, gethanen Aeußerungen ber Deutsch land wettmachen sollte nd wäre nicht dieln sulte so üüber alle Maßen brutal gewesen, so tönnte man fast auf den Verdacht kommen, daß die russische Politik, die seit ciniger Zeit ein doppeltes Gesicht zeigt, Deutschland freundlich zulächelt und mit Frankreich an muthig coquettirt, in Wien sondirt, ob man nicht Lust habe, Oesterreich als vor wiegend siavisches Reich zu gestalten, gemein sam mit Rußland gegen Front zu machen und aus dem Leibe der Tüürkei sich ein Paar fette Stücke, wie sie jeder Macht am besten munden würden, heraudzuschneiden, und die zugleich in Berlin anklopft, eh man denn ein Bündniß mit Rußland so verächtlich finde, durch das Deutschlaud um Deutsch-Oesterreich vergrößert werden könne. man könnte, sagen wir, fast auf den Verdacht kommen, daß die russischePolitit dies Doppel spiel sich auch in der so ve schiedenen Haltung des Vaters und deds Sohnes hat äußern lassen wollen. Judessen die Rohheit des Vor gangs schlleßt diesen Verdacht aus und man muß daher eher annehmen, daß der Zwilespalt zvischen dem Czaren und dessen Thronfolger st.ch schon so weit gesteigert hat, daß der Letzteræ durch die Beleidigung des Fürsten Reuß sich „an seinem Vater zu rchen und dem mostowitischen Ruß land zu zeigen beabsichtigt hat, was es von ihm erwarten dürfe, sobal er nur erst auf den Thron gelangt sei, Er Hhat sich als ächten Russen hinstellen wollen und er wird ohne Zweifel den natianalgestunten Krei sen, die Rußland den westlichen Culturyrllkern weit überlegen glauben und nach der De-nũü thigung Deutschlands iechzen, welche durch ein Bündniß mit Frankreich und dura Einigung aller slavichen Raceiu herbeigeführt werden soll, jetzt als ein noch glänzenderer Hoffnungsostern erscheinen. Die Zeiten sind nicht mehr, wo solche Wuth auobrüche von Mitgüedern der Czarenfamilie als etwas einmal ihrer Natur Inhärirendes wovon man am Besten so wenig wie moglich Aufhebens mache, angesehen wurden und wenn auch früher England sich nicht einmal gemü- Bigt fand, seinen Gesandten abzuberufen und die diplomatischen Beziehungen mit Rußland abzubrechen, als Paui I. der Gattin jsenes Ge sandten von seiner Polizei eine unerhörte Schmach anthun ließ; wenn auch der preußi sche Hof dazu still schwieg, als Nicolaus 1849 dem in geheimer Mission nach Warschau ge tommenen Gr -n von Brandenburg eine Ohr feige applici. in Folge deren sich derseibe tödtete, weil Erlangung einer Genugthu ung unmögli. war, so weiß doch jetzt ñ Biomarck, wa- sich in solchen Fallen zu thun geziemt. Kann der Czar den Vertreter Deutsch lands nicht vor groben Beleidigungen seitens seines eigenen Sohnes schützen, lann er nicht die That durch eine geziemende Genugthuun sühnen, so wird, davon halten wir uns h üdberzeugt, hinfort kein deutscher Botschafter in St. Peterburg mehr verweilen und Deutsch land wird durch seine Haltung zeigen, däß es auf Freundschaftöversicherungen keinen Werth legt, die solche Dementis aud der nächsten Nähe des Throns empfangen. Es wäre auch so am besten. Die lügneri sche Hülle. die jetzt dle wahre Lage noch ver deckt, würde sofort fallen und vielleicht könnte die drohende Katastrophe noch am ersten abge wandt werden, wenn Deutschland zeigt, daß es in ernsten Dingen keinen Spaß versteht. (N. 9. Staatsztg.) Ï Die Hinrichtung der Communisten in Versailles. Ueber die Hinrichtung der Communisten Rossel, Ferre und Bourgeois berichtet der,Fi garo“ vom 29. November: Während gestern um 11 Uhr Morgens Herr Rameau, der Maire von Versailles im Ge meinderath prasidirte, traf ein Bote des Just ministeriumo ein, um ihn um die tt Autorisation zu bitten, auf dem Saint-Louis- Kirchhof, in dem für die Hingerichteten be stimmten Theile, drei Gräber aubgraben zu laffen. Dies war die erste offizielle Antündi gung von dem Entschluß, zu dem die Gnaden- Commisston gelangt wär. Sie hatte in ihrer Sitzung am Samstag entschieden, in dem Falle von Rossel, Ferre und Bourgeois der Gerech tigl it freien Lauf zu lafsen. Bourgeois war