Feuilleton. 2 odtes Gapital. oman von Louise Ernesti. (Fortsetzung.) Der Banquier konnte zufrieden sein mit der Wirkung dieser Worte. Das lebhafte, sehr vergnügenosüchtige Mädchen gerieth fast außer sich betheuerte so fest, ganz gesund zu sein und von Trumen nichts wissen zu wollen, daß der glückliche Vater sie lachenden Gesichto in das Nebenzimmer trug, dort ihren Diene rinnen übergab und dann ruhig zu Hilary Ahoton sagte: „Sie haben doch Recht, daß Victorinens Nerven stark sind und ihre Ge sundheit eine gute ist. Mag sie denn für eine Stunde hinauftommen sowie sie fertig ist, soll man mich benachrichtigen“ Das Kind gerieth in foörmliche Extase beim Anblick der Balltoilette Ein eigenthümliches Lächeln aber zuckte beim Anblick des fragilen Putzes im Gesicht ded Banquiers auf. Viel leicht dachte er daran, mit weleher Summe er die Herstellung dieser Sachen die binnen Stunuden sertig gemacht werden mußten aufgewogen hatte! Was machte dies jedoch dem reichen Manne aus, erfullten sie ihren Zweck, und dazu war aller Anschein vorhanden. Victorine hatte kaum mehr einen Blick für ihre Freundin, die sich mit den zärttichsten Worten von ihr bis auf Weiteres verabschiedete. Als die schöne Frau vom Kinde auf dessen Vater blictte, überraschte sie der Auodruck in Vincenz Frantoni's Zügen, der aber sogleich beherrscht wurde, als sie ihn ansah, ihr aber den dennoch, wenn auch nur momentan, einen so maßlosen Hohn verrathen hatte. Darum er gitterte sie auch foörmlich, als er sich rasch fo send im weichsien Tone sagte: „Wie gut Sie, wie engelogut! Sie haben 7- A freundliches Wort für das undantkt -æ kin das Sie über ein paar Flittern— Kind, laãssigt.“ gang dernach- Sie wußte aum Angñ gert er de'— taren. doher die lant setnen Armb „dieten Worten ihr ga- Ihr aynte nich· tnd sie hinaus geleitete. Jur Gesells“ Sutes, ats er sie austatt ses zu t· st in die oberen Räume desHau woh „on— in den Salon seiner Pridat tig eintreten ließ, in den man aus dem —ednzic-mer seiner Tochter gelangte und der Jugleich mit seiner Arbeitostube in Verbindung ftand. Seine Augen leuchteten unheimlich, feine Lippen zuctten höhnisch und hatte sie sHon feit dem Augenblict ur mühsam ihre Fasung behauptet, wo er zu seiner Tochter gesagt: ser solle ihr den bösen Traum erzãh len —so vetließ diese de volltommen, ald er jetzt sehr sanst und artig, aber mit einem Tone sagte, durch den der Spott nur gar zu deut—- nic-, wenn auch leise, durchtlang: „Gnädigste Frau, ich bitte, mir hier erst ein Wort im Vertrauen zu gestatten, und—ist es nicht das, was Sie vielleicht zu hoören A und ich möglicher Weise auch noch --u e aüsgesprochen hätte tam nicht eben das Unseligste dazwischen so ist es bennoch immer eine Ertlärung wenn auch jetzt nur die nothgedrungene cines Freundes! erwahnte bereits, gnadigste Frau, mich habe ein Etwas auf's höchste entscetzt, das Sie er fahren müßten. Einer meiner Bedienten be- nachrichtigte 22 nämlich vorhin, wie der heute Morgen nö in meinen Dienst getretene Lakai Wilhelm Barting sich zuvor gerühmt dabe, daß eine Schwesder von ihm auch in der Gesellschaft sei und—“ Ein geller Aufschrei hemmte die weitere Er tiärung des Banquiers. darauf nichts weiter zu thun übrig, als Hila rh Ahston herbeizurufen, um ihr die Fürforge für die dem Anschein nach „ohnmächtige“ Frau von Kramer dringend anzuempfehlen Woeohl fiel ihm auf, daß sie, die er doch für vl lig beñnnungslos hieit nud welche auch jetzt wieder ganz regungslos gleichsam wie todt vor ihm lag, während seiner Abwesenheit ihre Stellung verändert hatte. Er legte aber dar auf teinen Werth und dachte, es sei unbewußt beschehen. Dem war nicht so. Der Nire gefahriicher Geist war vielleicht nie regsamer und geschäftiger gewesen, als seitdem er ihr den harten Schlag in Betreff ihres Bruders gegeben. Einst hatte sie in Ohnmachten auf der Bühne excellirt —jetzt griff sie zu ihrer al ten Kunst, um Zeit zur Ueberlegung, Zeit zur Ausführung einer Idee zu gewinnen. Der Banguier ahnte nicht. daß die weiße Hand, die so krampfhaft die Falten ihres Kleides zu sammenhielt, ihn am licbsten gleich zu Boden geschmettert hätte. Sorglos blickte er auf die feinen Finger, währcnd er anscheinend so be sorgt der Quälerin die Kranke anempfahl Er bat Hilary Ahston, nicht nur dabci zu blei den, went ste in den Wagen geschafft wärde; den er bereits bestellt hatte, sondern Frau von Kramer auch in ihre Wohnung zu geleiten und dort die Weisung zu hinterlassen, „daß er am nächsten Morgen kommen würde, sich nach ihrem Befinden zu erkundigen.“ Nach allen diesen Anordnungen entsernte sich der Banquier. Er kehrte mit durchaus ruhigem, mit so heiterim Antlitz zur Gesell schaft zurück, daß man deutlich sah—ihm war geglüctt, was er zuvoer gegen Advokat Richter angedeutet: er hatte die Ahnungen der Nixe übertroffen. Wie würde diese Sicherheit geschwunden sein und jenes Heer von Sorgen sich vermeh-“ haben—die ein so geringfügiger Umsto— dem Tage wachgerufen —wenn Vir enj dran— toni gewußt hätte, daß sein T Kire nicht ein nach allen eiten doun eree war, wie er doch audt E ndig ir eine Keinie“ oubte. Es war zwar nuret o aceit, die sie sich zu verschaffen Ler-rt 4 der sie gegriffen hatte, wie der Etin eade nach einem Strohhaim faht, und eer That leitete sie einzig der duntie Im— huls nach Rache. „Es ist ein Nichts ein Wahnsinn, nur darauf zu heffen“ so sprach ste selbst in fester Ueberzeugung. indem sie et liche zerrissene, aus Banquier ndem t Pa g torb heimlich entnomimene Blätter, als zu Hause war, forschend betrachtete. Dennoch war dieses „Nichto“ bestimint, das Samentorn zu werden, aus dem einstmals für Vincenz Frankoni die bittere Frucht der Erteuntniß heranreifen sollte, gegen weiche er sich Zeit seines Lebens gesträubt hatte die Erkenntniß „daß es für jede böse That nicht nur eiue Vergeltung im Himmel giebt auch solche ost schon aüf Erden eintritt und den Menschen meistens dann erst ereilt, wenn sei ne Zuversicht ihre höchsten Grade erreichte wenn er nichts —nichts mehr fürchtet! In einem der Vorzimmer des Gesellschafts locales fand der Banquier schon den Advoca ten seiner harren. Sie sind lnger ausgeblieben, als ich dachte, Herr Frankoni, rief er ihm zu, und fast wäre ich hinunter getommen, um zu sehen, ob Sie die Hexe besiegten und sie es Ihnen nicht zu schwer machte, durchzusetzen, Herr in Ihrem eigenen Hause zu sein! Ehe ich Ihnen etwas davon berichte, lieber Doctor, entgegnete der Banquier in bester Laune, mlen Sie mir erst von Ihrem Be—- suche bei Radame Stettenheim erzhlen. Nun, da ging Alles gut Der Geiztragen ist bereit, für eine gewisse Summe von der n seine Frau gesprochen hat—in ein Irren haus zu gehen und dort mindestens sechs Mo nate zu bleiben. Die Frau läßt Sie übrigens tausendmal noch um Entschuldigung bitten und Ihnen sagen, wie leid es ihr sei: daß der namenlose Neid ihres Mannes auf Ihre Er foige ihn zu so chlimmen Dingen getricben hätte. Sie hofft aber, auf die Weise sei Al les erledigt, —eine nachtheiligen Folgen durch die Scene für Sie zu befürchten, und auch ich muß Ihnen gestehen, ich halte dico Arrange ment der Sache für's Beste. Durch das ruhige Antlitz Vincenz Franko ni's zuckte flüchtig ein heller Freudenstraht er verbannte ihn schuell und fragte ernst: Wer iß nur auf diesen entsetzlichen Ausweg gekommen?“ Die Frau —ganz allein diese merkwürdige Frau! Als ich ihr heute Nachmittag ver tündete, wir würden klagbar ob des Straßen standals und jener Verdächtigungen werden, die ihr Mann gegen Sie geschleudert habe, da bat sie gleich um das, was ich Ihnen bereits mittheilte, und sagte: Bewegen Sie den Banquier Frankoni, von dem Vorhaben ab— gustehen, and einzig dazu, mir eine Summe Geld zu leihen, für die ich ihm Sicherheit ge nug zu bictan vermag. Ich kann damit die Sache anders und weit besser entwirren und ordnen —Dies bessere Mittet, den Angriff des Alten werthios und wirkungslos zu machen, daß er—der bereils halb wahnsinnig ist sich für ganz irre ausgiebt, erschien mir —wie ich Ihnen schon heute Nachmittag bemerkte nicht übel, und ist überdem ein altes Mittel, die Folgen von Extravaganzen für den aus— ubenden Theil weniger unangenehm zu ge— staiten Damit mein bester Herr Frantoni, iwären wir also glücklich fertig und hätten wohl zugleich der Verleumdung in bester Weise die Shitze abgebrochen —Nun bleibt als gieich schwieriger Fall noch jene reizende Nixe zu be seitigen, die so eifrig horchte und der ich nur dann trauen möchte, versprächen Sie ihr! heute noch die Ehe. Es &Eschien ein so zuversichtlicher Ausdruck im Gesichte des Banquiers, daß der Advocat rasch hinzusctzte: Wie haben Sie etwa ein anderes Mittel gefunden, sich der heillosen Schiange völlig zu versichern? Machte etwa ein gewisser tostbarer Hermelin, von dem mir Hilaryh Ahston sprach, so tiefen Ein druck auf die Dame?“ Meinten Sie, ich hätte das damit erhofft? Hm ich verstehe mich, offen gestanden, auf die Eindrücke, Damenputz betref fend „Nein, nein, lieber Doctor ich sah darin aur ein tloines Mittel, die Nixe blõ zum Balle zu beschäftigen, und für heute Abend hatte ich eine andere, eine neue Neberraschunug in Be reitschaft. Ein neues Geschenk? O nein, nur ein Versuch, sie fücr immer los zu sein. Sie scherzen! Ich sagte Ihnen ja schon oft, lieber Doc tor: sind wir Börsenmänner auxh keine ge wiegten Advokaten, die ewig kleine, zu glück— lichstem Ziele führende Nehenwege haben —so doch Spetulanten; und mir erweist man, w-e Sie wissen, die Ehre, mich einen glücklichen zu nennen. Sie sind's Sie sind's, Herr Frankoni. Möglich, daß ich's heute wenigstens der Nixe gegenüber war, denn nachdem ich ihr eben mittheilte dort, dort jener Lakai, den Sie so eilfertig die kleinen Tische decken sehen, habe eine Schwester in der Gesellschaft nach der Notiz wird sie, glaube ich, vorläusig genug mit ihren eigenen Angelegenheiten zu thun haben und sich nicht in die meinigen mischen. Ist der Lakai etwa der Bruder, den mein Freund Kramer nach seiner Verheirathung gen Paris spedirte. um diesen saubern Ver— wandten los zu sein? Er sagte mir das heute. So, so! Und nicht wahr, Sie ließen ihn aus Gründen in die Heimath zurückkommen? Doctor, die Sache ist tein Rechtofall, bei welchem Ihnen zustände. mich zu inquiriren! rief der Banquier lachend. Sie wissen, licber Frankoni, ich bin von je her nicht nur immer mehr ihr Freund, Ihr Advokat gewesen sondern au größte Bewunderer Ihrer eminenter 4, der fahigteite Ihrcs Talent· Beiftes fahigkeiten und Ihres ritter und Verhältnisse zu benutzer 2 enschen mich's denn auf's lebr Sd interessirt was Sie veranlaßte „ftefte, zn erfahren, Leid anzuthun;“ „e Nize ein so bittered ten Brudero „eh etwas stark berüchtig- Sie w“ Lätai zu engagiren? sie lo mit lstig! Ich ranßte u. wollte ce e a tout prix, sagle Vincenz Fran Kachlässig. 2 Und dabe: schenten Sie ihr an demselben Tage, m- Sie sich ihrer ctledigen, den tost— baren Hermelin Warum lcht? Einmal hat sie in der z Zeinem Kinde viet Freude gewährt Zuoerntheils bin ich doch die Veranlassung, daß sie die Residenz verläßt; da dechte ich denn, cs sei aufmertsam, reiste sie in dieser kalten Zeit, sie mit einem warmen Pelze zu versorgen. Sie wird abreisen? Meinen Sie, sie würde bleiben, wo ihr Bruder Lalai in meinem Hause ist? Sie könnten ihn entlassen. Dazu ist er mir zu gut empfohlen, und of fen gestanden habe ich fortan lieber den Bru— der denn die Schwester im Hause. Banquier, Banquier! ich sagte Ihnen schon oft, in Ihnen stecke etliche Bobheit nun, ich verzeihe Ihnen Alles, weil Sie mich bei wirklich überfüllter Geschaftszeit von die sem unermüdlichen Plagegeist befreien. Wo—- hin wollen Sie sie übrigens schicken Ich sie schicken? Verehrtester Doctor, wie Sie naiv sragen können! rief der Ban quier von Neuem auflachend. Nur in unserm Interesse handelnd, müssen Sie es schon thun, denn träte sie die Reise aus eigenen Mitteln an, kme sie nicht weit und fiele uns dann sehr bald wieder zur Last. Sie haben Recht wir müssen die Reise route bestimmen Wäre Ihnen Nizza fern genug, lieber Doctor Von diesem schönen Aufenthalt am Meere sprach sie tkürzlich mit Entzücken, und ich würde ihr zureden, bahin zu gehen, wenn Ihnen damit ein Gefallen geschieht. Das Meer zwischen mir und Frau von Kramer! Banquier, den Dienst würde ich Ihnen nie vergessen —da käme ich endlich ein mal wieder vollständig zu Athem! Und ich hätte Ruhe! dachte Vincenz Frau oni Trotzdem der Banquiler aber in Wahrheit, na.g der schnell erfolgten Abreise der schönen Lucie, Ruhe vor ihr und ihrem Spioniren hatte und durchaus teine Gefahr mehr lief, daß seine Tochter ihrer gefährtichen Freundin Iẽume und Erlebnisse erzähien konnte trotzdem auch alle Folgen des Straßenauf lauses auf's glüctlichste bermieden und besei— tigt wurden durch jene sich mehr und mehr verbreitende Nachricht, daß es ein Wahnsin niger gewesen sei, der des Herrn Frautkoni Tochter angegriffen und Beleidigungen zuge schleudert habe trotz all' diesem, das sich um ihn lichtete, war eine Vernderung im Wesen und Benehmen des reichen Manncs vorgegangen. Er schien seine Sicherheit und Ruh- ganz verloren zu haben, die ihn sonst so guszeichnete und seiner Erscheinung etwas Stolzes und Imponirendes gegeben hatte! Jene Schatten der Sorge und Unruhe, die Frau von Kramer am Fistabend znerst an Mm wahrgenommen nnd mit den Ereignissen des Nachmittags in Verbindung gebracht hatte, verstärkten sich —Hätte Jemand beob achten koönnen, mit welch' fieberhafter Unruhe er den antommenden Briefen entgegensäh, fo würde er batd gewußt haben: die Sorgen von Vincenz Frankoni beruhten auf anderm Grund, als die Nixe angenommen hatte, And standen in Beziehüng mit irgend einem Er eigniß, das aus der Ferne an ihn heran ·re ten sollte. Er erwartete diese En“ tie ersichtlich als sei es cine -er eun Tod! —Er schien nurd— erden um wenn er im Zimmer „an ruhig zu sein, war, die ununt des Advokaten Richter fen neuem —rorochene Thtigteit von des güttio Schreiber bemerkte und jeneGleich „eeit gegen sein Kommen und Gehen bei „em jungen Manne wahrnahm. Er beobachtete dagegen diesen neuen Ge hülsen des Advokaten so scharf, so unausge setzt, daß Doctor Richter eines Tages lachend ausrief: Ich sche. Sie beneiden mich um jene auosdauernde Kraft. Wenn nun auch Vincenz Frankoni durch aus nicht deid bei den Worten audsah, so gab er doch zu, sich ähnlich thätige Arbeiter zu wünschen, und bedauerte, daß der Jüngling die Absicht hatte, zu studiren Er bot ihm sogar einmal in den nächsten Tagen ein ziem lich bedeutendes Gehalt, wenn er seine Car-- riere wechseln und in sein Bankgeschäft über treten wolle. Fedor Imhof lehnte zu des Advokaten Freude das Anerbieten ab und nannte seinen Lebensplan einen feststehenden. Er sprach bei dieser Gelegenheit aber so unbefangen mit dem Banquier, daß jener zu des Advokaten Staunen und des jungen Mannes flüchtiger Ueberraschung plötzlich sagte: Ich muß mich geirrt haben. In was, das erklärte er nicht weiter; er schien sogar zu erschrecken, diese bedeutungõ losen Worte gesagt zu haben, die er in offen barer Zerstreütheit gesprochen. Ungefähr zehn Tage nach seinem großen Feste schien die Krisis in der Angst und Uuru— he von Vincenz Frankoni einzutreten —danach aber seine Sorgen ebenso völlig entschwuuden zu sein, wie auch gänzlich erloschen jenes In teresse, das er flüchtig für den neuen Gehül fen des Advokaten an den Tag gelegt yatte. Er kam jetzt nicht mehr in das Bureau er war wieder der Alte, der Zuversichtliche und Stolze. Ein Brief aus Paris war's, der diese Kri sis herbeigeführt und ihn von aller Pein er löst hatte Erbrach er jenes Schreiben seines Schwagers Barnaive auch mit von Sceelen angst fast zerrissenen Zügen—die entschwun dene Lebensfarbe kehrte in sein Gesicht rasch zurück unb er athmete erleichtert auf, als er Folgendes las: Also Du siehst einmal wieder Gespenster, Vincenz! Diesmal kann ich Dich indessen ganz beruhigen und Dir heilig versichern: von jenem Fedor Imhof k-an Dich nichts be drohen! —Es ist ein vollkommen fremder Name ich hörte ihn nie ich sah aber den noch gleich, wie Du gewünscht hast, auf jener alten, damals von uns angefertigten Tabelle nach, deren Copie Du verloren und welche ich Dir daher im Original sende. Du wirst den Namen, der Dich so eigenthümlich berührt hat, wie Du schreibst, und den Du auch nicht unterzubringen weißt, wie Du gestehst Du wirst ihn nicht unter den Personen finden, die wir uns zu jener Zeit als „etwaige Steine des Anstoßes für unsere weitere Lebensbahn“ notirten Sei demnach vernünftig, Vincenz! —zermartere Dir nicht von Reuem den Geist mit dunteln Visionen—genieße das Dasein Dein Glück, und schaffe Dir vor Allem nicht auf Deine alten Tage noch an, das Du von Jugend auf so vernünftig warst, Dir fern zu halten und zu den Capitalien zu rechnen, die schlechte Zinsen tragen und die Du darum so richtig als „todte“ stets bezeichnetest „Immer und ewig dies Wort dieses vor so langen —vor so vielen Jahren gesprochene Wort!“ rief der Banquier aus; „jedoch, sie haben Recht, mich daran zu erinnern, denn zur Reue —zu n nachträglichen,„Ja“ des Herzens und Rtwissens auf die Frage: „ob ich Unrecht that, mein mir erworbenes Recht zu wahren?“ da ist es zu spät viel zu spät Zweiter Band. Erstes Capitel Jahre sind vergangen. Welchen Wechscl der Zeitraum von 1844 bis 1852 auch in die Residenz getragen hat—wie jene dahin geeil— ten acht Jahre an Thron und Reich, an Volt und Verfassung gerüttelt Umschwung in Ansicht und Anschauung vollzogen—und Ver— änderung über Veränderung an Menschen und Dingen hervorgebracht haben—besinden wir uns in dem Theil der Martinistraße, den wir in einem früheren Capitel schilderten, so möchten wir dem äußeren Anschein nach dort annehmen: die Zeit habe still gestanden auf diesem Fleckchen Erde. Sie ist aber auch da unaufhaltsam vorwärts geschritten, hat Neues gebracht und Altes verändert —wie wir erten nen werden, schen wir uns nachher nur ein wenig im Innern jener Häuser um, die ihr alterthümliches Gepräge so unversehrt hin wegtrugen durch alle politischen Stürme und A 1 7 E* E ã—l 1 2⁊— 2 2 1— d 577 ——3 e —4 E 2—52 D S— »22 22 3 1 7; 2 S 5 5 *—2 2 E 2 tun E2 E 2 2 25. Jahrgang. in der modernen, so anderd gewordenen Welt gleich vieten ihrer grauen Zeitgenossen in emuer Kuhe dastanden als Denkmale ferner „ochen, als Zeugen dahingegangener Genc cationen. Zeigte nun das eine diefer alte Zeis en Baudenk male der Martinistrche cren auden nale der Martinistraße, dad hehe Giebeihaud. lost bet genauester Uäatersuchun- nicht die kleinste Neuerung und Verände ans e n tuus Aung, und steht sogar im Fenster vdn Hil— lnlei nem Laden abit on Hi „tth Ahoton's llei derselden Steua ie xuckuckouhr noch auf n rue eun wir auch belennen nig an Etimme ded Vogels ein we jenen beip--arde im Laufe der Jahre an Jetztze' granen Herrenhöfen ist aber zur roe e Fahre 1852, auch eine Kieinigkeit s-dorden: das lange verschiossene -rtol des Radeñnauer Hofes hat sich seit ei nigen Tagen wicder geöffnet, und der einst melige Diplomat, Graf Bodo von Hohen stein, der aus Paris zurückkehrte, bezog die ihm überlassene Wohnung im Srammhause seiner Familie. 23 Die an dem ehtmaligen Ganderoberger Hofe —dr Hanse bon Vineenz Frantont vorgegangone kleine Umwandlung ist zur ge jgenwärtigen Wiñterdzeit aber nicht in die Augen faltend, üderhaupt von der Straße aus war sit immer wenig wahrzunehmen. Auf dem flachen Dache nämlich das vor acht Jahren gründkich reparirt wurde, wo ein Stein stch von der Mauerkrone der Galerie ablöste und auf die Straße stürzte dort in jener hohen Region, die mit der zweiten Etage des Giebethauses in gleicher Linle liegt, hät sich die Tochter von Vincoenz Frankoni, bald nach ihrer Rücktehr aus der Pension, einen Garten anlegen nnd ein Zelt erbauen lassen. Die Anlagen dieses Gartens bestehen aller dings nur aud erxotischen Gewächsen, die, zu Gruppen zierlich vereint, ein Booquet en mi niature bitden, und eben so künstlich werden im Sommer die Btumenrabatten hergerich tet: eine Menge mit verschiedensten blühen sden Pflanzen angefüllter Töpfe stehen in Moos, das alle paar Tage frisch erneuert Ra sen darzustellen hat, oder sie sind auch auf et lichen Beeten in ihren unteren Partien derart üppig mit Schlingkraut überwuchert, daß nichts von den Gefäßen zu entdecken ist, aus sdenen sie emporsteigen. Dieser Scheingarten in der Höhe ist im Sommer reizend—dad Entzückendste aber da rin nach Ansicht und Urtheil Aller: jenes of— fene, reich drapirte Zelt in seiner Mitte, wenn darin die junge schöne Tochter des Banquiers weilt. Als Kind hieß diese,Victorine“ —jetzt hat sie längst ihren Namen in Einklang mit ihrer überall siegenden Erscheinung und ihren Erfolgen in der Welt gebracht und nennt sich „Victoria“· Im Anfange hielt fich die schö ne Vietoria Frankoni sehr oft und biel in die sem Zelte auf—las und stickte—schante auch mit ihren Prachtaugen sinnend und träume risch gen Himmel oder vielmehr hinauf zu dem Fenster im Giebel des Richter' schen Hau ses, wo eine weiße Hand sehr oft die Stirn eines Männerkopfes stützte, welche das junge Mädchen bald als die gedankenvollste erkanü— te, die sie je geschen oder noch erblickte wie überhaupt die ganze Physiognomie hinter dem tleinen Fenster ihr interessanter erschien, als die aller anderen Gesichter, welche ihr unter glänzenderen Verhältnissen begegucten. Und sah die junge Vietoria nicht schwärmend hin-! auf gen Himmel, wie mehrere Beobachter des Gartens meinten, so dann zu etlichen Zeiten des Tages immer wie in Gedanten verloren geradeaus. Da fiel ihr Blick in das Inuere der Arbeitostubr des Abvokatcu Rich—- ter, in welcher sie eben so genau oom Plateau ihres Hauses hineinsehen tonnte, wie man von dort aus dem kleinen seltsamen Garten des jungen Mädchens in all' seinen einzelnen reizenden Partien zu überschanen berniochte. Zum größten Staunen der reichenßanquiers tochter, die immer müssig sein konnte oder sich nur beschäftigte mit dem, was ihr augenblick lich Vergnügen gewährte herrschte in jenem Zimmer eine u nunterbrachene Thätigkeit, und teiner der beiden darin anwesenden Herren sah von seiner Arbeit empor und zu ihr hin. In der Nähe des einen Fensterö saß der alte Advokat —am andern an jenem Pulte des seligen Tobias Murner, der an den Folgen seiner Hochzeitoreise gestorben war erbliäte Victoria Frankoni Tag um Tag zu gewissen Stunden jene fast krankhart weiß aussehende Hand, die unablässig mit der Feder über Pa piere dahin flog, so wie ste an sah, daß dort der Kopf des jungen Mannes sich eben so un audgesetzt über vie Acten neigte, wie droben in dem Gedelstübchen an seinem Schreibtische oer Bücher und Heste. l Der reizende Garten, den das dem Anschein nach eben so phantastische wie verschwenderi sche Mädchen hatte anlegen lassen, wurde später wieder vernachlässigt, als sie in Erfah rung gebracht, daß jener sie interessirende Männerkopf einem schlichten Gehülfen des Notar Richter angehörte, der so arm sei, daß er sich durch Copiren beim Advokaten und an dere schriftliche Arbeiten die Mittel zu seinen Stndien erworben habe und selbst noch jetzt, wo er bereits Angestellter beim Gerichte sei, noch immer die Hauptmittel zu seiner Existenz im Richter schen Bureau erwerbe. „Ein Schreiber!“ wiederholte däs schöne Mädchen im ärgerlichen Tone, und lhre wei teren Betrachtungen über das vis-a-via, das flüchtig ihr Interesse erregt hatte, endeten mit der Meinung: „Wie kann man nur ein ar mer bürgerlicher Schreiber sein und so auszu sehen wagen!“ Banquier Frankoni, der diese Notizen über Fedor Imhof seiner Tochter selbst ünd an scheinend ganz absichtolos gegeben hatte, lachte vor sich hin, als nun der mit so leiden schaftlicher Hast angelegte Garten plötzlich wieder verwaiste. —Fortan konnten die herr lichsten Blumen dort oben vor dem prächtigen Zelte verblühen, ohne daß die schönen Augen des jungen Mädchens die man längst nicht mehr mit Dingen der Wirtlichkeit verglich, sondern „Zauberaugen, Märchenaugen“ nannte—eine Secunde auf ihnen geruht hät ten. „Ein Schreiber!“ Victoria Frankoni schauderte, wohin ihr Herz und eine jugend liche Phantasie sich verirrt, und sie gedachte mehr denn je der ihr seit der Kindheit Tagen vom Vater eingeprägten Lehren: sei sie er wachsen, danach zu streben, in jenen höheren Gesellschaftössphären durch Verbindung mit ei nem vornehmen Manne Zutritt zu erhalten, da ihnen diese—vermöge ihrer Geburt —nicht geöffnet waren, und welche das Geld allein nicht immer so vollständig zu erschließen oer mag, wie dem Geldaristotraten wünschens werth ist. Ein Jahr später ließ Vietoria Frankoni aber ihrem kleinen Garten wieder alle mögli che Sorgfalt angedeihen und das Zelt schien ihr Lieblingsaufenthalt von Neuem zu wer— den. Dieser Wechsel fiel in die Zeit, wo der arme „Schreiber“ wie ihr Vater fortgesetzt den jungen Rechtsgelehrten nannte, der doch schon die ersten Stufen zu seiner erstrebten Advokatenlaufbahn erstiegen hatte plötzlich der Held des Tages mindestens der Gegen-- stand allgemeinen Stadtgesprächs geworden, Vermöge eines, im Archive eines altadligen Fränleinstistes aufgefundenen Documents war nämlich der Brandeck'fche Proceß ent schieden und gewonnen. Advokat Richter lehnte Dank und Ehre ab und erzählte über— all: sein junger Freund und alter Gehülse, der Referendar Fedor Imhof. der sich seit Jahren für diesen Proceß interessirt habe und ein geborener Advokat wäre, sei schon vor Jahren auf die Idee gekommen, in dem Stifte —wo einstmals eine Tante des Freiherrn von Brandeck gelebt habe, nach entscheidenden Papieren und Akten zu suchen. Die Damen des Lichtenberger Fräuleinstiftes hatten ihm das Archiv danach willig zur Verfügung ge—- stellt. a Imhof war nach seiner beende ten Universitätszeit gieich dorthin gereist suchte durch Wochen, so zu sagen, Tag und Nacht darin—jedoch vergeblich, und tam späã— ter auf den Gedanken, ob nicht vielleicht noch auf dem Boden, in Kisten oder Koffern Pa piere enthalten wären, unter dle jene alte Schrift gerathen sein könnte, von deren Auf fiuden so viel abhängig und welche die Gegen partei der Brandecko längst eine Phantasie nannten. Noch einmal reiste er in das Stift Aber— mals unterzog er sich einer Mühe und Arbeit, um derentwillen ihn die Damen anstaunten —mit der sie ihn schon neckten über weiche sie ihn endlich auslachten, und da da tri umphirte er! Unter werthlosen Rechnungen, Briefen und Atkten war endlich das werthvolle Document aufgefunden. Danach erwiesen sich die An sprüche des Hauses Brandeck an die Erbschaft als unzweifelhaft u. völlig unbestreitbar, und der Proceß wurde endlich glänzend beendet. Als welch' seltsamer Mensch und Charatter zeigte sich nun aber der angehende Adbotat— der junge Held des Tages! Kam Jemand, um ihn zu sehen und zu sprechen, in das Bu— reau des Advokaten Kichter, so hieß ed: er sei nicht da. Erstieg man aber die Treppen zur Giebelstube, in der er wohnte, so fand man diese verschlossen, und Hilary Ahöton die wahrheitsliebende Quäterin lief fort, wenn man sie fragte: wo ihr Miethoherr sei? Drang man indessen entschieden in sie, so bat sie: „Frage mich nicht, Freund, denn Fedor Imhof will ungestört arbeiten und Niemand sprechen“ Selbst Freitherr von Brandeck pochte ver geblich an die Thür der Giebelstube. Ats sein Danschreiben mit einer Eintagt von fünf— hundert Thatern ktam, „füür die gehahten Mü hen zur Belohnung,“ wie er fich äusdrückte da lehnte der jünge Imhof diesen Dank unter dem Vorwande ab, „nur seine Pflicht bei einer Arbeit gethan zu haben, mit der ihn sein chemaliger Prineipal betraut hätte“ das Geld aber schickte er zurück mjt det Be— merkung: „von Advotat Richter sein Hono rar bereits empfangen zu haben“ Nun erfögte spter von Herrn und Fran Oberst bbn Brandeck eine Einladung zu einer jener glänzenden Geselischaften, die das Ehe paar seit Gewinn ded Processes öfter gaben Diefem glücklichen Umschwunge ihrer Ver hältnisse war bereito einige Jahre zuvor jene Rangerhöhung das Avantement zum Ober sten vorangegangen, welches jeddch weuniger Unterschird in itre außere Lege gebracht nãtte Als das Ehepaat aber dann in Folge ihres gewonntüen Processes das altmodische Girdelhaus verließ, das für ihre geselligen Pläne viel zu beschränkt war, —da übersie delten ste in eine der Hauptstraßen der Resi denz, in's vornehm eiegante Viertel des deut—- schen Vaubourg St. Germain, und wählten diese Wohnung gleich passend für die kom mende Würde eines Generals, auf welche man stark für die nächste Zeit dechnete. Nach diesem von der zukünftigen Frau Ge— neralin würdig ausgestatteten Quartier be gab sich Fedor Imhof, in Folge der Einla dung, zur Visite. Dort auf's freundtichste empfangen, bat er den Freiherrn von Bran— deck und feite Gemahlin: in einer abermali— gen Ablehnung ihrer Güte keine Undantbar—- keit zu sehen. Beide würden ihn sicher nach dieser wieder holten Absage mindestens fur keinen sehr höf lichen Menschen erkannt haben, wenn er sie durch sein Benehmen nicht zum Gegentheil gezwungen hätte. Er setzte nämlich in der gewandtesten Weise, in der Sprache eines Menschen hinzu, dem Form und Sitte der so genannten „besseren Gesellschast“ nur zu wohl bekännt sind: den Verkehr mit ihrem geschätzten Hause sich für die Zeit vorzube halten, wo seine Studien zu dem von ihm ersehnten Abschluß gekommen wären—er sein Staatocxamen beendet hätte und seine Lauf bahn als Kvolat begonnen. Dies war das zweite Mal wo Freifrau von Brandeck den jungen Mann mit eitem Lächeln beglückte und seinen Täct bewunder te! Sie hatte fch schon gefragt, was ein Mensch in ihren Soireen für eine Rolle spie len solle und würde, wenn man sich erinnern müsse, daß er neben seiner ersten Würde im öffentlichen Staatodienste noch jene erniedri gende Stellung als Advokatenschreiher beibe halten habe, in welcher fte ihä seit Jahren wußte. Keichte man sich denn auch bei dieser zwei ten Begegnung im Leben die Hand u. hoffte auf ein späteres Wiedersehen, so war man doch gegenseitig überzeugt, sich nach Jahren eben so fern und fremd zu bleiben, wie man stch jetzt im Geheimen trotz des Händedrucko gegenüber stand. „Wie schade um die Tournure dieses Men—- schen!“ rief Freifrau von Brandeck hedäuernd aus, als sich die Thür hinter der aristokrati schen Erfcheinung Fedör Imhof's geschlossen und seine elegante Verbeugung die Dame vergessen gemacht hatte, nicht ihres Gleichen gegenüder zu stehen. Auch der Herr Oberst gestand zu, daß der junge Mann sich außerordenllich gut zu be nehmen wisse, und dann seufzte ds Ehepaar gemeinsam über den bedauerlichen Forischritt der Zeit, der sich setbst auf dem Gebiete gel tend mache, das sonst doch mehr bevorzugtes Terrain aristotratischer Gewehnheiten gewe sen sei. Hiermit war für Beide der Act der Dank barkeit und Erkenntlichteit gegen den jungen Mann beendet und abgeschlossen, welcher das Wertzeug gewesen, ihre Lage so völlig umzu gestalten und zu verbessern Spräch noch Jemand in ihrer Gegenwart von ihm und er wähnte Imhof's als eincs befähigten Men schen, der bedeutender Zukunft sicher ist, so schloß man sich doch dem allgemeinen Urtheit über ihn an, das mehr und mehr auf „Sön-- derling“ lautete. Schon daß ein junger Mensch durch all' die langen Jahre, seit er in der Residenz war, immer schwarz gekleidet ging, nannte man eine Marotte Wen was konnte er, der bisher nur Student und Advokatenschreiber gewesen war, so ticf beträuern Fragten ihn seine Bekannten, fragte ihn der einzige intime Freund, den er hatte, der junge Graf Herbert von Hohenstein, nach dem Grunde; so erwiederte er in der ihm eigenen humoristi schen Weise, hinter welcher er so oft den Ernst barg: „Was ich betrauere? Meine Armuth!“ Drang zum Advokaten Richter ein solches Urtheil über seinen ehemaligen Schreiber nnd Hausgenossen, den er längst seinen „jungen Freund“ nannte, so rief er aus: „Wie sollte der Imhof nicht Sonderling par execollence im alten Giebelhause der Martinistraße ge worden sein, da man diesem Baudenkmal früherer Zeiten doch immer nachsagte, die Hauptoriginale der Stadt zu bergen Ein Anderer ließ sich nun wiederum ange legen sein, den angehenden Advokaten Feodor Imhof von dessen Talent und Genie die Residenz plötzlich voll war als den um gänglichsten ünd liebenswürdigsten Menschen hinzustellen, den man nnr finden könne. Die ser Lobredner war Herr Wendelin Wiedner, der Gastwirth zur „rothen Rose“, bei dem Fedor Imhof seine erste Mahlzeit in der Re sidenz eingenommen und dem er nicht allein als Gast treu geblieben war durch die lange Reihe von Jahren, sondern auch viele seiner Bekaunten alo Gäste zugeführt hatte. Nie mand lernte Fedor Imhof kennen, ohne trotz jener untergeordneten Stellung, in die widrige Verhältnisse ihn hineingezwungen ha ben mußten —das Ausgezeichnete seines Cha rarters und Wesens heraudzufühlen und An— deres, Besseres in ihm zu erkennen, als seine äußere Lage andeutete. So hatte er sich denn bereits als Student, trotz seiner Exclusivität und manchem Andern, das jungen Leuten sonst nicht sehr behagt, viele Freunde erwor ben. Man räumte ihm seltsämer Weise auch später in dem kleinen Bekanntentreise immer jenes gewisse Uebergewicht willig ein, das sein Geist und Verstand sich unwilltürlich über Alle errang. Seine Armuth hautte ihin einst den reichsten und anspruchvollsten Studenten gegenüber nichts geschadet. Der Vornchme sah sich von ihm übertroffen an äußerem An—- stand und jener eleganten Form, die gute Er ziehung und Gewöhnung giebt dem Klüg sten stand er gleich an Wissen und Befähi gung—gegen die Arroganz aber besaß er durch seine ruhige Sicherheit die vortrefflichste Waffe in der Hand und zeigte sich stets als der Ueberlegene. Der Arme endlich, der mit ihm auf gleicher Stufe stand, war stolz auf ihn, denn deutlich zeigte er den Hochgeboörenen und Reichen, daß Geid nicht allein die Stellung im Leben giebt und däß Verstand und Bil— dung einzig den Mann zum Manne stem pein. Etliche Freunde von der Universitätszeit, die Berufowahl und Verhältnisse, welche ähn lich den seinen waren, an die Hauptstadt ge sesselt und dort festgehalten hatten, sie bilde— ten auch später den Kern seines Umgangs. Unter ihnen nahm sein junger Nachbar Her bert Hohenstein den Hauptrang ein Ihre Steliung war eine eben fo verschiedene, wie das Streben Beider ein gleich ernstes und tüchtiges. Auch in einer andern Beziehung bestand Aehnlichteit unter ihnen Imhof drückte ein geheimes Leid Hohenstein jene sich mehr und mehr als zerrüttet zeigenden Verhattnisse seines Hausces, denen einzig seine Mutter noch Halt gab und die der unbändige Stolz seines Vaterso fort und fort mit großen Kosten und Opfern zu übertünchen wußte. Weder der eine noch der andere bon beiden Freunden sprach sich je über diesen Schatten ihres Daseins aus, doch ahnten sie gegensei tig, daß die Sonnenfinsterniß ihres Lebens und ihrer Lage eine ziemlich,„totale“ sei. Der Wille und Stolz des alten Grafen Hohenstein zwangen seinen Sohn in die di plomatische Carriere, trotzdem Herbert sehr gern gleich dem Freunde die juristische Laufbahn erwählt. Sie würde ihn zwar für den Anfang weniger glänzend in der Welt gestellt haben, hatte ihm aber für die Zukunft eine größere Sicherheit und reellere Erfolge geboten. Großer Kummer, den sein Vater an seinen beiden ättesten Söhnen erlebt, bestimmte Her bert'o Rücksichtnahme auf dessen Wünsche in Bezug zu ihm. Sein Eintritt in die Hofcir kel und Kreise der höchsten Aristokratie schnit ten zu des alten Grafen Hohenstein bitlerstem Verdruß aber nicht seines Sohncs intimen Verkehr mit dem jungen Imhof ab, den sein Vater, gleich Vincenz Frantoni, nur „den Advokatenschreiber“ nanüte. An den Tagen: des Sonntago, wo Fedor Imhof in der „ro then Rose“ aß und m Nachmittag ihr Schac hclub stattfand, da schlug Herbert sogar jede anderweitige Einladung aus, und scibst die Bitten seiner Mutter, die sonst durch Bitten Alles von ihrem Sohue erreichen konnte, hii ten ihn nicht im Hause oder an der Famili entafel zurück. Herbert wußte, dieser Tag war der einzige. Chicago, Dienstag, 12. Dezember. wo Imhof sich Ruhe und eine kleine Erholnng gönnte Bis die Gocrn zur Kirche riefen. ärbeitete et unausgesetzt von der Frühstunde bes Tages an —nach dem Gotteödienste feierte er aber bis zum Abend. Hilary Ahston sagte zwar sehr oft klagend zu dem Grafen: „DHie Mußestunden bringt Fedor Imhof durch nächtliche Arbeit wieder ein, und Du solltest ihm sagen, Freund: baß Gott die Nacht nicht zur Arbeit sondern zur Ruhe erschaffen hat.“ In Imhof s Einrichtungen mischte sich Herbert aber nie ein und erwiederte lchelnd der besorgten Duterin: „Freuud Imhof ist ein Mensch, der unfetn Rath in seinen Pri vatangelegenheiten entbehren känn.“ Beurtteilte Herbeit hierin Imhof richtig, so auqG da, wie der Freund nur ungern ihn am Scüntag in der,rothen Rofe“ entbehren würde. Er wußte, wie viel er diesem stillen, abgeschlossenen Charakter galt, war stolz, ihm Freund zu sein, und liebte ihn zu aufrichtig, üm den begrenzlen Kreis seiner flüchtigen Er holung durch das Geringste zu trüben. Aus dem Grunde fehlte er denn auch nie am Tage des Schachelubo bei Wendelin Wiedner. Diese Sonntagoötafel war der Stolz und die Freude des Gastwirthh Kaum erfuhr er zu jener Zeit, wo Imhof's Name in Folge des aufgefundenen Document bekannt und be rühmt wurde, daß man den angehendenße hts gelehrten —dem ein so günstiges Prognostikon vom Adpokaten Richter gestellt wurde—zu se hen wünschte und Imhof sich ziemlich men schenschcù geberdete, da fuchte Wendelin Wiedner ein Austkunftsmittel anzubahnen, das nebenbei seiner „rothen Rose“ auch zu statten kömmen konnte. Er ging jetzt setbst in andere Gasthäuser Kaum war da von Imhof als Sonderling und dem Brandeck— schen Proceß die Rede, den er gewonnen und dadurch zu Enüde gebracht hatte, so neigte sich Wendelin Wiedner verbindlich zu den Spre chenden und sagte höflich: „Um Verlaub—den jungen Mann zu sehen ist gar nicht schwer! Alle Sonntage ist er an meiner Mittagotafel zu treffen er ist seit sieben Jahren Gast meines Hauses.“ Sah man darauf ?den Redner an, so er laubte sich Wendelin Wiedner Weiteres als Erklärung beizufügen: „Ich bin nämlich der Wirth ans der „rothen Rose““, Martinistraße Rummer 27, Ecthaus; neben Firma Frantoni, Handersbergerhof!“ æ Ein wenig leiser, in Flüüstertene näheren Vertrauens setzte er aber hinzu: „Meine Tafel, die schon immer Leute von Geburt anzog, da mein Haus ein sehr gutes ist—zählt nun, seitdem bekannt wurde, wie dort einzig Referendar Imhof sicher zu finden ist, manch' distinguirle Perfönlichkeit aut der Creme der Aristokratie. Meine Weine werden als vortrefflich von jenen Herren be— zeichnet —auch habe ich äußerst civile Preise.“ Ließ man den redseligen und originellen Herrn Wendelin Wiedner nun noch näch all' den Notizen zu Nutz und Frommen sfeiner „rothen Rose“ weiter sprechen, dann erzählte er noch von dem sonntäglichen Schachclub, den Herr Imhof vor Jahren iu seinem Gast hause gegründet habe, üd der Aither eine der heitersten Gesellschaften sei, die man nur in der Residenz finden könne. Als Fedor Imhof von dicsen Empfehlungen Herru Wiedner'd hörte, fragte er ihn eineo Tages, zum höchsten Ergötzen seiner Freunde, mit der Ruhe, die sein Wesen und seïeWorte immer audzeichneten und beides um so tomi scher machten: „Lieber Wiedner, wolten Sie nicht bei diesem Falle mit mir die Haupttu—- gend Ihres Charakters, „die Sparsamkcil“, welche Sie leider nur stets bei guten Saucen und außergewöhnlichen Gerichten uns gegen über anwenden zur Geltung bringen und Ihre Lunge und Zeit auch sparen und scho nen? Anstatt also künftig überall mein Lob in Worten auszuposaunen, lassen Sie ein für allemat meine Vortrefflichkeiten abdru—- ckcen Sie wählen zu der Annonce den brei ten Rand und die gesperrten Lettern, mit de nen Ihr vis a-vis, der alte Delicatessenhänd ler Schäfer, seine Schellfische und Bücklinge der Welt anpreist, und sind auf die Weise sicher, daß man endlich melne Verdienste be mertt.“ Herr Wendeliu Wiedner war nun schon zu sehr gewöhnt, von dem jungen Manne ge neckt zu werden, als daß er ihm dieses Aner— bieten übel genommen hätte. Er sah ihn nur bedeutungövoll an, wenn, nachdem in der That frenide Gäste an der Sonntagotafet er schienen, dicse wiederholt fragten: „Wo sitzt jener junge Imhof „Dort, neben dem Herrn Grafen Herbert von Hohenstein-Radenau, einem Attache der Gesandtschaft!“. pflegte Herr Wiedner mit Aplomb zu vertkünden, und mitunter so laut, daß Fedor Imhof es hören mußte. Flüchtig auflachend, stüsterte er daun dem kleinen Kreise seiner Bekaunten zu, in deren Mitte er saß: „Hört nur —hört! Der Wen— delin Wiedner sieht doch ein, daß es mit mei ner schlichten Person allein nicht geht, Staat zu machen, und nimmt daher als Relief den Grafen und Attache zu Hülfe. Dann auch wieder sprach er ernst: „Was fange ich nur an, ist Herbert Hohenstein ein mal fort und kann die Freundschast eines Grafen für mich Wendelin Wiedner nicht als Gegengewicht für das trostlose Faetum die nen, dad Freifrau von Brandeck als unaud löschliche Schmach bei ihrem gewonnenen Proceß anzusehen geneigt ist, daß ich nämlich Advolatenschreiber war uns noch meine Exi stenzmittel hauptsächlich bei meinem atten Gönner erwerbe Nahm der kleine Freundeskreis solche Worte Imhof's lachend auf, erhöhte sich die Heiter keit; bezwrifelte er in humoristischer Weise die Andauer seines Ruhmes und fiel dann manch' Witzwort als Entgegnung vor, so be tlagte der Wirth zur „rothen diose“ immer, daß die munteren Mitglieder des Schachcubs, die an einer Tafel beisammen saßen, nicht lauter sprachen und die ganze übrige Gesell schaft an ihrer Heiterkeit theilnehmen liegen oder aber er Aüsterte den Fremden zu: „Ach, dies ist noch gar nichts! Der Herr Imhof kann sprechen, daß die Anderen oft die hellen Thränen lachen, und Sie sollten nur ein einzig Mal die Geschichte von der Mar garethe ünd Professor Richter hören, um überzeugt zu werden, wie komisch er erzählen tann Keiner der Fremden erfuhr aber je diese Geschichte oder bemerkte überhaupt viel von dem als so talentvoll bezeichneten jungen Manue, der sich jedem Fremden gegenüber nur still und ruhig verhielt Herr Wendelin Wiedner gerieth in offenbare Verzweiflung; er liebhte Imhof, wie dies mehr oder minder Alle thaten, die ihn näher kannten und seinen seltenen Charakter zu würdigen wußten. Sagte man ihm von des Wirthes Verzweif lung über sein Schweigen, oder von dessen Wunsche: sein Erlebniß mit Margarethe zu erzählen, so versicherte er feierlich, „dies Schweigen der Welt gegenüber brechen zu wollen, wenn der Rosenwirth eine Redner buhne für ihn erbaut und für Stenographen gesorgt habe, die denkwürdige Geschichte von Margarethe zu verewigen.“ Fedor Imhot hatte übrigens sehr Recht, seine kleinen Geschichten, die nur oft sein Vortrag pikant und amüsant machte, nicht der Menge preiszugeben. Solche Sachen müssen, um nichts von ihrem einfachen Reiz und Werth zu verlieren, von selbst tommen und dürfen weder gefordert, noch eingeleitet werden. Ueberdem wurde jene Geschichte von Margarethe nur komisch, wenn man die Be wohner des Giebelhauses und speciell den ori ginellen Professor kaunte. —Zur Zeit nämtich, ipo Imhof als Gehülfe im Bureau des Advo katen Richter fest angestellt worsen und von dessen Bruder, dem Professor, zum ersten Mal die Ehre genoß, in seine Alterthumssammlung eingeladen und eingeführt zu werden und bei dieser Gelegenheit das Herz des alten sonder baren Herrn durch seinen Eifer und sein Ju terese an scinen Schätzen gleich eroberte, da bat jener Prosessor den jüngen Mann, den Abend bei ihm zu bleiben. Imhof that's. Der Alterthumsforscher, in Eifer gerathen—wurde nicht müde, auch her varzuholen, was er noch in Käßen und Schu bladen verborgen hatte. So saßen Beide denn, wie Imhof erzählte, ganz vertieft in jene Zeiten des Alterthums, wo man sich aus Steinen L.esser und Waffen schuf —der Pro fessor die verschicdensten Exemplare zeigend und erklärend Audbeinanderseizungen lauschend Nun un—- terbrach von Zeit zu Zeit den eintönig leisen Vortrag des Professors immer und wieder ein gewisses Geräusch, das Imhof sich gar nicht zu erklren wußte, und das sich anhörte, wie der Ton leichter Klapppantoffelu. Fuhr der junge Mann, der, wie er gestand, etwas von Nerven tannte, bei dem setitsamen Tone zusammen, der erst aus der Ferne, dann mehr in der Nähe hörbar war, oder wandte er sich sogar um, so sagte der Gelehrte jedes mat: „Es ist die Margarethe!“ Fedor Imhof war zu jener Zeit noch nicht so lange im dtichter'schen Hause, um nicht unter Mar—- garethe ein weibliches Wesen zu vermuthen Hatté er auch gehört, der Professor, der längst Wittwer war, besäße nur einen Sohn. wel cher zur Zeit in Südamerila umherreiste wußte er, der Adbotat war Zunggeselle und die Hofrathin nie Mutter gewesen —so konnte doch eine weibliche Verwandte bet den Ge schwisteru leben und diese Margarethe heißen. Seine angeborene Höflichkeit trieb ihn an, Fräulein oder Frau Margarethe nicht so zu ignorire n—och im sctamsten Contrast dieies Wesenö Unsichtbarkeit zu den Tpetta lel, den es im stillen Zimmer machte!. Wie oft er sich auch umwandte er erblickte die Gesuchte nicht. Endlich aber war der klappende Ton ganz in der Nähe—Fedor In hof hörte ihn zn seinem Staunen ünter dem Tische— unter jener langen Tafel, an welcher beide Herren faßen. Als er sich eben sagte, er müüsse sich irren und Margarethe könne un möglich unter dem Tische sitzen, oder müsse eine etwas sonderbar erzogeñe junge Dame sein da sprang der alte Professor lebhaf: empor Mit einem strahlenden Lächeln, wie es der junge Mann von dem trockenen, falti— gen Antlitz nicht mehr erwartet mit einem Tone, in welchem sich ebenfalls so zärtliche Liebe ausprägte —wie er das den Wissenschaf ten zugewandte Herz nicht mehr für fähig ge halten, —mit einem Tone reinster Freude rief der Professor: „So, so, Margarethchen, lie— bes Margarethchen, sind wir endlich da und hier!“ um seine Verbeugung bei der Dame anzu— bringen—er sah abermals Riemand—er blickte jedoch zu seinem unaussprechlichsten Staunen den Professor plötzlich auf der Ekde dann klärte sich das Räthsel auf: das Wesen, das der alte Herr so zärtlich „Margarethchen“ nannte, wat. reine dicke Schildkröte. Dies Thier war seit dem Tage in der „ro then Rose“ verewigt, wo Imhof seine erste Bekanntschaft mit Margarethe einigeu be freundeten Studenten erzählte, ünd Herbert Hohenstein, der sich unter dieser Zahl befand, taufte in späteren Jahren Margarethe „die erste und einzige Liebe Imhof's“. Unter jungen Leuten bedarf es bekanntlich keiner weiterschütiernden Thatsachen und Be gebenheiten, ihre Laune zu wecken. Aehnliche kleine Geschichten, wie die von Margarethe, genügten oft, den Schachelub in homerisches Gelächter ausbrechen zu lassen und zur heiter sten kleinen Gesellschaft zu machen. Als Mitglied meldete sich eines Taged ein Herr, der ben Schachelub wochenlaug mit Interesse brobachtet, und der Allen schon auf gefallen war durch, sein mannlich offenes Ge sicht und freundliches Benehmen. Er war erst seit Kurzem in der Residenz und um die gZeit ded Zahres 1851 dahin versetzt, als der Brandeck sche Proceß dort am eifrigsten be roccn wuroe und Imhof's Name sich die erste Berühmtheit verschafft hatte. limhof war der Erste, dem er sich eines Sonntags vorstellen ließ. Hatte er bereits erfahren, der angehende Adyotat sei etwas Sonderling nnd menschenscheu, so setzte er in Gedanteu un— willkürlich hinzu: „und wenig höflich,“ als jener sich abwandte, wie ihm der Name „As sessor Eberhard Arnoid“ genannt wurde. Die Freünde Imhof's meiuten später, nie sei er klter, zurückhaltender gewesen als in den Augenblicken, und Assessor Arnold müsse einen sehr liebenswürdigen Charatter besitzen, sich durch solche Aufnahme nicht aus der Fas sung bringen zu lassen. Died geschah in der That nicht und Arnold setzte im Gegentheil lächend hinzu: „Ich hörte schon, Herr Imhof, daß Sie de Men— schen, die Sie bewundern und sich Ihen nä—- hern wollen, wenig zuvorkommend behandeln. Ich muß aber doch suchen Ihre Freundschaft zu erwerben, da unsere Familie seit lange mit einem Processe umgeht, der vielleicht noch ch« renvoller wäre zu gewinnen; wie dieser Bran deck'sche, und so wie Sie Ihre Advocatur er öffnen, klopfe ich denn damit an Ihre Thür.“ Imhof machte ein Gesicht, als wäreu Pro—- cesse ihim ein Greuel, als wünsche er, Herr Arunold möge ihn für immer in Frieden lassen und nie an seine Thür pochen. Beide kamen an dem Tage nur tiefer in ein Gespräch, als Herbert Hohenstein den Freund einmal beim Vornamen nannte, und da rief Arnold lebhaft: „Fedor heißen Sie Fedor Imhof?“ „Ja“, entgegnete der Gefragte ruhlg und blickte mit cinem so offenen Stäunen den As— sessor an, der ihn prüfend betrachtete, daß außer Arnold Alle meinten, der Auodruck sei Imhof sehr wenig ähnlich und sei ein gemeh ter, denn er zeige niemals eine Verwundernng so auffällig —Assessor Arnold versantk in Ge danken —lmhof redete viel von der Gewöhn—- lichkeit und Unbedeutendheit dieses Namens und nannte ihn einen so verbreiteten in Zü— rich, wie den der Müller und Schulze in Derutschlaud· Er bueb überhaupt so ve- sprächig, wie die Freunde ihn selten inGegen wart eines Fremden gesehen hatten. Eswar, wie wenn er seine anfängliche Kälte wieder gut machen wollte oder den Assessor auf ande—- re Gedanten bringen, die sein Name ersichtlich wachgerufen hatte. Späterhin aber bemerk ten Alle, daß—lmhof fortan schweigsamer denn je im Schachclub war, und sie meinten: das neue und so licbenswürdige Mitglied, dee Assessor Arnold, sei ihm weder angenehm noch sympathisch „Ihr irrt! —Du irrst!“ antwortete Im hof immet ruhig auf alle solche Aeußerungen jedoch seine Freunde kannten sein Wesen schon zu gut, um in Wahrheit falsch zu ur theilen. —Sie erwiederten ihm daher lachend, „Conjugitst Du uns auch das Zeitwort „irren“ in all' seinen Biegungen vor, die auf und Bezug haben können, Du wirst uns doch damit nicht beweisen, daß wir wirtlich irren und der Assessor Dir nicht fatal ist Dem Assessor selbst tonnte das veränderte Wesen Imhof'o im Schachelub nicht auffallen, denn er kannte ihn bioher fast gar nicht Er hatte aaf ihn gleich einen sehr ernsten, kalten und zurückhaltenden Eindruck gemacht und staunte daher weniger, diesen drei Eigenschaf ten immer und wieder bei iym zu begegnen, wenn sie ihn auch nicht angenehm berührten bei seinem ganz entgegengesetzten, sehr offe nen und freundlichen Wesen. Als er später die Freunde Imhof's einmal fragte. ob er stets so sei —antworteten sie mehr ausweichend als offen, und Herbert Hohenstein sagte da nach: „Höre, Fedor, wir haben es Arnold gegenüber mit Dir, wie Petrus mit dem Herrn gemacht, und Dein wahres Wesen ganz ver leugnet.“ Trotzdem Assessor Arnold dem Schachelub beitrat und eines seiner würdigsten Mitglieder wurde, begann von der Zeit ab doch dessen Verfall Herbert Hohenstein kam als Attache nach Paris, und Imhof schien tiefer und eif riger denn je in seinen Studien vergraben zu sein. Er war nur selten mehr Sonntags in der „rothen Rose“ zu treffen und ließ sich ferner oft auch an dem Tage sein Essen in's Haus holen Fragte man ihn nach dem Grunde, diente das Staatsexamen als Vor—- wand für Alles, und er versprach, später wie der geselliger zu werden. Um die Zeit im Sommer 1852, wo er eines Tages nach längerem Zusammensein mit As sessor Arnold, den man seiue Antipathie nannte, sinnend, denkend am Fenster seiner Giebeistube stand und ganz unbewußt hin— über in den kleinen Garten Victoria Franko-- ni's starrte, da fiel plötzlich und zum ersten Mal sein Auge auf das schöne Mädchen. Die Hitze des Sommertages hatte sie auf das Plateau getrieben —sie lag schr anmuthig auf einer rothen Ottomane, die man ihr vor das Zelt gestellt hatte, und blickte nicht von dem Bnche auf, in dem ste las wenigstens dem Anschein nach so eifrig las. Niemals war sie vielleicht hübscher, als in den Augenblicken tiefer Ruhe, die der wun dervollen Plastit ihrer edelgeformten Gesichts züge so vollkommen anpaßte und deren Reize hob. Sie trug ein einfaches weißes, hoch am Halse schließendes Kleid, ohne jeden farbigen Ausputz—ihre Haustoilette zur Sommerzeit. In ihren herrlichen schwarzen Locken war we der ein Band noch eine Blume, und nur die überhangenden Zweige des einen blühenden Granatbaumes, der vor dem Zelte stand, um— kränzten in anmuthiger Weise ihren schönen Kopf. Ueberrascht —berwirrt schaute Fedor Imhof eine Secunde auf dies reizende Bild—da sant das Buch aus ihren Händen, tiefer legten sich die langen schwarzen Wimpern auf die feinen Wangen—regungolos verharrte die Gestalt in wahrhaft statuenähnlicher Ruhe, und nur der Abendwind spielte leicht mit ihren dunteln Locken und die Granatblüthen wiegten sich leise über ihrer weißen Stirn. Ein solches Bild zu erschauen mööchte ge fähriicher sein für jedes Männerauge, jedes WMännerherz, wie gefährlich erst für dieses un berühmte—unerfahrene—für dieses Herz von vierundzwanzig Jahren! Fedor Imhof kam erst wieder auf die Welt zurück und zum Bewußtsein, als sich die lan gen Wimpern plötzlich hoben und jene Augen ihn ansahen, die man „Märchenaugen“ nannte. Und wie sahen sie ihn an! Wie durch den Schleier eines Traumes, unbewußt und doch mit einer Junigteit, als wisse sie, was er fühlte, als theilte sie vollkommen Alles, was er dachte und empfand—was ihn zu Boden drückte und gen Himmel hob! s S— In Louisville cxistirt ein Verein dicker Männer, welche am Dautsagungotage ein Wettschießen abhielten, zu welchem sie alle Vereine dicker Männer aus andern Städten und das Publikum überhaupt eingeladen hat ten. Jim Fiot jr. von New Yort war gleich falls eingeladen und hatte zugesagt, in Be gleitung scines 9. Regimento-Masikcorpo zu erscheinen. Die Gewichte der dicen Männer in Louioville variiren von 200 (H. N. Schu-- mann) bis sll (Humphrey Marsphal Der Entwurf zu einem neunen Par laments-Gebäude. Das Programm des Entwurfes zu einem Parlamentshevaud- tür den dentschen Reichö tag hat folgenden Wortlaut? Das Gebäude soll auf der östlichen Senr des Königoöplatzes errichtet werden, und zwar sollen die vortretenden Theile desselben sich in- nerhalb der auf dem anliegenden Situations plane angedeuteten Baufluchtlinien halten, die auf der Westseite der Baustelle anzuord—- nenden Vorbauten dem Mittelpunkte des Sie ges-Denkmais sich nicht auf mehr als 170 Me— ter nähern. Das Gebäude soll folgende Räumlichleiten enthalten: 1. An Dienstwoh nungen: 1. Für den Präsidenten des Reichs tags B—lo Arbeits-, Wohn- und Schlafzim mer, 2—s3 Domestikenzimmer, einige Frem— denzimmer, eine Küche, ein Anrichtezimmer und die erforderlichen Vorrathogelasse, ferner 2—3 Empfangs-Salons, in Verbindung mit einem großen Festsaal von etwa 395 Quadrat meter Flächeninhalt. welcher gleichzeitig zu ußerordentlichen geschäfttichen oder festlichen Versammlungen der Reichstags-Mitglieder benutzt werden kann. 2. Für den Bureau— Dirigenten: bestechend aus 7—s Zimmern und den zugehörigen Wirthschaftörumen. 3 Für den Castellän (Boteniteister): 3 Stu— ben nebst Zubehör. 4. Für die Portiers an den Haupteingängen des Gebäudes, in Ver bindung mit den im Kellergeschosse anzulegen den, aus je 2Stuben nebst Zubehör bestehen den Wohnungen derselben 5. Für zwei Haus diener im Kellergeschosse, jede Wohnung be stehend aus einer geräumigen Stube, Kammer und Küche -c I. Eimen Sitzungoösaal sür das Plenum des Reichoörathes in der Groöße von 620—640 Quadratmeter Grundfläche (exel. Logen), mit Sitzplätzen für 400 Mit glieder. Derselbe muß ferner enthalten im untern Raume: 1: eine erhöhte Tribune mit zwei Sitzen für das Prästdium, zu jeder Seite drei Plätze für Schriftführer; 2 die Redner—- bühne vor dem Präsidentensitz, daneben auf jeder Seite zwei Plätze füe Referenten -e 3 einen Tisch und die Plätze für 5 Stenographen vor der Rednerbühne; 4 einen Tisch züm Nie derlegen von Documenten; einen erhöhten Raum mit 50 Plätzen und den erfordertichen Schreibtischen für Mitglieder des Bundesra- thes. Auf den Tribunen: 6. eine Loge fur den kaicrlchen ʒef und die verbündeten Für steu mit einem geräumigen Salon und zwei Vorzimmern; 7. eine Loge zur Disposition für die Mitglieder des Reichötages; 8 eine Loge für das diplomatische Corpõ; 9. eine Logt für die Zournalisten zu 320 —0 Perso nen; 10. 2—3 kieine reservirte Logen und 11. die Logen das Publitum zu 250—300 Plätzen. 111. Räume, welche in der ähr des Sitzungoösaales liegen müssen: 1. ein geräu miger Vorsaal, resp. abgeschlossenes Vestibul für die Mitglieder des Hauses in Verbindung mit den erforderlichen Garderobe- und Closet räumen; 2 ein Conferenzzimmer ded Präst denten nebst Vorzimmer; Z ein Sprechzimmer des Präsidenten; 4. ein Zimmer der Schrift führer; 5. ein Conferenzzimmer des Reichs kanzlers nebst Vorzimmer; 6. ein Sprechzim mer dessetiben; 7 ein Geschäftszimmer des Präsidenten des Reichskanzier-Amtes nebst Vorzimmer; 8. ein Sitzungssaal für die Mit— glieder des Bundesrathes mit 60Plätzen nebst geräumigem Vorzimmer; 9. 3—4 Geschäfts- und Sprechzimmer für die Mitglieder des Bundesrathes; 10. zwei Sprechzimmer für die Mitglieder des Reichstages; 11. ein Ste nographenzimmer mit 25—30 hellen Arbeits plätzen; hiermit in Verbindung 12. ein Zim mer zur Correctur der stenographischen Auf zeichnungen; 13. I—2 Zimmer für Journa— listen; 14. ein geräumiger Erfrischungofaal nebst Büffet und 3 NRebenräumen; 15. ein geräumiger heller Lesesaal mit einigen Schreib tischen. IV. Räume für das Bureau des Reichstages: 1. ein Geschäftszimmer für den Dirigenten nebst Vorzimmer; 2. zwei Zim-- mer resp. für die Expedition und Kauzlei; 3. ein geräumiges Local für die Registratur; 4 ein Zimmer für den Botenmeister. Diese Räume, welche wo möglich im Erdgeschoß an zulegen sind, müssen zufsammen mindestens 345 Quadratmeter enthalten; 5. ein geräu—- miges Zimmer zur Expedition der Drucksachen und zum Aufenhalte von 40—50 Kanzleidie nern, welches nöthigenfalls im Souterrain anzuordnen ist; 6. ein Archiv von 128—148 Quadratmeter Grundfläche mit besonderer Dicherung gegen Freuerosgefähtr. V. Anbet weitige Geschäfts- und Nebenräume: 1. sechs Abtheilungssäle für je 50—b0 Personen zu 128—148 Quadratmeter; 2. zwei deogleichen, zugleich für Fractions-Sitzungen zu 100 resp. 120 Personen; 3. 6—s Commissionszimmer von verschiedener Größe für resy 15—30 Per sonen; 4 die zu diesen Räumlichleiten erfor derlichen Corridore resp. Vorzimmer; 5. ein Zimmer für den Postbeamten des Hauses; 6. ein Zimmer für einen Telegraphenbeamten; 7. die Räume für die Bibliothet des Hauses; die stenographischen Berichte -c. nebst einem Arbeitzimmer für den Bibliothecar und einem Lesezimmer für die Abgeordneten. Für diese Zwecte sind 490—590 Quadratmeter in Aus sicht zu nehmen; 8. außerdem sind in dem hohen Kellergeschoß die Wirthschaftöräume für den Restaurateur, so wie die für ein solches Gebäude erforderlichen Räumlichteiten zur Ausbewahrung von Brennmaterial und ande ren Utensilien unterzubringen. Es ist ferner für einen Raum zur Aufstellung einer metallo graphischen Presse mit einigen Setzkasteu und einer Handpresse und für einige Zimmer zu sorgen, in denen die im t beschäftigten Handwerker ihre Arbeiten vornehmen tönnen. Das Gebäude muß durchweg feuerfest con struirt sein und unverbrennliche Treppen er halten. Die einzelnen Dienstwohnungen, die Räum— lichkeiten für die Abgeordneten, die Geschäfts zimmer für den Bundedrath, so wie die Logen für den Kaiserlichen Hof, resp. für das Publi tum, sind mit bequemen, von einander abge sonderten Ein- und Zugängen zu versehen. Stallung für mindestens 6 Pferde, Remise für mindestens 6 Wagen und eine Kutscher wohnung mit den erforderlichen Rebenräumen sind anzulegen. Die Concurrenz Projecte sollen nicht nur die zweckmäßigste Lösung der vorliegenden Aufgabe versuchen, sondern zu gleich die Idee eines Parlamentgebäuded für Deutschland im monumentalen Sinne ver törpern. Es ist daher in den Entwürfen auf eine reiche Ausschmückung des Acußern und Innern durch Sculptur und Malerei Bedacht zu nehmen Die Concurrenz-Bedingungen sind folgende: Die Projecte sämmtlich mit den Namen ihrer Verfasser versehen müssen spätestens bibs zum 15. April 1872 an das Reichotanzler-Amt eingeliefert werden. Es werden teine vollständig ausgearbeiteten Bau pläne, sondern zunächst nur Stizzen verlangt, und zwar folgende Zeichnungen: Die Grund risse sämmtlicher Geschosse im Maßstabe von 14200, ferner zwei Ansichten und die zur voll stndigen Beurtheilung des Projectes erfor derlichen Profile im Maßstabe von 14150 und eine Perspective. Die Darstellung der Con— structionen wird nicht verlangt, dagegen muß der beigefügte Erläuterungoöbericht über die Principien der gewählten Deckenbitdungen Angaben enthalten und darlegen, welche Hei zungs- und Ventilations-Vorrichtungen be-- absichtigt werden. Die bis zum festgesetzten Ablieferungö-Termin eingegangenen Arbeiten werden zunächst vier Wochen lang öffentlich ausgestellt und dann einer Jury zur Beur theilung und Entscheidung über die zuzuer— tennenden Preise überwiesen. Für denjenigen Entwurf, welcher nach dem Urtheile der Jürh die gestellte Aufgabe am besten löst, wird ein erster Preib von 1000 Friedrichod'or gezahlt. Weitere pier Preise von je 200 Friedrichod'or sollen für die zunachst vier besten Projecte ge zahlt werden. Die prämiirten Entwürfe wer den gegen Zahlung der Prämie Eigenthum des Reichs. Nur diesenigen Concurrenten, welche in jeder Beziehung die Bedingungen des Programms innehalten, haben Anspruch auf Berüctsichtigung bei der Preis-Ertheilung V Das New Yorker Clearing House. In dem oberen Stockwerk des massiven Ge bäudes an der Ecke von Wall- und William- Straße, in dem „Bant of New York Buil ding“ befindet sich das New Yorker Clearing House, ein Institut, dessen Nämen wohl Vie len vertraut ist, von dessen Wichtigteit und Bedeutung für den Geschäftövertehr nur sehr Wenige einen tlaren Begriff habeu. Seine Gründung fallt in das Jahr 1823 und am 1. Ottobex des genannten Jahres wurden zum hier mit der größten Bequemlich teit und Sorgfalt Geschäfte abgewickelt, die vorher zu den zeitraubendsten und riskante sten des Bantkverkehrs gehörten:- die Ausglei chung oder Zahlung der Guthaben der ver schiedenen Banken unter einander. Die Zahl der Banten war vom Jahr 1849 bis 1853 von 24 auf 53 angewachsen und der Umfang der Geschäfte jeder einzetnen hatte trotzdem bedeutend zugnommen. Die während der Geschaftostunden deponirten Wechset uud Checto ber Kaufleute und Gewerbtreibenden mußten von den Banken eintassirt werden und dieses heitliche Geschäft, bei dem es sich ost um immeuse Summen handelte, tonnte auf teine audere Weise als durch die Vermitt tung der Bantboten oder „Portero“ abge wickelt wexrden. Es war damit nicht allein Zeitverlust; sondern auch ein großes Risilo verbunden. Die erhobenen oder versendeten Nummer 50. Gelder kennten ebensowohl von den Boten veruntrent werden als Straßenräuber zur Beute fallen. Daneben begünstigte der mit der Einkassirnng unvermeidlich verbundene Zeitverlust eine Art von Schwindel, den man in Deutschland als,Wechselreiterei“ bezeich-- uet uus vofür man in Wallstreet den Namen Kite fying” Sraden steigen lassen erfunden hat. Der Bote wurde des Morgens mn rinem MAI 1— 1 —l7 7 sßuche und, wenn nöthig, mit Geld verfehen ausgeschiekt und klehrte des Nachmittags mit den erhobenetn Geidern nach der Bank jurück gerade zu einer Zeit, wo die Bänkgefchäfte am lebhaftesten zu sein pflegen. Es mußie seine Rechnung geprüft und die einkassirten Gelder gezählt werden. Dies nahm alttäglich so viel tostbare Zeit in Anspruch, daß die Banten übcreinkamen, mit der Berichtigung ihrer ge genseitigen Rechnungen bis zum Freitag zu /warten. An diesem Tage wurde die Rech nung gesteltt und zogen die Banken Checks auf einander, je nach der Höhe ihres sich er gebenden Guthabens. Es mußten nün bie füntzig und etliche,Porters“ sich in Marsch setzen, um die Gelder einzutreiben oder sonst die Geschäfte abzuwickeln. Manchmal trafen einige Dutzend dieser Leute in einer und der selben Bant zusammen und konnten nicht alle bis zum Glockenschtag Drei, wo die Auszah lungen aufhören, an die Reihe kommen, so daß man mit manchen Forderungen bis zum nächsten Freitag zu warten hätc Solchen, die in alle Finessen des Bantge schäftes eingeweiht waren, boten diese ver schiedene Mißstände Gelegenheit genug, sichh durch Ziehen und Wiederziehen von Wechseln seinen Credit ven etlichen Tausend Dollars zu verhelfen, das sie, obwohl ein rein fingirtes Kapital, zum Dioscontiren bon Wechseln ver swerthen konnten. Diese Mißbräuche würben mit jedem Tage größer und man mußte ernst lich darauf sinnen, ihnen ein für allemal ein Ende zu machen. Die Beamten der ange schensten Banken hielten Versammlungen ab und verständigten sich über die Gründung ei nes Vereins, der als die „New Yort Clearing House Assoczation“ bekannt ist und die be kannte und sichere Abwickelung der Geschäfte der großen Geldinstitute im Clearing House zum Zweck hat. Die Räumlichkeiten des Clearing House be finden sich ini 4 Stocke des Gebäudes No 48 Wallstreet. Das erste Zimmer ist das e Direktoro (manager) mit der Aussicht auf Wall- und Williamstreet. Es ist hübsch möblirt. Auf einer Estrade befinden sich ein Pult für den Vorsitzenden bei Versammlungen der Association, die hier abgehalten werdenß; eine lange Tafet ist hier zum Gebrauch der Comites bestimmt, die übet Angelegenheiten des Institutes, über Zutlassung neuer Nit glieder u. s w. zu crgthen haben. Es ist eine werthvolle Bibliothet mit ben besten s über Handel und Finanzwesen, für den Ge brauch der Mitglieder der Association bestimmt, zu finden. Eine Thür führt zu dem Vorplatze an der Treppe, eine andere in das Zimmer des Secretärs. Hier ist ein telegraphischer Apparat, durch den die Verbindung mit den verschiedenen Bankinstituten vermittelt wird, aufgestellt. Nach der Vorhalle zu befindet sich ein langes En das mit einem Drahtgeflechte eingefaßt ist, uin allzuneugierige Besucher von dem Eiblick in die Bücher abzuhaltëü. An einem Ende des Pultes liegt das Quittungs buch des Baargeld-Commis (Specie Clert); das andere ist für den Settling-Clerk (Liqui dations-Commis) bestimmt. Die Commis, im Innern zwischen den Zahltischen vor ihren Pulten stehend, sind mit dem Gesichte nach dem äußeren Raume ge—- kehrt und tönnen bequem mit den Anktommen den verkehren. Am. Ende des Saales, nahe dem Zimmer der Commis, ist ein erhöhter Sitz für den Direktor, von dem aus er jedes Pult in dem „Exchange -Room überhlicken kann. In dieses Zimmer führen zwei Thüren. Es ist achtzig Fuß lang und vierundzwanzig Fuß breit. Für Luft und Licht ist durch zahl reiche Fenster zu beiden Seiten und gute Ven—- tilation Vorsorge getroffen. Hier werden die Hauptgeschäfte des Clearing House abgemacht. Lange Zahltische reichen fast der ganzen Länge nach durch den Saal und sind an den beiden Enden miteinander verbunden. Auf ihnen befinden sich zweiundsechzig Pulte, die durch leichte Eisengitter von eiuander geschieden sind. Die Pulte sind mit Schubladen und Fchern zur Aufbewahrnng von Papieren ver-« schen und sind speziell für die Liquidations- Commis bestimmt. Die Stunde für die Abmachung der Ge schäfte beginnt genau nm 10 Uhr Vormitkags. Zu diesem Ende müssen- in jeder einzelnen Bantk der Stadt gewisse Vorbereltungen ge macht sein. Die auf andere Banken lauten den Checks, die am borhergehenden Tage ein liefen, werden sortirt in Couverte gesteckt und diese deutlich mit dem Namen und der Num— mer der Bantk bezeichnet, welche die Papiere einzulösen hat. Jede Bantk der Association hat nämlich eine Clearing House- Nummer. Die älteste Bank der Stadt, die Bank of New York, hat Nummer 1, die züetzt gegründete Nr. 62. Jedes Pult in dem „Erxchange- Room“ trägt an der Außenseite elne Metall-- platte, worauf der Name und die Kummer der Bantk, für die es bestimmt ist, eingegraben steht. Ueber die einzelnen Pakete mit den Checko wird eine Liste angefertigt, die die,Austtel lnng“, das „Statement“ des,Specie Clerts“ genannt wird Sie enthält die Namen der Banken und die schuldigen Beträge. Sk wird sammt den Pateten mit den Checks dem Specie Clert eingehändigt, der sich damit nach dem Clearing House aufmacht. Wallstreet ist kurz vor 9 Uhr Morgens ziem lich verödet. Die Wächter, die des Nachis die dortigen Etablissements unter ihrer Obhut ha ben, sind um diese Zeit nach Hause gegangen, Vereinzelte Portiers sind mit dem Ausfegen der Räumlichteiten beschäftigt und hie und da eilen die Comptoirburschen auf ihre Posten. Schlag neun Uhr wird es lebhafter. Die jüngeren Commis konimen herbei und allmälig füllt sich die Straße mit Geschäftoömännern, mit Kutschen und Wagen. Um zehn Uhr kann man die Treppen der Bank von New Yortk sehr trocken und nüchtern aussehende junge Leute hinaufsteigen sehen, beladen mit Taschen und Portefeuilles, mit Bündeln und Packeten. Folgt man ihnen zum vierten Stockwert, so geiangt man mit ihnen zum Eingang des Clearing House. Wer anständig gekleidet ist, wie dort Jedermann, dem düntkt leicht, er tönne mit den übrigen ungenirt eintreten; versucht er es aber, so wird er sofort von einem hoch gewachsenen Herrn, in Schwarz gekleidet, an gehalten werden, etwa mit den Worten: „Wen wünschen Sie zu sehen?“ „Möchte den Di— rettor sprechen und den Geschäftsgang hier sehen“, geben wir dem Herrn zur Antwort. Es ist der Geheimpolizist des Clearing House und er kennt seine Leute „Schon gut“, wird er antworten, „Sie können an die Thüre hintre ten, gehen Sie aber nicht hinein, wenn's ge fällig ist.““ Von dem Posten a. der Thüre des Exchange Room aus können wir sehen, was im Innern vorgeht. Die „Settling Clerks“ (Liquidations-Commis) treten hinter ihre Pulte und machen sich zum Geschäft be reit. Die Specie-Clerks kommen mit ihren Taschen und Portefeuilles und stellen sich vor den Pulten ihrer respektiven Banken auf. Eine Minute vor zehn Uhr nint der Ma— nager se,nen Platz ein und läßt die Klingel ertnen. Dies ist das Zeichen für die Specie- Clerts ihre Taschen und Portefeuilles zu öff nen und das Päckchen, das für den Settling Clert des nächsten Pultes bestimmt ist, her auszunehmen. Kunkt zehn Uhr ertönt aber mals die Schelle des Manager“: sofort ge ben nun die Specie-Clerts ihre Packete zu Händen des nächsten Settling Clerk, erhalten eine Quittung dafür und setzen sich in Marsch, um bei allen übrigen „„Settling-Clerks“, für die sie Packete haben, dicselbe Operation zu wiederholen. Dabei wird keine Sylbe gespro chen und in der ganzen Reihe der 62 Clerks entsteht bei dem geregelten Umzuge vor den verschiedeneu Pulten vorbei u die geringste Stockung. Biunen zehn Minuten ist die Ab lieferung geschehen. Manchmal dauert es eine halbe, selten eine ganze Minule länger, bis der Clerk wieder an dem Pulte seiner Bank, an dem er sich beim Eintritt aufgestellt hatte, angelangt ist Hier hat der Settiüing-Ciert unterdessen die nöthigen Einträge gemacht und ist bereit, dem Specie-,Clert“ die Wechsei oder Checks auszuliefern, die auf dessen Bantk lautend eingereicht wurden. Sind die ein-- zelnen Packete ihm übergeben, so schließt er sie orgfaltig in seine Tasche oder Portefenille und macht sich er auf den Heimweg. Die Wech sel oder Checks sind so gut wie bezahlt; das Clearing House ist Bürge dafür. Im Durch schnitt werden auf diese Art per Tag hundert undfünfundzwanzigMillionen Dollars (125,- 000,000) umgesetzt. Während der Abgabe und des Empfangs der Ehecks, machen sich die Clerks des Direktors schon daran, die „Probeliste“ auszufertig n Sie enthält eine Columne für die Nummcn uund Namen der Banten, eine für,Guthaben des Clearing House“, eine für den Gesammt— beirchz des Debit und eine andere für den des Credit der Banten. Eine weitere Cotumne ist für das Restguthaben der Banten bestimmt. Debit und Credit der Banten wird zusammen addirt und muß volltommen stimmen, fallo beim Eintragen tein Schreibfehier begangen wurde. Dies ist faum mäglich, da die Zahlen stets sorgfaltig verglichen werden. Binnen vierzig Minuten nach 10 Uhr ist gewöhnlich die Probe gemacht und steht ed den „Settling- Clerto“ frei, nach Hause zu gehen. Die Probe- Liste beginnt mit No. 1, der Bank von New Hork. Brachte ihr Clerk Wechsel ein im Betrag bon z B. 82,587,643.87, und nahm dagegen auf sie lautende Wechsel im Belaufe von $1,954,621.14 mit hinweg, so wird in der Co- tumne der „4Probe“: übersmMtieori sg ben der Banlen, zu Gunsten des genannten lustitutes $633,022 23 eingetragen sein. Ueberstieg der Betrag der empfangenen Wech sel dagegen den der abgelieferten, so ist ein Eintrag in der Columne „Restguthaben (oder Bilanzj des „Clearing House“ zu machen. Aehnlich morden die Eihtrge für alle übrigen Banten gemacht. e halb 1 und halb 2 Uhr müssen alle Banken, die dem,„Clearing House“ etwas schulden, dem „Manager“ Zahlung leisten, sei es in Goid, Banknoten oder in Certifica ten. Sobald dies geschehen ist, und die Rech nungen geprft sind, wird den Banken, was ihnen etwa zutömmt, ausbezahlt. Diese Zah lungen geschehen aber meistens auf Uebertra gungen m Unterschatzamt und es wird sehr selten nothwendig, groößere Summen aus einer Hand direkt in die andere zu geben. (N. H. Stoztg.) Selbstmord einer Franzoösin. An der „Battery“ it New York wurde am Freitag Abend die Leiche einer feingetleideten Dame von 25 Jahren, die allen Anzeichen nach den nobein Ständen angehört hatte, aus dem Wasser gezogen. Die angestellten Er mittelungen ergaben, daß die Leiche die einer 25jährigen Fränzösin Namens Marie Rode war, deren rühere Schicksale zum Theil in Geheimniß gehüllt snd. Man weiß indessen, daß die Dame den höheren Gesellschaftötreisen angehörte, daß sie die Tochter franzostscher Eltern,/ die lange Zeit in Madrid wohnten, und daß sie, um sich vor dem schrecklichen Schidsal der Prostitution zu bewahren, der sie iu Foige ihrer Verarmung zu verfallen in Gefahr war, sich das Leben nahm Sie hielt sich seit mehreren Jahren in Amerila auf, un ternahnm zuweiten die Reise nach Europa, lehrte dann nach den Ver. Staaten zurück zund hielt sich bald in New Orleans, bald in Saratoga, meistens jedoch in New Yort auf. Nan weiß, daß sie verheirathet war und daß ihr Gatte sich zur Zeit in Bordeaux aufhält. Im Juli d I. nahm sie ein Logis in No 62 Etrst 13. Straße; sie pflegte in der gegen übtr liegendent Restauration von Rene de Se bille, No. 63 East 13. Straße, zu fpeisen und dort hin und wieder in angenehmer Gesell schaft, die größtentheils aus Franzosen zusam mengesttzt war, einige Stunden zu verbrin gen. Unter ihren Bekannten befand sich Herr de Compigny, ein früherer Lieutenant der französischen Armee, jetzt Sprachlehrer an einem französischen Institut zu Fort Wash— ington Zwischen ihm und der Frau Rode bestand ein freundschaftliches Verhältniß, das auf per sönliche Achtung begründet war Frau Rode wat eine interessante und gebildete Dame, die sich in den besten Kreisen der Gesellschaft mit jener Sicherheit bewegte, die sich aus einer angeborenen Anmuth und Wütrde und einer Vertrautheit mit den Sitten der feinett Welt erklärt. Sie war gegen ihre Freunde und Bekannten zurückhallend; eine gewisse Schwer niuth, die sie umgab, und verschiedene andere „Umstände sprachen jedoch dafür daß ihr bit tere Enttäuschungen widerfahren fein mußten. Gegen de Compignh äußerte sie sich wieder holt in diesem Sine, jedoch in so allgemel-. nen Worten, daß ihm die eigentliche Ursache ihres Kummers ein Geheimniß blieb. Sie be sand sich in der letzten Zeit häufig in Geldver legenheiten, lonnte sich jedoch nicht dazu ver stehen, Unterstützungen von Freunden und Bekannten anzunehmen. Stolz war einer ihrer hervorragendsten Charakterzüge. Als ihre Bedrängnisse und ihre Geldverlegenheiten immer größer wurden, —sie fah sich unter An derem außer Sland, eine Hotetrechnung im „Springler House“ im Betrag von 853 zn bezahlen, wäre es ihr ein Leichtes gewesen, ihre Lage zu verbessern und in Besitz reichli cher Mittel zu gelangen, wenn sie es mit der Tugend hätte etwas weniger streng nehmen wollen. Allein sie erklärte wiederholt, sie werde sich lieber das Leben nehmen, als der Prostitution verfallen. In der letzten Zeit zeigte sie eine große Vorliebe für einsame Spaziergnge, auf wel chen sie, wie es scheint, sich mit Todesgedan ken trug; sie ging sehr häufig nach der „Bat iery“ hinunter, in der Absicht, sich zu erträn ken; es dauerte jedoch lange, ehe sie die nöõ— thige Entschlossenheit zu dem verzweifelten Schritt sammeln konnte. Am 18. November, fkurz ehe Frau Rode verschwand, erhielt de Compignh einen Brief folgenden Inhalts von ihr: n New Hork, 18. November. Mein lieber Compigny! Wir werden uus nicht mehr sehen. Lassen Sie mich von Herzen für Alles danken, das Sie für mich gethän haben. Ich weiß, daß Sie selbst Kummer haben. Ich darf Ihre Freundschaft nicht länger mißbrauchen. Sie sind arm und haben viel für mich gethan und in meinem letzten Lebensmoment werde ich noch an Sie dentken. In zwei Stunden wver lasse ich das Hötel. Niemand darf wissen, wohin ich gehe Ich werde bei d'Auville im New York Hotel tni Broadway eine Schachtel zurücklassen, worin Sie meine Uhr finden werden. Behalten Sie dieselbe zum Anden ken an mich. Sie werden auch Briefe und andere Papiere in der Schachtel finden Darf ich Sie bitten, dieselben nach meinem Tode zu verbrennen? Ich will nach meinem Tode Niemand mehr beschwerlich fallen. Da Sie ein großmüthiger und ehrenwerther Mann sind, so bin ich überzeugt, daß Sie die Pa piere verbrennen werden. Ich danke Ihnen nochmals für Das, was Sie flr mich gethan haben. Trauern Sie nicht so sehr um mich. Ich hoffe, daß Sie in Zutkunft glücklicher sein werden, als Sle in der Vergangenheit gewe sen sind. Verbrennen Sie diesen Brief mit den andern. Und nun lassen Sie mich Ih-- nen zum allerletzten Mal in diesem Leben danten. Ihre Marie Rode. Das Begräbniß der Unglücklichen fand um 3Uhr am Mittwoch Nachmittag statt von der Morgue im Bellevue Hospital aus. Un-- ter den Wenigen, die der Leiche nach dem Begrbniß folgten, befand sich de Compigny. Die Leiche wurde auf Cypreß Hill bestattet, wo Marie Rode die Ruhe finden wird, die ste während ihrer letzten Lebensjahre auf dieser Welt vergeblich gesucht hat. Eine interessante Wittwe. Das Pittsburger Voltsblatt berichtet: „Im Jahre 1849 lebte in Washington, Pa., ein bitdschönes jnnges Mädchen, Tochter eines reichen Vaters, und eben da ein Clerk Namens Robert der sich um die Hand der jungen Dame bewarb. Das schoöne Fräulein hatte nichts dagegen, wohl aber der Herr Papa und nach kurzem Besinnen heirathete sie einen Anderu, einen reichen Mann, den der Herr Papa sehr empfohlen hatte. Drei Monate dauerte die glückliche Ehe, da fand der Ehe mann durch einen Sturz vom Pferde seinen Tod. Robert, der erste Liebhaber, schöpft neue Hoffnungen und raspelte wieder,Süß holz“, that aber die entscheidende Frage nicht rechtzeitig und erhieit eines Tages eine Einla dung zur Hochzeit seiner Angebeteten mit Herrn So und so. Zwei Jahre darauf zog das Ehepaar nach Syracuse, N. Y, wo der Mann an der Cholera starb. Robert war wieder auf dem Posten und war eben im Be griff die große Frage zu thun, als ihn die Dame in Kenntniß setzte, daß ihr Maun sei— ne Geschäfte in solcher Unordnung hinterlas sen habe, daß sie, um keinen Verlust zu erlei den, seinen Geschäftstheilhaber heirathen müsse. Mit dem pritten Gatten zog die Dame nach Detroit, Mich,, wo das Paar mehrere Jahrẽ lebte. Eines Tages befand sich der Gatte auf einer Vergnügungsfahrt. Ein Sturm kam, das Schiff strandet und unter den Trümmern und in den Wellen fand der Ehegatte seinen Tod, die Gattin wurde durch den Heldenmuth eines Bekannten gerettet und aus Dantkbar keit reicht sie diesem ihre Hand. Das Paar kam nach Pittöburg und Robert, der treue Robert, folgte ihm hier. „ECines Tages, als er gerade an dem Laden des Chemannes vorbeigeht, bietet sich ihm ein gräßlicher Anblick dar. Ein Faß ist aus ei nem oberen Stockwert durch die Luken herun tergefallen und hat den Männ seiner Gelieb ten erschlagen. Schnell tritt er ein: Weiß es die unglückliche Wittwe schon? Buchhalter ist eben auf dem Wege zu ihr, wird ihm zur Antwort gegeben. Das hören, sich umdrehen und pfeilgeschwind auf die Straße hinausschießen, war das Werk eines Augen blicts. Vor sich sieht er den Buchhalter, der wie ein gejagtes Reh vor ihm her läuft. Schweißtrie fend folgt er ihm. Die Dame wohnte in Al legheneh. Beide Boten gelangen gleichzeitig an der Hauptstraßenbrücke, dort müß der Buchhalter Brückengeld bezahlen, Robert hat einen Freipaß, er schießt vorbei und tkommt endlich athemlos vor dem Hause der Wittwe an. Er weiß, daß es hier schnell handelin heißt. Dein Mann ist todt! Willst Du mich heirathen stößt er schnell hervor und sinkt in einen Stuhl. Jetzt tommt der Buchhalter auch, sieht aber, daß er keine Aussicht mehr hat und condolirt nur. Die Dame nimmt Robert's Hand nun und nach Ablauf der Jah-- restrauer hat sich das Paar verheirathet. Die Dame hat durch die vielen Erbschaften ein be trächtliches Vermögen und Robert ist jetzt „gut ab“ Woraus sich ergiebt, daß auch in unserem prosaischen Zeitalter treue Liebe noch ihren Lohn findet“ Vom spiritistischen Hokuspokus. Alle Enthüllung seiner Taschenspielertkünste und alle blamirende Enthüllung seiner hab gierigen Absichten und Schwindeleien häben den berüchtigten Geisterseher potkusmacher Home nicht oud en beschäftigungslosen und heister verdrängen tönnen, die man Weit nennt. Nach wie vorspit ler seine Rolle in der elegane und anständige Menschen w Kreise meiden, wenn sie ihm m wollen. Mit Frechheit witd es dur an Frechheit und der dazu erforder schenverachtung hat cs dem Hertn näch seinen Niederlagen nlemals sich doch neuerdings sogar die Lon lectische Gesellschaft herabgelasen schuß bon 34 Personen niederzuse die Geistererscheinungen prüsen s Karl Blind berichtet darüber goötzliche und erzählt u. A 7 Aus dem Berichle eines der giebt sich, daß die gewünschten regeimãßig ausblieben, wenn n men der Gesellschaft anwesend w Vorsitzende des Hauptaussh dem er eine der Sitzu saß in nächster Nähe bei Frän N ich fühlte deutlich, wie sie an den sches init ihrer Zehe in der gesch Weise anschlug, um das ersorderl hervorzubringen.“ Ueber den In schaften aus dem Jenseits we überraschendsten Aufschlüsse. Die Geister, weil Engländer, Englisch, lassen häufig das Worte weg, ganz wie die hiesig tichern auf eine ganz unziemliche Art und macthen sogar im Ze allerschlechtesien Witze. „Einer Gesellschaft“, fagt der Bericht des terausschusses, „trant auf das W ster und bat sie, zu erwidermn S durch eine Salve von Kopfschiäe sie uns mittheilten, Gelchter und meradschaft bedeute. Derselbe hielt von den Geistern die Nachricht, tigkeiten der Mitglieder einer Si sehr ungelegen kommen; „Spa hätten sie dagegen hie und da Komische Käuze, diese Abgeschiede Einer der Ausschußforscher w- darüber äußerst betroffen und legtq wahrung ein, dahin lautend, daß, Mittheilungen als Botschaften do geschiedenen Geistern von Verwa Freuaden gelten sollen, der Gd ben sich ncht vereinigen lase mid nen Begriff von dem Zustande Seelen, und daß dahr- die angebl barungen größtentheils einen hochreligiõser Neigung zuwider über die Kleidertrachten des Jens wir das Nöthige. Wie män ungrammatisch oder fehlerhst man hier gethan, und ebensoh chem Spaß und Jur“ gentiht man drüben auch die hieh Kleider natürlich in etw 7 Form. Ein Zeuge sagte aus Farmer würde sich schämen, s ohne seine Stulpstiefel, seinem Oberrock und seinen kurzen Huth sind ein Theil seines Wesens selbst ohne sie gar nicht vorstelst so zu sagen seine Natur mit a Augenblicke, wo er feinen Kö bel ein Wesen der Vorstellung nstd dit vorgestellten Stiefel, der jol und der vorgestellte Hut e e persönlichen geisterhaften b ge Der Gedanke, auf ewig d nselt und dieselben Stiefel zu agg das für eine buntgemischte muß, die aus den angetleideten Geschlechter besteht!“ Was wl an dem Unsinn bewundern, ist sinn, sondern seine Patthelt, seil Gedantkenlosigteit, die ein sehr s niß für Diejenigen ist, die sich damit beschäftigen ja sogar d tönnen. Stoff za einem No In dem in Fond du Lac ersc von Dr. de Hoãs redigirten Courier“ finen wir folgende sogenannten „lateinischen Farn Carl Julius der 1848 mit drei lndern (Friacca, Jansen und im Town kalumet, Wisconsin, nannten Schweizersarm Landw später n die Staatogefetzga wurde und 1851 mit einem Namens Simon von Milwat über New Orleans nach Mer wie es der Zufall wollte, weite In Mexiko sah sich Inus mon zu verlassen und die K nien allein anzutreten. RNe seligkeiten langte er im Gol ging zuerst in die Minen und erheblichen Erfolg mehrerẽ M Hierauf ging er nach San f und kurze Zeit nachher von do lichenWalifornien, wo er zu 9 Stelle als Clerk annahm. A bald auf, als er beim jener Gegend eine ergiebige F entdeckt zn haben. Nachdem er wirklich so vi talls zusammengebracht ha Lieblingöplan, nach dem Oste in Ausführung bringen zu h sich mit seinen Schätzen belat weg nach Los Angeles. A seine Hoffnung auf eine t täuscht. Unterwegs würde dianerbande überfallen, w dig ausplünderte. 2 Froh, mit heiler Haut d sein, eilte er nach Los Ang Stelle zu suchen. Es gela eine solche zu finden und bo zusammengespart, daß er schiffe nach Australien fahre Sidney und Melbourne sa ihn passende Beschäftigung halb eine Gelegenhelt, we nach Batavia auf der Inss Dort nahm er nach kurz als Aufseher einer Kaffee nern des Landed an, die erforderte, aber auch nur ß Briefe, welche Julins wäh aus dem Innern der Inse in Berlin schrieb, wargzz Natur; er konnte sie nicht recht finden u verlassen. Zu seinem gro Bruder dann einen on Lust übersprudeinden B ihm mittheilte, daß er st nes Principals, eines de hängigen großen Grundh heirathet habe und ber lienvater sei. Sein S eines Landstriches so 9 Großherzogthum Nassan sende von Arbeitern au Plantagen. Juliüs wurde Oate lebte recht glücklich in se der wurde ihm seine F Jahre 1869 plötzlich d Mehrmals hat er seit die Absicht ausgesproch Töchtern nach Europa phine Gallmeyer in W originelle Scene. Die einiger Zeit einen nied anzukaufen, aber trotz den Mühe ist es noch rechte Ideal eines 80l Während sie nun kü Karltheater beiwohnte, nung ein ältlicher H Neufundländer an d Herr klingelte, das St als es den hundeführe es übelgelaut sofort a Zwölfte, der heute sei ben Sie sich keine keine so großen Hund antworten will p energisch: „Wollen oder.. Auf diese entfernte sich der Fre zurück, auf welcher das Mädchen triump Energie verrichtete; e Heinrich Laube. Der im Arse Artillerie-Lieutenant bildeter und beliebt längerer Zeit ein V chen, das ihn wiede gung zu erwidern, zur Cautionölegung tlagte, weil dieser unmöglich mache. Dame in Begleiti Wohnung des Offic die von ihm erhait Bemerken zurück d amten geworden 1 Verhältniß zu Ent Dame an den Offiz rückgabe ihrer B chem der Officie kam, ein Bild sg denken behalten dies absolut nicht Offizier hierauf be rector des Arsena gab sich sodann des Lieutenants. Worten riß dieß Wand und fenen Schüsse gegen seir durchbohrte die lichen, die andere Die Wars wärtig 1013 Sch den sich 26 Russe ausoschließlich in