Deutschland und Ausland. Der neulich vom deutschen Reichotage ange nommene Beschluß, dahin gehend, daß jedem Einzelstaate eine aus allgemeinen Wahlen her vorgehende Voltksvertretung verbürgt werden sollte, ist vielleicht der erste Schritt zur u—mwandlung der Reichoöverfassung aus einem bloßen Patt zwischen souveränen Staaten in ein organisches Grundgesetz für ganz Deutschland. Nicht zwar so weit es die geschichtlichen An lãsse dazu, wohl aber so weit es die Rechtoöbe ziehungen der einzelnen Staaten unter einan der betrifft, kann die Gründung des jetzigen deutschen Reichöverbandes als ein Seitenstück zur Bildung der nordamerikanischen Union be trachtet werden. Diese war zunchst nur eine lose Conföderation, eine Bundesgenossen schaft souveräner Staaten. Sie verdichtete sich dann zu einem festern staatsrechtlichen Verbande, in welchem der Centralgewalt eine gewisse Anzahl von Rechten, welche zur Sou deranetät gehören, von den Einzelstaaten ab getreten wurden, während alle ihr nicht auf solche Weise ausdrücklich abgetretenen Souve æ4 m— A rãnetãtorechte der Einzelstaaten verblieben. Das ist gegenwärtig auch die Lage Deutsch ands Die Reichösgewalt ist dort, wie die Bundesgewalt hier, rechtlich ein Ge schöpf der Einzelstaaten, welche ihr freiwillig eine gewisse Anzahl Hoheitsrechte überlassen haben Die Zahl dieser Rechte ist bei Gele genheit des Zutritts von Bäiern und Wür remberg sehr eingeschrantt worden, doch um— faßt sie immerhin einige, welche in den Ver einigten Staaten die Bundesgewalt leider nicht besitzt, z. B. das Recht einer gemeinschaft lichen Handels- und Strafgesetzgebung, das Recht zur Regulirung des Eisenbahn- und Te legraphenwesens u. dgl. Das Verlangen des Reichstages, daß den Einzelstaaten eine Reprãsentativ-Verfassung gewährleistet werde, geht schon über die ur sprünglichen Grenzen der Reichögewalt hinaus. Es bezeichnet dieselbe Tendenz, welche in der Verfassung der Ver. Staaten in der Bestim mung Auodruct gefunden hat, daß der Bund jedem Staate eine republikanische Regierungs form verbürgen soll. Man weiß, ein wie umfassender Sinn hier in den letzten zehn Jahren in das Wort „republitanische Regi-- rungöform“ gelegt worden ist, viel, sehr viel mehr, als sich jemals die Stifter des Bun-- ded darunter vorgestellt haben. Der Aus druck „constitutionelle Staatsform“ ist aber noch viel classischer, denn er kann sowohl von einer Republik, wie von einer Monarchie ge braucht werden. Entschließt sich das deutsche Reich erst, jedem der zum Reichoöverbande ge hoörenden Einzelstaaten eine „constitutionelle Staatöform“ zu gewhrleisten, so wird im Laufe weniger Jahrzehnte von einer Sonder souvernett der Kleinstaaten nicht mehr viel üübrig sein. Denn bei dem großen Utberge wichte, welches Preußen im Bunde hat, wird dori der Widerstand gegen die Verstärkung der Reichsgewalt bei weitem nicht so zähe und wirtfam sein tönnen, wie in den Ver. Staa ten der Kampf der „states rights“ gegen die nationale Anschauung gewesen ist. Beschleuuigt werden wird die Abschwächung der Sondersoüveränetten inDeutschland durch die Beziehungen desselben zum Auslande. Inmitten Europas gelegen, auf allen Seiten von offen oder verstohlen feindlichen Wider sachern und Neidern umgeben, wird Deutsch- U iand schon im ersten Jahrzehnt nach seiner Einigung in häufigeren und unmittelbareren Verkehr mit dem Auslande kommen, als die Ver Staaten in dem ersten halben Jahr— hundert ihres Bestehens. Dabei wird die Reichögewalt kurzweg als eine nationale Re gierung, wie die Frankreichs, Italiens oder Rußlands aufgefaßt werden und wird leicht in die Lage kommen, für die Handlungen von Einzetstaaten einstehen zu sollen, mit denen sie eigentlich Nichts zu thun hatte. Ging und geht es doch den Ver. Staaten ebenso. Als dor dreißig Jahren englische Bürger, die als Matrosen auf englischen Schiffen in Charleston andeten, dort ihrer Hautfarbe wegen einge rertert wurden, erhob England bei der Bundes regierung Einsprache dagegen, obwohl diese völlig hilflos in der Sache war, wenigstens nach dem damaligen Zustande des Verfassung srechts Ware China ein Staat, der durch Kriegödrohungen sich Achtung erzwingen toönnte, so würde es für die Niedermetzelung der Chinesen in Los Angelos ebenso die Re gierung der Ver Staaten zur Rechenschaft ʒehen, wie diese Kore a wegen Ermordung einiger ameritanischer Seeleute zur Rechen schaft gezogeu hat. So wird, wenn in irgend einem Staate Deutschlands einem Engländer der Ameritaner Unrecht geschieht, die Re gierung Englands oder der Ver. Staaten nicht bon dem betreffenden Einzelstaate, fondern vom deutschen Reich Genugthuung fordern. In jeder solcher Beziehung zum Auslande aber liegt ein unmittetbarer Anlaß zur Befugniß-Erweiterung der Neichögewalt. Ein Beispiel mõge das erlutern. Vor zwei Jahren ward in deutsch-amerika nischen Zeitungen über gewisse barbarische Bestimmungen in der Ehegesetzgebung Baierns —und Würtembergs Lärm geschlagen. In bei—- den Staaten bestand und besteht das Gesetz, daß die Ehe, welche ein Angehöriger des Staats im Auslande schließt, ohne zuvor die Genehmigung des Königs eingeholt zu haben, ungültig ist Es waren Fälle vorgekommen, in welchen ein Baier oder Wür— temberger nach Amerika ausgewandert war, hier gehetrathet hatte und gestorben war, ehe er das Bürgerrecht der Ver. Staaten erwor ben hatte. In diesen Fällen wurde die Wittwe von den baierischen und würtembergischen Gerichten als Contkubine, ihre Kinder wurden als Bastarde betrachtet und yon der Erbbe rechtigung in Bezug auf ihre in Beiern oder Würtemberg lebenden Großeltern, oder sonsti gen Verwandten väterlicherseits ausgeschlossen. In Baiern zeigte sich das Ministerium Hohen lohe bereit, diese mittelalterliche Barbarei ab zuschaffen und es war ein Gesetzentwurf aus gearbeitet worden, für weichen zu stimmen die Füührer der liberalen, wie der pagtriotischen uitramontanen) Partei sich einem amerita nñischen Privatmanne gegenüber mündlich und schrifttich verpflichtet hatten. Allein der Landtag ward aufgeios, ehe er an die Arbeit hatte gehen tönnen; es foigte bei den Neuwahlen der Sieg der Ultramontanen, der Sturz des Mi— gisteriums Hohentohe, dann der Krieg und die Sache gerieth in Vergessenheit. Iu Wür— temberg war gar kein Versuch zur Abschaffung des Gesetzes gemacht worden. Die folgende ẽm würtembergischen Staatsanzeiger enthal tene Bekanntmachung frischt jetzt die Erinne rung daran auf: „Betanntmachung. Die von Zelob Alerander Deer von Wangen, Qheramts Canstatt, im Jahre 1851 mit Elisabethe Barbara Decker von dort zu Williamsport in Pennsylvanien tne e Ehe ist durch Beschluß v. H. wegen Mangels der Erlaubuiß zur Tranung im Ausland für nichtig erklärt worden. Sette wird. da der Aufenthaltsort der Decker unbe- Fannt ist, an Eröffnungesstatt bekannt gemacht. Einart s Königlich Würtembergi geritbes Kenglih Wur ersilten ern.“ Hier ist ein Fall, in welchem ein direkter Conflitt zwischen Würtemberg und den Ver. Staaten vorliegt. Es wre Pflicht des Ge sandten Bancroft, resp. des Vrästdenten der Ver. Staaten, mit einer Beschwerde gegen Würtemberg beim deutschen Re i che voörzu gehen. Die Reichsgewalt ist die einzige Be— hörde, durch welche die Ver. Staaten an Wür— temberg kommen tönnen. Durch sie ist auch zu erlangen, was von den Ver. Staaten direkt bei den bockbeinigen schwäbischen Ministern nie hätte erlangt werden ktönnen Und würde die Reichösgewalt durch die Ver. Staaten ver anlaßt, einen kräftigen Streich gegen verrot— tete Mißbräuche der Sonderstaats Gesetz gebung zu führen, so daß sie den Zaunkönigen als eine lebendige Macht zum Bewußtsein ge bracht würde, so wäre das ein Fortschritt auf der Bahn der innern nationalen Einigung, wofür sich Deutschland bei den Ver. Staaten bedanten könnte. Siege auf dem Papier. Während die gewöhnliche Menschheit in den Oktober- und Novemberwahlen d. I. eine Anzahl republikanischer, oder demokratischer Siege gesehen hat auogenommen in den Städtenßew York und Chicago, wo besondere Umstände eine zeitweilige Ver wischung der Parteigrenzen bewirkten —rech nen die Mundstücke der dritten oder Reform-- partei eine ganze Reihe von Siegen für sich heraus. Die Waht in New York ein Sieg der „liberalen“ Reformpartei; die Er wählung des Demokraten Parter zum Gou verneur von New Jersey: Sieg der „Libe ralen“; die Niederlage der Demokraten in Wisconsin wieder ein Sieg der „Libera len“, weil diese nicht mit Doolittle gemein same Sache machen wollen; die Niederlage der Republitkaner in Texas, noch ein „libe raler“ Sieg; die Erwählung eines demokra— tischen Gouverneurs in Maryland großer „liberaler“ Triumph! Kurz, wie immer die Wahl ausgefallen sei, stets war es die ge heimnißvolle „dritte Partei“, weiche das Re— sultat herbeiführte. Den „Fortschritt“ in Jefferson Cith exin nert dieses drollige Gebahren der,Liberalen“ an das Verfahren der Kinder, die, wenn sie im Duntkeln sind, pfeifen, um sich Muth zu ma—- chen. Vielleicht liegt der Vergleich mit der Fliege, die sich einbildet, den Wagen zu ziehen, gleichviel ob sie sich auf das Pferd zur Rechten oder auf das zur Linken setzt, noch näher. Die Ursachen, weiche in dem einen Stäate den Republitanern, in dem andern den Demokraten zum Siege verholfen haben, sind sehr verschiedener, oft rein örtticher Art, aber daß in irgend einem der genannten Staa den eine „dritte Partei“, wie Schurz sie im Einne hat, oder auch nur die Elemente, aus welchen eine solche Partei sich bilden könnte, ten Ausschlag gegeben hätten, ist die pure Einbildung. Es fehlt nur noch, daß uns auch der Sieg des vom republikanischen und demokratischen Centralcomite in Chicago, be hufs Verhütung eines Wahlkampfes aufge ftellten, sogenannten „feuerfesten“ Ticketõ als ein Sieg der „Liberalen“ ausgelegt würde! Wie weit glaubt man nur, mit solchen Windbeuteleien kommen zu können? Sie er nnera au den abgenutzten Kunstgriff des Martktschreiers, der, vor seiner leeren Bude stehend, dem Publikum ermunternd zuruft: Rur immer herein, meine Herren, es sind noch einige wenige Plätze leer!“ Wer kann dadurch getäuscht werden, wenn die Leinwand des Zelted so durchsichtig ist, daß man die leeren Bänke sieht Das genannte Blatt, der „Fortschritt tern Schierenberg), ruft den Liberalen“ „Gewinnt nur noch ein paar solcher Siege, und dann benutzt sie, wie der sog. libera! republitkanische Sieg vom letzten Jahre u Missouri benutzt worden ist, dänn wird jeder Deutsche, nicht nur im Staate Missouri, son dern überall in den Ver. Staaten wissen, woran er mit Euch ist! Ihr mögt den Herren Ameritanern weismachen, daß Herr Cari Schurz 500,000 deutsche Stimmen in der Tasche habe den Meisten sind die Augen längst auf- und übergegangen, und ehe die Zeit der Wahl kommt, wird es sich zeigen, daß Carl Schurz trotz seiner eminenten Begabung statt 500,000, nicht 5,000 deutsche Stimm geber hinter sich herziehen kann; denn daß Er die alten Demokraten, denen er in früheren Zeiten so bittere Wahrheiten gesagt, hinter fich herziehe, wird er doch nicht behaupten. Eher ziehen sie Ihn. Das Blindekuhspiel, das der „Republican“ vorgeschlagen hat und die „Westliche Post“ so eifrig vertheibigt, die Erwählung eines zum Abfall bereiten Repu blikaners, wie Gratz Brown, durch demokra—- tische Stimmen und für demokratische Zwecke, wird Euch nichts helfen. Ihr habt Euch zu früh in die Karten schauen lassen, und Ihr wißt's, daß das Spiel verloren ist, ehe es an gefangen hat! Ihr pfeift nut, wie geängstigte Kinder im Dunkeln!“ Vielleicht aber bietet sich doch den „Libera len“ eine Möglichkeit, ihre geringen Kräfte zu verwerthen. In New York wird so eben un— ter den Auspizien des über Nacht zum großen Mann gewordenen Oswald Ottendorfer die demokratische Partei neu organisirt. Die ganze alte Karrete soll umgebaut, frisch angestrichen, neu gepolstert und beschlagen werden, so daß man sie kaum mehr wieder- erkennen kann. Da ließe sich vielleicht ein bequemes Plätzchen finden! Kutscher können allerdings die „Liberalen“ nicht werden, aber doch Passagiere. Als solche werden Herr Schurz und die Seinigen deu Neu-Demokraten jederzeit willktommen sein und wenn sie die Siege, welche alsdann die demoktratische Partei erringt, als i hre Siege austrompeten, wird man ihnen dieses kindliche Vergnügen gönnen. Denn ihnen wird es Spaß machen und den Demokraten nicht weh thun. Connolly's Verhaftung. Die plötzliche Verhaftung des früheren Comptrollers von New York, Richard Con nolly, hat allgemeine Ueberraschung in poli— tischen und unpolitischen Kreisen hervorgeru fen, Nachdem man mehrere Monate lang Seitens der Reformpartei Connolly in Ruhe gelassen hatte, dachte kaum Jemand daran, daß er jetzt noch ernstlich behelligt werden würde. Die N. Y. World sieht in der Ver haftung einen Beweis der Undankbarkeit Sei tens des Comites der 70, welchen Connolly doch so wichtige Dienste erwiesen, als er A. Green zu seinen Deputy ernannte, und da durch den weiteren Griffen von Tweed in den Stadtschatz ein Ziel setzte. Es ist allerdings auffallend, daß die Verhaftung erst in den Augenblicken erfolgte, als Connolly dem Co mite der 70er teinen weiteren Nutzen sein konnte, als er seine Stelle ganz niedergelegt hatte und als Green auch formell an seine Stelle getreten war. Auf der anderen Seite soll das Comite der 70ger nicht mit dem von Charles O'Conor, welcher dem Genceralstadt anwalt beigegeben, gethanen Schritte zu frieden sein. Kurz die Berichte sind so wider— sprechend, daß über der Absicht, wie über der voraussichtlichen Wirkung besagter Verhaf tung ein gewisses Dunkel schwebt. Die Klage ist zwar keine Criminal-, sondern eine Civil- Klage, aber die verlangte Bürgschaft, eine Million Dollars. ist hoch und wie es scheint, nicht so leicht jetzt zu erlangen, wie das viel— leicht früher möglich gewesen wäre, Die Klage ist im Wesentlichen dieselbe wie die gegen Tweed erhobene, nämlich daß er die Stadt um Millionen betrogen, indem er die berüchtigten Garvey'schen, Keyser'schen und Ingersoll schen Rechnungen als richtig unter terzeichnete Er, Tweed und Halt bildeten be kanntlich die zur Prüfung der Ansprüche be rechtigte Commission, und nachdem Tweed un ter eine Million Bürgschaft desselben Ver gehens halber gesteilt war, konnte Connolly nicht wohl frei ausgehen, während Mayor Oakey Hall sich bis jetzt noch dahinter ver steckt, daß er dle erwähnten Rechnungen, da sie von dem Comptroller und von Tweed für richtig erklärt waren, ohne Weiteres unter zeichnet und jedenfalls keinen Vortheil davon gehabt habe. Zu seinen Gunsten wurden in der That nicht, wie zu Tweed's Gunsten, Be—- träge bis zu einer Million in der Bank depo—- nirt. Der N. Y. Herald, der natürlich glaubt, was er wünscht, meint, daß seitdem Connolly mit Tweed auf einen Fuß gestellt sei, die im Publitum herrschende Sympathie für den Er stern auch dem Letzteren zu Gute kommen wer de, und daß statt den Zielen der Gerechtigkeit gzu nützen, dic Einschließung Connolly's in diese Ziele sie vereitetn werde. Daß Connolih von seinem intimen Freunde, dem Sheriff Brennan, mit großer Rücksicht behandelt wurde, ließ sich erwarten. Der She riff war über den von Richter Larned in Al bany ausgestellten Verhaftöbefehl, datirt 22. Nov,, ebenso erstaunt wie Connolly selbst, und er würde die Verhaftung jedenfalls nicht am Samstag vorgenommen haben, dem Tage, an welchem Bürgschaft am schwierigsten zu be schaffen, wenn nicht die von O'Connor beguf tragten Detectives den Haftöbefehl expreß bis zum Samstag zurückgehalten hätten. Con nolly kfonnte am Samstag die Million Bürg schaft nicht schaffen, wurde jedoch deshalb kei neswegs in bas nur für gewöhnliche Diebe gebaute Gefängniß abgeführt, sondern unter Obhut eines Unlerbeamten in N. Hotel den Sonntag und Montag über gehalten. Wahrscheinlich wird man syliehlio doch die verlangte Bürgschaft beschafft haben und nun mit Tweev überlegen, ob es besser ist, eine Million fahren zu lassen und nach Europa zu verschwinden, oder es auf den Prozeß ankom men zn lassen, bei dem es sich jedenfalls um mehrere Millionen für sie handein wird. New Yorker Scheibenschützen. Zu den viesen Gemeinschäden, wovon dic Einwohner von Rew Yort zu leiden haben, zählen die zu gewissen Zeiten des Zahres ans rückenden Schützengesellschäften. „Schützen gesellschaften“ ist eigentlich ein etwas gewag-- ter Ausdruck fürx diese improvisirten militäri— schen Organisationen, denn die „Schützen“ zeichnen sich der Regei nach dadurch aus, daß sie nicht schießen kfönnen Eine solche Com pagnie besteht gewöhntich aus 20 bis 30 zu-- weilen „schwankenden Gestalten“, die sich in der erborgten Untform äußerst unbehaglich tfühlen und die komischste Unerfahrenheit in der HandHabung der Mustete bekunden. Hin ter der Scheibe, die gewöhnlich von einem Farbigen getragen wird und mit einem Kranz aus bunten künstlichen Biumen geziert ist, folgen zuweilen einige Chaisen, in veuen di verse Individuen mit gerötheten Gesichtern, diamantenen Hemdknöpfen und neuen Hüten sitzen. Diese Inbividuen sind entweder solche, welche die Compagnie durch Beschaffung von Preisen protegiren oder die den Anstoß zur Gründung der Compagnie gegeben haben. Ein Volköthaufe, der die Scheibe oder das martialische Aussehen der Mitglieder der Com pagnie anstaunt, folgt auf den Trottoirs ge wöhnlich dem Marsche der,„Schützen“ näch. Wer sich durch einen solchen Menschentknäuel hindurch oder daran vorbeidrängen muß, der thut gut, seine Taschen zuzuhalten, denn die Taschendiebe und sonstigen Industrieritter sind unter denen, welche der Compagnie nachlau fen, sehr zahlreich repräsentirt Die Scheibenschieß-Gesellschaften, deren Glanzperiode übrigens mit dem Sturz von Tammany vorüber ist, waren meistentheils zu persönlichen Zwecken von demoktratischen Polititern gegründet und trugen häufig auch die Namen der letzteren. Da war z. B, die Shandley-Legion, welche sich jedoch von an dern derartigen Gesellschaften durch die große Zahl ihre Mitglieder unterschied; sie zählte einige hundert Individuen, darunter viele sogenannte Journalisten, Advotaten, Müßig gänger, Desperados und auch einen un lieutenant und einen Kapttän vom siebenten Regiment Die Preise waren sehr zahlreich und werthvoil; sie wurden jedoch nicht „aus geschossen,“ wie der technische Ausdruck lautet, sondern zum Verdruß Derer, die etwgs vog Schiehßen berstehen, in prosaischer Welse ber— loost. Man wollte sogar pissen, die Lotterie sei so arrangirt gewesen, daß blos die ireuesten Anhänger Shandley's Preise gewinnen konn— ten Das Wesen der Scheibenschieß-Gesell schaften war seboch an der Shandley-Legion weniger erkennbar als an einer der kleineren Gesellschaften, wie sie öfter durch die Straßen ziehen Die „Uniform“ besteht in diesen Fäl len gewöhnlich aus rothen Hemden, gleichmä- Biger Kopfbedeckung und schwarzem Wachs tuch, das den untern Theit der Beine um— schüeßt und den Beinkleidern das Ansehen von Reiterhosen gibt. Einer der Zwecke, zu welchen manche dieser Gesellschaften ausrücken, ist das Ausplündern der Taschen aller Derer, die sich auf der Marschroute der „Schützen“ diesen zu sehr nähern; oder der Zwect ist auch, einen Vor wand für eine größere Kneiperei zu haben, deren Folgen anf dem Nachhausemarsch in ahschenlicher Weise zu Tage treten und die öf ters darin bestehen, daß die Läden in der Nach barschaft des „Hauptquartierö·“ der Compag nie, falls diese bei der Rückkehr noch Läden offen findet, geplündert werden. Die Preise oder das Geld dafür werden dadurch beschafft, daß alle Politiker des Distrikts „angezapft“ werden Das Ausrücken der Gesellschaften findet gewöhnlich zwischen dem 1. Oktober und der Wahl statt. Kaum ist es bekannt gewor den, daß Der oder Jener die Absicht hat, als Candidat für ein Amt aufzutreten, so finden sich auch die Repräsentanten der „Schützen bereine ein, um sich einen Preis schenken zu lassen. Da sich unter den Mitgliedern einer Compagnie imnmer Individnen finden, die bei da Wahl einigen Einfluß ausüben können, und wäre es blos durch die kräftige Faust, die sie führen, so erheischt die Klugheit, daß der Aspirant einen Preis schenkt, um sich die Mit alieder der Combagnie geneigt zu machen. An Regentagen gewährt eine ausmarschi rende “target company” einen äußerst kläg lichen Anblick Vorn marschirt eine nicht sehr einladend aussehende „Musitbande“ mit In—- strumenten, die schon seit Monaten nicht mehr vlant geputzt worden sind, eine klägliche Weise spielend, nach der es nicht möglich ist, Schritt zu halten. Die Falstaff-Garde, die dann folgt, verräth den größten Mangel an Disci— plin und giebt sich nicht die Mühe, Schritt zu halten. Die Spitze der Compagnie bildet allerdings ein stattlicher Mann, der die Fahne trägt, allein er zählt nicht zu der Compagnie und erhält für das Tragen der Fahne $5 und das Privilegium, während des Tages ein möglichst großes Quantum zu essen und zu trinken. Die dreißig Mann, die dem Fahnenträger folgen, müssen sich ihren Weg mitten durch den Koth bahnen; sie sind über und über be— schmutzt und in ihren Zügen spiegelt sich eine verzweifelte Resignation. Sie werfen die Muskete von einer Schulter auf die andere, wobei das Bajonett kühne Kreise beschreibt, so daß die Augen der Nebenmänner oder der Vorübergehenden dadurch in die größte Ge—- fahr gerathen und daß mehr als ein vom Kopfe gestoßener Hut die Bekanntschaft des Straßenkothes machen muß. Inzwischen reg net es immer zu, die Wasserpfützen in den Straßen werden immer größer und das Naß dringt den wackeren Schützen bald bis auf die Haut. Einige der Unglücklichen tragen künst liche Bouquets, die ursprünglich in den leb haftesten Farben, prangten; infolge der Nässe ist die Lebhaftigkeit der Farben verschwunden und diese rinnen den Scheiben-Gardisten mit dem Regenwasser über Hände und Gesicht. Einige Gardisten tragen Militärhüte mit Fe dern, die eigentlich frei herabwallen sollten, jetzt aber infolge des Regens den Scheiben gardisten mit der größten Hartnäckigkeit im Gesicht kleben. Die Hosen und das Schuhwerk der Gardi- sten sind in vielen Fällen defekt, allein derKoth deckt alle Mängel zu. Man nimmt gewöhn—- lich an, daß die Scheibengardisten sich amüsi ren, allein es läßt sich nicht verkennen, daß sich in ihren Zügen eine intensive Erbitterung gegen den Wetterclerk, verbunden mit Men schenhaß ausspricht, vielleicht äußert sich diese Erbitterung dadurch, daß die Gardisten auf dem Heimwege in einige Läden eindringen und dort eine beispiellose Verwüstung anrich ten. Zuweilen begegnete es einigen von den Gardisten, daß sie infolge des Genusses geisti ger Getränke in den Koth fallen und ihrer schönen Uniform unberechenbaren Schaden zufügen; sie sehen nach einer solchen Kata—- strophe aus, als seien sie verschüttet gewesen und eben erst wieder ausgegraben worden. Ist die Compagnie auf dem Schießplatze angekommen, dann setzt man sich zum Essen nieder und trinkt zur Genüge, um einen siche ren Schuß zu haben. Endlich beginnt das Scheibenschießen und jeder sucht zu zeigen, was er als Schütze leisten kann. Die Scheibe wird allerdings nur selten getroffen, wohl aber ist es für Alle, die innerhalb einer Meile von der Scheibe wohnen, gerathen, das Wort zu beherzigen, duß „weit weg gut gegen den Schuß“ ist. Es grenzt fast an's Unbegreifli che, nach welch' sonderbaren Richtungen hin die launischen Kugeln oft fliegen. Man könnte mit einigem Recht die Behauptung aufstellen, daß der einzige sichere Platz dicht vor der Scheibe sei. Alles was sich in einiger Distanz von der Scheibe befindet, schwebt in höchster Gefahr. Nach dem Scheibenschießen beginnt -die Erwärmung des inneren Men schen auf spirituellem Wege Diese Erwär— mung steigert sich oft bis zu einem Punkte, den man den Glühpunkt nennen könnte und der seinen Reflex bis auf die Nasenspitze wirft. Wie es auf dem Heimmarsch zugeht, ist bereits angedeutet. Im Allgemeinen würden gewiß nur wenige Bewohner von New York Thrä—- nen vergießen, wenn die Institution des Aus— rückens in Uniform und des Scheibenschießens zu Grabe getragen würde. Den letzten Mo hikaner der Scheibengardisten könnte man, damit auch die Nachwelt sich eine richtige Idee von den Mitgliedern der ehemaligen “Target Companies“ machen könnte, in Spiritus aufbewahren. N. H. Dem. Schillersdorf. (Aus der Schlesischen Zeitung.) Baron Salomon v. Rothschild in Wien wurde einst der alltäglichen Geschäftsplacke reien müde, da es doch nicht angenehm sein konnte, iminer österreichische Staatsanlehen zu zeichnen oder, wie jetzt z 8., einen Man— gel an östereeichischen Banknoten zu erzeugen und an französischen ein hohes Agio zu trei— ben; mit Einem Worte also, er wollte seinen Ruhetag in ländlicher Einsamkeit genießen und, wie der fleißige Arbeiter, den „blauen Sonntag“ gleich daran knüpfen. Im Jahre 1843 war es nun, da passirte der Baron einmal die österreichisch-preußische Grenze an einer Stelle, die sich durch ihre schöne Lage auszeichnet. Bei dem Austritte der Order aus Oefterreichisch-Schlesien breitet sich das weite, sehr fruchtbare Flußthal der selben vor den Abhängen einer Hügelkette aus, von welch letzterer man wieder über das Thal— becken eine sehr schöne Aussicht auf die nord-- östlichen Auslgufer der Karpathen genießt. Das fruchtbare Flußthal, die Hügelkette mit ihren Wäldern und hinter derselben weit, weit ins Land hinein wieder Felder und Wälder bildeten große Herrschaften. Der Baron Rothschild hört, daß die Besitzer ge neigt sein würden, ihr Besitzthum zu ver— äußern; die Gegend gefällt ihm, in seinem österreichischen Vaterlande ist os in seines Glaubens wegen noch nicht erlaubt, großen Grundbesitz zu erwerben —flugs greift er also in die Tasche, zieht sein Portemonngie und h-zahlt den verlangten Kaufpreis für die gan zeu Herrschaften. Im Laufe der Jahre hat sich das so erwor bene Besitzthum durch Fabritsanlagen, große Hüttenwerke und Grubenbetrieb bedeutend vergrößert; außerdem aber hat der Besitzer eine Zierde für die Gegend geschaffen, die in weitem Umtreise ihresgleichen nicht findet; ein Eden in dem hodolischen Hinterwald Dicht über einem Abhange der erwähnten Hügelkette liegt ein weitläufiges Schloßge bude, welches seine Hauptfront dem Fluß—- thate und Gehirge zukehrt, während zwei länggestrete Seitenflügel sich nach rückwärts in dem kühlen Schatten alter Bäume bergen. Seit feiner Besitzergreifung ist Baron Roth schild unablässig bemüht, in der Umgebung dieses Schlosses Neues und Schönes zu schaf fen. Jedes Jahr werden umfangreiche Ar beiten angeordnet. In den Sommermonaten tommt der Baron fast jeden Freitag in seinem eigenen, eleganten Salonwagen aus Wien an und verlebt hier in stiller Zurückgezogenheit die beiden nächstfolgenden Tage. Oft sieht man ihn in einer schönen Platanen-Allee, die von der linken Seite des Schlosses ausläuft von einem riesigen Neufoundiänder begleitet, mit auf dem Rücken verschränkten Armen pro—- meniren und die fortschreitenden Arbeiten in Augenschein nehmen, während sein immer reger Geist im Ausruhen über neuen Verschönerungs blanen erttet nt Der Pork zieht sich über die Hügel in sanf ter nach dem dit gua umfaßt jetzt bereits einen Flächenraum von weit über hundert Morgen. Vou den höher gelegenen Punkten, die meist von alten Bäu— men beschattet werden, hat man prächtige Durchblicke über die im saftigen Grün erhalte nen Rasenplätze nach den fernen Bergen die Rasenplätze werden eingerahmt durch coulis senartig vorspringende Gehölzpflanzüngen in den verschiedensten Laubschattirungen. Schöne Exemplare von hellen Trompeten- und Tul penbäumen und feurig duntkie Blutbuchen zieren die Rasenplätze, umflattert von gold- und silberglänzenden, streitlustigen Fasanen, die aus den im Rücken des Parkes gelegenen Fasanerien fortwährend ab und zu fliegen. Der schönfte Aunblick wird von dem Plateau vor dem Schlosse geboten; im Vordergrund zu Füßen erhebt sich eine gegen 60 Centuer schwere Marmorvase, gefüllt und umgeben von dem schönsten Bluinenflor; darunter liegt ein weites Wasserbecken aus weißem Stein in dem grünen Rasen, in der Mitte eine wchtige Neptungruppe, aus der ein ltin Wassersrahl iü bedeutende Höhe em porgeschleudert wird; elye Wolte von iu ber Sonne digmantglänzenden Staubregen ver breitet weithin erttischende Kühle und drängt den Blumenduft belebend herauf zu dem ent zückten Beschauer Links zu Füßen umspielen sanfte, durch einen tünftichen Wasserfall er— zeugte Wellen eines Teiches die Grundmauer eines Patmenhauses, in iwelchem immergrüne Palmen und riesige Farngewächse ihre geglie derten Blätter bis zur Decte empopxstrecken. Die Wasser des Teiches beleben schauteinde Schwäne und die verschiedensten fremdländi schen Wasservögel. Deu ganzen jenseitigen Abhang zieren geschmackvoll erbaute Warm— und Kalthäufer. Ueber diesen Vordergrund hinweg schweift der Blick durch eine nach un ten sich erweiternde Thalschlucht des Parkes über die regetmäßigen, von Obstbäumen um pflanzten Ackerschläge, die sich wie große Beete weit bis zu den jenseitigen Thalhügeln er strecken, einen ewigen Garten bildend In den letzten Jahren ist auf der höchsten Stelle des Pärkes zwischen duftenden Coni ferengruppen ein neues Jagdschloß entstan-- den; wieder ein Ruhepunkt in ländlicher Ruhe: wenn zur Jagdzeit die jüngeren Glie der der Rothschild'schen Familie mit ihren Angehörigen Schloß Schillersdorf beziehen und fröhliches Treiben den Ort belebt, so ver bringt der alte Herr seine Tage in Zurückge zogenheit und einfachster Lebensweise aus sei— nem Jagdschloß; nur die ergiebigen Jagdzüge elbst vereinen ihn mit seinen jüngeren Ange hörigen und Gästen. Auch die nächsten Umgebungen dieses Schlo sses sind nicht minder anziehend und ganz nach den Principien des „pleasure ground“ (Ver gnügungsgarten) der Engländer hergerichtet. Längs der Front des Schlosses glänzt ein freier Wasserspiegel; aus einer hohen künstli— chen Felsgrotte rauscht ein Wasserfall herab; bunte, zierliche Wasservögel, zu denen alle Länder ihr Contingent gestellt, treiben in den tühlen Fluthen ihr munteres Spiel; zierliche Gondeln laden bei des Mondes Silberschein zu schwärmerischen Wellenfahrten. Von dem Gipfel der von springenden Wassern um—- rauschten Felögrotte genießt man eine präch tige Rundschau über den ausgedehnten Park mit seinen Herrlichkeiten, über die Gegend und nach den fernen Bergen. Links neben dem Schlosse findet sich ein ele ganter Hundezwinger; dort recken und deh nen sich behaglich im Sonnenlicht: der riesige Bernhardiner, der zottige Neufoundländer, der heimtückische Wolfs- und ungarische Pusz tenhund neben schlanken Windspielen und den edelsten, gelehrigen Jagd- und Racen hunden. Dicht neben dieser sonderbaren Collection beginnt die Umzäunung eines ge räumigen Wildparks; hier gewahrt man das zierliche Reh und den stolzen Hirsch, furchtsam herüberlugend zu den gefährlichen Nachbarn Große materielle Opfer hat Baron Roth— schild für diese Schöpfungen seiner Ruhetage nie gescheut; so werden alle Wasserpartien des Parkes durch ein kostbares Wasserhebe werk gespeist, welches die Wasser der Oder erst nach einem eine Stunde vom Fluß entfern ten, hoch im Walde gelegenen Becken treibt, von wo sie dann nach den Wasserfällen, Springbrunnen und zahlreichen Druckstän dern zum Besprengen des Rasens fließen. Ferner verschwinden ganze Gehöfte und Dor— fstraßen, welche, die Romantitk störend, vor der Aussicht liegen und tauchen für die außerdem reich entschädigten Besitzer neu erbaut hinter fernen Hügeln wieder auf. Seit einiger Zeit verlautet, daß die Roth schild'schen Besitzungen zu einem Fideicom miß vereinigt werden und dann immer dem hältesten Sohne zufallen sollen; vor zwei Jah— ren ungefähr wurden die Besitzungen in feierlicher Weise von dem alten Baron an seinen ältesten Sohn abgetreten. Der junge Besitzer wird nichts versäumen, in dem Sinne des Vaters weiterzuwirken; seines klangvol len Namens würdige Schöpfungen werden hentstehen und so ein Famitliensitz gegründet werden, der kaum seinesgleichen findet. Demokratische Versprechungen. (Aus der San Antonio [Texas] Freien Presse.) Die Demokratie sprudelt augenblicklich von Versprechungen der herrlichsten Art über. Alles was die republitkanische Administration gethan, hat sie in den Abgrund der Hölle hinein ver dammt; Alles, was sie selbst zu thun gedenkt, ist uns mit den rosigsten Farben vorgemalt worden, daß man schier glauben möchte, die Zeit des tausendjährigen Reiches stehe uns bevor. Natürlich ist unter demokratischer Herrschaft von Steuern keine Rede; 10 bis 12 Cents von SIOO ist Alles, was man von uns fordern wird. Oeffentliche Schulen und Staats polizisten brauchen wir nicht, werden also ab geschafft. Einwanderung von Deutschland brauchen wir ebensowenig, das Einwande rungosbureau wird also beseitigt. Wozu eine ganze Schaar von Hautinspectoren erhalten, es ging ja früher auch ohne dieselben; also fort mit dem Viehgesetz. Auch Revolver muß jeder wieder tragen können. Das Bischen Mord und Todtschlag, das Viehstehlen und Viehtödten um der Häute willen, nun das war ja früher auch da und unsere demokra—- tischen Wortführer sind bis jetzt noch immer am Leben geblieben und haben kein Vieh ver loren, weil sie keines haben. Was geht sie der Viehzüchter an, was kümmern sie sich um den Bürger, der gelegentlich von einem Des perado niedergeschossen oder gestochen wird. Wie gesagt, das goldene demokratische Zeit alter steht vor der Thür, wir sehen schon die tkühnen Texashelden auf ihren flüchtigen Pfer den mit lautem Geschrei durch die Stadt jagen, ihre Revolver entladend, wir sehen hie und da einen friedlichen Bürger zum Krüppel schie ßen, wir sehen die Spielhöllen und die be rüchtigten Fandangos eröffnet, und eine nach sichtige Obrigkeit schließt rücksichtöslos ihr Auge, um das Alles nicht zu sehen. O! es wird eine herrliche Zeit werden. Wenn die Demo—- kraten etwas versprechen, halten sie es ja im mer mit der größten Pünktlichkeit. So vor dem Kriege. Was wurden uns da nicht für wunderbare Dinge verkündet. Das Weizen mehl sollte um die Hälfte billiger, das Vieh um das Doppelte theuerer werden. Niemand als die Neger sollten arbeiten, die Freiheit sollte Alles überstrahlen. Nun, wir wissen wie Alles das in Erfüllung gegangen ist Aber es scheint, daß ein großer Theil derer, die un ter den Kriegöberhältnissen gelitten, noch nicht tlüger geworden ist. Ein Kind scheut das Feüer, wenn es sich einmal verbrannt hat, aber der gute Deutsche muß zuweilen ein Dutzend Mal gezwickt werden, ehe er die Ge fahr erkennt. Uebrigens geht das den Amerikanern auch nicht besser, wie die Beispiele von Nord-Caro lina und Tennessee beweisen. Nord-Carolina tonnte öffentliche Schulen, gute Polizei und ein wenig erhöhte Steuern auch nicht vertra gen und wähltẽ 1868 demokratisch. Aber 1870 wählte es mit 30,000 Majorität republika nisch, denn die Schandwirthschaft war toller als toll und ließ Alles im Schatten, was von republikanischer Seite unternommen war. In Tennessee machte die republikanische Partei bei der Wahl im Jahre 1868 gleichfalls der demo kratischen Platz. Man höre, was ein Demo—- krat jenes Staates über den demokratischen Gouverueur an den Memphis Appeal schreibt: Jedermann billigt den Cours des Appeal: Schonen Sie Gouverneur Brown nicht. Er hat uns betrogen. Man hat uns betrogen. Man hat uns gesagt, daß, wenn Brownlow's (des früheren radikalen Gouverneurs) Schur ten aus den Aeintern hinausgeworfen wären, die Steuerrate um die Haifte reducirt und die Zahl ber Kemterhglter in gleicher Weife ver ringert werden würde. Was sind die Thatsa chen Nicht ein einziger Beamter, mit Aus nahme eines einzigen Thürstehers, ist von der frommen, pharisäischen demokratischen Partei heseitigt worden. Was für ein unerträglicher heißhungriger Fliegenshwärm fiel über unse ren politischen Körper her! Es macht einen schaudern, an den todtkranken Stagt zu den ken, der beinahe in der faullichten Atmosphäre der verrotteten öffentlichen Moral verwest! Als der Radikalismus unterging, ging die Be steuerung von 40 bis auf 60 Cents vom SIOO in die Höhe. Ich sage Ihnen jetzt, wenn Gouvereur Brown unser Volk seiner Eisen bahnen beraubt, indem er das Gesetz wider ruft, welches sie befähigt, ihre Schulden an den Staat zu bezahlen, oder wenn er absicht lich einen Cours verfolgt, welcher den Ver kauf dieser Bahnen an Tom Scott, MeGhee und Wilson erzwingt, so werde ich mit allen meinen Nachbarn das radikale Ticket stimmen Was gewinnen wir, das Volk, die Steuerzah ler, bei einer Aenderung der Herren? Will uns Gouverneur Brown das gefälligst sagen? Vermehrt die stupide Legislatur nicht Coun ties und Gerichte und damit die Armee der Be amten Wird die Prozeßsucht nicht befördert, sowie die Zahl der Kläger, durch jede Vermeh rung der Zahl der Gerichte? Was denken jene Leute über den Zwect, für welchen sie nach Nashville gesandt wurden? Es ist ihr Ge schäft nicht, die Administration des Gouver neurs Bröwn zu glofifiziren, sondern einem Volke, das mit Steuern in jeder Form und aus jeder Quelle politischer Macht bis zur Un erträglichkeit belastet ist, Gerechtigkeit zu verschaffen.“ —Ú P Wieberkehr eines todtgeglaubten Gatten. Aus dem Cineinnati Enquirer.) Ein einarmiger Reisender zu Pferde hielt kürzlich in Missouri vor einer Schmiede, um sein Pferd beschlagen zu lassen. Der Schmied bemerkte den leeren Aermel und frug, ob er den Arm im Kriege verloren häbe. Er sagte mit einem Seufzer: „Ja und noch mehr als den Arm“ und erzählte, wie er die Heimath verlassen, um in die südliche Armee einzutre ten und daß, als er nach beendigtem Kriege zurückkam, seine Frau, die ihn für todt hielt, weggezogen war und er seitdem nicht im Stande gewesen sei, eine Spur von ihr zu finden. „Wie heißen Sie?“ frug ihn der Schmied; „I. M. Waldrup“, war die Ant wort. Da ließ der Schmied den Huf, welchen er zuschnitt, aus der Hand, rief dem Fremden, ohne ihn wieder anzusehen, zu: „Kommt mit mir in bie Wohnung“ und ging voraus, um den Weg zu zeigen. Waldruh, exstaunt über dieses Benehinen, folgte niechanisch der selt samen Aufforderung, und ehe er sich sammeln oder weiter nachdenken konnte, stand er vor einer drallen Frau, bor deren Sitze brei glück liche Kinder spielten. Sie war das Weib des Schmiedo, die Mutter seiner Kleinen; und doch, als sie aufstand um zu sehen, wen der Schmied hereinführte und das Gesicht des Fremden ersah, gab sie durch einen wilden Aufschrei das plötzliche Ertennen künd und stürzte ohnmächtig zu Boden Im Glauben, daß Waldrup isbt sei, hagtte sie den Schmied von Cedar City in demselben Jahr geheirgthet, in welchem ihr erster Mann parolirt wurde und konnte jetzt nur ihren schrecklichen Irr thum gestehen und abwechseind Gott und ar Gatten um Vergebung anflehen Nachdem die erste Aufregung über das selt-- same Wiederfinden sich gelegt hatte, gingen die beiden Männer in die Schmiede und be sprachen die Sache so kaltblütig, als es ihre Gefühle unter den Umständen erlaubten. So sehr der Schmied auch die Frau geliebt, ge stand er doch zu, daß der Andere ein stärkeres Anrecht auf sie habe und willigte großmüthig ein, daß die Frau selbst zwischen ihnen wäh len solle. Nach langem leidenschaftlichen Wei nen und Selbstvorwürfen, wählte sie den Mann ihrer ersten Liebe, erklärte aber mit bit teren Klagen, daß sie ihre Kinder nicht zurück lassen könne. Der Schmied erhob den Kopf, den er in der ersten Betrübniß über ihren Entschluß auf die Brust gebeugt hatte, sah die Frau schmerzlich an und sagte ergeben: „Du sollst sie mitnehmen meine Liebe. Als einige Stunden später der Dampfer St. Luke am Ufer anlegte, ging Waldrup in Begleitung seiner schluchzenden dichtverschleierten Frau an Bord und der Schmied folgte mit den Kin dern. Die Glocke des Bootes läutete zur Ab frhrt und der Augenblick des gefürchteten Scheidens war gekommen. Die Bootsmann schaft, die Passagiere Alle, die es sahen waren durch die rührende Scene zu Thränen gerührt. Große Tropfen liefen die gebräunten Wan gen des Schmiedes herab, als er ein Kind nach dem andern in die Arme schloß und küßte und mit gepreßtem Herzen deren Mut ter ein Lebewohl für immer sagte Die zwei Männer blickten sich schmerzlich in die Augen, ergriffen die Hand und schüttelten sich lange, dann raffte sich der Schmied mit ge waltiger Anstrengung auf, ließ Waldrups Hand fahren und ging ruhig ans Ufer. Er wandte sein Antlitz nicht wieder zum Boote, welches bald in einer Krümmung des Flusses aus dem Gesichtökreise verschwand und kehrte gebeugten Hauptes zu dem verlassenen Heerde znrück, wo seiner kein freudiges Will tommen von Frau und Kindern mehr harrte. Der Handwerker und die Groß—- industrie. (Aus dem Frankfurter „Arbeitsgeber“.) Es ist ein landläufiger Gemeinplatz gewor den, darüber zu klagen, daß das Handwerk durch die Fabrikindustrie aufgerieben werde. Gegen diese Behauptung ist schon oft vorge führt worden, daß auch der Handwerker im Stande sei, durch Association die Vortheile der großen Industrie sich zu verschaffen, näm— lich 1) das Kapital, 2 die Maschinen oder die Benützung von Maschinen und Triebkräf ten, 3) die Theilung der Arbeit und 4) die technische und merkantile Geschilichkeit. Weit weniger wird hingegen hervorgeho ben, daß es viele Handwerke gibt, welche ge rade in der fabrikmäßigen Produktion neue Quellen des Wohlstandes haben erstehen se hen; nämlich alle diejenigen Handwerke, wel che die eigene Production aufgegeben haben und sich mit dem Einzelverkauf ünd der Re paratur der Artikel ihres Gewerbes beschäfti gen! In erster Linie haben wir da die Uhr macher zu rechnen. Durch die Uhrenfabrita tion im Großen sind die Taschenuhren so bil lig geworden, und der Gebrauch derselben hat sich so sehr vermehrt, daß jetzt mehr Uhrma cher vorhanden sind als früher, die mit der Reparatur und dem Verkauf von Uhren eine sehr gute Stellung einnehmen, während sich außerdem besondere Uhrenhandlungen gebil det haben. Ebenso verhält es sich mit Messerschmieden, Schlossern und Hutmachern. Welche Menge von Bierausschenkern ver dient als solche mehr, denn früher, wo sie ihr eigenes Bier im Kleinen selbst brauten, und dann, wenn manche Sude mißriethen, oder in einem ungünstigen Jahrgang, am Rand des Verderbens standen? Wir kennen welche, die als Bierproduzenten zu Grunde gingen, und als Ausschenker, ohne Risiko zu tragen, reich wurden. Möbel- und Bautischler vermögen durch gemeinsame Benützung von Maschinen und Trockenanstalten, oder durch Ankauf von vor gehobeltem Material nebst gemeinsamen Ver kaufsmagazinen, vollkommen alle Vortheile der Großindustrie sich zu verschaffen Es gibt aber noch einen dritten Weg, —das Handwerk muß Kunstgewerbe werden. Wir Deutschen pflegen uns des hohen Aufschwun ges unserer Kunst zu rühmen. Der Industrie und dem Gewerbe aber kommt noch immer so wenig davon zu gut, daß wir uns wegen der Geschmacklosigteit unserer Industrie vor dem Ausland, namentlich vor Italien und Frank reich, schämen. müssen. Alle schönen Reden über die Anbahnung einer eigenen nationalen Mode nützen nichts, so lange unsere Gewer—- betreibenden lieber Muster vom Ausland ko piren, als daß sie etwas für Originalmuster ausgeben wollen. Es herrscht darin noch gar viel Kleinlichkeit, auch bis in die Großindustrie hinauf. Aber auch der Handwerker selbst muß sei nen Geschmack mehr an Vorbildern der Kunst entwickeln. Gibt es ja doch in Deutschland so viele Kunstsiätten, daß es ein Leichtes ist, an deren Anblick die Seele mit erhebenden Eindrücken zu bereichern. Konnten die Hand werköburschen früher Europa zu Fuß durch wandern, um Erfahrungen zu sammeln, so ist ihnen im Zeitalter der Eisenbahnen der Weg zu ihrer geistigen Ausbildung in einer Weise gebahnt, daß nur die Indolenz noch im alten Schlendrian verharren kann. Wir hoffen indessen in Hinsicht auf selbst ständige, künstlerische, nationale Ausbildung unserer gewerblichen Produktion viel von dem gegenwärtigen Aufschwung des Nationalge fühls. Wie unser Publikum, das noch vor 20 Jahren an Uebersetzungen unsittlicher französischer Romane die Laune und Reinheit der Empfindung verdarb, heute zu deutschen Originalwerken zurücktehrt, und wie selbst in der belletristischen Presse ein großer Umschwung in dieser Hinsicht wahrzunehmen ist, so wer—- den hoffentlich unsere Fabrikanten ihren klein lichen Geiz ablegen und die Arheiterbildungs-, Handwerker-Vereine und Lehranstalten ihre Aufgabe immer wirksamer zu lösen suchen. M. W. Vou Nah und Fern. Inland. Eine reizende Schauspielerin in New York, die zugleich eine vortreffliche Frau und Mutter ist, wurde seit einiger Zeit von einen Juweliergehülfen mit Briesen und Bouquets belästigt. Zuletzt setzte sie ihren Mann von den fortgesetzten Aufmertsamtkelten des Jüng—- lings in Kenntniß und dieser beschloß densel ben summarisch ein Ende zu machen. Er be waffnete sich wit einem gehörigen „Todt schlger“ und stattete dem Jüwelierladen einen Besuch ab. Er schritt eilig durch denselben nnd erkundigte sich nach dem jungen Mann. „Er sitzt dort am Fenster nnd flickt Uhren“, sagte der Eigenthümer des Geschäftes, indem er dem Gehülfen zurief: „Sie werden hier verlangt“. Der unglückliche Jüngling, eine winzige Gestalt, sah sich mit Zittern und Zagen einem breitschuiterigen stärken Mann gegenüber, in dessen Händen der schwere Stock schwebte. „Haben Sie, fragte der Mann, diesen Brief an meine Frau geschrieben?“ „Ja, ich habe ihn geschrieben“, stotterte der Jüngling zitternd heraus und glaubte seine Stunde habe geschlagen. „Nun, nun, sagte der Mann mit dem Stock, indein er dem er schreckten Bürschen sagte quf den Kopf klopfte, sie mein Jüngelchen, Du mnußt das nicht wie der thun“. Sprach's und ging ab, den armen Gehülfen dem Gespött seiner Collegen über lassend. Neullch tam das Schiff Horatio Harris nach einer Reise von nicht weniger als 317 Tagen von New Hork in San Francisco an. Das Schiff, mit Eisen beladen, verließ New York am 7. Januar. Als es 3 Tage auf See war, traf ein schwerer 48 Stunden dau— ernder Sturm das Schiff, wobei sich die La dung verschob und das Schiff leck wurde, so daß 150 bis 500 Pumpenzüge per Stunde gemacht werden mutten. Nach mehreren Tagen wurde das Leck stärker, so daß 1000 bis 2000 Pumpenzüge her Stunde erforderlich wurden. Schließlich mußte das Schiff nach dem nächsten Hafen, Port Nukahena (Mar quesas Inseln) laufen, nach zwei Tagen ging das Schiff von dort mit Extra Hülfe nach Tahiti. Als es dort eintraf, leckte es 52 Zoll per Stunde. Das Schiff wurde dort gäuzlich ausgeladen, getheert und talsatert und wieder eingeladen und ging am 30. September wie der in See. Am 26 Mai wurde der Capitän Benj Swett ploötzlich krank und starb, nach dem er 36 Stunden bewußtlos gewesen. Man vermuthet, daß Herzkrankheit oder Schlagfluß die Ursache des Todes war. Das Schiff brachte s Kanakas ats Gefangene an den Consul mit. Wisc., wo bei der letzten Wghl 203 demo kratische Stimmen gegen Eine rehublika nische abgegeben wurden, ift foeben die einzige noch bestandene Wirthschaft gefchlossen: „zur Förderung der öffentlichen Moral.“ —Bravo! sylvaniens, stürzte neulich mitten in der Nacht ein neugebautes und eben erst bezogenes fünf stöckiges Backstein-Gebäude plötzlich mit Don nergepolter ein und riß im Falle ein daran gebautes dreistöckiges Haus mit sich. In dem grßeren Gehäude wurde ein Sohn bes Jas. Paschall im Beite erschiagen, in dent kleineren eine Magd todtgequetscht, und erlitten au— ßerdem 17 Personen meist schwere Ver letzungen Von einer Bagupolizel ist natürlich m Litushille keine Rede, fo wenig wie in noch iveit größeren Städten Ueber das höchste Alter, welches einzelne Pflanzengattungen erreichen können, liegen nach einer Zusammenstellung von M. Tandon folgenbe Aüggben vor: die ältesten Pglmen sind 200 bid 300 Jahre, Cereis 300 Jahre, Ulmen 345 Jahre, Cypressen 388 Jahre, Ephe 448 Jahre, Ahorn 516 Jahre, Lar qhenbäume 576 Jahre, Caftanten 626 Jahre, Citronenbäume 646 Jahre, Platanen 720 Jahre, Cedern 800 Jahte. Nußbäume 900 Jahre, Linden 1076 Jahre, Tannen 1200 Fahre, Eichen 1400 Jahre, Oelbäume 2000 Jahre, die Mammuthoöbäume in Californien nach Mielck 5000 Jahre (bei 37 Fuß Durch messer und 450 Fuß Höhe), eine Adonsonie und ein Drachenbaüm je 6000 Jahre Der Nestor der Drachenbäume (Dracaena Draco), der auf der Insel Teneriffa auf der Villa de la Orotara stand und den Humboldt, als er ihn 1799 maß, 74 Fuß am Grunde seines Stam mes fand, ist am 2. Januar 1868 bekanntlich dem Sturm erlegen dem er so lange getrotzt. Zu den vorgenannten Pflanzen sind dann noch die Wellingtonien zu rechnen, welche ein Alter von 2000 Jahren und vielleicht noch darüber erreichen. Am 26. November starb in Cincinnati an den Blattern Joseph Carl Wetzler im Alter von 49 Jahren. Derselbe war ein langjäh riger Bewohner Cincinnati's und als erfolg reicher Impressario in Theaterkreisen weit nnd breit bekannt. Unter seiner Leitung hatte das deutsche Theater in der Sänger-Halle seinen Glanzpunkt erreicht und wird er von jener Zeit her noch lange in freundlichem Andenken bleiben. des dortigen Schul- und Turnvereins zu einem einzigen Verein agitirt. Der Plan ist, auf dem Bauplatz des Schulvereins eine große Halle zu bauen, welche zum Centrum des deutschen Lebens, sowie zu Theaterzwecken be nutzt werden könnte. Der Plan verdient An nahme von Seiten der betreffenden Vereine, indem dadurch den Zwecken beider besser ge dient sein wird, als wenn jeder in seiner Se paratexistenz verharrte. Die Erfahrung hier wenigstens hat gelehrt, daß Schulvereine kei ner besonders langen Lebensdauer sich er freuen, sondern alimalig in ihren Bemühun gen abnehmen Vor einigen Wochen erregte eine Schil derung der im Ludow Straßen Gefängnisse (in welchem der Schuldner die Zeugen, welche zu arm sind, um Bürgschaft zu beschaffen, und die in Untersuchungoöhaft von Seiten der Bundedrichter geschickten Personen sich befin den) in New York herrschenden Mißbräuche, welche in der N. Y, Tribune erschien, großes Aufsehen und große sittliche Entrüstung. Es stellte sich heraus, daß eine Menge Personen in ungesetzlicher Weise ihrer Freiheit beraubt waren, daß die Schuldner, welche Geld hat—- ten, die besten Zimmer bekommen und Spei sen aller Art, während die armen Teufel mit der ·schlechtesten Kost, den schlechtesten Zim mern abgefunden und während ihrer Krank heit schmählich vernachlässigt wurden. Rich ter Barnard benutzte die Gelegenheit (es war vor der Richterwahl) um sich als Huma— nitätsapostel in Scene zü setzen. Er ließ sich eine Anzahl der Gefangenen vorführen, un tersuchte die Gründe, ünter welchen sie auf Veranlassung von Gläubigern, Arbeitgebern festgesetzt waren, sand dieselbe nicht stich haltig und verordnete die Freilassung einer Anzahl der Gefangenen. Wer aber sich ein bildete, daß damit die Freilassung natürlich erfolgen werde, hat sich geirrt. Anderswo mag eine unter dem Habeas Corpus Writ er folgte Entscheidung eines höchsten Staatsrich ters respektict werden, aber in New York küm— mert sich der Tammany Sheriff Brennan nicht um Barnards Freilassungobefehl; er be hält seine Gefangenen, weil er nach dem Gut— achten seiner Adbokaten, mit seinem Amts—- eid den Leuten verantwortlich sei, welche die betreffenden Personen in das Gefängniß geschickt haben. Der in Jefferson Citp erscheinende,, Fort schritt“ bemerkt: Die „Illinois Staats-Zei—- tung“ erhebt sich wie ein Phönix aus der Asche (um uns einer abgedroschenen Redens art zu bedienen) und erscheint in ihrer Wo—- chenausgabe jetzt schon wieder im alten For mate. Das Tageblatt wird hoffentlich bald folgen können. Solch' eine Streiterin für die gute Sache gegen die arglistigen Versuche, die freisinnigen Deutschen ·blindlings ins Feindeslager überzuführen, ist gerade jetzt nicht zu entbehren. Zumr Erstenmal wurde ein Deutschee von Massachusetts in den Congreß gewählt. Sein Name ist Bartholomäi, gewählt von der 14. und 15. Ward in Boston. Die Zerstörung der Wallfisch-Flotte in den nördlichen Gewässern hat der diesjährigen Pork-Saison durch die vermehrte Nachfrage nach Lard-Oel einen bedeutenden Impuls ge geben. Woche der neue Dampfer „Egypt“ ein, nach dem „Great Eastern“ vielleicht das größte Dampfschiff. Die Länge des Schiffes ist 450 Fuß, die Greste Breite 44 und die Höhe des Kielraums 36 Fuß. Die Tragfähigkeit be läuft sich auf 5000 Tonnen. Die Maschinen haben nominell 500 Pferdekraft, können aber nöthigenfalls mit der sechsfachen Kraft arbei ten. Sie wurden in Liverpool von der Firma James Dark, Strallo u. Co. hergestellt. Das Schiff hat vier Decke. Auf dem zweiten Deck können 126 Kajütenpassagiere auf dem drit ten Deck 1500 Zwischendeckpassagiere uuterge bracht werden. Die „Egypt“ hat Masten, deren untere Theile aus Eisen bestehen. Sigismund Löw scheeibt über das Leben in der Hauptstadt der Goldregion von Mon tana, in Helena: Das Gold wird auf zweierlei Arten gewon nen, nämlich auf der Oberfläche der Erde und unter derselben·. Das auf der Oberfläche wird einfach aus dem Kies und Sand gewaschen, der sich in Schluchten Gulches bis zu einer Tiefe von 2 bis 15 Fuß festgesetzt hat. Derselbe Kies und Sand befindet sich an manchen Plätzen 40 —SO Fuß unter der Erde; hier werden Schachte gegraben bis zu besagter Tiefe und dann Stollen nach verschiedenen Richtungen fortgesetzt. tommen täglich Unglücksfälle vor durch Ver schüttungen, indem die Goldgräber sehr fahr lässig zu Werke gehen, namentlich an Stellen, wo viel Goid eehen namen Der Goldstaub wird öfters in solcher Menge gefunden, daß beim Waschen in einer Pfanne von der Größe eines halben Bushel schon 3000 Dollars und darüber erbeutet wurden. Letz ten Mittwoch besuchte ich 2 Deutsche und einen Schweizer, die drei und eine halbe Meile von hier, im sogenannten Dry Gulch, Gotd waschen; kaum wer t eine Stunde an Ort uuo Stelle, so fand einer von ihnen ein so—- lides Stück Gold im Werthe von 57 Doll. Am Samstag Abend gehen die Miners in Masse nach den benachbarten Settlements, wo sich Kaufläden und Wirthschaften befinden; in einigen der letzteren sind Tanzmädchen engagirt, deren Aufgabe es ist, mit den „lie— benswürdigen“ Goldgräbern zu tanzen; sol— che Tänze dauern in der Regel bis Sonntag Nacht oder Montag früh Es ist amüsant, diese Pärchen herumsprin gen zu sen, wo der Tänzer in der Regel der maßen bewaffnet ist, daß er gussieht wie ein „wanderndes Zeughaus“ Gut, daß ich kein Tänzer bin, sonst würde ich mich am Ende auch verführen lassen. Die Zeche für alles Genossene in den Wirth— schaften wird mit Goldstaub bezahlt; auf je dem „Counter“ steht eine niedliche Gold waage, worauf das kleinste Gewicht 50 Cents beträgt. Büild hätte ich vergeffen, mitzutheilen, daß sich eine halbe Meile von hier ein Baum be—- findet, an welchem feit 3 Zahren circa 60 schen aufgehangen wurden, und zwar von dem Vigilanz-Comite. Philadelphia bekommt nun gar eine dritte Dampferlinie. Die Pennsytvania Ei— senbahn Compagnie hat einen Contrakt mit der „Internatioualen Schifffahrts Gesell schaft“ abgeschlossen, wonach diese drei eiserne Dampfer, von je 9500 Tonnen, für eine Linie zwischen Philadelphia und Antwerpen liefern soll, welche bei Southampton anfahren. Diese 3 Dampfer sollen bis zum 1. Januar 1873 zum Dienst bereit sein und der Conlrakt lau tet auf B Jahre. Die Gesellschaft hat die Verpflichtung, Fracht von Phitadeiphia zu be fördern in Concurkenz mit allen Dampfer- Linien, welche von Qier aus uach Europa fahren, die von der Pennsylvania Eisenbahn und ihren Zweigbahnen erreicht werden. Die Eisenbahn-Compagnie wird der Dampfschiff Compagnie die nledrigsten Frachtsätze von und nach Philädelphiä anrechnen, so daß ihr die Fracht zwischen Pittöburg und Philadel phia 20 ët billiger komnit, als der Frachtfatz rent Pittöburg und New Hork. Beide Compagnien geben gemeinschaftlich Passagiertickets und Frachtscheine aus, und die Pennsylvania Eisenbahn Compagnie stellt eine Werfte und Geleise für die Landung der Dampfer her. Diese neue Dampfer-Linie wird von Philadelphier Kapitalisten errichtet. und ist unabhängig von der Feunrtnie Eisenbahn Compagnie. Aber der Contrakt mit dieser und die von ihr zugesicherten Vor theile machen einen Ersolg sicher. Eveline Park, die lteste Tochter des er mordeten Park in Charlestown, Indiana, tann möglicherweise mit dem Leben davon tommen, obgleich der Schädelbruch ein furcht barer ist und die Knochen so tief in das Ge hirn getrieben wurden, daß Theile der Ge hirnmasse heraus und dem Mädchen über das Gesicht liefen. Ihr Zustand wird Wundärz ten ein interesätes Stubium bieten. Die Aerzte fagen, wenn Eveline sich erhole, werde sie oft epileplischen Anfällen unterworfen sein. Frau Taylor, die Frau des gehängten Erir Taylor. (eines der drei muthmaßlichen Möörder der Park Familie), ist seit dessen ge waltsamen Tode zu ihrer Tochter uach Chicqgo gereist, es sind jedoch, so lange sie dort war, keine Drohungen gegen sie ausgestoßen wor den. Die feinen, werthvollen Waaren, wel che die Tochter aus Chieago ihrem Vater nach Charlestown sandte, waren zweiselsohne ge stohlenes Git, denn die Tochter war arim und arbeitete als Wäscherin in einem Hotel. Ein junger, trotzdem jedoch lebensmüder Mann wählte elnen eigenthümlichen Weg, feinem Leben ein Ende zu machen. Er ließ fich in einem Blatternhospital in Pittöburg anstellen und nachdem er mehrere Wochen Blatternkranke gepflegt und mit den Leichen hantiert hatte, kehrte er nach seiner Heimath Steubenville zurück. Einige Tage später bekam er denn auch richtig die Blattern und zwar in solchem Grade daß die Aerzte jede Hoffnung, ihn zu retten, aufgegeben haben. Ein junger Mann Namens Leitz erschoß sich neulich in Pittoburg, weil ihm seine Kameraden eingeredet halten, es stehe mit seiner Gesundheit äußerst schlecht Obgleich ihm nun der Arzt versicherte, daß sein Üebei (er litt an irgend einer Krantheit) bald ge heilt werde, so machten ihn seine Kameraden doch wieder durch die Behauptung irre, der Arzt habe nur mit der schlimmen Wahrheit nicht heraus wollen. Die erwähnten Kame raden trieben ihren schlechten Spaß bis zum Aeußersten und haben jetzt den Tod des jun gen Mannes auf dem Gewissen. Moral: Man erlaube sich niemals sogenannte derbe Spasse. Sie sind in der That ein Zeichen von Geistes armuth und finden sich am meisten bei Leuten die mit sich selbst nichts anzufangen wissen, und deshalb anf an Anderen aüszübende Abgeschmacktheiten verfallen. Den relativen Gleichmuth Tweed's er klärt sich der N F. Demokrat aüs der Sicher heit, welche ein auf seine Veranlassung in Al bany vor zwei Jahren durchgesetztes Gesetz für ihn liefert Nach diesem Gesetze darf eine Grand Juryh keine Untersuchung anstellen und kein gerichtliches Verfahren einleiten, ehe nicht der betreffende Fall vorher von einem Poli zeirichter gewesen und von diesem an den Di striktsanwalt gebracht worden ist. Da fast sast smmtliche Polizeimagistrate Tammany maschinen gewesen sind nnd noch sind, so ist leicht einzusehen, daß der Zweck jenes weisen Gesetzes war, der Grand Jury die Hände zu binden, salls es ihr etwa einfallen sollte, die Handlungoweise eines Ringmitgliedes in Be tracht ziehen zu wollen. Ein Fall dieser Art müßte erst durch ein Sieb eines Polizeirich ters durchgehen und diese sind fast sammt und sonders Tammanyfabrikat. Die Folge wird lehren, ob es sich damit so verhält. Wenn dem so wäre, müßte man gestehen, daß Tweed und Consorten die Gesetzmacherei mit Genia—- lität betrieben haben Die gesammte Legis latur der letzten Jahre stellt sich immer mehr als nichts als eine Maschinerie heraus, um den Tammany—-Riug zu einer unangreifbaren Dictatur zu erheben. Ein Vortrag welchen Sen. Carl Schurz am 23. November im Cooper-Institut zu New Hork über Civildienst-Reform halten sollte, war in der N. Y. Tribune von jenem Datum unter den,Amusements“ des Abends aufgeführt. Es war ihm zwar der Ehrenplatz zwischen „Solon Shingle“ in Booth's- und „Divorce“ im Theater der 5. Avenue einge räumt, aber man könnte doch die Frage auf werfen, ob unser berühmter Landömann sich über die Zusammenstellung mit den Helden der Bühne in,„Solon Shingle“, „der Groß-- herzogin,“ „Unser amerikanischer Vetter“, „Humpty Dumpty“ und den San Francisco Minstrels gschmeichelt zu fühlen Ursache habe, und ob es nicht passender wäre, für politische und andere Vorträge ernster Art eine beson dere Anzeigerubrik aufzustellen Keine goldene und keine silberne Hoch zeit zu feiern, auch nicht geschieden zu sein, und dennoch zum zweiten Male getraut zu werden, passirt einem Ehepaar wohl nur sel ten, aber das liebe Geld thut Vieles, was man seltsam findet. Capitän Charles E. Jack von Brooklyn und „Miß“ Marh Elliot aus Eng-- land, die schon seit 13 Jahren mit einander verheirathet sind, ließen sich vor einigen Ta gen in der Wohnung des Herrn Sinclair, Claremont, in Jersey City abermals trauen, weil sie bei dem Brande von Chicago ihren Trauschein verloren haben, das Kirchenbuch ebenfalls in Flammen aufgegangen ist und dadurch für den Ehemann oder die Kinder des Ehepaares Schwierigkeiten in Bezug auf Be sitzthümer der Frau Jack in England in Aus— sicht standen. Die Einnahme einer zum Besten der Abgebrannten in Chicago arrangirten Ama teurs-Vorstellung zu Port Huron, Mich., be trug Einen Dollar! „Borgen Sie uns 'nen Sack für die Kröten!“ ruft Nante. (Wir entnehmen diese Nachricht dem „Cinc. Volksblatt“, hoffen jedoch, daß ste nicht wahr ist. Anm. d. Red.) Eduard Luther, aus Pyrmont gebürtig, seit 15 Jahren in den Ver. Staaten, früher Herausgeber eines Cincinnatier Witzblattes „Die Windmühle“ und seit 13 Jahren Setzer im „Courier“ ist pltzlich am Herzschlag im Alter von 38 Jahren gestorben. Die Braut des Verstorbenen wurde von dem traurigen Vorfall sofort in Kenntniß gesetzt. gräber auf seinem Todtenbett das Geständniß abgelegt haben, daß er vor 2 Jahren nebst 5 anderen Männern die Maschine zum Kohlen zerbrechen zu Avondale in Brand steckte und dadurch jenes furchtbare Unglück veranlaßte, wodurch hundert und mehr Grubenleute in der Mine einen schrecklichen Tod durch Er stickung fanden. Eine neue Untersuchung wäre am Platze, um die Mitschuldigen zur Rechenschaft zu ziehen, falls anders, was wir nicht hoffen, das Geständniß wirklich er folgt ist. Skandal seltener Art in einer öffentlichen Schule in der Hunterspoint Ward vor. Die Frage, ob die Bibel in den Schulen gelesen werden solle oder nicht, wurde schon seit eini— ger Zeit debattirt; ein Bürgercomite von Zehn sollte mit den Schultrustees darüber berathen, was jedoch immer hinausgeschoben worden war. Am Samstag erschienen in der Schule zwei Burschen, Söhne des John Dehan, eines der Zehn, und wünschten vom Direktor auf genommen zu werden. Um die Herren Jun gen einer bestimmten Klasse zutheilen zu kön nen, wollte der Vorstand sie erst einer be stimmten Prüfung unterwerfen. Als diesel ben anfingen, ein Capitel in der Bibel zu le sen, sprang eine ältere Schwester der Jüngen in höchst erregter Weise von ihrem Sitze anf und wollte durchaus nicht im Saale bleiben, während aus der Bibel gelesen wurde, hin zufügend, sie glaube nicht an den Inhalt und die Lehren fübrtrn dirett zur Hölle. Mit ruhi gem, aber bestimmtem Tone befahl der Schul direktor dem Mädchen, sich in ein Seitenzim mer zu verfügen und sich dort so lange aufzu—- halten, bis es wieder herausgerufen werden würde. Diese einfache Weisung machte die beiden Brüder so frech, daß sie trotzig auf sprangen und dem Direktor thätlich zu Leibe zu gehen drohten. Und wirklich wich derselbe der Üebermacht, verfügte sich aber zum Recorder. Später kam die Polizei und verhaftete die un gezogenen Flegel, ächte Species der ott ver wilderten Jugend. Die allgemeine Ansicht herrscht, daß der Skandal bon anderer Seite her angestiftet worden ist. Farmer, Nnmens Dennison Miller, in Green field bei Detroit ansssig, von einem Einbrecher ermordet. Die Frau des Miller hörte zwischen 11 und 12 Uhr Tritte vor dem Hause, welche sie jedoch guf Rechnung von Vieh schrieb. Kurz vor 12 Uhr miaute die Katze und wollte hinaus. Als sie die Katze hinausließ, wurde die Thür ganz aufgerissen und der Einbrecher stand vor ihr. Die Frau riß sich von ihm los und lief schreiend in das Schlafzimmer ihres Mannes. Miller wurde mit dem ihr folgen den Einbrecher handgemein und hatte densel ben fast auf dem Boden, als ihn (Miller) ein Dolchstich die Brust durchbohrte. Der im obern Stock schlafende Neffe setzte vergebens dem Mörder nach. Eine Rochester Zeitung berichiet folgen de etwas mysteriösen Anstrich habende Ge schichte, die sich in Fairport zugetragen haben soll: „Vor nicht gar langer Zrit verstarb in genanntem Platze ein geachteter Arzt Namens Dr. Van Buren. Er hinterließ eine Wittwe und eine Tochter, sowje ein Vermögen von $30,000, von dem er beiden dle Hälfte ver— machte. Die Mutter wurde zum Vormund über dle Tochter ernannt, welche erst 14 Jahr alt ist, aber ein prächtiges Aeußere hat und einer Jungfrau von 17 Jahren dreicht Die Mutier entfchloß sich turz näch dem Tode ih res Gatten das Besigthum gn verkgufen und beauftragte einen biesigen Aovokaten, um den Verkäuf in den Zeitungen anzuzeigen. Zur selben Zeit erhielt Frau Van Buren einen Brief von einem New-Yorker Advokaten Na mens Beebe, welcher früher Schullehrer in Fairport war und die Van Buren'sche Fami—- lie dafelbfst tennen gelernt. Er sprach der durch den Tod ihres Gatten schwer heimge— suchten Wittwe sein tiesstes Beileid aus. Fräu Vyn Buren antwortete und es ent— spann sich dann eine regelmäßige Correspon denz, die schließlich damit endigte, daß Beebe der Frau vorschlug, sie heirathen zu wollen. was angenommen wurde. Beebe begab sich darauf nach Fairport, doch schien ihm die Wittwe nicht mehr behagt zu haben, denn er lehnte es ab, nachdem er sie gesehen, dieselbe zu heirathen. Gleichwohl ernannte ihn auf Zureden die Mutter zum Vormund ihrer Toc hter, in die er sich schließlich verliebte sie nach Rochester lockte und sich mit ihr hier trauen ließ, ohne daß die Mütter etwas davon merkte. Doch vergaß er bei der ganzen Ge schichte die Wittwe nicht ganz, sondern wußte sie nach und nach zu überreden, daß sie ihm den Besitzitiel ühet ihr ganzes Eigenthum gab. Später lockte er Mutter und Tochter nach New Hork, brachte die Mutter in einem Kosthause unter und die Tochter in einem Kloster, worauf er sich plötzlich nach Fanpart begab und das ganze Eigenthum sannnt Mö beln und sonstiger Hauseinrichtüng verkaufte. Er steckte das Geld ein und ist seitdem ver schwunden. Der Kerl hatte berelto zur Jeit, als er sich mit Fräulein Beebe hier verheira thete eine Frgü nebft 3 Kinder, welche von der ganzen Sache nichts wußten. Die Polizei ist soeben mit seiner Aufspürung beschäftigt Der Untergang des Dampsers „Eity of London“, der vor einigen Tagen an der Küste von Connectieut durch Feuer zu Grunde ging, wird von einem Augenzeugen, Herrn Palmer, in folgender Weise geschildert: Nachdem bereits ein Mal Feueralarm ge— geben worden, und sich die Gemüther ehen wieder beruhigt hatten, stand ich mit den Herren Norton, Hammond, Rogero und Ald rich auf dem Vorderdeck, als plötzlich Jemand rief: „Die Treppe, die in den Kielraum führt, steht in Flammen und es ist unmöglich durch zu gelangen. Das Fahrzeug füllte sich reißend schnell mit Rauch, ünd gleich darauf schlugen die Flammen überall in die Höhe. Ich stieg über das Geländer und ließ mich auf die Brüstung nieder; dann kroch ich längs des „gangway“ vorivärts. Als ich dort ange langt war, sah ich, daß das Innere des Fahr zeugs vollständig in Flammen gehüllt war. Der Wind blies die Flammen vom „gang— way“ weg und ich begab mich in den Kiel raum und begann einige Bretter und andere Artikel, die sich über Wasser halten, über Bord zu werfen, als mir Jemand in gebieterischem Tone zurief: „Lassen Sie das sein!“ Ich antwortete, daß wir nichts von der Ladung retten könnten ünd daher besser thun würden, an die Rettung der Passagiere zu denten. Ich warf schließlich eine lange Diele über Bord, um mich derselben zu meiner Rettung zu be—- dienen. Ich sprang sodann in's Wasser und schwamm nach der Diele, in der Absicht, einen Schooner, der nicht weit weg war, zu erreichen. Während ich mich auf der Diele befand, sah ich ein Fahrzeug auf mich zu kommen und rief: „Es befindet sich eine Dame an Bord; retten Sie die zuerst!“ Gleich darauf spürte ich, daß sich Jemand am anderen Ende der Diele festhielt; ich ließ die Diele los, weil dieselbe nicht uns Beide zugleich über Wasser halten konnte. Ich schwamm sodann nach dem Schooner, allein die Wellen warfen mich unter denselben. Gleich darauf sah ich einen Gegenstand auf mich zuschwimmen; es war die Thüre eines „state room, nach welchem ich griff. Als ich mich auf der Thür befand, war ich sehr erschoöpft und gewahrte, daß ich nach dem brennenden Dampfer zu getrieben wurde. Die Hitze, die von dem brennenden Fahrzeug ausging, setzte mir nicht wenig zu, und ich mußte meinen Kopf öfters unter Wasser tauchen, um nicht verbrannt zu wer den. Ich war bereits so vollständig erschöpft, daß ich mich auf den Tod gefaßt hielt und ge eade die Thür loslassen wollte, um zu ertrin ken, als mich noch, eben zu rechter Zeit, meh—- rere Männer in einen Kahn hinein zogen und auf diese Weise retteten. Das Cineinnati Volksblatt schreibt: Theodor Wachtel wird mit seinem hohen O und seiner Operntruppe wahrscheinlich im Februar hier seine Opernvorstellungen begin nen und zwar in der Mozart-Halle. Viel—- leicht wird er schon vorher mit seiner Concert truppe (Wachtel, Pauline Canissa, Her manns, Randolphi u. s. w.) hier eintreffen. Dieses zur vorläufigen Notiz. Der bairische Consul in New Orleans, Herr A. Eimer Bader hat vom König von Baiern das Ritterkreuz erster Klasse des Ver dienstordens vom heiligen Michael erhalten in Anerkennung seiner Verdienste. Die äußere Veranlassung dazu bot das Eingehen des bairischen Consulats, dessen Geschäfte an die Consuln des Deutschen Reiches übertragen sind. Der Riesenkäse von Springfield, Erie Co., N, Y., welcher mit 6 Pferden nach Buf falo auf die Ausstellung gebracht wurde, und in dessen Innern ein Diamant steckte, wurde in 600 Stück, 5 Pfd. geschnitten und das Stück zu $2 verkauft. Nach Abzug der Ko-- sten blieb Hrn. Hayward, dem Aussteller, ein Reingewinn von 8350. Wer den Diamant ring bekommen hat, wird demnächst bekannt gemacht werden. Ausland. Einen interessanten Beitrag zum Capitel von der Eitelkeit der Künstler liefert Michael Klapp aus Genf. Er schildert eine Aufführung Gounod's „Faust“, in welcher eine Mlle. Dupuy die „Margaretha“ sang, und erzählt Folgendes: Die Stimme der Dupuy klang nicht übel, aber sie tremolirte entsetzlich, und das mag Schuld gewesen sein, daß das Pu—- blikum, welches das Haus süllte, sich nicht viel um diese Marguerite kümmerte, während es Faust, Mephisto und sogar dem dicken Sybel, den Fräulein Mouret als einen jungen Pariser petit creve auffaßte, seinen Beifall schenkte. Das sollte furchtbare Folgen haben. Der zweite Akt wollte lange nicht angehen und die Unruhe des Auditoriums begann sich in ächt südlicher Weise zu änßern. Da ging der Vor gang in die Höhe und zeigte einen Herrn in schwarzem Frack, der offenbar den Auftrag hatte, sich auszusprechen. Als es still ward und man den Mann hören wollte, begann er in wohlgesetztem Französisch sein Anliegen vorzutragen. Er schien sehr schüchtern und das, was er vorzutragen hatte, bedingte auch eine gewisse Schüchternheit. Ich sollte das Unerhörteste von Comödiantenkeckheit zu hören bekommen. Mllr. Dupuy, jenes unzarte Gretchen, sindet, daß sie zu wenig Beifall finde und „will nur unter der Bedingung weiter singen, daß sich das Publikum mehr um sich kümmere, als im ersten Akt“· Nun glaubte ich. darauf hin müßte sich ein Sturm des Unwillens im Hause erheben. Keine Spur von einem Sturme, im Gegen theil, die Angelegenheit wird freundlich geord net zu aller Parteien Zufriedenheit. Der Re gisseur fragt, zu den Logen rechts gewendet, ob man die Bedingungen der so empsindlichen Sängerin eingehen wolle. Es erheben sich ei nige Herren und fordern, daß Mademoiselle Dupuyh nur wieder singe, das Andere werde sich schon finden. Der Regisseur verbeugt sich und hört andere Herren an, die unbedingte Erfüllung ihrer Gesangöpflichten von Mar— guerite verlangen. Der Regisseur verdeugt sich wieder und wendet sich nach links, um dort der öffentlichen Meinung zu horchen. Da finden sich barmherzigere Menschen, die gehen die Stipulation ein und versprechen Made—- moiselle Dupuy mehr Beifall für die Folge. Nach Beendigung dieses ganz neuartigen Thea ter-Plebiscits entfernt sich der Regisseur und der zweite Akt im Garten Gretchens beginnt. Die Dupuyh erscheint und wird vou kinem Beisallssturm empfangen. Die Friedenobe dingungen sind von Seiten des Publitums glänzend eingehalten worden. Die Sängerin übermannt die Rührung und sie beginnt zu weinen. Auch für diesen Fall war von Sei— ten der Direktion gesorgt wörden, und sowie sich Fräutein Dupüh die Augen mit den Hän den bedeckt, tritt aus der Coulisse wiederum der Regisseur in schwarzem Frack und üher— reicht ihr ein Sacktuch. Erneuerter Beifalls sturm und es dauerte eine Minute, bis die Sängerin wieder dazu gelangte, weiter tre moliren zu können. Soeben erfcheint unter dem Titel„7oo miltions de revenus!“ eine allgemein in teressante Broschüre über Cochin-China. Der Verfasser, Hr. Caraman, hat viele Jahre in jenen Gegenden, in Siani und China gelebt. Er giebt eine ausführliche und sorgfältige Statistik der Naturrelchthümer von Cochin- China: Holz, Webestoffe, Metalle, Kohlen, Bieh und unerschöpfliche ungeheure Reisofel der, deren Ernte von vorzüglicher Qualität ist. Die Bevölkerung ist dicht, nüchtern und arbeitsam. Hr. Caraman faßt inöbesondere die Ausfuhr nach dem äußersten Orient in's Auge. China hat feit Jahrhunderten eine starke Ausfuhr, und führt nichts als Opium ein. Daher hat es ungeheuxe Reichthümer an Edel Metallen in Mün— zen und Barren aufgehäuft, während die Einwohner bei einer üngenügenden Reis ernte massenhaft verhungern. Die chinesi— schen Handelogenossenschaften besitzen riesige Capitalien, welche sie nicht verwerthen. Hr. Caraman schlägt vor: ihnen Cochin Chian gegen einen jährlichen Pachtschilling in Gold zu verpachten. Sile würden Tausende von Kulis dahin fchaffen und die Moräste in Reis felder verwandein Cochin China, Frantk reichs jüngste Colonie, steht unter der Oher verwaltung des Flottenministeriums. und deckt schon seit einigen Jahren atte zu Aus-- gaben aug cigenen Mitteln. Ihr Handel hat fir Frankreich schon elne beträchtliche Wichtigleit ronnen Es besteht die Absicht ihr eine freisinnige Selbstverwätung, nach dem Vorbilde der Autonomie englischer Co lonien, zu geben. Herr Caraman macht sich anheischig Pachtverträge wmit chi nesischen Häusern und Genossenschaf ten ersten Nanges zu nnterhandeln. dg er in die specisischen Fähigkeiten franzö oer Diptomaten geringes Vertrauen setzt. Wenn er sich verspricht us jenen Pachtver trägen einen Jahrestribnt von 700 Mitt. Fr., also das sproc. Interesse von 14 Milliarden der Nationalschuld, herauszuschlagen, so mag man es seinem guten Willen verzeihen, aber den Fortschritt in der von ihm angedeuteten Kichtung suchen. Der Vice-Admiral Gueyhdon und Hr. Thiers schaffen in Algerien zum ersten mal Verfassungözustände, welche den wirth schaftlichen Werth der Colonie zu verzehu fachen vermögen. Bei einer hntichen Für— sorge ist Cochin-Chiza einer reichen Zukunft sicher. In der Vergrößerung, welche Frank— eich in Algerien und Cochin-China sich zu schaffen vermag, bietet sich der Repubhlit die nützlichste Compensation und die edelste Re vanche dar. Man schreibt aus Debreezin. daß sich ein Schüler des dortigen landwirthschaftlichen Lehr-Instituts, der 19jährige Emerich Med—- yes, am 2 d. mittelst einer mit Wasser ge eo Pistole getödtet habe. Er ließ einen Zettel zurück, auf den er seine letzten Lebens domente geschrieben hatte: „Eo war ein Duell (ein sogenanntes ameritanisches, bei welchem der, welcher das kleinste von 2 Loosen ziehi. sich felbst zu tödten hat. Anm. d. Red.), dies war ich meiner Ehre schuldig.“ Der Ge richtohof ordnete eine Untersuchung zur Eru irung der Gegenpartei an. Der Magistrat von Berlin beäntragt bei den Stadtverordneten die Auswerfung ei ner Summe von 140,000 Thir. jährlich zu Gcehaltöverbesserungen für Beamte, Lehrer de. Es sollen danach die Durchschnittösgehalter der Elementarlehrer von 500 auf 600 Thir., der Gymnasiallehrer von 950 Thlr. auf 1000 Tha ler, der Unterbeamten von 514 auf 600 Thir., der hoöheren Beamten von 845 auf 920 Thir. erhöht werden. Hautsächlich um die Verbindung zwi schen ea ed Kiel und Wilhelmsha ven durch den Eidercanal herzustellen, hat das Marine-Ministerium den Hamburger Schrau bendampfer Adele“ angekauft. Das letztere Transportfchiff soll nicht allein zum Trans port von Materialien, Inventarien -c., son dern auch gelegentlich zur Ueberführung von Truppen-Detachemenis benutzt werden. Das Journal Officiel veroffentlicht das Dekret, welches die von der Kammer votirte Ent schädigungösfumme von hundert Millionen zur Vertheilung bringt. Vierunddreißig vom Krie ge berührte Departements haben ihre Ansprü—- che auf Entschädigung geltend gemacht, und es sind auch diejenigen Franzosen berücksich tigt worden, welche/ ohne ihre Nationalität zu ändern, ihren früheren Wohnsitz in den annettirten Provinzen beibehalten haben. Als Beilage zu dem Detrete giebt Castnir Perier eine allgemeine Uebersicht über die unmittel baren Verluste durch Cöntributionen, Requi sitionen u. s. w. Die Totalsumme der Kriegs contributionen unb Steuerleistungen beluft sich auf 88,087,980 Francs, und man wird es in Berlin am besten wissen, ob man die Summe wirklich empfangen hat. Die übri gen Verluste bezissert Perier mit der refpetta blen Summe von 821,087,980 Francs, und zwar: Requisitionen aller Art 327,581,506 Francs, Beschädigungen und Verluste durch Feuersbrunst oder andere Ursachen 141,180,- 095 Franes, ,„Werthe, Möbel und andere Ge genstände, ohne Requisition weggenommen“, 264,172,820 Francs. Wir haben es mit einer französischen Schätzung zu thun, das heißt ohne Zweifel mit einer ganz maßlosen Uéber-- schätzung derjenigen ähnlich, welche die ver triebenen Deutschen ihre Verluste auf eine volle Milliarde berechnen lleß; aber der eigent liche Zweck dieser Veröffentlichung ist ziemlich klar. Es handelt sich darum, die deutsche Kriegsführung :u verleumden, dem Märchen von den Möbeldieben und Pendulen-Jägern eine statistische Unterlage zu geben, deswegen erfindet man jene dritte Rubrik „weggenom mene“ Gegenstände, für welche man schwerlich den geringsten Beweis wird aufbringen tön nen. Doch nehmen wir an, die 821 Millio nen seien nach Recht und Gewissen ausgerech net, und vergleichen wir damit die Verluste des preußischen Volkes in den Kriegen von 1812. Der Aufwand des preußischen Volkes ie! Staates) betrug an Contributionen, ieferungen und Naturalleistungen aller Art nicht weniger als 230 Millionen Thaler, das heißt 845 Millionen Francs. Bedenken wir. daß das damalige Preußen kaum ein Drittet von der Einwohnerzahl des heutigen Frank— reich besaß, vergessen wir nicht, doß derWerth des Geldes seither bedeuteud gesunken ist, und es wird sich leicht in Ziffern sagen lassen, auf welcher Seite das größere Opfer ist, wer von Beiden dem Andern weher gethan, Knmerhin ist Perier's Tabelle ein interessanter Beitrag zu der Statistik des deutsch-französischen Krie ges. (Corr. der Wiener N: Fr Presse.) Die France enthält folgende Mitthei lung: „Der wahre Rivale, welchen wir dem Baron Krupp entgegenstellen tönnen, der Director des Creuzot, einer der „Regento“ /der Bank von Frankreich, der ehemalige Prä— ssident des gesetzgebenden Körpers, Herr Schneider, frühstückte am letzten Sonntag beim Präsidenten der Republitk, nachdem er eine wichtige Unterredung mit demstlben über die ernsten Fragen gehabt hatte, über welche die Bank gegenwärtig beräth, und über die. welthe die Fabrikation der Kanonen betrifft. Wenige Zeit wird nöthig sein, damit das immense Eisenwerk des Herrn Schneider mit dem immensen Eisenwert des Herrn Krupp rivalisiren kann.“ (Das steht abzuwarten.) Am 1. November ließ das französische Finanz-Ministerium an Herrn Dr. Lardy. den Vertreter des eidgenössischen Gesandten Dr. Kern, drei Tratten im Betrage von je einer halben Million Franken zahlen ais Wiederaufnahme der seit dem 15 August ruhenden Abschlagözahlungen auf die Kosten der Verpflegung der Armee Bourbaki's in der Schweiz. Die berner Regierung hatte mehr mals in dieser Sache reclamiren müssen, da Herr Ponyer-Quertier, gewohnt, ausschließ lich nur für die Beschaffung von Milliarden Sorge zu tragen, diese kleine Ehrenschuld fast ganz aus dem Gedächtniß verloren hatte. erfährt der Boöörsen-Kurier, daß Dr. Strous— berg vor dem am 19. October in Sachen des Herrn Friedheim wider ihn angestandenen Termin den eingeklagten Betrag gezahlt hat und daß ein Gleiches bor einem am 26. Octo ber angestandenen Termine in einer ebenfalls über die Gränze des Bagatell-Processes hin ausgehenden Sache geschehen ist. Von den jetzt noch schwebenden ca. 500 Klagen ist un—- fähr ein Drittel auch gegen die Herzoge von Ratibor und Ujest gerichtet. Gegen die Her— zoge stand am 1. November Termin an, der selbe ist jedoch bis zum 24 Nobember verscho ben worden. Man schreidt aus Riedau, 17. Ottober- In der Nacht des 9. v. M. gingen Franz und Mathilas N, zwei betannte Raufer, Schwar— zer und Wilddiebe, von Breitenberg in Vaiern über die nahe Grenze, um in dem zum Kloster Schlgl gehörigen Forst zu jagen. Gegen 4 Uhr früh fstießen sie auf den Forstadjuncten Conrad Pfosser. Franz N, denselben gewah rend, rief seinem Bruder zu: „Mathias, schlag an! Der Adjunet ist da, er kanu uns nicht mehr aus.“ Er selbst zielte, glaubte aber in der Dunkelheit, der ihm Zunächststehende se sein Bruder, und schoß aüf den Entferateren Der Schuß fiel und mit dem Aufschrei: Je— sus, Maria und Joseph! stürzte Mathias N von seinem Bruder durch den Kopf geschossen. zu Boden. Durch den Aufschrei seinen Bru— der erkennend. ließ Franz sich jedoch nicht au-- Ber asrne bringen und zielte nun auf dem Forstadjuncten, um schließlich noch seinen Irrthum gut zu machen und seine eigene Per son zu retten. Der Adjunet war jedoch schon beim ersten Schuß hinter einen Baum ge— sprungen und legle nun seinerseits auf Fractz an, und bevor dieser noch zuni Schuß kam, siel er, vom Jäger in die Vrust und den lin ten Arm getroffen, zu Boden. Der eine der Wildschützen ist bereits todt, am Auftommen des anderen wird gezweifelt. Dex dioherige Professor der Philosophie am erzbischöflichen Priesterseminar zu Vosen,. Dr. Gerhard Zillgenz, Priester der rmisch katholischen Kirche, empfing neulich.. nachdem: er bereits zu nfang dieses Monats seine amtliche Stellung aufgegeben hatte, in der Pfarrkiche von Elbei (bei Magdeburg) das heilige Abendmahl und vollzog damit, nach— feierlich abgelegtem Glaubenobetenntniß, fei— nen Uedertritt zur evangelischen Kirche. Es kann nun als gewiß gelten, daß Stein's Denkmal am 29. Inni nächsten Jah— res auf der Burg bei Nassau enthüllt werden wird. Der gothische Schirmbau steht bereits fertig da. und das wohigelungene Marmor standbild wird zuverlässig noch vor Jahres schluß von dem Bildhauner Pfuhl in Berlin abgeliefert werden, so daß die Fertigsieltung schon im protre erfolgen könnte, wenn das Comite nicht vorgezogen hätte, den Sterbetag des großen Staatomannes, eben den 29. Juui. dafür in Aussicht zu nehmen. Die Züricher Regierung hat ein neues Gesetz über den Unterrichtung ergehen lassen, welches die Trennung der Schule von der Kirche zum Zweck hat. In den Primar- und Sekundarschulen wird nicht mehr ,christliche Religions- und Sittenlehre“ gehalten, sondern „Anregungen und Belehrungen aus dem Ge-- biete des geistigen und sittlichen Lebens“ Al— ler konfessionelte Religionsunterricht ist da mit von der Schule aüsgeschlossen, und sei es der Kirche, sei es privaten Anordnung der El tern anheimgestellt. Bei Gelegenheit der ziemlich langweili gen Debatte über des Reichöbudget brachte der bekannte Bebel etwas mehr Leben in die Sitzung des Reichotages mit seiner Behaup— tung, daß es im Reichötage keine Opposition mehr gebe, vielmehr Alles sich gegen die dro hende sociale Revolution durch Militärgewalt zu schützen suche. Er drohte, schließlich werde auch dem Heere das Eindringen socialistischer Arbeiter-Elemente gefhrlich werden. Abge ordneter Mohl erhob im Namen der Civilisa tion gegen derartige Grundsätze Protest. Die Roheisen Produktion der dedeu tendsten Länder der Erde beträgt nach den neuesten, hauptsächlich das Jahr 1869 um fassenden statistischen Nachweisen überhaupt 235,435,367 Zoll-Centner: es wurden näm lich produzirt: in Großbritanien 110,548,867 Ctr., in den Ver. Staaten von Nord-Amerita 38,332,820 Ctr., in Deutschland (den Zol vereins-Staaten) 27,139,296 Ctr, in Frank reich mit Einschlüß von Elsaß und Lothringen 27,126,000 Ctr, in Belgien 8,790,000 Cir., in Rußland mit Einschluß von Finnland und Polen 8,079,000 Ctr., in Oesterreich 7, 000,- 000 Ctr., iu Schweden 6,387, 000 Centner, in den übrigen europäischen Läudern 2,032, 384 Ctr., wobon 922,384 Ctr. auf Spanien, 790,-- 000 auf Italien, 240,000 Ctr auf Norwegen.. 100,000 Ctr. auf die Schweiz uad 70,000 Ctr. auf die Niederlande treffen Da in die—- ser Aufstellung keineswego aUt eisenerzeugen— den Länder enthalten sind, weil für mehrere derselben aus den letzten Jahren verläßliche Angaben über die Höhe der Produktion feh len, so dürfte die Gesammtmenge des gegen wärtig auf der ganzen Erde erzeugten Roh eisens zu mindestens 255 Millionen Centner sich annehmen lassen. Die Commissare für Ausarbeitung einer deutschen Pharmatopöe hat sich für Beibehal— tung der lateinischen Sprache entschieden Die Zahl der aufzunehmenden Mittel wird unge fähr 950 betragen. Im ganzen werden die— selben Gruudsätze zur Anweudung tommen, welche bei Audarbeitung der preußischen Phar matopõe maßgebend gewesen sind Die neue Pharmatopöe wird, enn thunlich, bis Ende Keses Jahres im Manuseript fertig gestellt Die Verbesserungen etwaiger durch Kritik und Erfahrung nachgewiesener Mängel werden einer zweiten Auflage vorbehalten.