Wöchentliche Illi 2 St t Alinois Staatszeitung. 2 2 2 2 2 Tägliche u. wöchentliche,,lllinois Staatszeitung“ und „„Der Westen. Office: 1013 West Randolph-Straße. Abonnements-Preise: Tägliche Morgen-Ausgabe, in der Stadt durch die Träger ins Haus geliefert: Per Zahr im Voraus 12.00 Tãgliche Ausgabe und „Der Westen“ per Woche. 0.30 Auswartige Abonnenten per Post: ägliche Ausgabe per Jahr, im Voraus. 510.00 Der Westen per Jahr. ·r·geeeeeereeet 2.00 Seouer Ausgade per Jahr 200 Dbchentliche Ausgabe nach Deutschland per Jahr. 4.50 Rach Frantreich. etreteett 4.00 Rach der Schweiz und Luxemburg. .00 Bestellungen zu adressiren an die Illinois Staatszeitungs-Co., Chicago, 111. ——l Besondere Vortheile gewähren wir Abonnenten, die sich für die Verbreitung un— seres Blattes bemühen, wie folgt: Wochenblatt, sowie Westen: 1 Exemplar 1 gahr. cttrreertetetets 2.00 20 2 Diese Ermäßigung tritt jedoch nur dann ein, wenn die Namen der Abonnenten auf einmal eingesandt werden, und zwar unter Borausbezahlung für das Jahr 1872. Treten zu einem Club später weitere Abonnenten hinzu, so werden die Abonnementspreise für diese zu denselten Club- Raten berechnet. Solchen, die Clubs von A bis Abon— nenten bilden, senden wir 1 Exemplar gratis. Heder alte Abonnent, der noch zwei neue Abonnenten für 1872 und s 4 einsendet, erhält sein Exemplar ein Jahr frei. Um Postmeister, Agenten -e. für Mühe und Unkosten zu entschädigen, gewähren wir denselben einen Rabat von 10 Prozent auf alle Gelder, die uns von denselben eingesandt werden. Geldeinsendungen sind, wo es möglich, in Post -Geidan weisungen oder registrirten Briefen zu machen. Man adressire: Allinois Staals;eitung Co., 101 West-Randolph Street, Chicago. Chicago, den 5. December 1871. (Aus der täglichen Illinois Staatszeitung vom Novbr.) Fünfzig Tage. Heute erscheint die Illinois Staat zeitung zum erstenmale seit der großen Feuersbrunst wieder in dem früheren Format von sechsunddreißig Spalten Da, wie be—- reits mitgetheilt, die etwas kleinere Schrift uns gestattet, ein Sechstel mehr Satz auf die gleiche Spaltenlänge zu bringen, so kommt das Wiedererscheinen der Zeitung in der früheren Papiergröße thatsächlich einer Vergrößerung um ein Sechstel, d. h. von 36 Spalten des frühern Formats und Drucks auf A 2 Spalten gleich. Von allen täglichen Zeitungen, welche in Chicago erscheinen, ist die deutsche „IJllinois Staatoszeitung“die erste, welche zu dem neunspaltigen Formate zurückkehrt. Nur die „Tribune“, welche den 32 Spalten ihres Hauptblattes eine 16spaltige Beilage hinzu fügt, steht jetzt in Bezug auf die Menge des von ihr gelieferten Lesestoffõ der Illinois Staatszeitung“ gleich; dagegen steht diese der,Times“, dem,Rep üblican“. dem,Evening Journal“, der,Even ing Post“, der,Union“ uno der, Mail“ voran. Es sind heute genau sieben Wochen, seit die 111. Staatsztg. zum erstenmale nach der Ver heerung von Chicago in Gestalt eines dürfti gen, nur anf einer Seite bedruckten Blätt chens wieder erschien. So kurz die Zeit er scheint, so ist es Denen, welche sie zur Wie—- derherstellung des durch die Katastrophe Ver— nichteten verwendet haben, kaum mehr mög lich, sich in die düstere, nur matt vom leisesten Hoffnungostrahle erhellte Stimmung zurück zuversetzen, welche damals ihre Gemüther, wie die Hunderttausender erfüllte. Welch eine Zeit war das, als sich an jenem Dienstag Morgen auf den dem Flusse zunächst gelege nen Straßen der Westseite Hunderte von al ten Freunden und Bekannten begegneten und sich durch bloße Blicke, durch kurze Fragen nnd Antworten überzeugten, daß ihnen die furchtbare Heimsuchung Alles, Alles zer stört habe! Alles, außer dem Muth, außer der Zuversicht und Willenskraft! brannt „Versteht sich, Alles verloren!“ „Well, müssen eben von vorn anfangen!“ Dies war das kurze Zwiegespräch, welches sich an jenem Tage tausendmal wiederholte, se daß es völlig in die Stelle der sonst übli chen Wetterbetrachtungen eingerückt zu sein schien. In vielen Fällen mochte freilich der frohe Muth, womit man sich über das Grauenhafte der Lage hinweg setzte, nur die Nachwirkung der fieberhaften Aufregung des Schreckensta ges sein; wie auch bei einem Schiffounter gange die auf dem dürftigen Nothfloß sich zu sammenfindenden Schiffbrüchigen Anfangs wohl noch heitere Scherze machen, weil die Freude über die augenblickliche Lebensrettnng noch nicht der trüben Betrachtung über Das, was weiter geschehen soll, gewichen ist. Allein neben der fieberhaft heitern doch unfruchtba ren Betrachtung des Geschehenen, zeigte sich schon an allen Ecken und Enden die ernste, rüstige Thattraft und der Beginn an dem Riesenwerke des Wiederaufbaus. Noch war auf eine zwei Meilen lange Strecke der Fluß zmit brennenden Kohlenbergen gesäumt, als sich im Augesicht der ungeheuersten Trümmer stätte der Neuzeit der Großhandel eine neue Stätte gründete und hart neben der neuen Börse die Zeitungen ihr Bivouac aufschlugen. Unter diesen hatten die zwei, von deren Ei genthümern einige nichi in ihren Wohn—- häusern abgebrannt waren (Tribüne und Journal) einen kleinen Vorsprung vor den andern, deren ganzes Personal am Montag vor dem Feuerdämon flüchtend umherirrte. Doch schon am Dienstag Vormittag führte der Zufall zwei oder drei Mitglieder des nach allen Himmelsgegenden versprengten Personals der „111. Staatszeitung“ in einem Lokal an der Ecke von Clinton und Madisonstraße zusammen und dort, mitten in dem jahr marktartigen Getümmel der ab und zuströ— menden Abgebrannten, ward die erste Num mer der Zeitung geschrieben. Das Manuskript ward nach Milwaukee gesandt, um in einer dortigen Offizin gedruckt zu werden und sobald es abgefertigt war, ging es an die Aufsuchung eines passenden Expeditionslokals. Nach man cherlei vergeblichen Bemühungen ward das jetzige gefunden und die Ills. Staatszeitung hatte die Genugthuung, die erste Zeitung zu sein, welche in dieser günstigen Lage Anker warf. Es folgten ihr die „Evening Post“, Walsh's Western News Company und bald auch die „Times“. Wie unsagliche Schwierigkeiten zu überwin den waren, ehe wir die Zeitung wieder hier setzen und drucken konnten, davon kann sich tkaum Derjenige eine Vorstellung machen, welcher die tausenderlei zum Betrieb einer Setzerei und Druckerei unentbehrlichen Gegen stände kennt. Diese, von denen selbst die scheinbar unbedeutendsten nicht fehlen dürfen, ohne den Betrieb des Ganzen ins Stocken zu bringen, sind schon in gewöhnlicher Zeit nicht schnell herbeizuschaffen. Wenn man ihrer neun beisammen hat und nur auf das zehnte, nicht zu entbehrende Stück warten muß, so tkönnen darüber oft Wochen vergehen. Um wie viel schlimmer aber stellte sich die Sache im vorliegenden Falle, wo der Frachtverkehr so zerrüttet war, daß hunderte von Güter wagen auf den Schienengeleisen außerhalb der Stadt nicht bloß Tage, sondern Wochen lang stehen bleiben mußten, ohne abgetaden werden zu können. Typen mußten von Phi— ladelphia, eine Presse von Boston herbeige schafft, die Setzerpulte und eisernen Rahmen zum Theil hier am Orte angefertigt werden. Und wie schwer war es, Arbeiter zu finden, welche die Anfertigung verstanden. Denn alie Geschäfte, von welchen eine Zeitung die erforderlichen Materialien und Geräthe be ziehen tan, waren durch die Feueröbrunst, wie die Bäunze des Waldes durch einen Or fan, wirr durcheinndergeschleudert. Doch wozu auf weiterc Einzelheiten einge hen? Die Tausende unserer Leser, welche während der letzten sieben Wochen an der Wiedereinrichtung ihrer eigenen Geschäfte thätig gewesen sind, können sich die Schwie rigleiten, welche wir zu bewältigen hatten, vorstellen, wenn sie sich diejenigen, die sie setbst überstanden haben, verdoppelt denken; verdoppelt durch die Verpflichtung, jeden Tag eine Zeitung herauszugeben. In jedem an—- dern Geschäfte konnte man sich einige Tage, oder Wochen Zeit nehmen, es neu einzurich ten, ehe man es wieder in Betrieb setzte; eine Zeitung aber soll schon während der Zeit, die sie zu ihrer Wiedereinrichtung braucht, in vollem Betrieb sein. Nun, die schwere siebenwöchentliche Lei denszeit ist überstanden. Sehen auch im Vergleich mit früher die Räumlichkeiten, in welchen die 111. Staatszeitung herausgege ben wird, etwas dürftig und provisorisch aus, so tönnen wir uns dafür mit tausend andern großen Geschäften trösten. denen es ebenso ergeht. Die Hauptsache ist, daß dir Zeitung selbst in vermehrter und verbesferter Gestalt wieder da ist und daß ihr die unerwünschte Nothwendigkeit, einige Wochen lang in ver krüppelter äußerer Gestalt zu erscheinen, in der Gunst des Publikums keinen Abbruch ge than hat Den Dank, welchen wir dafür dem Publikum schulden, können wir nicht aul bessere Weise abtragen, als indem wir uns bestreben, die „IJllinois Staatszei—- tung“ in demselben Sinne und Geiste, wie früher, fortzuführen, so daß sie als eine der Machtstellung des deutschen Bevölkerungs- Elements im Nordwesten der Ver. Staaten würdige Vertreterin der Freiheit, des Rechts und der Gesittung dastehe. dDotschast des Prsidenten U. S.Grant an den Congreß der Ber. Staaten. Washington, 4. Dez. 1871. Indem ich meine dritte Jahresbotschaft an die gesetzgebende Abtheitung der Bundescen tralgewalt richte, freue ich mich, mittheilen zu können, daß das Bemühen, alle bestehenden Gesetze zu vollstrecken während des verflossenen Jahres im Allgemeinen erfolgreich gewesen ist. Die Regierung hat es nicht als ihre Aufgabe betrachtet, die Angemessenheit einmal ange nommener Gesetze zu untersuchen, sondern nur, sich die besondere Absicht derselben klar zu machen und sie nach Maßgabe des so ge wonnenen Verständnisses zu vollziehen Das vergangene Jahr ist, nach dem Willen einer allweisen Vorsehung, zwar im Allgemei nen für unser Land ein Jahr des Wohler gehens gewesen, aber es hat uns, in Gestalt von Zerstörungen an Menschenleben und Eigenthum durch Stürme und Feuer eine un gewöhnlich große Zahl schwerer Heimsuchun gen gebracht. Diese Leiden haben dazu ge— dient, in unsrem eigenen Lande die edelsten Seiten der Menschennatur zur Darstellung zu bringen und auch bei fremden Völkern eine Freundschaft für uns zu entwickeln, welche wesentlich dazu beiträgt, das Unglück zu lin dern. Die Menschenfreunde, welche so willig ihre Habe mit den Opfern jener Heimsuchun gen getheilt haben, werden ihren Lohn in dem Bewußtsein ihrer edlen That und in der dank— baren Anerkennung der Unglücklichen em-- pfangen, deren Elend sie gemildert haben. Beziehungen zu England. Die Beziehungen der Ver. Staaten zum Auslande sind nach wie vor freundlich. Das Jahr ist in so fern ein ereignißvolles gewesen, als während desselben zwei große Staaten von gleicher Sprache und gleicher Stammesart durch friedlichen Ausgleich Zwistigkeiten bei—- gelegt haben, welche seit längerer Zeit bestan den und jeden Augenblick zu einem blutigen Conflikt zu führen droheten. Es ist dadurch ein Beispiel gegeben worden, das, wenn schließlich mit Erfolg gekrönt, andere civilisir ten Staaten zum Muster dienen und dahin führen kann, daß Millionen Menschen, welche jetzt unter den Waffen erhalten werden, um die Streitigkeiten der Nationen mit Bayon netten nnd Schwertern abzumachen, der pro—- ductiven Erwerbsthätigkeit zurückgegeben werden. Ich übersende hiermit eine Abschrift des Vertrages, welcher seit der letzten Vertagung des Congresses zwischen den Ver. Staaten und England geschlossen worden ist, so wie eine Abschrift des Protokolls über die Verhand lungen der Commissäre, von welchen er ent worfen ward. Der Vertrag giebt die Art Art und Weise des Ausgleichs über die zwischeu beiden Ländern obschwebenden Streitfragen an. Mehrere von diesen sollen durch schieds gerichtliche Entscheidung erledigt werden. Ich empfehle dem Congresse, baldmöglichste Fürsorge für das Schiedgericht zu Genf und die durch den Vertrag ins Leben gerufenen Commissionen zu treffen. Der König von Italien, der Schweizer Bundespräsident und der Kaiser von Brasilien haben sich bereit er klärt, Schiedsrichter für das Tribunal in Genf zu ernennen. Ich habe ihnen meinen Dank für die Bereitwilligkeit ausgesprochen, mit welcher sie dem an sie ergangenen Ersuchen durch Ernennung hervorragender und rechts kundiger Männer zu dieser wichtigen Stellung entsprochen haben Der Kaiser von Deutsch land hat däs Amt eines Schiedsrichters in dem Streite über die Wassergrenze zwischen den Ver. Staaten und Britisch-Columbia an— genommen. Durch den Vertrag haben die Ver. Staaten und England sich gegenseitig verpflichtet, ge wisse Völkerrechts-Grundsätze anzuerkennen, für welche die Ver. Staaten vom Anbeginn ihrer Geschichte in die Schranken getreten sind. Zugleich haben sie sich verpflichtet, diese Gründsätze zur Kenntniß anderer Seemächte zu bringen und diese zum Beitritt aufzu fordern. Es sind Unterhandlungen über die Form, in welcher diese Aufforderung an die teireenden Mächte gerichtet werden soll, im ange. Ich ersuche den Congreß um den Erlaß der jenigen Gesetze“die erforderlich sind, um den auf die Seesischerei bezüglichen und den übri—- gen, das Verhältniß der Ver. Staaten zu Britisch Nordamerika berührenden Bestim mungen des Vertrages Kaaft zu geben, sobald die entsprechendon Gesetze von Seiten Eng lands und seiner Coloniecn erlassen sein wer den. Es ist besonders wünschenswerth, daß diese beiderseitige Gesetzgebung vollendet werde, ehe die amerikanischen Seefischer ihre Zurüstungen zu der nächsten Fischerei-Saison treffen. Ich habe an die Gouverneure von New York, Pennshlvanien, Ohio, Indiana Michigan, Illinois und Wisconsin ein Schreiben, von dem ich hiemit eine Abschrift vorlege, gerichtet, !worin ich die Regierungen der resp. Staaten dringerd auf die Nothwendigkeit aufmertsam machte, sofort Schritte für Durchsührung je nes Artikels des Vertrages zu thun, welcher den Einwohnern beider Länder die gleichmä—- Bige Benützung der mit der Schifffahrt der See'n und Flüsse in Gerbindung stehenden Kanäle zu beiden Seiten sichert. Es steht zu hoffen, daß die Wichtigkeit des Gegenstandes ünd die daraus entspringenden Wohlthaten eine baldige Bestätigung und gesetzliche Sank tion von Seiten der betreffenden Staaten sichern werden. Feststellung der Grenze zwischen Britisch-Nord-Amerika und den Ver. Staaten Ich wiederhole meine Empfehlung, daß die erforderliche Summe bewitlligt werde, um die wahre Lage der 49. Parallele des Breitegra des festzustellen, da namlich, wo dieselbe die Grenze zwischen den Ver. Staaten und den britisch-nordamerikanischen Besitzungen (zwi schen dem „Lake ofthe Wood“ und den Fei sengebirgen) bildei Eine baldige Verfügung des Congresses über diesen Puntt würde das Kriegodepartement in den Stand setzen, schon im nächsten Sommer die erferderliche Mann— schaft än Ort und Stelle zu schicken. Beschützung der Ocutschenin Frankreich durch die Ver. Staaten. Durch Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen zwischen Frankreich und Deutsch land war ich in den Stand gesetzt, unseren diplomatischen Repräsentanten in Frankreich Befehl zu geben, den den dortigen Deutschen von den Ver. Staaten gewährten Schutz nun mehr zurückzuziehen. Es mag hier am Platze sein, zu erwähnen, daß die delikate Pflicht der Ausübung dieses Schutzes von unserem Ge— sandien ünd Consul in Paris nnd den ver schiedenen Consulaten in Frankreich unter Lei tung des Letzteren mit großer Güte sowohl, als auch mit Klugheit und Takt vollzogen wurde Das Verhaïten derselben hat das Lob der deutschen Regierung erhalten, während andererseits die Franzosen sich nicht im Ge ringsten dadurch beleidigt fühlten. Gesfinnungen der deutschen Re— gierung gegen die Ver. Staaten. Die Regiorung des Kaisers von Deutschtand zeigt gegen die Ver. Staaten noch immer eine freundliche Gesinnung und den Wunsch, im Eintlange mit der gemäßigten und gerechten Politit zu bleihen, welche diese Regierung so wohl den asiatischen Mächten als den südame gitänischen Republiten gegenüber befolgt. Ich habe derseiben die Verfsicherung gegeben, daß die Regierung der Ver. Staaten volitommen von denselben Freundschafts- Gesirnungen durchdrungen sei. Sonstige auswärtige Mächte. Diec Ratifikation der Naturalisationover träge mit dem österreichisch-ungarischen Reiche ist ausgetauscht worden. Ich bin offiziell von Einverleibung der Kir chenstaaten in das Koönigreich Italien und der —el Verlegung der Hauptstadt dieses Königreichs nach Rom in Kenntniß gesetzt worden In Uebereinstimmung mit der festgestellten Poli tit der Ver. Staaten habe ich diese Aenderung anerkannt. Die Ratifikation des neuen Handelsvertrags zwischen dea Ver. Staaten und Italien wurde aubdetauscht. Die beiden Mächte verpflichte ten sich durch diefen Vertrag, daß im Falle ei nes Krieges zwischen den beiden Muächten ihr Eigenthum zur See der Wegnahme nicht un terworfen sein soll. Die Ver. Staaten haben teine Gelegenheit versäumt, diese Regel allen Nationen zur Pflicht zu machen. Der 41. Congreß der Ver. Staaten hat in seiner dritten Sitzung Gelder für Organisi rung einer gemischten Commission bewilligt, die über die Ansprüche, welche Bürger der Ver. Staaten in Folge der Insurrektion auf Cuba gegen Spanien zu machen haben, ent—- scheiden soll. Diese Commission ist seither organisirt worden und ich lege hiermit die hierauf bezügliche Corresponden; vor. Hof fentlich wird die Commission den Anspruchs berechtigten volle Gerechtigkeit widerfahren lassen. Es ist zur angenehmen Pflicht der Ver. Staaten geworden, bei einer in Washington zwischen den Bevollmächtigten Spaniens und der alliirten südamerikanischen Republiken ab gehaltenen Conferenz, welche einen Waffen stillstand mit guter Aussicht auf einen per manenten Frieden zur Folge hatte, den Vor sitz zu führen. Das intime Freundschaftsverhältniß, wel— ches schon so lange zwischen den Ver. Staaten und Rußland besteht, ist bis dato nicht ge stört worden. Der Besuch des dritten Soh—- nes des Kaisers dient zum Beweise, daß seine Regierung das frenndschaftliche Verhältniß nfcht zu schwächen wünscht. Die dem Groß fürsten zu Theil gewordene gastfreundliche Aufnahme zeigt, daß wir unsererseits diesel ben Gesinnungen hegen. Das unentschuldbare Veryalten des russi schen Gesandten in Washington machte es nothwendig, seine Abberufung zu verlangen und zu erklären, daß dieser Beamte nicht län—- ger als diplomatischer Repräsentant empfan gen werden könne. Er war mit der Selbstach tung oder mit gebührender Rücksicht auf die Würde des Landes unverträglich, Herrn Ca tacazy nach Beleidigung derßegierungöbeam ten und seiner durch verschiedene Mittel be— werkstelligten fortwährenden Einmischung in die Angelegenheiten der Vereinigten Staaten und anderer Mächte noch weiteren Verkehr mit dieser Regierung zu gestatten, und meinem Wunsche entsprechend, ist unsere Regierung allen weitexen Unterhandlungen mit Herrn Catacazy enthoben und die Leitung der Ange—- legenheiten der kaiserlichen Gesandtschaft in die Hände eines Herrn gelegt worden, gegen welchen durchaus nichts einzuwenden ist. Auch nnsere Beziehungen mit Japan sind noch freundlicher Natur. Das Kabinet des Mikado hal seit dem Schlusse der letzten Con greß-Sitzung Bürger der Vereinigten Staa—- ten zu Begleitung wichtiger Aemter in unse—- rem Departemente der Regierung ausgewählt. Ich habe Grund zu denken, daß die uneigen nützige Politik, welche uusere Regierung Ja— pan gegenüber befolgte, die Regierung des letzteren zu dieser Wahl bewogen hat; es ist unser Wunsch, diese Politik sowohl Japan als China gegenüber auch ferner beizube halten. Aus der beigeschlossenen Correspondenz ist ersichtlich, daß unsere Regierung nicht geson nen ist, von dem Verfahren, welches gegen Corea angeschlagen wurde, um der barbari schen Behandlung unserer durch Schiffbruch an dessen Küste verschlagenen Matrosen ein Ende zu machen, abzuweisen Ich instruirte unseren Gesandten in Pekin, den Abschluß eines Vertrages mit Corena, wodurch unseren Sceleuten ihr Leben und eine humane Be- handlung gesichert werde, zu versuchen, und beauftragte den Admiral Rogers, ihn mit der zu seinem Schutze erforderlichen Streitmacht zu begleiten. Eine kleine Parthie, welche aus geschickt wurde, um Vermessungen vorzuneh— men, wurde, als sie die Küste erreichle, verrä— therischer Weise angegriffen. Nachdem hin längliche Gelegenheit zur Aufklärung und Ab bitte für die Beleidigung gegeben, jedoch gänz lich unbeachtet gelassen worden war, wurde eine Truppenmacht gelandet und nach einem mühsamen Marsche durch eine rauhe Gegend die Festungöwerke, von wo aus die Gewalt—- that verübt wurde, tapfer angegriffen und zerstärt. Als die Verbrecher also bestraft und die Ehre unserer Flagge gerettet war, trat unsere Expedition den Rückweg an, weil man es unter diesen Umständen für unpraktisch hiclt, den gewünschten Vertrag abzuschließen. Ich verweise achtungovollst auf die hierauf bezügliche Correspondenz, welche ich hiermit vorlege und überlasse die weitere Verfügung dem Congreß. Die Republik Mexiko hat die höchst anstö ßigen Gesetze betreffend die Herstellung der s. g. „Freien Zone“ an der Grenze der Vereinigten Staaten noch nicht widerrufen. Es steht zu hoffen, daß dies noch geschehen, und daß von jener Republik strenge Maßregeln ergriffen werden, um die an ihrer Grenze hausenden Gesetzesübertreter im Zaume zu halten. Ich hoffe, daß Mexiko bald aus eigenem Antriebe ünsere Regierung der aus dieser Ursache ent stehenden Schwierigkeiten entheben wird. Mit den verschiedenen Republiken in Cen tral- und Süd-Amerika eine ausgenom men—Leben wir auf freundschaftlichem Fuße. Bezüglich unserer längst zur Zahlung verfal lenen Ansprüche an Venezuela, welche sich auf die Entscheidung der,„Union Commis—- sion“ von 1866 gründen, empfehle ich ein Einschreiten des Congresses. Die inneren Zerwürfnisse dieser Regierung köunen nicht als Entfchuldigungögrund dafür dienen, daß durchaus keine Anstrengungen gemacht wer—- den, den heiligen Verpflichtungen des abge schlossenen Vertrages nachzukommen. Der Auslieferungövertrag mit Nicaragua ist ausgewechselt worden. Es ist ein erfreuliches Zeichen, daß das große brasilianische Reich die einleitenden Echritte zur Abschaffung der Skiaverei ge—- than hat. Das zwischen uns und jenem Reiche stets bestandenen Freundschaftoöband wird durch diesen Akt nur noch inniger ge knüpft werden Es ist nicht zu viel, wenn wir hoffen, daß die brasilianische Regierung tünftig ?s in ihrem eigenen Interesse und für wirklich recht sinden öird, raschere Schritte zu völliger Emancipation zu thun, als durch die gegenwärtige Atkte beabsichtigt. Die wahre Wohlfahrt und Größe einer Nation ist in Hebung der Lage der Arbeiter und deren Bildung zu suchen. Es ist eiu bedguerlicher Umstand, daß die in diefer Richtung vonu den spgnischen Staatsmännern freiwillig versprochenen Re— formen in den westindischen Besitzungen nicht Ausführung gelangten. Den Gesetzen und Vorschriften zur Aufhebung der Eila verei in Cuba und Porto Rico zufolge blie ben die meisten der dortigen Arbeiten gewis sermaßen Leibeigene und haben keine Hoff nung auf Erlösung, bis sie ihren Brodherren lästig werden. Ich wünsche Ihre Aufmerksamkeit auf die Thatsache zu lenken, daß Bürger der Ver einigten Staaten vieles Eigenthum von die ser Sorte, welches durch die Grundgesetzes ih— res Heimathlandes verboten ist, im Austande besitzen. Ich empfehle dem Congreß, durch strenge Gesetzeẽ ein passendes Hülfömittel ge gen das Halten von oder den Handel mit Sklaven, oder die Aneignung irgend welcher Interessen in Sklaven-Eigenthum im Aus lande von Seiten solcher Personen, welche den Vereinigten Staaten angehören, zu ergrei en. L Es ist zu bedguern, daß die Ruhestörungen auf der Insel Cuba immer noch eine Quelle des Aergers und der Bekümmexniß bilden. Ein in so naher Nachbarschaft unseres eigenen Ge—- bietes sich in die Länge ziehender Kampf, bei dem teine Aussicht auf ein baldiges Ende vor handen ist, kann von einem Volke, das während es sich nicht in die Añgelegenheiten anderer Mächte mischt naturgemäß jedes Land im ungestörten Genusse des Friedens. der Freiheit und der Segnungen seiner Insti tutionen zu sehen wünscht, nicht gleichgültig mit angefehen werden. Die Befehlöhaber un serer Flotte in den cubanischen Gewässern sind instruirt worden, im Falle der Noth keine An strengung zu scheuen, um das Leben und Ei genthum aller in gutem Glauben amerikani—- schen Bürger zu beshützen und die Würde un—- serer Flagge zu wahren. Es steht zu hoffen, daß alle zwischen uns und Spanien obschwe—- den, gus den cubanischen Angelegenheiten ent standenen Fragen in demselben sriedlichen und versẽ hnlichen Sinne, in welchem die biiden Mächte früher ähnliche Fragen zu behandeln pflegten, erledigt werden mögen. Um unsern diplomatischen Beziehungen mit Japan und China größere Wichtigkeit und Wirksamkeit zu verleihen, um die gute Meinung der Völker jener Länder zu fördern und um den Ver. Staaten ihren Antheil an dem Handeisberkehre der Nationen zu sichern, empfehie ich ernstlich, daß der Congreß eine gewisse Summe bewillige, um mindestens vier amerikanischen Zünglinge cinen Aufenthalt in jedem dieser Länder als Mitglied des Beam— ten-Personals unserer dortigen Gesandten zu ermöglichen. UNnsere Repräsentanten in jenen Ländern würden seibst dann noch nicht auf gleichen Fuß gestellt sein mit den Repräsen tanten Großbritanniens und anderer Müchte, welchen der Unbekanntschaft mit der Sprache jener Länder wegen Uebersetzer und Dollmet scher bewilligt werden. Nationalschuld unb Besteuerung Die Nationalschuld hat während des Jah— res um $86,057,176 abgenommen und durch Unterbringung von Schuldverschreibungen zu niedrigerem Zinsfuß ist die jährliche Zin—- senlast so verringert worden, daß sie jetzt beinahe 17 Millionen weniger, als am 1 März 1869 beträgt. Eine so rasche Abzahlung war in hohem Grade wünschens werth, sowohl um den Credit des Landes zu kräftigen, als um das Volk von seiner voll ständigen Fähigkeit, jeden Dollar Schulden abzutragen, zu überzeugen. Da nun aber diese Zwecke erreicht sind und da bei der rasch zunehmenden Entwickelung der Hülfsquellen des Landes die Fähigkeit desselben, großen Anforderungen, wenn sie nothwendig werden sollten, zu begegnen, keinem Zweifel unter liegt, so ist es nicht wünschenswerth, noch ferner die Mittel des Landes übermäßig stark anzuspannen, um mit so schneller Abzahlung der Schuld fortzufahren. Ich empfehle daher eine Veränderung sowohl des Zolltarifs, wie der Stenuergesetze. Insbesondere empfehle ich die Abschaf— fung aller Bundesst.euern mit Aus nahme der Branntwein-, Bier-, Tabak- und Stempelsteuer. Bei der Revision des Zoll tarifs wird der über schüssige Einnahme—- Ertrag, welcher unter dem jetzigen Tarif er zielt wird, sorgfältig zu ermittein und dieser Ueberschuß durch Veränderung des Tarifs auf solche Weise zu vermindern sein, daß daraus der größtmöglichen Zahl die größtmögliche Exleichterung erwächst Viele Gegenstände, die· nicht in unserem Lande erzeugt werden, wie z. B. Arzneistoffe, Essenzen -c aber doch in allgemeinem Gebrauch sind, und deren Einfuhr ohnehin der Regierung nur eine ge— ringe Zolleinnahme gewährt, sollten für zoll frei ertlärt werden. Erweist sich dann eine weitere Herabsetzung als statthaft, so würde ich rathen, sie bei solchen Gegenständen ein treten zu lassen, auf welche der Zoll verringert werden kann, ohne daß die inländische Pro duetion darunter leidet, oder der Arbeitstohn herabgedrückt wird. —lch gehe nicht auf Zah— len und Daten ein, weil ich sonst nür zu wiederholen hätte, was der Finanzminister in seinem Berichte sagt. Unter den gegenwärtigen Gesetzen erhalten die Zolleinnehmer nur geringe Gehälter, dafür aber Prozenttheile von confiscirten Gütern, wodurch sich ihre Einnahmen, besonders in den Haupt-Einfuhrhäfen des Landes, sehr hoch stellen. Dieses System ist mir stets als ein verwerfliches erschienen. Es bildet eine fortwährende Versuchung für unredtiche Män ner, falls solche in die Aemter gelangen, in ihrer Untersuchung der importirten Waaren nachlässig zu sein, damit sie nachher bedeu—- tende Confiskationen vordehmen können. Ich lenle hiermit Ihre Aufmerksamkeit auf diesen Gegenstand. Häufige Schwankungen im Goldagio haben einen höchst verderblichen Einfluß auf die Entwickelung des Landes, indem sie die Preise aller nothwendigen Lebensbedürfnisse hoch erhalten und so eine Unzufriedenheit er wecken, welche der öffentlichen Sittlichkeit sebenso nachtheilig ist, wie den nationalen Fi nanzen. Wenn sich die Frage lösen ließe, auf welche Weise unserer Papiervaluta ein stetiger, dem des Metallgeldes sich allmählich nähernder Werth gegeben werden könnte, so würde damit ein höchst begehrenswerthes Ziel erreicht werden. Armeewesen. In Betreff der Thätigkeit der Armee wäh—- rend des vergangenen Jahres, des Kostenauf wandes dafür, des Militär-Etats für das nächste Jahr und des Fortgängs der unter Leitung des Kriegsministeriums stehenden Bauten verweise ich Sie auf den Jahresbericht des Kriegöministers Ich lenke Ihre Aufmerk samkeit auf die Bestimmung des Bundesgese tzes vom 3. März 1869, laut welcher bis auf Weiteres keine Besörderungen im Stab der Armee stattfinden sollten und empfehle Ihnen, die Zahl der Offiziere in jedem Grade des Ge neralstabs zu fixiren, so daß wenn in einem bestimmten Grade die Zahl der Offiziere unter die sixirte sinkt, die Vatanz durch Beförderung aus dem nächst niedrigen Grade gefüllt werden kann. Ferner empfehle ich, daß wenn das Amt des Stabschefs eines Corps vacant wird, es durch freie Auswahl aus dem betr. Corps besetzt werden könne. Kriegöflotte. Der Bericht des Marineministers weist eine Vermehrung der Zahl und Verbesserung in der Tüchtigkeit unserer Kriegsflotte ohne we—- sentliche Erhöhung des Kostenaufwandes da für nach. Es ist dies der neuerdings ange nommenen Regel zuzuschreiben, wonach klei nere Fahrzeuge zu Kreuzfahrten auf den ver schiedenen Stationen verwendet werden. Da— durch sind wir in den Stand gesetzt worden, einen größeren Flächenraum durch unsere Kriegsfahrzeuge befahren und öfter Stationen aulaufen zu lassen wo die Anwesenheit unse rer Flotte wünschenswerth ist. Das Marine-Ministerium hat, ohne die gesetzlich autorisirten Ausgaben zu nberschrei ten und ohne die gewöhnlichen Functionen der Marine zu beeinträchtigen, Schiffe, die bei der Küstenvermessung verwendet wurden, mit Of sizieren und Mannschaften versehen, hat au ßerdem die durch den Congreß autorisirte Ver messung des Isthmus von Darien und Tel mantepec vollendet und eine Expedition zur Ersorschung des Polarmeeres ausgerüstet. Die Vorschkäge hinsichtlich der Hebung der Marine, der Plan in Bezug auf die Verringerung des Offiziers-Personals und durch Abschaffung gewisser Ofsiziers-Ränge und Verwendung eines Theils derselben in der Handelsmarine verdienen die höchste Beachtung Seitens des Congresses. Ferner empfehle ich, daß alle Avancements in der Marine vom Capitäns range aufwärts, durch Erwählung der Betref den vor sich gehen sollen, ohne Rücksicht auf Anciennetät Durch diese Maßregel wird eiu tüchtiger Offiziersstand erwählt und. die jungen Offiziere werden zur Vervollkommnung ihrer Fachkenntnisse angefeuert. Die gegenwärtigen Uterhaltungskosten der Marine, ein Vergleich jener mit den Unter haltungskosten des vorhergehenden Jahres, ferner das Budget des Marine-Departements für das nächste Fiscaljahr dies Alles wird in dem beigefügten Berichte des Marinemini—- sters des Längeren besprochen. Postwesen. Aus beifolgendem Berichte des Generalpost meisters ist ein bedeutender Zuwachs der Einnahmen dieses Verwaltungszweiges ersicht lich. Die Thatsache kann als Maßstab für die wächsende Intelligenz und Prosperität des Voltes gelten, zweier für die Stabilität einer Republit hochwichtiger Factoren. Bei einem so umfangreichen und theilwense so wenig be siedelten Territorium, wie das unsrige, kann unmöglich erwartet werden, daß dieser Ver waltungözweig seine eigenen Betriebskosten erschwinge. Doch rücken wir von Jahr zu Jahr diesem Ziele näher und die Zeit dürfte nicht sehr ferne sein, da sich die Postverwaltung für die Interessen des Vollkes noch viel segendrei cher erweisen wird, als dies jetzt der Fall Die Vorschläge des General-Postmeisters bezüglich der wünschenswerthen Verbesserung in der Postverwaltung unterbreite ich Ihrer ernstlichen Erwägung. Regierungö-Telegraphen Die Docnmente, welche die Pläne enthalten bezüglich der Vereinigung des Post- und Tele— graphenwesens der Ver. Staaten, empfehle ich Ihrer ganz besonderen Beachtung. Die Ver waltungskosten des Telegraphenwesens wür—- deu dadurch bedeutend vermindert und die Funetion desselben ebensogut, wenn nicht besser, ausgeführt werden. Außerdem würde dadurch die Errichtung von Telegraphenver bindungen auch dort bewerkstelligt, wo solche durch Privat-Ünternehmungen nie zu Stande gebracht würde. Handel und Wandel und besonders den Bestrkebungen, das Gefühl der Zusammengehörigkeit, durch Förderung des geistigen und commerciellen Verkehrs unter den Bürgern der Republik zu erwecken, würde nns auf's Wesentlichste Vorschub ge leistet. In Bezug auf die Postverwaltung während des verflossenen Jahres und die vergleichende Statistit derselben, verweise ich auf den Be richt des General-Postmeisters. Kuglurx-Unwesen. Dem Präsidenten wurde die Durchführung des Congreßakts vom 20. April 1871, gemein hin unter dem Namen Kucklux-Gesetz bekannt, zur Eflicht gemacht. Die Nothwendigkeit sei ner Durchführung in einem Theil von Süd- Carg!ina mird durch den Bericht des zur Un—- tersuchnng südlicher Ungesetzlichteiten ernann-- ten Comites erwiesen. Unter den Bestim mungen des Gesetzes erließ ich eine Prokla mation, in welcher ich die Aufmerksamtkeit des Volkes der Ver. Staaten auf jene lenkte und meine Abneigung kundgab, von den darin mir verliehenen äußeren Befugnissen Gebrauch zu machen, ausgenommen in Fällen gebiete rischer Rothwendigkeit Zugleich tiore ich jedoch, daß ich entschiossen sei, von jeütn Be fugnissen Gebrauch zu machen, wenn es zur Sicherung der Bürger im friedlichen Genuß der ihnen durch Verfassung und Gesetze ge nahleitelelen Rechte nothwendig werden ellte Nachdem jenes Gesetz angenommen war, skamen von Zeit zu Zeit Nachrichten, nach welchen sich Verbindungen, wie sie in dem Ge—- setz erwähnt sind, gebildet hatten und in man chen Theilen des Südens, namentlich in Thei len von Süd-Carolina übermächtig geworden swaren. Eine sorgfältige Untersuchung ergab, daß in 9 Counties diese Verbindungen so mächtig und thätig waren, da sie in eine ge nügende Menge Bürger zu den ihrigen zähl—- ten, daß sie die örtlichen Behörden beherrscheu. Unter anderm war ihre Absicht, die freigewor dene Klasse der wesentlichen Vortheile der Freiheit zu berauben. Um die freie, politische Bethätigung derer, welche mit ihren Ansichten keine Sympathie hatten, zu verhindern, wur den häufig nächtliche Züge und gelegentliche Meuchelmorde an verblindeten Personen ver übt. Die Opfer waren Bürger entgegenge setzter politischer Ansichten oder freie Perso— nen, welche einen Anspruch auf gleiche Rechte mit andern Bürgern erhoben. 2 Tausende von ruhigen Bürgern litten ünter diesen gesetzwidrigen Gewaltthätigkeiten. Am 13. Oltober 1871 erließ ich daher eine Pro—- klamation und forderte die Mitglieder der Verbindungen auf, sich innerhatb fünf Tagen aufzulösen, und dem Marschall oder den Bün devoffizieren alle Waffen, Mnnition, Unifor men, Verkleidungen und andere von ihnen bei ihrem gesetzwidrigen Treiben gebrauchten Ge— genstände abzuliefern. Da diese Warnung nicht beachtet wurde, erließ ich am 18. Oktober eine weitere Proklamation, wodurch das Recht des Habeas Corpus Afts in neun Counties jenes Staates aufgehoben wurde Die Ver—- haftung der nach gläubwürdigen Angaben zu jenen gesetzwidrigen Verbindüngen gehörigen Personen durch Buddestruppen wurdée ange— ordnet, und die Ueberlieferung der Verhafte ten an den Bundesmarschall, um mit ihnen nach dem Gesetz zu verfahren. In zwei der erwähnten Counties, nämlich in York und Sparta, wurden eine Menge Verhaftungen vorgenommen, nach den letzten Nachrichten 168. Mehrere Hunderte, deren Antheil am Verbhrechen ein nur untergeordnetes war, wur den vorläuflg freigelassen. Diese haben mei stens ihre Schuld eingestanden. Bei der Vor nahme der entscheidenden Verhaftungen wurde große Vorsicht angewandt, und trotz der gro— ßen Anzahl ist guter Grund zu der Annahme, daß alle derartige Personen das Gesetz wirk lich übertreten haben. Ein vollständiger Be richt über die unter dem Gesetz ergriffenen Maßnahmen wird dem Congreß vom Gene ralanwalt vorgelegt werden. Die Mormonen und die Viel weiberei. In Utah existirt noch ein Ueberrest der Barbarei im Widerspruch mit der Civilisa tion, dem Anstande und den Gesetzen der Ver. Staaten. Es haben sich jedoch Territorial- Beamte gefunden, welche Willens sind, ihre Pflicht zu erfüllen und der Majorität des Ge setzes Geltung zu verschaffen. Weder Viel weiberei noch irgendwelche andere Vorlegung bestehender Gesetze wird innerhalb der Gren zen der Ver. Staaten geduldet werden. Wir haben es jetzt nicht mit der Religion der so genannten Heiligen zu thun, sondern mit ihren Handlungen. In der Verehrung Gottes nach den Geboten ihres Gewissens werden sie geschützt werden, aber man wird ihnen nicht gestatten, die Gesetze unter dem Deckmantel der Religion zu verletzeu. Es mag für den Congreß räthlich erscheinen, zu erwägen, was bei der Durchführung der Gesetze gegen Viel— weiberei mit den Frauen und ihren Kiudern geschehen soll, und ob es nicht am Platze ist, die Territorial-Gesetzgebung von Utah zu er mächtigen, alle vor einer bestimmten Zeit ge borenen Kinder für eheliche Kinder zu erklä— ren. Dies ist nur ein Rath, keine Empfeh lung. Indianer-Angelegenheiten. Das den Indianern gegenüber eingehalte- Verfahreu hat bis jetzt günstige Ergebdisse ge liefert, so weit sich nach der beschränkten Zeit, innerhalb welcher es befolgt, urtheilen läßt. Durch die Bemühungen der verschiedenen christlichen Gemeinschaften, die mit der Aus— führung jenes Verfahrens betraut waren, so wie durch die durch das Gesetz vom 10. April 1869 geschaffenen Commissäre sind viele In dianerstmme bewogen worden, sich auf Reser vationen niederzulassen, den Boden zu bebau en und produktive Arbeit verschiedener Art zu uerrichten, und theilweise Civilisation anzu—- nehmen. Es wird für sie in einer Weise Sorge getragen, daß dadurch diejenigen, welche noch bei ihrer alten Lebensart bleiben. hoffentlich sich veranlaßt finden, die einzige Gelegenheit zu ergreifen, die ihnen noch übrig gelasfen ist, sich vor Ausroitung zu bewahren. Ich em pfehle liberale Geldanweisungen zur Ausfüh rung der Friedenspolitik den Indianeen ge genüber, nicht nur weil sie human, christlich und sparsam ist, sondern weil sie recht ist. Ich empfehle ferner Ihrer günstigen Erwägung die Frage: Soll den Indianern eine eigene Terri torial-Verfassung im Indianergebiet, westlich von Arkansas und Missouri und südlich von Kansas erlaubt werden. Ein solches Verfahren könnte mit der Zeit dazu führen, die meisten der jetzt zwischen dem Missoure und Pacific und südlich von den britischen Besitzungen lebenden Indianer in ein Gebiet oder zu einem Staate zu vereini— gen. Der Minister des Innern macht in der Beziehung weitere Vorschläge. Bundesländereien. Ich erneuere meine Empfehlung, daß die Bundesländereien als Erbtheil für unsere Kinder betrachtet werden müssen, und daß sie nur zu wirklicher Besiedelung abgegeben wer den sollen. Die bereits verschenkten Lände reien sind meistentheils so verwandt, daß da durch dem wirklichen Ansiedler der Zugang zu dem übrigen Theile derselben beschafft ist. Vorsicht sollte jedoch auch selbst bei der Er reichung eines so wünschenswerthen Zieles angewandt werden. Die Interessen der Bil dung mögen wohl durch die Anweisung des an wirklichen Ansiedler verkauften Landes, d. h. des Erlöses aus demselben, gefördert werden. Ich wünsche jedoch nicht so verstan den zu werden, als empföhle ich im Geringsten eine Verkürzung dessen, was die Bundes—- gewalt zur Förderung der Erziehung. thut. Census und Ackerbau. Der beigefügte Bericht des Ministers des Innern giebt Ihnen Ausfschluß über den 1870 gewonnenen Census, über die Thätigkeit des Erziehungs -Bureaus, über Patentbureau, Pensionoswesen, Landamt und Indianer- Bureau. Ebenso der Bericht des Ackerbau— Commissärs, dessen Wichtigkeit gar nicht hoch genug geschätzt werden kann. Ein fähiger Chef steht an der Spitze dieses Departements, der sich eifrig bemüht, in den Ackerbau der Nation alle möglichen Produkte eiuzuführen, die für die verschiedenen Klima's und Boden arten unseres großen Gebiets sich eignen und alle nöthige Auskunft über die Cultur der selben zu ertheilen. Je liberaler dies De partement unterstützt wird, desto weiter wird sein Einfluß sich erstrecken, und desto weniger werden wir von Produkten anderer Länder abhängig sein. Die Frage der Vergütung für Bureau— Chefs und Beamte, die verantwortliche Stel len inue haben, zu deren gehöriger Verwal tung Fähigkeit und Charakter erforderlich ist, ist eine Frage, auf welche ich Ihre Aufmerk samkeit rlchte. Nur wenige dieser Beamten erhalten eine zum anständigen Unterhalt einer Familie hinreichende Vergütung, während sie Pflichten zu erfüllen haben, bei denen es sich um Millionen handelt Im Privatleben ver langen Dienste eine Vergütung, die den Lei stungen gleichkommt Eine weise Sparsam-- keit gebitetet die Anwendung derselben Regel auf den Bundesodienst Ich gebe hier nicht die Voranschläge der Bundesausgaben für das bevorstehende Jahr und die Vergleichung der Ausgaben für däs vergangene und das laufende, weil alle diese Ziffern in den Berichten der verschiedenen De partements enthalten sind. unestie Mehr als sechs Jahre sind verstrichen, seit dem der letzte Schnß in dem Kampfe um Er haltung der Union gefeuert wurde. Es ziemt sich wohl, zu erwägen, ob es jetzt nicht an der Zeit ist, die durch das 14 Amendement zur Bundesverfassung eingeführten Entrechtungen aufzuheben. Diefes Amendement perkürzt nicht das aktive Wahlrecht, sondern nur das passive, 1. Wählbarkeit gewisser Klassen. Da gegen läßt es die Wählbarkeit von Leuten zu, welche zwar ganz dieselben politischen Ansich ten hegen, wie die Entrechteten, aber bei wei— tem nicht eine so geachtete Stellung im Ge meinwesen einnehmen. Allerdings sagt man. daß diefe eineu Eid der Treue gegen die Ver Staaten gebrochen häben und jene nicht. Allein würden sie es auch nicht gethan haben, wenn sie in der Lage gewesen wären, es thun können, wenn sie gls Beamte einen Eid guf die Bundesverfassung zu leisten gehabt hätten? Es ist nicht daran zu zwei— feln. Wenn es besonders schwere Verbrecher giebt, die sich vor allen andern in ihremKamßpfe gegen den Bund hervorgethan haben, so koönn— ten solche immerhin von der Amnestie gusge— schlofsen werden. Diesen Gegen tand möchte ich Ihrer sorgfältigsten Etwägung eimnpfeplen. Die Lage der südlichen Staaten ist leider nicht der Art, wie wahrhaft patrlotische Bürger sie sehen niöchten. Gesellschaftliche Achtung um politische Ansichten willen, körperliche Gewalt sthatigteiten oder Drohungen gegen Solche, deren politische Meinungen nicht mit denen der Majorität übereinstimmen, verhindern die Einwanderung und den Zufluß des so sehr nöthigen Kapitals in die früheren Rebellen staateu. Es würde ein großer Segen für das Land sein, wenn die alten Bürger jener Staa ten wieder Antheil an den öffentlichen Ange—- legenheiten nehmen, ihre ehrlichen Üeberzeu—- gungen zur Geltung zu bringen suchen, für Männer, die ihre Ansichten vertreten, stim men und die gleiche Meinungs- und Wahl— freiheit an Denen, welche andere politische Ueberzeugungen hegen, dulden werden. Distrikt Columbia. Unter den Bestimmungen des Congreßakts vom 21. Februar 1871 würde eine Territorial Regierung im Distrikt Columbia organisirt. Ihre Ergebnisse haben bis jetzt die Erwartun— gen der Befürworter derselben erfüllt. Unter der Leitung der Territorialbeamten ist ein System von Neuanlagen begonnen, durch welche Washington rasch zu einer der Bundes hauptstadt würdigen Stadt wird. Die Bür ger des Distrikts haben sich aus freien Stücken besteuert, um zur Erweiterung und Foörderung des Regierungositzes beizutrgen Ich em pfehle liberale Geldbewilligungen Seitens des Congresses, so daß die Bundedregierung ihren gerechten Theil der Kosten trägt, welche die Ausführung des Systems der Verbesserungen erfordert. Bundesgebäude in Chicago Durch das große Feuer in Chicago wurden die wichtigsten Bundesgebäude in der Stadt in Asche gelegt. Die betreffenden Gebäude waren schon vor dem Feuer ungenügend für die Bedürfnisse der Regierung in jener Stadt raschen Wachöthums, und mit Hinblick auf die nahe Zukunft ganz und gar unge nügend. Ich empfehle deshalv eine sofortige Geldbewilligung zum Ankauf des ihn Theils des Blocks, auf welchem das abge braunte Gebäude stand, vorausgesetzt, daß es für einen angemessenen Preis zu haben ist und vorausgesetzt, daß die Gesetzgebung von Illi— nois durch Gesetz die Expropiirung zu Bun— deszwecken ermächtigt, und ferner eine Geld— bewilligung in solchem Betrage, als während dieses Finanzjahrs zur Aufführung neuer Ge bäude verwandt werden kann Schutz der Einwanderer. Die Anzahl der Einwanderer, die unbe kannt mit unseren Gesetzen, Gewohnheiten jährlich ins Land kommen, ist eine so große und die an ihnen verübten Betrügereien so zahlreich und schreiend, daß der Congreß zu ihrem Schutze Maßregeln ergrelfen sollte. Ich kaun jetzt nicht so eingehend wie ich wünschte, über die Klagen der Einwanderer im Einzelnen mich verbreiten, werde mich aber bemühen, es während der Sitzung des Con gresses nachzuholen Civildienst-Reform. Es ist das Ziel der Regierung gewesen, in allen öffentlichen Aemtern auf Ehrlichkeit und Leistungen streng zu halten, und gegen jeden Beamten, der das auf ihn gesetzte Vertrauen verletzt hat, ist mit der ganzen Strenge des Gesetzes eingeschritten. Wenn schlechte Men schen sich Aemter verschafft haben, so ist das dem durch Brauch und Gesetz eingeführten System der Aemterbesetzung zur Last zu legen, oder denjenigen, welche Personen, die ihnen persönlich nicht genügend bekannt sind, zu Aemtern empfehlen, oder welche Aemterjägern schriftliche Empfehlungen geben, ohne die schwere Verantwortlichteit zu fühlen, die ein solches Verfahren auf sie wälzt. Eine Civil dienstreform, welche diesen Mißbrauch abstellt, ist sehr zu wünschen. In Handelsgeschäften betrachten sich die Geschäftsleute, welche einem Freunde einen Empsehlungobrief geben, um ihnen zur Krediter!angung von einem Frem-- den behülflich zu sein, als moralisch verant wortlich für die Rechtlichteit des Freundes und seine Fähigkeit, seinen Verpflichtungen nachzukommen. Eine Reform, welche diesen Grundsatz gegen Alle durchführte, welche Per sonen zu öffentlichen Aemtern empfehlen, würde große Vorsicht bei der Ausstellung von Empfehlungen herbeiführen. Eiue heilfamé Lektion ist solchen leichtsinuni gen und unehrlichen Beamten durch die große Anzahl von Klagen und Ueberführungen in den letzten zwei Jahren ertheilt worden. Es ist erfreulich, die günstige Aenderung zu be merken, welche im ganzen Lande erfolgt ist, und durch welche die, welche sich der Verletzung ihrer Pflichten schuldig gemächt, zur Strafe gebracht und Männer in Aemter erhoben werden, die das Vertrauen der ehrlichen und redlicheu Leute besitzen, die, wie man stets fin den wird, die Menschheit überall bilden. In meiner letztjährigen Botschaft empfahl ich dringend eine Reform im Civpildienste in Uebereinstimmung mit jener Empfehlung. Der Congreß hat in einem Congreßakt vom 30. März 1871 dem Präsidenten die nöthige Ermächtigung zur Einführung einer Civil— dienstreform ertheilt und ihm dafür verant— wortlich gemacht. Ich versammelte eine Com mission von Herren, die zur Entwerfung von Verordnungen zur Erzielung der nöthigen Reform ausnehmend geeignet waren. Ihre Arbeiten sind noch nicht ganz vollendet aber sie werden, wie man glaubt, einen Plan zu Stande briugen, welcher zur großen Befrie digung des Präsidenten, der Chefs der Depar— tements und der Mitglieder des Congresses angenommen werden kann, und welcher zum Besten des Bundesdienstes ausschlagen werde. Jedenfalls sollte es mit dem Experiment or dentlich und ehrlich versucht werden. Ich habe so weit in Eile die Thätigkeit der Bundesver waltuug während des letzten Jahres resumirt und die mir geeignet scheinenden Rathschläge ertheilt. Ich unterbreite sie mit dem Ver— trauen, daß Ihr vereinigtes Haudeln weise und staatsmännisch sein wird and im besten Interesse des ganzen Landes 4 Dezember 1871. u.S. Grant, Präsident. Das Wichtigste aus der Botschaft des nenen Mayors von Chicago. Herr Vorsitzer und meine Herren Stadträ the: Die sehr kurze Zeit, welche seit dem Empfang der Nachricht von meiner Erwäh lung verflossen ist, macht es für mich unmög lich, Ihrer achtbaren Körperschaft eingehende Vorlagen über einige Gegenstände zu liefern, oder in Bezug auf andere die nöthigen Vor schläge zu machen. Sobald ich jedoch mit den Pflichten und Geschäften des Amtes vertrau— ter geworden bin, werde ich von Zeit zu Zeit, wie es der Stadtcharter bestimmt, weitere Vorlagen einsenden. Ich bin unter außerordentlichen Umständen an die Spitze dex städtischen Verwaltung beru fen. Vor wenigen Wochen wurde unsere theuere Stadt, die sich in geträumter Sicher heit wiegte, in furchtbar tragischer Weise vom Feuer heimgesucht, und in wenigen Schreckens stunden war ein großer Theil in Asche und Rauch verwandelt, eine ganze Division (Nordseite) verzehrt, von einem zweiten nur ein Bruchstück übrig gelassen, und der dritten eine schwere Wunde versetzt. Innerhalb 24 Stunden wurden 125, 000 Bewohner der Stadt aus ihren Wohnungen getrieben, und gezwun-- gen, sich auf Straßen, freie Plätze oder in den See zu flüchten, um den Tod in den Flammen zu entgehen. Viele verloren ihr Leben in Folge der Gluthhitze, durch Erstickung oder durch stürzende Mauern. Die Zahl derselben wird vielleicht nie sich feststellen lassen. Die Massen, welche entkamen, mußten von der Hand der Mildthätigkeit Obdach und Nahrung suchen. Der größte Theil unserer Bürger, die ihre Wohnungen nicht durch das Feuer einbüßten, verloren ihre Kaufläden, ihre Werkstätten, ihre Geschäftsbüreaus, ihre Waarenvorräthe, ihre Werkzeuge, Bücher, Rechnungen, Papiere, Beläge, Geschäft oder Stellungen, und man kann kaum Jemanden finden, der nicht direkt durch den großen Brand gelitten hat. Von den gesammten durch Arbeit und Capital in Chicago geschaffenen Eigenthumowerthen, die am 8. Oktober vorhanden waren, war am 9. mehr als die Hälfte untergegangen. Es ist unmöglich, den Werth des so plötzlich zerstör ten Eigenthums in Geld genau anzuschlagen, aber er kann schwerlich unter 150 Millionen Dollars betragen. Ein verhältnißmäßig klei— ner Theil dieser Verluste wird durch die Feuer versicherungsgesellschaften ersetzt werden Ein so ungeheurer Verlust kann eine Bevötkerung nicht treffen, ohne die Geineindeangelegenhei ien ernftlich zu afficiren. Die Stadt hat als Corporation an Eigenthum und Einkommen genau in demselben Verhältniß eingebüßt, wie die Einzelnen zusammea. Die Stadtber waltung hat kein Einkommen außer dem, was sie von den Bürgern Chicago's in der Gestalt don Steuern, Licenzen und Pachtgeldern er halt, oder was sie auf den Credit der Bürger hin erlangt; uud in wleweit ihr Eigenthüm und Geschäft vermindert ist durch das schreckli che Unglück, das sie betroffen, in soweit find die Einnahmen der Stadt vernindert; und ebenfo wie die Bürger sich einschränten, um durchzukommen, so muß die städtische Verwal tung sich einfchränken. Die städtische Finanzlage. So schwer auch der Schlag gewesen ist, der uns betroffen, so bin ich doch nicht muthlos. Unsere Verluste als Gemeinde, wie unsere Verluste als Einzelne werden bald ausgeali chen werden, und bel verstänbrger Verwaltung Unserer tdtischen Angelegenheiten werden die Bürger sich rascher von ihren Verlusten erho len, und dadurch bald in den Stand kommen, die Lasten der Befteuerung zu tragen, ohne dadurch erdrückt zu werden. Ueber die jetzige Finanzlage der Stadt gebe et amtlichen Quellen folgende Ueber s Feste Schuld am 1. Dez. 1871.. sl4, 103, 000 Davon die im Tilgungofond lie gendenSchüldscheine abgezogen 557,000 Ausstehende Schuldscheine. 13, 546,000 Diese Schuld zerfällt in folgende Rubri— fen: Feste Schuld alte Scheine ß 342,000 1 neue 7 —2, 192, 500 Schul-Schuldscheine 1,119,500 Schulbau-Schuldscheine 53,000 Abzugslanalbonds. 2,680.000 Canalvertiefungobondõ.. 2,896,000 Wasser-Bondd. 4.820.000 Außer der festen Schuld hesteht eine schwe bende Schuld, welche besteht aus: Schuldscheine. 128,707 Ansprüche für Canalvertiefungsar beiten über die vom Gesetz gestat teten 3 Millionen hinaus.. ù 253,000 Laufende Ausgaben für Nov. ì ò ,VÆ ï250,000 Für den Tunnel noch zu zahlen und für andere Dinige. n 45,000 Zm Ganzen etwa. 686.707 Der Comptroller schätzt die allgemeinen Ausgaben für den Rest des Finanzjahres auf $1,141,000. In den verschiedenen Spezialfonds besiuden sich noch folgende unausgegebene Bilanzen: Wasser- Fond, vom Verkauf von Bounds 8 807,202 Schulbauten, vom Verkauf von Bondds Spezialsteuer, eingetrieben 4135,467 Britewell-Fond n 1245 Keformschul-Fond. 30,000 Im Ganzen. 0.::31,556,338 Von diesen Geldern hat die Stadtverwal tung zur Deckung laufender Ausgaben provi sorisch 51,144, 186 entnommen, welche, wenn sie gebraucht werden, zu ersetzen sind Bleibt somit in Cassa am 1. Dez. 1871 $412,152. Der Stadtrath wies in einer neulichen Sitzung $l4O, 000 vom Wasserfond an, zur Herstellung der Wasserwerke und Legung neuer Köhren. Der Wasserfond wird dadurch guf $757,262 reduzirt werden. Es liegen noch vier Monate von diefem Finänzjahr vor uns und während die ser Zeit wird der Stadtschatz sehr wenig Ein nahmen von Steuern, Pachtverträgen oder Licenzen beziehen; die Stadt muß daher Geld von den Banken oder sonstwo borgen, um die laufenden Ausgaben zu bestreiten, bis sie das Geld aus den jährlichen Steuereinnahmen wieder erstatten kann. Ohne die rechtzeitige Hülfe von Seiten des Staats würde der Stadtschatz es sehr schwierig sinden, den an ihn während der nächsten 2 Jahre gestellten Anforderungen zu entsprechen. Der Verlust an städtischem Eigenthum durch das Feuer war ein bedeutender; dazu der starke Ausfall in den Einnahmen aüs Steuern und Wasser- Renten, dabei das Verbot, die städtische Schuld zu vermehren, in der Staatsverfassung; diese drei Dinge zusammen würden die Stadt in die Klemme briugen, wäre nicht der Staat prompt aufgetreten und hätte er nicht der Stadt das Geld zurückgegeben, was sie dem Staate zur Vollendung des Michigan und Illinois Canals vorgestreckt hatte Der Staat holte sich dasßecht dies zu thun, in dem ursprünglichen Contrakt mit der Stadt vor behalten Der Canal besindet sich jetzt schul denfrei in den Händen des Staats und wird sicher ein schönes Eintommen von jetzt an ab werfen Der Ertrag der Seitens dec Stadt besessenen Canal-Hypothek wird die Stadt in den Stand setzen, die zerstörten Brücken, Schulhäuser und andere Gebäude wieder zu bauen; ihren Credit zu erhalten, und die Ko— sten der Verwaltung zu bestreiten bis die Kri sis überstanden ist. Die zeitgemäße Hülfe wird die Wiederherstellung der früheren Steue rkraft unserer Stadt beschleunigen, und der Staat für seine Güte durch reiche (Steuer-) Beiträge zum Staatsschatz belohnt werden. Chicago wird stets dem Gouverneur und der Gesetzgebung und deren Wählern für ihre Be weise von Güte zu Dank verpflichtet sein. Die Summe, welche der Staat zur Ablösung der städtischen Canal Hypothek zu zahlen über nommen hat, beträgt $2,955,340. Davon sind $10,500 schon eingegangen und $645, 000 stehen zeitig genug in Aussicht, um die Ja— nuar-Zinsen der städtischen Schuld zu bestrei— ten. Von der festen städtischen Schuld werden im Jahr 1872 nur $39,060 fällig es sind 7proc. Schuldscheine, die am 1. Dezember 1872 fällig werden. Nur 85000 Tilgungsfonds Bonds müssen innerhalb des nächsten Jahres ange—- kauft werden, und in 1873 werden nur $50,- 000 Bonds fällig; in 1874 $97,000; in 1875 SIOO,OOO, in 1876 $95,000, lauter 6procen tige. Mit der Abtragung der stehenden Stadt schuld haben wir uns daher vor der Hand nicht sonderlich zu beschäftigen. Die Verluste an städtischem Eigenthum werden von den verschiedenen städtischen De partements wie folgt angeschlagen: Rath der öffentlichen Arbeiten. Rathhaus, Möblirung einbegriffen $470,000 Abgebrannte Brücken... 171,000 Schaden am Straßenpflaster. 270,000 Schaden an Seitenwegen und Straßenübergängen, zahlbar aus dem Generalfond 70,000 Schaden an den Wasserwerken. 35, 000 Schaden an Laternenpfosten ffſt. 15,000 Schaden an Feuer-Hydranten, Reservoirs, Abzugökanäle, Was serdienst 60, 000 lin Ganzen ar n 31,085.000 Dazu sind zu rechnen 121ʒ Meilen zerstör ter Seitenwege (welche durch Specialbe steuerung zu ersetzen wären), angeschlagen auf $941,380. Verlust des Feuer Debarte— ments. An Gebäuden r 60,006 An Möbbell 7,600 Schaden an Spritzen. v æ.- 8,200 Schaden an Schläuchen. nìv v· 10,000 Schaden am Feueralarm-Tele graph. 45, 000 Im Ganzen. n 130,700 Verlust des Polizei -Departe ments. An Gebäuden 53,600 An Möbeln re 32,500 Zusammen.. s 86,100 Verlust des Erziehungsrathes. An Gebäuden, Möbeln -c 251,000 Gesundheitsrathö-Eigenthum. 15,000 Gesammtbetrag der Verluste. $1,567, 800 Dazu die herzustellenden Seiten wett 2941,380 Macht im Ganzen. ì $2,509, 180 Alle diese abgebrannten Gebäude, Maschi nen, Brücken, Seitenwege Möbeln -c. müs sen so rasch als möglich ersetzt werden, da sie für Stadt und Bürger unentbehrlich sind Weitere städtische Feuerverluste. Außer der Zerstörung des obigen Eigen thums sind Archive, Belege, Bücher, Papiere, Steuer-Warrants, Abschätzungslisten -e. durch das Feuer zerstört und dadurch der Stadtver waltung viel Verlust, Verwirrung und Ver legenheit bereitet. Man glaubt jedoch. daß ein großer Theil der Daten aus andern Quel len ergänzt werden kann Der Geldverlust, welcher der Stadt durch die Zerstörung der Beweise rückständiger Steuern und Special steuern erwächst, wird immerhin ein bedeuten der sein. Folgende Bücher und Papiere sind zerstört oder gerettet: In dem Bureau des Ma yor õ wurde Alles zerstört, es befanden sich jedoch keine öffent lichen Aktenstücke darin. Bureau des Comptrollers Alle Archive, Bücher, Papiere und Listen der Comptrollers-Verwaltung, vom Anfang der selben bis zum Feuer, sind vernichtet. Zum Glück für die Stadt legte der Charter seit 1857 dem Comptroller die Veröffentlichung einer jährlichen Uebersicht über Einnahmen, Ausgaben und Schulden der Stadt auf, seit 1861 die Veröffentlichung einer monatlichen Uebersicht der Einnahmen und Ausgaben. Aus den veröffentlichten Protokollen des Stadt raths, welche zu haben sind, kann man die Finanzlage der Stadt bis zum Septemberlß7l ermitteln. Der Bericht für September, der zum Druck fertig, verbrannte. Bureau des Stadt-Clerks. Nur die nach dem 15. September geführten Bücher, Proto kolle und Dokumente fstnd zerstört. Alle Do cumente vor dem 15. September sind in dem Gewölbe wohl erhalten; ein großes Glück, denn sie sind für die Stadt bon größerem Werthe als alle verloren gegangenen Bücher und Papiere. Bureäu des Stadt-Schatzmeisters Alle Bücher und Belege zerstört; die städti schen Gelder waren jedoch im Bankgewöölhe hinterlegt und sind gerettet. Bureau des Steuer-Commissärs. Alle Grundbesitz-Abschätzungöbücher für das Jahr 1871 und alle Ansätze bon perfönlichem Eigenthum find gerettet oder wiederhergestetlt. Ferner auch 17 Bände Karten der Süd- und Nordseite, ferner 13 Bände unausgeführter Karten; ferner alle Ansätze von Eigenthum von 1837 bis 1871 sind gerettet. Alle anderen Papiere des Bureaus sind zerstört. Stadt-Collectors-Bureau. Alle Spezialsteuer Listen und Bücher, die allge meinen Steüer- Warrants von 1868, 1869 und 1870 und die personliche Eigenthums- Steuer, die unkollettixt geblieben von den Jahren 1867 fen); ferner alle andern Bücher, Memoran den -c. wüurden zerstört. Der Collektor zeigt ferner den Verlust an von den SIO,OOO in Gold, Bankanweisungen, Anweisungen auf den Schatzmeister, nebst Quittungen, Berich ten und vieler anderer Dokumente, deren Werth sich schwer abschätzen läßt. Väurath Alle Bücher, Belege welche in dass Departement der Buchhaltung schlagen, ferner die Hauptbhücher des Spezial- Abschätzungs-Departements sind gerettet; alle andern Bücher und Memoranden sind ver— loren. Polizei- und Feuer-Rath. Alle Bücher, Dokumente und Memorande sind verloren. Gesu nerilertbnce Verlust der Bücher und Papiere ist vollständig. ue lize t ri icht, Südseite. Alle Bücher und Klage-Register sind zerstrt Polizeigericht, Westselte. Die Bücher -c. sind unbersehrt, da sie nicht vom Feuer berührt wurden. Polizeigericht, Nordselte. Alle Bücher und Klage-Register sind zerstört. 1 Erziehungsörath. Alle Bücher und Papiere zerstört, mit Ausnahme der Proto kolle der Sitzungen des Raths. Diese Liste zerstörter Dokumente und Pa— piere konnte zu einer übertriebenen Vorstellung des wirklich angerichteten Schadens führen Die städtischen Rechnungen wurden so geführt, daß durch die Zerstörung der Bücher des Coinptrollers nur wenig Verlust erwachsen. Die Anweisungen für das Polizei- und das Feuer-Departement, etwa 3900,000, bestehen größtentheils aus den Zahllisten der Polizi sten und der Feuerleute. Diefelben wurden, mit Ausnahme einiger Wenigen, die Special dienste leisteten, am Samstag vor dem Feuer abbezahlt. Doppette Bezahlung oder betrü gerische Bezahlung ist nicht zu befürchten, und jede Gefahr wird beseitigt sein, wenn die Aus zahlungen für November abgemacht sind. Den größten Verlust wird, wie ich fürchte, die Stadt durch die Vernichtung der Bücher, Listen und Steuern-Warrants in dem Bureqgu des Stadt-Collektors erleiden. Nach dem letzten Bericht des Comptrollers beliefen sich die Rückstände, in Bezug auf wel che richterliche Urtheile erlangt waren, wie friat: 2 lllgemeiner Steuer-Warrant für enemer Stener trarrant sue $193,825 Allgemeiner Steuer-Warrant für erteinrt Sttuetrßansnt sitteo Allgemeiner Steuer-Warrant für ewemer Senerrnvartant 221.,427 Nicht eingetrieben bis zum 1. April 17L. $426,832 je Aussichten, spãter noch viel von diesen e dere sind keine glänzen—- den. Ein großer Theil des besteuerten Eigen thums ist selbst durch das Feuer zerstört. Der Comptroller schätzt den Betrag der Steuern, welche unter der gegenwärtigen Einschtzung (nach Abzug für das durch cen zerstörte Eigenthum) fallig werden, auf 32, 282,000, wovon indessen für Zahlungssäu migkeit und Zahlungsverweigerung i tende Abzüge zü machen sind Manche 9 s eigenthümer haben die üble Gewohnheit, a Steuerzahlungen gerichtlich anzufechten un die Stadt durch Appellationen, Injunctio nen auf Grund bon Formfehlern zu chita niren, wodurch der Stadtkasse große Sum— men verloren gehen. Daher kann man aus einer gegebenen Einschätzung und Steuerum lage teineswegs mit Sicherheit auf den Steuerertrag schließen Sparsamteitist die Losung. Der Geldverschwendung, in wel cher sich bisher der Rath der öffentlichen Ar beiten, der Erziehungsrath -c. gefallen haben, muß auf's allerentschiedenste ein Ende gemacht werden. Jähriich für 2 oder 3 Millionen Doll. verzinsliche Schuld scheine auszugeben, wie es bisher Mode war, ist fortan durch die neue Verfassung verboten, und die Erhebung von 2 oder 3 Millionen Spezialsteueru durch die Entschei dungen des Obergerichts. Die einzige Einnahmequelle (mit Ausnahme von Miethen, Licenzsteuern und der für die Kanalverhesse rung vom Staate zurückgezahlten Summe) besteht in directen Steuern Jetzt ist die Zeit da, um in allen Abtheilüngen der städtischen Verwaltung die äußerste Sparsamtkeit einzuführen und unsere Ausgaben streng innerhalb der Grenzen un seres Kassenbestandes zu halten. Der Feuer— dämon kam wie ein Dieb in der Nacht und traf eine Stadtverwaltung, welche in ihren Ausgaben weit über die Einnahmeu hinaus ging, an loser Disciplin in einigen, an Un-- fähigkeit in andern Abtheilungen, an Ver schwendung in allen litt. Es wird nicht leicht sein, die früheren verschwenderischen Gewohnheiten aufzugeben und Behörden, die eigentlich Niemandem recht verantwortlich, aber gewohnt sind, Alles was sie fordern, zu erhalten, zur Sparsamtkeit zu zwingen. Allein etwa s Macht hat denn doch noch der Stadt—- rath, selbst unter unserem höchst sonderbaren Charter, den Stadtseckel festzuhalten, die Aus gaben einzuschränken und die Kosten der Stadtverwaltung in- Einklang mit der ver kümmerten Steüerkraft zu bringen. Ich ge lobe, Ihnen dabei mit dem geringen Reste vollziehender Gewalt, welche der Charter dem Mayor gelassen hat, nach meinen besten Kräften zu helfen Verringerung der Aemter und Gehälter. Alle Abtheilungen der städtischen Verwal tung müssen aufs sorgfältigste untersucht wer den, um zu ermitteln, wo sich Ersparungen bewirken lassen. Ich bin überzeugt, daß Hunderte, die jetzt Gehälter von der Stadt beziehen, überflüssig sind und entlassen·wer den können und daß eine Menge Ausgaben unterlassen werden können, ohne daß das Ge meinwohl darunter leidet Jetzt ist nicht die Zeit für Supernumerarien und Sinecuristen. Während 75,000 unserer besten und fleißig sten Bürger ihre ganze Habe verloren haben, in Schuppen und Baracken überwintern, die von auswärtigen Liebesgaben erbaut worden sind und durch Mitdthätigkeit ernährt werden müssen, kann und darf die Stadt nicht Gehalte an Leute zahlen, deren Dienste überflüssig sind. Ich empfehle die Einsetzung einer besondern Commission, welche alle einzelnen Abtheilun gen der städtischen Verwaltung zu untersuchen und zu ermitteln hat, wo gespart werden kann. Zugleich schlage ich vor, daß die Ge hälter aller von der Stadt besol— deten Beamten auf ein Jahr um 20 Procent herabgesetzt werden. Ich hoffe, daß die Mitglieder der verschiedenen Commissionen willig auf diesen Vorschlag ein gehen werden, durch dessen Annahme. der Stadt mindestens eine halbe Milion Dollars erspart werden wird Wenn an— ders ich die Bedeutung unserer letzten Stadt wahl richtig verstehe, so war die Bewirkung solcher Reformen, wie die hier vorgeschlageneẽ, die Hauptabsicht der Bürgerschaft und es würde eine bittere Enttäuschung sein, wenn sie nicht eingeführt würden. Seit Jahren haben gutgesinnte Bürger in der Betrachtung der beunruhigenden Ver— schlechterung unserer städtischen Verwaltung die ernstesten Besorgnisse empfunden und es hat sich ihrer eine gewisse Entmuthigung, um nicht zu sagen Verzweiflung bemächtigt. Den meisten Inhabern öffentlicher Vertrauens- oder Ehrenämter schien alle Ehrlichteit abhan den gekommen zu sein. In einigen Städten hatten sich schurkische Genossenschaften ehrloser Parteigänger durch verbrecherische Mittel der ganzen Stadtverwaltung bemächtigt und er gingen sich in der ungeheuerlichsten Vergeu— dung. Die Steuern und Schuiden wuchsen in furchtbarem Maße. Der Erwerb der Bür ger wurde mit vollen Händen in die Taschen ihrer Beherrscher gelenkt und ihr Vermögen auf lange Zeit hinaus verpfändet. Verbrecher und Schurken aller Art wurden aus dem Stadtseckel besoldet und Sinecuren für Spieß gesellen zu Tausenden geschaffen. So ging es in der Handelsmetropole des Landes zu Das böse Beispiel von New Hork wirkte in größe rem oder geringerem Grade auf alle Verwal tungen großer Städte ein. Ist Chicago der Ansteckung völlig entgangen? Ich furchte, nein. Allein früher oder später übersteigt die Schurkerei alle Grenzen der Scham, versäumt es, ihre Spuren zu verwischen und steht plötz lich in ihrer scheußlichen Nacktheit enthüllt vor dem entrüsteten, bestohlenen Volke. So in New York, wo die Bürger sich in ihrem Selbst erhaltungotriebe in Masse gegen ihre räuberi schen Herrscher erhoben und sie gestürzt ha— ben. Ein Theil dieser Hochfluth des sittlichen Volkobewußtseins scheint auch Chicago erreicht zu haben und Diejenigen, dié mit der Umlage von Steuern und der Verausgabung städtischer Gelder betraut sind, werden gut thun, sich bie eindringliche Lehre zu Nutze zu mächen Wenn die städtischen Verwalter gerecht und ehrlich sind, geben sie der Bürgerschaft ein Beispiel, welches bald in allen Ktassen und Lebensbeziehungen Nachahmung findet. Eine Stadtperwattung, welche Ehrlichkeit und Spärsamkeit übt, ermuntert dädurch die Tu— genden im Privatleben, erwect Zufriedenheit und trägt zur Verminderung des Uebels der Unterschlagung bei. Wollen stadtische Be hörden sich respectirt sehen, so müßen sie sich felbst achten und durch ihre Handlungen An— spruch auf die Achtung ihrer ntergebenen er werben Jeder Beamte muß es als Ehren sache betrachten, dem Publiküm so gewissen haft zu dienen, wie sich selbst. Ein wahrhaft redlicher Mann wird bei der Verwaltung öf— fentlicher Gelder wo möglich noch strenger und gewissenhafter sein, als in der feines eigenen Vermögens Pflicht der Stadtverwaltung von Chicago ist es, nicht nur den eigenen Bürgern, sondern auch anderen Städten des Landes ein gutes Beispiel zu geben. Der ganze Charakter der Nation hn von dem seiner Communalzustände ab. Gehen diese in Unredlichkeit üd Lastern zu Grunde, so zerbröckelt damit das Fundament des natio nalen Staatöbaus. Feuergefährlichkeit der Stadt. Zu den wichtigsten Fragen, welche an Sie herantreten, gehört die der künftigen Feuer grenzen und die einer genügenden Wasser- Zufuhr behufs Löschung von Feueröbrün sten. Die erstere ist elne Frage der Verhü— tung, die andere eine Frage der Be w ä l tigung von Unglück —Am 9 Oktober wur den mehr ats 20,000 Gebäude binnen 24 Stunden vernichtet. Eine so ungeheure Zer störung in so unglaublich kurzer Zeit steht in der Geschichte der Feuersbrünste ohne Gleichen da. Auch gab es in der ganzen Welt keine zweite Stadt, in welcher die Bedingungen ei ner solchen Katastrophe in gleicher Vollkom menheit vorhanden waren. Zunächst liegt Chicago am Rande einer endlosen Prairie, auf welcher fast immer heftige Winde herr schen. Es enthielt 60,000 aus Tannenholz und einige tausend aus Stein errichtete Gebäude. Die im Herbst herrschenden Winde wehen stets vom Süden und vom Südwesten. Die fester gebauten weithvolleren Stadttheile lagen alle östlich von den feuergefährlicheren und wur den von ihnen völlig beherrscht. Von Jahr zu Jahr ward der hölzerne Stadttheil dichter und dichter mit dem brennbarsten Material, Tannenholz, angefüllt. Auf ganzen Geviert- Meilen hatten wir fast nichts, als tannene Häuser, tannene Seitenwege, Hobelmühlen und Holzhöfe voll Tannenholz. Ein sengend heißer Südwestwind, der mehrere Tage an hieit, hatte jede Spur von Feuchtigkeit aus den ungeheuren Massen Tannenholz, aus wel chen die Stadt bestand, herausgesogen und sie in Zunder verwandelt. Mitten in der Nacht brach im Herzen dieser Masse von Brennstof fen Feuer aus; ein rasender Sturm breitete es mit Blitzesschnelligkeit aus uud verlieh der feurigen Lohe eine solche Kraft, daß sie den Fluß wie einen kleinen Bach überspräng An Holzhäusern zur Rechten und zur Linken ihrer Bahn fand die Feueröbrunst neue Nahrüng und fegte wie mit dem Besen der Verheerung Alles vor sich nieder, bis —kein Tannenholz mehr dg war, um sie zu speisen. Welche Lehre müssen wir aus dieser schreck lichen Heimsuchung ziehen? Sollen wir sie nur als einen Zufall betrachten, den mensch liche Vorsorge nicht hätte bannen können? In einer solchen Auffassung würde große Gefahr für die Zukunft liegen Viele ünserer Bür ger sind von einer blinden, unvernünftigen Vorliebe für Holzwände, Holz-, Pappe- und Theerdächer besessen. Man hält das für wohlfeil, während in der That, in Anbetracht aller Umstände Holz das kostspieligste Bauma— terial ist. Es hält nicht lange, verwittert in wenigen Jahren, erhält ein schäbiges Aus sehen und ist von allen Baumaterialien das entzündlichste. Man spart gar nichts, wenn man mit Holz baut. Der Unterschied beim Bau ist höchstens 15 bis 20 Prozent und diese Ersparniß wird bald genug durch die höheren Versicherüngöprämien, größern Ausgaben für Heizung, für Arzt und Apotheker und fort währende Reparaturen verschlungen. Der Werth des Grundstücks selbst wird verringert, die Werthsteigerung der Bauplätze durch die Nähe unansehnlicher, verwitternder, leicht brennbaren Gebäude verhindert und die Eigen thümer können auf solche Grundstücke Dar lehen nur unter den drückendsten Bedingun— gen erlangen. Wenn wir die Stadt wieder aus Holz erbauen, so können wir mit moralischer Ge wißheit auf eine Wiederkehr der Katastrophe vom 9. Oltober rechnen. Die Wahrschein lichkeit künftiger großer Feueröbrunst steigt in gleichem Verhältnisse mit der Zahl der feuer gefährlichen Gebäude Der Sirokkosturm bom Südwesten sucht uns jedes Jahr heim. Starke Westwinde haben wir fast immer. Alle Bedingungen verheerender Feuerobrünste sind mithin in der dürren Jahreozeit stets vor handen. Bei unsern gegenwärtigen Einrich tungen haben wir an einem g:gebenen Punkte nie genug Wasser zur Bewältigung großer Feuer; aber auch die größte Wassermenge würde nicht genügen ein Feuer zu bewältigen, das, unter tausend Zunderbüchsen rasend, nur 20 Minuten Vorsprung hat und von einem Herbststurme nach anhaltender Dürre ange acht wird. mMeiner Ansicht nach sollte es innerhalb der Stadtgrenze keine Feuergrenze geben. Die „Feuergrenze“ und die Stadtgrenze sollten stets identisch sein. Jede innerhalb der Stadt— grenze zu errichtende Feuergrenze wird stets die rsache von Unzufriedenheiten und Miß verständnissen abgeben und stets mißachtet werden. Man wüürde stets bemüht sein, die selbe weiter nach dem Innern, dem Herzen der Stadt, zusrücken, bis sie schließlich auf der frü heren, zivecklosen Grenze angelangt sind. Wie tann man einem dicht an der Feuergrenze wohnenden Manne logisch erklären, er habe nicht das Recht, ein feuergefährliches Gebäude zu errichten, während seinem außerhalb woh nenden Nachbar dieser gefährliche Luxus ge stattet ist. Wir müssen entweder die Eerichtung der Gebäude, die jeden Augenblick den Ruin unserer Stadt herbeiführen können, ganz ver bieten, oder wer müssen jedem Bürger das Privilegium gewähren, das Besitzthum seines Nachbars niederzubrennen. Angesichts dieser Thatsachen empfehle ich Ihnen an, eine Feuerordinanz zu entwerfen, die unsere Stadt für die Zukunft sicher macht. Ihre gegenwärtig noch erxistirenden Holzge bäude werden nach und nach verschwinden ünd permanenten Gebäuden Platz machen In einigen Jahren können wir eine gegen Feuers gefahr gesicherte und prachtvolle Stadt haben. Ein Gefetz, das die,„Feuergrenze“ und die Stadtgrenze identisch macht, wird unseren aus wärtigen Credit um viele Millionen vermeh—- ren und den Werth unseres Grundbefitzes be deutend steigern. Die guten Früchte einer derartigen Maßregel können nicht hoch genug angeschlagen werden. Sie ist übrigens auch gar nichts Neues, sondern wurde bereits in al len größeren Städten, die von einer Feuers brunst heimgesucht werden, zur Geltung ge—- bracht. Ich verweise hierbei nur auf New York, Mountreal, Pittsburg, Cincinnati und San Francisco, weeche die Nothwendigkeit, die Er richtung hölzerner Gebäude innerhalb der Stadtgrenzen zu verbieten, eingesehen haben und in Folge dessen seitdem von groößeren Feuersbrünsten gänzlich verschont geblieben sind. Philadelphia, Baltimore und St Louis haben nicht erst eine Alles verheerende Feu eröbrunst erwartet, che sie Maßregeln zur Selbsterhaltung ergriffen haben. Zum Schluß weise ich mit Stolz und Bewunderung auf die energischen Anstren gungen hin, welche die ganze Bevölkerung Chicago's macht, neues Leben aus den Rui nen hervorzuzaubern. Die pecuniären Ver d luste der Bewohner Chicagos mögen berechnet werden. Wer aber kann die Angst, die Sorge, die Leiden ermessen, die sie in Folge der Kata strophe erduldet haben und noch erdulden wer den? Wenn auch die Wunden in Folge der großmüthigen thatkräftigen Syhmpathie, welche uns von der ganzen civilisirten Welt zu Theil ward, jetzt weniger fühlbar sind, es wird doch geraume Zeit vergehen bis ste ver narben. Daß wir uns dieser in der Geschichte aller Zeiten unerhört dastehenden Sympa thie würdig bewiesen haben und auch fer ner beweisen werden, glaube ich kühn behaup ten zu dürfen. Die Bewohner Chicago's ha ben ihre Calamität mit Stärke und Muth er tragen, Seufzen und Wehklagen über ihre Verluste waren ihnen fremd, überall zeigte sich größte Ergebenheit in's Unvermeidliche, machte sich die regste Thatkraft, das größte Selbstvertrauen geltend Alle sind nur von dem einen Gedanken be seelt: der Welt zu zeigen, daß sie ihrer Sym— pathie, ihres Vertrauens, ihrer Unterstützung würdig sind, daß sie stark im Unglück, ener-- gisch in dem Wiedererwerbe des Verlorenen sind, daß sie nicht rasten werden, bis Chicago unter den Weltstädten wieder den Rang ein nimmt, den es vor der Katastrophe behaup— zete. Was das Feuer uns auch geraubt, es bleibt uns noch der industrielle Unternehmungsgeist, Selbstvertrauen, Geschäftstüchtigkeit, Erfah rung und eine unbesiegbare Willenskraft Diese Eigenschaften waren es, die geschaffen hatten, was uns die Flammen geraubt, und mit Hülfe dieser Eigenschaften werden wir uns bald wieder errungen haben, was uns entrissen wurde. Unter den Auspizien freier Institutionen. einer guten Verwaltung und mit Hülfe einer gütigen Vorsehung werden unsere Verluste bald wieder ausgeglichen, die Spuren der durch das Feuer über unsere Stadt gebrachten Noth bald wieder verwischt sein. Eine bioher ungeahnte Prosperitt unserer Stadt wird in einem so kurzen Zeitraume erreicht werden, daß die Welt durch das Wiedererstehen Chi cago's mehr überrascht sein wird, als sie es durch die Zerstörung Chicago's war Mohamed und der Berg. Das N. H. Journal bleibt bei dem Bor schlage zur Güte, daß die demotratifche Partei sich als stumme und dienstbereite Hülfsarmee der Fraction Schurz zur Lerfügung stellen solle, kühl bis ans Herz hinan. Es meint, daß es das Pferd beim Schwanz aufzäumen hieße, wenn die neun Zehntel dem einen Zehntei nachlausen sollten, statt umgetehrt. Schurz und die übrigen unzufriedenen Republitäner seien der demokratischen Partei ganz willtom men, wenn sie zu ihr übertreten wollten, aber umgekehrt werde kei n Schuh daraus. „Der Natur der Sache nach“, sagt das Journal, „geht der Berg nicht zu Mohamed. sondern Mohamed kommt zum Berge. Die Anzahl unzufriedener Republitaner, deren Op position gegen die verderbliche Politik der A ministration einen vortheilhaften Anderer mit derselben überleben möchte, wird Gelegenheit haben, der großen demö krat i schen Ophositions-Partei, welche ihre Candidaten ins Feld stellen wird. sich anzuschließen, falls sie es nicht vorziehen, auf eigene Faust einen politischen Guerillaktampf zu führen. Die Demoträtie wird sich nicht dazu hergeben, einen solchen Kampf zu unterstützen. Daß sie Candidaten nominiren werde, die sich in der alten Au-- schauungoweise der vorkrieglichen Zeit so ver rannt haben, daß sie die vollendeten Thatsa chen der letzten zehn Jahre nicht begreifen ktön— nen, ist nicht wahrscheinlich, Die demokra tische Partei von ehe dem ist todt, sie konnte die durch den Krieg zertrümmerte Union nicht überleben. Die heutige Demoktratie steht aüf dem Boden der Negation —fie ist die Oppositionspartei, deren Aufgabe darin besteht, die Fehter und Gebrechen der herrschenden Partei bloszustellen, ihre verderb liche Politit zu bekämpfen und dahin zu stre ben eine gesunde Reaction gegen die verfas sungoöwidrige Umsturzpolitit der jüngsten Ver gangenheit vorzubereiten. Wollen die unzu friedenen Republikaner diesem Streben sich anschließen, dann sind sie als Mitstrei— ter herzlich willkommen, wollen sie auf eigene Faust- die politischen Uebel der Ge— genwart bekämpfen, so ist das ihre Sache Wahrscheinlicher ist jedoch, daß sie ins alte Vaterhaus zurückkehren ünd dort die Sisy phus-Arbeit einer Reinigung derselben von Neuem beginnen werden. Auf welch' schwa— chen Fundamenten ihre politische Existenz be ruht, geht aus dem Umstande hervor, daß ihre ganze Opposition gegen Einen Mann ge richtet ist und auf der Voraussicht beruht, daß Grant in der nachsten Präsidentenwahl aber— mals der Bannerträger der republikanischen Partei sein werde. Wie nun, wenn jene Par tei einen anderen Mann nominirte? Sol len dann die Demokraten die Hände in den Schooß legen und unter dem Hohngelächter der unzufriedenen Republikaner sich begraben lassen?“ Das Journal hat Kecht, wenn es sagt, daß die Hauptschwäche der Schurz'schen Bewegung in der Concentrirung der Angriffe auf Ein Individuum (Grant) besteht. Jahr und Tag ehe eine Nationaiconvention zusam mentritt, anzunehmen, daß sie den und den bestimmten Mann wählen werde, und auf. diese Anna hme hin einen bittern Kampf gegen die Partei eröffnen, das ist ein Verfah ren, für welches selbst cin Charles Sumner kein rechtes Verständniß hat Es erinnert an den preußischen Lieutenant, welcher den straff und stumm dastehenden Rekruten anranzt „Kerl, ich weiß, was du jest denkst; du denkst, ich sei ein Esel! Dentkst du das noch einmal, so lasse ich dich 24 Stunden krumm schließen.“ Auf ganz ähnliche Weise haben Schurz und sein Anhang allen Republitänern die einfach gar Nichts über die nachste Prästdentenwahl sagten, weil ihneu die Sache viel zu verfrüht war, und weil sie sich noch. gar keine Gedanken über den nach 12 oder 18 Monaten zu erwählenden Kandidaten ge macht hatten, auf den Kopf zugesagt: „Ha, wir wissen wohl, was ihr dentt! Ihr dentt,