Verlorene Liebesmüüh. Wenn jetzt noch Magnus Groß die New Horter Staatözeitung verübte, so würde rt wahrscheinlich schreiben, daß die demotratische Partei den Schurzianern „die talte Schulter zeigt.“ —Es geschieht das allerdings unter den höoöflichsten Phrasen, die jedem Alberti Ehre machen würden. Der Anzeiger des Westens wird sich nicht beklagen können, wenn Iwir, in Erinnerung an seine eigenen Keuße xungen sagen, daß er sich vor Herra Schurz so wief, wie nur jemals ein neugebackener Baron Cohn von Cohnleben vor Serenissimo ver- beugte „Schurz hat einen guten Kampf ge rämpft; er hat die Initiative zu einer großen Reformbewegung ergriffen“ u. s. w Aber —er steht unter den Hervorragenden Männern in der- republikanischen Partei atle -a; tein tonãngebendes republikanisches f Blatt wirdd ihn in seiner Oppofition gegen Grant folgen, wenn dieser die Candidatür er halten sollte. Erst wean eine Anzahl her vorragender Republitaner, die Sumner, Trüm bull, Cox, Palmet dem Beispiele von Schurz folgen, kana die Rede davon sein, Grant durch eine Allianz zu schlagen und einen liberälen Republitaner zum Präsidenten zu erwähten. So ungefhr würde derKanzlerOrenstjerna, der wohl nicht so grob gewesen wäre, wie der Oberst Wrangel, zu Wä llenstein gespro— chea haben, wenn ihm dieser statt einer Armee uur sich selbst und seine Leibwache zuge führt hätte An Complimenten für den gro— hen Feldherren und den „guten Kampf“, den er getämpft, htte es Oxenstjerna gewiß nicht sehlen lassen, aber auf den geheimen Wunsch Wallensteins, an die Spitze Deutschlands ge—- stellt zu werden, würde er schließlich geantwor tet haben: „Erst wenn eine Anzahl hervorra xnder Männer von Ihrer Seite Ihrem Bei— twiele folgen, kann davon die Rede sein.“ Es ist etwas schr Anderes, Artikel von der Art, wie sie allwöchentlich in der,„Nation“ scheinen, vorzutragen, und eine Parteibewe—- gung zu organisiren. Der Uaterschied ist so groß, wie der zwischen der Abfassüng eines Werks über die Theorie der Kriegführung und der wirttichen Führung eines Heeres Wilheim! Rüstow ist ein trefflicher Militärschriftsteller, iwelchen auch alte praktische Generale als sol chen anerkennen, allein als Oberst-Brigadier unter Garibaldi hat er blutwenig geleistet. Das Unternehmen, einen großen Theil der republitanischen Partei von dieser abzulösen und mit den Demokraten entweder zu einer dritten Partei zu verschmelzen, oder auch nur ad hoe (für den besonderen Zwetck der nächsten Vräsidentenwahl) zu verbünden, erforderte zu seiner Ausführung einen ungewöhnlich hohen Grad von organisatorischer Kraft und vlelleicht auch noch jenen persönlichen Magnetismusõ, wie ihn Stephan Douglas im höchsten Grade besaß, Carl Schurz aber ebensowenig, wie Wendell Phillips, Charles Sumner, oder Carl Heinzen besitzt. Es ist möglich, wie der Anz d. W. andeutet, daß auch Schurz's deut sche Abstammung ihm bei dein Bemühen, die unzufriedenen Republikaner als geschlossene Schaar zum demotkratischen Heere zu führen, hinderlich gewesen ist, doch tönnen wir es tkrum glauben. Wenigstens sollte die außer ordentliche Vorsicht, womit er es vermieden hat, solche deutsche Anschauungen zu vertreten. welche den geborenen Amerikanern besonders anstoößig sind (Temperenz-und Sonntagofrage wohl das stärkste amerikanische Vorurtheit ge gen seine Führung entwaffnet haben. Kicht daß er ein geborener Deutscher ist, sondern daß er ein bloßer Theoretiter ist, der gespro chene Gedanken schon für Thaten häit, wird der wahre Grund dafür sein, daß es ihm nicht gelungen ist, eine zum Bündniß mit den De— motraten bereite Fraction der republitanischen Partei zu organistren. Indessen, worin immer der Grund liege, die Thatsache, daß man sich demokratischersëtõ wenig oder nichts mehr von seiner Bundesge nossenschaft verspricht, steht fest. Sein Plan, den alten wurmstichigen Rumpeikasten der E nier zu bekleben, um ihn dann für ein neues Möbel auszugeben, will keinen Anklang finden Die große Mehrzaht auch der mit Grant un— zufriedenen Republitaner, hegt die Ansicht, daß die republikanische Partei ein solides, ternhaftes Gebäude sei, wenn sich auch im Lause der Jahre an seiner Außenseite mancher Schmutz angesetzt hat und die Politur abge schadt ist; daß dagegen eine iberal lackirte demotkratische Partei wie cin übertünchtes Grab sein wrde, außen schoön und lieblich an zuschauen, aber einen Moder und Unfiath. Von dem Vorhandensein solcher Ansichten bei den amerikanischen nnzufriedenen Republika nern nimnt der Anz. d, Westens, nicht ohne Webmath, Atte, wie folgt: „Dite sogenannten liberalen repuplitanischen Biätter englicher Zunge beschränken sich auf die mildeste Form der Opposition gegen dice Nomination bon Grant Keines odn ihnen befürwortet die sofortige Bitdung einer neuen Partei, und keines wird sich auf eine „Bolter— Bewegung“ gegen Grant cinlassen, wenn tie— ser die Rominatian erhalten sollte. Die N. D. Tribune“ hat längst erklärt, daß sie Grant unterstützen würde, wenn er die Nomination erhalten sollte; die,„„N. H. Ev. Post“ hält die Bildung einer neuen Partei oder einer Allianz zwischen den oppositionellen Elementen, vor der nachsten Präsidentenwahl für nutzlos, und die übrigen sogenannten liberalen Blätter glauben, ohne Aüsnahme, schon etwas Erkieck ches zu leisten, wenü sie ihren Wunsch äu eru, daß die „Einigteit der republikanischen Rartei“ durch das Fallenlassen von Grant er gielt werden möchte. Alle ihre Argumente laufen darauf hinäus, daß die republikanische Partei besser thun würde, Grant nicht wieder zu nominiren, daß man sich aber mit ihm selbst und mit andern Männern, welche durch aus nicht auf liberalem Standpuntkte stehen, zufrieden geben würde. „Klar daß die demokratische Partei nicht entferat daran denken kann, in ihrem Kampfe gegen die herrschende Partei nachzulassen, wenn diese nichts weiter bietet als einen Col fax oder Boutivell, oder Curtin oder Hawley, oder selbst einen Sumner. Das sind nicht die Männer, welche liberale Demotraten im Auge haben können, wenn sie eine Allianz mit den liberalen Republitanern befürworten und den Demokraten rathen, in der nachsten Prasiden enrahl teinen eigenen Candidaten aufzustel en. „Velingt es, Grant in der republitanischen Tonvention zu schlagen, so ist dies schon ein großer Erfolg. Gelänge dies aber nicht, so haben wir, Angesichts der biöherigen Hältung qer sog. liberalen englischen Blätter nur wenig Hoffnung, daß sich eine große republikanische „Bolterbewegung“ gegen Grant organisiren wird. Folgt eine Anzähl hervorragender Re publitkaner, folgen die Sumners, die Trum bitll, die Cox, die Palmer u. s. w. dem gege benen Beispiele, so ist es noch Zeit genug, Grant durch eine große Allianz zu schlagen und einen liberalen Republitaner zum Präsi denten zu erwählen Folgen sie aus Partei geist oder Kleinmuth dem Beispiele nicht, so wird die demotratische Parteials solche den guten Kampf weiter kämpfen:“ Wo in diesem Falle Carl Schurz Stellung nehmen würde, läßt sich nicht sagen. 2: er sich für den Fall der Wiedernomination Grants die Rückkehr zur republitanischen Partei abge schnitten hat und (um den Vergleich mit Wal lenstein wieder aufzunehmen) zu den alten Schweden (Demokraten) nicht anders, als an der Spitze einer eigenen Armee stoßen will, so würde ihm nur übrig bleiben, sich als grollen der Achilles in sein Zelt zurückzuziehen und neutral zu bleiben. Ueber Grant's Wiedererwählung. Die „London Times“ enthält einen Aufsatz über die Chaneen Grant's auf Wie dererwählung und über das Wünschenöwerthe derselben vom englischen Standpunkte: „Verschiedene Urfachen wirkten zusammen, um der republikanischen Partei in den Ver. Staaten fortwährend das Uebergewicht zu verschaffen Unstreitig sind die großen Er rungenschaften des Krieges und die Ueberzeu gung, daß die republitanifche Partei sich am Besten zur Sicherung und Befestigung Des sen eignet, was sie im Kriege gewonnen hat, die dauerhaften Grundlagen der republitkani schen Macht. Dazu kommt aber der admini— strative und finanzielle Erfolg der letzten Jahre und das günstige Verhältuiß der Union zu auswärtigen Mächten. Eine große Mehr eit der besten Art von Amerikanern gehört zu ben Republikanern, vielleicht deshalb, weil ei nige der sginmten an gewissen Orten die Führer der demofratischen Partei sind. „Die allgenteine Meinung geht dahin. daß Präsident Grant wiedernominirt und wieder erwählt werden wird. Sehr förderlich wird d ÆEreigniß die Achtung sein, die sich ha Grant nicht nur bei den Republi kanern, sondern bei gemäßigten Männern al ler Parteien durch seine chrliche und gewissen hafte Pflichterfüllung erworben hat, und ebenso förderlich das Bewußtsein der Wähler, daß sie an ihm einen erprobton und jeder Eventualität unserer Zeit gewachsenen Mann haben. Alerdings herrscht unter der jetzigen ameritanischen Generation ein starkes Vorut theil gegen Wiedererwählung eines Präsiden ten, und die nur einmalige Amtozeit eines Präsidenten ist einigen Politikern, wie wir glauben, beinahe zum Kardinalprineip ge— worden. In den früheren Tagen der Unton war dies nicht der Fall. „Es wird sich zeigen, ob die Verdienste und die Popularität des Gen. Grant ihm diese hohe Ehre verschaffen. Wir können nur sa gen, daß ein solches Resultat des bevorstehen den Kampfes in England die größte Befrie digüng hervorrufen würde. Die Interessen Englands und der Ver. Staaten sind jetzt in Handeldangelegenheiten und ehen damit auch in politischen Angelegenheiten so sehr mit einander veriwohen, daß der Charakter des ameritanischen Präsidenten für uns von kei ner geringen Wichtigkeit ist Und die allge meine Meinung geht unseres Wissens dahin, daß die Ver. Staaten niemals eine Regierung hatten, die in ihrer auswärtigen Politit rechtschaffener und versöhnlicher war als die gegenwärtige, und der Diejsenigen, deren com merzielle nnd finanzielle Interessen sich an die Aufrechthaltung des amerikanischen Credits knüpfen, größeres Vertrauen schenken als ihr. „Die Festigkeit und Mäßigung, womit die Ordnung wiederhergestellt wurde, die ökono mische Geschicklichkeit, womit die National schuld reduzirt ward, und der gute Wille kwo mit internationale Streitigkeiten zu Endẽ ge—- führt wurden, lassen uns mit Befriedigung der Wiedererwähtung des General Grant zum Präsidenten der Ver Staaten entgegen se— hen.“ New York vor 86 Jahren. Um sich von dem Wachsthume der Stadt New Yort eine richtige Vorstellung zu machen, genügt einfach eine Vergleichung der statisti schen Angaben über das New Yort von 1834 und das von jetzt, 1834 bestand die Stadt aus 883 (2) Gebäuden aller Gattungen und zu den in 1835 in Aungriff genommenen Bau—- ten gehörte das Zollhaus (jetzt die Sub—- ten hedort das Astorhaus und die New-Horker Universität. Die 21. Straße wat der höchste geöffnete Puntt auf der Infel, zu dem eine Passage führte. Ein neuer Kirchhof ea 10 Acker im Umfange „in der Nähe des Drei— Meilen-Steins“ befand sich in der 5. Avenue. Die Herbeileitung von Crotouwasser war noch ein bloßer Vorschlag, und gutes Trinkwasser wutde zu Wagen aus dem obern Theile der Insel herbeigeführt für diejenigen, weiche ei nen Cent per Gallone bezahlen wollten, so daß Privatleute 26 bis 50, Hotets 200 bis 3450 jährlich für Wasser zu bezahlen hatten, während die ärmeren Klassen sich mit dem übei riechenden Wasser aus den Pumpen in der untern Stadt oegnügen mußten. Zum Wa— schen sammelte man Regenwäffer. An Eisenbahnen war noch kein Gedanke; große Dämpfsschiffslinien existirten nicht Dampfböte von kleinern Dimensionen fuhren allerdings nach Phitadelphia, Albany, Hart ford -c.; jeden Salustag auch ein Dampfboot nach Charleston. Auch gab es eine Pferde- Eisenbahn, die vou Prince-Str. nach Hortville führte, außerdem teine. Den Vertehr in der Stadt vermittelten 97 Omnibusse, die öber üur bis zur 14. Straße fuhren; 28 Hotels und öffentliche Gebäude, 2 Boardinghäuser, 21 Banken, 3 Sparbanken, 25 Feuerversiche rungö- und 11 Scee—- oder Flußbersicherungs- Compagnien, 7 Morgen- und 3 Abend-gei tungen, 3 Theater (das Park-, das Boweiy—- und das Richmond Hall Theater) und ein ita lienisches Opernhaus, Ecke Church uud Leo nardsträße, das 1200 Personen fassen konnte dad waren sämmtliche Anftalten für das merkantilische und ösfentliche Leben. Das Postamt beschäftigte nur 23 Clerts und 16 Briefträger. Für das Unterrichtowesen ge nũgten 14 öffentliche, 4 römisch-katholifche Freischulen und einige Privatanstalten, aber an Kirchen existirten schon damals mehr als nöthig nissen! ʒ So war die Städt vor 36 Jahren beschaf fen, als ihte Häuser mit sehr wenigen Aus— nahmen noch unterhatb Union Square lagen und ihr ganzer Handeloverkehr erst von City Hall an abwärts begann und ein reges, ge schäftiged, vorwärts strebendes Völkchen lebte schon damals in ihr. Aber da kam der 16. September 1835 mit seiner schrecklichen Feu—- erobrunst, welche die erste Ward östlich von Broadwayh und unterhalb Wall Str. in Asche legte. Da die schreckliche Kälte jenes Tages die Hydranten und Pumpen unpraktitabel ge macht hatte, so konnte den Gluthen nicht eher ein Einhalt gethan werden, als bis sie die Merchant's Exchange, 648 Waarenhäuser und Eigenthum züm Werthe von 18 Millionen Dollars vernichtet hatten. In der Stadtschuld sigurirt jetzt noch ein Item von 402,768, das seinen Ursprung in der Entschädigung für Ge bäude hat, die auf Befehl der Behörden ge sertrot wurden, um den Flammen ein Zlei zu etzen. Zur damaligen geit war die Calamität ein ebenso harter Schlag für das ganze Land, wie jetzt der Brand von Chicago. Die Versiche rungo-Compagnien waren fast sämmtlich „taput,“ das Geschäft für den Augenblick ver nichtet. Und kaum hatte die Stadt sich von dem Schlage erhoit, äld die große sinnanzielle Exploston von 1837 kam, die wiederum dem merkantilen Leben tiefe Wunden schlug ober wie New Hork von da an sich emporgeschwun gen hat und emporgeblüht ist, das mag auch Chiedgo eine Lehre sein, unter keinen Umstn den zu verzweifeln. Mecklenburg in deutschen Reichs ge. Am 2. Rovember waren die Tribünen im ale des deutschen Reichtages stark besetzt, man erwartete eine Rede des Professors Dr. von Treitschte über die Nothwendigkeit, ver fassungömäßige Zustände in Mecklenburg von Reichövegen herbeizuführen. Als Veranlass ung der Rede diente der folgende von Büsing und Genossen, Vertreter Mecklenburg's, ge stellte Antrag auf Abänderung der Reichs verfassung: In jedem Bundesstaate muß eine aus Wahlen der Bevölkerung hervorgehende Ver- tretung bestehen, deren Zustimmung bei jedem Landesgesetz und bei Feststellung des Staats haushaltes erforderlich ist. Die Annahme des erwähnten Zusatzes, wel-- che mit 185 gegen 88 Stimmen im Reichstage erjolgte, würde, falls der Bundesrath (d. h die Vertreter der verschiedenen Einzelstaaten Deutschlands) seine Zustimmung giebt, über die bestimmte Art der Volksverkretung in Mecklenburg Nichts vorschreiben, es würde dadurch nur das Prinzip betont, daß über haupt an die Stelle der jetzt in Mecklenburg bestehenden Dominial Vertretung (Land stände, Ritterschaft) eine Vertretung ded Vol— kes zu treten habe. Es würde trotzdem der Regierung Mecklenburgs überlassen sein, diese Vertretung im Einzelnen zu bestimmen, und z. B Classenwahlen, indirekte Wahlen statt direkter Wahlen anzuordnen. In Wirtlichkeit soll der Zweck des beantrag ten Zusatzes der eines moralischen Drucks auf die an ihren ständischen Privilegien festhal tende Ritterschaft Mecklenburgs und eine moralische Unterstützung des auf Reformen im Sinne des Zusatzes hinarbeitenden Groß herzogs sein, um sich vielleicht später in ähn— licher Weise in eine Handhabe der Central regierung gegen reaktionäre Einzelstaaten zu verhärten, wie das mit der berühmten Clausel der amerikanischen Bundesverfassung der Fall war, welche den Einzelstaaten von Bundes— wegen republikanische Staatsformen garan—- tirte. Es würde wahrscheinlich auch trotz der Annahme des oben erwähnten Zusatzes noch Jahre lang dauern, bis Mecklenburg aus der Reihe der landständischen in die Reihe der constitutionellen oder Verfassungostaaten tre ten würde, geradewie es Jahrzehnte dauerte, bis Süd-Carolina, an welches Mecklenburg in mancher Beziehung erinnert, seine aristo—- kratische Verfassung in eine volksthümliche Verfafsung abänderte. Wie groß die mecklenburgischen Mißstände deun den Namen Verfassung verdient der alte ständische Bau nicht, der überall sonst schon vor länger als 100 Jahren durch Neu— Schöpfungen ersetzt wurde wie groß diese Mißstände sein müssen, dafür spricht am lau testen die von Treitschte erwähnte Thatsache, daß in einem so dünn bevölkerten Staate, in einem von der Natur reich gesegneten Lande binnen 15 Jahren 60, 000 Menschen von etwa einer halben Million auswanderten. 2 Durch das Staatogrundgesetz von 18 wurde den Mecklenburgern eine vom Volfe grintte Landeoverttetung in Aussicht gestellt. der die Ritter beschwerten sich bei aeat und Preußen und ein Druct wurde ausgeübt, welcher Mecklenhurg wieder unter die Herr schaft der oligarchischen Ritterschaft stellte. Unter der jetzigen „Verfassung“ siud 200,000 Menschen, welche auf den 245 des Staats wohnen, welche der Ritterschaft gehören, ohne alle Vertretung und Einfluß auf die Regie rung des Landes, wahrend diesetben 200,000 zu Reichotagwahlen berechtigt sind. Ein sol cher Gegensatz und Widerspruch muß sich fühl bar ma hen. Die Mecklenburger hofften vom norddeutschen Reichötage die Herstellung ver fassungömäßiger Zustände sie haben jedoch vergebend gehofft. Es ist so weit gekommen, daß die Mecklenburger setbst über ihre Zu stäüde spotten und der Spott geht der Revo iution voraus. Die Wahlen zum Reichstage drücken den Protest der Mecklenburger deut lich genug aus. Nach Treitschke's Worten müß der Reichoötag bteire Stimmünab hängigkeit, die er nach unten zeigt, auch nach oben zeigen. Bemerkenswerth war die Rede von Kett ler über den Antrag, gegen den er sich unter Anderen auch deßhalb erklärte, weil derselbe nicht weit genug gehe. Das System der in direkten Wahlen sei von hoher Seite ein Lü— gensystem genannt; das einzige, was er än nehmen könnte, sei eine auf allgemeiner, ge heimer Abstiminung beruhende Vertretung. Picser Radikalismus des Ultramontanen er regte „Große Heiterkeit“ Unter denen, die gegen den Anträg stimm— ten, befand sfich äuh Graf Moltke. Die Treilschte's Appellation,„Wollen Sie, meine Herren, ein tapferes und treues deutsches Land, das so oft gefochten hat für unsere Freiheit, schlechter stellen, als jene entfremde ten Theile Deutschlands (Elsaß-Lothringen, welche Verfassungen erhalten sollen. Anm. der Red.) die wir erst mit Opfer für das va— terländische Leben wieder zu gewinnen suchen? Was für jene gilt, soll es nicht gelten für die Heimath von Blüchert und Moltke? irer der Pathos de Apßpellation, sgen wir, scheint äf Moitke's Herz nicht den geringsten Eindrutt gemacht zu haben. Die hroßen Heerführer sind eben selten radica, eher kton— servativ und sogar Torh wie Wellington. gm allgemeinen wird es noch verschiedenc Jahre nehmen, ehe der Bundeorath die Ver— fassungsänderung anninimt, und Treitschke wird noch zu neuer Begründung Gelegenheit häben. Der einzige Protest von dauernde- Wirkung wird die Fortdauer der Auswande— rung aus Mecklenbürg sein. Ein Land, des— sen Hälfte dem Staate zur vollen Hand ge— hört und weitere zwei Fünftel der Ritterschafl gehören, ist freilich eine Anomalie, welcher selbst eine constitütionelle Verfassung nich gañnz abhelfen kann, und Treitschke hat voli— tommen Recht, wenn er sagt: Ein solche Staat kann nur eine hochäristokratische Ver— fassung haben.“ Der russische Besuch. Die Scherwenzelei hor dem russischen Groß fürsten bei seiner Ankunft in New York scheint denn doch nicht so arg gewesen zu sein, wie beim Empfang des Prinzen von Waled vor 11 Jahren. Der New Le Herald ist aller dingo ganz aus dem Häuschen, und kann sich auf seinen Unternehmungoögeist nicht genug zu Gute thunü (er meldete nämlich die Ankunft ded Großfürsten in der Nacht von Samstag auf Sonntag zuerst von allen New Horker Zeitungen) und während die New Yorker Tri— bune die Heldenthaten des Empfangoötkomites auf dem russischen Flaggenschiff mit einer Spalte abthut, füllt der Herald glücklich 5 Spalten damit. Trotzdem und ungeachtet zu dem des Wetters halber vom Montag den 20. auf Dieustag den 21. November verscho benen Empfang ganze sechs Regimenter Mi— liz ausgerücktt waren, Grace Church festlich geschmückt war und das Glockenspiel auf dem Thurme die russische Nationalhymne spielte, auch Stuarts Handlungspalast und Astor und Clarendon Hotel (Absteigequartier des Groß fürsten) festlich dekorirt waren, erhob sich die ganze Sache doch kaum über den Charakter eines Schaugepränges. Die Geldaristokratie von New York ist froh, eine Gelegenheit zu haben, um der Welt zeigen zu können, daß sie die Auserwählten, die Elite der Gesellschaft bilden, und für den großen Haufen ist Groß— fürst Alexios nur eine Sensation des Augen blicks, die in wenigen Wochen einer anderen Sensation Platz macht. Das New-BNrtcr Journal giebl bon der Person des Prinzen folgende Belgrernn: Der Prinz ist, nach picußischein Raße, un— gefähr õ Füß 11 Zoll groß, sehr traftig, aber nicht plump gebant, von angenehmen Ge sichtözügen und rundem, frischem Gesicht. Er ist dunkelblond, trägt das Haar, nach russi scher Marine-Vorschrist, kurz abgeschnitten, embryonische Bart Coteletten ñebst ditto Schnurbärtchen. Sein Benehmen ist das ei— nes wohlerzogenen jungen Menschen: ohne Affectation, frisch in die Welt blickend, von der er sich noch Wunder verspricht Zwischen dem Wortführer des Empfang- Comites, Gen. MeDowell und dem Prinzen wurden folgende Ansprachen gewechseit: „Katholische Hoheit! Wir haben es uns zur angenehmen Pflicht gemacht, Sie heute zu be grüßen und Sie an der Küste Amerika's zu bewillkommnen. Leider hat uns der schlechte Zustand des Wetters verhindert, unsere Vor bereitungen in der Weise auszuführen, wie wir es gerne gewünscht hätten, wir möchten es daher Ihnen, kaiserliche Hoheit, anheinige ben, zu beurtheilen, ob Sie die Empfangöfei erlichkeiten lieber morgen entgegennehmen möchten.“ Hierauf erwiderte die kaiserliche Hoheit kurz, bündig und gediegen: „Diese Rührüng eeregr mich bei dem Empfang aller der Ehren, die Sie mir darzubringen gedenken. Ihr Gutfinden wird für mich Gesetz sein, und ich werde gerne warten, bis Ihre Vorbereitungen beendigt sind. Ich finde kaum Worte, um die Dankbarkeit würdig auszudrücken, die ich über den schönen Empfang durch das ameri kanische Volk empfinde.“ Um den schönen Empfang nicht zu verder ben, blieb der Prinz noch 24 Stunden lang an Bord seines Schiffes, wie Tantalus im Bereich der verführerischen Aepfel, von New YHork nur die Gadslichter sehend, ohne das gastliche Gestade selbst zu betreten. Am Dien stag fand, wie schon bemerkt der Empfang in New HYortk selbst statt. 20 Kutschen mit den erlauchten und weniger erlauchten Gästen waren zwischen Milizregimentern, Musikchö—- ren und Polizisten so vertheilt, daß die mög lichst imposanteste Wirkung erreicht wurde Reporter umschwärmten alsdann die Russen, bis sie in die Daunen im Clarendon Hotel sich versanten, und damit der Reiz der Neuheit nicht zu rasch verloren gehe, entfuhren zwei eigens dazu gebaute Pullman-Cars die ,Kai—- liche Hoheit“ nach Washington. Das ei—- gentliche Fetiren des Alexis wird nach seiner Wiederankunft in New-York losgehen.“ Phantasie und Wirklichkeit. In einer sonst recht hübsch und geistvoll geschriebenen Stizze über Chicago, welche wir im Feuilleton der Neuen Freien Presse sinden, ist folgandes zu leseu: „Welch ein Contrast (gegen die Nordseite) ist die Weststadt Chicagos, die täglich weiter in die Prairie hinauswächst. Hier herrscht ein Ameisenleben, eine Bienengeschäftigkeit, das bunteste Durcheinander, wenn auch nicht so glänzend und großartig wie in der Süd— stadt. Hier haben sich der civilisirte Indianer und der freie Nigger, der zienmlich uncivilisirte Irländer und der zo—- pfige Chinese, der träge Spanier neben dem fleißigen Skandinavier, der leicht lebige Franzose nebeu dem schwerlebigen Cje chen ihre Holz- und Lehmhütten, Fachwerk häuser und Steinpaläste friedlich oder feind lich neben einander gebaut; hier haust der Türte neben dem ameritkänischen Squatter, der Italiener neben dem hol nischen Juden. Hier singt, lacht, flucht, han delt Jeder in seiner Muttersprache. Es ist ein babylonisches Gewirre.“ Das klingt uns, die wir es hier in Chicago lesen, urkomisch und wir lachen recht herzhaft dazu. Wir selbst hausen noch nicht so lange auf der Westseite, wie viele unserer Leser, aber lange genug, daß uns in dem „babylo nischen Gewirre“ eine Anzahl civilisirter n— dianer, zopsiger Chinesen, träger Spanier und neben dem ameritanischen Squatter hausender Tür ke n“ begegnet fein müßte. Doch nicht ein einzigesExempiar dieser menschlichen Menagerie ist üns zu Gesichte gekommen: wenn irgendwo, müssen sie in den feuerfesten Lehmhütten hausen, von welchen wir auf unsern Wanderungen ebensalls noch keine Spur haben entdecken tönnen. Von Chinesen wimmelte vor einem oder zwei Jahren ein einziger auf der Südseite, wo ihn ein unternehmender Thee händler als wandelndes Aubhäugeschild ge dungen hatte, und machte gelegentlich die Schreibstuben der Lokalredactionen unsicher, da er sich gern als Merkwürdigkeit bewundern ließ. Kümmeltürken giebt es wohl manche in Chicago, aber „Türken p tönnten sich für Geld sehen lassen. Ein einzigeömal sahen wir in der Süd-Clärkstraße ein ruppiges In dividuum in furchtbar schmutzigem Kaftan, mit einem ebensolchen bunten Lappen als Gürtel: das konnte vielleicht ein armeni scher Schnorrer sein, doch ebensowohl ein von Polen, oder vom Leipziger Brühl hierher ver schlagener Nachkomme Abrahanis, denn sein Haar zeigte bedentliche Neigung zur korkzie herartigen Peies-Formation. Allein für die Leser der N. Fr. Ptresse ist die obige Schidttunn das reine Ebängeliun. Ist y drr Verfässet, wie er erzählt, ein ganzes Jahr in Chicago gewesen ünd muß es also wissen. Hat doch auch vor anderthalb Jahren der verstorbene Wilibald Winkler in „Ueber Land und Meer“ die Süd-Clarkstraße als einen sörmlichen Maskenball geschildert, wo sich Indianer in ihrer ,„malerischen Tracht“, Träp— per in Pantherfelle getieidet, Mexitaner in Leneb. Saräpen uitd kegenschirmförmigen Soibreros, bezopfte Chinesen, ja sogar Perser und Türken in Originalverpackung durchein ander drängen, schieben und stoßen! Die Leutchen, die soiche Schilderungen schreibelt, nögen nicht die Absicht haben, zu lügen; vielleicht leiden sie nur an einer un natürlich gesteigerten Einbildungskraft. Aber die Wirkung ihrer Darstellungen ist die, daß sich ihre Leser die allernärrischsten Vorstellun gen machen und sie wier denn die meisten Menschen lieber das Unwahrscheinliche, als das Wahrscheinliche glauben mit äußerster Zähigkeit festhalten. Es ist wohl schwerlich ein Chicagoer, der Dertsaterr bereist hät und dort nicht mit Leuten zusämmengetroffen ist; welche ihm mit dreistester Zuversicht die un sinnigsten Dinge über seine Heimathstadt er zählt haben, Oinae: von denen er hier nie mäls die hlasseste Ahnung gehabt hatie. Frägt man nach der Quelie, so hoört man den Namen eines obsturen Unterhaltungs blattes, welchem irgend ein Schalk oder Phantäst Bären aufgebunden hat. Begegnete es doch vor fünf Jahren sogar der Leipziger Gartenlaube, daß ste einen von Adolph Doüai geschriebenen Artikel über die Hebüng des Niveaus von Chicago abdruckte, welchet den blühendsten Unsinn enthielt. Nun versuche aber einmal ein Chicagoer in Dentschländ den braven Vhilistern, welche nicht höher, als hei der Gartenlaube schwören, den wahren Thatbestand klar zu machen! Er wird nur spöttischem Lächelü begegnen. denn man weiß das Alled ja viel besser; hat man es doch gedruckt gelesen. Uum auf das obige Zerrbild von West— Chicago zurückzukommen, so ist die merkwür digste Eigenthümlichkeit Chicagos nicht die maskenball-artige bunte Mannichfaltigkeit der Erschejuung ihrer Bewohner, sondern gerade umgekehrt die zauberhaft schnelle Aus—- trin ung der äußeru nterschiede. Diese igenthümlichkeit besitzt Chicago, Dank fei nem regeren Verkehroleben, in viet höherem Grade, als irgend eine Stadt Deutschlands; denn dort bieten oft die Bauern aus dem Um kreis weniger Meilen dem Fremden ein bun teres und seltsameres Bild, als es in den Straßen einer amerikanischen Großstadt zu finden ist. Mööge daher kein Leser der N. Fr. errt nach West-Chicago kommen; um hier ndianer, Chinesen, Türten -c. wimmeln zu sehen; er kann das viel näher zu Hause haben. Chicago ist keine Redoute, kein Carneval, sondern eine Stätte der fleißigen Arbeit und des rastlosen Verkehrs, der alle nur in dem behaglichen Stillleben älterer Städte gedeihen den äußerlichen Unterschiede schnell abschließt. Eine alte Bekannte. Ein uralter Schwindel taucht gegenwärtig in Europa unter neuem Namen auf. Den—- jenigen unserer Leser, die in reiferem Alter stehen, wird noch aus den vierziger und fünf ziger Jahren her die Revalenta ara- biea des Professor Du Barrh in Lon—- don erinnerlich sein, die in allen Zeitungen Europas als Universal-Heilmittel angeprie sen und in ungeheuren Mengen verkauft wurde, bis eine von Liebig vorgenommene chemische Analyse betannt ward, nach elcher die Revalenta nichts als Linsenmehl war. Ungefähr ein Jahrzehnt lang hörte man wenig oder nichts von ihr. Seit kurzem aber erscheint sle unter wenig verändertem Namen als Kevalesciert- und wird mit h schmetternden Fanfaren als Lebensretterin des Papstes und einiger 70/000 gewöhnlicher Menschenkinder eingeführt. Man lese die folgende Anzeige nebst Zeugniß des einundsieb zigtausendachthundertündvierzehnten Men schen, welcher dem Linsenmehl des Mosje Du Barryh seine Heilung verdankt: Allen Kranken Kraft und Genesung ohne Medi ein und ohne Kosten. Revalesciere du Barry von London. Seitdem Se. Heiligteit der Papst durch den Gebrauch der delicaten Revalesciére du Barry glũdcklich wieder herge stellt und viele Aerzte und Hospitäler die Wirkung derselben anertannt, wird Nmand mẽhr die Kraft dieser köstlichen Heilnahrung bezweifeln, nnd führen wir die folgenden Krankheiten an, die sie ohne Anwendung von Medicin und ohne Kosten beseitigt: Magen-, Nerven- Brust-, Lungen--, Leber-ÊDrüsen-œ Schleimhaut-, Athem-, Blasen- und Rie: renleiden, Fterculale Schwindsucht, Asthma, Husten, Un verdaulichkeit, Verstopfung, Diarrhöen, Schlaflosigteit, Schwäche, Hamorrhoiden, Waserlucht Fieber, Schwindel, Blutaufsteigen, Ohrenbrausen, Uebelteit und Erbrechen let während der Schwangerschaft, Diabetes, Ntlandelt bmagerung, Rheumatismus, Gicht, Bleichsucht. Aus zug aus 72,000 Certificaten übex Genesungen, die jeder Me dicin widerstanden: Certificat Nr. 71,814. Dover, 12. Dezember 1860. Im Alter von 4 ren verließ ich die nkversität mit. fntia zerrütteter Gesundheit, konnte weder essen noch trin en, ohne die fürchterlichsten Schmerzen und Erbrechen her yorzurufen; fortwährende verzweifelnd schlaflose Nächte hatten Körper und Geist abgemattet, und zweijährige ärzt liche Behandlung in London hatten metnen Zustand der maßen verschlimmert, daß ich, zum Skelet reduzirt, kaum 100 Pfund wog, an allen Gliedern zitterte und nur mühsam meine Beine nachschleppen konnte. Alle Hoffnung auf ein Rettungsmittel hatte längst aufgegebens, als ich mit du Barry's Revalesciere bekannt wurde, und dieses unbezahl bare Mittel stellte meine rbttige Gtsundeen in 60 Tagen her, während e n ich bei ausschließlichem Genuß der Revalesciere 2324 Pfund Muskel und meine Nervenkraft wiedergewonnen. Unelerrtie waren meine Leiden. End los ist neine Dankbarkeit diesem koöstlichen Heilmittel. Peter Spenser. Da ist wieder Arbeit für den gesunden und kranten Bock in der „Gartenlaube“ Die maßlose Frechheit des Linsenmüllers mag ihn von Neuem zu einer ivereelenrreen nach dem Muster Abrahams von Sancta Clara er muntern. Aber was wirds helfen Mit der Dummheit geht es wie mit der lernäischen Schlange: für jeden Kopf, den ihr ein Herkules abschlägt, wachsen zwei neuẽ nach. Das wissen auch die Quacksalber gut genug und scheuen daher öffentliche Bloßstellung ih res Schwindels nicht, da sie ihnen im Gegen theil als unentgeltliche Annonce dient. Aus diesem Grunde würden wir auch über unsere alte Bekannte die Reyalenta, nichts gesagt haben, wenn sie hier schon zu haben wäre, denn sonst würde ihr Verkaufen wahrschein lich nur gesördert worden sein. Munäus vult decipi. Von Nah und Fern. Inland. Der „Bloomington Anzeiger“ ist in die Hände des Herrn C H. Henrici, früher in Burltugton, übergegangen. Der bisherige Heraudgeber, Hr. M. W. Löwenfels, ist nach Fort Wayne üvergesiedelt.— Herr Wilh. Großcurth, jetzt Dirigent des Cincinnati Männerchors, beabsichtigt vier populäre Orchester-Conzerte Nachinittags zu veranstalten. Das Unternehmen soll durch vorherige Subsoxiption gedeckt werden. Wir sind dem Pionier von Wisconsin“ für folgendes Compliment verbunden: Die „Illinois Staatszeitung“ dieses bestredigirte deutsche Blatt der Union, dessen Etablisse ment bei dem Chicagoer Feuer vollständig in Flammen aufgingj erscheint bereits wieder in ganz respektabler Größe (32 Spalten) und schöner Ausstattung. Die Energie der Lei ter des genannten Blattes ist bewünderungs werth und verdiet die vollste Anerkennung. Wir wünschen den besten Erfolg! Herr Oswald Ottendorfer, der Heraus geber der N. Y. Staatszeitung, wird von der republikanischen N. Y. Tribune als Candidat für das Mayors-Amt von New York vorge schlagen, falls, wie sie vermuthet, Mayor Hall abtreten und eine neue Wahl nöthig werden sollte. „Er verdient es für die großen Dienste, welche er der Sache der Reform geleistet, ist in der Blüthe des Mannedalters und gerade der Mann, auf den wir unter allen Unistän den als auf einen Helser seiner Mitbürger in allen nothwendigen Reformen rechnen kön nen“ Der Rath der öffentlichen Schulen in Washington, D. C., hat verordnet, daß die dortige Schuljugend auch mit Prügeln disci- plinirt werden dürfe. Nur müßten die Schläge systematisch verabreicht werden. Der Lehrer, der sie diktirt, darf sie nicht selber aus theilen Sie müssen vielmehr nach der Schul zeit von einem andern, dabei nicht betheiligten Lehrer applicirt werden. Auch muß in jedem einzelnen Falle an den Schulrath berichtet werden, „welchen augenblicklichen Erfolg die Prügel hatten“, vermuthlich damit der Schul arzt Fett auflegen kann wenn der Allerwer theste einen bösen Jungen dabei juckt. Dienstag „äu Alteröschwäche““ eine Frau Mary Jackson, alias Polly Mount in dem sehr respectablen Alter von 119 Jahren Bis etiva drei Wochen vor ihrem Tode versah die Greisin ihren Haushalt und konnte sggar ohne Brille lesen. Sie te ud New York und hatte ihre ganze; einst eyr dlurnhe Familie überiebt Ihr letztes Ur-Ur-Entel chen (eine Waise) starb kürzlich im Alter von taum zwei Jahren. Anzeigen, wie die folgende, die wir in der letzten Nummer des,Daheim“ finden, tommen denn doch in amerikäischen Zeitun-- gen noch nicht vor (obwohl viel schlimmere): Au tie Intetaunte in auritteintunnet blauem Schleier, welche in re eines älteren Herrn Mittte September in einem Coupe erster Klasse durch den Hauensteintunnel hinter Basel funhr, und so freundliche Theilnahine füt die Verwundung und das eiserne Kreu ihres visvis jeigte; die denselben ferner einige Tgẽ darauf bei dem herrlichen Sean auf dem iai so herzlich anlächelte und so wenig Anstoß an den beiderseitigen nicht sehr salonfähigen Costüümen nahm, mög verzeihen, wenn dieser Gefahrte ent diesem Wege wieder ihren schönen Augen zu dringen sucht, um xu sagen, daß ihr Bild ihn xetfolat ünd er sich ver zehrt nach den enda blauen Auen dem lieben Antlitz und dem Wohllaut ihrer Stimme Sollte das Zauberbild ewig für ihn verloren sein oder sollte nicht vielleicht die jungfräu liche Zurtatattun einen Sieg über sich gewinnen zu Gun sten eines treu liebẽnden Ltit: Das geringlte Lebenszei chen, wenn es auch nur Angabe des Wohnorts enthielte xürte eleid machen den Begleiter vom Hauensteintunnel unt bint Antwort unter D: v. C: durch die Agentur des Daheim Anzeigers: Den Großfürsten Alexis schildert der Reporter der N Tribune so: Aleris trãgt die Uniforn eines Märine Lieutenanto; er ist ein aht stark gebanter jger Mann von frischer Gestchtsfarbe, blondem Haar und Backenbart und blauen Augen; er syricht fließend englisch, qient eres das franzö sische vor und sieht überhaupt aus wie ein Gentleman!“ Nun ist es zwar nicht nothwendig, bemerkt hierzu der Anz. d. Westens, daß ein jeder Groß fürst auch ein Gentleman sei; jedoch sollte man dentken, daß sich die New Yorker, die nun schon seit drei Wochen mit fieberhafter Unge duld auf den Prinzen gewartet und ihm alle möglichen Ovationen zugedacht haben, im Voraus davon überzeugt hatten, daß wenig stens dieser Großfürst ein Gentleman sei. Oder hatte der Beriehterstatter der Tribune etwa tẽotzdem geglaubl, daß so ein russischer Großfürst mit zerrissenen Ellenbogen ankom men würde? Denn wer hier zu Lande einen ganzen Rock anhat und seinen Rausch nicht in einer Gosse äusschläft! der gilt in der Kegel als Gentleman He has the air of a gentle man! Wenn das so anfängt, da wird Herr Alexis noch manche Dummheit in New dork hören müssen.. siren das Recht der Neger, jeden Pferdebahn wagen zu benutzen, endgültig anerkaunt. Die Condutteure müüssen hinfort je de n Passa gier, der sein Fahrgeid entrichtet, in den Wa gen aufnehmen. „How soon are we for gotteu“ ruft Rip ban Winkle (Jefferson) aus, als er nach 20jährigem Schlaf auf den Cats kill Gebirgen in sein Heimathödorf zurücktehrl und sich Nlemand seiner erinnert. Mit dem Brande von Chicago, d. h. mit dem Eifer für seine Abgebrannten scheint es noch rascher zu gehen, nämlich das Vergessen. So schreibt det (Cleveland) Wächter am Erie: Das Hülfscomite für die Abgebrannten in Chicago und im Nordwesten scheint nicht mehr zu exi stiren. Wenigstens gibt es kein Lebenozeichen mehr von sich und so kommt es, daß schon seit Tagen im Depot der Atl. und Gr. Western- Bahn eine Masse von Kleidungostücken und Lebensmitteln liegt, von auswärts hergesandt und an das hiesige Hülfs-Comite adressirt, und daß Niemand sich der Sache annimmt. Von Williams County in Ohio wird ge meldet, daß das dortige Gericht wieder zwei Wirthe in dem Städtchen Stryker zu schweren wirinen verurtheit hat, weil ste Ehemännern Getränke verkauften, ohne zuerst die Genehmi guug der Weiber der Betreffenden eingeholt zu haben. In dem einen fenr klagte eine Frau Richards den Wirth Lhres an und etr— hielt S9OO Schadenersatz zugesprochen; in dem anderen verklagte Frau Arnold den Wirth Georg Kallän ütnd erhieit ein Urtheit für $530 Schadenersatz. Diese Suntmen reichen jedenfalls einige Zeit für den Unterhalt der beiden Familien hin, ohne daß sie nöthig ha— ben zu arbeiten. Ist das erpreßte Geld aufge zehrt, so trinkt einer der Herren Familienvä ter öder einer der Herren Söhne wieder ein Glas Bier oder Schnaps, worauf dann die theure Gattin wieder eine Schadenersatz klage auf so und so viel hundert Dollars ein reicht und die ganze Geschichte sich genati fo wieder abspielt wie das erstemal. Ein sonderbares Versehen ist bei der letz ten New Yorker Staatöswahl begangen wor— den. Es wurde nämlich ein Staatoöcomptrol ler gewählt, während gar keiner zu wählen war. Nach der Staatsverfassung unterliegt es keinem Zweifel, daß der Amtötermin des im vorigen Jahre erwähltenComptrollers Nichols erst am 1. Januar 1873 abläuft, ein Nachfol ger für ihn also erst im Rovember 1872 zu wählen gewesen wäre. Eine Entscheidung der Gericie in diefem Sinn steht mit Be stimmtheit zu erwarten. falls Herr Nichols seinen Platz behaupten will, was freilich zwei felhaft ist. —Am Abend des 16. Nov. wurde an der Weehawken Fähre in New York ein Stier scheu und rannte durch 9. Ave. bis 43. Str., wo er Mary Brown umwarf und schwer verletzte. An der 8. Ave. und 44. Str. spießte das wü—- thende Thier den Thomas Woods auf und be endete seine Irrfahrt mit Aufspießuug des James Boyle und des Wm. H. Johnson. Nach langer Jagd wurde das wüthende Thier er legt. Ehe es getödtet wurde, versetzte es dem Polizisten Armstrong, der ihm in den Weg kam, einen Stoß und verwundete ihn bedeu tend am Arm und Rücken Gouverneur Gratz Brown von Missouri ist Temperenzler geworden, indem er sich ein bildet, dadurch seine Aussichten auf die Nomi nation zum „liberalen“ Präsidentschafts- Candidaten zu verbessern. Ob Jemand gei— stige Getränke genießen will oder nicht, ist seine eigene Sache, wobei ihm Niemand etwas dreinzureden hat; aber wer Temperenzler wird aus politischer Spekulation, zeigt sich als Schwachkopf und kann nicht erwarten, daß wirkliche Liberale sich für ihn begeistern. Wenn die liberale Gesinnung etiwas werth sein sot, muß sie mit Charakterstärte gepaart sein. Vor etwa 3 Jahren wurde dem früheren südlichen Rebellen Beverly Tucker in St. Ca tharines, dem canadischen Saratoga, von den Bewohnern des Ortes ein glänzendes Bankett ettten Man that Alles, um ihm unter die rme zu greifen. Man bot ihm 88000 in Baar an ünd indossirte rür ihn Ltoten im Be trage von $27,000. Tucker benutzte diese Fluth, um sich zum Glücke, vulgo Vermögen, zu verhelsjen. Er übernahm das Stephenson Haus in St. Catherines und machte gute Ge schäfte, indem die reichen Canadier wie die Ex-Cavaliere des Südens sein Hotel des Som mers besuchten. In der letzten Saison jedoch entpuppte sich Tucker als schlechter Mensch. Nachdem er alle Einnahmen der letzten Zeit nach den Ver. Staaten geschickt hatte, ber schwand er plötzlich mit Hinterlassung von $75,000 Schulden. Nicht einmal seine Ar beiter hatte er bezahlt. Die Geschäftoleute, welchen er Geld schuldet, haben ihre Sympa thie für den ritterlichen Süden theuer bezahlen müssen. kluxe verhaftet worden, die sich empörender Gewaltthaten schuldig gemacht häben. Ihre Namen sind Harris, Harvey, Wilson, Price, Higgins und Melntosh. Die Anklagen ge gen dieselben lauten auf Straßenraub, Ein— bruch, Mord und Nothzucht. Die letztere Anklage liegt indessen blos gegen Higgins und Melntosh vor. Aus den Zeugenaussagen geht Folgendes hervor: Die Angeklagten ka men als Kukluxe gekleidet während eines ihrer nächtlichen Streifzüge nach dem Hause eines Mannes Namens Hansley, den sie sammt seinem Sohne auspeitschten und davonjag-- ten. Nachdem sie mehrere friedliche Bürger und Familien in Schrecken gesetzt hatten, ka— men sie nach der Behausung von W. C. Bra— kins, der in seinen Nachtkleidern in einem nahegelegenen Walde Zuflucht suchte. Sie drangen trotzdem in sein Häus ein, fragten nach der Frau des „verd. Radicalen“, stießen lästerliche Drohungen aus und befah len der Familie, das County innerhatb ilO Tagen zu verlassen, widrigenfalls sie wieder kommen und die ganze Familie ermorden würden. Sie plünderten dann das Haus und steckten dieses schließlich in Brand. Dann begaben sie sich nach dem Hause von Alfred Brakins, eines fleißigen und friedlichen Bür gers, der in Folge eines Unglücks, das ihm vor einigen Jahren zustieß, fast ganz blind ist. Als Brakins die Thüre nicht öffnen wollte, feuerten sie Schüsse in das Haus hinein und warfen Steine wider die Thüre, bis diese auf sprang. Dann schleppten sie Bratius an den Haaren in den Hof, entkleideten ihn vollstän dig und schlugen ihm so lange mit Pistolen auf den nackten Rücken und Kopf, bis er am ganzen Leibe mit Blüt bedeckt war. Zuletzt ließen sie ihn laüfen, indem sie ihm bedeute ten, daß. wennet sie nicht schleunigst außer hatb Schußweitt begebe, sie ihn niederschießen würden. Es gelang ihm trotz seines schlech ten Gesichts ein Versteck in der Nähe seines Hauses zu erreichen. Die Kucluxe begaben sich darauf nach dem Hause zurück und fan den Frau Brakins, die von einem Schlag mit einer Pistole getroffen worden war und blu— tete, erschöpft auf dem Bette liegen; sie hatte ein Kind in ihren Armen. Die Scheusale ris sen der Frau das Kind aus den Armen und thaten alle drei der Frau Gewalt an. Frau Brakins erlitt solche Verletzungen, daß man an ihrem Wiederaufkommnien ziweifelt.. New Orleans hat 330, 000 nach Chicago geschickt, eine ganz anständige Betheiligung der Sympathie der „Königin des Südens“ für die „Königin des Westens oder Nord westens“ Die N. Y. World ist boshaft ge nug, daran zu erinnern, daß Chicago für New Orleans zur Zeit des gelben Fiebers nur S2OO beisteuerte Hoffentlich wird die Ani— mositt zwischen Norden und Süden jetzt für immer begraben werden. Dem „Athenäum“ zufolge ist das En gagement der Madame Adeline Patti für eine Concert-Tour in den Ver. Staaten in 1872 unter der Leitung ihres Schwagers, Herrn Matrx Stratosch, annullirt worden; die Künst rt wird im Jahre 1673 nach Amerita ge en. Bei Pleasantville, in der pennsylvani—- schen Oelgegend, fand ein gewisssr Daniel Holton auf eigenthümliche Weise seinen Tod. Er war beschäftigt, mit einem Flaschenzuge einen Bohrer aus einer Quelle zu heben, fiel hin, verwickelte sich dabei in das Seil, das sich ihm um den Hals legte, und brach auf diese Weise das Genick. Der Verstorbene hinterläßt eine Frau und zwei kleine Kinder. Der Männer-Gesangverein,,Arion“ in New Nork hat für die Abgebrannten im We— sten die erklecliche Sumnie von $2350 eollec tirt, welche vorläufig, wie folgt, vertheilt wor den sind: SSOO durch Herrn Consul Claussenius für Chicago. 5800 durch Exgouberüelik Satomon an Gouverneur Lucius Fairchild für Wisconsin. SBOO an Herrn Busch in Detroit für Mi— chigan. Der Rest wird zu gleichen Theilen nach Mi—- chigan und Wisconsin gesandt werden Mit dem Amtsantritt des deutschen Mayors Wagenet in Charleston hat auch die Zeit der Ersparungen in Stadthaushalt be gonnen. Der Mayor ging selbst mit dem besten Beispiel voran, indem er dem Stadt rathe anschlug, seinen Gehalt von S3OOO auf $25000 herabzusetzen. Daß der „Stadtrath den Vorschlag nicht annahm, nimmt dem An erbieten Wagener's nichts von seinem Werthe. Wie verhältnißmäßig bedeutend die Ersparun gen sind, läßt sich daräts schließen, daß die Polizei, welche früher 380,000 kostete, jetzt mit 58, 000 per Jahr bestritten wird. Der neue Mayor. hat auch sonst originelle und durchaus nicht schlechte Ideen. So bringt er folgenden Plan zur Bestrafung jugendlicher Verbrecher in Anwendung. Wenn so ein Junge, der Fenster eingeworfen, oder sich son stige Vergehen zu Schulden kommen läßt, von der Polizei nach dem Wachthause gebracht wird, läßt er die Eltern des Jungen kommen, und diese müssen denselben, in Gegenwart eines Beamten, eine tüchtige Tracht Prügel aufzählen, und dann läßt er den Jungen laufen. Die Charlestoner Deutsche Zeitung be-- dauert, daß Charleston zu arm sei, um den Chicagoern noch mehr helfen zu können, es habe seinen guten Willen gezeigt, indem es ungefähr 51000 hinsandte, mehr könne es vor läufig nicht thun. Welchen Eindruck die imposante Macht entfaltung des vereinigten deutschen Elements in New York auf amerikanische Blätter ge macht hat, beweisen folgende Bemerkungen der New York Times: „Wir hoffen, daß keine Le gislatur in Versuchung gerathen wird, das deutsche Element durch Eingreifen in ihre so cialen Vergnügungen zu beleidigen. Die Deut— schen haben in diesem großen Kampfe fest bei uns gestanden und wir dürfen sie nicht von uns abspenstig machen, indem wir ihnenldeen und Getwohnheiten aufdrängen, weiche ihnen unnatürlich und unvernünftig erscheinen Ge— setzgebung über sociale Gewohnheiten muß dem republikanischen Programm in der näch sten Legislatur fern bieiben. Die Deutschen und die Republikaner sollten nun geeinigt vor gehen in dem großen Werke, eine reine Stadt regierung zu erhalten. Mit einer starken Re formpartei, zusammengesetzt von Elementen aus allen Parteien, können wir endlich den Triumph der wahren Demokratie in dieser viel mißbrauchten Stadt sichern den des Stimm— rechts auf einer intelligenten und moralischen Basis, welches für ihr eigenes und des Volkes Wohl die große und ignorante Menge con trolliren soll, die bisher das unterwürfige Ma terial für Demagogen abgab.“ Der in London, Canada, erscheinende „Deutsche in Canada“ schreibt: „Die deut schen Bewohner von London, Ontario, haben sicherlich allen Grund zur Verwunderung über einen Umstand, dessen wir hier, gelegentlich unserer Plaudereien, gedenken wollen. Auch unsere Landöleute an anderen Plätzen werden erstaunen, wenn sie hören, was wir hier mit theilen wollen es ist aber auch kaum glaub lich und doch wahr: London, die gute Stadt London in der Provinz Ontario, Dominion Canada, hat eine deutsche Zeitung, aber noch keine einzige deutsche Wirthschaft.“ (Es giebt in London übrigens genug von Angehörigen anderer Nationalitäten gehaltenen Wirth schaften. Anm. der Red. der „111. Staats zeitung.) Der „Anz. d. W.“ hat soeben die Ent deckung gemacht, daß in St. Louis nahe Ver wandte des vielbesprochenen Oberst Stoffel, ehemaligen mititärischen Attaches der franzö sischen Gesandtschaft in Berlin, ansässig sind. Es sind dies ein leiblicher Vetter des Obersten und dessen Sohn, beide Namens Richard Stof fel, Tapeten- und Bilderhändler in St. Louis und wohlhabende Männer. Sie stammen aus dem Thurgau und der Sohn ist derselbe „Neffe“, den Oberst Stoffel in 1867 adopti aen wollte. Herr L. Begen, Herausgeber der Neu- Ulmer Post in Minnesota, hat nach mehrmo natlicher Abwesenheit die Zügel seines Wo-- chenblatts wieder in die Hand genommen und verspricht von Zeit zu Zeit Reminiscenzen aus seiner Tour durch Deutschland zu liesern. Den Eindruck, welchen Dentschland im Allgemei nen auf ihn gemacht hat, schildert er mit fol genden Worten: „Der Umschwung der Dinge, welcher darein, insbesondere seit den Ereignis-- sen des letzten Jahres stattgefunden hat, ist ein gewaltiger und es schien mir oft als ob das deutsche Voltk selbst, in einer Art Berau-- schung von den Triumphen über den wälschen Nachbar und betäubt von den noch immer all überall ertönenden Siegeshymnen, sich der Tragweite jenes Umschwungs nicht vollstän dig bewußt set. Ja, Deutschland ist jetzt durch Blut und Eisen und durch einen Mann, wel cher Richelieu in den Schatten stellt, einig ge macht, aber eine Staatö- und eng verbunden damit eine Militärmaschine ist gleichzeitig in Gang gesetzt, welche den Freund freiheitlicher Entwicklung mit Besorgniß erfüllen kann. Doch ist die freiheitliche Strömung, die von diesem Continente nach dem alten Europa hinübergeht, eine fo bedeutende und das im Vollgenuß bürgerlicher Freiheit besindliche Deukschthum der Ver. Staaten reflectirt so wohlthätig auf die Stammesgenossen da drü ben, daß man ein festes Wurzelfassen und eine Herrschaft des Gotteösgnadenthums in Deutsch land für ein Ding der Unmöglichkeit halten darf. Ansland. Tuuis, derzeit von Italien wie früher seit der Besitzergreifung Algeriens von Frauk reich bedrängt, hat die füi diesen Vasallenstaat durch die Natnr der Dinge gegebene Politik eingeschlagen. Der Bey hat durch seinen Ab gesandten Khaireddin Pascha einen engen An schluß an die Psorte in Anregung gebracht, solchen durch bindende Stipulationen verbürgt und ist dafür durch die Erblichkeit seiner Wür de in seiner Familie, d. h. nach mahomedani scher Erbfolge-Ordnung des Seniorats (nicht näch europäischer in der Descendenz nach Ersigeburt), belohnt worden, Die Regierun gen, welché in den letzten 30 Jahren sich in Frankreich folgten, machten sämmtlich kein Hehl daräus, daß im Interesse ihres algeri schen Besitzes früher oder später Tunis eben falls französisch werden müsse. In letzter Zeit auch von Italien bedroht, hat der Beh in dem engeren Anschlusse an die souveräne Macht, an den „Beherrscher der Evriten das Mittel gefunden, die Selbstständigkeit seines Landes mehr zu sichern. Der neue Ferman surt im Wesentlüichen nichts an der bisherigen Stellung von Tuñis. Er sichert dem Lande die Freiheit seiner inneren Verwaliung, die Auto nomie des Beys und die bisher von demselben geübte Befugniß, mit fremden Mächten poli lische Verbindungen zu unterhalten; nur ist ihm untersagt, Militär-Conventionen abzu schließen, oder Landesabtretungen zu bewilli sien. Dagegen ist der Bey neuerdings ver pflichtet —und hat sich bereitwillig dazu ver standen im Kriegoöfalle der Hohen Pforte einen in den Ferman bezeichneten Theil seiner Truppen und seiner Vole zur Verfü—- gung zu stellen. Die Pforte ist mit diesem Ar rangement sehr zufrieden und hat Ursache da zu. Déẽm „Cincinnati Volkoblatt“ wird von Berlin geschrieben: „Die Gehaltserhöhung der Staatöbeamten wird der allgemeinen Stei gerung nachfolgen, sobald die Volksvertretung ihre Genehmigung ertheilt haben wird. Aber es bleiben noch eine ganze Anzahl von Be rufen übrig, welche vorläufiig noch auf lange hin teine Aussicht auf erhöhte Bezahlung ha ben. Ich erinnere nur an Literaten, in Son-- derheit an die für die Presse thätigen Schrift steller. Unsere Zeitungen haben schon mehr fach den Satz für Insertions Gebühren er höht, aber noch niemals ist es ihnen eingefat ien, die Honotrare odet ene Sare welche sich durchgängig noch von Annoö 1848 her da tiren, zu erhöhen. Es gibt hier große und reiche Organe, deren untere Redakteur Stel len mit 500—600 Thaler per Jahr bezahlt werden. Und dabei strömt Jahr aus Jahr ein eine Masse mittelmäßiges Zeüg von Lite raten nach Berlin, welche sich für ein Bettel brod anbieten, blos, um hier erst festen Fuß zu fassen. Und es ist eine beliebte Manier unserer Chef-Redacteurs, sich mit solchen mit telmäßigen Köpfen, die ohne Widerspruch Ordre pariren, zu umgeben, damit sie, läßt auch einmal ihre Kraft durch die Jahre nach, immer noch um eines Hauptes Länge das Untergehötz überragen Dies ist eine der Hauptursachen, eohaib unsere liberalen Zei tungen, besonders in den nicht potitischen Theilen, so schlecht, und man katin sagen, langweilig redigirt sind. Es arbeiten an ihnen zum Theil Taglöhner, denen jede Fähigkeit zur Arbeit äbgeht Nach dem kläglichen Ende, das die Ex cursion des Prinzen Napoleon nach Corsica genommen, hat er, der die Insel als Tri umphator zu betreten hoffte, diese nun verlas sen, vor der Abreise jedoch noch sein Mandat als Generalrath von Ajaccio niedergelegt. Plon-Plon hat sich in seinem Leben schon oft sehr lächerlich gemacht; so vollständig ist es ihin jedoch noch niemals gelungen, wie dieses mal. Der Bonapartismus muß in Frank reich gründlich ausgespielt haben, wenn seine Anhänger sogar auf der allezeit imperialisti schen Insel Corsica so entschieden geschlagen werden konnten. Eine von der „Genfer Correspondenz verbreitete Denkschrift über die päpstlichen Fi nanzen gibt folgende Uebersicht über den Er trag des Peters-Pfennigs in den Jahren 1861 —1868: 1861 14,184,000 Franes. 1862... 9,502,000 4 1863 7:047:000 h 1864 .ìïvì)jÿ 5,833,000 5 1865.. ù·· 6,445,000 1866 5,939,000 1867... .11.,312,000 1868.... 11,000,000 Zusammen 74,161,000 Francs. Hierzu kommen jährlich etwa 2 Millionen Scüdi, etwa 14 Millionen Dollars, welche der Papst aus seiner Civilliste einnimmt und eine Million Scudi wirft jährlich das päpst liche Dispens-Bureau ab Spielhagen, der berühmte deutsche No vellist, wird im nörsten Frühjahr nach Ame rika kommen um i) Shatespeare zu lesen. Mangel an Universitäts- und Gymnasialleh rern. Es waren am 1. Januar 1871 an der Universität Petersburg Lehrstühle besetzt 61, unbesetzt 14; an der Üniversität Moskau be setzt 72, unbesetzt 19; an der Universität Charkow besetzt 46, unbesetzt 45; an der Uni versität Kasan besetzt 53, unbesetzt 38; an der Universitat Odessa besetzt 31, unbesetzt 27; an der Universität Dorpat besetzt 47, unbesetzt 7; an der Universitt Warschau besetzt 61, unbesetzt. 10. An den genannten sieben rus sischen Universitäten beträgt mithin die Zahl der besetzten Lehrstühle 420, der unbesetzten Lehrstühle 202; also ist über ein Drittel sämmtlicher Lehrstühle unbesetzt. Nicht min der fühlbar macht sich mit jedem Jahre der Mangel an Gymnasiallehrern. Von sämmt lichen etatömäßigen Gymnasiallehrer-Stellen waren am 1. Januar 1871 über 200 oder etwa 10 pCt. unbesetzt. Die italienische Regierung hat, wie man aus Rom schreibt, die Besteuerung eines Ob jektes in Aussicht genommen, die bei der Frö mmigkeit, die noch in gewissen Kreisen herrscht, eine ergiebige Einnahme-Quelle für den Fis cus zu werden verspricht. Dieselbe soll nm lich entschlofsen sein, eine Steuer auf die Mes sen zu legen. Die „Liberte“ hat Mittheilungen von einem sehr seltsamen Documente erhalten, welches vor Kurzem in den Ruinen des Thron saales des verbranitten Pariser Stadthauses aufgefunden worden ist, Dies Aktenstück er hält die Liste der neuen Namen, welche die Commune für gewisse Straßen angenommen hatte. Darnach sollte die Rue St. Antonio künftig: Rue Danton heißen; die Avenue Victoria: Avenue 1793; die Strafze St. Mar tin: Arbeiterstraße. Die Madeleine-Kirche war bestimmt, in ein Uniform Magazin für die Nationalgarde und die Kirche Notre dame de Lorette in ein großes Waffenmagazin umgewandelt zu werden. Wachtel hat am 15 November sein Gast spiel in New York geschlossen und will sich nicht bestimmen lasseu, noch „auf allgemeines Verlangen“ eine „allerletzte“ außerordentliche Vorstellung zu geben. Am 26. Dezember kehrt der Sänger von einer ohne Zweifel er giebigen Concerttour nach New York zurück, um während der Feiertage vier deutsche Oper nvorstellungen zu geben, und zwar eine in der Brooklyner,„Academy of Musie“ und drei in Fisls „Grand Opera House“. Sodann geht Herr Wachtel mit der deutschen Oper nach dem Westen und giebt seine erste Opern-Vor stellung am 2. Januar 1872 in Philadelphia. Gegen März kehrt er nach New York zurück und beginnt dann im Verein mit der Parepa- Rosa-Truppe einen Cyclus italienischer Vor stellungen in der,Academy of Musie“ Im Stadttheater tritt Wachtel positiv nicht mehr auf. Aus dem „Tagebuch eines Diplomaten“, das im Journal de Paris verbsenttot wird. verdient ein Urtheil Cavour' bom April 1861 über Napoleon angezogen zu werden: „Ich begegnete Herrn v. Cavour unter den Arcaden der Po-Straße in Turin. Indem er mich unter den Arm nahm, richtete er an mich seine gewohnte Frage: „Nun, wann werden wlr einen Talleyrand haben Sind Sie ihm viel leicht schon auf der Fährte? Dieses lange Schmollen wird nachgerade ärgerlich und ab surd. Rayneval, Bourgoing und Sie reprä sentiren allerdings ganz gut Frankreich; wir brauchen aber einen Minister. Wir ivären jetzt schon genug gescheit, um einen Lega-- tions-Chef, Talleyrand oder einen Anderen, zu verdienen. Sehen Sie, mein lieber Fa ville,“ sagte er, den Kopf wiegend, hinzu. „Ihr Kaiser wird sich nie ändern; sein Fehler besteht darin, immer conspiriren zu wollen. Der Himmel weiß, ob er das heute noth hat. Ist er nicht absoluter Herr? Mit einem mächtigen Lande, wie das Ihrige ist, mit ei ner großen Armee und wenn Europa ruhig ist, was hat er da zu fürchten Warum stets und allstündlich seinen Gedanken berstecken, rechts zu gehen, wenn man links hinaus will, und vice versa 2 Ach, er gibt einen ganz ver wunderlichen Verfchwörer ab.“ „Sie müs sen,“ entgegnete ich, „in dieser Beziehung et was nachsichtiger sein, Herr Graf; waren Sit doch einst selber ein großer Verschwoörer „Ich Allerding“, sagte Cavour, „ich habe conspirirt, und dennte ich damals anders Waren wir die Strksten und Zahlreichsten Es war uns geboten, vor Oesterreich verstecktes Spiel zu spielen. Ihr Kaiser aber, merken Sie sich das, wird ewig unverbesserlich blei ben; ich kenne ihn schon zu lange. Jetzt könnte er geradeaus und offen auf sein Ziel losgehen. Er thut es nicht; er zieht vor, die Leute ab zulenken, sie einen anderen Weg einschlagen zu lassen, kurz, zu conspiriren und immer zu conspiriren. Das eben ist die Eigenart seines Genies, das Geschäft, das er vorzieht, und das er als Künstler und als Dilettant treibt. und in dieser Rolle wird er immer einen mäch tigen Vorsprung vor uns haben Seinrich Börnstein schreibt an das „Cincinnati Volkoblatt“ über die Stimmung in Wien Aber die Demonstrationen beschrän ten sich nicht blos auf Theater, —ste sind be reits bis in die Sphäre der Singspielhallen und Volkssänger gedrungen. Als ich in vo riger eine solche Singspiethalle besuchte, ex temporirte der beliebte Komitker auf die Kla ge des Liebhabers, daß er an heftigen Kopf schmerzen leide: „Kopfschmerzen haben's Oh! da gehen's zu unserm Doktor hier im Haus, der kurirt's Ihnen gleich weg. Sie kennen doch den Herrn von Hinterleitner —nun se hen's, wie der noch jung und unentgeltlicher Concepte-Prattitant war- he er schrecküch an Kopfweh gelitten, ß aß er's endlich nicht mehr hat aushalten können und zu un serm Doktor kommen ist. —,Na!“ hat der Doktor gesagt, „setzen's Ihnen nieder, —das werden wir gleich machen!“ Der Herr von Hinterleitner setzt sich, der Doktor halt ihm ein Tuch mit Koloroform unter die Nasen und der Hinterleitner fallt um, wie a Stü— ckel Holz. Wie er ganz bemußtlos ist, nimmt der Dokltor eine feine Uhrmachersäge und sägt ihm den obern Theil des Schädels ab, nimmt das Gehirn heraus und legt's auf einen Teller, um es a Bissel nachzuschauen und auszuputzen. Auf einmal wird der Doktor herausgerufen, und während der Doktor draußen ist, kfommt die große Haustatz' ins Zimmer, springt auf'n Tisch, steht das Ge— hirn, und wie die Katzen schon genaschig sind, frißt die Katz, das ganze Gehirn auf. Jetzt können Sie sich den Schreck vom Dok tor denten, wie er wieder hereinkommt und kein Gehirn mehr sindet. Aber als a reso luter Monn hat er sich gleich gefaßt, hat a Bissel Heu und Stroh und was er grade gefunden hat, in den Schädel hineingestopft, den Deckel wieder daauf gesetzt, alles fest vernäht und nun ein Schnell-Heilpflaster und einn festen Verband darüber gelegt. Wie der Hinterleitner wieder zu sich kom men ist, hat ihm der Doktor gesagt: er darf den Verband nicht vor vier Wochen abneh— men —Gut ist's gangen, nix is g'schehen, seit der Zeit hat der Herr von Hinterleitner nit a Broösel mehr Kopfweh gehabt; jetzt ist er Hoftath und nächstens wird er Mini— ster werden.“ Ein Jubelsturm von Beifalt, ein ohrenzerreißendes Gejohle und Gejauchze des ganzen Publikums folgte diesen Worten, der Komiter wurde sechs Mal vom Pu— blikum herausgerufen und das siebente Ma von ejnem nogerusen nr Polizei -Commissãr, der ihn für den nächsten Tag vor die Poli zei-Direktion citirte, wo er wegen unbefug ten Extemporirens zu 24 Stunden Arrest verdonnert ward. Der Richter Carter, vom Obergericht des Distrikts Columbia gehört nicht zu dem vor dem allgemeinen Stimmrecht in Ehrfurcht niedersinkenden und Oui sagenden Schablo nenstklaven, sondern eher zu den Schablonen fressern. Er spricht sich in einer über die Wei— berstimmrechtöfrage neulich abgegebenen Ent scheidung über das allgemeine Stimmrecht fehr revolutionär oder je nachdem man willt. sehr reaktionär aus: „Wir nehmen nicht An stand zu glauben, daß die gesetzliche Durch führung des „natürlichen“ Rechtes aller Bür ger zu stimmen, bei dem gegenwärtigen Zu stande der Volksintelligenz die Zerstörung un serer bürgerlichen Regierung mit sich bringen würde. Die Geschichte der Vergangenheit lehrt uns nichts Anderes, und in der Geschichte der Gegenwart ist wenig, das ein besseres Re sultat verspräche. Das Recht aller Männer. zu stimmen, ist in Betreff der Bevölkerung unserer großen Centren und Städte so voll ständig anerkannt als füglich geschehen kann, bis auf die absolute Erklärung, daß Alle ohne Rücksicht auf Befähigung stimmen sollen. Die Folge davon in diesen Centren ist politische Lüderlichkeit und an Anarchie grenzende Ge walt. Die dieses Resultat herbeiführenden Einflüsse zeigen sich in der Vernachlässigung aller Agentien, durch welche Tugend, Unbe scholtenheit und Weisheit der Regierung er halten werden könnten, und in der Verwen iwendung aller der Mittel, die darauf berech net sind, die Ehrlichkeit des Stimmgebers zu verderben und zu Grunde zu richten. Die Anstalten des Wissens, darauf berechnet, die Menschen auf einen hohen Standpunkt des politischen Bürgerthums zu bringen, und un-- entbehrlich für die intellectuelle und moralische Befähigung des verantwortlichen Stimmge— bers, werden der Wirsamkeit der Schnaps kneipen und Spielhöllen nachgesetzt, und Männer von Gewissen und Fähigkeit weichen der Beförderung von Vagabunden zur Macht. Dieser Zustand beweist, daß das Stimmrecht kein absolutes natürliches Recht sein sollte, noch ist. Die Thatsache, daß die praktische Wirkung der Annahme eines solchen Rechtes zur Vernichtung derCivilisation führen würde, ist entscheidend dafür, daß ein solches Recht nicht existirt.“ Woche der Farmer Joseph Vansant mit seiner Gattin Sarah die „goldene Hochzeit“· Unter den Gästen befanden sich drei Paare, welche über 50 Jahre verheirathet sind und in letzter Zeit dieselbe Ceremonie sdie „goldene Hoch it )intemact hatten. Der Nestor dieser Ehe-Veteranen ist Richter Hiram Roundtree, seit 1819 verheirathet, der in 1821 im Auf trage der Staatsgesetzgebung das County Montgomeryh ausgelegt und sither ununter brochen dort gewohnt und Aemter bekleidet hatte. E Aus Berlin wird unterm 30. Oltober geschrieben: Die Bewegung auf socialem Ge-. biete nimmt leider auch bei uns größere und gefährlichere Dimenstonen an. Von den Füh rern der Socialdemokratie wird mit Eifer an der Centralisation smmtlicher Arbeiter ge wirkt, und bis jetzt haben nur die Maler gehülfen in einer energischen Resolution sich gegen den Anfchluß an ein so bedenkliches Unternehmen ertlärt. Der für die Zwecke dieser Centralisation hestimmte Congreß ist auf den 19. und 20 Mov. angesetzt. Jedes daran sich betheiligende Gewerke sendet für je 100 Mann einen Delegirten. Verschiedene Gewerke, unter diesen die Maurer, Zimmerer, Sattler u. s. w., haben die Beschickung des Congresses zugesagt, und verrathen eine starke Neigung den Führern auf ihre schlüpfrige Bahn jn folgen. Mehrere dieser Gewerke, wie die Zimmerer, Tapezierer, Drechsler, Böttcher und Möbelpolirer, haben inzwischen auch eine Arbeitöeinstellung in Audssicht ge steilt,· obgleich von den betheiligten Meistern ernste Versuche gemacht worden sind, diesen Strikes durch ein billiges Eutgegenkommen zu begegnen Auf denselben Standpunkt haben sich auch die meisten Buchdruckereibesitzer und Zeitungoverleger gestellt; ohne jedoch mit ihren Zugeständnissen die Setzergehülfen zu befrie digen. Diese verharren vielmehr auf der vollen Erfüllung ihrer Forderungen, haben jedoch den ihren cigenen Interessen ent sprechenden Entschluß gefaßt, die Forderungen nicht durch eine allgemeine, sondern durch eine partielle Arbeitseinstellung durchzusetzen. Sonach beläuft sich die Zahl der feiernden Gehülfen heute erst auf 150, denen denn auch die zu ihrem Unterhalt erforderlichen Mittel aus der Strike-Casse mit wöchentlich 4 Thirn. gewährt werden können. Der Speisezettel im Staatogefngniß zu Auburn für einen einzigen Tag wird wie folgt beschrieben: „Um die Taüsend Ver brecher abzufüttern und den Mittagotisch zu besetzen, sind 800 Pfund Rindfleisch erforder lich; 10 Buschel Kartoffel, 40 Laib Brod, von denen jedes 17 Pfund wiegt; im Ganzen eine Masse von Lebenomitteln, die über zehn Tonnen schwer ist. Außerdem erhalten die Gefangenen zum Mittagdessen eine wohl ge würzte Suppe, in welche 25 Kappudtoöhfe, 3 Buschel Kartoffel, zwei Turnips und ein Bu— schel Zwiebel eingeschnitten sind.“ Katzenjämmerlichen Seelen wird es zur Befriedigung dienen, daß der Häringöfang augenblicklich eine ungemein ergiebige Aus beute liefert; in Lowestost allein wurden im Laufe von steben Tagen weit über 50, 000, 000 Fische gelandet. Der Preis stellt sich in Folge dessen sehr niedrig. 2