Die Botschaft des Gouverneurs Palmer. Gouv. Palmer hat der Staatsgesetzgebung eine Botschaft vorgelegt, deren Länge uns ihre wortliche Uebersetzung verbieten würde, auch wenn nicht die wichtigsten Attensiücke welche sie umfaßt, schon im Verlauf der letz ten Wochen in der Ills. Staatozeitung mit getheilt worden wären. Abgesehen von ei nigen amtlichen Mittheitungen über die Er richtung des Staats-Lehrerseminars zu Car bonda le und des Irrenhauses zu Anna, so wie über die Thätigteit der Eisen bahn—- Commissäre und einige vom Bunde an den Staat Illinois gestellte Ersuchen (um üebertragung der Friedhöfe, auf welchen während des Kriegs Soldaten beerdigt wur den, und um Ermächtigung zur Expropriation solcher Grundstücke in Chicago, auf welchen Gebäude für die Bundesbehörden erbaut werden sollen) behandelt bie Botschaft nur Einen Gegenstand: den Conflikt zwi schen Bundes-, Staats-und Stadt- Autoritt in Chicago. Die Thatsacheu, auf welche die Botschaft des Gouvberneurs Bezug nimmt, sind von uns schon mehrfach besprochen worden. Unmittel bar nach dem großen Feuer, als alle alten Waschweiber befürchteten, daß ganze Horden von Räubern und Kehlabschneidern die Rui- nen von Chicago durchstreifen würden, wie Hyhänen die Schlachtfelder, wendete sich der Mayor Mason an den Bundesgeneral Fheridan und bat diesen um militärischen Tchutz. Weder Mason noch Sheridan hatte in jenem Augenblicke Competenzbeschwerden. Mason als Mayor glaubte für die „Nuhe und Ordnung“ in der Stadt sorgen zu müs sen, Sheridan als Bewohner von Chicago zog wohl keinen scharfen Unterschied zwischen seiner Stellung als General, als Bundes bürger, Staatsöbürger und Stadtbürger. Wenn sie in dem, was sie thaten, ihre streng rechtlichen Befugnisse überschritten, so thaten sie es nicht absichtlich, jedenfalls nicht um einen Eingriff des Bundes in die „Rechte des souveränen Staats Illinois“ zu begehen, sondern unter der Einwirkung einer Aufre gung, welche die kaltblütige Uebertegung ausschloß. Auch würde die Frage, ob sie sich einer Befugniß-Ueberschreitung schuldig gemacht oder nicht, keine praktische Bedeu tung erlangt haben, wenn nicht am 20. Ott. Hrosvenor durch einen dummen Rüpel, welcher seine Autorität auf Sheridan und Mason zurückleitete, erschossen worden wäre. Damit aber änderte sich die Sache. Jetzt erst ward es dem Publitum klar, daß die ganze „Militärherrschaft“ ein durch völlig grund lose Furcht veranlaßter abscheulicher Unfug gewesen war, dessen Fortdauer zugleich eine Verleumdung Chicagos enthielt. Er ward nun bald abgestellt; Goub. Palmer aber hatte eine treffüche Gelegenheit erhalten, seine Ideen über Staatenrechte, Gewaltanmaßuna des Bundes -c. in hellstes Licht zu setzen. Er thut das in seiner Botschaft. In dieser erzählt er zunächst den Thatbe stand. Nach seiner durch Mittheilung der betreffetiden Briefe und Telegramine vervoll ständigten Erzähtung war die Staats—- gewalt vom ersten Augenblick an bereit, der Stadtbehörde von Chicago zur Erhaltung der Ruhe und Ordnung behülflich zu sein. Gleich nach dem Feuer bot er dem Mayor Mason zu diesem Zwecke die Staatsmiliz an und sandte den Gen. Dilger mit mehreren hundert Mann nach Chicago. Als indessen dieser eintraf, hatte der Mayor Mason be reits die Hülfe des Gen. Sheridan angeru fen. Sheridan hatte ein Regiment, gebildet -aus dem 1. Reg. Nationalgarde und den Studenten, auf zwanzig Tage in den Bundesdienst genommen und ais Buudesmilitär vereidigt. Com—- mandeur dieses Regiments war Frank Sher man ünd einer der dummen Jungen, die zu dem Regimente gehörten, war derjenige, der am 20. Oktober den nach seiner Wohnung heimtehrenden Grosvenor ïen Sheridan lehnte jede Uebergabe seiner Autorität an Gen. Ditger und jede Aufforderung, sie vor Ablauf von 20 Tagen abzugeben, ab. Dies ist es, was Gouv. Palmer als eine schroffe,„ durch Nichts gerechtfertigte Aufleh nung gegen die rechtmäßige Autorität des Staats Jilinois betrachtet. Er behauptet (und mit Recht), daß erstens kein genügender An laß zur Entfaltung militärischer Gewalt vor handen gewesen sei, und zweitens daß wenn es militärischer Hülfe bedurft hätte, um die öffentliche Ordnung und das Eigenthum zu schützen, die von ihm, dem Gouverneur, zur Verfügnng gestellte Staatoömiliz dazu vollständig audgereicht haben würde. Das Verfahren des Mayor Mason wie des Gen. Sheridan betrachtet er als eine durch Nichto zu entschuldigende Gewaltanmaßung und Ge setzesübertretung und spricht sich darüber wie folgt aus: „Ich glaube, es würde sich in der ganzen Geschichte der freien Staaten kein zweiter Fall finden iassen, in welchem öffentliche Beamte auf so fadenscheinige Gründe hin den bürger lichen Rechtoözustand suspendirt haben. Le diglich aus Pflichtgefühl und in der Ueberzeu gung, daß die in Rede stehenden Uebergriffe ebenso gesetzwidrig, wie beschimpsend für den Charakter unserer Bevölkerung und ein höchst gefährliches Beispiel gewesen sind, lege ich die Angelegenheit der Staatsgesetzgebung und dem Volke vor. Indem ich das thue, bin ich mir wohl bewußt, daß ich mächtige Interessen und die Gefühle Vieler, vielleicht sogar einer Mehrheit der Einwohner von Chiago verletze. Auch weiß ich, daß das Volk von Illinois al len sezessionistischen Lehren und den ihnenver wandten Ketzereien zu bitter feindlich gesinnt ist, um nicht jede Geltendmachung der recht mäßigen Staat s-Autorität gegenüber dem Bunde mit Mißtrauen zu beobachten. Ist doch mir selbst ein ähnliches Gefühl nicht fremd, obschon ich keineswegs Bun d und Staat als zwei feindliche Mächte ansehe, deren jede der andern ins Gehege zu kommen sucht, sondern nur als zwei verschiedene, vom Volke zu verschiedenen Zwecken eingerichtete, mit verschiedenen Befugnissen ausgestattete Agentien, deren beziehungoweise Befugnisse jederzeit vom Volte vertürzt oder erweitert werden können, wie es eben zur Sicherung der Volksfreiheit und Wohlfahrt erforderlich be funden werden möge. „Allein so lange ich das Amt verwalte, zu welchem meine Mitbürger mich berufen haben, betrachte ich es als meine Pflicht, alle mir verliehene Macht zur Wahrung und Erhal tung derjenigen Vertheilung staatlicher Be fugnisse zu verwenden, welche die Bundes verfassung, wie die Verfassung des Staats Illinois zu ihrer Voraussetzung machen. Nicht einmal durch Stillschweigen will ich meine Zustimmung zu Handlungen geben, welche, sei es direkt oder indirekt, das Wesen un serer Staatoseinrichtungen untergraben: „Das Grundprincip, auf welchem unser ganzes Staats- und Rechtsleben beruhet, ist die bollkommene Trennung der Bunde s—- und Staats—-Gewalt. Der Oberbundes—- richter Marshall, die beste Autorität, welche wir haben, sagt: „In Amerika sind die Souveränetäts Gewalten zwischen dem Bunde und den Einzelstaaten ge theilt, beide sind souverän in Betreff der jenigen Funktionen, die ihnen zugetheilt sind, und andererseits ist weder der Bund, noch der Staat souver7 in Betreff solcher Functionen, die dem anderen zugetheilt sind.“ Diese Auffassung ist nicht blos in Verfassung und Recht, sondern auch in der gesunden Vernunft und der Nothwendigkeit begründet. Denn es ist unmöglich, sich zwei Behörden vorzustellen, welche genau die gleichen Be fugnisse und Ogliegenheiten inßezug auf den selben Gegenständ und zu gleicher Zeit haben Wenn eine solche Auffassung statthaft wäre, wohin würde man damit gelangen? In Zeiten von Unordnung oder Unruhe würden entweder beide Behörden sich einander lahm legen und die Rechte nnd Sicherheit des Volkes würden gefährdet werden, oder beide würden ihre Functionen auszüben versuchen und darüber mit einander in unlöslichen Con flikt gerathen. Denn wenn sie einander gleich stehen, wer soll zwischen ihnen entscheiden? In Chicago ist ein Conflikt nur durch die Nachgiebigteit der rechtmäßigen Behörde gegen eine unberechtigte Gewaltanmaßung ver mieden worden. „Chicago ist ein Theil des Staats Illinois; die Rechte des Staats und der Stadt stehen in Wechselbeziehung zueinander. Die Pflicht der Bewohner und der städtischen Behörden von Chicago, den Gesetzen des Staats zu ge horchen und die Stätgewalt anzuerkennen, erleidet keine Unterbrechung; ebenso wenig tann die Pflicht des Staates, die Einwohner von Chicago zu beschützen, suspendirt werden. Nimmermehr kann es den Einwohnern, oder dem Mayor von Chicago frei stehen, aus irgend einer besondern Veranlassung die Bunde sgewalt um Hülfe anzusprechen und die der Staats behörden abzuweisen. Dies aber ist, was geschehen ist. ·Am 11. Oktober, nachdem bereits Staats miliz in Chicago eingetroffen war, entschloß sich der Mayor die Hülfe des Bun des anzurufen und ermäch tigte den Gen Sheridan, die Hülfe des Staats zurückzuweisen. Wenn der Mahor ein solches Recht hat, der Staatögewalt die Thür zu weisen, was wird die künftige Stellung der Staatsautorität sein? „Nach meiner Ueberzeugung beruhet unser ganzes öffentliches Leben auf der Voraus—- setzung, daß das Recht und die Pflicht des Stäts, innerhalb seiner Grenzen Ord nung und Gesetz aufrecht zu erhalten, unan tastbar ist Auf keinen Fall unterliegt es der Gutheißung oder Einmischung des Bun des, und die Behörde keiner Stadt tann die Pflichten, welche der Staat gegen sie hat, dem Bun de übertragen. Die Bun-- desverfassung selbst erklärt, daß die Bundes gewalt gegen Unruhen in Einzelstaaten nur auf Ersuchen der Staatogesetzgebung, resp des Gouverneurs ei-schreiten därf, macht es also zur Sache der Staats behörde, zu be stimmen, ob Bundeshülfe nothwendig ist, oder nicht. Keinem Bundesgeneralb steht es zu, sich ohne desfallsiges Ersuchen der Staatobe hörde in die innern Angelegenheiten eines Staats einzumischen. „Die oberste Vollziehungoögewalt des Staats liegt, der Verfassung zufolge, in den Händen des Gouverneurs und dieser hat für ihre ge wissenhafte Ausübung zu sorgen. In Gemäß—- heit dessen habe ich im vorliegenden Falle wie in allen ähnlichen mich bemüht, furchtlos und treu die Pflichten zu erfüllen, von deren Aus übung die Kraft der Gesetze und die Bewah—- rung alles Dessen, was dem Volke werthvoll ist, bhängt.“ So der Gouverneur Palmer. Um zu ver—- sichern, daß er stets mit eifersüchtigem Auge die Rechte des Staats Illinois gegenüber dem Bunde gewahrt hat, bedurfte er so vieler Worte nicht. Jedermann im Staate kennt ihn als einen starren Versechter der Staatssouveränität, welche er in jeder seiner Botschaften gepredigt hat Vielleicht aber hatte die nochmalige breite Aubeinanderse-- tzung seiner Ansichten über diesen Puntlt eine direkte Beziehung auf die nächsie Präsiden tenwahl; vielleicht ist es nicht sowohl die Staatsgesetzgebung von Illinois, als die um einen Candidaten für 1872 verlegene liberal demotratische Coalition, an deren Adresse die Botschast gerichtet ist. Sei dem, wie ihm wolle, als abstrakte Theorie ist die von Gouv. Palmer mit so großem Eifer gepredigte Lehre richtig, Und was den unmittelbar vorliegenden Fall an-- betrifft, so ist auch das richtig, daß eine Noth—- wendigkeit zu militärischer Bundeshülfe in Chicago nie bestanden hat —Ganz abgesehen von der Ermordung Groövenor's hat die Ein mischung Sheridans den großen Schaden ge stiftet, daß die öffentliche Meinung des gan zen Landes in Bezug auf die Znstände, wel che in Chicago herrschten, aufs gröbste ge täuscht worden ist. Es hat keine Anarchie in Chicago bestanden; es sind kein e lynch rechtliche Gewaltthaten verübt worden; es hat niemals, so lange die Welt steht, eine Bevölkerung unter so schrecklichen Umständen ihre Besinnung und ihren guten Muth so vortrefflich bewahrt, wie die von Chicago: Aber das Alles, obschon es die reine, volle Wahrheit ist, will Angesichts der Thatsache, daß der „Kriegszustand“ erklärt worden ist, Niemand außerhalb Chicagos glauben, oder wenn es geglaubt wird, so fügt man hinzu, daß eben durch den Kriegszustand die Ord nung erhalten worden sei. Hier in Chicago wissen wir das besser. Allein wenn wir somit Herrn Palmer so wohl die Richtigkeit seiner Theorie, wie ihrer Anwendung auf den vorliegenden Fall zuge stehen, so folgt daraus noch nicht, daß seine Botschaft irgend einen Nutzen stiften könne. Ein Fall, wie der vorliegende, wird aller menschlichen Voraussicht nach, in Jahrhun derten nicht wieder vorkommen und nur ein Thor kann glauben, daß das von Mason in seiner Rath- und Hülflosigkeit eingeschlagene Verfahren irgend welche weitere Folgen ha ben, daß es die Rechte der Stäten un—- tergraben, die Macht des Bundes über die Staaten erweitern, oder gar die „Freiheiten und Rechte des Volks“ untergraben werde. Wenn Gouv. Palmer Befürchtungen in die—- ser Richtung zu erwecken sucht, macht er sich einfach lächerlich. Der Mason-Sheridan' sche „Belagerungszustand“ war eine theils abge schmackte, theils beschämende Episode und in keinem Sinne des Wortes ein Präcedenz fall. Indem Gouv. Palmer ihn als einen solchen behandelt, beweist er nur, wie sehr das geistige Augenmaß durch Prinzipienreiterei nach Art der des Airter Heinrich von Reuß—- Greiz Schleiz Lobenstein verwirrt werden kann. Kuklux-Klan. Während der letzten vier oder sechs Wo— chen hat in Süd-Carolina ein Feldzug gegen die Kukluxe stattgefuuden über dessen Ergeb nisse die demokratischen Zeitungen merkwür dig still gewesen sind. Während sich im vorigen Winter der Congreß über ein Gesetz zur nterdrückung des Kuklüx-Unwesens be rieth, betheuerten alle demokratischen Blätter vom ersten bis zum letzten, daß der Kuklux- Klan eine Chimäre, ein Hirngespinnst, ein von den „Radikalen“ erfundener Popanz sei. Die ihm zugeschriebenen Greuelthaten wurden als schändliche Erfindungen der Republitaner bezeichnet, Erfindungen, deren einziger Zweck sei, einen Vorwand zur Verleihung dit tatorischer Gewalt an den Präsidenten zu bie ten. Als der Congreß den Präsidenten er mächtigte, in solchen Gegenden, wo die bür—- gerlichen Behörden sich als machtlos zur Un terdrückung des Kuklux-Unfugs erwiesen, Kriegsrecht zu erklären, entrang sich jeder bie dern Demokratenbrust ein Aufschrei des Ent setzens. Auch „liberale“ Staatsmänner, wie Carl Schurz, schüüttelten ihre weisen Häupter und bewiesen mit breitspurigster Syllogistit, daß aus solcher,„Militärdiktatur“ die fürcht barsten Folgen für die Freiheit der Staaten entspringen müßten. Denn der Präsident werde dadurch zum Diktator, wo möglich zum Kaiser, und es lasse sich gar nicht absehen, wie weit seine Willkürherrschaft werde aus gedehnt werden. Daß diese düstern Prophezeihungen einen tiefen Eindruck auf das Gemüth des Volks gemacht hätten, läßt sich nicht behaupten. Das Publikum hörte sie wie unterhaltende Spukgeschichten an, lernte aber das Gruseln nicht. Vielleicht mochte es sich sagen, daß, wenn jemand versucht werden sollte, das Kriegögesetz zur Unterdrückung der Rechte friedlicher Bürger zu verwenden, diese a u ch dabei sein müßten und daß in einem Lande von 40 Millionen Einwohnern, das kaum 20,000 Soldaten bei der Fähne halten kann, so daß auf 2000 Einwohner nur ein Soldat tkommt, die Angst vor militärischer Vergewal tigung einfach kindisch sei. Sei dem, wie ihm wolle, der PräsidentThat von der ihm verliehenen Vollmacht in so weit Gebrauch gemacht, als er eine Anzahl Coun— ties in den Carolinas, wo das Kuklux-Unwe sen am heftigsten trasiete in Kriegoözustand erklärt hat. Die Wirkung ist eine zauber hafte gewesen. Eine Menge Kukluxe, welche sich der stärksten Schuld bewußt waren, sind Hals über Kopf entflohen; Hünderte, die sich weniger stark compromittirt glaubten, haben sich den Militär-Commandeuren freiwillig gestellt und die umfassendsten Bekennt— nisse abgelegt. Andere sind verhaftet und zu Zuchthausstrafen verurtheilt worden. Ein panischer Schrecken hat sich der ganzen Brut bemächtigt, sobald ste die Ueberzeugung ge wonnen hat, daß es Ernst gilt. Nach einer anderen Richtung hin ist die Wirkung nicht weniger wunderbar. Die de moktratischen und diejenigen „liberalen“ Zei— tungen, welche den Kuklux Klan für ein Phantasiegebilde ausgegeben hatten, sind plötz lich verstummt. Gegenüber den umfassenden Geständnissen hunderter von Mitgliedern des Geheimbundes, welche nicht blos über die Sta tuten des Bundes, die Aufnahme-Ceremonien, die geheimen Erkennungozeichen u. dgl. Auf schiuß geben, sondern auch über zahllose nächt liche Schandthaten, welche von den Kukluxen begangen worden sind, hält selbst die maßlose Dreistigkeit demokratischer Zeitungen nicht Stand. Nicht als ob sie eingestünden, Un recht gehabt zu haben, als sie den Kuklux-Klan für ein Hirngespinst erklärten; aber sie sa gen einfach gar Nichts. Ihren Lesern wird Alles, was über den Geheimbund zu Tage tomint, sorgfältig verschwiegen Höchstens wird von Zeit zu Zeit eine bissige Anmerkung über den in Süd-Carolina herrschenden„Mi—- litärdespotiomus“ gemacht; aber auf Einzel heiten nicht weiter eingegangen. Dagegen wird aus Washington gemeldet, daß die demokratischen Congreßmitglieder nichtõ Geringeres beabsichtigen, als eine all gemeine Amnestie für die Kutlurxe zu beantragen. vor wenigen Monaten die Ex iste nz der Ku kiuxe bestritten haben, wäre ein solcher Antrag hochtomisch. Gespannt ist man darauf, wie sich dazu jene „liberalen“ Staatsmänner verhallen werden, welche, wenn sie ,„allgemeine Amnuestie“ predigen, stets hinzufügen, daß sie darunter die Aufhebung der politischen Entrechtung verstehen und keineswegö gemeine Criminalverbrecher in Schutz nehmen vollen. Die Kuklux sin d gemeine Criminal verbrecher, wie es je die Bethyaren in Ungarn und die Briganten in Italien gewesen sind. Selbst bei dem Beust'schen Ausgleich mit Un garn ward für die Banditen Ungarns keine Amnestie aubsbedungen. Werden unsere „liberalen“ Beuste in ihren Bemühungen, die „edlen Brüder“ im Süden zu ihren guten Freunden zu machen, noch weiter gehen, als shr liberales Vorbitd in Oestreich Wollen sie auch die Kukluxe an ihr hechklopfendes libera les Bruderherz drücken, ur einige hunderttau-- send Stimmen mehr für die beabsichtigte Coa lition zu gewinnen? Wenn das geschehen soll, so möõgen sie auch gleich mit 80ß Tweed, Oatkey Hall und Sweeney in Unterhandlung treten und sie in den „liberalen“ Bund auf nehmen. Kuklür-Klan und Tamm a—- ny, ein treffliches Zwiegespann für den Triumphwagen eines „liberalen“ Prästdenten! Eine Unterredung mit Kossuth. Ein Correspondent des N.Y. Herald, be waffnet mit einem Empfehlungoschreiben von einem hervorragenden Ungarn in Pesth und einem ad hoec kurz vorher gekauften Kossuth hut auf dem Kopfe, stattete neulich dem frühe ren Diktator Ungarn's, Ludwig Kossuth, in seinem bescheidenen Hause in Turin einen Besuch ab, das er seit 10 Jahren mit seinen beiden Söhnen bewohnt Der große unga—- rische Redner ist etwa 65 Jahr alt, sein Bart ist weiß, aber seine Gestalt, obwohl etwas ge beugt, doch kräftig, seine Stimme ist laut, sein Auge rasch nnd sein Benehmen hat noch immer dieselbe Energie wie zur Zeit seines rednerischen Triumphzuges durch die Ver. St. im Jahre 1851, in welchem er, wie er dem Correspondenten bemerkte, Chicago nicht der Mühe werth hielt zu besuchen, dessen hunderte von Millionen betragende Feuerverluste ihn jetzt überraschen Die Ansichten Kossuth's über die Zukunft Oesterreich's sind von Interesse. Die Rolle der Haboburger ist nahezu ausgespieit, es kann die Entwickelung oder besser Auflösung der Dinge in Oesterreich nicht aufhalten. Die deutschen Theile von Oesterreich, Ober- uud Niederösterreich müssen ein Theil Deutschlands werden, das wie ein Riesenmagnet sie anzieht. Das Haus Habsburg wird sich dann auf Un garn zu stützen suchen, und falls Ungarn sich zum Werkzeuge jenes Hausts hergibt üd gegen die Vollendung des deutschen Einheitswerts in die·Schranken tritt, wird sein Loos das Po—- lens sein, es wird zerstückelt und unter die Nachbarn vertheilt werden. Die einzige Ret tung Ungarns liegt in seiner Unabhängigkeit. Wenn seine Unabhängigleit und Unverletzlich keit unter die Garantie Europa's gestellt wür de, so stände der friedlichen Entwicklung nichts im Wege. Geschieht das nicht, so wird Un-- garn in Stücke zerbrochen und Grenzkriege folgen, die ein Seitenstück zu den früheren Kriegen am Rhein bilden werden. Die Auf gabe Ungarns ist die Aufrechterhaltung des Gleichgewicht zwischen den Slaven auf der einen Seite, und den Deutschen auf der an dern. Andrassy steht zu sehr auf österreichi scher Seite, d. h. auf der der Haböburger Dy—- nastie, und deshalb schwebt Kossuth in Bezüg auf die Zukunft Ungarns zwischen Furcht und Hoffnung. Nur die republitanische Staats form kann das allgemeine Chaos verhinderu. Die jetzige Strömung in Oesterreich geht auf Auflösung, die Slaven treiben dem Pan-- slavismus, die Deutschen dem deutschen Reiche zu und Ungarn wird genug zu thun habe, aus diesem Trümmerwert sich heraus zu retten und in dem neuen politischen Faktoren-Ge wühl, das folgen wird, sich als Ausschlag ge bende Macht zu beweisen. In Europa muß es ebenso über kurz !oder lang zum Zufammenbruche kommen und zwar wird der Kampf zwischen Kapital und Arbeit ihn zuwegebringen. Dieser Gegensatz muß beigelegt werden, so schwierig die Frage auch sein mag. Weder die Internätionale noch überhaupt eine Organisation der Art kann die Schwierigkeiten eines gan zen Continents lösen, Eine Gesellschaft. welche die Kirche nicht achtet und die Familie zerstören will, kann keine moralische oder materielle Macht ausüben, Die Inter nationale ist nur ein Symptom der kommen den Krisis, nicht die Lösung derselben. Die Einheit Deutfchlands ertlärt Kossuth für ein großartiges Resultal und für die zukünftige Gestaltung der Dinge von Bedeutung. Schon 1859 habe er Napoleon darauf aufmerksam gemacht, daß die Einheit Deutschlands und das Perhältniß zwischen Capital nnd Arbeit die großen Fragen seien, welche er (Napoleon) in Angriff nehmen müsse. Napoleon antwor tete auf die Frage, warum er sie nicht in An griff nahm. „Das gefällt mir nicht“ und die Folge war sein Untergang. Von der Zukunft der Ver Staaten urtheilt Kossuth äußerst gühstig und nach seiner An sicht wird die Existenz der amerikanischen Re publitk, ihr zunehmender Wohlstand und Bil dung einen solchen Einfluß auf Europa aus—- üben, daß die Republik in Europa die Folge sein wird. Jedenfalls wird die Welt nicht stillstehen, was immer in Europa geschieht. Kossuth ist über alle Vorgänge in Europa und Amerika durch Zeitungen und eine aud-- gebreitete Privatcorrespondenz sehr genau un terrichtet. Er ist einer der wenigen hervorra genden Republikaner Eopa's, welche die re publikanische Staatsform an nnd für sich, et wa wie sie in den Ver. Staaten besteht, für genügend halten und Utopien consequent von sich abweisen. Der Brand des Darmstädter Thea—- ters. Darmstadt, 24. October. Ein großes Unheil hat uns betroffen das Theater ist verbrannt! Gestern Abends sollte die Vorstellung des Lustspieles „Pechschulze“ sein. Um 5 Uhr begannen die Vorbereitun en. die Lichter wurden angezündet, einzelne amen waren in den Garderobe- und An kleidezimmern reses ter Eine halbe Stunde nachher sollte das Publikum einireten. We— nige Minuten nach Fünf drang unbekannt wodurch ein mächtiger Rauch durch die nächst der Bühne gelegenen Fenster, und bald schlug die Fïmme nach. Kaum hatten es ein paar Menschen gesehen und wären helfend beigesprungen, so schiug schon die Lohe zum Dach heraus. An Löschen war kaum zu den ken; man eilte, zu retten, was möglich war. Garderobe und Bibliothetk, Sessel und was im Wege stand, wurden herausgetragen, -gewor fen; Spiegel, unnützer Hausrath flog zum Fenster hinaus. Es währte über eine Viertelstunde, bis die Spritzen kamen, fast eine hatbe Stunde, bis Wasser da war. Schon stand die Hälfte des 300 Fuß langen und 100 Fuß hohen Dach stuhls in Flammen. Schaurig schlug die Lohe empor, ungeheuren Qualm hinaufwirbelnd Ein leichter Nordost blies in die Flamme und hob die glühenden Kohlen empor Eine rie sige Feuerwolke zog üder unsere Häupter dahin und warf, dicht wie ein Hagel, zolldicke Koöh len herab. Auf hundert Schritte konnte Nie mand in dieser Richtung stehen bleiben Noch war aber der Kohlenhagel ungefährtich; et flog nach Südwest, über den 500 Schritte langen Paradeplatz dahin, und obgleich noch auf tausend Schritte hin leuchtend, waren doch die gröbsten Kohlen unterwegs gefallen. Die Flamme rüückte indeß nach dem Eingang des Theaters (nach Süden zu) bor. Aus dem Parterre wirbelte sie wie ein Strudel kreiselnd empor. Der Strudel machte nun, trotz des Windes, seine eigene Richtung, zuerst nach West, dann nach Nordwest Gerade nach West steht das riesige Zeughaus mit seiner Breitseite; ein ungeheurer Vau, wie Europa wenige aufzuweisen hat, an 500 Fuß lang, 200 Fuß breit, 100 Fuß hoch. Das gewal tige Dach deckt einen einzigen hohlen diaum. Einst war es Exercirhaus für die winterlichen Uebungen der landgräftichen Truppen, jetzt ist es mit Kanonen, Wagen und Kriegögeräth gefüllt Tausende und Tausende von glühen den Kohlen flogen auf das flach geneigte in Mansardstyl gebaute, winkelige Dach. Hier galt es zu erhalten, sonst war ein ganzer Stadttheil bebroht Im Nu kletterten die Turner an dem Blitzableiter hinauf, hoben sich schwebend über die wweit vorspringende Dach rinne und kletterten an den Haken des Schie ferdaches bis zum First. In wenig Minuten ergoß sich der Wasser strahl über den Kohlenhagel, zischend flog der Dampf auf; es glühten die Schiefer, die Bret ter. Mit allem Kraftaufwande bei dem ge ringen Wasservorrathe das Darmflüßchen wälzt hier kaum drei bis vier Kubikfuß in der Secunde vorüber ward die dem Theater nächststehende Wand geschützt. Doch die Koh len ete über das lange Zeughausdach da hin. Jetzt zogen sie näch der Nordwestseite zu. In einer Ecke hatten sie sich gehäuft. Jetzt glimmten die Bretter, im nächsten Au— genblicke hätte die Lohe herausgeschlagen. Schnell die Spritzen zur Hand, und wohl ge führt, erstickten sié die Glüth Jetzt wirbelte der Wind wieder nach West, dann nach Süd west zu. Jetzt glimmte es hier, dann glimmte ed dort. Im Nu wendete sich die Kette der Wasserträger dahin. Auch hier gelang es, die Gluth zu ersticken. Kaum so lange, als ich zum Erzählen brau che, währte der Brand. In einer Stunde war der Dachstuhl bis zur Säulenhalle er griffen, der größte Theil mit Getöse in die Tiese gestürzt Die Rüchseite war schon aud serrannt- durch die leeren Fensterbogen chaute man in die Lohe. Hoch oöben im Ge wölb hingen noch ein haar brennende Balken. Ein paar übereifrige Helfer strengen sich an, eine kleine Eckstube zu retten. Wir reißen sie mit Mühe hinweg. Im nächsten Moment stürzen die Balken herab. Die ganze Bühne, das Parterre war ein einziger gräulicher Höllenraum. Kreuz und quer lagen die brennenden Balken; hier starr ten ein paar Eisenstäbe heraus, dort wand stch im phantastischen Zickzack ein zerknicktes Ge stänge. Aus einer Kelleröffnung brach eine Luftsäule durch Surrend bruminte sie durch die Flamme, eine grääulicheMusit zu dem hölli schen Gebrodel! Neues Baltenwertk stürzte herab; es wird oben offener, ein ungeheurer Trichter ragt hinauf. Mit Gebraus und Ge—- töse wirbelt die Flamme im Kreise. Samiel's wilde Jagd, die Höllengeister Don Juan's, die vor wenigen Tagen hier ihr Spiel getrie ben, schienen sich mit Teufelslust in dem Wir—- bel zu drehen, und mit ihnen kämpften noch ergrimmt, daß sie den Idomeneus nicht ersu fen konnten die Wassergeister Neptun's. Jetzt war die Flamme bis zur Säulenhalle gedrungen. Hier galt es noch zu dämpfen; die nächsten Häuser sind kaum hundert Fuß entfernt. Die Spritzen aber .reichen nicht bis zum First. Indessen wird .doch keine Mühe gescheut.· Man dämpfte das Feuer von der Seite; dann steigen waghalsige Feuerwehr männer auf die glühenden Seitenwände, und von hier trifft der Strahl die Flamme. Ei— nige Viertelstunden noch und die Gewalt ist gebrochen. Um sieben Uhr, zwei Stunden nach Beginn, war das Feuer bezwungen, das heißt, das Theater war bis auf den Grund ausgebrannt, man hatte aber die weiteres Verderben bro-- hende Gluth gedämpft. Es brannte noch ei nige Stunden im Inneren fort, dann glomm es bis zum Morgeu. Jetzt steigt nur schwa cher Qualm noch aus den öden Räumen. Ein riesiger Trümmerhaufe ragt heute in die Luft hinein. Die grauen Mauern stehen da wie ein zertrümmertes Instrument. Die Säulen erheben sich noch wie gespannte Sai ten. Der Resonanzboden aber isi zerbrochen; die Saiten geben keinen Klang. Die Sonne, die gestern so strahlend, freude-entlockend uns beschien, verbürgt sich heute in düsteremNebel schieier. Apollo kann's nicht sehen, daß sein Musensitz verwüstet ist. Trauernd hültt er sich in seinen Mantel; leise seufzend zieht er dahin, seinem Auge entquillt die stille Thräne ein Tropfen Mitleid für zerstörtes Men—- glück. Heinrich Becker. Wanzen-Quarantaine. Ein eigenthümliches communales Rechts- Institut, das in seiner Art wahrscheinlich ein zig dasteht, ist die „vereidigte Wanzen-Com mission“ in der ehemals hannover'schen Stadt Osnabrück, über deren Zweck und Wirken wir der „Nordd Allg. 3tg Folgendes entneh men: „Osnabrüct ist durchaus nicht wanzenfrei, im Gegentheil soll die stille Züchtigung dieses nützlichen, so manchen Apoplectieus durch fortgesetzte winzige Aderlässe dem Leben er haltenden Hausthieres dort ziemlich im Flor stehen; um aber die gar zu starke Vermeh rung des Wanzen-Kopfbestandes einigerma- Beu controlliren zu können, ist in der Stadt schon seit längerer Zeit ein Gesetz eingefürt und zu vollem Rechte bestehend, wonach jeder von Auswärts Zuziehende alle seine Mobilien sein ganzes Hab und Gut bis in das kleinste Detaül den vereidigten Mitgliedern der städti schen Wanzen-Commission unterbreiten muß und erst das Weichbild der inneren Stadt be ziehen darf, wenn ihm nach mehrwöchent licher Revision, Nachrevision und Super revision das amtliche Attest ertheilt worden ist, daß er, seine Familie und seine Sieben sachen ganz „wanzenfrei“ seien. Die Her ren beeidigten Wanzenbeschauer, verlahmte Tischlermeister oder selbst im Leben verun glückte Vettern der Magistrats Mitglieder, beziehen für jede einzelne Wanzenjagd eine Gebühr, die sich selten unter Thäler be läuft, oft aber noch böher steigt. Dabei ist die Arbeit keine gar schlimnie, da selbstverständlich auch der Schuld- und Wan—- zenbewußte seine Mobilien vorher auf das beste gereinigt haben wird, und unter keinen Umständen eine gefährliche —was ist also na türlicher, als daß die Osnabrücker Wanzen schutzzöllner mit allen Kräften für das Fort bestehen dieser ihnen so nützlichen. Einrichtung einstehen? Zu dem Egoismud hat sich aber seit fünf Jahren die „Politik“ gesellt Sämmtliche Wanzenbeamte und fanatische Welfenanhänger sind nie zu überzeugen, daß ein aus den altpreußischen Provinzen oder gar aus Berlin selbst dorthin versetzter Beamter „wanzenfrei“ sei. Man sielle sich nun nur die Lage einer solchen armen Beamten-Fami—- lie vor, dit ahnungolos und arglos mit ihren oft wirklich ganz wanzenreinen Möbeln an gezogen kommt und sofort zu einer drei- bis vierwöchentlichen Wanzen Quarantaine in ein einzelnstehendes Haus weit vor den Tho ren verwiesen wird. Sprechen nicht sehr ge wichtige Gründe für die Aufhebung derselben, so dauert die Quarantaine auch monatelang. Abgesehen von der Möglichkeit gewisser klei ner Teufeleien, bekommen die fremden Möbel oft gerade in den Quarantaine-Häusern erst Wanzen, die sich dort von früheren Fällen her angesiedelt haben; kann der Beamte feine schleunige Weiterversetzung bei seiner Oberbe hörde nicht erlangen, so bleibt ihm schließlich nichts Anderes übrig, als seine guten alten Sachen nach auswärts zu verschleudern und sich neu zu equipiren, natürlich in Osnabrück selbst, wo die Moöbelhändler sich schon ver— gnügt die Hände reiben.“ Neligiöses aus Rußland. (Petersburger Correspondenz vom 10, Oltober.) Eine der äufflligsten Wirkungen der Cho— lera-Epidemie in Rußland bestand darin, daß an einigen Orten im Land eine gewisse Nei- Lng zum Heidenthum zum Vorschein kam. ie Ausbreitung der räthsethaften und doch schrecklichen Kräntheit ließ ein gottliches Strafgericht voraussetzen, ünd man versuchte dagegen sich durch Gebräuche zu schützen die seit Jahrhunderten, j« seit Tausenden im Schoße der Vergessenheit begraben zu sein schienen. Eigenthümlich war es, daß Juden und Christen im Innern Rußlando ganz gleichmäßig diesen Hang zum heidnischen We sen bekundeten. Bei den Juden scheint der Aberglaube sich mit rabbinischem Zelotibmus zu verbinden Wir sehen dies aus verschiedeuen Vorgängen im Witebokischen. Es hatte die Cholera dort in kurzer Zeit 500 Opfer von der jüdischen Bevölkerung allein weggerafft. Die Rabbi— ner ordneten damals alõ pröbates Mittel ge gen die Cholera an: daß sich zwei Paare auf dem Friedhof trauen lassen follten, wozu alle Aussteuer, Spenden und sonstigen Kosten einzig und allein durch milde Beiträge einge liefert werden mußten Die Aufregung wäh rend der Ceremonie nebst den nachfolgenden Schmausereien bewirkte, daß die Cholera nur noch böbartiger auftrat und noch viei mehr Opfer dahinraffte als vorher Da sandten die Vorsteher smmtlicher Bethäuser Leute um— her, welche von allen Gliedern der jüdi— schen Bevölkerung ein „Loskaufgeld“ er hoben durch diese Steuer sollten sich die Ju den von der Cholera gleichsam „freitaufen,“ und man führte den Leuten zu Gemüüthe, daß ein Arzt sür den kleinsten Gang mehr ver langt, als die gewünschte Steuer pro Kopf ausmacht. Die Cholera wüthete trotz des „Lostauf geldes“ immer heftiger“ und immer trotziger wurden die Rabbiner. Sie. untersagten es immer energischer, daß jemand nach ärztlichem Beistande verlangte, ünd forderten nun: die Gemeinde solle sich dadurch entsündigen, daß einer den andern wegen Ehebruchs und ähn licher Sünden denunzirte. Dainit entstand eine ganz abscheuliche Wirthschaft: Angeberei, Klatschsucht, Verleumdung mit obligaten Ex pressungoversuchen trieben ihr keuflisches Spiel, und erschienen um so gräßlicher als je der ein gottgefälliges Werk dabei auszuführen glaubte. Bei den christlichen Landleuten zeigte sich der Aberglaube nicht gerade in dieser nichts würdigen Gestalt In den russischen Doör fern süchte man vielmehr bei Mitternacht ei nen Zauberkreis um das von der Cholera be drohte Dorf zu ziehen, und dadnrch die In wohner zu schützen. Es kamen Frauen mit fliegenden Haaren, sowie man ungefähr die Elementargeister, die Russaltkas, abbildet, in einem langen Zuge heran Zuweilen mußte es eine bestimmte Zahl von solchen Personen sein, welche die Ceremonie ausführten —etwa zwölf mit ihrer Anführerin. Einige von ih nen spannten sich an einen Pflug, welcher von den andern geleitet wurde, bis die Furche rund um das ganze Dorf herumging. An andern Orten entzündete man ein „heiliges Feuer“ durch Reibung von Holzstücken, und rucherte mit daran angebrannlem Rauchwerk das ganze Dorf aus. Obwohl diese aber gläubischen Gebräuche einen viel weniger bd artigen Charatter an sich tragen als die der Witebsker Juden, so gaben sie dennoch Zeug niß, daß die christlichen Priester Rußlands dem Heidenthum ebenfowenig Abbruch gethan haben wie der Unwissenheit überhaupt. Je weiter man nach Osten kommt, desto mehr ninmt der Hang zum Heidenthum unter der dem Namen nach christlichen Be völkerung zu. So hat unter anderm im Ka-- san'schen Gouvernement unter den Tschere missen und Tschuwaschen, die seit mehr als 300 Jahren zum russsichen Reiche gehören, und so zu sagen vor den Thoren von Moskau wohnen, das Christenthum notorisch gar nicht Wurzel gefaßt. Die Leute verehren ganz so ihre heiligen Bäume, wie sie es vor 300 Jahren gethan, und den Priestern bleibt nichts übrig. als die Gebräuche mitzumacheu. Um das De corum zu bewahren, bringen die Priester Heiligenbilder an den heiligen Bäumen an, oder veranstalten Processionen an den von den Frauen bei Nachtzeit gezogenen Furchen. Die Priester sind so erbärmlich gestellt, daß sie· um des lieben Brodes willen den Aber glauben der Leute mitmachen müssen denn sonst bekommen sie einfach gar nichts zu essen. Es ist nicht das Ueberflüssige, was der Priester durch seine Nachgiebigkeit erlangt, sondern nur das Allernothwendigste zum Leben für sich und seine Fanmilie, und darum werden die Verhältnisse um so trostloser und unentwirr barer. Diesem Umstand gegenüber zeigt sich die mohammedanische Propaganda in reger Thi— tigkeit Sie wirkt besonders auf die Tataren imi Kasan'schen Gouvernement und in ande ren Gegeuden an der Wolga. Im Monat September allein sind ganze Dörfer vom rus sisch-orthodoxen Glauben abgefallen, um zum Mohammedanismus überzugehen· Es macht sich dabei freilich ein starker Einfluß von Sei ten der reicheren Tataren gettend, welche größ tentheils Mohammedaner geblieben sind und in ihrem Glauben eine bessere Unterweisung erhalten als die ärmeren, aber längst getauf ten, in dem ihrigen. Die Anziehungsokräft des Mohammedanismus ist daher leicht erklärlich, und es kann ihr nut durch eine Geisttichkeit entgegengewirkt werden, welche vermöge ährer Bildung auf der Höhe ihrer Aufgaben steht. und außerdem materiell unabhängiger gestellt wird als bishet. Die russischen Ultranationalen dürften, wenn sie wirklich patriotisch dächten, hier ein weites Felid für ihre ersprießliche Thätigkeit vorfinden. Aber sie kümmern. sich nicht um ihre Landoleute im Innern und verwenden ihr Geld lieber für tschechische Einwanderer, für bulgarische Mädchen, tschernagorische Jüng linge und andere fern liegende Zwecke: An—- statt sich dafür zu interessiren, ob die Geistli chen sicher genug gestellt sind, um nicht ihr nothdürftiges Stück Brod durch die Erniedri—- gung ihrer Kirche und ihres Standes, durch böllige Hingebung und Duldung gegen Aber glauben und Unwissenheit ihrer Pfarrkinder, ja durch deren rettungölose Demoralisation erkaufen zu müssen, spendiren die russischen Slavophilen Tausende für den Ankauf von Kirchenglocken in Prag, wo Niemand sie ver langt hat Die Folge ist, daß, während man an das trernliegende Ausland denkt, im In land ein Theil der ländlichen Bevölkerung nach dem andern der gröbsteu Barbarei anheim sallt. Von Nah und Fern. Die MeLean Counth Deutsche Zeitung vom 11. Nov. schreibt in Bezug auf die wie der achtspaltig gewordene „Illinois Staats- Zeitung“. 1 Glückt auf zu dieser raschen Erhebung und hoffen wir ?daß die alte Garde ihrex früheren Leser, die, wie betannt in die sem County in voller Regimentsstärle vorhanden ist, sich wieder unter ihre Fahnen fimentel wird und sollten, da alle Lien der Druckerei mit vernichtet worden sind, die al ten Leser ihre Namen an die Office nach Chicago einsenden, oder wenn man eine Erleichterung darin sindet, bei uns, um ras Blatt wieder regelmäßig zu erhalten. (Besten Dank für das frrdlat Anerbieten, aber wir haben die Abon nentenliste gerettet. Red. der Staaszeitung). Die Ftaaeinna wird in diesem und den angrenzenden Counties mehr gelesen, als itgend ein anderes aüswärtiges Blatt uud zwar hat das sejnen Grund darin, daß sie stets eine unerschrockene und üniweidentige Vertreterin deutscher Interessen, Anschauungen und Bestrebungen nicht allein Chicago's, sondern des ganzen Nordwestens war. Dazu kommi noch, daß die Augen der ganzen Bevölkkerung der Ver. Staaten während mehreren onzen auf Veucdi cago“, die Handelsmetropple des Westens gerichtet sein und die Entwickelungsgeschichte der „Auferstehung“ dieser so schwer deugesuhi Stadt mit großer Spaunung verfolgen werden. Die Jllinois Staatszeitung ist dort. der Pionier des Deutschthums und wird daher mehr denn je zuvor gele sen werden.“ Ein unverhoffter Schicksalswechsel machte kürzlich einen früheren New Yorker Stiefel putzer und Zeitungsjungen zum wohlhaben den Manne. William A White kam bor etwa sechs Jahren von der „grünen Insel“ nach unserem Lande und hatte in New York mit gutem Erfolge in den angedeuteten Branchen bis vor etwa zwei Monaten gearbeitet· m diese Zeit fand er in Philadelphia eine Unter kunft als Kellner. Kurz darauf las sein Dienstherr in einer Zeitung eine Ankündigung, wonach einem gewissen Wm. A. White durch den Tod seiner Großinutter eine Erbschaft von 223,978 oder circa 8116,490 zugefalten war. Es zeigte sich, daß der Kellner und gewesene Stiefelputzer mit dem gesuchten Erben einerlei Person sei. White reiste nach New York und am vorigen Samstag wurden die für die Aub lieferung des Vermögens nöthigen Papiere bei dem britischen Coönsul deponirt New York 13 neu begründete Zeitungen wieder eingegangen. Es wurden daran ungefähr $250,000 verloren. Neue Zeitungen gründen ist ein theures Vergnügen Wir gönnen es allen unseren Widersachern. Der Philad. Dem. schreibt „Die Wahl des wackeren Sigel erregt im gauzen Lande bei allen Deutschen die größte Freude. Ohne Unterschied des Partei-Standhunkts begrüßt jeder Deutsche dariu die gerechte Würdigung eines tüchtigen, um das allgemeine Wohi hochverdienten Mannes, der im Frieden, wie im Krieg, durch Wort und Schrift, wie dürch tapfere Thaten zur Genüge bewiesen, daß er Kopf und Herz auf dem rechten Flecke hat. Um so mehr erfreut diese Würdigung, da man darin endlich eine Sühnung sieht für die vie len Kränkungen und Zurücksetzungen, weiche Sigel von der Regierung und von politischen Drahtziehern erdulden mußte. Da sie öfters Kränküngen waren, die ihn als Deutschen trafen, so wurden sie auch von allen Deut schen als solche aufgefaßt, welche dem ganzen deutschen Element geboten wurden. In der Würdigung, die Sigel jetzt fand, indem man ihn zum Bannerträger der Reform gegen bo—- denlose Gewissenlosigteit und Corruption machte, sieht das gesammte deutsche Element des Landes zugleich die Anerkennung der recht schaffenen, kernhaften deutschen Art von der allein Rettung aus diesem Pfuhl von Lug, Trug, Diebstahl und Meineid zu erwarten ist. Die Wahil von Sigel bedeutet einfach: Recht schaffene Männer sollen “statt der Betrüger und politischen Spitzbuben in Amt und Wür den kommen. Das Alles ist sehr schön und wir unterschreiben es gern Nur möchten wir hinzufügen: Ein Glück für Sigel, daß er nicht deutscher Zeitungoöschreiber gewesen ist. Denn alsdann hätte er als Mensch so brav, so rechtschaffen, so streng redlich und gewissen haft sein mögen, wie er gewollt hätte und würde doch vonsdrei Viertel derjenigen demotra tischen Zeitungen- welche ihm jetzt zu seiner Erwählung Glück wunschen entweder mit ganz ungeschminktet Rohheit, oder schlimmer) mit gelbsüchtiger, hämischer Bos-- heit behandelt worden sein Am Samistag Abend ward in New Yort eine jener drolligen Wahlwetten, wie sie hier zulande üblich siud, dadurch erledigt, daß ein Herr Sidney Evans, welcher die Wette verlo ren hatte, den Gewinner, Wm. Mead, in ei nem Schubklarren von einer Weinstube in Amitystreet nach der 6. Avenue und durch Carmine und Bleekerstreet zurückfuhr. Ein großer Volköhaufen begleitete den seltsamen Aufzug. —Ueber die Ungeduld, womit das nach Sensationen hungrige Publitum in New-Yort die Ankunft des russischen Großfürsten Alexis erwartet/ schreibt der New-Yort Demotrat: „An Alexis send' ich Dich“ tönt noch immer die schwermüthige Klage über den Hafen Ne w in die weite See hinaus Die Be—- fürchtung, daß Alexis in der Zeit eintreffen tönne, während welcher (der Wahl wegen) Milizparaden verboten sind, ist glücklich besei tigt, aber der 7. liegt lange hinter uns und der Ersehnte kommt noch immer nicht! Alle Jungfern von New-York singen wie zur Zeit der Freischützmanie nur noch die eine Me lodie Wie lang bleibt doch der Bräutigam, Ich kann es laum erwarten.“ Die Ungeduld wächst, die Commandanten der Empfangsöflotte im Hafen sehen sich die Augen aus nach den Raketen und rothen Lich tern, die das Herannahen des Russen verkün—- digen sollen, die frischgeputzten Flintenläufe unserer Stadtsoldaten werden ebenfalls blind, die Streithengste unserer bewaffneten Macht zu Pferde stampfen verdrießlich vor den Gro cerwagen; die kolossalen Blumensträuße der Balldamen, die den Juchtengeruch überduften sollten, sind längst verweltt und die fertigen Toiletten kommen aus der Mode! Schrecklich aber wahr! Alexis wo bist Du? Hat Dich ein boshafter Aeolus auf die Region deines natürlichen Elementes, das Eis des Nordpols, verschlagen oder machst Du wissenschaftliche Tiefenforschungen unter dem Aequator Ein Seekundiger meint, die Ankunft des Ersehnten könne sich leicht bis zur Mitte oder dem Ende nächster Woche verziehen. Aber noch schlimmere Kunde bringt, nach einer rus sischen Autorität, der „Springfield Republi can.“ Er meint, es sei ganz ungewiß, ob der Prinz überhaupt nach New-York tommen werde; das russische Geschwader mache ein fach eine Uebungsfahrt, über welche der Befeht dem Admiral allein zustehe, eine be stimmte Zusage, nach New-York zu kommen, sei niemals gegeben worden, und die Flotte tönne eben so gut in Havana oder sonst wo einlaufen Ein Berliner würde dazu sagen: „Nanu, denn hört Allen's uff!“ Vor 16 Jahren, im Herbst 1855 wurde in Tonawanda bei Buffalo der deutsche Arzt Stäger, sowie seine Haushälterin und deren I2ährige Tochter auf schreckliche Weise ermordet Die Leichname der beiden letztern wurden im Hause, der Stägers fast eine Meile vom Hause gefundeu. Gestohlen war Nichts, ein Raubmord lag also nicht vor. Keine Spur der Mörder ward gefunden Jetzt end lich, nach Verlauf von mehr als einem halben Menschenalter hat ein Deutscher, Namens Christian Forbeck, welcher zur Zeit des Ver— brechens auf der im Niagara liegenden Insel Grand Island wohnte, sich auf dem Todten bette als einen der Mörder bekannt und einen gewissen Wagner, welcher sich vor einigen Jahren in Michigan erhenkt hat, als Mit schutdigen angegeben. Ueber die Beweg gründe zu dem dreifachen Morde hat er nichts gesagt. Dem Bereich der Justiz sind beide Moörder entrückt. Die Philadelphia Turngemeinde gab letzte Woche eine Vorstellung in der Turnhalle zum Besten der Nothleidruden in Chicago. Das Publitum war ein zahlreiches. „Wallen steins Lager“ wurde aufgeführt Herr Reichel, der auch hier bekannte Bassist, ist bei dem Chore der „Oheb-Scha lom-Gemeinde“ in Baltimore angestellt. neulich eine Benefizvorstellung fur den in Chicago mit abgebrannten Schauspieler Bon net statt. (zum ersten n ein Cyklus deutscher Vor lesungen (am Sonntag) stattfinden. Unter den dafür Gewonnenen sind Friedrich Hecter, Dr. Jordan, Carl Schurz, Theodor Kaufmann und Bahard Taylor. Hugo von Elsner, früher in Spring-- field, jetzt in Decatur, beabsichtigt daselbst m Februar die Regimentotochter zur Aufführung zu bringen. Von den 79 Schülern, welche auf der Hochschule in Burlington, Jowa, deutsch ler-- nen, sind nur neun in deutschen Schulen ge bitdet, die Andern, welche die deutsche Sprache zum ersten Male lernen, stammen sämmtlich von ameritanischen Eltern ab. Wahl die demokratische Majorität, welche 1869 2600 und 1868 fast 3000 Stimmen betrug. auf 1300 herabgebracht. Außerdem schickt Milwaukee drei Republikaner, die Herren E Wallber, Col. Winkler und W. Smith in das Unterhaus der Staatsgesetzgebung. Für die Milwautee-Northwestern-Bahn hat Fond du Lac neulich $75,000 bewilligt, West Bend $25, 000, Barton, Kuascum, Ash ford unb Aubürn je 5515,000. Milwautee, meint das Milwaukee Banner, sollte minde stens $150,000 zum Bau der Bahn auf—- bringen Die Illinois Volkozeitung (Decatur) begrüßt das Wiedererscheinen der „Illinois Staatozeitung“ in goßeren Format mit fol genden Worten„Die Energie, mit welcher die Inhaber dieser Zeitung vorgingen, üm erstens dieselbe gleich nach dem Feuer wieder erscheinen zu lassen und jetzt wieder zu dem zu machen, was sie vor demselben war, eine Vorfechterin· und Vertreterin der Deutschen im Westen, und augenblicklich namentlich der armen abgebrannten Deutschen Chicago's, die sogar den gegen die “dutehmen leider noch immer nicht ausgerotteten Nationalhaß in diesen Unglückstagen durch Zurücksetzung und Mißachtung bitter empfinden müssen und da her eine Streiterin für Gettendmachung ihrer Ansprüche und Rechte wie die Staatszeitung sehr nothwendig bedürfen. wird aber auch hoffentlich von den Deutschen überall aner tannt und die Anstrengungen und den Trou ble, den dieselben bei der Anschaffung der Maschinen und Typen hatten, durch eine kräftige Unterstützung belohnt werden. Das Terre Haute Banner bemerkt über denselben Anlaß: Und neues Leben blüht aus den Ruinen. Wer noch daran zweifeln sollte, daß Chicago in kürzerer Zeit, als je gedacht werden konnte, nicht nur das alte wieder sein wird, nein, ein großartigeres und schöneres, wer je daran zweifeln sollte, der werfe einen Blick auf die dortige Presse sie ist die Norm des Geschäfts geistes und ein Spiegel des inneren Lébens, der Pulsschlag einer Stadt Am gestrigen Tage bereits erhielten wir die „111. Staats zeitung“ sowohl wie die „Chicago Union“ wieder in ihrem alten, mächtig großen For mate, und in eleganterer und besserer Aus stattung, denn jene Zeitungen je erschienen. Sie zeigen, daß unverwüstliches Vertrauen und männlicher Muth nicht nur die Heraus geber beseelt; sondern auch die Einwohner der Stadt. Hoffen wir, daß nie wieder diese, gleich dem Phönix der Asche eutstiegenen Zei tungen, eine gleiche Calamitt betrifft. Die „„Evanoville Union“ druckt unseren Artikel „Endlich“ vom 4. November ab und bemertt dazu: Wir wünschen zu ·diesem neuen Anlauf von ganzem Herzen das beste Glück und kräftigstes Gedeihen. —Aus Thüxingen wird der Berliner Volks zeitung geschrieben: „Der Humor stirbt in den Kleinstaaten nicht aus! Vor ungefähr secho Wochen wurde dem Prinzen Moriz von Attenburg, dem Thronfolger des kinderlosen Herzogs Ernst von Altenburg, ein Knabe ge boren, zu dessen Taufpathen außer einigen fürstlichen Persoönlichteiten auch das ganze Altenburger Land gehörte. Sämmtliche 140,000 Altenburger und Altenburgerinnen wurden zu Gevattern gebeten. Nun hätten Sie in den loyalen Blättern die Freude und den Dant über diese hohe Ehre lesen sollen! Der Prasident des Altenburger Landtages vertrat seine übrigen Mitbürger und Mit bürgerinnen bei dem Taufatte. Kurzum, es war ein Familienfest im Großen wie vorlß4B. Glückliche Altenburger!“ Man hat jetzt ärztlicherseits die Er fahrung gemacht, daß die Blätter des als Topfhslanze beliebten Gera niums die sehr nützüche Eigenschaft besitzen, Wunden, bei denen die Haüt abgescheuert ist, überhaupt nicht tiefgehende Vertetzungen schnelt zu hei— len Ein oder zwei dieser Blätter werden zerstampft, auf dle wunde Stelle gelegt und bewirtken in lurzer Zeit eine vollständige Heilung am Flusse Gumti, mit 9000 Hausern und über 25,000 eingebornen Bewohnern, hat eine plötzliche Ueberschwemmung fürchter lichen Schaden angerichtet. Menschenleben gingen müthmaßtich nicht verloxen, aber nach maßiger Schätzung stürzten zwischen 2—3000 Häüser zusammen, und 10,000 Personen wurden obdachios. Das Unglück brach am 15. September herein, die Ueberschwemmung dauerte mehrere Tage an, und das Wasser war noch immer im Steigen, ais die letzte Post abging. vom 93. Juli 1871 findet sich folgende An nonce: „Ein Jruist, der im nächsten Winter sein Staatsexamen absolvirt, sucht gegen Wechsel 500 Thir Sollte eine liebenswür dige, gebildete Dame solches Darlehn zu ge ben geneigt sein, so würde er sie vorziehen l(an's Licht?) —event sie then.“ L Die Voss. Zeitung vom 23. August ent hält in der 4. Beilage unter „Vermischtes“ folgende, durch Anspruchslosigteit sich aus zeichnende Notiz: „Lieber Onkel, gradeüber, wo Du das hingelegt hast, habe ich hinter den Eckstein was gelegt. Schreibe mir nicht eher, als biõ ich Dir meine Adresse schreibe A.A.“ Die Voss. 3tg. No. 120 (1871) enthält in einer ihrer Beilagen folgenden heiteren Drückfehler „Bei der enormen Hitze empfehle ich gegen Schlaganfälle meine lustigen Oberhemden (natürlich statt„luftigen walde -e.“ kündigt ein Herr Petzold die dem Finsterwalder Schützenhause bevorstehende Aufführung des „Faust“ mit dem Zusatz an: „Allegatorisches Schauspiel“; wahrscheinlich ist Mephistopheles darin als allegorischer Alli gatos gedacht Charatteristisch für das Universittswe sen in den Ver. Staaten ist ein kieines Ereig niß, das sich in New Haven zugetragen. Dort hatte ein gewisser Jarves eine aus 43 Num— mern bestehende Saminlung altitalienischer Bilder zusammengestoppelt, unter denen einige werthvolle Originalien waren, während die große Mehrzahi aus Copien und fälschlich großen Meistern zugeschriebenen Bildern be stand Ein gewisser Herr Street hatte nun vor Jahren dem Yale College in New Haven S6OOO für Erbauung einer Bildergallerie ge schenkt, und da, als ste fertig war, keine Ge mälde vorhanden waren, um sie damit anzu—- füllen, borgte die Universität dem oben ge nannten Jarves 820,000 auf seine Samm lung, und hing die ihr verpfändeten Bilder in der neuen Gallerie auf. Rach und nach ge stattete man Jarbes, 25 ber besten Bilder aus der Sammlüng wegzunehmen und sie zu sei nem eigenen Vortheile zu verkaufen, und end-- lich da die Sammlung des Falliments von Jarves wegen versteigert werden mußte, bot die Universitt 822, 000 für den übrig geblie benen Schund und er würde ihr zugeschlagen Auf diese Weiset wurde nütztichen Lehtzwecken, dem lceeren Ruhme zu Liebe, eine Bildergalle rie zu besitzen, eine Summe von F 22 000 ent zogen In Deutschland gibt es nicht eine ein-- zige Universität, die eine Bildergallerie hät dafür wird aber gerade in diesem Augenblicke in München z. B. ein pathologisch-anatomi sches Museum und in Würzbürg ein Neubau zu der Anatomie gebaut, wofür die Regierung je SIOO, 000 ausgeworfen hat. A. d. W. Ein ungezogener Mensch muß der Mili tärsträfting Heinrich Schwalm sein, der neu—- lich aus der Festung Glogau entwichen, denn das Liegnitzer Amtoblatt theilt offiziell mit; daß er, am 15. Okltober aus der Festung ent sprungen ist und bisher keine Nachricht von seinem Aufenthalt gegeben hat.“ Der russische Componist und Dirigent Fürst Galitzin wird in diesem Monate zwei große Vocal- und Justrumentalconcerte in Steinwayh Hall geben, in welchen mehrere für Amerita neue Werke russischer Componisten zur Aufführung kommen sollen, unter anderen auch die Emaneipations-Fantasie“ des Con certgebers. Nach San Francisco brachte der letzte Dampfer von Yeddo Proben des neuen japanesischen Silbergeldes Der „Ven“ (Dollar) ist ebenso groß, wie der ameritani sche, aber die Ausführung eine weit feinere. Die Münze wird start nach China exportirt, wo dieselbe, wie man hofft, den biöher da selbst cireulirenden mexitanischen Dollar ver drängen wird. Die Revers-Seite des,Yen“ zeigt eine Sonne mit einem Kreis in der Mitte, drei Blumen unter und einen Kranz oberhalhb. Die Vorderseite zeigt den kaiser lichen Drachen umgeben von japanesischen Schriftzeichen. Die Sicherheit in den Straßen Berlins ist nie größer gewesen, als gerade jetzt. Wir selbst gingen z. B. kürzlich gegen zwei Uhr Nachmittags in einem einfachen Kuirasster panzer, nichts als einen sechslääufigen Revol ver in der Hand, durch eine ganz belebte Ge gend, nur von zwei befreundeten Schlächter gesellen und dem Revierschutzmann begleitet: und tkamen bis auf einen leichten Hieb über den Hinterkopf und zwei Stöße vor Brust und Unterleib durchaus ungefährdet bis zu unserer Wohnung, woselbst wir kaum den Verlust un serer goldenen Taschenuhr zu beklagen hatten. Die baierische Armee hat jetzt die hell blaue Uniform und die Käppi's abgelegt und hat die dunkelblaue preußische und die Pickel hauben bektommen. Biomarck denkt vielleicht, Deutschland unker einer Pickelhaube ist siche rer, wie unter einem Hut. Reichenberg ereignete sich folgender bemertens-- werthe Fall Ein Gastwirth wurde von seinem Hunde gebissen, in Folge dessen das Thier dem dortigen Todtengräber in Contumaz gegeben wurde. Bei dem Gastwirth kam nun wirklich die Wuthkrankheit zum Ausbruche, welcher der Unglückliche auch erlag. Als man aber von dem Todtengräber den wuthkranten Hund verlangte, sprach dieser lakonisch: „Den han ich gassen!“ (den habe ich gegessen). „Ihr habt den Hund gegessen?“ entgegnete er— schrocken der Betreffende „Besser als der Hund mich“, meinte ruhig der Mann. Bis heute erfreut sich der Volsstrecker des letzten Liebesdienstes noch der besten Gesundheit, und man ist gespannt darauf, ob das saubere Ge uxt sich für ihn ohne alle Folgen erweisen wir Dem Fräulein Dimock, einer amerita nischen Dame, ist von der Züricher Universi tät der Doktortitel verliehen worden. Die— selbe hatte ihre Studien in der mit der Uni— versität verbundenen Klinit vollendet. Fräulein M. Veneta hat ein 14 Vor stellungen umjassendes Gastspiel in San raneider vollendet und auf ihren Autheil 1564 erhalten, ein Resultat, mit dem sie zufrieden sein kann, und das von dem Kunst eifer der Deutschen in San Franciosco rühm— liches Zeuguiß ablegt. Neulich fand von Bloomington aus eine Eisenbahn-Excursion nach der 12 Mei—- len von dort zu errichtenden Stadt Ells worth statt. Um die Sache anziehender zu machen, hatten die „Unternehmer“ der Stadt 150 Pfund Schinten, 60 Pfund Käse, eine Menge Würste, 300 Laibe Brod -c., sowie eine e eeu Bier mit auf den Platz genom men. Unter diesen stimmenden Einflüsseu wurde eine Anzahl Lots zu $37 bis $156 an den Mann gebracht, jedoch wohl nur, um wie der Geist in der Flasche, bald wieder bil liger losgeschlagen zu werden. Einer Correspondenz des Milwautkee „Seeboten“ aus Salt Lale City entnehmen wir Folgendes „In geselliger Hinsicht läßt unsere hiesige Wohnstätte sehr viel zu wün—- schen übrig; der für Geselligteit nnd Froh sinn eingenommene Nationai-Charatter der Deutschen hat indessen auch hier schon Bahn gebrochen, indem in der Häuptstadt des Mor monismus ein Liedertranz und Turnverein mit etwa 50 bis 60 Mitgliedern in voller Blüthe steht. Daß dieselben sich blutwenig um den mormonischen Hokuspokus scheeren, versteht sich wohl selbst.“ Der „Baltimore Wecker“ urtheitt über die Ausstellungen des Gouv. Palmer an Gen. Sheridan's Verfahren in den ersten Wochen nach dem Feuer wie folgt: „Sheridan mag ed gut gemeint haben; aber wie in seinen Urtheilen über den deutschen Krieg, so zeigte er auch diesmal einen sehr bedauerlichen Mangei an Tatkt und Verstand und großen Ueberfluß an Selbstüberhebung, und es kann ihm durchaus nichts schaden, wenn ihm der Kopf zurecht geseizt wird Daß dies bei der diesmaligen gü ten Absicht des Generals nicht auf zu empfindliche Weise geschehen sollte, wird wohl jeder billig Dentende wün—- schen. Kriegömaßregeln des Bundes sind am Platze gegen heillose sudliche Kukluxstrolche, deren die schibachen Staatobehoörden nicht Herr werden können. Aber wenn ein Bun—- des-General in einem ganz wohlgeordneten und wohlregierten Staate wie Ilinois auf das Verlangen eines Esels von Mayor sich einem höchst tüchtigen und für jede Eventuali tät gerüsteten Gouverneur gegenüber die Kriegoögewalt anmaßt, so gehört ihm dafür ein —Dentzettel.“ Der Kaiser von Brasilien hat während ir Aufenthaltes in Mailand den Dichter lessandro Manzoni auf dessen Villa in Bru suglio besucht Der Kaiser, ein großer Ver ehrer Manzoni's, hat dessen bekannte Ode auf Napoleon's Tod: „Der fünfte Mai“, sowie seine heiligen Hymnen in das Portugiesische übersetzt und läßt site in den Schulen Brasi liens vortragen· Manzoni zeigte sich sehr erfreut über die ihm zu Theil gewordene Auf merksamkeit. Nach einem halbstündigen Be suche empfahi sich Dom Pedro und erwiderte die Dankesbezeigungen Manzoni's mit den Worten: „Ich bin es, der sich geehrt fühlt, daß Sie ihn empfangen haben. Die künsfti en Jahrhunderte werden noch Alessandro ns gedenten, aber das Gedächtniß an Dom Pedro, Kaiser von Brasilien, wird in wenigen Jahren erloschen sein.“ Die vorletzté Nummer des „Charivari“ veröffentlicht eine Zeichnung, die einen ftan zösischen Soldaten vorstellt der dem kaiserli— chen Adler das Fenster nicht öffnen will, in dem er ihm zurüft: „Du kannst noch lange an das Fenster pochen; ich öffne nicht, denn ich weiß jetzt wohin du uns führst“ Das stimmt nicht gut mit den Nachrichten die aus Tarbes der „Gironde“ von Bordeaur gemel det werden. Die dort in Garnison liegen den Artilleriesoldaten sollen nänlich durchaus tein Hehl aus ihren bonapartistischen Gefüh—- len machen, denn sie“ scheinen ziemlich oft ihr Frühstück mit den Rufen: „Es lebe der Kai ser, es lebe die Kaiserin, es lebe Napoleon IV! zu beendigen. burtstag Peter's des Großen in Rußland festlich begangen werden. Der NKRussischen „Peterob Ztg.“ zufolge hat die von der städ tischen Duma der Newaresidenz niedergesetzte Commission zum Festprogramm folgende Vorschläge gemacht: Dreitägiges Volksfest auf dem Petriplatze am Senate; feierliche Ruderfahrt auf der Newa, vorauf das Boot Peter's des Großen, welches als Stammvater der Russischen Flotte betrachtet werden kann; Maskerade bei Tage auf dem Newsty-Pro spect, nach Art jener, wie sie vordem in Pe terösburg Sitte waren; Gründung von vier Schulen auf der Petersburger Seite; Her ausgabe einer umfassenden historisch-statisti— schen Beschreibung von Petersburg. Ein junger Kaufmann, der im 5 Ar— meeeorps den Krieg gegen Frankreich mit machte und auf dem Rückmarsch in Jussey im Saone-Departement circa drei Monate ge— tegen, ertheilte dort Unterricht in der deut— schen Sprache. Die drei Monate waren vorüber und die Batterie verließ Jussey, um nach Deutschland sich in Mühlhausen einzu—- schiffen. Beim Abschiede ging es recht trau rig zu Die tleinen Zöglinge weinten, daß ihr neuer Lehrer sie verlassen mußte, und nahmen ihm das Versprechen ab, recht bald zurüctzukehren. Ein kleines Diner und einige Napoleonsd'or wurden dem jungeun Kauf—- mann noch zu Theil. Nachdem derselbe lange schon seinen Einzug in Berlin gehalten, schrieb er einmal nach Jussey, wo er so schöne Stunden verlebt, worauf er die Antwort er hielt, daß man ihn dort sehnsüchtig erwarte, er möge bald kommen, da er seine Existenz in Frankreich mit deutschem Unterricht begrün— den könne. Die von Grönland abgeholten Meteo riten sind in Stockholm glücklich angekommen, und der größte derselben, 50,000 Pfund wie—- gend, erregt durch seinen Umfang allgemeines Staunen. Man muß bewundern, daß es möglich gewesen ist, denselben an einem dazu so äußerst ungünstigen Orte an Bord zu bringen. Aus dem Gouvernement Smolenst wird gemeldet, daß dort schon am 4. Ottober voll ständiger Winter eingetreten ist. Die Ge—- wasser sind mit Eis und die Felder mit fuß hohem Schnee bedeckl, so daß schon überall mit Schlitten gefahren wurde. Das Schnee treiben war mehrere Tage hindurch so startk, daß die Eisenbahnzüge verschüttet und der Verkehr gänzlich unterbrochen wurde. (Oesterreichisches Einmaleins.) In der Deutschen Volkoözeitung befindet sich folgendes hübsche Einmaleins: Imat List 1, Silber haben wir kein's. 2mal 2 ist 4, desto mehr Papier. 3mal 3 ist 9, Czechen wieder schrei'n. 4mal 4 ist 16, nach Protest zu lechzen. smal 5 ist 25, auch das Ungarland er— mannt sich. 6mal 6 ist 36, und der Clerus ist recht fleißig. 7mal 7 ist 49, Schaeffle meint die Deutschen stürz' ich Bmal s 8 ist 64, solche Wirthschaft —na die rächt sich. mal 9ist 81, neues Darleh'n —na das macht sich. 10mal 10 ist 100, gut, wen's nicht mehr wundert. stituirende Versammlung zusammentreten. Das „Cincinnati Volkblatt“ schlägt vor, die noch lebenden Mitglieder der Convention, welche die gegenwärtige Verfassung von Ohio mit entworfen haben, zu berathenden Mit— tiedern der zu erwählenden neuen Verfas n ngõ-Convention zu machen. Der „Wächter am Erie“ macht den Verbesserungsantrag, die erwähnten Mitglieder nicht allein zu Sitz, sondern auch zu Stimme in dex Convention zuzulassen. Auch die Prager Dienstmädchen schreibt die „Bohemia“ —gelangen in diesen Tagen immer mehr und mehr zu dem stolzen Bewußtsein ihrer Rechte und Ansprüche und beginnen bei der Regelung ihrer vertragömä— ßigenStellung vor dem Eintritte in einen neu en Dienst ihre, Fundamental-Artitel“ aufzu stellen. Die Gattin eines Prager Notars unterhandelte dieser Tage mit einer Reprä— sentantin der ezechischen Küchen-Curie über deren Geneigtheit zur Beso-xgung der „ge—- meinsamen Angelegenheiten“ des Haubwe sens und die Schwierigkeiten des Sonntags ausganges, sowie der Zulassung des Liebha— bers waren glücklich beseitigt, als die Frau den unglücklichen Gedanten hatte, zu fragen, ab sie auch Deutsch verstehe und spreche, da. dies vielen Parteien gegenüber, welche die— Kanzlei des Herrn des Hauses besuchen nö— thig sei. Aber eine solche Forderung darf man wohl bezüglich der ezechischen Sprache an einen deutschen Conceptbeamten, keines— wegso aber bezüglich der deutschen an ein Pra ger Dienstmädchen richten; der betreffende dienstbare Geist erklrte vieimehr, jetzt sei die gZeit getommen, wo eher die Dienstboten die Frauen zu Fragen hätten, ob diese ezechisch verstehen, nücht aber sich fragen zu lassen brau chen, ob sie Deutsch tönnen. Unter solchen Bedingungen nehme sie den Dienst gar nicht an. Sprach's und ging mit dem „stolzen Bewußtsein,“ ihre „berechtigte Stellung“ durch eine solche,Rechtoöverwahrung“ geltend gemacht zu haben, ab. Der Speisezettel im Staatsgefängniß zu Auburn für einen einzigen Tag wird wie folgt beschrieben: „Um die Tausend Ver— brecher abzufüttern und den Mittagsotisch zu besetzen, sind 800 Pfund Kindfleisch erforder lich; 10 Buschel Kartoffel, 40 Laib Brod, von denen jedes 17 Pfund wiegt; im Ganzen. eine Masse von Lebensmittein, die über zehn Tonnen schwer ist. Außerdem erhalten die Gefangenen zum Mittagoessen eine wohl ge— würzte Suppe, in welche 25 Kappudtöpfe, 3 Buschel Kartoffel, zwei Turnips und ein Bu— schel Zwiebel eingeschnitten sind.“ (Neapel sehen und Man schreibt aus Neapel: Am 19. Olt. wurde Frau Val ladarez, die Gemahlin des spanischen Consuls, bei helllichtem Tage um 4 Uhr Nachmittags angefallen und in der Straße Forcella be raubt. Die Quästur verhaftete hierauf woht acht Individuen, allein wenn man auch in— teinem Falle Unschutdige ergriff, so scheint. man doch überall daneben gegriffen zu haben, und doch will die Regierung nicht begreifen, daß für eine Stadt von 600,000 Einwohnern. der gegenwärtige Stand der Sicherheitöbmann schaften zu niedrig normirt ist.