(Für die lu. Staatozeitung.) Chicago. Der Seher schuf das hohe Lied der Trauer, Das Zion's Trümmer heiligt sort und fort; nd äuf der Punierstadt verkohlter Mauer Sprach Scipio das hehre Dichterwort. Die Muse weiht noch Scutt nnr Trümmer all, Ihr Hauch erklärte Zion und Karthago; So tön' der Saiten leiser Wiederhall Auch deinem Sturz, du trauerndes Chicago. Die Muse schweigt, Entweihung wär' ihr Schaffen In der Zerstörung grausem Trauerspiel; Vernichtung schwäng der Flammen Zauber waffen, Die Tempelveste freier Arbeit fiel. Des Hauses Mauern, die die Gluth um schleicht, Sie werden Schläfern jäh' zu Grabessteinen; Das ist die Stätte, wo die Muse schweigt Sie kann ihr Haupt verhütlen nur und weinen. Oft slieht die Muse zu baruegen Schwe ern, Im deutschen Land muß Gaben sie erfleh'n; Solch' Dichterwort erkläänge hier wie Lästern Des freien Volkes, dessen Kraft wir seh'n. Schnell wie die Flamme, schneller als der Klang Hat Liebe hier gelöst des Elends Bande; Die Elegie verrauscht im Hochgesang, Und Hymnen weiht die Muse diesem Lande. Das war der Größe unbewußtes Walten! Der gleiche Pulsschlag es durch's ganze and; Da ward gebetet nicht mit Händefalten, Gebete sprach das Wirken jeder Hand. Die Flamme, die die Gartenstadt verzehrt, Sie ist zum Nimbus für dies Volk geworden; Im Feuer ward erprobt des Freistaats Werth Und höchste Liebe, deren Lohn kein Orden. Der einst dem Sklaven Recht und Licht ge geben, Auch jener Freibrief ward der Flamme Raub; Und doch wird Freiheit hier unsterblich leben, Zerfallen mag der Pergamente Staub. Dies Volt voll Hoheit stützt der Freiheit Thron, Ob alter Satzung letzter Laut zerstiebe: Hier ist das Reich der großen Nation, Die Republik des Lichtes und der Liebe! Der Tag der Auferstehung ist erschienen Chicago, Bruderliebe trägt empor Der Arbeit Stadt aus Trümmern und Ruinen, Bald blühst du segenspendend wie zuvor! In deinem Bild trotz der Vernichtung Hohn Soll unser Staat des Fertshntie Pfade gehen; Ein Phönix aus dem Schutt der Corruption, So wird und muß dies große Volk erstehen! Minna Kleeberg. Die Greuel in Los Angeles. Los Angeles, eine Stadt im südlichen Cali-- fornien, war gegen Ende Oltobers der Schau platz von Blutscenen, welche die des Massa kre von Tientsin wo möglich noch übertreffen. In Tientsin fiel eine von ihren Mandarinen religiõs fanatisirte Menge von Chinesen über die Franzosen her, in denen sie Urheber ver schiedener Uebel sah; in Los Angeles wurde ohne irgendwelche Entschuldigung das Chine senquartier überfallen und Naub-u. Mordlust zeigten sich in einer Weise, wie dergleichen in einer civilisirten Gesellschaft nicht für möglich gehalten werden sollte. Die Behörden der Stadt sahen den Greueln ruhig zu. Die Veranlassung zu dem Chinesenmassakre war folgende: In einer kleinen Straße, der soge nannten Neger-Alley, die mit dem Hauptge schäftötheil der Stadt in Verbindung steht, befinden sich die Chinesenquartiere. Die Chinesen bestehen aus zwei Compagnien, die an die schottischen Clans erinnern, und die mit einander häufige Reibereien haben. Die neueste Veranlassung war die Entfüührung ei ner Frau Seitens einer der beiden Compag nien. Dabei wurdenßPistolen abhgefeuert, ohne jedoch Schaden anzurichten. Verhaftungen erfolgten und die Verhafteten wurden un-- ter Bürgschaft gestellt. Der Friedensrichter hatte seine Zweifel über den Werth der Bürgschaften und schickte einen Polizisten mit nach der Wohnung eines der Verhafteten. Derselbe zeigte ihm S3OOO in Gold und eine Menge Papiergeld. Die Bürgschaft wurde für genügend ertklärt. Das Verhör fand am Tage darauf statt, ohne zu Ende zu kommen. Zu Hause angekommen, begannen die beiden chinesischen Parteien ihren Streit wieder und Schüsse wurden gewechselt. Berittene Poli sten, welche in Erwartung eines Auflaufs in der Nähe stationirt waren, eilten sofort her bei und versuchten Verhaftungen vorzuneh men. Die eine Partei wandte sich ge gen sie, feuerte alle ihre Revolver auf sie ab und floh alosdann in ihre „Adobes“ (ein-- stöckige Häuser ohne en Die Polizei verfolgte die Flüchtigen, wnrde jedoch zurückgetrieben und ein Polizist schwer, ein Bürger, der ihm zu Hülfe gekommen war, tödtlich berwundet. Fast gleichzeitig mit den Schüssen, welche gewechselt wurden, erschienen Pöbelhaufen auf dem Platze und die Chinesen feuerten blindlings unter sie. Vor diesem bleiernen Regen zogen jene sich zurück, kamen jedoch sofort wieder und ein mehrere Minuten dauerndes Revolverfeuer begann. Int Nu war der ganze von Chinesen bewohnte Block von Teufeln in Menschengestatt umgeben, die jedoch nicht den Muth hatten, die Wohnun gen direkt zu stürmen, deren Thüren barrika dirt waren und hinter denen die Revolver der Chinesen die Eindringenden erwarteten. Der Vorschlag, die Wohnungen der „Heiden“ in Brand zu stecken, ?am glücklicherweise nicht zur Ausführung oder diet ganze Stadt wäre abgebrannt. Während der Haufe draußen sich abwar tend verhielt, stürzte ploötzlich ein Chinese mit einer Axt in der Hand aus einem der Häuser, um sich durchzuschlagen. Dies gelang ihm jedoch nicht. Er wurde verhaftet und nach dem Gefängniß abgeführt. Ehe er jedoch da selbst anlangte, wurde er der Polizei entrissen und an einem Balken in einem Thorwege auf gehängt. Der Poöbel wurde jetzt immer blut gieriger. „Wir wollen uns noch mehr holen“ schrieen Einige. „Die verd— Hunde, sie ver dienen den Galgen“ riefen viele Andere. Der rasende Haufe stürmte unter furchtbarem Geheul nach dem Chinesenquartier zurück. Diesmal wurde der Augriff auf die Wohnun gen unternommen Eine Bande Menschen stürzte sich oben auf die Dächer und hieb Lö cher in dieselben. Durch diese Löcher wurden dann Revolver in das Innere der Wohnun gen abgefeuert. Jedesmal wenn ein im Dun keln getroffener Chinese einen Todesschrei aus stieß, erscholl ein dmonischer Jubelruf der Menge draußen. In mehreren Fällen wur— den die verwundeten Chinesen aus ihren Ver stecken hervorgeschleppt und an deni nächsten besten Balken aufgehängt: Drei baumelten von einer über einem Corridor hervorragen den Dachrinne herab, darunter ein 10jähriger Knabe. Von einem großen Wagen dicht da neben hingen 4 Opfer herab. Fünf wurden unter dem Thorwege abgemurkst, unter wel chem der erste Chinese gehängt war. Nach dem Massacre folgte die Plünderung Alles wurde durchsucht, sogar die Leichen der Gehängten. Einem derselben, einem chinesi schen Doktor, wurden die Kleider abgeschnit ten, Anderen wurden die Taschen in solcher Eile losgeschnitten, daß das Fleisch der Opfer in schrecklicher Weise zerrissen wurde. Man schlgt den Raub auf ʒ3O, 000 bis 540, 000 an. Um halb 10 Uhr Abends war Alles zn Ende. Um 11 Uhr herrschte Ruhe auf den verödeten Straßen und man hatte Mühe zu glauben, daß 2 Stunden vorher eine solche Greuel scene stattgefunden hatte. Zur Entschuldigung oder besser Erklärung dieser ganz unerhörten Bestialitt wird von einer Seite bemerkt, daß Los Angeles der Sammelplatz der schlimmsten Charaktere an der Küste des Stillen Oceans sei. Was die Nationalitt betrifft, so sollen die Haupt theilnehmer Irländer, nach Anderen Mexika ner gewesen sein. Ameritaner werden jedoch auch dabei gewesen sein. Wir fürchten, daß ähnliche Scenen sich in anderen Orten Cali forniens wiederholen werden, wenn die Chi nesenfrage nicht in die Hand genommen wird. Auf der einen Seite wird die Stimmung der Weißen gegen die Chinesen immer erbitterter, austreibüngolustiger; auf der anderen ver harren die Chinesen in ihrer Abgeschlossenheit ünd Fremdartigteit und verbinden mit ihren pon China mitgebrachten Lastern noch die der Ameritanischen Civilisation, ohne sich sonst ir gendwie derselben zu asstmiliren. Berliner Wohnungsnoth. Der Courszettel der Berliner Börse wächst alle Tage; immer und immer kommen neue Effekten hinzu und bilden den Schrecken der Zeitungen, die nicht mehr wissen, wo sie den Raum dafür auffinden sollen. Und doch gibt es noch manche Gegenstände die der Tages spekulation unterliegen und ihren marktgän gigen Cours haben, auch je nach dem Verhält niß von Angebot und Nachfrage den verschie densten Schwankungen bei lebhaftem Verkehr unterliegen, ohne daß sie biohet Aufnahme in den amtlichen Courszettel gefunden. Den einen dieser Artitel bilden die Maikafer, die allerdings nur eine kurze Zeit des Jahres und auch nur unter der Berliner Jugend, da für aber desto lebhafter, gehandelt werden. Nie für Geld, ihr Preis wird seit undenklichen Zeiten nur in Steckladeln bezahlt; kein Junge, der nach hergebrachter Meiodie auf der Straße „Maitkäfer, Maikäfer, Stück zwei Nadeln!“ ausruft, würde ein solches Thier, das stets in Cigarrenschachteln umher getragen wird, einem anderen für Geld ver kaufen, nur für Nadeln und wechselt der Cours nach der Witterung und der,„heurigen Ernte“ zwischen 12 Nadein pro Stück und drei Stück für eine Nadel. Ein anderes Spekulationsobjekt bildet das Berliner Intelligenzblatt, und zwar nur als Leihgegenstand, aber auch zum wechselnden Preise Wer des Nachmittags gegen vier ühr, der Erscheinungszeit dieses nur mit An zeigen gefüllten Blättes, die Zimmerstraße, iwo es ausgegeben wird, entlang geht, der sieht stets Knaben und Fraüen, welche das Blatt austragen, umringt von Dienst- und Be schäftigungösuchenden, welche für drei bis sechs Pfennige, je nach der Nachfrage, die Eriaubniß erhalten, das Blatt gleich nach dem Erscheinen auf einem Hausflür durchse hen zu können, um späteren Concurrenten zuvorzukommen. Jetzt gerade ist dieser An drang so stark, daß bis zu einem Silbergro schen gezahlt wird; die ganze Straße ist jetzt gegen vier Uhr dicht besetzt mit Leuten, welche förmlich Jagd machen auf einen Zeitungs jungen; alle Hausflure dieser und der benach barten Straßen sind mit Lesern besetzt, auf den Haustreppen sitzen sie und studiren; an den Mauern stehen sie und machen Auszüge, schreiben sich Notizen aus, alle mit sichtlichen Zügen der Angst und Hast, jeder in Sorge, es möchte ihm ein anderer zuvorkommen und wenn sie geschrieben, stürzen ste in athemloser Eile davon nach allen Gegenden hin. Und doch sieht man es deutlich, es sind keine Stel-- lensuchenden, man bemerkt fast keine jungen Leute darunter, ältere Männer und Frauen, sorgenvoll alle; Arbeiter kleine Handwerker, auch kleine Beamte aller Art sind unter der Menge zu erkennen sie suchen nicht Be hschäftigung, sie suchen Wohnungen! Der Umzugstermin steht vor der Thür und noch haben die Aermsten kein Unterkommen! Die Wohnungsönoth das seit lange drohende Ge spenst, ist plötzlich in erschreckender Gestalt aufgetreten, die Wohnungonoth ist da! Berlin hat sjetzt einen bisher ungeahnten Aufschwung genommen; die Kaiserstadt will sich ihres Namens werth machen, aus den besseren Stadttheilen verschwinden alle klei nen Wohnungen, die größeren werden in ihren Preisen bis zu unerschwinglichen Höhen gesteigert (es gibt Etagen bis zu 11,000 Thir. Miethe Wohnungen von 1000 Thir sind auf einmal auf 2000 hinaufgesetzt u. dgl. m.): die Einnahmen halten nicht gleichen Schritt und deshalb müssen diterlgen welche bisher in den besseren Stadttheilen gewohnt und dort Mittelwohnungen, zu 2 bis 400 Thlr. inne gehabt, nach den entlegeneren Gegenden zie hen, wo die Nachfrage jedoch ebenfalls deu biöherigen Preis der kleineren Quartiere so steigert; daß die früheren Miether sie nicht mehr bezahlen können. Und diese Armen sind schlimm däran! Was nützt es, daß so und so viel tausend Wohnungen leer stehen, wenn keine Leute da sinb, sie zu hezahlen? Und die Wirthe lassen lieber einmal eine Wohnung ohne Miether, als daß sie sie billiger fortge ben, wodurch die Rentgbilität, also der Preis des Hauses, herabgesetzt würde. Und das Haus ist jetzt eine sehr gesuchte täglich ihren Besitzer wechselnde Waare geworden; jeder vorübergehende Besitzer sucht gu dem Grund stück zu verdienen, denn dazu hat er es ja nur gekauft, steigert deshalb die Miether und so bildet dies eine Schraube ohne Ende. Dazu kommt, daß die Freizügigfeit einen ungeheu ren Zuwachs meist ärmerer, kieinerer krute nach Berxsin führt: hier glaubt jeder das El dorado seiner Träume zu finden, sieht sich oft bald enttäuscht, wird muthlos, hat aber doch nicht die Energie, wohl auch nicht mehr die Möglichteit und die Mittel, in seinen alten Wohnsitz zurückzukehren und vermehrt so nur die Menge der Untertkunst Suchenden aber nicht Findenden. Sodann hat die Aufhebung der Kuere setze große Nachtheile in ihrem Gefolge. ie Hypothekenzinsen, die früher 5 Proz. nicht übersteigen durften, gehen jetzt meist weit über diesen Satz hinaus, die Wirthe müssen also, wenn nicht eine gräßliche Häuserkalami—- tät hereinbrechen soll, mehr Rente qus ihren Häusern herausbringen, also die Miethen er höhen und wie hart dies auch den davon Be—- troffenen ankommen, wie drückend ihm er scheinen muß, er kann doch dem Hausherrn nicht Unrecht geben. Aber viele der Berliner Wirthe übertreiben es oder drehen die Schräube überhaupt ohne Nothwendigkeit sie betrachten die ganze Berliner Bevölkerung nur als das Material, aus dem sie möglichst viel Kapital herausschlagen; es hat nit der Zeit ein oft uneazträgliches Verhältniß zwischen Wirth und Miethern herausgebil det, hauptsächlich unterstützt durch Mieths tontrakte, welche den Miether zum Leibeigenen des Wirths machen, ihn ganz wehr- ünd schutzlos in dessen Hände liefern, seiner Will kür überlassen, dem einen alle diechte, dem an dern gar feine einrumend, es stets in das Belieben des Grundherrn stellend, unter den erbärmlichsten Vorwänden seinen ume zu exmittiren, ihn an Eigenthum, Ruhe und Gesundheit selbst zu schädigen und der Arme weiß, wie schwer es ihm, zumal wenn er exmittirt worden, fällt, ein neues Uüterkom men zu finden; hat er viel Kinber Ast es oft fast unmöglich, und so hat sich mit ber Zeit in der ärmerxen Bevölkerung Berlins ein erbit terter Haß gegen die Hauswirthe ausgebildet, der bei erster Gelegenheit zu den ärgsten Con flikten ausbrechen kann, oft genug schon aus gebrochen ist. Und daß bei Stxeit zwischen Wirth und Miether alle Armen, Be sitzlosen, in gleicher Noth sich Befindenden auf der Seite des letzteren stehen, ist natürlich. Was soll nun geschehen? Zur schnellen, gründlichen Abhlfe dieser Noth ist keine Aus sicht; für die Obdachlosen muß Unterkommen geschafft werden; vor größeren Excessen wird die Energie der Behörden der Stadt schützen, kleine Kravalle werden wohl stattfinden, aber was dann? Und da hegen wir zuerst die Hoffnung, daß die vielen Bauvereine, die jetzt entstehen und welche nicht um zu spekuliren, sondern um wirkliche Abhülfe zu schaffen, rings um Berlin kleinere Häuser und gesunde Wohnungen für Arbeiter und untere Beamte errichten; welche ferner dem Sparsamen es ermöglichen, mit geringen Opfern allmählich selbst in den Be sitz eines eigenen Herdes, eines kleinen Hauses zu kommen, von wahrhaftem. nachhaltigem Nutzen sein werden. Der moralische Einfluß ist schon unendlich viel werth; ein fester, selbst erworbener Besitz gibt dem dann ansässigen Arbeiterstande und den verhaltnißmäßig ün bemittelten Klassen einen tüchtigen Halt. Die Wohnungsnoth wird verschwinden, zumal wenn bessere Kommunikatiönsmittel, neue Straßen, Pferdebahnen u. s. w., wie es in der Absicht liegt, diese Kolonie in leichtere Verbindung mit dem Mittelpunkt bringen. Und in diesem Sinne regt sich allerwarts die Thätigkeit, und überall sehen iwir solche Kolo nieen entstehen. Dann aber muß eine gründ liche Aenderung der Hypothekenverhältnisse eintreten, deren schlephender Geschäftsgang jetzt dem Kapitalisten die Lust nimmt, sein Geld im Grundbesitz anzuelegen, auf solchen auszuleihen. Hypotheken-Pfandbriefe müs sen diese Gelder leicht flüssig erhalten, und es wird der Besitz eines Hauses nicht mehr ein so riskirter, sorgenvoller sein, daß der Besitzer gezwungen ist, durch übertriebene Miethen sich schon im voraus gegen alles Risico zu schützen. Aber das alles braucht Zeit. Für jetzt ist die Wohnungoönoth da und wollen wir nur wünschen, daß dieselbe nicht zu neuem Unglück führe (Daheim.) E Das große Unglück im Polarmeer. Früherhin kam es wohl manchmal vor, daß einzelne Wallfischfahrer in jenen hohen nörd lichen Breitegraben verunglückten, daß eine Schiffomannschaft dann und wann auf die öden unwirthbaren Inseln jener Meere sich retteten und vielleicht Jahre lang auf den selben ihr kümmerliches Dasein fristeten, bis der Tod, oder irgend ein zufällig in jene Ge genden verschlagener Wallfischfnger sie von ihren Leiden erlöste. Es kam auch vor, daß ein Dutzend Menschen, nachdem ihr Schiff vom Eis zertrümmert worden war, auf einem Eisfeld durch das Polarmeer, nach füdlichen Breitengraden hinunterflutheten, und entwe der gerade noch zu rechter Zeit, ehe ihr Eis feld zerschmolz, die Küste von Grönland oder eine Insel in der Behringsstraße oder den Bord eines rettenden Schiffes erreichte. Daß aber im Nordpolarmeer eine ganze Flotte vom Packeis eingehemmt und zerdrückt, und daß mit einem Male zwölfhundert Seeleute als arme hülflose Schiffbrüchige in der unwirth barsten und rauhesten Region der Welt auf das Eis geworfen wurden, daß ist früherhin noch nie vorgekommen. Die Berichte zählen dreißig Schiffe auf, die auf solche Art ver nichtet worden sind. Zum Glück hatte sich vor der Einschließung durch das Treibeis ein Theil der Wallfischfangflotte in das offene Meer gerettet, und das arme Volk der verlo renen Schiffe fand Aufnahme am Bord derje nigen Fahrzeuge, die der Gefahr entronnen waren. Eiwa 600 der schiffbrüchigen Matrosen wa ren Kanakas, das heißt eingeborene Sand—- wich-Insulaner, die natürlich vorläufig in Honolulu geblieben sind und sich zur Zeit be reits iu ihre Heimath begeben haben dürften. Beinahe eben so viele anderweitigen Natio-- nalitäten angehörige Matrosen sind in Ho nolulu zurückgeblieben und viele derselben be finden sich im hülflosesten Zustande. Die Barke Comet wird so viele jener Schiffbrüchi gen nach San Francisco bringen, als sie nur an Bord nehmen kann. Der amerikanische Consul hatte Unterhandlungen zur Erlangung einer Barke eingeleitet, die ebenfalls eine La dung schiffbrüchiger Wallfischfänger nach San Francisco bringen soll. Die Offiziere sind der Ansicht, daß ein Bundeskriegöschiff abgeschickt werden sollte, damit es die üübrigen Matrosen der verunglückten Flotte von Honolulu nach Amerika zurückbringe. Die 1200 Schiffbrü—- chigen waren vom Polarmeer auf sechs Wall fischfahrern, die außerdem ihre eigene Mann schaft und ihre Thranladungen an Bord hat ten, nach den Sandwich-Inseln gebracht wor den Der durch die Zerstörung der Flotte entstandene Verlust beläuft sich auf $1,500,- 000. Der verloren gegangene Fang berech net sich auf 13,065 Tonnen Wallfischthran, 965 Tonnen Spermöl und 100,000 Pfund Fischbein. Das Unglück, welches der Wallfischfang flotte zustieß, ist von den Eskimos vorherge sagt worden, aber leider schenkte Niemand der Warnung irgend welche Beachtung. Die Es kimos kamen an Bord der Schiffe nnd schlepp ten Alles weg, was für sie von Werth war, z die Mannschaften ihre Schiffe verlassen hatten. Die Greuel in Paris. Aus Hans Wachenhusens Pariser Briefen.) Die Schlinge war den Pariser Communi—- sten um den Hals gelegt. Am Morgen des 24. Mai sollte sie zugezogen werden. Leichen haufen bedeckten das Pflaster, den Macadam an den Ecken und Kreuzungen der Straßen, hinter den Barrikaden und da, wo die Gra naten ganze Gruppen der Föderirten nieder geschmettert. Auf den Trottoirs der Straßen, durch welche die Truppen vorgedrungen, so gar guf denen der Champs Elysees, der d'Antin -c. lagen die Todteu an den Häusern hingestrecctt Die Truppen hatten im Vor— dringen die Häuser durchsucht, die in densel ben verstecten Insurgenten hergusgeschleppt, sie an die Mauer gestelit und füsilirk. Selbst die Höfe der größeren Gebäude waren zu Richtstätten geworden, und au einzelnen Stellen sah man zerschmetterte Körper, die von den erhitzten Soldaten zu den Fenstern hinausgestürzt worden. Wo man im Vor dringen ein Gesicht hinter den Gardinen ei nes Fensters hatte hinausblicken und wieder verschwinden fehen, war man eingeprungen man fand Familienväter, die sich im Com-- munarden-Costüme in ihre Wohnungen, vier, fünf Stock hoch, gerettet, die Muskete weg-- geworfen und sich in den Betten oder Garde roben versteckt hätten; man fand die Con ciergen in ihren Logen als flüchtige Insur hetten in Schränken und Kellern verborgen. Man sehieppte sie heraus, entriß fie ihren jammernden Kinderñ, ihrem Weihe, dgs mit erhobenen, geballten Fäusten dert Execution des aanes zuschaute und dem Sterbenden zurief: „Je te vengerai!“ Fenlenv ver folgte die Wahnsinnige, die Kinder im Stiche lassend, die Soldaten und flüchtete sich zu den Rächern. ert eare. unglaubliche Scenen begleiteten das Vordringen der Soldaten. Man feuerte auf sie aus den Fenstern, von den Terrassen, gus den Kellern. Die in ihren Wohnungen versteckten sredtiten Einwohner hörten die Granaten über sich einfchlagen und slohen in die Keller Gleich darauf ward däs Haus forcirt, die Thür eingeschlagen, eine Insur genten-giotte schlug sich darin nieder und setzte Alles in Vertheidigungozustand, um die ihre Barricade durch eine Nebengasse befchiei chenden Versailler zurückzutreiben. Bald darauf ward das Haus gestürmt und alles, schuldig oder unschuldig, darin niedergestochen. Mit einer an Wahnsinn grenzenden Wuth hatten sich sonst ruhige und berständige Män-- ner der Ete der Commune hingegeben, die, sei es aus Ueberzeugung, fei es qus ten zum Gewehr gegriffen und, einmai zumi Aeußersten gebracht, die Strafe fürchtend, dem erhitzten Blute zum Opfer wurden. Die Soldaten kannten teitnen Pgrdon; Alles mußte über die Klinge springen, und haufenweife hat das Bayonnet die Insurgenten, sogar die Weiber hingestreckt die bekanntlich auch in dieser Re volution lhre verhängnißvolle Rolle gespielt. Zu Zwanzig und Fünfzig fah wan diese Me gren, zum Theil in Lümpen, znm Thell in Costumen, die dem Irrenhause angehören, immer mit der phrygischeu Nint it blut rothen Schärpen und Strümpfen, durch die Straßen ziehen. Die Kleider hoch bis zum Gürtel geschürzt, mit erhitzten, vom Alköhol gefärbtei Gelltern sah man sie vor einer Mitrailleuse, die ihneü das Comite n Ge schent gemacht, während das eetnte dersel ben das Geschütz schoben, durch die Straßen zu een Barrikaden ziehen, gefolgt von ihren Kindern, die Handsäcke trugen, erteine zu den Barrikaden schlehpten, Alles heusend, schreiend Ein Höllensabbath bereitete sich vor, wie ihn die Weltgeschichte nie gesehen, die tollste Phantasie ihn nicht zu träumen vermochte. Die ruchlose Dreieinigkeit, die Commune, das Comite Central und das Salut Public, hatten ihre Vertheidigungöswaffen: Spreng pulver, Dynamit, Petroleum, in Thätigkeit gesetzt, und die Henkersschaaren der Weiber, die Communeusen und Petroleusen, unter der Leitung der Pompiers de la Commune, der Brand-Compagnien, mobilisirt. Eiligst ward im Versailler Hauptquartier die Ordre an alle Einwohner gegeben, die Kelleröffnungen ihrer Häuser zu verstopfen, um sie bor dem Hineinwerfen von Zündstoffen zu sichern. Aber in den von den Insurgenten noch besetz ten Quartieren half dieser Befehl nicht; zü dem kam er zu spät. Wie diese Organisation der Petroleusen bis ins kleinste Detail ging, beweist ein Vorfall. In der Rue Lafitte, während eben an der Kirche Notre Dame des Lorettes der Kampf wüthete, wird eine alte Frau durch eine Chassepotkugel im Gesichte verwundet. Man bringt sie mitleidig in die Apoteke, um sie ver binden zu lassen. Inzwischen öffnet man den Korb, den sie unter dem Arme getragen, und findet eine Flasche Petroleum in demselben. Man schleppt sie zurück auf die Straße und im nächsten Augenblick ist sie füsilirt. Alle öffentlichen Gebäude der von den In surgenten noch gehaltenen Quartiere, na mentlich die jenseit der Seine in der Rue de Lille, du Bac -c waren sorgfältig präparirt, mit Zünd-.· und Sprengstoffen gefüllt. Die Pompiers, von den wüthenden Weibern be gleitet, handhabten vie Ge treleumrite roll ten Pulverfässer und warfen Petroleumbomben in die Häuser, wahrend die Petroleusen von Haus zu Haus eilten, um die Massen von Zündstoff quszuwerfen, deren Vorrath in der Stadt das Comite vorher genau inveütarisirt und eingefordert hatte. Zerlumpte Kinder selbst mußten mit Hand aniegen und nur hier und da gelang es den Portiers, mit diesen Banden um die Erhaltung ihres Haufes zu feilschen oder rechtzeitig den Zündstoff wieder zu entfernen. In wunberbarer Weise hat Klugheit oder Zufall so manches schöne Ge bäude gerettet. Die versailler Truppen sahen zuerst das Hotel der Finanzen in der Rüe Rivoli dicht vor sich in Flammen gerathen, ohne Hülfe bringen zu können, da die Befestigung der Tuilerieen Terrasse sie hinderte. Die Tui— lerieen selbst gingen in Flammen auf; eine furchtbare Pulver Explosion in denselben zeugte von der Gründlichkeit der Vorberei tung. Die ganze Rue Rivoli, durch die Na poleon 111. fo weise das Louvre mit der Ca serne auf dem Platze des Hotel de Ville ver-- bunden zu haben glaubte, um aus ihr einen Laufgraben gegen die Revolution zu machen, die ganze herrliche Straße ward in Flammen gehüllt, das Palais Royal ward angezündet, kam aber mit geringem Schaden davon. Die Bande hatte erst an die Stirn dieses Plon- Plon' schen Palais geschrieben: Propiete na tionale, republique frangaise une et in divisible; darunter: Liãberte, Errite Fraternite, und dann mußte dieses Natio nal-Eigenthum der Flamme geopfert werden. Das Hotel de Ville, dieses prachtvolle, uner setzbare Monument, war mit Pulyer und Petroleum so versorgt, daß es im Nu eine einzige Lohe war, als Herr Rigault und seine Consorten das Hasenpanier ergriffen. Für alle diese Schandthaten war der ge messenste Befehl ausgetheilt, wie die Com mune denn überhaupt nicht müßig war in Ordonnanzen und Tagesbefehlen, denn sie hat Zeit gehabt, 398 Placate zu veröffentli chen. Schon am 20. Mai beschloß die Commune die Brandlegung; man fand folgenden, vom 24. datlrten Befehl: „Der Bürger Milliere wird an der Spitze von 150 Mann (kuseens) die verdächtigen Häuser und die öffentlichen Monumente des linken Ufers anzünden. Der Bürger Dereure mit 150 Fuseens übernimmt das erste und zweite Arrondissement, Der Bürger Billiorah mit 100 Mann das neunte und zehnte Arrondissement. Der Bürger Vesinier mit 50 Mann übernimmt die Boule vards von der Madeleine bis zur Bastille Sie haben sich mit den Chefs der Barricaden über die Ausführung dieses Befehls zu ver ständigen. Paris, 3. Prairial 79. Deles cluze, Biegere, Dombrowoki -c. Eben so fand man folgenden Befehl: „Ministre de la guerre, Cabinet du mi nistre. Au Citoyen Lucas. Faites de suite flamber Finances et venez nous trouver. 4. Prairial 79. Th. Ferre.“ Schon seit Wocheu hatte die Commune ihre Brandstifter in Brigaden getheilt. Diese be standen aus Sträflingen, scheußlichen alten Weibern mit verhungerten, abgemagerten Kindern und allem übrigen weiblichen Ab— schaum. Man behauptet, sie habe von diesen Furien 8000 im Dienste gehabt. Jede dieser Compagnieen von Petroleurs und Petroleusen hatte ein ihrer Thätigkeit übergebenes speciel-- ies Quartier und alle ihnen ertheilten Befehle waren mit dem Stempel der Commune ver sehen, jenen cartes blanches, welche die Commune unausgefüllt, nur unterschrieben ihren Henkern übergab, dem Ermessen dersel ben überlassend, was sie zu thun hatten. Jeder Petroleur erhielt zehn Franes für ein angezündetes Haus, wenn es gut angezündet war. Die Ordre zum Anzünden bestand aus einem mit Gummi bestrichenen Etiquette mit den Bnchstaben B. p. B, on our bruler), über diesen Initialen der Kopf Bacechan tin. Diese Zettel wnrden von den Haupt leuten der Brand-Compagnien an den Thü— ren der dem Verderben bestimmten Häuser geklebt und genau beachtet, denn Herr Ferre, der Ober-Brandstifter, konnte sich auf seine Leute verlassen. Uud wie gut das Comite du salut public für das „öffentliche Wohl“ bedacht war, das beweisen die Maßregeln desselben. Nicht nur waren die Kellereien der größereu Gebäude mit Pulbver gefüllt, die Straßen und Häuser unterminirt und mit Fulrertenern. mit allen Sprengmittelu versehen, um halbe oder ganze Stadtviertel in die Luft zu fprengen und Tansende unter dem Schutt zu begraben, auch die Egouts, die großen unterirdischen Canle, wareu gefüllt. Die Notre-Dame—- Kirche, die mit te gerettet wurde, sollte in die dust fliegen, denn man brauchte keinen Gott; man spielte Karten auf den Altären und hatte die Weihbecken mit ordi närem Tabak gefüllt. Ganze Straßen sollten gesprengt werden, namentlich die Rue de Lille und St. Dominique, eben so der Invaliden- Palafst, der Trocadero, die Bahnhöfe, die Boulevards Haußmann und Malesherbes. Hunderte von unterirdischen Zünddrähten waren sorgfältig zu diesem Zwecke gelegt, und ein Wunder ist es, daß man diese bei Zeiten entdeckte und ct konnte, denn den militärischen Mäßregeln gelang ed überhaupt den besten Theil des Louvre mit den allerien zu retten, während die Bibliothek und die Bureaux total ausbrannten. Eben so war es die Solidität der Pariser Bau-Ma— terialien, waren es die großen Sandstein- Quädern, mit welchen die Häufer hier er— richtet werden, die trotz dem scharfen und starken Winde in dieser Nacht den ganzen Stadttheil vor dem Umsichgreifen der Flam men retteten. In jeder anderen, weniger solide gebaüten Stabt würde der Brand, nnterstützt durch sich immer wiederholende Explostonen und den Wind, der die Flammen horizontal über die Straßen und Plätze legte, ganz andere Proportionen gewonnen haben. Mit Graüen überblickt man heute dit Ver wüftungen, welche eine Bande von Teufeln, insplrirt und dirigirt durch dumme Jungen, durch Phantasten und staatgefährliche Idea listen (äuch ihrerseits verführt durch wahn sinnige Grauköpfe, wie Victo huge. Felix Phat und Conforten) über die l nste Stadt der Welt bringen konnte. Mit Kopfschütteln überzeugt man sich von der entsetzlichen That sache, daß gerade diejenige Stadt, die sich an mgßte, den die ganze Belt nut uon den Strahlen lebe, welche ihr Geist über sie qus gieße, daß gerade diese Stadt, die sich in strafbarer Selbstüberhebung das Gehirn, den Gedanken der Welt nannte. sich zur Stunde der Gefghr in Furcht und Feigheit rgthlos und hater unter eine Rotte beügie, die iht mit schwieligen Fäusten drohte und Monate lang unter der Tyrannei der albernsten Pa troue fchmachtete die man seit ohren in den Boulevard Kaffeehäufern als Narren zu be trachten und zu behandeln gewohüt war. Armseliges Gehirn, armes Paris, in dem der hartetin zum Henker von hunderttgusend öpfeu werden toynte, deren jeder elnzelüe das Genie des Jahrhunderts zu repräfentiren wähnte! ——.Ò Ò Ò ff è Die VBefreiung des Schooners „Horton.“ Seit einigen Wochen herrscht unter dem Küstenvolke in Massachusetts eine hoch ge—- hende Aufregung, deren Ursache wahrlich nicht den Jubilirenden zu besondes großem mora lischen Verdienst gereicht, Genährt wird diese Aufregung durch den Demagogen Ben Butler, der ggr zu gern aus einem Floh ei nen Elephanten mächeß möchte, eiszig um seine im Bürgerkriege verfehlten Lorbeeren in einem Kriege mit England nachzuholen. Die Sache verhält sich so Der Fischerei- Schooner,„Edward A. Horton“, ein Fahr zeug pon 100 Tonnen, bgs den Herren W. MeKinzie und Harvey Knowlton von Glou cester gehört, wurde gegen Ende September dieses Jahres von dem englischen Zoll-Cutter „Sweepstake“ an der Küste von Nova Scotia weggenommen, weil es die Fischereigesetze verletzt haben soll. Das Schiff wurde in den Hafen Guyoborough gebracht. Der genänn len Rhederei-Firma wurden schon vorher Fi schereifahrzeuge aus ähnlichen Ursachen weg—- genommen, und da sie wußte, wie langweilig und kostspielig das Prozeßverfahren der bri tischen Administrationsgerichte in Bezug auf saisirte amerikanische Fischereifährzeuge ift, so leuchtete ihnen die Bütler sche Theorie ein; denn sie versprach ihr die Erlösung von dem Prozeß vor einem britischen Tribunal, Befrel-- ung von aller Strafe wegen der verletzten Fi schereigesetze, und Rückerlangung ihres Ei— genthums. Sie schickte einen Agenten nach Nova Scotia, einen tüchtigen Stemann unb äußerst verschlagenen Kopf. Es in Guyhorough ala ein Agent der neulich entdeckten Goldmine in Vermont, zeigte recht fchöne mit Gold gespickte Quarz stücke und suchte Aktien an den Mann zu bringen. Indem er zum Schein dieses Ge schäft betrieb, warb er im Stilen Leute an, um einen Handstreich quf den im Hafen von Guysborough liegenden Schooner zu führen. Einer, der denselben kennt, sollte ihm bei der Ausführung des Streiches beistehen, aber ge rade an dem zur Ausführung des Planes ke stimmten Tag brach er ein Bein; dies hin derte indessen die Ausführung des Plänes nicht, denn sein Sohn Jim kannte den Hafen gerade so gut, wie der alte Lootse, und er klärte sich bereit, die Arbeit auszuführen, und das Geld dafür zu verdienen. Am Sonntag den 8. Oktober, Nachts 11 Uhr begab sich der Agent der Vermont Gold-- minen an die Werfte, ihm folgten mehrere Matrosen der gerade im Hafen liegenden amerikanischen Fischerei-Schooner, und nun drangen sie unter dem Schutze einer egypti-- schen Finsterniß in das Regierungsgebäude ein, in welchem das Segel- und Takelwerk, die Karten, Chronometer. Compässe und an dere Schiffs-Requisiteu des Schooners Horton aufbewahrt waren. Die Wachen waren schon nach Hause gegangen und die Abenteurer brachten die Dinge an Bord des Schooners Horton. Als sie aber die Segel aufziehen wollten, fanden sie, daß sie die unrechten er wischt hatten. Dieselben gehörren dem Schooner Nickel son, der ebenfalls wegen Verletzung .der Fi scherei-Gesetze saisirt worden war. Der Irr thum mußte berichtigt werden; und es war halb 12 Uhr, als die Fischer endlich daran ge hhen konnten, die Anker zn lichten. Da aber stellte sich ein neues Hinderniß entgegen. Die Ebbe war unterdessen eingetreten und der Schooner steckte fest im Schlamm. Die ame-- rikanischen Fischer ließen sich jedoch dadurch nicht abschrecken, ein Werftanker wurde in das lange Boot gebracht, in das Fahrwasser gefahren und ausgeworfen, und von diesem Stützpunkte aus zogen die Yankees ihren Schooner aus dem Schlamme in das Fahr wasser. Jetzt wurden die Segel entfaltet und bei Tagedanbruch stach der Schooner in See Der Gold-Minen-Agent übernahm sosort als tüchtiger Capitän das Commändo des Schif fes und richtete seinen Cours heimwärts. Er hatte sich dem Leuchtthurm von Rockport so weit genähert, daß er denselben in 48 Stun den zu erreichen hoffen durfte. Da kam ein englisches Kanonenboot heran und befahl dem Schooner beizulegen. Dem Befehl mußte Gehorsam geleistet werden, und ein britischer See-Offizier kam an Bord. „Ca pitän, wo ist all Eure Mannschaft fragte der Brite. „Ihr scheint gutes Glück gehabt zu haben und doch sehe ich außer Euch nur drei Mann.“ Der Capitn erwiderte: „Well Sir, ich hatte 10 Matrosen, aber ich hatte sie in Whitehall gedungen und zahlte sie ab, als ich einen guten Fang gemacht.“ „Well, Ihr seid ziemlich glücklich gewesen, und Ihr seid ein ziemlich gescheidter Kerl noch dazu.“ Der Capitän fragte: „Beliebt Ihnen sonst noch etwas, mein Herr?“ Der Offizier erwiderte: „Ich habe keine weiteren Instruktionen. Ihr könnt weiter fahren.“ Mittwoch Abends, am 18. Oktober kam der Schooner Horton im Hafen von Gloucester an. Die Einwohner waren fast wahnsinnig vor Freude. Die Stadt ward decorirt und illuminirt. Kanonen donnerten, die Glocken läuteten, Jubel war an allen Ecken und En den, um so mehr, als seit zwei Tagen die Be völkerung in der Angst vor der abermaligen Wegnahme des Schooners geschwebt :hatte. da Gerüchte verbreitet worden waren, als sei ein britisches Kanonenboot in die Bai von Gloucester geklommen, um dem Schooner Horton aufzulauern und ihn abzufangen, so bald er einzulaufen versuche. So viel Lärm wurde dieses unwahren Gerüchts wegen ge macht, daß die Bundesbehörden sich wirklich verleiten ließen, eine kleine Flotille von Zoll cuttern nach dem Hafen von Gloucester zu schicken, um dem britischen Kanonenboot, so bald es sich völkerrechtswidrig in amerikani schen Gewässern betragen sollte, mores zu lehren. Es war aber keine Gefahr vorhan—- den. Nur Ben Butler ließ sich die famose Ge legenheit nicht entgehen, eine seiner donnern den Philippikas gegen den „Washingtoner Vertrag“ und gegen die uns überlistet haben sollenden Engländer zu schleudern. Er führt mit den Helden der,„Horton“ einen Popanz auf, der sicherlich das Lächerlichste aller bis herigen komischen Demonstrationen in den Schatten stellt. Die Engländer sind viel zu vernünftig, als daß sie aus einer folchen Bagatelle einen casus belli machen sollen, selbst wenn un zweifelhaft das Recht dazu, wie in diesem Falle, auf ihrer Seite ist. Denn sie sind nur zu froh, das so lange über ihren Hgup tern schwebende Damoklesschwert der Ala— bamq-Ansprüche auf friedliche Weise besei tigk zu sehen. Der ganze Vorfall ist nur eine neue Illustration der Gewissenlosigkeit und Gefährlichkeit des Demagogenthums. (N. 9. Abendztg.) Von Nah und Fern. Der sabbathsgefetzwüthige Mayor von Cineinnati hatte vor einigen Wochen das Treiben von Vieh an Sonntagen in Cinein nati verboten. In Folge davon, d. h. in Folge des dadurch verursamten Transport- Aufschubs stgrben eine Menge Schweine und anderes Vieh Mayor Davis ehat dies end lich begriffen und der Geldpunkt hat über seine puritanischen Bedenken den Sieg da von getragen, wie aus folgendem Exlaß her vorgeht: Cineinnati, 3, Nov. 1871. Hrn. P. M. Bleaks, Polizeichef. Mein Herr! Während der nächsteu acht oder zehn Wochen scheint eine Modifcation in meiner Oxdre in Bekreff des Vieh's und des Viehhandels dringend geboten, weil durch das Eingeschlossensein der großen Triebe von Schweinen in den Eisenbahnwagen, und an derem Vieh vom Samstag Abend hig zum Montag Morgen häufig beirchtliche Verluste entsiehen. Sie werden daher Händler und Frachtagenten davon in Kenntniß setzen, daß gegenwärtig, wenn nöthig, Vieh am Sonn tag Nachmittag von 1 Uhr gn purch die Straßen der Stgbt trhn werden darf, daß aber am Sabbath keine Schweine oder sonstiges Vieh verkauft oder gewögen werden dürfen. Achtungovoll S.S. Dagvis. Mayor. Am letzten Sonntag Abend ereignete sich in der Neger-Baptistenkirchr in Louioville eine schreckliche Scene. Es befanden sich etwa 700 Personen in der Kirche, welche dürch eine sich durch die Mitte des unteren Stockes hin-- ziehende Reihe hölzerner Pfeiler gestützt wird. Der Geistliche hatte eben seine Predigt been digt, als man einen dumpfen Ton hörte, dem ein Frachen folgte. „Das Haus fällt ein,“ wurde gerufen, ein panischer Schrecken er griff die Menge, und ein Gedränge entftand nach den beiden Shüren hin, in welchem 11 Perfonen getdtet nnd einige 70 veripundet wurden. Bel Unterfuchung des Gebäudes zeigte es sich, daß einer der Stützpfeiler, der nächste am Altar im Erdgeschoß, umgefallen war und sich der Boden des oberen Stock werks dadurch um zwei Zoll gesenkt hatte. Die ũbrigen Pfeiler waren stark genug, um die Last des oberen Stockwerks zu tragen, ob wohl der Fußboden desselben morsch ist. Der umgefallene Pfeiler war nachlässiger Weise nicht auf einen Querbalken, sondern aus ei— nes der Bretter des Fußbodens gestellt wor den uud dieser durchgebrochen. Die Scenen in der Kirche waren schreclich, Die beiden Treppen wären batd von Menschen versperrt, und der enge Eingang, in welchen beide un-- ten ausmũnden, war von einer wie wahn sinnig drängenden Menge erfülit Personen, die sich glücklich durchgedrängt hatten, wur den nöch vor dem Eingange zertreton und mehrere getdtet Als ble Menge die Treppe gersperrt fah, ftürzte sie nach den Fenstern, brach das Glas heraus und riß die Läden ers An der Südseite der Kirche grenzt das Laboratorium von Dr. I. P. Barnum an die Fenster, welche etwa 5 bis 20 Fut vom Baden sind, und etwg 100 Perfonen retteten sich, indem ste auf das Däch des Laborato riums sprangen. Viele sprängen die ganze Höhe bis zum Boden herab, doch kam keiner derselben seltfamer Weise zu Schadeu. Dr. Barnum und sein Clerk, Herr Thos. Foun tain, eilten in den Hof ünd fanden den Cor ridor am Eingang von einer Masse Menschen versperrt, die acht bis zehn Fuß hoch aut tin ander lagen. Vor der Thür läg eine Masfe zerstampfter, zappelnder menschlicher Wesen. Die Quarantaine für Charleston ist voll stndig aufgehoben, Schiffe können ohne M cietie t tllhacuh men e hefindet sich wirkliche Krankheit an Borb. sin 9 l Die in der Bundeshauptstadt Wash ington ansäßigen Badenser haben unter dem Namen „Baden“ einen Unterstützungoöverein gegründet. Unter die zahlreichen Industrie- und Agrikulturzweige, welche durch die Deutschen in Californien entweder eingeführt oder er weitert und verbessert worden sind, gehört auch der Hopfenbau. Er fängt nachgerade an, solche Dimensionen anzunehmen, daß namhafte Quantitäten davon bereits nach dem Osten verschifft werdeñ, während die Bierbrauer in Californien und Oregon noch vor zwei Jahren beinahe von dem östlichen Gewächse für ihren Bedarf abhängig waren. Es wird angenommen, daß die heutige Ernte nicht weniger als 3000 Ballen beträgt, welche einen Werth von $250, 000 bis $300,000 re—- präsentiren Einzelne Distrikte Californiens eignen sich ganz besonders für den Hopfenbau und wie behauptet wird, ist das dortige Ge—- wächs bei Weitem nicht so sehr den Krank heiten ausgesetzt, an welchen der im Osten gebaute Hopfen leidet. Die Ernte isi folglich eine viel zuverlässigere als im Osten und Eu ropa; und wenn es sich im Laufe der Jahre herausstellt, daß der californische Hopfen im mer so rein gedeiht wie jetzt, so muß der Han del in demselben nothwendigerweise unge heure Dimensionen annehmen. Die N Y, Stsztg vom 6. Nov. schreibt: Der erste Triumph der Frauenrechtlerinnen auf politischem Gebiete wnrde am letzten Samstag hier errungen, Nicht weniger als drei Vorkämpferinnen der Grundsätze von Frau Woodhull, Claflin u. Co. setzten es bei den Registrirungsbeamten durch, daß ihre Namen in die Listen eingetragen wurden. Ein Fräulein Leland hatte uicht denselben guten Erfolg, wie ihre verheiratheten Gesinnungs genossinnen. Die Wahlbeamten schrieben ihre Namen auf, entschieden sich aber gegen die Eintragung desselben in die Bücher. Die Registratoren sind im Zweifel, ob sie sich ei nes Vergehens schuldig machen, indem sie die emancipationslustigen,Ladies“ in die Listen einzeichnen oder ob die Nichteinzeichnung der Namen sie straffllig macht. Einer der Her ren meinte, thue er es nicht, so verfalle er in eine Strafe von FSOO und ein Anderer wollte wissen, er würde um $75 gebüstt werden, wenn er ein Frauenzimmer als stimmberech tigt eintrage. Es versteht sich von selbst, daß Tennie Claflin, die bekannte Congrß-Candi datin sich gleichfalls hat registiren lassen. Da mit wäre das erste Hinderniß zu ihrer Wahl zum Congreß theilweise beseitigt und wird Tennie nun mit erueuter Hoffnung auf fern liegende Ziele hinblicken Der Milwaukee Seebote schreibt: Herr Adolph Rosenthal, welcher sein Amt als deut scher Consul dieser Täge in die Hände des Herrn L. v· Baumbach niederlegen wird, er hielt anläßlich seines Rücktrittes als anerken nung treuer Pflichterfüllung vom deutschen Kaiser den rothen Adlerorden. So wenig Be deutung auch ähnlichen Auszeichnungen hier beigelegt wird, war dieselbe in diesem Falle doch wohlverdient, da Herr Rosenthal als Consul unablãssig und anstrengend thätig war und Deutschland in ihm einen tüchtigen Vertreter hatte. Der N. H. Demokrat vom 7. Nov. schreibt über die Aufführung der Hugenotten unter Mitwirkung Wachtels und Frau Licht may's im Stadttheater: Gestern„Hugenot ten“ überfülltes Haus enthustastischer Empfang für Wachtels Raoitl und Lichtmah's Valentine nobler Raoul erster Akt, mit einer unerwünschten Auslassung, die aber durch die erwünschten aufgewogen vurde Romanze brillant vorgetragen zweiter Akt mit Auslassungen, wobei auch die des Quar tetts a capella —im Duett (Margarethe und Raoul) viel Kraftentfaltung der Stim men Tenor prachtvoll in der Schwurscene; Finale des zweiten Aktes das vorzüglichste Ensemblestück der ganzen gestrigen Auffüh rung demonstrativer Empfang Valenti nens Frau Lichtmay schien noch angegrif fen von den Reisestrapazen, dramatische Kraft der Primadonna in dem berühmten Duett mit Marcell unvermindert; Wachtels Glanzstelle in dem Sextett: „Auf Gott und meinen festen Muth“ Vierter Att Schwerterweihe so gut wie möglich. bei der Besetzung Liebesduett ergreifend schön, wenn auch dem Liebhaber bei der Stelle des Niederknieens durch halbes Versagen des hohen Tones der Effekt geschmälert wurde. Im 5. Att brillante Mitwirkung Wachtels im Einsegnungsterzett. So lagkonifch, weil heute Stimmentkampf der Reformer gegen Tammanyiten. Morgen im „Stadttheater: Wiederholung des Stimmenkämpfes der Hu—- genotten gegen die Katholischen Die anderen Rollen waren wie folgt besetzt: Fräul. Pau line Canissa sang die „Margarethe“, Herr Franosch den „Marcel“, Herr Vierling den Nevers“ und Herr Weinlich den St. Bris“, Fräulein Krquse den Pagen Ein seltenes Beispiel von der Treue ei— nes Hundes wird aus Providence, Clark County, Ind. erzählt Ein alter Herr jener Stadt, der elsnen Schaferhund befaß, zu dem er stets viel Juneigung zeigte, starb kürzlich. Das Thier folgte dem Leichenzuge und sprang, nachdem der Sarg heruntergelassen, auf ihn herunter und blieb daselbst, selbst als tahn Erde heruntergeworfen wurde. Er wurde dann herauogehoden ünd nach Hausfe geführt, verfchwand aber bald wieder, und man fand das treue Thier wieder aus dem Grabe des verstorbenen Herrn eifri beschastiat. den frisch aufgeworfenen aca loözukratzen. Nun wurde der Hünd an bie Kette gelegt, nimint aber seit der Zeit keinerlei Nahrung mehr zu sich und documentirt den tiefsten Kummer. Dle älteste Zeitung in Amerika, die „North Ameriean and United States Gazet ten in Philadelphia hat am 28. Oktober das hundertste Jahr ihres Bestehns überschritten; seit dem Jahre 1793 erscheint das Blatt, wel- früher ein halbwöchentliches war, räg ich. Ein neuer Export-Artikel, nämlich fri sche Austern, werden von Baltimore nach England jetzt verschifft, da die englische Re girrung wie man vernimmt, die erschäpften usternbänke an der englischen Küste mit Au stern aus Baltimore besetzen will. soll ein neuer und praktischer Dampfpflug ausgestellt sein, der das System des Pflügens, wie es tieter durch Dampfpflüge geschah, sehr vereinfacht, und allen Anforderungen, auch kleinerer Landwirthe, entsprechen sol. ein Bericht des Steuer-Bureau's nachweist, während des abgelaufenen Fisegljahres 2, 199-- 733 Gallonen Brandy gs Obst producirt worden. Davon in Californien 136,683 Gallonen, in Kentuckh 239,233 Gallonen, in New Jersey 411,596 Gallonen, in New ork 128,662 Gallonen, in Nord Carolina 374790 Gallonen und in Virginia 297,317 Gall. Herr Szwirschina, der deutsche Thegter- Unternehmer in Detroit, hat am letzten Sonn tag mit „Matinees“ begonnen und wird den ganzen Winter hindurch an jedem Sonntag zwei Vorstellungen geben. Eine wahre Mord-Brücke besitzt die Morris Essex Eisenbahn bei East-Orange, N. I. Dieselbe ist nämlich so niedrig, daß beim Durchfahren der Bahnzüge unter ihr selbst die auf den Wagen sitzenden Bremser ganz fiach legen müssen, um nicht „ge pft“ oder zerschmettert zu werden. Am Ottober ist nun guf diefe Weise schon der dritte Bremfer innerhalb eines Jahres getd tet worden, und so hat denn endlich die Co roners-Jurh die Ausmerksamkeit der Grand- Jury guf diese Mord-Nuisance gelenkt. Nach dem Bericht der N. H. Parkkom missare beträgt der Flächeninhalt sämmllicher oöffentlichen Stadt Parks 1007 251/1000 Acres und der Kostenaufwand Mi eoo und Erhaltung derselben vom 1. Mai 1857 bis 1. Januar 1871 $11,168,949 27. Wäh rend des Jahres wurde der Central-Park von 8,421,427 Personen besucht. Die Berichte des lugenieurs. Architekten, Gärtner und des Direktors des meteorologischen Observato—- riums enthalten eine genaue Auseinander setzung der Thätigkeit der verschiedenen De partements. Die Park-Polizei hat über ihre Thätigkeit Folgendeß zu berichten. Dieselbe besteht gud 1 Capitän, 1 Lieutenant, 8 Ser geanten und 136 Polizisten; während des letzten Jahres hat dieselbe 157 Männer und 37 Franen verschiedener Vergehen wegen in den Parks arretirt und 240 Kinder, welche sich von ihren Augehörigen verliefen, zurück gebracht. Die Verbindung des Schwarzen mit dem Kaspischen Meere mittels eines Canals dürfte bald verwirklicht werden ODie Arbeiten wer den laut Ingenieur Blum's Berechnung 6 Zr daüern und 80 Mill. Rubel kosten. s müssen 78 Mill. Kubikklafter Erde ausge graben werden. Die russische Grenze scheint fast so fürch terlich zu sein, wie die Pforten des Todes. Sieben sächsische Bergleute, die in Galizien Arbeit suchen wollten, waren aus Irrthum in das gelobte russische Reich übergetreten, als sie auch schleunigst von Grenzkofaken festge nommen und eingesperrt wurden. Vierzig Tage haben sie bei Wasser und Brod im feuch ten Kerker schmachten müssen, bis sie endlich auf deutsches Gebiet ausgeliefert wurden. Einer der Armen ist in Folge dieser Behand-- lung gestorben. Solches Verfahren bedarf keiner Erklärung. Ein prominenter New-Yorker Verleger, der sich einer bis in's Genick reichenden Stirne erfreut, bietet 1,000 Belohnung für eine Sensations-Novelle, welche ih m die „Haare zu Berge stehen“ macht. Einem Baier, der am 11. Oktober Ver sailles besuchte, wäre es beinahe schlimm er- Igangen. Derselbe nahm nämlich, als er auf dem Bahnhofe angekommen war, einen Wa gen und bat den Kutscher, ihn nach dem Pa-- lais zu fahren, wo der deutsche Kaiser wäh—- rend der Belagcung von Paris residirt hatte. Dort angekommen, trat er in das Gebäude, um dasselbe zu besichtigen. Kaum hatte er dasselbe verlassen, als ihn ein Polizeidiener mit den Worten anfiel: „Sind Sie ein Deut scher?“ Auf die bejahende Antwort erklärte er ihn für verhaftet und führte ihn unter dem Zusammenlauf einer großen Menschenmenge zum Polizei-Commissär. Dieser schien das Auftreten des Polizeidieners vollständig in der Ordnung zu fiuden, und der Umstand, daß der Verhaftete ein Deutscher sei, ihm vollständig hinreichend, um ihm seine Papiere abzunehmen und sie einer genauen Durchsicht zu unterwerfen. Zuletzt mußte der Polizei- Commissr den Baier seine Verhaftüng hatte jedoch ziemlich lange gedauert aber doch freigeben, und dieser fuhr nun sofort nach Paris, um sich auf der baierischen Ge sandtschaft zu beklagen. Herr Ruthärd, der als Geschäftsträger derselben vorsteht, fuhr sosort zu dem Minister des Aeußern, dem Grafen Remusat, um eine Beschwerde zu führeu. Graf Remusat empfing Herrn Ruthard sehr zuvorkommend und berichtete über den Fall sofort an den Minister des Innern, der den Polizeidiener absetzen und dem Polizeicommissr einen scharfen Verweis ertheilen ließ Zugleich bat Graf Remusat Herrn Ruthard, bei ähnlichen Vorkommnissen sich unverzüglich an ihn zu wenden, damit er einschreiten könne. Ungeheures Aufsehen erregte am 12 Oktober ein in der Londoner Vorstadt Stock well verübter Mord, weil der Thäter ein Geist licher der englischen Staatsokirche, sowie ein bekannter Pädagoge und Schriftsteller ist. Mehrere Tage lang wußte Selby Watson so heißt der Mörder die That zu verheim lichen; er ordnete seine Angelegenheiten, schrieb verschiedene Briefe und machte darauf einen Selbstmordversuch. Als das Dienst mädchen den Arzt herbeigerufen hatte, fanb dieser folgenden Brief vor: „In einem Wuth anfall habe ich meine Frau getödtet; oft und oft habe ich versucht, mich zu bezwingen, aber meine Wuth übermannte mich, und ich schlug sie zu Boden. Man wird ihren Körper in der kleinen Stube neben der Bibliothet fin den. Ich hoffe, daß sie begraben werden wird, wie es einer Dame von Geburt und Stellung geziemt.“ Die Polizei nahm dens Mörder, der nebenbei 56 Jahreẽ alt und seit 25 Jahren Direktor einer höheren Lehranstalt ist, in Gewahrsam. Das deutsche Reich wird im Jahre 1872 in 23 Staaten Gesandtschafteu unterhalten, und zwar Botschafter in London, Paris, Peteröburg und Wien; Gesandte in Äthen; Brüssel, Constantinopel, Kopenhagen, Flo renz, Lissabon, Haag, Madrid, Rom, Stock holm, Schweiz, Washington, Pekink; Minister residenten in Rio de Janeiro, Peru, Vene zuela, Mecico, Chili, Buenos Ahres Aus einer Vergleichung der Gehalte, welche das deutfche Reich seinen diplomatischen Vertte tern im Auslande bezahli, mit denen, welche andere Mächte ihren Misstonschefs gewhren, ergibt sich u A.: Der preußische Botschafter in London erhalt 32,000 Thaler, der franzo sische daselbst 80,000 Thäler, der russische 63,000 Thir., der österreichische 52, 000 Thlr, der türkische 33,000 Thlt. Der preußische Misstonschef in Paris erhatt 32,000 Thir der englische daselbst 74,773 Thlr., der russische 56,000 Thir., der österreichische 56, 000 Thlr., der türkische 37,000 Thir., der italienische 36,000 Thlr. Der preußische Gesandte in Wien 20,000 Thir. inel. 5000 Thir. Mieths entschädigung, der englische daselbst 61, 133 Thir., der russische 35, 600 Thir., der franzö sische 53,333 Thir., der türkische 58, 666 Thlr. Der preußische Gesandte in St. Peteröburg 40,000 Thtr., inel. 8000 Miethoentschadigung, der englische daselbst 61,333 Thlr., der fran zösische 80, 000 Thir., der österreichische 38, 000 Thlr. Der preußische Gesandte in Brüssel erhält 13,000 Thir.. der englische daselbst 26,666 Thir.. der rnssische 20, 000 Thlr.. der französische 21,333 r kurz überall sind die Besoldungen der diplomatischen Beamten Preußens, oder richtiger des deutschen Reiches, weit geringer, als dic der diplomatischen Be amten der anderen Länder. Ein Offenbacher Einwohner kam am 13. Oltober nach Frankfurt zu einem Chirurg und ließ sich rasiren. Dabei betklagte er sich über eine an dem linken Augentid befindliche War ze, welche ihn geniee; dafür wußte der Jün—- er Aeõeulaps sofort Rath er schnitt die ne ab. Eine starke Blutung trat ein und am Abend war der Mann eine Leiche. —Ein besondered Interesse hat Fürst Bis marck von je her für seine Conterfelen an den Tag gelegt, welche seit Jahreu von den ver schledenen Wahlblättern der neuen und alten Welt in humoristischer Weise gebracht worden sind Jedes dieser Bilder wird von der Fa milie sorgsam gesammelt, auf Cartonpapier geklebt unr in berreffende Albums vertheilt. Diese mit solchen Bildern angefüllten Albums fanden bisher ihren Platz in mehreren großen Bücherschränken und dieses Biider-Museum wurde in bestimmte Abtheilungen, Deutsche, Euglische, Amerikanische, Französische -e. ge theilt. Statistischen Zusammenstellungen zu folge waren die Kohlengruben-Ungüücke in England im Jahre 1870 im Gauzen ge— nommen nicht so zahtreich wie in früheren Jahren, dagegen kamen mehr Personen bei der Explosion schlagender Wetter um, als in den vier vorhergehenden Jahren. Im Ganzen werden 830 verschiedene Unglücksfalle aufge zeichnet, bei denen 991 Menschen ihr Leben einbüßten, so daß bei einer Kohlen-Pro—- duction v. 142,875,725 Ton. durch 350,894 Lergleutt Danf lede 422 Mann und 135, 994 Tonnen 1 Meuschenieben verloren ging. Dr. I. E. Polak in Wien, bekanntlich einer der besten Kenner Persiens, prophezeil in der Wiener „Presse“ für,spätestens das nächste Frühjahr 1872“ das Einrücken der Cholera in Euröpa von Persien aus, wo die Hungersnoth den Ausbruch und die Ent wicklung der Cholera-Epidemie erzeuge und hegüustlge, die sich auf dem Wege durch den Kaukasus und Rußland nach dem Abendlande Bahn breche. Katzen. Die meisten davon befinden sich in England (in London alleiu 708,200), die wenigsten Türkei. Die Pianoforte Fabrikanten Bauer Co. Das unternehmende Haus Bauer u. Co. von Chicago und New Yortk hat durch den Brand von Chicago schwere Ver— tuste erlitten. Das großartige Pianoforte- Magazin jener Firma, das an Crodsby's Opern-Haus anstieß, ist abgebrannt. Den— noch wird das Geschäft derselben ununterbro chen fortgehen, da ihr Zweiggeschäft in No. 650 Broadway in der Stadt New York in großartigem Maßstab die Gelegenheit znm Geschäftfortbetrieb darbietett. Zwar ist ihr ein ungeheurer Vorrath von Pianos und an— derer müsikalischer Instrumente in Chicago verbrannt, aber ihre Magazine in New Yortk sind so reichlich versehen, daß die Firma aus denselben alles beziehen kann, was zur Wie derausstattung ihres Etablissements in Chi cago erforderlich ist, und dies ist vielleicht be reits geschehen, ehe noch diese Mittheilung vor dem Publikum erscheint. Die Herren Julius Bauer u. Co. haben bereits begon-- nen, die erhaltenen neuen Sendungen in ihrem temporãren Quartier No. 614 Michi gan Avenue zu öffnen. Es werden zugleich Arrangements zum Wiederaufbau ihres aus Marmor zu errichtenden Verkaufsladens ge troffen. Dieser Bau wird mit der ihnen ei genen Energie betrieben, und ohne Zweifel ald soweit vollendet werden, daß man schon in einigen Monaten die junge Firma wieder in elegant ausgestatteten Räumen und wieder guf dem Pfade der Prosperitt erblicken dürfte. Fortschritt der Uorthern Pacisic Dahn Die Herren Jay Cooke u. Co., Finanz- Agenten der Northern Pacific Bahn, melden uns folgende Thatsachen in Bezug des ge deihlichen Fortschritts dieses Unternehmens: Das Geleise ist jetzt beinahe vollendet 250 Meilen quer durch den Staat Minnesota; das Niveau ist ganz fertig, die Geleise-Leger nähern sich dem Red River jeden Tag um drei Meilen mehr. Regelmäßige Bahnzüüge fah ren über die vollendeten Bahnsektionen. Gegen Ende September wurden Contracte vergeben für den Bau der Dakota Division, die sich 200 Meilen nach Westen erstreckt, von der Kreuzung des Red River bis zum Ueber gange des Missouri in Central Dakota. Am ersten July 1872 soll diese Diviston zum Be triebe fertig sein und fünfzig Meilen davon sollen vor dem Anfang des Winters invellirt werden. Mittlerweile wird eine Sektior. von 65 Meilen zwischen dem Columbia-Flusse und Puget Sund im Washington Terr:torium ge baut, woselbst die Legung des Schienengeleises rasch vor sich geht. Man winrd sich erinnern, daß die Northern Pacific Compagnie im letz ten Jahre beide sowohl die Hauptlinie als die Zweigbahn der St. Panl und Pacific Route täuflich an sich gebracht. Im vergangenen Vierteljahr ist die Hauptlinie vollendet den mitten durch ein herrliches Land zum ed River bei Breckenridge. Contracte sind vergeben sür Verlängerung der Bahnstrecke vom jetzigen Endpunkte von Watab am Mississippi Fluß, siebzig Meilen 2 nordwärts nach Brainard, woselbst diese Zweigbahn sich der Hauptlinie der Northeru Pacific-Bahn anschließt. Endlich sind Contracte vergeben für Bau einer Zweigbahn von St. Claud (75 Meilen noördlich von St. Paul) nach Pembina an der britischen Grenze, eine Entfernung von 375 Meilen. Besagte Strecke soll innerhalb 16 Monaten dem Verkehr übergeben werden. Selbe durchzieht die reichsten, gesegnetsten Theile des Red River Thales, eroöffnet direkte Verbindung mit den britischen Ansiedlungen von Winipeg und dem reichen Saskatchevan Basin, dient als südöstlicher Arm der „Nor—- thern Pacific Road“, indem er nach St. Paut und Minneapolis reicht, und schließt sich so an den Linien an, die von Chicago kommen, und an den Hauptbahnen nach dem Osten. Die Ausfüührung dieser Contracte liefert für die Rord-Pacific-Gesellschaft am Sc uß des nächsten Jahrs neue hundert Keilen Bahnstrecke im furchtbaren und geeihlichen Staate Minnesota, bringt die Hauptlinie dieser großen Verkehrsader bis zum dritten Theil ihrer Strecke über den Continent, und— gewährt der nördlichen Bahn zum stillen— Meere den bedeutenden und profitablen: Fracht- und Passagier-Betrieb von Montana. sowie der Beförderung des Regierungs Ma terials am obern Missourifluß. Man nimmt an, daß das Geschäft allein, ohne daß man auf den Ueberland-Tran dport warten muß, die Zinsen des volle ndeten Theiles der Bahn decken wird. Die Hudson- Bay-Gesellschaft hat bereits Docks und Waa renmagazinen in Duluth gemiethet und sich auf ihr ungeheures Geschäft über der nörd lichen Pacific Bahn vorbereitet. Der Bahn entlang erstehen Ansiedtungen mit erstaun licher und befriedigender Raschheit. Die Northern Pacific R. N, Comp. wird am nchsien ersien Januar fast zwei Mil— lionen Acker des schönsten Landes in Minnesota auf den Markt bringen; die Ein nahmen davon werden zur Einlösung der steben-dreißiger Bonds verwendet. Die Län—- dereien der Gesellschaft in Minnesotæ dezah len mehr als die Kosten des Baus der Minne— sota-Division der Bahn, sie werden rasch ver kauft werden können; bereits sind viele tau send Acker an wirkliche Ansiedler verkauft be vor das Land auf den Markt gebracht. Ditr Ländereien der Gesellschaft westlich von Min nesota, durch Dakota, erweisen nch voi bester Qualitt und werden eiligst auf den Martkt gelangen. Die Kosten der Errichtung und Equipirung der Bahn per Meile ergeben sich bedeutend ge ringer als die ursprünglichen Schtzungen denn alle Departments dieses Unternehmens sind mit der größten Sparsamtkeit und mit vollständigsier Ehrlichkeit gehandhabt, und die Kosten der Materialien haben sich in den letz ten Jahren bedeutend verringert. So zum Beispiel kosten jetzt Locomotive nur je $12,- 000, die bei dem Bau der Central Pacific Bahnen $19,000 gekostet. Für beste ameri kanische Bahnschienen, die während des Krie ges 5100 per Tonne gekostet, bezahlt die Nor thern Pacific nur etwa S7O per Tonne Wege— recht und Stein- und Bauholz-Materialien. die bei neuen Bahnbauten große Keosten ver ursachen, werden von Bundesländereies un entgeldlich entnommen. Durch diese so be deutende Verringerung in den Baukosten der Bahn werden, wie Jedem ersichtlich, der Werth und die Sicherheit der 7-30 er Schuldscheine der Compagnie beden tend gesteiger.. Dads Geld für zeitige Vollendun g der nörd tichen Bahn zum stillen Meer wrrd durch den jetzt beschleunigten Verkauf ihæer „erste Hy pothek 7-30 er Schuldscheine·- beschafft. In den letzten drei Monaten war die Abnahme Seitens Privaten sehr ra- ch, bei jetziger Zu— nahmsrate der Verkäufe wird die Gesellfchaft bald in Stand gesetzt, den Zinsfuß für den Rest ihrer Anleihe Herabzusetzen oder den Preis der 7-30 er Schüldscheine über Par zu avanciren. Diese Schuldscheine haben sich als Sicher heitpapiere erster Classe erwiesen, wovon der beste Beweis ist, daß viele der Sparbanken von Neu-England und conservative Geldin stitute anderer Staaten ihr Geld darin an— legten. Seit dem Erfolg der fünfprozentigen Bundes Anleihe haben sehr viele Inhaber von 5-Wern die günstige Gelegenheit benutzt, ihre Regierungsschuldscheine mit großem Pro—- fit gegen Northern Pacific Bonds umzutau schen. Dieser Umtäusch findet auch allent halben im ganzen Lande in stets vermehrtem Maßstabe statt. Diese große Verkehrsader gieht sich stetig weiter, viel rascher als man projektiren konv— te; sie eröffnet in ihrem Vormarsch dv rch den Continent die schönste Zone unentw el— ter Ländereien Amerika's. Jede Pho.se des Unternehmens ist im befriedigenden Zustande, ein völliges Gelingen ist längst gesichert und die baldige Vollendung ist jetzt gestchert. Schuldseheine (Vonds) zu verkaufen ei lLunt, Preston Kean, Ecke S. Halsted u. W. Randolphstr. Zweig-Geschäft 493 Wabash Avenue. Chicago, Illinois. Sharp Corner Restaurant! ist verlegt nach 50 S. Desplaines Str. 1t ulmlwö Ibach u. Schick. e Die Herren Leopold, Kuh und Co. No. 375 Wabash Av. haben, nachdem sie allen ihren Verpflichtungen in voll nachge tommen sind, am obigen Ptatze ihr Geschäft wiederum eröffnet und tönnen wir diese Firma mit gutem Gewissen allen Leuten in der Stadt wie im Lande. empfehlen, welche deren Waa—- ren zum Wiederverkauf brauchen. ttuwso