7 2 a: 111. Staats-Zeitung. Gedruckt in der Druckerei des „Herold“ in Milwaukee Office: 1014 West-Randolph Str- Dienstag, den 31. Oktober 1871. Aktien-Hypotheken-Banten. Die N. Y. Handelszeitung behandelt in einer Reihe von Aufsätzen die Geschichte der Boden-Credit-Anstalten, die beiden Haupt— klassen derselben und die Zweckmäßigkeit der Crrichtung derselben in den Ber. St., mit besonderer Schluß Beziehung anf Chicago, daß zum Wiederaufbau, speziell zum feuer— jchern Ausbau Chicago's Capitalien in groß— chgem Maßstäbe herangezogen werden müssen, hegreift Jeder. Die ungemein wich tige Rolle, welche östliches Capital bei dem ersten Aufbau Chicago's spielte, ist bekannt, und in welcher Weise dies Capital beschafst wurde, davon giebt ein Blick in die Bureaus der jetzt alle Werthpapiere in Geld verwan— delnden Assekuranzgesellschaften hinreichende Kunde. Maen siehi in jenen ganze Haufen won Hypocheken (Mortgages) und den Grundeigenthümern, welchen jene Gesell— chaften Geld geliehen haben, stehen Kündi— gne, Zwangsverkäufe und ähnliche höchst no*genehme Dinge für die nächste Zukunft Aussicht. Ohne Zweifel wird ein nicht u chbedentender Theil des Grundeigenthums in den Branddistrikt.zn in Folge des Unver— mögens der jetzgen Eigenthümer, ihre Hypo— thekarschulden zu zahlen, in andere Hände üibergehen. So schinerzlich das auch für Manche der jetzigen Eigenthümer sein wird, so wird dem Interefse der Gesammtheit da— durch doch gedient sein; weil dadurch die nö thige Grundlage, schuldenfreies Grund— eigenthum für die Thätigkleit einer oder mehrerer Aktien -Hypothelen Banken ge— schaffen wird und damit die Mittel zum so— liden Wiederaufbau der abgebrannten Stadt theile. Ehe wir an die vortrefflichen und sachgemäßen Auseinandersetzungen der N. Y. Handelszeitung anknüpfend die Aufgabe und Vortheile der Attien-Hypothelken-Banken er— örtern, wollen wir einen knrzen Blick auf das bis jetzt in Chicago übliche Verfahren bei Darlehen auf Grundbesitz werfen. 2u— nächst „ist der Darleiher in den meisten Fällen nicht in Chicago ansässig; er wohnt im Osten und bedient sich zur Anlage seines Capitals verschiedener Klassen von Vermittlern. Bald sind es Advokaten, bald Händler in Grundbesitz, bald Leute, die aus dem Unterbringen östlicher Capitalien ihr ausschließliches Geschäft machen. Sie sind den östlichen Capitialisten für Capital und Zinsen verantwortlich, siehaben sich nach dem Rechtstitel des betreffenden Grundstückes zu erkundigen und alle jene umständlichen Geschäfte zu besorgen, welche mit Darlehen auf Hypotheken, nacürlich erste Hypothek —verbunden sind. Sie zahlen dem ursprünglichen Darleiher 6 oder 7 Pro—- zent und lassen sich 9 bis 10 Prozent und oft noch mehr von dem Beliehenen geben. Trotz „dieser glänzenden „Commission“ von 2 bis 3 Prozent, welche die „Mittelmänner“ erhiel zen, war es nicht so leicht, Geld auf Grund—- wSesitz zu bekommen, namentlich nicht für klei— nere Grundbesitzer. Während die Erbauer &des Bigelow Hotels 3350,000 auf Hypothet leicht und zu relativ niedrigen Zinsen gelie— Ihen erhielten, mußten kleine Grundbesitzer loft wochenlang vergebens sich bemühen, um Aglittta zu ungewöhnlich hohen Zinsen Mur die Hälfte des gewünschten Capitals zu erlangen. Die Nachfrage nach Hypotheken—- Darlehen war größer als das Angebot, das ganze System weitläusig und kostspielig, der Zinsfuß zu hoch, die Termine (selten wurde auf länger als 5 Jahre ausgeliehen) zu kurz. Die gegenwärtige Aufgabe ist: Bermeh rung des Angebots, Verminderung der Ko— sten und des Zinsfußes, Verlängerung Zahlfrist, die Verwandelung einer Hypothet in einen jederzeit auf der Börse ohne irgend welche gerichtliche oder sonstige Weitläufig— keit in Geld umsetzbares Werthpapier, das wie irgend eine Cisenbahnaktie, nicht auf eine vbestimmte Person, jondern auf den Inhaber lautet. Es handelt sich um eine der wichtig— sten, im Interesse des Grundbesitzers in den ganzen Ver. Staaten durchzuführenden Maß—- regel, um die Mobilisirung des Real-Credits. Die Aktien Hypotheten Bank bewet kstelligt die oben angedeutete Verwandlung und ver—- schafft dem Grundbesitz ähnliche Vortheile, wie sie der Handeltreibende aus seinen Wech—- seln und anderen Werthpapieren zieht. Die Aktien-Hypotheken-Bank tritt an die Stelle jener „Mittelmänner,“ welche sich 2 bis 3 Proz. Commission berechnen, sie leiht dem Grundbesitzer Geld auf erste Hypothet bis zum Betrage von 315 des Zeitwerths des betreffenden Grundstückes, an sie hat er Zin sen und Capital zurückzuzahlen. Eine un— gemeine Vereinfachung des Geschäfts und da mit bedeutende Kostenersparung muß die Folge sein. Die Untersuchung der Rechts titel geschikht durch einen fest angestellten Anwalt der Bank, die Geldumsätze sind groß artig, also kann auch die Commission niedri ger gestellt werden. Den Capitalisten bietet die Aktien-Hypothelken-Bank eine außeror—- dentliche Bürgschaft. Das Capital der Bank, welches ans 1 bis 2 Mill. Doll. in der Regel besteht (in Deutschland giebt es eine Menge solcher Banken und in neuester Zeit ist eine in New Jersey und eine zweite n Nh hort in's Leben getreten) bildet die Extra-Bürgschaft für Rückzahlnng des von Capitalisten der Bank auf sogenannte Pfand briefe geliehenen Capitals sowie für püntt- Liche Zahlung der Zinsen. Hinter diesen Pfandbriefen steht das verpfändeie Grund—- eigenthum, die erste Hypothek, nur daß das betreffende Grundstück nicht speziell in dem Pfandbriefe erwähnt ist, sondern nur im Allgemeinen. Die Deckung durch Grund— stück-Hypothelken unter Garantie der Bant der Gesammtbetrag der Pfandbriefe darf die Summe der Hypothekenforderungen nicht übersteigen und in der Beziehung muß durch gute Controlle den d a inbedingte Garantie gegeben werden. Kommt zu dieser schon allein hinreichenden Bürgschaft, welche der Werth der Grund—-; stücke an und für sich darbietet, noch die im Tapital der Bank liegende Extrabürgschaft, so ist leicht zu sehen, daß solche e namentlich in Europa sehr gesucht sein ·werden. Ihre Sicherheit ist offenbar größer als die der meisten Eisenbahnschuldscheine, welche nur durch sehr hohe Geldzinsen in neuerer Zeit in Europa Abnehmer sich verschaffen konnten; es kann keine den Inhaber des Pfandbriefes gefährdende Entwerthung der hinter ihm stehenden Grundstückmasse exfol gen. da nur bis zu 355 des Werthes beliehen wird; er kann es jederzeit ohne Umstände verkaufen, die Zinsen werden ihm regelmäsiig gezahlt, und nach 10 oder 20 Jahren erfolgt die Rückzahlung des Capitals. Dabei macht die Bank auch noch ein gutes Geschäft. Während sie den ihre Pfandbriefe zum vol— len Nennwerth kaufenden Kapitalisten 7 Prozent zahlt, erhält sie von ihrem Hypothe— kar-Schuldner in Chicago 9 oder 10 Proz., eine Differenz, die enorme Summen ceprã sentirt, wenn man bedenkt, daß eine Bank mit 1 bis 2 Millionen Capital den 10 bis 20-Fachen Betrag an Pfandbriefen auf dem Geldmarkt unterbringen kann. In welcher Weise diese Vortheile einer Akttien-Hypothe— kenbank zur Lösung des Wiederaufbaupro— blems in Chicago am besten zu sichern find, darüber sind bereits Andeutungen früher ge— geben, deren weitere Ausführung wir uns für ein anderes Mal vorbehalten. Die Thätigkeit des allgemeinen Unterstützungs-Comites. Am 25. Oktober kamen 21 Carladungen für die Abgebrannten an. Davon enthielten 10 Kehlen, eine Kartoffeln und 10 Lebens— mittel, Kleidungsstücke und Waaren. Ge—- stern wurden 20,000 Brode in den verschiede nen Distrikten vertheilt. Bei dem Wohnungs-Comite sind 380 neue Gesuche um Häuser eingegangen und 457 ab—- geliesert. Im Ganzen liefen biesen bis jetzt 3824 Gesuche ein, und 2045 Hauser wurden abgeliefert. Die Bureaus oder Agenturen der Comites in den Unterdistrikten sind jett eingezogen und Gesuche um Häuser müssen von jetzt an ausschließlich in No. 409 Wesi- Washingtonstraße eingereicht werden. Was jetzt am meisten Noth thut, sind Oefen und Matratzen zur Ausstattung der neuen Häuser. Den von Auswärts an das Comite ge langten Nachfragen gegenüber bemerkt das Comite, daß keine Sendungen jetzt so nöthig sseien, als die von Bohnen, Kartoffeln und Zwiebeln. Diese Nahrungsmittel find zur. Berminderung von Krankheiten erforderlich. Farmer sollten sich vereinigen, um eine Car— ladung damit zu füllen. Strohbetten werden gleichfalls sehr verlangt. Unsere Freunde im Lande sind ersucht, davon so viele zu liefern, sals ße können. Das Bettzeug sollte von fstarkem Rtoff sein, und die Füllung aus rei—- nem Stroh oder Prairieheu bestehen. Wir haben jetzt für 40,000 Menschen Nahrung zu besorgen. Unsere Vorräthe an Gemüse find gering, ebenso sind nur noch wenig Decken da. Am 25. wurden 130 Fxeipässe für 259 Personen ausgestelll, von welchen 58 Män— ner, 102 Frauen und 99 Kinder waren. Die New York Central und die Michigan Son— thern Eisenbahn will die vom Comite ausge— stellten Freipässe bis zum 1. Rovember aner— kennen, d. h. gelten lassen. Die Sitzungen des Spezial-Unterstützungs- Comites finden jeden Morgen von 9 bis 12 Uhr in Standard Hall, Ecke von Michigan Av. und 13. Straße fstatt (Eingang von der 13. Straße aus). Gesuche um Specialun— terstützung müssen schriftlich an ein Mitglied des Comites eingereicht und von diesem dem Comite vorgelegt werden. Das Comit- oder Bureau besteht aus allen Geistlichen der 2 und aus je einem Vertreter jedes Un sterstützungsvereins und Loge, welche sich mit Vertretung der Abgebrannten beschäftigt. Insttuktionen für die be su chenden Aerzte. 1, Jeder besuchende Arzt errichtet eine Office in Verbindung mit dem Vertheilungsdepot seines Distrikts. 2, Er hat zu einer bestimmten Stunde Morgens und Abends die Office zu besuchen und die dort vom Vertheilungsdirektor des Distrikts hinterlassenen Anmeldungen von Kranken zu berücksichtigen. 3, Er hat sich mit einer Me dicinliste zu versehen, um denen, welche auf Unterstützung dieser Gesellschaft ein Recht yaben, die Medicin zu liefern. 4, Er hat unter jedem Recept, das er dem betreffenden Apotheker schickt, zu bemerken, daß das Re cept auf Rechnung der allgemeinen Unter stützungsgesellschaft geht und seinen Namen darunter zu schreiben. 5, Er hat täglich den ärztlichen Direkter des Distrikts über Namen, Alter und Nationalität jedes behandelten Kranken zu berichten, sowie den Namen der Krankheit, die Wirkung der Behandlung, die. Anzahl der ärztlichen Besuche ?c. Jeder ärzt se Direktor hat die direkte Heilung des ärztlichen Dienstes uad der Gesundheitsinte ressen seines Distrikts und wird für die ge streuliche Erfüllung der Arbeit als verant wortlich angeseheu. Er hat die besuchenden Aerzte für die Unterdistrikte anzuweijsen, sich von ihnen täglich Bericht erstatten zu lassen, dieselben zu einem dem Comite anzulegenden Wochenbericht zu verarbeiten, in Rothfällen Krantke selbft zu besuchen -c. Die Maschinerie der allgemeinen Unterstützungs-Gesellschast. Ein großer Theil der Klagen über Zurück setzung der Deutschen Seitens der Beamten der Chicago Relief und Aid Society rührt ohne Zweifel von der Unbekanntschaft der Deutschen mit der Maschinerie der Gesell schaft her. Es ist selbstverständlich, daß die Gesellschc.ft von den zu Unterstützenden die Erfüllung gewisser Bedingungen fordern muß, sowohl um Unwürdige zu verhindern, wirklich Nothleidenden das Brod vor dem Munde wegzuschnappen, als auch um lsich einen klaren Ueberblick über die Zahl und die Bedürfnisse der diesen Winter zu Unter renden zu verschaffen. Das Erste, was ein Unterstützung suchender Abgebrannter zu sthun hat, ist, sich in der Office seines Unter— stützungsdistrikts einschreiben zu lassen. Man sqreibe zu dem Ende seinen Namen mit eng—- lischen Buchstaben deutlich auf ein Stück Papier, gebe ferner an, aus wie viel Perso—- nen die Familie besteht und wie alt jedes Mitglied derselben ist, man schreibe dazu die Straße und Nummer der jetzigen Wohnung, sowie Straße und Nummer der vor dem ets innegehabten Wohnung. Mit die—- sem Zettel begebe man sich in die Office des betressenden Distrikts, welcher letztere leicht in sirgend einer Unterstützungs-Office oder in rr Aurora Turnhalle zu ermitteln ist. Der Name wird alsdann registrirt, und ein Be— samter der Gesellschaft besucht die Wohnung des Registrirten, um sich von der Bedürftig-- keit derselben zu überzeugen. Er hat sofort darüber an die Office Bericht zu erstatten. Fällt derselbe günstig aus, so erhält der be treffende Abgebrannte in der Office ein Ticket, sgegen dessen Borzeigung er regelmäßig Le bensmittel verabfolgt erhält. Diejenigen, welche außerdem Betten und Bettzeug, Klei der, Oefen, Kohlen -c. bedürfen, erhalten eine darauf lautende schriftliche Anweisung besonders ausgestellt. Es unterliegt keinem Zweifel, daß je ra— scher die Unterstützungsbedürftigen diesen Bedingungen nachkommen, desto rascher die Klagen über Zurücksetzung aufhören werden. Von Denen, welche bis jetzt fich um Unter— stützung gemeldet haben, besteht die ungeheure Mehrzahl aus Irländern, Deutschen, Skan— dinaviern und anderen in Europa geborenen Personen; die Zahl der Ameritaner in den Registern ist bis jetzt eine äußerst geringe, etwa s—lo Procent. Die HKleinkinderbewahranstalt. In der Anstalt an der Ecke von Franklin und Wisconsin Straße befanden sich zur Zeit des Feuers einige 70 Kinder, darunter ein Duhtend ganz kleiner. Als die Räumung des. Gebäudes unvermeidlich erschien, sah sich die Direktorin oder Matrone, Frau Holson, nach Gefährten um. Die Eigenthümer der N-S. Omnibuslinie wollten jedoch keinen einzigen Omnibus hergeben. Am Montag (9. Okt.) Morgens um 10 Uhr mußten die Kinder zu Fuß nach neuen Gebäude an Rord Hal— sted, nahe Bentre Straße, marschiren. Jedes Kind war mit Gegenständen beladen, je nach— dem es die Kräfte erlaubten. Mit Hilfe eines Wagens wurden 10 Fuhren Betten und Kleidungsstücken aus dem alten Gebäude in das neue gebracht und die Kinder legten sich ganz erschöpft zum Schlafen nieder, um balb darauf wieder durch die Furcht vor dem vor— rũckendenFeuer vertrieben zu werden. Die nach Clybourne Ave. Brücke führenden Straßen waren von einem Wirrwarr von Menschen, Pferden und Wagen or der an den Uebergang über die Beresina erinnerte, und in dies Getümmel mußten sich die Kinder hineinwagen. Auf der Brücke selbst mußten Fußgänger und Wagen ein und denselben Fahrweg benutzen, und daß in dem furcht baren Gedränge keines der Kinder zu Schaden kam, ist wahrhaft wunderbar. Am Dienstag Morgen um 2 Uhr wurde eine Kirche von den ermüdeten Kleinen bezogen, die hungrig, müde und naß waren. Die Nachbarn brach ten Brod und Milch, und bald waren die Kinder in tiefen Schlaf versunken. Frau Holson eilte nach dem Gebäude an Nord- Halsted Straße zurück und fand, daß fast alle Sachen, welche sie mit so großer Mühe am Tage gerettet, gestohlen waren. In eine Wolldecke gehüllt stationirte sie sich als Wache vor die Thüre. Bald darauf stiegen zwei Diebe über die Einzäunung und näherten sich dem Eingange auf der Rückseite des Ge— bäudes. Frau Holson drohte zu schießen (d. h. sie erhob in Wirklichkeit nur ihren Arm) und die Diebe flohen. So wurde durch ihren der Frau) Muth und Energie das Gebäude selbst wahrscheinlich gerettet. Die Südseite wird von Tag zu Tag mehr und mehr wieder eine Gegend „mit allen modernen Verbesser-- ungen.“ Ohne Gas und Wasser, mit strei fenden Polizisten, regulären und irregulären Soldaten, Bürgerwachtmannschaften und dergleichen fühlten die Bewohner sich ußerst unheimlich und blieben, nachdem sie in früher Dunkelheit die Talglichter angezündet, im dunklen Kämmerlein daheim. Tiefe Stille lag auf den Brandstätten, man ging nicht aus, weil man nicht allent halben angehalten werden wollte und na mentlich gewaltsame Verhaftung befürchtete. Die Wirthschaften müssen von 8 Uhr Abends an auch jetzt noch geschlossen bleiben. Dies trägt ganz besonders dazu bei, Ruhe uud Ordnung zu sichern. Jetzt ist der dathe bei Tage völlig unbehindert und die Stra—- henba)nwagen slauf n die ganze Nacht durch bis an die äußersten Enden der Geleise. Sctit einigen Tagen ist auch die ganze Süd—- seite mit reinem, klarem Seewasser versehen und man sieht allenthalben in der Wohn gegend Wäsche zum Trocknen aushängen. Die Gaswerke auf der Nordseite sind in gutem Zustande und haben jetzt einen Vor— rath von einer halben Million Fuß Gas: aber die Verbindungsröhren auf den Brand stätten können noch nicht erreicht werden, um die gesprungenen und offenen Stellen zu verstopfen. Die Hauptröhren, durch welche der Zufluß von der Nordseite kommen muß, liegen mitten durch die Brandstätte und auf jede Front von 26 Fuß muß eine Verbin— dungs- (service) Röhre aufgesucht, ausge graben und abgeschlossen werden. Dies wird hauptsächlich dadurch erschwert, daß unter den Trottoirs die Trümmer einge stürzter Mauern liegen und noch an vielen Stellen die daselbst aufgespeicherten Kohlen brennen. Die Beamten der Gasgesellschaft sagen, daß, wenn nach dem Feuer jeder Grundbesitzer vor der Front des Hauses den Schutt weggeräumt hätte, innerhalb zwei Tagen das Gas hätte veliefert werden kön len. Auch sind einige Hauptröhren wähtend des Feuers zersprungen, die jedoch schon parit find. Die Gas-Compagnie wird die Straßenlampen als Signal anzünden, so bald die Brenner in den Häusern zum Ge— brauch bereit sind. Vei dieser Gelegenheit erinnern wir an die verschiedenen Comite-Berichte im Stadtrath betreffs zweier neuen Gasgesellschaften, die um das Wegerecht auf der Süd- und West seite unter äußerst günstigen Bedingungen für dse Stadt einkamen. Jetzt koönnten sich die Bürger gegen das bisher stattgefun dene Gasmonopol vorsehen. Dachziegel. Hätte Chicago statt hölzerner Echatden oder Asphalt-Pappe-Dächern Dachziegel auf seinen Dächern gehabt, so hätte der Brand keine solche Ausdehnung gewinnen können. Die Schindeln sollten für die Zukuuft in Chicago eberso von Gesetzes wegen verboten werden, wie schon vor Jahren nicht allein in Städten, sondern auch auf dem Lande in Deutschland die Strohdächer verboten wur— den. Oie Ansicht, als seien Dachziegel zu! schwer für den hierzulande üblichen Dachstuhl und Unterbau, ist durchaus not in der Al gemeinheit richtig, welche man dafür in An sprnch nimmt, namentlich da es sich nicht um Anwendung der altmodigen hohlen und al-! lerdings ziemlich schweren Dachziegel handeln kann, sondern um Einführung der flachen, nur Zoll dicken sogenannten Zungenstei nen. Das Material zu Dachziegeln ist hier zulande ebensognt vorhanden, wie das zu Backsteinen, es ist nämlich ein und derselbe Lehm, aus denen beide gemacht werden Die! Kosten dieser Dachziegel würden voraussicht— lich die eines Schindeldaches nnr um ein Drittel übersteigen. Diese Mehrausgabe würde durch die geringere Feuerversicherungssätze in wer nigen Jahren schon eingebracht werden. Wir sind überzeugt, daß gerade jetzt die Anlage einer Dämpfziegelfabrik sich ausgezeichnet rentiren würde, namentlich unter“der Bor aussetzung, daß Scyindeldächer innerhalb gewisser Grenzen ganz verboten werden, und sodann in den weiteren, daß der Preis der Schindeln in Folge der ungeheuren Wald—- brände bedeutend erhöhen wird. Die Republic Insurance-Com— pany. Verschiedrne hiesige Feuerversicherungs- Gesellschaften, welche von den ungeheuren Verlusten zu Boden gebrückt werden, suchen sich dadurch zu retten, daß sie die Forderün gen der Gläubiger, d. h. der armen Abge—- brannten, für ein Butterbrxod aufzukaufen versuchen. Diese Gesellschaften möchten gerne ihr Geschäft fortsetzen, ohne in die Taschen der Aktionäre so tief zu greifen, als sie zu greifen berechtigt sind. Sie möchten einen ehrlichen Namen vor der Welt behalten, aber ihrem Geldbeutel nicht wehe thun. Dasselbe Spiel, sich auf Kosten der armen Leute zu entschädigen, die Folgen der Finanzkrisis von sich auf andere Schultern zu wälzen, trieben 1861 gewisse Illinois Papiergeldbanken. Als ihre Papiergelddollars zuletzt auf 60, 50 und 40 Cents herabgesunken waren, und die armen Leute froh waren, sie um irgend einen Preis loszuwerden, ließen jene Ban— ken selbst ihre eigenen Banknoten zu 40 Cts. -c. aufkaufen, zu deren Einlösung zum vol—- len Nennwerth sie verpflichtet waren. Jah— relang hatten sie von ihren Papiergeldmüh—- len die größten Vortheile gezogen, waren auf Kosten des Volkes reich geworden, und nun wo die Reihe, Schaden zu leiden, end— lich einmal an sie (die Beamten) kam, war—- fen sie dennoch auch diesen Schaden auf die Massen. Reiche Leute, welche die Banknoten in der Tasche behalten konnten, bis die Ge— schäfte der betreffenden Banken vom Staats guditor abgewickelt wurden, erhielten Dollar für Dollar, wo die armen Leute mit 40 Cts. per Dollar sich hatten abfinden lassen müssen. Dieselbe Spekulation auf die Noth der armen Abgebrannten zeigt sich jetzt in den Angeboten der Feuerverfiche rungs-Gesellschaften. So bietet die Republic Ins. Co. den Abge— brannten 25 Procent und gebraucht dabei den merkwürdigen Vorwand, die Abgebrannten gegen noch schlimmere Spekulanten und Geld haifische schützen zu wollen, welche ihnen (den Abgebrannten) noch viel weniger Procente bieten. Diese Beschuldigung Anderer erinnert an die Fabel vom Wolfe, welcher das Lamm anklagte, ihm das Wasser getrübt zu haben, obgleich das Lamm weiter unten am Flusse stand, als der Wolf. Die Spekulanten, wel—- che weniger als 25 Procent bieten, sind der Republic ein bequemes Schreckmittel, um die Lämmer, d. h. die Abgebrannten, für sich aus zubeuten, d. h. zur Annahme der 25 Procent zu bewegen. Die Gesellschaft kalkulirt so: die kleinen Leute, welche bei uns mit ʒIOOO oder S2OOO verfcchert sind, ier um jeden Preis Geld haben, um nur überhaupt etwas anzu— jfangen. Von anderer Seite haben sie kein Geld zu erwarten, die Bersicherung ist ihr einziger Nothanker, ·sie können nicht lange warten und den Ausgang von Klagen ab— warten, fie werden 25 Procent jetzt zuletzt lieber nehmen, als 901100 Procent nach län— gerer Zeit. Alles, was nöthig ist, um sie mürbe zu machen, ist Verbreitung von Furcht, daß sie sonst noch weniger oder gar nichts er halten. Nach diesem Plane wird jetzt operirt. Wir aber rathen den Versicherten, sich nicht ẽ Bockshorn jagen zu lassen, sondern auf besserer Zahlung als 25 Procent zu bestehen und gemeinschaftliche Maßregeln zu dem Ende zu ergreifen. Die Republic kann zahlen, wenn ihre Aktionäre die 80 Procent, welche sie auf ihre Aktien noch schuldig sind, einbezahlt haben werden. Gegen diese Einzahlung haben die reichen u Aktionäre natürlich eine entschiedene bneigung. Sie haben bisher auf ihre Aktien, auf welche sie nur 20 Proz. einge zahlt halten, gute Dividenden bekommen, sie hatten sich bereits der allerdings sehr ange—- nehmen Hoffnung hingegeben. die 80 Proz gar nicht direkt zu bezahlen, sondern mit den Dividenden allmählich zu decken und abzu— tragen, und jetzt sollen sie endlich einmal in ihre Tasche greifen und die Leute bezahlen, aus deren Taschen sie Jahrelang angenehme Dividenden bezogen. Das Kapital der Republic beträgt, ss, 440,000, d. h. wenn die 80 Proz. eingezahlt sind; jetzt sind allerdings nur $900,000 in Cassa, während die zu zahlenden Verluste $3,500,000 betragen. Falls die 80 Proz. von den Aktionären einbezahlt werden, können alle Verluste in Voll gezahlt werden und bleiben noch bei— nahe 2 Millionen, um das Geschäft in soli— dester Weise fortzusetzen. Schäbiges Benehmen New Orlean ser Dampfboot-Kapitäne. Der Vicksburg „Times“ vom letzten Donnerstag entnehmen wir folgenden. Auszug: „Die erste Parthie Chicagoer Abge—- brannter kam gestern per Eisenbahn auf der Reise nach Natchez hier an. Es war eine Anzahl Deutsche, denen der Dämon des Feuers ihr ganzes irdisches Besitzthum geraubt hatte. Sie waren mit folgenden Pässen versehen: Chicago, 13. Olt. 1861. Illinois Central R. R. Bitte, Rosby und Familie nach Cairo zu be—- fördern. Nothleidende von Chicago. (Gez.) Gen P. H. Sheridan, R.B. Mason, Mayor. Endossirt durch Fred L. Lake. 2 „Bitte, dieselben nach Ratchez zu be fördern.“ gZ.Johnson, Agt. „Bei ihrer Ankunft am Depot wurden sie von Capt. Du Shane empfangen, der sie nach dem Dampfer „Kattie“ be— gleitete und um deren Beförderung nach Natchez ersuchte. Die Offiziere erklär—- len, sie ekönnten dieselben nicht ohne Bezahlung des Passagegeldes mitneh men. Sie begaben sich dann nach dem Dampfer Natchez, wo ihnen Capt. Tom Leathers rundheraus sagte, er würde kein solch verd Vieh (A—d eattle) an Bord nehmen, wenn nicht die Pas sage bezahlt würde. Die Leute stellten ihm ihre traurige Lage vor und baten nur um Deckpassage. Leathers ant wortete jedoch, er habe keine Sympathie für sie, und werde Chicago Volk nur befördern, wenn dafür bezahlt würde. Außer der Verweigerung der Passage gebrauchte er noch die verächtlichsten Ausdrücke gegen die Chicagoer und das nördliche Volk überhaupt. „Niedergeschlagen und mit orinen in den Augen über die ihnen widerfah rene ungastliche und unmenschliche Be— handlung verfolgten die Unglücklichen ihren Weg weiter nach dem Dampfer FrankPargoud, dessen edelmthi— ger Kapitän Tobin sie auf's freund— lichste aufnahm und ihnen die besten Cajüten einräumte.“ Ein Freund in Vicksburg, dem wir obige Nachricht verdanken, schreibt unter anderm über diese Angelegenheit: „Es wäre gut, wenn Sie den Artikel in Ihrem weitverbreiteten Blatte copirten, damit die großen deutschen Geschäfts— leute in New Orleans erfahren, welche Meinung Leute von ihnen haben, die hfast ihre ganze Existenz der Patronage der Deutschen verdanken. Wir in Vicks burg werden das unsrige thun, es den Dampfern „Kattie“ und „Natchez“ entgelten zu lassen, ebenso werden wir Alles aufbieten, dem edlen Kapitän Tobin von der „Pargoud“ uns in jeder Weise dankbar zu zeigen.“ Das Benehmen dieser beiden Kapitäne wirft ein sehr schlechtes Licht auf den so viel gepriesenen Wohlthätigkeitssinn der New Orleanser, und wir haben bis zum Hheutigen Tage eine solche Handlungs weise eines südlichen Kapitäns armen Abgebrannten gegenüber gar nicht für möglich gehalten. Die Rettung der Grundbücher aus dem Larmon Block. Die „fezrerfesten“ Gewölbe imCourt— hause, in welchen die officiellen Grund bücher im Cook County gegen alle Feuersgefahr sicher geglaubt wurden, haben das Feuer so wenig abgehalten, wie die noch leichtsinniger construirten im Zoll- uud Postamtsgebäude. Der Verlust der officiellen Grundbücher würde namenlose Verwirrung zur Folge haben, wenn es nicht glücklicherweise verschiedene nicht-officielle, aber nicht weniger serupulös geführte Grundbü— de gegeben hätte, von denen ein sehr bedeutender Theil aus dem Feuer geret— tet wurde. Es find drei sogenannte Abstrakte', d. —VBesitziitel von Grundstücken untersuchenden Firmen, nämlich Shortall u. Hoard, Chase Bro thers u. Co., und Jonrs u. Sellers, welche einen Theil ihrer Bücher mit lgroßer Mühe in Sicherheit brachten. Genug ist gerettet, um mit Hülfe geeig neter Gesetzgebung festzustellen, welches dieEigenthümer der verschiedenen Grun dstücke in Chicago und Cook Counth sind. Unter den Umständen verdient die au— ßerordentliche Energie, welthe Herr Shortall in der Nacht vom B—9 Oktober entwickelte, lobende Erwähnung und seine Schilderung der Brandscene ist ein werthvol—- ler Beitrag zu dem immer noch nicht in sei ner ganzen Größe gemalten: Gesammtbilde. John G, Shortall befand fich an dem schreck— lichen Sonnlage (8. October) in seinerWoh—- nung No. 852 Prairie Avenue und stand im Begriff zu Bett zu gehen als er den Schein Feuers auf der Wefiseite bemerkte. Ob gleich das Feuer die Office im Larmon Block (Ecke Washington- und Clarkstraße), durch aus nicht zu bedrohen schien, trieb doch eine unerklärliche Besorgniß den Manu aus dem Hause und nach der Weftseite hinüber. Mit einem Freunde beobachtete er auf der Van— Burenstraßenbrücke etwa 1!g Stunden lang den Fortschritt des Feuers an Canalstraße von Block zu Block bis Adamsftraße. So wenig schien ihm damals die Südseite be droht, daß er mehrere Male daran dachte, nach Hause zu gehen. Gegen halb 13 oder 12 Uhr, als noch wenigfstens eine halbe Meile auf der Westseite an Canalstraße vom Feuer noch unberührt war, bemerkte er plötzlich ein neues Feuer, das ihm in der Gegend von Süd-Wasser und Süd-Wellsftraße, zu bren—- nen schien. Sofort eilte nun Shortall nach seiner Office im Larmon Block. Brennende Holzscheiter flogen bereits auf die Dächer, Schilder und Marquisen (awnings) des Blockes. Shortall versuchte die letzteren ab— zureißen, mußte fich jedoch damit begnügen, sie dicht an die Mauer zu drücken, so daß die brennenden Hozstücke zu Boden fielen. Selbst damals hielt er den Block noch nicht für ge sahrlio. E. beauftragte die im obern Theil des Gebäudes befindlichen Leute, mit Eimern rot Wafser, die auf das Dach fallenden Funken -c. auszulöschen. Eine halbe Stunde später (wahrscheinlich gegen halb 1 Uhr) wurde Shortall um die Sicherheit des Blocks besorgt und sah sich nach einem Expreßwagen um. Er bot 15 verschiedenen Fuhrleuten irgendwelche Bezah huing an, wenn sie ihm seine Bücher fortschaff ten. Sieben versprachen vorzufahren, sobald fie ihre Ladung abgeliefert, aber Keiner hielt Wort. Zuletzt als die Kuppel des Courthau—- ses in Brand gerieth, wurde die Beschaffung eines Expreßwagens absolut nothwendig, wenn üüberhaupt noch Etwas gerettet werden sollte. Eiu Freund Shortall's zwang einen auf Clarkstraße vorbeifahrenden Expreßtrei ber mit einem Revolver zum Dienst. Mit Hülfe der in der Off&e beschäftigten Schreiber wurden diese unendlich wichtigen Bücher auf der nach Washingtonstraße führenden Treppe hinabgetragen. Als der Expreßwagen gefüllt iwar, war noch nicht der vierte Theil der Bü— cher herunter. Da erschien Hülfe in der Noth in der Gestalt eines großen zweispännigen Fachtwagens, den Joe Stockton, ein Freund Shortall's, aufgetrieben. Die Bücher, welche sich anf dem Expreßwagen befanden, wurden auf den weit größern gepackt und der Expreß treiber mit 5 für fünf Minuten entla sfen. Die Flammen tobten mittlerweile ringsum— her. Sechs Mann trugen die Bücher so 37 sie konnten die Treppe hinunter und Shortall staute sie auf dem Wagen möglichst vortheil haft auf. Es mochte etwa 2 Uhr sein, die Zeit, um welche die große Glocke des Court— hauses stürzte, ein Ereigniß, das Shortall in feiner Aufregung nicht einmal bemerkte. Alle Register (Inä ces) von Landverkäufen bis auf die neueste Zeit waren auf dem Wagen, als die Nachricht, Nixon's neues Gebäude, Ecke von Mönroe- und Lasalle, werde in die Luft gesprengt werden, furchtbare Aufregung unter den äuf Washingtonstraße sich drän— genden Massen hervporrief, welche sich mit Ge schrei und Warnungsrufen wie wahnfinnig näch dem See zu stürzten. Der Treiber, wel cher mit in die Luft zü fliegen fürchtete, fuhr B—lo Mal eine kleine Strecke vorwärts und wurde ebenso oft von Shortall zurückgehal ten. Langsam erreichte der Wagen mit seiner j kostbaren Last die Ecke von Dearborn— und Washingtonstraße. Glühende Stücke sielen sanien auf die Bücher, um sofort von Shortall abgelesen und auf die Straße ge worfen zu werden. Buck u. Raynor's Apotheke stand in Kam men, als die letten Papiere aus Shortall's Office getragen wurden Das Courthaus war ein Flammenmeer, der Larmon vloe selbst brannte nnd andere Gebäude in unmt telbarer Nähe waren garz zerstört. Um drë Uhr wurde die Wohnung Shortall's an Prai rie Avenue erreicht und die Bücher in Sicher heit gebracht. Nachdem Shoriall sich ünd seine zwei Gefährten mit Erfrischungen ge— stärkt hatte, brach er wieder nach der Brand stätte auf, um Anderen zu helfen. Hilfs- und Unterstützungs— Comiteen. R. B. Mason, H. W. King, N.S. Bouton, John B. Farwell u. M Field bilden ein neues Comite, um den bestehenden Unterstützungsgesellschaften Gelder, Lebensmittel, Kleider -c., zu beschaffen. Das Versorgungs- (Supply) Comite hat bereits Nahrung&nittel für Baar—- geld kaufen müssen, Matratzen, Bettzeug, Oefen und Kohlen werden viel verlangt. Kieidungsstücke sind genug vorräthig. Das Comite zur Vertheilung von Nahrungsmittelu, Brennmaterial und Kleidungsstücken berichtet: 1. Distrikt, Robert Collyer; Beför—- derung und Vorräthe in gutem Zustand und fast jede Familie im ganzen Disriet befucht. 2. Distrikt, Rockwell; über 3000 Fa milien sind besucht und verzeichnet wor den. 3. Distrikt, Gen. Man; kein Einzel bericht bisher. 4. Distrikt, Prosser; die Arbeit screi— tet rüstig fort. 5. Distrikt, Hill; die 3 Unterdistrikte werden gut versehen. Herr Rockwellist von heute an assi stirender General-Superintendent. G M Pullman, Vorsteher des Comites für Beförderung, stellte Samstag 133 freie Bahnbillets für 276 Personen aus. Seit dem 16. October ktis einschließlich 21. Okt. wurden 1990 Bahnbillets für dis Männer, 1822 Frauen und 1733 Kinder Gusammen 4470) ausgestellt. In wenigen Tagen wird wohl dieser Rassenadtu aufhören. Dr. Johnson, Vorsitzer des Sanitäts- Comites, berichtet, daß Aerzte zu jeder Tageszeit hilfsbedürftigen Kranken bei— stehen, und daß in der Klinik die Medi— camente unentgeldlich zu haben sind. Spitalraum ist hinreichens. In den aufgeschlagenen Hütten sollten möglichfst bald Oefen und Betten aufgestellt und dadurch Krankheit verhindert werden. Der Gesundheitszustand ist unter den Umständen sehr gut. Das Beschäftigungs-Comite (409 West Washingtonstraße) hat 386 Personen als Arbeiter und Handwerker unterge bracht und hat Bestellungen sür 500 Ar— beiter und 50 Schreiner in Chicago, so wie sür Handwerker aller Art füür's Land. Näheres über das Schicsal des Dampfers Coburn. Wir berichteten vor einigen Tagen, daß der prächtige Dampfer Cobürn, welcher vor Kurzem längere Zeit in der hiesigen Werfte lag, vermißt werde. Leider hat sich inzwischen die Vermu— thung, daß denselten ein schreckliches Schicksal ereilt, bestätigt. Es wurden nämlich in der Mackinaw-Bucht zwei zu demselben getörige Reitungeboote an's Land geschwemmt, wovon das eiue leer war und das andere die Leiche eines Farbigen und eines Knaben enthielt. Sofort wurd· n mehrere Boote ausge rüstet, um weitere Nachforschungen über das Schicksal des Dampfers anzu— stellen, und es gelang denselben, zwei Rettungsboote, in denen fich meh— rere Personen befanden, zu retten. Bon dem fünften Rettungsboote des Dampfers entdecklie man später die Trümmer. Das Wrack des Oampfers selbst konnte noch nicht aitesunden werden. Die ganze aus zwölf Pr— sonen bestehende Mannschaft nnd etwa zehn Passagiere (die genaue Zahl ließ lsich noch nicht feststellen) haben in den Wellen ihr Grab gefunden. Unter den Verunglückten befinden fich: Capt. Gil— bert Demont; ein Indianer-Agent, Na— mens Smith nebst Frau, Mayor At— wood, Frau Thomas Holton und eine Malerin Namens Marie Mann von Cincinnati und ein Fxränlein Helene Palmer von Toledo. unfälle zur See. Der Schooner E. R. Blake ging nebst Mannschaft zu Grunde. Der Prahm Gerome war in höchster Gefahr, als der Kapitän eine Flasche über Bord warf, in welche er einen Zet—- tel gestopft hatte, worauf er seine Lage beschrieben. Die Flasche wurde gefun—- den und das Schiff gerettet. Die Barke T. C. King ist in der Nähe von Buffalo untergegangen. Alle an Bord Befind— lichen ertranken. Der Dreimaster „Fairchilds“, mehreren hiesigen Firmen zugehörig, ist im Huron See unterge— gangen. Die Great Western Insurance Co. von Chicago gibt ihren Colleginnen ein vortrefs liches Beispiel, sie will nämlich alle Verbuste ohne Abzug Dollar für Dollar bezahlen: Die Gesellschaft verlor durch taz Feuer $227,900 Die Aktiva der Gesellschaft betragen gegen wärtig ß 333,232. Um diese Summe (in Bonds und Hypotheken bestehend) nicht an—- greifen zu müssen, haben die Aktionäre 20 Procent einzahlen müssen (das Actienkapital beträgt s 1,188,000) also $237,000. Die Gesellschast, welche so vollständig ihre Ver— pflichtuugen erfüllt, wird durch die Zun ahme ihrer Geschäfte für das augenblickliche Opfrr reichlich entschädigt werden.