e Stadt Chicago: Dringende Bitte. An alle unsere Abonnenten im Lande ergeht die dringende Bitte, uns ohne weitere Aufforderung alle Rückstände einzusenden. In einer Zeit, wie die jetzige, trauen wir Niemanden, trauen wir wenigstens keinem Deutschen Herzlosigkeit zu, daß er sich seinen Ver— pflichtungen gegen uns entziehen wird, wenn er die Mittel hat, ihnen nachzu—- kommen. Jeder frühere Lejser der Staatszeitung, der in ihr eine treue Vertreterin seiner eigenen Gesinnungen gefunden hat, hat jetzt die moralische Pflicht, an ihrem Wiederaufbau mitzu— helfen. Wir fürchten nicht uns dem Vorwurfe der Prahlerei auszusetzen, wenn wir sagen, daß die Erhaltung ei— ner großen täglichen deutschen Zeitung in Chicago, wie es die 111. Staatsztg. bis zum Brande gewesen, im Interesse der gesammten deutschen Bevölkerung des Nordwestens liegt. In dieser Ue— berzeugung fordern wir alle Deutschen zur Mitwirkung an dem Wiederauf—- dau der Zeitung auf. Die Vanklen in Chicago hielten gestern, Sonntag, Abend, eine Ver— sammlung, um mit dem Comptroller der Pa piergeld-Circulation, Herrn Hulburt zu con—- feriren. Herr Covin Pearce, Präs. der 3. National bank, war Vorsitzer und Herr Henry Green—- baum, von der deutschen Nationalbank, Se— kretär. Man vergewisserte sich, daß sämmt—- liche Banken vollständig zahlungsfähig seien und sofort wieder mit dem Geschäfte begin nen könnten und daß Alles, was einige Ban— ken verlangen, ist, daß man ihnen den nöthi— gen Aufschub gewähre, um ihre Sachen aus den Ruinen nach den neuen Geschäftsplätzen zn schafsen und ihre Bücher -c. zu arrangiren. Oer frühere Beschluß, 15 Procent baar zu bezahlen, wurde einstimmig widerrufen und folgender Beschlusß nach reifleicher Erwä— gung einstimmig angenommen. Da die Bücher und Schatzbestände aller Nationalbanken in der Stadt, deren Sicher— heit bei Annahme des Beschlusses am 12. d. einigermaßen ungewiß war, unversehrt be funden worden sind, und da wir uns nach sorgfältiger Prüfung unserer Aktivbestände seitdem überzeugt haben, daß wir nicht allein vollkommen zahlungsfähig sondern auch im Stande sind unser Geschäfte, wie gewöhnlich, ohne Verzug wieder aufzunehmen, so sei es beschlossen, daß alle Nationalbanken dieser Stadt am 17. d. M. um 10 Uhr Morgens an ihren zeitweiligen Geschäftsplätzen für Publikum geöffnet sein werden. Herrr Hulburt, als Comptroller der Pa— piergeld-Circulation macht unter seiner Na— mensunterschrist dieses hiermit dem Publi—- kum bekannt. Die Wiedereröffnung der Bantken. Nach neuntägiger Pause find die Thüren der Banken wieder geössnet und die zweite Feuerprobe von ihnen und zwar ebenso glücklich, wie die Bank Gewölbe und Bank-Safes die erste und furchtbare des wirklichen Feuers, bestanden. Eine Zeit lang sah man mit einer bedeutenden Span—- nung einem möglichen Andrange des Publi— kums entgegen; aber der Andrang kam nicht, das Vertrauen auf die Zahlungs— fähigkeit der Banken zeigte fich glänzend und statt an Geldvorrath einzubüßen, hatten ver schiedene Nationalbanken am Nachmittag mehr an Einlagen gewonnen, als sie durch Auszahlungen während des Tages verloren. So bezahlte die dritte Nationalbank SIOO,- 000 aus und nahm $402,000 an Depositen ein. Kühnheit hat sich als die beste Politik be währt, und die Aufhebung des in einem Au—- genblick der Zaghaftigkeit angenommenen Beschlusses, nur 15 Procent der Depossten anfangs zu bezahlen, war ebenso der Stell— ung und der Festigkeit der Chicagoer Ban—- kiers angemessen als zuträglich. Auch bei den Sparbanken zeigte sich keine Unruhe, obgleich dieselben nicht wie die Na tional und anderen Banken ahne Rückhalt auszahlen, sondern nur je g2O an jeden Deponenten. In der State Savings In stitution sah man nur wenige Leute sich ihr Geld holen, und die neuen Beträge, welche deponirt wurden, waren fast ebenso groß wie die der herausgezogenen Gelder. Wasserwerke. „Das Beste ist Wafser.“ Dieser tieffinnige Ausspruch Pindera's wird jetzt, wo es an Wafser fehlt, zum erften Male vollständig in Chicago begriffen und gewürdigt. Chicago wird erst ruhig schlafen, wenn es seine große Dampfpumpmaschine in den Wasserwerken wieder im Gange weiß. Es ist dann end— lich Aussicht vorhanden, daß die „wasser— lose, die schreckliche Zeit“ fich ihrem Ende naht und damit der Edreaen, welcher noch immer die Gemüther gefangen und die nächt lichen Patrouillen in Bewegung hält. Die größte der drei Dampfpumpmaschinen ist, wie sich nach angestrengten Tag- und Nacht arbeiten von 300 Arbeitern herausgestellt hat, so wenig beschädigt, daß sie rasch repa rirt wecden kann. Es ist wahrscheinlich. daß sie bereits iu einigen Tagen arbeiten und 18 Millionen Gallonen per Tag liefern wird, genug, um die gegenwärtige Stadt mit Wasser wie frũüher zu versorgen. Direkte Verbindung wird mit der Südseite mittelst der 24zölligen Röhre auf der Statestraße her gestellt; während die große Hauptröhre an Chicago Avenue, welche durch den Tunñel im Nordarme nach der Westseite läuft, die West—- eite versorgen wird. Oer nicht abgebrannte Theil der Nordseite wird durch die Haupt röhre auf Nord Clarkstraße versorgt werden. Vor der Hand pumpen Lokomotiven und Feuerspritzen das Wasser nach wie vor in die Wasserröhren am Flusse. Außerdem wird das Wasser aus den artesischen Brun—- nen bei der Northwestern Distillerie und im Lincoln Park in die Wasserröhre geleitet, die zusammen etwa 1,350,000 Gallonen täg— lich liefern. „Feuerfeste Gewölbe.“ Daß sogenannte feuerfeste Gewölbe nichts weniger als feuerfest sind und daß nament— lich bei der Errichtung öffentlicher Gebäude in e don Feuerfestigkeit der größte Hum— bug getrteben wird, beweist das vollständige Fiasko der angeblich feuerfesten Gewölbe im hiesigen Zoll- und Postamtsgebäude. Das Gewölbe, welches zum Aufnehmen der Gel— der des hiesigen Ünterschatz- und Zollamts diente, war auf das zweite Stock gebaut und ruhte auf zwei eisernen Pfeilern im Unterge— schoß, welche aber durch starkes Eisen ver— bünden waren. Auf dies Fundament war das feuerfeste Gewölbe gebaut, und in dem— selben befanden sich zur Zeit des Feuers im Ganzen $2,180,000; wovon $300.000 sich in Specie befanden. Sobald das Feuer das Gebäude ergriffen hatte, schmolzen die eiser nen Säulen wie Biei und das schwere Ge— wölhe stürzte ins Untergeschoß herab, und $1,800,000 in Papiergeld wurde zu Asche verbranut. Die Goldmünzen im Betrage von $225,000 verwandelten sich in Gold—- klumpen, von welchem man bereits 516 aus den Ruinen zusammengescharrt hat. Die angeblich feuerfesten Gewölbe des Postamtes stellten sich als noch kläglicher heraus. Die Hesper der schweren Thüren, welche das Ge—- wölbe gegen das Fener schützen sollten, wa— ren nur an einem einzigen Backstein befestigt. Als die Hitze die Mauern ausdehnte, fielen die Thüren in Folge ihrer Schwere heraus und jede Hespe nahm den einzelnen Backstein mit, an den sie festgemacht war, während die Mauer sonst feststehen blieb. Ratürlich gin gen alle Papiere verloren. Die Bundesre gierung wird ohne Zweifel alle ähnlichen Bauten einer gründlichen Untersuchung un—- terziehen. Tausende von Fremden durchwanderten am 11. Oktober die unge— heure Trauerstätte Chicago's, um einen An— blick zu genießen, von welchem sie noch ihren Kindeskindern als von Elend erzäzlen kön— nen, das in unserm Jahrhundert noch kein menschliches Auge gesehen, keine menschliche Einbildungskraft sich vorgestellt hat. Die Fremden waren leicht an ihren neugierigen Mienen, Handgepäck, auch wohl an Lebens—- mittelkörben zu erkennen, mit welchen sie sich hie und da auf Steinstufen niederließen, um sich von der Anstrengung des Spazierganges durch die schattenlosen, von der warmen Ok—- tobersonne beschienenen Straßen zu erholen. Das erste Haus. In all' das Trübsal des 10. October sfiel wie ein heller Lichtstrahl der Anblick des er sten Hauses, welches unter den rüstigen Hän den deutscher Arbeiter auf der Nordseite ent— stand. Die Clybourne: Avenue hat sich die Ehre erworben, die „Bannerstraße“ der neu erstehenden Nordseite zu sein. In der Nähe des Zusammenstoßes der Clybourne-Apenüe und der Larabeestraße, steht die aus blaunken Brettern zusammengeschlagene Hütte klein aber niedlich und ein lautes Zeugniß dafür, daß auch in dem Deutschen der Ueberlegungs geist eine Stätte gefunden hat. Gestern Abend wurde das kleine Haus bezogen. Die Bundesbehörden hielten am 11. October eine Bersamn lung in Congreß-Hall, um sich darüber zu bera then, wo sie sich am besten etabliren könnten. Vom Richter Blodgett ward die Uebersied-- lung nach der Westseite vorgeschlagen, woge— geu der zufällig anwesende Herr Hitchcock und der Senator Logan heftig eiferten, weil in einem solchen Schritte die Erklärung zu liüigen scheine, als ob der Bund am Wieder aufkommen dar Südseite verzweifle. Eine solche Erklärung aber würde dem Credit der Stadt einen schweren Shlag versetzen. Blakely von der EveningPost fand sich dnrch einige Anzüglichkeiten des Senators Logans beleidigt und rechtfertigte die zeitweilige Ue— bersiedelung der Zeitungen und Banken nach der Westseite. —Auf Antrag Hams ward zu letzt beschlossen, die Bundesregierung zum Ankauf des einzige n auf der Brandstätte östlsch vom Flusse stehen gebliebenen Hauses (das von Nixon, in Monroe-, naheLasalle- Straße) zu veranlassen und inzwischen Con—- greß-Hall als Sitz der Bundesbehörden anzu— nehmen. Der Wiederaufbanun. Der Orake- und Farewell-Block wird sofort wieder in Angriff genommen werd-n und sich eleganter als früher an der Ecke von Wabash Avenue und Washingtonstraße erhe— ben. Otis Block, an La Salle-Straße wird so— fort in Kontrakt gegeben. Kendall's Ge— bäude, an der Südwestecke von Dearborn— und Washingtonstraße, dessen Grundmauern vor dem Feuer gelegt waren, wird so rasch als möglich seiner Bollendung entgegenge führt werden. Die Handelsbörse, Ecke Lasalle- und Wash—- ingtonstraße, wird nächsten Montag in An—- griff genommen. Die State Savings-Institution hat be— reits die zum Wiederaufbau ihres Gebäudes nöthigen Backsteine in Kontrakt gegeben. Die Union National Bank wind gleichfalls in's Geschirr geh n und denlt ihr Gebäude bis Frühjahr errichten zu knnen. Biele an dere Firmen sind von ähnlichen energischen Wiederbauabsichten beseelt. Allen Eigenthümern von Grundstüücken in den Branddistrikten ist erlaubk, darauf pro visorische Holzgebäude, ein Stockwerk hoch, aufzuführen. Man wende sich um Erlanb— nißscheine an den Baurath in 864 West- Randolphstraße. Feuer. In der Office der „Staatszeitung“ brach am Samstag Abend um 73g Uhr, nachdem dieselbe schon geschlossen war, auf unerklär— liche Weise Feuer aus. Oer gerade vorüber gehende Setzer der Staatszeitung, Adglph Ungar, schlug mit Hilfe einiger Vorüberge— henden die Thüre ein und dämptte das Feuer bald. Die aus der eisernen Geldspinde ge nommenen verkohlten Papiere, von denen wir einige noch entziffecn zu können hofsten, wurden dadurch vollkommen vernichtet. Gen.-Lieutenant P. H. Sheridan sagt in einer Meldung an Mayor Majon, daß seit der großen Feuersbranit kein einzi gerFal v. Brandstiftung, Schlä gerei, Hängen und Schießen vor— gekommen ist und daß die Bevölkerung ihre Leiden und Berluste gelassen trägt. (Alle Tauschblätter sind besonders gebeien, hiervon Notiz zu nehmen. Alle in die Welt hinaus— telegraphirten Berichie von lynchrechtlichen Gewaltthaten, die hier stattgefunden haben sollen, sind unwahr.) Alblerlei. Zehntausend Dollars hat ein Kauf—- mann in Altona (Schleswig-Holstein) für die Nothleidenden in Chicago hergegeben. —Bslooo von der Philadelphia Musical Union sind an den Chicagoer Musiker- Verein angekommen und an die abge brannten Musiker vertheilt worden. Hooley, der Eigenthümer des Hooley schen o ner did de ha alles verloren. Kurze Zeit vor dem Brande vermiethete er sein Haus auf fünf Jahre zu $21,0060 per Jahr. Mit diesem Einkommen wollte er sich vom Geschäftsleben zurückzie— hen und wieder zu seiner Familie im Osten zurückkehren, als das Feuer das Resultat zweiundzwanzigjähriger Arbeit zerstörte. Für das jetzt öde Grundstück wurden Herrn Hoo—- ley liberale Preise angeboten. Er hat sie aber audgeschlagen u. will selbst an dem Wie— deraufbau Chicagos durch Errichtung eines neuen Theaters theilnehmen. Grundbesitzer halten feste Preise für Baustellen alienthalben. Potter Palmer vermiethet Nichts von seinem Grundbesitz; er wird sein neues Hotel zweistöckig bauen und bedeckea, nämlich für temporären Gebrauch diesen Winter. Honore wird sofort seinen Block an Monroe- und Dearborn-Straße wieder aufbauen. Die Couch-Erben bauen Läden, wo früher das Tremont-Haus stand. Vincent beginnt sofort den Na— tional-Elevator zu bauen. An Michi— gan und Wabash Avenue bis Congreß—- Straße werden an der Stelle der abge—- brannten Wohnhäuser Geschäftsplätze errichtet. 20,000 Arbeiter sind an der Wegräumung des Schutts und der Rui nen und mit Neubauten beschäftigt. In einer Anzeige in einer andern Spalte wird ein Bauplatz in der Nord-Dear—- bornstraße als höchst billig für 8225 per Frontfuß ausgeboten. Das sieht nicht wie Entmuthigung aus. Oas verbrannte Getreide. Ein Comite der Eigenthümer des Getreides in den „Elevators“ ist beschäftigt, den Wei— zen zu retten, welcher übrig geblieben ih. Das Getreide brennt noch immer, doch sind die Oampfspritzen dabei, das Feuer zu loschen und soll dasselbe hernach verkauft werden, wie es am besten möglich ist. Folgendes ist die Statistik Derje— nigen, welche durch die Feuersbrunst ihrer Heimstätten beraubt worden sind: Erste Ward 8, 103 Zweite Dritte 3, 500 Sechszehnte 8, 3880 S— 18,814 Achtzehnte Neunzehnte 9,287 Zwanzigste 96,810 Westseite (ungefähr) 2,500 99,310 Die dritte und die sechszehnte Ward wurden bekanntlich nur theilweise, alle anderen vorerwähnten jedoch gänzlich zerstört. Oie Great Western Band besteht aus 20 Mitgliedern, von denen 19 total ab—- gebrannt sind. Nur Herr Beyer, der auf der Südseite wohnt, entkam. Die Gesell schaft wird morgen Chicago verlassen, um eine längere Concertreise anzutreten und sich zuerst nach Pittsburg wenden. Am Montag wurde das Gewölbe im Lombard Block geöfsnet, in welchem der Bundessteuer Einnehmer für ungefähr 3750,000 Steuerstempel liegen hatte, mit denen er, als mit einer Privatschuld, belastet war, so daß er und seine Bürgen dreimal hätten ausverkauft werden müssen, um die Schuld zu decken. Die Stempel waren noch kenntlich so daß der Bundessteuerein nehmer und seine Bürgen wenigstens nicht Jahrelang beim Congreß petitioniren müsse, um von drei Viertel Million Schulden ent lastet zu werden. berichtet das Kabel zu unserer großen Freude hat die Kaufmannschaft Listen zur Subscrip— tion für die Verunglückten in Chicago auf gelegt. Unsere Freude wird noch viel grö ßer sein, wenn der Telegraph von Chicago berichten wird, daß aus jeder der beiden deutschen Städte $50,000 eingetroffen sind. In beiden Städten wohnen Millionäre ge— nug, die einen großen Theil ihres Bermö gens im amerikanischen Handel gemacht ha ben. In allen Städten Deutschlands wim melt es von Leuten, die in den Verelnigten Siaaten oder, die doch durch den Verkehr mit. den Ver. Staaten reich geworden sind. Sie könnten ein hübsches Stück Geld schicken, ohne ihren Armen daheim und ohne sich an ihren eigenen Lebenssreuden den ge— rinzsien Abbruch zu thun. Die Cincinnati Turngemeinde hat füür die Nothleidenden in Chicago die Summe von SIOOO ausgesetzt; die Lincoln Loge No. 17 Knights of Pythias $260; die Northwestern Loge No. 206 I. 0.0. F. $200; die Schüler des Chickerings Insti tuts haben $l5O gesammelt, die Oddfellows $3, 800. Schieferdãcher haben sich während der Feuersbrunst ausgezeichnet bewährt. Ecla—- tante Beispiele hiervon liefern: der Elevator an der Adamsstraßen-Brücke, die Methodi stenkirche an der Ecke der Wabash-Avenue und Congreßstraße und das in der Nähe be— findliche Hotel. Die Gebäude sind unbe— schädigt, obgleich sie ringsum von den Flam men umtobt wurden. Grundbesitzer von Michigan Ave. zwischen Randolphstr. und Park Row oersammelten sich in Thomas Hoynes Wohnung und beriethen über die Zweck mäßigkeit des Verkaufs der See-Front von drei Blocks zwischen Randolph und Monroe Str. und Michigan Ave und dem See für 8800, 000 Behufs Errich— iung eines Central Pasjagedepots. Nächsten Montag wollen diese Herren sich auf einen Bericht an den Stadtrath einigen. Auf dem Schutthaufen des früheren MeVickers Theater liest man auf einem bort als Schild aufgesteckten Brett: „Wegen Re— paraturen vorläufig geschlossen. Elner Kabeldepesche zufolge hat der Kronprinz von Deutschland, „Unser Frit“ fünfhnndert Thaler für Chicago ge— geben. —ln der Baptisten-Kirche an Wa— bash Ave. werden alle zehn Minuten 47 Personen gespeist, welches bei elf— stündiger Thätigkeit per Tag den Hun— ger von drei ausend einhundert und zwei Personen täglich gestillt hat. Wie viele Personen, die stehend ihre Mahlzeiten einnahmen, gespeist wurden, kann ntcht ermittelt werden, jedoch ist die Zahl eine sehr beträchtige. Oie 62 im Marinehospital besindlichen Patienten wurden am Morgen des großen Feuers zwischen 5 und 6 Uhr auf Wagen ge— laden und nach dem Hosdpital der barmheizi gen Schwestern, Ecke der 26. Straße und Calumet Avenue geschafft. Herr George Knerr, der Stewart des Marinehospitals war bis auf den letzten Augenblick bei der Rettung thätig. Während er eine Partie Bücher im Boden begrub, gerieth sein Rock in Brand. Eine deutsche Frau, welche als Wirthschaf terin in dem palastartigen Hause einer reichen amerikanischen Familie auf der Nordseite wohnte, ward von der Feuersgluth überraschi und um ihr Leben zu retten, mußte sie in Nachtkleidern, barfuß flüchten. Sie ergriff das erste beste Kleidungsstück, um sich einzu—- hüllen, eilte nach dem Seeufer, wo sie die Nach- hindurch halb im Wasser stehen mußte, um der Gluth zu entgehen. Als der Tag an— brach, fand sie, daz Kleidungsstück, in wel— ches sie sich etine hatte, ein ächter Cashmir— schawl im Werthe von SISOO war. Milchmann Mi ller, Ontariostr.l3B wohnhaft, lud seinen Wagen, auf welchen er alle seine Mobilien gepackt hatte, ab, ünr die in Kindsnöthen liegende Frau Bu tz zu retten. Er rettete sfie und ließ alle serne Sachen verbrennen. Solche Züge von Edel stnn wären in Menge zu verzeichnen. Wir bitten alle unsere Leser, welchen hnl iche Thatsachen bekannt stnd, sie uns zur Ver öffentlichung mitzutheilen. —Fräulein Dora S i eck, Kleidermacherin, welche bei Herrn Richard Michaelis, frühe rem Redacteur der „Union“, wohnte, ließ ihre ganze Habe verbrennen, um die Kinder nnd einen Theil der Habe des Herrn Michae— lis zu retten. Die kranke Gattin des Herrn Raster wurde von ihrem Hause nach dem des Herrn E— den Amerikaner gerettet, ber nicht ëtmcl seinen Namen nennen, geschweige deren Be zahlung für das gebrachte Opfer tneh men wollte, während'fith Andere (auth Deut sche) bis zu 50 Ddllars für einen svlchen Lie besdienst zahlen tioßen. Eine schrectitthe Scene spielte wäãhrend des großen Feuers in der Nhe des an On—- tario- zwischen Dearborn- und Clarkftraße gelegenen Gebäudes der historischen Gesel schaft. In dem Keller dieses Gebäudes, der unglücklicherwerse mit entzündlichen Stoffen theilweise gefüllt war, hatten fich verschiedene Personen aus der Nachbarschaft mit ihren Kostbarkeiten geflüchtet. Darunter befanden sich der alte Col. Stone und seine Frau, Herr und Frau Abell nebst Töchtern, Frau De Pelgrom, Lehrerin der französischen Sprache, Herr und Frau Carpenter, Or. Freer vom Rush Medical College nebst Fa milie und zwei Patienten, und John B. Gerard und Familie. Corkran, der Biblio— thetar, half der Frau Gebler einen Koffer in den Keller tragen. Ihr Kleid fing Feuer, Corrran ließ sie im Stich und stürzte aus dem Qualm, welcher im Keller zunahm, die Treppe in's Freie hinauf. Col. Stöne er—- stickte in dem Qualm und so plötzlich ver— breitete sich der Rauch, daß es mehr als wahrscheinlich ist, daß die anderen oben er wähnten Personen, außer Stande, sich in dem ihnen fremden Gebäude zurecht- oder hinauszufinden, gleichfalls den Erstickungs— tod fanden. Ungefähr 18,000 Arbeiter sind bereits mit dem Wegschaffen des Schuttes und dem Wiederaufbau von Gebäuden beschäftigt. Von den 299 Turnern der Chieago Turngemeinde sind 238 abgebrannt. PUeber alle Maßen schauerlich und grau— enhaft war die Nacht vom Sämfstag auf Sonntag. Mit orkanartigem Ungestüüm brauste ein Westwind über die Prairie, er fchütterte selbst feste Holzhäuser, schleuderte kleine Hütten um, entwurzelte Bäume, stürzte eine Menge auf der Brändstätte noch ste— hen gebliebene Mauerreste nieder und fachte die riesigen brennenden Kohlenhaufen am Flusse wie mit Blasebälgen zu heller Gluth an. Hoch empor leuchtete diese Gluth, so daß der ganze Himmel in blutrothem Feuer glanze strahlte. Tausende von Menschen wurden mit schrecklichem Bangen erfüllt und verbrachten die Nachi schlaflos inTodesangst, Hätte der Wind von Osten her geweht, so würde die Westseite verloren gewesen sein. Die einzige Arbeit des County-Clerks hat lette Woche in der Ausstellung von Hei rathslicenzen bestanden. Nicht weniger als 20 Paare haben sich in den jetzt keineswegs ruhigen Hafen der Ehe begeben, wenn unter den Umständen überhaupi der Ehe noch ein Hafencharakter beigelegt werden kann. Die Hochzeiten waren in bescheidenem Style. Eine Braut trat in einem einfachen Katunkleid in den Stand der heiligen Ehe ein. Füür diese Einfachheit wollte sie sich durch Eleganz des Rachtanzuges entschädigen. Sie bersuchte zu dem Ende ihr Heil bei verschiedenen RNach— barinnen, ihre Bitte um ein feines Nacht kleid oder Nachthemd fand jedoch bei diesen keine besondere Berücksichtiguñg. Oas Post- und Zollgebude wurde ge stern von Sachverfständigen einer eingehenden Untersuchung unterworfen. Ms Resultat derselben hat sich ergeben, daß das Gebäude ohne Grfahr und große Schwierigkeiten repa riut werden kann. Die von auswärts hier eingelau fenen Liebesg iben werden in drei gro— ßen M gazinen untergebracht: In dem Magazin von Tobey ü. Booih, an der Ecke der 18. und Grovestraße; in Shaw's Packing House“ am Fuße der 18. Straße, und in dem „Kint“ der Westseite Genern Morgen waren noch vorräthig: 2000 Faß Mehl und Brot. 50, 000 Pfund Fieisch 20,000 Teppiche, 309 Oefen, 550 Kisten Klei der 6500 Bushel Kartoffein und be deuten e Vorrthe an Gemäse, Hülsen— früchten u. s. w. Außerdem befinden sich in Händen des Untersrützungseomi tes Tagesrationen für 150,000 Perso nen. Die Beiträge an Fleisch und Spezereien sind verhältnißmäßig sehr gering und die Rationen daher klein. Staatssekretär E. Rummel erbietet sich, Duplicate der Commissionen von Nota—- ren, Friedensrichtern und Countybeamten gratis an Diejenigen auszustellen, welche dieselben durch das Feuer verloren haben, und sich um Ausstellung eines neuen Patents an den Staatssekretär wenden. Unser Staatssekretär verdient für sein edles Aner— bieten alle Anerkennung. —Col. Wood wird der Erste sein, welcher nach der Katastrophe des B—9. Oktober den armen Musen wieder eine Chance giebt. Er wird mit einer aus erlesenen Gesellschaft im Globe Theater auftreten, das jetzt iu Windeseile neu aufgerichtet wird. Die erste Vorstel lung wird jedenfalls am Samstag Abend staltfinden, möglicherweise schon am Freitag. Einen Beweis von wahrhaft er frischender Ruhe einer Chicagoer Ge— schäftsfirma mitten unter den Ruinen giebt folgende am 11. Oktober von der Western News Company an die Ameri— can News Company in New-York ge— richtete Depesche: Senden Sie 2 Kisten Dampfboot-- Karten und für 8 500 Faber-Bleistifte, für 300 Eagle-Bleistifte, je eine Kiste 5 und 6 deutsche S S Bleifedern, ein Faß Arnold Ouartflaschen (Dinte) für 118,000 assortirte Schulbücher, 200 Groß Gillotts 303 Stahlfedern, 100 Gr. Gillotts 404 Stahlfedern, 80 Groß Gillotts 170 Stahlfedern, 1000 Groß Esterbroods Stahlfedern, assortirt. Ein Faß mit Arnolds Pint und Halbpint- Flaschen. Sinclair Pruset, der Präsident der American News Comp., welche zur Hälfte an der Western News Co. be— theiligt ist, bemerkt dazu in der New— York Tribune: „Nicht zin Wort von Feuer oder sonftigem Unglück; einfach Geschäft; nichts mnehr und nichts weniger. Dieser vorwrts treibende Geist schuf das alte Chẽcago und wird das neue herrlicher utid schöner schaffen.“ “Wir sagen dazu Ja und Amen. Lowell, Massachusetts, schickt und schenkt 500 Fuß lederne Feuerspritzen schlauch nach Chicago. Bei der Eröffnung der Staatsgesetz gebnng wurde ein Beschluß angenommen, nach welchem alle vom Sprecher des Hauses oder vom Hause zu besetzenden Stellen an Abgebrannte von Chicago verliehen werden sollen. Es soll ferner in Erwägung gezo— gen werdon, ob die Insassen der Chicagoer Reformschule nach der Staatsreformschule in Pontiac gesandt werden sollen. Der Plan ist, die Chicagoer Resormschule mit der Staatsreformschule zu verschmelzen und Chicago die Last, seine Reformschüler zu un— terhalten, abzunchmen. —ln der Fullerton Avenue sind nicht weniger als 15 Frauen während des Feuers entbunden worden, darunter eine Frau von Zwillingen. Unterstütznngen an Lebensmitteln, Kleidern und Geld kommen täglich, ja fiüudlich in reichl cher Fülle aus allen Städten und Städtchen der Union hier an. An der Lakefront werden unter Anlei— tung der öffentlichen Baubehbrde lange Strecken für Geschäftshäuser abgesteckt. Die verschiedenen Geschäfts-Branchen bleiben -u— -sammen. Schon sieht man an langen Stä— ben die Schilder und Namen derjenigen Fir men, welche die Plätze einnehmen wollen. Field, Leiter u. Co. haben ihr Geschäft im Schulgebäude her 22. Straße aufgeschla gen. O. B. Fisk u. Co. in West-Washing ton-Straße. Keese Brothers in Prairie Av. —Die Völkerwanderung, welche das große Feuer in Chicago in Bewegung gesetzt hat, die Concentration der Bevölkerung auf einen um mehr als ein Drittel verringerten Flä— chenraum hat ein gewaltiges Steigen der Laden- und Office-Miethen im neuen Ge— schäftscentrum von Chicago zur Folge ge— habi. Oies neue Centrum erstreckt sich un—- gefähr von der Cke von Lake- und Canal— Straße bis zum Ende von Madison und Canal- südwärts und westwärts etwa bis ODes Plaines Straße. Die Zeitungen gingen voran, die Behöör den and Hotels folgten und schließzich wer— den die Banken auf demselben länglichen Straßenviereck der Westseite sich wenigstens provisorisch einzurichten haben. Von den Zeitungen besindet sich die Tribune in Nr. 15 Canalstraße, die Evening Post und die „Illsnois Staats-Zeitung“ in Nr. 1014 West- Randolph- Straße. Das „Evening Journal“ besindet sich gleichfalls an Canal- Siraße. Der „Prairie Farmer“ hat sich in die oberen Stockwerke von 95 und 97 West- Randolph-Straße, gerade über die einzige Sparbank geflüüchtet, welche nicht mit abge— brannt ist. Yates, seit einigen Monaten vergeblich auf einen Miether wartende neue Hotel an der Madison- und Clintonstraße hat jietzt rasch in Gage u. Orake im frü he— ten Tremont-House, einen glücklichen Käu fer gefunden, denn dies Hotel bildet jetzt mit dem EtisabethHotel, dem Barnes-House auf der Westseite und dem Michigan Ave. Hotel und dern Avenue-Hotel auf der Südfeite die einzigen bedeutenderen Hotels der Stadt. Wie in Yate's Fall das allgemeine Unglück ausschlägt (die Stores in dem erwähnten Hotel gehen jetzt ab wie warme Semmel, n. A. wird die Office der Erie Bahn (früüher unter demSherman-House) dorthin verleg so wird auch der augenblickliche Eigenthümeẽt des Globe: Theaters an Desplainesstraße für die Vermiethung desselben beinahe irgend ei— nen Preis fordern können, weil eben kein an— deres Lokal für englische Truppen jetzt mehr existirt. Der Berlust an Getreide, das in den Elevatoren aufbewahrt lag. beläuft sich wie folgt: Ceniral-Elevator: A. 540, 890Bushel Munger u. Bemour's 395,673, HiramWhee ler n. Co. 227,547, Galena 311,605, ünd National 150,020 Bushel. Die deutscho Nationalbank, die deutsche Sparbank und b-s Wechsel-Passage und In casso-Geschäft von Henry Gree ne baum u. Co. ist seit Dienstag in dem neuen Locale, No, 16 Canalstraße iñ. volleln Gange. Henry Beck Buchhalter im Illinois Central Landdepartement, rettete die Haupt—- bücher, Landkarten und andere wichtige Pa piere im Depot-Gebäude, fchaffte selbe auf einen Extra-Zug uud rettete der Gesellschaft Millionen von Eigenthuu. Die Ogfice des Illinois Central Landdepartement zieht nach Ermralia um. Einstweilen ist die Office auf zwei Bahnwagen am Geleise nahe der 15. Straße, wo Alderman Daggy die Geschäfte besorgt. Die Adresse der Banken, welche sich bereits wieder etablirt haben, ist wie folgt: Erste National-Bank 644 Wabash Avenue. Merchants Loan und Trust Co. 414 Dritte Nationalbank 436 Vierte 2 475 c Fünfte 2 Unton 534 Nationalbank of Com— merce 533 1 Northwestern 596 Citp National „Bishop Block.“ West-Randolph. Traders Natioual 447 Wabash Avenue. Merchants National 225 Michigan Ave. Cook County 288 Illinois State 1011ʒ Westßandolph Manufacturers Nat. 532 Wabash Avenue Merchants National 281CottageGroveAv Cushman, Hardin&Co. 57 Calumet Avenue Merchant, Farmers Mechanics Savings- Bank 64 Süd-Holsted Eerman-Nationalbank 16 N.-Canal German-Savingsbank 16 N. Canal. Hundert Arbeiter siud beschyftigt die Wabash Avenue Methodisten Kirche in eine Post-Office zn verwandeln. Die Regierungs Bureauxswerden entwoder auch in die Kirche, odex in did Nachbarschaft verlegt. Start u. Allen, deren Geschäft sich jetzt an Wabash Avenue befindet, öffneten gefstern ihre eisernen Geldspinden und fanden darin Nichts als Asche. Diebold u. Hall nahmen gerührt Herring als Dritten auf in den Bund werthloser feuerfester Geldspinden. Daß auch Herring's Spinden die Prüfung nicht mit Ehre überlebten, ist ein schwerer Schlag für diese ganze Geschäftsbranche. Oas Rauchen auf der Straße ist bis auf Weiteres strengstens verboten. Die Po— lizei ist instruirt, Jeden, der auf der Straße Pfeifen oder Cigarren raucht, zu verhaften. Vie Deutschen von St. Louis und Um— gegend hoffen etwa eine Million Dollars zur Unterstützung Chicagos aufzubringen. Die Fairgebäude, der Schlittschuhpark, das Mu—- lanphy Emigrant Home und andere große Gebäude sind zur Unterbringung von an— kommenden Chicagoern requirirt. In jeder der 12 Wards von St. Louis sucht ein Co mite nach Wohnungen zur Aufnahme von einzelnen Personen oder Familien, die aus Chicago kommen. Die Beförderung nach St. Louis kann sofort geschehen. RKRixon's Gebäude, Ecke von La Salle und Monroestraße, das einzige im Südseite- Branddistrikt, welches beim Feuer mit blauem Auge davon kam, wird jetzt rasch in Stand gesetzt. Es wird bekanntlich von den Bun desverwaltungsbehörden benutzt werden. Die Grocerien: Großhändler haben be— schlossen, alle ihre Schulden vollständig zu zahlen, wenn man ihnen nur Zeit läßt. Ihre Landkunden können ihnen zu dem Ende we— sentlich Hülfe durch Zahlung ihrer Schulden an die hiesigen Großhändler leisten. Der Rredakteur der 111. Staatszeitung, Herr Raster, besuchte am 13 den Schutthau—- fen, in welchen sein Haus (No 600 Nord— Dearbornstraße) sich verwandelt hatk. Als Andenken brachte er eine Saite des Klaviers und einige Stückchen Eisen mit. Sein gan— zes Mobiliar, seine ganze Bibliothek, Klavier. Musikalien, Bilder, Sammlungen von Zei— tungen, seine gesammte seit 30 Jahren sorg— fältig gesammelte und geordnete Correspon denz mit hunderten von Freunden und Ver—- wandten, Schriftstellern, Staatsmännern -c., alle die hunderte kleiner Gegenstände, womit Deutsche ihr Haus zu verzieren pflegen, sind vernichtet. Einige Kleider, etwas Wäsche und ein Krankenstuhl ist Alles, was er geret tet hat. Am Nachmittag des Samstag wurden die Safes der Illinois Staats-Zeitung aus dem Schntt geholt nnd geöffnet. Alles, Alles darin war verkohlt, sogar das Silberzeug des Herrn Hesing, welches darin aufbewahrt war, in unförmliche Klumpen zusammen— geschmolzen. Eine der Safes war von Hall, die andere von Diebold. Beide haben Fch also gleich schlecht gehalten, so däß in Vetreff ihrer Uabrauchbarkeit kein Streit stattzufinden braucht. Die ersten Anzeichen des wiederaufblüü henden Großhandels. Eine beträchtliche Anzahl Schiffe, mit Getreide, Holz, Kohlen u. s. w. beladen, liefen im hiesigen Häfen ein. Die Dampfboot- Gesellschafsten werden im Laufe der ersten Tage auf der Südselte, am Ufer des Flusses, ihre Bureaus wieder eröõffnea. Unglücks fãlle. Berichte, denen leider Glaubwürdigkeit nicht abzusprechen ist, sagen übereinstimmend, daß mehrere hundert Personen verunglüückt sind. Es sollen schon über hundert Leichen nach Nr. 64 Milwaukee-Avenue geschickt wor den sein, wo ein Begräbnißunternehmer im Auftrage der Stadt die Leichen der Borun lückten bestattet. Bis jetzt sind recognoscirt Jak. Wolf, eine Frau Corlin. Herr L. F. Blakesley, der bei Herrn Ogdensburg beschäftigt war, wollte in Süd-La Sallestr.. zwischen Randolph- und Washingtonstraße, eine Frau retten, kam aber in seinem helden müthigen Unternehmen sammt der Fräu um. Für andere hart an Unglück streifende Fälle mögen die nachfolgenden als Beispiel dienen: Frau Julie Butz, Gattin von Caspar Butz, ebar Sonntag Abend 10 Uhr einen Knaben gerar Se ihr Mann in Jolieti war), mußte um 3 Uhr Morgens fliehen, um 4 Uhr war ihr Haus eingeäschert. Um Mittag mußte sie die Flucht von dem Hause des Herrn E. Prüssing weiter fortsetzen. Auf ähnliche Weise mußte Herr Hermann Raster seine im Kindbett liegende Frau zuerst zu Herrn Vocke (Grant Pläce), dann nach Fullerton Avenue zu einem deutschen Gärt ner, am Dienstag endlich nach Taylorstraße transportiren. Ebenso erging es Herrn Wm. Herbst, No. 98 Nord-Ciarkstraße, dessen Frau gerade in der Stunde, in welcher thr Haus nieder— brannte, Montag Morgen 3 Uhr, von einen Knaben entbunden wurde..