Illinois Staats-Zeitung. Office: No. 101 West-Randölph-Straße. Chicago in Asche Eine fünf Quadrat-Meilen große Brandstätte. Ein großer Theil der Süd seite und Nordseite in Asche gelegt. Postoffsice, Opernhaus, Zeitungs-Gebäude, die großen Hotels, Alles verbrannt! Hunderte von Menschen durch das Um— -1 stürzen von Mauern getödtet. Der furchtbarste Braud seit dem von Moskau. 1 Die Wasserwerke tatal ver— brannt. 1— Der mittlere, östlihe und nördliche y Geschäftstheil der Stadt in Asche. Die großen Getreidespeicher mit w nig Ausnahmen zerstört. Die Gasanstalt, sämmtliche Banken, sãumtliche Brücden vom Lake bis zur 16. Straße sind verbrannt. 8 Das Michigan Central, Michigan Southern, das Wells-Straße und Rock-IslandDepot verbrannt. ʒ (Geschrieben Dienstag Mittag den 10. Okt.) 1 Heimathlos, obdachlos, innerhalb M weniger Stunden all ihrer Habe beraubt und nicht wissend, wo sie in der nächsten Zeit ihr Haupt hinlegen sollen, finden sich N Redakteure und Schriftsetzer der „gui nois Staatszeitung“ zusammen, um den Lesern wenigstens ein Lebenszeichen von sich zu geben. Nur durch die Freund— -1 lichkeit unserer Collegen vom „Herold“ in Milwaukee sind wir dazu in den Stand gesetzt, denn von dem Material und den Pressen der Staatszeitung ist jede Spur verschwunden. Bis wann wir im Stande sein werden, das Blatt, 1 wenn auch in kleinerem Formate, wie der reaelmäßig herauszugeben, können wir nicht sagen. In Zeiten wie diese, 1 hört jede Möglichkeit einer geschäftlichen N Brechnung auf. 14 Von den Schreckntfsen des furchtbaren 1 8. Oktober eine Schilderung zu geben, welche nur im Entferntesten der namen tos entsetlichen Wirklichkeit gerecht würde, ist unmöglich. Tausende unserer 1 Leser, die noch vorgestern wohlhabend waren und heute Bettler sind, haben 1 diese Schrecknisse selbst durchgemacht und wissen, daß keine Feder im Stande ist, das Ungeheure zu schildern. Die 3 Tausende und Zehntausende von 2 nern, Frauen und Kindern, welche die letzte Schreckensnacht im heulenden 7 winde und im strömenden Regen auf der N fahlen Prairie zubringen mußten, noch alũctlich, wenn sie ein paar Fetzen Tep »ich oder einen Tisch gerettet hatten, nunter welchem fie fich zusammenkauern tonnten, die anderen Tausende, welche heute am Grabe aller ihrer Hoff Morce und Errungenschaften stehen: diese Alle werden bis zu ihrem Tode das Schreckensbild einer Verwüstung, welche 1 die Phantasien vom jüngsten Tage verwirklicht hat, mit glühenden Farben in ihr Gedächtniß eingeprägt behalten. N Da die Feuersbrunst am Sonntag Abend halb 10 Uhr an der Ecke von 12. und De Koven Straße ausbrach (nach manchen Vermuthungen angelegt, nach 1 anderen Angaben durch das Umstoßen einer Oellampe veranlaßt); daß es sich, von e:nem orkanarigen Südwestwinde ungefacht, ostwäris und nordwärts an j Jesferson u. Clinton Straße eine Meile lang ausbreitete, um Mitternach nach der Südseite übersprang, diese bis zur Harrison Straße hinab vollständig ver wüstete, um 3 Uhr Montag Morgens sich nach der Nordseite verbreitete und diese auf eine Strecke von 4 Meilen zer— störte. Das Alles wissen unsere Leser schon längst. Alle Gebäude, welche den Stolz von Chicago bildeten, sind heute nur noch formlose Schutthaufen. So das Post gebäude und das Courthaus, deren Wände noch stehen, während sie im In—- nern vollkommen vernichtet find; das Shermanhaus, Tremonthaus, Opern— haus, die Börse, alle Theater, das noch unvollendete Pacific Hotel, das Palmer— Haus, alle Bauten, alle Zeitungen, fast alle Brücken, die Wasserwerke, 6 große Getreidespeicher mit Millionen von Getreide: Alles, Alles liegt in Schutt und Asche. Die Nordseite, der vorzugsweise deutsche Stadttheil, ist vernichtet. Bis gegen Mittag konnte man glauben, daß der Südwestwind das Feuer nordost— wärts, hinter Huck's Brauerei in den See treiben werde; da plötzlich wen dete sich der Wind nach Norden und nun wurden mit reißender Schnelligkeit alle Straßen bis zum alten Friedhof, am Lincoln-Park entlang und weit darüber hinaus, bis zur Stadtgrenze, einge ãschert. Der ganze Flächenraum; über welchen sich die Feuersbrunst erstreckt hat, ist über 2000 Acres, oder 8 Quadratmet len. Keine menschliche Einbildungs— kraft ist im Stande, sich ein Bild von der Verwüftung zu machen. Und sie siceht, muß seinen Kopf sehr in ver Gewalt haben, um nicht geradezu wahn— sinnig zu werden. Viele hunderte von Menschen werden ohne Zweifel an den Folgen der entsetzlichen Aufregung, ganz abgesehen von den durch Hunger, Durst und Kälte bewirkten Leiden, sterben. Hunderte sind bereits durch das Feuner getödtet worden; auf einem Flächenraum von wenigen Hanerte vierten in Chicago Avenue will man 19 Leichname gezählt haben. Bei alle dem wird Jedem, welcher die Schreckenspein mit erlebt hat, geßlich bleiben, die heldenmüthige Ruhe, der unerschütterliche Gleich— muth, um nicht zu sagen die Gemüths—- heiterkeit, womit fast alle vom Unglück Betroffenen ihr herbes Schicksal trugen. Etwas Derartiges ist in der Welt noch nie gesehen worden. Am Montag Mor— gen war es trotz des großen Gedränges von fliehenden Menschen und beladenen Fuhrwerken positiv stiller, ruhiger, ordentlicher, als an gemüthlichen Ge—- schäftstagen. Fast lautlos drängten und schoben sich die Fliehenden nordwärts, noch stets bereit, ein Wort der Entschuldigung zu sagen, wenn sie sich zufällig an einander stießen, ode in ruhigem Tone ein Paar ernste Worte miteinander auszutauschen. Auch draußen auf den Prairien, wo Tausende voa Familten fich unter freiem Himmel zusammenkauerten, hörte man keine Jammerrufe, kein Wehbgeschrei, Jeder ging jedem Andern hülfreich zur Hand; keinerlei Unordnung, kein Zank und Streit kam vor; das große Un— glück, welches Reiche und Arme gleich machte, schien sie auch menschlich einan der näher zu bringen. In keinem Lande der Welt könute ein solches Schauspiel erlebt werden. Und heute! Schon am Morgen, wäh— rend noch immer die ungeheunen Haufen brennender Steinkohlen den noch übrig gebliebenen Südtheil der Stadt mit sreriotuna bedrohen, entwickelt fich an der Canalst raße ein regeres Leben, als les je auf Statestraße gesehen worden ist. Dle öffentlichen Behörden und die Handelskammer haben sich organisirt. Die Vertheilung von Lebensmitteln an die Abgebrannteu hat begonnen. Fuhr werte mit Wasserfässern fahren durch die Straßen. An einzelnen Stellen hat man schon mit der Wegräumung des heißen Schutts angefangen. In einigen noch ganz kahlen Läden sitzen die Re dacteure der englischen Zeitungen, an Wöchentliche Ausgabe. xer Nordost-Ecke von Canal- und Ma— disonjtraße an einigen runden Tischen im Erdgeschotz das Personal der beiden deutschen Morgenzeitungen fast ohne Ausnahme Abgebrannte, die wenig mehr als die Kleider auf dem Leibe und treffen Zurüstungen zum Wiedererschei— nen der bis auf Nichts zerstörten Blätter. Wo ein solcher Geist herrscht, da dars man in dieser schweren Leidensstunde wohl der Hoffnung Raum geben, daß, wenn auch erst in Jahren, Chicago sich wieder zu seiner früheren Größe emporarbeiten wird. Es wird eine Ti tanenarbeit sein, aber sie wird mit dem Wahlspruch „Never give up“ wie ein Phönix aus der Asche wieder empor— steigen. Die Illinois Staatszei— tung ist für die ihren Vertretern er— wiesene Freundlichkeit dem Herausgeber und den Mitarbeitern des „Herold“ von Milwaukee zu Dank verpflichtet. Mittwoch, 11. Oct. Nachm. Für jetzt hat die Staatszeitung eine Stätte gesunden, wo sie ihr Haupt hin—- legen kann, eine kleine, dürftige Stãtte, aber für den Augenblick genü— lgend. Keiner anderen Zeitung in Chicago sist es so schwer geworden, nach der sgrauenhaften Katastrophe vom 8. Okt. auch nur ein Lebenszeichen von sich zu sgeben. Denn bei keiner andern ist eine k große Zahl des Personals vollständig abgebrannt, wie bei der Staatszeitung. Ein Mitglied des Redactionspersonals, ein Setzer und ein oder der andere Träger sind Alles, was nicht seine ganze Habe verloren hat. Der Haupt— eigenthümer der Zeitung, dessen wun— derbare Energie und Elastizität wir in dieser schweren Zeit schmerzlich vermis sen, ist in Europa, wohin ihm der Te— slegraph das Schreckliche gemeldet hat; der Geschäftsführer war mit seiner Familie seit Montag früh nicht wieder gesehen worden und erst heute Nachmit— ag hören wir, daß er die Seinigen nach Indianapolis in Sicherheit ge— bracht hat, von wo seine an uns ge— riceten Telegramme nie an ihre Adresse gelangt sind; Redacteure, Expe— dienten, Setzer, kurz Alle, die mit der Zeitung in Verbindung stehen, sind mit der Rettung des nackten Lebens der Ihrigen und mit der Unterbringung derselben beschäãftigt gewesen, wie Tau ssende und aber Tausende unserer Leser. Keine Pressen, keine Typen, kein Drucpapier, kein Local, kein Geld so lange nicht ermittelt ist, ob die Geld spinden der Bauken alle sicher sind, da ist es schwer eine Zeitung neu aus ihrer Asche emporsteigen zu bassen und tein Leser wird sich wundern, wenn ihre sersten Anfänge dürftig erscheinen. Credit, Muth und Zuversicht auf die Trene unserer bi- herigen Lescr, wie auf die Lebensfhigkeit der Stadt Chicugo das ist die ganze Grundlage, auf welcher die Zllinois Staatszeitung wie der errchtet werden soll. Es kann und wird gelingen, wenn lunsere Leser einige Wochen, oder selbst Monate laug mit uns diejenige Nach srcht haben, welche urter gleichen Um— “ständen amerikanische Leser ihren Zeit tungen ent„egenbringen. Daran frei lich darf es nicht fehlen. Deun wir we im Anfange die Zeitung nicht lin gleich großem Format wie früher herausgeben können, werden kleiue so große Fülle und Auswahl von Lesestoff bieten koönnen. Aber an den Gesia— nungen, welche die Illinois Staats zeitung vertreten hat, wird keine Ber-- änderung wahrzuuehmen sein und sie wird jetzt, wo Chicago, wie eine einge stürzte Königin in Lumpen und Fetzen gehüllt, aber doch mit stolz und erho— benem Haupte eiuhergeht, mit um so größeier Wärme und Innigkeit jenes Gemeingefühl pflegen, welchem Chi— e go seine Wiedergersiellung znr vollen Blüthe des Wohlstandes verdanken wiro, wie es zuvor diese Blüthe ge— schaffen hatte. Ein erhebendes Schauspiel ist das Benehmen der Abgebrannten von Chicago. Niemals hat die Welt ein ähnliches gesehen. Eine solche stoi— sche Ruhe, ein so heiterer Gleichmuth, eine so freudige Zuversicht, wie sie hier Zehntausende zur Schau tragen, welche alle ihre Habe bis auf Rock und Hemd verloren haben, ist bei keinem Volke der Erde jewals erlebt worden. Man hat Schiller's Vers: „Greift fröhlich dann zum Wanderstabe“ wegen des „fröhlich“ lächerlich zu ma— chen gesucht; man hat gemeint, ae Frötlichkeit denn doch unter keine n Umständen durch den Anblick der Zer— störung aller Habe eines Mannes er— weckt werden könne. Allein hier in Chicago kann sich Jedermann überzeu— gen, daß Schiller's Phantasie nicht über die Wirklichk it hinausgegangen ist. Kommt nur her aus allen Theilen Ame rikas, bewegt euch in den Straßen, welche jetzt als Hauptadern des aus dem Nichts neu zu schaffenden Ver— kehrslebens dienen, und überhaupt auch davon, wie eine abgebrannte Bevölke— rung von hunderttausend Menschen sich nicht zwar leichtsinnig, wohl aber mit leichtem Sine über ihre Noth hin— wegsetzt; wie sie in frischem fröhlichem Muthe ruft: „Hin ist hin, jammern über das nicht zu Aendernde; laßt nns Hand ans Werk legen, um neu zu schaffen, was in einer Schreckens nacht vernichtet worden ist In diesem Sinne geht Chicago an den Wiederaufbau seines Wohlstandes. Unser stattliches Schiff ist ein Wrack; wir haben es verlassen und uns auf ein Floß retten müssen. Aber auf die— sem Floß treiben wir mir ungebeugtem Muthe dahin und rufen kecken Sinnes: “Vogue la galere! Neu-Chicago. Manche unserer Leser, welche zu sehr mit der Ordnung ihrer eigenen durch den Brand zerrütteten Angelegenheiten beschästigt sind, um die Tragweite der uuter der amerikanischen Einwohner—- schaft vor sich geh nden Dinge zu wür— digen, verargen es uns, daß wir die besondere Gefahr, welche der deut— schen Nordseite durch die Kata— strophe vom 9. Oltober erwachsen ist, stark betonen. Allein wir halten das für unsere Pflicht und rechnen darauf, daß uns in nicht ferner Zeit alle Dieje— nigen, welche in der Meinung, daß das allgemeine Unglück die Sonderinter s sen zum Schweigen gebracht habe, jede Gegenüberstellang des Interesses der verschiedenen Theile von Chicago zu rückweisen, dafür d anke n werden, die deutschen Interessen vertreten zu ha ben. Herr S. S. Hayes, ein Mann, des— sen persönliche Interessen ganz mit der Westseite verknüpft sind, schlägt seiner— seits die Alarmglocke in der ,Time o“. Er erinnert daran, daß schon vor län—- gerer Zeit Wm. B. Ogden einen Plan unter dem Titel „Neu-Chicago“ veröffentlicht hat welcher auf nichts ge— riugeres hinausläuft, als: das Cen— trum der Stadt weit südlich vom bisherigen Courthaus zu verlegen und die Nordseite zu einer bloßen Eisenbahn-Borstadt von Chicago zu maren. Für einen solchen Plan mag wohl der Antrag Me— Cauley's, den Südostwinkel der Nord— seite zu einem Central-Eisenbahn-Pal sagierdepot zu machen, ais eintreiben— der Keil dienen sollen. Erst einmal die Passagier-Depois auf der Nordseite, und die Fracht-Derots würden folgen. Das aber war es, was Ogden mit sei— nem „Neu-Chicago“ wollte. Das ganze Sce-Ufer nördlich von der Ein— mündung des Flusses sollte zu einem groß.n Ha fen mit riesigen Werften Speichern, Korn-Magaz'nen, Fracht— schuppen, Holzhofen -e. gemacht wer— den. Dabei verstand sich die Umwan d—- lung der Nardseite in eine schmutzige Vorstadt, einen Hamburger Berg, oder Chieago, Dienstag, den 24. October 1871. lein Berliner Voigtland von selbst. Wo bisher deutsche Kaufleute, Hand—- werker, Arbeiter eine behagliche Heim— stätte fanden, würden alsdann zahllose Eisenbahnzüge Tag und Nacht auf Hunderten von Schienensträngen ein herbrausen, rauchende Maschinenwerk stätten, Fabriken, Holzhöfe würden den Raum freundlicher, blumenumrahmter Wohnhäuschen einnehmen, und wäh— rend die Millionäre, der Großhandel von Chicago dadurch vielleicht ge winnen würde, würde ganz sicher dem Deutschthum in Chicago der To— desstoß versetzt sein. Dies ist es, was jeden Deutschen be—- stimmen muß, mit gespanntester Auf merksamkeit den Bemühungen um Ver— schiebung des Centrums von Chicago, um Begründung des Ogden'schen „Neu-Chicago“ zu folgen. Ge— lingen diese Pläne, —wird der Schwer—- punkt der Stadt vom bisherigen Court— haus südwärts nach der 22. Straß verschoben, so ist die Nordseite dazu verurtheilt, eine elende, unselbstständige Vorstadt, ein Proletarierviertel von Chicago zu werden. „Neu-Chi ca— go“ würde dann freilich ein zweites New York werden, aber auch im vollsten Sinne des Wortes, d. h. eine Stadt, in welcher die englisch redende Vevölkerung die deutsch redende als eine untergeordnete Volksklasse von oben herab ansähe, währeud sfie selbst in po— litischer Beziehung dem Ir länder— thum unterliegen würde. Die Er— haltung Chicago's als einer Stadt, in welcher das deutsche Element als ein ebenbürtiges Macht und Geltung hat, hängt von der Wiederherstellung der Nordseite ab. Und wenn vorge— stern die Chicago Times in ihrer fre— chen Rücksichtslosigkeit gegen das Deutschthum sagte: „Die Wiederher— stellung Chicogo's ist gleichbedeutend mit dem Wiederaufbau der Süd— seite“, so muß darauf deutscherseits der Trumpf gesetzt werden: Chicago wird nicht wieder die Weltstadt Chi— cago, sondern ein Yankee-Irishtown, wenn nicht die Nordseite wieder zu Dem gemacht wird, was sie vor dem 8. Oktober 1871 war. Hülfe von Deutschland. Mit unseren Brüdern in Deutsch laud muß ein ruhiges, vernünftiges Wort gesprochen werden. Wir wissen, liebe deutsche Büder, daß ihr mehr vom Stamme Ni mm als vom Stam— me Gieb seid; und wir sind auch darüber nicht böse. Denn wir wissen daß in Deutschland der Erwerb nichi so leicht und nicht so reichlich ist, wie hier, und daß dort der Mensch alle seine Er sparnisse sehr fest zusammenhalten muß. um bei dem dortigen niedrigen Zins— fuß den Seinigen ein nur halbwegs g nügendes Auskommen hinte-lassen zu können. Aber wenn ir, lieben deut— schen Brüder, uns helfen und dabei doch zugleich für euch selbst gut e n Ge—- winn machen könnt, so zeigt ihr euch wohl Willens, Nächstenliebe zu uiben. Das habt ihr biwiesen, a!s ihr vor sie-- ben Jahren unsere 6prozentizen Bun— desschieldscheine zu 40 Proe .nt kauftet, also 15 Procent Zinsen auf euer Geld machtet. Wohlan, nur auf ähnliche Weise sollt ihr jetzt he sen. Zwar die Zeit der 15 Procente ist vorbei; ihr selvst habt in Europa durch eure stark n Arme so viel Kapital locker gemacht, daß der Zins bei euch niedrizer geworden ist Sieben Procent ist jetzt ein suöner, reicher Zins; vriel mehr als ihr vo foliden Kapitalanlagen in Deutsch land erhalten kö nt. Diese sieben Procent bieter euch eure Brüder in Ch cago für ein Dar— lehen von lumpigen fünf Millioneu, kaum eiu Sechstel so riel, als ih in eurem thör chtem Vertrauensduscl uch durrh Strourberg, Ujest, R tiror ud Spießgesellen habt aus der Tasche luch— en lassen! Wr bieten sie euch auf die allerbiste Sicherheit: auf vorhandene oruner und swas viel besser ist] auf die Bürgschaft hin, welche der rast lose Unternehmungssinn, die unv rwüst liche Strebsamkeit des amerikanischen Wesens gewährt. Leihet uns das Geld zum Wiederaufban des deut— schen Theils von Chicago und ihr sollt gute Procente daran machen und außer— dem von uns gesegnet sein als Helfer und Retter! Aber unsere Bürgschaften genügen euch nicht?! Wohlan; so mögen die hervorragendsten Bankiers von New York, Männer, deren Namen auch für Millionen und Millionen gut ist, ein Consortium ssyndicate] bilden und euch die 7Procent garan—- tiren. Dafür wollen wir hier neun Procent zaylen. Die Differenz von 2 Procent wird ja wohl als Versiche rungsprämie für die Garanten genügen und ihnen noch einen erklecklichen Ge— winn abwerfen. Neun Proc.nt köu— nen wir hier gut und gern zahlen und werden Dem, der sie uns abnimmt nicht als einen Wucherer, sondern als einen Freund und Wohlthäter betrach ten. Aber wir, d. h. die abgebrann— ten Deutschen in Chicago brau chen Geld; wollen es nicht ge— schenkt haben, sondern borgen und guten, hohen Zins dafür zahlen. Denn von den vielen Millianen, welche zum Wiederaufban des amerikanischen Stadttheils zusammenströmen, kommt d n aarmen deutschen Handwerkern und Arbeitern nichts zu Gute. Also: soll es ein Wort sein? Wollt ihr deutsche Brüder in Deutsch— land sund zunächst in New York] uns auf di einzige Wei e helfen, auf welche uns wirksam und dauernd ge o fen wer— denkann? Dann, ihr Herren Bel mont, L. v. Hoffmann, Fr. Kühne, Schuchandt und G.bhardt u. s. w., machi cuch an Werk, gründet eine Chicago Hypothekar-Dariehensgesell schaft, garantirt d n Subscrib nten in Deutschland 6 Procent und nehmtwon uns 9 Proeent und unsern herztichsten, aufricheigsten Dauk dazu. Die Unterstützungen und die Deutschen. Ernstliche Klaaen sind laut geworden über die geringe Berücksichtigung, welche die deutschen Abgrbrannten bei dem bis jetzt fast ausschließl· ch mit Amerikanern besetzten Unterstützungs- Comiie und sinen Unter-Comites gefunden haben. Besonders lufen von denjeni„en Deut schen der Nordi;eile Beschwerden ein, welche im 5. Unterstützungsdistrikt (an der Archer-Road und Umgegend) ein provisorisches Unterkommen gefunden haben. Diese Zurücksetzu g der Deut— schen ist eine Schmach uud ein Beweis, daß di Comites eine Anzahl Leute in sich enthalten deren Engherzigker selbst durch die furchtbare Noth deutscher Mit—- bürger nicht gesprengt werden konnte. Die gro e Masse der Deutschen steht außerhalb der kirchliche Organisatio— nen, ünd für den Amer kan.r fino die Kirchengemeinschaften das A und O alle: Unterrützung und die Empsehlung eines Gäistl chen oder einee Kirchen— ältesteu wi.kt auf Comitem tglicder wie Zauber, wäh-end der uicht derartig e vpfohlene Deutsche von vornhercin mit einem gewissen Mißtrauen ange— sehen wird Nur mit Mühe ist von deu scher Seite die Zulassunz einiger deuts ven Mitglieder in- Central-Hilfs- Comite durchg. s tzt. Der Einfluß di ser deutschen Muglieder be arf, wie die oben erwahn:en Klagen zeig n, noch sehr der Bernärkung. Dem Antrag des d uischen H lfsvereins (Haupt— quartier in Au: ora-Turnhalle an Mil— waukee Avrnue), en wir an einer an deren Stelle mittheilen, mutz fofort Seitens dee guerikani chen Unter— stützungs-Comites Folge gegeb n wer— den und für jeden der ünf Unter— stützungs Distriete die dici datrin er— nannteu deutschen Mi glieder den ame— ritanisen Untercomites mit voller Gleichber chtigung bceigeorduet wer en. Nur dadurch kanü den d utschen Abge— branuten der ihnen zukommei de An— theil an dem allgemei. en Unte tützungs— F.ud ge ·che.t werden. Soute vn Seti ten des awerikanisten Comites dem gerechten Veila gen der Deu schen Widernand entazege gesetzt werden, ho mißte die Separatsammwlun. deuticher Beiträge in und außerhaib Chicago's un die Sexaatveiheilung derselben unt r Deutche „ier organisirt werden. Wir hoffen jedoch nicht, daß e- dazu kommen wird.