DütmoreWerktr HeranSgcgcvcn vsn LV. L chnauffer« Rap; Redakteur W. Rap» Da ltimore, Len 17. Oktbr. 1871. Marylandcr Republikanische Nominationen Für'S Gouverneurs.» »nt: Jacob To n» e van Ccril. Für'S ControlleurSamt-. Lawrence I. Breugle von Fredrriö Für die General-Anwaltschaft: Alex. Randall von Anne Arundel Demokratische Lcichcnrcde auf den Äemo kratischcn Stadtrath Baktimore's. Die „Baltimore Gazette" widmet den bisherigen Stadtrath einen besonderen Leit artikel, worin sie darthut, daß seine meiste» Mitglieder durchaus keinen Grund haben auf ihre stadträthliche Wirksamkeit stolz z» sein. Die Steuerzahler aber so mein! die Gazette weiter würden noch lange ar diesen Stadtrath denken, der gegen ihr, Interessen ganz gleichgültig gewesen und diese Gleichgültigkeit förmlich bis zur Frivo lität getrieben. Wir haben heute keinen Raum, um dae ellenlange Register der „Gazette" von den Sünden des Stadtraths in allen seinen Cinzelnheiten vorzulegen. Die „Gazette" geißelt namentlich den IoneS-Fallö-Schwiudel und die ruchlos leichtsinnige Weise, womit dieser Stadtrath das Geld des Volkes aus den Fenstern warf. (Dies Geld fiel aber nicht auf's Straßenpflaster, sondern in allerlei uner gründlich tiefe Hosentaschen! Red. d. W.) Außer dem Ioues-Falls-Schwindel hebt die Gazette besonders denStadthalle Schwindel hervor und verweist dabei u. A. auf die Kuppel, die ebenfalls ein Heidengeld koste, und dabei unnütz und auch in architektoni scher Beziehung gänzlich verfehlt sei. Betreffs der großen Geldbewilligungen für die Tempelritter und für die nationale Handelsconvention erhebt die Gazette ganz direkt die Anklage, daß die betreffenden Gelder nicht zur Bewirthung der Gäste verwendet, sondern von Baltimore»'» ver praßt worden seien. Ueber die stadträthliche Gas-Verordnung sagt die Gazette, es ließen sich gar keine Worte finden, um dieselbe gebührend zu verdammen, und so fort. Nur in eine m Punkte thut die Gazette dem Stadtrathe Unrecht; sie meint ncmlich, er hätte betreffs der Bewilligung für Chi cago nicht so voreilig sein sollen. Dollars für Chicago sind aber von einer Stadt wie Baltimore gewiß nicht zu viel und es wäre schäbig gewesen, wenn der Stadtrath weniger bewilligt hätte. Aber ganz Recht hat die Gazette, wenn sie sich darüber es hier so weit gckommen ist, daß der Stadtregistrar Lage lang bei Banken und reichen Privat- Personen vergeblich herumlief, um die vom Stadtrath bewilligte Summe für die Stadt zusammenzupumpen. Auf die in erschreckender Weise ange wachsene städtische Steuerlast in Baltimore hinweisend, meint die Gazette zum Schluß: Wenn die demokratische Partei Baltimore's nicht sparsam und weise werde, so werde sich denn doch das Volk den jetzigen Zustand nicht mehr lange gefallen lassen, sondern demnächst die demokratische Partei hier ent thronen. So derb sagt das bedeutendste und cn ragirtrstd demokratische Blatt Maryland's dem die Stadt Baltimore beherrschenden demokratischen „Ring" die Wahrheit. Und die Gazette führt nicht einmal allen Schwindel auf—so z. B. Straßenbauten in unbewohnten Gegenden, wo noch gar keine städtischen Straßen nöthig, eiserne Ein friedigungen in Nord-Broadway, die per „Square" auf je K10,000 und auf noch »veit »nchr kommen, faule und übcrfaule Markthaus- und Schulhaus-Contrakte und so weiter. Bester wird'S hier aber erst, wenn die Parteiklepperei aus den Lokalwahlen ver schwindet und die ehrlichen Leute aller Par teien sich gegen die Spitzbuben zusammen thun. Zwar haben die Demokraten sür das MayorSamt nun einen persönlich in gutem Rufe stehendenMann nominirt; aber schlechte Gesellschaft verderbt gute Sitten. Und was vermag Einer gegen die Corruption Vieler? Der gegenwärtige Mayor hatte persönlich auch einen guten Ruf, als er sein Amt an trat, und doch kamen nachher die Stadt- Halle-Contrakte, die Schwager-Geschichten und Anderes. Wie es scheint, müssen die hiesigen Steuerzahler erst noch weitere Aderlässe erdulden, ehe sie den» gestern von uns erörterten Beispiel von Baltimore County folgen. Die Bllükcn Chicago's. H. Grcrne lrauirt. Geo. Schneider. Also schon vom heutigen Lienstag an ver richten die Banken Chicago's »vieder regel mäßig und prompt ihre Geschäfte, als wäre nichts geschehen. Ja sie würden dies noch in der vorigen Woche gethan haben, wenn es ihnen möglich gewesen wäre, »hre in Trümmer zerfallencnPrachtbau ten durch provisorische Lokale zu ersetzen. Indem sammtliche Banken Chicago's trotz des furchtbaren Unglücks so schnell und prompt wieder ihren Geschäften nachzukom men vermögen, beweisen sie zugleich, wie un begründet das Gerede ist, das man in den letzten Jahren von den Neidern Chicago's so oft hören konnte, nemlich daß die ge schäftliche Grundlage dort eine künstliche, keine solide sei. Was die Nationalbanken Chicago's be trifft, so stellt ihnen der „Controller of Currency", N. 5). Hurlburt, auf Grund genauer Untersuchung das Zeugniß aus, daß sie trotz des Feuers durchaus solvent und im Stande sind, alle gerechten Ansprü che ungesäumt zu befriedigen. Die einzige große Bank Chicago's, deren Gebäude nicht verbrannte, ist die „Union Stock Aard National-Bank", die mit der „Union Stock Z)arv", dem riesigen Viehde pot vor der Stadt, in welches Schienen stränge aus allen Himmelsgegenden etnmün den, in Verbindung steht; ihre Geschäfte wukden gar nicht unterbrochen. Auch die Chtcagoer Handelskammer, de ren Palast im Staube liegt, hat bereits eine Deklaration erlassen, wornach ihre Mitglie der allen ihren Verbindlichkeiten Nachkom men. Indem die Banken Chicago's im Stande sind, allen ihren Depositeuren ungesäumt gerecht zu werden, schaffen sie dem Wieder aufbau Chicago's sogleich eine solide Grund läge. Unter den Chicagocr Bankiers, die dastc hen als Muster der Solidität und des Mu thes zugleich, ist auch das Deutschthum rühmlichst vertreten. Wir nennen für beute zwei dieser deutschen Bankiers: Henry Greenebaum und Geo. Schneider. Henry Greenebaum (gebürtig aus Rhein hessen), Chef der deutschen Nationalbank, hat sein großes neues Gebäude an der Ecke von LaSalle- und Lakcstraße durch den Brand verloren. Dieser körperlich sehr kleine, aber geistig um so kräftigere Mann arbeitete sich durch finanzielle Genialität und mackellose Rechtschaffenheit aus dem Nicht- zu einem der bedeutendsten Bankiers des ganzen Westens, ja des ganzen La »»des empor (mit großem Zweiggeschäft in New Aork), und forderte zugleich auf's Liberalste jedes gemeinnützige Unternehmen, nicht nur unter seinen israelitischen Glaubeusgenos »k sen, sondern auch unter Andersdenkenden, t- namentlich aber unter Deutschen. Bet sei n ner merkwürdigen geistigen Springkraft, sei ner gewaltigen Energie und der Macht sei u nes finanziellen Namens wird er sich wohl tt in kürzester Zeit von dem Schlage, der ihn n in der Nacht des 8. Oktober betroffen, mehr e als erholt haben. d Geo. Schneider (Achtundvierziger aus der Nheinpfalz), früherer Herausgeber der „Illinois Staatszeitung", ist einer der s Chefs der großen Sparbank in der Süd La ll Sallestr., deren prächtiger nicht weit von dein Stadthause befindlicher Marmorbau eben falls verbrannte. Das Geldinstitut des Hrn. Schneider ist ebenso solid als großar ttg und Hr. Schneider selbst ein ebenso mcn schenfreundlicher als umsichtiger Mann. Gewiß darf man sich dazu gratuliren, daß l ein Chicagyer Geldinstitut, bei dein gerade die ärmeren und arbeite,»den Klassen so sehr interessirt sind, sich in so guten Hän den befindet. I Gen. Sherman's Reise nach Europa. In nächster Woche tritt der Generalissi mus der UnionSarmee, Sherman, eine Reise nach Europa an, um die dortigen Armeen und Festungen zu studiren. Das Admi ralsschiff des europäischen Geschwaders der Union, „Wabash", trägt den genialen und berühmten amerikanischen Feldherrn hin aus. Gen. Sherman's Feldzüge erregten einst auch die Bewunderung der Fachmänner in Europa, und er »vird dort schon deshalb, wie auch vermöge seiner amtlichen Stellung in der großen Republik—eine sehr ehrenvolle Aufnahme finden. Gen. Sherman besitzt wirkliche militäri sche Bilvuug und einen genialen militari schen Blick. Er »vird daher in Europa gewiß viel lernen. Wenn ihm nur draußen die nervöse Lebendigkeit seines ganzen Wesens, die sich namentlich auch unaufhörlich seiner Zunge mittheilt, keinen bösen Streich spielt Gen. Sheridan und das große Feuer. Dein „Wecker" kann gewiß Niemand vor werfen, daß er sich genire, über Gen. She ridan die Wahrheit zu sagen, auch wenn sie für letzteren unangenehm ist. Aber dies soll uns nicht abhalten, den tapferen General zu loben, so oft er'S verdient. Und Lob, warmes Lob verdient Allem nach sein ganzes Verhalten während des Brandes in Chicago, die Umsicht, womit er für Herbeischaffung von Rationen, Zelten, Decken rc. sorgte, die Herbeiziehung von mehr Truppen, die Energie, womit er mit diesen Truppen die Ordnung aufrecht hielt und den Mordbrennern entgegentrat. Auch von Flüchtlingen aus Chicago hö ren »vir nur Gutes über Sheridan's Ver halten bei der ganzen Katastrophe. Sollte man's glauben, daß es Blätter in diesem Lande gibt, die den General wegen dieses Verhaltens «»»greifen und schlecht machen? Da ist z. B. die tcmokratische „World" in New Aork, die aber vom Washingtoner „Nepublican" folgendermaßen abgefertigt wird: „Die Copperhead-Orzane, die während des Bürgerkriegs nie ein gutes Wort für Sheridan hatten, benutzen gewisse vom Ge neral während des Unglücks in Chicago be gangene Handlungen zur Erneuerung ihrer alten Schimpfereien gegen ihn. Die N. A. World ist böse, »veil Sheridan's Soldaten sehr summarisch mit einigen Freunden der World verfuhren, z. B. mit den New Uor ker Dioden Barney Aaron u. Co., die ab gefaßt wurden, als sic in Chicago Häuser plünderten und die Schrecken der Situation durch Brandstiftung und Mord noch ver mehrten. „Das Volk Chicago's jedoch ist dem Gen. Sheridan dankbar und weiß die noblen ihm von diesem geleisteten Dienste zu würdigen. Unter Sheridan's unmittelbarer Leitung z. B. wurden ganze „Blocks" von Gebäu den in die Luft gesprengt und so der Fort schritt der Flammen gchemm:. Auch leitete er die Maßregeln zur Linderung der Noth der Abgebrannten, und die Soldaten unter seinem Kommando waren die beste und wirksamste Polizei und die besten Wächter des Privat Eigenthums. Wir sind über zeugt, das neue Chicago wird einst dem Gen. Sheridan eine Bildsäule errichten, um die braven von ihm während der großen Heimsuchung Chicago's verrichteten Thaten anzuerkennen." Tie Fenertzersichcrungcn und der große Brand. Während nicht wcmgeFeuerversicherungs- Compagnien dem Stoße, den ihnen der Chicagocr Brand versetzt, durchaus gewach sen sind, gerathen andere durch die große Katastrophe in bedenkliches Wackeln. Und selbst ganz bedeutende Compagnien dieser Art, wie Manhattan Insurance Co. in New Aork, Putnan» Fire Insurance Co. in Hartford ,nutzten ihre Zahlungen ein stellen. Von morgen an findet in New Aork die (schon vor de»»» Chicagocr Brand auf diese,» Zeitpunkt anberaumt gewesene) National- Convention der Versicherungscompagnien der Union statt. Durch den Chicagocr Brand erhöht sich die Bedeutung dieser Convention, auf der mehr als zwanzig Staaten vertreten sein werden, ganz be trächtlich. Ja die N. A. Tribüne meint in Anbetracht der jetzigen Sachlage: seit Jah ren habe keine so wichtige geschäftliche Con vention in den Ver. Staaten stattgefunden »vie diese. e Original Eorrespandrnz des Wecke» t von Ehirago. (Mit großem Interesse werden nachfvl gende Zeilen gelesen werden, da sie vor einem so verläßlichen Manne wie Frennl Hemmeter kommen. Die Red.) Chicago am 13. Oktober 1^71. Lieber Freund Rapp! Gestern bei Solrnenaufgang fuhr ich mi! der Mich. Southern Eisenbahn nach Chi cago hinein. CS war das erste Mal, das e ich. seitdem ich die Alleghany Gebirge über. schritten, die Sonne gesehen habe. Nu» r hie und da batte ich in der Mittagszeit ein» r mattrothe Scheibe durch den Rauch am t Himmel erblickt. i An der 22. Straße und Archerstr. muß z tcn »vir auSstcigen. Die Ordnung bei der z Ankunft der Züge war schon in so »veit her gestellt, daß die Paffagiere in jeder Hinsicht vor Prellerei geschützt waren. Vorgestern »nutzten Fremde noch Z5 bis H10 bezahlen, um einen Platz in einem Wagen oder Om nibus zu bekomlnen, der die Passagiere 2 oder 6 Meilen weit nach dein westlichen Stadtthcil brachte. Mehr als 50 Cents durfte jetzt Keiner mehr für eine Person 1 nehmen. Ich war schon in Detroit von l dem Stand der Dinge in Chicago inKennt niß gesetzt nnd hatte deßbalb meine H5-Nvte schon in Bereitschaft. Mich nach dem ra schen Wechsel der Situation erkundigend, erfuhr ich, daß der Kriegszustand über Chicago verhängt fei, und daß man bereits eine große Anzahl Patricks wegen Prelle rei in die Nächstliegenden Gefängnisse abge führt hat. „Ahs dachte ich, fetter Weg bläst der Wind". Es war meinerseits eine überflüssige Vorsicht, mir in Adrian Proviant einzukau sen; man konnte gestern schon in jedem Pri vathause umsonst, in jedem öffentlichen Kosthause für normale Preise zu Esten be kommen. In meinem Hotel an der Kinzie- und Waterstr. angelangt, rüstete ich mich sofort zu einem Nundgang über die Trümmer der noch vor wenigcn Tagen so blühenden Me tropole des Westens. Ich faßte schon in Michigan, nach meinen schrecklichen Erleb nissen in jenem Staate, »vo ich Gelegenheit hatte, das Fruer als zerstörendes Element in seiner riesigen Machtentsaltung kennen zu lernen, den männlichen Vorsatz, vor „Nichts" mehr zu erschrecken, selbst wenn der Himmel einstürzen und die sündige Menschheit mit einem Schlag in Abratzain'S Schooß liegen sollte. Doch das'ist leichter gesagt als gethan. Von der Kinzie-Str.- Brücke aus einen Blick übe»' das weite, unabsehbare Feld der Zerstörung »versend, prallte ich unwillkürlich zurück. Ern Ge fühl unnennbarer Wehmuth zog in meinen Busen-rin. Ein Schrcckbild, das nie vor her ein überschaut, das nie vorher ein Historiker in die Gedenktafeln der Geschichte eingetragen, entrollt sich hier dem Blick des Beschauers. Was ist der Brand von Moskau, von London, von Harn burg'gegen die enorme Calamität in Chi cago, gegen diefes rveite, offene, gähnende Grab, »vo tausend Millionen an Gut und Geld und Hunderte von Menschenleben verschüttet liegen! Crwarte von mir, mein lieber Freund Rapp, keine dctaillirte Be schreibung des angerichteten Brandschadenö. Darüber ist man wohl jetzt in Baltimore genügend unterrichtet. Meine Aufgabe soll es nur sein, wichtige mit dieser Feuerö brunst zusammenhängende Begebenheiten und Zustände mitzutheilen. Nach einem fünfzehn Meilen langen Marsch durch die Brandruinen Chicago's über das holperige, ausgebrannte, noch glühheiße Straßenpflastcr kam ich gestern -Abend ermüdet nach Hause, —an den Füßen Brandblasen, die mich heute an meinem 13. Geburtstage am Gehen verhindern. Ich glaubte meiner» Geburtstag nicht besser feiern zu können, als indem ick Dir von dieser Unglücksstätte aus meine Erlebnisse berichte. Von geschäftlichen TransacUoncn ist keine Rede; ich habe noch keinen meiner Geschäfts freunde finden können: sie sind Alle ohne Ausnahme abgebrannt. Alle Eisenbahn- Depots sind entweder ganz abgebrannt oder erheblich beschädigt. Auf den Brandruinen kündigen Plakate an, wann und wo die betreffenden Firmen ihre Geschäfte »vieder beginnen werden. Banken und Feuer-Ver sichcrungs-Gesellschaften kündigen an, daß sie allen Anforderungen gerecht werden »vollen. Das werden wohl in Betreff der Feuer-Versicherungen nur hohle Phrasen sein. Höchst ausfallend finde ich den stoischer» Gleichmut!), mit dein hiesige abgebrannte Geschäftsleute ihren gänzlichen Ruin hin nchrnen. "I »vas poor l-okoro," hörte ich einen Mann sagen, der eine viertel Million verloren hat, "I »vn» poor '»okore, nur poor no»v, iu t'net I Iinvo Iv8t uotlii»'.', !mt I stuck! tr)s »t ove»' n^niu." Weinen habe ich noch Niemanden gesehen, vielleicht ist der Thränenqneil schon versiegt; aber Tausende und Zehntausende von Ob dachlosen zerstreuen sich mit jedem abgehen den Vabnzuge nach allen Richtungen der Windrose. Und dieser Umstand ist vielleicht der allergrößte Verlust, den Chicago zu be klagen haben wird. Viele mögen »vieder zurückkehren, die Meisten vielleicht nicht. Wohl bieten die >Ltadt- und Staats behörden Alles aus, dieser massenhaften Stampede vorzubeugen aber es wird we nig helfen. Lebensmittel seien im Ueberfluß vorhanden, proclamirt der Bürgermeister Arbeit werde es in wenigen Tagen in Hülle und Fülle geben; aber Alles umsonst. Lau sendweise drängen sich die Abgebrannten mit ihren geretteten Habseligkeiten nach den Bahnzügen, noch einen letzten wehmüthigen Blick nach dein Grabe ihder Habe zurück werfcnd, uin die Schreckensstätte Chicago vielleicht auf immer zu verlassen. Nicht annähernd habe ich «»ein Thema er schöpft, doch »nutz ich abbrechen, um weitere Notizen zu sammeln, die ich Dir in einer späteren Correspondcnz übermitteln werde. Mit freuudlichem Gruß Dein Jo hn Hemmeter. Weitere erschütternde Szenen in Chicago. Tie Gattin dcS Dichters Caspar Butz. Wie unendlich viel müssen die Wöchne rinnen uuv sonstige Patienten sowie kleine Kinder gelitten haben. Man berechnet, daß der Brands chrecken allein mehreren hundert zarten Kindern nach und nach den Tod brachte. Und wie schwer »var das Loos der Frauen, die i»n Freien, aus kalter Prairie nieder kamen! Nicht wenige derselben starben sammt Len Neugeborenen! Die Frau des berühmten Dichters Cas par Butz »var einige Stunden vor der r Fcuersbruttft, in ihrem Hause in Nord-La- Salle-Ctraßc nicdergekommen. So unser muthet und fürchterlich schnell griffen die l- Flammen in Nord La Sallestr. um sich, n daß Frau Butz mit knapper Noth in ein d entfernteres Haus gebracht werden konnte. Auch auS diesem und dann noch au- einem dritten Hause mußte sie beim Heranrasen der Flammen entfernt werden. (Der alte Schulfreund des Hrn. Butz, Hr. Louis Asbeck dahier, erhielt obige Nach 7 richt von Chicago, und durch dortige Blät p ter wird sie bestätigt.) Eine andere Frau in Chicago gebar ge r rade in dem Momente, als die Flammen E ihr Haus ergriffen. Aus der wiedererftandencn „Illinois r Staatszeitung." t Eine authentische Schilderung ve? Worte LcS Muttzrs. Ihr erstes Blatt nach Lern Brande brachte 5 die Illinois Staatözeitung schon am Mitt woch, 11. Oktober, also kaum zwei Tage S nach gänzlicher Niederbrennung ihres Etablissements heraus. Es heißt darin: „Heimathlvs, obdachlos, innerhalb weni e ger Stunden all' ihrer Habe beraubt und nicht wissend, wo sie in der nächsten Zeit ihr Haupt hinlegen sollen, finden r teure und Schriftsetzer der Illinois Staats z zeitung zusammen, um den Lesern wenig stens ein Lebenszeichen von sich zu geben. Nur Lurch die Frenndlichkcit »lttserer Colle gen voin „Hcrolv" in Milwaukee sind »vir dazu in den Stand gesetzt, denn von dem r Material und den Pressen der StaatSzet tung ist jede Spur verschwunden. „Von den Schrecknissen eine Schilderung l zu geben, welche nur im Entferntesten der namenlos entsetzlichen Wirklichkeit gerecht würde, ist unmöglich. Tausende unserer Leser, die noch vorgestern wohlhabend »va rcn und heute Bettler sind, haben Liese Schrecknisse selbst durchgcmacht und »rissen, daß keine Feder in» Stande ist, das Unge heure zu schildern. Die Tausende und Zehntausende von Männern, Frauen und Kinder»», welche die letzte Schrcckensnacht im heulenden Westwinde und im strömenden Regen auf der kahlen Prairie zubringcn »nutzten, noch glücklich, wenn sie ein paar Fetzen Teppichs oder einen Tisch gerettet hatten, unter welchem sie sich zusammen kauern konnten, die anderen Tausende, welche heute am Grabe aller ihrer Hoff nungen und Errungenschaften stehen: diese Alle werden bis zu ihrer»» Tode das Schreckensbild einer Verwüstung, welche die Phantasien vorn jüngsten Tage vcnvirklicht hat, mit glühenden Farben in ihr Gedächt mß eingcprägt behalten. „Daß die Feucrsbrunst au» Sonntag Abend halb 10 Uhr an der Ecke von 12. und De Koven-Straße ausbrach (nach anderen Angaben durch das Umstoßen einer Oel- Lampe veranlaßt); daß sie sich, von einem orkanartigen Südwcstwinde «»»gefacht, ost wärts und nordostwärts an Iesserson- und Elintonstr. eine Meile lang ausbrcitete, um Mitternacht nach der Südseite übersprang, Liese bis zur Harrisonstr. hinab vollständig verwüstete, um 3 Uhr Montag Morgens sich nach der Nordscitc verbreitete und diese auf eine Strecke von 4 Meilen zerstörte, das Alles wissen unsere Leser längst. „Alle Gebäude, welche den Stolz von Chicago bildeten, sind heute uur noch form lose Schutthaufru oder ausgebrannte leere Hülse»». So das Postgebäude und das Cvurthaus, deren Wände noch stehen, wäh rend sie in» Inneren vollkommen vernichtet sind; das Shermanhaus, das TremonthauS, das Opernhaus, die Börse, alle Theater, das noch unvollendete Pacific Hotel, das Palmerhouse, alle Bauten, alle Zeitungen, die Wasserwerke, sechs große Getreidespeicher mit Millionen von Busheln Getreide; Alles, Alles liegt in Schutt und Asche. „Die Nsrdscite, Lee vorzugsweise deutsche Stadttheil ist vernichtet. Bis gegen Mittag konnte man glauben, daß der Südwcstwind das Feuer nordostwärts hinter Huck's Älauerei in den See treiben werde; —da plötzUch wendete sich der Wind »»ach Norden und min wurden mit reißender Schnelligkeit alle Straßen bis zum alten Friedhof, ain Lincolnpark entlang und »veit darüber hin aus, bis zur Stadtgreuze, eingeaschcrt. „Der ganze Flächenraum, über welchen sich die Feuersbrunst erstreckt hat, ist über 2000 Acres, oder 3 Ouadratmciten. Keine menschliche Einbildungskraft ist im Stande, sich ein Bild von der Verwüstung zu mache»», ttnd »ver sie sieht, »nutz seinen Kopf sehr in der Gewalt haben, um nicht geradezu wahn sinnig zu werde»». Viele Hunderte von Menschen werden ohne Zweifel an d.n Fol gen der entsetzlichen Aufregung, ganz abge sehen von den durch Hunger, Durst und Kälte bewirkten Leiden, sterben. „Hunderte sind bereits durch das Feuer getödtet »vorder»:—auf einem Flächenraum von wenigen Hänsergevrerten in Chicago Avenue will inan 19 Leichname gezählt haben. „Bei alle dem »vird Jedem, welcher die Schreckenspcin mit erlebt hat, unvergeßlich bleiben die heldenmuthige Ruhe, der uner schütterliche Gleichmuth, um nicht zu sagen, die GemiUhohciterkeit, womit fast alle vom Unglück Betroffenen ihr herbes Schicksal tragen. Etwas Derartiges ist in der Welt noch nie gesehen worden. Am Montag Morgen war es trotz des großen Gedränges von fliehenden Menschen und beladenen Fuhrwerken positiv stiller, ruhiger, ordent licher, als an gewöhnlichen Geschäftstagen. „Fast lautlos drängten und schoben sich die Fliehenden nordwärts, noch stets bereit, ein Wort der Entschuldigung zu sagen, wenn sie sich zufällig an einander stießen, oder in ruhigem Tone ein Paar ernste Worte auszulauscheu. Auch draußen aus den Prairien, wo Tausende von Familien sich unter freiein Himmel zusammenkauerten, hörte man keine Jammerruse, kein Wche geschrci, Jeder ging jedem Andern hüls reich zur Hand keinerlei Unordnung, kein Zank und Streit karn vor;—das große Un glück, welches Reiche und Arme gleich machte, schien sie auch mcuschlich einander näher zu klinge»». In keinem Lande der Welt tonnte ein solches Schauspiel erlebt werden. „Und heute! Schon am Morgen, wäh rend noch immer die ungeheuren Haufen brennender Steinkohlen den noch übrig ge bliebenen Südthcil der Stadt mit Vernich tung bevrohen, entwickelt sich an der Canal- Street ein regeres Leben, als es je auf State-Street oder Clark Street gesehen worden ist. „Die öffentlichen Behörden und die Handelskammer haben sich organtstrt. Die Vertheilung von Leberts,ntttetn an die Ab gebrannten hat begonnen. Fuhrwerke mit Wasserfässern fahren durch die Straßen. An einzelnen Stellen hat man schon mit der Wegränmung des heißen Schuttes au gefangen. e „In einigen noch ganz kahlen Läden sitzen die Redakteure der englischen Zeitun gen; an der Nordost-Ecke von Canal- und Madisonstraße an einigen runden Tischen im Erdgeschoß daS Personal der beiden r deutschen Morgenzeitungcn—fast ohne Aus nahme Abgebrannte, die wenig mehr als die Kleider auf dem Leibe retteten und treffen Zurüstungcn zum Wiedercrscheiurn der bis auf Nichts zerstörten Blätter. „Wo ein solcher Geist herrscht, da darf man in dieser schweren Leidensstunde wohl der Hoffnung Raun» geben, daß, wenn auch erst in Jahren, Chicago sich wieder zu seiner früheren Größe emporarbciten wird. Es z wird eine Titane,»arbcit sein, aber sic wird gelingen. Chicago »vird mit dem Wahl spruch Z»v«.! up" wie ein Pböni» aus der Asche »vieder emporsteigcn." In diesem ersten Blatte nach Leu» Brande sagte die Jll. Ctsztg. noch: „Bis wann wir im Stande sein werden, das Blatt, wenn auch in kleinerem Formale, reget,nä ßig wieder herauszugebcn, können »vir nicht sagen. In Zeiten, »vie diese, hört jede Möglichkeit einer geschäftlichen Berechnung auf." Aber wenige Tage darauf gelang es ihr, wieder regelmäßig zu erscheinen. r Der kirchlich-politische Kampf in Baie.n. Das Ministerium Hegnenberg-Dux läßt sich durch die Bureauwahlcn der zrveiten Kammer, die irn Sinne des Pfaffenthums c ausfielen, nicht beirren, sondern der Cult minister Lutz hat in der zweiten Kammer nun mehr Folgendes erklärt: Der Staat habe jeder Zeit das Recht, Aenderungen in seinen Gesetzen über die Kirche vorzunehmen. Da die Kirche ihre k Principien geändert habe und da- ttnfehl barkeits Dogma dem Statte gefährlich sei, so habe sich die königliche Regierung ent r schloffen, alle diejenigen Staatsbürger, wel che die Unfehlbarkeit des Papstes nicht als Glaubensartikel anzuerkennen vermögen, zu beschützen. In den Augen der Negie rung seien diese Personen immer noch Ka tholiken. Ferner »verde die Staatsregie l rung jedcmEingrifse der Kirche in die Grund l sätze und Bestimmungen der StaatSvcrfas sung entgegentretcn. Gänzliche Trennung von Staat und Kirche sei der Endzweck de? Königs und seiner Negierung. Wenn jetzt die bairische Regierung dieser Erklärung des Hrn Lutz gemäß handelt, so muß sie namentlich auch positiv gegen sämmt liche baierische Bischöfe einschreiten, die das in der Verfassung vcrgeschriebene Kö- nigliche Placet umgangen und verhöhnt ha den. Und jede,»falls ist der schwere Eon r flict zwischen Regierung und zweiter Kam »ner unvermeidlich. Dieser Conflict muß zur Auflösung der i zweiten Kammer und zur Neuwahl führen. Auf letztere rüsten sich bereits die Parteien. Nm die »nächtige Wirkung des Altkatho likencongresseS womöglich zu paralysiren, hielt die ultramontane Partei gleichzeitig i»k Deggendorf an der Donau (Nicderbaiern) die Generalversammlung des „baicrischenpa tri»tischen(ultramontanen)Bauernvrreins." Ueber diese niedliche Versammlung wird ans Baiern geschrieben: „Leider Bauernversammlung in Deggen dorf waren die Haupthähne der ultramon tanen Partei gegenwärtig, wobei sich der dienstthuende Polizeicommissär cinmischte, und die Versammlung schloß, da einige Frauen eingetreten waren, welchen nach dein baierischen VcreinSgesetze der Zutritt zu po litischen Versammlungen versagt ist. „Die von der Versammlung angenomme nen Resolutionen weisen „jeden Eingriff ei ner weltlichen Gewalt in das Gebiet des Gewissens und Glaubens" entschieden zurück und fordern „die Hcilighaltung des vertrags mäßigen Rechts", verlangen Aufrechthal tung LeS Zusammenhangs der Schulen mit der Kirche, Wahrung des religiösen Cha rakters der Ehe und des hierfür geltenden Rechtes, sprechen sich „gegen alle Versuche au-, die dahin zielen, den christlichen Cha rakter der Staaten zu verwischen", und wie derholen endlich eine im Vorjahre beschlossene Erklärung zu Gunsten der weltlichen Herr schaft des Papstes. „Diese katholischen Bauernvereine, zum I Zwecke politischer Agitation von einem Land baron v. Hafcnbrävl organtstrt, haben, seit den Leuten auf dem platten Larrde und in den kleinen Städten durch das Liebäugeln der sie leitenden Ultramontanen mit den Franzosen, die Schuppen von den Augen fielen, nicht mehr so recht ziehen wollen, und ihr Gründer, gemeiniglich der „Bauernfän ger" genannt, hat cs daher auch seit jener Zeit unterlassen, sie wieder in Bewegung zu setzen. Auch diesmal wollte die Ma schine nicht in Gang kommen, denn was sind circa 300 Bauern, Land-Geistliche und Lanvtagsabgeordnete gegen den wimmelnden Andrang von früher." Erklärung des früheren württcrnlicrgi schen Premier. Nachdem wir den Brief des früheren französischen Gesandten in Stuttgart mit gethetlt hatten, ist es unsere Pflicht, auch die vorläufige Antwort des Hrn. v. Varn bülec den L.sern des Wecker vorzulcgen; sie lautet: Hemmingen 22. Sept. 1871. In öffentlichen Blättern ist von den, französischen Gesandten am württembcrgi schen Hofe, Grafen von St. Ballier, in Aussicht gestellt worden, er werde darthun, daß es im Jahre 1870 ein Leichtes gewesen wäre, die süddeutschen Staaten von der Sache Deutschland's zu trennen. Ich habe abzuwarten, ob Graf St. Lallicr dieser seiner Absicht Folge gibt, um zutreffenden Falls »nit einer authentischen Darstellung der dem Kriege vorangcgangenen Verhand lungen zu antworten. Gegenüber der an geblichen Depesche LeS Grafen St. Vallier vom 22. Juli 1870 (der Pariser „Figaro" hatte dieselbe an s Licht gezogen) sehe ich mich genöthigt, zu erklären: Es ist nicht »vahr, daß die württembergischc Negierung gezaudert hat, Partei gegen Frankreich zu ergreifen, und nichts berechtigt zu der An »»ahme, daß sie sich für Neutralität entschie den haben würde; eS ist nicht »vahr, daß die württembergische Regierung von der baieri schen in die preußische Allianz fortgerissen worden ist; rS ist nicht wahr, daß mein Verhalten durch dasjenige des Grafen Bray bestimmt worden ist. Die württembergt sehe Regierung war keilten Augenblick im Zweifel, im Falle des Krieges sich an dem selben gegen Frankreich zu bctheiltgen. Ich habe dies bekanntlich schon am 13. Juli dein französischen Gesandten unumwunden ausgesprochen. Frhr. v. Varnbühler, Staatsminister a. D. Krin dcutscher Krönung-- H umbu g. Die Andeutungen, welche ein Berliner Blatt kürzlich über erneuerte Erwägungen in Betreff einer Krönung-- feicrltchkeit gemacht, sind, wie die „Kreuz zeitung" versichert, völlig grundlos. alte Wilhelm ist jetzt zu vernünftig, um einen solchen mittelalterlichen Spuk auszusühren. Ncber de n Ka m p f d er De ut schen in Oe streich bemerkt die Köln. Ztg.: Zn Ocstreich fahren dir Deutschen fort, sich ausS lebhafteste gegen das böhmische Staat-recht zu sträuben, das vom Ministe rium Hohenwart wieder eingrsührt werden soll. ES liegt auf der Hand, daß es nicht bloß die Deutschen in Böhmen sind, die unter dem neuen VerfassungS-Experimente zu leiden habe»,, sondern daß die wenigsten für Cisleithanien geltende Einheit der Ver fassung, »venu das Ministerium Hohenwart sich behaupten sollte, hittweggeschwcmmt werden »vird, um dein Föderalismus Platz zu machen. Die Sprache der deutschen Blätter ist sehr heftig, und die stärkste RcchtSverwahrung ist vom niedervstreichi- sehen LanLtage fast einstimmig angenommen, l während die Proteste des kärnthner und schlesischen Landtags kaum minder nach brücklich zu nennen sind. Das Ministe rium greift zu beschränkenden Maßregeln, währeud seine Freunde schon geradezu mit dem Säbel nnd den slawischen Rcgimentern drohen. Man erlebt eigenthümliche Dinge. In Wien werden von der Theater-Censur l in einen» Bauernsrld'schen Lustspiele die Worte: „Wien ist eine deutsche Stadt!" gestrichen, und in Troppau darf nicht mehr gesagt werden: „Ein deutscher Himmel ist's, der uns besonnt". Wir in Deutsch land könncu nicht zweifelhaft sein, ans wes- sen Seite unsere Syinpathien stehen. Selbst wenn die Deutschen nicht unsere Landsleute wären, so brauchten »vir uns nur deren Gegner anzusehen, unter denen die Ultra- montanen die Hauptrolle spielen. Und diesen ist cs um Beseitigung der liberalen z Gesetzgebung zu thun. Üehrigenö erstreckt sich die altkatholische Bewegung auch auf Ocstreich und der Gemeindcrath von Wien wird über ein Gesuch, den Altkatholiken eine Kirche einzuräumcn, demnächst zu be schließen habe»». De» Wirrwarr nimmt in Ocstreich dermaßen zu, daß Gerüchte auf tauchen, Kaiser Franz Joseph bcababsich tige zu Gunsten seines Sohne« Rudolph abzudaukcn, und in den östreichischcn Blät tcrn offen besprochen werden. So »veit dürfte es .noch nicht sein. Ueber Louis Napoleo'nS jetzige Umtriebe in F r a n k'- reich schreibt man von Paris an die „Köln. Zeitung: „Die Bonapartisten werden fortfahren, Volk und Armee zu bearbeiten; man wird Republik und National-Versammlung im Bunde mit allen unzufriedenen Elementen in Verruf zu bringen und zu diScreditiren trachtcu aber man »vird sich hüten, sich durch irgend ein Wagestück r, ll» Uoulogve nutzlos zu cvnipromittiren. Man »vird dabei wohl thun, sich der Taktik zu erinnern, welche Louis Napoleon einst ein Jahr lang vor dem Staatsstreiche befolgte und die auf das tiefste Verständniß der Fabel vom Wolf und den» Schäfer begründet war. Danials ließ der Prinz-Präsident durch alle Canäle, die ihm zu Gebote standen, seine Absicht aussprengen, er werde einen Staatsstreich aussühren. Er that dies so lange, bis das Publikum sich an die Gerüchte aewöhnt hatte und dcusclbcn, »veil der so oft ange kündigte Akt sich noch immer nicht zeigen wollte, endlich weder Glauben noch auch nur Beachtung mehr schenkte. Als dann der reiflich erwogene Plan dennoch vollzogen wurde, war Jedermann überrascht, denn Niemand hatte mehr eine ernsthafte Gefahr vermuthet. Aehnlich, scheint es, will man jetzt operiren, und da in diesen» Augenblicke noch absolut alle Elemente fehlen, eine bo napartistische Restauration zu versuchen, läßt man gerade davon sprechen, um die politische Welt »nit diesem Gedanken ver traut zu machen und durch die Ausmalung der drohenden, aber Monate lang ausblei bcnden Gefahr schließlich die Geister abzu stumpfen. Las Manöver ist schon einmal geglückt, Grund genug daher, es nochmals zu versuchen. Der Orden Regen in Stutt gart. Bei Gelegenheit seiner silbernen Hochzeit ließ der Schwabcnkönia eine Menge Orden regnen. Allgemeinen Beifall findet die Drkorirung des Hotelier Marquardt und LeS Bierbrauers P. Kolb, die während des Krieges durch Verpflegung der durchzie henden Truppen, Gefangenen und Verwun deten ein bleibendes Verdienst erwvrben haben. Der französische Waffen sch »vindel. Die Pariser Debals bringt unglaubliche Dinge aus dein Berichte Riant'S über die Waffenankäufe der Ver theidigungs Negierung. Die Bewaff uungS Commission und das Krieg-ministe, rium machten sich Conkurrenz und überbotcn sich. Wenn die Commission noch leidlich billig in England cinkauft, so läßt sich wäh rcnd dem das Kriegsministerium nnt allen möglichen zweideutigen Persönl ichkeiten cin, welche ihrn entweder dieselbe Waare oder gar das bei der Ablieferung als unbrauch bar ausgeschlossene doppelt und dreifach so hoch anreLncn. So hat ein Spekulant dem Ministerium Gewehre für 60 Francs verkauft, welche die Commisston anfangs für 12—45 und dann für 50 Francs beschafft hatte; cs waren Percussions Gcwchre. Derselbe Spekulant verkaufte dein Ministe, rium Patronen 180 Francs das 1000 (meh rere Millionen!), »reiche die Commission für 100 Frs. beschafft hatte. Ein Fabrikant bot Patronen für 90 FrS. an: das Ministe, riuu» zahlt für dieselben an anrüchige Ver mittler 190 Francs. Ein anderer Vermitt ler gewinnt an einem Geschäft von 525,000 Francs nicht mehr als 220,000 Frs. Auf. geschossene Patronen, welche ein Unterhänd ler zu l25 Francs hatte «»»bringen wollen, gehen in eine gewandtere Hand über; diese weiß sie zu 180 Francs durchzubriugen. Diese Anklagen, wenn man wirklich B elege dafür hat und auf Erzählungen hin dürfen doch »vvhl keine Cornmissionsbcrichte abge faßt werden, sind allerdings schlimm und wäre eine strenge Bestrafung gewiß au» Platze, allem cs wird schwer halten, die eigentlich Schuldigen hcrauSzusuchen. D er Entwaffnung der fran zösisch cn Nationalgar de »vird in »nanchcn Departements ein Nachspiel »nit Hausdurchsuchungen und obligaten Bestra fungen folgen. Die Zahl der abgelieferten Gewehre stimmt nämlich in den meisten Orten nich) mit der Zahl der auSgefolgten; so wurden z. B. in Eticnne von den »väh rcnd des Krieges vertheilten 1-1,000 Geweh rcn nur 11,000 abgcliefcrt. In den grö ßcrcn und volkreicheren Städten dürste diese Differenz noch stärker sein. tt n g e r e ch t c A n g a b e gegen d Aufseher der Iail Chiia j Dieser Mann, der Deutsche Bolz, ist persönlich als umsichlig und muthig bekar Der Angabe, daß er entflohen sei, als Flammen das Courthouse ergriffen, o die Insassen zu befreien, u. daß diese säm lich umgrkommkn seien, wird jetzt osfiz widersprochen. Es waren 113 Arrestan in den» unter den, Gericht-Haus brfindlic Gcfängniß. Die wenig Gravirtcn ließ»» «ach Ausbruch des Feuers frei, und die! deren, darunter mehrere Mörder, bra inan nach dem Stalionöhause der Westsc Weiteres überdieschrecklicb Brände in Wisconsin. Von N »vaukre »vird am 15. Okt. gemeldet: Die Anzahl der in Ler Nähe von Pisht u>,»gekommenen Menschen ist 1W0, und den vielen Verletzten werden l5 Procent mehr wieder sich erholen. Ein Mitglied des Unterstützung- Cvmi das von Mtlwaukce mit Vorrärhen ab scndet worden »var, sagt daß die einzi. Geretteten Diejenigen sind, die so glück waren das Wasser zu erreichen. Sir w sen sich »n die Mühiteiche und klammer sich an die darin schwimmenden Hvlzblöck Viele aber ertranken, »veil sie von r» gervo.denen Pferden- und Stieren, die das ü'asser hineinrannten, von den Blöc herabgeworfen wurden. Die Bevölkerung von Pishtego belief s auf 4000 u. in jener furchtbaren Nacht) Feuerobrunst ist der dritte Thcil derftlt »»»»gekommen. Berichte vvmOstufer der Green Bay gel den Verlust an Menschenleben gerade so h wie in Pishtego an. Der Mayor von A waukee hat einen Aufruf an das Volk! Landes zur Unterstützung der Hülflosen lassen. NrrmisihlcS siehe 4. Sette. l/erlmiizl unk gejucht. Verlangt r Gute Ichnrider fiir RSite und Arvrlicr si»r Ho Ärnrri Lvuucborn, (duiii) No. L!>7 Bliltiuivlt>lr., »rckc von eliicm Verlangt: 2 Ichu-machtr aus Hrrrenarlirlt. Nach»u!ragkii Müllcr» »l«> Wrsi LaMmort Äcr. ei,» Vktlangt: Zwei lüchi'ftr Klcinyncr. 8» cs1ror.cn No. Ton Avc. Uci H. Hrnnirs. m Verlangt: Ein auUr Bnrbicr Gchülic in No. 7hnmk»i»r E. Lchiinps. <>i,o Verlangt: Eü wird cin Ä'ückcr vcrlansit als rrstc Hand in No. Monument Eir. Nur ei» guttr dar» »ich mclvcn. ckigeo Hau» mir Slibcllgem H tergedäube, O bei 8s« (.Grundrente k»>, ist bei >i ralen lHedingungc» t>i verkamen. Nachzusiagen S 218 Lcoit Grr. samod Eouuter zu verkaufen r Ein IV langer Eonnrertisch mit Nnssdaumpia Ist billig tu verlausen. Nühcrc» i» der L-lftce d«. 2-t Zu verkaufen r »ÄN« Dcmijohii«. 2UU Träte» >-oiilr; aller Lo ten, LUN L ahtorve und 4V Listen Pjciieiuhou per Lch «Ferdinand.» G. A. Stikleuö Co., (j»ni20—.»ml) II Lüd EhaNrs «tr. Zu vcrmietkeu: Ein ircundlich« Laai. 20 bei de« Kuss, mit Ncden»m mer, der sich besonders <ür einen Gesangverein oder io ftigc >riersai»i»lu»gkn eignet, ist vci dem U»le>te!chne» beim »»ahr oder Abend zn vcrmierhen. 0. K. Wagner, samobi 17 L-vlvetty LU. 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Eol'tt, tillmr ——G.i,.- Llg.nl. Die „NorLb Amcricatt" gegenseitige Lebens Bersiäieruuqs C esells» st Phil.. Pa. General Ägknt. 74! West-Baltimoreftr. Sprogcl'S Patent 871M 8VMI. (Patentirter steinerer Ueber. Larg.) Hieinil osseriren wir dem Pudliknm eine neue Erft». du»g. durch welche der Targ und sein Hnha't iür immer lust- und wasserdicht elnaeschlossc» wird; ist somit iü> «cerbigungkn in nassem Grunde all.» andern M-ihnden in jeder Vcj,.l»,»g üderlege», »m so mehr, als Ihr Pruo den eines.-zlegeislemgrad.» nicht Üdersicig!. Bestellungen werden bei allen Begradnissanlernci'inern (bei denen Modelle ausgestellt sind) und bei den kanten angenommen. Froehlina d» Borae, j se>»02—»mt Bel«!» Avenue, nahe Ball», oemeicrv.